Westberlin:
Der Protest gegen die Abschiebung des TU-Studenten Takuya Yokoi nach Japan (1974/75)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 7.1.2016


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An dem Protest gegen die Abschiebung von Takuya Yokoi nach Japan, zu dem uns zahlreiche Dokumente vorlagen, beteiligten sich vermutlich sowohl in Berlin lebende Japaner als auch Kommilitonen, vor allem die Mitbewohner aus dem ESG-Studentenwohnheim Dauerwaldweg.

Als einzige linksradikale Gruppe berichtet zunächst, nach unserer wie immer lückenhaften Quellenschau, die KPD (vgl. 3.10.1974), einige ihrer Anhänger engagieren sich auch in dem Komitee, verlangen eine stärkere allgemeine Orientierung, weg von dem Einzelfall Takuya Yokoi auf das Ausländerrecht und auf die Repression allgemein.

Im Feb. 1975 allerdings taucht der KSV der KPD, im Gegensatz zur Abspaltung von KSV und KPD, dem Sozialistischen Plenum (SP), nicht mehr im Aufruferkreis, dem auch die KHG des KBW angehört, auf (vgl. 19.2.1975).

Nach einer längeren juristischen Auseinandersetzung wird die Abschiebung schließlich als rechtswidrig erklärt.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

03.10.1974:
In Berlin werden, laut KPD, der japanische Student Takuya Yokoi und seine Frau in einem Studentenheim durch das MEK verhaftet.
Quelle: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 9.10.1974, S. 2

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08.10.1974:
In Berlin rief die Studentische Selbstverwaltung Dauerwaldweg mit einem Flugblatt "T. Yokoi muss wieder nach Westberlin zurückkehren!" auf zur Kundgebung um 11 Uhr vor dem Japanischen Generalkonsulat in Dahlem, Wachtelstr. 8.
Q: Studentische Selbstverwaltung Dauerwaldweg: T. Yokoi muss wieder nach Westberlin zurückkehren!, O. O. (Berlin) o. J. (1974)

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28.10.1974:
Michiko Yokoi verfasst das Vorwort für die Broschüre "Dokumentation der Verschleppung des TAKUYA YOKOI durch die Polizei" die in Berlin vom Komitee: Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin zum Solidaritätspreis von 1 DM herausgegeben wird.

Enthalten sind die Abschnitte:
- "Brief von Takuya" vom 7.10.1974;
- "Vorwort" von Michiko Yokoi;
- "Die Verschleppung des Takuya Yokoi. Augenzeugenberichte";
- "Bericht von Takuya Yokoi über die Abschiebung";
- "Die Rechtslage im Fall Yokoi. Einschätzung";
- "Stellungnahme des Rechtsanwalts Kraetsch am 10.10.74";
- "Auszüge aus einem Interview mit Rechtsanwalt Moser am 11.10.74";
- "Die Solidarität bringt Takuya zurück! Aufgaben und Struktur des Komitees";
- "Verlauf der Unterstützungs- und Solidaritätsaktionen für Takuya";
- "Kleine Anfrage zum Fall Yokoi im Berliner Abgeordnetenhaus";
- "Presserklärung der ESG";
- "Erklärung zur Abschiebung des Japaners Takuya Yokoi" von Amnesty International (AI);
- "Ereignisse in Japan";
- "Bericht des Studentenpfarrers von seiner Japanreise";
- "Presse- und Rundfunkdokumente";
- "Rundfunkmanuskript"; sowie
- "Protesterklärung".
Q: Komitee: Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin: Dokumentation der Verschleppung des TAKUYA YOKOI durch die Polizei, Berlin o. J. (1974)

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07.11.1974:
In Berlin wird eine "Kleine Anfrage des Abgeordneten A. Gerl (SPD) über Ausweisung eines japanischen Studenten" zu Takuya Yokoi gestellt.
Q: Kleine Anfrage des Abgeordneten A. Gerl (SPD) über Ausweisung eines japanischen Studenten, Berlin 7.11.1974

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14.12.1974:
In Berlin lud eine japanische Gruppe, die den Prozess gegen die Ausweisung von Takuya Yokoi unterstützt, unter Mitarbeit des Komitee "Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin", ein zum Japanischen Kulturabend im ESG-Studentenwohnheim.
Q: Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin: Kritik zum Stand der Komiteearbeit, o.O. (Berlin) o.J.; Eine japanische Gruppe, die den Prozess gegen die Ausweisung von Takuya Yokoi unterstützt: Einladung zum japanischen Kulturabend, O. O. (Berlin) O. J. (1974)

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06.01.1975:
In Berlin wird vermutlich Ende dieser Woche im Studentenwohnheim Dauerwaldweg von Mitgliedern des Komitees "Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin" ein Flugblatt "Kritik zum Stand der Komiteearbeit" verfaßt, das sich u.a. mit der Veranstaltung am 14.12.1974 befaßt und aufruft zum Arbeitskreis zu Ausländerrecht und Polizeiterror am 8.1.1975.
Q: Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin: Kritik zum Stand der Komiteearbeit, o.O. (Berlin) o.J.

