1. Mai in Frankfurt

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Frankfurt wies in den hier betrachteten Jahren vermutlich von allen Städten der Bundesrepublik die größte Vielfalt an linken Gruppen auf, von denen sich die meisten auch aktiv an der Vorbereitung und Gestaltung des 1. Mai beteiligen.

Einleitend für diese, wie immer unvollständige, Darstellung bemühen sich verschiedenen Basisinitiativen bzw. Basisgruppen und der SDS um die Beeinflussung der Maiaktionen (vgl. 29.4.1969, Mai 1969, 1.5.1969), wobei es offenbar auch im Chemiebereich bei Cassella Aufrufe gab (vgl. 5.5.1969). Die Gewerkschaft scheint sich geschlossen als Gegner der neuen Linken zu formieren (vgl. 7.5.1969).

Dies ist ganz und gar nicht im Sinne der Spartacisten, damals noch als Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) auftretend, die sich für den 1. Mai 1970 im Raum Rhein/Main um frühzeitige Vorbereitung und Verankerung linker Positionen in den Gewerkschaften bemühen (vgl. 23.1.1970, 31.1.1970, 3.2.1970), dabei auch die Gruppe Junger Revolutionäre (GJR) bzw. später die Junge Garde vereinnahmen wollend (vgl. 16.3.1970). Die eigene Verankerung der IKD in der Gewerkschaftsjugend scheint eher bescheiden (vgl. 31.3.1970), dafür verstärken sich die Spartacisten regional und bemühen sich auch offiziell um ein Bündnis (vgl. 3.4.1970). Die von den Spartacisten angestrebte Jugendorganisation wird nun durch einen Regionalauschuß Rhein/Main verstärkt, der als erste Aufgabe die Vorbereitung des 1.Mai wahrnimmt (vgl. 11.4.1970). Während die IAK als Mutterorganisation der GJR bzw. Jungen Garde auch die eigene Fraktion in den Jusos der SPD in der Maivorbereitung einsetzt (vgl. 30.4.1970, 6.5.1970), wird zum 1. Mai 1970 auch die KPD/ML in Frankfurt aktiv (vgl. 29.4.1970, 30.4.1970), wobei die Größe ihres Blocks auf der gemeinsamen Demonstration hier derzeit nicht erschlossen werden kann.

Die Spartacisten jedenfalls scheinen mit ihrem Auftreten auf der Frankfurter Maidemonstration durchaus zufrieden (vgl. 5.3.1970), im Gegensatz zur Freitagsgruppe (vgl. 13.5.1970). Die IAK und Junge Garde befassen sich verschiedentlich mit der Nachbereitung der Aktionen am Vorabend des 1. Mai (vgl. 9.5.1970, Nov. 1970).

Auch der 1. Mai 1971 in Frankfurt wird von den Spartacisten wiederum frühzeitig (vgl. Jan. 1971) und für den ganzen Raum Rhein/Main koordiniert vorbereitet, wobei es im Raum Mainz offenbar zum Konflikt mit den Anhängern der KPD/ML-ZB bzw. ihres KJVD kommt (vgl. 10.1.1971).

In Frankfurt selbst ist damals allerdings die KPD/ML-ZK, die sich auch an der Gründung eines Maikomitees versucht (vgl. Apr. 1971, 15.4.1971, 19.4.1971, 23.4.1971, 29.4.1971, 30.4.1971) weit stärker als die KPD/ML-ZB, auch die Anhänger des Tony Cliff von der Sozialistischen Arbeitergruppe (SAG) präsentieren sich zum 1. Mai 1971 nun vermutlich erstmals mit ihrer Maizeitung ausdrücklich als politische Organisation (vgl. Apr. 1971). Die aus Mörfelden-Walldorf kommende RJ/ML des KAB/ML (vgl. 12.4.1971, 19.4.1971) hat im Hochschulbereich bereits länger in Frankfurt arbeitende Freunde (vgl. 7.4.1971, 17.7.1971).

Anläßlich der Frankfurter Jugenddemonstration (vgl. 30.4.1971) gibt die KJO Spartacus einen Überblick über die Gewerkschaftsjugend, in der damals zahlreiche linke Fraktionen tätig sind, die sich offenbar für den Marsch zur IHK zu einem recht breiten Bündnis zusammenfinden.

Am 1. Mai 1971 gibt es in Frankfurt dann nicht nur die DGB-Demonstration mit anschließendem Auftritt der trotzkistischen Linken, sondern auch eine eigene regionale Demonstration der KPD/ML-ZK. innerhalb der KJO Spartacus gibt es später Auseinandersetzungen über die Form der Intervention (vgl. 17.10.1971).

Zum 1. Mai 1972 ist die Frankfurter linke Szene um einige Restgruppen der KPD/ML-ZK bereichert, die aber noch mit den KPD/MLs im Verbund agieren, sowie um eine Vertretung der Gruppen des Bremer Kommuniques, d.h. des späteren KBW, in Gestalt des KSV Frankfurt (vgl. Apr. 1972. Die angekündigte Verschiebung der Maiaktionen des DGB (vgl. 2.5.1972) scheint nicht erfolgt, die Jugenddemonstration am 30.4.1972 scheint nur für einige Gruppen relevant gewesen zu sein. Spartacus Bolschewiki-Leninisten gehörte nicht dazu (vgl. 24.4.1972).

Zum 1. Mai 1973 hat sich, u.a. aus dem KSV Frankfurt (vgl. 29.5.1973), die KG Frankfurt/Offenbach entwickelt (vgl. März 1973), die gemeinsam mit befreundeten Schülern und Studenten sowie Lehrern die Gründung des KBW mit vorbereitet und zusammen vor allem mit Gruppen aus der ehemaligen KPD/ML-ZK Maikomitees aufbaut (vgl. Apr. 1973, 8.4.1973, 15.4.1973, 18.4.1973, 19.4.1973). Auch die KPD wird nun in Frankfurt aktiv, gründet gleich ein eigenes Maikomitee (vgl. 30.4.1973) und stärkt sich am 1. Mai offenbar regional. Aktiv wird nun auch die GIM (vgl. 20.4.1973, 23.4.1973).

Der 1. Mai 1974 ist in Frankfurt nicht allein von einer Vielzahl konkurrierender Vorhutgruppen gekennzeichnet (vgl. Apr. 1974, 26.4.1974, 29.4.1974), sondern auch vom beginnenden Fahrpreiskampf, dem sich vor allem der KBW verschrieben zu haben scheint.

