Der Kampf um gleichen Lohn für Frauen und Männer, für die Abschaffung der Leichtlohngruppen

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 8.3.2016


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Die Abschaffung der Leichtlohngruppen, in die neben den hier nicht betrachteten Jugendlichen und Ausländern, vor allem Frauen eingestuft wurden, wenn es nicht gleich geschlechtlich definierte Lohngruppen allein für Frauen gab, war von Anfang an eine zentrale Forderung der Linken (vgl. 24.7.1968, 9.10.1968) und vor allem ihrer Betriebsintervention, die hier anhand einiger Quellen dargestellt wird und sich vor allem in der Elektroindustrie anfänglich auch in Form von Frauenbetriebsgruppen vollzog, die sich aber von der autonomen Frauenbewegung insofern abgrenzten, als sie vorrangig Öffentlichkeitsarbeit statt Selbsterfahrung betrieben und auch indem sie den gemeinsamen Kampf von Frau und Mann propagierten. Für die betriebliche und gewerkschaftliche Frauenbewegung der 1970er Jahre waren die Leichtlohngruppen neben dem die Abtreibung verbietenden § 218 das wichtigste Thema.

Während es einleitend für diese Darstellung bei Hella Lippstadt zum Streik für gleichen Lohn für gleiche Arbeit und später bei Pierburg Neuß zu Streiks der Frauen für höhere Lohngruppen kommt (vgl. 21.5.1970), werden die Leichtlohngruppen vor allem in der Metalltarifrunde (MTR) 1970 massiv von den linken Gruppen angegriffen und es wird ihre Abschaffung gefordert (vgl. Juni 1970, 24.6.1970, 16.7.1970, 20.8.1970, Sept. 1970) bzw. über die Arbeitsbedingungen an den entsprechenden Arbeitsplätzen berichtet (vgl. 31.8.1970) und auch die IG Metall fordert die Abschaffung der Leichtlohngruppen (vgl. 1.9.1970, 7.9.1970, 15.9.1970), die natürlich auch auf ihrer Frauenkonferenz ein zentrales Thema sind (vgl. 24.9.1970).

Die Abschaffung der Leichtlohngruppen wird am 1. Mai als Kampfziel propagiert und dann in einigen Tarifbezirken der IGM zumindest vorbereitet (vgl. 27.9.1970), lässt aber bis zum Schluss dieser Darstellung Anfang der 1980er Jahre nicht vollzogen, obwohl sie immer wieder in den Tarifrunden von einzelnen Belegschaften und gewerkschaftlichen Gremien gefordert und wenigstens ihre Angleichung an die anderen Lohngruppen mittels linearer Forderungen angestrebt wird.

Sowohl den linearen Forderungen aber als auch der Durchsetzung der Abschaffung der Leichtlohngruppen verweigerte sich die sozialdemokratisch dominierte Gewerkschaftsführung.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

1955:
Der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) berichtet:"
Obwohl das Bundesarbeitsgericht (BAG - vgl. 1955, d.Vf.) im Rahmen der Entwicklung des sogenannten Gleichberechtigungsgesetzes bereits 1955 Frauenlohngruppen und Frauenabschlagsklauseln in Tarifverträgen verboten hat, verstehen es fast alle Kapitalisten bis heute in großem Maßstab die Lohngleichheit zu umgehen."
Quelle: Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972, S. 19

24.07.1968:
Laut 'apo press' München findet in München ein Treffen der Arbeiterkonferenz zur Wahlalternative 69 statt. Ca. 120 Personen aus Münchener Betrieben sind anwesend, "um einen Entwurf für ein politisches Programm zu diskutieren, das von einem Redaktionskomitee formuliert worden war". Ein Entwurf gliedert sich in die Teile:
"1. Soziale Forderungen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - insbesondere für Frauen und Jugendliche, vier Wochen Mindesturlaub, keine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge, bezahlter Bildungsurlaub, 13. Monatsgehalt, Sicherheit im Alter, Herabsetzung des Rentenalters."
Q: apo press Nr. 8 und 9, München 21.7.1968 bzw. 28.7.1968, S. 9 bzw. 13ff

09.10.1968:
Laut 'apo press' München findet in München ein erneutes Treffen der Arbeiterkonferenz (vgl. 18.9.1968) statt, auf dem weiter die Wahlalternative diskutiert wird. Auf dem Treffen soll über "den Entwurf eines politischen Programms diskutiert werden, das folgende Forderungen enthält:
Sicherung des Arbeitsplatzes; gleicher Lohn für gleiche Arbeit - auch für Frauen, Jugendliche und alte Arbeitnehmer.
Q: apo press Nr. 19 und 20, München 7.10.1968 bzw. 14.10.1968, S. 5 bzw. S. 4f

28.04.1969:
Bei AEG Telefunken Berlin-Schwedenstrasse erscheint eine Ausgabe der 'AEG Telefunken Betriebskorrespondenz' vermutlich Anfang dieser Woche (vgl. 24.3.1969, 5.5.1969) mit dem Artikel "Alle reden von Gleichberechtigung" zu den Frauenlohngruppen bzw. Leichtlohngruppen.
Q: AEG Telefunken Betriebskorrespondenz o. Nr. , Berlin o. J. (1969), S. 7f

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05.05.1969:
Die IGBE (vgl. 16.5.1969) berichtet vermutlich aus dieser Woche, daß in der hessischen Braunkohle ein neuer Tarifvertrag (BETR) abgeschlossen wurde. Ausgeführt wird dazu u.a.:"
Die besondere Lohngruppe für die Putzfrauen wird gestrichen. Weibliche Arbeitnehmer, die bislang in dieser Gruppe waren, werden in die Lohngruppe 1 umgestuft".
Q: Einheit Nr. 10, Bochum 16.5.1969

16.09.1969:
In Lippstadt beginnt, laut IMSF, ein dreitägiger Streik bei der Westfälischen Metallindustrie Hueck und Co. (Hella). Von den 2 400 Beschäftigten des bestreikten Nordwerkes sind 2 000 Frauen, hauptsächlich aus Italien, Spanien, Jugoslawien und Griechenland. Es erhalten sowohl Frauen weniger Lohn als Männer, als auch Ausländer weniger Lohn als Deutsche. Der Streik beginnt in einer Abteilung durch deutsche, italienische und spanische Arbeiterinnen. Die Männer schließen sich an, so daß schließlich das ganze Nordwerk streikt. Gefordert wird "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", am zweiten Tag auch u.a. eine Mark mehr. Die Losung der Deutschen lautet "Solidarität für Gastarbeiter", im Verlauf des Streiks aber greift die chauvinistische Propaganda. Um 11 Uhr beginnt eine Demonstration zum zwei Kilometer entfernten Hauptwerk, dessen Tore aber verschlossen sind. Sie werden überstiegen und dann geöffnet, so daß die Streikenden durch das Werk ziehen können. Für 14 Uhr ruft der Betriebsrat eine Betriebsversammlung ein, kurz nach deren Beginn aber bricht in einem Lagerhaus des Hauptwerkes ein Feuer aus, so daß die Versammlung abgebrochen wird. Die Polizei findet noch keine Hinweise auf Brandstiftung. Die Streikenden wählen eine Verhandlungskommission (vgl. 17.9.1969).
Q: IMSF: Die Septemberstreiks 1969, Frankfurt Nov. 1969

02.10.1969:
Die IG Chemie schließt heute, laut IMSF, beim ersten Verhandlungstermin einen neuen, vorgezogenen Tarifvertrag für die chemische Industrie ab, der nach der 7, 5% Lohn- und Gehaltserhöhung im Frühjahr eine weitere Verbesserung um 3, 5% sowie eine stufenweise Anhebung der Leichtlohngruppen und eine Verbesserung der Urlaubsregelung erbringt.
Q: IMSF: Die Septemberstreiks 1969, Frankfurt Nov. 1969, S. 216

28.04.1970:
Das Berliner Rote Mai-Komitee, dem angehören die Betriebsgruppen der Betriebsgruppen Arwa, Daimler, DWM, Gillette, Orenstein & Koppel, NCR, SEL, Siemens, und andere Betriebe, die Roten Bauarbeiter, der Aktionsrat zur Befreiung der Frauen, die Roten Kollektive proletarische Erziehung (ROTKOL) und die Schülerläden sowie die Roten Zellen der Universitäten und Akademien, gibt die 'Rote 1. Mai-Zeitung' Nr. 2 (vgl. 21.4.1970) heraus mit dem Artikel "Gleicher Lohn für Männer u. Frauen!".
Q: Rote 1. Mai-Zeitung Nr. 2, Berlin 28.4.1970, S. 2

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21.05.1970:
In Neuß werden bei Pierburg, laut 'SBK', Ende Mai 3 Warnstreiks durchgeführt, mit denen eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 20 Pf. durchgesetzt worden sei. Laut RFO Saarland wurden durch die hauptsächlich von Frauen getragenen Aktionen auch noch eine einmalige Zahlung von 200 DM erkämpft. Laut DKP streiken vermutlich heute 1 000 eineinviertel Stunden lang. Laut KPD/ML-ZB kämpfen alle 1 600 Frauen, von denen drei Viertel Ausländerinnen sind, gemeinsam um höhere Löhne und um die Einstufung in höhere Lohngruppen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 17, Bochum 22.7.1970; Das Rote System Nr. 2, Berlin Sept. 1970;Der Schwartzkopff-Hammer Nr. 1, Berlin Sept. 1970;Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 22, Düsseldorf 30.5.1970;Sozialistische Betriebskorrespondenz Nr. 3, Offenbach 1.7.1970;Rote Fahne - Röchling Nr. 5, Völklingen o.J. (1970)

Juni 1970:
Die OG Frankfurt der KPD/ML-ZK gibt bei Adler eventuell im Juni das folgende Flugblatt heraus:"
KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

SEIT DER LITTONKONZERN DIE ADLERWERKE GESCHLUCKT HAT, WIRD ES MIT JEDEM TAG SCHLIMMER!

Hilft uns die D'K'P (DKP, d.Vf.)?

In der Betriebszeitung 'Impuls' nennt sie einiges beim richtigen Namen: Spitzel am Krankenbett, Lehrlingsausbeutung, ungerechte Frauenlöhne, Adlerbosse pfeifen auf Recht und Gesetz. Diese Mißstände sieht die D'K'P und nennt sie Unverschämtheiten. Sie fordert die Kapitalisten und ihre Handlanger auf, sie sollen sich an ihre Gesetze halten. Uns fordert sie auf, wir sollen die IG Metall unterstützen, 'unsere Gewerkschaft'.

Das ist Verrat!"
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt: Kolleginnen und Kollegen! Seit der Littonkonzern die Adlerwerke geschluckt hat, wird es mit jedem Tag schlimmer!, Frankfurt o. J.

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24.06.1970:
Bei Hoesch Maschinenfabrik Deutschland (MFD) in Dortmund fordert die Versammlung des IGM-Vertrauensleutekörpers zur Metalltarifrunde (MTR), laut KPD/ML-ZK bei Opel Bochum, "eine 15% effektive Lohnerhöhung auf den Ecklohn der Facharbeiter-Gruppe 7. Daß der daraus errechnete Geldbetrag linear auf alle Lohngruppen angewandt wird."
Gefordert worden sei auch der Wegfall der beiden untersten (Frauen-) Lohngruppen und die Zahlung eines 13. Monatslohnes bzw. -gehaltes.
Q: Zündkerze Nr. 4, Bochum Sept. 1970, S. 3

30.06.1970:
Die OG Frankfurt der KPD/ML-ZK gibt vermutlich heute, vermutlich bei Adler das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Lothar Wolfstetter heraus:"
KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!
NIEDER MIT DEM LOHNSYSTEM!

Heute ist Zahltag. Das ist immer eine Überraschung. Jeder kann jetzt sehen, was hat er nun davon, daß er den ganzen Juni geschafft hat.

Die Frauen sind es schon gewohnt: sie schaffen genauso wie die Männer, oft sogar am selben Arbeitsplatz, trotzdem haben sie im Monat bald 100 Mark weniger wie die Kollegen.

Die Zeitlöhner, ausgenommen die Facharbeiter, sind besonders schlecht dran. Sie müssen auch immer schneller schaffen, ähnlich wie im Akkord, trotzdem liegt ihr Stundenlohn etwa eine Mark tiefer.

Die Akkordarbeiter untereinander sind nochmal in soundsoviele Lohngruppen und -stufen aufgeteilt. Nach Arbeitsleistung geht es dabei nicht.

Kurz gesagt: Das ganze Lohnsystem ist von vorn bis hinten ungerecht!

DAS KAPITALISTISCHE LOHNSYSTEM KANN NIEMALS GERECHT SEIN

Früher konnte ein Arbeiter seine Familie ernähren. Dafür mußte er auch 10, 12 Stunden am Tag schaffen. Dann hat sich die Arbeiterklasse die 40-Stundenwoche erkämpft. Das war ein harter Schlag für die Kapitalisten. Denn sie machen weniger Profit, wenn die Arbeiter jeden Tag kürzer schaffen.

Was taten also die Kapitalisten? Sie drückten die Löhne runter. Heute kann eine Arbeiterfamilie nur anständig leben, wenn der Mann Überstunden schafft wie verrückt oder die Frau auch arbeiten geht.

Unsere Forderung: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bringt also nur dann etwas, wenn der Arbeiter in 40 Stunden die Woche so viel verdient, daß er mit seiner Familie davon leben kann. Geht die Frau auch arbeiten, soll sie genauso viel verdienen.

Aber was werden die Kapitalisten tun? Sie werden gleichen Lohn für Frauen und Männer nur zulassen, wenn dann beide zusammen so wenig verdienen, daß es gerade für die Familie langt.

Die Kapitalisten sind unermeßlich raubgierig. Es reicht ihnen nicht, wenn wir Überstunden machen und die Frauen auch arbeiten. Wir sollen vor allem auch schneller arbeiten. Deshalb drücken sie den Zeitlohn eines Ungelernten so stark runter, daß die meisten Arbeiter bereit sind Akkord zu schaffen. Das kostet den Kapitalisten zwar mehr Lohn, dafür verdient er an jedem Stück noch mehr. Den Mehrlohn treiben sie durch Preiserhöhungen wieder bei. Außerdem schraubt jeder Kapitalist den Akkord nach und nach höher. Bei der Schinderei wird kaum einer älter als 65.

Die unterschiedlichen Einstufungen sind noch so ein Trick: Einmal dienen die Stufen als Bremse. Die machen ja schon für vier Pfennige eine extra Stufe! Wird man also endlich mal höher eingestuft, hat man ein paar Pfennige mehr und es ist erstmal für längere Zeit nichts drin.

Und schließlich ist die Stufenleiter noch ein billiges Mittel, die Kollegen untereinander auszuspielen, einige besonders zu bestechen und so die Solidarität zu verhindern.

Wir sehen also: Es bringt nichts, einzeln um höhere Einstufung zu betteln. Die halten einen hin und wollen einen nur zu Radfahrern machen.

Es bringt nichts, schneller zu schaffen, man macht sich kaputt, zwingt Andere zum Nachziehen und schließlich wird der Akkord ja doch raufgesetzt.

DER LOHNKAMPF IST EIN ENDLOSER VERTEIDIGUNGSKAMPF

Das Ziel der Kapitalisten ist: Die Arbeiter sollen mit Mann, Frau und Kind jeden Tag so lange und so schnell wie möglich schaffen und dafür so viel verdienen, daß sie gerade davon leben können. Dann haben die Kapitalisten ihren höchsten Profit.

Die Kapitalisten setzen Frauen und Ungelernte ein und drücken damit die durchschnittliche Lohnhöhe. Ein Kampf um höhere und gleiche Löhne ist ein Verteidigungskampf dagegen.

Die Kapitalisten steigern das Arbeitstempo und schrauben den Akkord immer höher. Der Lohnkampf hinkt hinterher.

Die Kapitalisten steigern Preise und Mieten. Wenn wir nicht mit Überstunden nachziehen wollen, müssen wir kämpfen.

Im reinen Lohnkampf bleibt der Arbeiter immer der Dumme. Der Kampf der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische Lohnsystem besteht seit Geburt des Kapitalismus und endet erst mit der Zerschlagung des Kapitalismus.

Sollen wir also auf Streiks um Lohnerhöhungen verzichten? Nein. Streiks sind eine notwendige Kampfform der Arbeiterklasse.

NUR DIE KOMMUNISTISCHE PARTEI KANN DEN KAMPF DER ARBEITERKLASSE ERFOLGREICH FÜHREN!

Unter der Führung der verbotenen SPD erkämpfte die Arbeiterklasse Sozialleistungen wie Rente und Krankenfürsorge gegen die Kapitalisten und deren Handlanger Bismarck.

Mit Hilfe der KPD erkämpfte die Arbeiterklasse die 40-Stundenwoche gegen die Kapitalistenklasse und deren Handlanger, die SPD.

Die Arbeiterklasse hatte Erfolg, weil sie eine Partei hatte, die nicht auf halbem Weg stehen blieb, sondern kompromißlos für die Diktatur des Proletariats kämpfte.

Bisher ist es der Kapitalistenklasse in Deutschland immer wieder gelungen, die Partei der Arbeiterklasse zu zerschlagen, durch faschistische Unterdrückung und Bestechung der Führer.

Nach diesem Sieg konnte die Kapitalistenklasse immer wieder die Erfolge der Arbeiterklasse rückgängig machen, so wie sie es heute wieder tut.

Heute ist der erste Schritt der Aufbau der neuen Partei der Arbeiterklasse, einer Partei ohne bezahlte Funktionäre, der KPD/ML.

Endgültigen Erfolg haben wir erst, wenn wir den Staat der Kapitalisten zerschlagen und die Kapitalisten enteignen.

Wenn wir einen Arbeiterstaat schaffen, in dem es Demokratie für das Volk gibt und Diktatur gegen die Kapitalisten.

Diesen Staat müssen wir verteidigen gegen alle Angriffe der unterdrückten Kapitalistenklasse. Dann verhindern wir solche Rückfälle in das kapitalistische System wie in der Sowjetunion (SU, d.Vf.) und den von ihr beherrschten Satelliten. Erst in einem solchen Staat kann es einen gerechten Leistungslohn geben, denn es gibt keine Profite mehr. Die Kapitalisten werden unterdrückt.

Das ist das Ziel der KPD/ML.

KLASSENBEWUSSTE ARBEITER ORGANISIERT EUCH IN DER KPD/ML"
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt: Kolleginnen und Kollegen! Nieder mit dem Lohnsystem!, Frankfurt o.J. (1970)

16.07.1970:
Bei Adler Frankfurt findet, laut KPD/ML-ZK (vgl. 24.8.1970), eine Betriebsversammlung statt, die zum Rausschmiß des Kollegen Becker führt (vgl. 20.7.1970):"
Die Belegschaft hat ihre Forderungen auf der Betriebsversammlung am 16.7. aufgestellt. Am deutlichsten sprach Becker:
Frauen in die gleichen Lohngruppen wie die Männer!
Weg mit der Akkordschere!
Statt Überstunden Lohnerhöhungen, bei 40 Stunden muß das Geld langen!
Menschliche sanitäre Anlagen!
Schriftliche Bekanntmachung aller Verhandlungen des Vertrauensleutekörpers und des Betriebsrats!
13. Monatsgehalt.

So einig war die Adlerbelegschaft seit Jahren nicht mehr."
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt: Becker zurück in den Betrieb!, Frankfurt o.J. (Aug. 1970), S. 1

August 1970:
Die OG München der KPD/ML-ZK gibt vermutlich im August das folgende Flugblatt zur MTR der IGM heraus:"
KAMPF DEM LOHNRAUB!

Schluß mit den Unterschieden zwischen den einzelnen Lohngruppen oder Abteilungen, zwischen Tarif- und ausbezahltem Lohn, zwischen Löhnen von Hamburg und München! Schluß mit der Unterbezahlung von Frauen, Lehrlingen und ausländischen Arbeitern! Mit diesen Lohntricks, die von der Gewerkschaftsführung insgeheim unterstützt werden, spielen die Kapitalisten heimtückisch die Arbeiter gegeneinander aus.

Deswegen müssen wir nicht nur für eine kräftige Lohnerhöhung kämpfen, sondern auch für die folgende Forderung:
ANHEBUNG DER NIEDRIGEN AN DIE HÖHEREN LÖHNE, GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT!

Die Streiks im letzten September haben es gezeigt: als ganze Belegschaften und die Arbeiter ganzer Industriezweige zusammengehalten und gemeinsam für ihre Lohnforderungen gekämpft haben, als sie sich durch keine faulen Versprechungen von der Firmenleitung und der Geschäftsführung beirren ließen - da klappte es.

DIE ARBEITERKLASSE KANN DANN UND NUR DANN IHRE LOHNFORDERUNGEN VOLL UND GANZ DURCHSETZEN, WENN SIE GESCHLOSSEN KÄMPFT UND MASSIVEN DRUCK DAHINTER SETZT!"
Q: KPD/ML-ZK-OG München: Kampf dem Lohnraub!, München o.J. (Aug. 1970)

20.08.1970:
Von der KPD/ML-ZB werden "Richtlinien für September 1970" verabschiedet. Forderungen in diesem Zusammenhang sind:
- Streichung der Leichtlohngruppen!
- Weg mit den Altersabschlägen und Altersklassen!
- Urabstimmung vor Annahme jedes Verhandlungs- und Schlichtungsergebnisses!
Q: Der Parteiarbeiter Nr. 1, Bochum Aug. 1970

31.08.1970:
Bei Intermetall Freiburg beginnt, laut BKA Freiburg, um 10 Uhr 30 ein Streik von 20 Frauen in der Halle 4 an den Durchlauföfen gegen das Abstellen der Klimaanlage, an dem sich schließlich insgesamt fast 100 Frauen u.a. von den Glasdiodenschmelzautomaten und den Verschweißboxen eine halbe Stunde lang beteiligen. Im Zusammenhang mit dem Streik werden vom BKA die Leichtlohngruppen angegriffen:"
Kein Mann, der wegen 'besonders erschwerender Belastung' in Lohngruppe 7 eingestuft wurde, würde mit den 'geringen Belastungen' der Frauenlohngruppe 3 tauschen wollen, selbst dann nicht, wenn er das gleiche Geld wie vorher bekäme. Die eintönige und stumpfsinnige Maschinenarbeit bedeutet eine unerträgliche nervliche und seelische Belastung. Viele Frauen müssen dieselben einförmigen Arbeitsverrichtungen viele tausend mal am Tag, durch hohe Akkordsätze angetrieben, ausführen."
Q: Klassenkampf Nr. 1, Freiburg Sept. 1970, S. 4f

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31.08.1970:
Die OG Frankfurt der KPD/ML-ZK gibt bei Adler vermutlich heute oder in dieser Woche das folgende Flugblatt heraus, das uns auch auf Italienisch und Spanisch vorlag:"
UNTERSCHRIFTENSAMMLUNG FÜR EINE ORDENTLICHE BETRIEBSVERSAMMLUNG!

Dieser Vorschlag wurde auf der Versammlung der Roten Betriebsgruppe der KPD/ML vom 27. August 1970 von den anwesenden Kollegen angenommen. Für diese Betriebsversammlung wurde folgende Tagesordnung vorgeschlagen:
Frauen in die gleichen Lohngruppen wie die Männer!
Weg mit der Akkordschere!
Statt Überstunden Lohnerhöhungen, bei 40 Stunden muß das Geld langen!
Menschliche sanitäre Anlagen!
Schriftliche Bekanntmachung aller Verhandlungen des Vertrauensleutekörpers und des Betriebsrats!
13. Monatsgehalt!
Vertrauensmann Becker zurück in den Betrieb!"
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt: Unterschriftensammlung für eine ordentliche Betriebsversammlung!, Frankfurt o.J. (1970); KPD/ML-ZK-OG Frankfurt: Raccolta di firme per un' assemblea ordniaria di fabbrica, Frankfurt o.J. (1970);KPD/ML-ZK-OG Frankfurt: Colleccion de firmas para una asemblea regular de fabrica!, Frankfurt o.J. (1970)

September 1970:
In Berlin-Spandau erscheint bei Orenstein und Koppel (O&K) durch die Betriebsgruppe O&K der Basisgruppe Spandau die 'O&K Solidarität - Rote Betriebskorrespondenz' Nr. 10 (vgl. Aug. 1970, März 1971). Die letzte Seite wird eingenommen von einem Flugblatt der Basisgruppe Spandau / Wedding zur Metalltarifrunde (vgl. Sept. 1970), welches die Abschaffung der Leichtlohngruppen, gleichen Lohn für Frauen und Männer, 1000 DM netto Mindestlohn sowie 1 DM netto mehr pro Stunde fordert.
Q: O&K Solidarität Nr. 10, Berlin Sept. 1970

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September 1970:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Siemens der Basisgruppe Spandau ihre 'Siemens Solidarität - Rote Betriebskorrespondenz Gartenfeld' Nr. 6 (vgl. Aug. 1970, März 1971) für September heraus mit dem Artikel "Weg mit den Leichtlohngruppen!" der Frauen.
Q: Siemens Solidarität - Rote Betriebskorrespondenz Gartenfeld Nr. 6, Berlin Sept. 1970, S. 5

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September 1970:
Der KB/ML Westberlin gibt die Nr. 2 seiner 'Kommunistischen Arbeiterzeitung' (KAZ - vgl. Aug. 1970, 29.9.1970) heraus mit einem Leitartikel zur Metalltarifrunde (MTR) der IGM: "Eine Mark mehr Effektivlohn für alle". Gefordert wird auch die Abschaffung der Leichtlohngruppen, in denen meist Frauen eingestuft sind.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2, Berlin Sept. 1970

September 1970:
In Bremerhaven erscheint erstmals die 'Arbeiterstimme', als Betriebsinformation des Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrums (SALZ) Bremerhaven (vgl. 7.10.1970). Gefordert wird: "Gleicher Lohn für Mann und Frau!".
Q: Arbeiterstimme Sept. 1970, Bremerhaven Sept. 1970, S. 3ff

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September 1970:
Es erscheint die Nr. 12 der 'Göttinger Betriebszeitung' - Informationen für Arbeitnehmer (vgl. Juli 1970, Nov. 1970) mit dem Leitartikel "Wir wollen mehr" der über die Mindestforderungen zur Metalltarifrunde (MTR) von Vertrauensleuten u.a. von Bosch, Feinprüf, Händler & Natermann, Isco und Zeiss nach 75 Pfennig mehr für alle Lohngruppen, einem 13. Monatsgehalt, Abschaffung der Lohngruppen 1 - 4 und Abschaffung der Ortsklassen berichtet.
Q: Göttinger Betriebszeitung Nr. 12, Göttingen Sept. 1970

01.09.1970:
'Die Rote Westfalenwalze' - Zeitung der Betriebszelle Westfalenhütte der KPD/ML-ZB erscheint erstmals auf der Hoesch Westfalenhütte in Dortmund (vgl. Okt. 1970). Im Leitartikel "Kampf dem SPD-Lohnraub! Für die volle Durchsetzung der gewerkschaftlichen Forderungen" heißt es:"
Am 30. September sind die Tarifverträge in der Metallindustrie abgelaufen. Für NRW fordert die IGM 15% mehr, in anderen Bezirken wird auch teilweise bis zu 20% mehr gefordert. Weiter haben einzelne Tarifkommissionen in den einzelnen Bezirken gefordert:
- Die Laufzeit soll 12 Monate nicht überschreiten. Sie soll zu einem einheitlichen Termin in allen Bezirken enden.
- Die Leistung aus dem Tarifvertrag für 'vermögensbildende Leistungen' darf auf die kommende Lohn- und Gehaltserhöhung nicht angerechnet werden.
- Mit der kommenden Tarifbewegung sind die sogenannten Leichtlohngruppen zu beseitigen.
- Regionale Tarifverhandlungen zur Stärkung der Kampfkraft.

Kollegen, die Forderungen der Gewerkschaft 15% Lohnerhöhung müssen mindestens durchgesetzt werden. Ebenso die Forderung nach der 12monatigen Laufzeit und Streichung der unteren Lohngruppen. Kollegen, die 15% Lohnerhöhung kann sich die Arbeiterklasse nur dann erkämpfen, wenn sie einheitlich vorgeht. Wir müssen alle Spalter der Arbeiterklasse schonungslos bekämpfen."
Q: Die Rote Westfalenwalze Nr. 1, Dortmund 1.9.1970

07.09.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet von der Metalltarifrunde (MTR) in NRW:"
Willi Michels, Vorstandsmitglied der IGM, der die Bezirksverhandlungen mit den Kapitalisten in NRW leiten wird, sagte ganz offen in einem Gespräch mit den Ruhrnachrichten, daß die IGM überzeugt ist, daß bei den Verhandlungen in NRW mindestens 12% herauskommen. Der IGM-Führung geht es also von vornherein nicht um die Durchsetzung der 15%. Ihr geht es darum, die Arbeiter zu beruhigen. Deshalb will Michels das 'Problem' in NRW möglichst schnell 'vom Tisch haben'. Dies liegt nach Michels auch durchaus im Interesse der Stahlindustrie. Gleichzeitig geht es der IGM auch darum, die SPD-Regierung zu schonen. Würden bei den Verhandlungen 15% mit einer Absicherung der Effektivverdienste und mit Anhebung der Leichtlohngruppen voll durchgesetzt werden, würde die IGM Krach mit der SPD bekommen. Die SPD muß nämlich als Vertreter des Monopolkapitals dafür sorgen, daß die Lohnerhöhungen in einem geringfügigen Rahmen bleiben, da sonst die Profite der westdeutschen Monopole verringert würden.
Ruhrnachrichten 7.9."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 31, Bochum 9.9.1970, S. 1f

15.09.1970:
Bei Opel Bochum gibt die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB laut KPD/ML-ZK heute erstmals 'Die Presse' (vgl. 24.9.1970) mit folgendem Leitartikel heraus:"
SPD PLANT WEITERE STEUERERHÖHUNGEN

In der jetzigen Tarifrunde kommt es darauf an, möglichst viel herauszuschlagen. Die Gewerkschaft fordert:
- 15% effektive Lohnerhöhung,
- Wegfall der unteren Lohngruppen, die unsere Einheit verhindern sollen und den Kapitalisten noch höhere Profite durch gesteigerte Ausbeutung der Frauen, Jugendlichen und ausländischen Kollegen verschaffen."

