1. Mai in Mannheim

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Mannheim zeichnet sich anderen Städten gegenüber dadurch aus, dass es nicht nur eine relativ starke, Ende der sechziger Jahre in die Sozialdemokratie untergetauchte trotzkistische Gruppe der späteren GIM gibt, sondern auch recht früh schon die Gruppe Roter Morgen (GRM) Mannheim, von deren Maiaktionen dann natürlich auch der 'Rote Morgen' der späteren KPD/ML berichtet (vgl. 1.5.1968) und ebenfalls auf marxistisch-leninistischem Kurs auch eine Rote-SDAJ-Opposition. Diese gründet mit Gruppen aus anderen Städten die RJ(ML), die dann zum 1. Mai 1969 offenbar auch mit dem SDS aus Heidelberg zusammenarbeitet (vgl. 28.4.1969, 1.5.1969), im Gegensatz zu den Mannheimer Trotzkisten (vgl. Mai 169, Aug. 1969).

Diese, wie immer äußerst unvollständige, Darstellung stellt nun einerseits den Maiaufruf der KPD/ML-ZK Mannheim vor (vgl. 27.4.1970), der offenbar nicht wirklich massenwirksam war (vgl. 1.5.1970). Auch der mittlerweile aus den Reihen der RJ/ML heraus gegründete KAB(ML) (vgl. Apr. 1970) scheint nicht wesentlich mehr Menschen auf die Beine zu bringen. Es könnte an den falschen 1. Mailosungen gelegen haben, die zumindest zum wohlfeilen Argument hinreichen für die Trennung der Tübinger Fraktion des KAB(ML) von ihren einstigen Mannheimer Genossen (vgl. 7.6.1970), die dann anschließend der geneigten Öffentlichkeit gar noch als Kriminelle kolportiert werden (vgl. 7.6.1970, 18.7.1970).

Zwar leugnen die Beschuldigten offenbar beharrlich sowohl ihre angeblichen Verbrechen wie auch die falschen Parolen zum 1. Mai (vgl. 20.7.1970), aus ihren eigenen Reihen heraus aber bricht sich angesichts dieser Abweichungen umgehend die neue Vertretung der revolutionären Linie in Gestalt der RJ(ML) Mannheim Bahn (vgl. 12.8.1970), wobei selbst entfernteren Beobachtern die gravierenden Unterschiede der Mailosungen innerhalb der Gruppen des KAB(ML) aufzufallen scheinen (vgl. Sept. 1970).

Für das Jahr 1971 scheinen die Fronten klar. Die RJ/ML des KAB/ML hat sich von der Strähle-Gruppe - die mittlerweile als KPD/ML-ZB auftritt - getrennt und reorganisiert und auch ein Maikomitee mit gegründet, wobei ihre Mitwirkung aber offenbar durch eingedrungene 'Agenten', hier vorerst nicht zu klärender Auftraggeber, obstruiert wird (vgl. Apr. 1971).

Trotzdem scheinen die RJ/ML Mannheim und der KAB/ML Mannheim zum 1. Mai 1971 ihre Anfeindungen durch den 'Agenten' überwunden und an der weitaus größeren Demonstration teilgenommen zu haben, während die KPD/ML-ZB Mannheim offenbar gemeinsam mit der KPD/ML-ZK und den aus Heidelberg inspirierten SDSlern marschiert (vgl. 1.5.1971). Die GIM und RKJ unterscheiden die RJ/ML und die KPD/ML durchaus trennscharf und mobilisieren selbst zur DGB-Demonstration (vgl. 19.4.1971, 26.4.1971, 28.4.1971).

Zum 1. Mai 1972 hat sich die Kommunistische Gruppe (Neues Rotes Forum) Mannheim/Heidelberg von Heidelberg ausgehend auch in Mannheim etabliert, erläßt Maiaufrufe allgemein (vgl. 27.3.1972) und auch in ihrer betrieblichen Presse (vgl. 17.4.1972, 28.4.1972), obwohl das Echo aus Hamburger Sicht bescheiden, aber aus Freiburger Perspektive durchaus erfolgreich erscheint (vgl. 1.5.1972). Der KAB/ML agitiert zum 1. Mai bei BBC (vgl. 24.4.1972).

Für die KPD/ML-ZK, die zum 1. Mai 1972 gemeinsam mit der ehemaligen Gruppe der KPD/ML-ZB Mannheim agiert (vgl. 21.6.1972) , gibt es später Kritik (vgl. Aug. 1972) für die Behauptung, mit einer noch innerhalb der KPD/ML-ZB verankerten Ortsgruppe bereits die gemeinsame Front geschmiedet zu haben.

Auch eine gemeinsame Front zwischen KG (NRF) sowie KB Bremen einerseits und dem Hamburger KB andererseits scheitert offenbar u.a. an den lokalen Rivalitäten (vgl. Jan. 1973).

So bleibt Mannheim bevorzugtes Aktionsterrain der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg, die 1973 in ihrem Maiaufruf eine Verschlechterung der Lage der Werktätigen beklagt (vgl. 9.4.1973), und den 1. Mai 1973 in Mannheim gemeinsam mit ihren Massenorganisationen begeht (vgl. 12.4.1973, 15.4.1973, 30.4.1973), Mai 1973, 1.5.1973), offenbar die DGB-Demonstration dominierend, sollte der KPD/ML-ZK Glauben geschenkt werden.

Realistischer allerdings erscheinen Berichte über rund 500 NRF- bzw. für das Jahr 1974 dann KBW-Anhänger, unter denen sich im Jahr 1975 dann auch uniformierte Soldaten befinden, was zur Repression Anlass bietet (vgl. 1.5.1975, 5.5.1975).

Der KABD agitiert 1973 zum 1. Mai wiederum bei BBC (vgl. 24.4.1973) und führt eine Veranstaltung in Ludwigshafen durch.

Die Versuche der KPD für den 1. Mai 1976 ein Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter zu gründen (vgl. 12.4.1976), enden nach unserer unvollständigen Quellenauswertung, nicht in berichtenswerten Blöcken auf der DGB-Demonstration (vgl. 1.5.1976), sondern allein in Auseinandersetzungen mit DGB, DKP und KBW (vgl. 21.6.1976).

Der KABD, ehemals KAB(ML) Mannheim, von dem hier derzeit für einige Jahre kein 1. Maibericht erstattet werden kann, hat sich offenbar bis 1977 konsolidiert (vgl. 1.5.1977) und geht sogar zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung offenbar Bündnisse mit dem Kleinbürgertum bzw. auf kleinbürgerliche Weise Denkenden ein (vgl. 1.5.1979).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

01.05.1968:
Laut 'Roter Morgen' demonstrieren "mit einem eigenen Marschblock in Mannheim revolutionäre Arbeiter und Studenten zur Mai-Kundgebung des DGB. Dutzende rote Fahnen wurden im Zug mitgeführt. … Als der Zug den Kundgebungsplatz erreichte, bildeten die dort bereits versammelten Arbeiter Spalier und stimmten in die Internationale ein".
Quelle: Roter Morgen, Hamburg Mai 1968, S. 7

28.04.1969:
In Heidelberg gibt die SDS-Betriebsprojektgruppe eine Ausgabe der 'Roten Kommentare' (vgl. 13.5.1969) "Für die Betriebe, Schulen und Hochschulen Heidelbergs und Mannheims" heraus unter der Schlagzeile "Zur Vorbereitung des 1. Mai" mit dem Aufruf zu den sozialistischen Maidemonstrationen in Heidelberg und Mannheim. Aus Spanien wird dokumentiert das "Flugblatt der revolutionären Arbeiter vom Bajo Llobregat" vom März 1969 zum 1. Mai.

Geworben wird für die Broschüre "Arbeiteragitation".
Q: Rote Kommentare Zur Vorbereitung des 1. Mai, Heidelberg 28.4.1969

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Mai 1969:
Vermutlich im Mai erscheint erstmals das 'ZAK-Info' als Mitteilung für die Gruppen des Zentralen Aktionskomitees mit dem Artikel "Betriebsprojektgruppe Tübingen". Berichtet wird darin auch: "Das sektiererische Verhalten der Trotzkisten im ZAK (sie bekämpfen z. B. die 1. Mai-Kundgebung der Linken in Mannheim, warfen ihnen 'Handwerkelei' und 'Abenteurertum' vor, und ließen sich durch Mittelsmänner entschuldigen, an der Kundgebung gegen die gewerkschaftliche Mitbestimmungsforderung nicht teilnehmen zu können. Der Grund für dieses Verhalten liegt wohl darin, daß sie, ähnlich wie die Revisionisten, prinzipiell innerhalb der Gewerkschaften arbeiten und deshalb schlecht öffentlich Kritik an der DGB-Politik üben können), führte z. B. im Esslinger RC zu einer Abgrenzung gegenüber den Trotzkisten."
Q: ZAK-Info 1, Tübingen o. J. (1969), S. 7

01.05.1969:
In Mannheim veranstalten, laut RJ/ML, die Basisgruppen Betrieb gemeinsam mit den Heidelberger Studenten eine eigene Kundgebung und demonstrieren danach mit 600 Personen durch die Innenstadt. Anschließend führen sie noch ein Teach In durch. Die deutsche Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale ist derselben Ansicht, beteiligt sich aber nicht.

Der DGB habe eine Kundgebung veranstaltet, an der auch die DKP teilnahm.
Q: Rebell Nr. 9, Mannheim Mai 1969, S. 2f; Zentralredaktions-Rundbrief Nr. 14, o.O. Aug. 1969

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August 1969:
Innerhalb der deutschen Sektion des Vereinigten Sekretariats (VS) der Vierten Internationale erscheint der 'Zentralredaktions-Rundbrief' Nr. 14 (vgl. 15.7.1969). Aus Mannheim wird kundgetan, daß man mit der Betriebsprojektgruppe (BPG) weder am 1.Mai noch bei zwei von dieser vorbereiteten Streiks (u.a. John Deere) zusammengearbeitet habe, eventuell aber in gewisser Zeit wieder in der BPG mitarbeiten wolle.
Q: Zentralredaktions-Rundbrief Nr. 14, o.O. Aug. 1969

April 1970:
Die Lehrlingsgruppen Mannheim und Ludwigshafen der RJ (ML) geben vermutlich im April das Flugblatt "Wehrt Euch gegen das Berufsbildungsgesetz" heraus zum BBiG. Verwiesen wird auf die beiden ersten Flugblätter zu BBiG und Stufenplan.

Aufgerufen wird zum 1. Mai in Mannheim, wo die RJ (ML) einen eigenen Block auf der Demonstration der Gewerkschaften bilden werde, dem sich die Lehrlingsgruppe Ludwigshafen anschließen werde.
Q: RJ(ML): Wehrt Euch gegen das Berufsbildungsgesetz, Mannheim / Ludwigshafen O. J. (1970)

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27.04.1970:
Die OG Mannheim der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK gibt spätestens Anfang dieser Woche das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A 4 mit der Kontaktadresse Emil Ludwig, Mannheim 1, F 5,4 heraus:"
1.MAI KAMPFTAG DER ARBEITERKLASSE
ZERSCHLAGT DIE KAPITALISTISCHE AUSBEUTERORDNUNG!

Das internationale Proletariat und die internationalen revolutionären Kräfte stehen heute im Kampf gegen zwei Hauptfeinde: Den USA-Imperialismus und den Sowjetrevisionismus (SU, d.Vf.). Beide haben die Welt zur Unterdrückung und Ausbeutung der Völker in Einflußsphären untereinander aufgeteilt. Zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit der Völker bedienen sie sich rücksichtslos ihrer gewaltigen Militärapparate. Die einen reden von 'Freiheit' und 'Demokratie', die anderen mißbrauchen das Wort Sozialismus zur Tarnung ihrer imperialistischen Ziele.

Trotz dieses imperialistischen Komplotts greifen die revolutionären Befreiungsbewegungen der Völker immer mehr um sich und versetzen den reaktionären Kräften in der Welt ständig härtere Schläge. Die revolutionären Erhebungen der für ihre Befreiung kämpfenden Volksmassen zwingen den USA-Imperialismus, seinen Militär- und Polizeiapparat ständig zu verstärken, um diese Bewegung auch im eigenen Land zu unterdrücken. Es zeigt sich immer deutlicher sein offen faschistischer Charakter.

Die nationale Lage Deutschlands ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein getreues Abbild der Weltlage. Während der westliche Teil Deutschlands zum Einflußgebiet des USA-Imperialismus gehört, gehört der östliche Teil zum Einflußgebiet des sowjetischen Sozialimperialismus. In der DDR, auf die sich zum Zeitpunkt ihrer Gründung die hoffnungsvollen Blicke des westdeutschen und internationalen Proletariats richteten, ist durch die Führungsclique der SED die Weiterführung des Klassenkampfes verhindert worden. Sie hat versäumt, die alte Bourgeoisie restlos zu zerschlagen und hat es zugelassen, daß eine neue Bourgeoisie sich etabliert. Statt Klassenkampf - Ökonomismus. Statt ideologischer Revolutionierung der Massen - Bürokratismus und Förderung bürgerlichen Denkens. Darüberhinaus hat sie die nationalen Interessen der deutschen Arbeiterklasse in zunehmendem Maße an die sowjetischen Sozialimperialisten verkauft und schreckt nicht einmal davor zurück, sich an deren militärischen Abenteuern zu beteiligen.