Der 1. Mai 1975 bietet nach unserer, wie immer unvollständigen Quellenauswertung, ein ähnliches Bild, steht aber nicht zuletzt unter dem Eindruck des Sieg der FNL in Vietnam, wobei die KPD/ML in Ludwigshafen demonstriert.

Auch am 1. Mai 1976 scheint die Linke wiederum äußerst zersplittert, der KBW scheint mittlerweile die stärkste Gruppe am Ort geworden zu sein, was sich aber zum 1. Mai 1977 schon wieder abgeschwächt zu haben scheint, zumindest sind die KBW-Aktionen offenbar kleiner als die der linken Aktionseinheit, die es ähnlich auch 1978 und 1979 wieder gibt.

Zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung ist nicht allein die Linke schwächer bzw. stärker von den türkischen Gruppen gekennzeichnet (vgl. 1.5.1981), sondern der 1. Mai wird auch zum Anlass der Schaffung des Konstrukts des 'schwarzen Blocks' (vgl. 18.8.1981).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

29.04.1969:
In Frankfurt beschließt, nach eigenen Angaben, das Kindergartenplenum bereits heute eine Teilnahme an der Demonstration am 1. Mai. Die Motivation sei hauptsächlich rein finanzieller Art gewesen, da für die beiden Kindergartenwohnungen in der Leerbachstraße, die vom SC gemietet wurden, viel Geld gebraucht werde.
"Es gelang nur schwer, eine politische Diskussion über diese Propaganda- und Sammelaktion zu führen. Die Unmöglichkeit jedoch, sich wegen finanzieller Vorteile dem DGB gegenüber neutral zu verhalten, führte schließlich zu einem Flugblatt, daß die Sozialpolitik der städtischen SPD-Regierung sowie des DGB gleichermaßen angriff und in den Mittelpunkt die Forderung nach Selbstbestimmung für Kinder stellte" (vgl. 1.5.1969).
Quelle: SC: Info Nr. 3, Frankfurt 13.5.1969

Mai 1969:
In Frankfurt beginnt in der Stadtteilbasisgruppe Seckbach, nach eigenen Angaben, spätestens diesen Monat die zweite Phase der Arbeit (vgl. Juni 1969). Sie berichtet über ihre Vergangenheit u.a. so:"
Zu diesem Zeitpunkt bestand die Stadtteilbasisgruppe aus 1 Schüler, 4 Studenten, 1 Angestellten. Durch diese 'Aktion' wurden 2 Schüler und 3 Lehrlinge mobilisiert, die, wie sich herausstellte, alle bereits bei den Springer- und Notstandsaktionen vorpolitisiert worden waren. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen in der Folgezeit noch weitere 4 Lehrlinge hinzu. Die Teilnehmerzahl beim Termin schwankte zwischen 6 und 12. … Bei der Lektüre der 1.Mai-Broschüre wurde die Definition und Diskussion von politischen Fremdwörtern nötig, und wir zogen die HSU-Diagnosen, Extrablatt 1, hinzu, was sich als erfolgreich erwies."
Q: SC: Info Nr. 11, Frankfurt o.J. (1969)

01.05.1969:
In Frankfurt wird die DGB-Kundgebung, laut RJ/ML, von den Stadtteilbasisgruppen gestört.

Auf der Maidemonstration treten auch das Kindergartenplenum bzw. die Kinderkollektive (vgl. 29.4.1969) auf:"
Die Reaktion auf die Verteilung von Flugblättern und die Sammlung war wie vorauszusehen: Demonstranten positiv; ein Polizist auf die Frage, ob er etwas geben wolle, mit liebevollem Schlag auf den Knüppel: 'Später geben wir Euch noch was'; Passanten unterschiedlich. Vorauszusehen war, daß die ältere Generation im Durchschnitt schwer zu erreichen sein würde: besonders freundlich reagierten junge Männer und Gastarbeiter.
DGB-Funktionäre und fast sämtliche Mitarbeiter und Mitglieder (erkennbar am Maiabzeichen) reagierten vollkommen verbürgerlicht: wenn sie die Flugblätter überhaupt nahmen und uns nicht allzusehr beschimpften, gaben sie uns doch sehr selten Geld: unsere kollektiven Erziehungsvorstellungen seien überflüssig; sie sähen den Erfolg nicht garantiert; oder etwa: 'Ich erziehe meine Kinder selbst besser als Ihr, den Kindern gehören Prügel und keine Selbstbestimmung; wenn die Kinder so erzogen werden wie Ihr es wollt, werden sie sich nie einordnen.' Bei Diskussionen 1. über das Programm der Kinderkollektive, war Widerwillen gegen Triebbefriedigung der Kinder zu spüren: 'sie werden nicht sauber'; 'bringen sich gegenseitig um'; 'werden Schweine' ('Stern'). Gegen Autonomie der Kinder: 'Sie schlafen und essen wann sie wollen - es gibt dann keine Ordnung mehr!' Gegen Aufklärung und sozialistische Erziehung: 'Ihr wollt unsere Demokratie abschaffen mit Hilfe der Kinder; bevormundet sie daher mehr als andere, tut nur freiheitlich; Ihr wollt Revolutionäre großziehen!'
Bei Diskussionen 2. über den Zusammenhang Kinderkollektive - Kampf gegen das System, der nur mit Leuten diskutiert werden konnte, die nicht vollkommen angepaßt sind, kam der Einwand, Vorschularbeit (im Sinne des Leistungsprinzips) sei wichtiger; unser Kampf gegen das Prinzip der technokratischen Reformen stößt auf Ablehnung. Die wichtigste Erfahrung, die wir machten, hing mit dem häufig erhobenen Vorwurf zusammen: 'Ihr als Elite habt Zeit' (Ausdruck von Neid, ohne Erkenntnis der Systemzusammenhänge) - Zeit auch für die theoretischen Voraussetzungen für Kinderarbeit und politischen Kampf. 'Wir würden ja gerne mitmachen, aber niemand erklärt uns das.'
Dies führte dann häufig 3. zur Diskussion über die Strategie der Linken. Lehrlinge und Arbeiter kritisierten die frühere Linie des SDS sehr scharf und haben noch nicht viel von einer Änderung gespürt: sie fordern Arbeit an der Basis, d.h. Aufklärung und teilweise auch Richtlinien für arbeiterspezifische Aktionen; sie wollen sich nicht mehr als Appendix (Wurmfortsatz des Blinddarmes, d.Vf.) der Studentenbewegung betrachten müssen, trauen den Studenten aber doch größere Einsicht in die Zusammenhänge zu. Das ambivalente (doppelwertige, umkehrbare, d.Vf.) Verhältnis selbst der linken Arbeiter zu den 'privilegierten' Studenten wird sichtbar. Demonstrationen und Kampfrufe stoßen auf psychischen Widerstand, werden als nicht effektiv abgelehnt und die Erklärung, daß sie zum Aufbrechen der Manipulationszusammenhänge notwendig seien und nicht durch unsere Schuld häufig so drastisch ausfallen, nicht akzeptiert. Kritik an der 1.Mai-Aktion:
1. Der Tag des 1.Mai wurde offensichtlich erfolgreich verdrängt. Unser mangelndes Traditionsbewußtsein (Arbeiterbewegung, Frauenemanzipation) konnte deshalb in keiner Weise aufgearbeitet werden und bedingte den vollständigen mangel an Information, der sich sowohl auf den 'Arbeiterkampftag' bezog als auch auf die Argumentation gegen den DGB. Die Vorbereitungszeit war viel zu kurz.
2. Da aufgrund dieser Verdrängung die endlich zustandegekommene Diskussion mit einer bloß finanziellen Überlegung begann, war es sehr schwierig, die Aktion politisch in Beziehung zu setzen zu der Haltung, die die außerparlamentarische Opposition als Ganzes gegenüber dem DGB einnahm.
Trotzdem: die Aktion erweiterte den Erfahrungsbereich der Eltern erheblich, die teilweise zum erste Mal Flugblätter verteilten, sammelten und diskutierten. Und: es kamen immerhin knapp 500 DM zusammen. Es fehlen immer noch an die 3 000 DM.
Q: SC: Info Nr. 3, Frankfurt 13.5.1969; Rebell Nr. 9, Mannheim Mai 1969

