Berlin: Irland-Solidarität

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 15.4.2014

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Von der Berliner Solidarität mit Irland können hier bisher nur wenige Dokumente erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

In dieser wie immer lückenhaften Darstellung finden sich Stellungnahmen einer ganzen Reihe von Gruppen, die vom Bürgerkrieg berichten (vgl. 11.10.1971, Okt. 1971, Nov. 1971) und wie die KPD (vgl. 1.2.1972) und die KPD/ML-ZK (vgl. 5.2.1972) nach dem Massaker in Londonderry Demonstrationen organisieren.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

25.03.1969:
Im Jugendfreizeitheim Berlin Friedrich-Wilhelm Platz 11 soll, laut 'Agit 883', um 19 Uhr 30 eine Veranstaltung "Irland - vom Fortschritt vergessen? Unruhe auf der grünen Insel" stattfinden.
Quelle: Agit 883 Nr. 6, Berlin 20.3.1969, S. 5

11.10.1971:
Es erscheint der Berliner 'Hochschulkampf' Nr. 17/18 (vgl. 13.9.1971, 1.11.1971) der der PL/PI befreundeten Roten Zellen mit dem Artikel "Get these gunmen out of Ireland. Bürgerkrieg in Irland".
Q: Hochschulkampf Nr. 17/18, Berlin 11.10.1971, S. 7ff

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Oktober 1971:
Vermutlich im Oktober erscheint die Nr. 8 der 'Berliner Arbeiter Zeitung' (vgl. Juli 1971, 1.5.1973) der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (SDA). Auslandsberichte erscheinen u.a. zu Nordirland.
Q: Berliner Arbeiter Zeitung Nr. 8, Berlin o.J. (1971), S. 9f

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November 1971:
In West-Berlin erscheint die 'Fizz' Nr. 9 (vgl. Okt. 1971, Dez. 1971) mit dem Artikel "Interview mit einem irischen Arbeiter".
Q: Fizz Nr. 9, Berlin Nov. 1971, S. 9

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01.02.1972:
In Berlin demonstrieren, laut KPD, knapp 2 000 gegen die 13 Toten des 'Blutsonntags' im nordirischen Londonderry. Laut OSK des KSV (vgl. Feb. 1972) sind es rund 1 500 Demonstranten.

Die LgdI der KPD berichtet:"
Am Dienstag, dem 1.2. demonstrierten Mitglieder der LIGA gegen die Terrormorde der englischen Imperialisten gegenüber dem irischen Volk. Ein Genosse der LIGA hielt auf der Abschlußkundgebung folgende Rede:
Genossen und Freunde!

Das Massaker der britischen Kolonialtruppen am vergangenen Sonntag in Londonderry-Bogside hat den Kampfeswillen der Arbeiter und Bauern Nordirlands nicht brechen können!

Noch in der Nacht zum Montag erklärte Sean Hollywood, Sprecher der Bürgerrechtsbewegung in Belfast:

'Wir werden nächstes Wochenende trotz Terror und Demonstrationsverbot demonstrieren'. Er sagte: 'Faulkner muß uns schon ALLE erschießen lassen, wenn er sein Demonstrationsverbot durchsetzen will'.

Inzwischen hat der Generalstreik in Nordirland, den die irisch-republikanische Armee (IRA,d.Vf.) und die Bürgerrechtsbewegung ausgerufen haben, zu einer vollständigen Lähmung Londonderry's geführt. In der Republik Irland bestreiken Tausende von Arbeitern die Fabriken, die sich in der Hand englischer Kapitalisten befinden. Tausende belagerten die englische Botschaft in Dublin. Das Bodenpersonal aller irischen Flughäfen bestreikt die staatliche englische Fluggesellschaft BEA.

Auch internationale Solidaritätsaktionen haben eingesetzt. In vielen Städten Englands wurde demonstriert. In Australien bestreikten australische Seeleute britische Schiffe.

Genossen und Freunde!
Der brutale Terror der britischen Kolonialtruppen beweist, daß die englischen Imperialisten nur mit Waffengewalt zum Rückzug aus Irland zu bewegen sind. Seit Jahrhunderten plündern die herrschenden Klassen Englands das irische Volk aus, seit Jahrhunderten kämpft das irische Volk um seine Freiheit; das Massaker vom letzten Sonntag ist kein Exzess, kein Einzelfall. Immer schon mordete die Soldateska im Auftrage des britischen Imperialismus unschuldige Menschen, deren einzige Waffe die Transparente waren, auf denen die Namen ihrer verhafteten Brüder geschrieben waren. General Ford, Kommandeur der englischen Besatzungstruppen in Nordirland bedauerte, statt mehrerer hundert Demonstranten nur 70 verhaftet zu haben; zu dem Massaker erklärte er am Montag, auf seine Fallschirmjäger seien 20 Schüsse abgegeben worden. Heute spricht er von 200 Schüssen. Die Brutalität und der Zynismus dieser Lügen sind das Leitmotiv aller Massaker, die der britische Imperialismus und Kolonialismus am irischen Volk begangen hat. Aber die Iren haben nie aufgehört, gegen die Kolonialherrschaft zu kämpfen. Der bewaffnete Kampf gegen die englischen Besatzer ist das bestimmende Merkmal der irischen Geschichte. Der glorreiche Osteraufstand von 1916 war ein Feuerzeichen für den Kampf der unterdrückten Völker. Die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes hat die irisch-republikanische Armee wieder in enge Verbindung zu den Volksmassen gebracht, hat dazu beigetragen, daß kleinbürgerlich-nationalistische und revisionistische Strömungen überwunden werden.

