Baden-Württemberg:
Wehrkundeerlass und Jugendoffiziere der Bundeswehr

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Die bundessüdwestdeutsche lernbegierige Linke, so weit sie hier, in dieser wie immer äußerst unvollständigen Darstellung, nach einigen ihrer Linien aufgrund ihrer Dokumente erschlossen, ereifert sich auf dem Felde des Antimilitarismus angesichts des vor allem in Baden-Württemberg nicht nur früh (10.11.1960), sondern auch nachhaltig bekräftigten Hinweises der Notwendigkeit von Wehrkunde zum Erhalt der Wehrtüchtigkeit der Bundesbürger (vgl. 26.6.1970, Feb. 1971).

Baden-Württemberg spielt in dieser Frage offenbar in der Bundesrepublik Deutschland damals den Vorreiter in der militärischen Unterrichtung der Jugend (vgl. Juni 1971, 18.8.1971, 30.8.1971, Okt. 1971, Nov. 1971), was dann im Gegenzug natürlich zu Protesten Anlass bietet (vgl. 4.11.1971, 21.11.1971, Dez. 1971, 1.12.1971, Jan. 1972), die sich auch in der Bildung von Organisationen niederschlagen, wie u.a. in Schwäbisch Gmünd (vgl. 10.4.1972, 19.4.1972), Stuttgart (vgl. Dez. 1971, 27.1.1972), Tübingen (vgl. 18.2.1972), Ludwigsburg (vgl. 23.2.1972) und Rottweil (vgl. 8.12.1971), aber auch im Raum Mannheim/Heidelberg zu Protesten führen (vgl. 28.2.1972, März 1972), ohne dass die Mannheim/Heidelberger bundesweit bei dieser Frage die Bedeutung der Tübinger proletarischen Vorkämpfer zu erlangen vermögen, die diese Gründerväter des späteren KABD und bzw. der heutigen MLPD vermittels ihrer MLSG und deren 'Roten Signals' (vgl. Feb. 1972, März 1972, Apr. 1972, Juni 1972, Sept. 1972) damals auch bei Gruppen eher anderer Provenienz, wie in Wolfenbüttel der ISS aber auch bei späteren KBW-Schülergruppen und der Münchner Roten Schülerfront (RSF - vgl. März 1973), in dieser Frage hatten.

Angesichts der Bedrohung durch die Bundeswehr kommt es in Baden-Württemberg landesweit (vgl. 22.3.1972), aber vermutlich auch in Mannheim, Stuttgart, Tübingen und Kreis Böblingen zur Aktionseinheit von RJ/ML und MLSG bzw. KAB/ML mit KJVD bzw. KPD/ML-ZB, wobei sich die RJ/ML mit dem Verhalten von KJVD und KPD/ML-ZB doch eher arg unzufrieden zeigt.

Die Proteste werden fortgesetzt (vgl. Aug. 1972), nicht nur von der RJ/ML in Ulm (vgl. 23.3.1972, Sept. 1972) und RJ/ML und KSG/ML in Ludwigsburg (vgl. Apr. 1972, 12.6.1972) sowie der MLSG in Urach (vgl. Juni 1972) und Böblingen / Sindelfingen (vgl. Sept. 1972, Dez. 1973), sondern auch im Raum Heidelberg (vgl. 14.7.1972) und vom Kommunistischen Jugendbund (KJB)Freiburg (vgl. 10.4.1972, 18.4.1972, 3.7.1972, 26.2.1973, März 1973) bzw. dessen befreundeten Gewerkschaftsjugendgruppen (vgl. 13.4.1972).

Während aufgrund der Proteste gegen den Wehrkundeerlaß Berufsverbote erfolgen (vgl. Feb. 1974), werden die Proteste gegen Bundeswehrausstellungen und Besuche von Jugendoffiziere fortgesetzt (vgl. 30.5.1973, 24.6.1976, 7.8.1977).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

10.11.1960:
Der Marxistische Schülerbund (MSB) Lübeck (vgl. März 1972) berichtet von Wehrkunderlassen (WKE) bzw. Hinweisen (vgl. 26.6.1970):"
Baden-Württemberg Erlaß vom 10.11.60 – V 6935"
Quelle: Marxistischer Schülerbund-Info Nr.5,Lübeck März 1972,S.2

26.06.1970:
Der Marxistische Schülerbund (MSB) Lübeck (vgl. März 1972) berichtet von Wehrkunderlassen (WKE) bzw. Hinweisen aus Baden-Württemberg, dass heute ein zweiter Erlaß erfolgt (vgl. 10.11.1960).
Q: Marxistischer Schülerbund-Info Nr.5,Lübeck März 1972,S.2

Februar 1971:
Die Nr. 28 des 'Rebell' (vgl. Jan. 1971, März 1971) der RJ/ML erscheint mit dem Artikel "Eine schöne Bescherung" zum Bundeswehrfilm bei der Weihnachtsfeier der Lehrlinge von Bosch Stuttgart.
Q: Rebell Nr. 28, Tübingen Feb. 1971, S. 10

Rebell511


Februar 1971:
Nach eigenem Bericht findet die erste Delegiertenkonferenz der Marxistisch-Leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML statt. U.a. werden auch Beschlüsse gegen den Wehrkunde-Erlaß (WKE) gefaßt.
Q: MLSG:Ein großer Schritt voran. Erfolgreiche Delegiertenkonferenz der Marxistisch-Leninistischen Schülergruppen,o.O. 1971

Juni 1971:
Die Marxistisch-leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML geben die Nr.5 ihres 'Roten Signals' (vgl. Mai 1971, Juli 1971) heraus. Berichtet wird auch aus Baden-Württemberg vom Wehrkundeerlass (WKE).
Q: Rotes Signal Nr.5,Tübingen Juni 1971,S.7f

MLSG027

MLSG028


18.08.1971:
In Baden-Württemberg erfolgt, laut KJVD der KPD/ML-ZB, die Bekanntmachung der Landesregierung über die "Berücksichtigung der Landesverteidigung im Schulunterricht", d.h. den Wehrkundeerlaß (WKE):"
In dieser 'Bekanntmachung' heißt es: '…es ist dringend erforderlich, die Schüler über die Notwendigkeit einer ausreichenden Landesverteidigung zu informieren und die Aufgaben, die der Bundeswehr hierbei zukommen, sachlich und ohne Werbung aufzuzeigen. Die Aufgaben der Bundeswehr sind so verständlich zu machen, daß sie von den Schülern als notwendig anerkannt werden.'"

Der AStA der PH Dortmund (vgl. 2.2.1972) verbreitet mit Hilfe der 'Korrespondenz' (Zeitung der gewerkschaftlichen Studentenorganisation Baden-Württemberg) Nr.2 (vgl. Dez. 1971) den Originaltext:"
BERÜCKSICHTUNG DER LANDESVERTEIDIGUNG IM SCHULUNTERRICHT
BEKANNTMACHUNG VOM 18.AUGUST 1971:

Die Landesregierung ist der Ansicht, daß eine Information über die Notwendigkeit einer ausreichenden Verteidigung als Voraussetzung jeder Entspannungspolitik erforderlich ist und daß der Verzicht auf ein Mindestmaß an Verteidigungsvorkehrungen Frieden und Freiheit gefährdet.

Im Hinblick auf die politische Bildungsarbeit der Schulen, in deren Rahmen die Auseinandersetzung mit der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirklichkeit erfolgt, ist es daher wichtig die Schüler über die Notwendigkeit einer ausreichenden Verteidigung zu informieren und die Aufgaben, die der Bundeswehr hierbei zukommen, sachlich und ohne Werbung aufzuzeigen.

Die Aufgaben der Bundeswehr sind so verständlich zu machen, daß sie von den Schülern als notwendig erkannt werden können.

Entsprechende Themeneinheiten sollen vor allem im Unterrichtsfach Gemeinschaftskunde, gegebenenfalls auch unter fächerübergreifenden Gesichtspunkten bearbeitet werden.

Die nebenamtlichen Jugendoffiziere der in der Nähe stationierten Einheiten der Bundeswehr sowie die hauptamtlich tätigen Jugendoffiziere sind geeignet, sachkundige Informationen zu Fragen der Landesverteidigung zu erteilen und können im Rahmen des Unterrichts herangezogen werden.