Rebell005

Rebell006


01.05.1969:
In Frankfurt geben die Basisgruppen und der SDS zum 1. Mai eine Broschüre 'Kampftag der Arbeiter - 1. Mai' heraus, in der es u.a. heißt:
"Wir haben … die Konsequenz gezogen, uns zunächst außerhalb der Betriebe zusammenzuschließen zu Stadtteilbasisgruppen und die Jugendlichen in ihrer Freizeit zur Erkenntnis ihrer wirklichen Interessen und zur Teilnahme am politischen Kampf anzuregen. Dadurch bilden sich in der Jungarbeiterschaft Kader von politisch aktiven Genossen heraus, die den Kampf in den Betrieben verstärkt wieder aufnehmen."
Q: Basisgruppen Frankfurt und SDS - Gruppe Frankfurt: Kampftag der Arbeiter - 1. Mai, Frankfurt 1969

05.05.1969:
Die IG Chemie (CPK) Frankfurt bzw. die Herren Hippmann, Klingmüller und Libuda, geben vermutlich in dieser Woche ihr Flugblatt gegen die Projektgruppe Betrieb des SC (vgl. 8.5.1969) heraus, in dem es, laut SC, u.a. heißt:"
Offensichtlich gibt es seit kurzem in der Cassella eine sogenannte Basisgruppe (der Ausdruck stammt aus dem Vokabular des SDS) die sich offiziell 'Projektgruppe Betrieb im Sozialistischen Club' nennt … Von allen Aktionen dieser Projektgruppe distanzieren wir uns hiermit ganz entschieden". Daneben gäbe es noch die Kampfgruppe 1.Mai, der man die Störung der DGB-Kundgebung auf dem Römerberg zu verdanken habe. Der SC schreibt dazu:"
Erwägen nun die Kollegen aus der IG Chemie-Papier-Keramik, mit den Genossen und Kollegen aus diesen Basisgruppen zu diskutieren, weil sie ja selbst etwas falsch gemacht haben müssen, wenn solche Gruppen spontan entstanden sind, offenbar, weil sie mit der Arbeit ihrer gewählten Funktionäre unzufrieden sind? Nein, die Kollegen Funktionäre drohen mit Ausschluß, diffamieren die arbeitenden Basisgruppen als SDS-hörigen, terrorverdächtigen Untergrund, und fordern die Arbeiter zur Selbstjustiz gegen derartige 'Provokationen' auf."
Q: SC: Info Nr. 3, Frankfurt 13.5.1969

07.05.1969:
Der DGB KJA Frankfurt bzw. Gerh. Busch und Marco Pustoslemsek verfassen heute, laut SC, ein Schreiben an die Mitglieder des DGB Kreisvorstandes und zur Kenntnis an die Tagespresse und die Studentenverbände der Universität, welches auch ab heute kursiert. Berichtet wird darin von einer Diskussion des DGB KJA über SDS und APO am 5.5.1969 über deren Maiaktivitäten am 30.4.1969 und am 1.Mai selber. Ergebnis der Diskussion sei dieses Schreiben, in dem es u.a. heißt:"
Der Kreisjugendausschuß Frankfurt erklärt seine Bereitschaft, die Gewerkschaften mit allen Mitteln zu verteidigen. Gleichzeitig wird der Kreisjugendausschuß alle Kräfte darauf konzentrieren, die Gewerkschaften zu echten Kampforganisationen zu machen."
Weiter heißt es:"
Mit den politischen Gruppierungen, die zum erklärten Ziel die Zerschlagung der Gewerkschaften haben, sieht der Kreisjugendausschuß unter diesen Umständen keine Möglichkeit zu einer weiteren Zusammenarbeit."
Und:"
Falls solche Gruppierungen den Versuch riskieren sollten, in Zukunft Gewerkschaftsveranstaltungen mit Gewalt umzufunktionieren, müssen diese Gruppen mit der Gegengewalt der Gewerkschaftsjugend rechnen."
Q: SC: Info Nr. 4, Frankfurt 31.5.1969

23.01.1970:
Ein Mitglied der IKD-Leitung verfaßt einen Brief an die IKD-Gruppe Darmstadt (vgl. 13.12.1969, 26.1.1970), in dem u.a. Informationen zum NRW-Seminar der IKD (vgl. 21.3.1970) gegeben werden und dann fortgefahren wird:"
Nun zum Institut für Regionalplanung:

