1. Mai 1969 in Berlin

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Zum 1. Mai 1969 wird die Auseinandersetzung zwischen der radikalen Linken, die sich nun in Form von Basisgruppen organisiert (vgl. März 1969, 30.4.1969), und der SEW (vgl. Apr. 1969) sowie den ihr nahestehenden Gruppen, wie dem Jungarbeiter- und Lehrlingskomitee (vgl. Apr. 1969), offen ausgetragen (vgl. 18.4.1969), aber auch innerhalb der Linken gibt es Differenzen (vgl. 8.4.1969, 29.4.1969) und gegen Aktivistinnen erfolgen Repressionen (vgl. 5.5.1969).

Von der offenbar gelungenen Mobilisierung zeigen sich auch angehende DeutschlehrerInnen beeindruckt (vgl. 5.7.1969), aus dem Maikomitee 1969, das in seiner Mai-Zeitung (vgl. Apr. 1969) fast alle Artikel aus dem 'Roten Weichensteller' für DWM übernimmt, geht dann als langfristigere Organisationsform die Arbeiterkonferenz hervor (vgl. 15.3.1969, 29.3.1969, Apr. 1969, 23.11.1969).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

März 1969:
in Berlin erscheint vermutlich im März ein 'Basisgruppen-Info' Nr. 4 (vgl. Mai 1969) mit dem "Bericht der Basisgruppe Moabit", die "entstand während der Kampagne zum 1. Mai 1968 um einen Kern von SDSlern." und dem Beitrag "Vorschläge für die Kampagne 1. Mai", mit der Einladung zur Arbeiterschulung am 15./16.3.1969.
Quelle: Basisgruppen-Info Nr. 4, Berlin o. J. (1969), S. 2ff

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15.03.1969:
In Berlin treffen sich im Rahmen der Vorbereitung des 1. Mai erstmals die innerhalb der Basisgruppen organisierten Arbeiter zu einem zweitägigen Schulungsseminar und beschließen, sich zukünftig vierzehntäglich zu versammeln (vgl. 29.3.1969), was der Ursprung der Arbeiterkonferenz sein dürfte. Der Kontakt läuft über Hugo Brentzel.
Q: Apopress Nr. 7, Hamburg 21.4.1969,S.5

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27.03.1969:
In Berlin erscheint die 'Agit 883' Nr. 7 (vgl. 20.3.1969, 3.4.1969). Eingegangen wird auch auf den 1. Mai.
Q: Agit 883 Nr. 7, Berlin 27.3.1969

29.03.1969:
In Berlin wollen sich die innerhalb der Basisgruppen organisierten Arbeiter erneut zu einem zweitägigen Schulungsseminar treffen (vgl. 15.3.1969).
Q: Apopress Nr. 7, Hamburg 21.4.1969,S.5

April 1969:
In Berlin berichtet die marxistisch-leninistische Fraktion der Arbeiterkonferenz (vgl. 26.11.1969) vermutlich aus dem April von der Arbeiterkonferenz (vgl. 12.7.1969):"
Der Entstehung der Arbeiterkonferenz gingen Diskussionen mehrerer Arbeiter voraus, die sich im damaligen Maikomitee (MK,d.Vf.) trafen. Unzufrieden mit ihrer Situation als Arbeiter in den Betriebs- und Basisgruppen und im Maikomitee beschlossen sie, ein Forum aller in der 'linken Bewegung' arbeitenden proletarischen Genossen einzurichten. Dort sollten die Arbeiter sich selbst artikulieren und ohne Studenten einen eigenen Standpunkt in der Bewegung zu entwickeln. Die Unzufriedenheit der meisten proletarischen Genossen beruhte auf dem Abhängigkeitsverhältnis zu den Studenten in den einzelnen Gruppen und Gremien. Der Grund dafür war die theoretische Rückständigkeit der Arbeiter und daß sie in der Minderheit waren. Anstatt Maßnahmen zur Beseitigung dieser theoretischen Kluft zu ergreifen, bauten die Studenten ihre Vormachtstellung aus und benutzten die Arbeiter in den Gremien als Alibi. Die Arbeiter waren so in die Konsumentenrolle gedrängt."
Q: ML-Fraktion der Arbeiterkonferenz: Die Situation der Arbeiterkonferenz, o.O. (Berlin) o.J. (1969), S. 1

April 1969:
Es erscheint die 'Schering Betriebskorrespondenz' Nr. 2 für April (vgl. Juli 1969) mit dem Leitartikel "1. Mai 1969".
Q: Schering Betriebskorrespondenz Nr. 2, Berlin Apr. 1969

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April 1969:
In Berlin veröffentlicht das Jungarbeiter- und Lehrlingskomitee, welches vermutlich der SEW nahesteht mit vermutlich im April den "Aufruf 1. Mai" des Lenin-Seminar Charlottenburger Jungarbeiter, Lehrlinge, Schüler und Studenten.
Q: Lenin-Seminar Charlottenburger Jungarbeiter, Lehrlinge, Schüler und Studenten: Aufruf 1. Mai, Berlin o. J.

