Deutsche Reichsbahn (DR) der DDR und S-Bahn West-Berlin

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 30.9.2010

Diese wie immer unvollständige Darstellung erschließt bisher nur wenige der von der Deutschen Reichsbahn in Westberlin vor allem von der dortigen Zelle des KBW sowie vereinzelt auch der Schwarzen Zelle Reichsbahn vorliegenden Dokumente.

Die Deutsche Reichsbahn und die von ihr betriebene Westberliner S-Bahn zeichnen sich dadurch aus, dass die Beschäftigten beider auch in Westberlin nicht durch Gewerkschaften des DGB, sondern durch den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) organisiert wurden.

Während die S-Bahn für die Anhänger der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands Westberlin auch zu Zeiten des schärfsten Antikommunismus sichere Arbeitsplätze bot, betätigten sich bei dieser auch verschiedene linksradikale Gruppen, wie einleitend für diese Darstellung eine offenbar teilweise den Spartacisten verbundene Lehrlingsgruppe (vgl. 22.11.1968, 28.12.1968).

Für Faschisten ist die Westberliner S-Bahn ein leicht erreichbares Anschlagziel (vgl. 16.12.1970), für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) offenbar zumindest zeitweise eine politisch zu bekämpfende Konkurrenz, wie von der KPD anlässlich der Fahrpreiserhöhungen bei der BVG berichtet wird (vgl. 8.10.1971) von der DKP wird die positive Rolle der Deutschen Reichsbahn hervorgehoben (vgl. Juli 1971), während die KPD nicht nur auf die lineare Lohnerhöhung bzw. die Nivellierung der Lohnunterschiede verweist, sondern auch auf das Fehlen der Lohnkämpfe bei der Deutschen Reichsbahn, was zwar in der DDR aber nicht in Westberlin üblich ist (vgl. 11.1.1971), wofür es aber dann bei der Deutschen Reichsbahn (DR) durchaus 'einige fortschrittliche Errungenschaften' (vgl. 15.11.1971) zu geben scheint, nur keine Herrschaft der Arbeiterklasse, wie in der KPD-Presse bemängelt wird, ist doch auch in den Mitbestimmungsgremien des FDGB allein die SEW vertreten und nicht auch die KPD.

Die KPD beginnt vermutlich erst rund ein Jahr später mit der intensivierten Agitation bei der Reichsbahn (vgl. Juli 1972, 11.10.1972), wobei zunächst sowohl KPD als auch KPD/ML die Fahrpreiserhöhungen der S-Bahn anprangern (vgl. 21.8.1972, 1.9.1972), die KPD aber auch die Auswahl der Lautsprecherdurchsagen der S-Bahn (vgl. 6.9.1972).

Zur Freude der KPD und vermutlich aufgrund einer Initiative ihrer Anhänger bei der Deutschen Reichsbahn wird dort ein Vietnamausschuss (VA) des Nationalen Vietnamkomitees (NVK) gegründet (vgl. 9.10.1972, 16.10.1972), der aber nicht zu verhindern vermag, dass die Deutsche Reichsbahn sich an der Sabotage der Bonner Vietnamdemonstration versucht (vgl. 14.1.1973).

Wenig später gibt es dann wiederum zur Freude der KPD einen Kampfausschuß der Reichsbahner (vgl. 12.3.1973), gegen den die SEW offenbar massiv vorgeht (vgl. 26.3.1973), wobei allerdings wohl, wie mir von Teilnehmern versichert wurde, eher die Schwarze Zelle Reichsbahn auf eigene Faust tätig geworden ist, die Gründung des Kampfausschusses der Freunde der KPD aber nicht zu verhindern vermochte (vgl. 29.3.1973), wobei diese sich dann vermutlich auch an der Vorbereitung des oppositionellen 1. Mai 1973 aktiv beteiligen (vgl. 2.4.1973), aber auch an den zentralen und regionalen Treffen der KPD-nahen Gewerkschafter (vgl. 14.4.1973, 3.7.1973) und sich dann zur Gruppe oppositioneller Gewerkschafter (GOG) entwickeln, während auch die Schwarze Zelle Reichsbahn noch aktiv zu sein scheint (vgl. Juni 1973).

Die Deutsche Reichsbahn bzw. deren Bahnpolizei zeigen sich offenbar nicht nur gegenüber der KPD feindlich (vgl. 15.8.1973), sondern eher an Profiten als an proletarischer Solidarität interessiert, wie sich anlässlich des Streiks bei der BVG zeigt (vgl. 24.1.1974).

Die Freunde der KPD bei der Reichsbahn beteiligen sich auch 1974 am oppositionellen 1. Mai (vgl. 25.3.1974, 1.4.1974, 8.4.1974, 10.4.1974, 15.4.1974), was vermutlich bei der Deutschen Reichsbahn gar nicht gern gesehen wurde (vgl. 29.4.1974).

Später sind es dann wieder die Fahrpreiserhöhungen der S-Bahn bzw. diejenigen der BVG, die der KPD Anlass zur Kritik der linksradikalen Konkurrenz bieten (vgl. 1.3.1976). Die KPD ist ei der Reichsbahn immer noch aktiv (vgl. 28.4.1976, 6.10.1976, 11.8.1976), aber offenbar nicht wohl gelitten (vgl. 19.4.1976), sie möchte bei der Deutschen Reichsbahn offenbar gleich aufs Ganze gehen und im Gegensatz zum KBW lieber völlig unabhängige Gewerkschaftsstrukturen errichten (vgl. 30.8.1976).

Wiederum einige Jahre später erlebt der Westberliner KABD zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung bei seinem Engagement im Reichsbahnstreik – die einschlägige Broschüre des KABD wurde aus dem APO-Archiv leider entwendet und kann daher hier nicht wiedergegeben werden, wir bitten daher um anonyme Zusendung der Scans – tatsächlich vermutlich einen bzw. den Höhepunkt seines Erfolges, was auch bundesweit für den KABD nicht ohne Bedeutung blieb bzw. eine Ausnahme im eher vom Anfall alter Gruppen gekennzeichneten Geschehen darstellte (vgl. 16.9.1980).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

22.11.1968:
In Berlin erscheint erstmalig die 'Iskra' - Politische Zeitung der jungen Revolutionäre der Betriebsberufsschule der Reichsbahn Westberlin. Weitere Ausgaben wurden uns bisher nicht bekannt. Verantwortlich zeichnet u.a. Peter Schrankel.
Quelle: Iskra Nr.1,Berlin 22.11.1968

28.12.1968:
In Berlin beschäftigt sich der IAferJO auf seiner 3.Plenumssitzung u.a. mit dem Lehrlingsarbeitskreis, der auch bei der Reichsbahn (eigentlich GdED-Bereich, aber im FDGB der DDR vertreten) aktiv sei.
Q: IAferJO:Protokoll der 3.Plenumssitzung,Berlin 28.12.1968

16.12.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
In Westberlin haben die Faschisten am 16.12. in die Sitze der von der DDR verwalteten S-Bahn 124 Mal ein 'W' geschnitten, außerdem in 4 Buchhandlungen mit marxistischer Literatur die Fensterscheiben eingeworfen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.1,Bochum 6.1.1971,S.6

01.01.1971:
Die KPD (vgl. 19.11.1971) berichtet von der Deutschen Reichsbahn (DR) der DDR (FDGB-Bereich - vgl. 15.11.1971) in Westberlin:"
Anfang dieses Jahres erhielten wir nach langer Auseinandersetzung (einen Lohnkampf gibt es ja offiziell nicht) eine Lohnerhöhung von knapp 100 DM (einschließlich dem Westberlinzuschlag, einem Ersatz für die in Westberlin gezahlte Berlinhilfe). Diese Lohnerhöhung wurde einheitlich für alle Lohn- und Gehaltsgruppen gezahlt. Die Unterschiede zwischen den unteren Lohngruppen und den Lohngruppen für die Facharbeiter und Angestellten waren vorher schon etwas ausgeglichen worden."
Q: Rote Fahne Nr.30,Berlin 19.11.1971,S.11

Juli 1971:
Die DKP Dortmund-Hombruch gibt vermutlich im Juli ihre 'DKP Nachrichten für den Verwaltungsbezirk Hombruch (vgl. 14.6.1971, 27.9.1971) heraus. U.a. fragt Lore Junge:"
VIELE TAUSENDE KINDER ERWARTET WIEDER EIN FERIENPARADIES?