Beginnt bitte schon jetzt damit, zu ventilieren, was wohl bei Euch da unten zum 1. Mai zu erwarten ist !!! Erkundet folgende Daten, sofern noch nicht bekannt: Macht DGB eigene Kundgebung (bzw. in welchen Orten?); unter freiem Himmel oder geschlossen; mit oder ohne Demonstration? Ist zu erwarten, daß Gewerkschaftsjugend VON SICH AUS irgendwas unternimmt? Was ist von der Apo zu erwarten? Roter Mai oder 'Umfunktionieren' von DGB-Veranstaltungen? Ihr werdet demnächst einen Rundbrief der Direktion erhalten, wo diese Fragen genauer erläutert werden; wir haben den Eindruck, daß wir bei einer geschickten Taktik zum 1.Mai die 'Differenzierung' in der Apo bis zu einem qualitativen Sprung vorantreiben könnten, wenigstens dort, wo es uns gibt, und zwar in Richtung: Loslösung des geringen proletarischen Anhangs der Apo von ihren ultralinks-stalinistisch-kleinbürgerlichen Demagogen; Stein des Anstoßes: Gewerkschaftsfrage! Es würde sich um die erste nationale Kampagne der Gesamtfirma handeln, also: umsichtige Planung möglichst frühzeitig beginnen! Wir meinen im Übrigen, daß eine regional geplante 1.-Mai-Kampagne bei Euch die politische Basis für die Bildung eines regionalen Initiativausschusses abgeben könnte".
Q: IKD-Leitung: An IKD-Gruppe Darmstadt, o.O. 23.1.1970

31.01.1970:
Ein Mitglied des IKD-Regionalkomitees (RK) Rhein/Main (vgl. 17.1.1970, 3.2.1970) richtet einen Brief an die Gruppen Darmstadt und Frankfurt und die Leitung der IKD, in dem es u.a. heißt:"
Das jugendpolitische Sofortprogramm des DGB bzw. die Manöver, die die Gewerkschaftsbürokraten mit diesem Programm unternehmen werden, und die mit Sicherheit zu erwartenden Auseinandersetzungen in der Apo über die Frage des 1.Mai werden uns mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Monaten die erste Chance bieten, propagandistisch zentral - zumindest auf Landesebene - als politische Gruppierung aufzutreten. Voraussetzung ist, daß wir zu einer homogenen, politisch klaren, praktisch arbeitenden Regionalorganisation werden."
Q: IKD-RK Rheim/Main-1 Mitglied: An die Gruppen Frankfurt, Darmstadt und an die Leitung, o.O. 31.1.1970

03.02.1970:
In einem Plan der IKD-Leitung zur Maikampagne wird zum Rhein-Main-Gebiet (vgl. 31.1.1970), neben Anweisungen für Darmstadt, Frankfurt und Mainz, gesagt:"
Was ist mit Rüsselsheim und Hanau?

Die Durchführung der Kampagne sollte nicht unmittelbar unter unserem Firmenschild erfolgen. Es wäre bis ca. Ende März ein Spartacus-Organisationskomitee zu bilden, das aus uns und mit uns sympathisierenden Genossen und Gruppierungen besteht. Dieses Komitee sollte nicht nur die Kampagne leiten (die spätestens Anfang April beginnen müßte), sondern sollte darüber hinaus VON OBEN auf die Bildung von lokalen Spartacus-Gruppen hinarbeiten, also als Keim der regionalen Spartacus-Organisation."
Q: IKD-Leitung: An alle Gruppen, Berlin 3.2.1970

03.02.1970:
In einem Plan der IKD-Leitung zur Maikampagne wird zu Frankfurt (vgl. 2.2.1970, 6.2.1970) gesagt:"
In Frankfurt können wir nur propagandistisch auftreten. Konkret müßte zu der traditionellen Versammlung der Gewerkschaftsjugend (?) am Vorabend des 1.Mai von uns aufgerufen werden, ferner Auftreten unserer Genossen auf dieser Veranstaltung."
Q: IKD-Leitung: An alle Gruppen, Berlin 3.2.1970

16.03.1970:
Innerhalb der IKD tagt das Regionalkomitee (RK) Rhein-Main. Zur Arbeit in Frankfurt (vgl. 7.3.1970, 31.3.1970) wird u.a. ausgeführt:"
Allgemein zur Taktik gegenüber den Lambertisten: Gen. L1 vertrat die Ansicht, sehr massiv (d.h. die gesamte oder große Teile der neuen Frankfurt-Gruppe) in der GJR zu intervenieren. Doch sollte dabei unsere Taktik sein, eine 'immanente' Diskussion zu führen, d.h. Konkretisierung der Parole des antibürokratischen Kampfes innerhalb der Gewerkschaften, Frage des 1.Mai etc. Wir dürften uns auf keinen Fall auf einen ideologischen Hick-Hack mit den Lambertisten einlassen, der notgedrungen über die Köpfe der übrigen GJR-Genossen gehen müßte. Dennoch sollten wir kein Hehl daraus machen, einerseits von der IKD zu sein und andererseits der IAK einige Genossen der GJR abspenstig machen zu wollen."
Q: IKD-RK Rhein-Main: Protokoll der Rh-M-K-Sitzung vom 16-3-70, o.O. o.J. (1970)

31.03.1970:
Ein Mitglied des IKD-Regionalkomitees (RK) Rhein-Main berichtet aus Frankfurt (vgl. 16.3.1970, 3.4.1970) über die heutige Sitzung des DGB KJA:"
Wir stecken jetzt mitten drin im Mai-Schlamassel. Gestern fand wieder eine KJA-Sitzung des Frankfurter DGB statt, auf der die Bürokraten eine Großoffensive starteten. Sie konnten erreichen, daß die auf der vorletzten KJA-Sitzung gefaßten Beschlüsse 'wegen falscher Voraussetzungen' rückgängig gemacht wurden. Das bedeutet keine traditionelle Veranstaltung der Gewerkschaftsjugend am 30.4. und so gut wie keine Mobilisierung der Gesamtgewerkschaften zum 1.Mai selbst." Die beiden Vertreter der IKD sind zwar im DGB-Haus anwesend, dürfen aber an der Sitzung des KJA nicht teilnehmen.
Q: IKD-RK Rhein-Main-1 Mitglied: An die Leitung der IKD, Frankfurt 1.4.1970

