Nürnberg/Fürth/Erlangen:
Robert Kurz, die Gruppe Marxisten-Leninisten in Nürnberg/Fürth/Erlangen, die Initiative Marxistische Kritik (IMK), die Zeitschriften „Diskussionsbeiträge”, „Neue Strömung. Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik” und „Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“ sowie die gleichnamigen Verlage

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, September 2014

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Im Januar 1978 veröffentlicht Robert Kurz das Buch: „Vorhut oder Nachtrab. Eine Kritik der politischen Dekadenz in der marxistisch-leninistischen Bewegung am Beispiel des ‚Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschland’ (KABD)”. Darin bricht er u. a. mit KABD/RJVD, denen er eine Zeitlang angehörte und zusammen mit G. Jacob 1976 wegen „Liquidatorentums“ ausgeschlossen wurde. Sein Text befasst sich „hauptsächlich mit der Ideologie und Politik des KABD“. Der KABD sei aktuell „nach außen hoffnungslos zur versteinerten Sekte degeneriert … dies gilt im gleichen Maße für die innere Struktur“. Aufgerufen wird „zu einer umfassenden historisch-materialistischen Analyse der marxistisch-leninistischen Bewegung …, die sich nicht mehr hauptsächlich auf die Gegenüberstellung der Klassiker-Texte und Politik dieses oder jenes Zirkels beschränkt, sondern die Fehler der Bewegung aus ihrer wirklichen Geschichte ableitet“. (Robert Kurz: Vorhut oder Nachtrab, S. 1ff.; vgl. Januar 1978).

Im November 1978 erscheint dann unter wesentlicher Federführung von Robert Kurz die erste Ausgabe eines Zirkulars unter dem Titel: „Diskussionsbeiträge“. Es wird von einer „Gruppe Marxisten-Leninisten in Nürnberg/Fürth/Erlagen“, der Kurz angehörte, herausgegeben. Die Nummer 2 datiert vom Januar 1979, eine dritte (und letzte) Nummer erschien vermutlich im Sommer oder Herbst 1979 (vgl. November 1978; Januar 1979; Juni 1979).

Die „Diskussionsbeiträge“ werden von der „Neuen Strömung. Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik“ abgelöst. Die erste Ausgabe erscheint im Frühjahr 1980. Sie soll „überleiten zu einer offensiveren publizistischen Tätigkeit, die angesichts der Zersetzungs- und Umgruppierungsprozesse der ml-Bewegung und gegenüber den Auffassungen der angeblichen ‚Neuen Hauptseite Theorie‘ geboten scheint“. In der Zeitschrift wird vor allem gegen die Gelsenkirchener NHT polemisiert. Die „Neue Strömung“ erscheint im gleichnamigen Verlag, der im Januar 1980 von der Gruppe Marxisten-Leninisten in Nürnberg/Fürth/Erlagen gegründet wurde. In der ersten Ausgabe wird allerdings auf den alten Gruppennamen Bezug genommen. Von der Zeitschrift erscheinen nur vier Ausgaben, die letzte Mitte 1981.

In der Nummer 4 wird die weitere Entwicklung der Gruppe sowie die Position zu den Resten der ml-Bewegung deutlich: „Die m-l-Opposition bzw. deren Reste sind … für uns ebenso wenig als Adressat gestorben wie sich die grundsätzlichen ‚Themenstellungen‘ ändern. Mit kritischen und zum Marxismus tendierenden Elementen innerhalb der ‚neuen Jugendbewegung‘ sehen wir aber einen neuen Adressaten heranreifen.“ (vgl. Februar 1980; Mai 1980; November 1980; Juni 1981).

Erst im März 1986 folgt auf die Zeitschrift „Neue Strömung“ die „Marxistische Kritik - Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“. In der ersten Nummer heißt es: „In gewisser Hinsicht ist die ‚Marxistische Kritik‘ ein Folgeprodukt der vor einigen Jahren eingestellten Zeitschrift ‚Neue Strömung‘. Die gleichnamige Gruppe bildet heute aber nur noch einen Teil des neuen Trägerkreises, der sich aus Personen und Gruppen mit revolutionär-marxistischer Position, aber unterschiedlicher politischer Herkunft und ideologischer Sozialisationsgeschichte zusammensetzt … Die ‚Neue Strömung‘ war noch ganz ein Produkt der Auseinandersetzung innerhalb der sich auflösenden K-Gruppen-Bewegung … Nach mehr als zweijähriger Seminararbeit sehen wir nun den Zeitpunkt als gekommen an, auf einer neuen Ebene in dem uns möglichen Maßstab publizistisch in die öffentliche Diskussion der Linken einzugreifen.“

Die neue Gruppe und Herausgeberin der MK nennt sich „Initiative Marxistische Kritik“ (IMK). Über den „Verlag Marxistische Kritik“ kann auch der „IMK-Rundbrief“ bezogen werden. Die ersten Ausgaben erscheinen wohl im August 1989, möglicherweise aber noch früher. Die IMK „versteht sich als Diskussionszusammenhang … Der Rundbrief ist Forum für interne Diskussion und Kritik und dient dem Austausch von Informationen über laufende Projekte, Arbeitskreise etc.“ Die „IMK‘“ veranstaltet „Seminare und Arbeitskreise“. Zudem gibt sie einen "Infodienst“ heraus, der wohl ab Februar 1989 erscheint. (MK 1/86, S. 5; MK 7/1989, S. 159; vgl. März 1986 bis August 1989).

Von der Zeitschrift "Marxistische Kritik" erscheinen bis August 1989 sieben Nummern. Danach wird sie von der im Dezember 1990 publizierten Nummer 8/9 der Zeitschrift „Krisis. Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft“ abgelöst.

Dazu wird erklärt: „Und in der Tat, die Koinzidenz zwischen der durch den realsozialistischen Kollaps ausgelösten Massendesertion vom alten marxistischen Banner und unserer Umbenennung ist wenig glücklich. Dies ändert aber nichts daran, dass die Logik unserer eigenen theoretischen Entwicklung uns längst zu einem Punkt geführt hat, an dem die Beibehaltung des Wörtchens ‚marxistisch‘ als Selbstcharakterisierung vollkommen irreführend geworden ist; mit dem Gedanken einer Namensänderung schlagen wir uns mittlerweile schon gut 2 Jahre herum. Wir haben ja schon früher mehrfach darauf hingewiesen, dass unser Versuch, die revolutionäre Sprengkraft der Marxschen Theorie herauszuarbeiten, gerade die radikale Kritik des ‚Marxismus‘ einschließt.

Unsere Abgrenzung begnügt sich nicht damit, die eine oder andere Spielform des Marxismus als unzureichend zu verwerfen. Mit unserem Versuch, eine Kritik der modernen bürgerlichen Gesellschaft auf der Höhe der Zeit zu formulieren, haben wir uns vielmehr inzwischen aus dem überlieferten marxistischen Denkuniversum in toto hinauskatapultiert. Gerade weil wir den von Marx mit der Analyse des Warenfetischs geknüpften roten Faden weiterspinnen wollen, müssen wir die Färbung beseitigen, die die Kritik der politischen Ökonomie in der Rezeptionsgeschichte erhalten hat. Da wir uns längst nicht mehr unter dem ‚Banner des Marxismus‘ vorankämpfen, sondern diesen einstigen Prachtbau ziemlich gründlich in die Luft gejagt haben (der vorerst letzte Höhepunkt war wohl der Artikel ‚Der Klassenkampffetisch‘ in der ‚MK‘ 7), wäre es ein reines Verwirrspiel, uns weiterhin an einem historisch gewordenen Namen festzuklammern. Wenn unsere neue Titelgebung vor dem Hintergrund der akuten ideologischen Verwerfungen Missverständnisse erzeugen kann, so ziehen wir es noch vor, wegen der Änderung in einen absurden Wendehalsverdacht zu geraten, als die Rolle der letzten Mohikaner einzunehmen, die nach wie vor in Treu und Redlichkeit zum alten Marxismus stehen. Dass mit der Namensänderung kein inhaltlicher Bruch verbunden ist, sondern die ‚KRISIS‘ den wertkritischen Ansatz weiterverfolgt, wollen wir durch das Fortschreiben der Nummerierung deutlich machen.“

Wir dokumentieren die Entwicklung von Anfang 1978 bis August 1989 mittels Datensätzen aus unserer Chronik/Datenbank, diversen Titelblättern und Vorworten der entsprechenden Zeitschriften.

Nachbemerkung: Jahre später spaltete sich die Krisis-Gruppe. Ein Teil gab weiterhin die Zeitschrift "Krisis" heraus, ein anderer Teil, dem u. a. Robert Kurz angehörte, publizierte ab September 2004 die Zeitschrift „Exit. Krise und Kritik der Warengesellschaft“.

Weitere Infos:

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

29.05.1977:
Die KGB/E und der KAB Kassel laden zur "ML-Zirkelkonferenz am 16./17. Juni 1979 in Bochum" ein. U.a. haben ihre Teilnahme verbindlich zugesagt:
- KGB/E,
- KAB-Kassel,
- Komitee für Demokratie und Sozialismus (Aachen),
- Marxistisch-Leninistischer Schulungskreis (Berlin),
- AKV (Düsseldorf),
- Gruppe Klöppinger (Frankfurt),
- Redaktion der 'Aufsätze zur Diskussion' (AzD),
- Kreis Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten,
- Gruppe Andreas Lißner (Hannover),
- Gruppe Maier (ehemals KABD-Karlsruhe),
- Gruppe Herausforderung (Kiel),
- Initiative für eine KG Mainz (Mainz),
- ML-Zirkel Neu Isenburg,
- KAG (Osnabrück),
- Gruppe Ratinger Kommunisten.

Unklar sei die Anwesenheit folgender Gruppen auf der Konferenz:
- Liebknecht-Vereinigung (Berlin),
- Gruppe H. Westrup (Bielefeld),
- Kommunistische Gruppe Bonn (Bonn),
- Gruppe Klassenkampf (Duisburg),
- Gruppe ehemaliger KBWler (Frankfurt),
- Komitees für Demokratie und Sozialismus (Mannheim),
- Erobert die Theorie (München),
- Gruppe fränkischer Kommunisten (Nürnberg),
- ML-Zirkel Walldorf.

Ausdrückliche Absagen, an der Konferenz teilzunehmen, erhielten die Einlader bisher von:
- Gruppe R. Kurz (Fürth),
- Kommunistische Gruppe München (KGM).
Quelle: KGB/E und KABK: Einladungsschreiben an die Teilnehmer der ML-Zirkelkonferenz am 16./17. Juni 1979 in Bochum, Bochum 1979.

Januar 1978:
Von Robert Kurz (24. Dezember 1943 - 18. Juli 2012) herausgegeben, erscheint in Fürth im Selbstverlag 1978 mit einer Vorbemerkung, die auf den November 1977 datiert, die Schrift: „Vorhut oder Nachtrab. Eine Kritik der politischen Dekadenz der marxistisch-leninistischen Bewegung am Beispiel des 'Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschland' (KABD).”

In der Vorbemerkung wird u. a. ausgeführt: „Mit dieser Broschüre wende ich mich als ehemaliger Funktionär des ‚Revolutionären Jugendverbandes Deutschlands‘ (RJVD) an alle ehrlichen und denkenden Genossen innerhalb und außerhalb des ‚Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands‘ (KABD) und seiner Massenorganisationen RJVD und KSG (Kommunistische Studentengruppen), ebenso aber auch an die Genossen anderer revolutionärer Organisationen und an alle lesenden, klassenbewussten Arbeiter. Wie die meisten Genossen, die in einem solchen Zirkel in den vergangenen Jahren politisch gearbeitet, haben, war auch ich lange Zeit von der absoluten Richtigkeit der ‚Linie‘ dieses Zirkels überzeugt. Wie viele ‚alte‘ Genossen stand auch ich in den vergangenen beiden Jahren zunächst hilflos vor der zunehmenden Welle von Austritten, inneren Auseinandersetzungen und schließlich Abspaltungen, deren ‚offizielle‘ Erklärung und politische Bestimmung durch das eigentliche Führungsorgan des KABD, die sogenannte ‚Zentrale Kontrollkommission‘, von Anfang an äußerst dünn und oberflächlich war … Und in der Tat schienen ja auch Zirkel wie der KABD im Kampf gegen den modernen Revisionismus und im praktischen Bemühen um den Neuaufbau einer kommunistischen Partei ursprünglich Positives geleistet zu haben. Aber es handelte sich eben stets nur um Teilfragen, Teilbereiche des Marxismus und einzelne Seiten seiner Anwendung, nicht aber um das Ausarbeiten einer einheitlichen und umfassenden Linie für den Aufbau der kommunistischen Partei. Mehr noch: Ohne den geringsten ernstzunehmenden Versuch einer Abrechnung mit der untergegangenen 3. Internationale, einer Analyse des Niedergangs und der Verfaulung der meisten ihrer Parteien, blieb man bei der mehr oder weniger moralischen Kategorie des ‚Verrats‘ stehen, um diese folgenschwerste Entartung in der internationalen Arbeiterbewegung seit dem Zusammenbruch der 2. Internationale politisch zu verarbeiten. Statt einer kritischen Analyse der Fehlentwicklung in der Komintern (die bisher hauptsächlich von bürgerlichen Autoren auf bürgerliche Weise versucht wurde) zog man es vor, kritiklos und voll frommer Ehrfurcht in die - überdies viel zu großen - Gewänder dieser vergangenen Epoche zu schlüpfen, bis hin zur Nachäffung einer sterilen, einfallslosen und unehrlichen Ausdrucksweise, die einen Zirkel wie den KABD schon äußerlich als vertrocknete Sekte kennzeichnet. Statt einer offenen und ehrlichen, wissenschaftlichen Auseinandersetzung um die Einheit der Kommunisten warfen sich die Führer dieses Grüppchens (eingestandenermaßen oder mit einigen nichtssagenden Formeln verschleiert) schon bald in die Pose der ‚Partei‘ und verteidigten ihren eigenen Laden samt dessen bruchstückhafter, verschwommenen ‚Linie‚, als ob sie die proletarische Partei verteidigen würden …