Für die Kinder ist die Deutsche Demokratische Republik in diesen Ferienwochen von der Ostsee bis in den Thüringer Wald, vom Harz bis ins Erzgebirge ein Ferienparadies. Überall dort, wo man wandern, schwimmen und sich erholen kann, ertönt frohes Kinderlachen, sind die Heime und Zelte in einer Vielzahl, auf vorbildliche Weise ausgerüstet zu finden. Ganze 15 Mark zahlen DDR-Eltern für einen dreiwöchigen Ferienaufenthalt ihres Kindes.
Auch hier in der Bundesrepublik hatten sich Frauen und Männer speziell der Aufgabe gewidmet, Kindern, die keine Möglichkeit hatten, zu verreisen, in der DDR einen Ferienplatz zu vermitteln. Alljährlich fuhren zehntausende Jungen und Mädchen mit Sonderzügen der Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn in die Ferienlager der DDR. Die in der Arbeitsgemeinschaft 'Frohe Ferien für alle Kinder' tätigen Frauen und Männer forderten gleichzeitig von den Kommunen, den Ländern und der Bundesregierung, dem guten Beispiel der DDR zu folgen und mehr für die Ferienerholung der Kinder zu tun.
Die Arbeitsgemeinschaft 'Frohe Ferien für alle Kinder' wurde vor 10 Jahren verboten, ihre Helfer verfolgt und vor Gericht gestellt und einige Frauen sogar für 9 Monate ins Gefängnis geschickt. Sie sind noch heute diskriminiert."
Q: DKP Nachrichten für den Verwaltungsbezirk Hombruch Hoesch Röhrenwerke provoziert Belegschaft,Dortmund o.J. (1971)

08.10.1971:
Die KPD veröffentlicht heute den folgenden Artikel über Berlin von den Fahrpreiserhöhungen bei der BVG (vgl. 7.10.1971, 16.10.1971):"
KAMPFKOMITEES GEGEN BVG-TARIFERHÖHUNG!

Auch in Westberlin sind die Fahrpreise 'politische' Preise! Um die antikommunistische Propaganda nicht zu beeinträchtigen, wurden die Fahrpreise bisher durch Subventionen in der Nähe der S-Bahn-Tarife gehalten. Das ist jetzt nicht mehr notwendig, denn die SED-Revisionisten (der DDR,d.Vf.) stehen zur Umarmung bereit, von dort 'droht' kein Kommunismus mehr!"
Q: Rote Fahne Nr.27,Berlin 8.10.1971,S.2

15.11.1971:
Die KPD (vgl. 19.11.1971) berichtet spätestens aus dieser Woche aus dem FDGB-Bereich über:"
MITBESTIMMUNG BEI DER REICHSBAHN
KORRESPONDENZ EINES REICHSBAHNERS

Die deutsche Reichsbahn (DR) in Westberlin ist nicht nur ein Teil des 'einheitlich gelenkten und geleiteten Verkehrswesens der DDR', sie ist auch in der gesetzlichen Regelung grundsätzlicher Interessen der Arbeiter an den Gesetzen der DDR orientiert.

So hat unser Betrieb ohne Zweifel noch einige fortschrittliche Errungenschaften: Arbeits- und Gesundheitsschutz, eine eigene Betriebspoliklinik. Das Kantinenessen ist billig (das allerdings in jeder Hinsicht), es gibt Betriebskindergärten, die Lehrlingsausbildung ist verbessert, es gibt Freistellungen für gesellschaftliche und kulturelle Arbeit und einiges mehr.

Aber die entscheidende Frage für mich ist, welche Rolle spielt die Arbeiterklasse in diesem Betrieb. Denn ohne die führende Rolle der Arbeiterklasse und der marxistisch-leninistischen Partei sinken die Vertretungsorgane der Arbeiter zu kapitalistischen 'Mitbestimmungsinstanzen' herab, und es können auch die sozialen Errungenschaften nicht verteidigt werden.

Nach dem Gesetzbuch der Arbeit der DDR haben die Gewerkschaften eine starke Stellung in den Betrieben. Jeder Betrieb hat neben der staatlichen eine Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL), die in allen Fragen mitbestimmen soll. Dies geht z.B. so vor sich: In einem Betrieb verweigert die staatliche Betriebsleitung mehreren jungen Kollegen die gesetzlich zugesicherten Verträge über weiterqualifizierende Maßnahmen. Die Kollegen machen eine Eingabe an die BGL. Diese muß innerhalb von vierzehn Tagen beantwortet werden. In diesem Fall sind es mehrere Kollegen, die außer in der Gewerkschaft noch im Jugendausschuß des Betriebes organisiert sind, die Rechtslage ist ganz klar. Der Vorsitzende der BGL aber beruft diese nicht ein, sondern geht zum Betriebsleiter und mauschelt mit ihm was aus, dann werden die Kollegen bestellt, kurz vor Ablauf der 14-Tagefrist, und bekommen ihre Verträge. Erst jetzt wird eine BGL-Sitzung gemacht, der Vorfall bedauert, eine weitere Diskussion aber ist ja nicht notwendig, da der Fehler schon korrigiert ist.

In diesem Fall hatten die Jugendlichen letzten Endes Erfolg, und zwar, weil es mehrere und Jugendliche waren und die DR um Jugendliche besonders bemüht sein muß, denn der Betrieb ist vollständig überaltert. Die Regel aber sind andere Fälle wie der folgende: Ein Kollege kann aus gesundheitlichen Gründen seine bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben, möchte aber weiter in seinem Beruf tätig bleiben. Er könnte dies, wenn er in eine Dienststelle versetzt würde, die technisch moderner ausgerüstet ist. Die staatliche und die Gewerkschaftliche Betriebsleitung ist verpflichtet ihm bei der Suche nach einer solchen Arbeitsstelle behilflich zu sein (Gesetzbuch der Arbeit). Die Betriebsleitung aber sagt, wir haben dann ja niemanden, der diese Arbeit macht, der Kollege muß bleiben. Und der Kollege hat jetzt nur noch die Möglichkeit entweder unter großen körperlichen Schmerzen weiterzuarbeiten oder zu kündigen. In einem anderen Betrieb sollte eine schwangere Frau Nachtschicht machen, die BGL unternahm nichts; wieder in einem anderen Betrieb wurde einem Teilzeitbeschäftigten der Urlaub vorenthalten, die BGL unternahm nichts. - Die BGL verkündet lediglich einmal im Jahr vor der Betriebsversammlung, daß sie die staatliche Betriebsleitung kontrolliert hat und alles in Ordnung sei.

WELCHE ROLLE SPIELT DABEI DIE SEW?

Die Politik der SEW-Betriebszellen ist dieselbe wie die der Gewerkschaftsleitungen und der staatlichen Betriebsleitungen. Sie ist nicht an den Interessen der Arbeiter orientiert, sondern an der nur formalen Erfüllung der Planziele. Die Arbeiter wissen genau, daß die Planerfüllungen nicht stimmen, denn sie sehen selbst, wie diese 'Planerfüllungen' zusammengeschustert werden. Deshalb halten sie vom Plan nichts. Zurecht beurteilen sie die Politik der SEW nach dem, was die 'Mitbestimmung' für sie verändert und nach dem, was sie in der Lohntüte haben.

Die Arbeiter und Angestellten der DR werden nach Lohn- und Gehaltsgruppen bezahlt. Davon gibt es fast genau so viele, wie in den kapitalistischen Betrieben. Zu dem Grundlohn kommen Prämien und Zuschläge. Wer meint, diese Spaltung in Lohn- und Gehaltsgruppen und die nochmalige Spaltung in viele Untergruppen sei nur ein Erbe des Kapitalismus, irrt sich. Anfang dieses Jahres (vgl. 1.1.1971,d.Vf.) erhielten wir nach langer Auseinandersetzung (einen Lohnkampf gibt es ja offiziell nicht) eine Lohnerhöhung von knapp 100 DM (einschließlich dem Westberlinzuschlag, einem Ersatz für die in Westberlin gezahlte Berlinhilfe). Diese Lohnerhöhung wurde einheitlich für alle Lohn- und Gehaltsgruppen gezahlt. Die Unterschiede zwischen den unteren Lohngruppen und den Lohngruppen für die Facharbeiter und Angestellten waren vorher schon etwas ausgeglichen worden.

