Ortsgruppe Ulm des KABD / Kommunistische Gruppe Ulm

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 23.4.2017


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Die Geschichte der Ortsgruppe Ulm des KABD geht bis auf das Jahr 1970 zurück: zunächst als Lehrlingsgruppe der RJ/ML, die dann möglicherweise vom KAB/ML übernommen wurde. Die OG Ulm gehörte vermutlich zu den mitgliederstärksten Gruppen in Baden-Württemberg. In ihr war eine Zeit lang auch der später bekannt gewordene Robert Kurz aktiv (vgl.: Nürnberg/Fürth/Erlangen: Robert Kurz, die Gruppe Marxisten-Leninisten in Nürnberg/Fürth/Erlangen, die Initiative Marxistische Kritik (IMK), die Zeitschriften "Diskussionsbeiträge", "Neue Strömung. Zeitschrift für marxistisch-leninistische Theorie und Politik" und "Marxistische Kritik. Zeitschrift für revolutionäre Theorie und Politik" sowie die gleichnamigen Verlage").

Kritiken der OG an der Linie des KABD sind seit 1978/79 bekannt. So kritisierte die Ortsgruppe die "Große initiative" des KABD und verfasste dazu mehrere Stellungnahmen (vgl. 23. Juni 1979). Die Positionen der OG wurden von der Zentralen Leitung des KABD zurückgewiesen. Sie rief die Mitglieder der Partei zur "äußerst revolutionären Wachsamkeit" auf (vgl.19. Juli 1979). Im August forderte die OG Ulm die "Einberufung einer zentralen Ortsleitungs-Konferenz". Weiter wurde die "volle Publizität über den Zustand der Organisation" eingefordert (vgl. August 1979). Anfang November 1979 lehnte die OG den "Rechenschaftsbericht der Zentralen Leitung" zum 4. ZDT, der im Dezember 1979 stattfand, ab und erklärte u. a., dass "der Rechenschaftsbericht in seiner Gesamtheit völlig unzureichend" sei, oberflächlich und zum Teil beschönigend". Er gehe bei "wesentlichen Fragen zur internationalen, nationalen, innerorganisatorischen Lage nicht genügend in die Tiefe". In ihm würden einseitig falsche Schlussfolgerungen gezogen. Von daher "fehlt die notwendige Perspektive zur weiteren Arbeit" (vgl. 1. November 1979).

Im November 1979 wurde die OG darüber hinaus mit der "Kritik der Broschüre der Zentralen Leitung des KABD zur 'Drei-Welten-Theorie' vom März 1978" bekannt. Die OG kritisierte u. a. die "Theorie der Drei-Welten" und forderte die Leitungen des KABD dazu auf, sie zurückzuziehen und "als inhaltlich falsch zu verurteilen" (vgl. 2. November 1979). Mit der Kritik an der Theorie der "Drei Welten" spitzten sich die Auseinandersetzungen zu innerhalb des KABD zu. Die auf dem 4. ZDT gewählte neue ZKK des KABD leitete im Dezember 1979/Anfang Januar 1980 ein Untersuchungsverfahren gegen die OG ein (vgl. 15. Dezember 1979, 1. Januar 1980).

Die Kritiken am KABD standen am Anfang einer Austrittsbewegung. Im April 1980 trennten sich 13 Mitglieder vom KABD und verfassten das Papier: "Warum wir aus dem KABD austreten?" Mit der Austrittserklärung formierte sich die "Kommunistische Gruppe Ulm" (KGU), die sich ein Statut gab und mit einer "Gründungserklärung" vom 25. 4.1980 ihren "aktuellen Standort im Rahmen der marxistisch-leninistischen Bewegung" festlegte (vgl. 13. April 1980; April 1980). Ein Teil der Gruppe wurde dann nachträglich aus dem KABD ausgeschlossen (vgl. 13. April 1980; 16. April 1980; 25. April 1980).

In diesem Zusammenhang entstand auch das Papier: "Womit beginnen? Vorschlag für die nächsten Aufgaben und den organisatorischen Aufbau". Deutlich wurde darin, dass man sich der "Neuen Hauptseite Theorie" (NHT) annäherte und an Schulungskursen der MEG teilnehmen wollte. Als "Hauptfeld" der praktischen Arbeit wurde weiterhin die "Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit" angesehen. Konstituiert werden sollte ein eigenständiger "Marxistisch-Leninistischer Studienkreis", der der Ortsleitung der Gruppe "Anstöße, Hinweise, zusammenfassende Berichte über die angesprochenen Themenkomplexe" geben sollte (vgl. April 1980).