Ist diese Organisation heute in ihrer Politik nach außen hoffnungslos zur versteinerten Sekte degeneriert, so gilt dies in gleichem Maße für ihre innere Struktur. Die groteske, künstlich erhaltene Unwissenheit der meisten Mitglieder in allen grundlegenden Fragen des Marxismus, der Texte der Klassiker und der Geschichte der Arbeiterbewegung wird nur noch übertroffen durch die haarsträubenden administrativen Methoden und das auf persönlicher Diffamierung beruhende, schmierigste Intrigantentum, zu dem die Führungscliquen den demokratischen Zentralismus herabgewürdigt haben, um ihre offenkundigen Verstöße gegen die Grundprinzipien des Marxismus zu vertuschen. Man muss die Mechanismen der moralischen Einschüchterung, der raffinierten Verschleierung aller ideologischen Fehler und Niederlagen unter dem Deckmantel von ‚Arbeitsstil‘ - Kampagnen und das Überspielen gescheiterter ‚Verankerungs‘ - Versuche durch das Beschwören einer ‚proletarischen Lebensweise‘ und andere Mätzchen persönlich erlebt haben, um begreifen zu können, wie sich denkende Menschen derart an der Nase herumführen lassen und sich dabei auch noch für Revolutionäre halten können …!“

Gegliedert ist die Schrift in:
1. VORBEMERKUNG
2. THEORIE UND PRAXIS
3. SPONTANER KAMPF UND REVOLUTIONÄRES BEWUSSTSEIN
- Massenkampf und Parteiarbeit
- Trade- unionistische oder kommunistische Politik?
- Der Betrieb als organisatorische oder als politische ‚Basis‘?
- Der Ökonomismus und die Etappen des Klassenkampfs
- Agitation und Propaganda
4. STRATEGIE UND TAKTIK DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI
- Ökonomik und Politik des Imperialismus
- Der Kampf gegen den imperialistischen Krieg
- Parlamentarischer und außerparlamentarischer Kampf
5. ÖKONOMISMUS UND KLASSENVERHÄLTNISSE
- Was heißt Arbeiterklasse?
- Die sozialen Wurzeln des Opportunismus
6. PARTEIAUFBAU UND ‚KAMPF ZWEIER LINIEN‘
- Demokratischer Zentralismus und ‚Freiheit der Kritik‘
- ‚Arbeitsstil‘ und ‚kleinbürgerliche Denkweise‘
NACHWORT
- Wie der KABD sich im ‚politischen‘ Kampf zu profilieren versucht
- Das ‚Korrespondentenwesen‘ und die ‚proletarische Linie‘
- Der Ökonomismus als ‚Reflex‘ sozialer Interessen der Arbeiteraristokratie.
Q: Robert Kurz: Vorhut oder Nachtrab. Eine Kritik der politischen Dekadenz in der marxistisch-leninistischen Bewegung am Beispiel des Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschland (KABD), Fürth, Januar 1978.

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November 1978:
Die Nr. 1 der „Diskussionsbeiträge” erscheint (vgl. Jan. 1979). Herausgegeben wird sie von „einer Gruppe Marxisten-Leninisten in Nürnberg/Fürth/Erlangen”. Mitgetragen wird die Gruppe u. a. von Robert Kurz (ehemals KABD/RJVD).

In der Vorbemerkung heißt es u. a.: „Unsere Gruppe hat als Antwort auf den Gelsenkirchener Vorstoß vom Frühjahr dieses Jahres (Konferenz und ‚gemeinsame Erklärung‘) den Vorschlag gemacht, neben umfangreichen Veröffentlichungen einzelner Gruppen und Genossen in Buch- und Broschürenform vorerst ein ‚Zirkular‘ herauszugeben, das von allen Gruppen der ‚Neuen Strömung‘ als Vorstufe einer anzustrebenden theoretisch-politischen Zeitschrift gemeinsam zu tragen wäre … Die ‚Diskussionsbeiträge’ werden bis zur Klärung der Formen für die Auseinandersetzung im nationalen Rahmen in unregelmäßigen Abständen weiter herausgegeben. Die vorliegenden Beiträge befassen sich hauptsächlich mit der Frage der Herangehensweise an die Aufgabe, eine Strömung’ zu formieren.“ Insbesondere werden die beiden Entwürfe für eine ‚Gemeinsame Erklärung’ (vorgelegt einerseits von der Gruppe ‚Volk und Wissen’ in Gelsenkirchen und andererseits von der ‚Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen’ sowie dem KAB Kassel) einer Kritik unterzogen.”

Inhalt der Ausgabe ist:
- Vorwort
- Wie kann eine ‚Strömung’ formiert werden?
- Warum ‚gemeinsame Erklärungen’ gegenwärtig nicht hilfreich sind
- Die Logik der ‚geschlossenen Zirkel’ und der demokratische Zentralismus
- ‚Monolithismus‘, ‚Liberalismus’ und ‚Kampf zweier Linien’
- Notizen zur ‚Erklärung des Parteiaufbaus’ der KGB/E und des KAB Kassel
- Brief an KG Bochum/Essen und KAB Kassel.
Q: GML N/F/E: Diskussionsbeiträge, Nr. 1, Nürnberg/Fürth/Erlangen, November 1978.

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Januar 1979:
Die Nr. 2 der „Diskussionsbeiträge” (vgl. Nov. 1978 und Jun. 1979) erscheint mit dem ergänzenden Zusatz: „zur marxistisch-Leninistischen Politik und Theorie”. Herausgegeben werden die „Diskussionsbeiträge“ weiter von „einer Gruppe Marxisten-Leninisten in Nürnberg/Fürth/Erlangen”.

Im Editorial wird angemerkt: „Es handelt sich bei den Herausgebern um ehemalige Mitglieder und Sympathisanten des KABD bzw. seiner Massenorganisationen aus Nürnberg/Fürth/Erlangen, die in den Jahren 1975 - 1977 unabhängig voneinander aus der Organisation ausgetreten sind bzw. ausgeschlossen wurden. Seit 1977 arbeitet wir als Diskussionszirkel mit dem Ziel des Kampfes um die Einheit der Marxisten-Leninisten auf wissenschaftlicher Grundlage, ausgehend von der Erkenntnis, dass die ML-Bewegung in ihrer bisherigen Form an ihrem Ende angelangt ist und die vorherrschenden Zirkelsekten keinen vorwärtstreibenden Beitrag zum Parteiaufbau mehr leisten können. Unser inhaltlicher Ausgangspunkt war zunächst die Kritik des KABD, wie sie vor allem in dem Buch ‚Vorhut oder Nachtrab‘ zum Ausdruck kommt. Inzwischen ist Diskussionsprozess der Gruppe allerdings weiter fortgeschritten. Unsere Gruppe ist nicht identisch mit den Genossen des ‚Aufbruch’ Nürnberg, mit denen wir aber ebenso zusammenarbeiten wie mit einigen ehemaligen KB- und KBW Genossen …”

Inhalt der Nummer 2 ist:
- Über einige aktuelle Differenzen
- Soll man den Opportunismus bloßlegen und bekämpfen?
- Gegen den Apriorismus in der theoretischen Auseinandersetzung
- Welche Funktion hat die Haltung zur Klassikerfrage und zur III. Internationale?
- ‚Unsere nächsten Aufgaben‘ und das Primat der Politik
- Vorwort zum ‚Offenen Brief der KPJ an die KPdSU‘
- Offener Brief des ZK der KP Japans (Revisionisten) an die KPdSU
- Dokumentation: Erklärung aus dem KABD ausgetretener Genossen.
Q: GML N/F/E: Diskussionsbeiträge, Nr. 2, Nürnberg/Fürth/Erlangen, Januar 1979.

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17.03.1979:
Am Wochenende vom 17./18. März findet in Frankfurt/Main eine Konferenz zur Einleitung einer allgemeinen Studienbewegung zur Aneignung und Verbreitung der revolutionären Theorie in der westdeutschen ml-Bewegung statt. Eingeladen hatte der Kreis Gelsenkirchener Marxisten-Leninisten. Außer dem Veranstalter erscheinen insgesamt 17 verschiedene Gruppen. Am ersten Tag nimmt auch die Gruppe Marxisten-Leninisten in Nürnberg/Fürth/Erlangen um Robert Kurz teil. Kurz versteht sich aber eher als Beobachter des Geschehens.
Q: Klaus Winter: Die Frankfurter Konferenz - Bericht von einem Treffen zur Einleitung einer Studienbewegung, in: Aufsätze zur Diskussion (AzD), Nr. 1, Mai 1979, S. 7ff.

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Juni 1979:
Vermutlich im Sommer oder Herbst des Jahres erscheint die Nr. 3 der „Diskussionsbeiträge” (vgl. Jan. 1979 und Feb. 1980) mit 69 Seiten im Format DIN A4. Als "weiterhin lieferbar" wird sie noch in der Nachfolgezeitschrift "Neue Strömung" 1/1980 beworben. (Die Ausgabe liegt uns leider im Moment nicht vor.)
Q: Neue Strömung, Nr. 1, Erlangen, Februar 1980, S. 5.

Februar 1980:
Im Verlag „Neue Strömung“ in Erlangen erscheint die „Neue Strömung - Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik“. Dazu heißt es: „Im Januar 1980 hat die Marxistisch-Leninistische Gruppe Nürnberg-Fürth-Erlangen, bisher Herausgeber der Zeitschrift „Diskussionsbeiträge zur m-l-Theorie und Politik“, in Erlangen den „Verlag Neue Strömung“ gegründet. Die Zeitschrift „Diskussionsbeiträge“ wird in der bisherigen Form eingestellt und unter dem neuen Titel „Neue Strömung. Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik“ herausgegeben. Zur Begründung dieses Schritts und zur Zielsetzung des Verlags geben wir folgende Erklärung ab.“ Es folgt die Gründungserklärung auf Seite 6ff.

Im Editorial wird u. a. festgestellt: „Unter dem Titel ‚Neue Strömung - Zeitschrift für ml-Theorie und Politik‘ soll die Ablösung der bisherigen ‚Diskussionsbeiträge‘ überleiten zu einer offensiveren publizistischen Tätigkeit, die angesichts des Zersetzungs- und Umgruppierungsprozess der ml-Bewegung und gegenüber den Auffassungen der angeblichen ‚Neuen Hauptseite Theorie‘ (NHT, d. Verf.) geboten scheint. Die neue und festere Form unserer Zeitschrift leiten wir ab aus den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre, nämlich einmal der immer klarer werdenden Unmöglichkeit einer Einigung mit Gelsenkirchen, zum anderen der Tatsache, dass sich überhaupt die Hoffnungen auf einen relativ raschen Zusammenschluss der ml-Oppositionsbewegung unter dem Dach einer gemeinsamen Diskussionszeitschrift zerschlagen hat … Da bleibt nichts übrig, als die Polemik weiter zu forcieren und hauptsächlich durch publizistischen Kampf die Einheit mit den Genossen zu suchen, mit denen Einheit möglich ist. Der Titel ‚Neue Strömung‘ soll dabei nicht Ausdruck eines besonderen Anspruchs unserer kleinen Gruppe sein, sondern verbindlich festlegen, dass wir nicht bloß ‚diskutieren‘, sondern für eine ‚engherzige‘ proletarisch-kommunistische Richtung kämpfen wollen. Die Zeitschrift soll einen Beitrag dazu leisten und einen publizistischen Zusammenschluss der Kritiker der bisherigen Bewegung von einem ‚orthodoxen‘ Standpunkt aus erleichtern, wobei der Gelsenkirchener angeblichen ‚Neuen Hauptseite Theorie‘ das Feld streitig gemacht werden muss.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Gründungserklärung des „Verlag Neue Strömung“
- Antagonismus und Widerspruch in China. Zur Kritik der KPD/ML an Mao Tse-tung (Peter Klein)
- Apologetik oder revolutionäre Wissenschaft. Anmerkungen zur „Philosophischen Debatte“ (Robert Kurz)
- Was nicht zusammenpasst, wird zurechtgehobelt. Gegen die Gelsenkirchener Etikettierung der ML-Opposition in AHT und NHT (Walter Loscher)
- „Philosophische“ Geschichtsschreibung. Über „Allseitigkeit“, „Innere Selbstbewegung“ und „Hypothesen“ (Robert Kurz)
- Offenes Glückwunschtelegramm zum Sieg der Redaktion der „Aufsätze zur Diskussion“ über die Ignoranz (Henriette Fröhlich)

Die Zeitschrift soll nach Angaben des Verlags „zweimonatlich, mindestens viermal jährlich“ erscheinen. Mitarbeiter ist u. a. Robert Kurz, vormals KABD/RJVD, der durch seine KABD-Kritik „Vorhut oder Nachtrab“ bekannt geworden ist.

Vorangekündigt werden die Schriften von Robert Kurz: „Vom Jugendprotest zum Parteiaufbau“ und Peter Klein: „Bahros Scheinalternative. Ein Weg in die kleinbürgerliche Sackgasse.“

Kurz‘ Schrift soll „eine Polemik zur Geschichte und Kritik der marxistisch-leninistischen Bewegung Westdeutschlands“ sein.
Aus dem Inhalt:
- Skizze zur Analyse der Jugend- und Studentenbewegung
- Parteiaufbau
- Arbeiteravantgarde und Massenkampf
- Klassenkampf und ml-Bewegung in der BRD
- Unsere nächsten Aufgaben.

Werbung wird des Weiteren gemacht für:
Henriette Föhlich/Franz Ziegenhagen/J.B. Erhard: Der Weltgeist geht um. Zur Konferenz in Bochum am 16. u. 17.6.1979.
Theodor Phillipi: Auf dem Kampfboden des Marxismus-Leninismus. Zur Diskussion in der ml-Bewegung anhand einer Kritik des Programms des Arbeiterbundes zum Wiederaufbau der KPD.
Q: Neue Strömung, Nr. 1, Erlangen, Februar 1980.

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Mai 1980:
In Erlangen erscheint mit einer Auflage von 300 Stück die Nr. 2 der Zeitschrift „Neue Strömung - Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik“.

