Landkreis Böblingen: Schülerbewegung

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

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Aus dem Landkreis Böblingen lag uns bisher (wir bitten um Ergänzungen) örtliches Material aus der Schülerbewegung allein vom Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) Böblingen, wozu ein separater Beitrag besteht, sowie vom Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) Leonberg vor.

Während in dieser Darstellung sowohl einleitend als auch abschließend einige Meldungen verschiedener linker Gruppen erschlossen werden konnten, ist dieser Beitrag ansonsten beherrscht von den Berichten der Marxistisch-leninistischen Schülergruppen (MLSG) des Kommunistischen Arbeiterbundes (ML) bzw. dann des Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands (KABD), die zunächst vor allem am ASG Leonberg aktiv gewesen zu sein scheinen. Neben der MLSG Leonberg am ASG war aber auch die MLSG Böblingen/Sindelfingen u.a. am Goldberggymnasium Sindelfingen aktiv.

Weitere Schulen tauchen hier bisher nur am Rande auf.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

15.04.1970:
In Herrenberg beginnt, laut DKP, ein dreitägiger Schülerstreik gegen den NC.
Quelle: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 16, Düsseldorf 18.4.1970

15.04.1970:
In Sindelfingen beginnt, laut DKP, ein dreitägiger Schülerstreik gegen den NC.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 16, Düsseldorf 18.4.1970

Januar 1971:
Die Nummer 1 des 'Roten Signals' - Organ der Marxistisch-Leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML erscheint (vgl. März 1971). Ein Verteilverbot für Flugschriften herrscht auch am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) in Leonberg.
Q: Rotes Signal Nr. 1, Tübingen Jan. 1971, S. 4f

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18.01.1971:
In Leonberg beginnen die Lehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG), laut MLSG (vgl. März 1971) heute mit der Verweigerung der Überstunden.
Q: Rotes Signal Nr. 2, Tübingen März 1971, S. 5f

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April 1971:
Die Marxistisch-leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML geben die Nr.3 ihres 'Roten Signals' (vgl. März 1971, Mai 1971) heraus. Die MLSG Leonberg berichtet vom Albert Schweitzer Gymnasium (ASG).
Q: Rotes Signal Nr. 3, Tübingen Apr. 1971, S. 5

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Juli 1971:
Die Marxistisch-leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML geben die Nr.6 ihres 'Roten Signals' (vgl. Juni 1971, Sept. 1971) heraus. Es wird auch berichtet aus Leonberg vom Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG).
Q: Rotes Signal Nr. 6, Tübingen Juli 1971, S. 4f

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März 1972:
In Leonberg wollte das Aktionskomitee, in dem auch die MLSG des KAB/ML mitarbeitet, am Albert Schweitzer Gymnasium vermutlich im März eine Veranstaltung gegen den Wehrkundeeerlass (WKE) durchführen, wofür der Raum verweigert wird.
Q: Rotes Signal Nr. 3, Erlangen Apr. 1972, S. 13

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13.03.1972:
In Leonberg bringt die MLSG des KAB/ML vermutlich Anfang dieser Woche die Nr. 1 ihrer Schulzeitung für das Albert Schweitzer Gymnasium (ASG), den 'Roten Schülersprecher' (vgl. Apr. 1972) heraus mit dem Leitartikel "KuMi gegen fortschrittliche Schüler" zum Wehrkundeerlaß (WKE), wozu das Aktionskomitee am ASG und am JKG am Dienstag je eine Protestversammlung durchführen wolle. Berichtet wird vom Raumverbot am ASG für eine WKE-Veranstaltung. Aufgerufen wird zur WKE-Demonstration in Stuttgart am 22.3.1972.

Weitere Artikel sind:
- "Die SMV und die Liberalität des Direktors";
- "Wie uns das Kultusministerium 'informiert'" zum Wehrkundeerlaß (WKE) bzw. einer Informationsbroschüre des Kultusministeriums;
- "Brandt in Persien eine Reise für den Frieden?" zur Iran-Reise (vgl. 5.3.1972); sowie
- "Zur Information" zum Waffenhandel mit Südafrika (Azania).

Geworben wird für die Broschüre des Stuttgarter Aktionskomitee "Weg mit dem Wehrkunde-Erlass": "Die Geschichte des Militarismus in der BRD, seine Propaganda heute", die in der Schule erhältlich sei.
Q: Roter Schülersprecher Nr. 1, Leonberg März 1972; Rotes Signal Nr. 3, Erlangen Apr. 1972, S. 11

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22.03.1972:
Der KJVD der KPD/ML-ZB berichtet vom WKE:"
KAMPF DEM WEHRKUNDEERLASS!

Stuttgart, 22. März 1972. Tausende von Jugendlichen demonstrieren durch die Stadt. Sie protestieren gegen den Wehrkundeerlaß der Landesregierung von Baden-Württemberg, gegen die sogenannte Bekanntmachung der Landesregierung über die 'Berücksichtigung der Landesverteidigung im Schulunterricht' vom 18. August 1971. …

Wahrhaftig - die Herren in Stuttgart und Bonn haben Angst bekommen. Immer mehr Jugendliche verweigern den Kriegsdienst, allein im Jahre 1971 ist die Zahl der Kriegsdienstverweigerer (KDV,d.Vf.) um über 10 000 Mann gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Aber vor allem der Widerstand in der Armee nimmt zu. Der antimilitaristische Kampf der Jugend gefährdet die aggressiven Absichten der Bundeswehr.