Um den wünschenswerten Kontakt zur Bundeswehr zu erleichtern, werden die Anschriften der hauptamtlichen Jugendoffiziere in Baden-Württemberg bekanntgegeben.

Einer eingehenden Information über Wesen und Auftrag der Bundeswehr kann auch der Besuch von Bundeswehreinheiten in der näheren Umgebung durch Schulklassen dienen. Die Bundeswehr widmet diesen Besuchen besondere Aufmerksamkeit.

Darüberhinaus stellen Informationstagungen, die die Oberschulämter im Rahmen der Lehrerfortbildung in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr durchführen, eine wesentliche Hilfe dar.

Fragen der Bundeswehr sollen auch in der Lehrerbildung - insbesondere an den Pädagogischen Hochschulen, Berufspädagogischen Hochschulen und an den Seminaren für Studienreferendare - berücksichtigt werden.

Zur Intensivierung des Unterrichts über Landesverteidigung und Bundeswehr werden als weitere Hilfe angeboten:
1. 'Information für die Truppe', in der bereits ausgearbeitete Unterrichtsbeispiele (einschließlich Stoffsammlung mit Literaturangabe) monatlich veröffentlicht werden.
2. Literatur der Wehrbereichsbibliothek V, 7000 Stuttgart-Bad Cannstatt, Nürnbergerstraße 184, Telef.: 0711/566111, App. 216/478 oder 513.
3. 'Verteidigung' von Emil Obermann, Klett-Verlag, Stuttgart.
4. Ausleihen von Informationsfilmen, Stehbild- und DIA-Reihen."

Auch die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 27.3.1972) berichtet vom WKE (vgl. 19.11.1970, 28.2.1972).
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.3,Mannheim/Heidelberg Apr. 1972,S.10; AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.5;Die Rote Westfalenwalze Für einen roten 1.Mai!,Dortmund 20.4.1972,S.4;Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.3,Bochum Apr. 1972,S.3

30.08.1971:
Die Marxistisch-leninistischen Schülergruppen (MLSG) des KAB/ML geben vermutlich in dieser Woche die Nr.7/8 ihres 'Roten Signals' (vgl. Juli 1971, Okt. 1971) für August und September heraus. Der Leitartikel "Kriegspropaganda im Unterricht" berichtet aus Baden-Württemberg vom Wehrkundeerlass (WKE).
Q: Rotes Signal Nr.7/8,Tübingen Aug./Sept. 1971,S.1ff

MLSG068

MLSG069

MLSG070


Oktober 1971:
Es erscheint der 'Rote Pfeil' Nr. 18 (vgl. Juli 1971, Nov. 1971) der KSG des KAB/ML mit dem Artikel "Verstärkte Kriegspropaganda in der Ausbildung" wobei berichtet wird von der PH Braunschweig und vom Wehrkundeerlass (WKE) in Baden-Württemberg.
Q: Roter Pfeil Nr. 18, Tübingen Okt. 1971, S. 10

Roter_Pfeil010


Oktober 1971:
Die SMV Giengen verschickt, laut MLSG (vgl. Feb. 1972), ein Schreiben zum Wehrkundeerlass (WKE) an die SMVs aller Gymnasien Baden-Württembergs, in der sie die Debatte im Wehrkundeunterricht bzw. die Teilnahme von Kriegsdienstverweigerern (KDV) fordert.
Q: Rotes Signal Nr.1,Tübingen Feb. 1972,S.13

MLSG1521


November 1971:
Die MLSG des KAB/ML geben die Nr.10 ihres 'Roten Signals' (vgl. Okt. 1971, Dez. 1971) heraus. Der Leitartikel "Militaristen raus aus der Schule" befasst sich mit den Wehrkundeerlassen (WKE) mehrerer Bundesländer und dokumentiert denjenigen aus Baden-Württemberg.
Q: Rotes Signal Nr.10,Tübingen Nov. 1971,S.1f

MLSG106

MLSG107


November 1971:
Noch im November erscheint der 'Rote Pfeil' Nr. 19 (vgl. Okt. 1971, Dez. 1971) der KSG des KAB/ML für November/Dezember mit dem Leitartikel "Ellweinplan: Offensive des Militarismus" zu den Bundeswehrhochschulen (BWHS) und dem Wehrkundeerlass (WKE), gegen den die MLSG kämpfen.
Q: Roter Pfeil Nr. 19, Tübingen Nov. / Dez. 1971, S. 1 und 19

Roter_Pfeil019

Roter_Pfeil038


04.11.1971:
Die MLSG des KAB/ML berichtet aus Stuttgart vom Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, dass dort heute eine Vollversammlung zum Wehrkundeerlass (WKE) stattfindet.
Q: Rotes Signal Nr.10,Tübingen Nov. 1971,S.6

MLSG111


21.11.1971:
In Heidelberg gibt die KG (NRF) die Nr.10 ihrer 'Kommunistischen Hochschulzeitung' (vgl. 29.6.1971, 9.12.1971) heraus. Berichtet wird u.a. vom Wehrkundeerlaß (WKE).
Q: Kommunistische Hochschulzeitung Nr.10,Heidelberg 21.11.1971

Dezember 1971:
Die MLSG des KAB/ML geben vermutlich im Dezember die Nr.11 ihres 'Roten Signals' (vgl. Nov. 1971, Feb. 1972) heraus. Der Leitartikel "Aktionseinheit gegen die Militaristen" befasst sich mit den Wehrkundeerlassen (WKE) mehrerer Bundesländer, u.a. Baden-Württembergs.
Q: Rotes Signal Nr.11,Tübingen 1971,S.1ff

MLSG122

MLSG123

MLSG124


Dezember 1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 2.2.1972) zitiert aus der 'Korrespondenz' (Zeitung der gewerkschaftlichen Studentenorganisation Baden-Württemberg) Nr.2 (vgl. **.**.1971, **.**.197*), die vermutlich den KSG/ML des KAB/ML nahesteht, im Zusammenhang mit Vorfällen in Stuttgart (vgl. Dez. 1971):"
Die Kommission zur Neuordnung der Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr, die unter Vorsitz von Dr. Ellwein (der übrigens auch Vorsitzender des Deutschen Studentenwerks ist) ein Gutachten vorlegte, dem Kriegsminister Schmidt 'in den Grundlinien… folgen zu können und folgen zu müssen' überzeugt ist (Ellweinplan, Vorwort; im Folgenden nur noch die Seitenzahlen), besteht aus alten Faschisten wie Ferber, höchsten Ordenträger Hitlers, wie Steinhoff, Konzernbossen, wie Overbeck, aber auch Pädagogik-Professoren, wie Groothoff, der jetzt auf der ersten Stelle der Berufungsliste für Pädagogen an der Uni Stuttgart stand.

Dieser Militarist sollte Studenten unterrichten, die später als Berufsschullehrer die Lehrlingsausbildung übernehmen.

'Die Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften wird durch eine verbesserte Ausbildung… gesteigert.' (S.25) Das ist aber dringend erforderlich, um die Kerntruppe der Zeit- und Berufssoldaten auf 200 000 Mann erhöhen zu können, während gleichzeitig durch den Trick, statt 18, 15 Monate Dienstpflicht einzuführen, die Stärke der Bundeswehr von 450 000 auf 500 000 Soldaten gesteigert wird. Die Kriegsdienstverweigerer (KDV,d.Vf.) sollen nach wie vor 18 Monate Ersatzdienst ableisten. So wird ein noch größerer Teil der Jugend erfaßt, die 'Wehrgerechtigkeit wird verbessert'.

'Die Reform (des) Ausbildungssystems der Streitkräfte soll demnach deren Effektivität wahren, zu ihrer weiteren Integration in die Gesellschaft beitragen und ihre Attraktivität erhöhen.' (S.25).