Im Editorial wird darauf verwiesen, dass wir „noch weit von unserem Ziel entfernt (sind), einen ideologisch-theoretischen Gegenpol sowohl zur Gelsenkirchener ‚Neuen Hauptseite Theorie‘. als auch zu Gruppen wie den ‚Komitees‘ und anderen zum kleinbürgerlichen Sozialismus abwandernden Strömungen herauszubilden“. „Dafür bedarf es der Mitarbeit und Hilfe von mehr Genossen als bisher, wenn wir auch mit dem bisherigen Echo relativ zufrieden sein können. Ein Rückschlag ist sicherlich die Absage der Genossen des AKV (Arbeiterkulturverlag) Düsseldorf, sich an einer Initiative zur Kritik des Sozialchauvinismus … zu beteiligen und ihre Erklärung zur publizistischen Unterstützung der Gelsenkirchener. Da die AKV-Genossen gleichzeitig auf ihre schwerwiegenden Differenzen zu der Gelsenkirchener Strömung verweisen (die sich teilweise mit unseren Auffassungen decken), können wir ihr Verhalten nur als Opportunismus bezeichnen.“

Zur „NHT“ wird angemerkt: „Freilich sollte man, von einer ‚Neuen Hauptseite Theorie‘ mehr Bereitschaft erwarten, sich auf eine theoretische Debatte der eigenen Auffassungen einzulassen,´ … Keiner der angesprochenen Gelsenkirchner Autoren war willens oder in der Lage, auf die wenn auch unzureichend vorgetragene Kritik überhaupt inhaltlich einzugehen. Stattdessen konnte man das ungeduldige Bestreben deutlich spüren, den eigenen zusammengebastelten Laden organisatorisch zu formieren, und dementsprechend auch das Aufbrechen der alten Zirkelmentalität bei den ‚Anhängern‘ der Gelsenkirchener Richtung: nur ja nicht die inzwischen geschluckten Begrifflichkeiten wieder in Frage stellen, in denen man sich bereits häuslich einzurichten begonnen hat …

Des Weiteren wird die Kritik am KABD weiter geführt, vor allem was seine „wissenschaftliche Sauberkeit und Redlichkeit“ anbelangt. Die „RW“-Reihe sei „schlichtes Abschreiben ohne Quellenangabe … ohne als Zitate gekennzeichnet zu sein“. Der KABD trete nun die „Flucht nach vorne“ an. In „öffentlichen Veranstaltungen will er den angeblichen ‚Liquidatoren‘ in der offenen Diskussion entgegentreten“. Damit sei „die KABD- Führung offenbar am Ende“.

Stellung bezogen wird auch zur Debatte im KBW um die Kontroverse Maier-Schmierer, Fochler-Schmierer. „Inhaltlich freilich ist es, wenn auch nicht als solche ausgetragene Auseinandersetzung um die blinde Rezeption der 3-Welten-Theorie der chinesischen Revisionisten die z. T in Widerspruch zum KBW-Programm steht und den KBW sich in immer unerträglichere Widersprüche verstricken lässt. Die nächste Spaltung kommt bestimmt. Aber was dann? Wie schnell es dann gehen kann mit dem Überbordwerfen des Marxismus-Leninismus überhaupt, das wurde uns bereits zur Genüge vorexerziert. Diesem wirklichen Liquidatorentum entgegenzutreten ist Aufgabe und Anspruch unserer Zeitschrift. Diese zu verbreiten, ihr mehr Gehör zu verschaffen, sie inhaltlich durch Beiträge und auch materiell zu unterstützen, bleiben daher die Genossen aufgefordert, die mit uns an der Schaffung einer wirklich ‚neuen Strömung‘ arbeiten wollen.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- KG Bochum/Essen: Offener Brief an die Redaktion der „Hefte für Demokratie und Sozialismus“
- KG Bochum/Essen: Zur Einschätzung der Konferenz der „Neuen Hauptseite Theorie“
- Robert Kurz: Politische Theorie und praktische Politik
- Axel Jansen: Theoretische Differenzen zwischen Lenin und Stalin zur „Nationalen Frage“
- KG Ulm: Warum wir aus dem KABD austreten
- Axel Jansen: Tuis an der Arbeit oder der KBW und Bertold Brecht.

Über den Verlag „Neue Strömung“ kann weiter bestellt werden:
- Henriette Föhlich/Franz Ziegenhagen/J.B. Erhard: Der Weltgeist geht um. Zur Konferenz in Bochum am 16. u. 17.6.1979 und:
- Theodor Phillipi: Auf dem Kampfboden des Marxismus-Leninismus. Zur Diskussion in der ml-Bewegung anhand einer Kritik des Programms des Arbeiterbundes zum Wiederaufbau der KPD.

Werbung wird gemacht für die „Beiträge zur Diskussion Nr. 4“, die von Ehemaligen des KABD aus Aschaffenburg herausgegeben werden. Hingewiesen wird darauf, dass für 1981 eine Konferenz zur „nationalen Frage“ geplant sei, auf der über eine „Kritik am Sozialchauvinismus“ debattiert werden solle. Dazu soll ein „Konferenz-Info“ erscheinen.

Im Verlag „Neue Strömung“ sei von Peter Klein: „Rudolf Bahro‘s Alternative“ erschienen.
Q: Neue Strömung, Nr. 2, Erlangen, Mai 1980.

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Mai 1980:
Im „Verlag Neue Strömung“ in Erlangen erscheint in einer Auflage von 500 Stück das Buch „Rudolf Bahros ‚Alternative‘. Eine marxistisch-leninistische Kritik. Mit Anhang: Rudolf Bahro und die ML-Bewegung“ von Peter Klein.

Im Editorial heißt es u. a.: „Dass die vorliegende Bahro-Kritik zum allergrößten Teil bereits seit über einem Jahr fertig gestellt ist … wird der Leser auf Schritt und Tritt bemerken. Der durchgehende Bezug auf die Solidaritätsbewegung für Bahro und auf die ‚KPD‘ ist heute, wo Bahro als führender ‚Linker‘ im Westen Politik macht und die ‚KPD‘ aufgehört hat zu existieren, natürlich nicht mehr aktuell. Allerdings lebt diese Schrift, indem sie die Grundlagen von Bahros Denken kritisiert, auch nicht von dieser Art unmittelbarer Aktualität. Im Gegenteil, ich halte es sogar für ihren besonderen Wert, dass Bahro hier als Führer und Ideologe bestimmter Zwischenschichten nachgewiesen wird, noch bevor er Gelegenheit hatte, sich praktisch als solcher zu betätigen …

Ähnliches gilt für den Bezug auf die ‚KPD‘, an deren Politik gegenüber der Solidaritätsbewegung ich mich im Anhang hauptsächlich abarbeite. Denn mit dem Verschwinden der Organisation sind natürlich nicht gleichzeitig die inhaltlichen Positionen, die ich kritisiere - insbesondere der Apriorismus, das bekenntnishafte Verhalten zum Marxismus-Leninismus -, aus der ML-Bewegung verschwunden. Vor allem die ehemaligen KPD-Mitglieder könnten an Hand dieser Kritik ihr Scheitern vielleicht besser verstehen und diesen Abschnitt daher mit Gewinn lesen… Etliche Genossen, dessen bin ich sicher, die heute noch in ihrer Organisation emsig rumrödeln und meinetwegen auch die Position ihrer Organisation zu Bahro brav nachplappern, werden fremden ideologischen Strömungen, sobald der erste beste aufbrechende Widerspruch ihre heile ML-Welt zerstört hat, hilflos wie Samenkörner dem Wind ausgesetzt sein. Gegen diese ideologische Instabilität, die in der oben skizzierten falschen Politik ihren Ausdruck findet und gleichzeitig von dieser falschen Politik genährt wird, soll meine Schrift ein Protest sein …

Daneben hat diese Schrift natürlich noch eine unmittelbare Funktion in unserer Auseinandersetzung mit der Gelsenkirchener Gruppe um Karuscheit/Schröder. Wir praktizieren hiermit etwas, das diese Genossen erst für die nächste oder übernächste Etappe der Entwicklung der ‚neuen Strömung‘ vorgesehen haben: Die Kritik am kleinbürgerlichen Sozialismus, die für uns keineswegs eine von der Kritik an der ML-Bewegung getrennte Sache ist … Zum Inhalt ist nicht viel zu sagen: Ich versuche, entlang der Argumentationskette Bahros zur Klassenfrage, Punkt für Punkt vom marxistisch-Leninistischen Standpunkt aus eine Widerlegung zu liefern, wobei nebenbei die meisten der von Bahro behandelten Themen, wenn auch z. T. nur kursorisch, mitbehandelt werden mussten …“.

Der 1. Teil der Schrift entstand, laut einer Fußnote, im Dezember 1978, der 2. Teil bis März 1979. Der Anhang über das Verhältnis der ML-Bewegung bzw. der KPD zu Bahro im Juni 1979.

Inhalt des Buches ist:
Vorwort
I. Teil: Die Absetzung der Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt
Einleitung
1. Das ‚historische‘ Argument
2. Das ‚psychologische‘ Argument
3. Die ‚individuelle Emanzipation‘ der Arbeiterintellektuellen
4. Das ‚Interessen‘ - Argument (Die Arbeiter sind am Kommunismus gar nicht interessiert)
a) Die ‚welthistorischen Interessen‘ und ihre Träger
b) Die ‚empirischen, unmittelbaren Interessen‘ und ihre Träger
5. Das ‚theoretische‘ Argument

II. Teil: Das neue revolutionäre Subjekt: Die Intelligenz
Einleitung
1. Die Entwicklung der Produktivkräfte
2. Der neue Charakter des gesellschaftlichen Widerspruchs
3. Die Intelligenz erleidet den neuen Widerspruch am stärksten
4. Das historische Vorbild: Prager Frühling 1968
5. Konsequenzen für die ‚Kulturrevolution‘

Zusammenfassung

Anhang: Bahro und die ML-Bewegung.
Q: Peter Klein: Rudolf Bahros "Alternative". Eine marxistisch-leninistische Kritik. Mit Anhang: Rudolf Bahro und die ML-Bewegung, Erlangen, Mai 1980.

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20.09.1980:
Es beginnt das zweitägige 5. Treffen (3. Konferenz) Ehemaliger des KABD in Erlangen. Teilnehmer: Aschaffenburg, Augsburg, Frankfurt, Rüsselsheim, Ludwigsburg, die 'Neue Strömung', Erlangen, München, Schweinfurt, Tübingen, Neunkirchen, Ulm. Laut KG Ulm sind auch Vertreter aus Düsseldorf, Köln, Karlsruhe, Ratingen, Reutlingen, Stuttgart und Herford anwesend, die BzD erwähnen die Abwesenheit von Ratingen und Karlsruhe, geben als Termin z.T. 'Anfang Oktober' an. Thema: Entwicklung des KABD und der Ehemaligen. Ergebnis: Die 'Beiträge zur Diskussion' (BzD) werden weiter herausgegeben (vgl. Nov. 1980). Die Kritik am KABD wird forciert. Ratingen und Karlsruhe vertreten in einem Brief die Auffassung, daß sie in der "Auseinandersetzung mit dem KABD nicht die Grundlagen der weiteren Arbeit oder eine Zusammenarbeit sehen." Sie schlagen die langfristige Untersuchung grundlegender theoretischer Fragen vor. Dieser Auffassung schließen sich auch die Duisburger Genossen an.

Die Diskussion wurde, laut BzD, vor allem mit den Münchener Genossen geführt über Fragen des "Bekenntnisses zum Marxismus-Leninismus". Eine "Mitarbeit der Münchener scheiterte, da sie im Gegensatz zu allen anderen Gruppen den Marxismus-Leninismus nicht als Grundlage der 'Beiträge zur Diskussion' akzeptieren konnten". Ergebnis der Konferenz war die Einigung von Genossen aus acht Orten, die BzD neu herauszugeben.
Q: Beiträge zur Diskussion, Nr.1, o. O., Feb. 1981, S. 20ff. ; Kampf Kritik Umgestaltung, Nr. 2, Ulm, 13.10.1980, S. 22ff.

18.10.1980:
Laut KG Ulm beginnt ein zweitägiges Treffen von Mitgliedern der KG Ulm aus Baden-Württemberg und und der Gruppe Neue Strömung aus Erlangen/Nürnberg in Bayern. Vor allem wird die Diskussion über die Fehler der ML-Bewegung, gemeinsame Grundlagen und Besonderheiten geführt.
Q: Kampf-Kritik-Umgestaltung, Nr. 3, Ulm, 6.12.1980, S. 54ff.

November 1980:
In Erlangen erscheint mit einer Auflage von 300 Stück die Nr. 3 der Zeitschrift „Neue Strömung - Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik“.

Im Editorial heißt es u. a.: „Mit der vorliegenden dritten Nummer wird der erste Jahrgang der ‚Neuen Strömung‘ abgeschlossen; das vorläufige Ziel von vier Ausgaben pro Jahr wurde damit knapp verfehlt. Die Voraussetzungen, dieses Ziel 1981 zu erreichen, hoffen wir durch eine festere Form der Redaktionsarbeit verbessert zu haben: mit der Wahl einer verantwortlichen Redaktion unter Einschluss je eines Genossen aus Ulm und München wurde ein erster Schritt über die Handwerkelei eines lokalen Freundeskreises hinaus getan. Unser Ziel bleibt es, ein Organ der Diskussion auf nationaler Ebene zu schaffen, das all diejenigen Kräfte vereinigt, die das Festhalten am Marxismus-Leninismus verbinden mit der längst überfälligen proletarisch-revolutionären Kritik an der 3. Internationale unter Stalin und dem konsequenten Kampf gegen jede Form des Sozialchauvinismus unter dem Deckmantel der ‚Taktik‘. Die dabei anstehenden theoretischen Aufgaben können nur unter dem hauptsächlichen Gesichtspunkt der Klassenanalyse gelöst werden. Mit seinem umfangreichen Aufsatz in dieser Nummer setzt der Genosse A. Jansen die bereits in der Nr. 2 begonnene kritische Aufarbeitung der Politik der Sowjetunion unter Stalin mit der Behandlung der ‚Finnlandfrage‘ fort. Mit diesem Artikel wird erstmals der von der m-l-Bewegung kritiklos übernommenen Geschichtsschreibung der modernen Revisionisten entgegengetreten, um Prinzipien proletarisch-revolutionärer Außenpolitik abzuleiten, die unter Stalin mit Füßen getreten wurden.