An die Frauen wendet sich der nächste Artikel:"
AN ALLE KOLLEGINNEN!

Die IGM fordert für die jetzige Tarifrunde die Aufhebung der unteren Lohngruppen.
KÄMPFEN WIR FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG DIESER FORDERUNG!

Wir machen die gleiche Arbeit wie die Männer, müssen uns bei der Arbeit genauso anstrengen und kriegen weniger Geld, die Preise und die Mieten aber sind für uns genau so hoch wie für die Männer. Die Gleichberechtigung steht zwar auf dem Papier, aber die Kapitalisten versuchen sie mit allen Tricks zu umgehen, um die Arbeiterklasse zu spalten. So wollen sie die Einheit der Arbeiterklasse und deren gemeinsame Kampfbereitschaft schwächen. Sie spielen die Männer gegen die Frauen aus, die Deutschen gegen Ausländer und die Erwachsenen gegen die Jugendlichen. So versuchen sie den Blick der Arbeiterklasse für ihren gemeinsamen Feind, die Kapitalistenklasse, zu trüben.

Die Aufhebung der unteren Lohngruppen erreichen wir nur, indem wir geschlossen für diese Forderung kämpfen! Mit unserer Kampfbereitschaft müssen wir die Vertrauensleute, Betriebsräte und Gewerkschaftsführer zur Durchsetzung zwingen! Nur so können wir einen neuen Umfall der Gewerkschaftsbonzen verhindern.

FÜR DIE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE!
FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG DER GEWERKSCHAFTLICHEN FORDERUNGEN!"
Q: Die Presse Nr. 1, Bochum o.J. (15.9.1970)

24.09.1970:
Die DKP berichtete:"
IM AUFTRAG VON 200 000 FRAUEN
ANTRÄGE ZUR IG-METALL-FRAUENKONFERENZ

Am 24. und 25. September 1970 findet in Dortmund die 7. Frauenkonferenz der IG Metall statt. Den Delegierten der 200 000 weiblichen Mitglieder dieser Industriegewerkschaft wird eine große Zahl von Anträgen zur Beratung vorliegen, die sich vorrangig mit dem Problem der ungleichen Bezahlung weiblicher Arbeitskräfte, der sozialen, bildungspolitischen und gesellschaftlichen Benachteiligung der Frauen beschäftigen.

Allein 27 der insgesamt 158 Anträge, die den Delegierten zur Beratung vorliegen werden, befassen sich mit Vorschlägen, wie endlich der vorhandenen, ungleichen Entlohnung der Frauen und Mädchen in der Metallindustrie der Kampf angesagt werden kann. So wird u.a. der Vorstand der IG Metall aufgefordert, auf die Tarifkommissionen einzuwirken, damit die unteren Lohngruppen angehoben und die Tätigkeitsmerkmale überprüft werden.

Im Antrag der Verwaltungsstelle Salzgitter heißt es wörtlich: Die Tarifverträge sind so abzufassen, 'daß das gleiche Entgelt für Männer und Frauen nicht nur formell, sondern auch tatsächlich garantiert wird', und daß 'keine Tätigkeitsmerkmale und -beschreibungen in die Tarifverträge aufgenommen werden, die zu ungleichem Entgelt für Männer und Frauen führen'.

LOHNGLEICHHEIT

In der Bundesrepublik liegt die Differenz zwischen Männer- und Frauenlöhnen noch immer bei 30, 3 Prozent. Das eigentliche Problem der Lohngleichheit liegt heute bei den Leichtlohngruppen, das heißt, daß Frauen, die gerade in der feinmechanischen und elektronischen Industrie hochqualifizierte Arbeit leisten, nach den untersten Lohngruppen bezahlt werden, Lohngruppen, in denen Männer überhaupt nicht zu finden sind. Diese verschleierten Frauenlohngruppen sind in der Metallindustrie noch immer vorhanden. Die vorliegenden Anträge widerspiegeln die Erwartung der in der IG Metall organisierten Frauen, daß von ihrer Gewerkschaft nach jahrelangen entsprechenden Forderungen dieser Unterbezahlung endlich der Kampf angesagt wird."

In einem anderen Bericht von R. K. heißt es:"
JETZT SIND WIR DRAN!

FRAUEN DER IG METALL FORDERN GLEICHE ENTLOHNUNG

'Jetzt sind wir dran' stand unter dem Titelbild einer Gewerkschaftszeitung. Auf dem Bild waren Arbeiter und Angestellte zu sehen, die mehr Lohn und Gehalt fordern. 'Der Titel ist gut', sagte Elfriede Tichy, eine der 213 Delegierten des 7. Frauenkongresses der IG Metall, 'aber trotz Lupe und Brille ist auf dem Bild keine Frau zu finden.' Dabei ist es allerhöchste Zeit, daß endlich einmal gesagt wird: 'Jetzt sind wir dran, wir, die berufstätigen Frauen!'

Gertrud Mahnke, vom IG-Metall-Vorstand lieferte in ihrem Referat über die Entlohnung der Frauen Beweismaterial in Hülle und Fülle für die Dringlichkeit dieser Forderung.

Trotz erzielter geringfügiger Anhebung der unteren Lohngruppen, in denen in der überwiegenden Mehrzahl Frauen und Mädchen zu finden sind, beträgt der Unterschied zwischen dem Durchschnittslohn der Männer und der Frauen in der Industrie einen ganzen Hundertmarkschein weniger für die Frauen.

UNTERNEHMERGRUNDSÄTZE

Die IG Metall verlangt überall, wie sie in den Tarifverträgen dazu frei sind, Verbesserungen in den untersten Lohngruppen (?, d.Vf.). Wie eine Untersuchung bei etwa einem Viertel aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiterinnen zeigt, werden 60, 5 Prozent noch nach den beiden untersten Lohngruppen bezahlt.

Seit 17 Jahren ist der Grundsatz, gleichen Lohn für gleiche Arbeit gesetzlich verankert. Die Unternehmer mißachten das Gesetz. 'Sie versuchen noch immer zu teilen, um zu herrschen. Sie geben nur das, wozu sie sich gezwungen fühlen. Ihnen geht es nicht um die Menschen, sondern um ihre Machtpositionen und Profite', sagte Gertrud Mahnke.

Aber als eine der Ursachen, warum die Unternehmer weiterhin durch die Unterbezahlung der Frauen Extraprofite einstecken können, nannte sie auch das Verhalten der Frauen selbst, die sich zu wenig um ihre Rechte kümmern. Es sie dies das Produkt der Erziehung und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die den Frauen trotz ihrer großen Leistungen in der Wirtschaft noch immer nur eine 'dienende' oder 'mit'verdienende Rolle zugestehe.

Die Streikbewegungen im vergangenen Herbst haben endlich auch die Frauen aufgerüttelt. Sie fordern, und das kam auch in den vielen Anträgen der Konferenz zum Ausdruck, die Streichung der unteren Lohngruppen, und die Verwirklichung von Chancengleichheit von Mann und Frau. 'Die bisher friedlich waren, sind es nun nicht mehr' und wir, die Gewerkschaften unterstützen diese heilsame Unruhe, formulierte Gertrud Mahnke für das Stammbuch der Unternehmer."
Q: Unsere Zeit Nr. 36, 40 und 41, Essen 5.9.1970, 3.10.1970 bzw. 10.10.1970, S. 20, S. 5 bzw. S. 20

24.09.1970:
Bei Opel Bochum gibt die Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB ein Extrablatt ihrer 'Presse' (vgl. 15.9.1970, 25.9.1970) heraus:"
HEUTE BETRIEBSRÄTEVOLLKONFERENZ

ZWINGEN WIR DIE BETRIEBSRÄTE DURCH UNSERE KAMPFBEREITSCHAFT ZUM VOLLEN EINSATZ FÜR UNSERE FORDERUNGEN

EUGEN LODERER, stellvertretender IGM-Vorsitzender, spricht Freitag 9 Uhr über die Durchsetzung unserer Forderungen im Tarifkampf. Kürzlich erklärte Loderer noch lauthals in Lübeck: Die Tarifbewegung wird beweisen, wie frei und unabhängig die IGM AUCH GEGENÜBER BONN die Interessen ihrer Mitglieder zu wahren weiß. - AUCH GEGENÜBER BONN! Das heißt doch wohl: gegenüber der Lohnraubpolitik der Regierung sind 15% Lohnerhöhung, Wegfall der unteren Lohngruppen und Absicherung von 6 DM Mindestlohn unsere Mindestforderungen, damit wir die wachsenden Steuern und Lebenshaltungskosten wenigstens etwas ausgleichen können!"
Q: Die Presse Extrablatt Heute Betriebsrätevollkonferenz, Bochum o.J. (24.9.1970)

26.09.1970:
Die KPD/ML-ZB veröffentlicht, nach eigenen Angaben, heute ein auf September datiertes Extrablatt ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 26.8.1970, 23.11.1970) zur Metalltarifrunde (MTR). U.a. heißt es im Aufruf des Zentralbüros:"
Kampf dem Lohnraub! Gegen die Verrätereien der SPD-Regierung - Die Geschlossene Kampffront der Arbeiterklasse! Weg mit dem Lohnraubprogramm der SPD-Regierung! Sofortige Zurückzahlung der 10%-Lohnraubsteuer! 15% effektive Lohnerhöhung! Arbeiter! Kämpft gegen die Versuche der Kapitalisten, die Arbeiterklasse durch Entlassungen und Lohnkürzungen für die herannahende Krise zahlen zu lassen. Deshalb: Absicherung des Effektivlohnes durch 6 DM Mindestlohnes! Und hohe Wachsamkeit gegen die Entlassungen und Willkürakte der Kapitalisten. Kämpft gegen Lohnkürzungen und Entlassungen. Arbeiter! Nur die Einheit der Arbeiterklasse führt zum Sieg. Es gibt zahlreiche Spalter der Arbeiterklasse. Gegen sie müssen wir kämpfen und die Einheit der Arbeiterklasse herstellen. Deshalb gegen die Spalter der Arbeiterklasse: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Streichung der sogenannten Leichtlohngruppen! Weg mit den Alterszuschlägen und Altersklassen! Für die Einheit der Arbeiterklasse!"
Q: Rote Fahne Extrablatt und Nr. 6, Bochum Sept. 1970 bzw. 21.12.1970

27.09.1970:
Die DKP berichtet, es "wurde im Tarifbezirk Hessen die Unternehmerfront zum erstenmal aufgebrochen, und es kam in der Nacht zum Sonntag zu einem neuen Tarifabschluß für die dortigen 300 000 Beschäftigten.

Gegen drei Stimmen billigte die große Tarifkommission der IG Metall in Hessen folgendes Ergebnis: Mit einer Laufzeit von einem Jahr wird ab 1. Oktober der Ecklohn von von 4, 17 DM vorab zur Sicherung übertariflicher Zahlungen auf 4, 36 DM angehoben. Auf diese 4, 36 DM erfolgt eine effektive Lohnerhöhung um 10 Prozent auf 4, 80 DM/Std. Die Angestellten erhalten ebenfalls eine effektive Gehaltserhöhung von zehn Prozent. Die Leistungszulage wird bei den Arbeitern von 7, 5 auf 10 und bei den Angestellten von 5 auf 7, 5 Prozent erhöht. Die Nachtzuschläge verbessern sich bei Arbeitern und Angestellten von 10 auf 15 Prozent. Die Altersabschläge werden so geregelt, daß unter 18jährige 75 Prozent, über 18jährige den vollen Lohn erhalten. Es wird eine Kommission gebildet, die die Voraussetzungen dafür schafft, die sogenannten Leichtlohngruppen zu beseitigen. Die Auszubildenden erhalten je nach Lehrjahren Aufbesserungen zwischen 44 und 49 DM."
Q: Unsere Zeit Nr. 40, Essen 3.10.1970, S. 1

28.09.1970:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Freiburg der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) die Nr. 2 seiner Zeitung 'Klassenkampf' (vgl. Sept. 1970, 12.10.1970) heraus. Gefordert wird:"
Tarifliche Absicherung der Effektivlöhne und für alle eine Mark mehr pro Stunde
Abschaffung der Leichtlohngruppen (0 - 3)
Gleicher Lohn für Männer und Frauen".
Q: Klassenkampf Nr. 2, Freiburg Sept. 1970

28.09.1970:
Heute beteiligen sich, laut 'EXI', 430 in einem Betrieb in Göttingen an einem Warnstreik im Rahmen der Metalltarifrunde (MTR).

Die 'Göttinger Betriebszeitung' (vgl. Nov. 1970) berichtet:"
Auch in Göttingen und Uslar wurde gestreikt.
Am 28.9.70 stellten die Kollegen bei Feinprüf in Göttingen und der Sollinger Hütte in Uslar die Maschinen ab. Sie streikten für eine harte, kompromißlose Verhandlungsführung der IGM in Hannover. Bei Feinprüf wurde nicht für 10 % , sondern für 15 % als absolute Mindestforderung gestreikt. Die Kollegen der Sollinger Hütte streikten für die Forderungen, die die Vertrauensleute aufgestellt hatten: Abschaffung der Ortsklassen, 75 Pfg für alle, 13. Monatseinkommen, Abschaffung der Lohngruppen 1 - 4."
Q: Express International Nr. 108, Frankfurt 30.10.1970, S. 4; Göttinger Betriebszeitung Nr. 13/14, Göttingen Nov. 1970, S. 4

28.09.1970:
Die Nr. 7 des 'Roten Kabels' (vgl. Aug. 1970) der KPD/ML-ZB und KJVD Betriebsgruppe Kabelwerke Reinshagen Bochum erscheint in dieser Woche datiert auf September mit folgendem Leitartikel zur Metalltarifrunde (MTR):"
KAMPF FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG DER FORDERUNGEN

Die Forderungen der IGM liegen auf dem Tisch:
1. 15% MEHR LOHN!

2. TARIFLICHE ABSICHERUNG DER EFFEKTIVLÖHNE!
Der Effektivlohn, den man tatsächlich in der Tüte hat, liegt überall höher als der Tariflohn, der einem zusteht. Die betrieblichen Zulagen können jederzeit gestrichen werden.

Damit überhaupt eine effektive Lohnerhöhung herauskommt, muß man von dem tatsächlich gezahlten Lohn ausgehen; deshalb fordert die IGM die Vorweg-Anhebung der Ecklöhne und die Erhöhung der tariflichen Leistungszulagen.

3. STREICHUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN!
In den unteren Lohngruppen arbeiten vorwiegend Frauen für einen Lohn von 3, 35 DM gleich Lohngruppe 1 bis 3, 79 DM gleich Lohngruppe 4. Bei Reinshagen sind sogar fast alle in der ALLERUNTERSTEN Lohngruppe, die es gibt, nämlich 1, während bei Opel eine ungelernte Arbeiterin gleich in die 4. Gruppe kommt."
Q: Rotes Kabel Nr. 7, Bochum Sept. 1970

02.10.1970:
Die OG München der KPD/ML-ZK gibt vermutlich heute das folgende Flugblatt zur MTR der IGM heraus:"
HEIMTÜCKISCHE SPALTUNGSMANÖVER
'WAS UNTERSCHEIDET DIE UNTERNEHMER VON DER MAFIA? GAR NICHTS.'

Jetzt gilt es zu fordern: Keinen Pfennig runter von den Mindestforderungen: Vorweganhebung auf 4, 50 DM (wie in Bremen)! 10% IST EIN HOHN - 15% HOLEN WIR SCHON!!
Aufhebung der Leichtlohngruppen!"
Q: KPD/ML-ZK-OG München: Heimtückische Spaltungsmanöver, München o.J. (Okt. 1970)

03.10.1970:
Die Nr. 38 (vgl. 30.9.1970, 7.10.1970) des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD widmet sich unter der Schlagzeile "Gegen die Kapitalisten und Gewerkschaftsbonzen - für volle 15 %" zunächst der Metalltarifrunde (MTR):"
In mehreren Tarifgebieten ist es den Kapitalisten jetzt bereits gemeinsam mit den verräterischen rechten Gewerkschaftsführern gelungen, die Arbeiter über's Ohr zu hauen und 10% zu vereinbaren.
Niedersachsen: 10% Lohnerhöhung und Vorweganhebung des Ecklohns auf 4, 38 DM, Erhöhung des Leistungszuschlags für Zeitlöhner auf 12, 5%, Verbesserung der Relationen der unteren Lohngruppen zum Ecklohn; für Angestellte: Erhöhung der Tarifgehälter um 10%, Erhöhung der Leistungszulage auf 7, 5% und Vorweganhebung der Meistergehälter und Verbesserungen bei den unteren Gehaltsgruppen; Wegfall der Ortsklassenabschläge ab 1.Apr.71. Laufzeit 12 Monate.

Rheinland-Rheinhessen, Pfalz: 10%

Berlin: Lohnerhöhung 10%, Vorweganhebung des Ecklohnes auf 4, 39 und strukturelle Verbesserungen für untere Lohngruppen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 38, Bochum 3.10.1970

05.10.1970:
Die Sozialistische Betriebsgruppe (SBG) SBG Regensburg gibt vermutlich heute die Nr. 1 ihrer Zeitung 'Arbeitersache' (vgl. 1.5.1970, Nov. 1970) heraus mit dem Artikel "Gleicher Lohn für Männer und Frauen!" zur Abschaffung der Leichtlohngruppen 1, 2 und 3, wobei aufgefordert wird: "Siemens-Arbeiterinnen: Berichtet über eure Situation an die ARBEITERSACHE! Information ist der erste Schritt zur Beseitigung von Mißständen."
Q: Arbeitersache Nr. 1, Regensburg Okt. 1970, S. 7

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05.10.1970:
Die DKP berichtet vermutlich aus dieser Woche über die GHK:"
Die Gewerkschaft Holz und Kunststoff setzte für die 70 000 Arbeiter des Tischlerhandwerks in Nordrhein-Westfalen eine Lohnerhöhung von 12, 3 Prozent durch. Die Ecklöhne werden ab 1. Oktober um 50 Pfennig und ab 1. Februar 1971 um weitere 21 Pfennig auf 5, 95 DM angehoben.

Alle Lohngruppen unterhalb dieses Facharbeiter-Ecklohnes werden um weitere 2 Prozent angehoben."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 42, Düsseldorf 10.10.1970, S. 16

16.12.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet heute:"
Zum 31.12. sind die Manteltarife der IG Chemie im Bundesgebiet gekündigt. Es geht dabei um folgende Forderungen (Gewerkschaftspost 9/70): einheitlicher Manteltarif für Arbeiter und Angestellte, neue Lohngruppen und Erschwerniszulagen und ein neues Schlichtungsabkommen. Außerdem wollen die IG-Chemie-Bonzen den Bundesmanteltarifvertrag in Regionaltarifverträge aufspalten.
Die KPD/ML stellt dabei folgende Forderungen auf:

2. Streichung der Leichtlohngruppen und der unteren Lohngruppen. Diese Forderung ist wichtig in Frauenbetrieben, unter ausländischen Arbeitern und gegen die Stufenausbildung. Sie gilt für uns unter der Parole der Einheit der Arbeiterklasse. …"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 59, Bochum 16.12.1970, S. 5f

Januar 1971:
Es erscheint die Nr. 1 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Dez. 1970, März 1971) mit dem Artikel "Gleiche Arbeit - gleicher Lohn ???" zu den Leichtlohngruppen für Frauen.
Q: Befreiung Nr. 1, Mülheim Jan. 1971, S. 8

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Januar 1971:
Die Betriebsgruppen Cassella und Hoechst Frankfurt der KPD/ML-ZK berichten von der Chemietarifrunde (CTR - vgl. 26.2.1971) bzw. vom MTV:"
Die IG-Chemiebonzen schließen den spalterischen Manteltarifvertrag ohne die Lohngruppenbestimmungen ab."
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt-RBG Hoechst, RBG Cassella: Chemiearbeiterkampf 1971 Analyse Bericht Dokumentation, Frankfurt o.J. (1971), S. 2

27.01.1971:
Frühestens heute gibt die Rote Opel-Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK bei Opel Bochum die Nr. 6 ihrer 'Zündkerze' (vgl. 17.12.1970, 9.2.1971) heraus mit dem Artikel "ZUR DISKUSSION GESTELLT:", in dem es auch heißt: "
Und was unternimmt die Gewerkschaft gegen die Spaltungsversuche der Kapitalisten? Nichts! Noch immer dürfen Meister ungeschoren die für 'Sonderzulagen' notieren, die am besten Radfahren können, noch immer gibt es Lohngruppenunterschiede, die weibliche und junge Kollegen als Menschen dritter Klasse abstempeln.

'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' war schon zu Großvaters Zeiten die Parole, aber getan dagegen haben weder ADGB der 20er Jahre noch 'unser' DGB etwas."
Q: Zündkerze Nr. 6, Bochum o.J. (1971)

11.02.1971:
Der AStA der Ruhr-Universität Bochum (RUB - vgl. 11.2.1971) berichtet heute:"
EMANZIPATIONSGRUPPE

Kann eine Studentinnen-Gruppe dazu beitragen, die Emanzipation der Frau voranzutreiben??? -

Wehmütig erinnert man sich an den SDS-Weiberrat von 1968/1969 - der allerdings:

1. nur unter Ausschluß von Männern tagte (weil sie sonst nicht frei sprechen könnten);

2. leider dazu überging, als Voraussetzung für die Emanzipation sich erstmal in marxistischer Politökonomie zu schulen (ist zwar sehr wichtig, aber warum das als 'Weiberrat'?);

3. daher nie irgendwie wirksam an die Öffentlichkeit treten konnte - die Aktivitäten verliefen sich in einer In-group, die dann aus weiß was für Gründen einschlief.

Hier soll nicht vorgegaukelt werden, daß diese Fehler leicht überwunden werden können und daß durch einen neuen Weiberrat eine machtvolle Emanzipationsbewegung an der RUB entstehen kann.

In der heutigen politischen Situation darf eine Emanzipationsgruppe sich nicht auf systemimmanenten Reformismus beschränken, da hiermit sofort der Anspruch auf Verwirklichung der Ziele aufgegeben würde.

Das Problem der Emanzipation der Frau darf sich nicht weiterhin wie schon seit Generationen in einem elitären Zirkel intellektueller Weibchen abspielen, sondern muß den in Haushalt oder Beruf hilflos isolierten Frauen nähergebracht werden. Die Emanzipationsgruppe darf also weder als Elite noch als Avantgarde auftreten, sie muß sich - auch unter Berücksichtigung ihrer späteren beruflichen Lage - für ihre resignierten oder uninformierten Geschlechtsgenossinnen einsetzen.

Ihre Arbeit darf sich nicht darauf beschränken, verbal-onanistisch die Emanzipation der Frau, besser noch: die Vernichtung der Männer zu fordern (wie Solanas). Es müssen konkrete Vorschläge und Aktionen gemacht werden, die eine Emanzipationsbewegung vorbereiten könnten: für längere und qualifiziertere Berufsausbildung von Mädchen; für Gleichstellung des Mannes im Haushalt ('Hausmann'!); gegen Leichtlohngruppen und Ausbeutung der Frauen in Beruf und Familie, gegen sexuelle Unterdrückung… und vor allem: gegen das anti-emanzipatorische Verhalten dieser eingebildeten Männer.

Es reicht nicht aus, wie VALERIE SOLANAS in ihrem Buch SOCIETY FOR CUTTING UP MEN (Gesellschaft zur Vernichtung der Männer) - MÄRZ - vorschlägt, alle Vorurteile der Männer gegenüber den Frauen konsequent umzudrehen und die Männer als tierische Bums-Idioten darzustellen.

Damit sich die an solcher Arbeit interessierten Studentinnen überhaupt treffen, sollen sie sich mit dem AStA in Verbindung setzen."
Q: Bochumer Studentenzeitung Nr. 73, Bochum 11.2.1971, S. 2

15.02.1971:
Die KPD/ML-ZB verfaßt vermutlich in dieser Woche zur CTR der CPK ihr:"
KPD/ML-KAMPFPROGRAMM ZUR CHEMIETARIFRUNDE

Die KPD/ML hat für die anstehenden Tarifverhandlungen in der Chemieindustrie ein Kampfprogramm aufgestellt. …

II. Gegen die Angriffe der Kapitalisten in der beginnenden Krise: gegen Spaltung, Lohnabbau und Arbeitshetze! In der beginnenden Krise wollen die Kapitalisten den Widerstand der Arbeiter und Angestellten durch Spaltungsversuche brechen. Wir müssen deswegen ihre grundlegenden Manöver durchkreuzen, die sie schon seit Jahren mit Erfolg durchführen. Also:

GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT
Weg mit den Leichtlohngruppen!
Weg mit den Altersabschlägen!"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 14, Bochum 20.2.1971, S. 4f

März 1971:
Der BKA Freiburg gibt die Nr. 7 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 1.2.1971, 31.3.1971) heraus. Mit der Analytischen Arbeitsplatzbewertung (AAB) befaßt man sich in "Neue Lohnsysteme - Mittel zur Verschärfung der Ausbeutung und zur Spaltung der Arbeiterklasse", wo u.a. gesagt wird:"
VERNEBELUNG DES LOHNSYSTEMS

Seit 1963 ist die ANALYTISCHE ARBEITSPLATZBEWERTUNG unter Bezugnahme auf den Manteltarifvertrag für die Metallindustrie in Südbaden vereinbart. Sie wurde IN DEN MEISTEN METALLBETRIEBEN SÜDBADENS durch Betriebsvereinbarungen an die Stelle der alten Bewertungsmethode gesetzt. Bei den Verhandlungen über den neuen Manteltarifvertrag, die seit zwei Jahren im Gange sind, ist die Veränderung des Abkommens über die analytische Bewertung der Arbeit ein wichtiger Verhandlungspunkt. Die Gewerkschaften glauben an die Möglichkeit, im Kapitalismus ein 'gerechteres' Lohnsystem erreichen zu können. Die analytische Arbeitsplatzbewertung soll ein wichtiges Mittel dazu sein. … Das alte System unterschied drei Arten von Arbeitsplätzen: für die Facharbeiter, die für angelernte und die für ungelernte Arbeiter. Diese Einteilung machte es immerhin zum einen möglich, zu sehen ob man auch den gleichen Lohn bekam wie die Kollegen mit der gleichen Ausbildung, zum anderen konnte man gemeinsame Lohnforderungen stellen, die, wenn sie durchgesetzt wurden, für alle gleich galten.

Die Umstellung auf das jetzige Lohngruppensystem hatte unter anderem den Grund: die zunehmende Massenfertigung hatte viele Arbeiterinnen in die Fabriken geholt, denen die Kapitalisten aber noch weniger zahlen wollten als den ungelernten Arbeitern, darum richteten sie extra zwei Leichtlohngruppen für Frauen ein. Nachdem das Bundesarbeitsgericht dieses Vorgehen für Grundgesetzwidrig erklärt hatte, mußten sie sich etwas neues einfallen lassen, um die UNTERBEZAHLUNG DER FRAUEN BESSER ZU VERTUSCHEN.

Mit den Gewerkschaften einigten sie sich auf die jetzigen 10 Lohngruppen, dadurch ist es leichter möglich, Unterschiede bei der Bewertung der Arbeit zu machen. Die Lohnunterschiede bleiben die gleichen. Den Arbeiterinnen bleiben stillschweigend die unteren Lohngruppen vorbehalten. Die wenigen Männer in diesen Lohngruppen sind meist ausländische Arbeiter. … Die Einführung der analytischen Arbeitsbewertung wurde von Unternehmern und Gewerkschaften befürwortet. Die Gewerkschaften versprachen sich eine 'objektive' und kontrollierbare Arbeitsbewertung. Genau das Gegenteil ist der Fall: DIE UNTERNEHMER KÖNNEN DIESE METHODE WILLKÜRLICH IN IHREM ALLEINIGEN INTERESSE ANWENDEN. SIE IST DERART KOMPLIZIERT, DASS WIR UNSERE LOHNGRUPPENEINSTUFUNG NICHT KONTROLLIEREN KÖNNEN. …

Damit wir uns wehren können, müssen wir uns informieren über unsere gemeinsamen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Solange der Lohnstreifen Privatsache bleibt, werden wir uns nicht gegen Lohnkürzungen verteidigen können."
Q: Klassenkampf Nr. 7, Freiburg März 1971

01.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet von heute über die Aufstellung der Forderungen in der Chemietarifrunde (CTR - vgl. 31.3.1971)) Hessen, daß die "rechten Gewerkschaftsführer" die Manteltarifverhandlungen (vgl. 1.3.1971) "nun als Erfolg präsentieren und damit versuchen, die Lohnforderungen zu drücken.

In Hessen ist dies bereits geschehen: die rechten Gewerkschaftsführer haben dort eine Lohnerhöhung um 120 Mark gefordert. Nach ihrer Rechnung sind das etwa 13, 9%. Wenn man diese 120 Mark in Verhältnis zu den einzelnen Lohngruppen setzt, so bekommt man heraus, daß dies für Lohngruppe 1 (die niedrigste) etwa 15% ausmachen würde, für Lohngruppe 2 ca. 13, 5%, für Lohngruppe 3 ca. 12, 5%, für Lohngruppe 4 etwa 12, 2% (errechnet nach den Tariflöhnen, die in der chemischen Industrie im Bielefelder Raum gezahlt werden; die Tariflöhne in Hessen werden sich jedoch nicht groß davon unterscheiden.). Wenn man die Spanne zwischen Tarif- und Effektivlohn mit einrechnet, so macht eine Lohnerhöhung um 120 Mark bei einem Stundenlohn von 6, 50 nicht mehr als 10, 5% aus.