Die herrschende Klasse in Westdeutschland verschärft mehr und mehr ihren Terror gegen das Volk. Notstandsgesetze (NSG - vgl. 31.5.1968,d.Vf.), Einsatz von Schußwaffen und Tränengas gegen Demonstranten sowie Schutzhaftbestimmungen sind Mittel, mit denen die herrschende Klasse ihre angeschlagene Stellung zu retten versucht. Während das Großkapital seine Profite ständig steigert, halten die Lohnerhöhungen für die Arbeiterklasse nicht einmal mit den Preis- und Mieterhöhungen Schritt.

Die dem Monopolkapital hörige Führung der Gewerkschaften fordert die Arbeiterklasse zur 'Mitbestimmung' an der Profitsteigerung der Monopolbourgeoisie auf, um die Arbeiterklasse von ihren Klasseninteressen abzulenken, die Klassengegensätze zu verschleiern und den Klassenkampf abzuwürgen.

BRECHT DIE MACHT DER GEWERKSCHAFTSBONZEN!

ZERSCHLAGT IHREN BÜROKRATISCHEN APPARAT!

Wer heute noch auf die Maikundgebung des DGB geht, hat noch nicht erkannt, daß die von der Gewerkschaftsbürokratie ausgehaltenen 'Mairedner' längst keine Arbeiter mehr sind, geschweige denn Arbeitervertreter.

Klassenbewußte Arbeiter kommt deshalb zur Demonstration und zentralen Kundgebung der KPD/ML, denn hier sprechen keine BÜrokraten, sondern ARBEITER.

AUFSTELLUNG: 9 Uhr 30 HUMBOLDTSCHULE
ABMARSCH: 10 Uhr

ZENTRALE KUNDGEBUNG: marktplatz Neckarstadt

KLASSENBEWUSSTE ARBEITER
ORGANISIERT EUCH IN DER KPD/ML

KLASSENBEWUSSTE ARBEITERJUGEND
ORGANISIERT EUCH IN DER ROTEN GARDE" (RG).
Q: KPD/ML-OG Mannheim: 1. Mai Kampftag der Arbeiterklasse, Mannheim o.J. (1970)

30.04.1970:
In Mannheim führt die DKP ihre Maiveranstaltung durch.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 19, Düsseldorf 9.5.1970

01.05.1970:
In Mannheim bricht die KPD/ML-ZK, laut KAB/ML, die Absprachen mit dem KAB/ML. Dieser ist dann mit einem Block von 150 Personen, der zum Großteil aus Schülern besteht, von der DGB-Kundgebung weggezogen. Die Demonstration der KPD/ML-ZK habe genau 91 Teilnehmer aufgewiesen, obwohl man behaupte 300 Mitglieder zu haben.

Laut DKP beteiligen sich 5 000 an der Maikundgebung.

GIM und RKJ berichten:"
Auch in Mannheim, wo sich die Gewerkschaftsbürokratie nie sonderlich Mühe geben mußte, um tausende von Kollegen zu den 1. Mai-Veranstaltungen zu bringen, zeigte sich diesmal ein ganz neues Bild:

Zieht man von den Anwesenden die Genossen der revolutionären Gruppen, die ausländischen Genossen, die DKP/SDAJ und die gewerkschaftlichen Ordner ab, verbleiben nicht mehr allzu viele 'mausgraue' Arbeiter, abgesehen von einer Gruppe 'Mannheimer-Motorenwerke'-Arbeiter (MWM, d.Vf.), die von einem Rechts-SPDler aus lokalpolitischen Gründen mobilisiert worden waren.

Entsprechend auch die Reaktion der Gewerkschaftsbürokratie: im nächsten Jahr soll nur noch eine Art 'Repräsentativ-Veranstaltung' im geschlossenen Saal stattfinden. Denn das Bild der diesjährigen Mai-Demonstration und der Kundgebung dürfen sie sich nicht mehr erlauben: ein Bild, das schon optisch von den revolutionären Gruppen beherrscht wurde.

Noch haben die Bürokraten dieses Bild noch nicht verarbeitet. Die Bemerkung Lucys (Betriebsratsvorsitzender von Daimler-Benz und Stadtrat) über die ML-Gruppe, die die 'Internationale' singend die Kundgebung verließ, von 'Gesangverein', beinhaltete gleichzeitig die Befürchtung, daß dies doch mehr als ein 'Gesangverein' war.

Auch die Kollegen im Betrieb wissen inzwischen um das Debakel 'ihrer' Führung. Natürlich haben sie die sehr umfangreiche Agitation der Trotzkisten und Maoisten vor den Fabriktoren bemerkt, gleichzeitig aber auch, daß es da 'verschiedene Richtungen gibt'. Nach der offiziellen SDS-Auflösung hat sich ihr Bild von den revolutionären Gruppen gewandelt: Während der SDS doch einen in sich einheitlichen Machtfaktor vorspiegelte, verstehen sie die neuen Differenzierungen jetzt noch nicht. Die Flugblattverteiler werden zwar nicht mehr als 'Studenten' sondern als 'Kommunisten' angesprochen, doch schätzt man die Gruppen noch nicht als spürbaren Faktor ein.

Während die KPD/ML ihre eigene sektiererische Gegenkundgebung durchführte, handelten die anderen Gruppen scheinbar einheitlich: Teilnahme an der DGB-Demonstration in eigenen Blocks; doch zeigten sich in der Agitation Unterschiede:

KAB/ML und RJ/ML traten unter der Kampfparole 'Machen wir die Gewerkschaften zu unserer Kampforganisation' (an). Doch versäumten sie es zu sagen, wie das geschehen soll. Es wurden keine Forderungen aufgestellt, die jetzt aufgegriffen werden könnten und in der Auseinandersetzung um sie politisches Bewußtsein erzeugen und den Kampf weitertreiben würden. Dies zu erreichen versuchte die GIM (deutsche Sektion der IV. Internationale) und die RKJ Mannheim. Das gemeinsame Flugblatt kann angefordert werden.

Das Flugblatt der Mannheimer Aufbauorganisation (SDS und ein Teil des AUSS) sagte nichts über Politik aus, aber sehr viel über die AO. Ein Intellektuellenzirkel versuchte hier, der Arbeiterklasse den Marxismus beizubringen (Parole: Marxismus und Arbeiterklasse gehören zusammen). Kein konkretes Wort über Gewerkschaftsarbeit (aber: 'für eine rote Gewerkschaftspolitik'), keine brauchbare Parole überhaupt, nur mit Marx-Zitaten garniertes Geschwätz.

Der 1. Mai war darum auch Anlaß für GIM und RKJ, in einer öffentlichen Veranstaltung die Möglichkeit einer revolutionären Gewerkschafts- und Betriebspolitik konkret darzulegen und zu diskutieren.

Ein Bulletin der RKJ Mannheim mit ausführlichem Bericht und Analysen der einzelnen Flugblätter kann … angefordert werden."
An der Veranstaltung der GIM nehmen, nach eigenen Angaben, auch Mitglieder der IKD aus dem Raum Rhein/Main teil. Laut ihnen gelang es den 'Linksstalinisten', also den Maoisten, in Mannheim ca. 500 Personen zu mobilisieren.

Zum ersten Mai 1970 erscheint ein Flugblatt, in dem zu Demonstrationen in Frankfurt, Mannheim und Mainz aufgerufen wird. Als Kontaktadressen werden neben den KPD/ML bzw. späteren KPD/ML-ZK-Ortsgruppen Mannheim (Emil Ludwig), Frankfurt (Lothar Wolfstetter), Worms (Bernd Fritz) und Karlsruhe (Anton Martus) auch die später zur KPD/ML-ZB gehörenden Gruppen Rote Garde Bergstraße (RGB - H. Schmidt) und Sozialistische Arbeiterbasisgruppe (SABG) Mainz (Hans Herrmann Vedder) genannt.

Die OG Mannheim der KPD/ML rief mit einem weiteren Flugblatt (vgl. 27.4.1970) zur Demonstration ab Humboldtschule (Aufstellung 9 Uhr 30, Abmarsch 10 Uhr) und zur zentralen Kundgebung auf dem Marktplatz Neckarstadt auf.

Laut dem Zentralen Aktionskollektiv (ZAK) wurden Demonstrationen in Mannheim und Stuttgart von KAB/ML, RJ/ML und ZAK organisiert, zu denen eine gemeinsame '1.Mai Zeitung' aufrief.
Q: ZAK: Info 1, Tübingen 1970; KPD/ML-OGs Mannheim, Frankfurt, Worms und Karlsruhe, Rote Garde Bergstraße und Sozialistische Arbeiterbasisgruppe Mainz: 1. Mai, o.O. o.J. (1970);KPD/ML-OG Mannheim: 1.Mai Kampftag der Arbeiterklasse, Mannheim o.J. (1970), S. 2;Unsere Zeit Nr. 19, Düsseldorf 9.5.1970;Rote Fahne Nr. 1 und Sdr.Nr. , Tübingen Juli 1970;Rebell Nr. 21/22, Tübingen Mai / Juni 1970, S. 13;Roter Morgen Nr. 6, Hamburg Juni 1970;Was tun Nr. 12, Mannheim 1970, S. 11;IKD-RK Rhein/Main-1 Mitglied: An die Genossen der Leitung, Frankfurt 28.4.1970;IKD-RK Rhein-Main: Protokoll der RK-Sitzung vom 3-5-70, o.O. o.J. (1970);Was tun Nr. 12, Mannheim 1970, S. 11

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07.06.1970:
Treffen der Ortsleitungen Mannheim und Tübingen des KAB/ML in Mannheim. Es kommt zu Differenzen in Fragen eines Studentenaufrufs des KAB/ML und zu Auseinandersetzungen um Parolen für eine Demonstration am 1.Mai. Der Tübinger KAB/ML trennt sich von der Mannheimer Gruppe. Die Auseinandersetzungen mit der Mannheimer Gruppe (vgl. 18.7.1970) war für die Tübinger Gruppe Anlaß, einen Teil der ZAK-Grupppen zu einem regionalen KAB(ML) zusammenzufassen. Die Trennung von der Mannheimer Gruppe fand ohne besondere Differenzen statt. Die Mannheimer Gruppe enthielt sich nur der Kennzeichnung der UdSSR als sozialimperialistisch und kritisierte den Mai-Aufruf 1970 in zwei Punkten. Zum einen wird ein Friedensvertrag mit beiden deutschen Staaten vermißt, zum anderen wird die Losung "Organisiert Euch im KAB" kritisiert. Die ausgeschlossenen Mannheimer um R. Strähle reagierten auf diesen Hinauswurf mit einer 'Rebell' Sondernummer (Juni 1970). In der folgenden Zeit arbeiten Teile der Gruppe um Strähle in der KPD/ML-ZB.
Q: Rebell Sdr.Nr., Mannheim Juni 1970; Modau,Helmut: Zur Geschichte der KPD/ML und des KABD, Frankfurt 1979, S. 69;MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, I. Teil, Stuttgart 1985, S. 182

18.07.1970:
Der KAB/ML führt, nach eigenen Angaben, eine Delegiertenkonferenz (DK) durch, auf der die Ortsleitung Mannheim sowie 'kriminelle Elemente' hinausgesäubert werden (vgl. 7.6.1970, 5.8.1970). Von der OG Mannheim sei ein winziger Teil bereits mehrere Jahre in der ML-Bewegung aktiv, der weitaus überwiegende Teil stamme aus der antiautoritären Bewegung. Kurz nach der Gründung des KAB/ML habe der Linkssektierer Brohm versucht, der örtlichen Organisation zu diktieren, dagegen habe sich eine ehrgeizige Fraktion gebildet, die ihre eigene Herrschaft errichtet habe.

Am 1. Mai habe der eigene Block zum Großteil aus Schülern bestanden.

