Darmstadt-Berufsschule:
RJ/ML: 'Aktuelle Lehrlings Presse' / 'Rote Lehrlings-Presse'

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 11.11.2014

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Die 'Aktuelle Lehrlings Presse' (ALP) bzw. später dann die 'Rote Lehrlings-Presse' kann hier bisher nur bruchstückhaft dokumentiert werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Entstanden ist die ALP offenbar als gemeinsames Projekt der RJ/ML des Kommunistischen Arbeiterbundes (ML) und der Roten Garde Bergstraße im Kreis Bergstraße, die sich bald dem KJVD der KPD/ML-ZB anschloß, für die Arbeiterjugendlichen an der Berufsschule Darmstadt.

Trotz des schnellen Scheiterns der Zusammenarbeit wird die Darmstädter ALP auch durch die RJ/ML in Mörfelden-Walldorf zum Vorbild genommen für eine Zusammenarbeit mit dem KJVD Groß Gerau an der Berufsschule in Groß Gerau (vgl. 2.9.1970), bzw. diese sowohl geschult als vermutlich auch verteilt (vgl. 3.9.1970, 7.9.1970).

In Darmstadt selbst kommt es aufgrund der Spaltung der örtlichen RJ/ML offenbar auch zur Auseinandersetzung um die ALP, was auch der Grund für die Umbenennung in 'Rote Lehrlings-Presse' (vgl. 11.12.1972) gewesen sein könnte.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

Januar 1970:
Im Januar oder Februar bilden die RJ/ML Darmstadt und die Rote Garde Bergstraße (RGB), deren Mitglieder zumindest teilweise ebenfalls in Darmstadt zur Berufsschule gehen, einen gemeinsamen Berufsschularbeitskreis (BSA - vgl. Apr. 1970), der eine 'Aktuelle Lehrlings Presse' (ALP) herausgibt, deren erste 3 Nummern uns bisher nicht zugänglich waren (vgl. Sept. 1970).
Quelle: RJ/ML-OG Darmstadt: Gruppenbericht, o.O. 10.7.1970

10.07.1970:
Die RJ/ML Darmstadt verfaßt einen Bericht für ihr ZK (vgl. 20.7.1970). Zum Berufschularbeitskreis (BSA - vgl. Apr. 1970) und der 'Aktuellen Lehrlings Presse (ALP) heißt es u.a.:"
Vor einem halben Jahr haben wir mit der damaligen RGB (Rote Garde Bergstraße, d.Vf.) zusammen einen BSA gebildet. Aus den euch sicher bekannten Gründen verlief diese Zusammenarbeit nicht sehr erfolgreich, der BSA wurde aufgelöst. In der Zeit, bis wir einen RJ(ML)-BSA einrichteten, wurden neue Leute für diese Grundeinheit agitiert, die nicht zu einer Betriebsgruppe zusammengefaßt werden konnte. Außer Lehrlingen waren auch z.T. Fachoberschüler und Berufsfachschüler zum BSA gewonnen worden. Am Anfang war es ein kleiner Kreis aus Mitgliedern und Genossen aus den Schulungsgruppen. Damals bestand die Hauptarbeit in der Arbeit für die Zeitung, Diskussionen über die Berufsschule und welche Forderungen dort zu stellen sind. Mit der Zeit hat sich der Kreis erweitert (nachdem der feste Kern stand), z.T. auch SV-Leute. Die SV bildet z.Z. im BSA einen wichtigen Diskussionspunkt, die Möglichkeiten, dort Fuß zu fassen um eine breitere Basis zu erlangen. Außerdem wird im BSA weiterhin intensiv am BBG (Berufsbildungsgesetz) gearbeitet. Nachdem sich der BSA vergrößert hatte, wurde die Arbeit für die ALP dort herausgezogen und von einem Redaktionskollektiv übernommen, die Inhalte der Zeitung werden aber weiterhin vorher im diskutiert. BSA-Perspektiven: Forderungen durch die ALP und über die SV: Eine Woche lang an den Berufsschulen an jedem Tag Diskussionen mit Vertretern der Gewerkschaft, der Lehrer über das BBG. … Aus dem BSA entwickelt sich für die nächste Zeit eine Berufsgruppe 'graphisches Gewerbe'. Außerdem soll im BSA eine allgemeine Berichtsheftkampagne vorbereitet werden, wenn das neue Lehr- bzw. Schuljahr beginnt."
Q: RJ/ML-OG Darmstadt: Gruppenbericht, o.O. 10.7.1970