Die SEW sieht in dieser Maßnahme aber kein politisches Mittel, die Spaltung der Arbeiterklasse aufzuheben. Sie verurteilt ja die einheitliche Forderung der KPD nach 120 DM als kleinbürgerlich und utopisch. Sie betont immer wieder, daß die Facharbeiter und Angestellten eigentlich viel mehr Geld bekommen müßten, aber 'im Augenblick müssen wir darauf achten, daß die unteren Lohngruppen besser gestellt werden, sonst können wir keine neuen ungelernten Arbeitskräfte mehr anwerben.'

Die mit dem Lohnkampf verbundene politische Frage will den SEW-Sekretären usw. überhaupt nicht mehr in den Kopf.

Aber es gibt noch weitere Beispiele für die opportunistische Politik der SEW bei der DR: So z.B. arbeiten die Kollegen in den Reparatur- und Unterhaltungsbetrieben 9 1/3 Stunden am Tag ohne Anrechnung der Fahrzeit. Die Kollegen, die Schicht arbeiten, müssen am Wochenende jeweils Zwölf-Stundenschichten ohne Feiertags- und Überstundenzuschläge machen, weil der Sonntag abgefeiert und bei der Lohnberechnung nicht vom Arbeitstag sondern von den Monatsstunden ausgegangen wird. Der ohnehin mäßige Urlaub wird durch die volle Anrechnung der Sonnabende noch verkürzt.

Und natürlich müssen die Arbeiter und Angestellten um die Zuschläge und Pfennige einen ständigen Kampf führen, ebenso wie um die Angleichung des Lohnes an die ständig steigenden Lebenshaltungskosten in Westberlin.

Diese Politik der SEW führt zu immer schärfer werdenden Widersprüchen zwischen ihr und den Arbeitern und Angestellten, denen die SEW auf die Dauer nicht mit einer Mauschel- oder Rausschmeißtaktik begegnen kann.

DIE SEW HAT ALLE ZÜGE EINER REVOLUTIONÄREN ARBEITERPARTEI ABGESTREIFT!

Seit 1961 (vgl. 1961,d.Vf.) hat sie das Kandidatenjahr für die Aufnahme in die Partei abgeschafft, und sie nimmt nahezu jeden, der will.

Und sie hat dafür gesorgt, daß die Mitgliedschaft in der SEW bei der DR auf alle Fälle Vorteile bietet. Als gesellschaftliche Tätigkeit gilt sie bei Beförderungen, Lohngruppeneinteilung, Art der Tätigkeit usw. immer als Pluspunkt. Und wie bei der 'Mitbestimmung' in den kapitalistischen Betrieben versuchen sich einige Kollegen um die Arbeit, bei der man dreckig wird, unter der Lok rumkriecht oder am Schraubstock schubbert, zu drücken und drängeln sich nach Fortbildungs- und Gewerkschaftskursen usw. Solche Kollegen nennen wir 'Radieschen' (außen rot und innen weiß) oder schlimmer 'Passierscheinkommunisten' - Mitglieder der SEW erhalten nämlich pro Jahr einen Passierschein.

Diese Praxis in der Aufnahme von Mitgliedern hat dazu geführt, daß gerade die Kader der SEW (die hauptamtlich arbeiten) von Opportunisten durch und durch zersetzt sind und sich die Führung der SEW immer weiter von der Arbeiterklasse entfernt."
Q: Rote Fahne Nr.30,Berlin 19.11.1971,S.11

Juli 1972:
Im RAW Berlin-Tempelhof der Deutschen Reichsbahn (DR) der DDR findet, laut KPD, eine Betriebs- oder Gewerkschaftsversammlung statt.
Q: Rote Fahne Nr.12,Dortmund 21.3.1973,S.7

21.08.1972:
Bei Siemens Berlin gibt die KPD/ML-ZK vermutlich in dieser Woche ihren 'Roten Lautsprecher' Nr.9 (vgl. 1.8.1972, 11.9.1972) heraus. Berichtet wird auch aus Berlin von den Fahrpreiserhöhungen bei der DDR-eigenen S-Bahn.
Q: Roter Lautsprecher Nr.9,Berlin Aug. 1972

01.09.1972:
Die KPD (vgl. 11.10.10972) berichtet:"
FAHRPREISERHÖHUNG UND LOHNRAUB BEI DER BERLINER S-BAHN - SYSTEMWETTBEWERB

Am 1. September wurden die Tarife für die Westberliner S-Bahn erhöht: eine Einzelfahrkarte kostet statt 30 jetzt 50 Pf., eine Monatskarte statt 15 jetzt 20 DM. Eine Nachricht, die man seit Jahren aus den bundesdeutschen Großstädten und Westberlin hört. Das Besondere in diesem Fall ist jedoch, daß die Westberliner S-Bahn Eigentum der Deutschen Reichsbahn der DDR ist. In einem Blatt 'Argumentation zur Veränderung (!) des Berliner S-Bahntarifs' schreibt die Reichsbahndirektion:
'Das Verkehrsministerium der DDR sehe sich veranlaßt, entsprechende tarifliche Maßnahmen zu ergreifen, um die Deutsche Reichsbahn vor weiteren wirtschaftlichen Schäden zu bewahren.'
Warum sieht die DDR-Führung gerade jetzt den Zeitpunkt für gekommen, für Westberlin von dem bisherigen, relativ niedrigen 'politischen' S-Bahn-Tarif abzugehen? Als Begründung dafür werden ins Feld geführt: Kostensteigerungen und Neuinvestitionen. Bleiben wir einmal bei der Argumentation:
Erstens bedeutet dies, daß ohne Rücksicht auf Werktätige, Rentner und Hausfrauen und deren Bedürfnisse die Reichsbahn ihre wirtschaftlichen Interessen durchsetzt.
Zweitens ist es kein Geheimnis, daß Neuinvestitionen nur zu einem verschwindend geringen Teil den Fahrgast-Service verbessern.
Vielmehr dienen diese der Reichsbahn dazu, mit den Westberliner und westdeutschen Kapitalisten besser ins Geschäft zu kommen:
So wurden in der letzten Zeit ein Container-Bahnhof am 'Hamburg-Lehrter-Bahnhof' und ein neuer Güterbahnhof in Marienfelde begonnen. Währenddessen fährt die S-Bahn noch immer mit uralten Wagen und verschrotteten Sicherungsanlagen durch heruntergekommene Bahnhöfe. Die Reichsbahndirektion sucht sich zu rechtfertigen: '…liegen auch die neuen Fahrpreise der S-Bahn unter denen der Westberliner BVG'. Als ob dies die Härte der Preiserhöhungen erträglicher machte oder gar die 'Überlegenheit des Sozialismus im friedlichen Wettstreit der Systeme' beweisen würde. Jetzt sind 'für den Verkehr von S-Bahnhöfen in Westberlin und S-Bahnhöfen in der Hauptstadt der DDR sowie umgekehrt, die Fahrpreise den neuen Bedingungen angepaßt'. 'Neue Bedingungen' heißt, daß wir jetzt, wo wir unsere Verwandten und Bekannten besuchen können, auch noch für die S-Bahn unverhältnismäßig viel mehr blechen sollen: statt bisher mindestens 30 Pf. jetzt nicht etwa 50 Pf., sondern 70 Pf. bis 1.50 DM. Da das auch umgekehrt gilt, betrifft es auch Rentner der DDR, die nach Westberlin kommen. Zusammengefaßt: Die von der DDR-Führung beschlossene und eingeführten Fahrpreiserhöhungen treffen vor allem auch diejenigen hart, die ohnehin durch die Preiserhöhungen des SPD-Senats und der Kapitalisten genügend 'wirtschaftliche Schäden' haben: die Arbeiter und Angestellten, die Rentner und Hausfrauen. Es ist deshalb äußerst zynisch von der DDR-Führung, als Begründung für die Fahrpreiserhöhung 'die Entwicklung in Westberlin', die erheblichen Preissteigerungen anzuführen. Wer so mit an der Preistreiberei der Monopole profitieren will, der ist auch bereit, Lohnraub zu betreiben.