Die OG verfasste im Laufe der nächsten Monate verschiedene Kritiken am KABD und suchte den Kontakt mit anderen Ausgeschlossenen sowie mit der NHT, die vom KABD als "organisationsfeindliche Gruppe" bezeichnet wurde (vgl. 21. April 1980; 23. April 1980).

Aus dem Statut der Gruppe ging hervor, dass man sich "um das Selbststudium des wissenschaftlichen Sozialismus und der Geschichte der Arbeiterbewegung" bemühen wollte. Dazu erschien u. a. im August 1980 die Nr. 1 des "Literatur-Briefs" mit dem Schwerpunkt: "Informationsmaterial über den Beginn der Auseinandersetzungen im KABD sowie ein Bericht über die Periodika der erscheinenden Schriften der Hauptseite-Theorie-Strömungen" (vgl. August 1980).

In den "Beiträgen zur Diskussion" wurde zum Brief Nr. 1 erklärt: "Mit dieser Grundschulung soll einer der wesentlichen Brüche mit der KABD-Vergangenheit eingeleitet werden." Die "Aneignung unserer wissenschaftlichen Weltanschauung als zusammenhängendes System" basiere im "Wesentlichen auf Grundlage der Klassiker selber". Damit orientiere sich die KGU an dem Schulungsverständnis der Marx-Engels-Bildungsgesellschaft (MEG), die der NHT nahestand (vgl. 28. August 1980).

Herausgegeben wurde von der Gruppe ferner die Zeitschrift: "Kampf - Kritik - Umgestaltung" (die Nr. 1. erschien am 28. August 1980), in der u. a. von der Liebknechtvereinigung in Berlin und von der KGB/E berichtet wurde (vgl. 28. August 1980).

Mit der Aufnahme der Grundschulungsarbeit im September 1980 näherte sich die Gruppe deutlich dem Konzept der MEG an (vgl. 27. September 1980).

Bis Ende 1980 nahm die KG Ulm an verschiedenen Zirkel-Treffen, u. a. mit der Gruppe "Neue Strömung" aus Erlangen/Nürnberg in Bayern, teil. Vor allem wurden dort Diskussionen über die Fehler der maoistischen Bewegung, über gemeinsame Grundlagen und Besonderheiten geführt (vgl. 18. Oktober 1980, 6. Dezember 1980).

Ob die angedachte Herausgabe einer "Ulmer Arbeiterzeitung" jemals in die Realität umgesetzt wurde, konnte von uns noch nicht überprüft werden. Zumindest gab es dazu in der Nummer 2 der "Kampf - Kritik - Umgestaltung" eine "Skizze" (vgl. 6. Dezember 1980).

In diesem Beitrag dokumentieren wir die Papiere:

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

23.06.1979:
Die Ortsleitung Ulm des KABD formuliert eine Kritik am Plan der ZL und ZKK des KABD zur 'Großen Initiative'. Dazu wird auch eine Stellungnahme der Landesleitung (LL) Baden-Württemberg verfasst.
Quelle: KABD-LV B-W-LL: Zur Kritik der OL des KABD Ulm am Plan der Großen Initiative vom 23.6.1979, o. O., o. J. (1979).

19.07.1979:
Es wird eine Stellungnahme des Sekretariats der Zentralen Leitung (ZL) des KABD erarbeitet: "Zur Auseinandersetzung mit dem Papier der Ortsleitung Ulm zur Großen Initiative vom 23.06.1979". Die ZL des KABD ruft alle Funktionäre angesichts dieses Papiers der OL Ulm zur "äußerst revolutionären Wachsamkeit" auf. Zwar hätten die Ulmer "auf echte Fehler und Schwächen im Referat der Zentralen Leitung auf den Gruppenbesuchen" hingewiesen, "doch die Ulmer Genossen wollen ihre Kritik so nicht verstanden wissen, sondern sind der Meinung, dass die Zentrale Leitung sowohl in dem Referat, als auch im Aufruf zur Großen Initiative in der Roten Fahne 9/79… die Einschätzung der Ursachen unserer Schwierigkeiten buchstäblich um 180 Grad von der Hauptseite der eigenen Fehler zu der Hauptseite der äußeren Einflüsse gewandelt hat".
Q: KABD-ZL-Sekretariat: Zur Auseinandersetzung mit dem Papier der Ortsleitung Ulm zur Großen Initiative vom 23.06.1979, o. O., 19.7.1979.