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April 1969:
In Berlin erscheint vermutlich im April die gemeinsame '1. Mai-Zeitung der Betriebs- und Basisgruppen der Arbeiter Lehrlinge Schüler und Studenten' unter den Titelköpfen der 'Schering Betriebskorrespondenz', der 'AEG Telefunken Betriebskorrespondenz', von 'der rote Weichensteller' und der 'Lehrlinge und Jungarbeiter Zeitung zum 1. Mai' mit dem Leitartikel "Berlinhilfe. Spekulanten sahnen ab. Arbeiter zahlen drauf!".

Weitere Artikel sind:
- "Was kann Arbeiterkontrolle für uns bedeuten?", wobei berichtet wird aus England vom Ford-Streik in Halewood (vgl. 17.2.1969);
- "Schieber und Meister bei DWM. Kleine Bosse - große Betrüger";
- "Wir wollen Betriebskindergärten";
- "Weißer Kreis - Ein Schlag ins Gesicht";
- "Vorwarnung: Neue Arbeitsbewertung droht" in der Metallindustrie; sowie
- "Lehrlinge als billige Arbeitskraft", wobei berichtet wird von DWM sowie:"
Notiz: AEG sucht qualifizierte Werkzeugmacher (weil die dort ausgebildeten Lehrlinge in der eigentlichen Fertigung nicht zu gebrauchen sind…)."

Aufgerufen wird zum 1. Mai und den Maiveranstaltungen am 27. und 30.4.1969. Bis auf den Berlinhilfe- und den Lehrlingsartikel stammen die Artikel all aus dem 'Roten Weichensteller' (vgl. Apr. 1969) für DWM.
Q: 1. Mai-Zeitung der Betriebs- und Basisgruppen der Arbeiter Lehrlinge Schüler und Studenten, Berlin o. J. (1969)

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April 1969:
Die SEW Westberlin veröffentlicht vermutlich im April das Flugblatt "1. Mai Arbeiter Studenten Schüler", welches zur Maidemonstration ab Karl-Marx-Platz aufruft.
Q: SEW: 1. Mai Arbeiter Studenten Schüler, Berlin o. J. (1969)

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April 1969:
Vermutlich im April bringt die Rote Garde (RG) - MLJO Westberlin eine weitere Nummer ihrer Zeitung 'Rote Garde' - Marxistisch-leninistische Jugendorganisation (vgl. März 1969, Sept. 1969) heraus. Diese Nr. 3 erscheint in einer Ausgabe für Schüler und einer anderen für Lehrlinge, Haupt- und Realschüler.
Enthalten ist auch der Artikel: "1. Mai. Macht die SEW bei der Senatsfeier mit?".

In der Ausgabe für Lehrlinge, Haupt- und Realschüler erscheint der Artikel "Organisiert muß sich die Arbeiterklasse die Macht erkämpfen!" zur Forderung nach Mitbestimmung, die DGB und SEW am 1. Mai propagieren.
Q: Rote Garde - Marxistisch-leninistische Jugendorganisation Nr. 3 beide Ausgaben, Berlin o.J. (1969)

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01.04.1969:
In der Westberliner TU wird, laut BED, Anfang April ein Initiativkomitee der Außerparlamentarischen Opposition zur Vorbereitung des 1.Mai gegründet. Dem Initiativausschuss schließen sich die Basisgruppen Wedding, Zehlendorf, Spandau, Tegel, Siemens, Wilmersdorf sowie die SJD - Die Falken der SPD Westberlin, der Sektion Politische Ökonomie, der Arbeitskreis Agitprop im RC, der RC Westberlin, die Justizkampagne, der Zentralrat der Kinderläden, der Sozialistische Club (SC) Neukölln, die Koordinierungsgruppe 1.Mai und der Initiativausschuß für eine rev. Jugendorganisation (IAfeRJO) Spartacus an. Ziel ist die Gründung eines Mai-Komitees.
Q: Berliner Extra Dienst Nr. 28, Berlin ****1969,S.1

