Pforzheim und Enzkreis: Betrieb und Gewerkschaft

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 27.9.2013

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Aus dem Bereich der Betriebe und Gewerkschaften in Pforzheim und dem Enzkreis können hier vorerst nur wenige Materialien erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Eine separate Darstellung liegt bisher vor für das Standard Elektrik Lorenz (SEL) Werk Pforzheim.

Während es zu Beginn dieser wie immer unvollständigen Darstellung zu Warnstreiks während der Metalltarifrunde (MTR - vgl. 16.10.1970, 23.10.1970) kommt und auch die DKP in Pforzheim aktiv scheint (vgl. 18.10.1970), ist aus den folgenden Jahren zunächst nur wenig zu erfahren.

Erst die Schließung von Weber und Baral führt dann wieder zu Berichten in der linken Presse (vgl. Feb. 1974), ebenso wie die Streiks in der Metallindustrie im folgenden Jahr (vgl. 5.5.1975, 18.5.1975).

An den Aktionen des DGB zum 1. Mai beteiligen sich linksradikale Gruppen ab spätestens 1976, vermutlich aber auch bereits in den vorherigen Jahren.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

16.10.1970:
Heute beteiligen sich, laut 'EXI', 200 bei Apparatebau Kieschmann in Knittlingen an einem Warnstreik im Rahmen der Metalltarifrunde (MTR).
Quelle: Express International Nr. 108, Frankfurt 30.10.1970, S. 4

18.10.1970:
Auf der 7. Tagung des Parteivorstandes der DKP (vgl. 17.10.1970) wird von 34 PV-Mitgliedern und zugleich Betriebsräten bzw. Gewerkschaftsfunktionären ein "Wort an unsere sozialdemokratischen Kollegen" verfaßt.

Unterzeichnet ist der in Düsseldorf verfaßte Text u.a. von der Gewerkschaftsfunktionärin Lore Schneider aus Pforzheim.
Q: Der Hammer Tödliche Bilanz, Bochum o.J. (1970), S. 3; Hasper Gold Stellungnahme der DKP zur Lohnbewegung der Metaller, Hagen o.J. (1970), S. 6;Lüfter Brief an den Minister, Dortmund o.J., S. 4;DKP Stadtteilgruppe Scharnhorst: Kommunisten stellen sich zur Diskussion, Dortmund o.J. (1970)

23.10.1970:
Die DKP berichtet von der Metalltarifrunde (MTR), daß es heute zu Warnstreiks in Pforzheim kommt.
Q: Unsere Zeit Nr. 44, Düsseldorf 31.10.1970, S. 2

Januar 1972:
Die IGBE (vgl. 1.2.1972) berichtet vermutlich aus dem Januar:"
ARBEITSZEIT VERKÜRZT
EINKOMMEN ERHÖHT

Die IG Bergbau und Energie schloß für die Arbeitnehmer der Fluß- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH einen neuen Tarifvertrag ab.

Vereinbart wurden Arbeitszeitverkürzungen und Einkommenserhöhungen. Die Verhandlungen erbrachten folgendes Ergebnis:

- Die Arbeitszeit der Grubenbetriebe und der Werkstätte beträgt ab 1.1.1972 40 Wochenstunden. Für die verkürzte Arbeitszeit wird ein voller Lohnausgleich gezahlt, in dem auch die in diesem Bereich bisher gesondert bezahlten Ruhetage einbezogen sind. …

- Nach Aufstockung der Löhne und Gehälter durch den Lohnausgleich für die Arbeitszeitverkürzungen wurde eine Lohn- und Gehaltserhöhung ab 1.Januar 1972 um 7,5 Prozent vereinbart.