02.08.1979:
Die Ortsgruppe Ulm des KABD äußert in einem Schreiben an Zentrale Leitung (ZL) und Zentrale Kontrollkommission (ZKK) des KABD heftige Kritik an der "Großen Initiative" der ZL und ZKK des KABD und fordert die Einberufung einer zentralen Ortsleitungs-Konferenz. Des Weiteren fordert die OL die "volle Publizität über den Zustand der Organisation, insbesondere die Kadersituation auf zentraler Ebene".
Q: KABD-OG Ulm: Schreiben an ZL und ZKK, Ulm, 2.8.1979.

01.11.1979:
Die Ortsgruppe Ulm des KABD lehnt den Rechenschaftsbericht der Zentralen Leitung (ZL) zum 4. Zentralen Delegiertentag (ZDT) ab. Sie formuliert u. a., "dass der Rechenschaftsbericht in seiner Gesamtheit völlig unzureichend" sei, "oberflächlich und zum Teil beschönigend". Er gehe bei "wesentlichen Fragen zur internationalen, nationalen, innerorganisatorischen Lage nicht genügend in die Tiefe". In ihm würden einseitig falsche Schlussfolgerungen gezogen. Von daher "fehlt die notwendige Perspektive zur weiteren Arbeit. Es würde des Weiteren eine "Analyse der internationalen Lage, die Frage der Kriegsgefahr" fehlen. Des Weiteren kritisieren die Ulmer u. a. die völlig unzureichende Darstellung über die Entwicklung in der VR China, der internationalen ML-Bewegung, unzureichende politische Einschätzung der Lage in der BRD, keine Aussagen über den weiteren Aufbau der Partei etc.
Q: KABD-OG Ulm: Ohne Titel, Ulm, 1.11.1979.

02.11.1979:
Es wird ein Papier der Ortsleitung der KABD Ortsgruppe Ulm verfasst: "Eine Tendenz verdeckt die andere. Kritik an der Broschüre der Zentralen Leitung des KABD zur Drei-Welten-Theorie vom März 1978. In der Einleitung fordern die Ulmer, dass der "4. ZDT beschließen möge, die Broschüre 'Die Drei-Welten-Theorie als strategische Konzeption hat den Wind von rechts im Rücken' als inhaltlich falsch zu verurteilen und daher zurückzuziehen" ist.
Q: KABD-OG Ulm-OL: Eine Tendenz verdeckt die andere. Kritik an der Broschüre der Zentralen Leitung des KABD zur Drei-Welten-Theorie vom März 1978, Ulm 1979.

11.11.1979:
Die Zentrale Leitung (ZL) des KABD gibt ein Rundschreiben zum 4. Zentralen Delegiertentag (ZDT) heraus und darin bekannt, dass ca. 1 000 Anträge zum 4. ZDT bei der Antragskommission eingegangen sind. Im Rundschreiben der ZL wird darauf verwiesen:" Erstmals auf einem ZDT des KABD werden direkt Versuche aus den eigenen Reihen unternommen, unsere Linie zu revidieren … In dieser Sache muss hier unmissverständlich auf dem 4. ZDT klargestellt werden, welchen Kurs wir steuern … Denn es geht um Kernpunkte unserer Kritik: Die Entfaltung der Kämpfe der Arbeiterklasse als unsere Hauptaufgabe - die volle Konzentration unserer Arbeit auf diese Hauptlosung - um den Kurs im Parteiaufbau: Hauptkettenglied Kaderentwicklung aus der Arbeiterklasse oder: Hauptgewicht Theorie - um die Festigung um Erweiterung der proletarischen Denkweise im KABD, seiner Jugendorganisation und BKI oder ob wir von unserem bisherigen Weg abweichen sollen". Die ZL bestimmt 3 Delegierte pro Ort zum Delegiertenschlüssel. Auf dem 4. ZDT sollen u. a. der Rechenschaftsbericht (RB) der ZL des KABD, der RB der ZKK und die Ulmer Resolution behandelt werden. Die Delegierten sollen des Weiteren über "Aufruf und Programm" der "Großen Initiative" diskutieren. Die ZL legt u. a. eine Beschlussfassung über Anträge zum Aufruf und Programm der Großen Initiative vor.
Q: KABD-ZL: Rundschreiben zum 4. ZDT, o. O., 14.11.1979.