'Friedenskanzler' Brandt machte schon im vorigen März seinen Sorgen Luft (vgl. 26.3.1971,d.Vf.) … Und weil Brandt nicht unbeteiligt blieb, wies er die Kultusminister der Länder an, für Kriegspropaganda in den Schulen und Berufsschulen zu sorgen. Baden-Württemberg machte den Vorreiter.

Aber auch die Jungarbeiter und Lehrlinge, die Schüler und Studenten blieben nicht unbeteiligt. In Betrieben, Berufsschulen und Schulen bildete sich eine breite Opposition gegen den Wehrkundeerlaß. In Stuttgart, Konstanz, Ulm, Waiblingen, Ludwigsburg, Karlsruhe und in 20 weiteren Städten bildeten sich Aktionskomitees der demokratischen Jugend gegen den Wehrkundeerlaß. Ihre erklärte Parole war: 'Keine Offiziere an Schulen und Betrieben!'

Und obwohl die Jugendoffiziere der Bundeswehr mit allen demagogischen Tricks bei ihren Propagandavorlesungen in den Schulen und Betrieben vorgehen, stießen sie auf erheblichen Widerstand. Die werktätige Jugend nahm nicht hin, daß wie bei Bosch in Stuttgart auf der Weihnachtsfeier (!) der Lehrlinge Bundeswehrfilme gezeigt werden (IGM-Bereich - vgl. 20.12.1971, d.Vf.).

So bekamen auch Jugendoffiziere in einer Mädchenschule eine kräftige Abreibung. Als die Herren Offiziere den Mädchen einreden wollten, sie müßten ihre 'Soldatenfreunde' zum Wehrdienst 'antreiben', verließen die Mädchen geschlossen den Klassensaal!

Inzwischen gehen die Herren der Stuttgarter Landesregierung mit Terror und Verbot gegen die antimilitaristische Bewegung in Baden-Württemberg vor. Lehrer, die die Jugend in ihrem Kampf gegen die Kriegspropaganda unterstützt haben, erhalten Berufsverbot (BV,d.Vf.), und die Versammlungen der antimilitaristischen Kräfte werden von SPD-Polizeiminister Krause mit Verboten bedroht.

Das zeigt uns nur eins: Der antimilitaristische Widerstand muß verstärkt werden. Die werktätige Jugend versetzt mit ihrem Kampf den Kriegstreibern in Bonn und ihren Parteigängern in Stuttgart heftige Schläge. Der KJVD hat die antimilitaristische Bewegung in Baden-Württemberg an Betrieb und Schule unterstützt. Er hat aber der werktätigen Jugend zuwenig gezeigt, daß der antimilitaristische Kampf gegen Kriegspropaganda und gegen Militarisierung mit einem klaren Ziel verbunden werden muß: mit dem Ziel, die bewaffnete Macht des imperialistischen Staates zu zerschlagen und an seiner Stelle den Arbeiter- und Bauernstaat zu errichten. Der Kampf gegen den Wehrkundeerlaß ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Deshalb heißt die Parole des KJVD:
WEG MIT DEM WEHRKUNDEERLASS!
RAUS MIT DER KRIEGSPROPAGANDA AUS SCHULE UND BETRIEB!"

Laut RJ/ML des KAB/ML sind auf der Demonstration des Stuttgarter Aktionskomitees Weg mit dem Wehrkundeerlaß 2 500 Personen aus Baden-Württemberg, u.a. aus Konstanz, Mannheim, Heidelberg, Waiblingen, Tübingen und Kirchheim. Aufgerufen hätten 14 Organisationen (vgl. 19.3.1972). Laut MLSG (vgl. Apr. 1972) kommen die rund 2 500 Teilnehmer u.a. aus Esslingen, Heidelberg, Kirchheim, Leonberg, Ludwigsburg, Tuttlingen und Tübingen.

Aufgerufen und berichtet wird auch durch die MLSG am ASG Leonberg (vgl. 13.3.1972, Apr. 1972).
Q: Rote Fahne Nr. 4, Tübingen Apr. 1972, S. *; Rotes Signal Nr. 3, Erlangen Apr. 1972, S. 11f;Münchner Schüler Zeitung Nr. 9, München Apr. 1972, S. *;Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 3, Bochum Apr. 1972, S. 3

Roter Schülersprecher Nr. 1 und 2, Leonberg März 1972 bzw. Apr. 1972, S. 3 bzw. S. 5; Rebell Nr. 4 und 8, Tübingen Apr. bzw. Aug. 1972,S.* bzw. S.*
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April 1972:
Es erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KAB/ML Nr.3 (vgl. März 1972, Mai 1972) und berichtet auch vom Sindelfinger Goldberggymnasium, wo gegen den WKE protestiert wurde und aus Leonberg, wo es ein Raumverbot für eine Anti-WKE Veranstaltung gab.
Q: Rotes Signal Nr. 3, Erlangen Apr. 1972, S. 12f

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April 1972:
In Leonberg bringt die MLSG des KAB/ML die Nr. 2 ihrer Schulzeitung für das Albert Schweitzer Gymnasium (ASG), den 'Roten Schülersprecher' (vgl. 13.3.1972) heraus mit dem Leitartikel "Keine SMV-Auflösung!", was vom Schülersprecher sowie einigen Vertretern von Jusos und VK gefordert werde.

