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Berlin-Moabit: Stephanstraße

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 15.9.2008

Die Stephanstraße in Berlin-Moabit war für die Berliner Außerparlamentarische Opposition und auch später für die radikale Linke mit die erste Adresse, wobei die erste hier behandelte Hausnummer die 60 ist, die nicht nur die Heimstätte der nach derzeitigem Kenntnisstand frühesten bundesdeutschen Kommune, der Kommune 1, wurde, die hier nur randständig behandelt wird als Beischlafzentrale bzw. Unterschlupf für Dieter Kunzelmann (vgl. Nov. 1968), sondern auch als Ziel der Repression (vgl. 5.3.1969). Die Stephanstraße 60 wird aber auch als Ort der Kinderbetreuung bekannt (vgl. 29.1.1971) sowie als Sitz des Sozialistischen Zentrums, in dem sich vor allem die PL/PI (vgl. 8.4.1971, 16.4.1971, 23.4.1971, 19.9.1971, 1.10.1971, Dez. 1971) bzw. später die PL (vgl. Feb. 1972, März 1972, Juni 1972, Juli 1972) und die letzten zugehörigen bzw. im Auflösungsprozess befindlichen Betriebsgruppen zu tummeln scheinen, die u.a. bei SEL tätig sind (vgl. März 1972, Juni 1972, Aug. 1972, Sept. 1972).

In der Stephanstraße Nr. 3 aber gab es damals noch die Stephan-Lichtspiele. Diese werden nun zum beliebten Versammlungsort mit Gelegenheit zur Filmvorführung nicht nur der KPD/ML-ZB (vgl. 16.12.1971, 18.4.1972), wobei auch aus der VR China der Film 'Das Kanalsystem Rote Fahne' wiederholt zur Aufführung gelangt (vgl. 3.3.1972, 7.3.1972), sondern auch für die KPD/ML-Neue Einheit (vgl. 29.4.1972).

Die KPD als damals stärkste Kraft der Berliner radikalen Linken gründet nun in der Stephanstraße ihre erste Straßenzelle überhaupt (vgl. 22.2.1972, März 1972, 10.3.1973, 8.8.1973, 22.8.1973), die eine eigene Zeitung herausbringt (vgl. 7.8.1973), ergänzt wird um einen Vietnamausschuss Stephanstraße (vgl. 14.3.1973, 3.10.1973) und die Stadtteilleitung Moabit der KPD nach Kräften unterstützt (vgl. 5.7.1973), später einen Sympathisantenzirkel unterhält (vgl. 24.7.1974).

In der Stephanstraße 60 hat nun auch die MLHPol zumindest postalischen Unterschlupf gefunden (vgl. Jan. 1973), aber vor allem auch die teilweise nach der Stephanstraße benannt werdende, sich selbst aber Rote Hilfe Westberlin heißende Gruppierung (vgl. 27.6.1973, 11.11.1974), eine der in den siebziger Jahren wichtigsten unabhängigen Rote-Hilfe-Organisationen der Bundesrepublik Deutschlands und Westberlins. Eventuell bestehen Verbindungen zum Komitee gegen politische Disziplinierung und Entrechtung im Öffentlichen Dienst West-Berlin, da diese zum vorläufigen Ende dieser wie immer unvollständigen Darstellung zumindest postalisch evident werden (vgl. März 1974, 19.3.1974, Dez. 1974).


Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

November 1968:
Vermutlich Mitte November 1968 erscheint die Schülerzeitung 'Radikalinski' Nr.2 (vgl. Okt. 1968, Dez. 1968) u.a. in Berlin-Spandau. Auf Seite 2 heißt es u.a."
BERECHTIGTER VORWURF von unseren lieben Mitschülern:
Ihr schreibt immer soviel vom Beischlafen, schön und gut, nur WO sollen wir uns lieben? Im Winter holt man sich doch im Wald und im Wasser den Tod! Wir haben uns etwas einfallen lassen. Es gibt jetzt den RADIKALINSKIBEISCHLAFPASS

DIESEN zeigt ihr vor, wenn ihr bei folgenden Leuten schlafen wollt. DER PASS BERECHTIGT JEDOCH NUR ZUM EINMALIGEN BEISCHLAF UND IST VOR DIESEM ABZUGEBEN! DA WIR JA 3 500 PÄSSE ausgeben müßt ihr für diese Maßnahme Verständnis haben.
DIETER KUNZELMANN: DA KOMM ICH MIR JA WIE EIN Puffvater vor.

