Heidelberg: Der Protest gegen die Fahrpreiserhöhungen der Heidelberger Strassen- und Bergbahn-Gesellschaft (HSB) im Jahr 1973

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 2.4.2016


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Von den Protesten gegen die Fahrpreiserhöhungen der Heidelberger Strassen- und Bergbahn-Gesellschaft (HSB) im Jahr 1973, die in der Folge derjenigen der Jahre 1969 und 1971 standen, können hier bisher nur wenige Hinweise erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Aktiv gegen die Fahrpreiserhöhungen wurden nach unserer Quellenauswertung vor allem der KBW bzw. seine örtliche Vorläufergruppe, die KG (NRF) sowie der KSV der KPD (vgl. 18.6.1973, 28.6.1973), der auch nach dem Abbruch der Kampagne durch den KBW noch weiter agitierte (vgl. 20.7.1973, 12.9.1973).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

02.03.1973:
Die KG (NRF) Mannheim / Heidelberg gibt ein Extra ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 1.3.1973, 8.3.1973) heraus mit dem Artikel "Fahrpreiserhöhung in HD geplant" zu den HSB.
Quelle: Arbeiter-Zeitung Extra Wir müssen noch mehr zahlen, Mannheim 2.3.1973, S. 1

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Juni 1973:
An der Universität Heidelberg gibt die Institutsgruppe Germanistik ihren 'Germanisten Kommentar' zum Preis von 20 Pfennig heraus mit dem Artikel "Weg mit den Preiserhöhungen bei der HSB!" wobei aufgerufen wird zur Veranstaltung (vgl. 27.6.1973) und zur Demonstration (vgl. 5.7.1973).
Q: IG Germanistik: Germanisten Kommentar, Heidelberg Juni 1973, S. 22

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14.06.1973:
Die Ortsgruppen Heidelberg und Wiesloch des KBW geben ein Extrablatt ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 12.6.1973, 20.6.1973) heraus unter der Schlagzeile "Kampf gegen Lohnraub und Preistreiberei!" zu den innerbetrieblichen Lohnerhöhungen bzw. Teuerungszulagen (TZL), die in über 100 Betrieben in Baden-Württemberg durchgesetzt worden seien sowie zu den Fahrpreiserhöhungen der HSB, gegen die die ÖTV-Betriebsräte zweier Betriebe im öffentlichen Dienst eine Demonstration gegen Lohnraub und Preistreiberei und für allgemeine Lohnerhöhungen gefordert haben.

Es erscheint auch der Artikel "Wieder Fahrpreiserhöhungen bei der HSB!".
Q: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Kampf gegen Lohnraub und Preistreiberei!, Heidelberg 14.6.1973, S. 1f

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18.06.1973:
Die KSV-Sympathisantengruppe Heidelberg gibt vermutlich in dieser Woche ihre Agitationsbroschüre "Kampf der staatlichen Preistreiberei. Weg mit den Fahrpreiserhöhungen bei der HSB" heraus.

Enthalten sind die Abschnitte:
- "Fahrpreiserhöhungen bei der HSB - Staatlich organisierter Lohnraub";
- "Wie begründen diese Herren ihre volksfeindlichen Beschlüsse?";
- "Kampf der staatlichen Preistreiberei!";
- "Der Staat plündert die werktätige Bevölkerung aus, um die Profite der Monopole zu sichern";
- "Den Kampf gegen die Preistreiberei mit dem Kampf um höhere Löhne verbinden!";
- "Die Lohn-Preis-Spirale ist in Wirklichkeit eine Preis-Profit-Spirale";
- "Keine Sozialstaatsillusionen - entschlossener Kampf gegen die Tariferhöhungen bei der HSB";
- "Den Kampf organisieren" wobei Roter Punkt Aktionen und Jusos kritisiert werden;
- "Organisierter Fahrpreisboykott!";
- "Die Massenarbeit entfalten!"; sowie
- "Den Zusammenschluß der kampfbereiten Massen in Kampfkomitees organisieren!".
Q: KSV-SG: Kampf der staatlichen Preistreiberei. Weg mit den Fahrpreiserhöhungen bei der HSB, Heidelberg o. J. (1973)