Dezember 1979:
Auf dem 4. Zentralen Delegiertentag (ZDT) des KABD wird auch eine neue ZKK des KABD gewählt. Von der MLPD (2) heißt es dazu: "Einer der ersten Beschlüsse der neugewählten Zentralen Kontrollkommission war die Durchführung einer allgemeinen Untersuchung der Ortsgruppe Ulm".
Aus Baden-Württemberg tritt die Ulmer Ortsgruppe des KABD, laut MLPD (2), "durch einen 39 Seiten langen Antrag" auf. Durch ihn soll u. a. die ZL des KABD dazu aufgefordert werden, "die Broschüre 'Die Drei-Welten-Theorie als strategische Konzeption hat den Wind von rechts im Rücken' als inhaltlich falsch" zurückzuziehen. Beschlossen wird von den Anwesenden die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens gegen die Ulmer Delegierten.
"Damit vereitelten sie den Spaltungsversuch und bereiteten den Ulmern eine vernichtende Niederlage. Die überwiegende Mehrheit der Genossen verteidigte bewusst die dialektische Einheit der fünf grundsätzlichen Seiten des Parteiaufbaus und wies die falschen Anschauungen der Ortsgruppe Ulm von der 'Hauptseite Theorie' und der 'Hauptseite Parteiaufbau' … überzeugend zurück".
Q: MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, II. Teil, 2. Halbband, Düsseldorf 1986, S. 443, 445f.

15.12.1979:
Die ZKK des KABD beschließt, "eine allgemeine Untersuchung der OG Ulm des KABD durchzuführen". In einem Rundschreiben der ZKK wird darauf hingewiesen, dass die "beiden Ablehnungsanträge der OG Ulm zum Programm der Großen Initiative … eine opportunistische Linie für den Parteiaufbau" enthalten. Des Weiteren stellt die ZKK fest: "Der Initiativantrag der Ulmer Delegierten verbunden mit der Absicht, den 4. ZDT zu verlassen, wenn der Antrag keine Mehrheit findet, muss als erster Schritt zur Spaltung gewertet werden". "Aufgabe des vom 4. ZDT beschlossenen Untersuchungsverfahrens wird es sein, zu überprüfen, inwieweit dieser objektive Sachverhalt den Ulmer Delegierten auch subjektiv bewusst war und ihnen gegenüber ideologisch-politische Überzeugungsarbeit zu leisten".
Q: KABD-ZKK: Rundschreiben, o. O., 1.1.1980.

01.01.1980:
Innerhalb des KABD gibt die ZKK in einem Rundschreiben ihren Beschluss über die Untersuchung der Ortsgruppe Ulm des KABD in Baden-Württemberg bekannt (vgl. 15.12.1979).
Q: KABD-ZKK: Rundschreiben, o. O., 1.1.1980.

13.04.1980:
Vom KABD Ulm erscheint das Papier: "Warum wir aus dem KABD austreten?" Es enthält folgende Abschnitte: "
I. Klarheit über Einheit!
II. Der Ökonomismus als 'Wissenschaft' - oder: Die Linie des KABD als 'zusammenhängendes System' (RF 2/1980, S. 9)
1. W. Dickhuts Kampf mit der dialektischen Einheit!
2. Die ökonomistische Leiche im Keller unserer 'neuen Klassiker!"
3. Die heimlichen Geliebten : 'Nationalbolschewismus' und Sozialpatriotismus"
4. Das Kreuz mit der Dialektik: Zweiter Teil: Der Kampf zweier Linien"
5. Eine Vereinigung zur Förderung der selbständigen ökonomischen Kämpfe der Arbeiterklasse unter dem Deckmantel des marxistisch- leninistischen Parteianspruchs"
III. Unsere Verantwortung"
IV. Der Bruch mit dem KABD ist keine Abkehr, sondern eine Hinwendung zum Marxismus-Leninismus".