RADIKALINSKI ZU GÄNG: JEDER BRINGT SEINE BETTWÄSCHE MIT.

P. GÄNG: DAS WÄRE JA WIE IN EINER JUGENDHERBERGE!

NEUE PÄSSE UND NEUE ADRESSEN SIND DER NÄCHSTEN NUMMER ENTHALTEN.

ANSCHRIFTEN:
1) Stephanstr.60
2) Bülowstr.17 (Linkeck Kommune)
3) Kurfürstenstr.140
Wer seine Räume dem love-in center zur Verfügung stellen möchte, melde sich bei der Redaktion."
=Radikalinski Nr.2,Berlin o.J. (1968)

05.03.1969:
Manfred Funke (vgl. Nov. 1977) berichtet vom linken Terrorismus in der 'BRD' (vgl. Berlin 19.12.1968, Berlin 10.11.1969) aus Berlin:"
Bei der Durchsuchung der Kommune 1, Stephanstr. 60, Spreng-Brandsatz mit elektrischem Zeitzünder gefunden."
=Funke, Manfred:Terrorismus,Bonn 1977,S.331

29.01.1971:
Es erscheint die Nr.100 der 'RPK' (vgl. 22.1.1971, 5.2.1971). Anzeigen kommen u.a. von den Berliner Kinderläden Lichterfelde-West und Stephanstraße.
=Rote Presse Korrespondenz Nr.100,Berlin 29.1.1971

08.04.1971:
In Berlin soll die erste der Arbeiterversammlungen der PL/PI im Sozialistischen Zentrum in der Moabiter Stephanstraße (vgl. 16.4.1971) heute zum Thema "Sind die Gewerkschaften Kampforgane der Arbeiterklasse?" stattfinden. Von der Schaubühne werde ein Theaterstück aufgeführt.

Aufgerufen wurde von der PL/PI u.a. im IGM-Bereich bei Fritz Werner (vgl. 5.4.1971), beim Osram S-Werk (vgl. 5.4.1971), bei Siemens (vgl. 5.4.1971), bei SEL (vgl. 5.4.1971) und bei VDK (vgl. 5.4.1971).
=Klassenkampf - Ausgaben Fritz Werner, Osram S-Werk, (Siemens), SEL und (VDK) Nr.11,Berlin Apr. 1971

16.04.1971:
In Berlin soll die zweite der Arbeiterversammlungen der PL/PI im Sozialistischen Zentrum in der Moabiter Stephanstraße (vgl. 8.4.1971, 23.4.1971) heute zum Thema "Italien und Frankreich" mit Genossen von dort stattfinden.

Aufgerufen wurde von der PL/PI u.a. im IGM-Bereich bei Daimler-Benz Marienfelde (vgl. 12.4.1971), Fritz Werner (vgl. 5.4.1971), beim Osram S-Werk (vgl. 5.4.1971), bei Siemens (vgl. 5.4.1971), bei SEL (vgl. 5.4.1971) und bei VDK (vgl. 5.4.1971).

Bei SEL (vgl. 12.4.1971), Siemens (vgl. 12.4.1971) und Spinnstoff Zehlendorf (vgl. 12.4.1971) wird die heutige Arbeiterversammlung um 17 Uhr aber als Teil des Vietnamprotests dargestellt (vgl. 16.4.19871, 17.4.1971).
=Klassenkampf - Ausgaben Fritz Werner, Osram S-Werk, (Siemens), SEL und (VDK) Nr.11 sowie Ausgaben Daimler-Benz Marienfelde, Osram S-Werk, SEL, Siemens und Spinne Nr.12,Berlin Apr. 1971

23.04.1971:
In Berlin soll die dritte der Arbeiterversammlungen der PL/PI im Sozialistischen Zentrum in der Moabiter Stephanstraße (vgl. 16.4.1971) heute zum Thema "Kurzarbeit - Entlassungen - Lohnabbau. Die Lage der Arbeiterklasse im Kapitalismus stattfinden. Berichtet wird darüber beim Siemens Dynamowerk (vgl. 26.4.1971).

