Amberg

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Aus Amberg lag uns leider bisher kein örtliches Material vor. Wir bitten um Ergänzungen.

Die DKP berichtet einleitend über die US-Army (vgl. 7.8.1969), nicht diese aber sorgt damals in Amberg für Aufsehen, sondern vielmehr die Lohnerhöhung in der oberpfälzischen Hüttenindustrie, die auch der Belegschaft der Luitpoldhütte Amberg zu Gute kommt, die sich selbst nicht, wie ihre benachbarten Kollegen der Maxhütte Sulzbach-Rosenberg und Haidhof an den gesetzeswidrigen Septemberstreiks beteiligte (vgl. 11.9.1969). Die Amberger Presse scheint damals der spontanen Arbeiterbewegung verbunden (vgl. 13.9.1969), leugnet kommunistische Einflüsse in Amberg, die hier auch kaum belegt werden können, selbst wenn die DKP einmal berichtet (vgl. 20.11.1969).

Auch die Beschäftigten des Gipsbergbaus im Bereich der IGBE-Verwaltungsstelle kommt alsbald in den Genuss einer Lohnerhöhung (vgl. Apr. 1971), bei Siemens Amberg aber wird zuerst die Hausfrauenschicht abgebaut (vgl.2 2.3.1971), Entlassungen von Heimarbeiterinnen und Kurzarbeit folgen (vgl. 1.4.1971, Mai 1971, Juni 1971), was aber den Betriebsratsvorsitzenden des Siemenswerkes Amberg nicht sonderlich zu beeindrucken scheint (vgl. 26.5.1971).

Nachdem wiederum die Luitpoldhütte Amberg, vermutlich aufgrund der Metall- bzw. Stahltarifrunde, Aufmerksamkeit in der Linken erfährt (20.10.1971, Dez. 1971), kann auch von den örtlichen Linksradikalen, d.h. den Freunden der Arbeiterbasisgruppen (ABG) München bzw. der Sozialistischen Betriebsgruppe (SBG) Regensburg berichtet werden, die sich scheinbar u.a. der Vietnamsolidarität widmen (vgl. 14.8.1972) und in Amberg damals mit der DKP scheinbar noch auf offizieller Basis verkehrten dürfen (vgl. 9.10.1972).

Die Ansätze zum Aufbau der Roten Schülerfront (RSF) Amberg aber scheinen aufgrund Kadermangels im Sande zu verlaufen (vgl. Juni 1973). Trotzdem berichtet der Arbeiterbund auch in den folgenden Jahren wiederholt aus Amberg (vgl. 30.11.1975, 20.2.1977, 13.12.1977), und auch der KBW hat später eine Zelle Amberg (vgl. 31.10.1977, 14.11.1977, 1.5.1979), der KB reist zum Protest gegen die NPD vermutlich aus Regensburg an (vgl. 26.2.1978).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

07.08.1969:
Die DKP gibt die Nr.19 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) Regionalausgabe für Bayern/Baden-Württemberg heraus und berichtet über US-Soldaten in Amberg.
Quelle: Unsere Zeit Bayern/Baden-Württemberg Nr.19,Essen 7.8.1969

11.09.1969:
Für die oberpfälzische Hüttenindustrie wird heute, laut IMSF, ein Tarifvertrag mit rückwirkender Gültigkeit vom 1.9.1969 bis zum 31.10.1970 abgeschlossen (vgl. 9.9.1969). Es wird eine Lohnerhöhung von 50 Pf. erreicht. Für die Luitpoldhütte in Amberg wird eine innerbetriebliche Lohnerhöhung vom Mai von 10 Pf. angerechnet, so daß die Löhne dort nur um 40 Pf. steigen.
Q: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969

13.09.1969:
Heute wird, laut IMSF, im Leitartikel der 'Amberger Zeitung' heftig gegen die Theorie der roten Drahtzieher der Streiks polemisiert.
Q: IMSF:Die Septemberstreiks 1969,Frankfurt Nov. 1969

20.11.1969:
Die DKP bringt die Nr.34 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 13.11.1969, 27.11.1969) und berichtet aus Amberg.
Q: Unsere Zeit Nr.34,Essen 20.11.1969

April 1970:
Die IGBE berichtet vermutlich aus dem April:"
Im Gipsbergbau Bayerns ist am 1.April 1970 ein neuer Tarifvertrag in Kraft getreten. Wie die Geschäftsstelle Amberg berichtet, erhalten angelernte Arbeiter und Hilfskräfte eine Stundenlohnerhöhung von 0,42 DM. Für die Handwerker wurde der Stundenlohn um 0,56 DM erhöht. Die Gehälter der Angestellten in diesem Wirtschaftsbereich wurden ebenfalls entsprechend angehoben."
Q: Einheit Nr.9,Bochum 1.5.1970,S.4

22.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
Im Siemens-Gerätewerk Amberg in der Oberpfalz wird die sogenannte Hausfrauenkurzschicht abgebaut. Das bedeutet Entlassung für 384 Frauen! Pro Monat sollen 49 von ihnen auf die Straße gesetzt werden.