Dazu werden jetzt nicht nur bundeswehreigene Hochschulen (BWHS,d.Vf.) in Hamburg und München eingerichtet, bei denen der 'wünschenswerte enge Zusammenhang zwischen den allgemeinen öffentlichen Fach- und Hochschulen und der vergleichbaren Einrichtung der Bundeswehr' gewahrt ist (S.13), sondern Teile der Ausbildung werden auch an 'zivilen Ausbildungseinrichtungen durchgeführt.' (S.31)

'Zwischen den allgemeinen Hochschulen und denen der Bundeswehr ist eine enge Kooperation anzustreben, die sich besonders auf die Abstimmung der Lehrpläne und den Austauch des Lehrpersonals erstrecken soll.' (S.51)

Und das betrifft nicht nur die technischen Studiengänge, die an den Fachhochschulen (FHS,d.Vf.) abgeleistet werden sollten, wichtig sind auch 'rechtliche, historische oder politische Grundkenntnisse über die der Offizier verfügen muß.' (S.54)

Besonderen Wert legen die Militaristen bei der Ausbildung der Armee auf Wehrpsychiatrie und Wehrpädagogik, entsprechende Studiengänge sollen in der vielbesungenen 'engen Kooperation' an allen Hochschulen eingerichtet werden.

'Im Rahmen der vorgesehenen Fachbereiche wird Forschung ermöglicht und betrieben. Die Hochschulen werden vor allem auch pädagogische sowie hochschul- und fachdidaktische Forschungsinteressen bei
interdisziplinärer Arbeit befriedigen (S.51).

Aber nicht jeder wird den Vorzug genießen dürfen, studieren zu können. 'Die Bewährung im Dienst ist auch von Bedeutung für die Ausbildungsberatung, die Auswahl der Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen und ggf. den Wechsel der Verwendungsreihe.' (S.32)

Was zur Bewährung gehört, wird auch gleich aufgezählt:
- 'Treues Dienen, das heißt persönliche Opfer und Einschränkungen der persönlichen Freiheit in Kauf zu nehmen;
- Gehorsam, ohne den die Bundeswehr weder verteidigungsfähig noch ein zuverlässiges Instrument in der Hand der politischen Führung ist;
- Tapferkeit…' (S.19)

So sollen die bewährtesten Offiziere neben uns in den Vorlesungen sitzen, sollen die militärpropagandistischen Offiziersprofessoren von den Bundeswehrhochschulen mit allen Hochschulen, von allen Kathedern ihre Kriegshetze verbreiten können, sollen zivile Professoren ihr Denken und ihre Lehrmethoden an den Bundeswehrhochschulen auffrischen können.

Wir Studenten aber sollen bei all dem still zuschauen.

DAS HRG SCHAFFT ALLE VORAUSSETZUNGEN ZUR REALISIERUNG DES ELLWEIN-PLANS.

Damit das auch gut klappt, sind in dem reaktionären Hochschulrahmengesetz der SPD/FDP-Regierung gleich die entsprechenden Paragraphen eingebaut worden.

Paragraph 54 sorgt dafür, daß die Bundeswehrhochschulen als allgemeine Unis anerkannt werden können.

Paragraph 59 sichert den Austausch ziviler und militärischer Lehrkräfte ab.

Paragraph 19 soll jetzt so geändert werden, daß die Studenten, die sich gegen derartige Maßnahmen wehren, mit einem bundeseinheitlichen Ordnungsrecht unter der Knute gehalten werden sollen.

Aber all diese Maßnahmen demonstrieren nicht nur die Stärke unseres Staates, sie zeigen auch und vor allem seine Schwäche. Sie zeigen, daß dieser Staat des Monopolkapitals für die breite Mehrheit der Jugend keine Zukunft zu bieten hat, daß nur mit Unterdrückung und politischer Entrechtung das Volk noch unter der Herrschaft der Wenigen gehalten werden können.

Eine zunehmende Militarisierung ist aber ohne die Wehrwilligkeit der Jugendlichen auf die Dauer nicht möglich. Dies scheinen auch einige CDU-Abgeordnete erkannt zu haben, als sie im Mai 1971 folgende große Anfrage an den baden-württembergischen Landtag gerichtet haben. … (Leider läßt sich in unserer Vorlage die große Anfrage kaum lesen,d.Vf*).

Das Ministerium antwortete u.a. dahingehend, daß es erklärte, die Aufgaben der bewaffneten Macht der BRD seien so darzustellen, daß sie von den Schülern notwendig bejaht werden könnten.

Am 26.3.1971 äußerte sich Schmidt vor dem Bundestag zu diesem Problem: 'An manchen Gymnasien scheint es zum guten Ton zu hören, auf die eine oder andere Weise den Wehrdienst zu vermeiden oder zu umgehen. Von dieser Feststellung können auch manche Lehrer nicht ausgenommen werden.'"

In einem weiteren Artikel heißt es, laut AStA PH Dortmund:"
Die Bundeswehr: Unterdrückungsmaschinerie nach innen und außen.

Diese Armee ist nach dem Krieg hinter dem Rücken und gegen den erklärten Willen des deutschen Volkes wieder aufgebaut worden.

Das Potsdamer Abkommen, wurde von den Friedensphrasen der Herrschenden Schritt für Schritt gebrochen. Inzwischen ist die Bundeswehr zur größten europäischen Armee in der NATO ausgebaut worden, der Rüstungsetat umfaßt inzwischen fast 1/3 des gesamten Haushalts, allein in diesem Jahr wurde der Wehretat um 11% auf 24 Milliarden DM erhöht. Und neben diesen offiziellen Mitteln fließen der Kriegsmaschinerie noch ungeheure Summen aus anderen Etats zu, sei es vom Außen- oder Wirtschaftsministerium, sei es aber auch vom Wissenschaftsministerium.

Aber um den wachsenden Unmut des Volkes zu unterdrücken, bedarf es nicht nur der Bundeswehr. Dazu gehört auch die Aufrüstung des Bundesgrenzschutzes (BGS,d.Vf.), die gesetzliche Möglichkeit ihn auch als Bürgerkriegsarmee im eigenen Land einzusetzen, die immer schwerere Bewaffnung der Polizei, der Ausbau des Werksschutzes, aber auch Maßnahmen, wie die Wiedereinführung der Vorbeugehaft.

'WER DIE JUGEND HAT, DER HAT DIE ZUKUNFT' (Karl Liebknecht).

Das haben auch die Kriegstreiber erkannt. Beim jungen Menschen muß 'Verständnis geweckt werden für die Notwendigkeit einer ausreichenden Verteidigung als Voraussetzung jeder Entspannungspolitik', meint das mit dem Friedensnobelpreis gekrönte Haupt der antidemokratischen SPD/FDP-Regierung, Willy Brandt, in einem Brief an den Reaktionär Helmut Kohl (CDU,d.Vf.) vom 19.11.1970.

Die Jugend wieder für die Ideologie der Vaterlandsverteidigung zu gewinnen, ist dann auch das Ziel des von der CDU/SPD-Landesregierung Baden-Württemberg am 18.8.1971 verabschiedeten Wehrkundeerlasses" (WKE - vgl. dort,d.Vf.).
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.2ff

Dezember 1971:
Anfang Dezember führt in Stuttgart, laut RJ/ML, das Aktionskomitee "Weg mit dem Wehrkundeerlaß" (WKE), welches durch einen Aufruf der Demokratischen Volksaktion (DVA) von 15 Organisationen gebildet worden sei, einen Filmabend im Jugendhaus durch, der von Lehrern und Schülern besucht wird.
Q: Rebell Nr.2,Tübingen Feb. 1972

Dezember 1971:
Der AStA der PH Dortmund (vgl. 2.2.1972) berichtet:"
Im Dezember letzten Jahres hat sich der Senat der Uni Stuttgart bereit erklärt, Berufsoffizieren der Bundeswehr als Studenten aufzunehmen. Die Stuttgarter Uni, an der ohnehin schon Forschungsaufträge des Bonner Kriegsministeriums und der US-Airforce durchgeführt werden, macht sich zum Vorreiter der 'Empfehlung' der Westdeutschen Rektorenkonferenz (WRK - vgl. S*.**.1971,d.Vf.), baldmöglichst etwa 5000 Studienplätze für Angehörige der Truppe an acht westdeutschen Hochschulen einzurichten.

In Stuttgart soll so ein Schritt getan werden zur Realisierung des Ellweinplanes. Dazu ein Artikel aus 'Korrespondenz' Nr.2 vom Dezember 1971 (Zeitung der gewerkschaftlichen Studentenorganisation
Baden-Württemberg)."