Im Abschnitt: "Unsere Verantwortung" wird u. a. erklärt, das die Auseinandersetzung mit dem KABD "vor mehr als zwei Jahren mit Kritiken an bestimmten Erscheinungsformen unserer Politik und Praxis" begann. Das so entstehende Bild "verdichtete sich allmählich zu einem gewissen Bild über die Fehler der Organisation". Mit dem Beginn der Diskussion über die "Große Initiative", "brach die Auseinandersetzung offen aus".

Zum 4. ZDT bereitete die Gruppe "einen Antrag zur Ablehnung des offiziellen Vorschlags zur Großen Initiative" vor, der die "Herstellung zur vollen Publizität in der Auseinandersetzung" gewährleisten sollte. Auch wurde ein Papier zur "Drei-Welten-Theorie" verfasst. Das sei mit dem Hinweis, dass "der ZDT keine Bücher diskutieren könne". Die OG wolle damit "die Hauptseite Theorie auf dem ZDT propagieren".

Zur weiteren Arbeit der Gruppe heißt es:
"1. Wir werden als örtlicher marxistisch-leninistischer Zirkel weiterarbeiten. Der Schwerpunkt unserer Arbeit wird auf dem Gebiet des ideologischen Kampfes liegen. Für geraume Zeit wird dabei die Abrechnung mit unserer Vergangenheit. also mit der Linie des KABD den Schwerpunkt bilden. Nicht in dem Sinne, dass unser Blick nur nach rückwärts gerichtet wäre, sondern in dem Sinne, dass gerade solche Genossen wie wir eine Verantwortung für die Entlarvung des KABD- spezifischen Opportunismus tragen. Das muss einer unserer Beiträge für die Auseinandersetzung der Marxisten-Leninisten um die Grundfragen der kommunistischen Politik heute sein …

2. Parallel dazu (und darauf wird sich mit der Zeit das Schwergewicht legen) werden wir auch die Auseinandersetzung in der marxistisch-leninistischen Bewegung, insbesondere durch die verschiedenen 'Hauptseite Theorie-Strömungen', um die Schaffung eines Plans zum Aufbau der Partei verfolgen und aufarbeiten. Sofern wir dazu in der Lage sind, zunächst verstehen wir uns hier mehr als 'Lernende', werden wir uns mit Kräften auch an dieser Auseinandersetzung beteiligen. Schon bisher haben einige Genossen von uns sich mit diesen Debatten auseinandergesetzt und dabei auch vieles gelernt, was ihnen half, ein tieferes Verständnis für die Fehler der KABD- Linie zu gewinnen. Wir schämen uns beileibe nicht, das einzuräumen.

3. Wir werden auch unsere praktische Arbeit am Ort fortführen. In Jahrelanger Arbeit haben wir Positionen in Betrieben erobert, die wir nicht aufgeben sondern ausbauen wollen. Schwerpunkt dieser Arbeit wird die Agitation und Propaganda gerichtet auf das Industrieproletariat bleiben …"

Die vier Organisationen des KABD werden dazu aufgerufen, sich mit der Kritik der Ulmer auseinanderzusetzen.
Q: Ehemalige des KABD Ulm: Warum wir aus dem KABD austreten, Ulm, 13. April 1980.

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13.04.1980:
Laut MLPD (2) spalten Teile der Ortsgruppe Ulm des KABD auf einer "illegalen Ortsmitgliederversammlung" (OMV) den KABD 13 ehemalige Mitglieder des KABD Ulm treten mit dem Papier: "Warum wir aus dem KABD austreten" an die Öffentlichkeit. In der Folge schließen sich, laut KGU, einige Genossinnen und Genossen des RJVD und der KSG sowie des BKI an bzw. werden aus diesen Organisationen ausgeschlossen.
Q: KGU-Leitungskollektiv: Rechenschaftsbericht, Ulm, März 1982, S. 1; KABD-OG Ulm-13 ehemalige Mitglieder: Warum wir aus dem KABD austreten, o. O. (Ulm) 13.4.1980; MLPD-ZK: Geschichte der MLPD,II.Teil,2.Halbband,Düsseldorf 1986,S.446f.

