Die Geiselnahme von München am 5. September 1972

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 8.7.2012

Die Geiselnahme der Mitglieder der israelischen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in München durch den palästinensischen Schwarzen September führte bei der bundesdeutschen und Westberliner Linken einerseits zu einer Reihe von Abgrenzungserklärungen gegenüber dem Terror an sich oder zumindest dem individuellen Terror, andererseits aber auch zu Solidaritätserklärungen mit dem Schwarzen September bzw. mit den Palästinensern allgemein, vor allem aber mit den durch die Verschärfung der Anwendung der Ausländergesetze und das erfolgende GUPS/GUPA-Verbot von Abschiebung bedrohten Arabern.

Kritik wird daneben vor allem an dem Einsatz der Polizei in Fürstenfeldbruck geübt, wird der Polizei dabei teilweise doch gar ein Mord an den Geiseln vorgeworfen und an der Verfolgung der Linken sowie der Aufrüstung der Polizei.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

September 1972:
Im September erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr.7/8 (vgl. Juli 1972, Okt. 1972) für August und September. Zu den Vorfällen bei der Olympiade in München und Fürstenfeldbruck wird gefragt: "Wem nützt der Terror?".
Quelle: Rotes Signal Nr.7/8,Erlangen Aug./Sept. 1972,S.18

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05.09.1972:
Laut Freimut Duve nehmen palästinensische Guerilleros des 'Schwarzen September' bei den olympischen Spielen in München Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geisel. Attentäter und Geiseln sterben in einem Blutbad auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck, als es einer Sondereinheit der Bundeswehr und der Polizei nicht gelingt, die Geiseln zu befreien.
Q: Duve, Freimut: Aufbrüche. Die Chronik der Republik 1961 bis 1986, Hamburg 1986; KPD/ML-ZB: Einigkeit ist unsere Stärke. Erheben wir unsere Stimme gegen den Polizeiterror. Erklärung des Zentralbüros der KPD/ML!, Bochum o.J. (1972);KPD/ML-ZB: Erklärung des ZB der KPD/ML zum Roten Antikriegstag, Bochum o.J. (1972)

05.09.1972:
Vom DKP-Parteivorstand (PV) lag uns das folgende Fernschreiben für den Kreisvorstand Dortmund, gesandt an den Pläne-Verlag, vor:"
Deutsche Kommunistische Partei, Parteivorstand
Düsseldorf, 5.September 1972

DKP verurteilt Überfall auf Olympia-Teilnehmer aus Israel

Das Präsidium der DKP befaßte sich auf seiner heutigen Sitzung mit den Vorgängen in der Olympiastadt. Im Namen des Präsidiums verurteilte Hermann GAUTIER in einer Erklärung scharf den provokatorischen Überfall auf Olympiateilnehmer aus Israel. Dieser verbrecherische Akt gefährdet die olympischen Spiele der XX. Olympiade in München und leitet Wasser auf die Mühlen der reaktionären und friedensfeindlichen Kräfte, die sich gegen die Verständigung der Völker, gegen den olympischen Geist wenden und die Verantwortung für die Fortsetzung des Krieges in Vietnam und der gespannten Situation im Nahen Osten tragen.

Wenn sich die Provokateure, die israelische Sportler in München ermordeten, als arabische Befreiungskämpfer ausgeben, dann weisen wir nachdrücklich darauf hin, daß ihre verbrecherische Aktion dem arabischen Befreiungskampf schwersten Schaden zufügt und nur den Kräften dient, die sich gegen eine friedliche Lösung der Nahost-Probleme wenden.

Die DKP hat von Anfang an die Durchführung der olympischen Spiele in München als neue, bedeutsame Chance, Entspannung und weltweite Zusammenarbeit zu fördern begrüßt und alle verantwortungsbewußten Kräfte aufgefordert, dazu beizutragen, daß diese olympischen Spiele ein Fest des Friedens und der Völkerverständigung werden und zum Abbau der Spannungen, zur Stärkung der Kräfte in der Welt beitragen, die sich für die Beseitigung der Kriegsherde, für friedliche Koexistenz und weltweite Zusammenarbeit einsetzen.

Die DKP weist mit Nachdruck alle Versuche ultrareaktionärer, antikommunistischer Kräfte zurück, die den Ablauf der olympischen Spiele bedrohen und die Spiele selbst gefährden. Sie fordert alle demokratischen und verantwortungsbewußten Kräfte auf, gemeinsam dafür einzutreten, daß der olympische Friede gewahrt und die weltweite, völkerverbindende Kraft der Olympiade gesichert wird."
Q: DKP-PV: Fernschreiben an den DKP-Kreisvorstand Dortmund, Düsseldorf 5.9.1972

05.09.1972:
Heute beginnt die Geiselnahme der israelischen Olympiadeteilnehmer durch den palästinensischen Schwarzen September (vgl. 6.9.1972).

Die IGBE (vgl. 15.9.1972) berichtet:"
MORD IN MÜNCHEN

Die Freude von Milliarden Menschen dieser Welt am olympischen Wettkampf wurde im Blut erstickt. Arabische Mörder zerfetzen mit ihren Kugeln das junge Leben von Israelis und Deutschen. Kaltblütig und ohne Sinn. Der olympische Friede wurde zerstört. Durch mordwütigen Fanatismus. Der niemandem nutzt. Aber allen Arabern schadet. Mord statt Sport. Das ist die schreckliche Perversion dieses Jahrhunderts. Das verbrecherische Treiben der arabischen Terroristen hat in München seinen makaberen Höhepunkt erreicht. Erpressungen, Meuchelmorde, Flugzeugentführungen und Geiselerschießungen als Mittel arabischer Politik. Und jetzt das Blutbad in München. Das kann die übrige Welt sich nicht länger bieten lassen. Schon haben die Olympia-Mörder aus ihren arabischen Schlupfwinkeln neue Aktionen angekündigt. Rache heißt ihre kriminelle Devise. Freiheit für die drei Mörder von München fordern sie. Wenn die nichtarabische Welt nicht wachsam wird, kommt die nächste Flugzeugentführung und Geiselnahme bestimmt. Und dann sind auch die drei Mordbuben aus München wieder frei. Das ist alles schon mal dagewesen. Die Bundesrepublik muß sich und ihre Gäste vor diesem arabischen Blutterror schützen. Mit allen Mitteln. Nur energische Abwehr kann Schlimmeres verhüten. Falsche Rücksichtsmaßnahme kann tödlich sein. Die arabischen Terroristen geben kein Pardon und kennen keine Rücksicht. Das haben sie zuletzt in München bewiesen."

Die IGBE berichtet auch über eine Reihe weiterer palästinensischer Terroraktionen (vgl. 18.2.1969, 16.8.1972).

Berichtet wird auch durch das Nationale Komitee "Kampf den reaktionären Ausländergesetzen" der KPD (vgl. 18.9.1972) und die Aktionseinheit gegen das reaktionäre Ausländergesetz und die Verschärfung der politischen Unterdrückung (vgl. 17.8.1972).

In NRW berichten die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 12.10.1972) über die "neue Terrorwelle, die die Bonner Regierung seit den Münchener Ereignissen gegen palästinensische Arbeiter und Studenten durchführt." Auch würden die Münchener Ereignisse zur Rechtfertigung für die Gesetze zur 'Inneren Sicherheit' (vgl. 22.6.1972) benutzt.

