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MAN – Augsburg

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 5.11.2006

Von MAN Augsburg haben wir nur wenig des vorliegenden Materials ausgewertet. Weitere betriebliche, örtliche, regionale und bundesweite Dokumente, vor allem vom KBW Augsburg bzw. dessen Gruppe Augsburger Kommunisten (GAK), befinden sich im APO-Archiv der FU-Berlin.

Diese Darstellung wird wesentlich bestimmt durch den Arbeiterbund (AB), den KBW und die KPD/ML-ZB.

Zunächst tritt bei MAN Augsburg die SPD in Gestalt ihres, in der Nachkriegszeit lange Zeit führenden, Verkaufsleiters Willy Brandt auf (vgl. 12.9.1970, 14.9.1970), dessen Worthülsen aber die wenig später ausbrechenden illegalen Aktionen der Belegschaft offenbar nicht zu verhindern mögen (vgl. 20.10.1970), vermag doch der Osthandel aufgrund der Ostverträge scheinbar auch nicht die westdeutschen Arbeitsplätze zu sichern.

Die KPD/ML-ZB, die bei MAN Augsburg im Sommer / Herbst 1971 zumindest öfter vor den Toren vertreten ist (vgl. 2.8.1971), bemüht sich um die Erhellung der Hintergründe, bezichtigt MAN gar der Beteiligung am Ostgeschäft (vgl. 28.2.1971), was auf gut Deutsch Rüstungsgeschäft buchstabiert wird, d.h. die Profitschneiderei aus dem Tod anderer Menschen mittels vom eigenen Konzern wohlfeil fabrizierter Waffen.

Im Frühjahr kommt es in Augsburg zu Protesten gegen die Erschießung des Berliners Thomas Weißbecker, wobei die KPD/ML-ZB sich wiederum vornehmlich als betrieblich bei MAN Augsburg aktive Gruppe profiliert (vgl. vgl. 7.3.1972).

Bald aber wartet auch die Konkurrenz von der KPD/ML-ZK, die ja in Bayern damals eher stärker als die KPD/ML-ZB ist, mit Berichten über MAN Augsburg auf (vgl. 13.3.1972). Vor Ort in Augsburg aber scheint doch eher die KPD/ML-ZB maßgeblich zu sein (vgl. 15.3.1972), die sich vermutlich erfolglos bei der Aufstellung einer Oppositionsliste zur Betriebsratswahl (BRW) 1972 versucht (vgl. 3.4.1972), aber wohl trotzdem bei MAN Augsburg aktiv bleibt (vgl. 12.4.1972, 22.4.1972, 1.5.1972).

Erst zur Zeit des Zerfalls der KPD/ML-ZB dringen Berichte deren ehemaliger Augsburger Genossen auch wieder zu anderen Strömungen vor, wie den Berliner MLHs (vgl. Jan. 1973), auch wenn vermutlich die KPD/ML-ZK relevante Teile der Augsburger MAN-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB für sich gewinnen kann (vgl. 8.1.1973, 21.4.1973).

Aufgrund des großen regionalen Gewichts, aber auch der Arbeit bei MAN München dringt vermutlich der AB verstärkt bis MAN Augsburg vor (vgl. Sept. 1973), auch wenn der dortige Streik im Rahmen des deutschen Arbeiteraufstandes 1973 bisher nicht wirklich zweifelsfrei belegt erscheint.

Wenige Monate später aber scheint in Augsburg bei MAN neben der KPD (vgl. 14.4.1975), nach dieser Darstellung, vor allem der AB aktiv (vgl. Feb. 1975, 15.6.1975), befleißigt sich offenbar der (über-)betrieblichen Publizistik (vgl. Juli 1975), und berichtet wiederholt auch bundesweit (vgl. 27.7.1975, 30.11.1975, 11.1.1976, 20.2.1977,15.4.1977, 15.11.1975), außer vom Streik bei MAN Augsburg in der Metalltarifrunde 1976, den nach dieser, nicht abschließenden, Auswertung allein die KPD wahrnahm (vgl. 9.3.1976).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