Es folgt der Artikel und fortgefahren wird:"
Es wäre nun sehr einseitig, die immer intensiver betriebene Militarisierungspolitik nur unter außenpolitischen Aspekten zu beachten. Der verstärkte Aufbau der Bundeswehr ist im engen Zusammenhang mit den zunehmenden repressiven Maßnahmen gegen fortschrittliche Kräfte in der BRD zu sehen (z.B. Nichteinstellung von progressiven Lehrern in den Schuldienst, Strafversetzung dieser Lehrer und Entfernung aus Schulausschüssen, Spaltung oder Verbot von fortschrittlichen Verbänden - siehe auch DOS 5, 6 und 7). Hierzu schreibt 'Korrespondenz' in der Ausgabe Nr.2 vom Dezember 1971". Es folgt ein weiterer Artikel aus der o.g. Zeitung.
Q: AStA PH Dortmund:AStA-Information Nr.8,Dortmund 2.2.1972,S.2ff

Dezember 1971:
Die Ortsgruppen Frankfurt und Groß Gerau der RJ/ML des KAB/ML geben die Nr.9 ihrer Berufsschulzeitung 'Jungarbeiter und Lehrlingspresse' (vgl. 25.10.1971, 17.1.1972) heraus. Jungarbeiter- und Lehrlingsberichte entstammen der Presse des KAB/ML und seiner Freunde, berichten u.a. aus Baden-Württemberg über die GEW zum Wehrkunde-Erlaß (WKE).
Q: Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr.9,Frankfurt/Groß Gerau Dez. 1971

01.12.1971:
In Ludwigsburg demonstrieren, laut und mit MLSG (vgl. Dez. 1971), 300 Schüler und Studenten der Höheren Fachschule für Sozialarbeit und der Pädagogischen Hochschule (PH), an der es bereits ein Seminar zur Wehrkunde gibt, gegen das Hochschulrahmengesetz (HRG).
Q: Rotes Signal Nr.11,Tübingen 1971,S.8

MLSG129


08.12.1971:
In Rottweil besuchen, laut und mit MLSG (vgl. Feb. 1972), etwa 60 Lehrer und Schüler die erste Sitzung der Aktionseinheit gegen den Wehrkundeerlass (WKE). Die Forderungen nach Räumen an den vier Gymnasien für die Aktionseinheit, die auch von den vier SMVs unterstützt worden sei, wurde von drei Direktoren abgelehnt.
Q: Rotes Signal Nr.1,Tübingen Feb. 1972,S.10

Januar 1972:
Vermutlich im Januar erscheint der 'Rote Pfeil' Nr. 1 (vgl. Dez. 1971) der KSG des KAB/ML mit dem Artikel "Pädagogikstudenten gegen geplante Offiziersausbildung" zur Umsetzung des Ellweinplans bzw. des WKE an der Universität Stuttgart und "Rechter AStA holt Militaristen an PH" zur Unterstützung des Wehrkundeerlaß an der PH Schwäbisch Gmünd.
Q: Roter Pfeil Nr. 1, Tübingen o. J. (1972), S. 4

Roter_Pfeil047


Januar 1972:
Vermutlich Anfang des Jahres erscheint ein Flugblatt der RJ/ML Ortsgruppe Sindelfingen/Böblingen zum Wehrkundeerlass (WKE) unter dem Titel "Keine militaristische Propaganda an den Schulen!".
Q: RJ/ML Ortsgruppe Sindelfingen/Böblingen:Keine militaristische Propaganda an den Schulen!,Stuttgart o. J.

BW_Wehrkunde_FB_Keine_militaristische_Propaganda_S_1

BW_Wehrkunde_FB_Keine_militaristische_Propaganda_S_2


27.01.1972:
In Stuttgart besuchen, laut und mit MLSG (vgl. Feb. 1972), über 400 Schüler und Studenten eine Veranstaltung gegen den Wehrkundeerlass (WKE).
Q: Rotes Signal Nr.1,Tübingen Feb. 1972,S.9ff

MLSG148

MLSG149

MLSG150


Februar 1972:
Die MLSG des KAB/ML geben die Nr.1 ihres 'Roten Signals' (vgl. Dez. 1971, Feb. 1972) heraus. Der Leitartikel "Weg mit dem Wehrkundeerlass. SPD/FDP-Regierung im Dienst des Imperialismus" befasst sich mit dem WKE Baden-Württembergs, wobei auch an der Uni Ulm lehrende Offiziere Erwähnung finden.
Q: Rotes Signal Nr.1,Tübingen Feb. 1972,S.1ff

MLSG140

MLSG141

MLSG142

MLSG143


18.02.1972:
In Tübingen beteiligen sich, laut MLSG des KAB/ML, ca. 500 an einer Demonstration gegen den Wehrkundeerlaß (WKE), die von einer Aktionseinheit gegen Militarismus und Abbau demokratischer Rechte durchgeführt worden sei.
Q: Rotes Signal Nr.2,Tübingen März 1972

23.02.1972:
In Ludwigsburg beteiligen sich, laut MLSG des KAB/ML, ca. 350 Schüler, Studenten und Berufsschüler an einer Demonstration gegen den Wehrkundeerlaß (WKE), die von einer Aktionseinheit Weg mit dem Wehrkundeerlaß aus u.a. KSG/ML, RJ/ML, MLSG, GEW-Mitgliedern und der Schülerinitiative gegen den Wehrkundeerlaß organisiert worden sei.
Q: Rebell Nr.8,Tübingen Aug. 1972; Münchner Schüler Zeitung Nr.9,München Apr. 1972;Rotes Signal Nr.2,Tübingen März 1972,S.9f

MLSG171

MLSG172


28.02.1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 27.3.1972) berichtet spätestens aus dieser Woche vom WKE:"
WEHRKUNDEERLASS: VERSTÄRKTE MILITARISTISCHE PROPAGANDA
MILITARISIERUNG SOLL DIE SCHULEN ERFASSEN

Das Kultusministerium in Baden-Württemberg gab am 18.8.1971 einen Wehrkundeerlaß heraus unter der Überschrift 'Berücksichtigung der Landesverteidigung im Schulunterricht'. Damit soll eine verstärkte militaristische Propaganda in den Schulen eingeleitet werden.

Der Wehrkundeerlaß geht zurück auf einen Brief von 'Friedenskanzler W. Brandt (SPD,d.Vf.) an den Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz, H. Kohl (CDU,d.Vf.), vom November 1970 (vgl. 19.10.1970,d.Vf.). … Auch im Wehrkundeeerlaß wird das Ziel offen genannt: 'DIE AUFGABEN DER BUNDESWEHR SIND SO VERSTÄNDLICH ZU MACHEN, DASS SIE VON DEN SCHÜLERN ALS NOTWENDIG ANERKANNT WERDEN KÖNNEN.'

Der Erlaß ist Ende Februar auch vom Landtag fast einstimmig (zwei Enthaltungen) gebilligt worden und an vielen Schulen läuft der Wehrkundeunterricht bereits, sei es mit Hilfe der vom KuMi vorgeschlagenen Schriften oder wie an der Berufsschule, wo schon seit Jahren regelmäßig Bundeswehroffiziere 'bewaffnet' mit Maschinenpistolen, Prospekten und Vorträgen über den Militarismus von der Antike bis zur Gegenwart auftauchen.

Ähnliche Beschlüsse gibt es auch in anderen Bundesländern. So strebt etwa der niedersächsische SPD-Minister Oertzen die Einführung eines Faches 'Wehrkunde' an und der sog. Ellwein-Plan (vgl. S10**.197*,d.Vf.), der die Schaffung von Bundeswehruniversitäten (BWHS,d.Vf.) vorsieht, versucht analog zur Verstärkung der militaristischen Propaganda an den Schulen, militaristische Forschung und Lehre an den Hochschulen zu
verankern.

WAS BEDEUTET DIE VERSTÄRKUNG DER MILITARISTISCHEN PROPAGANDA IM GESAMTEN AUSBILDUNGSBEREICH?

Die Serie von Wehrkundeerlässen entspringt der aktuellen Sorge der Kapitalisten und ihrer Büttel im Staatsapparat um den wachsenden Friedenswillen innerhalb der Jugend, der sich nicht bloß außerhalb der Bundeswehr, z.B. in den ansteigenden Zahl der Kriegsdienstverweigerer (KDV,d.Vf.), zeigt, sondern auch innerhalb der Armee. So beklagt etwa der am 10.März (vgl. 10.3.1972,d.Vf.) veröffentlichte Jahrsbericht des Wehrbeauftragten bitter das 'Nachlassen der Disziplin in der BW'.