Aufgerufen wurde von der PL/PI mit einem 'Klassenkampf'-Flugblatt (vgl. 19.4.1971) und u.a. im IGM-Bereich bei Daimler-Benz Marienfelde (vgl. 12.4.1971), Fritz Werner (vgl. 5.4.1971), beim Osram S-Werk (vgl. 5.4.1971), bei Siemens (vgl. 5.4.1971), bei SEL (vgl. 5.4.1971) und bei VDK (vgl. 5.4.1971).
=Klassenkampf - Ausgaben Fritz Werner, Osram S-Werk, (Siemens), SEL und (VDK) Nr.11, Ausgaben Daimler-Benz Marienfelde und Osram S-Werk Nr.12 und Flugblatt zur Arbeiterversammlung am 23.4.,Berlin Apr. 1971 bzw. o.J. (1971)

19.09.1971:
Die Berliner Proletarische Linke / Parteiinitiative (PL/PI) gibt ihren 'Klassenkampf Nachrichtendienst' Nr.4 (vgl. 3.10.1971) heraus. Dieses vom Sekretariat für Agitation und Propaganda in der Stephanstraße 60 erstellte wöchentliche interne Zirkular ist insbesondere für die Agitationsverantwortlichen der Zellen gedacht.
=Klassenkampf Nachrichtendienst Nr.4,Berlin 19.9.1971

01.11.1971:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr.20 des 'Klassenkampf' für November als Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 11.10.1971, Dez. 1971) in einer allgemeinen Ausgabe unter Verantwortung von R. Walkowski in der Stephanstr. 60.
=Klassenkampf Nr.20,Berlin Nov. 1971

Dezember 1971:
In Berlin erscheint vermutlich die Nr.21 des 'Klassenkampf' - vgl. 1.11.1971, März 1972) in einer allgemeinen Ausgabe und nun ohne den bisherigen Untertitel "Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative" (PL/PI) unter Verantwortung von R. Walkowski in der Stephanstr. 60.
=Klassenkampf Nr.21,Berlin Dez. 1971

16.12.1971:
Die KPD/ML-ZB führt in Berlin in den Moabiter Stephan-Lichtspielen eine Großveranstaltung u.a. zur Metalltarifrunde (MTR) durch, an der, nach eigenen Angaben, 400 Kollegen u.a. von Siemens, AEG, Schwartzkopff, Osram, NCR, AEG Turbine und Daimler-Benz teilnehmen.
=Rote Fahne Nr.25,Bochum 20.12.1971;
Der Rote Schaltwerker Nr.13,Berlin 4.2.1972


Februar 1972:
In Berlin erscheint erstmalig der 'Proletarische Weg' als theoretisches Organ der Proletarischen Linken (PL) für 2 DM unter Verantwortung von R. Walkowski in der Stephanstr.60.
=Proletarischer Weg Nr.1,Berlin Feb. 1972

22.02.1972:
Eine in Berlin stattfindende Mitgliederversammlung des Regionalkomitees Berlin der KPD wählt einstimmig die dritte Leitung des Regionalkomitees. Die Stadtteilgrundorganisationen werden aufgelöst, dafür werden Stadtteilleitungen in Neukölln, Kreuzberg, Moabit und Wedding eingerichtet (vgl. 25.2.1972).

Die KPD (vgl. 24.3.1972) berichtet:"
WESTBERLIN: 3.REGIONALKOMITEE EINSTIMMIG GEWÄHLT!

Am 22.Februar fand die 1.regionale Mitgliederversammlung nach Verlagerung der Parteizentrale in die BRD - in Westberlin statt.

Einstimmig wurde der Rechenschaftsbericht des 2.Regionalkomitees angenommen. Dieser Bericht faßt die Erfahrungen des Kampfes und die Schritte des Parteiaufbaus des vergangenen Jahres zusammen und legte in schöpferischer Anwendung des Rechenschaftsberichtes des ZK an die 4.Parteikonferenz (vgl. 5.2.1972,d.Vf.) auf die Bedingungen der Region Westberlin die Hauptaufgaben für die nächste Etappe fest.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Reorganisation der regionalen Parteiorganisation, die mit der Auflösung der Stadtteilgrundorganisationen, der Einrichtung von Stadtleitungen und der Gründung neuer Betriebszellen, einer Straßenzelle, sowie einer Zelle im Krankenhaus einen wichtigen Schritt zur Bolschewisierung der Partei bedeutet.

Nach demokratischer Konsultation in den Zellen wurde das 3.Regionalkomitee der KPD in Westberlin einstimmig gewählt."