12.08.1970:
In der RJ/ML Darmstadt (vgl. 8.8.1970, 19.8.1970) befaßt sich der Berufsschularbeitskreis (BSA) mit der nächsten Ausgabe der 'Aktuellen Lehrlings Presse' (ALP), die sich gegen den Lehrermangel an den Berufsschulen und für die Freistellung zum Berichtsheftschreiben einsetzen soll.
Q: RJ/ML: Bericht Darmstadt für die Zeit vom 9. - 24. August 1970, o.O. o.J. (1970)

31.08.1970:
In Darmstadt erscheint die 'Aktuelle Lehrlings Presse' (ALP) Nr. 4 (vgl. 30.11.1970) als Organ der Darmstädter Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppen für September vermutlich bereits in dieser Woche. Für die 6 Seiten ist Klaus Krekeler verantwortlich. Der Leitartikel ist "Der Lehrermangel ist kein Zufall", in dem es heißt:"
An allen Berufsschulen herrscht seit Jahren ein anhaltender, akuter Lehrermangel. jetzt ist es hier in Darmstadt an der Erasmus-Kittler-Schule besonders drastisch geworden. 12% der Lehrerstellen sind nicht besetzt. Das heißt, für einen Teil der Unterstufe und für die gesamte Oberstufe gibt es nur noch alle 14 Tage Unterricht. Nur die Mittelstufe hat jede Woche Unterricht. Bei dem meist sowieso schon zu kurzem und schlechten Unterricht eine Verkürzung um die Hälfte, bedeutet, daß einmal für die Unterstufe eine Gefahr für die grundlegende theoretische Ausbildung und für die Oberstufe eine weitere Erschwerung zum Bestehen der Gesellenprüfung. Dies wird zwar von allen zuständigen Ämtern und Behörden bedauert und versprochen bald Abhilfe zu schaffen. Aber versprochen worden, ist in dieser Hinsicht schon viel, getan worden meist sehr wenig. Außerdem ist die EKS kein Einzelfall, wie es vom Regierungspräsidium, das dafür zuständig ist, hingestellt wird. Das ganze wäre dadurch passiert, daß einige Lehrer überraschend gekündigt hätten. Anscheinend gibt es sehr viele überraschende Kündigungen, denn an den anderen Berufsschulen in Darmstadt sieht es nicht viel anders aus: die Lehrerstellen sind zwischen 6% und 10% nicht besetzt. Noch viel schlimmer ist es an den Frankfurter Schulen, besonders den kaufmännischen. Dort schwankt es zwischen 17% und 36%, von den ländlichen Berufsschulen ganz zu schweigen. Es fragt sich nur, wo diese vielen Lehrer, die 'überraschend gekündigt' haben, alle geblieben sind; denn wären genug Lehrer da, würde sich das ganze ja ausgleichen. … In diesem Staat wurde seit jeher zu wenig für die Bildung getan, und gerade die unteren Bildungszweige, d.h. die Volksschule und Berufsschule, in denen meistens die Kinder der Werktätigen sind, die die meisten Steuern dafür zahlen, werden immer am wenigsten gefördert. Auch bei dem neuen Bildungshaushalt der SPD hat sich nichts daran geändert, die Berufsschulen bekamen wieder den kleinsten Brocken ab. … In der Praxis zeigt sich das folgendermaßen: ausgerechnet an der EKS wird der Aufbau der Fachoberschule trotz des bestehenden Lehrer- und Raummangels weiter vorangetrieben. Jedes Jahr wird die FOS um mehrere Klassen erweitert. Dafür müssen ziemlich viele Lehrer eingesetzt werden, die vorher an der Berufsschule unterrichtet, so daß hier noch weniger Lehrer sind. … Wir müssen uns dagegen wehren, daß wir nun auch in der Berufsschule schlechter ausgebildet werden. Wenn wir uns nicht darum kümmern, werden wir uns nach der Gesellenprüfung sehr wundern, wenn der Unternehmer uns mit einem Hungerlohn abspeist. Wir müssen zeigen, daß man mit Lehrlingen und Jungarbeitern nicht mehr machen kann, was man will."