15.04.1980:
Von Ehemaligen der KABD-OG Ulm erscheint (anscheinend kurz vor dem 1. Mai) das Papier: "Womit beginnen? Vorschlag für die nächsten Aufgaben und den organisatorischen Aufbau". U. a. wird erklärt, dass die neue Gruppe "noch ganz am Anfang eines Umbruchs und einer gewissen Neuorientierung" stehen würde. Die in Ulm vollzogene Trennung sei "Ausdruck der objektiven Situation und des subjektiven Willens, unter der marxistisch-leninistischen Bewegung und vielen Genossen eine Änderung herbeizuführen".
In Arbeitsgruppen will man u. a. aufarbeiten:
- "Arbeitsgruppe: Tarifkampf"
- "Arbeitsgruppe: Politischer Kampf"
- "Arbeitsgruppe: Entwicklung der Linie"
- "Arbeitsgruppe: Betriebszeitungen"

Darüber hinaus will man "eine fundierte Kritik an den RWs" verfassen.
Die Gruppe steht auch der NHT nahe und der MEG. Sie betreibt auch einen eigenen Studienzirkel, den "Marxistisch-Leninistischer Studienkreis", der der OL "Anstöße, Hinweise, zusammenfassende Berichte über die angesprochenen Themenkomplexe" geben soll. Weiter will man der "Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit" festhalten.
Q: Womit beginnen? Vorschlag für die nächsten Aufgaben und den organisatorischen Aufbau, Ulm, April 1980.

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30.04.1980:
Von der KG Ulm erscheint (vermutlich Ende April oder später) das "Statut der Kommunistischen Gruppe Ulm". Unter § 2 heißt es: "Mitglied der KG kann werden, wer die Gründungserklärung und das Statur anerkennt, aktiv mitarbeite, sich um das Selbststudium des wissenschaftlichen Sozialismus und der Geschichte der Arbeiterbewegung bemüht und regelmäßige Beiträge in Höhe einer monatlichen Selbstverpflichtung bezahlt".
Q: KGU: Statut der Kommunistischen Gruppe Ulm, Ulm, April 1980.

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16.04.1980:
Die ehemaligen Mitglieder des KABD Ulm werden, nach eigenen Angaben, nachträglich aus dem KABD ausgeschlossen mit der Begründung, "Entziehung aus dem laufenden Untersuchungsverfahren. Spaltung und organisationsfeindliches Vorgehen".
Q: KGU-Leitungskollektiv: Rechenschaftsbericht, Ulm März 1982, S.1.

21.04.1980:
Ehemalige Mitglieder des KABD Ulm verfassen vermutlich in dieser Woche das Papier: "Klein-Chikago - oder wie der KABD Ulm die ideologisch-politische Auseinandersetzung führt. Eine Dokumentation über die gewaltsamen Übergriffe gegenüber ehemaligen Mitgliedern des KABD Ulm".
Q: KABD-OG Ulm-Ehemalige Mitglieder: Klein-Chikago - oder wie der KABD Ulm die ideologisch-politische Auseinandersetzung führt. Eine Dokumentation über die gewaltsamen Übergriffe gegenüber ehemaligen Mitgliedern des KABD Ulm, Ulm April 1980.

23.04.1980:
Rundschreiben der ZKK des KABD an alle Leitungen der 4 Organisationen. Das Schreiben hat die Vorgänge in Ulm zum Inhalt. U. a. heißt es dort: "Die Gruppe der ehemaligen Ulmer Delegierten arbeitete bewusst als Agentur organisationsfeindlicher Gruppen, wie besonders der Karuscheit-Gruppe (NHT, d. Vf.) innerhalb des KABD. Dafür wurde Zersetzungsarbeit geleistet und, als der Spielraum immer enger wurde, die Spaltung vorbereitet und durchgeführt".
Q: KABD-ZKK: Rundschreiben, o. O., 23.4.1980.

25.04.1980:
Die aus dem KABD Ulm und seinen Nebenorganisationen ausgetretenen bzw. ausgeschlossenen ehemaligen Mitglieder schließen sich zur Kommunistischen Gruppe Ulm (KGU) zusammen und verfassen eine Gründungserklärung.
Q: KGU: Gründungserklärung, Ulm, 25.4.1980.

