'Rote Front'
Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen (West-Berlin, 1971)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 19.7.2016


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Die Zeitung "Rote Front - Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen", die 1971 in West-Berlin erschien, ist nicht zu verwechseln mit vielen ähnlichen Zeitungen maoistischer Gruppen aus der Zeit 1970-1973, etwa: "Die Rote Front", die das Organ der Marxisten-Leninisten Dortmund war, "Rote Front", die das Funktionärsorgan des Landesverbandes NRW des KJVD der KPD/ML-ZB war oder "Die Rote Front", die 1972 die Stadtteilzeitung der KPD/ML-ZK in Berlin-Neukölln war.

Eine Nr. 1 der Zeitung: "Rote Front - Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen" wurde im April 1971 mit einer Kontaktadresse in West-Berlin herausgegeben. Auf der Titelseite wurde festgehalten: "Die Schaffung der 'ROTEN FRONT' ist das Ergebnis langwieriger Diskussionen und Zusammenarbeit unter einer Reihe marxistisch-leninistischer Organisationen von Ausländern, die in West-Berlin leben und arbeiten. Zu diesem Beschluss kamen die ausländischen Organisationen nach einer Reihe von Feststellungen, die sie durch ihre konkreten Aktionen unter den ausländischen Arbeitern, wie auch durch ihre Zusammenarbeit mit den Organisationen der deutschen Genossen, aber auch durch die Notwendigkeit der Koordinierung ihrer Aktionen und Kämpfe, gemacht haben. Eine der Feststellungen, die sie gemacht haben, ist auch der Mangel an Informationen über die Lage in den Ländern, aus denen die ausländischen Arbeiter in West-Deutschland und West-Berlin stammen, sowie auch über die Lage und die Richtlinien der revolutionären Bewegung in diesen Ländern. In Bezug darauf, werden die ausländischen marxistisch-leninistischen Organisationen in den Spalten dieses Bulletins eine Reihe von Artikeln, Betrachtungen, und Analysen veröffentlichen, die der deutschen progressiven öffentlichen Meinung angepasst sind, und zu ihrer verantwortungsvolleren Information dienen.

Die 'ROTE FRONT' ist nicht nur der Name dieses Bulletins. Die 'ROTE FRONT' drückt noch die organisatorische Mitwirkung der verschiedenen marxistisch-leninistischen Organisationen aus, für ein gemeinsames Angehen der gemeinsamen Probleme, die mit ihrer Tätigkeit in West-Berlin zu tun haben."

Augenscheinlich arbeiteten an der Zeitung französische, griechische, italienische und türkische Marxisten-Leninisten mit. Unklar ist, ob es weitere Ausgaben der Zeitung gab, bis wann sie erschien und warum sie eingestellt wurde. Weiter ist unklar, mit welchen deutschen Gruppen die Zeitungsmacher zusammenarbeiteten. Aus West-Berlin ist bekannt, dass die Gruppe um das Organ "Rote Front" zur Demo am 9.5.1971 mit der KPD/ML-ZB zusammenarbeitete. Wir bitten um weitere Informationen und Ergänzungen.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

April 1971:
In West-Berlin erscheint die Nr. 1 der Zeitung "Rote Front - Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen". In der Vorbemerkung wird u. a. festgehalten, dass die Zeitung "das Ergebnis langwieriger Diskussionen und Zusammenarbeit unter einer Reihe marxistisch-leninistischer Organisationen von Ausländern, die in West-Berlin leben und arbeiten" sei. "Die 'ROTE FRONT'", so heißt es weiter, sei "nicht nur der Name dieses Bulletins. Die 'ROTE FRONT' drückt noch die organisatorische Mitwirkung der verschiedenen marxistisch-leninistischen Organisationen aus, für ein gemeinsames Angehen der gemeinsamen Probleme, die mit ihrer Tätigkeit in West-Berlin zu tun haben." An der Zeitung arbeiteten vermutlich griechische, italienische, türkische und französische Marxisten-Leninisten mit.

Inhalt der Ausgabe ist:
- "Die internationale Arbeiterklasse feiert den 100. Jahrestag der Pariser Kommune"
- "Die Lage der ausländischen Arbeiter in Westdeutschland und Westberlin"
- "Die Lage nach dem Memorandum der Kommandeure (aus: 'Aydinlik')"
- "Klassenkampf in Italien"
- "Die Diktatur in Griechenland und die Entwicklungsperspektiven der griechischen revolutionären Bewegung"

Geworben wird für die Zeitungen "Aydinlik" (ZO der ML der Türkei), "l'Humanité rouge" (PCMLF), "Protoporia" (Organ griechischer ML), "Nuova Unita" (ZO der PCI/ML).
Quelle: Rote Front - Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen, Nr. 1, West-Berlin, April 1971.