Weitere Artikel sind:
- "NEIN zum Landtags-Wahlschwindel!" zu den Landtagswahlen (LTW);
- "Wie die Jusos gegen den Wehrkundeerlass kämpfen" zum WKE;
- "Demonstration gegen Wehrkundeerlass, Militarismus und Notstandskurs" am 22.3.1972 in Stuttgart;
- "Neue Offensive des vietnamesischen Volkes";
- "Industriereportage oder: wie die 'Sozialpartnerschaft von Arbeitern und Unternehmern konkret aussieht. Reporter: Günther Wallraff" zu F&S in Schweinfurt; sowie
- "Bert Brecht: Ausbeutung der Erde und des Menschen".
Q: Roter Schülersprecher Nr. 2, Leonberg Apr. 1972

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Juni 1972:
Es erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KAB/ML Nr.5 (vgl. Mai 1972, Juli 1972). Berichtet wird auch aus Sindelfingen vom Goldberggymnasium.
Q: Rotes Signal Nr. 5, Erlangen Juni 1972, S. 8

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September 1972:
Im September erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr.7/8 (vgl. Juli 1972, Okt. 1972) für August und September. Aus Ludwigsburg wird berichtet von der Bundeswehrschau 'Unser Heer'. Ergänzend fand in der Jägerkaserne ein Seminar der Kreise Leonberg und Ludwigsburg statt. In Leonberg, wohin die Schau dann zog, protestierte ebenfalls die MLSG am ASG und JKG.
Q: Rotes Signal Nr. 7/8, Erlangen Aug./Sept. 1972, S. 10f und 13f

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17.11.1972:
Die Zelle der MLSG Böblingen/Sindelfingen des KABD am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) Böblingen rief auf zur Veranstaltung von MLSG und RJ/ML im Jugendhaus Sindelfingen mit dem Film 'Treffpunkt Peking' über die Ausbildung und Erziehung in der VR China.
Q: Solidarität Nr. 1, Böblingen Nov. 1972, S. 2

18.10.1974:
Die KSG des KABD berichtet über die "Gewerkschaftsveranstaltung gegen Berufsverbote" in Sindelfingen mit R. Offergeld aus München mit ca. 150 Teilnehmern.
Q: Roter Pfeil Nr. 6, Tübingen 1974, S. 10f

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28.06.1975:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.26 (vgl. 21.6.1975, 5.7.1975) heraus und berichtet u.a. aus Sindelfingen über das Berufsverbot (BV) gegen den Lehrer Karl Heinz Deusch (KPD/ML, früher in einer längst aufgelösten Organisation tätig), gegen das sich seine Schüler einsetzen.
Q: Roter Morgen Nr. 26, Dortmund 28.6.1975, S. 10

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13.11.1975:
Die MLSG Böblingen/Sindelfingen des KABD führt, laut KPD/ML, eine Spanienveranstaltung durch.
Q: Roter Morgen Nr. 49, Dortmund 6.12.1975, S. 7

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12.06.1977:
Der KBW Bezirk Mittlerer Neckar gibt die 'Kommunistische Volkszeitung – Bezirksbeilage Mittlerer Neckar Nr. 24 (vgl. 6.6.1977, 27.6.1977) zur morgigen KVZ heraus mit dem Artikel "Strafarbeiten. 'Jetzt bestreiken wir das Gedicht'", in dem berichtet wird aus einem Gymnasium in Weil der Stadt und der Pestalozzi-Sonderschule Böblingen.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Bezirksbeilage Mittlerer Neckar Nr. 24, Stuttgart 12.6.1977, S. 4

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05.12.1977:
Der KBW Bezirk Mittlerer Neckar gibt die 'Kommunistische Volkszeitung – Bezirksbeilage Mittlerer Neckar' Nr. 49 (vgl. 28.11.1977, 12.12.1977) heraus mit dem Artikel "Lohnkampf im Öffentlichen Dienst. Den Angriff auf den Dienstherrn führen!" zur ÖDTR in dem es auch heißt: "In Böblingen wurde ein Lehrer zum Schulamt zitiert, weil er auf einer Wahlplattform der GEW zum Kreisvorstand kandidiert, wo die Abschaffung des Beamtenrechts gefordert wird."
Q: Kommunistische Volkszeitung – Bezirksbeilage Mittlerer Neckar Nr. 49, Stuttgart 5.12.1977, S. 3

Letzte Änderung: 29.06.2016

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