05.04.1969:
In Berlin verfaßt Spartacus - IAfeKJO einen Offenen Brief an das 1. Maikomitee der Basisgruppen und anderer Gruppen, die FDJ-W und SEW, die RG und die SJD.
Q: Spartacus - IAfeKJO: Offener Brief 5.4.69,Berlin 5.4.1969

08.04.1969:
In einem Rundschreiben der Berliner Gruppe Spartacus - IAfeKJO wird u.a. bekanntgegeben, daß man auf der 1.Sitzung des Maikomitees bereits ausgezogen sei, da das Maikomitee Träger der Kampagne der Basisgruppen sei.
Q: Spartacus - IAfeKJO :Rundschreiben 8.4.69,Berlin 8.4.1969

18.04.1969:
Das Berliner Sozialistische Maikomitee verabschiedet, laut 'RPK', anläßlich der Mai-Kampagne einen "Brief an die SEW", in dem es mehrere Kritiken an den politischen Vorstellungen der SEW formuliert. U.a. wird erklärt:"
Wir schlagen deshalb der SEW vor, die unterschiedlichen politischen Strategien in einer Veranstaltung spätestens acht Tage vor dem 1. Mai öffentlich zu klären und ein gemeinsames Vorgehen zum 1. Mai vom Ergebnis dieser Veranstaltung abhängig zu machen. Das Generalthema soll lauten: Zur Dialektik von Reform und Revolution im revolutionären Prozeß." Der "Brief an die SEW" ist von Tilman Fichter, Hans Jürgen Grune, Jürgen Horlemann, Dietrich Kreidt, Peter Neitzke, Bernd Rabehl, Christian Semler und Dieter Sturm unterzeichnet.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr. 9, Berlin 1969,S.2

27.04.1969:
Die RG Westberlin führt im Audimax der TU eine Maiveranstaltung für Lehrlinge unter dem Motto 'Organisiert die Kapitalistenklasse bekämpfen!' durch.

Laut Spartacus - IAfeKJO führen Basisgruppen und Infi eine Lehrlingsveranstaltung zum 1.Mai durch.
Q: Spartacus - IAfeKJO: Flugblatt zum 1.5., Berlin 30.4.1969; Rote Garde - Marxistisch-leninistische Jugendorganisation Nr.3 Ausgabe für Lehrlinge, Haupt- und Realschüler, Berlin o. J. (1969)

28.04.1969:
Bei AEG Telefunken Berlin-Schwedenstrasse erscheint eine Ausgabe der 'AEG Telefunken Betriebskorrespondenz' vermutlich Anfang dieser Woche (vgl. 24.3.1969, 5.5.1969) mit dem Leitartikel "1. Mai 1969", der 'Westberliner Betriebsgruppen', wobei auch auf den britischen Ford-Streik eingegangen wird.
Q: AEG Telefunken Betriebskorrespondenz o. Nr., Berlin o. J. (1969), S. 1f und 3

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28.04.1969:
In Berlin-Spandau erscheint vermutlich in dieser Woche bei Orenstein und Koppel (O+K) durch die Basisgruppe Spandau erstmals die 'O&K Solidarität - Rote Betriebskorrespondenz' für April/Mai (vgl. 30.6.1969) mit dem Leitartikel "1. Mai - Tag der Arbeiter oder Tag der Unternehmer".
Q: O&K Solidarität Nr. 1, Berlin Apr./Mai 1969, S. 1f

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29.04.1969:
In Berlin erscheint das 'RC-Bulletin' Nr.7/69 (vgl. 3.4.1969), in dem sich u.a Rudi Schmidt über die Maikampagne äußert:"
Zum ersten Mal wird es in Westberlin drei Kundgebungen aus gleichem Anlaß geben. … Als zentrale agitatorische Kategorie galt die 'Arbeiterkontrolle', die scharf gegen das Mitbestimmungskonzept der Gewerkschaften abgesetzt wurde. Hieran entzündete sich auch der erste Streit zwischen dem Sozialistischen Maikomitee der Basisgruppen und der SEW. Die SEW ließ erkennen, daß sie ihre eigene Kampagne mit dem Mitbestimmungskonzept führen wolle, und daß sie darüber nicht zu verhandeln gedächte; einzig die gemeinsame Demonstration und die Kundgebung waren für sie von Interesse. … Für sie war die APO eine ideale Rekrutierungsbasis - mehr ist sie für die SEW nie gewesen! Dabei vermied sie entschlossen jede Debatte über ihre Grundposition im Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaft".
Q: RC-Bulletin Nr. 7, Berlin 29.4.1969