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30.04.1971:
In West-Berlin erscheint zum 1. Mai eine Ausgabe von: "Rote Front." Agitiert wird u. a. gegen die "Ausländergesetze", gegen die "reaktionären Gewerkschaften", gegen die "Wohnverhältnisse" für ausländische Arbeiter.
Parolen sind u. a.:
- "Nieder mit dem Imperialismus, dem Sozialimperialismus und allen ihre Lakaien!", "Es lebe der proletarische Internationalismus!", "Es lebe die Einheit der ausländischen und deutschen Arbeiter!"

Aufgerufen wird zur Mai-Demo im Wedding, Turmstr.
Q: Rote Front - Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen: Es lebe der 1. Mai, West-Berlin (Ende April 1971).

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01.05.1971:
In West-Berlin erscheint vermutlich Anfang Mai ein "Sonderdruck" der Zeitung: "Rote Front - Organ der ausländischen marxistisch-leninistischen Organisationen" mit der Schlagzeile: "9. Mai 1971: Antiimperialistisch-Antifaschistische Demonstration der ausländischen Arbeiter".

Parolen sind u. a.:
- "Nieder mit dem Neofaschismus in Italien!
- "Nieder mit der faschistischen Tyrannei in der Türkei und in Griechenland!"
- "Nieder mit den Bonner Ausländergesetzen!"
- "Es lebe der proletarische Internationalismus!"
- "Es lebe der Befreiungskampf der unterdrückten Völker für Freiheit, Unabhängigkeit und Volksdemokratie!"

Aufgerufen wird zur Demo am Steinplatz.
Q: Rote Front - Organ der ausländischen marxistisch-leninistischen Organisationen: Sonderdruck: 9. Mai 1971: Antiimperialistisch-antifaschistische Demonstration der ausländischen Arbeiter, West-Berlin (Anfang Mai 1971).

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01.05.1971:
Vermutlich Anfang Mai erscheint in West-Berlin ein einseitiger "Sonderdruck" der Zeitung: "Rote Front - Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen" mit der Schlagzeile: "Nieder mit dem US-Imperialismus, dem sowjetischen Sozialimperialismus und allen ihren faschistischen Lakaien!"

Aufgerufen wird zur Teilnahme an einer Demo am 9. Mai 1971 (Treffpunkt: Steinplatz) unter den Losungen: "Anlässlich der 4 Jahre Faschismus in Griechenland!", "Gegen die faschistischen Tyrannen in der Türkei, die das Volk durch die Gewehre unterdrücken!", "Gegen die Entwicklung der faschistischen Kräfte in Italien, die durch die Monopolbourgeoisie ausgerüstet und finanziert werden, um das kämpfende Proletariat einzuschüchtern!", "Solidarisieren wir uns mit den Völkern aller Länder, die gegen Imperialismus, Sozialimperialismus und Faschismus kämpfen!"
Q: Rote Front - Organ ausländischer marxistisch-leninistischer Organisationen: Sonderdruck: Nieder mit dem US-Imperialismus, dem sowjetischen Sozialimperialismus und allen ihren faschistischen Lakaien!, West-Berlin (Anfang Mai 1971).

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08.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:
"ANTIIMPERIALISTISCHE, ANTIFASCHISTISCHE DEMONSTRATION IN WESTBERLIN. Über diese Demonstration, die am 8.5. (vermutlich aber am 9.5., d. Vf.) in Westberlin stattfand, schickten uns die Westberliner Genossen den folgenden Bericht:
Die Demonstration wurde von der Roten Front organisiert.
Anlass waren
- der 4-jährige Jahrestag des Faschismus in Griechenland,
- der konterrevolutionäre Putsch in der Türkei,
- die zunehmende Brutalität der Faschisten in Italien,
- die reaktionären Ausländergesetze der SPD-Regierung und die jüngste Verordnung von Genscher, nach der die Zusammenarbeit der ausländischen Spitzel mit der westdeutschen Polizei erleichtert wird.

Bei der Vorbereitung der Demonstration arbeiteten wir eng mit der Roten Front (die Organisation ausländischer Marxisten-Leninisten in der BRD) zusammen. Unser Lautsprecherwagen stand den Genossen zur Verfügung. Unsere Agitation nahm die Parolen auf:
NIEDER MIT DEM US-IMPERIALISMUS!
NIEDER MIT DEM SOWJETIMPERIALISMUS!
NIEDER MIT ALLEN IHREN FASCHISTISCHEN LAKAIEN!
FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN SIEG DER VÖLKER VON LAOS, KAMBODSCHA UND VIETNAM!
NIEDER MIT DER NATO - FREIHEIT FÜR GRIECHENLAND UND DIE TÜRKEI!
DEUTSCHE FIRMEN WERDEN FETT AN DEM GRIECHISCHEN KZ!
SCHLUSS MIT DER BEZAHLUNG FASCHISTISCHER BANDEN DURCH DIE SPD-REGIERUNG!…
Die Partei bildete einen geschlossenen Block hinter der Roten Front, dahinter marschierte die Gruppe 'Roter Morgen' (KPD/ML-ZK, d. Vf.), dann die Aufbauorganisation (KPD/AO, d. Vf.) die aus Wut darüber, dass sie nicht an erster Stelle marschieren durfte, einen breiten Zwischenraum zwischen sich und dem übrigen Zug ließ. Bei der Schlusskundgebung sprach zuerst die Rote Front, es folgte eine Rede der Partei, dann sprach die Gruppe 'Roter Morgen'. Die AO entlarvte sich wieder deutlich als karrieristisches Grüppchen; sie verließ die Kundgebung, als die Rede der Partei angekündigt wurde und bevor die Kundgebung offiziell mit der Internationale beendet war…

