KBW: Rechenschaftsbericht der Ortsleitung der Ortsaufbaugruppe Darmstadt (1974)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 21.3.2017


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Die hier vorgestellte Broschüre des KBW verdeutlicht dessen Bemühungen um den Aufbau seiner Gruppe in Darmstadt, die offenbar zum kleineren Teil aus der Gruppe Rote Fahne Darmstadt stammt, die ihrerseits aus dem Zusammenschluss von Ehemaligen der RJ/ML des KABD und der KPD/ML-ZB entstand.

Auffällig ist die Einordnung der DKP unter die bürgerlichen Parteien.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

08.12.1974:
In der Ortsaufbaugruppe (OAG) Darmstadt des KBW findet die 1. Delegiertenkonferenz (DK) statt. Der KBW veröffentlicht darüber eine Broschüre mit dem Rechenschaftsbericht der Ortsleitung, dem Organisationsbericht, dem Finanzbericht und dem Bericht der Ortsleitung über die DK.

Der Rechenschaftsbericht der Ortsleitung gliedert sich in die Abschnitte:
- "Die Lage der werktätigen Bevölkerung in Darmstadt", wozu es heißt, dass sich die Industrie konzentriere in den Betrieben Merck, Röhm, Schenck, Goebel, Hofmann, Fernseh GmbH und Donges;
- "Was tun die Kapitalisten und ihre staatlichen Organe?" u.a. zu dem "Spekulant Mengler";
- "Die bürgerlichen Parteien";
- - "Die SPD" u.a. zum Jugendzentrum Oettinger Villa;
- - "Die CDU", die in Eberstadt den Unmut gegen die SPD für sich vereinnahmte;
- - "Die FDP";
- - "Die DKP", diese trete "kaum als politische Kraft in Erscheinung.";
- "Die revolutionären Kräfte";
- - "Die Spontaneisten", eine "verhältnismäßig große Anzahl", die in den praktischen Kämpfen mit dem KBW einig seien und es verstünden, Arbeiter zum Kampf zu bewegen;
- - "Die Gruppe Rote Fahne" zur KPD. "Das, was sie hier am Ort und überall tut ist nichts als kleinbürgerliches Gezänke über die Schandtaten des Magistrats anzuzetteln, wobei sie sich meist auf Fragen bezieht, die die Massen nicht gerade vom Stuhl reißen. … Unser Fehler ist in der Vergangenheit gewesen, daß wir allzu oft meinten, man müsse sich mit der GRF zu bestimmten Aktionen zusammenschließen, so wie anläßlich des Todes von Holger Meins, dabei Kompromisse eingehen und uns dadurch den Weg zu den Massen zu versperren";
- "Selbständige Bewegungen der Arbeiterklasse und des Volkes" u.a. zum Streik bei Merck und zum Martinsviertel, wobei es auch heißt: "In all diese Auseinandersetzungen waren revolutionäre verwickelt. Beim Merck-Streik und im Martinsviertel waren sie zeitweise führend. … Bei Schenck fand ein Kollege Zustimmung dafür, daß er die Lohnverzichtsappelle der Kapitalisten anprangerte und sie über ihre Einkünfte zur Rechenschaft zog. Bei Goebel konnte durch den Widerstand der Kollegen verhindert werden, daß die Pausenregelung verschärft wurde.";
- "Die Ortsaufbaugruppe und unser Eingreifen in die Kämpfe", wozu es auch heißt: "Die OAG bzw. ein Großteil der Genossen sind direkt durch die beschriebenen Auseinandersetzungen dazu gekommen, sich politisch zu organisieren. Ein anderer, kleinerer Teil kommt aus den ehemaligen Zirkeln am Ort. Als Zusammenschluß existieren wir nunmehr ein Jahr und in der Tendenz ist die Entwicklung positiv." Im Landtagswahlkampf verstärkte die Johannesviertelzelle ihre Mieterarbeit, verband dies aber nicht mit dem Wahlkampf. Im Gesundheitswesen wurde eine Veranstaltung durchgeführt ohne Kampfperspektiven aufzuzeigen.;
- "Den wirtschaftlichen Kampf mit dem politischen Kampf verbinden" u.a. zu Holger Meins;
- "Die Einheiten der Organisation" zur Sympathisantenarbeit; sowie
- "Unsere nächsten Aufgaben".

Der Organisationsbericht führt aus, dass die 46 Mitglieder und Kandidaten (davon 27 Arbeiter und Angestellte sowie 2 Arbeitslose) in 11 Zellen organisiert seien, 2 Genossen arbeiten jeweils als Beauftragte im Betrieb. Zusammen mit den Massenorganisationen und der GUV-Initiative umfasse der Ortsverband 110 Menschen. Zellen gibt es bei:
- Merck (7 Mitglieder auf 7000 Beschäftigte);
- Schenck (4 zu 4 000);
- "Röhm (2 auf 4 000);
- Göbel (2 auf 1 100);
- TH (2 auf ca. 2 000);
- Bereichszelle ÖD (5 Mitglieder) in den Städtischen Kliniken, dem Elisabethenstift und den Nieder-Ramstädter Heimen;
- Martinsviertel (4 auf 14 900 Einwohner);
- Johannesviertel (4 auf 6 520); sowie
- GUV (7 Mitglieder), KHG (5) und KSG (2).

In der Industrie stagniere die Mitgliederentwicklung, während sie an den Kliniken gut sei. Auch die GUV-Ini sei gewachsen.

Man bestelle durchschnittlich 760 KVZ, wovon aber vermutlich nur 550 verkauft würden.

Im "Bericht der Ortsleitung über die DK" heißt es u.a., dass die Verbindungen zu den revolutionären Kollegen in der Druckindustrie schlecht seien. Vor allem müsse der KAJB gestärkt werden.
Quelle: KBW: Rechenschaftsbericht der Ortsleitung der Ortsaufbaugruppe Darmstadt, Darmstadt o. J. (1974)

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Letzte Änderung: 21.03.2017