20.06.1973:
Die KHG Heidelberg / Mannheim / Karlsruhe gibt heute die Nr. 26 ihrer 'Kommunistischen Hochschulzeitung' (KHZ - vgl. 11.6.1973, 27.6.1973) heraus mit dem Artikel "Wieder Fahrpreiserhöhungen bei der HSB".
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 26, Heidelberg 20.6.1973, S. 7

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20.06.1973:
Die Ortsgruppen Heidelberg und Wiesloch des KBW geben ein Extrablatt ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 14.6.1973, 22.6.1973) heraus mit dem Leitartikel "Weg mit den Preiserhöhungen bei der HSB!" mit dem Aufruf zur Demonstration am 5.7.1973, dem Tag der Sitzung des Gemeinderats.

Weitere Artikel sind "Die Rationalisierung wird auch auf dem Rücken der HSB-Belegschaft vorangetrieben" und "Wie führen wir den Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen?".

Eingeladen wird zur Veranstaltung in Wiesloch am um 19 Uhr 30.
Q: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Weg mit den Preiserhöhungen bei der HSB!, Heidelberg 20.6.1973, S. 1f und 4

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20.06.1973:
Vom KBW wurde eingeladen zur Diskussionsveranstaltung "Der Kampf gegen Lohnabbau und politische Entrechtung" in Wiesloch um 19 Uhr 30 im Saal der Pfalz. Dort verabschieden die über 60 Anwesenden eine Resolution gegen die Fahrpreiserhöhungen der HSB.
Q: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Weg mit den Preiserhöhungen bei der HSB! und o. Nr. (1), Heidelberg 20.6.1973 bzw. o. J. (1973), S. 3 bzw. S. 2

22.06.1973:
Die Ortsgruppen Heidelberg und Wiesloch des KBW geben ein Extrablatt "Weg mit den Preiserhöhungen der HSB!" ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 20.6.1973, 2.7.1973) heraus mit dem Aufruf zur Großveranstaltung in der Stadthalle am 27.6.1973.

Resolutionen werden veröffentlicht vom Stadtjugendring (SJR) und der Mitgliederversammlung des GEW Bezirksverbands Heidelberg. Ein Zeitungsartikel berichtet von der Forderung der ÖTV-Vertrauensleute des MPI für Medizinische Forschung und des MPI für Kernphysik nach vorgezogenen Tarifverhandlungen und einer Demonstration auch gegen die Fahrpreiserhöhungen.
Q: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Weg mit den Preiserhöhungen der HSB!, Heidelberg 22.6.1973

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27.06.1973:
In Heidelberg besuchen, laut KHG über 900, laut KAJB 800, die Veranstaltung des KBW gegen die Fahrpreiserhöhungen um 19 Uhr 30 in der Stadthalle (vgl. 5.7.1973). Zuvor führten, laut KAJB, Schüler Straßenbahnblockaden durch.

Aufgerufen wurde auch durch die IG Germanistik (vgl. Juni 1973).
Q: IG Germanistik: Germanisten Kommentar, Heidelberg Juni 1973, S. 22; Kommunistische Jugendzeitung Nr. 7, Mannheim Juli 1973;Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 26, Heidelberg 20.6.1973

28.06.1973:
Die KSV-Sympathisantengruppe Heidelberg gibt vermutlich heute das Flugblatt "Veranstaltung verschoben" heraus, welches zum morgigen Bürgerforum zu den Fahrpreiserhöhungen bei der HSB und zur eigenen Veranstaltung (vgl. 3.7.1973) aufruft.
Q: KSV-Sympathisantengruppe Heidelberg: Veranstaltung verschoben, Heidelberg o. J. (28.6.1973)

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29.06.1973:
In Heidelberg soll ein Bürgerforum zu den Fahrpreiserhöhungen stattfinden, zu dem auch die KSV-Sympathisantengruppe Heidelberg (vgl. 28.6.1973, 29.6.1973) aufruft.
Q: KSV-Sympathisantengruppe Heidelberg: Veranstaltung verschoben, Heidelberg o. J. (28.6.1973)

