Konstanz: Chilesolidarität

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Von der Solidarität mit Chile in Konstanz können hier bisher nur wenige Dokumente erschlossen werden, wir bitten um Ergänzungen.

Das Chilekomitee Konstanz, in dem u.a. Anhänger der GIM (vgl. 11.5.1974) und des KBW mitarbeiten (vgl. 18.6.1974, 1.10.1974), befasst sich mit den vier chilenischen Flüchtlingen, denen die Landesregierung von Baden-Württemberg zunächst die Einreise verweigerte (vgl. 3.10.1974, 8.12.1974), wobei es dazu auch landesweite Proteste gibt (vgl. 9.11.1974) und sich die Chile-Komitees für die Unterstützung dieser Flüchtlingen sowie der weiteren ,dann durch die Landesregierung akzeptierten, koordinieren (vgl. 30.1.1975), wobei das Chilekomitee Konstanz eine wichtige Rolle gespielt zu haben scheint (vgl. 22.2.1975, 16.3.1975).

Der KBW unterstützt zwar weiterhin die Flüchtlinge (vgl. 20.5.1976) und engagiert sich weiterhin in der Chilesolidarität (vgl. 2.12.1976, 6.1.1977), überwirft sich aber offenbar mit dem Chilekomitee Konstanz (vgl. 2.9.1976, 11.9.1976) bzw. mit dessen Mehrheitsfraktion (vgl. 24.2.1977), in der die GIM einflussreich gewesen zu sein scheint (vgl. 28.2.1977).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

11.05.1974:
Auf dem süddeutschen Koordinationstreffen der Chile-Komitees am 11. Mai 1974 in Tübingen sind die Komitees Esslingen, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Mainz, Nürtingen, Reutlingen, Stuttgart und Tübingen vertreten, wobei die GIM nur in Nürtingen nicht am Ort präsent ist und die GIM Gruppen Heidelberg und Mainz noch nicht aktiv wurden.
Quelle: GIM: Organisationsinformationsbrief, O. O. 23.5.1974, S. 7

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18.06.1974:
In Frankfurt findet ein Treff der Chileverantwortlichen der GIM zur Vorbereitung des nächsten nationalen Treffs der westdeutschen Chilekomitees, das ursprünglich für den 16.6.1974 geplant war, statt, auf dem die bundesweite Demonstration am 14.9.1974 vorbereitet wird.

Berichtet wird:"
In Konstanz hat das stark vom KBW beeinflußte Komitee das Rieben-Interview aus der vorletzten WT in der Stadt verklebt und für Wandzeitung und Stände benutzt."
Q: GIM: Organisationsinformationsbrief Nr. 45, O. O. 21.6.1974, S. 31

01.10.1974:
In der GIM erscheint die Nr. 54 des 'Organisationsinformationsbrief' (OIB - vgl. 5.9.1974, 1.10.1974) mit der "Auswertung der Berichte der Gruppen zur Chilearbeit (10 Fragen des ZK vom 7./8. Sept.)", in der es auch heißt:"
Konstanz GIM initiativ, aber während der Kampagne im Schatten des KBW".
Q: GIM: Organisationsinformationsbrief Nr. 54, O. O. 1.10.1974, S. 44

03.10.1974:
Das Chile-Komitee Konstanz veröffentlicht die Broschüre "Chilenische Flüchtlinge nach Konstanz. Eine Dokumentation über die vier Fälle in denen die baden-württembergische Landesregierung die Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen für Chilenen seit Monaten systematisch verschleppt hat" zum Preis von 30 Pfennig.

Enthalten sind die Abschnitte:
- "Vorbemerkung";
- "Mario Duran Vidal";
- "Eduardo Arancibia Delâno";
- "Alicia Dominguez Diaz";
- "Benjamin Suárez Isla";
- "Verhalten der Landesregierung. Zum bisherigen Verfahren im Fall Duran";
- "Die Fälle Arancibia, Dominguez und Suárez";
- "Situation der Flüchtlinge aus Chile in Argentinien" aus den 'Chile-Nachrichten' Nr. 16 vom 22.5.1974;
- "General Prats in Buenos Aires ermordet";
- "Bisherige Solidaritätserklärungen und Aktionen" durch die Basisgruppen Geschichte/ Philosophie, Politik und Ökonomie sowie studentische Vollversammlungen an der Uni und durch die Amnesty International (AI) Gruppen Freiburg und Konstanz;
- "Auszüge aus den Resolutionen und Erklärungen vom Kleinen Senat der Universität und deren AStA sowie dem AI Landesbezirk.
- "Reaktionen von Presse und Radio";
- "Unsere Einschätzung des Verhaltens der Landesregierung"; sowie
- "Chilenische Flüchtlinge nach Konstanz".
Q: Chile-Komitee Konstanz: Chilenische Flüchtlinge nach Konstanz. Eine Dokumentation über die vier Fälle in denen die baden-württembergische Landesregierung die Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen für Chilenen seit Monaten systematisch verschleppt hat, Konstanz 3.10.1974

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09.11.1974:
In Stuttgart findet, laut und mit KPD, eine Demonstration für die Chile-Flüchtlinge in Konstanz statt, zu der auch das Chilekomitee Konstanz aufrief. Es beteiligen sich ca. 600 Personen.