Für die Angestellten fordern die IG Chemie-Führer 11%. Das macht für die beiden unteren Lohngruppen 120 Mark aus, für die oberen aber wesentlich mehr. Dies ist im Rahmen der immer stärker werdenden Orientierung der Gewerkschaftsführer auf privilegierte Schichten der Werktätigen sehr wichtig.

Besonders deutlich zeigt sich die spalterische Politik der Gewerkschaftsbonzen aber in ihrer Haltung zu den Leichtlohngruppen (sie stellen nicht die Forderung nach dem Wegfall der Leichtlohngruppen auf) und bei den Lehrlingsforderungen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 18, 21 und 22, Bochum 6.3.1971, 17.3.1971 bzw. 20.3.1971, S. 7, S. 8 bzw. S. 2

08.03.1971:
Eventuell heute, vielleicht aber auch erst in einigen Tagen, erscheint in der Berliner PL/PI das 'Zirkular' Nr. 7 (vgl. 1.3.1971), welches "Das Kampfprogramm der PL/PI zum 1. Mai" enthält. Der dritte Hauptteil fordert:
"KAMPF GEGEN ENTLASSUNGEN, KURZARBEIT UND LOHNABBAU.
KAMPF GEGEN AKKORD, ARBEITSHETZE UND SCHIKANÖSE KONTROLLEN
DAS SYSTEM DER LOHNARBEIT MUSS WEG - ERKÄMPFT DEN SOZIALISMUS

WEG MIT DEN LOHNDIFFERENZEN - FÜR EINEN EINHEITLICHEN ZEITLOHN
GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN
FÜR EIN EINHEITLICHES LEHRLINGSGEHALT VON 500 DM
KAMPF GEGEN DIE SPALTERVERSUCHE DES KAPITALS"
Q: PL/PI: Zirkular Nr. 7, Berlin o.J. (1971)

08.03.1971:
Bei BASF Ludwigshafen gibt die OG Mannheim der KPD/ML-ZK vermutlich in dieser Woche erstmals ihre Betriebszeitung 'Der rote Funken' (vgl. 1.4.1971) mit folgendem Leitartikel zur CTR heraus:"
CHEMIEARBEITER IN HESSEN FORDERN 15%

Einige Kollegen meinen, wenn wir zu viel Lohn fordern, steigen die Preise. Das lügen uns die Kapitalisten vor. Die Preise steigen so und so. Den Kapitalisten geht es immer um den Profit, und deshalb treiben sie die Preise so hoch sie können. Egal ob wir viel oder wenig fordern.

1 DM mehr pro Stunde, das ist etwa so viel wie 15% mehr von Lohngruppe III mit 30% Prämien. Aber Forderungen in Prozent sind schlecht, denn da kriegen immer die am meisten, die schon vorher viel hatten, und die am wenigsten, die vorher sehr wenig hatten. So werden die Abstände zwischen den Lohngruppen immer größer. Deshalb keine Prozente, sondern gleiche Erhöhung für alle, volle Markbeträge!

MINDESTNETTOLOHN 900 DM - ABSICHERUNG DES EFFEKTIVLOHNS

Das ist die zweite richtige Forderung, hinter der viele Kollegen stehen.

Wir merken es in jeder Krise, wie die Kapitalisten die nicht tariflich verankerten Zulagen dazu benutzen, unseren Lohn zu drücken. Auf einmal kriegen wir 30% weniger als sonst. Wir müssen jetzt unseren Effektivlohn absichern, denn diese Krise wird noch schlimmer. Immer mehr Betriebe führen Kurzarbeit ein. Im letzten Monat gab es schon 63 000 Kurzarbeiter.

Wir haben es durchgerechnet: Lohngruppe III plus Prämien plus 1 DM mehr pro Stunde, ist das Mindeste, was heute jeder Mann mit Familie zum Leben braucht. Das muß als Effektivlohn abgesichert werden.

Keinen Zahltag mehr unter 900 DM!
Weg mit den Leichtlohngruppen und Lohngruppe I und II!

MIT DEM MANTELTARIFVERTRAG WILL DIE IG-CHEMIE DIE ARBEITER SPALTEN

In den Verhandlungen um den neuen Manteltarifvertrag (MTV, d.Vf.) haben die Gewerkschaftsbonzen uns verraten. Im Manteltarifvertrag werden die Arbeitsbedingungen wie Lohngruppen, Urlaub usw. festgelegt außer der Lohnhöhe. Statt wie bisher einen einheitlichen Vertrag für das ganze Bundesgebiet, fordern sie jetzt Verträge nach Bezirken. Das ist ein Mittel, um die Kampfkraft der Arbeiter zu schwächen. Auch die Forderung nach 10 Lohngruppen dient der Spaltung der Arbeiter."
Q: Der Rote Funken Nr. 1, Ludwigshafen März 1971

15.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche von der Chemietarifrunde (CTR) der CPK (vgl. 1.3.1971, 16.3.1971):"
CHEMIEMONOPOLE RÜSTEN ZUM KAMPF - GEWERKSCHAFTSFÜHRER SPALTEN DIE ARBEITER

Die IGC-Führer haben jetzt erneut bewiesen, daß sie den Kampf der Chemiearbeiter spalten und nicht vereinheitlichen wollen. Nachdem in Hessen (vgl. 1.3.1971, d.Vf.) von der Tarifkommission 120 DM gefordert wurden, haben jetzt die Tarifkommissionen von Nordrhein (in NRW - vgl. 15.3.1971, d.Vf.) und Rheinland-Pfalz (vgl. 17.3.1971, d.Vf.) 12% gefordert. … Die 12%-Forderung ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Gewerkschaftsbonzen die höheren Angestellten umwerben. In Hessen war die Forderung 120 DM und bei den Angestellten 11%. In Nordrhein und Rheinland-Pfalz sollen die Angestellten mehr erhalten, aber für die Leichtlohngruppen und die Lohngruppe I sind 12% noch nicht einmal 100 Mark mehr. Selbst wenn diese Forderung voll durchgesetzt würde, wäre bei den Arbeitern nur eine Lohngruppe im Tariflohn über 1 000 Mark! …

Während die IG Chemie-Bonzen so versuchen, die Arbeiter zu spalten und ihre Kampfkraft zu brechen, bereiten sich die Chemiekapitalisten auf den Kampf gegen die Chemiearbeiter vor."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 22, Bochum 20.3.1971, S. 1f

15.03.1971:
In Hamburg erscheint erstmals 'Der Chemiearbeiter' - Zeitung des Sozialistischen Arbeiter und Lehrlingszentrums (SALZ Hamburg) für die Chemische Industrie in Hamburg (vgl. 28.4.1971) für März mit einem Leitartikel "Kündigung der Tarife in der chemischen Industrie" in dem für die kommende Chemietarifrunde (CTR) u.a. mindestens 12% und der Wegfall der Leichtlohngruppen gefordert wird.
Q: Der Chemiearbeiter Nr. 1, Hamburg 15.3.1971

April 1971:
Die Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei (SDA) gibt die Nr. 4 der 'Berliner Arbeiter Zeitung' (BAZ - vgl. Nov. 1970, Juli 1971) heraus. Gefragt wird "Emanzipation - wo?" wobei von Bosch Wilmersdorf und den Leichtlohngruppen bzw. Frauenlohngruppen berichtet wird aus Berlin von Nadge & Neffen (Furniere, vermutlich GHK-Bereich), von der Neuköllner Meiereizentrale (NGG-Bereich), aber auch aus der Schuhindustrie (GLeder-Bereich), der Glasindustrie (CPK-Bereich), von Elsenbusch Elektroküchen Dorsten und Blaupunkt Hildesheim.
Q: Berliner Arbeiter Zeitung Nr. 4, Berlin Apr. 1971, S. 10

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April 1971:
Der KB Bremen gibt die Nr. 6 seiner 'Kommunistischen Arbeiter-Korrespondenz' (vgl. März 1971, 9.5.1971) heraus. Zur MTR bzw. den ehemaligen Frauenlohngruppen erscheint der Artikel "Zur IGM-Tarifrunde. Weg mit den Leichtlohngruppen!".
Q: Kommunistische Arbeiter-Korrespondenz Nr. 6, Bremen Apr. 1971, S. 15f

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April 1971:
Das 'Ruhr-Park Info' Nr. 5 erscheint in Bochum (vgl. Sept. 1970, Aug. 1971) für die Einzelhandelsbetriebe im Ruhrpark. Die Betriebszeitung wird herausgegeben von einem Redaktionskollektiv aus Angestellten, Arbeitern, Lehrlingen und Studenten. Die Gruppe, die mit der KPD/ML-ZK sympathisiert, nennt sich Rote Ruhrpark-Gruppe (RRG). Festgestellt wird:"
UNS FRAUEN GEHT ES DOPPELT DRECKIG…

'Frauen sind schwerer anlernbar, und ihre Reaktionsgeschwindigkeit ist um 25% langsamer als die der Männer. Sie sind unfallanfälliger und öfter krank.'

Und weiter: 'wegen ihres Körperbaus sind sie gut geeignet für alle Arbeiten in Bodennähe. Monotone Arbeiten liegen ihnen besonders, weil sie durch die Hausarbeit an Gleichförmigkeit gewöhnt sind. Die völlige Gleichstellung der berufstätigen Frau führt zu einer Vernichtung der Individualität von Mann und Frau und bringt die Gefahr der Bisexualität mit sich.' (Aus 'Personal', München, 21 Jhg. Nr. 7/1969, S. 211f und 'Christ und Welt', Stuttgart Nr. 1/1970)

Nach diesem Zitat stempelt man uns Frauen eindeutig als 'Menschen zweiter Klasse' ab.

Nehmen wir z.B. eine Verkäuferin und einen Verkäufer in einem Lebensmittelgeschäft. Beide verrichten tagtäglich die gleichen Arbeiten. Aber trotzdem wird der männliche Kollege besser bezahlt als die Kollegin. Frauen bekommen - in die sog. Leichtlohngruppen eingestuft - nur etwa 60 - 70% des Lohnes, den die Männer bei gleicher Arbeit erhalten. Dieses Lohnsystem wird von den Kapitalisten gemacht, um neben der allgemeinen Ausbeutung aller WerktÄtigen noch einen zusätzlichen Profit aus der Arbeit der Frauen zu schlagen. Wir sind es, die in Hochkonjunkturzeiten mit allen Mitteln zur Arbeit aufgefordert werden, und die in Zeiten der Krise, so wie im Augenblick, als erste entlassen werden. Wir sind die billige Reservearmee der Kapitalisten. (Siehe Bildzeitungsartikel von 1968/1969: 'die Frau ist mit Haushalt und Kindern allein nicht ausgefüllt', 'Gehen Sie zurück in Ihren alten Beruf', 'Schaffen Sie sich einen Nebenverdienst an' usw. Bildzeitung heute: 'die Frau gehört in den Haushalt', 'die Frau hat sich in erster Linie um die Kinder zu kümmern' usw.)

Wie es den feinen Herren in die Marktlage paßt, so sollen wir springen. Aber viele von uns sind auf den Nebenverdienst angewiesen, um überhaupt Miete, Möbel usw. finanzieren zu können. Bei den ständig steigenden Lebensunterhaltskosten kommt eine Arbeiterfamilie mit Kindern einfach nicht mit dem Lohn des Mannes aus.

Es ist eine Schweinerei, wenn oft behauptet wird, wir gingen nur arbeiten, um uns Luxus leisten zu können. Die Kapitalisten sollen mal in die Arbeiterwohnviertel gehen und uns Frauen fragen, warum wir arbeiten gehen, sollen in unsere Wohnungen kommen und sehen, wie wir leben. Uns geht es genauso wie vor 20 Jahren. Aber sehen wir uns diese feinen Herren an. Vor 20 Jahren fuhren sie mit ihrer Familie in einem Auto spazieren. Heute hat jedes Familienmitglied seinen eigenen Wagen. Damals fuhren sie mit ihrer Frau nach Italien. Heute ist die kleine Weltreise, einmal im Jahr, nichts Besonderes mehr. Bei ihnen geht es immer aufwärts. Sie haben ja die Arbeiter, die ihnen die Profite schaffen. Wir aber schaffen wie vor 20 Jahren und treten immer auf der gleichen Stelle. Im Gegenteil, wir müssen mehr als zuvor überlegen, wie wir am besten haushalten können, denn alles ist teurer geworden. Wir können unsere Haushälterin nicht ins Delikatessengeschäft nebenan schicken. Wir gehen in die Supermärkte und vergleichen die Preise, um ein noch halbwegs günstiges Sonderangebot herausfischen zu können. Auf unserem Rücken werden Krisen ausgetragen, nie auf dem der Kapitalisten!

Und solche Pfaffenzeitungen wie 'Christ und Welt' verbreiten auch noch gemeinste Lügen.

Greifen wir aus dem obengenannten Zitat nur den Satz heraus, wir Frauen wären öfter krank als unsere männlichen Kollegen. Wir können es uns ja gar nicht leisten, krank zu sein. Auf uns ruhen nämlich Haushalt, Kinderpflege und Beruf.

Wieder einmal kann man ganz deutlich sehen, daß der ganze Kirchenapparat mit den Kapitalisten unter einer Decke steckt. Diese Pfaffen predigen ja noch heute den Schwachsinn, daß die Frau dem Manne untertan sei!

Bei der Arbeit in den Betrieben merken wir jedenfalls nichts davon. Nur eben bei der Lohnzahlung.

Wir können zwar für den gleichen Lohn für Männer und Frauen bei gleicher Arbeit kämpfen, aber das kann nur ein Schritt sein im Kampf für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit für alle. Denn wer noch unter den Frauen steht, das sind die Lehrlinge. Sie verrichten meistens die gleichen Arbeiten wie alle anderen im Betrieb und bekommen dafür nur ein Taschengeld. Sie sind die billigsten Arbeitskräfte der Kapitalisten überhaupt.

Solidarisieren wir uns mit unseren Männern und arbeitenden Kindern im Kampf für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit für alle!!!"
Q: Ruhr Park Info Nr. 5, Bochum Apr. 1971

19.04.1971:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche eine Ausgabe des 'Klassenkampf' für Siemens Adalbertstrasse als Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI) unter der Überschrift "Siemens Adalbertstrasse - 5. Flur - 20 Pfg. Lohnerhöhung 30 % Akkordkürzung" mit dem Artikel "Gleicher Lohn für Männer und Frauen" zu Müller-Wipperfürth in Ossona bei Mailand (Italien).
Q: Klassenkampf Siemens Adalbertstrasse - 5. Flur - 20 Pfg. Lohnerhöhung 30 % Akkordkürzung, Berlin o. J. (Apr. 1971), S. 3

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26.04.1971:
In Berlin gibt die KPD/Aufbauorganisation vermutlich in dieser Woche ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) als Ausgabe für die Metallbetriebe zum 1. Mai 1971 heraus mit dem Artikel "Gleicher Lohn für Männer und Frauen".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe für die Metallbetriebe 1. Mai 1971, Berlin 1971, S. 3f

01.05.1971:
Dem 'Hochschulkampf' des Initiativkomitees (IK) der Roten Zellen zufolge sollen am 1. Mai in Neukölln "25 000 Arbeiter, Schüler und Studenten demonstriert haben". Die Demonstration stand unter den Parolen:
- Kampf gegen Entlassungen, Kurzarbeit und Lohnabbau,
- Gleicher Lohn für Männer und Frauen,
- Entlarven wir die reaktionäre Gewerkschaftsspitze,
- Für die Entfaltung der Klassenkämpfe in den Betrieben,
- Für starke Abteilungsgruppen als Kampforgane des Proletariats,
- Sieg im Volkskrieg, Klassenkampf im eigenen Land.
Q: Hochschulkampf Nr. 8, Berlin 10.5.1971

01.05.1971:
Die KPD (vgl. 5.11.1971) berichtet aus dem IGM-Bereich von Mannesmann (MM - vgl. 25.10.1971) Düsseldorf-Lierenfeld, über die IGM-JG, "die schon am 1. Mai unter den Losungen 'Kampf dem arbeiterfeindlichen Betriebsverfassungsgesetz (BVG, d.Vf.) - Gleicher Lohn für deutsche und ausländische Arbeiter - Gleicher Lohn für Männer und Frauen - 500 DM Existenzlohn und Streikrecht für Lehrlinge' für die Interessen aller Kollegen eintrat."
Q: Rote Fahne Nr. 19 und 29, Berlin Mai 1971 bzw. 5.11.1971, S. * bzw. S. 5

11.05.1971:
Der BKA Freiburg gibt die Nr. 9 seines 'Klassenkampfes' (vgl. 22.4.1971, 30.6.1971) heraus mit dem Artikel:"
GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN
So lautete eine unserer Parolen zum 1. Mai.

Seit 1955 gilt gesetzlich: gleicher tariflicher Lohn für Frauen und Männer.

TROTZDEM bleibt der Effektivverdienst der Kolleginnen unter dem ihrer Kollegen in der gleichen Lohngruppe, sie bekommen weniger Prämien und Leistungszulagen und oft wird ihnen einfach weniger Lohn gezahlt, weil sich niemand um die Verstöße der Unternehmer kümmert.

TROTZDEM ist der Bruttostundenverdienst der Kolleginnen im Durchschnitt um ein Drittel niedriger als der Stundenlohn der Kollegen, weil 90% der Arbeiterinnen angelernt und ungelernt sind, nur 9 von 100 Arbeiterinnen sind Facharbeiter. So sind die meisten Kolleginnen in den untersten Lohn- und Leistungsgruppen und verdienen in der gleichen Arbeitszeit viel weniger!

WARUM IST FRAUENARBEIT SCHLECHTER BEZAHLT ALS MÄNNERARBEIT?

Die Unternehmer sagen: Weil Frauen schlechter ausgebildet sind, weil sie kein technisches Verständnis haben, weil sie häufiger krank sind (oder bei einem kranken Kind zuhause bleiben müssen), weil sie Kinder kriegen und die Arbeit unterbrechen.
Das heißt: FRAUEN WERDEN SCHLECHTER BEZAHLT, WEIL MAN SIE VON KINDHEIT AN BENACHTEILIGT UND UNTERDRÜCKT!

Es fängt an in der Schule, wo die Mädchen Handarbeits- und Kochunterricht haben, wo es heißt, Mädchen brauchen von Mathematik nichts zu verstehen. Nach der Grundschule wird gesagt: Mädchen brauchen keine Ausbildung, die heiraten ja doch. Zur höheren Schule gehen sowieso kaum Arbeiterkinder. Die meisten Jungen aus Arbeiterfamilien machen eine Lehre, aber bei den Mädchen hält man nicht einmal das für nötig. Wenn sie eine Lehre machen, dann in den 'Frauenberufen', die wieder am schlechtesten bezahlt sind. Dabei ist es eine Illusion zu glauben, daß sich durch Heirat etwas an ihrer Lage ändern würde, daß sie es dann nicht mehr nötig haben würden zu arbeiten. Die meisten Töchter von Arbeitern heiraten wieder Arbeiter und müssen einige Jahre oder Jahrzehnte mitarbeiten. Ihnen bleibt dann nichts anderes übrig, als ungelernte Arbeit unter schlechtesten Arbeitsbedingungen zu niedrigsten Löhnen zu tun oder als 'kleine' Angestellte als Verkäuferin oder im Büro -genauso schikaniert und schlecht bezahlt - zu arbeiten. An diesen Arbeitsplätzen hat man keine Aufstiegsmöglichkeiten, diese Arbeitsplätze sind als erste von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit betroffen - wie wir jetzt gerade wieder sehen -, der Akkord zwingt zu schärfster Konkurrenz, die angeblich 'leichte' Arbeit ist langweilig und anstrengend, weil sie immer nur einzelne Muskeln und die Nerven belastet. Neben der Arbeit müssen Haushalt und Kinder versorgt werden, Arbeiterinnen können sich keine Hausangestellten leisten. Zu der doppelten Arbeit kommt noch das schlechte Gewissen, die Kinder zu vernachlässigen. Der Arbeitstag der Kolleginnen beginnt durchschnittlich eine Stunde vor dem ihrer Männer und endet zwei Stunden später, Freizeit gibt es so gut wie gar nicht. Das Ergebnis: mit 30 werden viele bei der Arbeitssuche schon als 'zu alt' abgewiesen. Die Frühinvalidität ist hoch und höher als bei den Kollegen. Und die Rente, die eine Kollegin bekommt ist zu niedrig, weil ihr Lohn zu niedrig war.

Die schlechtere Bezahlung der Kolleginnen, ihre zusätzliche Ausbeutung als 'billige Arbeitskräfte' ist also nur ein Punkt ihrer allgemeinen Benachteiligung in der kapitalistischen Gesellschaft. Im Kapitalismus wird es niemals eine vollständige Angleichung der Löhne von Frauen und Männern geben, weil die Ursachen der Lohnungleichheit nur mit der Abschaffung der allseitigen Unterdrückung der Frauen beseitigt werden können. Aber die gemeinsame Parole 'gleicher Lohn für Männer und Frauen' bedeutet:
GEMEINSAM FRONT MACHEN GEGEN DIE SPALTUNGSVERSUCHE der Unternehmer, um GEMEINSAM DEN KAMPF zu ORGANISIEREN FÜR DIE VERBESSERUNG DER LÖHNE UND ARBEITSBEDINGUNGEN und FÜR DIE GEMEINSAME EMANZIPATION VON ARBEITERINNEN UND ARBEITERN IN EINER SOZIALISTISCHEN GESELLSCHAFT."

Abgedruckt wird auch der Comicstrip "Der Kapitalismus schlägt Männer und Frauen …" aus Berlin.
Q: Klassenkampf Nr. 9, Freiburg 11.5.1971, S. 3ff

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11.05.1971:
In Hamburg erscheint 'Der Chemiearbeiter' - Zeitung des Sozialistischen Arbeiter und Lehrlingszentrums (SALZ Hamburg) für die Chemische Industrie in Hamburg Nr. 3 (vgl. 28.4.1971, 19.5.1971) für Mai unter der Schlagzeile "Unterstützt die Kolleginnen und Jungarbeiter. 12, 9 % Mindestforderung / Aufhebung der Altersabstaffelung", in der für die Abschaffung der Leichtlohngruppen, in denen Frauen und Jungarbeiter eingruppiert sind, in der am selben Tage beginnenden Chemietarifrunde (CTR) eingetreten wird.
Q: Der Chemiearbeiter Nr. 3, Hamburg 11.5.1971, S. 1ff

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23.05.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet:"
BETRIEBLICHE IGM-VERSAMMLUNG DER METALL- UND SCHMIEDEWERKE KRUPP IN ESSEN

Am 23.5. fand die Gewerkschaftsversammlung der Metall- und Schmiedewerke Krupp (früher Schmiede und Gießerei) statt. Die Betriebsgruppe der KPD/ML hatte am Tag zuvor ein Flugblatt dazu verteilt mit den Forderungen:
- Rechtzeitig die geschlossene Kampffront der Metaller herstellen!
- 15%! - mindestens 75 Pfg. für Lohngruppen 1 - 4!
- 13. Monatslohn!
- gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
- keine Verhandlungen während der Urlaubszeit - Verhandlungsbeginn erst im September - vorher eine Gewerkschaftsversammlung!

Zu der Versammlung schickte die Betriebsgruppe den allen bekannten Genossen R. mit folgender Resolution:
'Die Gewerkschaftsversammlung von Krupp-MSW stellt für die Tarifrunde 1971 folgende Forderungen auf:
- 15% mehr Lohn, die effektiv ausgezahlt werden müssen
- 13. Monatslohn und -gehalt als Weihnachtsgeld
- Wegfall der spalterischen Leichtlohngruppen 1 - 4
- Nicht unter 75 Pfg. für Lohngruppen 5 - 6
- Nach dem Grundsatz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit fordert die
Versammlung:
- Wegfall der Altersabschläge für Jungarbeiter

BR-Vorsitzender Erwin beantragte eine lineare Erhöhung, was die Versammlung beschloß. Daraufhin sagten die Kollegen, sie müsse 15% von Lohngruppe 7 (Ecklohn) betragen, was Völker ablehnte, denn nach diesem Beschluß könnten sie ja keine Prozentforderungen mehr aufstellen und außerdem stünde das auch im Roten Gießerei Arbeiter (der KPD/ML-ZB, d.Vf.). Darauf ein Kollege, wenn ihm die 15% Forderung der KPD (!, d.Vf.) nicht passe, könne man ja 16% fordern. Völker lehnte alles ab, worauf die Kollegen: dann eben linear 75 Pfennig (gleich 15% des Ecklohns). Auch das lehnte Völker mit der Begründung ab, die Zeitung der KPD/ML habe auch 75 Pfennig gefordert. Er wurde wiederum von den Kollegen angegriffen: was in der Zeitung stehe, das sei egal, sie bräuchten das Geld. Völker darauf: WIE STEHEN DENN DIE KOLLEGEN DER TARIFKOMMISSION DA, WENN SIE 7 - 8% RAUSHOLEN UND IHR HABT HIER 15% GEFORDERT!

Die Kollegen forderten auch die Streichung der unteren Lohngruppen, wie es im Extrablatt des RGA ('Roter Gießereiarbeiter', d. Vf.) stand. Auch das lehnte der Bonze ab, die IGM habe sich bis Ende 1972 festgelegt; und AUSSERDEM WÜRDEN BEI EINER ANHEBUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN DIE OBEREN LOHNGRUPPEN WIEDER MEHR FORDERN!

Die Versammlung löste sich schließlich nach drei Stunden Dauer in größter Aufregung auf. Der Einfluß des Bevollmächtigten Völker ist stark gesunken."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 43, Bochum 5.6.1971, S. 4ff

27.05.1971:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg (vgl. 28.7.1971) berichtet aus Dortmund:"
HOESCHARBEITER FORDERN 15%

Am 27. Mai hielten die gewerkschaftlichen Vertrauensleute der Hoesch Maschinenfabrik Deutschland AG in Dortmund eine Versammlung ab, auf der sie über die kommende Tarifrunde in der Metallindustrie diskutierten. das Ergebnis war der einstimmig gefaßte Beschluß, den wir hier im Wortlaut abdrucken."
Darin heißt es, es wurde beschlossen:"
Bei den kommenden Lohnverhandlungen folgendes zu fordern:

1) Eine 15-Lohnerhöhung auf den Ecklohn der Facharbeiter-Gruppe.
2) Daß der daraus errechnete Geldbetrag linear auf alle Lohngruppen angewandt wird.
3) Den Fortfall der Lohngruppen 1 und 2."

Berichtet wird auch in:
- Baden-Württemberg in Heidelberg durch die KG (NRF) (vgl. 23.6.1971).
- Berlin durch die KPD/ML-ZB bei Siemens Gartenfeld (vgl. 24.6.1971).
- Hessen durch den RK bei Opel Rüsselsheim (vgl. Aug. 1971).
- NRW in Bochum durch die Rote Ruhrparkgruppe (RRG, HBV-Bereich - vgl. Sept. 1971), in Duisburg durch die KPD/ML-ZK bei Mannesmann (vgl. 1.6.1971) und in Dortmund durch die KPD bei Hoesch (vgl. 9.8.1971, 20.9.1971).
Q: Der Rote Gartenfelder Nr. 8, Berlin 24.6.1971, S. 6; Der Röhrenkieker Nr. 7, Duisburg 1971;Rote Fahne Nr. 11, Bochum 7.6.1971, S. 5;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 42 und 45, Bochum 2.6.1971 bzw. 12.6.1971, S. 1f bzw. S. 8f;Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 1, 2 und 3, Dortmund Aug. 1971, Sept. 1971 bzw. Sept. 1971, S. 3, S. 1 bzw. S.1;Klassenkampf Nr. 11/12, Freiburg 28.7.1971, S. 1f;Kommentar Lohnkampf der Chemiearbeiter, Heidelberg 23.6.1971, S. 5;Die Rote Westfalenwalze Metall-Tarifrunde 71: Gegen das verschärfte Lohndiktat entschlossen kämpfen!, Dortmund o.J. (1971), S. 4;Metallbetriebe KPD/ML informiert Nr. 2, Dortmund o.J. (1971), S. 1;Metall aktuell Spürbare Reallohnerhöhung erst bei Durchsetzung von 15%, Dortmund o.J. (1971), S. 1;RK: Informationen für interessierte Kollegen, Vertrauensleute und Kollektive Nr. 4, Frankfurt o. J. (1971), S. 3f;Ruhr Park Info Nr. 8, Bochum Sept. 1971, S. 11;Roter Metall Arbeiter Nr. 7 und 8, Münster o.J. (1971) bzw. o.J. (1971), S. 7 bzw. S. 2

07.06.1971:
Das SALZ Hamburg gibt die Nr. 4 seines 'Chemiearbeiters' (vgl. 27.5.1971, 22.6.1971) unter der Schlagzeile "Wachsamkeit erhöhen" zur Chemietarifrunde (CTR) heraus, die über die Nichtbehandlung der Leichtlohngruppen auf der IG Chemieversammlung am 25.5.1971 berichtet.
Q: Der Chemiearbeiter Nr. 4, Hamburg 7.6.1971, S. 3

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07.06.1971:
In Dortmund erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr. 2 der 'Metallbetriebe - KPD/ML informiert' der KPD/ML-ZK und ihrer Roten Garde (RG - vgl. 26.5.1971, 25.6.1971):"
ZUR VERTRAUENSLEUTE-VOLLVERSAMMLUNG DER WESTFALENHÜTTE (vgl. 8.6.1971, d.Vf.)