03.04.1970:
Ein Mitglied der Leitung der IKD verfaßt einen Brief an das IKD-Regionalkomitee (RK) Rhein-Main (vgl. 1.4.1970, 11.4.1970), in dem es u.a. heißt:"
Nach dem Bericht von R1 schätzen wir die Darmstadt-Gruppe als zur Zeit schwächstes Glied im Rhein/Main-Gebiet ein. Deren ausgezeichnete Möglichkeiten, über ihre Positionen im Jugendausschuß den antibürokratischen Kampf aufzunehmen, einen Konflikt mit der DGB-Führung zu provozieren, sind nicht genutzt worden. Dieses Versagen der Darmstadt-Gruppe bei der Vorbereitung des 1.Mai hat unseren Plan einer regionalen Zusammenarbeit mit der GIM - bzw. eines dementsprechenden Angebots - vereitelt. Jetzt können wir nur noch bestimmte Vorschläge machen, ohne daß wir bei der Ablehnung selbst etwas nennenswertes auf die Beine stellen könnten. Alle Kräfte des Rhein/Main-Gebietes müssen jetzt auf Frankfurt konzentriert werden. Die neue IKD-Kandidatengruppe wird in der Mai-Kampagne ihre Feuertaufe durchstehen müssen. Der Zusammenarbeit mit den Lambis (GJR bzw. IAK,d.Vf.) kommt in diesem Zusammenhang eine außerordentliche Bedeutung zu. Wir glauben, daß unsere Organisation bei einer Zusammenarbeit auf nationaler Ebene am längeren Hebel sitzt: Die Lambis verfolgen zwar eine korrekte Linie für den Tageskampf, haben aber überhaupt keine Perspektive. Die Zusammenarbeit, die zunächst für Euch aktuell wird, muß in loyaler und kameradschaftlicher Atmosphäre erfolgen, aber von vornherein auf einer fraktionellen Plattform fußen. Ziel muß sein, innerhalb der GJR für eine Beteiligung dieser an dem zu schaffenden Regionalausschuß zu kämpfen. Es handelt sich dabei, um noch das noch einmal ganz klar zu sagen, um kein Manöver, mit Hilfe dessen wir die GJR kurzfristig zerschlagen wollen; wir hoffen vielmehr, durch beständige, aber nicht ultimatistische Diskussionen über die Perspektive der Arbeit unseren politischen Kurs zu dem der GJR zu machen. Diese Bemühungen werden Hand in Hand gehen mit einer theoretischen Diskussion zwischen IAK und IKD. Abgesehen von deren strategischen Vorstellungen bzw. Nichtvorstellungen sind wir jetzt in dem taktischen Vorteil, nicht die Eskapaden des VS verteidigen zu müssen, andererseits aber ohne große Schwierigkeiten gegen die Behauptung der Lambis argumentieren zu können, das Internationale Komitee sei DER Kern der zukünftigen 4. Internationale."
Q: IKD-Leitung-1 Mitglied: Liebe Genossen des Rhein/Main-Komitees, Berlin 3.4.1970

03.04.1970:
Ein Mitglied des IKD-Regionalkomitees (RK) Rhein-Main berichtet über die Vorbereitung des 1.Mai durch die DGB-Jugend in Frankfurt (vgl. 31.3.1970, 28.4.1970):"
Wir haben den in den Gewerkschaften arbeitenden Gruppen (GJR und SDAJ) (Jugendorganisationen der IAK bzw. DKP,d.Vf.) das Angebot gemacht, eine Einheitsfront in dieser Frage zu bilden." Gespräche darüber sollen heute stattfinden.
Q: IKD-RK Rhein-Main-1 Mitglied: An die Leitung der IKD, Frankfurt 1.4.1970

11.04.1970:
In der IKD wird über die heute beginnende zweitägige Regionalkonferenz für einen Spartacus-Regionalausschuß (RA) Rhein/Main berichtet:"
Frankfurt. Am 11./12. fand dort die vorbereitende Konferenz zur Gründung des Regionalausschusses Rhein-Main statt. Die anwesenden Gruppen waren, was die Diskussion ergab, bereit, auf der Linie des Spartacusprogramms eine demokratisch-zentralistische Organisation zu bilden. Durch das Zaudern der Genossen vom IKD-Regionalkomitee geschah dies allerdings noch nicht. Es wurde eine vorläufige Leitung gewählt, die das erstmalige Auftreten bei der 1.Mai-Demonstration in Frankfurt als Spartacusblock organisiert. In Bezug auf die 'Lambis' (IAK bzw. GJR,d.Vf.) wurde festgestellt, daß wir einer Fehlinformation aufgesessen sind. Die 'Junge Garde' wird fest von der IAK kontrolliert und ist nicht einmal auf der Basis der Einheitsfront (wie stark seid Ihr denn) zur Zusammenarbeit mit uns bereit. Unsere Genossen, …, kritisierten, daß wir, im Gegensatz zu den Lambertisten noch kein Programm für die Gesamtarbeiterklasse haben, und deshalb gegenüber den Lambertisten in Hintertreffen geraten."
Q: IKD-Gruppe Berlin: Protokoll vom 20.4.70, o.O. o.J. (1970); IKD-Leitung: Erklärung, o.O. 21.5.1970

29.04.1970:
Heute will die KPD/ML in Frankfurt-Fechenheim, Bornheim und Riederwald Infostände zur Maivorbereitung durchführen.
Q: KPD/ML-Ortsgruppen Mannheim, Frankfurt, Worms und Karlsruhe, Rote Garde Bergstraße und SABG Mainz: 1. Mai, o.O. o.J. (1970)

30.04.1970:
Heute will die KPD/ML in Frankfurt-Fechenheim, Bornheim und Riederwald Infostände zur Maivorbereitung durchführen.
Q: KPD/ML-Ortsgruppen Mannheim, Frankfurt, Worms und Karlsruhe, Rote Garde Bergstraße und SABG Mainz: 1. Mai, o.O. o.J. (1970)

30.04.1970:
Die IAK berichtet ca. Mitte April über die Maivorbereitung in Frankfurt (vgl. 1.5.1970):"
JUNGSOZIALISTEN KÄMPFEN FÜR DEN 1. MAI

Der 1. Mai ist der Kampftag der internationalen Arbeiterklasse! Er ist der Tag, an dem die Arbeiterklasse ihre Forderungen anmeldet, sie demonstriert und dafür wirbt.

In Westdeutschland wurde er nach dem Kriege vom DGB in Form von Kundgebungen und Demonstrationen und von der SPD in Form von Veranstaltungen mit politischen Wahlkampf-Reden, Kabarett und Tanz organisiert.

Von Jahr zu Jahr wurden die DGB-Kundgebungen ebenso wie die SPD-Veranstaltungen immer schlechter besucht.
Die Ursache liegt in den immer unpolitischer werdenden Veranstaltungen, keine Klassenkampf-Forderungen, salbungsvolle Maireden. Seine Funktion als Kampftag der Arbeiterklasse hat der 1. Mai weitgehend verloren, weil die Arbeiterorganisationen sich vor dem Klassenkampf scheuen.

