Maxhütte, Werk Haidhof

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 5.8.2016


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Diese Darstellung beruht auf bundesweitem bis bestenfalls benachbartem örtlichen Material vor allem von der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und der Sozialistischen Betriebsgruppe (SBG)Regensburg bzw. später des Arbeiterbundes für den Wiederaufbau der KPD (AB), wobei allgemeine Berichte über und Bezugnahmen auf die Maxhütte in der Darstellung über das Hauptwerk im Landkreis Amberg-Sulzbach, zu finden sind.

Einleitend meldet sich die Belegschaft der Maxhütte Haidhof mit ihren Forderungen zu Wort (vgl. 6.9.1969), bildet alsbald einen der Vorreiter der Septemberstreiks 1969, also einer Welle wilder, d.h. ganz und gar illegaler Streikaktionen (vgl. 8.9.1969, 9.9.1969), die bei Hoesch Dortmund begannen. Die Maxhütte wird so in der Linken zum Symbol der kämpferischen Arbeiterbewegung, wie wir aus München dokumentieren (vgl. 11.9.1969), am gleichen Tage aber, dem 9.11.1969, wird schon für die oberpfälzische Hüttenindustrie, zu der neben der Maxhütte auch die Luitpoldhütte in Amberg rechnet, ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen, der genau die Forderung der Belegschaft umsetzt.

Vermutlich erst 1971 beginnt die Sozialistische Betriebsgruppe (SBG) Regensburg des späteren Arbeiterbundes (AB) mit ihrer Tätigkeit bei der Maxhütte Haidhof (vgl. 17.4.1971, Nov. 1971, Dez. 1971), von der aber aus den folgenden Jahren nach unserer Quellenauswertung nicht weiter berichtet wird.

Während der AB dann aber ab Ende 1975 bei der Maxhütte in Haidhof Freunde zu haben scheint (vgl. 14.12.1975), wobei zumindest zunächst wohl immer noch Regensburg die zuständige Ortsgruppe ist (vgl. 17.9.1976), übt sich die KPD in geschichtlicher Darstellung (vgl. 8.9.1976), dann beginnt bei der Maxhütte Haidhof der Kampf gegen die Entlassungen, in dem sich auch der AB verstärkt engagiert (vgl. 29.3.1977, 23.4.1977, 1.5.1977).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

06.09.1969:
Auf der Maxhütte im Werk Haidhof wird, laut IMSF, dem Betriebsrat von einer Gruppe von Vertrauensleuten die Forderung nach Lohnerhöhungen um 50 Pf. überbracht.
Abends wird bekannt, daß am 8.9.1969 ab 9 Uhr darüber verhandelt werden soll.

Quelle: IMSF: Die Septemberstreiks 1969, Frankfurt Nov. 1969

08.09.1969:
Im Zweigwerk Haidhof der Maxhütte beginnen, laut IMSF, 3 600 einen zweitägigen Streik (vgl. 6.9.1969, 9.9.1969). Gefordert wird u.a. die Aufnahme von Tarifverhandlungen (vgl. 9.9.1969) Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in den Betrieben der Maxhütte beträgt über 90% (IGM und IGBE). Auch der CGB stellt einige Betriebsräte. Neben einer starken IGM-Jugendgruppe in Sulzbach Rosenberg gibt es noch Betriebsgruppen von CSU, SPD und DKP, aber keine Betriebszeitungen. Der DKP Kreisvorstand Amberg hatte in den letzten Tagen ein Flugblatt "Das Schweigen durchbrechen! DKP Forderungen für die Maxhüttenarbeiter" herausgegeben, in dem auf die Sorge um die Arbeitsplätze und die geringen Löhne hingewiesen wurde, ansonsten aber eine stärkere Besteuerung der Großunternehmen und Mitbestimmung in allen bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft, auch über die Verteilung der Unternehmergewinne gefordert wurde. Den Anfang machen um 8 Uhr 45 die Adjustage und das Kaltwalzwerk in Haidhof. Als um 9 Uhr 30 der technische Direktor zu den Verhandlungen eintrifft, versammeln sich alle Beschäftigten vor dem Verwaltungsgebäude A. Der technische Direktor fordert zur Wiederaufnahme der Arbeit auf. …