Kolleginnen, Kollegen!
Bekanntlich haben die Vertrauensleute der Maschinenfabrik Deutschland (MFD - vgl. 27.5.1971, d.Vf.) Ende Mai beschlossen, folgende Forderungen an die Tarifkommission NRW und an den V-Leutekörper verschiedener Dortmunder Metallbetriebe weiterzuleiten:
'1. eine 15% Lohnerhöhung auf den Ecklohn der Facharbeiter-Gruppe 7;
2. daß der daraus errechnete Geldbetrag linear auf alle Lohngruppen angewandt wird;
3. den Fortfall der Lohngruppen 1 und 2;
4. daß ein 13. Monatseinkommen gezahlt wird;
…7. mit einer eingebauten Kündigungsklausel muß es der IGM erlaubt sein, für die 12monatige Laufzeit eine Entfristung zu beantragen, wenn die Preissteigerungsrate höher als 4, 5% sein sollte; …'

UNSERE MEINUNG DAZU: …
ZU 3: daß überhaupt noch diese beschämenden Lohngruppen existieren, die gern als 'Frauenlohngruppen' behandelt werden, sollte uns empören. Genauso wenig ist es einzusehen, daß unsere jüngeren Kollegen nur 90% und weniger für ihre Arbeit in der Produktion erhalten. Wir meinen: FÜR GLEICHE ARBEIT GLEICHEN LOHN!"
Q: Metallbetriebe KPD/ML informiert Nr. 2, Dortmund o.J. (1971)

11.06.1971:
In Kassel soll, laut KPD/ML-ZB, die Bundesfrauenkonferenz des DGB stattfinden.

Laut dem Kommunistischen Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972), "haben die in den Gewerkschaften organisierten Frauen auf der DGB-Frauenkonferenz im Juni 1971 mit überwältigender Mehrheit für die Abschaffung des Paragraphen 218 gestimmt".

Laut SALZ Bremerhaven stand die Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" im Mittelpunkt. Berichtet wird auch durch die RKJ Speyer der GIM (vgl. 14.9.1971).
Q: Arbeiterstimme Nr. 11, Bremerhaven Juli 1971, S. 6; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 41, Bochum 29.5.1971, S. 12;Speyerer Betriebsreport Nr. 12, Speyer 14.9.1971, S. 13ff;Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972, S. 19

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29.06.1971:
In Eutin gibt die Betriebsgruppe Kuhnke ihre 'Arbeiterstimme' Nr. 4 (vgl. 6.5.1971, Jan. 1972) für Juni heraus. In "Extraprofit durch Frauenausbeutung!" wird von den im Werk Malente noch niedrigeren Frauenlöhnen als in Preetz berichtet.
Q: Arbeiterstimme Nr. 4, Eutin 29.6.1971, S. 2f

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Juli 1971:
In Berlin erscheint die Nr. 7 des 'Roten Bosch-Zünders', Zeitung der Betriebsgruppe Bosch (vgl. Apr. 1971, 25.10.1971) mit dem Leitartikel "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! der Unternehmer sagt: 'Eine Frau muß weniger verdienen als ein Mann' Warum eigentlich?".
Q: Roter Bosch-Zünder Nr. 7, Berlin Juli 1971, S. 1ff

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Juli 1971:
Die Interessengemeinschaft der Jugend (IDJ) Walsrode gibt die Nr. 4 ihres 'Landbote Ulifus' (vgl. 1.5.1971, Okt. 1971) heraus. In "Nur eine Frau…" wird auf die Frauenlöhne eingegangen.
Q: Landbote Ulifus Nr. 4, Walsrode Juli 1971, S. 23ff

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01.07.1971:
Eine Extra-Ausgabe der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der Roten Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK (vgl. 28.6.1971, 5.7.1971) erscheint. Veröffentlicht werden auch folgende:"
FORDERUNGEN

- 13. Monatslohn FÜR ALLE. Der Kaufmann um die Ecke wird nämlich doof gucken, wenn man ihm sagt: 'Ich bin noch kein Jahr bei Opel. Die Preissteigerung bezahle ich dann nächstes Jahr.'

- Nicht nur einheitliche Lohntabelle, sondern Abbau der unteren Lohngruppen. Die Kolleginnen und die ausländischen Kollegen sollen endlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen."
Q: Zündkerze Extra Ein feines Süppchen, Bochum o.J. (1.7.1971)

01.07.1971:
Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK rief auf (vgl. 1.7.1971) und berichtet (vgl. 5.7.1971):"
PERSCHKE AUF DER BETRIEBSVERSAMMLUNG: 'TARIFVERHANDLUNGEN IM AUG… OKTOBER!'

Die BV war ein erster Schritt dazu. Die auf der BV anwesenden Kollegen stimmten einer Resolution an den Gesamtbetriebsrat und die IGM-Bezirksstelle Essen zu, die von der Kollegin B. aufgestellt wurde. Diese Resolution enthielt folgende Forderungen für die Tarifrunde:

1. Gegen Geheimverhandlungen in der Tarifrunde
2. 15% lineare Lohnerhöhung gleich 1 DM
3. Weg mit der Leistungsbewertung, Arbeitsplatzbewertung und Punktessystem bei Opel
4. Abschaffung der unteren Lohngruppen
5. Absicherung der Effektivverdienste

15% LINEARE LOHNERHÖHUNG GLEICH 1 DM

Am eigenen Geldbeutel spüren wir jeden Tag, wie alles teurer wird, wie die Preise in die Höhe schießen. Besonders gilt das für die Dinge, die wir täglich brauchen, wie z.B. Wohnung, Lebensmittel usw.

Jede Lohnerhöhung unter 10% bedeutet effektiven Lohnstop. Da die Inflationsrate ständig steigt, wir also für unser Geld immer weniger kaufen können, wird dieser Lohnstop schließlich zu einem Lohnabbau führen.

Die Durchsetzung der 15% gleich 1 DM-Forderung ist nichts als ein Verteidigungskampf, um uns das, was uns ständig durch Preistreiberei und Steuererhöhungen geraubt wird, zurückzuholen.

Lineare Lohnerhöhung deshalb, damit die Unterschiede zwischen den einzelnen Lohngruppen und damit unsere Spaltung nicht noch größer werden. Diesem Ziel, die Einheit herzustellen, dient auch die dritte Forderung der Resolution.

WEG MIT: LEISTUNGSBEURTEILUNG, ARBEITSPLATZBEWERTUNG UND PUNKTESYSTEM BEI OPEL

Diese 'Errungenschaften', die Perschke für einen Fortschritt hält, und den uns die IGM beschert hat, haben einzig und allein den Zweck, uns gegeneinander aufzuhetzen, uns zu Anpassung und Anschmiererei zu bringen. Wer das am besten kann bekommt dafür mehr Lohn. Damit setzen wir aber nie die 15% gleich 1 DM durch, denn dazu brauchen wir einheitlichen Kampf. Deshalb weg mit Anpassung und Anschmiererei, dafür einheitlicher Kampf für 15% gleich 1 DM für alle!

WEG MIT DEN UNTEREN LOHNGRUPPEN

Neben Leistungsbeurteilung usw. haben die Unternehmer noch einen weiteren Trick uns zu spalten.

Frauen, Ausländer und Jungarbeiter werden, obwohl sie die gleiche Arbeit machen, in untere Lohngruppen eingestuft. Sie sollen endlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen."
Q: Zündkerze Perschke auf der Betriebsversammlung und Extra Ein feines Süppchen, Bochum o.J. (1971) bzw. o.J. (1.7.1971), S. 1ff bzw. S. 1ff

01.07.1971:
Der DKP Kreisvorstand Dortmund lud für heute zum öffentlichen Forum zur Lage der Frau in der Bundesrepublik um 19 Uhr 30 in das Lokal Stimmgabel in der Wilhelmstr.24 ein. Uns liegen ein zweiseitiges DIN A 4 Flugblatt unter Verantwortung von Irmgard Schlierenkämper und ein Faltblatt mit 4 SeitenDIN A 5 auf dickem Papier vor, auf denen es heißt:"
PARAGRAPH 218 LEBENSFREMD

Es geht nicht nur um die Streichung des Abtreibungsparagraphen Gesellschaftliche Einrichtungen garantieren die Gleichebrechtigung der Frau

KINDER JA? NEIN?

Jede Frau soll frei entscheiden können."
Angekündigt werden, wen auch kürzer als im anderen Flugblatt die Gäste und -
im anderen Flugblatt nicht enthalten, als Hauptsprecherin Marianne Konze,
Leiterin des Referats Frauenpolitik beim Parteivorstand (PV) der DKP.

Weiter heißt es noch:"
Was sagen wir zur Abschaffung des Paragraphen 218?
Was ist Gleichberechtigung der Frau?
Welche Hilfe kann die Frau bei der Kindererziehung vom Staat erwarten?

WIR MEINEN

Besser Ausbildung der Frauen
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Senkung der Mieten - mehr große Wohnungen
Minder Kindergärten und Tagesstätten
Höhere Sozialleistungen für alleinstehende Mütter
Abschaffung des Paragraphen 218

IHRE MEINUNG IST GEFRAGT".

In dem anderen Flugblatt heißt es über die Gäste aus der SU, es handele sich um Olga Pawlwna Morssowa, Mitglied des Frauenkomitees der UdSSR, Sekretärin des Moskauer Komitees der Gewerkschaften, um Sinaida Petrowna Wolkowa, Sekretärin des Kreisfrauenkomitees des Moskauer Woroschilow-Kreises und um Irina Semjonowa Parlowa, Mitarbeiterin des Frauenkomitees der UdSSR. Die Forderungen sind fast identisch mit denen aus dem obigen Dokument, nur die Abschaffung des Paragraphen 218 wird nicht gefordert.

Im Text heißt es:"
IHRE MEINUNG IST GEFRAGT

Vielen Frauen in der Bundesrepublik bleibt nichts anderes übrig, als gegen den Abtreibungsparagraphen zu verstoßen, selbst wenn sie gerne Kinder haben wollen.

DENN

- Sie sollen zwar Kinder in die Welt setzen, aber nur, wenn sie sich welche leisten können.
- Sie können sich keine Kinder leisten, weil sie beruflich noch mehr in die Ecke gedrängt werden, denn Ausbildung und Bezahlung der Frauen reichen eben aus, dem Arbeitgeber in die Tasche zu wirtschaften.
- Sie können sich keine Kinder leisten, weil nicht einmal 20% der Kinder unter sechs Jahren in Säuglingsheimen, Kindergärten und -tagesstätten Platz finden, die außerdem noch zu viel kosten.
- Sie können sich keine Kinder leisten, weil sie keine geeigneten Wohnungen finden. Nur 17% der Dortmunder Wohnungen haben mehr als 4 Räume (darin sind alle Eigenheime und Villen enthalten). Von den Mietpreisen ganz zu schweigen!
- Sie können sich keine Kinder leisten, weil von der Bundesregierung eine 'Sozial- und Familienpolitik' betrieben wird, die frauen- und kinderfeindlich ist.

Ihnen bleibt in diesem Staat nichts anderes übrig, als gegen das Gesetz zu verstoßen, das die Abtreibung unter Strafe stellt, weil es sie in Politik und Gesellschaft auf ein Abstellgleis drängt.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gesammelt?
Sind Sie auch der Meinung, daß dringend etwas für Frauen und Kinder getan werden muß?
Wenn Sie uns und unseren Standpunkt kennenlernen wollen, kommen Sie zu uns!"
Q: DKP-KV Dortmund: Ihre Meinung ist gefragt, Dortmund o.J. (1971); DKP-KV Dortmund: Paragraph 218 lebensfremd, Dortmund o.J. (1971)

03.07.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet heute:"
ES LEBE DIE RUHMREICHE KOMMUNISTISCHE PARTEI CHINAS

Die Forderung 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' ist in der VR China in der Kulturrevolution auch überall dort, wo es noch Unterschiede in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen gab, verwirklicht worden.

Erwachsene Männer bekommen normalerweise neun bis zehn Arbeitspunkte, Frauen sechs bis sieben. Die unterschiedliche Bezahlung erklärt sich aber daher, daß ja der Arbeitstag der meisten Frauen kürzer ist als der der Männer. Sie benutzen ja meist einen Teil des Tages für die Hausarbeit. Diese Haushaltsarbeit ist individuelle Arbeit, für die das Kollektiv keinen Arbeitslohn bezahlt. Die Frauen, die keinen Haushalt zu erledigen haben oder durch kollektive Einrichtungen wie z.B. Gemeinschaftsküchen immer mehr von dieser Arbeit befreit werden und deshalb pro Tag genauso lange arbeiten können wie die meisten Männer bekommen selbstverständlich den gleichen Lohn wie sie. Es gibt z.B. in Liu Ling eine ganze Reihe von Frauen, die wegen ihrer politischen Fähigkeiten oder ihren Erfahrung mehr Arbeitspunkte zugesprochen bekamen als manche Männer (vgl. 15.6.1971, d.Vf.)."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 50, Bochum 3.7.1971, S. 13ff

05.07.1971:
Die Nr. 13 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 21.6.1971, 19.7.1971) erscheint. In dem Artikel: "Die Metalltarifrunde '71 und die Aufgaben der KPD/ML. Die Politik der KPD/ML" heißt es zur MTR u.a.:"
Gegen die wirtschaftlichen Angriffe der SPD-Führer und der Kapitalistenklasse wird die KPD/ML alle Forderungen der Metaller und der Stahlarbeiter zur Verbesserung ihrer Lage, zur Verteidigung gegen das Lohndiktat und die Abwälzung der Krisenfolgen unterstützen. Der Kampf um eine wirkliche Lohnerhöhung … wird dabei an erster Stelle stehen. An zweiter Stelle wird. die KPD/ML für alle Lohnforderungen für die Einheit der Arbeiterklasse propagieren. Dazu gehört der Kampf gegen die Altersabschläge, für die Abschaffung der Leichtlohngruppen, den Kampf gegen alle spalterischen Lohnsysteme."
Q: Rote Fahne Nr. 13, Bochum 5.7.1971

05.07.1971:
Vermutlich heute gibt die Rote Opelbetriebsgruppe der KPD/ML-ZK erstmals bei Opel Rüsselsheim ihre 'Zündkerze' (vgl. 7.7.1971) heraus. Im Leitartikel heißt es:"
LOHNKAMPF 1971

Forderungen:
1. 15% gleich 1 DM ab 1.10.1971
2. Tarifliche Absicherung des Effektivlohns
3. 13. Monatslohn (tariflich abgesichert)
4. Volle Bezahlung des 24.12. und Sylvester
5. Wegfall der Lohngruppen 1 und 2
6. Voller Lohnausgleich bei 6 Std. Samstagsschicht
7. Weg mit dem Punktebewertungssystem: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"
Q: Zündkerze Nr. 3, Rüsselsheim o.J. (1971)

25.07.1971:
Auf einer Beratung kommunistischer Zirkel aus verschiedenen Städten Westdeutschlands und Berlins wird in Hamburg eine Minimalplattform für eine überregionale Aktionseinheit in der Metalltarifrunde (MTR) 1971 erstellt (vgl. 25.9.1971). Als Minimalforderungen gelten: 120 DM für alle, Absicherung der Effektivlöhne durch Vorweganhebung, Weg mit den Leichtlohngruppen, Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Gleicher Lohn für Männer und Frauen, Gegen die Angriffe der Kapitalistenklasse die einheitliche Kampffront der Arbeiterklasse, Raus aus der Konzertierten Aktion, Kampf gegen das arbeiterfeindliche BVG, Macht die Gewerkschaften wieder zu Kampforganisationen der Arbeiterklasse.

Unterzeichnet wurde diese Plattform anfangs:
Aus Bayern von den ABG München und der Sozialistischen Betriebsgruppe (SBG) Regensburg;
aus Berlin vom KB/ML Westberlin, der Sozialistischen Betriebsgruppe Tempelhof (SBGT) Westberlin und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (SDA);
aus Bremen vom KB Bremen (KBB) und dem SALZ Bremerhaven;
aus Hamburg vom KAB Hamburg und dem SALZ Hamburg;
aus Niedersachsen vom KB Göttingen, vom KB Wilhelmshaven, der KAG Oldenburg, dem SALZ Stade und dem SALZ Cuxhaven
und aus Schleswig-Holstein vom KB/ML Eutin, dem KB/ML Flensburg und dem KB/ML Lübeck.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 69 und 71, Bochum 11.9.1971 bzw. 18.9.1971, S. 7ff bzw. S. 5 und 11f; Einheit Kritik Einheit Nr. 2/3, Hamburg 7.8.1971, S. 48ff;Arbeiterkampf Nr. 32 und 88, Hamburg Sept. 1973 bzw. 6.9.1976, S. 24 bzw. S. 42;Arbeiterstimme Nr. 12, Bremerhaven Aug. 1971, S. 1ff;Arbeiter-Zeitung Nr. 1, Mannheim Jan. 1972, S. 3;Neues Rotes Forum Nr. 4, Heidelberg Okt. 1971, S. *;BKA/KJB Freiburg: Antwort auf den 'Offenen Brief' der KPD/ML (Rote Fahne) an den Bund Kommunistischer Arbeiter und den Kommunistischen Jugendbund, Freiburg März 1972, S. 4

02.08.1971:
In Berlin erscheint die 'Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken' (KAP) Nr. 23 (vgl. 17.7.1971, 16.8.1971) auf August datiert vermutlich in dieser Woche erstmals durch die KPD und nicht mehr durch die KPD/AO. Den Leitartikel bildet das Kampfprogramm für die AEG Brunnenstraße, wo es mit folgender redaktioneller Einleitung erscheint:"
KAMPFPROGRAMM FÜR DIE AEG BRUNNENSTRASSE
EINLEITUNG DER REDAKTION

Die Betriebszelle der AEG-Brunnenstraße der KPD hat in ihrer jüngsten Ausgabe der Kommunistischen Arbeiterpresse Nr. 23 das Kampfprogramm unserer Partei für diesen Betrieb veröffentlicht, das wir nachfolgend abdrucken.

Dieses Kampfprogramm, mit dessen Hilfe wir die Kolleginnen und Kollegen des Werkes Brunnenstraße zu einer wirklichen Kampffront zusammenschließen wollen, ist das Ergebnis eines langandauernden Prozesses von Organisation und Untersuchung, der im März 1970 mit der Gründung der KPD-Aufbauorganisation begonnen wurde. Von Anfang an stellten sich die Genossen unserer Partei, die im AEG-Konzern, arbeiteten, auf die Seite der am meisten ausgebeutetesten Kolleginnen und Kollegen. Sie unterstützten die Initiative der jugoslawischen Arbeiterinnen, die sich gegen die Leichtlohngruppen und gegen die mörderischen Arbeitsbedingungen wandten."

Im Kampfprogramm selber heißt es u.a.:"
Die Gewerkschaftsführer priesen als Erfolg der letzten Tarifverhandlungen, daß die Lohngruppen 01 und 02 abgeschafft seien. Nach wie vor aber gibt es die Leichtlohngruppen, in die alle die eingestuft werden, die die schmutzigste, für den Ablauf der Produktion und das Scheffeln der Profite gleichwohl notwendige Arbeit verrichten müssen. Wir fordern:

ABSCHAFFUNG DER LOHNGRUPPEN 0 UND 1!"
Q: Rote Fahne Nr. 23 und 30, Berlin 13.8.1971 bzw. 19.11.1971, S. 5f bzw. S. 5; Kommunistische Arbeiterpresse AEG-Telefunken Nr. 23, Berlin Aug. 1971

02.08.1971:
Eine Ausgabe der 'Roten Westfalenwalze' der Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte (WH) Dortmund der KPD/ML-ZB und des KJVD erscheint vermutlich heute (vgl. 12.7.1971, 9.8.1971. In einem Artikel zur KPD/ML-ZK "An die Genossen vom Roten Morgen. KOMMUNISTISCHE PARTEI ODER ERSATZGEWERKSCHAFT?" (vgl. 19.7.1971) heißt es:"
Zu euren wirtschaftlichen Forderungen ist zu sagen, daß die Forderung nach 15% auf den Effektivlohn spalterisch ist, weil dieses Jahr die fortschrittlichen Kollegen die Tradition vom letzten Jahr fortgeführt haben und 15% (wie letztes Jahr auf den Tariflohn) gefordert haben.? Deshalb heißen UNSERE wirtschaftlichen Forderungen: 15% von Lohngruppe 7 auf alle Lohngruppen. Kampf den Leichtlohngruppen und Altersabschlägen."
Q: Die Rote Westfalenwalze Vertrauen auf die eigene Kraft, Dortmund o.J. (2.8.1971)

09.08.1971:
Die KPD gibt vermutlich in dieser Woche ihre erste 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) bei Hoesch Dortmund (vgl. 6.9.1971) heraus mit Artikel:"
DIE AUFGABEN DER BETRIEBSZELLE HOESCH UND IHRER BETRIEBSZEITUNG, DER KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSE

Um die Konkurrenz der Arbeiter untereinander, die Spaltung der einheitlichen Kampffront durch die Monopolbourgeoisie aufzuheben, führt die KPD ihren Kampf um die Mehrheit der Arbeiterklasse unter den Forderungen:
GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN!
GLEICHER LOHN FÜR DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER!
GLEICHER LOHN FÜR WESTDEUTSCHE UND WESTBERLINER ARBEITER!
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 1, Dortmund Aug. 1971

11.08.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr. 60 (vgl. 7.8.1971, 14.8.1971) mit dem Leitartikel "Vorwärts: Kampfprogramm der KPD/ML zur Metalltarifrunde erschienen" heraus, in dem es zur MTR heißt:"
Das Kampfprogramm der KPD/ML zur Metalltarifrunde ist erschienen. … Der Lohnkampf ist gerichtet auf die Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse gegen alle spalterischen Forderungen: 15% Lohnerhöhung auf den Ecklohn für alle! Gegen die Spaltung durch Leichtlohngruppen, Altersabschläge und Punktsysteme! Gegen die Lohnraub- und Krisenangriffe muß die Forderung aller Metaller sein: Kampf dem Lohnraub - Garantierter Mindestlohn 1 000 DM Netto - Gegen Arbeitshetze und Entlassungen - 7 Stundentag bei vollem Lohnausgleich!
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 60, Bochum 11.8.1971

12.08.1971:
In einem Extrablatt der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 2.8.1971, 16.8.1971) der KPD/ML-ZB unter dem Titel "Aufruf des Zentralbüros der KPD/ML zur Metalltarifrunde '71: Kampf dem Lohndiktat der SPD-Regierung!", welches heute erscheint, heißt es zur MTR der IGM u.a.:"
SPD und Gewerkschaftsführer wollen Euren Lohnkampf abwürgen und stellen deshalb spalterische Forderungen auf. … Der Lohnkampf muß einheitlich gegen alle Spalter geführt werden: 15 Prozent Lohnerhöhung auf den Ecklohn für alle! Gegen die Spaltung durch Leichtlohngruppen, Altersabschläge und Punktesystem! "
Q: Rote Fahne Extrablatt Kampf dem Lohndiktat der SPD-Regierung!, Bochum Aug. 1971

15.08.1971:
Ungefähr heute wird eine "Direktive des ZK der KPD zur Metalltarifrunde" beschlossen.
Sie wird in der 'RPK' Nr. 130 abgedruckt. U.a. wird gefordert: 120 DM mehr im Monat für alle Arbeiter und Angestellten, 10% Vorweganhebung - mindestens 50 Pfennig für alle Lohngruppen, 1 000 DM Mindestlohn - Abschaffung der unteren Lohngruppen, Einheitlicher Existenzlohn für Lehrlinge - 500 DM. Die KPD beteiligt sich nicht an der Aktionseinheit von kommunistischen Gruppen im 'norddeutschen Raum'.
Q: Rote Presse Korrespondenz Nr. 130, Berlin 27.8.1971, S. 1f und 4ff

23.08.1971:
Laut KPD/ML-ZK soll eine Opel-Gesamtbetriebsratskonferenz in Berlin beginnen, die bis zum 25.8.1971 dauert. Aus Rüsselsheim berichtet die Rote Opelbetriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK:"
Kollegen, die richtigen Forderungen haben wir schon in der letzten Zündkerze (vgl. 7.7.1971, d.Vf.) proklamiert:
1. 15% gleich 1 DM mehr ab 1.10.1971
2. tarifliche Absicherung des Effektivlohns
3. 13. Monatslohn (tariflich abgesichert)
4. Wegfall der Lohngruppen 1 und 2
5. Volle Bezahlung des 24.12. und Sylvester
6. Voller Lohnausgleich bei 6 Stunden Samstagsschicht
7. Weg mit dem Punktebewertungssystem - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"
Q: Zündkerze Extrablatt, Rüsselsheim 18.8.1971, S. 1ff

23.08.1971:
Das SALZ Hamburg gibt vermutlich in dieser Woche seinen 'Metallarbeiter' für die Hamburger Metallindustrie Nr. 2 (vgl. 9.8.1971, 6.9.1971) heraus mit dem Artikel "Frauen müssen mitverdienen" wozu gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die Abschaffung der Leichtlohngruppen gefordert wird.
Q: Metallarbeiter Nr. 2, Hamburg Aug. 1971, S. 6

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24.08.1971:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg berichtet von der Aufstellung der Forderung für die Metalltarifrunde (MTR) in Freiburg:"
VERTRAUENSLEUTE- UND BETRIEBSRÄTEVERSAMMLUNG FORDERT 15%

Auf einer Versammlung von Vertrauensleuten und Betriebsräten aus Freiburg und Umgebung am Dienstag abend wurde ebenfalls die Forderung nach 15% mehr Lohn aufgestellt.

Die ca. 70 Kolleginnen und Kollegen waren sich einig, daß es notwendig ist, die Tarife sowohl für die Arbeiter und Angestellten zu kündigen und 15% mehr zu fordern. Sie sagten, wir wissen alle, daß die Preise seit der letzten Tariferhöhung auf allen Gebieten ständig gestiegen sind. Der Geldwertschwund gegenüber dem letzten Jahr beträgt mindestens 5, 4%. Dazu kommt, daß der Verschleiß unserer Arbeitskraft weiter zugenommen hat. Für die Unternehmer heißt das Produktivitätssteigerung (seit dem letzten Jahr um 2, 8%, Spiegel Nr. 35). Produktivitätssteigerung heißt aber für uns, daß wir für das gleiche Geld mehr leisten mußten, also Verschärfung des Arbeitstempos, mehr Kräfteverschleiß.

Durch Preissteigerungen und Verschärfung des Arbeitstempos kürzen die Kapitalisten laufend unsere Löhne. Die Versammlung war sich einig, daß wir das ausgleichen müssen, indem wir eine ausreichende Lohnerhöhung erkämpfen. Das Gejammer der Unternehmer und ihrer Presse darf uns nicht beeindrucken, die Lohnforderungen der Gewerkschaften müssen ausgehen von dem, was wir brauchen.

Für die Höhe der Lohnforderung gab es zwei Vorschläge:
1. 15% für alle Lohngruppen als prozentuale Forderung. Das bedeutet für die Lohngruppe 1 eine Bruttolohnerhöhung von ca. 94 DM, für Lohngruppe 7 von ca. 125 DM und für Lohngruppe 10 von ca. 162 DM.
oder
2. lineare Lohnerhöhung von 15%, was einer Lohnerhöhung von ca. 125 DM für alle gleichkäme.

Die Mehrheit der Versammlung stimmte für die 1. Forderung.
Die zweite Forderung hätte allerdings einer weitaus wirksameren Verteidigung unserer Interessen entsprochen. Denn die Preissteigerungen betreffen alle Lohngruppen gleich. Eine lineare Lohnerhöhung hätte die Benachteiligung der unteren Lohngruppen, in denen vor allem Frauen arbeiten, vermindert und dadurch die gewerkschaftliche Solidarität unter den Kolleginnen und Kollegen verstärkt."
Q: Klassenkampf Extrablatt und Extrablatt Hellige Kommt zur Mitgliederversammlung der IGM!!, Freiburg 26.8.1971, 2.12.1971 bzw. o.J. (1971), S. 3, S. 1 bzw. S.2

September 1971:
In Ulm gibt der KAB/ML bei KHD sein 'Rotes Band' Nr. 7 (vgl. Aug. 1971, 8.10.1971) heraus, welches sich auch den Frauenlöhnen, u.a. bei der KHD Werksfeuerwehr, widmet.
Q: Das rote Band Nr. 7, Ulm Sept. 1971

September 1971:
Bei Nordmende Bremen gibt der KB Bremen (KBB) erstmals seine 'Antenne' heraus (vgl. 4.10.1971) mit dem Leitartikel "Gemeinsamer Kampf von Männern und Frauen für Abschaffung der Leichtlohngruppen" zur Metalltarifrunde (MTR).
Q: Die Antenne Nr. 1, Bremen Sept. 1971, S. 1ff

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03.09.1971:
Bei DWM Berlin werden auf der VL-Vollversammlung, laut PL/PI (vgl. 19.9.1971) von den VLK des Kompressorenbaus und der Inda für die Metalltarifrunde (MTR) zu den 11 % eine Vorweganhebung um 50 Pfg., ein 13. Monatsgehalt und die Abschaffung der Frauenleichtlohngruppen gefordert.
Q: Klassenkampf Nachrichtendienst Nr. 4, Berlin 19.9.1971, S. 4

27.09.1971:
Vermutlich in dieser Woche gibt die OG Frankfurt der RJ/ML des KAB/ML die Nr. 6 des 'TN-Arbeiters' (vgl. Aug. 1971, 15.11.1971) für September heraus. In "Betriebsversammlung", die immer noch nicht stattfand, heißt es u.a.:"
Und mag Kollege Hoffmann noch so sehr auf uns Kommunisten fluchen, einige Fragen werden wir trotzdem stellen:
Kollege Hoffmann, warum verhinderst Du, daß die Kollegen auf einer Betriebsversammlung ihre Forderungen zur Tarifrunde vorbringen können? … Hast Du Angst, daß Forderungen wie die nach Abschaffung der unteren Lohngruppen, nach einem 13. Monatseinkommen, nach 15% Lohnerhöhung und Forderungen zum Kampf gegen das arbeiterfeindliche BVG, daß Deine Parteifreunde in der SPD/FDP-Regierung verabschieden wollen, gestellt werden?"
Q: Der TN-Arbeiter Nr. 6, Frankfurt Sept. 1971

27.09.1971:
Die Kommunistische Arbeitergruppe (KAG) Oldenburg gibt die Nr. 2 (vgl. 13.9.1971, 30.5.1972) ihres 'Der Metallarbeiter' - Zeitung zur Metalltarifrunde 1971 heraus mit dem Artikel "Frauen müssen mitverdienen" wozu gefordert wird: "Weg mit den Frauenlohngruppen".
Q: Der Metallarbeiter Nr. 2, Oldenburg 27.9.1971, S. 5

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Oktober 1971:
Die RKJ der GIM gibt ihre 'Was Tun' (WT) Nr.9 (vgl. Sept. 1971, 11.10.1971) heraus. Zur MTR-Aktionseinheit 1971 heißt es:"
Zu dem 'Arbeitspapier von 11 kommunistischen Organisationen und Gruppen zum einheitlichen Vorgehen in der Metall-Tarifbewegung':
ZWISCHEN VERBALRADIKALISMUS UND RATLOSIGKEIT
AKTIONSEINHEIT 'KOMMUNISTISCHER ZIRKEL'

DER FORDERUNGSKATALOG

Die Zusammenhanglosigkeit des Forderungskatalogs bedroht natürlich die Nützlichkeit der einzelnen Forderungen innerhalb einer Kampagne. Davon abgesehen, sind die Einzelforderungen im wesentlichen richtig.