29.06.1973:
Die KSV-Sympathisantengruppe Heidelberg gibt das Flugblatt "Weg mit den Fahrpreiserhöhungen bei der HSB!" heraus, das zum Bürgerforum um 20 Uhr in der Stadthalle aufruft.
Q: KSV-Sympathisantengruppe Heidelberg: Weg mit den Fahrpreiserhöhungen bei der HSB!, Heidelberg o. J. (29.6.1973)

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29.06.1973:
Die KHG Heidelberg gibt das Flugblatt "Heute Abend, Stadthalle 20.00 Bürgerforum zum Generalverkehrsplan" zu den Fahrpreiserhöhungen bei der HSB heraus.
Q: KHG: Heute Abend, Stadthalle 20.00 Bürgerforum zum Generalverkehrsplan, O. O. (Heidelberg) o. J. (29.6.1973)

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02.07.1973:
Vermutlich Anfang dieser Woche gibt die Kommunistische Schülergruppe (KSG) Heidelberg / Mannheim / Wiesloch (ex KSG (NRF)) die Nr. 12 ihres 'Schulkampfs' (vgl. 16.5.1973, Okt. 1973) heraus mit folgendem Leitartikel:"
KEINE FAHRPREISERHÖHUNG BEI DER HSB

Wie wohl inzwischen Allen bekannt ist kostet die Benutzung der Straßenbahn und Busse ab ersten August wesentlich mehr. Die Stadtverwaltung, die 99% der Aktien der HSB-Aktiengesellschaft besitzt, beschloß dies auf einer Gemeinderatssitzung mit 24 : 4 Stimmen. Die Gegenstimmen sind jedoch nur eine Farce, wenn man sieht, daß die CDU-Stadträtin Zutt , die gegen die Fahrpreiserhöhungen gestimmt hätte sich schon wenig später auf einer Versammlung gegen eine Protestresolution wandte.
Die Fahrpreiserhöhungen bei der HSB sind nur ein Teil des 'Notprogramms' der HSB. Gleichzeitig werden immer mehr Linien zu den Außenbezirken eingestellt und auf dem Rücken der HSB-Belegschaft Rationalisierungsmaßnahmen durchgeführt. Trotz andauernder gegenteiliger Beteuerungen des sozialdemokratischen Stadtrats wird die Demontage des öffentlichen Nahverkehrs verstärkt vorangetrieben.
Viele Schiller meinen, man müsse jetzt etwas dagegen unternehmen und der HSB und der Stadt zeigen, daß wir nicht gewillt sind, die Maßnahmen Sie, denken dabei an die erfolgreiche Rote-Punkte-Aktion 69. Ist eine Rote-Punkte-Aktion im jetzigen Augenblick sinnvoll ?

DIE LETZTEN BEIDEN ROTE-PUNKT-AKTIONEN

Die jetzigen Fahrpreiserhöhungen und Fahrplanverdünnung stehen nicht allein. Sie sind die Fortsetzung der Politik des SPD-Stadtrats, den öffentlichen Nahverkehr schrittweise einzuschränken. Und das HSB-Unternehmen, das, wie fast ,alle Verkehrsbetriebe wenig Profit abwirft, dadurch zu einer Geldquelle zu machen, daß die Preise ins Ungeheure erhöht werden. Schon 69 traf diese Politik auf die breite Empörung fast der gesamten Bevölkerung von Heidelberg. Der Empörung wurde Ausdruck gegeben in der teilweise aktiven Beteiligung der Bevölkerung an der, von den fortschrittlichen Studenten ins Leben gerufenen Rote Punkte-Aktion. Sie führte zum Boykott der HSB, der durch die Ausweichungsmöglichkeiten auf Rote Punkt-Autos möglich wurde. Warum gelang es 69 durchzusetzen, daß die Fahrpreiserhöhungen zurückgenommen wurden? 69 war die Empörung sehr breit gewesen und hatte vor allem in den Betrieben ihre Basis. Der DGB mußte sich hinter die Arbeiter stellen und es war abzusehen, daß die Unruhe in den Betrieben wachsen würde, wenn die Stadtbürokratie nicht nachgeben sollte. Als sich nach Tagen zeigte, daß die breite Protestbewegung nicht abnahm, sondern sich ausweitete, gab es für die Sozialdemokraten im Stadtrat keine andere Wahl mehr: die Fahrpreiserhöhung mußte zurückgenommen werden.