Im Werk Haidhof wurden die Streikenden über Lautsprecher vom Betriebsratsvorsitzenden über die Streiks im Ruhrgebiet informiert. Um 16 Uhr 30 beginnt hier eine Betriebsversammlung, auf der Unmut über den Streikabbruch in Sulzbach-Rosenberg geäußert wird. Der Arbeitsdirektor behauptet, daß auch im Ruhrgebiet keine 50 Pf. gezahlt würden, kann aber danach wegen der Proteste nicht weitersprechen. Als die für den 10.9.1969 vereinbarten Verhandlungen um eine Woche verschoben werden sollen, wird die Forderung auf 70 Pf. erhöht.
Q: IMSF: Die Septemberstreiks 1969 Frankfurt Nov. 1969

09.09.1969:
In der Oberpfalz beginnt heute, laut IMSF, der zweite und letzte Streiktag im Werk Haidhof der Maximilianshütte. Die DKP verteilt ein Flugblatt, in dem keine politischen Forderungen aufgestellt werden. Dieses sei in Sulzbach-Rosenberg mit Sympathie aufgenommen worden, während in Haidhof die Verteilung durch sozialdemokratische Betriebsräte verhindert wurde. Hingewiesen wird
darin auf die günstige Profitlage und die ungünstige Lohnlage, erinnert
wird daran, daß Lohnfragen Machtfragen sind. Bekundet wird die
Solidarität der DKP mit dem Streik.
In München beginnen Tarifverhandlungen für die oberpfälzische Hüttenindustrie (vgl. 11.9.1969).
Q: IMSF: Die Septemberstreiks 1969, Frankfurt Nov. 1969

11.09.1969:
In München verteilen die ABG der APO München Nord, Ost, Süd, West und Neuhausen, nach eigenen Angaben, heute und morgen vor 19 Betrieben folgendes Flugblatt Nr.5 (vgl. 2.9.1969, 17.9.1969) mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Achim Bergmann in einer Auflage zwischen 20 000 und 24 000:"
Dienstag voriger Woche: Hoesch-Westfalenhütte in Dortmund - Mittwoch: Hoesch-Werke Union und Phoenix - Donnerstag: Rheinstahl-Hüttenwerke in Mülheim und Mannesmann (MM in Duisburg, d.Vf.) in Huckingen - … Montag: Krupp in Essen., AEG in Mülheim, Edelstahlwerke in Witten, im gesamten saarländischen Bergbau, Maxhütte in Sulzbach in Bayern - Dienstag: Maxhütte in Haidhof, Klöckner in Düsseldorf, Thyssenwerke in Düsseldorf und Hamm, Howaldt-Werft in Kiel …

DER STREIK ROLLT

Aber viele von uns zucken mit den Achseln und sagen: 'Vier Wochen früher und wir hätten natürlich mitgestreikt. Aber wir haben uns mit 8% abspeisen lassen. Was können wir denn jetzt noch tun?'"
Q: AB:10 Jahre Antwort auf die Frage 'Was Tun?'.10 Jahre Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD, München 1980,S.22f; Agitation Nr. 2, München o.J. (1969), S. 22 bzw. o. Nummerierung

11.09.1969:
Für die oberpfälzische Hüttenindustrie wird heute, laut IMSF, ein Tarifvertrag mit rückwirkender Gültigkeit vom 1.9.1969 bis zum 31.10.1970 abgeschlossen (vgl. 9.9.1969). Es wird eine Lohnerhöhung von 50 Pf. erreicht, woraufhin die Kollegen der Maxhütte ihren Streik abbrechen (vgl. 13.9.1969). Hierbei handelt es sich um den ersten regionalen Tarifabschluß in der Eisen- und Stahlindustrie in dieser Tarifrunde.
Q: IMSF: Die Septemberstreiks 1969, Frankfurt Nov. 1969