Gleichzeitig zieht der Genosse Jansen weitgehende Schlussfolgerungen über den Klassencharakter bereits der damaligen Sowjetunion und betritt damit Neuland. Gerade dieser Rückschluss auf die Klassenfrage wird auch in der weiteren Untersuchung ein wichtiges Abgrenzungskriterium gegenüber der sozialdemokratischen und kleinbürgerlich-moralisierenden Stalin-Kritik sein, die nicht vom Gesichtspunkt des proletarischen Klassenkampfes ausgeht … Diese Aufsätze dienen gleichzeitig der Vorbereitung der geplanten Konferenz zur nationalen Frage und zur Kritik des Sozialchauvinismus. Wir arbeiten damit an einer Aufgabe, deren Behandlung die NHT Gelsenkirchen zwar versprochen, aber nicht eingelöst hat: nämlich die Aufarbeitung der Geschichte der kommunistischen und Arbeiterbewegung in Angriff zu nehmen.

Gerade die Gelsenkirchener Strömung hätte es freilich arg nötig, sich ein wenig mit der Geschichte der 3. Internationale auseinanderzusetzen, statt diese Aufgabe fallenzulassen bzw. auf die lange Bank zu schieben. Es stimmt nämlich keineswegs, dass zumindest die führenden Köpfe der NHT keine festen Positionen zu den strittigen politischen und historischen Fragen hätten. Diese Positionen existieren - darauf haben wir wiederholt hingewiesen - durchaus, nur werden sie nicht oder nicht mehr offen vorgetragen bzw. wird mit fadenscheinigen Begründungen auch nur der Versuch einer theoretischen Ableitung dieser Positionen sorgfältigst vermieden …

Heftige Kritik seitens der Redaktion der ‚Neuen Strömung‘ und der m-l-Gruppe Nürnberg als Herausgeber hat der in dieser Nr. abgedruckte Artikel der Genossen der Liebknecht-Vereinigung Berlin zur Geschichtsphilosophie des Marxismus ausgelöst. Wir sind der Meinung, dass sich die Genossen mit ihrer Argumentation auf die Ebene eines Relativismus begeben haben, der mit der zweifellos angestrebten wissenschaftlichen Unbefangenheit wenig zu tun hat … Wegen des schwerwiegenden Charakters der hier angedeuteten Differenzen hielt die Redaktion eine direkte Replik für erforderlich, die vom Genossen P. Klein geliefert wurde und im Anschluss an den Artikel der Liebknecht-Vereinigung abgedruckt ist. Damit halten wir aber natürlich die Diskussion keineswegs für abgeschlossen. Für die Ausgaben der ‚Neuen Strömung‘ im kommenden Jahr ist geplant, die Auseinandersetzung um die marxistisch-leninistische leninistische Geschichtsauffassung weiterzuführen. Wir hoffen dabei auch auf Diskussionsbeiträge unserer Leser, zu denen hiermit ausdrücklich aufgefordert wird.

Weitergeführt wird in dieser Nr. auch die Auseinandersetzung mit der NHT (speziell ihrem Autor Karuscheit) zur Kritik der alten ml-Bewegung, den nächsten theoretischen Aufgaben der Kommunisten in der BRD und zur Einschätzung der ‚konkurrierenden‘ kleinbürgerlichen bzw. revisionistischen Strömungen … Zu dem diesbezüglichen Artikel von R. Kurz ist nur anzumerken, dass in der Replik auf Karuscheit ausdrücklich eine Frage nicht behandelt wird, nämlich die des berühmten TheoriePraxis-Verhältnisses und den Vorwurf Karuscheits, hier hätte bei uns eine ‚klammheimliche‘ Änderung der Auffassungen stattgefunden. Diese Unterlassung geschah weder aus Überheblichkeit noch aus Verlegenheit, sondern die notwendige Kritik der Gelsenkirchener Auffassung der ‚Hauptseite Theorie‘ und ihres darin enthaltenen Praxis-Verständnisses wird in einem gesonderten Artikel in einer der nächsten Ausgaben der ‚Neuen Strömung‘ erscheinen …

Schließlich noch kurz ein Blick auf die alte m-l-Bewegung, deren Agonie unverdrossen fortschreitet. Sind die übrigen Organisationen vorübergehend wieder in den ideologischen Dämmerschlaf und die Leerlauf-Routine der ‚Massenarbeit‘ verfallen, so hat es den KBW umso stärker erwischt. Schneller als erwartet vollzog sich die in der Nr. 2 unserer Zeitschrift vermutete neuerliche Spaltung, deren politische Konturen inzwischen deutlicher geworden sind … Diese Entwicklung des KBW ist nur ein weiterer Beweis, dass die theoretische Kritik des Sozialchauvinismus und seiner historischen Wurzeln eine dringende Aufgabe ist.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Axel Jansen: Eine Studie über den sowjetisch-finnischen Winterkrieg
- Robert Kurz: Die neue Hauptseite des alten Elends in der Theorie
- Liebknecht-Vereinigung West-Berlin: Über die ‚Gesetzmäßigkeit des Sozialismus‘ und einige andere Glaubensweisheiten des Marxismus-Leninismus
- Peter Klein: Die ‚Gesetzmäßigkeit des Sozialismus‘ und ‚allgemeine Gesetzmäßigkeiten der Menschheitsgeschichte‘ - Bemerkungen …

Werbung wird gemacht für die „NS“ 1 und 2 1980, für die „Beiträge zur revolutionären Theorie Nr. 13“ der KGB/E. Weiter für:
- AzD
- Hefte für Demokratie und Sozialismus
- Kommunistische Briefe
- Befreiung. Zeitschrift für Politik und Wissenschaft
- Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt
- Peter Kleins Bahro Studie
- Robert Kurz: Vom Jugendprotest zum Parteiaufbau
- Robert Kurz: Vorhut oder Nachtrab.
Q: Neue Strömung, Nr. 3, Erlangen, November 1980.

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01.03.1981:
Brief des ZA der Kommunistischen Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) an die "Genossen in Ulm, Mainz, Osnabrück und Neue Strömung". Der Brief enthält Korrekturen zu den 'Beiträgen zur revolutionären Theorie' Nr.13 (BzrT - vgl. Feb. 1981).
Q: KGB/E-ZA: Brief an Ulm, Mainz, Osnabrück und Neue Strömung, Bochum, 1.3.1981.

Juni 1981:
In Erlangen erscheint mit einer Auflage von 300 Stück die Nr. 4 der Zeitschrift „Neue Strömung - Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik“.

Im Editorial wird selbstkritisch angemerkt: „Zu einer dem Titel entsprechenden Wirkung haben wir es nicht gebracht. Im Gegensatz zu unseren früheren Träumen müssen wir nunmehr eingestehen, dass gegenwärtig ein regelmäßiges Erscheinen der Zeitschrift nicht einzuhalten ist. Unsere personelle Decke ist einfach zu dünn, als dass ein ‚Schöpfen aus dem Vollen‘ im Hinblick auf schriftliche Beiträge irgendwo in Sicht wäre; wir müssen publizistisch weiterhin sozusagen von der Hand in den Mund leben. Einstellen werden wir die Zeitschrift aber auch nicht, da wir weiterhin keinen inhaltlichen Grund sehen, der es uns ermöglichen würde, uns einer der größeren Initiativen anzuschließen, die bisher aus dem Zerfallsprozess der ml-Bewegung hervorgegangen sind. Unsere Kritik an der NHT Gelsenkirchen halten wir weiterhin aufrecht; sie scheint uns auch von den Genossen nicht widerlegt worden zu sein. Erst recht verbietet es unser Selbstverständnis, uns einzureihen in die große Zahl derjenigen, die der Marxismus-Leninismus endgültig über Bord werfen und mit dem Strom des reformistischen Linkssozialismus zu schwimmen beginnen (‚Moderne Zeiten‘, KBW u. Co.). Da wir uns auch außerstande sehen, uns in die Privatheit des nörgelnden oder wohlwollenden Beobachters zurückzuziehen, werden wir die ‚Neue Strömung‘ weiterhin als Publikationsorgan der kritisch-theoretischen Beiträge herausbringen, die zu erstellen in unserem bescheidenen Rahmen möglich ist … Insofern mag der Name der Zeitschrift als der immer noch nicht ausgetretene Funke der Hoffnung erhalten bleiben.“

Die Auseinandersetzung mit der Gelsenkirchener NHT „ist zwar noch nicht völlig zu Ende geführt, sie hat sich dennoch in gewisser Weise erschöpft und kann zumindest nicht mehr weiter im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen. Die inhaltliche ‚Vollstreckung‘ unserer methodischen Positionen ist unabweisbar geworden - und das bedeutet die langwierige Auseinandersetzung mit positivem Material auf allen Ebenen des Gesellschaftsprozesses, eine Arbeit, die für einige wenige Individuen ohne nennenswerte Unterstützung sich umso länger hinzieht, bis brauchbare Ergebnisse vorliegen können …

Hinzu kommt aber noch ein weiterer Faktor. Denn unsere methodische Kritik an Gelsenkirchen lieferte ja durchaus erste Thesen und Vorarbeiten für die weitere inhaltliche Theoriebildung, insbesondere zur Kritik der Komintern und des Sozialchauvinismus. Gerade in diesem Zusammenhang aber sind wir offenbar bereits auf Grenzen innerhalb der m-l-Opposition gestoßen. Der Schritt der methodischen Kritik an Gelsenkirchen wurde von einer ganzen Reihe von Genossen und Gruppen noch mitvollzogen. Diese Gemeinsamkeit reichte aber bis jetzt nicht aus, um eine Strömung zu formieren, die sich als Gegenpol zur NHT hätte entwickeln können … Wie unterschiedlich die Positionen der Genossen im Einzelnen auch sein mögen, das Ergebnis war und ist jedenfalls, dass es zu keiner engeren Zusammenarbeit, geschweige denn zur Formierung eines Gegenpols zu Gelsenkirchen kommen konnte. Wir haben keine weiteren festen Mitarbeiter hinzugewinnen können; die einzelnen Gruppen und Genossen, die sich nicht der NHT angeschlossen haben, schmoren daher im eigenen Saft weiter, soweit sie nicht ohnehin schon teilweise gänzlich verstummt sind. In diesem Zusammenhang wäre auch der im ersten Anlauf gescheiterte Versuch einer Konferenz zur nationalen Frage und zur Kritik des Sozialchauvinismus zu erwähnen. Bis auf wenige Ausnahmen (KGBE vor allem) war kaum jemand bereit, dieses Projekt durch inhaltliche und organisatorische Arbeit mitzutragen …

Ein Grund für unser verzögertes Erscheinen ist, wir gestehen es, eine zwar mittelbare, aber durchaus auch praktische und persönliche Bezugnahme auf diese Bewegung in Nürnberg, der Stadt der bundesweit Aufsehen erregenden Massenverhaftung. Natürlich wird in diesem Zusammenhang Genossen der ml-Opposition der Vorwurf des ‚Praktizismus‘ schnell auf der Zunge liegen. Ein solcher Vorwurf würde freilich in doppelter Weise fehlgehen: Erstens ist die theoretische Arbeit auf die Dauer nicht möglich, ohne den Boden gesellschaftlicher Praxis unter den Füßen zu haben - eine Wahrheit, die von der ml-Bewegung verdreht wurde in die falsche Unmittelbarkeit der organisatorischen Praxis einer Sektenbewegung. Gerade unter diesem Gesichtspunkt aber kann zweitens unsere Bezugnahme auf die ‚neue Jugendbewegung‘ nicht in alter ml-Manier der Versuch der organisatorischen Vereinnahmung sein, sondern nur in theoretischer Analyse einerseits (um die Bewegung auf den Begriff zu bringen und sie in die Entwicklung des Klassenwiderspruchs einzuordnen), in theoretischer und praktischer Hilfe andererseits bestehen … Die m-l-Opposition bzw. deren Reste sind damit für uns ebensowenig als Adressat gestorben wie sich die grundsätzlichen ‚Themenstellungen‘ ändern. Mit kritischen und zum Marxismus tendierenden Elementen innerhalb der ‚neuen Jugendbewegung‘ sehen wir aber einen neuen Adressaten heranreifen …“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Robert Kurz: Zur Klassentheorie der Intelligenz. Über das Verhältnis von revolutionären Intellektuellen und Parteibildung des Proletariats
- Peter Klein: Der politische Theoretiker Bahro und der bekennende Materialismus - Antwort an Jutta Gerber
- Robert Kurz: Politisch-ideologische Nostalgie und leninistische Parteitheorie
- Robert Kurz/Klaus Braunwarth: Größenwahn und Opportunismus. Der KABD im Delirium des Parteigründungsschwindels
- Leserbrief aus München
- Antwort der Redaktion.

Werbung gemacht wird für die Schrift der Liebknecht-Vereinigung: Geht das Zeitalter der Ausbeutung zu Ende?; für die „NS“ 1-3; für Peter Kleins Bahro Schrift, für „Vorhut oder Nachtrab?“. Als Vorankündigung: Robert Kurz: vom Jugendprotest zum Parteiaufbau.
Q: Neue Strömung, Nr. 4, Erlangen, Juni 1981.

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März 1986:
Die Nr. 1 der „Marxistischen Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“ erscheint im „Verlag Marxistischen Kritik“ in Erlangen. Herausgegeben wird sie von der „Initiative Marxistische Kritik“ (IMK). Der Redaktion gehören Klaus Braunwarth, Robert Kurz, Ernst Lohoff und Udo Winkel an. Die Zeitschrift erscheint „unregelmäßig, mindestens aber zweimal jährlich“.