Später (vgl. 25.4.1973) berichtet die KPD, daß im März 1972 in Berlin 4 neue Zellen gegründet wurden, wobei wir davon ausgehen, daß dies auf dieser Sitzung beschlossen wurde. Bei diesen Zellen handelt es sich um diejenige am Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK), die ja heute schon eine Zeitung herausgibt, um eine Straßenzelle Stephanstraße in Moabit und vermutlich um die aus der Aufteilung der bisherigen Konzernzelle AEG entstehenden Werkszellen bei der AEG, was allerdings schon Anfang Februar vor sich gegangen zu sein scheint (vgl. 31.1.1972).
=Rote Fahne Nr.37, 39 und 17,Berlin bzw. Dortmund 25.2.1972, 24.3.1972 bzw. 25.4.1973,S.10, S.2 bzw. S.*

März 1972:
In Berlin erscheint die Nr.23 des 'Klassenkampf - Ausgabe SEL' für März (vgl. Dez. 1971, Juni 1972) nun ohne den bisherigen Untertitel "Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative" (PL/PI) unter Verantwortung von R. Walkowski in der Stephanstr. 60.
=Klassenkampf - Ausgabe SEL Nr.23,Berlin März 1972

März 1972:
In Berlin richtet die KPD, nach eigenen sehr vagen Angaben, Stadtteilleitungen in Kreuzberg, Moabit, Neukölln und Wedding ein und gründet vier Zellen, u.a. in der Moabiter Stephanstraße (vgl. 10.3.1973,d.Vf.) und im Rudolf Virchow Krankenhaus (RVK) im Wedding.
=Rote Fahne Nr.17,Dortmund 25.4.1973,S.8

03.03.1972:
Für diesen Tag mobilisiert die Berliner KPD/ML-ZB zum Besuch ihrer ersten China-Filmveranstaltung (vgl. 7.3.1972), auf der 'Das Kanalsystem Rote Fahne' in den Stephan-Lichtspielen in der Moabiter Stephanstraße Nr.3 gezeigt wird:"
Vor allen Betrieben wurden dazu Karten verkauft. ... Vor dem Film hielt ein Vertreter der KPD/ML eine Rede über die Politik der VR China, den Aufbau des Sozialismus und die Kulturrevolution."

Die Betriebsgruppe Siemens Gartenfeld, die gerade einen Kantinenboykott durchführte, mobilisiert u.a. mit Hinweisen auf das Kantinenwesen in der VR China.
=Der Rote Blitz Nr.4,Berlin 16.3.1972;
Der Rote Gartenfelder Nr.3,Berlin 1.3.1972;
Rotlicht Nr.35,Berlin 1.3.1972;
Rote Turbine Extrablatt,Berlin 2.3.1972;
Rote Fahne Nr.6,Bochum 20.3.1972,S.6


03.03.1972:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe NCR der KPD/ML-ZB die Nr.7 ihres 'NCR Arbeiter' (vgl. 25.2.1972, 13.3.1972) heraus, die uns bisher leider noch nicht vorlag. Eingegangen wird auf einen Betriebsunfall. Vermutlich wird aufgerufen zum Chinafilm in Moabit, Stephan-Lichtspiele Stephanstraße Nr.3.
=Der NCR Arbeiter Nr.8,Berlin 13.3.1972

07.03.1972:
Für diesen Tag mobilisiert die Berliner KPD/ML-ZB zum Besuch ihrer zweiten Filmveranstaltung anläßlich des Besuchs von Nixon in der VR China, auf der 'Das Kanalsystem Rote Fahne' gezeigt werden soll (vgl. 3.3.1972):"
Die zweite Veranstaltung war noch besser besucht als die erste. In dem rund 300 Plätze fassenden Kino mußte eine Reihe von Kollegen und Genossen in den Seitengängen stehen und auf den Zwischenstufen des Filmsaals sitzen."