Heute nehmen mit jedem Tag des Kampfes die marxistisch-leninistischen Kräfte in der IRA zu, die von der Linie ausgehen, daß die revolutionäre Politik das Oberkommando führt.

Wir sind der zuversichtlichen Hoffnung, daß die gegenwärtige ideologische Auseinandersetzung zwischen den beiden Flügeln der IRA zu einer weiteren Klärung und Festigung der sozialistischen Position führen wird. Wir alle, Genossen, freuen uns darüber, daß beide Flügel der IRA in einer gemeinsamen Erklärung bekräftigt haben: 'Der militärische Kampf gegen das britische Besatzungsregime wird verstärkt!'

Genossen, der heuchlerische Protest der Revisionisten gegen das Massaker kann nicht von der Haltung der irischen und englischen Revisionisten ablenken, die Lösung der irischen Frage vom englischen Parlament zu erhoffen. Niemand hat vergessen, daß die revisionistische Partei Irlands im letzten Jahr, als die Kämpfe im Norden ihren ersten Höhepunkt erreichten, keine andere Forderung erhob, als die, das englische Parlament müsse seine Ferien abbrechen und die Nordirland-Frage diskutieren. Angst vor der revolutionären Bewegung verbindet alle Revisionisten. Konsequent stimmten deshalb die revisionistischen Studenten am Germanischen Seminar der FU gegen die Beteiligung an dieser Demonstration. Ihre Begründung: man dürfe keine Terroristen, die auf unschuldige Menschen schießen, unterstützen. Auch hier wurde ihnen eine Abfuhr erteilt.

Genossen und Freunde!
Der Kampf des irischen Volkes wird gleichzeitig um nationale und soziale Befreiung geführt. Die Regierung Lynch in Dublin ist eine Agentur der britischen und ausländischen, darunter auch der BRD-, Monopole. Sie verhaftete noch am Samstag 8 Mitglieder der IRA unter der Beschuldigung, an bewaffneten Aktionen in Nordirland beteiligt gewesen zu sein. Um ihren Einfluß auf die irischen Massen nicht ganz zu verlieren, sah sie sich zu einer diplomatischen Geste gezwungen und zog ihren Botschafter ab. Der Kampf um die Freiheit Irlands ist deshalb gleichzeitig ein Kampf gegen die verräterische Bourgeoisie und ihren Staat, ein Kampf der Volksdemokratie, ein Kampf, der den Sieg des Sozialismus in ganz Irland zum Ziel haben wird.

UNTERSTÜTZEN WIR DEN KAMPF DES IRISCHEN VOLKES UM UNABHÄNGIGKEIT UND NATIONALE EINHEIT!

Wir fordern:
ABZUG ALLER BRITISCHEN KOLONIALTRUPPEN AUS IRLAND!
ES LEBE DER FREIHEITSKAMPF DES IRISCHEN VOLKES!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!"
Q: Internationale Solidarität Nr. 1, Berlin 10.2.1972,S. 13; Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 9, Berlin 9.2.1972, S. 7;Kommunistische Schülerpresse Nr. 2, Berlin o.J. (1972), S. 1 und 5

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05.02.1972:
In Berlin-Wedding besuchen, nach eigenen Angaben, 200 die Irland-Demonstration der KPD/ML-ZK. Eine Aktionseinheit mit KPD und KPD/ML-ZB sei nicht zustandegekommen.
Q: Roter Morgen Nr. 4, Hamburg 14.2.1972, S. 5

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17.02.1972:
Bei Borsig Berlin gibt die KPD die Nr. 9 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 25.1.1972, 22.5.1972) heraus. Eingegangen wird auch auf den Blutsonntag von Londonderry.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Borsig Nr. 9, Berlin 17.2.1972, S. 3f

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03.03.1972:
Es erscheint der Berliner 'Hochschulkampf' Nr. 24/25 (vgl. 26.1.1972) der früher der PL/PI befreundeten Roten Zellen mit dem Artikel "Irland: Das Volk wird siegen!".
Q: Hochschulkampf Nr. 24/25, Berlin 3.3.1972, S. 16

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05.04.1972:
Frühestens heute erscheint in Berlin die auf April datierte Nr. 3 des 'Jungen Roten Gartenfelders' (vgl. 15.3.1972) des KJVD der KPD/ML-ZB. Berichtet wird u.a. über Nordirland.
Q: Der Junge Rote Gartenfelder Nr. 3, Berlin Apr. 1972, S. 6

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24.04.1972:
An der FU Berlin beginnt der dreitägige "Kongreß gegen politische Unterdrückung". Referate werden gehalten von: IRA Irland, GIM, KSV der KPD, KPD/ML (?), MLH.
Q: Politikon Nr. 41/42, Göttingen 1972, S. 36

06.07.1972:
An diesem Tag gedenkt die Ortsleitung Westberlin der KJO Spartacus eine Veranstaltung bei Max und Moritz zur Lage in Nordirland abzuhalten.
Q: KJO Spartacus-Ortsleitung Westberlin: ohne Titel, Berlin o.J. 4.7.1972

August 1972:
In Berlin erscheint die Nr. 24 des 'Klassenkampf' als Zeitung der Proletarischen Linken (PL - vgl. Juli 1972). Auslandsberichte behandeln u.a. Irland.
Q: Klassenkampf Nr. 24, Berlin Aug. 1972, S. 5

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