Berichtet wird auch im Deutschen Bundestag (vgl. 133.1975) und in:
- Baden-Württemberg durch die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 3.10.1972) in einem Bericht über die DKP (vgl. Sept. 1972);
- Berlin im IGM-Bereich durch die KPD bei KWU (vgl. 26.9.1972).
- Niedersachen in Clausthal durch das Sozialistische Aktionskollektiv (SAK - (vgl. Nov. 1972) und in Hannover durch die RJ/ML das KABD (vgl. Okt. 1972);
- NRW in Dortmund durch die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 25.10.1972), vom Dortmunder Komitee Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung (vgl. 5.1.1973) und im UB der Jusos der SPD (vgl. 1.4.1974).
Q: SPD-LV NRW-Bezirk Westliches Westfalen-UB Dortmund-Jusos:Juso Information Nr. 3, Dortmund 1974, S. 6; Dortmunder Komitee Kampf dem Ausländergesetz und der politischen Unterdrückung: Weltweite Proteste gegen den US-Bombenterror in Nordvietnam. Schweigen über die sogenannten 'Vergeltungsschläge' Israels gegen die palästinensische Bevölkerung!, Dortmund o.J. (Jan. 1973), S. 1;Nationales Komitee Kampf den reaktionären Ausländergesetzen:Schluß mit der Bombardierung der palästinensischen Flüchtlingslager, Berlin o.J. (1972), S. 1;Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 16, Berlin 26.9.1972;Klassenkampf und Programm Nr. 1, Dortmund Dez. 1972, S. 42;Arbeiter-Zeitung Nr. 8, Mannheim/Heidelberg Okt. 1972, S. 2;Einheit Nr. 18, Bochum 15.9.1972, S. 1 und 3;Roter Berufsschüler Nr. 1, Hannover Okt. 1972, S. 3ff;Rote Aktion Nr. 11, Clausthal-Zellerfeld Nov. 1972, S. 9ff;Die Rote Front Nr. 1 und 2, Dortmund Okt. 1972, S. 2 und 5 bzw. S.12;Der Bundesminister des Innern teilt mit, Bonn 13.3.1975, S. 24

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06.09.1972:
Vom DKP-Parteivorstand (PV) lag uns das folgende Fernschreiben für den Bundesvorstand der SDAJ, gesandt an den Pläne-Verlag, vor, welches auch dem DKP-Kreisvorstand Dortmund übergeben wurde:"
DKP, Parteivorstand, Düsseldorf, 6.9.1972 - 14 Uhr
München mahnt: Gewaltpolitik bekämpfen. Konflikte friedlich lösen.

Stellungnahme des Parteivorstands der DKP:

Die Völker der Welt erwarten von den Sommerspielen der XX. Olympiade in München einen Beitrag zur Festigung des Friedens und zur Erweiterung der internationalen Zusammenarbeit. Trotz der Schatten, die mit dem Mord an israelischen Sportlern über diese Spiele gekommen sind, können sie zur Förderung des Friedens und der Völkerverständigung beitragen. In unserer Zeit, da weltweit die Kräfte des Friedens und des Fortschritts erstarken, wurden bereits bedeutsame Schritte auf dem Weg zum Frieden und zur Sicherheit in der Welt erreicht.

Die tragischen Vorgänge in der Stadt der olympischen Spiele und auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck haben bei allen friedliebenden und fortschrittlichen Menschen Entsetzen und Empörung ausgelöst. Die DKP hat mit Nachdruck das verbrecherische Vorgehen gewalttätiger Terroristen verurteilt. Wenn Anhänger des Terrors vorgeben, der Sache des arabischen Befreiungskampfes und der nationalen Unabhängigkeit der Völker zu dienen, so arbeiten sie in Wahrheit den schlimmsten Feinden des Friedens und des Fortschritts in die Hände.

Der verbrecherische Überfall auf die Olympiateilnehmer aus Israel, die Ermordung von Sportlern, hat der olympischen Idee, der Sache des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit schweren Schaden zugefügt. Die DKP unterstreicht ihren Standpunkt, daß mit Mord, Erpressung und Terror weder Frieden und Fortschritt, noch den berechtigten Forderungen der arabischen Völker nach Beendigung der israelischen Aggression gedient ist. Die DKP verurteilt den Terror. Als marxistische Arbeiterpartei läßt sich die DKP von den Ideen von Marx, Engels und Lenin leiten und kämpft für das aktive Handeln des Volkes für seine eigenen Interessen.

Die tragischen Vorgänge in München und Fürstenfeldbruck mahnen zum Kampf gegen Gewaltpolitik im Nahen Osten wie in Indochina. Notwendig ist eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts. Die jahrelange Mißachtung der UNO- Sicherheitsrats-Resolution vom November 1967 (vgl. Nov. 1967,d.Vf.) hat zur Explosion der Lage in diesem Teil der Welt beigetragen. Sie bildet den politischen Hintergrund für die Eskalation des Terrors und der Gewalt.

Die Ereignisse mahnen zur verstärkten Anstrengung zur Lösung des Konfliktes auf der Grundlage … (offenbar Übertragungsfehler,d.Vf.) und für die Beendigung der amerikanischen Aggression in Indochina. Die DKP tritt für die friedliche Lösung des Nahost-Konflikts auf dem Wege von Verhandlungen ein.

Gerade jetzt ist es Aufgabe aller friedensbereiten Menschen, verstärkt für internationale Verständigung und Entspannung einzutreten und die olympische Idee gegen reaktionäre Kräfte zu verteidigen. Wir begrüßen den Beschluß des IOC, die olympischen Sommerspiele 1972 fortzusetzen und knüpfen daran die Erwartung, daß sich die völkerverbindende Kraft des Sports gerade in den nächsten Tagen bewähren wird.

Die DKP stellt die Frage, ob im Verlauf des gestrigen Tages von den Verantwortlichen alles unternommen wurde, um das Leben der Sportler zu retten und eine blutige Katastrophe zu verhindern. Die Öffentlichkeit der Bundesrepublik und der ganzen Welt haben ein Recht auf genaue Information.

Es darf nicht zugelassen werden, daß ultrarechte Scharfmacher die tragischen Ereignisse zur Verschärfung der internationalen Situation, zur Schürung neuer Spannung und verschärfter Konflikte ausnutzen. Es darf nicht zugelassen werden, daß reaktionäre Kräfte die Erregung der Öffentlichkeit über den verabscheuungswürdigen Mord zum Ausbau polizeistaatlicher Methoden, zur Einschränkung der demokratischen Rechte des Volkes, zur nationalistischen und antikommunistischen Volksverhetzung mißbrauchen.

Die DKP appelliert an alle, die Frieden und Fortschritt wollen, jetzt gemeinsame Anstrengungen für einen würdigen Verlauf der olympischen Spiele zu unternehmen und gemeinsam zu gewährleisten, daß sich die völkerverbindende olympische Idee als stärker erweist als alle Störversuche."
Q: DKP-PV: Gewaltpolitik bekämpfen. Konflikte friedlich lösen, Düsseldorf 6.9.1972

06.09.1972:
Vom DKP-Parteivorstand (PV) lag uns das folgende Fernschreiben für den Bundesvorstand der SDAJ, gesandt an den Pläne-Verlag, vor, welches auch dem DKP-Kreisvorstand Dortmund übergeben wurde:"
Telegramm des Parteivorstandes der DKP an das IOC und NOK der BRD

Der Parteivorstand der DKP trauert um die Opfer der tragischen Ereignisse in München und Fürstenfeldbruck. Wir verabscheuen das brutale Verbrechen mit dem der olympischen Idee schwerer Schaden zugefügt wurde. Der Kampf für die Verwirklichung der olympischen Idee, für Frieden und weltweite Verständigung bleibt Aufgabe aller, die in Frieden leben wollen."
Q: DKP-PV: Telegramm des Parteivorstandes der DKP an das IOC und NOK der BRD, Düsseldorf 6.9.1972

06.09.1972:
Die KPD/ML-ZB gibt eine erste "Erklärung zum Terroranschlag der palästinensischen Organisation 'Schwarzer September' in München" (vgl. 5.9.1972) bzw. zum Roten Antikriegstag (RAKT) (vgl. 2.9.1972) heraus (vgl. 12.9.1972). Dazu schreibt sie selbst:"
Diese Erklärung stieß auf heftige Kritik, weil sie zur Aktion unklar Stellung nahm und den Eindruck erweckte, als ob die KPD/ML die Aktion billigte. Besonders der Satz: 'Die KPD/ML ist der Meinung, daß der individuelle Terror, wie ihn die palästinensischen Kämpfer anwenden, dann ein richtiges Mittel ist, wenn es den Kampf der Massen um die Befreiung Palästinas vom zionistischen Joch vorantreibt' wurde zurecht kritisiert. Viele Genossen berichteten über die starke Ablehnung des Flugblatts in den Betrieben" (vgl. 12.9.1972).