Anders 71.Die Rote Punkte-Aktion wurde isoliert von Studenten und Schülern durchgeführt. Dem Kampf in den Betrieben wurde zu wenig Bedeutung zugemessen, es wurden keine Anstrengungen unternommen, die Bewegung von den Betrieben her zuentfalten. So konnten die Studenten in ihren Aktionen zwar auf die Sympathie der Arbeiter und Werktätigen rechnen, aber durch deren passive Haltung konnte der Kampf ohne sie, deren Kampf einzig und allein den nötigen Druck auf die Stadtbürokratie ausüben konnte nicht gewonnen werden. Das Fehlschlagen der Rote Punkt-Aktion 71 lag nicht an der mangelhaften Durchführung des Rote Punkt-Verkehrs, sondern an der Isolation der Aktionen der Studenten und Schüler.

UNSER NÄCHSTES VORGEHEN

Wie wir aus den letzten Rote Punkte-Aktionen gelernt haben, können nur dann die Politiker und der Stadtrat gezwungen werden, ihre massenfeindlichen Beschlüsse zurückzunehmen wenn sich die Arbeiter und die anderen Werktätigen organisiert zur Wehr setzen und die Fahrpreiserhöhungen durch Streiks und Demonstrationen bekämpfen. Damit ist schon begonnen worden.
Aus Betrieben, Stadtteilen, Schulen und Hochschulen kommen Resolutionen, von Lehrlings - und Jugendarbeitsgruppen werden Forderungen an die Gewerkschaftsführung laut. Demonstrationen während der Arbeitszeit durchzuführen. Wir, die Schüler, dürfen uns nicht dazu verleiten lassen, anzunehmen, daß wir eine führende Rolle im Kampf gegen die HSB-Fahrpreiserhöhungen spielen können. Deshalb wäre es auch falsch, eine Planung von Schülerseite durchzuführen, wenn diese Planung nicht die aktuelle Lage in den Betrieben mit einbezieht und sie darauf abgestimmt wird.

Generell kann man sagen, daß es illusionär wäre, schon jetzt Aktionen, zB eine Blockade, zu planen, wenn noch gar nicht abzusehen ist, wie sich die Lage in den Betrieben entwickelt. Das bedeutet jedoch nicht, daß die Schüler jeden Schritt des Kampfes der Arbeiter kopieren müßten. Die Schüler sollten auf jeden Fall so oft und so stark wie möglich ihrem Protest Ausdruck verleihen, So wie zB am Mittwoch, 26.6. als Schüler die Straßenbahn kurz blockierten, Flugblätter verteilten und mit den Fahrgästen diskutierten, sich aber zurückzogen, als sie den Verkehr wirklich blockierten. Denn dies war auch nicht der Sinn dieser Aktion.
Das erste Ziel jedoch, das immer für jeden gelten muß, ist, eine möglichst große Masse von Menschen zu mobilisieren. Dies muß auf allen denkbaren Wegen geschehen, über KSVs, VVs, Elternbeiratssitzungen usw. Dem Stadtrat muß am 5.7. mit einer großen Demonstration der Protest der Heidelberger Bevölkerung gezeigt werden.

Machen wir die Protestbewegung so stark wie möglich, festigen wir die Kampffront auf allen Gebieten, damit die Stadtbürokratie die radikale Ablehnung der Fahrpreiserhöhungen nicht überhören kann.