Während die OG Tübingen des KAB/ML mit einem Studentenanteil von 60% die OG mit den meisten Intellektuellen sei, bestehe die OG Mannheim zu einem Drittel aus Arbeitern und zu einem Viertel aus Schülern. Der Mannheimer Strähle-Gruppe werden u.a. linkssektiererische Positionen vorgeworfen, die darin gegipfelt haben sollen, daß sie am 1. Mai "die zentralen Parolen gegen Teuerung, Lohnabbau und Inflation ablehnten". Das sei "Kapitulantenpolitik gegenüber der modernen Partei des Monopolkapitals, der Sozialdemokratie".
Q: KAB/ML:ZK-Richtlinien vom November 1970 für die politische Arbeit des KAB (ML):Unsere nächsten Aufgaben Teil 1, o.O. 1970, S. 3; Lernen für den Kampf Nr. 6, o.O. 1972, S. 57f;Rote Fahne Sdr.Nr. und Nr. 1 und 2, Tübingen Juli und Aug. 1970

20.07.1970:
Die Ortsgruppe Darmstadt der RJ/ML verfaßt einen Bericht für ihre Leitung (vgl. 10.7.1970, 8.8.1970) über den Zeitraum vom 5.7.1970 bis heute, der im Punkt 8. Bericht über Frankfurt - Gespräch mit X.X. u.a. ausführt:"
Die Mannheimer gehen auf ihre Erklärung ein, sie streiten jegliche kriminelle (Aktivität, d.Vf.) ab, sie werfen den Tübingern eine kleinbürgerliche Linie vor und wollen das in dem 'Spalter-Rebell' voll belegt haben (Mai-Losungen). Sie erklären, daß sie sich durch nichts mehr an uns gebunden fühlen, daß sie daher auch nicht spalterisch tätig seien, sondern nur ihre Linie verträten."
Q: RJ/ML: Bericht Darmstadt für die Zeit vom 5.-20.Juli 1970, o.O. o.J.

12.08.1970:
Aus Mannheim wird ein erster Brief (vgl. 29.9.1970) an das ZK der RJ/ML geschrieben:"
Liebe Genossen,
ich möchte Euch hiermit mitteilen, daß ich mich von der ehemaligen Ortsgruppe des KAB - Mannheim getrennt habe. Ich sehe mich veranlaßt Euch über die Sachverhalte meiner Entscheidung zu informieren. Wir Ihr wahrscheinlich bereits wissen werdet, ist die Mannheimer Ortsleitung aus der Organisation ausgeschlossen worden. Im folgenden werde ich Euch über die Hauptgründe des Ausschlusses, die auch für mich ausschlaggebend waren, berichten. Das ZK der KAB-Gruppen hatte vor dem 1. Mai eine Versammlung anberaumt, in der die Inhalte und die Form der Demonstrationen festgelegt werden sollten. Den Mannheimer Genossen und auch mir gegenüber hatte die Ortsleitung mitgeteilt, daß sie nicht der Sitzung beiwohnen würden 'weil sie erst fünf Tage vorher benachrichtigt worden wären.' Ein etwas absurdes Argument. Nur stellte sich dann später heraus, daß dennoch Vertreter der Mannheimer Ortsgruppe anwesend gewesen waren. Dies war nicht die einzige Lüge der Mannheimer Führungsclique, denn es kommt noch besser. Auf dieser Sitzung wurde beschlossen und natürlich auch politisch begründet, warum man bei den Demonstrationen auf das Mitführen der Bilder und Parolen der Klassiker verzichtet. Aber wie reagierte die Mannheimer Ortsleitung: Man handelte dem ZK-Beschluß zuwider. Dieses Hinwegsetzen über eine Entscheidung des ZK verstößt eindeutig gegen das Prinzip des demokratischen Zentralismus und damit gegen den Marxismus-Leninismus. Dieses sektiererische Verhalten ist kennzeichnend für die Mannheimer Führungsclique und zeigt ihren politischen Standpunkt."
Q: X.X.: ohne Titel (An ZK der RJ/ML), Mannheim 12.8.1970

September 1970:
In Würzburg erscheint vermutlich Anfang des Monats erstmals die 'Rote Front' "vormals Organ der Marxisten-Leninisten Würzburg", nun herausgegeben durch die Ortsgruppe Würzburg der KPD/ML-ZK:"
FÜR DIE EINHEIT ALLER MARXISTEN-LENINISTEN
GEGEN KLEINBÜRGERLICHES SPALTERTUM

Zwar wird kontaktsuchenden und unorientierten Gruppen ein 'ZK' im 'K''A'B vorgegaukelt, aber es ist - wenn überhaupt vorhanden - so doch kein funktionierendes. Das läßt sich aus der praktischen Unverbindlichkeit von zentralen 1.Mai-Losungen ersehen: die einzelnen Gruppen der Spalterorganisation übernahmen entweder nicht alle 'zentralen' Losungen (Schweinfurt) oder machten unterschiedliche Losungen zu Hauptlosungen (Mannheim, Tübingen). Ein zweiter Beleg: selbst 'R'J-Gruppen, erst recht Außenstehenden ist unklar, ob die 'K''A'B-Ortsgruppe Mannheim vom 'ZK' des 'K''A'B ausgeschlossen wurde, oder ob sich Tübingen und Mannheim getrennt haben, oder ob Tübingen ausgeschlossen wurde. Es scheint, daß die Tübinger Studenten im Nachhinein ein 'ZK' konstruiert haben."
Q: KPD/ML-ZK-LV Westberlin: Info Nr. 1, Berlin Sept. 1970, S. 5ff; KPD/ML-ZK-OG Würzburg: Rote Front Nr. 6, Würzburg Sept. 1970

April 1971:
Vermutlich spätestens im April wird in Mannheim das Maikomitee gegründet, in dem sich auch der in die RJ/ML eingedrungene 'Agent' Y.Y., der zuvor das Vertrauen der Gruppe erworben hatte (vgl. März 1971) betätigt. Die RJ/ML des KAB/ML berichtet:"
Doch nach einem Besuch in Tübingen, wo er einem Genossen durch sein Verhalten aufgefallen war, sah er den Zeitpunkt gekommen die Spaltung der Gruppe voranzutreiben. Dazu versuchte er den Genossen Z., in dem er das einzigste RJ-Mitglied sah, von der Gruppe zu isolieren. Kleine Fehler, die der Genosse gemacht hatte, versuchte er zu einer richtiggehenden Hetze gegen ihn und die RJ auszuweiten. Die Auseinandersetzung spitzte sich dann bei der Frage der antifaschistischen Aktionseinheit zu, wobei der Agent dem KAB Revisionismus vorwarf. Bei dieser Diskussion gab er sich und seine Auftraggeber zu erkennen: offen warb er für die Gruppe 'Neues Rotes Forum' und deren Zeitschriften.
Doch der Höhepunkt sollte noch kommen: Als der Genosse Z. auf einem RJ-Seminar war, rief er eine außerordentliche MV ein, wo er eine Einladung der Aust-Clique (KPD/ML-ZK,d.Vf.), zur Bildung eines 1.Mai-Komitees, vorlas. Zur Vorbesprechung ließ er sich delegieren, da kein anderer Genosse Zeit hatte. Bei diesem Vorgespräch versuchte er die Spaltung zu vollziehen.
Nachdem der Genosse Z., der ebenfalls anwesend war, den 1.Mai-Aufruf des KAB vorgelesen hatte, gab er eine eigene Stellungnahme der Mannheimer Gruppe ab, obwohl er nur als Beobachter von der Gruppe delegiert worden war. Weiter nahm er die billige Polemik der Aust-Vertreter auf und schoß aus allen Rohren gegen den KAB. Als schließlich die Anwesenden beschlossen ein 1.Mai-Komitee zu gründen (Aust-Gruppe, Strähle-Gruppe (KPD/ML-ZB,d.Vf.), Gruppe NRF - SDS), bei dem auch der Agent X. als RJ-Vertreter teilnehmen wollte, gab der anwesende Genosse zu verstehen, daß die RJ sich an einer solchen Aktionseinheit (Hauptstoßrichtung Kampf gegen das Kapital und seinen Staat, Kampf gegen den Revisionismus) nicht beteiligen werde. Weiter distanzierte sich der Genosse von den Aussagen des Y.Y. und erklärte, daß dieser kein RJ-Mitglied sei. Nun ließ er seine Maske endgültig fallen: vor den versammelten Linkssektierern verbreitete er innere Angelegenheiten der RJ, sowie die Lüge, daß die Mannheimer Gruppe sich noch im Diskussionsstand befinden und erst noch entscheiden würde, welcher Linie sie sich anschließen würde. Dieser Versuch der offenen Spaltung wurde am nächsten Tag auf einer kurzfristig einberufenen MV von allen Genossen energisch zurückgewiesen. Die endgültige Entlarvung des Agenten und dessen Ausschluß erfolgte dann auf einer Sitzung, bei der auch Vertreter des ZK anwesend waren" (vgl. 15.5.1971).
Q: X.X.: Revolutionäre Jugend (ML) Zentralkomitee, Mannheim 22.5.1971, S. 1

19.04.1971:
Die Gruppe Mannheim der RKJ der GIM gibt vermutlich in dieser Woche die Nr. 1 ihrer 'Was tun - Korrespondenz für Fachhochschulen, Universität und Zweiter Bildungsweg' (vgl. 21.12.1970, 23.4.1971) für April heraus mit dem Artikel "1. Mai - Kampftag der Arbeiterklasse" mit dem Aufruf zum Teach-In am 29.4.1971.
Q: Was tun - Korrespondenz für Fachhochschulen, Universität und Zweiter Bildungsweg Nr. 1, Mannheim Apr. 1971, S. 7f

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26.04.1971:
Die RKJ Mannheim gibt vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "1. Mai ohne die Arbeiter?" heraus zum Aufruf der KPD/ML, nicht an der Mai-Demonstration des DGB teilzunehmen. Verantwortlich gemacht dafür werden der SDS, die KPD/ML und auch die ex-RJ/ML und ex-KAB/ML-Gruppe, die sich nun KJVD nennt.

Die RKJ mobilisiert zum Jugendtreff um 9 Uhr am Wasserturm.
Q: RKJ: 1. Mai ohne die Arbeiter?, Mannheim o. J. (1971)

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26.04.1971:
In Mannheim gibt die Betriebsgruppe der RKJ der GIM vermutlich in dieser Woche ihre 'Was tun - Lehrlingszeitung' Nr. 2 (vgl. 15.3.1971, 21.6.1971) heraus mit einem Titelbild zum 1. Mai und dem Artikel "Verschaffen wir unseren Forderungen am 1. Mai Gehör!".
Q: Was tun - Lehrlingszeitung Nr. 2, Mannheim 1971, S. 1 und 3f

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28.04.1971:
Die Studentengruppe der RKJ Mannheim der GIM gibt vermutlich Mitte dieser Woche ein Flugblatt "1. Mai Kampftag der internationalen Arbeiterklasse" ihrer 'Was tun - in der Universität' (vgl. 23.4.1971, 7.6.1971) heraus. Aufgerufen wird zu Demonstration und Kundgebung des DGB.
Q: Was tun - in der Universität 1. Mai Kampftag der internationalen Arbeiterklasse, Mannheim o. J. (1971)

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Mai 1971:
Die Nr. 31 des 'Rebell' (vgl. Apr. 1971, Juni 1971) erscheint mit dem Artikel "Kampfmai 71" von dem auch, teils nur durch Bilder, berichtet wird aus Mannheim.
Q: Rebell Nr. 31, Tübingen Mai 1971, S. 6

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01.05.1971:
In Mannheim beteiligen sich, laut KAB/ML, 5 000 an einer Demonstration, zu der neben dem DGB KAB/ML und RJ/ML aufriefen. Die Demonstration der Aust- und Strähle-Cliquen, d.h. von KPD/ML-ZK und KPD/ML-ZB habe 70 Teilnehmer gehabt. KJVD und KPD/ML-ZB Mannheim trennten sich kurz vorher von der KPD/ML-ZB ab (vgl. 26.4.1971).

Laut KPD/ML-ZK war es so:"
Für die diesjährige 1. Mai-Demonstration konnte die Ortsgruppe die Unterstützung des KJVD (der ex-KPD/ML-ZB, d.Vf.) und des SDS gewinnen. Der SDS bildete einen eigenen Block. Der KJVD marschierte mit der Roten Garde (RG, d.Vf.). An der Spitze ging der Block der Partei mit den Bildern der großen Führer der internationalen Arbeiterbewegung. Der Zug war etwa 100 Mann stark. … Auf unserer Schlußkundgebung entlarvte ein Genosse die Manöver der Opportunisten und Revisionisten am 1.Mai und propagierte den Aufbau der KPD/ML. Danach sprach ein Vertreter des KJVD. Er wies nach, daß Gewerkschaftsjugend, SDAJ (der DKP, d.Vf.) und Trotzkisten die Arbeiterjugend spalten und an die DGB-Bonzen verraten, indem sie am 1.Mai in Mannheim neben der Erwachsenendemonstration des DGB eine Jugenddemonstration veranstalten, die ebenfalls in der Kundgebung der IG Metall mit Boß Brenner endete."

