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Die erste nationale Konferenz der der KPD nahe stehenden oppositionellen Gewerkschafter am 21.5.1972

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 9.3.2005, überarbeitet 4.12.2007

Es geht hier anhand allein von Berichten der KPD selbst um die erste nationale Konferenz der der KPD nahe stehenden oppositionellen Gewerkschafter am 21. Mai 1972 in Dortmund, mit der die KPD versuchte ihre Anhänger in Betrieb und Gewerkschaft zu einem beeindruckenden Treffen zu versammeln. Dies stellte einen ersten Schritt zur von der KPD niemals offiziell gegründeten, sondern vielmehr eher ideell propagierten und in Form von verschiedenen Komitees und Fraktionen realisierten Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO) dar.



Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

21.05.1972:
An der ersten nationalen Konferenz der der KPD nahe stehenden oppositionellen Gewerkschafter (vgl. 1.10.1972) nehmen, nach eigenen Angaben, über 100 Gewerkschafter aus 9 Gewerkschaften (CPK, IGM, IGBE, DruPa, BSE, ÖTV, DPG, DAG, GEW) und fast 50 Betrieben teil.

Es handelt sich hierbei um folgende Betriebe (wir haben sie nach Regionen gegliedert):

Dazu kommt Springer Hamburg und mit Hoechst ist vermutlich das Frankfurter Werk in Hessen gemeint.

Nicht ausfindig machen konnten wir bisher die Standorte von Kubi GmbH, Nubea und El Kirstein, die allerdings auch zukünftig in der uns bisher bekannten Agitation und Propaganda der KPD und anderer Gruppen nicht mehr auftauchen.

Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet:"
Auf Einladung der Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD trafen sich am 21.5. in Dortmund über 100 oppositionelle Gewerkschafter zu der ersten nationalen Konferenz. Die Kollegen und Genossen, unter ihnen zahlreiche Betriebsräte, Vertrauensleute, Jugendvertrauensleute und Jugendvertreter kamen aus den Einzelgewerkschaften: IG Chemie, IG Metall, IG Bergbau und Energie, IG Druck und Papier, IG Bau-Steine-Erden, ÖTV, Postgewerkschaft, DAG und GEW. In dem einleitenden Referat eines Genossen der Partei wurde vor allem eingegangen auf das Verhältnis von Partei und Gewerkschaftsopposition.

1. NATIONALE KONFERENZ DER OPPOSITIONELLEN GEWERKSCHAFTER

'Der Kampf der Kommunisten in den Betrieben und in den Gewerkschaften ist nicht zu trennen vom Kampf der aktiven Gewerkschafter. Im Gegenteil, die Mitglieder der KPD, die in den Betrieben den Kampf führen, begreifen sich als Kern der revolutionären Gewerkschaftsopposition.

In Zusammenarbeit mit allen fortschrittlichen Kollegen, die sich klar vom Reformismus und Revisionismus abgrenzen, wird es uns gelingen, auf nationaler, auf regionaler Ebene, im DGB und in den Einzelgewerkschaften immer mehr Kollegen davon zu überzeugen, daß auch der gewerkschaftliche Kampf ein Hebel zur schließlichen Befreiung der Arbeiterklasse, d.h. zur endgültigen Abschaffung des Lohnsystems sein muß.'

Die Diskussion wurde eröffnet mit Berichten über die Betriebsratswahlen. Besonders herzlich wurden die deutschen und spanischen Kollegen der 'Gruppe oppositionelle Gewerkschafter der IGM bei Opel/Bochum' (GOG,d.Vf.) begrüßt.

Die Kollegen berichteten über Vorbereitung und Verlauf der Betriebsratswahlen (BRW,d.Vf.). Angesichts der neuen Ereignisse verfaßten die anwesenden Gewerkschafter umgehend eine Solidaritätsadresse (vgl. 21.5.1972,d.Vf.), die in scharfer Form die Machenschaften der SPD und DKP-Arbeiterverräter bei Opel verurteilt. Gleichzeitig verpflichteten sich die Gewerkschaftsfunktionäre, so schnell wie möglich in ihren Gremien und Betrieben über ergänzende Solidaritätserklärungen zu beraten und zu beschließen.

Anschließend kamen aus zahlreichen anderen Betrieben anschauliche Berichte, so von Ford Köln, Mannesmann-Lierenfeld, KWU-Westberlin, AEG-Westberlin, Daimler-Benz Stuttgart, Schering Westberlin, Zeche Westerholt-Polsum u.a.