Immer mehr Jugendliche erkennen, daß die Bundeswehr in Wahrheit keine Friedensarmee ist, sondern umgekehrt: ein Instrument der Kapitalistenklasse zur Erweiterung des BRD-Imperialismus nach außen und nach innen zur Unterdrückung kämpferischer Bewegungen der Arbeiterklasse und des Volkes.

Die Bundeswehr ist ein entscheidender Bestandteil im Verbund der imperialistischen Militärsysteme. Die militärische Herrschaft der imperialistischen Staaten soll die Ausbeutung der Arbeitskräfte und Bodenschätze und die Erschließung von Märkten in der ganzen Welt absichern. Diese militärische Macht wird eingesetzt gegen die Befreiungsbewegungen der Völker, die für die Befreiung von der imperialistischen Ausbeutung kämpfen. Die weltweite Ausbeutung ist aber lebensnotwendig für das Kapital, um hohe Profite zu garantieren. Die Herrschaft des Kapitals ist ebenso gefährdet durch die Kämpfe der Arbeiterklasse in Westeuropa und in den USA. Gegen die sich entwickelnden politischen und ökonomischen Klassenkämpfe wird schon jetzt der gesamte Unterdrückungsapparat in der Bundesrepublik ausgebaut.

Der Einsicht in die Unterdrückungsfunktion der Bundeswehr versucht der Klassenstaat von vornherein zu begegnen durch die 'Verbesserung' der militaristischen Erziehung der Jugend. Die militaristische Propaganda soll die Jugend noch mehr als bisher bereits im Schulalter erreichen.

Die Unterdrückung antiimperialistischer Impulse an den Schulen ist ein nicht zu unterschätzendes Teil in einer ganzen Kette von Unterdrückungsmaßnahmen, mit denen sich die Kapitalistenklasse und ihr Staat auf allen Ebenen auf den Angriff auf die Interessen der werktätigen Bevölkerung vorbereitet: Berufsverbote (BV,d.Vf.) für Demokraten und Kommunisten im öffentlichen Dienst (ÖD,d.Vf.), Verbotsdrohungen gegen sozialistische und kommunistische Organisationen und in den Betrieben mit der politischen Knebelung der Arbeiterklasse durch die Neuauflage des arbeiterfeindlichen Betriebsverfassungsgesetzes (BVG,d.Vf.) und den Ausbau des Werkschutzes.

Der Wehrkundeerlaß ist außerdem als Ergänzung der Berufsverbote für demokratische und sozialistische Lehrer gedacht. Diejenigen Lehrer, die nicht bereit sind, sich vor den militaristischen Karren spannen zu lassen und den gleichen verbrecherischen Einfluß auf die Jugend auszuüben wie vor dem I. und II.Weltkrieg, müssen damit rechnen, aus dem Schuldienst zu fliegen.

Besonders wichtig bei der Verschärfung der Unterdrückung in allen gesellschaftlichen Bereichen ist die Stärkung und der Ausbau der militärischen und halbmilitärischen Machtorgane des Staates. Um die Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968,d.Vf.) durchführen zu können, werden Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und Polizei verstärkt aufgerüstet. Auch die Mobilmachungsübungen, die in jüngster Zeit von Polizei und Bundesgrenzschutz gemeinsam vorgeführt werden, dienen der Vorbereitung auf die terroristische Machtausübung gegen den sogenannten inneren Feind. Den Höhepunkt wird in diesem Jahr die zentrale Mobilmachung bilden, die Kriegsminister Schmidt zynisch mit den Worten ankündigte (vgl. S11**.1972,d.Vf.): 'Ich strebe an, daß alles eingezogen wird, was nur halbwegs gehen und stehen kann.'

Wer die politische Entwicklung in der BRD in den letzten Jahren verfolgt hat, den wundert es nicht, daß die Büttel der herrschenden Klasse gerade heute den Versuch unternehmen, den drohenden Abfall eines Großteils der arbeitenden und studierenden Jugend vom kapitalistischen Staat und seinen Einrichtungen mit massiver militaristischer Werbung zu verhindern. In einer Zeit, wo sie alle Waffen gegen die Arbeiterklasse und das Volk wetzen, können sie keine antimilitaristische Bewegung in den Schulen brauchen. Die Kapitalisten und ihr Staat müssen umgekehrt ihr ganzes ideologisches Arsenal aufwenden, um Begeisterung und Zustimmung zu erreichen. Die Tatsache, daß Kultusminister Hahn bereits massiv Disziplinar- und 'Erziehungs'-Maßnahmen gegen Schüler angekündigt hat, die aktiv am antimilitaristischen Kampf teilnehmen, zeigt, daß die Herrschenden bereit sind, dies auch mit allen Mitteln durchzusetzen.

DIE SPD-GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG WILL DEN KONSEQUENTEN ANTIMILITARISTISCHEN KAMPF GEGEN DIE FORTSCHREITENDE MILITARISIERUNG VERHINDERN

ÖTV-Vorsitzender Kluncker warb 1970 so für die Bundeswehr, als er auf einer Arbeitstagung der Bundeswehr meinte, 'die gemeinsame Aufgabe von Gewerkschaft und Bundeswehr' bestünde darin, 'auf verschiedene Weise die demokratische Ordnung zu stabilisieren und zu sichern.'

Zwischen 'bewaffneter Macht und organisierter Arbeitnehmerschaft', den 'beiden stärksten gesellschaftlichen Kräften' müsse das Gemeinsame noch fester geknüpft werden (in Springers Zeitung 'Welt', 21.2.1970). Die Verhinderung und Unterdrückung des antimilitaristischen Kampfes soll als gemeinsame Aufgabe von imperialistischer Militärmacht und Gewerkschaft betrieben werden."

Berichtet wird auch vom Verhalten des DGB in Heidelberg (vgl. März 1972).
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.3,Mannheim/Heidelberg Apr. 1972,S.10f

März 1972:
Es erscheint die Nr.2 des 'Roten Signal' der MLSG des KAB/ML (vgl. Apr. 1972), die sich u.a. auch mit dem Wehrkundeerlaß (WKE) befaßt.
Q: Rotes Signal Nr.2,Tübingen März 1972

März 1972:
Der Marxistische Schülerbund (MSB) Lübeck (vgl. März 1972) berichtet von Wehrkunderlassen (WKE) bzw. Hinweisen aus Baden-Württemberg, dass derzeit ein neuer Erlaß vorbereitet werde (vgl. 10.11.1960, 26.6.1970).
Q: Marxistischer Schülerbund-Info Nr.5,Lübeck März 1972,S.2

März 1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg (vgl. 27.3.1972) berichtet spätestens aus dem März vom DGB KJA:"
Die DGB-Führung läßt zwar an Weihnachten Plakate kleben gegen Kriegsspielzeug, macht aber gemeinsame Sache mit denen, die sich durch Notstandsgesetze und Ausbau des staatlichen Unterdrückungsapparates darauf vorbereiten, mit Panzern massenhafte Kämpfe der Arbeiterklasse niederzuschlagen.

Deswegen versucht die Gewerkschaftsführung, alle Ansätze des Kampfes gegen die weitere Militarisierung abzuwürgen. Dies geschah in Heidelberg, als die Gewerkschaftsjugend ein Flugblatt gegen den Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.) und die Militarisierung der Gesellschaft an den Berufsschulen verteilen wollte. Der Heidelberger DGB-Chef Neumann lehnte das Flugblatt in einer Kreisjugendausschußsitzung ab unter einem fadenscheinigen Vorwand. Ein genaues Zitat aus einer Rede von Kanzler Brandt, das offen die Militarisierung propagierte, war SPD-Neumann zu deutlich. Es sollte nicht von der Gewerkschaftsjugend verbreitet werden. SPD-Neumann wollte verhindern, daß in der Arbeiterjugend bekannt wird, mit welchem Eifer 'Friedenskanzler Brandt sich um die Militarisierung bemüht.