Die RJ/ML Mannheim des KAB/ML berichtet vom 1.Mai und dessen Vorbereitung:"
Nachdem wir durch die Auseinandersetzung mit dem Agenten X. nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten waren und außerdem die Arbeit in der Gruppe zum Erliegen gekommen war, bedeutete die Vorbereitung zum 1.Mai und die Beteiligung an der 1.Mai-Demonstration einen wesentlichen Aufschwung für die Gruppe: Nachdem die Vorbereitungsgespräche zur Bildung eines 1.Mai-Komitees (vgl. Apr. 1971, d.Vf.) gescheitert waren, unterstützten wir allerorts die Aufforderung zur Teilnahme an der DGB-Demonstration. Im Lehrlingszentrum grenzte man sich dann auch scharf von der Spalterdemonstration ab, als ein Mitglied der Strähle-Gruppe (KPD/ML-ZB, d.Vf.) verlangte, an ihr teilzunehmen.

Wir verteilten vor den Betrieben und während der Demonstration insgesamt 10 000 BVG-Flugblätter Nr. 1, 7 000 BVG-Flugblätter Nr. 2, 7 000 1.Mai-Aufrufe der Roten Fahne und 2 500 Aufrufe des Rebell. Weiterhin verkauften wir 190 Rote Fahne und 80 Rebell.
Während der Demonstration bildeten wir, verstärkt durch die Genossen der Wormser SAG (Sozialistische Arbeitsgemeinschaft/ML, d.Vf.), einen eigenen Demonstrationsblock, an dem sich ca. 60 Genossen und Freunde beteiligten. Auf vier großen Transparenten und zahlreichen Plakaten legten wir die zentralen Forderungen der RJ(ML) und des KAB dar. Zur Kundgebung auf dem Marktplatz und zur Rede Otto Brenners ist nicht viel zu sagen: er lobte die 'Erfolge', die der DGB in den letzten Jahren errungen hatte über den Klee. Als weitere Hauptaufgaben der gewerkschaftlichen Arbeit stellte er den Kampf für Mitbestimmung und den Kampf gegen Umweltverschmutzung heraus. Dieser 1.Mai bedeutete einen wesentlichen Schritt vorwärts in der Entwicklung der Mannheimer RJ-Gruppe. Durch unser entschlossens Auftreten bei der Demonstration und durch unsere massenhafte Flugblattagitation und mündliche Propaganda sind viele Kollegen auf unsere proletarische Organisation aufmerksam geworden. Hieran konnten auch die zahlreichen Diffamierungen der Linkssektierer und Rechtsopportunisten nichts ändern. Verhalten anderer Gruppen: Wie wir schon vorher berichtet hatten schlossen sich die Aust- (KPD/ML-ZK, d.Vf.) und die Strähle-Gruppe, sowie einige Studenten der NRF-Linie zu einem 'Roten 1.Mai Komitee' zusammen. Ihre 1.Mai-Plattform war das Aufzeigen des 'Dreibundes Kapital, Staat, DGB-Apparat'. Eine weitere Hauptstoßrichtung war der Kampf gegen den Revisionismus. Ihr Beschluß eine eigene Demonstration durchzuführen stieß allerorts auf eine starke Ablehnung. So marschierten die Parteistudenten und -Schüler unbemerkt von den Massen der Kollegen. 70 bis 80 Leute hörten dann den abschließenden 'Kampfreden', in denen von der Bewaffnung der Arbeiterklasse gesprochen wurde, zu. Viele Studenten, die nur einmal gekommen waren um zu sehen, inwieweit die KPD(ML) ihre Führungsrolle vertreten kann, waren maßlos enttäuscht von dem linken Bla Bla der Aust-Clique."

Die GIM bzw. die RKJ berichten:"
'DEMOKRATISIERT DIE GEWERKSCHAFT'

Die gewerkschaftliche Jugenddemonstration in Mannheim, auf der die RKJ den stärksten Block stellte, war die weitaus größte seit Jahren. Als der Jugendzug den Kundgebungsplatz erreichte, auf dem über 6 000 Arbeiter versammelt waren, wurde er von den Kollegen mit lautem Beifall empfangen. Die RKJ hatte auf ihren Transparenten die Parolen herausgestellt, die aus den Erfahrungen der jüngsten Arbeiterkämpfe abgeleitet waren und deshalb sehr gut ankamen: Demokratisiert die Gewerkschaft!, Lohnleitlinien kosten Lohn - Raus aus der Konzert-Aktion!, Weg mit der Friedenspflicht, Weg mit der Schlichtung!, Lineare Lohnerhöhung statt Prozente! Nulltarif auf Kosten der Unternehmer!, Keine Lehrlingsarbeit für den Profit! usw. Der Beifall der Kollegen galt neben den Parolen zweifellos auch der Tatsache, daß die linke Jugend am 1.Mai - Gewerkschaftsjugend, Lehrlingszentrum, RKJ, SDAJ und RJ/ML (Jugendorganisationen der DKP bzw. des KAB/ML, d.Vf.) - GEMEINSAM demonstrierte. Die KPD/ML blieb auf ihrer sektiererischen 'eigenen' Maikundgebung mit ihrem winzigen Häufchen unter sich."
Auf einem Foto von der Maikundgebung der KPD/ML stehen die wohl unter hundert Teilnehmer vor dem Zeughaus ein wenig verloren in der Weite des Platzes und getrennt in zwei Blöcke (je ca. ein Drittel bzw. zwei Drittel der Kundgebung herum).
Q: Was Tun Nr. 5, Mannheim Mai 1971, S. 8f; X.X.: Revolutionäre Jugend (ML) Zentralkomitee, Mannheim 22.5.1971, S. 3;Roter Morgen Nr. 5 und 9, Hamburg Mai 1971 bzw. 13.9.1971;Rebell Nr. 31, Tübingen Mai 1971;Rote Fahne Nr. 5, Tübingen Mai 1971

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27.03.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 27.3.1972) führt vermutlich in dieser Woche aus:"
1. MAI MUSS KAMPFTAG SEIN

Warum muß der 1.Mai Kampftag der internationalen Arbeiterklasse sein? Die Tarifkämpfe des letzten Jahres haben ganz klar gezeigt, daß es den Kapitalisten nicht nur darum geht, den Profit zu sichern und zu steigern, sondern der Arbeiterklasse insgesamt einen Schlag zu versetzen. Das Wiedererwachen des gewerkschaftlichen und politischen Bewußtseins der Arbeiterklasse nicht nur in der BRD, auch in England (Großbritannien, d.Vf), Frankreich, Italien, Spanien und den USA hat den Kapitalisten einen Schock versetzt. Der erfolgreiche Bergarbeiterstreik in England gegen den Willen der reaktionären Heath-Regierung, der ebenfalls große Hafenarbeiterstreik in den USA, die Klassenkämpfe in Frankreich, Italien und Spanien zeigen, daß die internationale Arbeiterklasse langsam die Schnauze voll hat von der Unterdrückung und Ausbeutung, von der Herrschaft von wenigen über viele!

Dem Wiedererstarken der Arbeiterbewegung begegnen die Kapitalisten unter anderem mit dem Ausbau des staatlichen Unterdrückungsapparates. In Frankreich, Spanien, USA mit offenem Polizeiterror, bei uns mit der Vorbereitung des staatlichen Terrors, mit den Notstandsgesetzen (NSG, d.Vf.), dem Ausbau des Bundesgrenzschutzes zur Bürgerkriegsarmee (BGS - vgl. 22.6.1972,d.Vf.), mit Berufsverbot (BV, d.Vf.) für Kommunisten und mit einem als fortschrittlich angepriesenen Neuaufguß des reaktionären Betriebsverfassungsgesetzes (BVG, d.Vf.). Es war schon immer die Aufgabe des kapitalistischen Staates, die Arbeiterklasse zu unterdrücken und die Geschäfte der Kapitalistenklasse zu führen.

Die Geschäfte führt zur Zeit eine Regierung, die zum größten Teil von der Arbeiterklasse gewählt wurde, und zwar in der Hoffnung, daß die SPD eine Änderung im Ausbeutungsverhältnis herbeibringe. Doch was tut diese mit von der Arbeiterklasse gewählte Regierung? Sie tut, was die SPD schon seit 1914 macht, sie versucht, den Kapitalismus reibungslos funktionieren zu lassen und verkauft diese Politik mit Hilfe der Sozialpartnerschaftsideologie an die Arbeiterklasse. Daß der Kapitalismus nicht reibungslos funktionieren kann, davon zeugen die Krisen, die immer wieder hervortreten. Die Sozialpartnerschaft bedeutet doch in der Praxis nichts anderes, als daß das bisherige Ausbeutungsverhältnis beibehalten wird, das heißt daß viele malochen und wenige davon profitieren und daß die Ungewißheit, den Arbeitsplatz zu verlieren, weiterhin da ist. Da hilft kein Betriebsverfassungsgesetz, keine Rentenreform und auch keine Ostverträge.

Doch wie kommt es, daß die Gewerkschaften diese Partnerschafts- und Mitbestimmungsideologie vertreten? Warum konnten die Lohnleitlinienabschlüsse gegen den Willen eines großen Teils der Kollegen in den vergangenen Tarifkämpfen zustande kommen?

Die SPD, die Partei, die zur Zeit zusammen mit der FDP den geschäftsführenden Ausschuß des kapitalistischen Staates stellt, beherrscht mit ihrer Sozialpartnerschaftsideologie die Gehirne vieler Kollegen und Gewerkschafter. Das geht so weit, daß die unüberbrückbaren Widersprüche zwischen 'Arbeitgeber' und 'Arbeitnehmer', also zwischen Ausbeuter und Ausgebeutetem, nur noch als Schwierigkeiten zwischen zwei Partnern erscheinen. Partner der Kapitalisten sind nur die Arbeiter, die sich von den Kapitalisten bezahlen und korrumpieren lassen, um die Masse der Arbeiter zu betrügen und ihre einige Kraft zu spalten. Für sie, die Betrüger der Arbeiterklasse, springt was heraus bei der Partnerschaft. Für die Kapitalisten ist die Partnerschaft ein Mittel, die Arbeiterschaft zu spalten und ihre Wortführer zu kaufen. Mit welchem Schwachsinn diese Partnerschaftsarbeiter des Kapitals die Arbeiterklasse von ihren Aufgaben abzulenken versuchen, kann man daran sehen, daß in Heidelberg anläßlich des 1.Mai eine Hobby-Ausstellung der Kollegen für Kollegen und eine SPD-Werbeveranstaltung in der Stadthalle stattfindet.

Die Richtlinien des DGB für die diesjährigen Maifeiern bestimmen, daß Reden, die die Mitbestimmungsillusionen angreifen, und die sich inhaltlich für eine starke, klassenbewußte Gewerkschaft einsetzen, dieses Jahr nicht mehr zugelassen oder zensiert werden.

In Mannheim werden die Richtlinien des DGB zur Durchführung des 1.Mai taktisch sehr gut umgesetzt. Der DGB veranstaltet in Mannheim zwei Demonstrationen. Was für einen Sinn haben zwei Demonstrationen? Zum ersten verhindern sie eine machtvolle einheitliche Demonstration, und zweitens nimmt man an, daß auf der geplanten Jugenddemonstration die linken Gruppen mitziehen und daß man dann so den Hauptzug freihalten kann. Dieser Kniff ist eine taktische Variante der Richtlinie, in der es unter anderem heißt: 'Transparente, Parolen und Bilder, die sich mit dem gewerkschaftspolitischen Konzept nicht vereinbaren lassen, sind zu entfernen.' Um was für ein gewerkschaftspolitisches Konzept geht es? Es geht um das Konzept der Mitbestimmungs- und Sozialpartnerschaftsideologie. Dieses Konzept wurde hauptsächlich von der SPD entwickelt.

Es ist klar, daß dann Transparente, die gegen dieses Konzept stehen und es entlarven, aus der Demonstration entfernt werden.

Fürchten die Herren, daß sich die Kollegen unter den richtigen Parolen sammeln? Parolen, die sich für eine kampfstarke, klassenbewußte Gewerkschaft einsetzen, Parolen, die den Mitbestimmungsschwindel entlarven?

In Mannheim soll also die Hauptdemonstration freigehalten werden für eine Ideologie, die die reibungslose Ausbeutung mit Worten verschönern will. Daß das auch auf der Kundgebung so ist, dafür garantiert schon der Redner: IG-Chemie (CPK, d.Vf.) Chef Hauenschild. Er wird zwar härtere Töne spucken, weil da gerade die Chemie-Tarifverandlungen (CTR, d.Vf.) sind. Er wird mit diesen härteren Tönen die Kollegen zum Träumen bringen wollen, sie davon abbringen wollen, Kritik an den vergangenen Tarifverhandlungen massiv zu äußern. So war es auch in Stuttgart (MTR der IGM - vgl. 8.12.1971,d.Vf.). Dort hielt der fest in den Massen verankerte Kollege Bleicher eine wortradikale Rede, sprach davon, daß die Arbeiterklasse durch das Lohndiktat der Unternehmer gedemütigt werde und versprach, dagegen anzukämpfen. Was kam aber bei diesem Mauschelkampf heraus? Lächerliche 7,5% und eine effektive Laufzeit von 15 Monaten.