Im Vorfeld der Erarbeitung der Erklärung kontaktieren Mitglieder des Politbüros der KPD/ML-ZB zu diesem Zeitpunkt auch einen Genossen der ehemaligen Bolschewistischen Linie (BL), die hauptsächlich in NRW im Dortmunder Raum aktiv war, und dort auch die Dortmunder Organisation der KPD/ML-ZB personell auffüllte und unterstützte, und besprechen mit ihm den Entwurf des Flugblatts, das später bundesweit verbreitet wird. Ergebnis dieser Besprechung ist ein "Gegenentwurf von XX zum Flugblatt des ZB über das Eingreifen des Schwarzen September bei den olympischen Spielen in München', der jedoch nach unserer Kenntnis nicht verbreitet wird. Darin heißt es:"
Der Staat Israel ist ein Mordstaat. Er wurde errichtet durch die Ermordung der arabischen Bevölkerung in Palästina. In einer einzigen Nacht wurde von der israelischen Terrororganisation Irgun die Einwohnerschaft mehrerer hundert arabischer Dörfer umgebracht. Die übrigen Araber flohen in panischem Schrecken über den Jordan in das Gebiet, das bis zum Junikrieg 1967 noch zu Jordanien gehört hatte und heute ebenfalls von Israel beherrscht wird. Dort lebten diese Araber und ihre Familien von 1948 bis 1967 in Elendsquartieren und mußten hungern, denn weder Israel noch Jordanien fühlten sich hier zuständig. Die große Mehrheit hat bis heute keine Arbeit, sie wird systematisch als industrielle Reservearmee gehalten, um den Lohn der übrigen Araber zu drücken. Der Staat Israel umfaßt heute mehr Araber als Israelis, aber die Araber werden als Menschen zweiter Klasse behandelt, haben keine staatsbürgerlichen Rechte, werden zu Hungerlöhnen teilweise beschäftigt. Nachdem Israel im Juni 1967 unter der Leitung des Faschisten Moshe Dayan, der seine militärische Qualifikation in der französischen Kolonialarmee in Vietnam erwarb und seither eine Augenklappe trägt, Ägypten und Jordanien überfallen hatte, war der größte Teil der palästinensischen Bevölkerung aus Angst vor erneuter Ermordung noch weiter nach Jordanien geflüchtet. Sie stellt für den jordanischen Staat einen ständigen Unruhekeim dar. Seit dem Juni 1967 haben die Palästinenser immer klarer erkannt, daß sie nur überleben können, wenn sie sich bewaffnet zur Wehr setzen. Seither gibt es eine große Zahl von Guerillaorganisationen, deren Ziel die Herstellung eines unabhängigen Palästina ist, in dem alle Menschen, gleich welcher Herkunft, gleiche Rechte haben sollen. Im September 1970 überfiel die jordanische Armee, unterstützt von den USA, die palästinensischen Dörfer und schickte Mordkommandos los, um die zurückbleibenden verwundeten Menschen umzubringen. Guerilleros und jordanische Armee lieferten sich erbarmungslose Gefechte, die israelische Armee stand an der Grenze und sorgte dafür, daß niemand entfliehen konnte. Bilanz dieses schwarzen September: über 60 000 Tote. Unter dem Eindruck dieser Geschehnisse radikalisierte sich die palästinensische Widerstandsbewegung. Es bildete sich unter anderem die anarchistische Terrorgruppe 'Schwarzer September'. Es handelt sich um technisch hochqualifizierte Kräfte, die die Entführung von Flugzeugen ebenso beherrschen wie mehrere europäische Sprachen - und die wissen, wie sie sich die notwendigen Waffen besorgen müssen, vom Feind! Israel hat inzwischen mehrere hundert Guerilleros gefangengenommen, z.T. für Schauprozesse präpariert und möglicherweise anschließend ermordet. Von daher wäre die unnachgiebige Haltung der israelischen Regierung zur Freilassungsforderung begreiflich, sie konnten nicht zugeben, daß die Guerilleros bereits nicht mehr leben.
Welche Rolle spielt Westdeutschland in der Israelfrage? Wie andere imperialistische Staaten ist auch Westdeutschland daran interessiert, daß die Araber sich nicht befreien können. Denn damit wäre die Ausbeutung der arabischen Erdölquellen zugunsten der Imperialisten unmöglich. Die Imperialisten sind daher am Vorposten Israel interessiert, der die arabische Welt in Schach hält und aus diesem Grunde von den Imperialisten einschließlich Westdeutschlands mit hochmodernen Waffen ausgerüstet wird. Die westdeutschen Imperialisten begründen diese 'Entwicklungshilfe' für den Mordstaat Israel mit der Kollektivschuld des deutschen Volkes und der Ermordung von 6 Millionen Juden. In Wirklichkeit jedoch ist die Hitlerregierung ein Produkt der deutschen Imperialisten gewesen und hat in deren Interesse gehandelt. Sie hat den größten Teil der Juden auch nicht einfach umgebracht, sondern als billige Arbeitskraft in den KZs (z.B. Ausschwitz-Monowitz) für die Profitinteressen der Stahl- und Chemiekonzerne verheizt. Die israelischen Menschen lassen sich heute ebenfalls für die Profitinteressen der Erdölkonzerne im Kampf gegen das arabische Volk verheizen. Wenn arabische Terroristen Bürger des Staates Israel umbringen, dann rümpfen diese Herrschaften vornehm die Nase und wagen es, von Unmenschlichkeit und Verbrechen zu reden. Zugleich jedoch sind sie eifrig bestrebt, ihre 'Sicherheitsvorkehrungen', die angeblich vor solchen Taten schützen sollen, aber offensichtlich dazu völlig untauglich sind, auf alle Kräfte des Volkes auszudehnen, die bereit sind, gegen ihre Unterdrückungsmaßnahmen den Kampf aufzunehmen. Das Volk von Palästina, aus dessen Mitte heute so viele Terroristen hervortreten, will - wie alle Völker der Welt - in Frieden leben. Das aber machen die Profithaie unmöglich. Die Hauptverantwortung für die Erschießung der israelischen Geiseln trifft sie. Und das auch ganz konkret: wer hat denn das Feuer eröffnet? Die Genscher, Merck und Schreiber müssen zugeben, es war die Polizei, die nach ihrem Plan handelte. Man wird deutlich erinnert an jene Polizeiaktion gegen den Banditen Rammelmayer (in München in Bayewrn - vgl. **.*.1972,d.Vf.), bei der man einfach die Geisel mit über den Haufen schoß. Den Imperialisten ist die Wahrung ihres Prestiges kostbarer als das Leben von Menschen; denn wenn ihnen die Maske vom Gesicht gerissen ist, dann ist ihre Existenz keinen Pfifferling mehr wert. Das wissen sie, und nach diesem Gesetz handeln sie. Es ist das Gesetz des Mordes - und daran kann alles krampfhafte Gerede vom olympischen Frieden oder der olympischen Idee nicht vorbeitäuschen. Nicht Ideen bestimmen die Geschichte, sondern die materiellen Verhältnisse. Und die materiellen Verhältnisse, die der Imperialismus schafft, enden in Mord und Krieg. Die Heuchelei der für den Polizeieinsatz in München Verantwortlichen entlarvt sich selbst: die Herren Genscher und Co. begaben sich selbst in die Hände von 'Verbrechern, denen alles zuzutrauen' sei. Ihr freundliches 'Opfer' wurde von den arabischen Terroristen verweigert, denn ihnen ging es darum, die israelische Regierung zum Offenbarungseid zu zwingen. Während es in der Nacht zum 6. September hieß, Ägypten habe eine Landung abgelehnt, konnte man am Morgen hören, die Landung in Ägypten wäre das Todesurteil für die israelischen Sportler gewesen. Das konnte doch nur dann der Fall sein, wenn der Staat Israel nicht zum Einlenken bereit war. Die Genscher, Merck und Schreiber mußten also wissen, daß die Forderung der Guerilleros unerfüllbar war, weil die in Israel Gefangenen nicht mehr leben. Die Terroristen und ihre Geiseln mußten sterben, weil die westdeutsche Regierung nicht wollte, daß ihr Vorposten Israel den Offenbarungseid leistete. Jetzt lauthals zu wehklagen, daß hier unschuldige Menschen sterben mußten, steht diesen Herrschaften nicht zu, die ohne weiteres bereit sind, ganze Völker ihren Sonderinteressen zu opfern".
Q: X.X.: Gegenentwurf von XX zu Flugblatt des ZB über das Eingreifen des Schwarzen September bei den olympischen Spielen in München,o.O. (Dortmund) o.J. (Sept. 1972); KPD/ML-ZB: Erklärung des ZB der KPD/ML zum Roten Antikriegstag,Bochum o.J. (Sept. 1972);Rote Fahne Nr. 19 und Einigkeit ist unsere Stärke. Erheben wir unsere Stimme gegen den Polizeiterror. Erklärung des Zentralbüros der KPD/ML,Bochum 18.9.1972 bzw. o.J. (1972),S.3 bzw. S.3f