150 Heimarbeiterinnen, meist Ehefrauen von Siemens-Arbeitern, sind ebenfalls von Entlassung bedroht. Sie verdienten bisher 1,50 bis 2 DM pro Stunde! Die kapitalistischen Rationalisierungsmaßnahmen treffen also auch hier zuerst die ärmsten Schichten des Proletariats."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.8f

01.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
Kurzarbeit seit April gibt es auch im Siemenswerk AMBERG (…) Die Kurzarbeit soll fünf Monate dauern; pro Monat sollen drei Wochen gearbeitet werden und eine Woche 'gefeiert' werden. 200 Siemens-Frauen können im Monat sogar nur zwei Wochen arbeiten."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.36,Bochum 12.5.1971,S.8

Mai 1971:
Der 'Rote Morgen' Nr.5 (vgl. April 1971, Juni 1971) berichtet über die Kurzarbeit bei Siemens in Amberg.
Q: Roter Morgen Nr.5,Hamburg Mai 1971

26.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
KURZARBEIT IN BAYERN

Am 26.5. berichtete das bayerische Regionalfernsehen in seiner Abendschau über die Kurzarbeit.

Es hieß darin: In Bayern arbeiten derzeit ca. 20 000 Arbeiter kurz, davon 14 000 in der Elektroindustrie, der Rest, dem Anteil nach geordnet, im Maschinenbau, der metallverarbeitenden Industrie (alle IGM-Bereich,d.Vf.), der Porzellanindustrie (CPK-Bereich,d.Vf.) und dem Bergbau (IGBE-Bereich,d.Vf.).

Interviewt wurde in der Sendung der IGM-Boß von Bayern, Erwin Essl und ein Betriebsrat der Siemenswerke Amberg.

Essl faßte sich kurz: Er meinte nur, die Kurzarbeit sei 'volkswirtschaftlich nicht prekär' und bedeute auch wohl kaum persönliche Härten.

A. Graf, BR der Siemenswerke Amberg, wo 96% der Arbeiter und 40% der Angestellten kurzarbeiten (einige Wochen lang schon jeden Freitag keine Arbeit), sagte, daß der BR zugestimmt habe, 'um Schlimmeres zu verhindern, nämlich Massenentlassungen'. Die Kyrzarbeit, meinte auch er, bringe 'keine sozialen Härten', und außerdem: 'wir haben das Unangenehme mit dem Angenehmen verbunden, die Kollegen haben nun ein verlängertes Wochenende'!"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.46,Bochum 16.6.1971,S.11

Juni 1971:
In München gibt die Siemens Betriebsgruppe der ABG die Nr.3 ihrer 'Auf Draht' heraus (vgl. Mai 1971, Juli 1971). In den Siemens Werken Traunreut, Amberg und Cham sollen 5 000 kurzarbeiten.
Q: Auf Draht Nr.3,München Juni 1971

20.10.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.80 (vgl. 16.10.1971, 23.10.1971) heraus und befaßt sich u.a. mit der Luitpoldhütte Amberg.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.80,Bochum 20.10.1971

Dezember 1971:
Die Nr.18 der südbayrischen 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (vgl. 22.11.1971, Jan. 1972) erscheint. Die SBG Regensburg beschäftigte sich in ihrer 'Arbeitersache' mit den oberpfälzischen Hütten u.a. in Amberg.
Q: Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr.18,München Dez. 1971

14.08.1972:
In Regensburg gibt die Betriebsgruppe AEG Sachsenwerk der SBG frühestens in dieser Woche ihren 'Roten Sachsenwerker' Nr.9 (vgl. 27.7.1972, Sept. 1972) heraus. Die DKP habe in Regensburg nun ein Komitee für internationale Vietnamsolidarität gegründet. Das eigene Vietnamkomitee für Frieden und Befreiungskampf (VKfFuB) dagegen übe seine Tätigkeit mittlerweile u.a. auch in Amberg aus.
Q: Roter Sachsenwerker Nr.9,Regensburg Aug. 1972

09.10.1972:
Vermutlich in dieser Woche geben die ABG die Nr.28 ihrer 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (vgl. 20.9.1972, 20.11.1972) heraus. In Amberg trafen sich ABG und DKP.
Q: Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr.28,München Okt. 1972