Daß dies momentan noch nicht der Fall ist, sah man eindeutig auf dem Bürgerforum am vergangenen Freitag, wo Zundel und Co sich recht unbehelligt zurückziehen konnte, als die Bürger nicht wollten, wie er.
2 Tage vor dem Bürgerforum fand eine Veranstaltung des Kommunistischen Bundes Westdeutschland statt, zu der über 650 Menschen kamen. Nach einer begeisternden Rede eines Genossen von Harvester über den Kampf gegen den Lohnabbau und einem Referat über die volksfeindlichen Maßnahmen der Stadtbürokratie, dargestellt am Beispiel der HSB-Fahrpreiserhöhung, wurde über folgende Resolution diskutiert und abgestimmt:
Resolution 'KEINE FAHRPREISERHÖHUNG BEI DER HSB

Ab 1. August sollen die Fahrpreise der Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG wieder erhöht werden. Die beschlossenen Fährpreiserhöhungen gehen von 12,5% bei der Mehrfahrtenkarte (70 statt 62,5 pf.) bis zu 63,5% bei den Schüler- und Studentenmonatskarten. Am 14.6. hat der Gemeinderat diese Erhöhung mit 24 gegen 4 Stimmen beschlossen.
Die Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit dem vorgelegten Generalverkehrsplan.
Die Fahrpreiserhöhung trifft in einer Zeit allgemeiner Preissteigerung empfindlich die werktätige Bevölkerung, die zum größten Teil auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Auch diejenigen Familien sind betroffen, die über ein Kraftfahrzeug verfügen; denn die Familienmitglieder - Hausfrauen, Schüler, Lehrlinge, Rentner und Studenten - müssen die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.

Die HSB wird auf Kosten der Fahrgäste und der Belegschaft rationalisiert. Die Fahrpläne werden verdünnt. Immer seltener fahren die Straßenbahnen. Während der Hauptverkehrszeit sind die Wagen überfüllt. Für die Belegschaft bedeutet die Rationalisierung den drohenden Verlust der Arbeitsplätze und für die Weiterbeschäftigten verschärfte Arbeitshetze, z.B. wegen der schärferen Kalkulation der Fahrzeiten.

Die vom Gemeinderat beschlossene Fahrpreiserhöhung bedeutet einen weiteren Angriff auf die Lebensbedingungen der werktätigen Bevölkerung. überall steigen die Preise, der Preisanstieg liegt inzwischen bei 9% gegenüber dem Vorjahr. Die letzten Lohn- und Gehaltserhöhungen blieben nach Abzug der gestiegenen Steuer- und Sozialabgaben unter den allgemeinen Preissteigerungsraten für die Lebenshaltung. Während die Preise steigen, der Lohn real abgebaut wird, explodieren die Gewinne der Unternehmer. Die Arbeiter und Angestellten halten nicht mehr still. Das Haushaltsgeld wird immer knapper, gleichzeitig steigert sich ständig die Arbeitshetze in den Betrieben. Die Forderung nach sofortiger Lohnerhöhung erfasst immer breitere Teile der Werktätigen.

Das 'Stabilitätsprogramm' der SPD/FDP-Regierung und die staatliche Preistreiberei nützen nur den Kapitalisten und ihren Profiten. Für das Volk springen immer nur neue Belastungen heraus.

KAMPF DER AUSPLÜNDERUNG DES VOLKES DURCH DEN KAPITALISTISCHEN STAAT!
GEGEN STAATLICHE PREISTREIBEREI UND GEGEN LOHNABBAU!
FÜR EINE SOFORTIGE ERHÖHUNG DER LÖHNE, GEHÄLTEP UND RENTEN!
KEINE FAHRPREISERHÖHUNU BEI DER HSB!
SCHLUß MIT DER DEMONTAGE DES ÖFFENTLICHEN NAHVERKEHRS!
ZAHLT DAS HSB-DEFIZIT AUS DEN UNTERNEHMER-PROFITEN!

ALLE ZUR ZENTRALEN DEMONSTRATION AM 5.7.'

Außerdem wurde beschlossen, daß diese Resolution auf dem Bürgerforum zur Diskussion gestellt werden sollte.