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06.09.1972:
Laut KPD/ML-ZB nimmt das ZDF-Magazin unter der Leitung von R. Löwenthal heute u.a. auch zur KPD/ML Stellung, "die KPD/ML habe die Aktionen des Schwarzen Septembers begrüßt". Weiter wird die heutige Erklärung der KPD/ML-ZB verlesen, mit der Stoßrichtung, daß die "eigentlichen Drahtzieher die Maoisten, besonders Neues Rotes Forum (KG NRF Mannheim/Heidelberg, d.Vf.), KPD/ML (Roter Morgen) (KPD/ML-ZK, d.Vf.) und KPD/ML (Rote Fahne) seien, besonders gefährlich, weil letztere - anders als die Baader-Meinhof-Gruppe (RAF,d.Vf.), eine organisierte Partei im Untergrund sei". Genscher, danach befragt, soll geantwortet haben: "Ich teile die Sorgen!".

Berichtet wird auch in:
- Berlin durch die KPD/ML-ZB (vgl. 22.9.1972).
Q: KPD/ML-ZB: Extrablatt der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, Berlin 22.9.1972,S.2; KPD/ML-ZB und KJVD Dortmund: Freiheit für den Roten Punkt, Dortmund 25.9.1972,S.15;KPD/ML-ZB, KJVD: Freiheit für den Roten Punkt - Polizisten leisten Meineid - Gerichtsverhandlung geplatzt, Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.4

06.09.1972:
In München bzw. Fürstenfeldbruck wird, laut KPD, das Feuer auf den palästinensischen Schwarzen September frei gegeben.

Mit dem Massaker befaßt sich auch die KPD (vgl. 25.4.1973) und in:
- Bayern die SBG Regensburg (vgl. 7.9.1972), u.a. im DruPa-Bereich (vgl. Sept. 1972);
- Bremen durch den KBB (vgl. 9.10.1972).
- Berlin im IGM-Bereich die KPD bei KWU (vgl. 26.9.1972);
- NRW die ML Dortmund, ML Hagen und die PL Hamm (vgl. Dez. 1972), in Dortmund die ML Dortmund (vgl. 25.10.1972), die Ortsleitung (OL) des KOV der KPD (vgl. 13.11.1974), die Rote Hilfe der KPD/ML (vgl. 16.11.1973) und im IGM-Bereich die KPD/ML-ZB bei Hoesch Phoenix (vgl. 25.9.1972).
Q: KOV-OL Dortmund: Holger Meins im Gefängnis ermordet!, Dortmund o.J. (13.11.1974),S.2; Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 16,Berlin 26.9.1972;Arbeitersache Nr. 24,Regensburg Sept. 1972,S.1f;Roter Widerdruck Nr. 9,Regensburg Sept. 1972,S.5;Das Rote Schwungrad Der Kampf um höhere Löhne in der Tarifrunde, Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.6;Rote Fahne Nr. 17,Dortmund 25.4.1973,S.3;Die Rote Front Nr. 2,Dortmund Okt. 1972,S.12;RH Dortmund: Aufruf der Roten Hilfe Dortmund an alle Freunde, Kollegen und Genossen in Westdeutschland: Verteidigt die revolutionäre Organisations- und Meinungsfreiheit, Dortmund 16.11.1973,S.2;Wahrheit Nr. 9,Bremen Okt. 1972, S. 20;Klassenkampf und Programm Nr. 1,Dortmund Dez. 1972,S.27

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06.09.1972:
Die KPD/ML-ZK berichtet von Siemens Berlin:"
GEGEN MILITARISMUS UND REVANCHISMUS!

Am letzten Mittwoch legten die Siemens-Bosse eine 'Gedenkminute' ein, 'für die ermordeten israelischen Sportler'. Fast alle Kollegen waren empört über diese Provokation der Siemens-Herren. Denn dieses Pack legt auch keine Gedenkminute ein, wenn ein Kollege durch die Arbeitshetze dieser Menschenschinder einen 'tödlichen Unfall' erleidet. Sie und die ganze Ausbeuterklasse haben bisher noch nie Rücksicht auf die Arbeiterklasse und die breiten Volksmassen genommen. Sie haben Millionen der besten Söhne und Töchter des deutschen Volkes auf ihrem 'Gewissen'. Als sie vor 30 Jahren durch ihr Werkzeug Hitler versuchten, die Völker Europas zu unterdrücken. Auch 1936 gab's ein Olympia mit Friedensgeschrei! Und heute? Wieder sollen die Völker der Welt über die Revanche- und Großmachtpläne der westdeutschen Finanz- und Rüstungshaie hinweggetäuscht werden: mit Protz und Prunk und den verlogenen Reden von 'Völkerverständigung und Entspannung'.

Die Kollegen, die sagen, das ist nicht unser Olympia, aber das sind unsere Milliarden, die sie aus uns 'rausgepreßt haben, ihr habe völlig recht. Ihr habt auch recht, wenn ihr sagt, daß bei den Spielen wieder die Siemens und die anderen die dicken Profite machen. Richtig ist auch, daß das nichts mehr mit Sport zu tun hat. Wo ist denn da ein Prolet in München? Was tun denn die Siemens-Herren, damit wir 30 000 Arbeiter und Arbeiterinnen Sport machen können? Bauen sie etwa Fußballplätze oder Schwimmhallen für uns? Nee, nichts dergleichen.