Fast überall hatte sich ähnliches ereignet. Die SPD-Betriebsgruppen (SPD-BG,d.Vf.), die örtlichen Gewerkschaftsführungen haben, unterstützt durch die DKP, mit allen Mitteln versucht, die Wahl fortschrittlicher Kollegen zu verhindern, Verleumdungen, Ausschluß und Kündigungsdrohungen waren ihre üblichen Maßnahmen. Trotz alledem konnten die Genossen und Kollegen das Fazit ziehen, daß es in zahlreichen Betrieben gelungen ist, dem starken Einfluß des Reformismus erfolgreich gegenüberzutreten. In verschiedenen Betrieben haben die Kollegen Genossen in den BR gewählt, gerade weil sie nicht nur als aktive Gewerkschafter, sondern auch als Kommunisten bekannt waren.

Gegen die Ausschlußpolitik (UVB,d.Vf.), mit der die Gewerkschaftsführer ihre Posten zu halten suchen, muß die entschlossene Mobilisierung aller Gewerkschafter und unorganisierten Kollegen gesetzt werden. Von großer Bedeutung war die folgende Diskussion über die Schritte des Aufbaus der revolutionären Gewerkschaftsopposition. Übereinstimmend hielten die Konferenzteilnehmer fest: durch konsequente revolutionäre Arbeit in den reformistischen Gewerkschaften muß eine einheitliche oppositionelle Bewegung auf der Grundlage des revolutionären Klassenkampfes aufgebaut werden.

Diese Konferenz ist ein erster, aber wichtiger Schritt dazu. Aus den Ergebnissen der Betriebsratswahlen muß die Lehre gezogen werden, zu den Jugendvertreterwahlen und mehr noch den nächsten Vertrauensleutewahlen, vor allem in der IG Metall, die gewerkschaftsoppositionelle Bewegung weiter zu stärken und noch größere Erfolge zu erringen.

Alle Versammelten begrüßten den Vorschlag, solche Konferenzen in Zukunft häufiger auf nationaler wie auf regionaler Ebene durchzuführen.

Mit Freude zur Kenntnis genommen wurde auch der Plan der Gewerkschaftsabteilung des ZK unserer Partei, ein zunächst monatlich erscheinendes Gewerkschaftsorgan herauszugeben (vgl. 18.12.1972,d.Vf.). Um dieses Organ zu einem wirksamen Hebel für die revolutionäre Gewerkschaftsopposition zu machen, erklärten alle anwesenden Gewerkschafter ihre tatkräftige Mitarbeit und Unterstützung.

Die nachfolgende Resolution zu den Aufgaben der Gewerkschaftsopposition wurde ebenso ohne Gegenstimme und Enthaltungen angenommen wie eine Resolution für das kämpfende vietnamesische Volk, die an das ZK der Partei der Werktätigen Vietnams (PdW,d.Vf.) geschickt wird."

In der Resolution heißt es:"
RESOLUTION ZU DEN AUFGABEN DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION, VERABSCHIEDET AUF DER 1.NATIONALEN KONFERENZ DER OPPOSITIONELLEN GEWERKSCHAFTER AUS DEN EINZELGEWERKSCHAFTEN: IG-METALL, IG-CHEMIE-PAPIER-KERAMIK, IG-BERGBAU UND ENERGIE, IG DRUCK UND PAPIER, IG-BAU-STEINE-ERDEN, ÖTV, POSTGEWERKSCHAFT, DAG, GEW.

Dortmund, den 21.5.1972

Die hier versammelten Gewerkschaftler, Betriebsräte, Vertrauensleute, Jugendvertrauensleute und Jugendvertreter aus den o. g. Einzelgewerkschaften und den folgenden Betrieben: AEG Westberlin, Bayer Leverkusen, Borsig WB, Daimler-Benz Stuttgart, DUB Dortmund, El Kirstein, Eternit Westberlin, Ford Köln, Farbwerke Hoechst, Graefedruck Westberlin, Hoesch, Zeche Hansa, Hageda Westberlin, Heye-Glasfabrik, International Harvester Mc Cormic Neuss, IWKA Karlsruhe, IMG Gummersbach, Joens GmbH Düsseldorf, Jagenberg Düsseldorf, KWU Westberlin, Klöckner Drahtindustrie, Krone GmBH Westberlin, KuBi GmbH, Lindemann und Lüdecke Westberlin, Mannesmann Düsseldorf, MIBAG Westberlin, Meyer Weidenau (Röhrenwerke), Nubea, Officina Druckerei Westberlin, Oberbaum- Verlag WB, Opel Bochum, Philips Aachen, Postamt 31 WB, Rudolf-Virchow-Krankenhaus WB, Ritter AG Karlsruhe, Siemens Westberlin, Schering AG WB, Schering Bergkamen, Stahlwerke Südwestfalen (Werk Geisweid), Sieg-Herd-Fabrik, Siegener Zeitung, SEL Westberlin, Stadt Stuttgart, Axel Springer AG Hamburg, Waggon Union Siegen, Waggon Union Westberlin, WMF Geislingen, Zeche Westerholt Polsum