30.04.1969:
In der 'RPK' (vgl. 9.5.1969)heißt es zur Maikampagne u.a.:"
Wichtigstes Resultat der gemeinsamen Arbeit war die Vorbereitung und Durchführung der Großveranstaltung in der Hasenheide vom 30.4.1969, in deren Verlauf Sprecher fast aller Gruppen zum ersten Male ihre Vorstellungen zur Lösung der Organisationsfrage öffentlich erörterten."
U.a. ist an dem Treffen in der Hasenheide und am 1. Mai auch die Westberliner Rote Garde (RG) beteiligt.

Im 'Basisgruppen-Info' (vgl. Mai 1969) werden von der Veranstaltung vier Referate zur Organisationsfrage dokumentiert von Eike Hemmer (Basisgruppe Wedding), Christian Semler, Günter Waschkuhn (Rote Garde) und Wolfgang Zeller (Spartacus).
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr. 12, Berlin 9.5.1969; Basisgruppen-Info Nr. 4, Berlin o. J. (1969), S. 14ff

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30.04.1969:
Die RG Westberlin führt für Schüler ebenfalls eine Veranstaltung durch, unter dem selben Motto und am selben Ort wie am 27.4.1969 .
Q: Rote Garde - Marxistisch-leninistische Jugendorganisation Nr. 3 beide Ausgaben, Berlin o.J. (1969); Spartacus - IAfeKJO: Protokoll der Plenumssitzung vom 12.4., Berlin 12.4.1969

30.04.1969:
In Berlin geben DeTeWe-Arbeiter in Zusammenarbeit mit der Basisgruppe Kreuzberg die Nr. 1 der 'DeTeWe aktuell' heraus unter der Überschrift "Wir können es nur selber tun!". Aufgerufen wird zur heutigen Maiveranstaltung und zur morgigen Maidemonstration.
Q: DeTewe aktuell Nr. 1, O. O. (Berlin) o. J. (30.4.1969)

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Mai 1969:
In Berlin erscheint vermutlich im Mai, eventuell auf der 1. Mai-Demonstration, ein Flugblatt, mit dem sich das Kollektiv Schwarze Rose vorstellt, das in der Reichenberger Strasse 47 eine politische linke Kneipe eröffnet hat, die sich als Organisationszentrum für die Agitation in den Kreuzberger Betrieben dienen soll. Ausgeführt wird u. a.:"
Während der politischen Stagnation seit dem 1. Mai 1968, haben sich Kernpunkte einer neuen politischen Strategie in Form von Basis- und Betriebsgruppen gebildet. Der Versuch der politischen Agitation in der Arbeiterklasse in Zusammenarbeit mit Lehrlingen und Arbeitern in Betrieben hat sein erstes Ergebnis in der Mai-Demonstration dieses Jahres. Es hat sich gezeigt, daß die Basis der linken Bewegung nicht verlorenging, sondern sich in der Qualität veränderte. Die Verallgemeinerung des Basisgruppenansatzes muß durch Agitation in den Kreuzberger Großbetrieben weitergeführt werden. Das vergangene Jahr hat auch gezeigt, daß die bestehenden pseudolinken Kneipen (LSX, Kleine Weltlaterne, Leierkasten, Malkiste, Zodiak, Shoppop) dazu beitragen, das viele Genossen aus der politischen Arbeit herausfielen. Die linke Masche entpuppte sich als gutes Geschäft."
Q: Kollektiv Schwarze Rose: Genossen!, O. O. (Berlin) o. J. (1969)

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01.05.1969:
In Berlin gibt es heute, laut RJ/ML, drei Demonstrationen. Neben Aktionen von Senat und SEW habe die Apo einen Zug von 6 000 Leuten organisiert. Mehr als 8 000 Lehrlinge, Jungarbeiter, Schüler und Studenten beteiligen sich, laut 'RPK', an der "Sozialistischen Mai-Demonstration" im Wedding. Ihre "Mailosung" lautet u.a.: "Lieber getrennt siegen, als vereint mit der SEW untergehen". Mit dieser Demonstration findet erstmals am 1.Mai eine bewußte Abgrenzung von der Politik der SEW statt. Waren noch etwa 40 000 Menschen an der 1.-Mai-Demonstration 1968 beteiligt, so kommt es jetzt erstmals zu zwei linken Demonstrationen in Berlin. Der Landesverband der SJD - Die Falken rief die Mitglieder seiner Organisation dazu auf, am 1. Mai zusammen mit den Lehrlingen, jungen Arbeitern, Schülern und Studenten von Moabit zum Wedding zu demonstrieren.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr. 11 und 12, Berlin 1969; Rebell Nr. 9, Mannheim Mai 1969

