Frankfurter Zirkel: Austrittserklärung aus dem KBW (1977)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 7.11.2016


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In der hier vorgestellten Broschüre werden sowohl die Entwicklung des Frankfurter Ortsverbandes des KBW kritisiert, als auch das Programm des KBW und der Politische Bericht seines ZK an die letzte Delegiertenkonferenz, wobei eine Bezugnahme auf die Hauptseite Theorie erfolgt, die sich nicht zuletzt darin niederschlägt, dass das Papier erstmals durch die Kommunistische Gruppe Bochum / Essen (KG B/E) veröffentlicht wird, als auch im Hilfsangebot des südhessischen KAB/RW.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Januar 1977:
Aus dem KBW und dessen GUV treten in Frankfurt eine Reihe von Mitgliedern aus. Später tritt diese Gruppe unter dem Namen Frankfurter Zirkel auf.

Das Papier gliedert sich außer einer Einleitung, die Punkt I. darstellt, in die Abschnitte:
- "II. Einige Gesichtspunkte zur aktuellen Lage im KBW und zur Einschätzung der anderen Organisationen der sog. ML-Bewegung";
- - "1. "Die Ortsgruppe stagniert nach Mitgliedern seit 1 1/2 Jahren. Erheblichen Verlusten standen bis vor einem halben Jahr ungefähr die gleiche Anzahl Neuaufnahmen gegenüber. Seit einem halben Jahr ist diese schon schlechte Entwicklung noch weiter fortgeschritten. Trotz großer Anstrengungen verliert der KBW weiterhin Genossen, gewinnt jedoch keinen hinzu. Festzustellen ist weiterhin, daß dem Anwachsen der Stadtteilzellen nicht nur kein Anwachsen von Betriebszellen entspricht, sondern im Gegenteil die Ortsgruppe seit ihrer Gründung vor genau 3 Jahren die Betriebszellen Adler, Degussa, Cassella, Siemens Schaltwerk, Hartmann & Braun, Samson, Industriezelle Hanauer Landstraße und VDM aufgebaut und wieder verloren hat, und daß auch die bereits länger existierenden Öffentlicher-Dienst-Zellen Uniklinik und Stadtverwaltung äußerst großen Schwankungen unterworfen waren und sich zur Zeit gegen Null bewegen.";
- - "2. Der KSB hat eine geradezu katastrophale Entwicklung hinter sich, die im übrigen auch noch anhält. Dies drückt sich unter anderem in einem Mitgliederrückgang um ca. 60% aus. Ihre Entsprechung finden diese Zahlen sowohl in der Mobilisationsfähigkeit des KSB zu Veranstaltungen, Demonstrationen als auch in den Stupa-Wahlen, wo der KSB von 683 (1973) über 657 (1974), 469 (1975) auf 315 (1976) Stimmen abgesunken ist. Einen schlechten Überblick haben wir darüber, inwieweit die im KSB verbliebenen Genossen zur GUV überwechseln - jedoch scheint hier ebenfalls noch einmal eine große Ausfallquote zu bestehen.";
- - "3. Die GUV Ffm hatte im Januar 74 73 Mitglieder erreichte Mitte 1974 fast 100 und dürfte z. Zt. die Zahlen vom Jan. 1974 wieder erreicht oder bereits unterschritten haben. …";
- - "4. Der KJB besteht ungefähr mit der Zahl der Gründungsmitglieder, wobei sich eine Vorläuferorganisation - die KSG - vorher fast aufgelöst hatte. …";
- - "5. Das Frankfurter Komitee gegen den Paragraphen 218 ist praktisch nur noch in Form unserer Fraktion existent. Noch vor einem Jahr hat das Komitee auf der Linie der Forderungen des KBW zum Paragraphen 218 fast 100 Nichtorganisierte zu relativ kontinuierlicher politischer Arbeit zusammenfassen können. Im September 1975 konnten aus Frankfurt 1 300 Leute zur Demonstration nach Bonn mobilisiert werden <(900 mehr als es damals Kräfte des Ortsverbandes gab). Heute beteiligen sich an öffentlichen Aktionen jeweils gerade noch Kräfte, die einem Bruchteil des Ortsverbandes entsprechen (und die allein vom Ortsverband gestellt werden)."