In einem Bericht über die beiden Veranstaltungen schreibt die KPD/ML-ZB:"
In der Nähe des Kinos waren Streifenwagen aufgefahren und notierten alle Autonummern in der Umgegend". Karten wurden u.a. heute im IGM-Bereich vor dem Tor von KWU verkauft.
=Der Rote Blitz Nr.4,Berlin 16.3.1972;
Rotlicht Nr.35,Berlin 1.3.1972;
Rote Turbine Extrablatt,Berlin 29.2.1972, 2.3.1972 bzw. 7.3.1972;
Der Rote Schaltwerker Nr.17,Berlin 6.3.1972;
Rote Fahne Nr.6,Bochum 20.3.1972,S.6


07.03.1972:
In Berlin gibt die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe bei KWU ein Extrablatt ihrer 'Roten Turbine' unter dem Titel "Die Methoden und Ziele der SPD-Betriebsräte bei Entlassungen" heraus, in dem eine weitere politische Entlassung, Walter Klitschka aus Abteilung 596, der verdächtigt wird, Kontakt zur KPD/ML-ZB zu haben, bekanntgemacht wird. Berichtet wird vom Siemens-Schaltwerk Berlin, angekündigt wird der Verkauf der eigenen 'Roten Fahne' (vgl. 9.3.1972).

Außerdem wird zum Besuch der heute stattfindenden China-Filmveranstaltung aufgerufen, zu der vermutlich morgens und nachmittags vor dem Tor Karten verkauft werden sollen.
=Rote Turbine Extrablatt,Berlin 7.3.1972

07.03.1972:
In Berlin erscheint die Nr.3 von 'Der Funke' (vgl. 11.4.1972), Zeitung der Jugendbetriebsgruppe Siemens-Wernerwerk des KJVD der KPD/ML-ZB, die auf ihren 8 Seiten unter Verantwortung von Horst Kwiatkowski u.a. zum Besuch der heute stattfindenden China-Filmveranstaltung der KPD/ML-ZB und des KJVD aufruft.

Für die nächste Woche wird die Veröffentlichung eines vorläufigen betrieblichen Kampfprogrammes angekündigt, die allerdings noch eine weitere Woche auf sich warten läßt.

Berichtet wird auch von einem Arbeitsgerichtstermin (vgl. 1.3.1972) wegen der Jugendvertretungswahl. Anhand von Verweisen bei Siemens wird der Sozialismus in Albanien propagiert. Für heute nachmittag wird der Verkauf des 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) angekündigt.
=Der Funke Nr.3,Berlin 7.3.1972

18.04.1972:
In Berlin führen KPD/ML-ZB und KJVD eine Veranstaltung zum 1.Mai und zu den Betriebsratswahlen (BRW) in Moabit, Stephanlichtspiele, Stephanstraße 3 durch. In der dort verabschiedeten Resolution heißt es:"
Keine Gemeinsamkeit kann es ... geben mit der 'KPD' - vormals KPD- Aufbauorganisation - die die Kriegspolitik der Bonner Imperialisten als 'friedliche Infiltration' bezeichnet und nicht sehen will, daß die SPD-Regierung mit ihren Maßnahmen dem Faschismus den Weg bereitet."
=Der Rote Gartenfelder Nr.10,o.Nr. bzw. o.Nr.,Berlin 14.4.1972,o.J. (17.4.1972) bzw. 24.4.1972;
Rotlicht Nr.42,Berlin 17.4.1972;
KPD/ML-ZB:Extrablatt der Betriebsgruppen der KPD/ML,Berlin o.J. (18.4.1972);
Der NCR-Arbeiter Nr.11,Berlin 14.4.1972;
Der Rote Schaltwerker Ausgabe heraus zum 1.Mai,Berlin o.J. (1972)


29.04.1972:
In Berlin möchte die KPD/ML-NE heute eine Maiveranstaltung in den Stephan-Lichtspielen in Moabit durchführen.
=Kommunistische Hochschulzeitung,Berlin 26.4.1972

Juni 1972:
In Berlin erscheint die Nr.26 des 'Klassenkampf - Ausgabe SEL' (vgl. März 1972, Aug. 1972) vermutlich im Juni unter Verantwortung von M. Peschke in der Stephanstr. 60.
=Klassenkampf - Ausgabe SEL Nr.26,Berlin o. J. (1972)

Juni 1972:
In Berlin erscheint die Nr.22 des 'Klassenkampf' als Zeitung der Proletarischen Linken (PL - vgl. Juli 1972) unter Verantwortung von R. Walkowski im SZ Stephanstr.60.
=Klassenkampf Nr.22,Berlin Juni 1972

Juli 1972:
In Berlin erscheint die Nr.23 des 'Klassenkampf' als Zeitung der Proletarischen Linken (PL - vgl. Juni 1972, Aug. 1972) unter Verantwortung von R. Walkowski im SZ Stephanstr.60.
=Klassenkampf Nr.23,Berlin Juli 1972