Solchen Versuchen, die Ansätze des anti-militaristischen Kampfes abzuwürgen, müssen wir entschieden entgegentreten, denn die antimilitaristische Aufklärung und Propaganda muß gerade in der Gewerkschaftsjugend und der gesamten Arbeiterklasse geführt werden."
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.3,Mannheim/Heidelberg Apr. 1972,S.11

März 1972:
In München geben KHB/ML und RSF die Nr. 4 ihrer 'Kommunistischen Schüler- und Studentenzeitung' (KSZ – vgl. Jan. 1972, Apr. 1972) für März heraus mit dem Artikel "Breite Front gegen Wehrkundeerlaß" zum WKE in Baden-Württemberg, wobei von den MLSG berichtet wird.
Q: Kommunistische Schüler- und Studentenzeitung Nr. 4, München März 1972, S. 9f

Muenchen_KSZ150

Muenchen_KSZ151


19.03.1972:
In Baden-Württemberg treten KPD/ML-ZB und KJVD, laut KAB/ML, dem Aktionskomitee Weg mit dem Wehrkundeerlaß (WKE) bei (vgl. 22.3.1972).
Q: Rote Fahne Nr.4,Tübingen Apr. 1972

22.03.1972:
Der KJVD der KPD/ML-ZB berichtet vom WKE: "
KAMPF DEM WEHRKUNDEERLASS!

Stuttgart, 22. März 1972. Tausende von Jugendlichen demonstrieren durch die Stadt. Sie protestieren gegen den Wehrkundeerlaß der Landesregierung von Baden-Württemberg, gegen die sogenannte Bekanntmachung der Landesregierung über die 'Berücksichtigung der Landesverteidigung im Schulunterricht' vom 18. August 1971. …

Wahrhaftig - die Herren in Stuttgart und Bonn haben Angst bekommen. Immer mehr Jugendliche verweigern den Kriegsdienst, allein im Jahre 1971 ist die Zahl der Kriegsdienstverweigerer (KDV, d.Vf.) um über 10 000 Mann gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Aber vor allem der Widerstand in der Armee nimmt zu. Der antimilitaristische Kampf der Jugend gefährdet die aggressiven Absichten der Bundeswehr.

'Friedenskanzler' Brandt machte schon im vorigen März seinen Sorgen Luft (vgl. 26.3.1971, d.Vf.) … Und weil Brandt nicht unbeteiligt blieb, wies er die Kultusminister der Länder an, für Kriegspropaganda in den Schulen und Berufsschulen zu sorgen. Baden-Württemberg machte den Vorreiter.

Aber auch die Jungarbeiter und Lehrlinge, die Schüler und Studenten blieben nicht unbeteiligt. In Betrieben, Berufsschulen und Schulen bildete sich eine breite Opposition gegen den Wehrkundeerlaß. In Stuttgart, Konstanz, Ulm, Waiblingen, Ludwigsburg, Karlsruhe und in 20 weiteren Städten bildeten sich Aktionskomitees der demokratischen Jugend gegen den Wehrkundeerlaß. Ihre erklärte Parole war: 'Keine Offiziere an Schulen und Betrieben!'

Und obwohl die Jugendoffiziere der Bundeswehr mit allen demagogischen Tricks bei ihren Propagandavorlesungen in den Schulen und Betrieben vorgehen, stießen sie auf erheblichen Widerstand. Die werktätige Jugend nahm nicht hin, daß wie bei Bosch in Stuttgart auf der Weihnachtsfeier (!) der Lehrlinge Bundeswehrfilme gezeigt werden (IGM-Bereich - vgl. 20.12.1971, d.Vf.).

So bekamen auch Jugendoffiziere in einer Mädchenschule eine kräftige Abreibung. Als die Herren Offiziere den Mädchen einreden wollten, sie müßten ihre 'Soldatenfreunde' zum Wehrdienst 'antreiben', verließen die Mädchen geschlossen den Klassensaal!

Inzwischen gehen die Herren der Stuttgarter Landesregierung mit Terror und Verbot gegen die antimilitaristische Bewegung in Baden-Württemberg vor. Lehrer, die die Jugend in ihrem Kampf gegen die Kriegspropaganda unterstützt haben, erhalten Berufsverbot (BV, d.Vf.), und die Versammlungen der antimilitaristischen Kräfte werden von SPD-Polizeiminister Krause mit Verboten bedroht.

Das zeigt uns nur eins: Der antimilitaristische Widerstand muß verstärkt werden. Die werktätige Jugend versetzt mit ihrem Kampf den Kriegstreibern in Bonn und ihren Parteigängern in Stuttgart heftige Schläge. Der KJVD hat die antimilitaristische Bewegung in Baden-Württemberg an Betrieb und Schule unterstützt. Er hat aber der werktätigen Jugend zuwenig gezeigt, daß der antimilitaristische Kampf gegen Kriegspropaganda und gegen Militarisierung mit einem klaren Ziel verbunden werden muß: mit dem Ziel, die bewaffnete Macht des imperialistischen Staates zu zerschlagen und an seiner Stelle den Arbeiter- und Bauernstaat zu errichten. Der Kampf gegen den Wehrkundeerlaß ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Deshalb heißt die Parole des KJVD:
WEG MIT DEM WEHRKUNDEERLASS!
RAUS MIT DER KRIEGSPROPAGANDA AUS SCHULE UND BETRIEB!"

Laut RJ/ML des KAB/ML sind auf der Demonstration des Stuttgarter Aktionskomitees Weg mit dem Wehrkundeerlaß 2 500 Personen aus Baden-Württemberg, u.a. aus Konstanz, Mannheim, Heidelberg, Waiblingen, Tübingen und Kirchheim. Aufgerufen hätten 14 Organisationen (vgl. 19.3.1972). Laut MLSG (vgl. Apr. 1972) kommen die rund 2 500 Teilnehmer u.a. aus Esslingen, Heidelberg, Kirchheim, Leonberg, Ludwigsburg, Tuttlingen und Tübingen.

Die RJ/ML berichtet auch bei Daimler Sindelfingen (vgl. 27.3.1972).

In NRW berichtet die JBG Hoesch Phoenix Dortmund (IGM-Bereich) des KJVD der KPD/ML-ZB, in Bayern die MLSG Erlangen am Fridericianum (vgl. Mai 1972).
Q: Rote Fahne Nr. 4, Tübingen Apr. 1972, S. *; Roter Pfeil Nr. 2/3, Tübingen Apr./Mai 1972, S. 26;Roter Stern Nr. 2, Sindelfingen o. J. (1972), S. 6ff;Rotes Signal Nr. 3, Erlangen Apr. 1972, S. 11f;Münchner Schüler Zeitung Nr. 9, München Apr. 1972, S. *;Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 3, Bochum Apr. 1972, S. 3

Rebell Nr. 4 und 8, Tübingen Apr. bzw. Aug. 1972, S. * bzw. S.*; UK, Erlangen Mai 1972
MLSG191

MLSG192

Erlangen_KABD015

Roter_Pfeil634

Sindelfingen_Daimler026

Sindelfingen_Daimler027

Sindelfingen_Daimler028


23.03.1972:
In Ulm besuchen, nach eigenen Angaben, 70 Lehrlinge, Schüler und Studenten die Veranstaltung von RJ/ML und MLSG des KAB/ML gegen den Wehrkundeerlaß (WKE), zu der die RJ/ML u.a. mit einem Extra ihrer Berufsschulzeitung 'Der Rotstift' mobilisiert hatte, während die MLSG dies an den Gymnasien tat.
Q: Der Rotstift Extra Weg mit dem Wehrkundeerlaß und Nr.8,Ulm März 1972 bzw. Apr. 1972; Rebell Nr.4,Tübingen Apr. 1972;Das rote Band Nr.3,Ulm März 1972

April 1972:
Die Nr.4 des 'Rebell' der RJ/ML des KAB/ML (vgl. März 1972, Mai 1972) berichtet u.a. aus Ludwigsburg. Vor einigen Wochen sei in Ludwigsburg eine Demonstration der Aktionseinheit 'Wehrkundeerlaß' (WKE) durchgeführt worden, die von der RJ/ML unterstützt worden sei.
Q: Rebell Nr.4,Tübingen Apr. 1972

April 1972:
Es erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KAB/ML Nr.3 (vgl. März 1972, Mai 1972). Der Leitartikel berichtet über "Reaktionäre Schulgesetze der Länder", die sich durch Versammlungsverbote wie gegen die WKE-Komitees in Baden-Württemberg niederschlagen. Berichtet wird auch vom Sindelfinger Goldberggymnasium, wo gegen den WKE protestiert wurde und aus Leonberg, wo es ein Raumverbot für eine Anti-WKE Veranstaltung gab.
Q: Rotes Signal Nr.3,Erlangen Apr. 1972,S.12f und 16

MLSG181

MLSG182

MLSG192

MLSG193

MLSG194

MLSG195

MLSG196


April 1972:
Die MLSG Düsseldorf der RJ/ML des KAB/ML gibt vermutlich im April die Nr.2 ihrer 'Roten Schülerpresse' heraus.