3. 'Weg mit den Leichtlohngruppen - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - Gleicher Lohn für Männer und Frauen.'

Diese Forderungen werden nicht näher begründet und bedürfen dem ja wohl auch nicht."
Q: Was Tun Nr. 9, Mannheim Okt. 1971

11.10.1971:
In Bochum gibt die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) der KPD/ML-ZK eine Extranummer ihrer 'Zündkerze' (vgl. 4.10.1971, 1.11.1971) heraus, zur MTR NRW (vgl. 13.10.1971) heißt es:"
Kolleginnen und Kollegen!

Am kommenden Mittwoch beginnen in NRW die offiziellen Tarifverhandlungen für die metallverarbeitende Industrie.

Angesichts dieser Tatsache und noch eventuelle zu erwartender innerbetrieblicher Ereignisse sollten wir uns noch einmal die in diesem Zusammenhang auf Betriebsversammlungen aufgestellten wichtigsten Forderungen ins Gedächtnis rufen und bekräftigen:
1. 15% LINEARE LOHNERHÖHUNG GLEICH 1 DM
2. VOLLER 13. MONATSLOHN
3. WEG MIT LEISTUNGSBEURTEILUNG, ARBEITSPLATZBEWERTUNG UND PUNKTESYSTEM BEI OPEL!
4. ABSCHAFFUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN
5. ABSICHERUNG DER EFFEKTIVVERDIENSTE, 1 000 DM GARANTIERTER NETTOLOHN MINDESTENS UND FÜR JEDEN, BEI EINHALTUNG DER 40 STUNDEN-WOCHE
6. 6 STUNDEN-SCHICHT AN ARBEITSFREIEN TAGEN BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH
7. ÜBERNAHME DER PARKPLATZVERSICHERUNG DURCH OPEL
8. BEZAHLUNG VON HEILIGABEND UND SYLVESTER
9. GENERELL 50% FÜR ALLE ÜBERSTUNDEN
10. BEZAHLUNG DER HALBSTÜNDIGEN PAUSE DURCH OPEL
11. RÜCKZAHLUNG DES KONJUNKTURZUSCHLAGS
12. GEGEN DAS NEUE BVG"
Q: Zündkerze Extranummer, Bochum 11.10.1971

11.10.1971:
Bei Mannesmann Düsseldorf gibt die KPD vermutlich in dieser Woche die Nr. 5 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 27.9.1971, Nov. 1971) " heraus. Zur Jugendvertretung (JV - vgl. Mai 1971, Nov. 1971) heißt es:"
SCHLUSS MIT DER HETZE GEGEN FORTSCHRITTLICHE JUGENDVERTRETER

Seit Mai gibt es im Werk Lierenfeld eine neue Jugendvertretung, seit Mai merken die Kollegen - und nicht nur die Jugendlichen -, daß eine neue Jugendvertretung existiert. Erstmals seit geraumer Zeit wurde die Ausbeutung der Lehrlinge als billige Arbeitskräfte angeprangert, wurden die Mißstände in der Ausbildung benannt, wurden von den jugendlichen Kollegen Forderungen aufgestellt und zum Teil schon durchgesetzt. Seit ungefähr einem halben Jahr (vgl. Apr. 1971, d.Vf.) arbeitet unter Mitwirkung von zwei Jugendvertretern die IG-Metall-Jugendgruppe, die schon am 1. Mai unter den Losungen 'Kampf dem arbeiterfeindlichen Betriebsverfassungsgesetz (BVG, d.Vf.) - Gleicher Lohn für deutsche und ausländische Arbeiter - Gleicher Lohn für Männer und Frauen - 500 DM Existenzlohn und Streikrecht für Lehrlinge' für die Interessen aller Kollegen eintrat."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Mannesmann Nr. 5, Düsseldorf Okt. 1971

27.10.1971:
Die Berliner Proletarische Linke / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 1.11.1971) berichtet, dass der IGM-Vertrauensleutekörper von Inda und DWM eine 50 Pfg. Vorweganhebung, ein dreizehntes Monatsgehalt als Weihnachtsgeld und eine Streichung der Lohngruppe 0 gefordert habe.

Bei DMW Kompressorenbau hätten heute 200 mit einem halbstündigen Streik nach der Mittagspause diese Forderungen bekräftigt und seien auch für die Metalltarifrunde (MTR) gegen das 4, 5% Angebot und für die vollen 11% eingetreten.
Q: Klassenkampf Nr. 20, Berlin Nov. 1971

November 1971:
Bei Nordmende Bremen gibt der KB Bremen (KBB) seine 'Antenne' Nr. 2 (vgl. 4.10.1971, Nov. 1971) heraus mit einem Artikel auf Serbokroatisch zu den Leichtlohngruppen.
Q: Die Antenne Nr. 2, Bremen Nov. 1971, S. 11

Bremen_Nordmende023


01.11.1971:
Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK gibt vermutlich in dieser Woche ihre 'Zündkerze' Nr. 12 (vgl. 11.10.1971, 22.11.1971) heraus. In einem Leserbrief einer Frau eines Opel-Kollegen heißt es:"
In dem Zündkerze-Extrablatt vom 11.10.1971 wird 'gleicher Lohn für gleiche Arbeit' gefordert. Was für mich als Frau ganz besonders wichtig ist, ist die Frage, ob auch die weiblichen Arbeiter da mit einbezogen sind? Das geht meiner Meinung nach nicht eindeutig aus dem Text hervor. Ich fände es gut, wenn in Ihrer Zeitung auch eine Frauenseite vorhanden wäre, in der die Probleme der Frauen behandelt und aufgegriffen würden. Was mich jedoch sehr viel mehr bewegt, ist die Frage: wie kann es geschehen, daß der Opel-Betriebsrat angeblich bereits vier Tage vor den Bandstillegungen von einer Lohnerhöhung gewußt haben will, es jedoch nicht für nötig gehalten hat, es den Kollegen mitzuteilen. was haben sie sich dabei gedacht? Arbeiten diese 'Herrschaften' für oder gegen die Kollegen? Sie sind ja schließlich von den Arbeitern gewählt worden, um ihre Interessen zu vertreten. Hier kann man jedenfalls nur mit Empörung reagieren. Es ist geradezu grotesk, den Kollegen solche Informationen wie Lohnangleichung einfach vorzuenthalten.

Warum? Damit haben die 'Herren Betriebsräte' wieder einmal für den Geldsack der 'Arbeitgeber' gearbeitet. Wer weiß, wie oft noch? Dann besitzt die Geschäftsleitung noch die Unverschämtheit, von Einflüssen von außerhalb des Werks zu sprechen, wenn die Kollegen endlich ihr längstverdientes Recht verlangen. Ein paar Tage nach den Arbeitsniederlegungen (vgl. 6.10.1971, 8.10.1971, d.Vf.) wurde von der Geschäftsleitung in mehreren Sprachen ein Papier (bundesweit - vgl. 14.10.1971, d.Vf.) herausgegeben, in dem sie die Kollegen warnen und mit Entlassungen drohen, falls sich solche Streiks wiederholen sollten. Deshalb geht meine Kritik dahin, auch die arbeitenden Frauen in den wirtschaftlichen Kampf einzubeziehen. Denn schließlich ist es nicht allein Sache der Männer, wenn es um Lohnkampf und Arbeitszeitverkürzung geht. Gibt es bei den männlichen Arbeitern schon zig unterbezahlte Lohngruppen, so ist das bei den weiblichen Arbeitern und Angestellten noch viel schlimmer bestellt. Nicht allein, daß die Frauen meist die kniffligsten Arbeiten auferlegt bekommen, sondern auch noch enorm unterbezahlt werden. In den sogenannten Leichtlohngruppen verdienen sie noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Diesem Spaltungsprinzip sollten wir alle gemeinsam entgegenarbeiten. Wir müssen uns mit allen Kollegen, ob männlich oder weiblich, gegen solche Machenschaften wehren. Mit den Männern solidarisieren, nicht gegen sie, wie es unsere Herren Politiker und Wirtschaftskönige gern sehen und die Spaltung der Arbeiterklasse noch fördern. Selbst die Frauen, die außerhalb des Betriebes stehen und 'nur' Hausfrauen sind, sollten sich für die Interessen ihrer Männer einsetzen. Denn letztlich profitieren auch sie davon. Nur wenn den Frauen bewußt gemacht wird, z.B. in der ZÜNDKERZE, dann können wir erwarten, daß sich alle Frauen gemeinsam mit ihren Männern solidarisieren. Solidarität ist schließlich nicht nur Sache der Männer, sondern auch die aller Frauen: ganz gleich, ob sie bei Opel arbeiten oder zu Hause am Herd.

Darum Kampf dem Lohndiktat! Mit allen werktätigen Frauen und Hausfrauen! Dann erst ist die Parole berechtigt: 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit'!"
Q: Zündkerze Nr. 12, Bochum Nov. 1971

Dezember 1971:
Bei Siemens Bremen gibt der KB Bremen (KBB) seinen 'Kern' Nr. 1 heraus (vgl. Jan. 1972) mit dem Artikel "Gemeinsamer Kampf von Männer und Frauen für Abschaffung der Leichtlohngruppen".
Q: Der Kern Nr. 1, Bremen o. J. (1971), S. 8

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Februar 1972:
In Schweinfurt erscheint die Fichtel und Sachs Betriebszeitung von KAB/ML und RJ/ML 'Roter Torpedo' Nr. 7 (vgl. Jan. 1972, 1.3.1972). Ein Artikel hält fest: "Wichtigste Forderung im 'Jahr der arbeitenden Frau': Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!".
Q: Roter Torpedo Nr. 7, Schweinfurt Feb. 1972, S. 4

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13.03.1972:
Bei Siemens Berlin gibt die KPD/ML-ZK vermutlich heute ihren 'Roten Lautsprecher' Nr. 2 (vgl. 21.2.1972, 27.3.1972) heraus. Die KPD/ML-ZK veröffentlicht sodann ihren:"
VORSCHLAG ZUM KAMPFPROGRAMM DER EINHEITSFRONT:

Daß Jungarbeiter und Lehrlinge in der Produktion, Frauen und ausländische Kolleginnen und Kollegen besonders für ungelernte Arbeit im Durchschnitt wesentlich weniger kriegen als andere Kollegen bei gleicher Arbeit, trifft auch bei uns zu. Dagegen, daß die Siemens-Herren die Konkurrenz zwischen uns erhöhen, uns gegenseitig zum Lohndrücken benutzen, unsere Reihen zu spalten versuchen, heißt unsere Forderung: GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT!"
Q: Roter Lautsprecher Nr. 2, Berlin März 1972

21.03.1972:
In Berlin wird, nach einem Bericht der KPD/ML-ZB, ein betriebliches Einheitsfrontkomitee für das Siemens-Wernerwerk gegründet und von diesem dann ein Vorschlag für ein betriebliches Kampfprogramm beschlossen. Dieser Vorschlag wird, laut der selben Quelle, noch in der gleichen Woche innerhalb des Betriebes verteilt. Uns lag der folgende Text mit dem Offsetdruck-Erscheinungsbild der KPD/ML-ZB vor:"
VORSCHLAG für ein
KAMPFPROGRAMM DER WERNERWERK-KOLLEGEN

Wenn Männer und Frauen, Facharbeiter und Lehrlinge in der Produktion, deutsche und ausländische Kollegen, Jungarbeiter und ältere Kollegen die gleiche Arbeit verrichten, müssen sie auch den gleichen Lohn erhalten.

Darum fordern wir:
WEG MIT DEN LEICHTLOHNGRUPPEN!
GLEICHE BEZAHLUNG VON DEUTSCHEN UND AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN!
GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN!
100% DES FACHARBEITERLOHNS FÜR LEHRLINGE IN DER PRODUKTION!"
Q: N.N. (Einheitsfrontkomitee Siemens Wernerwerk Berlin): Vorschlag für ein Kampfprogramm der Wernerwerk-Kollegen, o.O. (Berlin) o.J. (März 1972); Der Rote Blitz Nr. 5, Berlin 6.4.1972

26.03.1972:
Nach einem Bericht der KGB/E wird von gewerkschaftsoppositionellen Kollegen bei Opel-Bochum über Flugblätter zu einer öffentlichen Sitzung aufgerufen, zu der "alle Arbeiter und Angestellten eingeladen worden waren". Diese Sitzung war, laut Projektgruppe Ruhrgebietsanalyse, die Gründungssitzung der Gruppe oppositioneller Gewerkschafter (GOG). U.a. enthält der "Programmvorschlag" die Forderungen im Punkt "Gegen die Spaltung der Belegschaft":
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, für Männer und Frauen, für deutsche und ausländische Arbeiter.
- Weg mit den unteren Lohngruppen.
- Weg mit dem spalterischen Punktesystem.
- Gleiche Zulage für alle.
- Streikrecht auch für die Lehrlinge.
- Weg mit dem Ausländergesetz.
- Menschenwürdige Wohnungen für die ausländischen Kollegen.
- Kein Rederecht mehr für Bundeswehroffiziere im Betrieb und in der Schule.
Q: KGB/E: Zur gewerkschaftlichen Arbeit, Bochum o.J.; Projektgruppe Ruhrgebietsanalyse Bochum: Opel streikt. Ausbeutung und Kämpfe bei Opel, Bochum 1973, S. 52;Rote Fahne Nr. 40, Dortmund 7.4.1972, S. 5;Beiträge zur revolutionären Theorie Nr. 7, Bochum 1976, S. 30ff;Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 57, München März 1975;Erwin Bawulski: Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum, Dortmund 1974

03.04.1972:
Der KB Bremen gibt vermutlich in dieser Woche die Nr. 3 seiner 'Wahrheit' (vgl. 1.3.1972, 16.5.1972) heraus. Geschildert wird auch:"
DER KAMPF DER WERKTÄTIGEN FRAUEN

Die werktätigen Frauen in unserem Land haben im vergangenen Jahr ihr Haupt erhoben. Sie haben verstärkt am ökonomischen Abwehrkampf der Arbeiterklasse in allen Teilen der großen Industrie teilgenommen und sie haben in vielen Städten der Bundesrepublik, ohne Rückhalt in den bürgerlichen Parteien, zahllose Versammlungen und Demonstrationen für die Abschaffung des reaktionären Abtreibungsparagraphen durchgeführt. Sie haben in diesen Aktionen eine solchen Mut und eine so hohe Kampfbereitschaft gezeigt, daß es ihnen gelungen ist, in wenigen Monaten viele tausende von Frauen und Männern zu einer großen Massenbewegung zusammenzuschmieden im Kampf gegen die reaktionäre und faschistische Ideologie der bürgerlichen Herren von der Justiz, der schwarzen Kirchenmänner und der hohen Herren im weißen Kittel, die auf dem Elend der Frauenmassen sich ihre Luxusvillen errichten.

Die Ursache für den vielfältigen Aufbruch der werktätigen Frauen in der Bundesrepublik liegt in der Stellung der Frauen in der kapitalistischen Klassengesellschaft. Von dem Augenblick an, wo die Frau im vergangenen Jahrhundert mit Beginn des Kapitalismus aus ihrer dumpfen Haussklaverei in der Familie heraustrat und an der gesellschaftlichen Produktion teilnahm, von diesem Augenblick an bekam sie ihre jahrtausendelange Rechtlosigkeit im öffentlichen Leben und ihre Isolierung von der Gesellschaft auf das brutalste zu spüren. Die kapitalistische Produktionsweise stürzte die alte Arbeitsteilung in der Familie der Bauern und der Handwerker völlig um. Die industrielle Massenproduktion von Konsumgütern drückte der alten Hauswirtschaft der Frauen den Stempel der Unproduktivität und der Rückständigkeit auf. Massenhaft strömten die Frauen des sich bildenden Proletariats und zu Anfang auch ihre Kinder in die Fabriken. Indem die große Industrie 'alle Glieder der Arbeiterfamilie auf den Arbeitsmarkt wirft, verteilt sie den Wert der Arbeitskraft des Mannes über seine ganze Familie. Sie entwerte daher seine Arbeitskraft. Der Ankauf der in vier Arbeitskräfte z.B. parzellierten Familie kostet (den Kapitalisten) vielleicht mehr als früher der Ankauf der Arbeitskraft des Familienoberhauptes, aber dafür treten vier Arbeitstage an die Stelle von einem… Vier müssen nun nicht nur Arbeit, sondern Mehrarbeit für das Kapital liefern, damit eine Familie LEBE.' (Marx, Das Kapital, I. Band, S. 414). Wirft also der Kapitalismus gleich zu Anfang die große Masse der Frauen wie die Männer in den gleichen Zustand des Proletariers, so ist doch die Lage der Proletarierin ungleich elender als die des Proletariers. Denn von Anfang an gesteht der Kapitalist den Frauen der Arbeiterklasse das Recht auf Arbeit nicht zu. Bis hinein in das sogenannte Gleichberechtigungsgesetz vom 18.6.1957 entlarvt die Kapitalistenklasse, welchen Nutzen sie immer neu aus der Jahrtausende alten Unterjochung der Frauen zieht. In diesem Gleichberechtigungsgesetz steht ausdrücklich drin: 'Es gehört zu den Funktionen des Mannes, daß er grundsätzlich der Erhalter und Ernährer der Familie ist, während es die Frau als ihre vornehmste Aufgabe ansehen muß, das Herz der Familie zu sein'. Diese Ideologie von der patriarchalischen Stellung des Mannes, die im totalen Widerspruch steht zum tatsächlichen Verhältnis der Frauen und Männer des Proletariats, versucht die Kapitalistenklasse geschickt sich dienstbar zu machen. Einerseits erlaubt der Paragraph 1 356 des arbeiterfeindlichen Gleichberechtigungsgesetzes den Frauen nur solange eine Erwerbstätigkeit, als dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist. Andererseits verpflichtet der Paragraph 1 360 der Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB, d.Vf.) die Frauen zur Arbeit, wenn der Verdienst des Mannes zum Unterhalt der Familie nicht ausreicht. Beide Paragraphen des frauen- und arbeiterfeindlichen Gleichberechtigungsgesetzes zementieren mit der patriarchalischen Stellung des Mannes gegenüber der Frau zugleich auch die Stellung der Arbeitskraft der Frauen in der Reservearmee der Kapitalisten, ihre Stellung als am meisten ausgebeutete Lohnarbeiter des Proletariats.

DIE FRAUEN SIND DIE BILLIGSTEN LOHNSKLAVEN

Etwa 30% aller Arbeiter sind Frauen. Ebenso hoch ist ihr Anteil an den Angestellten. 20% dieser Arbeiterinnen und anderen werktätigen Frauen verdienen monatlich weniger als 300 Mark, 70% verdienen weniger als 600 Mark, während die Männer der werktätigen Schichten durchschnittlich zwischen 800 Mark und 1 200 Mark im Monat nach Hause bringen (Frankfurter Rundschau (FR, d.Vf.) 7.3.1972). Das bedeutet, daß eine Arbeiterin, vor allem wenn sie Kinder hat, sich nur mit Hilfe ihres Mannes ernähren kann. Hat sie keinen Mann, so steht sie am Rande des Hungers.

90% aller Arbeiterinnen haben keine oder nur eine Anlernausbildung, genauso sieht es für die weiblichen Angestellten aus, die die unteren Positionen der Bürobetriebe ausfüllen. 60% der Arbeiterinnen arbeiten im Akkord. Fast 10% aller dieser Arbeiterinnen unter 30 Jahren sind kreislaufkrank. Das ist ein mehr als doppelt so hoher Anteil an Kreislauferkrankungen als bei den Arbeitern derselben Altersgruppe (Sozialenquete der Bundesregierung). Die großen nervlichen und psychischen Anspannungen, die die immer größere Rationalisierung gerade der Frauenarbeitsplätze mit sich bringt, untergräbt die Gesundheit der Frauen der Arbeiterklasse. Viele landen mit 30 Jahren in den sogenannten Schlafwagenabteilungen der großen Betriebe, weil sie rundum ausgepowert sind. Hier arbeiten sie dann den Rest ihres Lebens für den miesesten Stundenlohn.

Die Frau - das Herz der Familie - ist in Wahrheit der am meisten geschundene und billigste Lohnsklave in unserer Gesellschaft, aus dessen Knochen die Kapitalistenklasse Jahr für Jahr 7, 8 Milliarden Extraprofite herausholt, indem diesen Lohnsklaven die Lohngleichheit mit den anderen männlichen Lohnarbeitern verweigert wird.

Obwohl das Bundesarbeitsgericht (BAG - vgl. 1955, d.Vf.) im Rahmen der Entwicklung des sogenannten Gleichberechtigungsgesetzes bereits 1955 Frauenlohngruppen und Frauenabschlagsklauseln in Tarifverträgen verboten hat, verstehe es fast alle Kapitalisten bis heute in großem Maßstab die Lohngleichheit zu umgehen. An die Stelle der früheren Frauenlohngruppen sind die sogenannten Leichtlohngruppen getreten, die an Tätigkeitsmerkmale wie körperlich leichte Arbeit gebunden sind. Diese Merkmale werden aber fast ausschließlich auf Frauenarbeit angewendet.

'JAHR DER ARBEITNEHMERINNEN' BEGINNT MIT EINEM VERRAT

Die Fessel der Leichtlohngruppen, die die Frauen der Arbeiterklasse häufig bis an den Rand des ökonomischen Ruins bringt, muß gesprengt werden.

Der Aufschwung der Bewegung der werktätigen Frauen im vergangenen Jahr hat deshalb die Losung WEG MIT DEN LEICHTLOHNGRUPPEN an ihre Fahnen geheftet. In der Lohnrunde der Metaller (MTR der IGM, d.Vf.) im letzten Herbst waren der Druck und die Bereitschaft in den Betrieben sehr groß, den Kampf gegen die Leichtlohngruppen zusammen mit dem Kampf um die Erhöhung der Tariflöhne aufzunehmen. Für das Tarifgebiet Unterweser stand dieser Kampf auch schon deshalb ins Haus, weil im Herbst gleichzeitig mit dem Lohntarifvertrag der Lohnrahmentarifvertrag abgelaufen war, in dem die Leichtlohngruppen zementiert sind: Im Herbst wurde die Kampfbereitschaft der Arbeiterinnen und Arbeiter, endlich Maßnahmen gegen die Leichtlohngruppen zu eröffnen, von der Gewerkschaftsspitze abgewiegelt. Wir können nicht gleichzeitig höheren Lohn und die Abschaffung der Leichtlohngruppen durchsetzen, denn dann werden die Kapitalisten unsere eine Forderung gegen die andere ausspielen, so war die Rede der Gewerkschaftsführung im Herbst. Und dies hat vielen Kollegen zunächst mal eingeleuchtet. Nun aber sind viele Monte vergangen, und auch in Hamburg ist seit Dezember (vgl. Dez. 1971, d.Vf.) der Lohnrahmentarifvertrag ausgelaufen, in beiden Gebieten herrscht tarifloser Zustand - und nichts geschieht. So jedenfalls sieht es für Kolleginnen und Kollegen aus, die nicht in der Tarifkommission der IG Metall für das Gebiet Unterweser sitzen.

Der Kampf der werktätigen Frauen in unserem Land ist der Gewerkschaftsführung nicht verborgen geblieben. Sie tarnt sich als Vorkämpferin für die Verbesserung der Lage der Frauen und erklärt das Jahr 1972 zum 'Jahr der Arbeitnehmerin'. Aber was geschieht wirklich? Kaum noch hat die Propaganda für das 'Jahr der Arbeitnehmerin' mit großem Getöse begonnen, da sind hinter dem Rücken der Arbeiterklasse die Würfel über den Kampf gegen die Leichtlohngruppen schon gefallen. Die Gewerkschaftsspitze hat sich mit den Kapitalisten geeinigt, daß der Kampf gegen die Leichtlohngruppen das ganze 'Jahr der Arbeitnehmerin', nämlich bis zum 31.Dezember 1972 NICHT geführt wird (jedenfalls im Tarifgebiet Unterweser). Abermals wird der Kampf verschoben um ein ganzes Jahr. Nur die große taktische Gebärde vom Herbst versteht die Gewerkschaftsführung nicht mehr zu entwickeln, um diese neuerliche Vertagung des Kampfes zu begründen. Deshalb konnten auch nur wenige Eingeweihte auf einem nüchternen Flugblatt erfahren, was die IG-Metallführung für diese Vertagung des Kampfes eingehandelt hat: Für den Verzicht auf den Kampf um die Abschaffung der Leichtlohngruppen erklären sich die Kapitalisten bereit, die Leistungszulage der Stundenlöhnerinnen bis 1974 stufenweise von 14 auf 20% zu erhöhen. DAS ist der Tropfen auf den heißen Stein, den die Gewerkschaft verständlicherweise nicht zu propagieren wagt. Im Gegensatz zu den Führungen der IG Metall werden wir uns nicht scheuen, diesen Verrat am Kampf der Arbeiterklasse den Arbeitermassen bekanntzugeben. Wir werden uns nicht scheuen, es lauthals zu entlarven, daß das Jahr der Arbeitnehmerin mit einem Verrat durch die Gewerkschaftsführung eingeläutet wurde, und daß nur der Kampf dieser Heuchelei ein Ende setzen kann. Deshalb fassen wir den Kampf der Arbeiterinnen und an ihrer Seite den Kampf aller männlichen Kollegen zum diesjährigen 1. Mai erneut unter der Losung zusammen:

WEG MIT DEN LEICHTLOHNGRUPPEN

GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN

Indem die Gewerkschaftsführung die abermalige Vertagung des Kampfes gegen die Leichtlohngruppen nicht zu begründen weiß, zeigt sie, daß in ihren Köpfen sich die reaktionäre Ideologie der Bourgeoisie von der Minderwertigkeit der Frauen und ihrer Arbeitskraft immer neu durchsetzt. 'Das alte Herrenrecht lebt versteckt weiter' (Lenin), auch in den Köpfen der Gewerkschaftsspitze, die mit einem kurzen Kuhhandel die Einheit der Arbeiterklasse leichtfertig aufs Spiel setzt. Die bewußten Frauen und Männer der Arbeiterklasse wissen, daß die Ideologie von der Vorherrschaft des Mannes mit dem Kampf der Arbeiterklasse und mit ihren Zielen unvereinbar ist, daß diese Ideologie die Einheit der Klasse spaltet, und daß sie die Kampfkraft der gesamten Klasse schwächt. Nur wenn diese gefährliche Ideologie der Bourgeoisie in all ihren Erscheinungsformen offensiv bekämpft wird, wird die besonders scharfe Unterdrückung der werktätigen Frauen in unserer Gesellschaft ihren besonderen heroischen Kampfgeist entwickeln, den sie in allen Revolutionen gezeigt haben. Deshalb, sagt Lenin, schließt unsere Arbeit unter den Frauenmassen 'ein großes Stück Erziehungsarbeit unter den Männern in sich ein. Wir müssen den alten Herrenstandpunkt bis zur letzten, feinsten Wurzel ausrotten - in der Partei und bei den Massen'."
Q: Wahrheit Nr. 3, Bremen Apr. 1972

03.04.1972:
Vor Opel in Bochum wird vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt verteilt, aus dem die KPD zitiert:"
AUS DEM FLUGBLATT DER 'OPPOSITIONELLEN GEWERKSCHAFTER DER IG METALL', OPEL/BOCHUM
2.LISTE WÄHLEN!