In einem Leserbrief der Maschinenschlosserklasse Ma 05 der EKS will auch diese sich "mit aller Schärfe" gegen den Lehrermangel wenden.

In "Arbeiter, Jungarbeiter, Lehrlinge: eine Arbeiterklasse" wird der Stufenplan als Spaltungsinstrument angegriffen und für die Metalltarifrunde (MTR) eine einheitlicher Tarifvertrag für Arbeiter und Lehrlinge gefordert:"
Wir fordern: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Für Arbeit in der Produktion - Arbeiter- oder Gesellenlohn. Weg mit den Alterstarifen! Wir kämpfen gemeinsam mit unseren älteren Kollegen gegen Lohnraub, Teuerung, Mietwucher und Inflation, und schließen uns ihren Forderungen für die Tarifrunde der Metallindustrie voll und ganz an. Die Forderungen sind:
1. 1 Mark pro Stunde effektiv für alle Arbeiter.
2. Tariferhöhungen um mindestens 20%.
3. 180 DM pro Monat mehr Gehalt für alle Angestellten.
4. Einführung einer Gleitklausel, die bei mehr als 3%iger Preisteigerung Kündigung des Tarifvertrages ermöglicht.

Diese Forderungen orientieren sich an allen lohnräuberischen und arbeiterfeindlichen Maßnahmen der Kapitalisten und ihrer Regierung und natürlich auch an den Rekordprofiten der Metallbosse. Für diese Forderung müssen wir unermüdlich eintreten und konsequent kämpfen. Unsere letzte Forderung heißt deshalb: Streikrecht für Lehrlinge!

Jungarbeiter und Lehrlinge organisiert Euch in den Betriebs- und Berufsschulgruppen der RJ/ML Darmstadt."

Berichtet wird von der Firma NohT, wo 25 Lehrlinge zu spät zur Prüfung angemeldet wurden und nun ein halbes Jahr nachdienen müssen. Bei Bank- und Industriekaufleuten fiel fast die Hälfte bei der Abschlußprüfung durch. Ein Leserbrief von der Peter Behrens Schule berichtet von der Absage der Vertreter von IHK und Gewerkschaft zu einer Diskussion der SV über das Berufsbildungsgesetz (BBiG).
Kommentiert wird das Interview des Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks mit dem 'Spiegel', zu dem es heißt:"
Männer wie Wild sind nicht nur lächerlich, sie sind noch viel mehr gefährlich. Wir müssen uns gegen solche Leute, und die Organisationen denen sie angehören oder die sie repräsentieren, entschieden zur Wehr setzen. Wir müssen die Absichten und Beweggründe dieser Organisationen erkennen und sie bloß stellen. Wir müssen ihren arbeiterfeindlichen reaktionären Charakter total entlarven. Wir müssen erkennen, daß die IHK oder Handwerkskammer nur der verlängerte Arm der Unternehmer sind. Doch um uns wirkungsvoll zur Wehr setzen zu können und um unsere Interessen in Betrieb und Berufsschule wirkungsvoll vertreten zu können, um all die oben aufgezählten Dinge leisten zu können, müssen wir uns ORGANISIEREN."