IHR WAHRES GESICHT HABEN DIE WESTDEUTSCHEN IMPERIALISTEN AM ROTEN ANTIKRIEGSTAG GEZEIGT, ALS SIE MEHR ALS 1 000 BULLEN UND DEN BUNDESGRENZSCHUTZ ALS IHRE BÜRGERKRIEGSARMEE GEGEN DEMONSTRIERENDE ARBEITER, LEHRLINGE UND STUDENTEN EINSETZTEN. IHR WAHRES GESICHT HABEN SIE GEZEIGT, ALS SIE DAS FEUER AUF DIE PALÄSTINENSISCHEN REVOLUTIONÄRE ERÖFFNETEN. DIE TOTEN GEHEN AUF IHR KONTO!

HOCH LEBE DER BEFREIUNGSKAMPF DES PALÄSTINENSISCHEN VOLKES!

Die israelischen Imperialisten haben ihren blutigen Terror gegen das palästinensische Volk zur Zeit der Olympiade für keine Minute unterbrochen! Fast das ganze Volk haben sie aus ihrer Heimat vertrieben. Dreimal haben sie die arabischen Völker überfallen, um den Widerstand der Palästinenser zu brechen. Sie werden grausam unterdrückt, in KZs gefoltert und ermordet. Und dagegen führt das palästinensische Volk einen heldenhaften, bewaffneten Kampf. Ob Olympia oder nicht, der Kampf um die Befreiung ihres Landes geht weiter - bis die israelischen Räuber besiegt sind. So sieht's aus und da können wir die Augen nicht zumachen. Auch wenn es besser gewesen wäre, die Revolutionäre hätten sich den Dajan und einige vom Offizierspack in Israel geholt. Wir stehen fest an der Seite des palästinensischen Volkes und aller anderen arabischen Völker.
Kollegen, das Geschwätz vom olympischen Frieden von Brandt, Bundage, Nixon, Breschnew oder Honecker: das ist nichts weiter wie Tarnung. Auch die Hetzrede Heinemanns: die Imperialistenbande in aller Welt zeigte ihm seinen Dank. Hier sehen wir's deutlich: Westdeutsche und US-Imperialisten, die sowjetischen Sozialimperialisten, sie blasen alle ins gleiche Horn. Sie sind die wahren Völkermörder! Und die DDR-Führer haben die Olympiade nur dazu benutzt, die Existenz 'zweier deutscher Nationen zu beweisen'. Die SEW brachte 'ausgerechnet' Heinemanns nationalistische Rede über die Lautsprecher der S-Bahnhöfe!

Der ROTE ANTIKRIEGSTAG machte klar: das deutsche Volk läßt sich immer weniger von der Friedensheuchelei der SPD/FDP-Regierung und auch der D'K'P/SEW-Revisionisten irreführen! Und auch die Kollegen der 'Roten Fahne' (Roter Gartenfelder, Roter Schaltwerker, Roter Blitz) (KPD/ML-ZB,d.Vf.) müssen hier Farbe bekennen, wenn sie von einer 'freien Stadt Westberlin' reden. Hier heißt es: Feuer auf alle Verräter am Sozialismus und an der Nation!

VORWÄRTS, KOLLEGEN!
FÜR EIN VEREINTES UNABHÄNGIGES SOZIALISTISCHES DEUTSCHLAND!"
Q: Roter Lautsprecher Nr. 10,Berlin Sept. 1972

06.09.1972:
Der Bezirksvorstand Niedersachsen der DKP gibt zu unbekanntem Zeitpunkt eine Ausgabe seiner 'DKP Informationen' (vgl. 5.9.1972, 23.9.1972) mit einer Verurteilung des Münchner Anschlags durch den Parteivorstand der DKP heraus.
Q: DKP Informationen München mahnt!, Hannover o.J. (1972)

06.09.1972:
Der KB Bremen gibt ein Flugblatt "Gegen individuellen Terror" zur Geiselnahme auf der Olympiade in München heraus. Verteilt wird das Flugblatt u.a. im IGM-Bereich bei Nordmende.
Q: Wahrheit Nr. 9, Bremen Okt. 1972, S. 5

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07.09.1972:
Vermutlich frühestens heute gibt die Gruppe Arbeitersache München (ASM) ein Flugblatt mit der Presseerklärung des palästinensischen Schwarzen September vom 5.9.1972 und Artikeln über die Olympiade heraus. Erinnert wird an den Fall Rammelmayer.
Q: Arbeitersache: der Unterdrückte muss sich wehren!,München o. J. (1972)

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Muenchen_Arbeitersache001
Muenchen_Arbeitersache002

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07.09.1972:
Vor Regensburger Betrieben verteilt die SBG, nach eigenen Angaben, Flugblätter zum Massaker in Fürstenfeldbruck (vgl. 6.9.1972).

Die SBG berichtet im DruPa- (vgl. Sept. 1972) und im IGM-Bereich (vgl. 25.9.1972) gleichlautend:"
DER FEIND STEHT RECHTS

Manche Kollegen waren zum ersten Mal unfreundlich zu unseren Verteilern, als am Morgen nach dem Massaker in Fürstenfeldbruck unsere Stellungnahme dazu veröffentlicht wurde. Hätten diese Kollegen erst unser Flugblatt gelesen - dann hätten sie anders geurteilt: Wir Kommunisten verurteilen aufs Schärfste den Terroranschlag auf die israelischen Sportler, denn er hat mit dem gerechten Kampf des palästinensischen Volkes überhaupt nichts gemein und ihm großen Schaden zugefügt. Er hat allein der großisraelischen Reaktion genützt, die jetzt ihre Angriffskriege auf fremde Völker verstärkt.

Und wir verurteilen aufs Schärfste die Entscheidung der Bundesregierung und der bayrischen Staatsregierung, das Feuer auf die Terroristen zu eröffnen, weil damit das Todesurteil über die Geiseln gesprochen war. Diese waren mit dem Abflug aus der BRD einverstanden gewesen.

Der Terroristenanschlag hat der westdeutschen Reaktion einzig und allein als Vorwand gedient, eine beispiellose Hetze gegen die arabischen Völker und die Demokraten in unserem Land zu entfachen.