erklären ihre Entschlossenheit, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß die Mehrheit der gewerkschaftlich organisierten Kollegen sich gegen die Politik der Gewerkschaftsführung wendet, deren oberstes Ziel es ist, die Arbeiterklasse an die kapitalistische Staats- und Gesellschaftsordnung zu binden.

Trotz radikaler Phasen mußten wir erleben, daß die DGB-Führung sich in allen Fragen zum Erfüllungsgehilfen der arbeiterfeindlichen SPD/FDP-Regierung machte. 'Innere Reformen' - unter diesem Schlagwort war die Regierung Brandt im Oktober 1969 angetreten. Viele Kollegen erhofften sich von dieser Regierung nicht nur wirtschaftliche Verbesserungen, sondern auch eine rechtliche Besserstellung der Arbeiter und Angestellten im Betrieb.

Stattdessen kam Gegenwärtig versucht die SPD-Regierung der Arbeiterklasse weiszumachen, sie betriebe mit ihrer Ostpolitik eine Politik des Friedens und der Verständigung.

Der Moskauer Vertrag (mit der SU,d.Vf.) ist aber in Wirklichkeit Ergebnis imperialistischer Absprachen zu Lasten der Arbeiterklasse.

Das neue Röhrengeschäft bringt z.B. den Mannesmann-Kollegen weder Frieden noch Sicherheit, sondern Rationalisierung und Entlassung. Wie die gemeinsame Bonner Erklärung beweist, will die SPD ebensowenig wie die CDU, die Grenzen in Europa wirklich anerkennen, kann sie nicht den Frieden garantieren. Die Vorbereitung des ersten Mai hat gezeigt, daß SPD-DGB und DKP-Führung sich gemeinsam vor den imperialistischen Karren spannen - und versuchen die Arbeiter für ihre Ziele zu gewinnen.

Wo Arbeitshetze, Lohnraub und schrankenlose Preistreiberei immer stärker das Bild bestimmen, wo durch strukturelle Schwächen und zyklische Krise wie in der Eisen- und Stahlindustrie und im Ruhrkohlebergbau, Kurzarbeit, Massenentlassungen und Stillegungen zum Alltag gehören, da sind die DGB-Führer die ersten, die die aufflammenden Kämpfe der Kollegen abwürgen. Wo die Kollegen offen das Monopolkapital angreifen, wo sie konkrete Schutzrechte fordern, da verwässern die Gewerkschaftsführer mit Unterstützung der revisionistischen DKP-Führung diesen Kampf durch ihre illusionierende Forderungen nach Mitbestimmung.

Statt Klassenkampf propagieren sie Klassenversöhnung. Auch international sind die Gewerkschaftsorganisationen nicht Klassenorganisationen, sondern Werkzeuge des Klassenverrats. Der Klassenkampf ist der Form nach national, dem Inhalt nach international, das Monopolkapital ist international organisiert - deshalb müssen auch wir uns mit den klassenbewußten Gewerkschaften aller Länder verbrüdern. Im Kampf um die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder müssen wir uns zusammenzuschließen und die zentralen Losungen und Forderungen:

FÜR DEN AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION.

GEGEN DIE VERSCHLECHTERUNG DER ARBEITS- UND LEBENSBEDINGUNGEN DER WERKTÄTIGEN MASSEN DURCH MONOPOLKAPITAL UND SPD-REGIERUNG.

KAMPF DEM ARBEITERFEINDLICHEN BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ!

FÜR DEN 7-STUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH.

PROLETARIER ALLER LÄNDER UND UNTERDRÜCKTE VÖLKER VEREINIGT EUCH."
=Rote Fahne Nr.44 und 50,Dortmund Mai 1972 bzw. 5.7.1972,S.1f bzw. S.4;
Revolutionäre Gewerkschafts Opposition Nr.1,o.O. (Dortmund) o.J. (1972),S.*;
KPD-OL Dortmund:1 200 DM Mindestlohn! 40 DM mehr für alle pro Woche!,Dortmund o.J. (1973),S.2


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