06.05.1980:
Von uns unbekannten Verfassern herausgegeben, erscheint das Papier: "Unter der Fahne des 'Kampfs gegen das Liquidatorentum': KABD- Führer sabotieren die Auseinandersetzung um Lage und Zukunft der ML- Bewegung".
U. a. wird auch zur OG Ulm Stellung bezogen, wozu es heißt: "Der Austritt der überwiegenden Mehrheit der Ortsgruppe Ulm im April bedeutet für den KABD den Verlust erfahrener Betriebsarbeiter und signalisiert nach zahlreichen einzelnen Austritten bereits im vergangenen Jahr, dass auch das Stammland BW vom Zerfall keineswegs ausgenommen ist".
Artikel des Papiers sind:
- "Die eigene Krise wird verschwiegen"
- "Eine 'Meisterleistung' des Eklektizismus"
- "Kann es oder, darf es eine 'Hauptseite Theorie' geben?"
- "Die blaue Beilage - Kein Beitrag zur Schaffung der Partei"
Q: N. N.: Unter der Fahne des 'Kampfs gegen das Liquidatorentum': KABD-Führer sabotieren die Auseinandersetzung um Lage und Zukunft der ML-Bewegung, o. O., o. J., 6. Mai 1980.

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August 1980:
Der "Literatur Brief" Nr. 1 der Kommunistischen Gruppe Ulm (KGU) erscheint. Schwerpunkt: Informationsmaterial über den Beginn der Auseinandersetzungen im KABD sowie ein Bericht über die Periodika der erscheinenden Schriften der Hauptseite-Theorie-Strömungen.
Q: Kampf-Kritik-Umgestaltung, Nr. 1, Ulm, 28.8.1980, S. 37.

August 1980:
Ende August erscheint, laut "BzD", der "Schulungsbrief" Nr.1 der Kommunistischen Gruppe Ulm (KGU). Die Verfasser schreiben: "Mit dieser Grundschulung soll einer der wesentlichen Brüche mit der KABD- Vergangenheit eingeleitet werden: Die Aneignung unserer wissenschaftlichen Weltanschauung als zusammenhängendes System und im wesentlichen auf Grundlage der Klassiker selber". Damit orientiere sich die KGU an dem Schulungsverständnis der Marx-Engels-Bildungsgesellschaft (MEG), die der NHT nahesteht.
Q: Beiträge zur Diskussion, Nr. 1, o. O., Februar 1981, S. 52ff.

28.08.1980:
Die Nummer 1 der "Kampf-Kritik-Umgestaltung - Informations- und Diskussionszirkular für alle Mitglieder der Kommunistischen Gruppe Ulm (KGU") erscheint. Berichtet wird u. a. von dem eigenen "Literaturbrief", von der Liebknechtvereinigung in Berlin und einem Brief aus NRW, sowie von der KGB/E.
Q: Kampf-Kritik-Umgestaltung, Nr. 1, Ulm, 28.8.1980.

27.09.1980:
Aufnahme der Grundschulungsarbeit durch die Kommunistische Gruppe Ulm (KGU).
Q: KGU-Leitungskollektiv: Rechenschaftsbericht, Ulm, März 1982.

18.10.1980:
Laut KG Ulm beginnt ein zweitägiges Treffen von Mitgliedern der KG Ulm aus Baden-Württemberg und der Gruppe Neue Strömung aus Erlangen/Nürnberg in Bayern. Vor allem wird die Diskussion über die Fehler der ML-Bewegung, gemeinsame Grundlagen und Besonderheiten geführt.
Q: Kampf-Kritik-Umgestaltung, Nr. 3, Ulm, 6.12.1980, S. 54ff.

06.12.1980:
Die Nr.3 der "Kampf-Kritik-Umgestaltung - Informations- und Diskussionszirkular für die Mitglieder der Kommunistischen Gruppe Ulm (KGU)" erscheint. Berichtet wird u. a. über die KG Ludwigsburg und ein Treffen der KGU mit der Neuen Strömung Nürnberg/Erlangen.
Enthalten ist auch die Skizze einer Nummer 1 der "Ulmer Arbeiterzeitung".
Q: Kampf-Kritik-Umgestaltung, Nr. 3, Ulm, 6.12.1980.

Letzte Änderung: 06.05.2017