Berichtet wird u.a. aus Baden-Württemberg vom Protest gegen den Wehrkundeerlass (WKE - vgl. 23.2.1972).
Q: Rote Schülerpresse Nr.2,Düsseldorf 1972,S.5f

BW_Wehrkunde_Rote_Schuelerpresse_1972_Nr_2_S_5

BW_Wehrkunde_Rote_Schuelerpresse_1972_Nr_2_S_6


10.04.1972:
Die Berufsschulgruppe Gewerbeschule I des Kommunistischen Jugendbundes (KJB) Freiburg des BKA (vgl. 18.4.1972) berichtet spätestens aus dieser Woche:"
AKTIONSKOMITEE SCHÜLERVERTRETUNG DER GEWERBESCHULE I

Vor einiger Zeit wurde an der Gewerbeschule I durch ein Flugblatt aufgerufen zur Mitarbeit an einer fortschrittlichen Schülervertretung und Schulordnung. Daraufhin bildete sich ein Aktionskomitee SMV, das daran ging, eine neue Satzung zur Schülervertretung und Schulordnung auszuarbeiten. Über das Ergebnis informierten sie uns durch ein weiteres Flugblatt ('Hurra, wir sind soweit') und durch einen Informationsstand auf dem Pausenplatz der G I.

Diese Lehrlinge haben richtig erkannt, daß es nicht reicht, sich nur im Betrieb gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu wehren, und nur dort für eine bessere Ausbildung zu kämpfen, sondern daß man diesen Kampf überall aufnehmen muß, auch an der Berufsschule.

Denn wie sieht es an den Berufsschulen, speziell an der G I aus: Ein Gebäude, das mehr an ein Museum erinnert als an eine Berufsschule, dauernd fallen Stunden aus weil zu wenig Lehrer da sind, von den wenigen Lehrmitteln, die vorhanden sind, sind die meisten schon veraltet, zu wenig Klassenräume, ganze Berufszweige wurden verlegt, so an die Karls-Schule, an die Volksschule Günterstal, Loretto-Volksschule und bei Haberstroh in der Lörracherstr., die Zimmer im letzten Stock sind mehr Taubenschläge als geeignete Klassenzimmer usw. Was noch dazu kommt, sind Lehrer, die offen faschistische Lehrinhalt predigen, Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.), Kürzung des Bildungsetats. Und um gegen faschistische Lehrer, Wehrkundeerlaß und für bessere Ausbildung an der Berufsschule kämpfen zu können, brauchen wir eine Schülervertretung, die entschlossen unsere Interessen vertritt. Da gibt es zwei Richtlinien des 'Kultusministeriums' (KuMi,d.Vf.) zur SMV, aber genau diese Richtlinien haben den Zweck, zu verhindern, daß wir uns kämpferische Schülervertretungen schaffen, denn nach diesen Richtlinien dürften die Schülervertretungen nur in unwesentlichen Fragen mitbestimmen, z.B. 'sollen auf dem Pausenhof eckige oder runde Papierkörbe aufgestellt werden'. Solche Schülervertretungen können wir nicht gebrauchen, was wir uns schaffen müssen, sind schlagkräftige Schülervertretungen, die für unsere Interessen kämpfen können, Und der Entwurf zur Schülervertretung von dem Aktionskomitee SV ist ein Schritt dahin. Darum unterstützen wir das Aktionskomitee!"
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr.5,Freiburg 18.4.1972,S.5f

10.04.1972:
In Schwäbisch Gmünd gibt die RJ/ML des KAB/ML ihren 'Solidarischen Kampf' Nr.6 (vgl. Feb. 1972) in dieser Woche mit einer Auflage von 1 000 Stück heraus. Zum Wehrkundeerlass (WKE) erscheint der Artikel "Kampf dem Militarismus!" und es wird darauf hingewiesen, dass die RJ (ML) das Aktionskomitee unterstütze, welches in dieser und der nächsten Woche vor der Berufsschule Flugblätter verteile.
Q: Solidarischer Kampf Nr. 6, Schwäbisch Gmünd Apr. 1972, S. 5f und 8

Ostalb055

Ostalb056

Ostalb058


13.04.1972:
In Freiburg erscheint vom Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen bzw. vom Gewerkschaftlichen Maikomitee der Jugendgruppen der BSE, DruPa, HBV, IGM Emmendingen; OJA der IGM Freiburg; Arbeitskreis Junger Metaller Freiburg (vgl. 5.4.1972, 14.4.1972) ein Flugblatt:"
HERAUS ZUM 1.MAI

Aber nicht nur die wirtschaftliche Lebenslage der Arbeiter und Angestellten verschlechtert sich immer mehr. Der bürgerliche Staat bereitet sich auf die unvermeidliche Verschärfung des Klassenkampfes vor, immer mehr demokratische Rechte werden eingeschränkt und abgebaut. Notstandsgesetze (NSG,d.Vf.), Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.), Berufsverbot (BV,d.Vf.) für Sozialisten und Demokraten, Notstandsübungen von Polizei, Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) und Bundeswehr, Militarisierung des Unterrichts an Schulen mit Hilfe des Wehrkundeerlasses (WKE,d.Vf.), geplante Einführung von Vorbeugehaft und Verstärkung der Bespitzelung durch ein neues Abhörgesetz sowie die geplante Verschärfung des Ausländerrechts sind die Marksteine dieser Entwicklung.

KAMPF DEM ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES

- Kampf der Militarisierung in allen Bereichen der Gesellschaft.
- Schluß mit den Notstandsübungen von Polizei, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr.
- Schluß mit dem Polizei- und Justizterror gegen politisch Verfolgte.
- Weg mit dem KPD-Verbot.
- Weg mit der geplanten Einführung der Vorbeugehaft.
- Kampf der Säuberung der Schulen, Berufsschulen und Hochschulen von fortschrittlichen Lehrkräften, weg mit dem Berufsverbotserlaß im Öffentlichen Dienst.
- Kampf dem Wehrkundeerlaß, kein Fußbreit für militaristische Propaganda an den Schulen."
Q: Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen:Heraus zum 1.Mai,Emmendingen/Freiburg 12.4.1972

18.04.1972:
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA gibt die Nr.5 seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (KJZ - vgl. 23.3.1972, 15.5.1972) heraus:"
1.MAI - KAMPFTAG DER INTERNATIONALEN ARBEITERKLASSE

Um ihre imperialistische Politik durchführen zu können, greift die Bourgeoisie immer mehr zu offenem Terror. Hierzu braucht sie eine Armee, die für ihre Machterhaltung andere Völker brutal unterdrückt, sie braucht Militär, das die Arbeiterklasse im eigenen Land für ihre Ausbeutung kleinhält.

Durch den Militarismus ist die Arbeiterjugend ständig bedroht. In der Bundeswehr versucht man die jungen Arbeiter dazu zu erziehen, daß sie im 'Notfall' die Gewehre auf die streikenden Klassengenossen richten, versucht man durch Kasernendrill und Kadavergehorsam ihnen den letzten Funken Klassenbewußtsein auszutreiben. Auf diese Weise versucht die Kapitalistenklasse die Kampfkraft der gesamten Arbeiterklasse zu schwächen.

Durch den Wehrkundeerlaß (WKE,d.Vf.) versuchen die Kapitalisten die Lehrlinge und Jungarbeiter ideologisch zu beeinflußen und ihnen die Bundeswehr schmackhaft zu machen. Diesen Angriff müssen wir abwehren!