Auf der letzten Seite erscheint eine "Erklärung der Redaktion":"
Die ALP ist das Organ der Darmstädter Lehrlings- und Berufsschulgruppen. Sie wird von Lehrlingen und Jungarbeitern gemacht und nicht wie oft behauptet von Studenten und vertritt konsequent die Interessen der Lehrlinge und Jungarbeiter. Die RJ(ML), an deren Flugblätter zum BBG Ihr Euch sicher noch erinnert, ist ebenfalls eine Organisation, die aus Lehrlingen und Jungarbeitern besteht und für deren Interessen eintritt. In Zukunft wird sich deshalb die Darmstädter Berufsschulgruppe und die Redaktion der Ortsgruppe der RJ (ML) anschließen, um einen gemeinsamen Kampf für die Interessen der werktätigen Jugend und der gesamten Arbeiterklasse zu führen."
Q: Aktuelle Lehrlings Presse Nr. 4, Darmstadt Sept. 1970; RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden: Bericht für die Zeit vom 22.8. bis 18.9.1970, Walldorf o.J. (1970)

02.09.1970:
Zwischen dem Aufbaukollektiv Groß Gerau des KJVD (vgl. 7.9.1970) der KPD/ML-ZB und der RJ/ML Ortsgruppe Mörfelden/Walldorf (vgl. 27.8.1970, 3.9.1970) des KAB/ML findet, laut RJ/ML, ein Gespräch u.a. über die Arbeit an der Kreisberufsschule (KBS) des Landkreises Groß Gerau in Groß Gerau statt. Die Tagesordnung war:"
1. Die Aktivität der Roten Zelle Groß Gerau (ROTZEGG) (Schülerchaoten)
2. Perspektiven der Berufsschularbeit von RJ/ML und KJVD
3. Zusammenarbeit zwischen RJ/ML und KJVD.

zu 3.) Es wurde eine Zusammenarbeit vereinbart, die wie folgt aussehen soll:
1. Beide Organisationen verkaufen unabhängig voneinander ihre Organe ('Rebell' sowie 'KDAJ').
2. Gemäß dem Wohnort der agitierten Genossen sollen sich diese den entsprechenden Gruppen anschließen. Für die größeren Betriebe gilt dies nicht.
3. Es ist die Herausgabe einer Berufsschulzeitung in Art der 'Aktuellen Lehrlings Presse' (ALP) Darmstadt geplant, in der auch für 'Rebell' und 'KDAJ' geworben wird."
Q: RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden: Bericht für die Zeit vom 22.8. bis 18.9.1970, Walldorf o.J. (1970)

03.09.1970:
In der RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden (vgl. 2.9.1970, 4.9.1970) trifft sich die Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppe (vgl. 10.9.1970):"
Es wurden die Erfahrungen, die in der betrieblichen Praxis gesammelt wurden, vorgetragen und in der Diskussion verallgemeinert." Außerdem wurde anhand der Darmstädter 'Aktuellen Lehrlings Presse' (ALP) Nr. 3 (vgl. 31.8.1970) der "Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital bewußt gemacht."
Q: RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden: Bericht für die Zeit vom 22.8. bis 18.9.1970, Walldorf o.J. (1970)

07.09.1970:
Zwischen dem Aufbaukollektiv Groß Gerau des KJVD (vgl. 2.9.1970) der KPD/ML-ZB und der RJ/ML Ortsgruppe Mörfelden/Walldorf (vgl. 4.9.1970, 10.9.1970) des KAB/ML beginnt, laut RJ/ML, ein Briefwechsel mit einem heutigen Brief des KJVD. Das Ortskomitee (OK) der RJ/ML Walldorf/Mörfelden antwortet auf den Brief in den nächsten Tagen mit einem undatierten Schreiben:"
An den KJVD Groß Gerau