'LOHNERHÖHUNGEN' BEI DER REICHSBAHN

Ab 1. Juli 1972 gestand die Reichsbahn eine Lohnerhöhung zu; denn die Unruhe der Kollegen drohte in Kampfmaßnahmen umzuschlagen. Auf Betriebsversammlungen verkündeten die SED/SEW-Agenten '120,-DM für alle Kollegen'. Von der Tatsache, daß diese Erhöhung 6 Monate später als in anderen Westberliner Betrieben kam, wurde kein Wort erwähnt. In Nr.2/1972 der Eisenbahnerzeitung 'Fahrt frei' heißt es dazu:
'Die Prämienzeitlohn-Vereinbarung wurde vereinfacht und einheitlicher gestaltet. Dabei wurden historisch entstandene, aber heute nicht mehr zeitgemäße Differenzierungen abgebaut, ohne sie bereits endgültig beseitigen zu können. Niemand wurde benachteiligt - im Gegenteil: Einige für die Sicherung unserer Transportaufgaben besonders wichtige Berufsgruppen erhielten einen besonderen materiellen Anreiz.'

'Niemand wurde benachteiligt' - außer den Arbeitern in den Reichsbahnausbesserungswerken, Betriebswerken, den Bahnmeistereien, im Brückenbau, Signal und Fernmeldewesen usw., überall wo schwere körperliche Arbeit geleistet werden muß. Für diese Arbeiter bedeutet die Kürzung der Prämienzeitlöhne einen Lohnraub von 12 bis 40 Pfennig je Stunde. die Kollegen im Reichsbahnausbesserungswerk Tempelhof erhielten z.B. gerade noch 45 lumpige Mark, und das angesichts einer Preissteigerung von 6,6 Prozent im August dieses Jahres. Früher wurde die Differenz zwischen den Grundgehältern der Angestellten und den Grundlöhnen der Arbeiter durch relativ hohe Prämienzeitlöhne für schwere Arbeit ausgeglichen. Heute entwickelt die neue Bourgeoisie der DDR wieder ein Interesse an der Spaltung der Werktätigen und dem wichtigen Spaltungsinstrument Lohnunterschiede, deren Wiedereinführung sie als Reform preist. die SED/SEW-Führung aber feiert dies als 'Erfolg' und lassen 'viele Kollegen' in einem Flugblatt sagen: 'Die DDR läßt uns nicht im Stich'. Will jemand diese Machenschaften entlarven, dem droht Werner Lucas, stellvertretender Politleiter der Reichsbahndirektion Berlin in einem anderen Artikel der zitierten Nummer der 'Fahrt frei': 'Wir lassen in unserem Betrieb keine Aktionen zu, die den Feinden der Arbeiterklasse dienen. Unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit hat sich bewährt für die Sicherung der Interessen der Kollegen.'

Seine Vorstellung des Verhaltens der Kollegen gegenüber diesem Lohnraub ist die: 'Richtig handeln die Kollektive, die dabei zugleich ihre Schlußfolgerungen festlegen, wie sie im Rahmen unserer Bewegung 'Im Herzen das Flügelrad' weiter zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und des Ansehens unseres Betriebes in Westberlin, zur Senkung der Kosten und zur Erhöhung der Einnahmen beitragen wollen. An schriftlichen Meinungsäußerungen sind wir sehr interessiert.'"
Q: Rote Fahne Nr.64,Dortmund 11.10.1972

06.09.1972:
Die KPD/ML-ZK berichtet von Siemens Berlin:"
GEGEN MILITARISMUS UND REVANCHISMUS!

Und die DDR-Führer haben die Olympiade nur dazu benutzt, die Existenz 'zweier deutscher Nationen zu beweisen'. Die SEW brachte 'ausgerechnet' Heinemanns nationalistische Rede über die Lautsprecher der S-Bahnhöfe!"
Q: Roter Lautsprecher Nr.10,Berlin Sept. 1972

09.10.1972:
Vermutlich in dieser Woche gibt das NVK die Nr.5 seines 'Bulletins' heraus. Von den eigenen VAs wird auch erwähnt der bei der Reichsbahn Berlin.
Q: NVK:Bulletin Nr.5,Bonn 1972

10.10.1972:
In der Nr.64 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 4.10.1972, 18.10.1972) berichtet die KPD u.a. über die Reichsbahn.
Q: Rote Fahne Nr.64,Dortmund 11.10.1972

16.10.1972:
Vermutlich in dieser Woche gibt das NVK eine Zeitung 'Alles für den Sieg des kämpfenden Volkes' heraus, in der eine Reihe von VAs Erwähnung finden. In Berlin gibt es den VA Reichsbahn.
Q: NVK:Alles für den Sieg des kämpfenden Volkes - Zeitung,Bonn Okt. 1972

14.01.1973:
Zentrale Vietnamdemonstration in Bonn (vgl. 7.1.1973, 20.1.1973).

Ca. 8 000 Teilnehmer marschieren, laut KPD, in dem Block von KPD, NVK, LgdI, KJV, KSV, KOV, der TTIA Irak und der Organisation afghanischer Studenten im Ausland. Die Deutsche Reichsbahn der DDR verweigert einen Sonderzug.

Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 17.1.1973) berichten:"
VIETNAM-DEMONSTRATION IN BONN: 25 000 FORDERTEN: SCHLUSS MIT DER US-AGGRESSION IN INDOCHINA! EINSTELLUNG DER UNTERSTÜTZUNG DURCH BONN!

Auch die DDR, die sich sozialistisch gibt und häufig ihre Solidarität mit dem vietnamesischen Volk proklamiert, verhielt sich recht unsolidarisch. Den Berliner Komitees war zunächst zugesagt worden, daß die die von ihnen organisierten 7 000 Menschen mit einem Sonderzug der DDR-Reichsbahn nach Bonn gefahren würden. Wenige Tage vor dem 14. wurde die Zusage zurückgezogen mit der Begründung, man mache mit 'Maoisten' keine gemeinsame Sache."
Q: Klassenkampf und Programm Nr.2,Dortmund Feb. 1973,S.10; Rote Presse Korrespondenz Nr.3/4,Berlin ***1973,S.7; Rote Fahne Nr.2 und 3,Dortmund 10.1.1973 bzw. 17.1.1973; Die Rote Front Extra 46 Pfg - Nein!, Nr.2 und Nr.3,Dortmund Jan. 1973, Jan. 1973 bzw. Feb. 1973,S.1, S.1 und 5 bzw. S.7

Frankfurt_Arbeiterzeitung032
Frankfurt_Arbeiterzeitung033


12.03.1973:
Die KPD berichtet vermutlich aus dieser Woche von der Reichsbahn (DR - vgl. 26.3.1973):"
WESTBERLIN: DIE REICHSBAHNER KÄMPFEN!

Die Kollegen der Reichsbahn rühren sich! Die volkseigene Betriebsfassade bröckelt. Schon mehrfach haben Kollegen in der 'Roten Fahne' geschrieben, daß die sozialistische Demokratie bei der Reichsbahn in verschärfter Arbeitshetze, in der Spaltung der Reichsbahnarbeiter und in der Bestechung einiger Weniger besteht, die sich durch ihre Mitgliedschaft bei der SEW, dem Westberliner Ableger der SED, einen Sack voll Privilegien einhandeln.

Die Reichsbahn untersteht (wie die S-Bahn) auch in Westberlin der DDR. Das hat seine Ursache darin, daß Großberlin im Ganzen zur sowjetischen Besatzungszone gehörte, infolgedessen auch die städtischen Verkehrsverbindungen, Wasserwege etc. der sowjetischen Besatzungsmacht unterstanden. Bei der Spaltung Berlins durch den USA-Imperialismus wurden diese Hoheitsrechte aufrechterhalten, sie gingen mit der Souveränitätserklärung der DDR 1955 auf die DDR über. Die Arbeiter der Reichsbahn waren im Verlauf der antikommunistischen Offensive vielen Repressalien ausgesetzt. Sie machten die Spaltung der Berliner Gewerkschaftsbewegung durch die CIA-orientierte 'Unabhängige Gewerkschaftsopposition' (UGO) der Sickert-Clique nicht mit und blieben im FDGB organisiert.

Mit der Kapitulation der SED-Führung vor den Chrustschow-Revisionisten, der Einführung des kapitalistischen 'Neuen Ökonomischen Systems' und der Abkehr von der revolutionären Haltung zur deutschen Wiedervereinigung wurde wie in der DDR so auch in Westberlin der FDGB aus der Klassenorganisation des Proletariats zum Herrschaftsinstrument der Neuen Bourgeoisie.