12.09.1970:  Willy Brandt unternimmt am Wochenende, laut KPD/ML-ZB, eine Rundreise durch Bayern zur Vorbereitung des Landtagswahlkampfes (LTW):"
In mehreren Versammlungen und bei Besuchen in Betrieben wie MAN in Augsburg (IGM-Bereich,d.Vf.), versuchte er von der sozialfaschistischen Politik der SPD abzulenken, indem er immer wieder scharf die faschistischen Kräfte um Strauß angriff. Die faschistischen Angriffe der SPD-Regierung auf die Arbeiterklasse verschwieg er dabei nicht im geringsten, sondern will sie den Arbeitern als 'unausweichliche politische Notwendigkeit' einpauken. Auf einer 'Arbeitnehmerkonferenz' in München behauptete Brandt vor mehreren tausend Arbeitern: 'Die SPD ist nicht Volkspartei geworden, um den Preis, der Arbeitnehmerschaft untreu zu werden.'; er hatte die Unverschämtheit, zur Lohnraubsteuer zynisch zu erklären: 'Wir haben aber so gehandelt, wie es sozialdemokratischer Tradition entspricht: Diejenigen, die den größten Geldbeutel haben, sollen auch die größere Leistung aufbringen.' - die unteren Lohngruppen würden überhaupt nicht belastet. In Augsburg versuchte er die Arbeiter bei MAN in Sicherheit zu wiegen, indem er erklärte, alles Gerede von ersten Anzeichen der Krise sei Unsinn.
Als Vertreter der Monopolbourgeoisie machte er der Arbeitern weiter klar, daß es eine 'qualifizierte Mitbestimmung' in der Großindustrie nicht geben wird, denn 'Mitbestimmung wird es in der BRD mit und durch die SPD oder überhaupt nicht geben.' In dieser Koalition hält er sie aber für nicht durchführbar. Noch fühlt sich die SPD recht sicher. Sie hat die reformistischen Gewerkschaftsführer (mit Brandt sprach Bayerns IGM-Boss Essl) fest in der Hand und kann so ihre arbeiterfeindliche Politik verkünden, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen."
Quelle: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.33/34,Bochum 19.9.1970,S.5

14.09.1970:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
SPD - PARTEI DES MONOPOLKAPITALS

Die Spitzenvertreter der deutschen Kapitalisten haben sich in aller Stille mit Brandt getroffen, um das weitere Vorgehen im Ostgeschäft zu planen. Brandt traf mit dem BDI-Präsidenten F. Berg und dem Vorsitzenden des westdeutschen Osthandels v. Amerongen (DIHT,d.Vf.) zusammen. (v. Amerongen wird als Vertreter der Zulieferindustrie beim LKW-Geschäft auch auf seine Kosten kommen. Zusammen mit der Linde AG verhandelt auch seine Chemiebaufirma Dr. A. Zieren mit den Russen über größere Geschäfte in der Petrochemie.) Über die Grundsätze der 'neuen Ostpolitik' ist Einigkeit längst erzielt. In der jetzigen Phase geht es wohl eher darum, Grundsätze für den Umfang des Ostgeschäftes aufzustellen. Denn die Zeitungen des westdeutschen Kapitals warnen davor, die Lieferungen in die SU zu groß werden zu lassen. Denn auch die Lieferkapazität des westdeutschen Kapitals ist nicht unbegrenzt. Vor allem in der Frage der Kredithöhe, der der SU bei dem Vertragsabschluß über den Bau eines LKW-Werks zwischen Daimler-Benz und SU, sowie zwischen den gesamten Zuliefererfirmen und der SU offen gelassen worden war, liegen die Schwierigkeiten. Die Russen werden kaum höhere Zinsen bezahlen wollen, als beim Röhrengeschäft mit 6,25%. Doch welche westdeutschen Banken geben Kredite mit solch geringen Zinssätzen, wo zur Zeit die Zinse bei 8,5 - 9% liegen. Doch mit Hilfe der Bundesregierung hoffen die westdeutschen Kapitalisten, auch diese Schwierigkeiten überwinden zu können, da ihr Interesse am Ostgeschäft sehr groß ist. Brandt versicherte deshalb auch in Augsburg (vgl. Bayern 12.9.1970,d.Vf.), daß die Regierung prüfen werde, wie weit die Finanzierung des Lastwagengeschäfts erleichtert werden könne, vor allem durch Erweiterung des Bürgschaftsrahmens. Bei dieser Gelegenheit meldeten auch die Kapitalisten von MAN und GHH ihren Anspruch an, auch einen Teil des Ostgeschäftes abzubekommen. Die GHH und ihre 'Tochter' MAN wollen sich in erheblichem Umfang an den Zulieferungen für das LKW-Werk beteiligen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.33/34,Bochum 19.9.1970,S.15