- Die Nachtschichtzulage beträgt 6 DM pro Schicht. Außerdem wurde vereinbart, zukünftig die Nachtschichtzulage im gleichen Prozentsatz anzuheben, der bei den Einkommensverbesserungen erreicht wird."
Q: Einheit Nr. 3, Bochum 1.2.1972, S. 8

Februar 1974:
Vermutlich im Februar erscheint die Nr. 1 der 'RBJ-Kommunikation' (vgl. Dez. 1973, 26.4.1974). Aus Pforzheim geht man auch auf die Schließung des Metallbetriebes Weber und Baral ein.
Q: RBJ-Kommunikation Nr. 1, Hamburg 1974, S. 33

RBJ278


05.05.1975:
In Pforzheim streiken, laut KBW, in dieser Woche 200 in einer Schmuckwarenfabrik und 150 bei Metallwaren G. Rau.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 19, Mannheim 15.5.1975

18.05.1975:
Der AB gibt die Nr.61 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 4.5.1975, 1.6.1975) heraus und berichtet u.a. aus Pforzheim von Metallwaren Rau und von Rode und Winneberger.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 61, München 18.5.1975

07.01.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.1 (vgl. Jan. 1976, 14.1.1976) heraus. Berichtet wird u.a. von der Uhrenindustrie (IGM-Bereich) im Ländle, u.a. in Villingen-Schwenningen, Pforzheim und Schramberg, wobei auch auf Timex Pforzheim eingegangen wird.
Q: Rote Fahne Nr. 1, Köln 7.1.1976

01.05.1976:
In Pforzheim nehmen, laut KB, ca. 350 Personen an der DGB-Kundgebung teil. U.a. waren auch 50 KBWler und BDJler anwesend.
Q: Arbeiterkampf Nr. 80, Hamburg 14.5.1976, Beilage

01.05.1977:
Zur 1. Mai Demonstration des DGB in Karlsruhe kommen, laut KB, ca. 1 500 bis 2 000 Menschen, "Die DGB-Führer waren im Gegensatz zu ihren Pforzheimer Kollegen recht liberal und duldeten Info-Stände aller linken Gruppen auf dem Fest."
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 10

01.05.1977:
Die 'Rote Fahne' des KABD erhält, nach eigenen internen Angaben, baden-württembergische Korrespondenzen über den 1. Mai u.a. aus Pforzheim.
Q: Lernen und kämpfen Nr. 6, o.O. Juni 1977

01.05.1977:
In Pforzheim kommen, laut KB, ca. 150 - 200 Menschen zu der DGB-Kundgebung. Zu einer vom KB improvisierten Diskussionsrunde kommen ca. 30 Personen.
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 10

26.06.1977:
Die Gruppe Arbeiterstimme-Mehrheitsgruppe gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 9.3.1977, 20.9.1977) Nr. 3/4 (29/30) heraus und berichtet u.a. vom 1. Mai in Pforzheim.
Q: Arbeiterstimme Nr. 3/4, Nürnberg 26.6.1977

23.08.1977:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr. 119 (vgl. 26.7.1977, 6.9.1977) heraus. Man befaßt sich u.a. mit dem Thurn und Taxis Besitz, der sich u.a. auf Schmuckbetriebe in Pforzheim erstreckt.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 119, München 23.8.1977

01.05.1978:
Der KABD hat bis zum Juli Kenntnis von 17 Maikomitees, die von ihm initiiert oder mit Teilnahme bedacht wurden. Hierbei handele es sich u.a. um eines in Pforzheim.
Q: Lernen und kämpfen Nr. 7, o.O. Juli 1978

01.05.1978:
1. Mai in Pforzheim. Laut KB beteiligen sich ca. 300 Personen an einer DGB-Kundgebung. Ca. 70 - 80 Linke beteiligen sich in einem Block:"
Aus Anlaß eines Polizeieinsatzes gegen Flugblattverteiler verschiedener Gruppen und Initiativen am 1.Mai 1977, hatte sich dieses Jahr eine Aktionsgemeinschaft 1.Mai gebildet, bestehend aus: DGB-Jugend, BI (AKW,d.Vf.), AE gegen politische Unterdrückung, Jusos (der SPD,d.Vf.), Falken (SJD der SPD,d.Vf.), Naturfreunde (NFJ,d.Vf.), JZI, KB, SB (SBü,d.Vf.), KABD. In der Woche vor dem 1.Mai wurden von der AG drei Veranstaltungen durchgeführt, jeweils mit 30 - 50 Leuten: zur Jugendarbeitslosigkeit, Kernenergie, Abbau der demokratischen Rechte. Auf allen Veranstaltungen wurde die Haltung des DGB nicht geschont. So wurden z.B. von vielen Teilnehmern die Gewerkschaftsausschlüsse (UVB,d.Vf.) verurteilt."
Q: Arbeiterkampf Nr. 129, Hamburg 16.5.1978, S. 14

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