Dies führte zum totalen Untergang Zundels und seiner Komplicen au dem Bürgerforum, weil unter keinen Umständen zugelassen werden sollte, den momentan wichtigsten Punkt des Generalverkehrsplans, der das Thema der Zundel-Show war, zu behandeln, obwohl dies fast der gesamte Saal verlangte. Zundel & Co wurden zusehends nervöser, als aus allen Ecken der Stadthalle Forderungen nach der Resolution kamen, und mußte schließlich zeitweise die Mikrophone im Saal abschalten lassen.
Dies und der Zynismus der Veranstalter, mit dem sie die Forderungen der Teilnehmer übergingen, steigerte natürlich den Zorn der Bürger. So blieb Zundel & Co nach rund einer Stunde des Ausweichens und des Abwiegelns nichts anderes übrig, als die Veranstaltung zu schließen.

Da die meisten wußten, daß vor der Stadthalle Polizei stand, war es vernünftig, die Stadthalle zu verlassen, als Zundel die Teilnehmer dazu aufforderte. Der Reporter des Süddeutschen Rundfunks, der eine Übertragung des Bürgerforums machte, schloß traurig mit den Worten, daß hier eine kleine Minderheit es den am Generalverkehrsplan interessiert und nicht an der Straßenbahn interessierten Bürgern unmöglich gemacht habe, ihre Fragen zu diskutieren. Die lauten Sprechchöre der Teilnehmer wurden selbstverständlich vorher ausgeblendet…

Selbst denjenigen, die vorher noch etwas von Zundel gehalten hatten, wurde spätestens jetzt klar. daß die Bürgerforen nur eine Alibi-Funktion für Zundel und seine Pläne haben sollen und wirkliche Forderungen der Bürger eiskalt übergangen werden."
Q: Schulkampf Nr. 12, Heidelberg o.J. (1973), S. 1f

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02.07.1973:
Die Ortsgruppen Heidelberg und Wiesloch des KBW geben ein Extrablatt ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 22.6.1973, 11.7.1973) heraus mit dem Leitartikel "Jeder zur Demonstration am 5.7.! 17 Uhr Bismarckplatz".

Weitere Artikel sind:
- "Zundel verhindert Diskussion beim Bürgerforum" und
- "DGB-Funktionäre Neumann, Wiechmann und Stein - klägliche Büttel Zundels".
Q: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Jeder zur Demonstration am 5.7.! 17 Uhr Bismarckplatz, Heidelberg 2.7.1973, S. 1f

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05.07.1973:
In Heidelberg beteiligen sich, laut KAJB, über 3 000 an einer Demonstration gegen die Fahrpreiserhöhungen (vgl. 27.6.1973, 20.7.1973), neben einem selbst und dem KBW waren u.a. auch die Judos der FDP, die Juso-AG's Altstadt, Rohrbach, Pfaffengrund und Plankstadt der SPD, der Bund der deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die Stadtteilzeitung Altstadt und das Gremium Heidelberger Schülersprecher mit von der Partie. Laut KBW demonstrieren 3 000.

Aufgerufen wurde auch durch die IG Germanistik (vgl. Juni 1973) sowie mit einem anonymen, vermutlich vom KBW stammenden, Flugblatt "Aus den Erfahrungen der letzten Jahre lernen! Den Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen organisieren! 5.7. Demonstration".

Laut der Sympathisantengruppe Heidelberg des KSV der KPD beteiligen sich ca. 3 000 an der Demonstration. Danach hätten aber sowohl der KBW als auch die Jusos der SPD den Fahrpreiskampf aufgegeben, nicht aber der KSV.
Q: IG Germanistik: Germanisten Kommentar, Heidelberg Juni 1973, S. 22; Rote Fahne Nr. 32, Dortmund 8.8.1973, S. 5;Kommunistische Jugendzeitung Nr. 7, Mannheim Juli 1973, S. 4ff;Arbeiter-Zeitung - Beilage der Kommunistischen Volkszeitung für Heidelberg und Wiesloch o. Nr. (1), Heidelberg o. J. (1973), S. 1f;N. N.: Aus den Erfahrungen der letzten Jahre lernen! Den Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen organisieren! 5.7. Demonstration, O. O. (Heidelberg) o. J. (1973)

