Pforzheim: Schülerbewegung

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 23.9.2013

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Von den Pforzheimer Schulen können hier bisher nur wenige Hinweise erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Auch in Pforzheim war offenbar die antiautoritäre Schülerbewegung ab den späten 1960er Jahren vertreten, wie aus dem Rückblick des Ringes Bündischer Jugend (RBJ - vgl. Feb. 1974), der dem Kommunistischen Bund (KB) nahestand, ersichtlich ist.

Aktiv sind die Schüler auch in der internationalen Solidarität, nicht zuletzt mit Chile (vgl. 3.5.1975, Dez. 1975).

Aktiv an den Pforzheimer Schulen war vermutlich auch die Sympathisantengruppe des KBW (vgl. 22.5.1975).

Sowohl der RBJ als auch der KBW engagieren sich im Protest gegen die Fahrtkosten (vgl. 26.6.1975).

Daneben treten offenbar auch die Jesus People an den Pforzheimer Schulen auf (vgl. 20.2.1976, 20.3.1976).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

Februar 1974:
Vermutlich im Februar erscheint die Nr. 1 der 'RBJ-Kommunikation' (vgl. Dez. 1973, 26.4.1974). Aus Pforzheim geht man auch auf die 6 Gymnasien sowie die 20 Volks- und Realschulen ein und berichtet:"
Seit den Zeiten der antiautoritären Schülerbewegung Ende der sechziger Jahre ist die Bewegung in den Schulen nur vereinzelt an die Oberfläche getreten.

Die R.B.J.-Gruppe entstand aus einer antiautoritären Pfadfindergruppe. Wie fast alle solche Gruppen hat sie sich unter dem Einfluß der Studentenbewegung durch viele Ansätze von soziologischen , psychologischen und pädagogischen Theorien und politischen Impulsen durchgekämpft.

In dieser Zeit entstanden zahlreiche kleinere und größere Gruppierungen verschiedenster Prägung, sie existieren heute nicht mehr. Besonders die Pforzheimer Schülergewerkschaft, die damals 70 Aktivisten umfasste, ist hierfür kennzeichnend. Aktionen, Demonstrationen und Streiks zum Numerus Clausus, zu Angela Davis und auch zu überregionalen Bemühungen sind auf sie zurückzuführen.

Die Demonstration zum Numerus Clausus (NC - vermutlich im Frühjahr 1970, d. Vf.) war mit 1 500 Menschen die bisher größte der Nachkriegsgeschichte Pforzheims. Diese Gruppen schwankten in ihrer Zusammensetzung sehr stark und waren auch untereinander personell verflochten. Ihre politische Ausrichtung reichte von reformistisch bis anarchistisch. Aber keine dieser Gruppen überlebte mehr als zwei Jahre. Hierzu zählen z. B. die Schülergewerkschaft, der Politische Arbeitskreis Oberschulen (PAS …) und verschiedene Arbeitskreise, die meist mit dem selbstgegründeten Jugendcafé 'Venceremos' zusammenhingen. Dieses Café mußte übrigens schon damals Haussuchungen über sich ergehen lassen. Im Verlauf all dieser Kämpfe wechselte die heutige R.B.J.-Gruppe zweimal ihre Zugehörigkeit zu größeren Verbänden, bis sie sich schließlich an der Gründung des R.B.J.-Bundesverbandes beteiligte.

Die Gruppe hat sich seit mehreren Jahren an fast allen antifaschistischen und fortschrittlichen politischen Aktionen in Pforzheim beteiligt. Eine Kampagne gegen den Wehrkundeerlaß, einen gegen den Besuch des Nazi-Führers Thadden und eine gegen die reaktionäre Oberstufenreform waren die bedeutendsten. … Die R.B.J.-Gruppe ist bisher der einzige Ansatz einer nicht (mehr oder weniger) von der SPD und anderen bürgerlichen Parteien abhängigen Jugendbewegung in Pforzheim. Es gibt zwar auch eine kleine Gruppe der SDAJ, aber sie tritt an den Schulen wenig in Erscheinung …