In einer Nachbemerkung zum Editorial heißt es dazu: „In gewisser Hinsicht ist die ‚Marxistische Kritik‘ ein Folgeprojekt der vor einigen Jahren eingestellten Zeitschrift ‚Neue Strömung‘. Die gleichnamige Gruppe bildet heute aber nur noch einen Teil des neuen Trägerkreises, der sich aus Personen und Gruppen mit revolutionär-marxistischer Position, aber unterschiedlicher politischer Herkunft und ideologischer Sozialisationsgeschichte zusammensetzt; die Bandbreite reicht dabei von ehemaligen Mitgliedern oder Anhängern ‚marxistisch-leninistischer‘ Organisationen der 70er Jahre (K-Gruppen) über Leute aus dem Umfeld der ‚Arbeiterstimme‘ und einen Genossen der ‚Gruppe Arbeiterpolitik‘ bis hin zum Spektrum der ‚Autonomen‘, ehemaligen ‚Hausbesetzer‘ etc. Die ‚Neue Strömung‘ war noch ganz ein Produkt der Auseinandersetzung innerhalb der sich auflösenden K-Gruppen-Bewegung; die damals bezogenen Positionen (vor allem gegen die Konstruktion einer ‚Traditionslinie‘ der revolutionären Arbeiterbewegung mit den berüchtigten ‚fünf Köpfen‘ in die man sich zu ‚stellen‘ habe) teilen wir auch heute noch. Aber die damalige Auseinandersetzung, die mehr propädeutischen Charakter trug, hat sich längst erschöpft; sie konnte in dem eng beschränkten Rahmen der auf ein starres Kategorien-System bezogenen K-Gruppen-Opposition nicht mehr fruchtbar weitergeführt werden. Andererseits genügte es nicht, die Eierschalen eines hilflosen Hausmacher-Marxismus der politischen Sektenbewegung abzustreifen. Es war eine längere theoretische Mauserungs-Phase notwendig, bevor sich erneut die Frage der Publizistik stellen konnte. Nach mehr als zweijähriger Seminararbeit sehen wir nun den Zeitpunkt als gekommen an, auf einer neuen Ebene in dem uns möglichen Maßstab publizistisch in die öffentliche Diskussion der Linken einzugreifen.“

Im Editorial der Redaktion wird u. a. festgehalten: „Unser Standpunkt in der Kritik der Linken ist ein gerade entgegengesetzter. Die Verwirklichung der Marx'schen Theorie ist keine versunkene Möglichkeit, sondern wird im Gegenteil erst heute praktisch wahr in der massiv erscheinenden Krise des Geldes, wie sie der kapitalistische Vergesellschaftungsprozess auf der heutigen hohen Stufe von Verwissenschaftlichung und Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit hervortreibt. Die Wirklichkeit des Kapitals drängt heute in Wahrheit stärker zum Gedanken der authentischen Marx'schen Theorie als jemals vorher in der Geschichte.

Aufgabe dieser Zeitschrift wird daher nicht allein die Ideologiekritik der Linken sein, sondern vielmehr das Auffinden und die begriffliche Bestimmung des konkreten gesellschaftlichen Widerspruchspotentials, das real und historisch aktuell in Aufhebung von Lohnarbeit, Ware und Geld transformiert werden kann.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Robert Kurz: Die Krise des Tauschwerts
- Ernst Lohoff: Die Kategorie der abstrakten Arbeit und ihre historische Entfaltung
- Udo Winkler: Wissenschaft, Rationalisierung und Qualifikation im Kapitalismus
- Rainer Büschel/Rainer Jahn: Kritik zu Kern/Schumann.

Hingewiesen wird darauf, dass die IMK 1986 zwei Seminare durchführen möchte:
- 14./15. Juni: Zur Klassenanalyse
- 15./16. November: Zur Krisentheorie.
Q: IMK (Hrsg.): Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik, Nr. 1, Erlangen, März 1986.

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Januar 1987:
Die Nr. 2 der „Marxistischen Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“, herausgegeben von der gleichnamigen Initiative, erscheint in Erlangen.

Im Editorial heißt es u. a.: „Später als erhofft und geplant legen wir die Nr. 2 der ‚Marxistischen Kritik’ vor. Wie zu erwarten war, hat sich seither weder an unserer Situation noch an derjenigen der Linken insgesamt etwas geändert …

Nun, wir wollen nicht allzu viel Tränen vergießen über unsere Einsamkeit und uns nicht weiter beklagen. ‚Gegen den Strom’’ zu schwimmen wird noch auf längere Sicht ein schwieriges Geschäft bleiben. Der wesentlich subjektivistische Impuls der 68-er Bewegung und ihrer Nachwehen und Folgebewegungen bis heute hat zu der Situation geführt, die wir beklagen, beschimpfen und ‚trotz alledem‘ verändern möchten. Die politische Kultur theoretischer marxistischer Auseinandersetzung ist vorerst zerstört, dies muss als Tatsache anerkannt werden. Die ‚praktische‘ Linke ist tief und scheinbar hoffnungslos in staatsbürgerlichen Protest und neo-kleinbürgerliche Projekte oder andererseits in fast inhaltslos gewordene ‚Militanz‘ verstrickt, von der Öko-Bank bis zum Steinewerfen. Diskutiert wird, wenn überhaupt, nur auf den engen Bezugsrahmen der jeweiligen ‚Praxis‘ und deren tagespolitische Konjunktur hin ….

Die theoretische Linke … ist fast ganz auf abgeschottete, sich selbst reproduzierende und gegenseitig bestätigende akademische Klüngel zusammengeschmolzen, die als solche nur noch bedingt links sind (und schon gar nicht ‚marxistisch‘); ihr Bezugsrahmen ist der bürgerliche Wissenschaftsbetrieb geworden, vor dessen Instanzen sie sich, ängstlich um ihre Reputation besorgt, zu rechtfertigen suchen und dem sie längst jeden revolutionären Impuls der Theoriebildung geopfert haben … Trotzdem wäre es ein Missverständnis und ein Verstoß gegen unsere eigene theoretische Position, wollten wir uns der gegenwärtig misslichen Lage wegen als das letzte Fähnlein der sieben Aufrechten betrachten.

Niemand ist mehr als wir bestrebt, den ‚alten‘, selber wertfetischistischen Marxismus der 2. und 3. Internationale zu kritisieren und zu überwinden. So verstehen wir uns nicht als die unwirschen letzten Exemplare einer aussterbenden Gattung, sondern ganz im Gegenteil als die noch etwas unsicheren ersten Vertreter einer neuen Spezies des gesellschaftlichen Denkens, als Vorkämpfer eines Neo-Marxismus des 21. Jahrhunderts, der die alte Arbeiterbewegung insgesamt nur noch als seine abgeschlossene Vorgeschichte innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft begreifen wird. Zu ‚historischem Pessimismus‘ besteht den aktuellen Erscheinungen der gesellschaftlichen Oberfläche zum Trotz überhaupt kein Anlass …
Eine theoretische Position, von der aus wirklich ‚wider den Zeitgeist‘ gearbeitet wird, muss gerade - und dies wird unser ‚ceterum censeo‘ sein - den Warenfetisch kritisch thematisieren, der nichts weiter ist, als die ökonomische Grundlage (oder das ökonomische Moment) des staatsbürgerlichen Demokratie-Fetischs, dem die Linke heute erlegen ist. Niemand wird bestreiten, dass der Marxismus der alten Arbeiterbewegung einer kritischen Aufarbeitung bedarf. Aber diese Aufgabe impliziert eine neue theoretische Zuspitzung aller kritischen Gehalte der Marx’schen Theorie, nicht ihre noch größere Abstumpfung und nicht die Rückkehr zu den bürgerlichen Idealen des 18. und 19. Jahrhunderts. Die jammervolle Regression der Linken heute besteht gerade darin, dass sie, statt einen neuen Anlauf zur radikalen Kritik von Ware und Geld zu unternehmen, angesichts der Krisenerscheinungen sich zurückflüchten möchte in eine ‚angemessene‚, ‚menschliche‘, ‚ökologische‘ usw. Form der Warenproduktion, deren Möglichkeit doch unwiederbringlich verloren ist (und das ist auch gut so). Die Auseinandersetzung mit wesentlichen Positionen und Stichworten dieser ideologischen Regression bildet den Schwerpunkt dieses Heftes.

Der Beitrag von Udo WINKEL dokumentiert den Rückzug der akademischen Linken in den bürgerlichen Wissenschaftspluralismus auf positivistischer Grundlage und stellt die ‚Krise des Marxismus‘ in den historischen Rahmen der periodisch wiederkehrenden Krise des bürgerlichen Subjekts … Robert KURZ versucht, eine ausführliche Kritik (Herrschaft der toten Dinge, Teil 1) der ‚PRODUKTIVKRAFTKRITISCHEN‘ Theorie zu leisten, wie sie in der BRD vor allem in den Positionen von Otto ULLRICH und Winfried THAA zum Ausdruck kommt, die seit Ende der 70er Jahre in ihren Publikationen eine wissenschaftliche Legitimationsgrundlage für den grün-alternativen ‚Abschied vom Marxismus‘ zu liefern suchen …

Robert SCHLOSSER setzt sich in seinem Beitrag vor allem anhand der heutigen Positionen von J. SCHMIERER (der als ehemaliger K-Gruppen-Häuptling wie Ch. Semler und andere in Frankfurt reuig am Katzentisch Platz nehmen durfte) mit den wiederaufgewärmten Illusionen ‚genossenschaftlicher‘ Warenproduktion als Hebel gesellschaftlicher Veränderungen auseinander. Die Thematik Nr. 1 der ‚Marxistischen Kritik‘ wird fortgeführt mit einer Arbeit von Wolfgang BOGNER über die technologische und soziale Entwicklung in der DRUCKINDUSTRIE.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Robert Kurz: Die Herrschaft der toten Dinge (Teil 1). Kritische Anmerkungen zur neuen Produktivkraft-Kritik und Entgesellschaftungs-Ideologie
- Udo Winkel: Die Krise des Marxismus - oder zur „neuen“ Marx-Rezeption der „alten akademischen Linken“
- Robert Schlosser: Irrational, aber wenig radikal! Zum Seiteneinstieg Joscha Schmierers in die grüne Strategiedebatte
- Wolfgang Bogner: Schwarze Kunst und neue Technik
- Leserbrief.
Q: IMK (Hrsg.): Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik, Nr.2, Erlangen, Januar 1987.

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Juni 1987:
Die Nr. 3 der „Marxistischen Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“, herausgegeben von der gleichnamigen Initiative, erscheint in Erlangen.

In der Vorbemerkung heißt es u. a.: „Mit der Nr. 3 der Marxistischen Kritik legen wir den zweiten Teil unserer Auseinandersetzung zum Thema ‚Produktivkraftkritik und theoretischer Verfall der Linken‘ vor. Die Schwierigkeiten, unseren Ansatz einer prinzipiellen Kritik der Wert-Ökonomie sowohl des westlichen wie des östlichen Typs in der linken Opposition zu vermitteln, sind nicht geringer geworden, auch wenn inzwischen immerhin einige theoretisch arbeitende Gruppen und Einzelpersonen Interesse bekundet haben. Im Ganzen aber ist die Fundamentalkritik des Geldes natürlich nach wie vor nicht gern gesehen in der Linken, obwohl wir am Vorabend einer akuten Weltkrise des Geldes stehen dürften. Auch in der vorliegenden Nummer unserer Zeitschrift dreht sich die Kritik der produktivkraftkritischen Ideologien um diesen zentralen Angelpunkt.

Während der dominierende Neo-Reformismus blauäugig und krisenungläubig mit der ‚Finanzierbarkeit‘ seiner diversen Projektchen hausieren geht, hat sich andererseits ein falscher Fundamentalismus selber eng an die produktivkraftkritischen Gedanken angelehnt, statt die theoretische und praktische Kritik der Logik des Geldes zu betreiben. Dieser moralisierende Scheinradikalismus aber muss unfähig bleiben, die offen kapital-immanente reformistische Hauptströmung zu überwinden. Selbst noch die abstrakt bleibenden Parolen der ‚Autonomen‘ gegen die Lohnarbeit entpuppen sich bei näherem Hinsehen als produktivkraftkritisch vermittelt und als blind gegenüber der Wert-Geld-Kategorie, obwohl diese real das gesellschaftliche Leben bis in die feinsten Poren hinein beherrscht. Auch für die in den neo-reformistischen Diskurs eingebundenen wenigen Vertreter des akademischen Linkssozialismus wie Altvater/Prokla, SOST etc., die wenigstens formal noch an Grundzügen einer Kritik der Politischen Ökonomie festhalten, ist offenbar mit der bloßen Kritik des “Marktes” eine absolute begriffliche Schranke erreicht, über die hinauszudenken ihnen nicht mehr möglich ist (immerhin spielt hier auch, wir haben in der Nr. 2 der MK darauf hingewiesen, die ‚wissenschaftliche Reputation‘ im Rahmen des positivistischen Universitätsbetriebs eine nicht zu unterschätzende Rolle). Soweit dieser akademische Noch- und Rest-Marxismus nicht schon auf ohnehin staatstreue Positionen eingeschwenkt ist, musste er daher dem produktivkraft-kritischen Gedankengut gegenüber eher hilflos und mit matten Zugeständnissen reagieren, ebenso wie der zwischen ‚Fundis‘ und ‚Realos‘ eingeklemmte ‚Öko-Sozialismus‘ innerhalb der Grünen …

Angesichts der vorgefundenen Bewusstseinsformen selbst in der radikalen Linken kann es kaum verwundern, dass der erste Teil unserer Auseinandersetzung mit der Produktivkraftkritik von einigen Lesern vor allem der Schwerverständlichkeit angeklagt worden ist und die darin enthaltene Grundsatzposition den meisten wohl eher als ‚esoterisch‘ erscheint, weil sie sich an den konkretistisch verkürzten Diskurs der Linken gewöhnt haben. Es muss ja eigentlich auch buchstäblich eine neue Sprache und Begrifflichkeit der Kritik entwickelt und der ‚Marxismus‘ in diese übersetzt werden, weil seine an die Verkürzungen der alten Arbeiterbewegung gebundene Gestalt die neuen gesellschaftlichen Probleme nicht mehr auflösen kann. Die ganzen altvertrauten Begriffe, in einem historischen Interpretations- und Verständniszusammenhang abgeschliffen und allzu glatt geworden, sehen auf einmal sehr fremdartig und scharfkantig aus.