Beweis hierfür ist nicht zuletzt die Haltung der FDGB-Führung zu ihren Mitgliedern in Westberlin, zu ihren berechtigten Lohnforderungen, zu ihrem Kampf gegen arbeitsverschärfende Rationalisierungsmaßnahmen der Reichsbahndirektion. Der nachfolgende Aufruf beweist, daß wie in jedem kapitalistischen System die Gewerkschaftsführung auch bei der Reichsbahn aktiv den Aufpasser und Antreiber für die Interessen der Bourgeoisie spielt, daß sie deshalb genauso entschlossen bekämpft und isoliert werden muß wie die reaktionären Gewerkschaftsführungen des DGB!

Fast alle Eisenbahner fordern immer deutlicher: Wir brauchen mehr Lohn. Wir kommen mit dem Geld nicht mehr aus.

Viele fragen: Was sollen wir tun? Wenn wir kämpfen wollen, wer führt unseren Kampf an? Der Kampfausschuß gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Eisenbahner wird alle Kollegen zusammenschließen, die bereit sind, den Kampf aufzunehmen. Als gemeinsame Basis schlägt der Initiativausschuß das folgende Programm vor unter der Hauptforderung:
150 DM MEHR FÜR ALLE

Kollegen, die Führungen von SEW und FDGB, von DGB und der SPD-Senat werden uns nichts schenken. Wir werden nur das haben, was wir uns selbst erkämpfen!

Schon Ende letzten Jahres ließ die Reichsbahndirektion (Rbd) das Gerücht ausstreuen: Anfang des Jahres gibt es eine Lohnerhöhung. Ständig wird dieses Gerücht genährt. Aber nichts geschieht. Seit Jahren ist es immer wieder dasselbe Lied: Solche Gerüchte sollen nur abwiegeln, die Kollegen spalten. 'Warte doch noch', sagt mancher, 'vielleicht gibt's bald was!'

WELCHES IST HEUTE UNSERE LAGE?

Die Preissteigerungen haben ein ungeheures Ausmaß erreicht. Dabei betätigen sich der SPD-Senat und die SPD/FDP-Regierung als Oberpreistreiber. Zum 1. Januar schanzten sie den Hausbesitzern wieder 15 Prozent zur Grundmiete zu. Mit Umlagen sind das schon 20 Prozent. Weitere Mieterhöhungen sind geplant. Die Bekleidungskosten stiegen in diesem Winter um 20 Prozent, die Teuerungsrate für Nahrungsmittel erreichte im November 7,5 Prozent. Bier, Zigaretten und Benzin sind teurer geworden und demnächst wird SPD-Minister Schmidt die Benzinpreise erneut hochschnellen lassen. Bundesbahn, Post, BVG und Reichsbahn beteiligen sich ordentlich an der Ausplünderung der Werktätigen.

'Halt!', sagt jetzt vielleicht ein Kollege, 'die Reichsbahn nicht, die ist doch VEB,' Den Worten nach, aber sehen wir uns doch ihre Taten an! Kaum waren die Geschäftsverträge mit der UdSSR (SU,d.Vf.) und der DDR einigermaßen unter Dach und Fach, fiel der politische Preis von 30 Pfennig für die S-Bahn.

Die Rbd wollte ihren Anteil am Profitkuchen.

Und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zeigt ebenso wie die Lohnpolitik, daß die Führung der DDR sich bemüht, mit Windeseile kapitalistische Produktions- und Ausbeutungsmethoden wieder durchzusetzen.

Jahrelang hat die DDR keinen Pfennig bei uns investiert. Der Zustand der Anlagen ist miserabel. Die Anzahl der Störungen und Reparaturen steigt ständig. Lediglich im Bereich Schienenoberbau der S-Bahn wurden umfangreichere Rekonstruktionsmaßnahmen getroffen. (Weil sonst die S-Bahn aus den Latschen gekippt wäre.)

Wo heute Neuinvestitionen getroffen werden, handelt es sich um Bereiche, wo neue Profite erschlossen werden können (Autoreisezug, Containerverkehr usw.). Die übrigen Investitionen unterscheiden sich in nichts von denen z.B. der BVG. Hat in Halensee, Anhalter oder Wannsee ein Kollege eine Richtung abgefertigt, fertigt er jetzt zwei Richtungen ab. Den Vorteil von den Fernsehanlagen haben nicht die Kollegen, sondern die Rbd, die Planstellen einspart.

Für die notwendigen Reparaturen sind die Materiallieferungen unzureichend und von unbeschreiblich schlechter Qualität. Viele Teile müssen vor dem Einbau erst aufgearbeitet werden. Ein großer Teil der Umbau- und Neubaumaßnahmen muß von den Kollegen zusätzlich zur Wartung und Unterhaltung geleistet werden.

Die Neueinstellungen in den RAW, Werkstätten, Meistereien, Stellwerken und Bahnhöfen gleichen noch nicht einmal die Zahl der Kollegen aus, die auf Rente gegangen sind.

Bei Betrieb und Verkehr ist es keine Seltenheit, daß die Kollegen im ganzen Monat keinen freien Tag haben oder auch daß wochenlang in Zwölfstundenschichten gearbeitet wird. Den Triebwagenführern wird zusätzlich noch an den Pausenzeiten herumgeknabbert.

Auch die gesundheitliche Versorgung verschlechtert sich rapide: Die Anzahl der Ärzte der Poliklinik nimmt ab. Stundenlange Wartezeiten sind die Folge. Ein Kinderarzt ist z.B. nur zweimal wöchentlich abends anwesend.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist völlig unzulänglich, Hausbesuche gibt es so gut wie überhaupt nicht. Ein zahnärztlicher Bereitschaftsdienst fehlt völlig.

Braucht ein Kollege schnell einen Arzt, muß er privat zu einem Westberliner Arzt, die FDGB-Kasse aber erstattet nicht den tatsächlichen Rechnungsbetrag, sondern nur ihren wesentlich niedrigeren Tarif.

Mögen die Reichsbahner noch so sehr die lohn- und sozialpolitischen Maßnahmen vom Juli 1972 herausstreichen, geändert hat sich durch sie an unserer grundsätzlichen Lage nichts.

IST DER FDGB UNSERE INTERESSENVERTRETUNG?

Als es im vergangenen Jahr zu Unruhen unter den Kollegen kam, setzten die SEW-Führer schleunigst den FDGB-Apparat in Bewegung, um die Kollegen zu beruhigen und abzuwiegeln.

Als dann der lumpige Abschluß schließlich zustande kam, ließen sie eilfertig Dankschreiben und Lobeshymnen an den Minister für Verkehr absenden. Alles, um uns über den wirklichen Charakter dieses Abschlusses zu täuschen. Denn 120 DM erhielten ganz wenige. 11 Prozent durchschnittlich waren es für die leitenden Angestellten, nur noch 6 - 8 Prozent für die Arbeiter der RAW, Werkstätten und Meistereien. Mit der einen Hand hatte nämlich die Rbd ein Lohnerhöhung hingehalten, mit der anderen nahezu die Hälfte wieder eingesteckt, indem sie die Prämienzeitlöhne zwischen 22 und 40 Pfennigen kürzte.

Aber nicht nur hier erwies sich der FDGB als Instrument der Ausbeutung und Unterdrückung. In der Form der BGL nimmt er diese Funktion ständig wahr. Durch ideologische und materielle Vorteile werden Kollegen bestochen, dieses Geschäft durchzuführen. Einige von ihnen werden durch die Parole 'Mitbestimmung' und 'Beteiligung am Aufbau des Sozialismus' gewonnen, das sind aber die wenigsten. FDGB und SEW-Führung bestechen die Funktionäre der unteren Ebenen vielmehr durch Bevorzugung bei der Schichteinteilung, durch Zuschustern besserer Arbeitsplätze, Bürojobs, Vorarbeiter- und Meisterposten.

Den übrigen Werktätigen gegenüber aber wird nicht einmal versucht, den Schein von 'Mitbestimmung' zu wahren. Die Gewerkschafts- und Betriebsversammlungen nehmen ständig ab. Im RAW Tempelhof, das immer als sehr vorbildlich gerühmt wird, fand z.B. seit Juli letzten Jahres keine Versammlung mehr statt. Die SEW-Führer fürchten Versammlungen wie die Pest.

Durch Organisation von Wettbewerb und Bewegungen wie 'Im Herzen das Flügelrad' aber nimmt der FDGB seine Hauptaufgabe wahr, die Organisation von Unterdrückung und Ausbeutung, die Steigerung der Arbeitshetze.