Um solche Abschlüsse in Zukunft zu verhindern, müssen wir uns am 1. Mai und nicht nur am 1. Mai hinter den richtigen Parolen zusammenschließen, müssen wir uns auch eine politische Organisation schaffen, die den Kämpfen der Arbeiterklasse eine Stoßrichtung gibt, eine Stoßrichtung, die nur der Kampf für den Sieg des Sozialismus sein kann.

1. MAI - KAMPFTAG DER INTERNATIONALEN ARBEITERKLASSE
FÜR KAMPFSTARKE, KLASSENBEWUSSTE GEWERKSCHAFTEN

VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DIE RECHTE DER ARBEITERKLASSE UND DES VOLKES -
VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DEN SIEG DES SOZIALISMUS"
Q: Arbeiter-Zeitung Nr. 3, Mannheim/Heidelberg Apr. 1972, S. 1

17.04.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg gibt einen 'Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie' (vgl. 31.5.1972) heraus, dessen 4 Seiten die Schlagzeile "1. Mai muß Kampftag sein" tragen.
Q: Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie 1. Mai muß Kampftag sein, Heidelberg/Mannheim 17.4.1972, S. 1f

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24.04.1972:
Bei BBC Mannheim-Käfertal geben der KAB (ML) und die RJ (ML) 'Die Rote Turbine' Nr. 2 (vgl. 20.3.1972, Mai 1972) Anfang dieser Woche heraus mit dem Leitartikel "1. Mai - Kampftag der internationalen Arbeiterklasse!". Aufgerufen wird zu den Maiveranstaltungen am 25. und 28.4.1972.
Q: Die Rote Turbine Nr. 2, Mannheim Apr. 1972, S. 1 und 6

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27.04.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg gibt einen 'Kommentar' (vgl. 28.4.1972) mit dem Titel "Schieberei um die Macht in Bonn" heraus, der u.a. von den gestrigen Streiks in Mannheim berichtet und bekanntgibt, daß heute und morgen bereits die Maiausgabe der 'Arbeiter-Zeitung' verkauft wird.
Q: Kommentar Schieberei um die Macht in Bonn, Heidelberg/Mannheim 27.4.1972

27.04.1972:
Die Nr. 14 der 'Kommunistischen Hochschulzeitung' (KHZ - vgl. 21.4.1972, 27.4.1972), herausgegeben von der Kommunistischen Hochschulgruppe (Neues Rotes Forum) (KHG) Heidelberg und der Kommunistischen Hochschulgruppe (Neues Rotes Forum) (KHG) Mannheim erscheint mit dem Leitartikel "1. Mai".
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 14, Heidelberg 27.4.1972, S. 1f

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27.04.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg beginnt heute mit dem Verkauf der auf Mai datierten Nr. 4 ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 12.4.1972, Juni 1972). Aufgerufen wird zum 1. Mai.
Q: Arbeiter-Zeitung Nr. 4, Mannheim/Heidelberg Mai 1972

28.04.1972:
Die KG (NRF) gibt für Mannheim/Heidelberg einen 'Kommentar' (vgl. 27.4.1972, Mai 1972) mit der Schlagzeile "Der 1. Mai muss Kampftag sein! Aufruf zur MAI-DEMONSTRATION in Mannheim" heraus, in dem zur Maidemonstration in Mannheim und den heutigen Maiveranstaltungen der KG (NRF) aufgerufen wird.
Q: Kommentar Der 1. Mai muss Kampftag sein! Aufruf zur MAI-DEMONSTRATION in Mannheim, Heidelberg/Mannheim o. J. (1972)

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28.04.1972:
Die KHG (NRF) Mannheim und die KHG (NRF) Heidelberg geben das Flugblatt "1. Mai - Für eine selbständige Klassenpolitik des Proletariats. Heute Teach-In in Mannheim und Heidelberg" zu den Teach-Ins am Abend heraus.
Q: KHG (NRF) Mannheim, KHG (NRF) Heidelberg: 1. Mai - Für eine selbständige Klassenpolitik des Proletariats. Heute Teach-In in Mannheim und Heidelberg, Mannheim / Heidelberg 28.4.1972

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28.04.1972:
In Mannheim will die KG (NRF) heute eine Maiveranstaltung in der Uni durchführen. Die KHG (NRF) kündigte ein Teach-In um 17 Uhr an.
Q: Kommentar Der 1. Mai muss Kampftag sein! Aufruf zur MAI-DEMONSTRATION in Mannheim, Heidelberg/Mannheim o. J. (1972); KHG (NRF) Mannheim, KHG (NRF) Heidelberg: 1. Mai - Für eine selbständige Klassenpolitik des Proletariats. Heute Teach-In in Mannheim und Heidelberg, Mannheim / Heidelberg 28.4.1972, S. 2

01.05.1972:
In Mannheim beteiligen sich, laut KAB/ML, rund 10 000, u.a. man selbst, an der DGB Demonstration. Die Zahl 10 000 wird auch vom KB verbreitet, der weiß allerdings noch, daß es zwei Züge zur DGB-Kundgebung gab und der Block der KG/NRF im ersten Zug 150 demokratische und sozialistische Studenten aus Heidelberg umfaßte. Der Block des KAB/ML habe sich dem zweiten, von der DGB-Jugend organisierten Zug vom Wasserturm zum Marktplatz angeschlossen und nur 30 Personen umfaßt. Im zweiten Zug seien ca. 2 000 marschiert. Der KB Bremen bietet nur 3 000 Demonstranten an, dafür aber sei davon über die Hälfte revolutionär gewesen: Im Anschluß an die DGB-Kundgebung "zog die Kommunistische Gruppe mit den roten Fahnen und den roten Transparenten in einem Demonstrationszug, dem sich große Teile der Kundgebung anschlossen, zum alten Meßplatz zurück."

Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg rief auch in Heidelberg zur Mannheimer Demonstration auf, wozu es Mitfahrgelegenheiten ab Heidelberg gab. Von den 3 000 Teilnehmern der DGB-Demonstration marschieren dann, nach eigenen Angaben, ca 50% im Block der KG (NRF), die schon seit längerem kontinuierliche politische Arbeit in Mannheim leiste.

Zuvor (vgl. 27.3.1972) berichtete die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg:"
In Mannheim werden die Richtlinien des DGB zur Durchführung des 1.Mai taktisch sehr gut umgesetzt. Der DGB veranstaltet in Mannheim zwei Demonstrationen. Was für einen Sinn haben zwei Demonstrationen? Zum ersten verhindern sie eine machtvolle einheitliche Demonstration, und zweitens nimmt man an, daß auf der geplanten Jugenddemonstration die linken Gruppen mitziehen und daß man dann so den Hauptzug freihalten kann. Dieser Kniff ist eine taktische Variante der Richtlinie, in der es unter anderem heißt: 'Transparente, Parolen und Bilder, die sich mit dem gewerkschaftspolitischen Konzept nicht vereinbaren lassen, sind zu entfernen.' Um was für ein gewerkschaftspolitisches Konzept geht es? Es geht um das Konzept der Mitbestimmungs- und Sozialpartnerschaftsideologie. Dieses Konzept wurde hauptsächlich von der SPD entwickelt.

Es ist klar, daß dann Transparente, die gegen dieses Konzept stehen und es entlarven, aus der Demonstration entfernt werden.

Fürchten die Herren, daß sich die Kollegen unter den richtigen Parolen sammeln? Parolen, die sich für eine kampfstarke, klassenbewußte Gewerkschaft einsetzen, Parolen, die den Mitbestimmungsschwindel entlarven?

In Mannheim soll also die Hauptdemonstration freigehalten werden für eine Ideologie, die die reibungslose Ausbeutung mit Worten verschönern will. Daß das auch auf der Kundgebung so ist, dafür garantiert schon der Redner: IG-Chemie (CPK, d.Vf.) Chef Hauenschild. Er wird zwar härtere Töne spucken, weil da gerade die Chemie-Tarifverhandlungen (CTR, d.Vf.) sind. Er wird mit diesen härteren Tönen die Kollegen zum Träumen bringen wollen, sie davon abbringen wollen, Kritik an den vergangenen Tarifverhandlungen massiv zu äußern."

Der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) erzählt den obigen Bericht bis "aus der Demonstration entfernt werden." nach und fügt den folgenden Absatz hinzu:"
Entfernt werden können die richtigen klassenkämpferischen Parolen allerdings nur, wenn die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer Arbeiter finden, die ihnen diese Arbeit abnehmen. Und das Dilemma dieser Herren besteht darin, daß sie immer weniger finden, die sie aktiv unterstützen."

Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 17.5.1972) verbreitet den folgenden Bericht der KG (NRF):"
1. MAI IN MANNHEIM

Während in vielen großen Städten der Bundesrepublik am 1.Mai sich der DGB zu Feierstunden im kleinen Kreis in geschmückte Säle verzog und vor den Gewerkschaftsmitgliedern versteckte, fand in Mannheim zum 1.Mai Demonstration und Kundgebung des DGB unter freiem Himmel statt. Der DGB Mannheim versuchte die Maikundgebung ganz auf die Ratifizierung der Ostverträge auszurichten, aber er brachte dazu nur ein paar wenige Transparente auf die Beine - unterstützt von der DKP. Das Bild der Demonstration war geprägt von den roten Fahnen und roten Transparenten. Diesen Parolen und noch einigen mehr schlossen sich über die Hälfte des ca. 3 000 Mann starken Zuges an. Während des Zuges wurden Sprechchöre gerufen wie z.B. 'Lohnleitlinienpolitik macht die Kapitalisten dick', Parolen der spanischen Arbeiter gegen die Franco Diktatur und die Parole 'Solidarität mit Vietnam - Klassenkampf im eigenen Land'. Als die Demonstration auf dem Marktplatz ankam wurde sie bereits von einer großen Menschenmenge erwartet, die die Parolen zum Teil mit Beifall begrüßte. Ein zweiter Demonstrationszug der Gewerkschaftsjugend, der von einem anderen Punkt der Stadt losmarschiert war, war ebenfalls schon angekommen.

Der DGB-Vorsitzende von Mannheim, Jäger, begrüßte sodann die Ehrengäste, dabei gab es mehr Pfiffe und Buhrufe als Beifall. Innenminister Krause wurde mit orkanartigen Schmährufen begrüßt, ein CDU-Abgeordneter konnte namentlich nicht mehr genannt werden, weil schon beim Wort CDU nichts mehr zu verstehen war als lauter Buh und Pfui. Sodann nutze DGB-Jäger sein Redemonopol zu einer markigen Lobrede auf den Nobelpreisträger Willy Brandt (SPD, d.Vf.), den Friedenskanzler, was die DKP zu großen Begeisterungstürmen hinriß, während der größere Teil der Versammelten das Loblied schweigend und mißtrauisch anhörte.

Danach sprach die Jugendvertreterin. Obwohl der DGB offensichtlich die vom Kreisjugendausschuß (DGB KJA, d.Vf.) einstimmig verabschiedete Rede einer Zensur unterworfen hatte, hatten dennoch einige wichtige Punkte im Sinne einer kämpferischen und klassenbewußten Gewerkschaftspolitik die Zensur überlebt.

Diese Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen.

Anschließend sprach der Vorsitzende der IG Chemie, Hauenschild, der den Kollegen von der Chemieindustrie bekannt ist durch seine bahnbrechenden Lohnleitlinienabschlüsse und den verrat an den streikenden Kollegen. In Ludwigshafen, dem Mannheim benachbarten Zentrum der Chemieindustrie, mochte er nicht sprechen! Aber auch die Mannheimer Kollegen, die überwiegend im Metallbereich (IGM-Bereich, d.Vf.) arbeiten, merkten an seiner Rede schnell, wo dieser Schlichter steht, der, wenn er zu den Kollegen spricht, an die Kapitalisten denkt. Mehrfach wurde er von Protestrufen unterbrochen und mußte seine Rede für kurze Zeit ganz unterbrechen, nachdem er versucht hatte, das Betriebsverfassungsgesetz (BVG, d.Vf.) als großen Erfolg anzupreisen. Da ging seine Rede unter im lauten Protest der Versammelten!

Zum Schluß der Kundgebung intonierte eine Gesangsgruppe des DGB die erste Strophe des Kampfliedes der Arbeiterklasse: 'Brüder zur Sonne zur Freiheit' und anschließend die 'Internationale'. Aber da war von der Gesangsgruppe, die auf einem geschmückten Podest posierte, schon nichts mehr zu hören. Denn überall erhoben sich die Fäuste und die Internationale erklang aus tausend Kehlen bis zur letzten Strophe. Die Festredner aber zogen sich, beim kraftvollen Klang der Internationale, ins Polizeipräsidium zurück, von dessen Balkon sie gesprochen hatten.

Im Anschluß an die Kundgebung zog die Kommunistische Gruppe mit den roten Fahnen und den roten Transparenten in einem Demonstrationszug, dem sich große Teile der Kundgebung anschlossen, zum alten Messplatz zu."