20.10.1970:  Heute kommt es, laut KPD/ML-ZB, zu einem Streik von 6 000 Beschäftigten bei MAN in Augsburg.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.45,Bochum 26.10.1970,S.2;
Rotlicht Nr.3,Berlin Nov. 1970;
Das Rote System Nr.4,Berlin Okt. 1970


28.12.1970:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Augsburg:"
Die SPD-Regierung betreibe eine Doppeltaktik von einerseits Öffnung der Ostmärkte, andererseits verstärkter Aufrüstung:"
Die westdeutschen Monopole verdienen gut an dieser Doppeltaktik: so sind z.B. der Rüstungsbetrieb Renk und die MAN, die immer mehr Aufträge aus der DDR und der SU erhält, im Besitz der Gute Hoffnungshütte Oberhausen. Die GHH-Bosse holen ihre Profite aus dem Osthandel und aus der Aufrüstung heraus."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.1,Bochum 6.1.1971,S.10f

02.08.1971:  Es erscheint die Nr.15 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 19.7.1971, 16.8.1971). Im Artikel "Die KPD/ML stärken. Der politische Kampf muß im Vordergrund stehen" zu den MTRs 1970 und 1971 wird u.a. die Betriebszeitung 'Roter MAN Arbeiter' aus Augsburg erwähnt.
Q: Rote Fahne Nr.15,Bochum 2.8.1971

07.03.1972:  Laut KPD/ML-ZB findet in Augsburg eine Demonstration "gegen Polizeiterror" statt. In der Innenstadt von Augsburg sammeln sich ca. 400 Menschen, "darunter etwa 100 Genossen aus München von verschiedenen Organisationen", u.a. dem AStA der LMU.
"Die Demonstranten waren Arbeiter, Werktätige und Studenten der KPD/ML und des Roten Morgen, hauptsächlich aber anpolitisierte Schüler und Lehrlinge, die von der AjP (Augsburger Junge Presse,d.Vf.) mobilisiert worden waren." Während der Demonstration kommt es zu einigen Rangeleien mit der DU (Demokratische Union) und der DKP. Die KPD/ML-ZB verteilt während der Demonstration ein Extrablatt des 'Roten MAN-Arbeiter'.
Q: Rote Fahne Nr.6,Bochum 20.3.1972,S.2;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.22,Bochum 16.3.1972


13.03.1972:  Der 'Rote Morgen' Nr.6 (vgl. 28.2.1972, 27.3.1972) erscheint. Eine Arbeiterkorrespondenz kommt von MAN Augsburg.
Q: Roter Morgen Nr.6,Hamburg 13.3.1972

15.03.1972:  Die Nr.21 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 11.3.1972, 16.3.1972) berichtet über den eigenen 'Roten MAN-Arbeiter' bei MAN Augsburg.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.21,Bochum 15.3.1972

03.04.1972:  Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche von MAN Augsburg, der Betriebsrat bespitzele die Kollegen und stelle gegen die KPD/ML-ZB Strafantrag. 'Der Rote MAN-Arbeiter', die Betriebszeitung der KPD/ML-ZB ruft dazu auf, gegen diese Machenschaften für die anstehenden Betriebsratswahlen (BRW) eine Oppositionsliste zu diskutieren. Zu einer Veranstaltung der Betriebsgruppe sei aber leider kein Kollege erschienen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.27,Bochum 12.4.1972