Kollegen, trotz der Hetze der Reaktion: Gegen den Abbau demokratischer Rechte wie Versammlungsrecht und Meinungsfreiheit! Gegen Notstandskurs, Krieg und Faschismus! Für ein Palästina, in dem Araber und Juden gleichberechtigt leben können! Für Völkerfreundschaft!"
Q: Arbeitersache Nr.24,Regensburg Sept. 1972,S.1f; Roter Widerdruck Nr.9,Regensburg Sept. 1972,S.5

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07.09.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg gibt ein Extra ihrer 'Arbeiter-Zeitung' mit einer "Erklärung zu den Massakern in München" heraus, die außer von der KG auch von den KHG's (NRF) Heidelberg und Mannheim und dem Sozialistischen Palästinakomitee Heidelberg unterzeichnet ist.
Q: Arbeiter-Zeitung Extra, Mannheim/Heidelberg 7.9.1972

07.09.1972:
Laut KPD/ML-ZB verabschieden der KJVD Hamburg und der Aktionsausschuß Hamburger Marxisten-Leninisten (ex-KPD/ML-ZK) eine Kritik an der ersten Erklärung der KPD/ML-ZB zum Anschlag des Schwarzen September in München (vgl. 6.9.1972). Kritisiert wird u.a.:
- die Haltung zum individuellen Terror,
- die Nichtverurteilung der Aktion,
- keine Verbindung zum Roten Antikriegstag,
- keine Entlarvung der Notstands- und Kriegsolympiade,
- kein Kampfaufruf in der Erklärung.
Es wird eine Aktionseinheit für die Gefangenen des Roten Antikriegstages (RAKT - vgl. 2.9.1972) gebildet und 43 DM für sie gesammelt.
Q: Rote Fahne Nr. 19 und Einigkeit ist unsere Stärke. Erheben wir unsere Stimme gegen den Polizeiterror. Erklärung des Zentralbüros der KPD/ML, Bochum 18.9.1972 bzw. o.J. (1972),S.3 bzw. S.4

07.09.1972:
Die Liga gegen den Imperialismus Ortsgruppe Münster, die Lokomotive Mecklenbeck, die Vietnamausschüsse Münster-Stadt, -Hochschule und -Schüler, das Schülerkollektiv / Marxisten-Leninisten (SK/ML) Münster und das Kommunistische Studentenkollektiv (KSK) Münster geben ein Flugblatt "Revolutionäre Gewalt heisst Gewalt durch die Massen" zum Anschlag des Schwarzen September bei der Olympiade in München und der Verschärfung der Ausländergesetze heraus.
Q: Lgdi, Lokomotive Mecklenbeck, VA, SK/ML, KSK: Revolutionäre Gewalt heisst Gewalt durch die Massen, Münster 7.9.1972

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08.09.1972:
Die Sozialistische Studentengruppe (SSG) Hamburg gibt ein Extra "Geheuchelte Trauer und Volksverhetzung" ihrer 'Roten Presse' (vgl. 1.9.1972, 3.10.1972) zum Massaker in Fürstenfeldbruck in einer Auflage von 4 000 Stück heraus. Eingeladen wird zur Diskussionsveranstaltung (vgl. 12.9.1972).
Q: Rote Presse Extra Geheuchelte Trauer und Volksverhetzung, Hamburg 8.9.1972

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08.09.1972:
Die RG Kiel/ML gibt die Nr. 10 ihrer 'Zentralen Kommunistischen Blätter' (vgl. 28.6.1972) heraus. Für die in einer Auflage von 5 000 gedruckten 2 Seiten übernimmt W. Walter die Verantwortung. Der einzige Artikel lautet: "Die Terrorakte in München schaden dem gerechten Befreiungskampf des palästinensischen Volkes".
Q: RGK/ML:Zentrale Kommunistische Blätter Nr. 10,Kiel 8.9.1972

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22.09.1972:
Die KPD/ML-ZB Berlin gibt heute ein Flugblatt als 'Extrablatt der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten KPD/ML' heraus:"
DIE FOLGEN DES MÜNCHENER MASSAKERS: AUSLÄNDERHETZE - KOMMUNISTENVERFOLGUNG

Dazu dient das Massaker von Fürstenfeldbruck als Vorwand:

Eine ungeheure Hetze gegen alle Ausländer und ihre demokratischen und kommunistischen Organisationen und gleichzeitig eine verstärkte Hetze gegen die westdeutschen Marxisten-Leninisten wird entfacht.

Die tausende von türkischen, griechischen, italienischen, spanischen, jugoslawischen und arabischen Kollegen in Westberlin und Westdeutschland waren schon bisher besonders ausgebeutet und besonders rechtlos. Unter dem Deckmantel der 'besseren Extremismusbekämpfung' sollen jetzt noch schneller - sofort nach den Wahlen (BTW - vgl. 22.9.1972,d.Vf.) - neue verschärfte Ausländergesetze durchgepeitscht werden, die jeden ausländischen Arbeiter in unserem land in einen völlig rechtlosen Leibeigenen der westdeutschen Monopolherren verwandeln. Die einfachsten Grundrechte sollen dann nicht mehr für Ausländer gelten:
- Ausländische Kollegen und ihre Organisationen werden noch stärker bespitzelt.
- Ausländische kommunistische Organisationen werden verboten.
- Für Ausländer gibt es keine Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit mehr.
- Jeder Türke, Grieche, Spanier, der gegen die faschistische Unterdrückung in seinem Heimatland kämpft, wird abgeschoben und damit seinen faschistischen Henkern ausgeliefert.

Auf diese Weise will der Bonner Staat die ausländischen Arbeiter von ihren deutschen Kollegen abspalten. Auf diese Weise will dieser Staat der Schlotbarone verhindern, daß ausländische und deutsche Kollegen wie in der letzten Chemie- und Metalltarifrunde (CTR der CPK bzw. MTR der IGM,d.Vf.) in einer gemeinsamen Front kämpfen!

Dagegen setzen wir unsere Forderungen:
SCHLUSS MIT DER HETZE GEGEN AUSLÄNDER UND IHRE ORGANISATIONEN!
KAMPF DEN REAKTIONÄREN AUSLÄNDERGESETZEN!
DEUTSCHE ARBEITER, AUSLÄNDISCHE ARBEITER - EINE KAMPFFRONT!

Kolleginnen und Kollegen! Nicht nur gegen Ausländer und ihre demokratischen und kommunistischen Organisationen richten sich die Hetze und die Unterdrückungsmaßnahmen der Bonner Notstandsplaner. Die Herren in Bonn wittern jetzt die beste Gelegenheit, um die Verbotsvorbereitungen gegen die westdeutschen Marxisten-Leninisten beschleunigt voranzutreiben!

- Einen deutlichen Beweis dafür lieferte der Reaktionär Löwenthal im ZDF-Magazin (vgl. 6.9.1972,d.Vf.). Er nannte die Namen: KPD/ML, Neues Rotes Forum (KG(NRF) Mannheim/Heidelberg,d.Vf.) und Roter Morgen (KPD/ML-ZK,d.Vf.) sollen verboten werden. Löwenthal behauptete, sie stünden in Verbindung mit den palästinensischen Terroristen in München. Als 'Beweis' verlas er eine Erklärung der KPD/ML zum Polizeimassaker auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck.

- SPD-Schütz ergänzte am Montag (vgl. 18.9.1972,d.Vf.) diese Hetze, indem er forderte, daß alle 'Linksextremisten', die mit ausländischen demokratischen und kommunistischen Organisationen zusammenarbeiten, in Vorbeugehaft genommen werden sollten.

- Die CDU-Abgeordnete Besser lieferte die 'Begründung' dafür: Sie zitierte aus einem gemeinsamen Flugblatt der KPD/ML und der palästinensischen Befreiungsorganisation FDPLP und wies so angeblich die Zusammenarbeit unserer Partei mit 'linksextremistischen arabischen Organisationen' nach. Zusätzlich log sie eine Verbindung zur Baader-Meinhof-Gruppe (RAF,d.Vf.) zusammen.

- In Bremen (vgl. 18.9.1972,d.Vf.) stellte die CDU-Fraktion einen Antrag auf Verbot des Kommunistischen Bundes (KBB,d.Vf.), einer lokalen marxistischen Organisation.

- In Freiburg (vgl. 18.9.1972,d.Vf.) und Hannover (vgl. 18.9.1972,d.Vf.) wurden - zum vierten Mal innerhalb der letzten drei Monate - Büros der KPD/ML durchsucht.

- In Heidenheim (vgl. 6.9.1972,d.Vf.) wurde Flugblattmaterial der KPD/ML mit der Begründung beschlagnahmt, die KPD/ML sei eine Nachfolgeorganisation der verbotenen KPD.