Es ist uns klar, dass die gestellte Aufgabe auf lange Sicht nicht von wenigen Autoren einer kleinen Gruppe und deren beschränkter Diskussionsmöglichkeit bewältigt werden kann. Solange nicht wenigstens Teile der gesellschaftlichen Linken durch die Entwicklung der Verhältnisse selbst zu einer Veränderung und Erweiterung ihres Diskurses über die bisherigen engen begrifflichen Grenzen hinaus gezwungen werden, besteht leider wenig Hoffnung, dass die von uns entwickelten Gedanken rasch konkretisiert, anschaulich gemacht und ‚popularisiert‘ werden können, ganz zu schweigen von einer Transformation in praktische gesellschaftliche Handlungsanleitung, die sich kritisch mit den fortgeschrittensten Teilen der Oppositionsbewegung vermitteln könnte …

Selbstkritisch wäre noch anzumerken, dass sich unsere ganze Auseinandersetzung mit den Produktivkraftkritikern, auch in der vorliegenden Nr. 3, noch nicht auf eine publizierte ‚positive‘ Ausarbeitung der grundsätzlichen wertkritischen Position stützen und berufen kann, so dass der ‚Zweifrontenkrieg‘ einerseits gegen die heutige grün-alternative Produktivkraftkritik, andererseits aber auch gegen den ‚alten‘, traditionellen Marxismus vielleicht in mancher Hinsicht als verwirrend erscheinen muss, zumindest für diejenigen, die uns wohl gern in die Schublade ‚überholter Revolutions-Dogmatismus‘ stecken möchten. Diese Schwierigkeit lässt sich zwar beim gegenwärtigen Stand der Ausarbeitung schwer vermeiden; wir hoffen aber, dass die Grundlagen unserer Position in den nun vorliegenden Texten etwas deutlicher werden, insoweit auch die Abgrenzung von der alten Arbeiterbewegung und deren Verständnis von Produktivkräften, Produktionsverhältnissen und ‚Demokratie‘ klarer herausgearbeitet wird.

Der zweite Teil des Artikels ‚Die Herrschaft der toten Dinge‘ von Robert KURZ setzt zunächst die Kritik der begrifflichen Fetischisierung der Technik unter dem Aspekt der ‚Degradation des Arbeiters‘ fort und leitet dann zu den Konsequenzen der Produktivkraftkritik über. Es geht dabei nicht nur darum, den illusionären Charakter produktivkraftkritischer Gesellschaftsreformen aufzuzeigen; vielmehr sollen auch die immanenten Bezüge zur alten Arbeiterbewegung und (besonders im letzten Abschnitt) die objektive sozialökonomische Grundlage des produktivkraftkritischen Denkens herausgearbeitet werden. Implizit ist dies auch als grundsätzliche Kritik der heute grassierenden industriesoziologischen Theoreme zu verstehen. Ernst LOHOFF bemüht sich in seinem Artikel ‚Technik als Fetisch-Begriff. Über den Zusammenhang von alter Arbeiterbewegung und neuer Produktivkraftkritik’ darum, einen Bogen von den verdinglichten Bewusstseinsformen der alten Arbeiterbewegung zu den heutigen regressiven und bloß noch moralistisch begründeten Reaktionsformen in den ‚neuen sozialen Bewegungen‘ zu schlagen. Es zeigt sich dabei, dass in beiden Fällen der zugrundeliegende Produktivkraftbegriff identisch ist und bis heute nicht überwunden wurde, den sogenannten ‚westlichen Marxismus‘ von Lukács und Korsch eingeschlossen. ‚Ökosozialisten‘ wie Trampert/Ebermann können so ihren unreflektierten Bewegungsmarxismus, bloß mit umgekehrten produktivkraftkritischen Vorzeichen versehen, unaufgearbeitet weiterschleppen. Das Verhältnis von arbeiterbewegtem Wachstums-Fordismus und aktueller Bedürfnis-Kritik erscheint durch diese Arbeit in einem neuen und erhellenden Licht.

Der Beitrag ‚Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung‘ von Peter KLEIN versucht eine grundsätzliche Neubewertung der Theorien der Oktoberrevolution und des überstrapazierten Räte-Gedankens, wobei die Geschichte kapitalistischer Vergesellschaftung als Herausarbeiten des Tauschwerts zur totalen Verkehrsform den Hintergrund bildet. Vor diesem erscheinen Bolschewiki, Menschewiki und westliche Sozialdemokratie gleichermaßen und notwendig befangen in einem Prozess, der bis tief ins 20. Jahrhundert hinein erst die ständischen Formationen samt den dazugehörigen Ideologien überwinden musste, um die moderne Demokratie als adäquate Form kapitalistischer Versachlichung und den Arbeiter als Staatsbürger hervorzubringen. Das Spannende dabei ist, wie diese Entwicklung zeitweilig als antikapitalistisch, als proletarische Revolution und Emanzipation erscheinen konnte und gegen das soziologisch-empirische, selber in ständischem Denken befangene Bürgertum der unreifen Formationen des Kapitals durchgesetzt werden musste. Dass und warum dabei der eigentliche (und fragmentarische) kritische Kern der Marx’schen Theorie auf der Strecke bleiben musste, kann in diesem Zusammenhang erst klar werden … Udo WINKEL setzt seine in der Nr. 2 begonnene kritische Positionsbestimmung der akademischen Linken fort mit der Vorstellung des Buches von E. Dozekal: ‚Von der Rekonstruktion der Marx’schen Theorie zur ‘Krise des Marxismus’. Darstellung und Kritik eines Diskussionsprozesses in der BRD 1967-1984.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Peter Klein: Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung. Teil 1: Kapitalismus und Demokratie
- Ernst Lohoff: Technik als Fetisch-Begriff. Über den Zusammenhang von alter Arbeiterbewegung und neuer Produktivkraft
- Robert Kurz: Die Herrschaft der toten Dinge (Teil 2)
- Udo Winkel: Von der "Rekonstruktion" zur "Krise des Marxismus".
Q: IMK (Hrsg.): Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik, Nr. 3, Erlangen, Juni 1987.

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Dezember 1987:
Die Nr. 4 der „Marxistischen Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“, herausgegeben von der gleichnamigen Initiative, erscheint in Erlangen.

Im Editorial heißt es u. a.: „Die vierte Ausgabe der ‚Marxistischen Kritik‘ weist in sich nicht ganz dieselbe inhaltliche Geschlossenheit auf wie die vorhergehenden Nummern. Die Nummer 1 behandelte die Wirkungen des Schubs der Verwissenschaftlichung der Produktion durch die Mikroelektronik für das Abstraktwerden der Arbeit und die Zuspitzung der Widersprüche der relativen Mehrwertproduktion. Die Hauptartikel der Nummern 2 und 3 kritisierten die Befangenheit der Produktivkraftkritiker und des technizistischen Produktivkraftbegriffs überhaupt in den Aporien der Kapitalverwertung, die nur voranschreiten kann, indem das Kapital beständig seine eigene Negation, die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte, hervorbringt und in die Schranken der Verwertung des Werts zwingt, so dass diese produktiven Potenzen nur als Naturkräfte des Kapitals zu existieren scheinen, ohne je Kapital an sich zu werden. Wenn auch thematisch untereinander verselbständigter, ordnen die vorliegenden Artikel sich doch in den bisher abgesteckten Rahmen einer Neuerarbeitung der marxistischen Fundamentalkategorien ein, die die ‚Anstrengungen des Begriffs‘ und die Kritik der alten Arbeiterbewegung wie der heutigen produktivkraftkritischen Strömungen aufnimmt, um theoretisch den Boden einerneuen Radikalität zu bereiten, die sich selbst den Prinzipien der Wertvergesellschaftung nicht mehr verhaftet weiß.

Robert KURZ unterwirft in seinem Beitrag den Begriff der abstrakten Arbeit, den Übergang der abstrakten Arbeit in Wert und dessen Erscheinen im Tauschwert einer eingehenden Analyse und kommt zu einer Bestimmung des Ursprungs des Warenfetischismus aus der spezifischen Gesellschaftlichkeit der wertsetzenden Arbeit selbst, die kritisch gegen die zirkulativ beschränkte Sicht des Warenfetischismus bei Sohn-Rethel und anderen gerichtet wird …

Peter KLEIN versucht in seinem Artikel ‚Die Demokratie bei Lenin‘ zu zeigen, dass Lenins Demokratietheorie einander so widersprechende Momente wie die Bedeutung des revolutionären Demokratismus als verbindende Klammer für die demokratischen und sozialistischen Aufgaben der russischen Revolution, seine Berechtigung als Mittel der Erziehung der rückständigen Massen zur Bewerkstelligung der sozialistischen Umwälzung und die Demokratie als ideale Herrschaftsform der Bourgeoisie, schon deshalb nicht bruchlos in sich aufnehmen kann, weil sie nicht zu einem Verständnis der Demokratie als politischer Form der Tauschwertvergesellschaftung gelangt. Der Beitrag ist der zweite Teil der Artikelserie ‚Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung‘. die in der nächsten Ausgabe mit einer der russischen Rätedemokratie gewidmeten Arbeit fortgesetzt wird …

In seinem Artikel ‚Die Privatisierung des Politischen. Neue soziale Bewegungen und abstraktes Individuum‘. gibt Ernst LOHOFF eine Phänomenologie der Verirrungen des grün-alternativen Geistes in den Labyrinthen bürgerlicher Subjektivität …

Udo WINKELS Beitrag ‚Zur Ideologie der KPD - Material zur alten Arbeiterbewegung‘ präsentiert einen kommentierten Versuch Hartmut Nowackis, die in der Weimarer KPD wechselnd wirksamen ideologischen Einflüsse durch ein theoretisches Portrait der für sie stehenden Repräsentanten zu charakterisieren. Die dabei vertretenen Auffassungen über den Charakter des historischen Materialismus, die Naturdialektik und die Widerspiegelungstheorie sind in der Redaktion nicht unumstritten, waren aber bisher nicht ausdrücklich thematisierter Teil unseres Selbstverständigungsprozesses, weshalb sich noch nicht genügend Stoff für eine kontroverse publizistische Erörterung angesammelt hat. Der Nowacki-Rezension wird Udo WINKEL eine eigene Abhandlung über die ideologische Entwicklung der KPD folgen lassen …“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Petert Klein: Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung. Teil 2: Die Demokratie bei Lenin
- Ernst Lohoff: Die Privatisierung des Politischen oder: Neue soziale Bewegungen und abstraktes Individuum
- Robert Kurz: Abstrakte Arbeit und Sozialismus. Zur Marx'schen Werttheorie und ihrer Geschichte
- Udo Winkel: Zur Ideologie der KPD - Material zur alten Arbeiterbewegung.
Q: IMK (Hrsg.): Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik, Nr. 4, Erlangen, Dezember 1987.

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November 1988:
Im Verlag Marxistische Kritik (VMK) erscheint mit einer Auflage von 1.800 Exemplaren die ca. 100-seitige Schrift: „Auf der Suche nach dem verlorenen sozialistischen Ziel. Manifest für die Erneuerung der Theorie“ von Robert Kurz. Herausgeber ist die Initiative Marxistische Kritik (IMK).

Im Vorwort vom April 1988 heißt es dazu u. a.: „Der Text gibt im wesentlichen die Anschauungen wieder, wie sie in der Zeitschrift "Marxistische Kritik" sowie auf zahlreichen Seminaren in den vergangenen Jahren entwickelt wurden; er geht aber über das bisher (wenige) Publizierte hinaus, auch über den gesicherten Konsens der Redaktion der "Marxistischen Kritik", die sich weder als abgeschottete monolithische Einheit noch den Theoriebildungsprozeß als abgeschlossen begreift. Die Kernaussagen über die Befangenheit der Linken in den warenfetischistischen Reproduktionsformen und über das Ende der alten "Arbeiterbewegung" stellen allerdings eine verbindliche Grundlage unserer Position dar mit einem einheitlichen Ansatz.

Die "Initiative Marxistische Kritik" (IMK) als Trägerkreis der Zeitschrift und der Seminararbeit gibt dieses Manifest heraus, um sich einen Orientierungsrahmen für die weitere theoretische Arbeit, Qualifizierung und öffentliche Auseinandersetzung zu schaffen.“

Das Manifest gliedert sich in:
1. Die bisherige Linke ist am Ende
2. Die Theorie muß ihr Recht bekommen
3. Eine Erneuerung des sozialistischen Ziels kann nur in einer fundamentalen Kritik der Warenproduktion bestehen
4. Die alte Arbeiterbewegung konnte nur Entwicklungshelfer kapitalistischer Vergesellschaftung sein
5. Die wahren Totengräber des Kapitalismus werden erst heute geboren
6. Revolutionäre Intelligenz kann sich nur außerhalb des Wissenschaftsbetriebs entwickeln
7. Nachwort

Im Anhang wird das Statut der "Initiative Marxistische Kritik" (IMK) abgedruckt (siehe S. 96f.).
Q: Robert Kurz: Auf der Suche nach dem verlorenen sozialistischen Ziel. Manifest für die Erneuerung der Theorie, hrsg. von der Initiative Marxistische Kritik (IMK), Erlangen, November 1988.

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Dezember 1988:
Die Nr. 5 der „Marxistischen Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“, herausgegeben von der gleichnamigen Initiative, erscheint in Erlangen.