Die KPD/ML-ZK (vgl. 23.5.1972) berichtet:"
In Mannheim hatte sich ein rotes Maikomitee (RMK, d.Vf.) gebildet, das aus Arbeitern der Mannheimer Betriebe (betriebliche Maikomitees) der Partei und der Gruppe Rote Fahne Bochum (GRFB - KPD/ML-ZB, d.Vf) bestand. Als Grundlage seiner politischen Linie nahm das Maikomitee das gemeinsame Kommunique zwischen dem ZK der Partei und dem ZB der Gruppe Rote Fahne Bochum zum 1.Mai (vgl. 6.4.1972, d.Vf.). Ungefähr 400 fortschrittliche Menschen, Arbeiter, Lehrlinge, ausländische Arbeiter, Schüler und Studenten waren dem Aufruf zur Demonstration gefolgt und vereinigten sich zu einer machtvollen Demonstration unter roten Fahnen. Immer wieder erschallten die Parolen gegen den Imperialismus und seine Politik, hier in Westdeutschland im Inneren die Unterdrückung zu verschärfen und gleichzeitig den Krieg durch das Komplott Bonn - Moskau (mit der SU, d.Vf.) vorzubereiten. 'Gegen Notstand, Aufrüstung und Revanchepolitik - Für Sozialismus und Frieden. - Nixon - Breschnew Eure Verbrechen werden die kämpfenden Völker rächen. - Deutschland wird rot - trotz KPD-Verbot!!' und andere Parolen.

Die Partei beteiligte sich mit einem eigenen Block an der Demonstration. Geschlossen und diszipliniert wie der ganze Zug riefen unsere Genossen die revolutionären Parolen und trugen so die korrekte Linie in die Demonstration. Unsere wichtigsten Kampfparolen waren: 'Nieder mit dem westdeutschen Imperialismus - Es lebe der Kommunismus. Wenn Brandt und Breschnew von Frieden sprechen, dann planen sie neue Kriegsverbrechen, denn Frieden sichern kann nur die proletarische Diktatur! Weg mit Honecker, Weg mit Brandt - Alle Macht in Arbeiterhand! Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Wer hat uns verraten? DGB-Bürokraten! Wer macht uns frei? Die kommunistische Partei! Wer hat recht? Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao Tse-tung! Heut am 1.Mai ist Indochina bald ganz frei!! Amis raus aus Indochina - Amis raus aus Westdeutschland.'

Die Demonstration führte durch die Neckarstadt, ein altes Arbeiterviertel, das eine rote Vergangenheit hat. Die faschistische SA wagte nur einmal durch dieses Viertel zu ziehen, dann nie mehr. Der Zug wurde von den Menschen in den Fenstern und auf der Straße mit großem Interesse, mit Freunde und von nicht wenigen mit der geballten Faust begrüßt. Mehrmals hielten wir an, um Kurzkundgebungen durchzuführen.

Die Versuche der politischen Polizei (PoPo - K14, d.Vf.), unsere Genossen zu fotografieren, wurden verhindert, indem wir die rote Fahne oder Transparente vor ihre Kameras hielten. Zum Abschluß führten wir eine Kampfkundgebung durch. Es sprachen Genossen der beteiligten Organisationen, ein Vertreter des betrieblichen und des örtlichen Maikomitees und ein persischer (iranischer, d.Vf.) Genosse. Mit besonderem Beifall wurde ein Genosse begrüßt, der in Uniform eine antimilitaristische Rede hielt. Alle Redner hoben hervor, daß auch in Westdeutschland und Westberlin die Haupttendenz Revolution ist, daß das Anwachsen der Arbeiterbewegung und der marxistisch-leninistischen Bewegung uns deutlich zeigen: Der Tag ist nicht mehr allzufern, an dem auch in Deutschland der Sozialismus siegen wird!

Der rote 1. Mai in Mannheim hat die Verbundenheit der Marxisten-Leninisten mit den Massen ein großes Stück vorangebracht. Viele Kontakte wurden geknüpft und auch die Einheit der Marxisten-Leninisten wird durch die Erfahrungen, die wir hier in Mannheim gemacht haben, beträchtlich vorankommen."
Q: Roter Morgen Nr. 10, Hamburg 23.5.1972, S. 6; Rote Fahne Nr. 5, Tübingen Mai 1972;Rebell Nr. 5, Tübingen Mai 1972;Arbeiterkampf Nr. 19, Hamburg Juni 1972, S. 9 und 11;Arbeiter-Zeitung Nr. 3, Mannheim/Heidelberg Apr. 1972, S. 1;Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972, S.5;Kommentar, Heidelberg/Mannheim 28.4.1972;Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 15, Heidelberg/Mannheim 15.5.1972;Klassenkampf Nr. 21, Freiburg 17.5.1972, S.8f

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Wahrheit_1972_04_10


10.05.1972:
In Mannheim/Heidelberg gibt die KG (NRF) einen 'Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie' (vgl. 17.4.1972, 31.5.1972) heraus mit dem Artikel "1. Mai in Mannheim: Die Opposition in den Gewerkschaften wächst".
Q: Kommentar für die Kollegen der Metallindustrie Regierungskrise und Ostverträge, Heidelberg / Mannheim 10.5.1972, S. 2f

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21.06.1972:
Bei Cassella Frankfurt gibt die KPD/ML-ZB ihren 'Roten Cassella-Arbeiter' Nr. 8 (vgl. 2.6.1972, 28.8.1972) heraus mit dem "Arbeiterbericht vom 1. Mai" in Mannheim.
Q: Roter Cassella Arbeiter Nr. 8, Frankfurt 21.6.1972, S. 5

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August 1972:
Vermutlich frühestens im August wird vermutlich in Dortmund das Papier "Die ganze Wahrheit muß heraus, Ernst Aust!" verfaßt, welches vermutlich in die Diskussion um den Anschluß von Teilen der KPD/ML-ZB und des KJVD an die KPD/ML-ZK in Dortmund eingreift. Ausgeführt wird u.a.:"
Eine proletarische Partei greift vom Tag ihrer Gründung an, und zwar in der ersten Phase ihres Aufbaus vorrangig propagandistisch in die Massenkämpfe des Proletariats ein, mit dem Ziel: die Vorhut des Proletariats für den Kommunismus zu gewinnen, was nach Stalin heißt: Kader bilden, eine Kommunistische Partei schaffen, Programm und Grundlagen der Taktik ausarbeiten. Und natürlich können die Klassenanalyse, das Programm, eine richtige politische Linie nur in enger Verbindung mit der Praxis des Klassenkampfes der breiten Massen ausgearbeitet, entwickelt, überprüft werden … Das alles wurde von der Gruppe 'Rote Fahne' nicht beachtet. Wild stürzte sie sich in das, was sie Praxis nannte, und war baß erstaunt, daß die Arbeiter ihren ständigen Aufrufen zum Streik nicht folgten … Stillschweigend korrigierte man einige Positionen, die man zuvor noch als Grund für die Spaltung ausgegeben hatte. Hatte sich damit aber eine ideologische Annäherung ergeben, wie einige unserer Genossen behaupteten, als sie in der 1.Mai-Nummer des Roten Morgen schrieben, daß es praktisch zwischen ihnen und uns kaum noch Unterschiede gäbe? Mitnichten! Wer so etwas behauptet, hat vergessen, daß es grundsätzliche ideologische und politische Widersprüche zwischen ihnen und uns gibt, der hat vergessen, daß es erklärtes Ziel der Gruppe 'Rote Fahne' ist, unsere Partei zu zersetzen und zu zerschlagen, was eindeutig in der Broschüre 'Zwei Wege in den Sumpf des Opportunismus' zum Ausdruck kommt. Wobei sie sich nicht scheuen, Namen von Genossen unserer Partei dem Klassengegner preiszugeben.' Auch hier wird ganz offensichtlich nach der Methode verfahren: Haltet den Dieb! Wenn zwei dasselbe tun, ist es für den Verfasser dieses Pamphlets noch lange nicht dasselbe. Auch wird verschleiert, daß der Verfasser selbst es war, der über den 1.Mai die 'Erkenntnis' im Roten Morgen verbreitete: 'Geradezu heller Wahnsinn war es, was sich in Dortmund abspielte. Zwei KPD/ML unter fast gleichen Losungen und gleicher politischer Linie und zwei Demonstrationen. Das sollen jene verantworten, die unser Angebot zur Aktionseinheit am 1.Mai ablehnten. Wie anders in Mannheim, wo die Genossen der Partei, der Roten Garde gemeinsam mit den Genossen des KJVD demonstrierten: '(RM 5/71) Verfasser beider Artikel: Ernst Aust. In der Tat waren die Parolen in Dortmund fast gleich! In der Tat unterschied sich - nach außen - die politische Linie beider Demonstrationen nicht! Aber: stillschweigend wurde 'vergessen', daß die KPD/ML (Roter Morgen) die Parolen der KPD/ML (Rote Fahne) schlicht kopierte. Warum auch nicht? Es waren ja richtige Parolen! Nur die Sache mit dem 'Angebot' hatte es in sich: was ist das für ein Bündnisangebot, bei dem man den Partner von vornherein damit zu erpressen sucht, daß man bereits zwei Demonstrationen anmeldet? Vor den Massen sollte der Widerspruch, das Bestehen zweier Organisationen, schlicht verschwiegen werden! Man wollte sich stärker und einig geben, als man war. Ja, man tat sogar im RM so, als hätte die Mannheimer Gruppe zum Zeitpunkt der Demonstration noch der KPD/ML (Rote Fahne) bzw. dem KJVD angehört! Man griff also zum offenen Mittel der Lüge, um seine 'Einheitsbestrebungen' glaubwürdig erscheinen zu lassen. Der deutsche Leser, soweit er sich in den Interna auskannte, konnte damit nicht hinters Licht geführt werden. Offenbar zielten solche Verdrehungen - wie viele andere auch - auf die albanischen Genossen, mit deren Anerkennung man hausieren gehen möchte. Gerade diese Anerkennung ist es, mit der man 'argumentiert', mit der man einer ideologischen Diskussion immer wieder auszuweichen versucht. Gerade so aber ist man auch verantwortlich für die Bildung von falschen Fronten. Der Rote Morgen trägt ein erhebliches Maß an Verantwortung, daß sich gewisse Opportunisten auf beiden Seiten einnisten konnten und daß sich die KPD/ML lange Zeit mit Elementen herumschlagen mußte, deren Existenz dem Roten Morgen immer aufs Neue die Möglichkeit zu Diffamierungen der proletarischen Linie bot."
Q: N.N.:Die ganze Wahrheit muß heraus, Ernst Aust!,o.O. o.J.

Januar 1973:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.25 (vgl. Dez. 1972, März 1973) heraus.
Enthalten ist der zweite Teil des Artikels "Wie sich das Zirkelwesen am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht" (vgl. Dez. 1972):"
ZUR AUSEINANDERSETZUNG MIT KBB/NRF (TEIL 2)

Prüfen wir im Licht dieser Situation zwei häufig zu hörende Parolen von NRF/KBB: die Auseinandersetzung zwischen den Kommunisten müßte 'offen vor der Arbeiterklasse' geführt werden und sie müßte 'quer durch die Zirkel hindurch geführt' werden.

Zur ersten Parole: wir haben festgestellt, daß die kommunistische Presse immer noch nur einen sehr kleinen Teil der Arbeiterklasse erreicht und also im besten Fall nur dieser kleine Teil der Arbeiterklasse überhaupt Zeuge der Auseinandersetzung um eine kommunistische Strategie und Taktik wird. Ferner kriegt selbst dieser kleine Teil in der Regel nicht die ganze Breite der Auseinandersetzung mit, sondern im Wesentlichen nur den Standpunkt einer Organisation, deren Zeitung er regelmäßig liest.

Das liegt sozusagen 'in der Natur der Sache'. Bemerkenswert ist aber, daß NRF/KBB anscheinend ausdrücklichen Wert auf die Aufrechterhaltung dieses Zustands legen! In einem bösen Brief beschwerte sich nämlich vor einiger Zeit das NRF bei uns, weil am 1. Mai 1972 einige Genossen den ARBEITERKAMPF in Mannheim (das vom NRF als sein 'Jagdrevier' angesehen wird) verkauft hatten.