DER KAMPF MUSS AN ZWEI FRONTEN GEFÜHRT WERDEN1

Die Beispiele zeigten, den Kampf für die Verteidigung unserer Interessen werden wir gegen die FDGB-Führer führen müssen. Hilfe werden wir noch weniger erwarten können von denen, die Unterdrückung und Ausbeutung unserer Kollegen in den anderen Westberliner Betrieben mitorganisieren, der Führung des DGB und dem sozialdemokratischen Senat.

Was die Blätter der Konterrevolution des Herrn Springer, 'Bild' und 'Morgenpost', wollen, ist ebenfalls durchsichtig. Ihren Interessen würde höchstens eine Neuauflage einer CIA-Agentur bei der Reichsbahn - wie die Unabhängige Gewerkschaftsorganisation (UGO) der 50er Jahre - dienen.

Unsere Interessen aber können wir nicht dadurch verteidigen, daß wir wahllos Forderungen aufstellen und uns mit ihrer 'Veröffentlichung' begnügen.

Wir werden unsere Forderungen nur durchsetzen können, wenn wir uns zusammenschließen und den Kampf aufnehmen. Aber wir müssen uns auch aus der Isolierung herauskämpfen, in die uns SEW- und FDGB-Führung brachten.

Zusammen mit der Arbeiterklasse in Westberlin und der Bundesrepublik müssen wir für unsere Interessen kämpfen.

- KAMPF DER PREISTREIBEREI DES SPD-SENATS!
- KAMPF DEN ARBEITERVERRÄTERN IN FDGB-, DGB- UND SEW-FÜHRUNG!
- FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE!"
Q: Rote Fahne Nr.12,Dortmund 21.3.1973,S.7

26.03.1973:
Die KPD berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
WIE SED/SEW DEN IDEOLOGISCHEN KAMPF FÜHREN:

Wie sehr die SEW-Führer eine Entlarvung der Zustände bei der Reichsbahn fürchten, beweisen die Methoden, die sie gegen die Gründung des 'Kampfausschusses gegen die Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Eisenbahner' anwandten. In der ROTEN FAHNE 12 druckten wir Auszüge des Gründungsaufrufes (vgl. 12.3.1973,d.Vf.), der in allen Dienststellen diskutiert wurde, dessen Forderungen 150 DM mehr für alle! und Rückwirkende Lohnerhöhung ab 1. Januar! auf die Zustimmung der Mehrheit der Kollegen stieß.

Dieser Aufruf genügte, daß die SEW-Führer die Reichsbahn-Politabteilung mobilisierten und - um die Gründung des Kampfausschusses zu verhindern - an der 'Gedächtniskirche' einen 30 Mann starken Schlägertrupp zusammenkauften, den sie als 'Schwarze Zelle' ins Gründungslokal schickte. Dort randalierten die gekauften Elemente, wollten eine Sammelbüchse der VIETNAMHILFE mitgehenlassen - mußten aber schließlich das Lokal unverrichteter Dinge wieder verlassen, der Kampfausschuß wurde gegründet.

Zwei der Anführer und ein weiteres Mitglied der Bande wurden von Kollegen als Mitglieder der SEW erkannt!

Die SEW/FDGB-Führer sind jetzt bemüht, Gruppenversammlungen von Kollegen zu verhindern. Die Genossen des Kampfausschusses unterlaufen die massiven Behinderungsversuche durch zweierlei:
- Sie haben eine Unterschriftenaktion für die Forderungen gestartet
- und führen regelmäßig öffentliche Veranstaltungen durch, auf denen die anstehenden Kampfschritte beraten werden.

Am 15. April werden sich die Vertreter der Reichsbahn und des FDGB treffen. Unter dem Druck des Kampfausschusses haben sich die FDGB-Führer bereits etwas besonderes einfallen lassen: Eine Teuerungszulage (TZL,d.Vf.), eine jederzeit kündbare Trostpille! Dazu der Kampfausschuß in einem Flugblatt: 'Was wir brauchen, ist nicht noch ein komplizierteres System von Prämien und Zulagen, sondern ein anständiger Lohn!'"

Später (vgl. 29.3.1973) berichtet die KPD, daß es das Ziel der SEW-Führung sei, den "revolutionären Zusammenschluß der Kollegen zu verhindern.

Dabei schreckt sie nicht davor zurück, zu Mitteln zu greifen, wie sie lediglich aus der Praxis faschistischer Banden bekannt sind:

Mit einem aus Lumpenproletariern zusammengekauften Schlägertrupp überfielen sie die öffentliche Gründungssitzung des Kampfausschusses, traten dort unter der Maske einer 'Schwarzen Zelle' auf, versuchten die Sitzung zu sprengen, demolierten das Lokal und schlugen mit Biergläsern und Stühlen. Die Anführer dieser Bande brüllten 'Wir baden unsere Füße in dem Blut der KPD', während ihre Schergen alles brauchbare im Raum zu stehlen versuchten - einschließlich einer Vietnam-Spendenbüchse. Zwei der Anführer und ein weiteres Mitglied der Bande wurden als Mitglieder der SEW erkannt.

Als der Kampfausschuß entschlossenen Widerstand entgegensetzte, trat das Gesindel die Flucht an.

Der Kampfausschuß setzte die Gründungssitzung in einem anderen Lokal fort. Uns war klar geworden, daß Denunziation und Auslieferung von Kollegen an den Ausschlußterror der Bonzen des DGB - wie beim Ausschluß der beiden DJU-Vorstandsmitglieder Mettke und Reisner (vgl. **.**.197*,d.Vf.) - nicht die Entgleisungen eines Einzelnen, in diesem Falle des Herrn Scholz, sondern daß solche Mittel zum gängigen Repertoire der SEW-Führung gehören."

Wie uns von einem der Angreifer berichtet wurde, gehörten diese allerdings nicht der SEW an, sondern stammten aus der Schwarzen Zelle Reichsbahn bzw. dem Anarchistischen Arbeiterbund (AAB) und sahen ihr Monopol auf die Betriebsarbeit bei der DR bedroht.
Q: Rote Fahne Nr.14 und 15,Dortmund 4.4.1973 bzw. 11.4.1973,S.7 bzw. S.7; Eigener Bericht,Berlin 25.9.1992

29.03.1973:
Die KPD verbreitet vermutlich von der Gründungsversammlung des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter Westberlin (vgl. 2.4.1973) von der Deutschen Reichsbahn (DR) u.a. über heute den:"
BERICHT DES KAMPFAUSSCHUSSES DER EISENBAHNER:

Kollegen, ich möchte kurz darstellen, wie es 1. zur Gründung unseres Kampfausschusses kam, 2. was die Rolle des FDGB in unserem Betrieb ist und 3. wie wir den Kampf bisher geführt haben.

Der Kampfausschuß gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Eisenbahner wurde aus denselben Gründen gebildet, aus denen auch Kollegen in den anderen Betrieben gezwungen sind, den Kampf aufzunehmen. Es sind einerseits die ungeheuren Preissteigerungen, die unsere Lebenslage immer mehr verschlechtern und andererseits der Verrat der FDGB-Führer und der Lohnraub der Reichsbahnführung.

Wir sind der festen Überzeugung, daß die Deutsche Reichsbahn kein sozialistischer Betrieb ist, denn als im letzten Jahr die fortschrittlichsten Kollegen 120 DM mehr für alle forderten, war es die Reichsbahnführung, die scheinbar die Forderung der Kollegen aufgriff, aber durch eine gleichzeitige Kürzung der Prämienzeitlöhne und ähnliche Schiebereien ist tatsächlich ein Lohnraub rausgekommen. Außerdem wird bei der Deutschen Reichsbahn genauso nach kapitalistischen Prinzipien rationalisiert und investiert wie in anderen Betrieben. Viele Kollegen müssen Überstunden schieben, weil dies genauso wie in kapitalistischen Betrieben billiger ist als neue Kollegen einzustellen.

Die Reichsbahndirektion schiebt die Tatsache der Überstunden immer auf die schlechte Arbeitsmarktlage in Westberlin, was aber nachweisbar nicht stimmt. Einerseits ist es so, daß die verrotteten Anlagen immer störanfälliger werden, aber die Zahl der Planstellen wird nicht erhöht, andererseits steigt in anderen Branchen die Intensität. Aber auch dort werden keine neuen Planstellen eingerichtet.

WELCHE ROLLE SPIELT DER FDGB?