- Seit Wochen schon sitzen Demokraten und Kommunisten, die zum Roten Antikriegstag in München (RAKT - vgl. 2.9.1972,d.Vf.) das Demonstrationsverbot durchbrochen haben, im Gefängnis!

Kolleginnen und Kollegen! Warum holt der Bonner Staat jetzt zum Schlag gegen die Marxisten-Leninisten aus?

- Weil die Jahre 1971 und 1972 die meisten Streiktage in der BRD und Westberlin aufweisen!

- Weil immer mehr Arbeiter und Werktätige sich die verschärfte Ausplünderung zugunsten einer immer wahnsinnigeren Aufrüstung der westdeutschen Armee nicht mehr gefallen lassen und für ihre Forderungen auf die Straße gehen!

- Weil der Einfluß der Marxisten-Leninisten trotz ihrer relativen Schwäche gewachsen ist und weiter wächst: in einer Reihe von Großbetrieben gibt es kommunistische Betriebsräte, rote Jugendvertreter, in der Armee werden kommunistische Zellen aufgebaut!

- Weil die Marxisten-Leninisten die geschworenen Feinde des Notstands- und Aufrüstungskurses der Bonner Herren unter Führung der Sozialdemokratie sind, weil sie erklären, daß dieser Kriegsverbrecherstaat gestürzt werden muß, damit die Massen im Sozialismus ihren Wunsch nach Wohlstand, Demokratie und Frieden verwirklichen können!

Deshalb das Theater der Neuwahlen, wo jeder Wähler wieder glauben soll, er könne mit dem Stimmzettel demokratisch über die Regierungspolitik entscheiden, indem er einen von zwei oder drei hochbezahlten Schmierenkomödianten für das Parlament wählt!

Deshalb gleichzeitig die neuesten Maßnahmen gegen Kommunisten, deren Einfluß der Bonner Staat aufs äußerste fürchtet!

Kolleginnen und Kollegen! Die Verteidigung der Freiheit der Kommunistischen Partei ist die Sache der ganzen Arbeiterklasse und jedes Werktätigen! Das ist die Sache jedes fortschrittlichen Menschen, der wie die Kommunisten gegen Ausplünderung, Notstandspolitik und Aufrüstung zu kämpfen bereit ist. Die KPD/ML weist den Weg zu Sozialismus und Frieden.

Deshalb:

WEG MIT DEM KPD-VERBOT!

KAMPF DEN VERSUCHEN DES BONNER STAATES, DIE MARXISTISCH-LENINISTISCHEN ORGANISATIONEN ZU ZERSCHLAGEN!

FREIHEIT FÜR DIE MARXISTEN-LENINISTEN UND IHRE PRESSE!

FREIHEIT FÜR DIE POLITISCHEN GEFANGENEN!

NATIONALE DEMONSTRATION GEGEN DIE AUSLÄNDERGESETZE!

DORTMUND: 14.10.1972"

Die Demonstration in Dortmund findet allerdings bereits am 8.10.1972 statt.
Q: KPD/ML-ZB: Extrablatt der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, Berlin 22.9.1972

Oktober 1972:
In der Nr.9 seines 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (vgl. Sept. 1972, Nov. 1972) berichtet der KJVD der KPD/ML-ZB u.a. über das Massaker in München.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.9,Bochum Okt. 1972, S. 13

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02.10.1972:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 25.10.1972) berichten:"
ÜBER DIE VERHÜTUNG DES 'TERRORISMUS'

Nach dem Blutbad in Fürstenfeldbruck (vgl. 6.9.1972,d.Vf.) wird unter dem Deckmantel der 'Verhütung des Terrorismus' eine staatliche Terrorwelle gegen arabische und palästinensische Arbeiter und Studenten durchgeführt. GUPS und GUPA wurden verboten. Dutzende ausgewiesen. Der Befreiungskampf des palästinensischen Volkes gegen den zionistischen Imperialismus, der ihr Land besetzt hält, wird als völlig unberechtigt hingestellt. Dagegen sind die chinesischen Kommunisten in der UNO mit einer klaren Stellungnahme aufgetreten, die die Haltung der Kommunisten zur 'Verhütung des Terrorismus' klarstellt."

Aus der 'Peking Rundschau' (PR) Nr.40 (vgl. 10.10.1972) wird sodann vermutlich über diese Woche zitiert:"
Der chinesische Delegierte Tschen Tschu sagte: 'Wir sind seit jeher gegen abenteuerliche terroristische Aktionen, die von Einzelpersonen oder wenigen von den Massen isolierten Menschen durchgeführt werden, denn sie schaden der nationalen Befreiung und der Volksrevolution. Aber es muß nachdrücklich festgestellt werden: Wenn über Gewalttätigkeit gesprochen wird, muß zuerst der Unterschied zwischen der militärischen Aggression und gewaltsamen Unterdrückung durch die Aggressoren und Unterdrücker einerseits und dem Widerstandskampf der Opfer der Aggression und Unterdrückung andererseits gemacht werden. Diese zwei Arten der Gewalt sind ihrem Charakter nach ganz verschieden. Wo es Aggression und Unterdrückung gibt, da gibt es Widerstand und Kampf. Imperialismus, Neokolonialismus, Rassismus und israelischer Zionismus sind die Hauptschuldigen für den Terrorismus und die reaktionäre Gewalt in der Welt von heute. Der Kampf der angegriffenen und unterdrückten Nationen und Völker, die gezwungenermaßen zu den Waffen greifen und mit revolutionärer Gewalt Widerstand gegen die konterrevolutionäre Gewalt leisten, ist völlig gerecht. Der Diskussionsgegenstand macht keinen Unterschied zwischen den Aggressoren und Unterdrückern einerseits und den Angegriffenen und Unterdrückten andererseits und spricht nur in allgemeinen Worten über die Verhütung von Terrorismus und Gewalttätigkeit. Das könnte vom Imperialismus, Kolonialismus, Neokolonialismus, Rassismus und israelischen Zionismus ausgenutzt werden. Das ist genau, was der israelische Zionismus jetzt gegen das palästinensische Volk und die anderen arabischen Völker tut; was die portugiesischen Kolonialbehörden und das weiße rassistische Regime in Südafrika und in Rhodesien (Azania bzw. Zimbabwe,d.Vf.) gegen die afrikanischen Völker tun; was der Imperialismus und der Kolonialismus gegen die angegriffenen und unterdrückten Nationen und Völker machen."
Q: Die Rote Front Nr.2,Dortmund Okt. 1972,S.12

25.10.1972:
Die Nr.66 der 'Roten Fahne' der KPD (vgl. 18.10.1972, 31.10.1972) enthält eine Arbeiterkorrespondenz, die sich mit den Reaktionen im Betrieb auf die Vorfälle in Fürstenfeldbruck befaßt.
Q: Rote Fahne Nr.66,Dortmund 25.10.1972

29.10.1972:
An einer Demonstration in Dortmund gegen den Auftritt von F.J. Strauß (FJS) von der CSU, mit, laut KPD, 200 Teilnehmern, beteiligen sich u.a. KPD und KPD/ML-ZB. Im IGM-Bereich bei Hoesch Phoenix rief die KPD/ML-ZB zur Kundgebung um 14 Uhr an unbekanntem Ort so auf (vgl. 25.10.1972):"
STRAUSS IN DORTMUND