PROGRAMM DER LISTE 2
'OPPOSITIONELLE GEWERKSCHAFTER IN DER IG METALL'

GEGEN DIE SPALTUNG DER BELEGSCHAFT

1. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, für Männer und Frauen, für deutsche und ausländische Arbeiter!
2. Weg mit den unteren Lohngruppen!
3. Weg mit dem spalterischen Punktesystem! Gleiche Zulage für alle!
4. Streikrecht auch für Lehrlinge!
4. Kein Rederecht mehr für Bundeswehroffiziere im Betrieb und in der Schule!
6. Weg mit dem Ausländergesetz! Menschenwürdige Wohnungen für die ausländischen Kollegen!"
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 7

13.04.1972:
In Freiburg erscheint vom Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen bzw. vom Gewerkschaftlichen Maikomitee der Jugendgruppen der BSE, DruPa, HBV, IGM Emmendingen; OJA der IGM Freiburg; Arbeitskreis Junger Metaller Freiburg (vgl. 5.4.1972, 14.4.1972) das folgende Flugblatt:"
HERAUS ZUM 1. MAI

Demonstrieren wir am 1. Mai unter den Parolen:
GEGEN DIE VERSCHÄRFTEN ANGRIFFE DER KAPITALISTENKLASSE DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE

- Kampf dem Lohnraub, den Preistreibereien und dem Mietwucher.
- Kampf der verschärften Arbeitshetze, Einfrierung der Akkordnormen.
- Schluß mit den Entlassungen, voller Lohnausgleich bei Kurzarbeit.
- Kampf der Spaltungspolitik des Kapitals, weg mit den unteren Lohngruppen.
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
- Gleicher Lohn für Männer und Frauen
- Gleicher Lohn für deutsche und ausländische Kollegen
- Angleichung der Löhne von Südbaden und Nordbaden.
- Existenzlohn für Lehrlinge, gegenwärtig 500 DM.
- Streikrecht für Lehrlinge.
- Gegen die Einführung des Stufenplans."
Q: Maikomitee der Gewerkschaftsjugendgruppen: Heraus zum 1. Mai, Emmendingen/Freiburg 12.4.1972

13.04.1972:
Die KPD (vgl. 3.5.1972) berichtet von den Betriebsratswahlen (BRW) bzw. den Belegschaftsversammlungen (BV - vgl. 15.4.1972):"
OPEL/BOCHUM
FÜR DIE WAHL DER OPPOSITIONELLEN LISTE 2!

Die Belegschaftsversammlungen am 13.4. haben gezeigt, daß nur die Kollegen der Liste 2 sich entschieden für die Interessen der Arbeiter und Angestellten der Bochumer Opel-Werke einsetzen werden. Alle 9 Kollegen haben das Wort ergriffen und ihr Programm erläutert. Sie haben ausgeführt, weshalb sie gegen das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz (BVG, d.Vf.) kämpfen. Sie haben nachgewiesen, daß die Forderungen 'Gleicher Lohn für Männer und Frauen, für deutsche und ausländische Arbeiter' sich gegen die Spaltung der Belegschaft richtet, und die Forderungen gegen kapitalistische Rationalisierung erhoben, die geeignet sind, die rote Einheitsfront bei Opel zu schaffen."
Q: Rote Fahne Nr. 42, Dortmund 3.5.1972, S. 5

09.09.1972:
Vermutlich auf der heute stattfindenden 5. Bezirksvorstandstagung Ruhr-Westfalen der DKP wird das folgende anonyme Papier zur Metall- (MTR) bzw. Stahltarifrunde (STR) der IGM verbreitet:"
ZUR LOHNRUNDE IN DER METALL-INDUSTRIE

Das letzte Lohnabkommen in Baden-Württemberg (NB/NW, d.Vf.) brachte ein Ergebnis, das zum Modellfall für alle anderen Bezirke wurde.

Der Wegfall von Leichtlohngruppen, aus vielen Betrieben gefordert, hatte keinen Erfolg.

STREICHUNG DER LOHNGRUPPEN 1 UND 2 GLEICH FRAUENLOHNGRUPPEN

Von rund 4 Mio. Metallarbeitern sind eine Mio. Frauen. Eine Untersuchung in NRW von 112 919 Metallarbeiterinnen ergab, daß 66, 7% in den Lohngruppen 1 und 2 und weitere 26, 7% in den Lohngruppen 3 und 4 beschäftigt sind.

Die Forderung nach ersatzloser Streichung der Lohngruppen 1 und 2 ist daher richtig und muß voll unterstützt werden. Die Lohngruppen 1 und 2 sind Bestandteil des L.R.A. ab 1. Mai 1970, sie sind inzwischen aufgekündigt und Gegenstand von Verhandlungen zwischen IG Metall und Arbeitgeberverbände in NRW. Bisher allerdings ohne Ergebnis. Hier muß umgehend stärker auf die Tarifkommission und Verhandlungskommission eingewirkt werden.

Keinesfalls darf die berechtigte Forderung nach Abschaffung der Frauenlohngruppen - Leichtlohngruppen 1 und 2 - zu keinem Tauschobjekt in der Lohnrunde werden. Es darf nicht zugelassen werden, daß die notwendige Forderung von 12% durch sogenannte 'Extras' (z.B. L.-Gruppe 1 und 2 - der Lohnschlüsselaufbau) verwässert und durchlöchert wird."
Q: N.N. (DKP): Zur Lohnrunde in der Metall-Industrie, o.O. o.J. (1972)

Oktober 1972:
In München gibt die Betriebsgruppe der ABG im Pressehaus Bayerstraße (PHB) ihren 'Roten Aufmucker' Nr. 19 (vgl. Sept. 1972, 20.11.1972) heraus. Aufgerufen wird:"
Frauen aufgepaßt: Gewerkschaften stärken!

Denn wie anders sollen Forderungen wie 'gleicher Lohn für gleiche Arbeit' erfüllt werden, als durch unsere Stärke, den gewerkschaftlich organisierten Kampf?

Also Kolleginnen, gebt euch einen Ruck und kommt in die IG Druck und Papier, in der die Kollegen der Technik zu 80% organisiert sind!"
Q: Roter Aufmucker Nr. 19, München Okt. 1972

01.10.1972:
In Passau findet ein DGB-Frauentreffen für Oberpfalz und Niederbayern mit, laut ABG und SBG, 1 000 Personen statt, die u.a. aus Regensburg kommen.

Aufgerufen wurde u.a. durch die SBG Regensburg im DruPa- (vgl. Sept. 1972) und so im IGM-Bereich (vgl. 25.9.1972):"
1972: JAHR DER FRAU

Wir Frauen schuften in Fabriken und Büros. Wir sind am Abend genau so müde wie unsere Männer, doch wir verdienen weniger Geld, obwohl die Arbeitsmedizin schon längst erwiesen hat, daß ständige Konzentration wie beim Tippen oder Kontaktieren genauso belastend ist wie Schwerstarbeit.

Kolleginnen und Kollegen, nehmt an dieser Fahrt teil! Laßt es nicht zu, daß die Gewerkschaftsführung aus dem gewerkschaftlichen Treffen eine Touristenfahrt mit Kaffeeklatsch macht! In der kommenden Tarifrunde (MTR, d.Vf.) müssen unsere Forderungen erkämpft werden:
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
- Weg mit den Leichtlohngruppen!
- Gleiche Ausbildungsmöglichkeiten für alle!
- Gleicher Zugang zu allen Berufen!
- Mehr Kindergärten und Hortplätze!
- Weg mit Paragraph 218!"
Q: Arbeitersache Nr. 24 und 25, Regensburg Sept. 1972 bzw. Okt. 1972, S. 3 bzw. S. 2; Roter Widerdruck Nr. 9, Regensburg Sept. 1972, S. 7;Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 28, München Okt. 1972

02.10.1972:
Der KABD (vgl. 9.10.1972) berichtet vermutlich aus dieser Woche, unter leicht übertriebener Überschrift:"
IG METALL-VERTRETER FORDERN 15% MEHR LOHN

Die Vertreterversammlung der IG Metall in Wolfsburg hat für die bevorstehende Tarifrunde die Forderung nach 14% mehr Lohn für die Arbeiter der metallverarbeitenden Industrie Niedersachsens und des VW-Werkes aufgestellt. In dem Initiativantrag an die Große Tarifkommission heißt es:
'Die Lohnbetrugsgruppe für Frauen und junge Kollegen, die sogenannten Leichtlohngruppen I und II und die Abzugsrelation werden ersatzlos gestrichen.'"
Q: Kommunistische Pressekorrespondenz Nr. 40, Tübingen 9.10.1972, S. 5

12.10.1972:
Der Kommunistische Bund Göttingen (KBG - vgl. Nov. 1972) berichtet:"
Bei Mannesmann-Röhrenwerke in Düsseldorf-Lierenfeld beschloß der Vertrauensleutekörper am 12.10. die Forderung 150 DM mehr für alle! Abschaffung der unteren Lohngruppen!"
Q: Der Metallarbeiter Nr. 1, Göttingen Nov. 1972, S. 3

16.10.1972:
Vermutlich in dieser Woche geben in München die Stadtteilgruppen der ABG die Nr. 14 ihres 'Roten Anzeigers' (vgl. Sept. 1972, Nov. 1972) heraus. Bezüglich Frauen wird in "Weg mit den Leichtlohngruppen!" eingegangen auf die Chemietarifrunde (CTR) der CPK und die Kontaktiererinnen bei Siemens Balanstraße München.
Q: Roter Anzeiger Nr. 14, München Okt. 1972, S. 4

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16.11.1972:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 4.12.1972) berichten selbst:"
VERANSTALTUNG DER MARXISTEN-LENINISTEN ZUR BUNDESTAGSWAHL

Vor etwa 60 Sympathisanten und Mitgliedern der Marxisten-Leninisten Dortmunds wurden vier Referate gehalten, anschließend diskutierten wir mit den Besuchern unserer Veranstaltung und den anwesenden Vertretern verschiedener kommunistischer Organisationen über unsere unterschiedlichen politischen Auffassungen. … Im letzten Referat ging ein Genosse auf die Lohnkämpfe der letzten Jahre ein, die ein wichtiger Hintergrund für die anstehende Metalltarifrunde (MTR der IGM, d.Vf.) sind. 'Gerade bei den Tarifkämpfen der letzten Jahren erkannte eine immer größer werdende Zahl von Kollegen, daß die Politik der SPD und Gewerkschaftsführung ihren Interessen, den Interessen der Arbeiterklasse, widerspricht.

Diese Tendenz des selbständigen Kampfes gegen das Kapital und den Verrat der Gewerkschaftsbonzen muß in der diesjährigen MTR verstärkt werden, um zu einem gemeinsamen Erfolg zu kommen. Weiter muß der Charakter der Forderungen darauf ausgerichtet sein, die Arbeiterklasse zu vereinigen, d.h. es müssen überall lineare Lohnerhöhungen durchgesetzt werden, die Leichtlohngruppen müssen fallen!'"
Q: Die Rote Front Nr. 3, Extra Gegen Ausbeuterpolitik Für Arbeiterpolitik! und Nr. 4, Dortmund Nov. 1972, Nov. 1972 bzw. Dez. 1972, S. 6, S. 1f bzw. S. 4

11.12.1972:
Vermutlich in dieser Woche erscheint von den Marxisten-Leninisten (ML) Castrop-Rauxel, den ML Dortmund, den ML Hagen und der Proletarischen Linken (PL) Hamm ein Flugblatt zur Metalltarifrunde (MTR) der IGM:"
RESOLUTION ZUR METALLTARIFRUNDE: GEGEN STABILITÄTSPAKT UND KONZERTIERTE AKTION DEN KLASSENBEWUSSTEN GEWERKSCHAFTLICHEN KAMPF!

Fest steht aus den Erfahrungen der letzten Jahre auch, daß die Gewerkschaftsführung den Kollegen den üblichen Verrat durch das Hochspielen einiger zusätzlicher Forderungen versüßen will. Das wird immer dann gemacht, wenn die Kollegen sich gegen den schleichenden Verrat zu wehren beginnen. Die Gewerkschaftsführung fährt dann alles auf, was sie an Täuschungsversuchen zu bieten hat. Mitbestimmung, Vermögensbildung, Überführung der Monopole in Gemeineigentum und ähnliche Versprechungen für die Zukunft. In Lohnkämpfen sind die Gewerkschaftsbonbons für die Kollegen dann ein Urlaubstag mehr oder ein paar Prozente beim Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Gerade in diesen Nebenforderungen kommt es darauf an, sofort zu Beginn der Lohnkämpfe Rede und Antwort zu verlangen.

Denn durch 10 verschiedene Lohngruppen wird die Arbeiterklasse in Mann und Frau, in deutsche und ausländische Kollegen gespalten. Die Altersabschläge für die jungen Kollegen spalten die Arbeiterklasse zudem in Jung und Alt, die analytische Arbeitsplatzbewertung (AAB, d.Vf.) in Arbeiter, die etwas leisten, und andere, die faulenzen. Das alles findet die sozialdemokratische Gewerkschaftsführung in Ordnung. Z.B. soll die Arbeitsplatzbewertung der Kapitalisten nach ihrer Meinung 'größere Gerechtigkeit schaffen'. Das alles zeigt, daß die Gewerkschaftsführung nichts anderes im Sinn hat, als die Interessen der Arbeiterklasse an die Kapitalistenklasse zu verkaufen.

Wenn die Gewerkschaft jetzt fordert, daß die Leichtlohngruppen abgeschafft werden sollen, dann fragen wir uns, wieviel Kollegen überhaupt noch in diesen Lohngruppen arbeiten. Geht es hier nicht um eine Vorweganhebung SÄMTLICHER unteren Lohngruppen? Warum hat außerdem die IGM-Führung darauf verzichtet, schon im letzten Jahr die Leichtlohngruppen zu kündigen, was nach dem Lohnrahmentarif möglich war?

Gerade jetzt ist hier das einheitliche und geschlossene Vorgehen aller Kollegen entscheidend. Denn mit dem Lohnrahmentarifvertrag, wie der Tarifvertrag über die analytische Arbeitsplatzbewertung gekündigt worden (?, d.Vf.). Darum gilt es jetzt besonders, die unteren Lohngruppen an das Lohnniveau der Kollegen anzugleichen. Denn es gilt noch immer: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!"
Q: ML Castrop-Rauxel, ML Dortmund, ML Hagen, PL Hamm: Resolution zur Metalltarifrunde: Gegen Stabilitätspakt und Konzertierte Aktion den klassenbewußten gewerkschaftlichen Kampf, Dortmund o.J. (1972)

15.12.1972:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 18.12.1972) berichten vermutlich Ende dieser Woche von der MTR:"
METALLTARIFRUNDE: EINIGKEIT MACHT STARK

Für bestimmte Schichten der Arbeiterklasse müssen darüberhinaus noch besondere Forderungen gestellt werden, um sie an das Lohnniveau und den Lebensstandard des Durchschnittsarbeiters heranzuführen:
STREICHUNG DER LOHNGRUPPEN 1 UND 2!
VORWEGANHEBUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN!
WEG MIT DEN ALTERSABSCHLÄGEN FÜR JUNGE KOLLEGEN!"
Q: Die Rote Front Nr. 5, Dortmund Dez. 1972, S. 1f und 4f

15.01.1973:
Bei Siemens Bremen gibt der KB Bremen (KBB) vermutlich Anfang dieser Woche seinen 'Kern' Nr. 8 (vgl. 18.12.1972, 26.2.1973) heraus mit dem Artikel "Was Männer nicht können" zu den Frauen bzw. den Leichtlohngruppen.
Q: Der Kern Nr. 8, Bremen o.J. (1973), S. 6f

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23.01.1973:
In Aachen und Aldenhoven gibt die Zelle Philips der KPD die Nr. 12 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 18.12.1972, Feb. 1973) heraus. Ein Brief eines Kollegen befasst sich u.a. mit dem Akkordsystem in der Mechanischen Werkstatt und der Frauenarbeit in Halle N bzw. den Leichtlohngruppen.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Philips Nr. 12, Aachen 23.1.1973, S. 6f

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23.02.1973:
Die KPD berichtet:"
Der erzreaktionäre CDU-BR Zugowski von Henkel (CPK-Bereich in Düsseldorf, d.Vf.) vertrat auf der Tarifkommissionssitzung am 23.2. im DGB-Bundesvorstand eisern eine prozentuale Forderung, um damit die Spaltung zwischen den einzelnen Lohngruppen und Arbeitern und Angestellten zu festigen."
Q: Rote Fahne Nr. 14, Dortmund 4.4.1973, S. 4

23.03.1973:
Bei Krone Berlin findet, laut 'Gewerkschaftern bei Krone', eine Betriebsversammlung (BV) statt.

Morgens wird ein Flugblatt "Stop Huber, Heide und Konsorten! Weniger Arbeit - Mehr Geld!" verteilt worden, welches mit 'Einige Kolleginnen und Kollegen der KRONE GmbH' unterzeichnet ist. Heide ist der Betriebsratsvorsitzende und Huber der Geschäftsführer. In dem Flugblatt wird von der letzten Betriebsversammlung 1972 berichtet, nach der ein Kollege entlassen wurde, der dort geredet hatte. Allerdings müsse Krone ihm, wegen einer Arbeitsgerichtsklage, bereits seit 4 Monaten seinen Lohn weiterbezahlen. Ein anderer sei in das Werk Wittenau versetzt worden. Dieser klage ebenfalls. Um auf der heutigen Betriebsversammlung derartige Repressionen wirkungslos zu machen wird dazu aufgefordert, daß viele sprechen sollen, z.B. zum "Extrabeschiss mit der Lohnabrechnung und über den zu erwartenden Lohnraub durch Akkorderhöhungen". IGM und Betriebsrat sollen endlich Stellung beziehen zu den Forderungen "Keine Akkorderhöhungen mehr! Weg mit den 'Frauen' Lohngruppen!"
Q: Internationale Marxistische Diskussion Arbeitspapiere Nr. 13, Berlin 1973

28.03.1973:
Die KPD befaßt sich heute mit der KPD/ML-ZK:"
ZUM 'BÜNDNISANGEBOT' DER KPD/ML-ROTER MORGEN: KLARE FRONTEN!

1. Seit ihrer Gründung im Februar 1970 hat unsere Partei am 1.Mai, dem internationalen Kampftag des Proletariats, die Frage der revolutionären Einheit der Arbeiterklasse ins Zentrum gestellt. Die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Teilnehmer an den Mai-Demonstrationen der Partei zeigt, daß die KPD den Zusammenschluß der Werktätigen auch praktisch, im Kampf voranzutreiben in der Lage war.

Ihre Hauptlosungen lauteten:

am 1. Mai 1970 in Westberlin:
Gleicher Lohn für deutsche und ausländische Arbeiter! Gleicher Lohn für Männer und Frauen! Gleicher Lohn für Westberliner und westdeutsche Arbeiter!"
Q: Rote Fahne Nr. 13, Dortmund 28.3.1973, S. 7

April 1973:
Die DKP Lüneburg gibt erstmals ihre Betriebszeitung 'Hammer und Amboß' (vgl. 23.4.1973) heraus mit dem Artikel:"
DIE FRAU - MENSCH ZWEITER KLASSE?

Trotz 'Gleichberechtigung' der Frauen ist es den Arbeitnehmerverbänden - sprich Gewerkschaften - nicht gelungen, namentlich in Industriebetrieben und im Einzelhandel (Kaufhäuser usw.) (HBV-Bereich, d.Vf.) die unzähligen Lohngruppen fortzubringen. Betriebsräte - wenn mehrere Perioden im Amt - lassen sich leider häufig von den Bossen mißbrauchen.

Während in den sozialistischen Ländern nach dem Prinzip 'gleiche Arbeit, gleicher Lohn' verfahren wird, gibt es in der sogenannten freien und demokratischen BRD extra 'untere' Lohngruppen, die den Frauen vorbehalten sind. Zum Beispiel:
Lohngruppe V gleich Facharbeiter
Lohngruppe IV gleich Angelernte Arbeiter
Lohngruppe III gleich Ungelernte Arbeiter
Lohngruppe II gleich Angelernte Arbeiterin
Lohngruppe I gleich Ungelernte Arbeiterin

Zwischen den Gruppen V - I besteht oft ein Lohnunterschied von 1 DM pro Stunde! Nun, bei 170 Stunden im Monatsdurchschnitt weiß jede Arbeitnehmerin, wie sie eingestuft ist - als Mensch 2. Klasse.

Auch vermißt man den Ausdruck 'Facharbeiterin' in den einzelnen Tarifen. Im Einzelhandel, vor allem in den Kaufhäusern und kaufmännischen Berufen ist der Lohndifferenzbetrag pro Monat noch größer. In der DDR ist diese Frage durch die Herstellung der völligen Gleichberechtigung der Frau längst gelöst! Bei uns in der BRD aber kann nur der gemeinsame Kampf der Arbeiter und die Stärkung der gewerkschaftlichen Kampfkraft diese enormen Lohnunterschiede beseitigen!

Die SPD-Regierung unternimmt in dieser Beziehung allerdings nichts, sondern belastet den kleinen Mann durch neue Steuererhöhungen (z.B. Mineralölsteuer) sowie staatlich geduldete Preissteigerungen. Nur die Arbeiterpartei, die DKP, eht den Bossen wirklich an den Kragen. In unserem Kampfprogramm fordern wir eine sofortige höhere Besteuerung der Großkonzerne (Anhebung des Steuersatzes von 53 auf 80 Prozent), verbunden mit einem Preisstop sowie eine drastische Einschränkung der Rüstungsausgaben um jährlich 15 Prozent zunächst bis zur Hälfte. Unmißverständlich gesagt: Nur wer dem Großkapital etwas nimmt, kann den Arbeitern etwas geben!"
Q: Hammer und Amboß Nr. 1, Lüneburg Apr. 1973, S. 4

29.04.1973:
Die Sozialistische Arbeitsgemeinschaft (SAG) Alsfeld gibt spätestens heute oder morgen die auf Mai datierte Nr. 6 ihres 'Roten Oberhess' (RO) (vgl. März 1973, 9.7.1973) - Lehrlings- und Jungarbeiter-Zeitung der SAG heraus. In "Kangol-Teka Knochenmühle" wird für die weiblichen Beschäftigten dieser Autoteile-Firma die Abschaffung der Leichtlohngruppen und, ebenfalls für die Frauen, gleicher Lohn gefordert.
Q: Der Rote Oberhess Nr. 6, Alsfeld Mai 1973, S. 7f

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01.05.1973:
Die 'Peking Rundschau' berichtet, daß "50 000 Werktätige in München an einer Versammlung auf dem Königsplatz teilnahmen. Sie trugen rote Banner und Plakate mit den Losungen wie 'Gegen Lohnraub, Preissteigerungen und politische Unterdrückung!', 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit von Männern, Frauen, Lehrlingen und ausländischen Arbeitern!'.
Q: Peking Rundschau Nr. 19, Peking 15.5.1973, S. 19

07.06.1973:
Bei Pierburg Neuß findet, laut AB, ab heute ein zweitägiger Streik von 500 Beschäftigten für eine Teuerungszulage (TZL) von 1 DM statt.

Laut dem Rote Fahne Freundeskreis (RFFK) Neuß der KPD streiken heute und morgen bei Pierburg bis zu 1 000 meist ausländische Frauen.

Die Kommunistische Gruppe (KG) Aachen des AB (vgl. 27.8.1973) berichtet (vgl. 6.8.1973):"
Schon an Pfingsten hatten die Kollegen bei PIERBURG zwei Tage ergebnislos gestreikt, um eine Höhereinstufung von 2 400 Kollegen (davon 1 700 Ausländerinnen) zu erzwingen. Diese Kollegen waren trotz Akkordarbeit am Band, mit Zustimmung der örtlichen Gewerkschaftsführung und des Betriebsrats, in Leichtlohngruppe 2 eingestuft und durften bisher für einen Hungerlohn von 4, 70 (brutto) schuften, was für viele trotz Überstunden nur 600 Mark netto monatlich einbrachte.

Gleichen Lohn für gleiche Arbeit gab es bei PIERBURG auch nicht, stattdessen spalterische Lohnunterschiede zwischen deutschen und ausländischen, männlichen und weiblichen Kollegen. Besonders ausländische Kolleginnen wurden von der Geschäftsleitung und ihren Handlangern wie Straßenmädchen behandelt."

Die 'Wir wollen alles' (WWA - 25.6.1973) berichtet, dass der Streik von den ausländischen Frauen einer Abteilung ausgeht, die durchs Werk demonstrieren, woraufhin dann 400 der 1 500 Ausländerinnen streiken. Morgen endet der Ausstand.
Q: Wir wollen alles Nr. 5, Gaiganz Juni 1973; Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2/3, Aachen Juli/Aug. 1973, S. 15;Rote Fahne Nr. 25, Dortmund 20.6.1973;Roter Aufmucker Nr. 28, München Juli 1973;Roter Weichensteller Nr. 10, München Juli 1973;Roter Widerdruck Nr. 24, München Juli 1973

05.07.1973:
Die Kommunistische Arbeitergruppe (KAG) Göttingen gibt ihre Branchenzeitung 'Der Metaller' Nr. 5 (vgl. 12.6.1973, 2.10.1973) für Juni/Juli heraus mit dem Artikel "Weg mit Leichtlohngruppen!" zu Dr. Kern, wo eine Betriebsausgabe des 'Metallers' erschien (vgl. 12.6.1973).
Q: Der Metaller Nr. 5, Göttingen 5.7.1973, S. 6

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13.08.1973:
In Neuß beginnt, laut SAG, ein Streik bei Pierburg (vgl. 14.8.1973), der bis zum 17.8.1973 dauert. Laut KABD streiken 2 000.
Laut KFR in Dortmund streiken ca. 2 000 Arbeiter für den Wegfall der Lohngruppe 2.
Laut RFO Saarland gehen die Aktionen der 3 400 (vor allem Ausländerinnen) noch über den 17.8.1973 hinaus (vgl. 20.8.1973).

Laut KPD beginnen 2 000, meist Ausländerinnen u.a. aus Griechenland, Jugoslawien und der Türkei einen 'wilden' Streik für eine Teuerungszulage (TZL) von 1 DM und den Wegfall der (Frauen-) Lohngruppe 2. In den Streik greifen u.a. die Politische Polizei und die Ausländerpolizei ein.
Der Rote Fahne Freundeskreis (RFFK) Neuß der KPD gibt u.a. ein Flugblatt "Solidarität mit den Streikenden von Pierburg" heraus, welches laut RFFK, in der Innenstadt und vor einem Industriegroßbetrieb, vermutlich International Harvester (IHC) Neuß verteilt wird.

Bei Pierburg gibt die KPD u.a. einen 'Rote Fahne' Sonderdruck "Der Streik muß weitergehen" heraus.

Die Jusos der SPD, die laut KPD, auch die IG Metall (IGM) Jugendgruppe Neuß kontrollieren, rufen gegen den RFFK die Polizei. Gegen den RFFK habe sich auch die KPD/ML betätigt.

Die DKP gibt bei Pierburg eine Betriebszeitung heraus.

Die Kommunistische Gruppe (KG) Aachen des AB (vgl. 27.8.1973) berichtet (vgl. 6.8.1973, 16.8.1973):"
Die PIERBURG-Kapitalisten (Jahresumsatz 120 Millionen DM, 75% aller in der Autoindustrie gebrauchten Vergaser und Benzinpumpen) hatten durch ständige Steigerung der Arbeitshetze (Erhöhung der Bandgeschwindigkeiten) und Zwang zu Überstunden, sowie OHNE Einsatz von neuen Maschinen seit 1969 die Produktion verdoppelt! Obwohl sie spätestens seit Pfingsten wußten, daß die Kollegen sauer waren, hatten sie doch nicht mit deren Härte gerechnet."

Der AB OG Passau berichtet bei Kühbacher (HBV-Bereich - vgl. 20.8.1973):"
Im Autogerätewerk PIERBURG in Neuß erstreikten sich die Kollegen 53 bis 65 Pfg. mehr je Stunde."

Die KPD/ML (vgl. 25.6.1973) berichtet von den anderen Neußer Betrieben Ehrenreich, Solex und Daimler, von Pierburg über Griechen, Italiener, Jugoslawen und Türken sowie über die dort tätige Rote Garde(RG) und daß in der Streikleitung von Anfang an Kommunisten, d.h. der KPD/ML eng verbundene Menschen, gesessen hätten.

Die 'Wir wollen alles' (WWA - vgl. 12.9.1973) berichtet von Band und Werkzeugbau, sowie dass von den 3 400 Beschäftigten ca. 2 800 Frauen sind, davon wiederum 80 % Ausländerinnen, aus Griechenland, Italien, Jugoslawien, Spanien und der Türkei. Nachdem heute vier Frauen festgenommen wurden, hätten sich 500 bis zum Feierabend vor dem Tor versammelt, um 1 DM mehr und den Fortfall der Lohngruppe 2 zu fordern.