Die KSG des KABD (vgl. Dez. 1974) berichten:"
Stuttgart: Mitte Oktober wurde bekannt, daß die CDU-Landesregierung seit 5 Monaten 4 chilenischen Wissenschaftlern die Berufung ins Lehramt und die Aufenthaltsgenehmigung verweigert.

Dagegen riefen wir von den KSG auf der Grundlage einer Aktionseinheitsplattform gemeinsam mit dem Stuttgarter Chilekomitee am 9. November zu einer Solidaritätsdemonstration auf.
Etwa 600 schlossen sich den von der Aktionseinheit vorgeschlagenen Parolen an:
- Sofortige Aufenthaltvisa für Vidal, Dominguez, Arancibia und Suarez
- Uneingeschränkte Aufnahm aller chilenischen Flüchtlinge in die BRD".
Q: Rote Fahne Nr. 45 und 46, Dortmund 6.11.1974 bzw. 13.11.1974; Roter Pfeil Nr. 7, Tübingen 1974, S. 23

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23.11.1974:
In der GIM erscheint die Nr. 61 des 'Organisationsinformationsbrief' (OIB - vgl. 9.11.1974). Geworben wird für die Dokumentation des Chilekomitee Konstanz.
Q: GIM: Organisationsinformationsbrief Nr. 61, O. O. 23.11.1974, S. 25

08.12.1974:
Heute ist Redaktionsschluß für die Nr. 1 der 'Chile Solidarität' (vgl. 16.3.1975). Es erscheint der Artikel "Baden-württembergische Landesregierung: Im Bündnis mit der Junta" vom Chile-Komitee Konstanz zu den vier Flüchtlingen.
Q: Chile Solidarität Nr. 1, Heidelberg o. J. (1974), S. 7

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30.01.1975:
Die Chile-Komitees Konstanz, Nürtingen, Heidelberg, Esslingen und Stuttgart führen eine Pressekonferenz durch, um den Beschluß der Landesregierung Baden-Württemberg, 100 chilenische Flüchtlinge aufzunehmen, bekannt zu machen (vgl. 24.1.1975).
Q: Chile Solidarität Nr. 2, Heidelberg o. J. (1975), S. 2

22.02.1975:
Die GIM gibt ihre 'Was tun' Nr. 70 (vgl. 7.2.1975, 5.3.1975) heraus . Berichtet wird:"
Als Auftakt für die nationale Kampagne für die Freilassung der politischen Gefangenen in Chile, initiiert durch die westdeutschen Chile-Komitees (…) sprach Luis Vitale in einer Reihe von Städten der BRD auf Veranstaltungen örtlicher Chile-Komitees. Wie groß noch immer das Interesse an der Situation in Chile ist, zeigte das große Echo, das diese Veranstaltungen gefunden haben: Knapp 1 000 in Berlin, rund 400 in Hamburg, etwa 500 in Heidelberg, fast 200 in Konstanz und 300 in Tübingen."
Q: Was tun Nr. 70, Frankfurt 22.2.1975, S. 2

16.03.1975:
Heute ist Redaktionsschluß für die Nr. 2 der 'Chile Solidarität' (vgl. 8.12.1974, 3.9.1975). Es erscheinen auch folgende:"
Kurznachrichten aus den Chilekomitees


Baden-Württemberg. Fünf Chile-Komitees aus Baden-Württemberg haben auf einem Treffen im Dezember 1974 beschlossen, einen Flüchtlingsrundbrief für alle Komitees in diesem Bundesland herauszugeben. Die Nr. 1 von 'El Refugiado' ist schon erschienen. Der Rundbrief soll die Erfahrungen und Perspektiven in der Flüchtlingsarbeit diskutieren. Die Redaktion liegt beim Chile-Komitee Konstanz."
Q: Chile Solidarität Nr. 2, Heidelberg o. J. (1975), S. 6

20.05.1976:
Die Ortsgruppe Konstanz des KBW gibt ihre 'Arbeitersache' als Ortsbeilage zur 'KVZ' Nr. 20 (vgl. 29.4.1976, 8.6.1976) heraus und fordert "Sofortige Einstellung von Mario Duran Vidal!", einem Chilenen an der Universität Konstanz.
Q: Arbeitersache Nr. 20, Konstanz o. J. (1976), S. 2