Der FDGB ist die Massenorganisation der Werktätigen bei der Deutschen Reichsbahn; der Grad der Organisierung ist unterschiedlich. Die stärkste Organisierung liegt bei den proletarischen Teilen. Die staatlichen Betriebsleiter sind ebenfalls im FDGB organisiert.

Bei uns ist schon das verwirklicht, was die SPD- und die DGB-Führung noch anstreben, nämlich die Arbeitsgemeinschaft zwischen der Gewerkschaftsführung und den Kapitalisten. Ideologisch hört sich das so an: 'In unserem Betrieb bestehen keine grundsätzlichen Klasseninteressen. Wir lösen unsere Probleme mit unseren staatlichen und gesellschaftlichen Organen, mit voller Unterstützung unserer Gewerkschaft, des FDGB, selbst.'

Der Haupthebel der Arbeitsgemeinschaft ist die Betriebsgewerkschaftsleitung. Die BGL wird alle vier Jahre von den Gewerkschaftern eines Betriebs gewählt. Die BGL gliedert sich in verschiedene Beauftragte und den Vorsitzenden. Es gibt Beauftragte für Arbeit, Soziales, Jugend, Frauen usw. Das Wichtigste ist der Beauftragte für Soziales, weil der FDGB auch die Sozialversicherung der DDR verwaltet. Unter den gegenwärtigen Bedingungen wird diese Einrichtung vor allem zur politischen Disziplinierung der Kollegen benutzt.

BEISPIEL:
Ein Kollege nahm an der Agitation am Rand der letzten SEW-Demonstration teil, obwohl er krankgeschrieben war. Am nächsten Tag bekam er einen Brief, er solle sich sofort zur betriebsärztlichen Nachuntersuchung vorstellen.

Weiter organisiert die BGL den Wettbewerb zusammen mit der Betriebsleitung, d.h. das System des materiellen Anreizes. Und sie trifft die Auswahl der Kollegen, die qualifiziert werden.

Auf Lohn- und Tarifverhandlungen hat die BGL wenig Einfluß.

Die Vertrauensleute werden von der BGL als ausführende Organe betrachtet. Es ist einerseits so, daß die Kollegen die BGL und die Vertrauensleute nicht als ihre Interessenvertretung ansehen und andererseits auch die BGL und die Vertrauensleute sich als ausführende Organe der Reichsbahndirektion verstehen.

So haben sich z.B. die Kollegen des Bahnhofs Lichterfelde West bei der BGL beschwert, daß sie laufend Überstunden machen müssen, und daß die BGL diese Überstunden doch eigentlich genehmigen müßte. Die BGL löste dieses Problem in der Weise, daß sie dem Dienstvorsteher unterschriebene Blankoformulare gab.

Gegenüber diesem organisierten Arbeiterverrat ist der Kampfausschuß ein Zusammenschluß von Kollegen, die am Punkt der Lohnerhöhungen dieses Jahr den Kampf aufgenommen haben.

Die meisten von uns sind im FDGB organisiert. Aber wir haben erkannt, daß wir genauso wie die fortschrittlichen Kollegen im DGB unseren Kampf ohne und gegen die Gewerkschaftsführung aufnehmen müssen und daß der Kampf mit dem Ziel geführt werden muß, den revolutionären Sturz auch der neuen Bourgeoisie in der DDR herbeizuführen.

Vor dieser Kampfperspektive hat die SEW-Führung panische Angst. Das Ziel der SEW-Führung ist es dabei, den revolutionären Zusammenschluß der Kollegen zu verhindern (vgl. 26.3.1973,d.Vf.). …

Dennoch konnte die SEW/FDGB-Führung den Zusammenschluß fortschrittlicher Kollegen nicht verhindern. In hektischer Eile entschloß sie sich, den Forderungen der Kollegen teilweise nachzugeben.

Am 29. März gab sie eine Lohnerhöhung zwischen 140 und 170 DM bekannt, die für die Mehrzahl der Kollegen eine Bruttoerhöhung von 150 DM bedeutet. Die Lohnerhöhung gilt allerdings erst ab 1. Juni, ab Ende Juni also gibt es mehr Geld, dann wenn die Lohnerhöhung durch die Inflation schon wieder angefressen ist.

Wir fragten uns auch, weshalb greift die Reichsbahndirektion gerade jetzt so tief in die Tasche?

Die politische Stoßrichtung unseres Kampfes, die wir schon in unserer Plattform angegeben hatten,
- KAMPF DER PREISTREIBEREI DES SPD-SENATS
- KAMPF DEN ARBEITERVERRÄTERN IN DGB-, FDGB- UND SEW-FÜHRUNG!
- FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE!
bedeutet für die SEW/FDGB-Führung eine Gefahr für ihre Ziele, nicht nur bei der Eisenbahn.

Wenn es ihr nicht gelingt, die Klassenkämpfe im eigenen Betrieb im Keim zu ersticken, werden ihre lügenhaften 'Mitbestimmungsparolen' noch unglaubwürdiger. Gerade die Kollegen werden fragen: Wie wollt ihr mit 'Mitbestimmung' den 'Einfluß der Monopole zurückdrängen', wenn sie nicht mal dazu taugt in euren eigenen Betrieben die Interessen der Arbeiter durchzusetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen: Klassenkämpfe im Keim zu ersticken, griffen die Führer von SEW und FDGB tief in das Staatssäckel der neuen Bourgeoisie der DDR.

Wir aber werden den Teilerfolg, den wir errungen haben, jetzt durch konsequente Fortsetzung unseres Kampfes sichern müssen. Wir müssen für eine SOFORTIGE Lohnerhöhung und ihre Rückwirkung ab 1. Januar 1973 kämpfen.

Wir werden uns nicht auf diese wirtschaftliche Forderung beschränken, sondern den Kampf genauso für die in der Plattform angegebenen anderen Forderungen führen und wir werden konsequent eintreten für die Maidemonstration der KPD im Wedding und für die Ziele des Maikomitees oppositioneller Gewerkschafter.

Als eine besondere Aufgabe aber sehen wir es an, den Kollegen aus der DDR, die mit uns arbeiten, unseren Kampf zu erklären und unsere Einheit voranzutreiben unter der Parole:
- FÜR DIE WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS AUF REVOLUTIONÄRER GRUNDLAGE!"
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 11.4.1973,S.7

02.04.1973:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Berlin das Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1973 der KPD seine erste Zeitung '1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 17.4.1973) heraus. Bekanntgegeben wird, daß das Maikomitee von KollegInnen auch aus der Deutschen Reichsbahn gebildet worden sei.
Q: 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1,Berlin 1973

14.04.1973:
In Dortmund-Mengede beginnt der zweitägige nationale Kongreß oppositioneller Gewerkschafter im Saalbau (vgl. 1.4.1973, 16.4.1973), der, laut der aufrufenden KPD, von über 500 Gewerkschaftern besucht wird, die sich für die "Stärkung der Revolutionären Gewerkschaftsopposition" ausgesprochen hätten. Sie kamen aus 120 Betrieben der Organisationsbereiche der IGM, ÖTV, DruPa, IGBE, IGBSE, GdED, DPG, GTB, HBV, GHK und Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) der DDR, zuständig für die Westberliner Reichsbahn.
Auch in der 'RGO' erscheint der zweite Teil des Artikels aus der RF:"
HINEIN IN DIE GEWERKSCHAFTEN!
STÄRKT DIE RGO!