Vom Streik bzw. Polizeieinsatz berichten auch der KBW (vgl. 12.9.1973) sowie der RJVD des KABD (vgl. Sept. 1973) und in:
- Berlin durch die Betriebsgruppe Krone (vgl. Okt. 1973).
- Bremen durch die ADL (vgl. Sept. 1973).
- NRW in Bochum durch die KPD bei Opel (vgl. 10.8.1973), in Bonn SpB, KSG und die KBW-SyG (vgl. 23.10.1974), in Dortmund die RH der KPD/ML (vgl. 16.11.1973).
- in Schleswig-Holstein der KB in Kiel (vgl. Okt. 1973).
Q: Metaller Nr. 5, Kiel Okt. 1973, S. 2 und 8; ADL-Info Nr. 5, Bremen Sept. 1973, S. 7f;RH Dortmund: Aufruf der Roten Hilfe Dortmund an alle Freunde, Kollegen und Genossen in Westdeutschland: Verteidigt die revolutionäre Organisations- und Meinungsfreiheit, Dortmund 16.11.1973, S. 1;Kommunistische Arbeiterpresse Opel, Bochum 10.8.1973, S. 6;Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2/3, Aachen Juli/Aug. 1973, S. 15f;Kommunistische Volkszeitung Nr. 2, Mannheim 12.9.1973, S. 5;Rebell Nr. 9, Tübingen Sept. 1973, S. 5;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973;Rote Fahne Nr. 33 und 34, Dortmund 15.8.1973 bzw. 22.8.1973;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973;Roter Hoesch Arbeiter/Roter Kumpel Extra, Dortmund 27.8.1973, S. 2;Klassenkampf Nr. 27, Frankfurt Sept. 1973;Klassenkampf - Klasna Borba - Sinif Mucadelisi, Berlin Okt. 1973, S. 1ff;Rote Fahne Nr. 9, Tübingen Sept. 1973;Rote Fahne - Röchling, Völklingen Sept. 1973;Roter Morgen Nr. 33, Dortmund 25.8.1973;Rote Optik Nr. 23, München Aug. 1973;Roter Frischdienst Nr. 13/14, Passau Juli/Aug. 1973, S. 3;Der Motor Nr. 9, München Aug. 1973;Wir wollen alles Nr. 7/8, Gaiganz Aug./Sept. 1973;SpB, KSG, KBW-SyG Bonn: Steckhan muß Farbe bekennen!, Bonn o.J. (23.10.1974), S. 2

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17.08.1973:
Die Kommunistische Gruppe (KG) Aachen des AB (vgl. 27.8.1973) berichtet von Pierburg Neuß (vgl. 16.8.1973, 20.8.1973):"
In einer Woche Streik erkämpften sich die 3 500 Kollegen der Neuesser Autogerätefabrik PIERBURG (unter Beteiligung von Bosch im Familienbesitz) eine Teuerungszulage (TZL, d.Vf.) von 65 PFENNIG (für die bisherige Lohngruppe 2) bzw. 53 PFENNIG (für die anderen Lohngruppen) und die ABSCHAFFUNG DER LOHNGRUPPE 2.

Weder massiver Polizeieinsatz (mehrere Kollegen wurden wahllos verhaftet, eine griechische IGM-Vertrauensfrau brutal zusammengeschlagen) noch Überredungskünste der PIERBURG-Kapitalisten und Lügenmärchen in der bürgerlichen Presse konnten die Entschlossenheit und Solidarität der Kollegen erschüttern.

Ihre Ausgangsforderungen: '1 DM MEHR FÜR ALLE, WEG MIT DER LOHNGRUPPE 2' waren die Antwort auf lächerliche 200 Mark, die Betriebsrat und Geschäftsleitung in der Vorwoche ausgehandelt hatten. …

Erst das zweite Angebot vom Freitag, den 17.8. (…), ausgehandelt von Geschäftsleitung, Arbeitgeberverband, IGM-Führern ('Der Streik ist illegal') und Betriebsrat, war für die Streikenden ein vorläufig annehmbarer Teilerfolg.

Die PIERBURG-Kapitalisten mußten auch deswegen zurückstecken, weil bei Andauern des Streiks zahlreiche westdeutsche Autofirmen ihre Produktion hätten drosseln müssen. Und das ließen die Bosse der Auto-Konzerne nicht zu."

Die 'Wir wollen alles' (WWA - vgl. 12.9.1973) berichtet vom Streik bei Pierburg Neuß (vgl. 16.8.1973), dass heute die Abschaffung der Frauenlohngruppe 2 (Frauenleichtlohngruppe II), sowie für deren ehemalige Angehörige eine Lohnerhöhung von 65 Pfennig, und für die Lohngruppen 3 bis 10 von je 53 Pfennig erkämpft werden konnte. Auch die drei Streiktage wurden bezahlt. Über den Streik selbst heißt es in der 'WWA' u.a.:"
Diese Männe (sic!), IGM-Dolmetscher, KP Griechenland und griechischer Kulturkreis Düsseldorf bestimmten den Verlauf".
Q: Wir wollen alles Nr. 7/8, Gaiganz Aug./Sept. 1973; Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2/3, Aachen Juli/Aug. 1973, S. 15

20.08.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint ein vermutlich zentrales Flugblatt der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD:"
ROTE HILFE
SOLIDARITÄT MIT DEN STREIKENDEN - UNTERSTÜTZT DIE GELDSAMMLUNGEN!

- Politische Disziplinierung
- Polizeieinsätze
sind die Antwort der Kapitalisten auf 50 000 streikende Arbeiter.

Die Forderungen der Arbeiter sind:
- Teuerungszulage (TZL, d.Vf.)
- Weg mit der Lohngruppe 2
- mehr Urlaubszeit
- Weg mit der Samstagsarbeit"
Q: RH e.V.: Rote Hilfe Solidarität mit den Streikenden - Unterstützt die Geldsammlungen!, Dortmund o.J. (1973)

24.08.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW richtet einen "Rundbrief an die Ortsgruppen (befreundeten Organisationen zur Kenntnis)" (vgl. 16.8.1973, 31.8.1973):"
Genossen,
über die Streikbewegung in NRW haben wir bis jetzt nur diejenigen Informationen, die aus der bürgerlichen Presse zu entnehmen waren. … Insgesamt bestätigt die Streikwelle unsere ZK-Thesen. Bemerkenswert ist, daß bei aller Unterschiedlichkeit der Forderungshöhe und obwohl nach wie vor häufig auch betriebsspezifische Forderungen eine Rolle spielen (z.B. die Lohngruppeneinstufung in Neuss (bei Pierburg - IGM-Bereich, d.Vf.)) sich als einheitliche Parole überall das Schlagwort vom Teuerungszuschlag (TZL, d.Vf.) durchsetzt. In unsere Agitation sollten wir es unbedingt aufnehmen."
Q: KBW-ZK-StA: Rundbrief, o.O. 24.8.1973

24.08.1973:
Bei Philips Aachen fordern die Kollegen, laut KFR in Dortmund, eine Teuerungszulage (TZL) von 200 DM und 60 Pfg. mehr pro Stunde.
Bei Valvo Aachen wird auch laut KB gestreikt. Die KPD/ML (vgl. 8.9.1973) berichtet über die Rote Hilfe (RH) Aachen, über die eigene RG, die in der Streikleitung vertretene KPD sowie von Philips Glühlampenwerk, von Granus und von Valvo.

Laut KPD beginnt nachts um 1 Uhr 30 ein Streik für eine Teuerungszulage (TZL) von 60 Pfennig und 200 DM Zulage sowie den Wegfall der unteren Lohngruppen (vgl. 23.8.1973).

Die Zelle der KPD gibt vermutlich noch heute einen einseitigen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP) (vgl. 23.8.1973) unter der Schlagzeile "Streik!" heraus.

In den nächsten Tagen folgen zumindest noch ein KAP-Sonderdruck "Valvo: Die Streikfront steht!" und ein 'Rote Fahne' Sonderdruck, der unter der Schlagzeile "Polizeiterror, Entlassungen, Ausweisungen" zur KPD-Veranstaltung nach Dortmund aufruft (vgl. 1.9.1973).

Die Kommunistische Gruppe (KG) Aachen des AB (vgl. 27.8.1973) berichtet (vgl. 25.8.1973):"
STREIK BEI VALVO

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag schmiß die Nachtschicht bei Valvo die Klamotten hin. Seit Monaten forderten die Kollegen die Abschaffung der Samstagsschicht, den Wegfall der Lohngruppe 2 und eine Teuerungszulage von 150 DM, und immer hat man sie hingehalten. Jetzt hatten die Kollegen es wirklich satt: 'Wir lassen uns nicht verschaukeln!' 'Ohne den Streik tut sich hier überhaupt nichts!' meinten Kollegen. - Man war sich schnell einig. Ohne lange Vorbereitungen stand die Streikfront bei Valvo. Die Kollegen machten eine Unterschriftensammlung für den Streik und überreichten sie um 1 Uhr dem Meister. Einige arbeiteten noch eine kurze Zeit weiter, damit in der laufenden Produktion nichts kaputtging. Dann setzte sich ein Zug von ca. 350 Kolleginnen und Kollegen durch die drei Philipswerke in Bewegung. Nur drei Mann blieben bei Valvo als Streikbrecher zurück.

Auf einer Streikversammlung in der Kantine wurde eine Streikleitung gewählt, in der neben ausländischen und deutschen Kollegen zwei Vertrauensleute (der IGM, d.Vf.) sind. Sie sollen den Streik organisieren und die Interessen der Kollegen gegenüber der Geschäftsleitung vertreten. Die Forderungen der
Kollegen sind:
- 200 DM Teuerungszulage
- 60 Pfg. mehr Stundenlohn für alle
- Wegfall der Lohngruppe 2
- Wegfall der Samstagsschicht
- Bessere Bezahlung der Auszubildenden
- Bezahlung der Streiktage
- Weg mit den Entlassungsdrohungen
- Weg mit den Hausverboten

Mehrere Frauen wurden zuerst am Mitmachen gehindert, indem sie man sie nicht in ihre Umkleidekabinen ließ. Gemeinsam setzten sie sich aber schnell gegen diesen üblen Trick durch, und niemand konnte sie mehr aufhalten.

Gegen 3 Uhr morgens kam das erste Angebot von oben. 150 DM Teuerungszulage und VIELLEICHT 3% mehr Lohn. Aber die Streikenden lehnten das Almosen ab. Und sie hatten recht: schon am Mittag wurde das Angebot wieder zurückgezogen. Valvo-Boß Oertel: 'Unsere Zentrale in Hamburg hat sich alle Schritte vorbehalten. Wir haben noch viele Werke im Bundesgebiet. Alle müssen gleichbehandelt werden.' Dabei ist bekannt, daß Philips Aachen das einzige Werk im Konzern ist, wo noch drei bzw. vier (Granus) Schichten gefahren werden. Und da reden die von gleicher Behandlung. Alle drei Schichten am Freitag haben den Streik fortgeführt. Die Nachtschicht fuhr nach einer Streikversammlung vor dem Betriebstor fast vollständig wieder nach Hause. Die Kollegen ließen sich nicht weichkloppen, weder durch die Polizei noch durch die Spaltungsmanöver der Geschäftsleitung. Sie hatte versucht, sechs Mann, die ihrer Meinung nach für den Streik verantwortlich sind, zu entlassen, mußte die Entlassungen aber durch die Ablehnung des Betriebsrats in Hausverbote umändern. Deswegen werden die Streikversammlungen nicht mehr auf dem Werksgelände abgehalten, sondern vor den Toren. An der Geschlossenheit
der Streikfront hat das nichts geändert. Dagegen kamen auch Betriebsratsvorsitzender Maanen und der 1.IGM-Bevollmächtigte Bieth nicht an.

Sie sahen ihre Aufgabe nur darin, die Kollegen zu beruhigen. Was heißt denn hier beruhigen? Beruhigen kann man die Kollegen jetzt nur noch, wenn man ihre Forderungen erfüllt."
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2/3, Aachen Juli/Aug. 1973, S. 1 und 4; Rote Fahne Nr. 35, Dortmund 29.8.1973;Roter Morgen Nr. 35, Dortmund 8.9.1973;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973;Der Metallarbeiter Nr. 12, Hamburg 14.11.1973;Roter Hoesch Arbeiter/Roter Kumpel Extra, Dortmund 27.8.1973, S. 2

25.08.1973:
Bei Ford Köln beginnt, laut KPD, ab heute Nachmittag in der Y-Halle (Endmontage) der Streik (vgl. 24.8.1973, 26.8.1973). Laut KPD wird eine Teuerungszulage (TZL) von 1 DM, der Wegfall der unteren Lohngruppen und die Rücknahme von 300 Entlassungen gefordert.

Der KBW habe sich in seiner Betriebszeitung 'Zur Sache' nicht für Streik sondern für eine Unterschriftensammlung ausgesprochen, um Druck auf den Betriebsrat auszuüben. Er habe im weiteren Verlauf zwar bei Felten und Guillaume (F+G) und dem Chemiebetrieb Clouth mit einem einzigen Flugblatt agitiert, sei aber beim Streik nicht anwesend gewesen.

Vertreten sind bei Ford auch die KPD/ML, die DKP, die KP Italiens (KPI bzw. PCI) und die operaistische Gruppe Arbeiterkampf Köln.

Die Zelle Ford Köln der KPD/ML gibt zumindest ein Flugblatt unter Verantwortung von W. Kerzmann heraus.
Für die KPD tritt das Mitglied ihres KJV, Frank Kühne, auf.
Vom Streik berichtet auch der AB bei BMW, dass dieser sich für die Kontrolle der Arbeiter über den Akkord eingesetzt habe.

Für die 'Wir wollen alles' (WWA - vgl. 12.9.1973) berichtet der Arbeiterkampf (AK) Köln, dass heute u.a. in der W-Halle und der FK-Halle bzw. dem Preßwerk gearbeitet wird.
Q: Wir wollen alles Nr. 7/8, Gaiganz Aug./Sept. 1973; Rote Fahne Nr. 35 und 40, Dortmund 29.8.1973 bzw. 3.10.1973;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973;Der Motor Nr. 10, München Sept. 1973, S. 2

27.08.1973:
Vermutlich erscheint zu Beginn dieser Woche das Flugblatt der Ortsleitung (OL) Dortmund der KPD bezüglich der Streiks für Teuerungszulagen (TZL) mit der landesweiten:"
EINLADUNG ZUR GROSSVERANSTALTUNG DER KPD ZU DEN STREIKKÄMPFEN!

Arbeiter und Werktätige Dortmunds!
70 000 Metallarbeiter haben in den letzten Wochen und Tagen aktiv im Streik gestanden. In der vordersten Reihe standen die 40 000 Automobilarbeiter von Ford und Opel. Gegen den Widerstand der Gewerkschaftsführung und gegen das Monopolkapital forderten die Metaller: höhere Stundenlöhne, Schluß mit der Ausbeutung durch Überstunden und Samstagsschichten, weg mit den Hungerlohngruppen 2 und 3. …"
Q: KPD-OL Dortmund: Einladung zur Großveranstaltung der KPD zu den Streikkämpfen, Dortmund o. J. (1973)

27.08.1973:
Eine gemeinsame Extraausgabe der Dortmunder Betriebszeitungen 'Roter Hoesch-Arbeiter' (vgl. Aug. 1973, 18.9.1973) und 'Roter Kumpel' (vgl. 23.7.1973, 12.9.1973) erscheint:"
METALLER GEHEN NACH VORN

Wenn heute in den Metallbetrieben der selbständige Lohnkampf beginnt, muß er fortgeführt werden als gewerkschaftlicher Kampf für die Bezirke und das ganze Land. Es müssen Forderungen wie z.B. die 300 DM bis Jahresende der Opelarbeiter oder die 100 DM pro Monat der Varta Kollegen oder die 50 Pfennig pro Stunde von Rheinstahl Brackwede vereinheitlicht werden, damit sich alle Arbeiter hinter sie stellen können und die Gewerkschaftsführung gezwungen werden, den Kampf zur Durchsetzung dieser Forderungen zu organisieren. Auch Frauen, die arbeiten müssen, weil's zu Hause nicht reicht, streiken für Teuerungszuschläge und kämpfen erfolgreich unter den Leitsätzen:
MÄNNER UND FRAUEN - GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT!
DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER - EINE KAMPFFRONT!"
Q: Roter Hoesch Arbeiter/Roter Kumpel Extra, Dortmund 27.8.1973

27.08.1973:
Morgen berichtet die KG Aachen:"
VALVO: DER STREIK GEHT WEITER!

Montag Mittag marschierte ein Zug von mehreren Hundert Kollegen vom Philips-Haupttor zum Streiklokal. Mitgeführt wurden Transparente mit den Hauptforderungen.

Unter der Führung der Streikleitung von ausländischen und deutschen Arbeitern begann die Diskussion über die Streiksituation. Es wurden zuerst Solidaritätsadressen von spanischen Arbeitern, der DKP, SDAJ, KPD, später auch von der Kommunistischen Gruppe Aachen und einem Antiinflationskomitee verlesen, die alle mit großem Beifall aufgenommen wurden. Auch die Spenden von DKP, KPD und Kommunistischer Gruppe Aachen wurden begeistert begrüßt.

Dann begann die Beratung über die Streikforderungen, die folgendermaßen entschieden wurde:
- Kein Kollege darf entlassen werden, darf versetzt werden oder sonstigen Repressalien ausgesetzt werden. Dazu muß eine schriftliche Erklärung der Geschäftsleitung vorliegen. Diese Forderung ist eine Grundbedingung der Wiederaufnahme der Arbeit.
- 60 Pfennig pro Stunde mehr für alle. Dazu liegt bisher kein Angebot der Geschäftsleitung vor. Eine Lohnerhöhung pro Stunde, die selbstverständlich nicht mit der nächsten Tariferhöhung abgegolten werden darf, bleibt eine weitere unverzichtbare Grundforderung. Die Verhandlungen der deutschen Kollegen über eine Prämienvereinbarung haben damit nichts zu tun und können damit nicht verrechnet werden.
- Abschaffung der Samstagsschichten. Hier waren die Kollegen mit dem Angebot der Geschäftsleitung einverstanden. Allerdings soll diese Regelung möglichst bald in Kraft treten, nicht erst ab 1.Januar.
- Volle Bezahlung der Streikzeit. Das Angebot der Geschäftsleitung: 50%-Bezahlung der Streikzeit wurde zurückgewiesen.
- Abschaffung der Leichtlohngruppe 2. Das Angebot der Geschäftsleitung, die Sachlage zu überprüfen und eventuell Bruttolohnerhöhungen zuzugestehen, war unannehmbar.
- Das Pauschalangebot der Geschäftsleitung von 280 DM wird angenommen, kann aber die Forderung nach Lohnerhöhung pro Stunde niemals ersetzen. Die Erhöhung des Stundenlohns bleibt Hauptforderung, dafür wird weiter gestreikt."
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2/3 und Sdr.druck, Aachen Juli/Aug. 1973 bzw. 28.8.1973, S. 4 bzw. S.1f

31.08.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW richtet einen "Rundbrief an die Ortsgruppen (befreundeten Organisationen zur Kenntnis)" (vgl. 24.8.1973, 11.9.1973):"
Genossen, die Einschätzung der Lage in den wirtschaftlichen Kämpfen, wie sie in den Thesen des ZK vom Juli (vgl. 7.7.1973, d.Vf.) gegeben wurde, hat sich im Wesentlichen bestätigt. … 5. Wenn Tarifverhandlungen stattfinden, so ist damit zu rechnen, daß die IGM in einigen Bereichen versuchen wird, die Manteltariffragen (MTV, d.Vf.) mit dem Lohnkampf zu verbinden. Das ist an sich nicht unvernünftig, wird aber mit Sicherheit von der IGM-Führung benutzt werden, um bei den Lohnforderungen etwas nachlassen zu können. Wir müssen dabei klarstellen, daß im Zentrum die Reallohnerhöhung gegenwärtig zu stehen hat. Sollten die Manteltariffragen auftauchen, so werden wir vernünftige Forderungen selbstverständlich unterstützen, wie z.B. der Kündigungsschutz für ältere Kollegen. Gleichzeitig werden wir die Gelegenheit nutzen, um unsere Programmforderungen nach Verkürzung des Arbeitstages, Verlängerung des Urlaubs und Abschaffung der Akkordsysteme zu propagieren als die entscheidenden Manteltariffragen. Dabei darf jedoch nicht aus den Augen verloren werden, daß nicht darum gegenwärtig der Kampf geführt werden wird, sondern diese Forderungen momentan nur auf der propagandistischen Ebene eine Rolle spielen.

6. Ähnliches gilt für die Forderung nach Streichung der beiden unteren Lohngruppen, die in einigen Streiks eine Rolle gespielt hat. Auch sie kann aufgegriffen werden, zentral bleibt aber die Forderung nach linearer Erhöhung der Löhne und Gehälter."
Q: KBW-ZK-StA: Rundbrief, Mannheim 31.8.1973

04.09.1973:
Bei Nordmende Bremen gibt der KBW seine 'Antenne' Nr. 21 (vgl. 26.8.1973, 17.9.1973) heraus mit dem Artikel "Wie der Kampf der werktätigen Frauen bei Mende zu führen ist", wobei eingetreten wird "Für Abschaffung der Leichtlohngruppen".
Q: Die Antenne Nr. 21, Bremen 4.9.1973, S. 4ff

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02.11.1973:
Die Nr. 9 der 'Solidarität' - Informationsblatt der GIM erscheint bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 22.10.1973, 29.11.1973) mit dem Leitartikel "Tarifbewegung 1973/74: Kampf um Leistungen, die nicht durch Preistreiberei und Verschärfung der Arbeitshetze abgebaut werden können. Gleitende Lohnskala und menschenwürdige Arbeitsplätze!", in dem zur STR ausgeführt wird:"
Forderungen, die nicht so ohne weiteres durch Preistreiberei und Arbeitshetze abbaubar sind, und daher einen Schutzwall für den sozialen Besitzstand der Kollegen bilden, müssen sein:

1.) Wegfall der unteren Lohngruppen.
Die unteren Lohngruppen (Leichtlohngruppen) reichen sowieso nur zum nötigsten, daher werden diese niedrigen Einkommen von den hohen Preissteigerungsraten naturgemäß am härtesten betroffen. Deshalb müssen, um das minimale Lebensniveau der Kollegen zu garantieren, die unteren Lohngruppen weg."
Q: Solidarität Nr. 9, Dortmund 2.11.1973

12.11.1973:
Der KBW (vgl. 22.11.1973) berichtet vermutlich aus dieser Woche von der MTR:"
Göttingen: Die Diskussion um die richtigen Forderungen für die kommende Metalltarifrunde hat in Göttigen bereits erste konkrete Beschlüsse gebracht. Die Vertrauensleutekörper bei Feinprüf und Zeiss fordern 240 DM linear, für alle Arbeiter und Angestellte gleich, 80 DM für alle Auszubildenden und eine Klausel, die die Kündigung des Tarifvertrages nach einer bestimmten Preissteigerung möglich macht.

Zusätzlich zu diesem Paket stellten die Zeiss-Kollegen noch die Forderung nach Wegfall der Leichtlohngruppen auf. Unser nächster Schritt muß die Durchsetzung einer Vertrauensleutevollversammlung der IGM auf Ortsebene sein, um die Forderungen aller Göttinger Belegschaften zusammenzufassen und zu vereinheitlichen. Die dort festgelegten Forderungen müssen verbindlicher Auftrag für die 4 Göttinger Tarifkommissionsmitglieder werden."

Diesen Artikel zitiert auch in:
- NRW in Dortmund im IGM-Bereich die Zelle Hoesch des KBW (vgl. 28.11.1973).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 7, Mannheim 22.11.1973; Roter Hoesch Arbeiter Nr. 7, Dortmund 28.11.1973, S. 2

21.11.1973:
Vermutlich findet die IGM-Vertreterversammlung Lüneburg statt, von der die 'Lüneburger Landeszeitung', laut DKP, so berichtet:"
Lüneburg. Löhne und Gehälter, die um 'eine doppelstellige Zahl' steigen. 50 Prozent statt 30 Prozent Urlaubsgeld. Mehr Urlaub und Abschaffung der Leichtlohngruppen, die besonders Frauen benachteiligen. Für diese Forderungen haben sich die Delegierten der Vertreterversammlung der IG Metall, Verwaltungsstelle Lüneburg, ausgesprochen. Im Mittelpunkt stand der Bericht vom Geschäftsführer Helmut Muhsmann zur Tarifsituation.

Muhsmann: 'Die maßvolle, stabilitätsgerechte Haltung der IG Metall ist nicht honoriert worden. Sie wurde mit einer Preis- und Gewinnexplosion beantwortet.'"
Q: Hammer und Amboß Nr. 4, Lüneburg Dez. 1973, S. 2

27.11.1973:
Es erscheint die Göttinger Betriebszeitung (GBZ) Nr. 49 (vgl. 26.11.1973, 11.12.1973). Zum Artikel "Metalltarifrunde: Trotz Oelkrise konsequenter Lohnkampf" zur MTR in Niedersachsen (vgl. 30.11.1973) und deren Vorbereitung in Göttingen (vgl. 27.11.1973) erscheint ein Kasten:"
In den Göttinger Betrieben haben unseres Wissen bisher gefordert:
- VL Feinprüf: 240 Mark für alle, 80 Mark für Lehrlinge
- VL Isco und Sartorius: 150 Mark für alle, 100 Mark für Lehrlinge
- Alcan: 15%
- VL Zeiss: 240 Mark für alle; 80 Mark für Lehrlinge.
Die Forderungen bezüglich der Laufzeit liegen meist bei 9 Monaten.
Zusätzlich wurde des öfteren die Abschaffung der unteren Lohngruppen gefordert."
Q: Göttinger Betriebszeitung Nr. 49, Göttingen 27.11.1973

28.11.1973:
In der IG Metall (IGM) Göttingen findet eine Vertrauensleutekonferenz (VLK) statt, auf der Forderungen für die Metalltarifrunde aufgestellt werden, wobei laut KHG und KSB Göttingen (vgl. 12.12.1973) einstimmig eine neunmonatige Laufzeit, eine Erhöhung der Leistungszulage und eine Abschaffung der Leichtlohngruppen beschlossen wird.

Obwohl bei Dr. Kern, Feinprüf und Zeiss 240 DM mehr für Arbeiter und Angestellte beschlossen worden war, wurde aber keine klare Lohnforderung aufgestellt.
Q: Gemeinsamer Kampf Nr. 14 / Roter Kurs Nr. 4, Göttingen 12.12.1973, S. 12; Kommunistische Volkszeitung Nr. 8, Mannheim 5.12.1973

Januar 1974:
An der Uni Kiel gibt der MSB Spartakus der DKP vermutlich im Januar seine "Wahlzeitung" zu den Studentenparlamentswahlen (StPW - vgl. 28.1.1974) heraus, in der es u.a. heißt:"
Wären die Roten Zellen konsequent, so müßten sie auch die BAFÖG-Kampagne ablehnen, denn es gibt immer noch Teile der Arbeiterklasse, die sehr schlecht bezahlt werden. Wir alle wissen, daß es noch immer die sogenannten 'Leichtlohngruppen' I und II gibt, in der Hauptsache für Frauenarbeit. Nach der Logik der Roten Zellen sind also die Forderungen des VDS Privilegienhascherei."
Q: MSB Spartakus: Wahlzeitung, Kiel o.J. (1974)

14.02.1974:
Der KBW (vgl. 6.3.1974) berichtet aus Bremen:"
Sturm bei Kaffee Hag

Am 14. Februar fand bei Kaffee Hag in der Abteilung 'Kaffee' eine Versammlung statt, die im Gegensatz zu bisherigen Betriebsversammlungen stürmisch verlief. Die anwesenden 250 Kollegen ließen sich nicht einschläfern. Als erstes Thema kamen die Frauenlöhne auf den Tisch, die um 1 DM unter denen der Männer liegen. 'Sie glauben wohl, für uns steigen die Preise nicht!', empörte sich eine Arbeiterin.

Nach zwei Stunden wurde die Abteilungsversammlung abgebrochen. Sie war eine gute Vorbereitung auf die im Sommer anstehende Chemie-Tarifrunde (CTR, d. Vf.), 25 % mindestens bei monatlicher Kündigung des Tarifvertrags, sagen die Kollegen. Und eine Betriebsversammlung zur Beschlußfassung der Forderungen muß her! Dort wird auch darüber diskutiert werden müssen, ob eine Prozentforderung überhaupt richtig ist. Die Kollegen werden erkennen, daß nur eine Forderung in Mark und Pfennig für alle gleich geeignet ist, die Spaltung zu überwinden und alle im Kampf zu vereinigen."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 5, Mannheim 6.3.1974, S. 5

26.04.1974:
In Berlin gibt die Betriebsgruppe Fritz Werner Werkzeugmaschinen (FWW) vermutlich Ende dieser Woche ihre 'Fritz Werner Informationen' (vgl. März 1974, 28.5.1974) Nr. 3 für April heraus mit dem Artikel "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!" zu den Frauen bzw. zum DGB-Maiaufruf.
Q: Fritz Werner Informationen Nr. 3, Berlin April 1974, S. 4

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26.04.1974:
Das Gewerkschaftliche Maikomitee Dortmund der KPD (vgl. 24.4.1974, 29.4.1974) gibt vermutlich heute eine weitere Ausgabe seiner Zeitung '1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse' heraus:"
1. MAI UNTER ROTEN FAHNEN!

Demonstriert am 1.Mai mit uns für die Forderungen, die auch die Forderungen der Kollegen sind!