- - "6. Wahlkampf und Wahlergebnis", wobei es u.a. heißt: "Die Tatsache des abnehmenden Einflusses der Organisation läßt sich am Vergleich der Wahlergebnisse der Wahl 76 mit früheren Wahlergebnissen bei Landtags- und Kommunalwahlen ablesen. … Betrachtet man die Mobilisierung zu den Wahlveranstaltungen des KBW, so ist festzustellen, daß auf der bestbesuchten zentralen Veranstaltung maximal 500 Leute waren (bei Kräften des Ortsverbandes von ca. 300); die neuen dezentralen Veranstaltungen des KBW in der letzten Woche vor dem 3.10. haben zwischen 2 und 15 Unorganisierte erreicht. Zu den Wahlveranstaltungen der bürgerlichen Parteien hat die Organisation lediglich Abordnungen des Ortsverbandes mobilisiert. Wo die Genossen aufgetreten sind, haben sie Stellvertreteraktionen durchgeführt. … Die Demonstration gegen das KPD-Verbotsurteil haben der Ortsverband und der allerengste Sympathisantenkreis durchgeführt. Nicht anders sah es bei den Aktionen zum Schulkampf an der Klingerschule aus.". Eingegangen wird auch auf den Politischen bericht des ZK, wozu es u.a. heißt: "Im KBW war seit seiner Gründung eine Linie vorherrschend - und hat die Politik der Organisation bestimmt - die sicherlich nicht rechts im Sinne der Kritik des Pol. Berichts war, gleichwohl eine schwere Abweichung von der proletarischen Linie beim Aufbau der Kommunistischen Partei und des Herankommens an die proletarische Revolution darstellt. Grundlage dieser falschen politischen Linie sind wesentliche Abweichungen vom Marxismus-Leninismus bereits im Programm,; die falsche politische Linie setzt sich fort bei den grundlegenden Einschätzungen der Lage im Klassenkampf in Westdeutschland; und sie mündet konsequent in der falschen Bestimmung der Aufgaben, die sich den Kommunisten hier und heute in Westdeutschland hauptsächlich stellen.";
- "III. Zur Kritik des Programms";
- - "1. Demokratischer Kampf und demokratische Forderungen", wozu es u.a. heißt: "Eine besondere Etappe der politischen Machtergreifung innerhalb der sozialistischen Revolution ist eine ganz neue Erfindung des KBW-Programms.";
- - "2. Die Arbeiterforderungen des Programms und ökonomische Übergangsforderungen" mit dem Abschnitt "Die Frage der Übergangsforderungen in den Programmdebatten der Komintern 1919-1922", wozu es u.a. heißt: "Die Behandlung jener Klassenkämpfe im Programm des KBW, in denen sich Arbeiterklasse und Kapitalistenklasse direkt gegenüberstehen, entspricht nicht den Erfordernissen eines kommunistischen Programms.";
- "IV. Die Bestimmung der Klassenkampflage in Westdeutschland", wobei auf das Jahr 1973 im Vergleich zu 1975 eingegangen wird;
- "V. Die gegenwärtige Lage der Marxisten-Leninisten", wozu es u.a. heißt "Der Aufbau einer marxistisch-leninistischen Partei in Westdeutschland stellt gegenwärtig die Hauptaufgabe für alle Kommunisten dar. Der ideologische Aufbau ist dabei das Hauptkettenglied. Dabei müssen wir klar darauf achten, daß die zwei Phasen des Parteiaufbaus - wie sie von Lenin in grundlegender und auch heute noch gültiger Form entwickelt worden sind - nicht in eine geworfen werden: Erarbeitung der revolutionären Theorie und ihre Anwendung auf Westdeutschland sowie eine revolutionäre Propaganda in der Arbeiterklasse und die Organisierung ihrer bewußtesten Teile - auf der anderen Seite die Phase der umfassenden politischen Tätigkeit in allen Klassen und Schichten des Volkes, d.h. die Gewinnung der Massen."; sowie
- "Schlußbemerkungen", in denen der Austritt aus dem KBW erklärt wird.

In der Zentrale des KBW wird das Papier am 14.8.1977 ausgewertet.

Der KAB/RW Frankfurt bietet dieser Gruppe u.a. Hilfe bei der Herstellung von Druckerzeugnissen an.
Quellen: N. N.: ohne Titel, O. O. o. J. (1977); Revolutionärer Weg Nr. 1, Frankfurt Apr. 1977;Beiträge zur revolutionären Theorie Nr. 8, Bochum März 1977, S. 48ff

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Letzte Änderung: 07.11.2016