August 1972:
In Berlin erscheint die Nr.27 des 'Klassenkampf - Ausgabe SEL' (vgl. Juni 1972, Sept. 1972) vermutlich im August unter Verantwortung von M. Peschke in der Stephanstr. 60.
=Klassenkampf - Ausgabe SEL Nr.27,Berlin o. J. (1972)

September 1972:
In Berlin erscheint bei SEL vermutlich im September erstmals 'Der neue Klassenkampf - Zeitung der SEL-Arbeiter' (vgl. Aug. 1972, Okt. 1972) unter Verantwortung von H. Bär in der Moabiter Stephanstr. 60.
Zum alten 'Klassenkampf - Ausgabe SEL', lange von der mittlerweile aufgelösten PL/PI herausgegeben, heißt es u.a., zuerst "müssen wir uns alle einig werden ... . Beim Klassenkampf gibt es Leute, die das nicht einsehen wollten, deshalb blieben sie unter sich und die Zeitung wurde immer schlechter!"
=Der neue Klassenkampf o.Nr.,Berlin o.J. (1972)

Januar 1973:
An der FU Berlin gibt die MLHPol einen Sdr.druck 3 ihrer 'MLHPol Zeitung' (vgl. 13.11.1972, 29.1.1973) unter Verantwortung von Rosa Leviné, Stephanstr.60 und dem Titel "Der Kampf der Metaller und die Politik der Kommunisten" heraus. Zu den Organisationen des Bremer Kommuniques (BK,, späterer KBW) heißt es, deren Programmvorschlag (vgl. Nov. 1972) müsse ins Zentrum der Debatte gerückt werden.

Kritik wird geübt am KB, erwähnt wird eine eigene Sympathisantenveranstaltung zur MTR der IGM (vgl. Jan. 1973), von der von MAN Augsburg und KHD Köln berichtet wird und bekanntgegeben, daß man sei April 1972 die 'Wahrheit' des KB Bremen (KBB) verkaufe.
Beworben werden die 'Resultate' Nr.1 der SSG Hamburg (vgl. Dez. 1972).
=MLHPol Zeitung Sdr.druck 3,Berlin Jan. 1973

10.03.1973:
Die erste Straßenzelle der KPD, für die Stephanstraße in Berlin-Moabit, gibt zum ersten Male ihre 'Kommunistische Presse' heraus.
=Rote Fahne Nr.11 und 35,Dortmund 14.3.1973 bzw. 29.8.1973

14.03.1973:
Die KPD gibt die achtseitige Nr.11 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 7.3.1973, 20.3.1973) heraus. Aus Berlin wird u.a. auch von der ersten Straßenzelle der KPD berichtet (vgl. 10.3.1973), die in Moabit tätig ist. Dort arbeite man außer in der Stephanstraße auch im Gebiet Rostocker- und Bredowstraße, wobei jeweils ein Vietnamausschuß (VA) und ein Komitee gegen die 15-prozentige Mieterhöhung gegründet werden konnten. Die Gründungsversammlung der Ortsgruppe der LgdI sei von über 100 Personen besucht worden.
=Rote Fahne Nr.11,Dortmund 14.3.1973

27.06.1973:
In Berlin führen, laut KPD, ihr Rote Hilfe Komitee (RHK) und die Rote Hilfe Stephanstraße gemeinsam Kundgebungen vor dem Untersuchungsgefängnis und der Frauenhaftanstalt in der Lehrter Straße durch.
=Rote Fahne Nr.27,Dortmund 4.7.1973

05.07.1973:
In Berlin-Moabit will die KPD gemeinsam mit LgdI und dem Komitee Hände weg von der KPD eine Veranstaltung durchführen, zur KPD und den jüngsten Streiks. Der Titel lautet: "Einladung der Stadtteilleitung Moabit der KPD und ihrer Zellen", wobei es sich bei letzteren um die Betriebszelle KWU und die Straßenzelle Stephanstraße handelt. Diese Straßenzelle arbeite bzw. arbeitete in verschiedenen Massenorganisationen, wie der LgdI Ortsgruppe Moabit, den Vietnamausschüssen (VA) Stephanstraße und Bredowstraße, dem Nationalen Komitee Kampf den reaktionären Ausländergesetzen, dem Kampfkomitee gegen die Fahrpreiserhöhungen, zu der Kita in der Rathenower Str. und am Allgemeinen Krankenhaus (AK) Moabit. Für Rentner gebe es eine Kaffeerunde.
=Einladung der Stadtteilleitung Moabit der KPD und ihrer Zellen,Berlin o.J. (1973)