18.09.1969:
Die DKP bringt die Nr. 25 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 11.9.1969, 25.9.1969). Aus Bayern wird berichtet von der Maxhütte (4 500 Besch.) in Haidhof und Sulzbach-Rosenberg.
Q: Unsere Zeit Nr. 25, Essen 18.9.1969

17.04.1971:
Im Regensburger Augustiner findet, laut SBG, ein Treffen zur Maivorbereitung statt. Die SBG habe einen Offenen Brief für einen offenen 1. Mai u.a. bei der Maxhütte Haidhof verteilt.
Q: Arbeitersache Nr. 7 und 8, Regensburg Apr. bzw. Mai 1971, S. 1f bzw. 4

November 1971:
Für die Regensburger Metallindustrie gibt die SBG die Nr. 14 ihrer 'Arbeitersache' (vgl. Okt. 1971, Dez. 1971) heraus, die u.a. aus der Maxhütte Haidhof berichtet.
Q: Arbeitersache Nr. 14, Regensburg Nov. 1971, S. 7

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Dezember 1971:
Die Nr. 18 der südbayrischen 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (vgl. 22.11.1971, Jan. 1972) berichtet u.a., dass die SBG Regensburg sich in ihrer 'Arbeitersache' mit den oberpfälzischen Hütten u.a. in Haidhof befasste.
Q: Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 18, München Dez. 1971, S. 2

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14.12.1975:
Der AB gibt die Nr. 76/77 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 30.11.1975, 11.1.1976) heraus und berichtet von der Maxhütte Haidhof.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 76/77, München 14.12.1975

08.09.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 36 (vgl. 1.9.1976, 15.9.1976) heraus und berichtet von den Septemberstreiks 1969 u.a. bei der Maxhütte Haidhof.
Q: Rote Fahne Nr. 36, Köln 8.9.1976, S. 5

KPD_Rote_Fahne_1976_36_09

KPD_Rote_Fahne_1976_36_10


17.09.1976:
In Regensburg führt der AB, nach eigenen Angaben, eine Veranstaltung zur Bundestagswahl mit Hans Zintl und 120 Personen, u.a. von der Maxhütte Haidhof.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 97, München 3.10.1976

29.03.1977:
Der AB gibt, nach eigenen Angaben, die Broschüre "Kampf gegen jede Entlassung auf der Maxhütte" heraus. An deren 7 500 Beschäftigte werden am 30./31.3.1977 in Sulzbach-Rosenberg 18 und in Haidhof 36 Broschüren verkauft. Erwähnung findet in diesem Zusammenhang auch der 'Mitmischer' bei Klöckner Bremen.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 110, München 17.4.1977

23.04.1977:
In Haidhof führt der AB, nach eigenen Angaben, eine Veranstaltung gegen die Entlassungen auf der Maxhütte (vgl. 22.4.1977) durch. Gelernt wird u.a. von VFW Speyer, Siemens Bruchsal und Audi Neckarsulm.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 111, München 3.5.1977

01.05.1977:
In Burglenglenfeld findet, laut und mit AB, eine Demonstration zur Sporthalle statt, wo dann 400 bis 500 vor allem gegen die Entlassungen auf der Maxhütte protestieren.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Extrablatt, München Mai 1977

11.08.1977:
Der KBW berichtet:"
11.8.: Pressekonferenz der Vertrauensleute, Betriebsräte und von Funktionären der IG Metall zu den Plänen Maximilians Hütte. Nach dem Beschluß des Klöckner AG Vorstands sollen bis zum 1.4.78 in Sulzbach-Rosenberg 169 und in der Maxhütte Haidhof 477 Arbeitsplätze gestrichen werden. Weitere Rationalisierungsmaßnahmen sind geplant. In Haidhof soll die Gießerei stillgelegt werden."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Mittelfranken Extra für die Arbeiter und Angestellten in der Metall- und Elektroindustrie, Nürnberg 18.8.1977, S. 2

Letzte Änderung: 05.08.2016