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05.07.1973:
Zur Demonstration in Heidelberg gegen die Fahrpreiserhöhungen der HSB rufen in Wiesloch neben dem KBW, der sich die Initiative dazu anrechnet, auch die Jusos Wiesloch, KAJB (NRF), KSG (NRF), Basisgruppe Gymnasium Wiesloch und die Aktion Sozialliberaler Schüler (ASLS) Wiesloch auf.
Q: Arbeiter-Zeitung - Beilage der Kommunistischen Volkszeitung für Heidelberg und Wiesloch o. Nr. (1), Heidelberg o. J. (1973), S. 2

06.07.1973:
Die KHG Heidelberg / Mannheim / Karlsruhe gibt die Nr. 27 ihrer 'Kommunistische Hochschulzeitung' (vgl. 2.6.1973, 17.10.1973) heraus mit dem Artikel "Weg mit den Fahrpreiserhöhungen bei der HSB!" in Heidelberg (vgl. 27.6.1973).
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 27, Heidelberg 6.7.1973, S. 14

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09.07.1973:
Die KHG Heidelberg gibt vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Demonstration gegen die Fahrpreiserhöhung - wie geht es weiter?" zur Demonstration vom 5.7.1973 heraus. Angegriffen wird der KSV, angekündigt eine Broschüre zu den Fahrpreiserhöhungen der HSB.
Q: KHG: Demonstration gegen die Fahrpreiserhöhung - wie geht es weiter?, Heidelberg o. J. (1973)

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11.07.1973:
Die Ortsgruppen Heidelberg und Wiesloch des KBW geben zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 1 eine 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 12.9.1973) als Beilage heraus mit dem Leitartikel "Demonstration gegen Fahrpreiserhöhung: Wie geht es weiter?" zur Demonstration vom 5.7.1973 und den Artikeln "DGB-Funktionäre Neumann, Wichmann, Stein - voll hinter HSB-Maßnahmen", "Protest aus HSB-Belegschaft gegen Preiserhöhung und Demontage" und "14.7. Demonstration in Wiesloch" gegen die Fahrpreiserhöhungen der HSB.
Q: Arbeiter-Zeitung - Beilage der Kommunistischen Volkszeitung für Heidelberg und Wiesloch o. Nr. (1), Heidelberg o. J. (1973), S. 1f

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13.07.1973:
Die KHG Heidelberg gibt ein Extra ihrer 'Kommunistischen Hochschulzeitung' (KHZ - vgl. 9.7.1973, 29.8.1973) heraus mit dem Leitartikel "Lehren aus der HSB-Kampagne" zu den Fahrpreiserhöhungen.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Extra Lehren aus der HSB-Kampagne, Heidelberg 13.7.1973

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14.07.1973:
Zur Demonstration in Wiesloch gegen die Fahrpreiserhöhungen der HSB ruft der KBW auf.
Q: Arbeiter-Zeitung - Beilage der Kommunistischen Volkszeitung für Heidelberg und Wiesloch o. Nr. (1), Heidelberg o. J. (1973), S. 2

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20.07.1973:
In Heidelberg wird, laut KPD, ein Kampfkomitee "Weg mit den Fahrpreiserhöhungen" (vgl. 5.7.1973) gegründet, in dem die KSV-Sympathisantengruppe mitarbeitet. Dieses Komitee verkauft, laut KSV, bis Anfang August 1 000 Broschüren und über 5 000 Plaketten.
Q: Rote Fahne Nr. 32, Dortmund 8.8.1973

12.09.1973:
Die Ortsgruppen Heidelberg und Wiesloch des KBW geben zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 2 eine 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 11.7.1973, 26.9.1973) als Beilage heraus mit den Artikeln "Ein Beispiel des Sektierertums" zu den Angriffen der KSV-Sympathisantengruppe der KPD auf das Aktionskomitee gegen die Fahrpreiserhöhungen der HSB und dem Fahrpreisboykott des KSV ab 1.8.1973 und "Rationalisierung bei der HSB".
Q: Arbeiter-Zeitung - Beilage der Kommunistischen Volkszeitung für Heidelberg und Wiesloch o. Nr. (2), Heidelberg o. J. (1973)

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Letzte Änderung: 13.02.2017