"Kommunist" - Organ des Kommunistischen Bundes/ML Westberlin (1970-1973)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 15.10.2017


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"Kommunist" hieß das (theoretische) Organ des Kommunistischen Bundes/Marxisten-Leninisten Westberlin. Der KB/ML wurde im Mai 1970 (vgl. Kommunist 1/70) gegründet. Er rekrutierte sich aus der West-Berliner Basisgruppenbewegung zu einer eigenständigen Gruppe in der Abgrenzung zur KPD/ML, zur KPD/AO und zur PE, nachdem es auf der RPK Arbeitskonferenz vom 6.12.1969 in West-Berlin zur Fraktionierung kam. Im Januar 1972 zerfiel der KB/ML (vgl. Kommunist 4/73).

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Mai 1970:
In West-Berlin erscheint Kommunist Nr. 1 als "Plattform des Kommunistischen Bundes/Marxisten-Leninisten".
In der Vorbemerkung heiß es u. a., dass durch "diese Veröffentlichung … die ideologische Auseinandersetzung mit anderen marxistisch-leninistischen Organisationen der BRD und in Westberlin" geführt werde. Die "Plattform" würde sich auf die "Theorie des Marxismus-Leninismus stützen, die bestimmt ist durch den "Aufbau der nationalen Kaderpartei". Die "Hauptaufgaben" seien: "Vorantreibung der theoretischen Arbeit zur Vorbereitung des Programms der Partei. Organisierung der bewußtesten Teile der Arbeiterklasse und Kaderbildung." Die "Plattform" sei auch dazu geeignet, die "Betriebsarbeit" aufzunehmen: "Über unsere Betriebsarbeit werden wir Auskunft geben im Verlauf der ideologischen und politischen Auseinandersetzung mit den anderen marxistisch-leninistischen Zirkeln bzw. regionalen Kaderorganisationen."

Inhalt des Organs ist:
"Vorwort
Einleitung

1. Teil: Die Notwendigkeit der marxistisch-leninistischen Kaderpartei im Stadium des Monopolkapitalismus
I. 1. Die Theorie des Marxismus-Leninismus
2. Der Grundwiderspruch des Kapitalismus
3. Das Proletariat als historisches Subjekt

II. Die marxistisch- leninistische Kaderpartei als revolutionäre Organisation des Proletariats
1. Die Notwendigkeit der Partei als bewußter und organisierter Vortrupp des Proletariats
2. Demokratischer Zentralismus
3. Theorie und Praxis der Partei
a) Programm der Partei
b) Strategie und Taktik, der Partei
c) Klassenanalyse

2. Teil: Wie können die Marxisten-Leninisten Westberlins die Organisierung des Proletariats in einer nationalen marxistisch- leninistischen Kaderpartei vorantreiben?

III. Aufbau der nationalen Partei

IV. Aufgaben und Prinzipien beim Aufbau der Kaderorganisation der Marxisten-Leninisten Westberlins
1. Die Theorie wird zur hauptsächliche Seite in der dialektischen Einheit von Theorie und Praxis
2. Theoretische und praktische Arbeit in der Organisation
3. Anwendung des demokratischen Zentralismus
4. Die Aufgaben des Zentralen Gremiums
5. Kaderlinie der Organisation
a) Anwendung der Kaderkriterien
b) Einhaltung der proletarischen Linie
c) Organisierung der einheitlichen Schulung
d) Konspiration
6. Arbeitsbereiche der Organisation

V. Abgrenzung zu den anderen proletarischen Organisationen
1. Abgrenzung zur KPD/ML
2. Abgrenzung zur KPD/AO
3. Abgrenzung zur PEI."
Quelle: Kommunist. Organ des KB/ML Westberlin, Jg. 1, Nr. 1, Westberlin 1970 (Plattform des Kommunistischen Bundes ML).

1973:

Es erscheint, von Ehemaligen des KB/ML Westberlin herausgegeben, der "Kommunist. Theoretisches Organ des Kommunistischen Bundes Westberlin", Sondernummer 4, mit dem Aufsatz: "Auflösung und Lernprozesse eines ML-Zirkels. Politische Erklärung von Genossen des ehemaligen KB/ML". Das Heft beschäftigt sich mit der Auflösung des KB/ML im Februar 1972.