Im Editorial heißt es u. a.: „Über eines besteht sicher Einigkeit: 1988, 20 Jahre nach dem längst mythologisierten 68, ist vom Impuls von damals, soweit er nicht in der Modernisierung der bürgerlichen Verkehrsform aufging, wenig übriggeblieben. Die Schlüsse, die aus dieser unbestreitbaren Tatsache zu ziehen sind, sind allerdings weniger eindeutig. Die meisten Kämpfer von damals haben die Diskrepanz zwischen dem ‚Was wir wollten‘ und dem ‚Was wir wurden‘ dadurch aufgelöst, dass sie in der widerlich augenzwinkernden Pose des endlich weise und realistisch Gewordenen ihre Wünsche und Hoffnungen von Anno 68 und Umgebung auf das Niveau des tatsächlich Erreichten zurückgeschraubt haben. Hinter der so gern postulierten Forderung nach überschaubaren ‚konkreten Utopien‘, die mit dem einstigen abstrakten Revolutionswillen kontrastieren sollen, maskiert sich notdürftig die bedingungslose Kapitulation vor dem schlecht Faktischen … Unsere theoretische Arbeit zielt nicht auf die Beweihräucherung des Abschieds von der Revolution. Wir wollen die Beschränkungen der damaligen Bewegung und ihrer Folgeprodukte analysieren, um über sie hinwegzukommen und nicht um uns endlich guten Gewissens in die bestehenden Verhältnisse hineinzufinden. Diese Stoßrichtung unterscheidet uns von all jenen, die dieses Jahr im buntscheckigen Blätterwald 20jähriges Jubiläum feiern, in Jugenderinnerungen schwelgen und die Ereignisse aus jenen Jahren so gern ins anekdötchenhafte entwirklichen. Bei deren seltsamen Leichenzug können wir nicht mitlaufen. Wir wollen den Stachel, den der revolutionäre Impetus dieser Bewegung hinterlassen hat, nicht nachträglich ziehen; uns geht es in letzter Instanz um die Einlösung des revolutionären Versprechens von damals. In diesem Sinne beziehen wir uns gerade dort, wo wir grundsätzliche Kritik üben, auch positiv auf die antiautoritäre Bewegung und ihr Erbe, während jene, die heute milde zurückblicken, endlich von deren systemsprengenden Ansprüchen nicht mehr belästigt werden wollen. Unser eigenes Projekt erwächst letztendlich selber mit aus der geistigen Strömung, die mit jenem Epochenjahr verknüpft ist. Unsere theoretische Arbeit, die einen grundsätzlichen neuen Zugang zum Marxschen Denken, zu einer revolutionären Theorie unserer Zeit schaffen will, ist wesentlich auch Reaktion auf die Niederlage dieser Bewegung und ihrer diversen Auflösungsformen …

Auch die Marxrezeption fiel dem anheim. Die Marxsche Theorie, wie sie im Gefolge der 68er Bewegung wieder aufgegriffen wurde, erlebte keine von den Grundkategorien ausgehende Fortentwicklung, die sie auf die Höhe der Empirie unserer Zeit gehoben hätte; die eigene Gegenwart wurde durch ständig ausgewechselte Prismen betrachtet, die aus den Tiefen marxistischer Theoriegeschichte stammten (theoretisch am fruchtbarsten und realitätstüchtigsten war paradoxerweise vielleicht noch die reine Marxphilologie kapitallogischer Anläufe). Die eigenen Aufgaben wurden so immer durch eine theoretische Brille gesehen, die einer unentwickelten, noch in der Durchsetzung bürgerlicher Verhältnisse befangenen Sicht entsprachen …

Der Bezug zu den marxistischen Theorien der Vergangenheit gewann so etwas Unwirkliches und Pubertäres. Wo kritische Aufarbeitung vonnöten gewesen wäre, lösten sich blinde Identifikationen und enttäuschte Liebe ab. Auch heute noch erleben wir die Fortschreibung dieses Drehbuchs und der seit Jahren beklagte Verfall der Linken ist nur logische Folge des nie überwundenen beschränkten Ausgangspunktes. Nachdem die Neue Linke erfolglos die Kleiderkisten der ersten Jahrhunderthälfte und des vorigen Jahrhunderts durchwühlt hat und dieses Unterfangen nun enttäuscht aufgibt, hat sie nichts besseres zu tun, als ihr Interesse nun bevorzugt dem 18. Jahrhundert zuzuwenden. Die längst ausgelaugten und erschöpften Ideale der bürgerlichen Revolutionen sollen nicht sterben, und in den Würdigungen des 20jährigen Jubiläums heuer klingt schon schwer der 200-jährige Geburtstag mit, der nächstes Jahr ansteht. Während die bürgerliche Verkehrsform ihre objektive Schranke zu erreichen beginnt und auf allen Ebenen in die Krise gerät, sucht die ergraute Neue Linke den Weg in die Zukunft abermals im Sturm auf die längst eingeebnete Bastille. Sie reagiert offen regressiv und krallt sich an den bürgerlichen Idealen fest, deren Basis längst in Zersetzung begriffen ist.

Die aus der 68er Bewegung hervorgegangenen Strömungen haben es allesamt nicht vermocht, eine genuin revolutionäre Theorie entwickelter kapitalistischer Gesellschaften zu schaffen. Sie sind darin steckengeblieben, verschiedene Theorien, unter deren Banner und mit deren stillem Einverständnis die Herausbildung und Vollendung der Wertvergesellschaftung sich Bahn gebrochen hat, zu hypostasieren und in die Zukunft zu verlängern. Sie übernahmen damit den blinden Fleck der tradierten Revolutionskonzepte …

Die Neubestimmung revolutionärer Theorie muss von Grund auf einsetzen. Sie muss von der abstraktesten und allgemeinsten Ebene, also vom Wert und Doppelcharakter der sich in ihm “verkörpernden Arbeit” ausgehend die Analyse der bürgerlichen Gesellschaft erneut in Angriff nehmen und die Marxsche Theorie, zur Wertkritik zugespitzt, gegen den überlieferten Marxismus selber wenden …

Diese Ausgangssituation bestimmt das Konzept der ‚MK‘ und spiegelt sich auch in dieser Nummer wider. Obwohl wir diesmal kein Schwerpunktthema haben, die angekündigte Krisennummer bedarf einer länger als erwarteten Anlaufzeit, fällt auch diese Ausgabe nicht einfach in disparate Artikel auseinander. Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Beiträgen der ‚MK‘ 5 stellt sich nicht äußerlich über eine gemeinsame Thematik her, er existiert aber über das Gesamtkonzept vermittelt. Es geht uns darum, von verschiedensten, zunächst vielleicht weit auseinander liegenden Aspekten aus die gleiche Grundproblematik zu beleuchten:

Der Titelbeitrag von Robert Kurz befasst sich ‚zwanzig Jahre später‘ mit der ‚antiautoritären‘ Basis-Ideologie der Neuen Linken seit jenem gesellschaftlichhistorischen Einschnitt von 1968. Ausgehend vom Begriff abstrakter bürgerlicher Individualität, dessen Äußerungen sukzessive mit dem Aufstieg und der Totalisierung der Warenproduktion durch das gesellschaftliche Bewusstsein geistern, wird der permanente Selbst-Widerspruch dieser Individualität gezeigt, die sich zunehmend ‚revoltistisch‘ oppositionell gegen ihren eigenen unbegriffenen Vergesellschaftungs-Zusammenhang periodisch auflehnt, ohne ihn doch überwinden zu können …

Johanna W. Stahlmann widmet ihren Artikel ‚Der unsichtbare Sozialismus‘ der Sektion einer der letzten heiligen Kühe marxistischer Provenienz. Ihre Kritik bringt zwar sicher keine abschließende Würdigung von Georg Lukács’ Gesamtwerk, trotzdem wirft die kritische Auseinandersetzung mit dem älteren Lukács auch ein bezeichnendes Licht zurück auf den jungen Lukacs, der bisher in der Wertschätzung der hiesigen Linken als einer der Urväter des ‚Westlichen Marxismus‘ immer einen Ehrenplatz genossen hat.

Ernst Lohoff schließlich folgt Henryk Grossmann durch die Marxschen Reproduktionsschemata, um dessen Zusammenbruchstheorie einer ebenso verheerenden wie detaillierten Kritik zu unterwerfen. Er zeigt auf, wie wenig dieser Autor in der Lage war, den selbst gesteckten Anspruch einer grundlegenden “Rekonstruktion der Marxschen Krisen- und Zusammenbruchstheorie” gerecht zu werden und beleuchtet dabei gleichzeitig die theoretische Beschränktheit der gesamten klassischen marxistischen Krisendebatte.

Peter Klein setzt seine in der ‚MK‘ 3 begonnene Artikelserie zum Thema Demokratie und Demokratieillusion mit dem Beitrag ‚Der politische Inhalt der Räte‘ fort. Es wird gezeigt, dass ‚Gesellschaft‘ und ‚Staat‘ notwendig auseinanderfallen, solange die Produktion wertförmig ist … Die “MK” wird die Kritik des Demokratie-Fetischismus als historisch-gesellschaftliches Moment warenförmig reproduzierender Gesellschaften weiter aufgreifen und lädt zu kritischen und kontroversen Stellungnahmen ein …

Die Kritik von R.K. an den Produktivkraftkritikern Ullrich und Thaa etwa konnte ohne eine gleichzeitige Abgrenzung vom traditionellen Marxismus nicht auskommen und so wuchs der Beitrag sehr schnell zu einem halben Buch an und damit über den Zeitschriftenrahmen hinaus. Der Anschaulichkeit und leichten Zugänglichkeit war das nicht gerade förderlich … Die meisten, und gerade die zentralen, Beiträge sprengten mit ihren grundsätzlichen Fragestellungen von vornherein die Artikelform und die ‚MKs‘ setzten sich regelmäßig aus gewaltsam zusammengestutzten, unvollendet gebliebenen Büchern zusammen …

Nach dieser Zäsur muss und kann sich unsere publizistische Tätigkeit verändern. Wo Form und Inhalt bislang in stetigem Kampf lagen, sollen die durcheinander laufenden Ebenen auf der gewonnenen Grundlage geschieden werden. Die weitere grundsätzliche theoretische Aufarbeitung soll endlich in der ihr angemessenen Form stattfinden. Die angerissenen Buchkonzepte dürfen künftig zu Ende geschrieben werden, während die Zeitschrift - von diesem Ballast befreit - sich endlich als solche entfalten soll. Sicher wird sich dieses Konzept so ideal nicht durchhalten lassen; die Generalrichtung unserer weiteren publizistischen Tätigkeit muss sich aber in diesem Sinne umorientieren und der gequälte ‚MK‘ - Leser darf sich mit der Aussicht trösten, künftig einen zugegeben nicht gerade einfachen Inhalt wenigstens in angemessenerer Form präsentiert zu bekommen …

Zur Form gehört selbstverständlich das Outfit. Die ‚MK‘ 5 ist die letzte Ausgabe im alten Stil, und wir hoffen, mit dem ‚Manifest” („Manifest gegen die Arbeit“; d. Verf.) als erster ‚MK‘ - Broschüre und mit der nächsten ‚MK‘ auch auf diesem Gebiet die Experimentierphase ein stückweit abschließen zu können …

Der Artikel von E. L. hingegen ist seiner Form nach noch voll von dem alten Stadium der ‚MK‘- Produktion geprägt. Es handelt sich bei ihm um das Bruchstück eines umfangreichen, noch nicht ausgearbeiteten Konvoluts zur ‚klassischen Krisendebatte‘. Auch der unvermeidliche Fortsetzungsroman von P.K. über ‚Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung‘ würde künftig unzerlegt von vornherein als Broschüre vorgelegt werden …“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Robert Kurz: Glanz und Elend des Antiautoritarismus. Streiflichter zur Ideen- und Wirkungsgeschichte der „Neuen Linken“
- Johanna W. Stahlmann: Der unsichtbare Sozialismus
- Ernst Lohoff: Der Zusammenbruch einer Zusammenbruchstheorie. Henryk Grossmann und die Marxschen Reproduktionsschemata
- Peter Klein: Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung. 3. Teil: Der politische Inhalt der Sowjets.

Werbung wird in der Ausgabe gemacht für:
- Linke Spuren. Marxismus seit den sechziger Jahren
- Eduard Gugenberger/Roman Schweidlenka: Mutter Erde. Magie und Politik. Zwischen Faschismus und neuer Gesellschaft
- Blätter des IZ3W. Informationszentrum Dritte Welt
- Arbeiterkampf
- Arbeitsheft
- Atom
- Perspektiven. Zeitschrift für sozialistische Theorie
- Marcus Breitschwerdt (Hrsg.): Eine Chance für Gorbatschow. Ergebnisse und Perspektiven der sowjetischen Reformpolitik
- IMK (Hrsg.): Robert Kurz: Auf der Suche nach dem verlorenen sozialistischen Ziel. Manifest für die Erneuerung revolutionärer Theorie.
Q: IMK (Hrsg.): Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik, Nr. 5, Erlangen, Dezember 1988.

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April 1989:
Die Nr. 6 der „Marxistischen Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“, herausgegeben von der gleichnamigen Initiative, erscheint in Erlangen.

Im Editorial heißt es u. a.: „Wenn diese ‚MK‘ - Ausgabe für unsere bisherigen Begriffe recht schnell auf ihre Vorgängerin folgt, so hat das nicht allein mit dem erfreulichen Umstand zu tun, dass sich der Kreis unserer Autoren allmählich erweitert und unser Projekt ‚Marxistische Kritik‘ mittlerweile insgesamt stabilisiert hat. Neben unserer eigenen Entwicklung spielt hier ein anderer ‚externer Faktor‘ eine wesentliche Rolle und treibt uns zur Eile: die brisante Lage der Weltwirtschaft …

Die Einsicht in die Gefahren, die aus dem längst überspannten Kreditüberbau entspringen, ist für sich genommen allerdings nicht sonderlich originell. Von der drohenden Zuspitzung im monetären Sektor und einer bevorstehenden ‚harten Landung‘ trällert schon seit etlichen Jahren eine erkleckliche Anzahl Spatzen verschiedenster Couleur ihr munteres Liedchen von allen Dächern. Diesmal geht dem akuten Ausbruch der realen ‚Überakkumulationskrise‘ parallel zur üblichen amtlichen Schönfärberei auch die Überakkumulation von Kassandren voraus. Neben dem Exbundeskanzler Helmut Schmidt hebt auch ein füllig gewordener kubanischer Revolutionsführer warnend den Finger, und auch Alexander Schubert, Elmar Altvater und US-Ex-Notenbankpräsident Volcker wissen seit geraumer Zeit, wie wackelig es um den aufgeblähten Kreditüberbau steht. Hätten wir nicht mehr zu sagen als diese honorigen Herren, so könnten wir genauso gut schweigen. Wollten wir nur die akuten Weltmarktspannungen skizzieren, so wäre es ein reichlich überflüssiges Unterfangen, mit unserem Piepsstimmchen in deren Chor einzufallen.