2.) Wir fühlen uns weiter an die Absprache über die Arbeit an der KBS gebunden. Deshalb bitten wir um baldige Mitteilung, ob von Eurer Seite Bedenken gegen das Verteilen der 'Aktuellen Lehrlings Presse' (ALP) Darmstadt an der KBS bestehen."
Q: RJ/ML-Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden: Bericht für die Zeit vom 22.8. bis 18.9.1970, Walldorf o.J. (1970)

30.11.1970:
In Darmstadt erscheint vermutlich in dieser Woche die 'Aktuelle Lehrlings Presse' (ALP) Nr. 5 (vgl. 31.8.1970, 11.12.1972) als Organ der Darmstädter Jungarbeiter- und Lehrlingsgruppen der RJ/ML, für deren 6 Seiten K. Krekeler die Verantwortung übernimmt. Im Leitartikel, "Arbeiterjugend kämpft für ihre Forderungen" wird von den jüngsten Berufsschulstreiks (vgl. 5.10.1970) berichtet:"
Im Betrieb müssen wir mit den Jungarbeitern und Arbeitern zusammen um unser aller Interessen kämpfen. An den Berufsschulen müssen sich alle Berufsschüler zusammenschließen. … Die Streiks waren vollkommen berechtigt und richtig. Wir können dabei jedoch nicht stehen bleiben, sondern müssen unsere Forderungen Tag für Tag vorbringen, In jeder Klasse muß darüber geredet werden. Die Schülervertretung muß von uns unterstützt werden und muß sich für unsere Forderungen gegenüber Rektoren und Lehrern einsetzen. Es müssen Arbeitsgruppen gebildet werden, in denen wir die Forderungen diskutieren und gemeinsame Schritte planen. In ihnen sollen nicht nur Schülervertreter sondern jeder interessierte Lehrling vertreten sein. Wir müssen uns auch außerhalb der Berufsschule organisieren, wie wir von der RJ/ML es in der Berufsschulgruppe bereits getan haben. Die Verbindung von Betrieb und Berufsschule muß geschaffen werden. Jugendvertretung und Schülervertretung müssen zusammenarbeiten, umso wirkungsvoller können wir unsere Interessen vertreten.

DIE FORDERUNGEN DER ARBEITERJUGEND SIND:"
- 60% vom Ecklohn einheitlich für alle Lehrlinge!
- Wegfall der Lohnstaffelung nach Altersgruppen!
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
- Einheitlicher Tarifvertrag für Arbeiter und Lehrlinge!
- Für Arbeit in der Produktion - Arbeiter- oder Gesellenlohn!
- Streikrecht für Lehrlinge!
- Kündigungsschutz für Jugendvertreter!
- Freistellung zum Schreiben des Berichtshefts!

Eingegangen wird auch auf die "Antwort der IHK auf die Berufsschulstreiks" in den 'Nachrichten der IHK Darmstadt' Nr. 10, wozu festgestellt wird:"
Der Artikel beweist eindeutig, daß die Kapitalisten uns für dumm verkaufen wollen. Wenn Wölker von Lehrwerkstätten redet, die erhebliche Investitionen gekostet haben sollen, dann ist das eine Unverschämtheit. Er verschweigt, daß es solche Lehrwerkstätten kaum gibt und daß in ihnen die Lehrlinge genauso für die Produktion arbeiten müssen, wie in jedem anderen Betrieb auch. In diesen Werkstätten steht die Ausbildung auch unter dem Zeichen der Ausbeutung durch die Kapitalisten.

Wenn er von Lehrlingen und jungen Menschen mit glücklichen Gesichtern redet, so verschweigt er die vielen Proteste und Streiks der Lehrlinge und Jungarbeiter an Berufsschulen und im Betrieb. Diese Streiks, so behauptet Wölker, seien von 'linksradikalen Gruppen organisiert, die sich dadurch den Kontakt zu den Arbeitnehmern versprechen.' Damit versucht er uns weiszumachen, daß wir selbst nicht in der Lage sind, für unsere Forderungen einzutreten, den Kampf gegen die Kapitalisten zu führen und uns zu organisieren. Die RJ(ML) ist eine kommunistische Organisation, in der sich Jungarbeiter und Lehrlinge zusammengeschlossen haben, um gegen die Kapitalistenklasse zu kämpfen. Wer sich für unsere Arbeit interessiert: wir treffen uns jeden Mittwoch um 18 Uhr im Schloßkeller."