KAMPF DEM MILITARISMUS AN DEN SCHULEN!"
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr.5,Freiburg 18.4.1972

19.04.1972:
In Schwäbisch Gmünd lud die RJ (ML) (vgl. 10.4.1972) für heute ein zu ihrer Veranstaltung "Kampf dem Militarismus! - Weg mit dem Wehrkundeerlass!" zum WKE im Gasthaus Neue Welt.
Q: Solidarischer Kampf Nr. 6, Schwäbisch Gmünd Apr. 1972, S. 8

Juni 1972:
Es erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KAB/ML Nr.5 (vgl. Mai 1972, Juli 1972). Berichtet wird auch aus Urach über den Boykott des Wehrkundeunterrichts.
Q: Rotes Signal Nr.5,Erlangen Juni 1972,S.18

MLSG294


12.06.1972:
Die KSG (ML) berichten in "Militarismusbewerber ziehen durchs Land" von der vermutlich ab heute in Ludwigsburg stattfindenden Bundeswehrausstellung 'Unser Heer' , gegen die die KSG (ML) zu einer Aktionseinheit aufrief, an der sich ca. 30 Studenten der PH aktiv beteiligten.
Q: Roter Pfeil Nr. 6, Tübingen Sept. / Okt. 1972, S. 7f

Roter_Pfeil715

Roter_Pfeil716


03.07.1972:
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA gibt die Nr. 7 seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (KJZ - vgl. 15.5.1972, 24.7.1972) heraus mit dem Artikel "Propagandaoffizier an der G II" zum Besuch eines Jugendoffiziers der Bundeswehr an der Gewerbeschule II.
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr. 7, Freiburg 3.7.1972, S. 9

Freiburg_KBW162


14.07.1972:
Frühestens heute erscheint im Raum Heidelberg die auf Juli datierte Nr.3 des 'Schulkampf' (vgl. 12.5.1972, Sept. 1972), die herausgegeben wird von der Oberschülerkommission (OSK) der KHG (NRF) in Zusammenarbeit mit dem AUSS Heidelberg und der Unabhängigen Sozialistischen Schülergruppe (USSG) Wiesloch. Zum Wehrkundeerlass (WKE) erscheint die "Plattform zum Kampf gegen den Militarismus".
Q: Schulkampf Nr.3,Heidelberg Juli 1972,S.6

Schulkampf_Heidelberg011

Schulkampf_Heidelberg012


August 1972:
Die Nr.8 des 'Rebell' (vgl. Juli 1972, Sept. 1972) berichtet u.a. von der Kampagne der RJ/ML gegen den Wehrkundeerlaß u.a. von einer Demonstration in Tübingen mit 500 Teilnehmern und gemeinsamen Veranstaltungen von RJ/ML und MLSG in Schweinfurt und Ulm.
Q: Rebell Nr.8,Tübingen Aug. 1972

September 1972:
Im September erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr.7/8 (vgl. Juli 1972, Okt. 1972) für August und September. Die MLSG Böblingen/Sindelfingen legte ein SMV-Aktionsprogramm vor, in dem auf das Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) und die dortige Gruppe gegen den WKE eingegangen wird.
Q: Rotes Signal Nr.7/8,Erlangen Aug./Sept. 1972,S.10f

MLSG338

MLSG339


September 1972:
In Ulm gibt die RJ/ML die Nr.1 des 2. Jahrgangs ihrer Berufsschulzeitung 'Der Rotstift' heraus, die u.a. eine Bilanz des ersten Jahrgangs enthält. Ende 1971 habe man mit der BVG-Kampagne begonnen, habe sich um die SMV und um die Offsetdrucker gekümmert, im März 1972 habe man gegen den Wehrkundeerlaß gekämpft. Mitglieder habe man besonders durch das Auftreten gegen die SDAJ am 1.Mai gewinnen können.
Q: Der Rotstift Nr.1,Ulm Sept. 1972

26.02.1973:
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg / Waldkirch des BKA gibt die Nr. 11 seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (KJZ - vgl. 15.2.1973, 26.3.1973) heraus mit dem Artikel "Die Arbeit an der Berufsschule. Bericht der Berufsschulgruppen", wobei auch berichtet wird von der G II, wo die neue SV einen Arbeitskreis gegen die Wehrkunde (WKE) einrichtete.
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr. 11, Freiburg 26.2.1973, S. 7

Freiburg_KBW205


März 1973:
Der Initiativausschuß Freiburger Schüler (IFS) gibt die Nr.4 seines 'Schulkampfs' (vgl. 9.4.1973) heraus, in dem u.a. auf das erste Auftreten der konkurrierenden Kommunistischen Schülergruppe (KSG) Freiburg des KOV der KPD eingegangen wird (vgl. 13.2.1973). Am Bertholdgymnasium, wo 4 KSGler in der Basisgruppe (BG) des IFS mitarbeiten, wollen diese einen Kampfauschuß gegen Repressionen an der Schule gründen. Die BG Berthold befaßt sich mit dem Wehrkundeerlaß (WKE), wobei außer auf die örtliche Gewerbeschule II auch auf Eßlingen, Offenburg und ein Stuttgarter Mädchengymnasium eingegangen wird.
Q: Schulkampf Nr.4,Freiburg März 1973; Schulkampf Nr.9,Dortmund Sept. 1973

30.05.1973:
Es beginnt, laut KSG (NRF), die Marineausstellung in Mannheim, die bis zum 3.6.1973 dauert.
Q: Schulkampf Nr.12,Heidelberg o.J. (1973),S.5f

Schulkampf_Heidelberg101

Schulkampf_Heidelberg102

Schulkampf_Heidelberg103

Schulkampf_Heidelberg104


Dezember 1973:
Die Zelle der MLSG Böblingen/Sindelfingen des KABD am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) Böblingen gibt eine Ausgabe ihrer 'Solidarität' (vgl. 19.11.1973, Feb. 1974) für Dezember heraus mit dem Leitartikel "Weg mit der militaristischen Propaganda an den Schulen!" zu den Jugendoffizieren der Bundeswehr, die jüngst das Wirtschaftsgymnasium, aber auch das Goldberggymnasium besuchten.
Q: Solidarität, Böblingen Dez. 1973, S. 1f

Boeblingen_MLSG051

Boeblingen_MLSG052


Februar 1974:
Vermutlich im Februar erscheint der 'Rote Pfeil' Nr. 1 (vgl. Juli 1973, Feb. 1974) der KSG des KABD mit dem Leitartikel "Erneut Berufsverbote. Vorgeschmack des 'Verfassungsjahres'" wobei auch berichtet wird aus Baden-Württemberg von Mitgliedern der Komitees gegen den Wehrkundeerlaß (WKE).
Q: Roter Pfeil Nr. 1, Tübingen 1974, S. 2

Roter_Pfeil_1974_003


Februar 1974:
Vermutlich im Februar erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr.1/2 für Januar und Februar (vgl. Dez. 1973, April 1974) und berichtet auch aus Aalen durch die MLSG-Sympathisantengruppe über Jugendoffiziere.
Q: Rotes Signal Nr.1/2,Erlangen Jan./Feb. 1974,S.14f

MLSG662

MLSG663


24.06.1976:
Die KBW-Ortsgruppe Ravensburg / Weingarten gibt zur 'KVZ' Nr. 25 ihre 'Schussentaler Arbeiter-Zeitung' (vgl. 16.6.1976, 1.9.1976) als Ortsbeilage heraus mit dem Leitartikel "PH Weingarten. Rektor und Juso-Hochschulgruppe als Wegbereiter der imperialistischen Kriegsvorbereitungen" zum Besuch eines Jugendoffiziers aus der Argonnenkaserne Weingarten in der PH am 15.6.1976, wogegen der AStA eine Filmveranstaltung mit 'Der Untertan' ankündigte, aber dann nicht durchführte.
Q: Schussentaler Arbeiter-Zeitung Nr. 25, Ravensburg 24.6.1976, S. 1

Ravensburg_KBW103


07.08.1977:
Der KBW Bezirk Franken gibt die 'Kommunistische Volkszeitung – Bezirksbeilage Franken' Nr. 32 (vgl. 31.7.1977, 15.8.1977) heraus mit dem Leitartikel "Der Angriff auf die Ausbildung muß zurückgeschlagen werden", der auch berichtet aus Krautheim von einer Unratbeseitigungsaktion mit Hilfe der Bundeswehr und dem Besuch vieler Klassen bei der Marine-Ausstellung in Schwäbisch Hall.
Q: Kommunistische Volkszeitung – Bezirksbeilage Franken Nr. 32, Heilbronn 7.8.1977, S. 1

Franken_KBW051


Letzte Änderungen: 5.7.2013

Valid HTML 4.01 Transitional   Valid CSS


[ Zum Seitenanfang ]   [ geographische Zwischenübersicht ]   [ thematische Zwischenübersicht ]   [ Hauptübersicht ]