So steht der 1. Mai in diesem Jahr beim DGB unter dem Motto: 'Wir sichern den Fortschritt.'
Entsprechend diesem Motto finden wir in allen Städten der Bundesrepublik Tendenzen zur Auflösung der Maiveranstaltungen von Seiten der Bürokratie. In Frankfurt sieht das so aus, daß am 30. April in der Paulskirche eine Feierstunde mit Eintrittskarten die Mai-Kundgebung ersetzen soll. Die traditionelle Demonstration der Arbeiterjugend für die spezifischen Forderungen der Jugend soll ganz ausfallen, weil die Bürokratie unfähig war, im letzten Jahr die Kontrolle über die Veranstaltung zu behalten und weil sie zu den Problemen der Jugend nichts zu sagen hat.
Am 1. Mai sollten nur die Ausländer demonstrieren.

Die JUNGE GARDE (vgl. 4.4.1970,d.Vf.) hat in den Gewerkschaften für den 1.Mai gekämpft.
Sie forderte für den 30.4. anstelle der Paulskirchenversammlung die Jugenddemonstration und für den 1. Mai eine Demonstration und Kundgebung für ALLE Arbeiter. Ebenso hat die JUNGE GARDE in den Jungsozialisten (Jugendorganisation der SPD, d.Vf.) für eine Resolution zum 1. Mai gekämpft, die an den DGB gesandt wurde. Dabei geht es nicht nur um eine Verabschiedung der Resolution, sondern besonders um den Kampf mit der Resolution.

Denn es geht nicht nur um den 1. Mai abstrakt, sondern inhaltlich um die Losungen, die den Tageskampf der Arbeiterklasse ausdrücken. In den Septemberstreiks 1969 haben die Arbeiter Forderungen aufgestellt, die ihre Interessen ausdrücken und deren Nennung allein die Tarifpolitik der Gewerkschaften kritisiert, nämlich
1 000 DM Netto-Mindestlohn
4 Wochen Mindesturlaub
Gleitende Lohnskala
Absolute Lohnerhöhungen (keine prozentualen).
Genau diese haben wir für den 1. Mai gefordert.

Und daher ist der Kampf für die Resolution so wichtig. Sie muß in Betriebsversammlungen, Betriebsjugendversammlungen, Vertrauensleuteversammlungen, mit Betriebsräten und Jugendvertretern diskutiert werden. Sie dient dazu, junge Arbeiter für die Arbeit in den Gewerkschaften und in den Jungsozialisten auf dieser Grundlage zu organisieren. Denn es ist unsere Aufgabe, den Arbeitern und Jugendlichen eine Klassenkampf-Perspektive zu geben.

Es ist notwendig, eine solche Resolution in Versammlungen, in Sitzungen der SPD und der Jungsozialisten zu verabschieden und die anderen Genossen zu bitten, ebenso mit der Resolution zu arbeiten. Das gleiche gilt für die Gewerkschaften.

Bescheidene Erfolge wurden bereits erreicht. So druckt der DGB 50 000 Flugblätter für deutsche Arbeitnehmer zum 1. Mai und übernimmt für die Jugend teilweise Forderungen, die wir aufgestellt haben. Wir wissen, daß dieses Einlenken der Bürokratie nur Alibicharakter hat. Das heißt nur, daß wir im Augenblick noch zu wenige sind, die die Bürokratie zu entscheidenden Schritten zwingen können. Dennoch beweisen die Erfolge, z.B. bei den Jungsozialisten, daß es richtig ist, Klassenkampfforderungen in die SPD zu tragen.
Auch wenn wir die Bürokratie noch nicht zwingen können für Arbeiterforderungen einzutreten, so lernen wir doch durch unseren Kampf Genossen kennen, die bereit sind, dafür einzutreten. Die Organisierung der Avantgarde ist unser Ziel."

An anderer Stelle berichtet Gerda Voß für die IAK:"
Wie sah die Mai-Beerdigungsfeier der Gewerkschaften in diesem Jahr in Frankfurt aus?
Die traditionelle Arbeiterjugenddemonstration und Kundgebung am Vorabend des 1. Mai mußte ausfallen, weil im letzten Jahr die Bürokraten 1. die Veranstaltungen nicht kontrollieren konnten, denn sie hatten den Jugendlichen nichts zu sagen, wie diese ihre Interessen durchsetzen können, 2. die Gewerkschaften gegenüber anti-gewerkschaftlichen Äußerungen nicht verteidigen konnten, weil sie nicht bereits sind, für Arbeiterforderungen gegen die Unternehmer zu kämpfen, 3. kein Jugendlicher sich für ihre unpolitischen Forderungen hergibt; es gibt in Frankfurt keine Gewerkschaftsjugend, die hinter der Bürokratie steht.

Am Vorabend des 1. Mai sollte stattdessen eine Maigedenkfeier für Betriebsräte und Vertrauensleute mit Eintrittskarten in der Paulskirche stattfinden, damit kein 'unbefugter' Zutritt zum Kreis der Auserwählten findet, denn diese Kollegen sollten ja die Politik der Bürokratie verteidigen.

Der 1. Mai selbst sollte allein den ausländischen Arbeitern vorbehalten bleiben - diese Trennung zeigt den Charakter der Gewerkschaftsbürokratie.
Die ausländischen Kollegen sollten - getrennt und verlassen von ihren deutschen Kollegen - demonstrieren, einmal, um die Ausländer (die vielfach radikal sind) zu demoralisieren, zum andere um jede Solidarität zwischen deutschen und ausländischen Arbeitern zu verhindern, denn die Solidarität könnte sich ja gegen die gemeinsame Gewerkschaftsbürokratie wenden.

Der Kampf der Trotzkisten und der Jungen Garde im Kreisjugendausschuß und anderen Gewerkschaftsgremien und bei den Jungsozialisten führte dazu, daß erst einmal im Kreisjugendausschuß des DGB der 1. Mai auf die Tagesordnung gesetzt wurde und Beschlüsse für den 1. Mai als internationalem Kampftag und für die Verteidigung der Jugenddemonstration am Vorabend des 1. Mai gefaßt wurden.

Der Beschluß des Kreisjugendausschusses wurde rückgängig gemacht von solchen hauptamtlichen Gewerkschaftsbürokraten, die selbst für die Auflösung oder Nicht-Existenz von Gewerkschaftsjugendgruppen oder Ortsjugendausschüssen verantwortlich sind. Sie ernannten sich zu Jugenddelegierten, um die Forderungen der Gewerkschaftsjugendlichen besser bekämpfen zu können.