1 200 MARK MINDESTLOHN NETTO FÜR ALLE!
EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE - HEUTE 600 MARK NETTO!
GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN!
GLEICHER LOHN FÜR DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER!
FREIHEIT DER POLITISCHEN BETÄTIGUNG IM BETRIEB UND AUF DER STRASSE!KEIN EINSATZ VON POLIZEI GEGEN STREIKENDE ARBEITER!
DGB-DEMONSTRATION 8 UHR 30 EBERHARDSTR."
Q: 1.Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse o. Nr., Dortmund o. J. (Apr. 1974)

Juni 1974:
Bei Siemens Bremen gibt der KBW seinen 'Kern' Nr. 6 (vgl. Mai 1974, Sept. 1974) heraus mit dem Leitartikel "Gegen die schlechte Bezahlung der Frauen. Lassen wir uns nicht länger spalten. Weg mit den Leichtlohngruppen".
Q: Der Kern Nr. 6, Bremen Juni 1974, S. 1ff

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08.07.1974:
Bei Nordmende Bremen gibt der KBW vermutlich Anfang dieser Woche seine 'Antenne' Nr. 12 (vgl. 17.6.1974, 5.8.1974) heraus mit dem Leitartikel "Lohnrahmen-Tarifvertrag". Gefordert wird die Abschaffung der Leichtlohngruppen.
Q: Die Antenne Nr. 12, Bremen Juli 1974, S. 1

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September 1974:
Bei Siemens Bremen gibt der KBW seinen 'Kern' Nr. 7 (vgl. Juni 1974, Okt. 1974) heraus mit dem Leitartikel "Wir brauchen gewerkschaftliche Mitgliederversammlungen!" zum Kampf gegen das Akkordsystem und die Leichtlohngruppen.
Q: Der Kern Nr. 7, Bremen Sept. 1974, S. 1f

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09.09.1974:
Die Aufbauzelle Hag des KBW Ortsgruppe Bremen gibt ihren 'Roten Extrakt' (vgl. Juni 1974) heraus mit dem Leitartikel "Der Kampf gegen die Leichtlohngruppen geht weiter!".
Q: Roter Extrakt Der Kampf gegen die Leichtlohngruppen geht weiter!, Bremen 9.9.1974, S. 1f

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Februar 1975:
Die Zelle Westinghouse der Ortsgruppe Hannover des KBW gibt vermutlich im Februar 1975 ihren 'Bohrer' Nr. 2 (vgl. 24.3.1975) heraus. Gefordert wird: "Gleicher Lohn für Mann und Frau! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!"
Q: Der Bohrer Nr. 2, Hannover 1975, S. 8

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12.02.1975:
Der IGM Frauenausschuß Hagen führt, laut KPD, vermutlich diesen Mittwoch eine Demonstration "Weg mit Lohngruppe 2!" durch.
Q: Rote Fahne Nr. 7, Köln 19.2.1975, S. 1

10.03.1975:
In Dortmund gibt der KPD-Wahlausschuß Brackel spätestens in dieser Woche ein Faltblatt zu den Kommunal- (KW) und den Landtagswahlen (LTW - vgl. 4.5.1975 heraus mit KandidatInnenvorstellungen:"
KANDIDATIN DER KPD ZU DEN LANDTAGSWAHLEN

Ich heiße Marianne Brentzel, ich bin 31 Jahre alt, verheiratet und habe ein Kind von drei Jahren. Von Beruf bin ich Lehrerin, aber zur Zeit arbeitslos.

Ich bin Mitglied der Regionalkomiteeleitung (RK, d.Vf.) der KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS.

Als Landtagskandidatin unserer Partei wird es meine besondere Aufgabe sein, die Arbeiterinnen, die Werktätigen in den Büros und Verwaltung, die proletarischen Hausfrauen um die Partei zusammenzuschließen.

Aus Vietnam, China und Albanien können wir lernen, daß die Front gegen Ausbeutung und Unterdrückung um Armeen guter Kämpfer erweitert wird, wenn wir die Frauen zum Kampf für den Sozialismus gewinnen.

Auf die besondere Unterdrückung der Frauen des Volkes, die stupide Fließbandarbeit, die Leichtlohngruppen, die Haussklaverei, versuchen die Stimmenfänger der bürgerlichen Parteien zwar zu antworten, aber ihre Antworten sind hohl und leer.

Das wissen z.B. die Frauen von VDO in Dortmund (IGM-Bereich, d.Vf.), die seit elf Monaten mit Kurzarbeitsgeld auskommen müssen, die Kolleginnen von Orenstein und Koppel (O+J - IGM-Bereich, d.Vf.), von denen 50 zum 1.1.1975 gekündigt sind, die proletarischen Hausfrauen in der Nordstadt, deren Kinder auf der Straße spielen müssen, daß diese bürgerlichen Parteien ihre Lage nicht wirklich ändern wollen.

Diese Kolleginnen für den Kampf für den Sozialismus zu gewinnen, ihr berechtigtes Mißtrauen gegen die 'Politik der Politiker' in Kampfbereitschaft gegen die Herrschenden zu verwandeln, wird unsere wesentliche Aufgabe im Wahlkampf sein. Im Kampf für den Internationalen Kinderort in der Nordstadt haben wir bereits eine proletarische Hausfrau gewonnen, die bereit ist, für die KPD zu den Kommunalwahlen zu kandidieren. Mit ihr gemeinsam werden wir den Arbeiterinnen, den Arbeitslosen, den Werktätigen, den Hausfrauen Schritt für Schritt zeigen: Arbeiterin, Hausfrau, Deine Partei ist nicht die SPD, nicht CDU, nicht DKP, Deine Partei ist die KPD!"
Q: KPD-Wahlausschuß Dortmund-Brackel: Gegen Krisenwirtschaft und politische Unterdrückung! Für die sozialistische deutsche Republik!, o.O. Dortmund o.J. (1975)

18.04.1975:
In Göttingen gibt die Betriebsaufbauzelle Alcan des KBW vermutlich Ende dieser Woche die Nr. 11 des 'Informationsblatt des Kommunistischen Bundes Westdeutschland für die Kollegen von Alcan' (vgl. 12.3.1975, 29.4.1975) heraus mit dem Leitartikel zu den BRW und gegen die Leichtlohngruppen: "Betriebsratswahlen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Für Absicherung der freiwilligen Zulagen", wobei auch auf die ausländischen Beschäftigten eingegangen wird.
Q: Informationsblatt des Kommunistischen Bundes Westdeutschland für die Kollegen von Alcan Nr. 11, Göttingen Apr. 1975, S. 1 und 9

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20.04.1975:
Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975) erklären, unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, spätestens heute:"
DIE GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG: EINE HAUPTSTÜTZE BEI LOHNDIKTAT, KRISENABWÄLZUNG UND NIEDERHALTUNG DER ARBEITERKLASSE

Soziale Forderungen wurden in die Tarifverträge so gut wie nicht aufgenommen. Wenn es welche gibt, wie beispielsweise die Anhebung der Lohngruppe II von 1976 an auf 80%, so ist dies erstens lächerlich gering und zweitens tritt die Anhebung erst ab 1976 in Kraft und kommt damit einer Anrechnung auf die 76er Lohnrunde gleich."
Q: Frankfurter Marxisten-Leninisten: Marxisten-Leninisten zum 1. und 8. Mai 1975, Bochum 1975, S. 3f

29.04.1975:
In Göttingen gibt die Betriebsaufbauzelle Alcan des KBW vermutlich Ende dieser Woche die Nr. 12 des 'Informationsblatt des Kommunistischen Bundes Westdeutschland für die Kollegen von Alcan' (vgl. 18.4.1975) heraus mit dem Leitartikel "Leichtlohngruppe 2 muß weg! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Berichtet wird dabei auch von den Frauenlöhnen bei Sartorius.
Q: Informationsblatt des Kommunistischen Bundes Westdeutschland für die Kollegen von Alcan Nr. 12, Göttingen Apr. 1975, S. 1f

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26.06.1975:
In Frankfurt gibt die Sozialistische Betriebsgruppe Degussa - Werk II ihren 'Mitmischer' Nr. 5 (vgl. 27.5.1975, 5.9.1975) heraus mit dem Artikel "Für die meisten ausländischen Kollegen gilt: Endstation Lohngruppe 4!" mit den Kästen "Die Eingruppierungstabellen vervielfältigen und verteilen" und "Wie sind denn die Frauen eingruppiert?".
Q: Mitmischer Nr. 5, Frankfurt 26.6.1975, S. 4

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03.10.1975:
Die Kommunistische Arbeitergruppe (KAG) Göttingen des KB gibt ihre Stadtzeitung 'Barrikade' Nr. 10 (vgl. 10.9.1975, 21.10.1975) heraus mit dem Artikel "Die Arbeiterinnen in den Göttinger Betrieben: Behandelt wie der letzte Dreck" wobei berichtet über die Leichtlohngruppen und die ausländischen Arbeiterinnen, von Bosch, Dr. Kern, ERG, Phywe, Spindler & Hoyer und Zeiss, aber auch von der Post, den Uni-Kliniken und dem Weender Krankenhaus.
Q: Barrikade Nr. 10, Göttingen 3.10.1975, S. 5f

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17.10.1975:
In Frankfurt gibt die Sozialistische Betriebsgruppe Degussa - Werk II ihren 'Mitmischer' Nr. 7 (vgl. 5.9.1975, 27.11.1975) heraus mit dem Artikel "Frauenlohnarbeit - Mörderische Arbeitshetze, niedrige Bezahlung" zur Leichtlohngruppe 2.
Q: Mitmischer Nr. 7, Frankfurt 17.10.1975, S. 3

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1976:
Die KPD, vermutlich ihr RK NRW, gibt vermutlich 1976 das folgende Flugblatt heraus:"
DIE BEFREIUNG DER FRAU - TEIL DES PROLETARISCHEN KLASSENKAMPFS

- Einen Kindergartenplatz für jedes Kind!
- Eine Kinderpoliklinik für jedes Arbeiterviertel!
- Verhütungsmittel und Abtreibung auf Krankenschein!
- Weg mit den kaum die Existenz sichernden niedrigen Frauenlöhnen!
- Gleicher Lohn für Mann und Frau!
- Ausbau und Einhaltung des Mutter- und Arbeiterinnenschutzes!

Diese Forderungen sind notwendig und gerecht.

Wir wissen aber zugleich: Das bürgerliche Parlament wird keine dieser Forderungen freiwillig erfüllen. Und wir wissen: Damit allein ist unsere Zukunft und die unserer Kinder noch nicht gesichert."
Q: KPD-RK NRW: Die Befreiung der Frau - Teil des proletarischen Klassenkampfs, Dortmund o.J.

08.01.1976:
Die Ortsgruppe Leverkusen des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 1 (vgl. 23.12.1975, 15.1.1976) eine Ortsbeilage Leverkusen (vgl. 15.1.1976) in heraus mit dem Artikel "Metalltarifrunde '76. Die Forderung nach Streichung der unteren Lohngruppen fördert die Einheit der Kollegen!" zur Firma Blau in Langenfeld.
Q: Ortsbeilage Leverkusen zur Kommunistischen Volkszeitung Nr. 1, Leverkusen o. J. (1976), S. 2

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18.01.1976:
Bei VW Wolfsburg gibt die Betriebszelle des KBW ein Extra ihrer Betriebszeitung 'Zündkerze' (vgl. 4.1.1976, 21.1.1976) in einer Auflage von 3 000 zur VW-Tarifrunde mit der Schlagzeile "VW-Salzgitter fordert mindestens 140 DM" heraus. Berichtet wird auch von VW Hannover und VW Kassel. Gefordert wird 140 DM für alle sowie die Streichung der Leichtlohngruppen bis 2B.
Q: Zündkerze Extra, Wolfsburg 18.1.1976

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26.01.1976:
Die Zelle Westinghouse der Ortsgruppe Hannover des KBW gibt vermutlich Anfang dieser Woche ihren 'Bohrer' Nr. 2 (vgl. 11.10.1975, 12.2.1976) heraus. Der Leitartikel fordert zur Metalltarifrunde (MTR): "Keine Unterwerfung unter die Kapitalinteressen - Streichung der Lohngruppen 1- 3!".
Q: Der Bohrer Nr. 2, Hannover 1976, S. 1f

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29.01.1976:
Die Ortsgruppe Leverkusen des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 4 (vgl. 22.1.1976, 5.2.1976) eine Ortsbeilage Leverkusen (vgl. 22.1.1976, 5.2.1976) heraus mit dem Leitartikel "Metalltarifrunde '76. Die Leichtlohngruppen müssen weg. Eine Mindestforderung muss her" zur MTR, in dem berichtet wird von Goetze, aber auch vom Autozulieferer Mersch & Biebighäuser in der Fixheide.
Dazu erscheint ein von einer jungen Metallarbeiterin geschriebenes Lied: "Nieder mit den Leichtlohngruppen".
Q: Ortsbeilage Leverkusen zur Kommunistischen Volkszeitung Nr. 4, Leverkusen o. J. (1976), S. 1

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04.03.1976:
Die Ortsgruppe Bremen des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 9 eine Ortsbeilage heraus mit dem Artikel "Hanomag. Unterschriftensammlung für volle 8 % und Streichung der unteren Lohngruppen. 'Ohne Kampf geht's nicht mehr'" zur Metalltarifrunde (MTR).
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Bremen Nr. 9, Bremen 1976, S. 2

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25.03.1976:
Die Ortsgruppe Mannheim des KBW gibt zur heutigen Nr. 12 der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - vgl. 18.3.1976, 1.4.1976) ihre 'Mannheimer Arbeiterzeitung' (vgl. 11.3.1976, 1.4.1976) als Beilage heraus mit dem Artikel "Vertrauensleute von John Deere. 5,4 %-Abschluss abgelehnt. Streichung der unteren Lohngruppen gefordert" zur Metalltarifrunde (MTR) bzw. den Leichtlohngruppen.
Q: Mannheimer Arbeiterzeitung Nr. 12, Mannheim 25.3.1976, S. 1

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02.12.1976:
Der Bezirk Bremen - Unterweser des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 48 eine Bezirksbeilage heraus. Berichtet wird auch:"
Am 25.11. haben Betriebsräte und Vertrauensleute bei Kelloggs folgenden Beschluß gefaßt: Wegfall der Leichtlohngruppen; Festgeldforderung von 98 Pfg. mehr pro Stunde für alle gleich."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bremen-Unterweser Nr. 48, Bremen 1.12.1976

31.01.1977:
Die Zelle des KBW für Weyl Mannheim gibt ihren 'Kommentar für die Belegschaft von Weyl' (vgl. 21.12.1976, 14.2.1977) Nr. 1 heraus mit dem Artikel "Warum mit Festgeldforderungen für die unteren Lohngruppen eintreten und Abschaffung der Lohngruppe 1?" zu den Leichtlohngruppen, wobei berichtet wird von Hutchinson Mannheim und der Weinheimer Gummifabrik.
Q: Kommentar für die Belegschaft von Weyl Nr. 1, Mannheim 31.1.1977, S. 4f

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März 1977:
Die Kommunistische Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) gibt ihre 'Bochumer Arbeiterzeitung' (BAZ) Nr. 25 (vgl. Jan. 1977, Apr. 1977) zum Internationalen Frauentag heraus mit dem Artikel "Warum Arbeiterinnen weniger verdienen als Arbeiter" zu den Leichtlohngruppen, wobei auf Opel und die Kabelwerke Reinshagen eingegangen wird.
Q: Bochumer Arbeiterzeitung Nr. 25, Bochum März 1977, S. 3ff

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10.03.1977:
Der Bezirksverband Unterer Neckar des KBW gibt die Ausgabe "Vertrauensleutekonferenz der IG-Chemie am Montag, 17.00 Uhr, DGB-Haus: Wir brauchen eine Forderung, für die wir den Kampf führen können! Einen einheitlichen Beschluss für 170 Mark Festgeld durchsetzen!" der Flugblattserie "KBW für die Belegschaften der Chemieindustrie" (vgl. 2.3.1977), zur Chemietarifrunde (CTR) heraus. Berichtet wird:"
Der Vertrauensleutekörper der chemischen Fabrik Weyl hat die Tarifforderung 170 DM mehr und die Vorbereitung des Streiks beschlossen. 114 Kollegen hatten das in einer Unterschriftensammlung gefordert. Von 99 Arbeitern aus der Produktion treten 98 für Festgeld ein. Bei der Hutchinson in Mannheim haben bis Mittwochabend innerhalb von drei Tagen 109 Arbeiter 1 DM mehr pro Stunde, Abschaffung der Lohngruppe 1 und eine Betriebsversammlung gefordert. Bei Freudenberg Weinheim hat die Mehrheit der Arbeiter im Werk Helia und Werk Simrit (insgesamt ca. 140) 170 Mark als Forderung aufgestellt."
Q: KBW für die Belegschaften der Chemieindustrie Vertrauensleutekonferenz der IG-Chemie am Montag, 17.00 Uhr, DGB-Haus: Wir brauchen eine Forderung, für die wir den Kampf führen können! Einen einheitlichen Beschluss für 170 Mark Festgeld durchsetzen!, Mannheim 10.3.1977

31.03.1977:
Der KBW Bezirk Bodensee gibt die 'Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bodensee' Nr. 13 (vgl. 24.3.1977, 7.4.1977) heraus mit dem Artikel "DEMA-Textilbetrieb / Reichenau. 1 Mark mehr für alle! - Abschaffung der unteren 2 Lohngruppen! - 1 500 Mark Steuerfreibetrag!" von der Stadtteilzelle Konstanz Paradies, wobei auch von Herosé Konstanz berichtet wird.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bodensee Nr. 13, Ravensburg 31.3.1977, S. 2

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31.03.1977:
Der KBW gibt zur heutigen Nr. 13 eine Bezirksbeilage Mittelfranken zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (vgl. 10.3.1977, 7.4.1977) heraus mit dem Artikel "Bosch / Nürnberg. Lohndrückerei und Leichtlohngruppen verschärfen den Zwang zu Überstunden. 7-Stunden Normalarbeitstag bei vollem Lohnausgleich! 1 500 DM Steuerfreibetrag!".
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Mittelfranken Nr. 13, Nürnberg 1977, S. 2

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14.04.1977:
Der KBW gibt zur heutigen Nr. 15 eine Bezirksbeilage Mittelfranken zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (vgl. 7.4.1977, 21.4.1977) heraus mit dem Artikel "Bosch / Nürnberg. Lohngruppe 2 muß weg!" zur Leichtlohngruppe 2.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Mittelfranken Nr. 15, Nürnberg 12.4.1977, S. 1

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28.04.1977:
Der KBW gibt zur heutigen Nr. 17 eine Bezirksbeilage Mittelfranken zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (vgl. 21.4.1977, 5.5.1977) heraus mit dem Artikel "Bosch / Nürnberg. Streichung der Leichtlohngruppen" was am 1. Mai gefordert werden soll.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Mittelfranken Nr. 17, Nürnberg 1977, S. 2

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24.05.1977:
Der Bezirk Hamburg-Unterelbe des KBW gibt ein Metall-Extra (vgl. 21.4.1977, 17.11.1977) der Bezirksbeilage (vgl. 23.5.1977, 30.5.1977) zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) heraus mit dem Artikel "Dokumentation einer Reihe von Anträgen an den Gewerkschaftstag der IG-Metall und wie die Sozialdemokraten diese Anträge 'erledigt' haben", wozu Maitransparente "Abschaffung der unteren Lohngruppen. Weg mit dem Akkordsystem" von Haller-Meurer sowie für die 35-Stundenwoche von AEG abgebildet werden.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Hamburg-Unterelbe Metall-Extra, Hamburg 24.5.1977, S. 3

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05.09.1977:
Der KBW gibt eine Bezirksbeilage Mittelfranken zur Nr. 36 der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - vgl. 29.8.1977, 12.9.1977) heraus mit dem Artikel "Die unteren Lohngruppen müssen fallen. 10 Lohngruppen, 2 Belastungsstufen in der Metallindustrie / Der Manteltarif ermöglicht Lohnsenkung" zum MVT bzw. der Metalltarifrunde (MTR) und den Leichtlohngruppen, mit einem Bericht von Bosch Werk I Nürnberg, von der Alcan-Zelle.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Mittelfranken Nr. 36, Nürnberg 4.9.1977, S. 2

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12.12.1977:
Der KBW Bezirk Mittlerer Neckar gibt einen Bezirksteil (vgl. 5.12.1977, 19.12.1977) zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 50 heraus mit dem Artikel "VLK Bosch: Anhebung der unteren Lohngruppen ist notwendig" zu den Lohngruppen 1 - 5 bzw. zur Metalltarifrunde (MTR).
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Mittlerer Neckar Nr. 50, Stuttgart 12.12.1977, S. 3

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12.12.1977:
Der KBW Bezirk Ulm-Bodensee gibt eine Bezirksbeilage (vgl. 5.12.1977, 19.12.1977) zur Nr. 50 der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - vgl. 5.12.1977, 19.12.1977) heraus mit dem Leitartikel "Steinkühlers markige Worte. 220 Mark und weg mit den unteren Lohngruppen" zur Metalltarifrunde (MTR), wobei auf die Bestückerinnen bei Saba eingegangen wird.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Ulm-Bodensee Nr. 50, Ravensburg 12.12.1977, S. 1

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12.12.1977:
Der Bezirk Bremen - Unterweser des KBW erstellt einen Bezirksteil zur 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 50 mit dem Artikel - "200 DM! Streichung der unteren Lohngruppen! Kampf gegen neue Leistungsbeurteilung und für Höhergruppierung" aus 'Die Antenne' für Nordmende.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Bremen-Unterweser Nr. 50, Bremen 12.12.1977, S. 18

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19.12.1977:
Der KBW Bezirk Mittlerer Neckar gibt einen Bezirksteil (vgl. 12.12.1977, 26.12.1977) zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 51 heraus mit dem Leitartikel "220 Mark Festgeld! Anhebung der Lohngruppen 1, 2 und 3 auf LG 4! Abgruppierungssicherung! Ohne Streik wird nichts gehen!" zur Metalltarifrunde (MTR), der auch von Bosch Feuerbach berichtet, von der Stadtteilzelle Stuttgart Nord.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Mittlerer Neckar Nr. 51, Stuttgart 19.12.1977

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19.12.1977:
Die Bezirksleitungen Mittelfranken/Oberfranken und Unterfranken des KBW geben eine Bezirksbeilage der 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 51 (vgl. 12.12.1977, 26.12.1977) heraus mit einem Leitartikel zur MTR: "IGM fordert in Bayern 8% - Spaltung zwischen Maschinenbau und Elektroindustrie. 220.- DM mehr! Abschaffung der Lohngruppe I - III!", der auch von Bosch Werk I in Nürnberg berichtet.
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Mittelfranken/Oberfranken und Unterfranken Nr. 51, Nürnberg/Würzburg 19.12.1977, S. 1

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09.01.1978:
Der KBW Bezirk Ulm-Bodensee gibt einen Bezirksteil (vgl. 2.1.1978, 16.1.1978) zur Nr. 2 der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - vgl. 2.1.1978, 16.1.1978) heraus mit dem Artikel "Sozialdemokratisches zu den unteren Lohngruppen. Referat von Anke Fuchs zur Frauenarbeit" auf der 9. Frauenkonferenz der IGM.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Ulm-Bodensee Nr. 2, Ravensburg 9.1.1978, S. 18

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09.01.1978:
Die Bezirksleitungen Mittelfranken/Oberfranken und Unterfranken des KBW geben eine Bezirksbeilage der 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 2 (vgl. 2.1.1978, 16.1.1978) heraus. Aus Fürth wird zu den Leichtlohngruppen gefordert "Siemens: Die unteren Lohngruppen müssen weg!".
Q: Kommunistische Volkszeitung Bezirksbeilage Mittelfranken/Oberfranken und Unterfranken Nr. 2, Nürnberg/Würzburg 9.1.1978, S. 17

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23.01.1978:
Der Bezirk Unterer Neckar des KBW erstellt einen Bezirksteil zur 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 4 mit dem Artikel "Für 220 Mark, Streichung der Lohngruppen 1 - 3 und STREIK!" zur Metalltarifrunde (MTR) bzw. der Konferenz der IGM im Raum Heidelberg, wobei auf SMW/BBC Walldorf, Graubremse Heidelberg und die Zelle Kraftanlagen AG Heidelberg (KAH) eingegangen wird.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Unterer Neckar Nr. 4, Mannheim 23.1.1978, S. 18

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23.01.1978:
Der KBW Bezirk Ulm-Bodensee gibt einen Bezirksteil (vgl. 16.1.1978, 13.2.1978) zur Nr. 4 der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ - vgl. 16.1.1978, 30.1.1978) heraus mit dem Artikel "Saba / Friedrichshafen. Brief an die Tarifkommission der IG-Metall. Streik für 220 DM und weg mit den Lohngruppen II und III" zur Metalltarifrunde (MTR), den 37 Arbeiterinnen der Spulenwicklerei unterschrieben.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Ulm-Bodensee Nr. 4, O. O. (Ravensburg) 23.1.1978, S. 17

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06.02.1978:
Der KBW Bezirk Franken gibt den 'Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Franken' Nr. 6 (vgl. 30.1.1978, 13.2.1978) heraus mit dem Leitartikel zur Metalltarifrunde (MTR): "Die Warnstreiks zeigen die Kampfbereitschaft der Metaller. 8 % - mindestens 110 DM ! Streichung der Lohngruppen 1 - 3 ! Urabstimmung und Streik!" wobei berichtet wird von den 30-minütigen Warnstreiks am Mittwoch bei Audi NSU und bei Drauz (Werkzeugbau) sowie am Donnerstag bei Läpple Heilbronn.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Franken Nr. 6, Heilbronn 6.2.1978, S. 17

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16.03.1978:
Das KPD-RK NRW gibt das folgende Flugblatt zur DTR der DP bzw. der MTR der IGM heraus:"
SCHLUSS MIT DER AUSSPERRUNG!
SOLIDARISIERT EUCH MIT DEN STREIKENDEN ARBEITERN BEI DRUCK UND METALL!

Die Metallkapitalisten wollen für dieses Jahr nicht mehr als 4% Lohnerhöhungen zugestehen. Dabei stützen sie sich auf gleichlautende 'Haushaltsbeschlüsse' und den schon erfolgten Verratsabschluß von 4% in der Stahlindustrie. Sie wollen verhindern, daß die Metaller einen ähnlichen Erfolg erringen, wie die Hafenarbeiter. Die Urabstimmungsergebnisse der letzten Woche und der nun begonnene Streik in Baden-Württemberg sind eine eindeutige Antwort der Metaller auf die Provokation der Kapitalisten und ein Ausdruck davon, daß die Arbeiter es mit der Durchsetzung ihrer Forderungen ernst meinen:

Mindestens 7, 5 bzw. 8% mehr Lohn!
Streichung der unteren Lohngruppen!
Verdienstabsicherung gegen Abgruppierung in niedrigere Lohngruppen."
Q: KPD-RK NRW: Schluß mit der Aussperrung!, Dortmund 16.3.1978

22.03.1978:
Der KBW (vgl. 27.3.1978) berichtet:"
Porsche Zuffenhausen
Am Mittwoch, 22.3., ist Streikpostenversammlung für den gesamten Bezirk Zuffenhausen. Gottschlich von der Stuttgarter IG-Metall Ortsverwaltung erklärt in seiner rede, daß die Abgruppierungssicherung, die Streichung der unteren Lohngruppen sowie eine Lohnerhöhung von wenigstens einer Fünf oder Sechs vor dem Komma richtig sei. 8 & ist unsere Forderung - bekam er daraufhin zu hören. Als nach der Versammlung Peter Weingart, Mitglied der Verhandlungskommission der IG-Metall, meinte, daß ein Abschluß nicht unter 7 & nicht so einfach in der Verhandlungskommission durchzusetzen sei, wurde ihm geantwortet: Die Arbeiter können das aber im Streik durchsetzen."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Mittlerer Neckar Nr. 13, Stuttgart 27.3.1978, S. 17

27.03.1978:
Der Bezirk Unterer Neckar des KBW erstellt einen Bezirksteil zur 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 13 mit dem Artikel "Vertrauensleute Weyl: 200 DM, Streichung Lohngruppe 1, 6 Wochen Urlaub, 35 Stunden-Woche" zur Chemietarifrunde (CTR).
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Unterer Neckar Nr. 13, Mannheim 27.3.1978, S. 17

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25.09.1978:
Der Bezirk Unterer Neckar des KBW erstellt einen Bezirksteil zur 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 39. Berichtet wird:"
Einstellung von Aushilfskräften in Hungerlohnstufe K1

Waghäusel. In der letzten Zeit sind in verschiedenen Abteilungen der Süddeutschen-Metall-Gesellschaft (SMG) junge Frauen mit unbefristeten Arbeitsverträgen in der Gehaltsstufe K1, d.h. brutto 1 166 DM, netto ca. 700 - 800 DM, eingestellt worden. Der Personalchef erklärte einer Arbeiterin, wenn sie damit nicht einverstanden sei, könne sie ja gehen. Beim Arbeitsamt gäbe es genug andere. Als Aushilfskräfte werden sie nun von einer Abteilung in die andere geschoben, schließlich sollen sie als Lohndrücker übernommen werden. Nachdem dies bekannt wurde, haben mehrere Angestellte und ein Vertrauensmann den Betriebsrat aufgefordert, die Einstufung in mindestens K2 und die Streichung der Lohngruppe K1 bei zukünftigen Einstellungen durchzusetzen."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksteil Unterer Neckar Nr. 39, Mannheim 25.9.1978

März 1981:
Von der GOG Opel-Bochum wird ein Programm der 'Liste für die Belegschaftsforderungen' vorgelegt.

Als Hauptaufgaben für die Betriebsrats-Arbeit 1981-1984 werden genannt:"
1. Die 35-Stundenwoche bei vollem Lohn wird für die Opel-Belegschaft wie für die Gewerkschaftsbewegung insgesamt ein immer dringenderes Ziel. Der Kampf der Stahl-Kollegen 1978/1979 für diese Forderungen wurde von der IGM-Führung trotz breiter Proteste abgewürgt und bis 1983/1984 verschoben.

Wir wollen als Betriebsräte an der Forderung nach Arbeitszeit von 6 Uhr bis 14 Uhr und 14 Uhr bis 22 Uhr mit bezahlter Pause (entsprechende Arbeitszeit für die Normalschichten) festhalten als 1.Schritt zum 7 Stundentag …

2. Der Kampf gegen jede Entlassung wird angesichts der Krisenentwicklung wichtigste Aufgabe für die Betriebsräte und Belegschaft bleiben …

3. Für die Erhaltung und Verbesserung unseres Lohnes werden die Tarifrunden entscheidend sein. Wir wollen auch in Zukunft für lineare, nicht spalterische prozentuale Forderungen eintreten, die sich nach den Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter ausrichten müssen; die Abschaffung der unteren Lohngruppen ist weiterhin zu fordern … Voller Lohn bei Kurzarbeit wird auch in Zukunft eine wichtige Forderung zur Erhaltung unseres Einkommens bleiben … Kein Lohnverlust durch Umbesetzungen und Rationalisierungsmaßnahmen …"
Q: KGB/E: Materialien zur Auseinandersetzung um das Programm der Liste für Belegschaftsforderungen bei Opel (April 1981), Bochum 1981

Letzte Änderung: 29.06.2016