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02.09.1976:
Die Ortsgruppe Konstanz des KBW gibt ihre 'Arbeitersache' als Ortsbeilage zur 'KVZ' Nr. 35 (vgl. 17.6.1976) heraus mit den Artikeln "Chile-Solidarität: falsche Einheit" über eine Aktionseinheitsverhandlung am 20.8.1976 für die regionale Demonstration vom 11.9.1976, zu der auf Einladung des Chile-Komitees die KSG des KABD, Amnesty International, die Chile-Singegruppe; die Jusos, die KHG, und der KBW erschienen waren, wobei KHG und KBW auf der Forderung 'Keine imperialistische Einmischung in Chile!' bestanden, sich daher nicht beteiligten und "Chile: Vom Imperialismus unterdrückt und ausgeplündert" mit dem Aufruf zur Veranstaltung "Chile - Ein vom Imperialismus unterdrücktes Land" am 10.9.1976 im St. Johann.
Q: Arbeitersache Nr. 35, Konstanz 2.9.1976, S. 4ff

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11.09.1976:
Laut KB wird in Stuttgart zum dritten Jahrestag des Putsches in Chile eine regionale Demonstration durchgeführt. An ihr nehmen ca. 1 500 bis 2 000 Menschen teil:"
Die Initiative dazu übernahmen die baden-württembergischen Exil-Chilenen und das Stuttgarter Chile-Komitee."

Die Koordination der Chile-Komitees (vgl. 1.9.1976) kündigte an:"
Auf Initiative der Koordination der Chilenen in Baden-Württemberg wird am 11.9.76 in Stuttgart eine Solidaritätsdemonstration stattfinden (Beginn 10.00 Uhr, Mahnmal der Opfer des Nationalsozialismus). Auf der anschließenden Kundgebung werden ein Repräsentant des chilenischen Widerstands, Jakob Moneta von der IG Metall und ein Vertreter der baden-württembergischen Chile-Komitees sprechen. Für eine Nachmittagsveranstaltung sind neben kulturellen Darbietungen Beiträge von F. Mires und M. Duran Vidal vorgesehen."
Eine Aktionseinheit bildete sich auch in Konstanz, aber ohne den KBW (vgl. 2.9.1976).
Q: Arbeiterkampf Nr. 89, Hamburg 20.9.1976, S. 45; Arbeitersache Nr. 35, Konstanz 2.9.1976, S. 4;Chile Solidarität Nr. 5, Freiburg 1.9.1976, S. 6

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02.12.1976:
Der KBW Bezirk Bodensee gibt die 'KVZ-Bezirksbeilage Bodensee' (KVZ-OBL) Nr. 48 (vgl. 25.11.1976, 9.12.1976) heraus mit dem Artikel "Sozialdemokratische Heuchler versuchen die Entfaltung des Klassenkampfs zu verhindern" zur Chile-Veranstaltung der SPD Konstanz.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bodensee Nr. 48, Ravensburg o. J., S. 1f

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06.01.1977:
Der KBW Bezirk Bodensee gibt die 'Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bodensee' Nr. 1 (vgl. 23.12.1976, 20.1.1977) heraus mit den Artikeln "Konstanz. Spendet für die Widerstandspresse" und "Erfolgreiche Sammlung" zu Chile.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bodensee Nr. 1, Ravensburg o. J., S. 4

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24.02.1977:
Der KBW Bezirk Bodensee gibt die 'KVZ-Bezirksbeilage Bodensee' Nr. 8 (vgl. 17.2.1977, 1.3.1977) heraus mit dem Artikel "Konstanz. Ein antiimperialistisches Chile-Komitee aufbauen" zu dessen Spaltung in die Minderheitsfraktion, zu der auch der KBW gehört, und die 'Unorganisiertenfraktion' von GIM, Jusos und KB-Sympathisanten.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bodensee Nr. 8, Ravensburg 24.2.1977, S. 4

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28.02.1977:
In der GIM erscheint vermutlich in dieser Woche das 'Info zur Berufsverbotearbeit' Nr. 4 (vgl. 14.2.1977, 6.6.1977) mit dem "Bericht über BV-Arbeit in Konstanz", wo u.a. durch das Chilekomitee gegen das Berufsverbot gegen W. D. Vital gekämpft wurde. Gegen einen Fall am Sprachlehrinstitut der Universität wegen KPD/ML-Kontakt einer Ausländerin trafen sich im Juni 1976 DKP, GIM, KBW und Unorganisierte, insgesamt etwa 20 Beschäftigte der Uni. Nach den Ferien hatte die DKP dann mit Anhang eine eigene Arbeitsgemeinschaft gegründet, in der auch die GIM offiziell mit einem Vertreter und einem weiteren Mitglied als Vertreter des Chile-Komitees mitarbeitet.
Q: GIM: Info zur Berufsverbotearbeit Nr. 4, O. O. o. J. (1977), S. 9ff

Letzte Änderung: 11.09.2016