Der DGB und der Kreisjugendausschuß hat auf seinem offiziellen Flugblatt für den 1. Mai die Forderungen der Jungen Garde aufgegriffen und auf dieser Grundlage zur Maidemonstration eingeladen. Natürlich wurden etliche Forderungen abgeschwächt oder bürokratisch gewendet.
Trotzdem wurden wichtige Forderungen und Losungen wie die 'Allgemeine Versammlung der Jugend' akzeptiert.
ERST RECHT GILT ES JETZT DAFÜR ZU KÄMPFEN!

Aufgerufen von der Jungen Garde, der IAK und anderen sozialistischen Organisationen, demonstrierten am 30.4. vor der Paulskirche rund 200 größtenteils gewerkschaftlich organisierte Jugendliche
- für die Teilnahme der in der Paulskirche versammelten Kollegen an der Demonstration am 1. Mai
- gegen die Verhinderung der traditionellen Arbeiterjugenddemonstration am 30.4. durch die Bürokratie
- gegen die reaktionäre Paulskirchenversammlung
- für DM 1 000 Nettomindestlohn
- für DM 500 Lehrlingsentgelt
- für eine Arbeiterregierung
und für andere Arbeiterforderungen.

Als die Jugendlichen mit Eintrittskarten in den Versammlungsraum gehen wollten - der Saal war halb leer -, wurden sie von DKP- und SDAJ-Ordnern zurückgehalten und sogar verprügelt.

Die Stalinisten kämpfen gemeinsam mit den sozialdemokratischen Bürokraten gegen die Interessen der Jugend und der Arbeiterklasse!"

Die IKD (vgl. 28.4.1970, 3.5.1970) berichten intern:"
Frankfurt: zur Demonstration am 30. April sind nur 25 Leute gekommen (dabei der größte Teil von uns und ein paar versprengte Individuen, von denen wir einige aus DGB- bzw. APO-Gruppen her kannten). Die Demonstration fand deshalb nicht statt, wir zogen stattdessen unorganisiert zur Paulskirche, wo auch nur insgesamt 100 Leute standen. Dort kam es zu einer Rangelei zwischen DKP-Ordnern und Demonstranten (darunter befanden sich die Lambertisten) (IAK bzw. JG, d.Vf.), an der wir uns nicht beteiligten. Wir versuchten noch, eine kurze Kundgebung zu organisieren, aber auch das fiel ins Wasser."
Q: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 29 und 30, Frankfurt Apr. 1970 bzw. Mai/Juni 1970, S. 9 bzw. S. 3f; IKD-RK Rhein-Main: Protokoll der RK-Sitzung vom 3-5-70, o.O. o.J. (1970)

01.05.1970:
In Frankfurt bilden die Anhänger des Spartacus - Regionalausschusses Rhein/Main, nach eigenen Angaben, einen hundertköpfigen Block auf der Maidemonstration, zu dem sie auch in Hanau und Mainz aufrief. Die IKD (vgl. 3.5.1970) berichtet intern vom gestrigen Mißerfolg und:"
Am 1.Mai dafür aber eitel Sonnenschein: Formierung eines starken SPARTACUS-Blocks (ca. 100 Leute) mit relativ festen Ketten, guten und vielen Sprechchören, ausgezeichneten Transparenten etc. Auf der Kundgebung nach der offiziellen Kundgebung legten uns die Lambertisten (IAK bzw. JG, d.Vf.) rein. Wir hatten uns nach den Auseinandersetzungen mit den DKP-Ordnern vor der Paulskirche mit den Lambis geeinigt, ein gemeinsames Flugblatt herauszugeben (was auch geschehen ist) und danach eine eigene Kundgebung abzuhalten. Als erster sprach X (IAK-Mitglied, d.Vf.). Er sprach fürchterlich lange und alles drehte sich um die IAK (ihre neue Jugendorganisation). Zum Schluß stimmte er noch die Internationale an. Danach durfte dann Y von uns sprechen! … Gen. R2 stellte die Frage, warum am 1.Mai mehr Leute gekommen sind als am 30.April. Eine befriedigende Antwort konnte darauf nicht gegeben werden. Gen. R4 meinte, daß sich unserem Block Leute angeschlossen hätten, die sowieso zum 1.Mai gekommen wären. Der relative Erfolg unseres SPARTACUS-Blocks lag nach Einschätzung des Regionalkomitees darin, daß wir einmal als fast die einzige Gruppe (die Lambis hatten einen äußerst amorphen Haufen von ca. 30 Mann) imstande waren, einen einigermaßen festen Block zu formieren, optisch wirksame Transparente mitzutragen und kontinuierliche Sprechchöre zu rufen. Schon vom rein Optischen her wirkte der SPARTACUS-Block sehr geschlossen und hatte daher sicherlich einige Attraktivität für herumschwirrende Individuen oder kleinere Gruppen von Individuen. Außerdem kommt als entscheidender Punkt hinzu, daß wir durch unsere umfangreiche Flugblattkampagne, durch unsere persönliche Intervention bei DGB- bzw. APO-Gruppen politisch bekannt geworden sind und auch von daher den Demonstranten ein begriff waren. Es ist klar, daß der größte Teil des Blocks nicht als unsere Verankerung im Proletariat anzusehen ist. Davon sind wir noch weit entfernt. Aber daß die Leute sich in unseren Block eingereiht haben, ist sicherlich auch kein Zufall. Man kann schon mit Fug und Recht behaupten, daß der ca. Hundert-Mann-Block Ergebnis unserer Vorarbeit zum 1.Mai gewesen ist."

Laut DKP beteiligen sich 3 500 an der Maidemonstration.

Die IAK berichtet (vgl. 30.4.1970):"
Außer der Festlegung eines Termins für den Demonstrationszug am 1. Mai und dessen Teilung in zwei, hat die Gewerkschaftsbürokratie nichts für den 1. Mai getan. Die Mobilisierung ging von der IAK und der Jungen Garde sowie allen möglichen anderen sozialistischen Organisationen aus. Durch unseren Kampf haben wir erreicht, daß sich wenigstens die beiden Demonstrationszüge vereinigten. Insgesamt kamen 3 000 Teilnehmer zur Demonstration. Auf der abschließenden Kundgebung war der offizielle Sprecher der Gewerkschaftsjugend - von der Bürokratie eingesetzt - ein SDAJ-Vertreter (Jugendorganisation der DKP, d.Vf.). Zuletzt bei der Demonstration am Vorabend hat die SDAJ ja bewiesen, daß sie fähig ist, mit allen Mitteln die Bürokratie zu verteidigen.