Seit die Gruppe mehr und mehr selbständige politische Arbeit innerhalb und außerhalb der Schulen betreibt (in letzter zeit durch eine griechenland- und eine Chile-Kampagne), wird sie zunehmend unter Beschuß verschiedener staatlicher Stellen genommen. Schulleiter unterdrücken ihre politische Freiheit, indem sie Wandzeitungen der R.B.J.-Schüler zu Chile, Iran und anderen Themen verbieten und abreißen und indem sie einzelne Schüler unter Druck setzen; einzelne Schüler wurden regelrecht ausführlichen Verhören durch die Schulleitung unterzogen, wobei sie nach Namen anderer Mitglieder ausgefragt und durch einen Wortschwall eingeschüchtert wurden. Der Direktor des staatlichen Reuchlin-Gymnasiums verstieg sich dabei zu üblen Beschimpfungen des R.B.J., aber auch an der Waldorf-Schule - die sich viel auf ihre angebliche Liberalität zugute hält - war es nicht viel besser."
Quelle: RBJ-Kommunikation Nr. 1, Hamburg 1974, S. 33f

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Januar 1975:
Die Nr. 1 der 'Kämpfenden Jugend' - Antifaschistische Jugendzeitung für den Aufbau des Bundes Demokratischer Jugend erscheint (vgl. Dez. 1974, März 1975). Der BDJ / RBJ Pforzheim berichtet in "Gegen bevölkerungsfeindliche Sparpolitik und reaktionäre Umtriebe!" auch vom Hebelgymnasium, Reuchlingymnasium, der Wirtschaftsoberschule und der Realschule 3. Dokumentiert wird auch ein Artikel der 'Pforzheimer Zeitung' zum Protest des Elternrats des Hilda-Gymnasiums gegen das Parkhausprojekt und ein Leserbrief an den 'Pforzheimer Kurier' von der antifaschistischen Aktionseinheit aus Pennclub 2000, KVZ-Lesekreis des KBW, BDJ / RBJ, Verband der Kriegsdienstgegner (VK), Filmclub 'der andere Film' und H. Schröter als Vertreter von Prisma e.V., die im Stadtjugendring (SJR) gegen die Raumvergabe an die Jungen Nationaldemokraten (JN) der NPD protestiert. Dazu heißt es:"
An der Aktionseinheit haben sich beteiligt: 'Pennclub 2000' (JZI), VK (Verband der Kriegsdienstgegner), Gesamtschülerrat, Jungsozialisten, Jungdemokraten und BDJ/RBJ. (Der Vertreter der Jungdemokraten hat sich aber auf der VV auch gegen links distanziert!) Die KSG (Studentenorganisation des 'KABD' - Kommunistischer Arbeiterbund 'Deutschlands') hat die Aktion zwar prinzipiell unterstützt, war aber auf der Stadtjugendvollversammlung nicht anwesend, weil sie an diesem Abend eine eigene Veranstaltung durchführte. Ähnlich war es beim KVZ-Lesekreis (Sympathisanten des KBW), der zwar zugesagt hatte, sich im Publikum einzufinden, dann aber nur einen (!) Zuschauer entsandt hat."
Q: Kämpfende Jugend Nr. 1, Hamburg Jan. 1975, S. 21ff

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03.05.1975:
In Pforzheim veranstalten, laut und mit BDJ (vgl. Juni 1975), vier Schülerzeitungsredaktionen ein Pressefest, dessen Erlös von 1 800 DM an den chilenischen Widerstand gespendet wird. Es kommen an die 1 000 Leute.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 4, Hamburg Juni 1975, S. 25

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22.05.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.20 (vgl. 15.5.1975, 29.52.1975) heraus und berichtet u.a. aus Pforzheim über Lehrer und Schüler des Hildagymnasiums.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 20, Mannheim 22.5.1975

Juni 1975:
Die Nr. 4 der 'Kämpfenden Jugend' - Antifaschistische Jugendzeitung des Bundes Demokratischer Jugend - Ring Bündischer Jugend (BDJ/RBJ - vgl. Mai 1975, Aug. 1975) erscheint.