Die ausländischen Genossen bedankten sich anschließend für unsere solidarische Unterstützung, besonderen Dank sprachen sie dem 'Kommando Bethune' aus, das extra zur Vorbereitung vom technischen Leiter der Partei gegründet worden war …
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst, Nr. 40 und 41, Bochum, 26.5.1971 bzw. 29.5.1971, S. 13f. bzw. S. 5; Rote Fahne, Nr. 11, Bochum, 7.6.1971, S. 3; Der NCR Arbeiter, Nr. 6, Berlin, 19.5.1971; Rotlicht, Nr. 11, Berlin, 13.5.1971.

30.06.1971:
In West-Berlin erscheint eine vermutlich Ende Juni eine einseitige Ausgabe der Zeitung: "Rote Front - Organ der ausländischen marxistisch-leninistischen Organisationen" mit der Schlagzeile: "Es lebe die palästinensische Revolution!". Agitiert wird u. a. gegen den "US-Imperialismus" und den "sowjetischen Sozialimperialismus", die unter der Parole: "friedliche Lösung des Nah-Ost Konflikts den bewaffneten Kampf liquidieren wollen".

Aufgerufen wird zu einem Teach-In am 2.7. im udi-Max der TU und zu einer Demo am 3.7. (Treffpunkt: Olivaer Platz). Parolen sind:
- "Nieder mit dem US-Imperialismus und Zionismus!"
- "Nieder mit dem sowjetischen Sozialimperialismus!"
- "Nieder mit den arabischen Reaktionären, die Kettenhunde des Imperialismus!"
- "Es lebe die palästinensische Revolution!"
- "Es lebe der proletarische Internationalismus!
Q: Rote Front - Organ der ausländischen marxistisch-leninistischen Organisationen: Es lebe die palästinensische Revolution, West-Berlin (Ende Juni 1971).

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03.07.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtete von der Palästina-Solidarität in Berlin: "An der Solidaritätsdemonstration für das palästinensische Volk, die am nächsten Tag stattfand (3.7.), beteiligten sich 500 bis 600 Leute. Neben den Palästinensern, die unter der Führung des Palästina-Komitees die Demonstration organisiert hatten, nahmen die Rote Front, die Organisation ausländischer Marxisten-Leninisten in Westberlin, die KPD/ML und die Gruppe 'Roter Morgen' (KPD/ML-ZK, d. Vf.) daran teil.

Das Ziel der Demonstration war die Unterstützung der palästinensischen Revolution, die im Weltmaßstab an zweiter Stelle der revolutionären Bewegungen steht.
Dementsprechend lauteten die PAROLEN:
Das palästinensische Volk und die anderen arabischen Völker werden siegen!
Der bewaffnete Kampf, das ist der einzige Weg des palästinensischen Volkes zu seiner Befreiung!
Für den Sieg der palästinensischen Revolution!
Kampf dem Imperialismus, Tod dem Zionismus!
Sieg im Volkskrieg!

Laut KJVD der KPD/ML-ZB wird eine Palästina-Demonstration, vermutlich die heutige, unter Führung der Roten Front veranstaltet.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst, Nr. 53, Bochum, 14.7.1971, S. 14f.; Der Kampf der Arbeiterjugend, Nr. 9, Bochum, September 1971.

10.07.1971:
In Berlin findet eine Demonstration der Patriotischen Einheitsfront der Türkei statt, die u. a. auch von der Roten Front, der KPD/ML-ZK und den MLHs unterstützt wird. "An der Spitze des Zuges demonstrierten die türkischen Genossen und andere demokratische Kräfte ihre Entschlossenheit und Kampfbereitschaft. … Danach folgte die Rote Front, die Organisation der ausländischen Marxisten-Leninisten… Unter der Hauptlosung: 'Kampf dem US-Imperialismus - Tod dem Faschismus - Freiheit für das türkische Volk', demonstrierten 200 Genossen und Kollegen der Betriebsgruppen, Sympathisanten und Freunde der Partei als stärkster, geschlossener Block, und forderten: 'Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker vereinigt euch."
Q: Rote Fahne, Nr. 14, Bochum, 19.7.1971, S. 2; KPD/ML-ZB: Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML, Nr. 19, Berlin, 9.7.1971.

Letzte Änderung: 19.07.2016