01.05.1969:
In Berlin verteilte die Schülergruppe Südwest von Spartacus - IAfeKJO, nach einem internen Bericht, zur Vorbereitung des 1. Mai 5 Flugblätter an 12 Schulen.
Q: Spartacus - IAfeKJO: Die Arbeit der Schülergruppe SW, Berlin o.J. (1969)

05.05.1969:
Bei AEG Telefunken Berlin-Schwedenstrasse erscheint ein Extrablatt "Der zweite Versuch!" der 'AEG Telefunken Betriebskorrespondenz' vermutlich in dieser Woche (vgl. 28.4.1969, Juni 1969) und berichtet über die zweite politische Entlassung, dieses Mal gegen eine Kollegin, die auf der sozialistischen 1. Maikundgebung redete.
Q: AEG Telefunken Betriebskorrespondenz Extrablatt Der zweite Versuch!, Berlin o. J. (1969)

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Juli 1969:
In Berlin erscheint vermutlich im Juli die 'NEUE Aktion ' Nr. 6 (vgl. Mai 1969) mit dem Artikel "So schlecht geht es uns (gar nicht)!" zum 1. Mai 1969.
Q: NEUE Aktion Nr. 6, Berlin Mai 1969, S. 9f

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05.07.1969:
Die Rote Zelle Germanistik (Rotzeg) konstituiert sich an der FU in Berlin vermutlich an diesem Wochenende (vgl. 8.7.1969) als erste Rote Zelle. Die Rotzeg (vgl. 26.11.1969) berichtet über sich selbst (vgl. Jan. 1969, Aug. 1969) u.a.:"
Die Rotzeg-Gründung fand in einer Situation statt, in der die Arbeit der Basisgruppen gut voranzuschreiten schien (vgl. die Streiks bei ARWA (GTB-Bereich - vgl. 23.6.1969,d.Vf.), die Aktionen bei Gillette (IGM-Bereich - vgl. S2.*.1969,d.Vf.)), die Gründung des SALZ (vgl. S2.*.1969,d.Vf.), die über eine Studentendemonstration weit hinausgehende Mobilisierung bei der 1.Mai Demonstration etc.). Die sinnvollste Unterstützung der Basisarbeit schien uns nicht das individuelle Abwandern in die Basisgruppen, sondern die organisierte Eröffnung einer neuen Front, die Forcierung des Kampfes im Erziehungssektor zu sein."
Q: Rotzeg: Bericht der Roten Zelle Germanistik, o.O. (Berlin) o.J. (1969), S. 1f

23.11.1969:
Auf einer Beiratssitzung (Beiratskonferenz) der 'RPK' beschließt dieser, die "Arbeitskonferenz zur Neubestimmung der Linie der RPK um eine Woche auf den 6. und 7.12. zu verschieben". Der Beirat beschließt weiter, "einen Artikel der ML-Fraktion zur Organisationsfrage erst nach Abschluß der Arbeitskonferenz vom 6./7. Dezember zu veröffentlichen" (vgl. 24.11.1969).

In dem Artikel "Die Marxistisch-Leninistische Organisation in Angriff nehmen", an dem sich der RPK-Streit entzündet, wird von folgender Situation ausgegangen:
(1) Das Scheitern, die Arbeiterkonferenz zur zentralen Organisation der Arbeiter zu machen. Es sei hinzugefügt, daß der Entstehung der Arbeiterkonferenz Diskussionen im Mai-Komitee 1969 vorangingen. Die Diskussion ergab als Konsequenz die Einrichtung eines "Forums aller in der linken Bewegung arbeitenden proletarischen Genossen". An einer ersten Arbeiterkonferenz nahmen fünfzig Arbeiter aus zwölf Gruppen teil. Eine Übereinstimmung in Fragen verbindlicher Arbeit kam nicht zustande."
Q: RPK-Redaktion:Den Kampf zweier Linien führen,Berlin 1969; ML Westberlins:Die Marxistisch-Leninistische Organisation in Angriff nehmen,Berlin 1969;Rote Pressekorrespondenz Nr. 41, Berlin 28.11.1969

Letzte Änderung: 25.04.2017