Unsere Position erschöpft sich aber keinesfalls in der braven Wiederholung all der bereits mehr oder minder überzeugend vorgetragenen Argumente, die für eine baldige gründliche Erschütterung der Weltmarktverhältnisse sprechen. Die Perspektive, unter der wir die aktuellen Weltmarktprobleme betrachten, ist in ihrer ganzen Ausrichtung dem Lamento der wirtschafts- und finanzpolitischen Mahner entgegengesetzt und viel weitreichender. Wir setzen die drohende akute Zuspitzung auf den Weltfinanzmärkten in Beziehung zur Entwicklung der bürgerlichen Verkehrsform überhaupt …

Trotzdem bleiben natürlich einige Sorgen für die nähere Zukunft. Um auch in der Zwischenzeit konzeptionell vertreten zu sein und um zu verhindern, dass zwischen dem Ende des ‚fordistischen Akkumulationsmodells‘ und seinem hoffnungsfrohen phantastischen Nachfolger allzu viel Porzellan zerbricht, halten die linkssozialistischen Ökonomen aber noch das Zaubermittelchen ‚politischer Faktor‘ bereit. Früher oder später hüpft dieses Springteufelchen unvermeidlich aus der Kiste, und der Kampf für ‚Demokratisierung‘ darf die Wartezeit auf die weihnachtliche Wachstumsbescherung, die das kommende Jahrzehnt verspricht, ein wenig verkürzen. Sobald die linkssozialistischen Ökonomen versuchen, zu praktischen Konzepten durchzustoßen, fällt die Erklärungs- und Überzeugungskraft ihrer Gedankengänge unter den Gefrierpunkt und kippt ins Tragikomische. Die reformistischen Voraussetzungen ziehen die praktischen Schlussfolgerungen auf das gleiche erbärmliche Nullniveau hinunter, das wir schon von den Memorandumleuten zur Genüge kennen …

Die beiden zentralen Artikel dieser Ausgabe reflektieren diesen Sachverhalt, wenn auch erst im Ansatz und als polemische Prolegomena noch zu leistender Untersuchungen, in denen die hier angesprochene Wiedergewinnung der Einheit von ‚Theorie‘ und ‚Empirie‘ einzulösen wäre. Robert Kurz versucht in seinem Beitrag ‚Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff‘ die hier im Editorial bereits angerissene Grundsatzkritik am krisentheoretischen Raster der zum bürgerlichen ‚Realismus‘ degenerierten akademischen Linkssozialisten (z.B. Hickel, Schubert, Altvater, Hirsch/Roth usw.) detaillierter auszuführen. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhältnis von immanenten ‚Wachstums‘- Potenzen der arbeits-fetischistischen Warenproduktion, konkurrenzvermittelter ‚postfordistischer‘ Produktivkraftentwicklung und “Politik”, wobei die theoretische Begriffs- und Haltlosigkeit des gegenwärtig publizistisch und politisch sich spreizenden Neo-Reformismus aufgezeigt wird.

Der Artikel ‚Staatskonsum und Staatsbankrott‘ von Ernst Lohoff setzt diese Argumentation auf einer etwas anderen Ebene fort … Nuno Tomazky schließt die krisentheoretische Auseinandersetzung dieser Ausgabe der ‚MK‘ mit einer Polemik gegen das andere Ende des linken politischen Spektrums ab: in seinem Beitrag ‚Militanter Empirismus und IWF-Kampagne‘ wendet er unsere grundsätzliche Kritik am bürgerlichen Subjekt-Fetisch der Linken gegen den Scheinradikalismus der Autonomen … Noch einmal einen großen Raum nimmt schließlich die letzte Folge der Artikelserie von Peter Klein über ‚Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung‘ ein …“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Editorial
- Robert Kurz: Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff. Überakkumulation, Verschuldungskrise und „Politik“
- Ernst Lohoff: Staatskonsum und Staatsbankrott - Profitrate und Profitmasse. Die Absorption lebendiger Arbeit als Grundlage des kapitalistischen Krisenzyklus
- Nuno Tomazky: Militanter Empirismus und IWF-Kampagne. Zur Kritik der Zeitschrift „Autonomie“ und ihrer Apologeten
- Peter Klein: Die sozialistische Chimäre des Volkswillens. Staatliche Legitimationsideologie und Massenstimmung in der Oktoberrevolution (Moderne Demokratie und alte Arbeiterbewegung; letzter Teil der Serie).

Werbung wird gemacht für:
- Atom
- Hintergrund. Marxistische Zeitschrift für Gesellschaftstheorie und Politik
- Peru Report
- IMK (Hrsg.): Robert Kurz: Auf der Suche nach dem verlorenen sozialistischen Ziel. Manifest für die Erneuerung revolutionärer Theorie
- MK 1-5.
Q: IMK (Hrsg.): Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik, Nr. 6, Erlangen 1989.

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Mai 1990:
Im Verlag Marxistische Kritik (VMK) erscheint mit einer Auflage von 500 Exemplaren die ca. 100-seitige Schrift: „Die ‚Radikale Linke‘ - ein Schlesiertreffen? Beiträge zur Kritik des hilflosen Antikapitalismus“ von Michael Böhrnsen, Klaus Braunwarth u.a.

Im Vorwort heißt es dazu u. a.: „Die folgenden Beiträge zur Kritik eines hilflos gewordenen Antikapitalismus sind zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Leuten unabhängig voneinander formuliert worden; wir müssen daher die Leser für einige unvermeidliche Überschneidungen um Nachsicht bitten.“

Und zur Einschätzung der „Radikalen Linken“ heißt es: „die 'Radikale Linke' erscheint uns als eher kurzlebiges und perspektivloses Projekt, die Auseinandersetzung mit ihren wesentlichen Inhalten aber als exemplarisch für das Fertigwerden mit einem Bewußtsein, das heute als hilfloser Antikapitalismus sein endgültiges Waterloo erlebt. Das Bändchen mag daher vielleicht als Prolegomenon einer wirklichen Erneuerung radikaler Kapitalismuskritik noch seinen Dienst tun, wenn der unmittelbare Gegenstand seiner Kritik schon längst den vorgezeichneten Weg alles Irdischen gegangen ist.“

Inhalt der Schrift ist:
- Vorwort
- Ernst Lohoff: Einleitung: die Krise der Revolutionstheorie und die "Radikale Linke"
- Robeit Kurz / Ernst Lohoff: Die "Radikale Linke" - Ein Schlesiertreffen ? Zur Kritik des hilflosen Antikapitalismus
- Michael Böhrnsen: Wider eine konservative Linke
- Klaus Braunwarth: Zehn Thesen Zur Vergangenheit und "Zukunft der Radikalen Linken"
- Daniel Dockerill: Die doppelte Moral des linken Pfaffentums. Anmerkungen zu "Nie wieder Deutschland - Aufruf der Radikalen Linken gegen Nationalismus und Wiedervereinigung"
- Nuno Tomazky: Die sekundäre Barbarei braucht kein Hakenkreuz. Thesen zum neuen Rechtspopulismus und zur hilflosen Hysterie des linken "Antifaschismus".
Q: Michael Böhrnsen, Klaus Braunwarth u.a.: Die ‚Radikale Linke‘ - ein Schlesiertreffen? Beiträge zur Kritik des hilflosen Antikapitalismus, Erlangen, Mai 1990.

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August 1989:
Die Nr. 7 der „Marxistischen Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik“, herausgegeben von der gleichnamigen Initiative, erscheint in Erlangen.

Im Editorial heißt es u. a.: „Das Geld, als Inkarnation des Abstrakten, wurde von jenen alten Herren (etwa Simmel) als der Feind des unmittelbaren, ganzheitlichen Lebensstroms angesehen, welcher gewaltsam in jene abstrakte Form der Gesellschaftlichkeit, die sich in Geld, Recht und Politik ausdrückt, gepresst wird. Das Individuum als Schaffendes (zentral hier die Figur des Künstlers) erscheint als die Konkretion, der äußerlich Zwang angetan wird, die unmittelbaren Interessen sind wahres Leben im Gegensatz zu den Zwängen gesellschaftlicher Institutionen und rationalistischer Ideologie. Hat die Arbeiterbewegung dieses Motiv übernommen, indem sie den Werte schöpfenden Proleten zum Konkreten machte, die Abstraktion in den Austausch verlegte, so geht Bennholdt-Thommsen noch einen Schritt weiter: auch die Fabrikarbeit erscheint ihr bereits als zu öffentlich, nicht mehr als reine Unmittelbarkeit, da sie, obwohl Privatarbeit, bereits zu weit in den gesellschaftlichen Prozess einbezogen ist. Demgegenüber gelte es, die wahrhaft individuelle Arbeit zu betonen - Gebären und Subsistenzproduktion.

In all diesen Formen der Geldkritik erscheint das Geld nicht als das, was es ist, als Ausdruck und Vermittlungsinstanz voneinander isolierter Privatproduzenten und ihrer bornierten Interessen, sondern, da es die Gesellschaftlichkeit der abstrakten Individuen, als negative, erst herstellt, als Gegensatz zu ihrer reinen Innerlichkeit. Die Kritik der Abstraktion (abstrakte Allgemeinheit) wird so zur Affirmation der Abstraktion (abstrakte Einzelheit), indem sie gerade jenes von seiner Gesellschaftlichkeit getrennte, und eben darum abstrakte Individuum auf den Thron hebt. Die Konsequenz bei Bennholdt-Thommsen und anderen Feministinnen läuft letztlich auf eine Degradation des Menschen bzw. der Frau zum Tier, zur ‚konkreten‘ Eingebundenheit in den Naturprozess hinaus. So kommt sie, und mit ihr ein ganzer Schwung sogenannter Feministinnen, zu einer Kritik des abstrakten, männlichen Subjekts, dem die Frau als Naturwesen entgegenstehen soll. Die Frau als der beste Freund des Menschen? Soweit geht es nun gerade nicht, denn schließlich wird man sich wohl immer noch in die altbackene Vorstellung (Proudhon) eines unmittelbaren Produktenaustausches zwischen erdverbundenen Bäuerinnen retten können. Wie dem auch sei, letztlich ist in all diesen kritischen Vorstellungen das Geld nicht aufgehoben, da es, ob es nun als Kaurimuschel oder als Sonderziehungsrecht erscheint, den Verkehr zwischen den isolierten Produzenten gewährleisten muss. Der Wert ist immer die blinde, nicht überwundene Voraussetzung.

Auf Basis dieser Voraussetzung aber scheint Geld, obwohl es sämtliche Bereiche des Lebens durchzieht, weiterhin ein moralisch zweifelhaftes Medium geblieben zu sein, zwar hingenommene Grundlage, aber doch nicht ideologisches Banner, sodass man etwa sagen könnte: “Ich bin für Geld!” Im Gegenteil wird der schnöde Mammon mehr und mehr als notwendiges Übel betrachtet, während die Herzen lautstark für die Demokratie schlagen, die Verbindung zwischen Beiden ist mehr selbstverständliche als gewusste, und jene Selbstverständlichkeit teilen Marxisten und Bürgerliche mit Freude, während ihre scheinbare Differenz, jene magische Klassenfrage, mehr und mehr verschwimmt. Sicherlich bezeichnen aufrechte Sozialisten Geld immer noch erst dann als gutes Geld, wenn es zum Nutzen des Proletariats wirkt, sicherlich ist ihnen wahre Demokratie nur die der arbeitenden Massen. Doch sind diese einstmals so revolutionären Forderungen nicht bereits von der realen Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft anerkannt, sind sich ihre Ideologen von Blüm bis Mandel und von Gorbatschow bis Kissinger nicht längst darüber einig, dass die Arbeiter ein Menschrecht auf Geld und Demokratie besitzen?

Der verzweifelte Versuch der Marxisten, sich in diesem Zusammenhang als die Besseren und Konsequenteren darzustellen, lebt von einer Überhöhung des proletarischen Klassenstandpunkts zur transzendierenden Kraft. Das Arbeiterinteresse erscheint nicht als bloßes banales Geldinteresse, das mit anderen Geldinteressen innerhalb dieser Form konkurriert, sondern als ontologischer Gegensatz zur abstrakten Verwertungslogik des Kapitals. Diesen Zusammenhang greifen Robert Kurz und Ernst Lohoff in dieser Ausgabe der ‚Marxistischen Kritik‘ auf. In ihrem Artikel ‚Der Klassenkampffetisch‘ verweisen sie das zentrale Ideologem des Marxismus auf seinen Platz unter den Denkformen der Wertvergesellschaftung. Der das Kapital vermeintlich sprengende Arbeitersozialismus wird dargestellt als das, was er ist - eine der Schrittmacherideologien des modernen Kapitalismus. Ein diesen überwindendes Subjekt kann nicht aus der Affirmation der Arbeiterkategorie, sondern nur aus der Krise, der Krise des Werts entstehen. Dem tradierten Klassenbegriff wird der noch näher auszuführende Begriff der ‚Antiklasse‘ gegenübergestellt …

Ernst Lohoff führt in seinem Artikel ‚Die Wechseljahre der Republik‘ die vielgeschmähten ‚Republikaner‘ als natürliche Kinder der westdeutschen Demokratie ein. Er zeigt auf, wie wenig die neuen rechtspopulistischen Strömungen mit dem historischen Faschismus gemein haben und versucht, die einschneidenden Veränderungen, die sich in der bundesdeutschen Parteienlandschaft in den letzten eineinhalb Jahrzehnten vollzogen haben (insbesondere die Herausbildung der ‚Grünen‚), aus dem objektiven Ausbrennen der demokratischen Form selber abzuleiten.

Peter Klein untersucht im Anschluss an seine Artikelserie in den ‚Mks‘ 3-6 noch einmal grundsätzlich den notwendigen Zusammenhang von Demokratie und Wertvergesellschaftung (Demokratie und Sozialismus). Ausgangspunkt sind die Illusionen der Linken in Bezug auf die Kategorien des freien Willens und der Verfügungsmacht, die einen falschen Begriff des Privateigentums, das nicht als gesellschaftliches Verhältnis verstanden wird, voraussetzen. Das demokratische Bewusstsein, als Moment der Wertvergesellschaftung, erweist sich als untauglich zu deren Überwindung.“

Inhalt der Ausgabe ist:
- Robert Kurz / Ernst Lohoff: Der Klassenkampfetisch. Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus
- Ernst Lohoff: Die Wechseljahre der Republik. Über die Volksparteien und ihre ungewollten Kinder
- Peter Klein: Demokratie und Sozialismus. Zur Kritik einer linken Allerweltsphrase.

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Q: IMK (Hrsg.): Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik, Nr. 7, Erlangen, August 1989.

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Letzte Änderungen: 8.9.2014

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