12.04.1972:  Die Nr.27 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 8.4.1972, 15.4.1972) erscheint. Aus Bayern berichtet die Betriebsgruppe MAN Augsburg (IGM-Bereich - vgl. 3.4.1972) u.a. über Ausländer, den Druckmaschinenbau und den Kleinmotorenbau.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.27,Bochum 12.4.1972

22.04.1972:  Die Nr.30 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 19.4.1972, 26.4.1972) erscheint. Aus Bayern wird berichtet von MAN Augsburg (IGM-Bereich).
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.30,Bochum 22.4.1972

01.05.1972:  In der Nr.9 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 17.4.1972, 15.5.1972) berichtet die KPD/ML-ZB über ihre Betriebsgruppe bei MAN Augsburg ('Der Rote MAN Arbeiter').
Q: Rote Fahne Nr.9,Bochum 1.5.1972

Januar 1973:  An der FU Berlin gibt die MLHPol einen Sdr.druck 3 ihrer 'MLHPol Zeitung' (vgl. 13.11.1972, 29.1.1973) unter dem Titel "Der Kampf der Metaller und die Politik der Kommunisten" zur MTR der IGM heraus, von der von MAN Augsburg berichtet wird.
Q: MLHPol Zeitung Sdr.druck 3,Berlin Jan. 1973

08.01.1973:  Bei MAN Augsburg verteilt die KPD/ML-ZK ein Flugblatt.
Q: Roter Morgen Nr.1,Hamburg 14.1.1973

21.04.1973:  Die KPD/ML-ZK gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.15 (vgl. 14.4.1973, 28.4.1973) heraus und berichtet aus München über MAN.
Q: Roter Morgen Nr.15,Dortmund 21.4.1973

September 1973:  Bei MAN Augsburg findet, laut AB, vermutlich im September ein Streik für eine Teuerungszulage (TZL) statt.
Q: Roter Anzeiger Nr.26,München Okt./Nov. 1973

Februar 1975:  Der AB gibt die Nr.56 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. Jan. 1975, März 1975) heraus und berichtet von MAN Augsburg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.56,München Feb. 1975

14.04.1975:  Vermutlich in dieser Woche gründet die KPD ihre Ortsleitung (OL) in Augsburg, die die Arbeit u.a. im IGM-Bereich bei MAN anleiten soll.
Q: Rote Fahne Nr.16,Dortmund 23.4.1975

15.06.1975:  Der AB gibt die Nr.63 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl.
1.6.1975, 29.6.1975) heraus und berichtet von MAN Augsburg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.63,München 15.6.1975

Juli 1975:  In Augsburg gibt der AB vermutlich im Juli eine Ausgabe seines 'Metallarbeiter' u.a. für MAN und Renk heraus.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.66,München 27.7.1975

27.07.1975:  Der AB gibt die Nr.66 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 13.7.1975, 10.8.1975) heraus und berichtet von MAN Augsburg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.66,München 27.7.1975

30.11.1975:  Der AB gibt die Nr.75 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 16.11.1975, 14.12.1975) heraus und berichtet von MAN Augsburg,
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.75,München 30.11.1975

11.01.1976:  Der AB gibt die Nr.78 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 14.12.1975, 25.1.1976) heraus und berichtet von MAN Augsburg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.78,München 11.1.1976

09.03.1976:  Bei MAN Augsburg findet, laut KPD, ein Streik anläßlich der Metalltarifrunde (MTR) statt.
Q: Rote Fahne Nr.11,Köln 17.3.1976

20.02.1977:  Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.106 (vgl. 6.2.1977, 6.3.1977) heraus und berichtet aus Augsburg von MAN.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.106,München 20.2.1977

15.04.1977:  Bei der Zahnradfabrik (ZF) Renk Augsburg verteilt die AB-Sympathisantengruppe, nach eigenen Angaben, ein 'Metallarbeiter'-Flugblatt (vgl. 18.4.1977), das sich u.a. auch mit dem örtlichen Betrieb MAN sowie der IGM Ortsverwaltung befaßt.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.112,München 14.5.1977

15.11.1977:  Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.125 (vgl. 1.11.1977, 29.11.1977) heraus und berichtet von MAN Augsburg.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.125,München 15.11.1977

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