Ein Genosse vom Kampfausschuß der Reichsbahner im FDGB wies nach, daß die FDGB-Führer der DDR genauso wie die DGB-Führer Rationalisierungsmaßnahmen gegen die Kollegen durchsetzen helfen und nicht bereit sind, den Kampf für höhere Löhne zu führen."
Q: Rote Fahne Nr.14, 15 und 16,Dortmund 4.4.1973, 11.4.1973 bzw. 18.4.1973,S.1,S.1 bzw. S.1, 4 und 5; Dem Volke Dienen Nr.9,Dortmund Apr. 1973; Revolutionäre Gewerkschafts Opposition Nr.3 und 6/7,Dortmund Mai 1973 bzw. Sept. 1973,S.2ff bzw. S.*

Juni 1973:
Die Gewerkschaftsabteilung beim ZK der KPD gibt die Nr.4 ihrer 'Revolutionären Gewerkschaftsopposition' (RGO - vgl. Mai 1973, Aug. 1973) mit 48 Seiten DIN A 4 heraus. Bei der Reichsbahn sei aus einem Kampfausschuß eine Gruppe oppositioneller Gewerkschafter (GOG) hervorgegangen.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.4,Dortmund Juni 1973

Juni 1973:
Anfang Juni gibt die SAG ihren 'Klassenkampf' Nr.24 (vgl. Mai 1973, Juli 1973) heraus, in Berlin gibt es die Jugendgruppe Schwarze Zelle Reichsbahn.
Q: Klassenkampf Nr.24,Frankfurt Juni 1973

03.07.1973:
In Berlin findet eine Konferenz oppositioneller Gewerkschafter statt, an der sich, laut KPD, ca. 130 Personen aus 50 Betrieben und den Gewerkschaften IGM, CPK, ÖTV, DruPa, DPG, HBV, DAG, GEW und FDGB beteiligen.
Q: Rote Fahne Nr.28,Dortmund 11.7.1973

15.08.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.33 (vgl. 8.8.1973, 22.8.1973) heraus und berichtet aus Berlin auch vom Reichsbahnausbesserungswerk Grunewald (FDGB-Bereich), wo regelmäßig die 'Rote Fahne' vertrieben wird, trotz Auseinandersetzungen mit der Bahnpolizei.
Q: Rote Fahne Nr.33,Dortmund 15.8.1973

24.01.1974:
Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wird, laut KPD und SAG, von 3 bis 6 Uhr morgens im Bus- und U-Bahnverkehr gestreikt. Die Deutsche Reichsbahn (DR) zeigt sich, laut KPD, solidarisch, indem sie den Streik durch Einsatz von Sonderzügen schwächt.
Laut KJV der KPD (vgl. 1.2.1974) wird – "ohne Gewerkschaftsbonzen" – der Bus- und U-Bahnverkehr für zwei Stunden lahm gelegt.
Q: Rote Fahne Nr.5 und 7,Dortmund 30.1.1974 bzw. 13.2.1974; Kämpfende Jugend Nr.2,Dortmund 1.2.1974,S.3; Klassenkampf Nr.31/32,Frankfurt Jan./Feb. 1974

25.03.1974:
In Berlin wird vermutlich noch in dieser Woche die Plattform des Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter (vgl. 24.3.1974, 1.4.1974) veröffentlicht. Eingegangen wird u.a. auf die Deutsche Reichsbahn (DR).
Q: Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter 1974:Plattform,Berlin 1974,S.2

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01.04.1974:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD (vgl. 25.3.1974) erstmals seine Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' (vgl. 8.4.1974) heraus. Die SEW habe bei der BVG mit Hilfe ihrer Deutschen Reichsbahn (DR) den Streik gebrochen und mobilisiere für ihre eigene Demonstration in Neukölln. Im Maikomitee seien KollegInnen u.a. aus dem Bereich des FDGB der DDR von der Deutschen Reichsbahn (DR).
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.1,Berlin 1974,S.2

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08.04.1974:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD seine Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' Nr.2 (vgl. 1.4.1974, 15.4.1974) heraus. Im Maikomitee seien KollegInnen u.a. aus dem Bereich des FDGB der DDR von der Deutschen Reichsbahn (DR).
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.2,Berlin 1974

10.04.1974:
In der Nr.15 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 3.4.1974, 17.4.1974) befaßt sich die KPD u.a. aus Berlin mit dem Maikomitee (MK), in dem auch Beschäftigte der Deutschen Reichsbahn (DR) mitarbeiten.
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 10.4.1974

15.04.1974:
In Berlin gibt vermutlich in dieser Woche das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter der KPD seine Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' Nr.3 (vgl. 8.4.1974) heraus. Im Maikomitee seien auch KollegInnen aus dem Bereich des FDGB der DDR von der Deutschen Reichsbahn (DR).
Q: 1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse Nr.3,Berlin 1974

29.04.1974:
In Berlin-Tempelhof kommt es beim Deutsche Reichsbahn Ausbesserungswerkstatt (DR AW), laut der Ortsgruppe Neukölln der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD, vermutlich in dieser Woche zu einer politischen Entlassung, wobei auch die SEW beteiligt ist.
Q: Rote Fahne Nr.19,Dortmund 8.5.1974

01.03.1976:
Bei der BVG Berlin werden die Fahrpreise erhöht.
Zur Fahrpreiskampagne der KPD/ML und des KBW, der nur an Oberschulen und Hochschulen mobilisiert habe, meint die KPD u.a.:"
1. Die Linie der Aktionseinheit von KBW und KPD/ML war falsch. … Mit keinem Wort wird auf die Hauptaufgabe der Arbeiterklasse eingegangen. Die modernen Revisionisten werden nur deshalb angegriffen, weil sie bei der Reichsbahn und in Berlin (DDR) ebenfalls die Fahrpreise erhöhten. Sie werden nur als 'Schmiede der Bourgeoisie' angegriffen, nicht aber … als Hauptfeinde in der Arbeiterbewegung."
Q: Rote Fahne Nr.9,Köln 3.3.1976,S.5; Spartacus Nr.26,Essen 15.3.1976

19.04.1976:
In Berlin betreten, laut KPD, vermutlich in dieser Woche ihre 'Rote Fahne' Verkäufer bei Siemens (IGM-Bereich) mit Stellschildern das Gelände eines S-Bahnhofes (DDR-Besitz), worauf es zu einem Einsatz der Bahnpolizei kommt.
Q: Rote Fahne Nr.17,Köln 28.4.1976

28.04.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.17 (vgl. 21.4.1976, 5.5.1976) heraus. Aus Berlin wird berichtet aus dem FDGB-Bereich von der DDR-eigenen Reichsbahn (DR) u.a. über die fehlende Arbeitslosenversicherung, Lehrlinge, Berufsschullehrer, die Bahnbetriebswerke Grunewald und Papestraße, die SEW und die eigene Gruppe oppositioneller Kollegen bei der Reichsbahn.
Q: Rote Fahne Nr.17,Köln 28.4.1976

21.07.1976:
In Berlin bringt die KPD/ML-Betriebszelle Siemens-Gartenfeld eine weitere Nr. ihres 'Roten Gartenfelders' heraus, in der auch über die Berliner S-Bahn, die der DDR gehört, berichtet wird.
Q: Der Rote Gartenfelder,Berlin 21.7.1976

30.08.1976:
Bei der Deutschen Reichsbahn (DR - DDR-eigen) in Berlin erscheint, laut KPD, vermutlich in dieser Woche das 'Rote Signal' des KBW, in dem es auf Seite heiße "Was wir brauchen wäre der DGB" (die DR ist im FDGB der DDR organisiert). Von der KPD und ihrer Gruppe oppositioneller Reichsbahner wird dies abgelehnt, sie treten für einen selbständigen Zusammenschluß ein.
Q: Rote Fahne Nr.36,Köln 8.9.1976

06.10.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.40 (vgl. 29.9.1976, 13.10.1976) heraus, Wahlspenden gingen auch ein aus Berlin von der Reichsbahn (DR - FDGB-Bereich).
Q: Rote Fahne Nr.40,Köln 6.10.1976

08.11.1976:
In Berlin gibt, laut KPD, ihre Gruppe oppositioneller Reichsbahner bei der DR der DDR vermutlich in dieser Woche ihre Zeitung heraus, in der sie sich u.a. mit SEW und FDGB sowie den Maurern der Hochbaumeisterei befaßt.
Q: Rote Fahne Nr.46,Köln 17.11.1976

16.09.1980:
Laut MLPD (2) treten Westberliner Reichsbahnarbeiter in den Streik. Die Reichsbahn gehört der DDR, die Belegschaft wird vertreten durch den FDGB der DDR:"
Dieser Streik stand sofort im Mittelpunkt des politischen Geschehens. Die Zentrale Leitung übernahm direkt vor Ort die Führung beim Eingreifen des KABD in das Kampfgeschehen und erklärte den Reichsbahnerstreik zum kurzfristigen Schwerpunkt der gesamten Organisation.
Ein sofort erstelltes und bereits am nächsten Tag vor über 100 Großbetrieben von Hamburg bis Ulm verteiltes Rote-Fahne-Extrablatt organisierte die Solidarität unter den westdeutschen Arbeitern. … Das Eingreifen des KABD in den Reichsbahnarbeiterstreik bedeutete in seiner allseitigen Anforderung an die Organisation den praktischen Höhepunkt der Großen Initiative."
Q: MLPD-ZK:Geschichte der MLPD,II.Teil,2.Halbband,Düsseldorf 1986,S.573

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