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13.01.1975:
In Berlin wird vermutlich in dieser Woche innerhalb des Komitees "Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin" ein Papier "Antwort des Komitees Takuya Yokoi auf das Kritikflugblatt (Entwurf)" verfaßt, das sich mit der Kritik der Gruppe um den KSV befaßt, alle Heimbewohner zur Diskussion am Donnerstag einlädt und über die Einladung an alle ausländischen Organisationen zur Diskussion am 19.1. über die Aktionswoche Anfang Februar berichtet.
Q: Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin: Antwort des Komitees Takuya Yokoi auf das Kritikflugblatt (Entwurf), o.O. (Berlin) o.J.

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19.01.1975:
In Berlin luden das Auslandspfarramt der ESG und das Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin für heute alle ausländischen Studentenvereinigungen zu einer Veranstaltung im Studentenwohnheim Dauerwaldweg ein, auf der Plattform des Komitees diskutiert werden soll. Vorgelegt wird dort vermutlich ein "Plattformvorschlag".
Q: ESG-Auslandspfarrmat, Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin: An alle ausländischen Studentenvereinigungen, Berlin o. J. (1975); N. N.: Plattformvorschlag, O. O. (Berlin) o. J. (1975)

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19.02.1975:
Zu einer Veranstaltung für Takuya Yokoi in der TU Berlin (TUB), Raum H 110, riefen die AELA Lateinamerika, der Afghanische Studentenverein (AfSV), die Äthiopische Studenten Union (ÄSU) West-Berlin, Iranischer Studentenverein (ISV-CISNU), KHG des KBW, eine japanische Gruppe, das Sozialistische Plenum (SP), die Studentische Selbstverwaltung Dauerwaldweg, der Südostasiatische Studentenverein, der Verein für internationale Studentenarbeit e.V., die AASPE Griechenland, der Provisorische Ausländerrat und das Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin u.a. mit einem Flugblatt "Sofortige Rückkehr von Takuya Yokoi nach Westberlin" auf.

Das Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin gab auch ein Flugblatt "Takuya Yokoi ein Terrorist?" heraus.
Q: AELA, AfSV, ÄSU u.a.: Sofortige Rückkehr von Takuya Yokoi nach Westberlin, Berlin o.J. (1975); Komitee Sofortige Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi nach Westberlin: Takuya Yokoi ein Terrorist?, Berlin o. J. (1975)

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10.05.1975:
In Berlin lud eine japanische Gruppe, die den Prozess gegen die Ausweisung von Takuya Yokoi unterstützt, unter Mitarbeit des Komitee für die Rückkehr des verschleppten Takuya Yokoi, zu einem japanischen Abend ein im Studentenwohnheim Dauerwaldweg der ESG ein. Gehalten werden sollen die Vorträge "Der Tenno Prozeß in Bonn. Ist der Tenno ein Kriegsverbrecher?" und "Japan in den Augen der asiatischen Völker". Gezeigt werden soll der Film Kashima Paradies zur Umweltverschmutzung.
Q: Eine japanische Gruppe, die den Prozess gegen die Ausweisung von Takuya Yokoi unterstützt: Einladung zum japanischen, O. O. (Berlin) o. J. (1975)

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08.05.1976:
In Tokio, Japan, verfasst Takuya Yokoi ein Schreiben an seinen Rechtsanwalt, welches auch hektographiert in Berlin verbreitet wird.
Q: Takuya Yokoi: Brief an Jürgen Moser, Tokio 8.5.1976

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09.07.1976:
In Tokio, Japan, verfasst Takuya Yokoi eine Erklärung, die auch hektographiert in Berlin verbreitet wird.
Q: Takuya Yokoi: Erklärung, Tokio 9.7.1976

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27.04.1977:
Die Erste Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin urteilt, dass das Eindringen in die Wohnung der Eheleute Yokoi zwecks Abschiebung von Takuya Yokoi und der Entzug seiner Freiheit rechtswidrig waren.
Q: VG Berlin: Urteil vom 27.4.1977

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Letzte Änderung: 29.06.2016