In "Bezirksjugendtag der IG Metall" ist derjenige des Bezirkes Baden-Württemberg in Gaggenau (vgl. 27.9.1970) gemeint, auf den sich auch der KJVD der KPD/ML-ZB in seinem 'Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) Nr. 5 (vgl. Nov. 1970) bezog, der vor den Berufsschulen verkauft wurde. Dazu heißt es u.a.:"
Die rechte Gewerkschaftsführung der IG Metall hat bei den Tarifabschlüssen ganz klar die Interessen der Arbeiter und Angestellten verraten. Die Forderung von 15% Lohnerhöhung wurde in keinem Tarifgebiet durchgesetzt. Für die Lehrlinge hat die IG Metall in Hessen lediglich eine Erhöhung der Erziehungsbeihilfe gefordert. Die Jungarbeiter erhalten erst mit 18 Jahren 'vollen' Lohn. So betrügt die rechte Gewerkschaftsführung die Werktätigen und verschachert ihre Interessen an die Kapitalisten, wie z.B. in der konzertierten Aktion. Wer jedoch wie der KJVD behauptet, die Gewerkschaftsführung arbeite mit faschistischen Mitteln, ist nichts als ein 'linker' Phrasendrescher. Er verwischt die Unterschiede zwischen der Gewerkschaftsführung und den wahren Faschistenbanden in der NPD, CDU/CSU und NLA. So hat sich der KJVD als gewerkschaftsfeindlich entlarvt. Für jeden von uns ist es doch klar, daß die Gewerkschaft eine wichtige Kampforganisation zur Verbesserung unserer wirtschaftlichen Lage ist. Deshalb müssen wir in den Gewerkschaften arbeiten und die reaktionären Führer entlarven.
MACHEN WIR DESHALB DIE GEWERKSCHAFT ZU UNSERER KAMPFORGANISATION!"

In "Burda Offset aufgelöst!" heißt es:"
Die Firma Burda Offset wurde aufgelöst, da sie für die Kapitalisten keinen Profit mehr abwirft. Von dieser Maßnahme sind ca. 200 Arbeiter und Lehrlinge betroffen, sie wurden kurzerhand auf die Straße gesetzt. Die bei Burda Offset verwendete Druckmaschine war eine der größten die es gibt. Weil die Maschine ein völlig neuer Typ ist, war bisher keine Druckerfahrung vorhanden. Trotzdem warb Burda überall Drucker an und bezahlte Spitzenlöhne. Jetzt, als sich herausgestellt hat, daß die Maschine fast nur Ausschuß produziert, sind die Arbeiter und Lehrlinge wieder einmal die Dummen. Da es in der näheren Umgebung keinen gleichwertigen Arbeitsplatz gibt, müssen die Offset-Drucker auf Tiefdruck umschulen. Ebenfalls sind fast alle Lehrlinge gezwungen, auf Tiefdruck umzulernen, was eine Verlängerung ihrer Ausbildungszeit bedeutet. Für die Kapitalisten war das ganze nur ein Experiment. Die Zeche zahlen die Arbeiter und Lehrlinge, die jetzt umschulen müssen und dabei einen großen Teil ihres Lohnes verlieren, bzw. eine längere Ausbildung mitmachen müssen. Diesen Machenschaften der Kapitalisten müssen wir unseren gemeinsamen Kampf entgegenstellen."