Dies - so das NRF - sei 'spalterisch' und 'verwirrend'. Den vollständigen Wortlaut des Heidelberger Briefes haben wir in UNSER WEG 16/17 wiedergegeben. Dies zeigt klar, daß NRF/KBB zwar von 'offener Auseinandersetzung vor der Arbeiterklasse' gerne schwätzen, aber sehr erschrocken sind, wenn man sie beim Wort nimmt."
Q: Arbeiterkampf Nr. 25, Hamburg Jan. 1973

09.04.1973:
Die Nr. 4 der 'Arbeiter-Zeitung' der KG(NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 5.3.1973, 25.4.1973) erscheint vermutlich in dieser Woche. U.a. enthält sie den 1.Mai-Aufruf. Im Maiaufruf heißt es:"
DIE LAGE DER LOHNABHÄNGIGEN VERSCHLECHTERT SICH VON TAG ZU TAG

DER ENTSCHIEDENE KAMPF DER ARBEITERKLASSE UND DES WERKTÄTIGEN VOLKES GEGEN DIE VERSCHLECHTERUNG DER LEBENSLAGE IST NOTWENDIG

Jeder hat noch die Sprüche im Ohr: Die 'soziale Marktwirtschaft sichert allen Wohlstand', die kapitalistische Produktionsweise schafft auch für die Arbeiter 'die beste aller Welten'. Und auch hierbei versuchen sich CDU/CSU und SPD/FDP gegenseitig zu übertrumpfen in ihren Lobpreisungen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Tatsache aber ist, daß es in dieser Gesellschaftsordnung keine dauerhafte Besserung der Lage der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen geben kann.

Auch die bloße Verteidigung der gegenwärtigen Lebenslage wird nur im scharfen Kampf gegen die zunehmende Ausbeutung durch die Kapitalisten und gegen verstärkte Ausplünderung durch den Staat der Kapitalisten erreicht werden können. Wie sehen die Tatsachen aus: 26% aller Erwerbstätigen (dabei werden die Kapitalisten, die Manager, Ministerialbeamten, Regierungschefs, die hohen Gewerkschaftsfunktionäre, die Professoren und andere Parasiten mitgerechnet) verdienen nach wie vor unter 600,- DM Netto. Weitere 22% aller Erwerbstätigen verdienen unter 800,-DM netto. 31% aller Erwerbstätigen verdienen zwischen 800 und 1. 200 DM Netto. Für die Arbeiter, Angestellten und Beamten errechnen die bürgerlichen Statistiker ein durchschnittliches Netto-Einkommen von 1040,-DM. Dieses scheinbar hohe Durchschnittseinkommen kommt aber nur dadurch zustande, daß auch hier Direktorengehälter, Gehälter der hohen Beamten, der Gymnasiallehrer, Landgerichtsräte, Diplomingenieure in leitenden Stellungen, der Chefärzte usw. in einen Topf geworfen werden mit den Löhnen der Arbeiter und den Gehältern der kleinen Angestellten und kleinen Beamten. In Wirklichkeit verdienen mehr als die Hälfte aller Arbeiter weniger als 800,- DM Netto pro Monat und bringen 40% aller Angestellten ebenfalls keine 800,-DM nach Hause.

Das bedeutet einfach, der größte Teil aller Arbeiter und Angestellten muß nach wie vor aus der Hand in den Mund leben und existiert am Rande des Existenzminimums. Das ist das Resultat einer fast ununterbrochenen Aufschwungsphase der kapitalistischen Produktion in Westdeutschland, in deren Verlauf die Arbeiter den Kapitalisten Werte erarbeitet haben, die allen früher gekannten Größenordnungen sprengen und zu einer ungeheuren Stärkung des westdeutschen Imperialismus geführt haben.

Es ist das Resultat einer Entwicklung, in der die Löhne zwar stiegen, ihr Steigen aber in gar keinem Verhältnis zum Kapitalzuwachs der Kapitalisten und zur Steigerung ihrer Profite steht. Immerhin bedeuten die Lohnerhöhungen der letzten Jahre eine tatsächliche Verbesserung der Einkommensverhältnisse der Arbeiter und Angestellten. Damit machen aber die Kapitalisten und ihr Staat jetzt Schluß. Die steigenden Preise und die Ausplünderung der Arbeiter, kleinen Angestellten und kleinen Beamten durch Steuern bewirken inzwischen eine Senkung des Reallohns. Allein die Preissteigerungen für Nahrungsmittel (Steigerung zwischen Januar 1972 und Januar 1973 um 8,2%; die Steigerung zwischen März 1972 und März 1973 wird noch wesentlich höher sein und fast 9% erreichen) übertrifft schon die Lohnerhöhungen. Einzelne Nahrungsmittel sind zwischen Januar 1972 und Januar 1973 fast unglaublich viel teurer geworden: so Kartoffeln um 45%, Frischobst um 36%, Frischfisch um 16%. Fleisch kann sich heute ein normaler Mensch sowieso nur noch an Feiertagen leisten. Aber von Nahrungsmitteln allein kann schließlich keiner leben, und auch die anderen Gebrauchsgüter des täglichen Lebens sind wesentlich teurer geworden. So Kleider und Schuhe, aber auch Autos, Strom und Gas und die öffentlichen Verkehrsmittel kosten immer mehr. Mindestens genauso wie die Preissteigerungen für Nahrungsmittel fallen die Mieterhöhungen (durchschnittlich rund 6% zwischen Dezember 1971 und Dezember 1972) ins Gewicht. Die Einnahmen aus der Lohnsteuer haben sich 1972 um 16,3% erhöht, da die Beschäftigtenzahl in diesem Jahr im wesentlichen gleich geblieben ist, bedeutet das, daß die Steuerbelastung je Lohnabhängigen wesentlich stärker zugenommen hat als die Löhne.

Alles in allem beweisen die angeführten Zahlen, daß sich die Lage der Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes gegenwärtig nicht nur nicht verbessert, sondern im Gegenteil verschlechtert. Das trifft zwar den einzelnen mehr oder weniger stark. Aber was die untersten Lohngruppen und Schichten der Arbeiter, kleinen Angestellten und kleinen Beamten gegenwärtig erfahren, eine Verschlechterung ihrer Lebenslage, das wird der großen Mehrzahl der Lohnabhängigen ebenfalls nicht erspart bleiben. Besonders schlecht geht es den Menschen, die ihre Arbeitskraft nicht mehr verkaufen können und auf die Rente angewiesen sind. Sie werden von den Preiserhöhungen noch härter getroffen als die anderen. Jeder Fünfte in der BRD muß aber von der Rente leben. 1971 hatten 20% der Rentner weniger als 300,-DM, weitere 44% weniger als 600,- DM und nur 36% mehr als 600,-DM.

Die meisten ehemaligen Arbeiter liegen natürlich unter 600,-DM und großenteils näher an den 300,-DM als an den 600,-DM. Schon im Mai 1971 wurde die Wachstumsrate der Renten fast völlig von den Preissteigerungen aufgefressen. Inzwischen ist dies der Fall. Nach lebenslanger Ausbeutung durch den Kapitalisten erwartet den Rentner heute nichts anderes als ein Hungerdasein. Es hat gar keinen Zweck, sich etwas vorzumachen. Die 'soziale Marktwirtschaft' kann ihre Versprechen nicht wahrmachen, die kapitalistische Gesellschaft ist für die Kapitalisten die beste aller Gesellschaften aber für niemand sonst! Die SPD/FDP-Regierung hat daran auch nichts geändert. Wie jede andere Regierung macht sie auch die Geschäfte der Kapitalisten. Sie versucht nur, die Arbeiter bei der Stange zu halten und benützt dazu ihre Spießgesellen in der Gewerkschaftsführung. Diese verhindert mit allen Mitteln den Lohnkampf und schwätzen von Mitbestimmung und Vermögensbildung. Zum 1. Mai geben sie die Parole heraus: 'Mitdenken, Mitbestimmen, Mitverantworten'.

KANN DIE 'MITBESTIMMUNG' ETWAS ÄNDERN?

Als Allheilmittel gegen die Ausbeutung und Unterdrückung preist die Gewerkschaftsführung die Mitbestimmung an. Aber was kann die Mitbestimmung an den Gesetzen des Kapitalismus ändern, der auf der Ausbeutung beruht und nur vorwärts kommt, wenn er die Ausbeutung verstärkt?

Mitbestimmung bei der eigenen Ausbeutung, ist das ein Ausweg? Nein, das ist ein schlimmer Betrug. Das zeigen gerade die Erfahrungen in der Montanindustrie, wo die Mitbestimmung bloß dazu dient, ein paar Arbeitsdirektoren fett zu machen und einige Betriebsräte zu bestechen. Die Arbeiter werden dort nicht nur von den Kapitalisten schikaniert, sondern auch von den Vertretern der eigenen Gewerkschaft.

KANN DIE VERMÖGENSBILDUNG ETWAS ÄNDERN?

Wer kann denn im Ernst glauben, daß die Kapitalisten auf dem Weg der Vermögensbildung mehr herausgeben werden, als ihnen im Lohnkampf abgenommen werden kann? Die Vermögensbildung ist nur ein Ablenkungsmanöver, um die Arbeiter und Angestellten vom Lohnkampf abzulenken. Keinerlei Vermögensbildung ändert etwas daran, daß das Kapital in der Hand der Kapitalisten bleibt und durch die Ausbeutung der Arbeiter zusammenkommt und sich vermehrt. Ein anderes Ablenkungsmittel ist das Grade vom Lohn- und Preisstop.

KANN EIN LOHN- UND PREISSTOP ETWAS ÄNDERN?

Ein Lohn- und Preisstopp, ausgesprochen durch den kapitalistischen Staat und dessen Regierung, bedeutet in Wirklichkeit einen Lohnstopp bei weiter steigenden Preisen. Warum? Weil sich die Preise gar nicht nach den Lohnkosten richten, sondern auf der Grundlage der aufgebrachten Arbeitszeit nach Angebot und Nachfrage. Ein Preisstop bleibt in Wirklichkeit völlig wirkungslos oder führt höchstens zur Herausbildung eines Schwarzmarktes. Die Wirkung eines Lohn- und Preisstops wäre also: Einfrieren der Löhne und weiteres Sinken des Reallohns. Das zeigen die Beispiele der USA ganz klar. Die Löhne hinken den Preisen immer hinterher, durch eine 'Lohn- und Preisstop' wird dieses ökonomische Gesetz des Kapitalismus lediglich verschärft und noch mehr zugunsten der Arbeiterklasse ausgenutzt. Das ganze Gerede vom Lohn- und Preisstop soll lediglich die Arbeiter vom schonungslosen Lohnkampf ablenken. Im Kampf gegen die Verschlechterung des Reallohns hat die Arbeiterklasse kein anderes Instrument als den entschlossenen Lohnkampf. An den Bedingungen freilich, unter denen die ganze gesellschaftliche Entwicklung auf der Ausbeutung der Arbeiterklasse beruht, kann auch der Lohnkampf nichts ändern. Um daran etwas zu ändern, muß die Arbeiterklasse den Kampf für eine neue Gesellschaftsordnung, den Kampf für den Kommunismus aufnehmen und die politische Macht erobern, um die Produktionsmittel in die eigene Hand zu nehmen und die Produktion im Interesse der Arbeiterklasse und des Volkes zu regeln.

In China, Albanien, Nordkorea und Nordvietnam regelt die Arbeiterklasse und das Volk die Produktion. In diesen Ländern gibt es keine Preiserhöhungen, sondern vielmehr werden die Preise nach und nach gesenkt, während die Vergütung der Arbeit ständig steigt. Das ist deshalb so, weil dort die Arbeit nicht den Bereicherung der Kapitalisten dient, sondern der Verbesserung des Lebens der Arbeiterklasse und der breiten Volksmassen. In der Volksrepublik China zum Beispiel sind die Preise für Artikel wie Getreide, Speiseöl, Salz, Baumwolle und Kohle seit 23 Jahren stabil geblieben. Industriegüter für den täglichen Bedarf und Medikamente sind wesentlich verbilligt worden. Vor ein paar Jahren noch würde über den Sozialismus hergezogen. Heute beginnen die Illusionen über die Vorteile des Kapitalismus sich aufzulösen. Der Kampf für den Sozialismus wird wieder zur Perspektive der Arbeiterklasse. Am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, werden wir nicht nur gegen den Lohnabbau, gegen die Preis- und Steuererhöhungen demonstrieren. Wir werden nicht nur gegen die Verschlechterung der Lebenslage, sondern auch für ihre radikale Veränderung demonstrieren."

Diesen Artikel verbreiten auch in:
- NRW in Castrop-Rauxel und Dortmund die KFR (vgl. 20.4.1973).
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.4,Mannheim Apr. 1973; Mai-Zeitung der Kommunistischen Kollektive Hoesch, Zeche Hansa (Dortmund) und Gewerkschaft Viktor (Castrop Rauxel) Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei,Dortmund/Castrop-Rauxel 1973,S.1 und 3

12.04.1973:
In Mannheim besuchen heute, nach eigenen Angaben, über 70 die Maiveranstaltung des KAJB (NRF). Aufgerufen wurde auch bei John Deere.