Einleitend heißt es u. a.: "Die vorliegende Erklärung ist das Resultat eines fast einjährigen Lernprozesses, den eine Gruppe von Genossen des im Januar 1972 zerfallenen KB/ML durchgemacht hat. Dieser Lernprozeß ist außerordentlich langwierig gewesen. Der naturwüchsige und rasche Zerfall des KB von dessen Ursache die Rede sein wird, hat sowohl eine organisierte Transformation wie auch einen gemeinsamen und zielgerichteten Aufarbeitungsprozess unmöglich gemacht.

Die den KB sprengenden Tendenzen materialisierten sich zunächst so, daß die Arbeiter und Intellektuellen in den Betriebsgruppen ihre Arbeit ohne die Organisation -und, wie sich zeigen sollte, besser als mit ihr- fortsetzen und daneben in mehreren Restgruppen intellektuelle Genossen versuchten, sich über den Vorgang der Auflösung und ihre weiteren politischen Arbeitsperspektiven Klarheit zu verschaffen. Das erwies sich aber angesichts der bald zutage tretenden politischen Heterogenität und vor allem der Ratlosigkeit bei der Bestimmung der weiteren Arbeitsperspektive als sehr schwierig. Ein erster Erklärungsentwurf im März 1972 blieb aus den genannten Gründen unveröffentlicht. Im Rückblick ist allerdings festzuhalten, daß die Veröffentlichung jenes Entwurfs, auch mit all seinen Unvollkommenheiten, ein politisch richtiger Schritt gewesen wäre. Er hätte vor allem die schädlichen Wirkungen des plötzlichen Verschwindens eines Zirkels, der noch am Jahresende 1971 als kommunistische Avantgardeorganisation (zumindest nach außen) aufgetreten war, auf seine Sympathisanten und Mitglieder mildem können …"

Die Erklärung wird als Beitrag zur "gegenwärtigen Auseinandersetzung um Stand und Entwicklungstendenzen der Klassenkämpfe und die Funktionen von kommunistischen Arbeitergruppen und Intellektuellen" verstanden.

Desweiteren sollen die widersprüchlichen Erfahrungen im KB/ML mit dazu beitragen, die "tiefgreifenden Transformationen der ML Organisationen" zu verstehen. In den "Umrissen zur weiteren Arbeit", wird erklärt, dass man die "Ansätze betrieblicher und gewerkschaftlicher Arbeit" weiterentwickeln will, hin zu einer "oppositionellen Bewegung". Die "Hauptlinie" der Arbeit müsse darin bestehen, "die ersten Erfahrungen kollektiven Widerstands gegen das Kapital und der Kritik an der Gewerkschaftsführung zu konsolidieren."

Abschnitte der Sondernummer sind:
"Vorwort.
1. Zur Auflösung des KB/ML
a) Entstehung und Charakter der ML-Bewegung
b) Besonderheiten des Kommunistischen Bundes/ML
c) Die Auflösung des KB/ML und die Folgen

2. Vorüberlegungen zur politischen Orientierung einer kommunistischen Intellektuellengruppe

3. Skizze der Klassenkämpfe in Westdeutschland
a) Bedingungen der Kapital- und Klassenkampfentwicklung in der BRD und Westberlin
b) Ökonomische Lage und Kämpfe der Lohnarbeiter
c) Perspektiven und Aufbau der Kommunistischen Partei
d) Bewusstsein und Kämpfe der Arbeiterklasse

4. Umrisse unserer weiteren Arbeit."

Geworben wird u. a. für Schriften, die im Politladen Erlangen erhältlich sind, und weiter für: "Zur Klassenanalyse der Studenten. Bericht des Klassenanalyseprojekts einiger Genossen aus den MLSHs und dem ehemaligen KB/ML Westberlin", die im Februar 1973 erscheinen soll.
Q: Kommunist. Theoretisches Organ des KB/ML Westberlin, Jg. 4, Sondernummer 4, Westberlin 1973 (Auflösung und Lernprozesse eines ML-Zirkels).

Letzte Änderung: 16.10.2017