Juni 1973:
Innerhalb der bayrischen Roten Schülerfront (RSF) der ABG wird vermutlich im Juni vom Zentralkollektiv der folgende Text verfaßt:"
Rechenschaftsbericht des ZKolls (Gliederung)

Bei den Kontakten zu Deggendorf, Amberg, Sulzbach-Rosenberg und Zwiesel, die kurzfristig, den Schulungen und der Anleitung der Massenarbeit, die teilweise dort bestehen, bewiesen unsere Regensburger Genossen hohen revolutionären Einsatz. An all diesen Orten bildeten sich jedoch in den Gruppen selbst, die alle stark antiautoritär infiziert waren, keine Führer, die die Arbeit dort hätten einigermaßen selbständig hätten anführen können. Es wäre sehr unverantwortlich gewesen, in diese Gruppen, die ja unplanmäßig entstanden sind, weiter Arbeitskraft hineinzustecken, die dem Aufbau unserer OG und Stützpunkte gefehlt hätte. So haben wir zu diesen Orten nur noch losen Kontakt."
Q: RSF:Rechenschaftsbericht des Z-Kolls,o.O. o.J. (1973)

30.11.1975:
Der AB gibt die Nr.75 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 16.11.1975, 14.12.1975) heraus. Die Kämpfende Jugend befaßt sich mit der BSE Verwaltungsstelle Amberg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.75,München 30.11.1975

20.02.1977:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr. 106 (vgl. 6.2.1977, 6.3.1977) heraus und berichtet aus Amberg aus der IGM.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 106, München 20.2.1977

29.08.1977:
Der KBW gibt eine Bezirksbeilage Mittelfranken zur Nr. 35 der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - vgl. 22.8.1977, 5.9.1977) heraus mit dem Artikel "Metallarbeiterstreik 1954 in Amberg".
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Mittelfranken Nr. 35, Nürnberg 29.8.1977, S. 1

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31.10.1977:
Die KBW Bezirke München / Oberbayern und Schwaben geben die 'KVZ-Bezirksbeilage München/ Oberbayern und Schwaben' Nr. 44 (vgl. 17.10.1977, 7.11.1977) heraus. Aus Amberg wird berichtet von der Erhöhung der Bestattungsgebühren in "Beerdigung - letzte Gelegenheit zur Ausplünderung. Amberger Stadtrat beschloß Gebührenerhöhung um 20 %".
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage München / Oberbayern und Schwaben Nr. 44, Augsburg / München 31.10.1977, S. 1

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14.11.1977:
Die südbayrischen Bezirke des KBW geben einen Bezirksgruppenteil zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) heraus (vgl. 7.11.1977, 21.11.1977). Verkauft wird die KVZ in Amberg montags 16 bis 18 Uhr und samstags 10 bis 13 Uhr in der Fußgängerzone.
Aufgerufen wird zur Demonstration gegen Jugendarbeitslosigkeit in München am 19.11.1977, wobei auch über die Berufsaufbauschule (BAS) Amberg und den Metallbetrieb Deprag Amberg berichtet wird. Berichtet wird in "Amberger Bourgeoisie fürchtet KBW-Propaganda" über die Veröffentlichung der Namen der drei, seit fünf Wochen in Amberg agitierenden KBW-Mitglieder, in der 'Amberger Zeitung'.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bayern/Südost Nr. 46, München / Augsburg / Regensburg / Landshut 14.11.1977,S.1f

KVZ_Bezirk_Bayern_Suedost000

KVZ_Bezirk_Bayern_Suedost001


13.12.1977:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' (KAZ) Nr. 127/128 (vgl. 3.12.1977) heraus. Die Kämpfende Jugend (KJ) berichtet von der Panzerbrigade 12 der Bundeswehr in der Kaiser Wilhelm Kaserne in Amberg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 127/128, München 13.12.1977

26.02.1978:
Laut KB versuchen ca. 150 Menschen in Amberg eine Wahl-Rede des NPD-Vorsitzenden zu vereiteln.
Q: Arbeiterkampf Nr. 124, Hamburg 6.3.1978, S. 26

01.05.1979:
In Amberg besuchen, laut internem Bericht des KBW, 300 Menschen eine Kundgebung des DGB. Der KBW betreibt Propaganda.
Q: KBW: Dokument- und Beschlußdienst Nr. 23 - Anlage 1. Mai Dokumentation, O. O. O. J. (1979), S. 7 und 10

KBW_Sued_1979_Erster_Mai006


Letzte Änderung: 06.08.2016