Gezeigt werden soll ein "Film über den Kampf der Betriebsjugendgruppe bei Salamander".
Q: Arbeiter-Zeitung Extrablatt Solidarität mit den Druckern und Extra Heraus zum 1. Mai, Mannheim 10.4.1973 bzw. 25.4.1973, S. 2 bzw. S. 3; Kommentar für die Kollegen von John Deere Stufenausbildung auch bei John Deere!, Mannheim 9.4.1973, S. 2;Kommunistische Jugend Zeitung Nr. 5, Mannheim Apr./Mai 1973, S. 6f

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15.04.1973:
Frühestens heute gibt die KHG (NRF), die diesmal keine Ortsbezeichnungen in ihrem Namen führt, die Nr. 23 ihrer 'Kommunistischen Hochschulzeitung' (vgl. 18.1.1973, 7.5.1973) heraus. Thema ist u.a. der 1. Mai.
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 23, Heidelberg/Mannheim o.J. (Apr. 1973)

18.04.1973:
Das Betriebskollektiv Daimler-Benz der KG (NRF) Mannheim / Heidelberg gibt seinen 'Kommentar für die Kollegen von Benz' (vgl. 3.4.1973, 25.5.1973) heraus mit dem Leitartikel "Unser Werk bleibt nicht ewig ein Flick-werk!", der zum 1. Mai aufruft und dem Artikel "1. Mai - Kampftag der Arbeiterklasse".
Q: Kommentar für die Kollegen von Benz Unser Werk bleibt nicht ewig ein Flick-werk!, Mannheim 18.4.1973, S. 1f und 4

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24.04.1973:
Bei BBC Mannheim-Käfertal geben der KABD und die RJ (ML) 'Die Rote Turbine' (vgl. 28.2.1973, 18.6.1973) als Jugendausgabe mit dem Leitartikel "1. Mai 73: Alt und jung gegen die Monopoloffensive" heraus. Aufgerufen wird zur Maiveranstaltung in Ludwigshafen mit dem 'Roten Zünder' um 19 Uhr.
Q: Die Rote Turbine Jugendausgabe 1. Mai 73: Alt und jung gegen die Monopoloffensive, Mannheim o. J. (1973), S. 1f und 4

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30.04.1973:
In Mannheim führt die KG (NRF) heute eine Maiveranstaltung zum Thema "Der Stand der Klassenkämpfe und die Aufgaben der Kommunisten" durch, zu der sich, laut KAJB (NRF), 400 Leute einfinden. Laut KSG (NRF) (vgl. 11.5.1973) waren es über 300.
Q: Arbeiter-Zeitung Extra Heraus zum 1. Mai und Extrablatt Alle zur DGB Maidemonstration, Mannheim 25.4.1973 bzw. o. J. (1973), S. 1 bzw. S. 2; Kommunistische Jugendzeitung Nr. 5, Mannheim Apr./Mai 1973, S. 2;Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 23, Heidelberg o.J. (Apr. 1973), S. 3;Schulkampf Nr. 11, Heidelberg Mai 1973, S. 13

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01.05.1973:
In Mannheim führt der DGB, laut KABD, eine Demonstration ab der Hauptfeuerwache durch. Unter den 6 000 Kundgebungsteilnehmern seien auch 100 Spanier gewesen.

Laut KG Hamburg (vgl. 3.5.1973) nehmen an der DGB-Demonstration 5 000 Menschen teil. Zu der Demonstration hatte auch die KG/NRF aufgerufen. "Anschließend zog die KG/NRF mit 500 Demonstranten weiter durch Mannheim zur eigenen Abschlußkundgebung." Aufgerufen hatte die KG (NRF) zur Bildung eines eigenen Blocks. Laut KHG (NRF) demonstrieren über 4 000.

Die DGB-Demonstration besteht, laut KPD/ML-ZK, aus 700 DGB-Anhängern und sonst fast nur aus Anhängern der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg. Man selbst führte zuvor noch eine eigene Maidemonstration durch die Neckarstadt zum DGB mit 40 Personen durch.

Der KB Göttingen (vgl. 24.5.1973) berichtet:"
In Mannheim nahmen an einer vom DGB veranstalteten Demonstration rund 6 000 Kollegen teil. Zu einer anschließenden Kundgebung der Kommunistischen Gruppe Mannheim/Heidelberg fanden sich über 600 Kollegen ein."
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 16, Göttingen 24.5.1973, S. 4; Kommunistische Hochschulzeitung Nr. 24, Heidelberg o.J. (Mai 1973), S. 12;Kommunistische Jugendzeitung Nr. 5, Mannheim Apr./Mai 1973, S. 1f;Roter Morgen Nr. 15, 18 und Extra Trotz Verbot der 1.Mai bleibt rot, Dortmund 21.4.1973, 12.5.1973 bzw. Mai 1973;Hamburger Arbeiter-Zeitung 1.Mai Extra, Hamburg 1973, S. 2;Arbeiter-Zeitung Extra, Mannheim/Heidelberg 25.4.1973;Rote Fahne Nr. 5, Tübingen Mai 1973;Rebell Nr. 5, Tübingen Mai 1973;Schulkampf Nr. 11, Heidelberg Mai 1973, S. 13

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11.05.1973:
Das Boehringer-Kollektiv der KG (NRF) gibt seinen 'Kommentar für die Kollegen von Boehringer Mannheim und Weyl' (vgl. 10.11.1972, 16.5.1973) Nr. 16 heraus mit dem Artikel "DGB und Polizei am 1. Mai".
Q: Kommentar für die Kollegen von Boehringer Mannheim und Weyl Nr. 16, Mannheim 11.5.1973, S. 4

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29.04.1974:
In Mannheim will die KPD/ML eine Maiveranstaltung mit Ernst Aust durchführen.
Q: Roter Morgen Nr. 17, Dortmund 27.4.1974

01.05.1974:
In Mannheim beteiligen sich, laut RJVD, 6 000 an der Maidemonstration. Neben der Blaskapelle des KABD sei auch noch nach der Kundgebung der 'Rote Zünder' auf dem Marktplatz aufgetreten. Diese Aktionen sowie eine Veranstaltung seien u.a. vom Maikomitee BASF Ludwigshafen (Chemiebereich), in dem KABD und RJVD mitarbeiten, organisiert worden.

Auf der DGB-Demonstration gibt es, laut und mit den 'Politischen Briefen', einen Block der SJD Die Falken mit 50 und einen der Jusos der SPD mit 15 - 20 Personen.

Laut KBW (vgl. 15.5.1974) kommen zur DGB-Demonstration ca. 5 000 Menschen zusammen. Ca. 700 Menschen demonstrieren unter den Parolen des KBW. Um 500 versammeln sich zu einer anschließenden Kundgebung des KBW.

In Mannheim-Neckarstadt führt die KPD/ML eine Maidemonstration mit, nach eigenen Angaben, 280 Personen durch. Von der DGB-Demonstration seien 20 zur KPD/ML-Demonstration gezogen.
Q: Roter Morgen Nr. 17 und 18, Dortmund 27.4.1974 bzw. 11.5.1974; Kommunistische Volkszeitung Nr. 10, Mannheim 15.5.1974, S. 11ff;Rebell Nr. 5, Tübingen Mai 1974;Politische Briefe Nr. 3/4, Berlin o.J. (Mai 1974)

29.04.1975:
Heute will die KPD in Mannheim ihre Maiveranstaltung im Neuen Bahnhof in Waldhof durchführen.
Q: Rote Fahne Nr. 16, Dortmund 23.4.1975

01.05.1975:
In Mannheim führt der KBW eine Demonstration und/oder eine Kundgebung durch, die vom KBW selbst zu den größten Aktionen dieser Art in diesem Jahr, mit Teilnehmerzahlen zwischen 500 und 2 000 gerechnet wird. Laut der AMG Mannheim nehmen auch 5 Soldaten in Uniform teil (vgl. 5.5.1975).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 18 und 20, Mannheim 7.5.1975 bzw. 22.5.1975, S. 3 bzw. S. 12

01.05.1975:
In Mannheim rief die KPD/ML zur Roten Maidemonstration auf.
Q: Roter Morgen Sdr.Nr. Zum Roten 1. Mai 75, Nr. 17 und 19, Dortmund o.J. (1975), 26.4.1975 bzw. 10.5.1975

01.05.1975:
Aus Karlsruhe fährt die KPD, nach eigenen Angaben, nach den örtlichen Aktionen noch zur eigenen Demonstration nach Mannheim.
Q: Rote Fahne Nr. 18, Dortmund 7.5.1975

05.05.1975:
Die Antimilitaristische Gruppe (AMG) Mannheim des KBW (vgl. 22.5.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche, daß wegen der Teilnahme von Soldaten in Uniform an der Maidemonstration drei Disziplinarverfahren in der Ludwig Frank Kaserne durchgeführt werden, eines in der 2./970 und zwei in der AusbKp 971.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 20, Mannheim 22.5.1975, S. 12

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12.04.1976:
In Mannheim wird in dieser Woche, laut und von der KPD, ein Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter gegründet.
Q: Rote Fahne Nr. 16, Köln 21.4.1976

26.04.1976:
Die ÖTV Jugendgruppe Gesundheitswesen Mannheim gibt, laut KPD, spätestens in dieser Woche ohne Genehmigung bzw. Zensur des Kreisvorstandes ein Flugblatt zum 1.Mai heraus (vgl. 25.5.1976).
Q: Rote Fahne Nr. 26, Köln 30.6.1976, S. 5

01.05.1976:
In Mannheim beteiligen sich, nach eigenen Angaben, 300 an Demonstration bzw. Kundgebung des KBW. Laut KB nehmen ca. 1 500 Menschen an der DGB-Kundgebung teil, "davon nach eigenen Angaben 300 vom KBW". An der DGB-Kundgebung beteiligen sich, laut AB, 1 000 Personen, u.a. auch Soldaten in Uniform.

Von einer DGB-Demonstration in Mannheim berichtet die KPD.
Q: Rote Fahne Nr. 18, Köln 5.5.1976; Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 86, München 2.5.1976;Arbeiterkampf Nr. 80, Hamburg 14.5.1976, Beilage;Kommunistische Volkszeitung Nr. 18, Mannheim 6.5.1976, S. 2

06.05.1976:
Die Ortsgruppe Mannheim des KBW gibt zur heutigen Nr. 18 der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - vgl. 29.4.1976, 13.5.1976) ihre 'Mannheimer Arbeiterzeitung' (vgl. 8.4.1976, 21.5.1976) als Beilage heraus mit einem Leitartikel zum 1. Mai und dem Artikel "MMGD-Kollegen: Die 140 DM im Kampf durchsetzen!", in dem auch berichtet wird vom 1. Mai.
Q: Mannheimer Arbeiterzeitung Nr. 18, Mannheim 6.5.1976, S. 1f

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21.06.1976:
An den Städtischen Krankenanstalten Mannheim findet, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine ÖTV-Mitgliederversammlung statt, in der u.a. über die Anwendung der UVB in der bzw. gegen die Jugendgruppe Gesundheitswesen wegen deren 1.Mai-Flugblatt (vgl. 26.4.1976, 25.5.1976) diskutiert wird:"
Die anwesenden KBW-Vertreter leisteten den Gewerkschaftsführern und DKP-Revisionisten Schützenhilfe, indem sie das 'formelle Vorgehen' bei der Erarbeitung und Erstellung und schließlichen Verteilung des Flugblattes verurteilten."
Q: Rote Fahne Nr. 26, Köln 30.6.1976, S. 5

24.02.1977:
Die Zelle des KBW für Weyl Mannheim gibt ihren 'Kommentar für die Belegschaft von Weyl' (vgl. 14.2.1977) Nr. 3 heraus mit dem Artikel "Zwei entgegengesetzte Standpunkte bei der Vorbereitung des 1. Mai".
Q: Kommentar für die Belegschaft von Weyl Nr. 3, Mannheim 24.2.1977, S. 6

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01.05.1977:
In Mannheim besuchen, nach eigenen internen Angaben, 125 die Veranstaltung von KABD und RJVD. Von der Veranstaltung berichtet auch der AB. An der KBW Demonstration sollen, laut KABD, 205 Personen teilgenommen haben.
Q: Lernen und kämpfen Nr.6,o.O. Juni 1977; Kommunistische Arbeiterzeitung Extrablatt, München Mai 1977

01.05.1978:
1. Mai in Mannheim. Laut KB beteiligen sich ca. 1 500 - 2 000 Menschen an einer Mai-Feier des DGB. "Die regionale Demonstration der RGO konnte gerade 35 - 40 Teilnehmer verzeichnen. Dagegen brachte es die KBW-Demonstration immerhin auf ca. 50 Leute."
Q: Arbeiterkampf Nr. 129, Hamburg 16.5.1978, S. 14

01.05.1979:
Laut KB beteiligen sich in Mannheim an einer DGB-Demonstration ca. 6 000 Menschen:"
Der KABD Mannheim und einige Spontis demonstrierten ebenfalls durch die Stadt. Schließlich ließ es sich der KBW nicht nehmen, auch noch eine dritte Demo mit ebenfalls 100 Teilnehmern durchzuführen."
Q: Arbeiterkampf Nr. 153, Hamburg 14.5.1979, S. 16

Letzte Änderung: 14.10.2016