Ein Mitglied der Schülerkommission Pforzheim berichtet vom Chile-Solidaritätsfest (vgl. 3.5.1975). Die BDJ-Sympathisantengruppe an der Realschule in Pforzheim verfasste den "Leserbrief. Lehrer setzen unbequemen Klassensprecher ab".
Q: Kämpfende Jugend Nr. 4, Hamburg Juni 1975, S. 29

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26.06.1975:
In Pforzheim demonstrieren, laut KBW, ca. 1 000 Schüler gegen die Fahrtkosten. Ein Komitee gegen die Fahrtkosten sei auf Initiative verschiedener Schülerzentren mit Teilnehmern von fast allen Pforzheimer Schulen und auch welchen aus der Umgebung gegründet worden. Bei einem ersten Treffen seien 60 anwesend gewesen. Bisher habe man 3 000 Unterschriften gesammelt.

Laut BDJ (vgl. Aug. 1975) demonstrieren rund 800 Schüler.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 5, Hamburg 1975, S. 5ff; Kommunistische Volkszeitung Nr. 26, Mannheim 3.7.1975

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Dezember 1975:
Die Nr. 7/8 der 'Kämpfenden Jugend' - Antifaschistische Jugendzeitung des Bundes Demokratischer Jugend - Ring Bündischer Jugend (BDJ/RBJ - vgl. Okt. 1975, 20.1.1975) erscheint. Drei BDJler vom Reuchlin-Gymnasium berichten in "Pforzheim. Schülerzeitung 'Geier' verboten. Ist die Wahrheit 'jugendgefährdend'?" vom Vertriebsverbot auf dem Schulgelände, wegen einem Artikel zur Chile-Solidarität.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 7/8, Hamburg Dez. 1975, S. 35

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20.01.1976:
Die Nr. 1 der 'Kämpfenden Jugend' - Antifaschistische Jugendzeitung des Bundes Demokratischer Jugend - Ring Bündischer Jugend (BDJ/RBJ) erscheint (vgl. Dez. 1975, 20.2.1976). Die Schülerkommission des BDJ Pforzheim verfasste den Artikel "Jesus People. Faschisten mit christlichem Mäntelchen", zu der Gruppe, die auch an Pforzheimer Schulen aktiv ist.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 1, Hamburg 20.1.1976, S. 32

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20.02.1976:
Die Nr. 2 der 'Kämpfenden Jugend' - Antifaschistische Jugendzeitung des Bundes Demokratischer Jugend - Ring Bündischer Jugend (BDJ/RBJ) erscheint (vgl. 20.1.1976, 20.3.1976).
Ein Mitglied der BDJ-Schülerkommission Pforzheim berichtet in "Neues Schulgesetz in Baden-Württemberg. Zwangsjacke für Schüler, Lehrer und Eltern".

Zwei BDJler an der Fritz Erler Schule (FES) Pforzheim berichten in "Pforzheim. CDU-, Bank- und Industrieleute gegen Schülerzeitung 'Z'" vom Wirtschaftsgymnasium über die erste Nummer der neuen Schülerzeitung, an der auch zwei BDJler mitarbeiten.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 2, Hamburg 20.2.1976, S. 28ff

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20.03.1976:
Die Nr. 3 der 'Kämpfenden Jugend' - Antifaschistische Jugendzeitung des Bundes Demokratischer Jugend - Ring Bündischer Jugend (BDJ/RBJ) erscheint (vgl. 20.2.1976) mit dem "Leserbrief. Pforzheim. Jesus People: 'Höllenqualen für den BDJ'" der Jesus People bzw. des Gebetskreis Hebel, Teestube Pforzheim.
Quelle: Kämpfende Jugend Nr. 3, Hamburg 20.3.1976, S. 36f

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