07.08.1973:
In Berlin gibt die KPD die Nr.5 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' der Siemens Werkszelle Wernerwerk Gebäude 1 heraus. Aus der 'Kommunistischen Presse' der Zelle Stephanstraße der KPD Nr.7 ist, anläßlich der Kampagne für Ulli Kranzusch, ein Artikel über die Rote Hilfe in der Weimarer Republik übernommen worden.
=Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe Siemens Wernerwerk Gebäude 1 Nr.5,Berlin 7.8.1973

08.08.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.32 (vgl. 1.8.1973, 15.8.1973) heraus. Aus Berlin wird u.a. berichtet über Rentner in der Moabiter Stephanstraße.
=Rote Fahne Nr.32,Dortmund 8.8.1973

22.08.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.34 (vgl. 15.8.1973, 29.8.1973) heraus. Die Zelle Stephanstraße Moabit berichtet aus dem Haus Stendaler Str.8.
=Rote Fahne Nr.34,Dortmund 22.8.1973

03.10.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.40 (vgl. 26.9.1973, 10.10.1973) heraus. Der Vietnamausschuß (VA) Moabit-Stephanstraße des NVK berichtet über ein Polizeirevier.
=Rote Fahne Nr.40,Dortmund 3.10.1973

März 1974:
Das Komitee gegen politische Disziplinierung und Entrechtung im Öffentlichen Dienst West-Berlin gibt seine 'Für freie politische Betätigung im Öffentlichen Dienst' Nr.3 (vgl. Jan. 1974, Juni 1974) unter Verantwortung von Renate Müller in der Stephanstr. 60 heraus.
=Für freie politische Betätigung im Öffentlichen Dienst Nr.3,Berlin März 1974

19.03.1974:
In Berlin möchte heute das Komitee gegen politische Disziplinierung und Entrechtung im Öffentlichen Dienst West-Berlin in der FHSS eine "Protestveranstaltung gegen politische Disziplinierung der Pädagogen im Kreuzberger Kinderhaus" durchführen, wozu am 16.3.1974 ein gleichnamiges Flugblatt erschien, für welches Rosa Levine in der Stephanstr.60 verantwortlich zeichnet.
=Komitee gegen politische Disziplinierung und Entrechtung im Öffentlichen Dienst West-Berlin:Protestveranstaltung gegen politische Disziplinierung der Pädagogen im Kreuzberger Kinderhaus,Berlin 16.3.1974

24.07.1974:
In der Nr.30 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 17.7.1974, 31.7.1974) berichtet die KPD u.a. über Parteitagsspenden. Diese gingen u.a. aus Moabit u.a. vom Sympathisantenzirkel Stephanstraße.
=Rote Fahne Nr.30,Dortmund 24.7.1974

11.11.1974:
In Berlin demonstrieren, laut und mit KPD/ML, mindestens 5 000 trotz Verbot zur Unterstützung des RAF-Hungerstreik (vgl. 14.11.1974). Laut und mit Spartacusbund (SpB) sind es 4 000 bis 5 000.

Laut KPD beteiligen sich über 5 000, u.a. von KPD, KBW und Rote Hilfe (RH) Stephanstraße an der verbotenen Demonstration.
=Kommunistische Volkszeitung 24,Mannheim 14.11.1974,S.3;
KOV-OL Dortmund:Holger Meins im Gefängnis ermordet!,Dortmund o.J. (13.11.1974),S.2;
Rote Fahne Nr.46,Dortmund 13.11.1974;
Spartacus Nr.11,Essen Dez. 1974;
Roter Morgen Nr.47,Dortmund 23.11.1974


Dezember 1974:
Das Komitee gegen politische Disziplinierung und Entrechtung im Öffentlichen Dienst West-Berlin gibt seine 'Für freie politische Betätigung im Öffentlichen Dienst' Nr.6 (vgl. Sept. 1974) unter Verantwortung von Harry B. Leonhardt in der Stephanstr. 60 heraus.
=Für freie politische Betätigung im Öffentlichen Dienst Nr.6,Berlin Dez. 1974

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