Als die Polizeiaktion in Fürstenfeldbruck (vgl. 6.9.1972,d.Vf.) gestartet wurde, erschien es den Herren Genscher (FDP), Merk (CSU) und Schreiber (SPD) als selbstverständlich, daß sich der Oberfaschist Strauß in den Krisenstab drängte. Genscher behauptete später, das sei geduldet worden, weil Strauß der nächste erreichbare höhere Repräsentant der Opposition gewesen sei. Und Brandt erklärte am nächsten Morgen scheinheilig: 'Strauß zieht es zu Schiessereien wie eine Motte zum Licht!' Das ist richtig: von Strauß stammen Aussprüche wie: 'Wer es wagt, sich mir in den Weg zu stellen, den würde ich umbringen!' und: 'Wenn es sein muß, werde ich mir mit dem Maschinengewehr den Weg zur Macht freischießen!' (Äußerungen, die Strauß in verschiedenen Reden und Interviews fallen ließ. Kritische Fernsehsendungen wie Panorama und Presseorgane wie der SPIEGEL waren die ersten, die den Mut hatten, diese Äußerungen zu veröffentlichen). Und Strauß meint, was er sagt! Strauß betrachtet seine politischen Feinde als 'Tiere, die keine menschenwürdige Behandlung verdienen'. Als das von Merk und Schreiber verantwortete Scheibenschießen der Münchener Scharfschützengarde auf den Banditen Rammelmair und seine Geisel begann (vgl. S6.*.1972,d.Vf.), lief Strauß vorher betrunken herum und ermunterte die Polizei: 'Totschießen! Alles Totschießen!' und Strauß stellte nach dem Blutbad die Behauptung auf, um die Geisel Ingrid Reppel sei es nicht weiter schade, das sei ja eine Komplizin der Räuber gewesen. Bis heute hatte es Strauß nicht nötig, sich wegen einer seiner Handlungen oder Sprüche vor Gericht zu verantworten. Im Gegenteil: als die ROTE FAHNE, das Zentralorgan der KPD/ML, ihn als Faschisten bezeichnete, wurde von der Politischen Polizei (K14,d.Vf.) der Stadt Herne ein Verfahren (vgl. 27.4.1972,d.Vf.) wegen Beleidigung gegen den ROTE-FAHNE- Verantwortlichen angestrengt. Noch im August dieses Jahres (vgl. 25.8.1972,d.Vf.) bestätigte das Bochumer Landgericht in zweiter Instanz ein Urteil, wonach der ROTE-FAHNE-Verantwortliche zu 300 DM Geldstrafe wegen Beleidigung von Strauß verurteilt worden war. Strauß selbst hatte es, wie so oft, nicht nötig, vor Gericht zu erscheinen. Der Richter des Bonner Staates nahm seine Interessen wahr.

Dieser Strauß nun will sich in Dortmund als Anwalt des kleinen Mannes aufspielen. Er behauptet frech, Brandt wolle den Sozialismus, und nutzt dann die volksfeindliche Politik der SPD-Regierung dazu aus, gegen den Sozialismus zu hetzen. Kollegen, wenn das, was Brandt will, Sozialismus sein soll, dann danke! Wir Kommunisten meinen: Strauß besudelt den Sozialismus ebenso wie Brandt."
Q: Rote Fahne Nr.67,Dortmund 31.10.1972,S.8; Das Rote Schwungrad Der Kampf um höhere Löhne in der Tarifrunde,Dortmund o.J. (Okt. 1972),S.5f

Dezember 1972:
In der Nr.11 seines 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (vgl. Nov. 1972, März 1973) berichtet der KJVD der KPD/ML-ZB u.a. über die Razzia im Berliner Büro der KPD/ML-ZB wegen des Attentats des Schwarzen September in München.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 11, Bochum Dez. 1972, S. 3

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Dezember 1972:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund, die ML Hagen und die Proletarische Linke (PL) Hamm geben erstmals gemeinsam die Zeitschrift 'Klassenkampf und Programm' (KLAPRO - vgl. Feb. 1973) heraus. Enthalten ist auch der Artikel "KAMPF DEN REAKTIONÄREN AUSLÄNDERGESETZEN UND DER POLITISCHEN UNTERDRÜCKUNG", in dem es u.a. heißt:"
Das Verbot von GUPS und GUPA und der Ausweisungsterror gegen Araber nach den Ereignissen von Fürstenfeldbruck (vgl. 6.9.1972,d.Vf.) waren Anlaß genug, die Ansätze einer Propaganda gegen das Ausländergesetz konkret mit spontanen Aktionen und Protesten gegen die politische Unterdrückung fortschrittlicher Araber in Westdeutschland zu verbinden. Auf diese Weise konnte es in Dortmund zu einer nationalen Demonstration gegen das Ausländergesetz kommen (vgl. 8.10.1972,d.Vf.), die über die üblichen Nabelschauumzüge insbesondere der ml 'Parteien' wegkam und eine breite Aktionseinheit fast aller ml-Organisationen Westdeutschlands mit den verschiedenen in- und ausländischen fortschrittlichen und revolutionären Menschen und Organisationen darstellte."
Q: Klassenkampf und Programm Nr.1,Dortmund Dez. 1972

16.11.1973:
Die Rote Hilfe (RH) Dortmund der KPD/ML verfaßt den folgenden Aufruf mit vier Seiten DIN A 4 und Anschrift von Klaus Dillmann:"
Aufruf der ROTEN HILFE Dortmund an alle Freunde, Kollegen und Genossen in Westdeutschland
VERTEIDIGT DIE REVOLUTIONÄRE ORGANISATIONS- UND MEINUNGSFREIHEIT

In der Westdeutschen Bundesrepublik hat ein Kesseltreiben von Justiz und Polizei gegen fortschrittliche Menschen und Organisationen eingesetzt.

Ernst Aust (vgl. S1.**.1973,d.Vf.): Da er angesichts der maßlosen Baader-Meinhof (RAF,d.Vf.) Hetze feststellte und begründete: Die Mörder sitzen in Bonn! 5 000 DM Geldstrafe.

Wie auch der Stern, stellte der Genosse fest: Die Geiseln wie die Araber starben beim Massaker von Fürstenfeldbruck (vgl. 6.9.1972,d.Vf.) unter den Kugeln der Mordkommandos der Polizei.

5 000 DM Geldstrafe."
Q: RH Dortmund: Brief an das Zentrale Komitee des KBW/Redaktion der KVZ, o.O. (Dortmund) o.J. (Nov. 1973); RH Dortmund: Aufruf der Roten Hilfe Dortmund an alle Freunde, Kollegen und Genossen in Westdeutschland: Verteidigt die revolutionäre Organisations- und Meinungsfreiheit, Dortmund 16.11.1973

13.11.1974:
Die Ortsleitung (OL) Dortmund des KOV der KPD gibt vermutlich heute ein Flugblatt heraus:"
HOLGER MEINS IM GEFÄNGNIS ERMORDET!

Genauso, wie heute die Hetze gegen die RAF-Genossen genutzt wird, um den Staatsapparat aufzurüsten gegen die kämpfende Arbeiterklasse, so hat NRW-Weyer (Innenminister - FDP,d.Vf.) die 'Terroristen-und-Meuchelmörder-Hetze' nach dem Attentat auf israelische Olympia-Sportler (vgl. Fürstenfeldbruck - 6.9.1972,d.Vf.) dazu ausgenutzt, mit einem 17-Millionen-Sonderetat die Polizei aufzurüsten - um so gewappnet im September 1973 mit Polizeigewalt den Streik der Fordarbeiter in Köln (IGM-Bereich - vgl. 30.8.1973,d.Vf.) zu 'schlichten'."
Q: KOV-OL Dortmund: Holger Meins im Gefängnis ermordet!, Dortmund o.J. (13.11.1974)

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