Eine Anzeige wirbt für die Ernst Thälmann Auswahl des KAB/ML, wobei die beiden ersten Halbbände sofort, die beiden zweiten erst Ende Okt. 1970 lieferbar seien. Ein Thälmann-Zitat gegen die Altersstaffelung der Löhne nimmt denn auch die ganze Rückseite ein.
Q: Aktuelle Lehrlings Presse o. Nr. (5), Darmstadt o.J. (1970)

09.02.1971:
Das Ortskomitee (OK) der RJ/ML Darmstadt (vgl. 12.1.1971, 10.2.1971) erfährt, nach eigenen Angaben, vom AStA der TH, daß Peter Bosse, der aus der RJ/ML ausgeschlossen wurde, eine 'Aktuelle Lehrlings Presse' (ALP), das bisherige Berufsschulorgan der RJ/ML, unter dem Namen RJ/ML beim AStA drucken lassen wollte. Von Seiten des AStA wurde es jedoch verweigert und dann aus der Vorlage herausretuschiert.
Q: RJ/ML-Ortsgruppe Darmstadt-OK: An ZK, Darmstadt 10.2.1971

11.12.1972:
Die RJ/ML Ortsgruppe Darmstadt des KABD gibt vermutlich in dieser Woche ihre Berufsschulzeitung 'Rote Lehrlings-Presse' (RLP) Nr. 6 (vgl. 30.11.1970) für Dezember mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Fritz Krainer heraus, mit dem Leitartikel "Vorwärts zur Metalltarifrunde" zur MTR und dem Artikel "Das kleinere Übel gewählt?" zu den Bundestagswahlen (BTW - vgl. 19.11.1972). Berichtet wird von der eigenen Party (vgl. 11.11.1972), eingeladen zu Treffen zum Kennenlernen und Diskutieren mit der RJ/ML in Darmstadt (vgl. 21.12.1972) sowie im Kreis Darmstadt-Dieburg in Griesheim (vgl. 20.12.1972), Pfungstadt (vgl. 19.12.1972) und Wixhausen (vgl. 18.12.1972).
In der Rubrik "Berufsschüler berichten" wird eingegangen auf die Martin Behaim Schule (vgl. Nov. 1972) und berichtet von der Erasmus Kittler Schule (EKS):"
Der Elternbeirat der EKS hat unsere Eltern wieder einmal zur Elternspende aufgerufen. Unsere Eltern, die sowieso schon Steuern noch und noch bezahlen bis ihnen die Luft weg bleibt, sollen jetzt noch einmal zur Kasse gebeten werden, um unsere Ausbildung zu gewährleisten; welche Eltern spenden dann nicht seufzend doch noch ein paar Mark, wenn es um die Ausbildung ihrer Kinder geht.
Aber warum hat denn der 'Schulträger' nicht genügend Mittel zur Durchführung des Unterrichts, wie es in dem Zettel der Elternspende heißt? Für die Kapitalisten zählt nur der Profit, den sie aus uns schlagen können. Für eine ausreichende Ausbildung ist angeblich nicht genügend Geld vorhanden.
Wir lassen uns unser Recht auf VOLLE BEZAHLUNG der Ausbildungsmittel durch Betrieb oder Berufsschule nicht nehmen.
Unter voller Bezahlung verstehen wir die Bezahlung sämtlicher Ausbildungsmittel, wie Zeichenpapier, zusätzliche Bücher, zusammengefaßte Prüfungsbogen mit Fragen, Tabellen, Zeichenbretter, Tuschstifte usw. Am besten ist es, wenn wir mit unseren Eltern über diese Sache reden. Wir können unsere Forderung nur durchsetzen, wenn unsere Eltern sich weigern die 'Elternspende' zu entrichten, wir im Betrieb und der Berufsschule durch unsere Solidarität, durch Jugendvertreter und SV (kämpfen, d.Vf.). Nur so sitzen wir im Endeffekt am längeren Hebel."
Q: Rote Lehrlings-Presse Nr. 6, Darmstadt Dez. 1972

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