Die IAK und die Junge Garde haben den SDAJ-Sprecher als offiziellen Vertreter der Gewerkschaftsjugend nicht akzeptiert. Wir haben ihn aufgefordert, Stellung zu den Vorfällen in der Paulskirche zu nehmen. Wir riefen:
'Gewerkschaft ja, Bürokraten nein',
'Kommunismus ja, Stalinismus nein'.

Der 1. Mai in Frankfurt und in anderen Städten hat gezeigt, daß hinter den Bürokraten keine für die bürokratische Politik mobilisierten Arbeiter stehen. Daher haben sie Angst, den 1. Mai zu organisieren.

Es gilt in den Gewerkschaften eine Klassenkampftendenz aufzubauen, die für die Forderungen der Arbeiterklasse kämpft. Wir müssen zeigen, daß die Bürokratie eine sozialdemokratische Agentur in den Gewerkschaften ist und daß der Kampf gegen die Gewerkschaftsbürokratie der Kampf gegen die Sozialdemokratie ist. Im ÖTV-Tarifkonflikt wurde dieser Zusammenhang deutlich sichtbar. Die Forderung '100 Mark mehr für alle' durfte nicht durchgesetzt werden, weil die Arbeiter aller Bereiche sie sofort aufgegriffen hätten. Die Erfüllung dieser Forderungen wurde durch die SPD/FDP-Koalition verhindert. Die Gewerkschaftsbürokratie unterstützt diese Koalition.

Der nächste 1. Mai muß ein Kampftag der internationalen Arbeiterklasse werden! Der erste Schritt ist die ALLGEMEINE VERSAMMLUNG DER JUGEND, organisiert von den Gewerkschaften und den Interessenvertretungen der Schüler und Studenten. Auf ihr wird diskutiert werden müssen, wie der Kampf geführt wird,
- für eine bessere Tarifpolitik
- für bessere Gesundheitsfürsorge
- gegen alle reaktionären 'Reformen'
- für eine Arbeiterregierung mit einem Klassenprogramm
- für eine antikapitalistische SPD-Alleinregierung, eine ARBEITERREGIERUNG, die allein die Interessen der Arbeiterklasse und der Jugend verteidigen kann.

Mit einer alternativen Politik im Interesse der Arbeiter muß die Klassenkampftendenz in den Gewerkschaften aufgebaut werden."

Berichtet wird über die Kritik der GEW Frankfurt am 1. Mai (vgl. 9.5.1970) und fortgefahren:"
Ebenso hat die Belegschaftsversammlung der Vorstandsverwaltung der IG-Metall die Organisierung des 1. Mai kritisiert. Sie forderte die zuständigen Kollegen auf, in Zukunft den 1. Mai als einen Tag der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse zu organisieren. Die nächste Vertreterversammlung der IG-Metall wird sich mit diesem Beschluß befassen müssen.

Kämpfen wir gegen die Kapitulation der Gewerkschaften vor den Unternehmern!"

Auf der Frankfurter Maidemonstration bildet die KPD/ML-ZK, nach eigenen Angaben, einen eigenen Block.

Zum ersten Mai 1970 erscheint ein Flugblatt, in dem zu Demonstrationen in Frankfurt, Mannheim und Mainz aufgerufen wird. Als Kontaktadressen werden neben den KPD/ML-Ortsgruppen Mannheim (Emil Ludwig), Frankfurt (Lothar Wolfstetter), Worms (Bernd Fritz) und Karlsruhe (Anton Martus) auch die Rote Garde Bergstraße (H. Schmidt) und die Sozialistische Arbeiterbasisgruppe (SABG) Mainz (Hans Herrmann Vedder) genannt.
Q: KPD/ML-Ortsgruppen Mannheim, Frankfurt, Worms und Karlsruhe, Rote Garde Bergstraße und Sozialistische Arbeiterbasisgruppe Mainz: 1. Mai, o.O. o.J. (1970); Roter Morgen Nr. 6, Hamburg Juni 1970;Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 30, Frankfurt Mai/Juni 1970, S. 4;Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 19, Düsseldorf 9.5.1970;IKD-Leitung: Erklärung, o.O. 21.5.1970;IKD-RK Rhein-Main: Protokoll der RK-Sitzung vom 3-5-70, o.O. o.J. (1970);Was tun Nr. 12, Mannheim 1970, 11

GIM_Was_tun_1970_12_13


01.05.1970:
In Frankfurt verfaßt, laut SAG, eine Gruppe, aus der später die SAG mit hervorgehen, zum 1. Mai ein Papier "Perspektiven einer sozialistischen Arbeiterpolitik" Darin wird u.a. ausgeführt, daß man im letzten Jahr mit der Agitation und dem Betriebsgruppenaufbau bei Cassella und bei Adler (3 Personen), wo auch die DKP tätig ist, sowie mit der LAW-Aktionsgruppe begonnen habe.
Q: SAG: Schulungstexte Nr. 1, Frankfurt Feb. 1974

03.05.1970:
Es tagt das IKD-Regionalkomitee (RK) Rhein/Main (vgl. 28.4.1970). Zur Mai-Kampagne heißt es generell:"
Zur Einschätzung selber: Trotz des Debakels am 30.April in Darmstadt und Frankfurt war die generelle politische Linie richtig gewesen. Die äußeren Umstände (später Beginn der Arbeit in der Region, Scheitern der Einheitsfront) zwangen uns, zu einem Zeitpunkt über unsere Kräfte Heerschau zu halten, wo diese noch sehr mager sind. Die vielen Kontakte, die wir geknüpft haben, sind zwar vielversprechend, reichen aber noch lange nicht für eine reale Verankerung aus. Trotzdem bleibt die sehr wichtige Funktion der Flugblattkampagne, die nicht so sehr eine direkte Mobilisierung für den 30.April war als vielmehr eine 'Visitenkarte' (R1). Diese Flugblattkampagne hat uns in der Region als politische Gruppe bekannt gemacht. Das ermöglicht uns, im weiteren Verlauf der Arbeit wesentlich konkreter auf bestimmte Punkte einzugehen. Gen. R2 kritisierte in diesem Zusammenhang sehr scharf, daß wir in unseren Flugblättern die jetzt im Chemiebereich anstehenden Tarifauseinandersetzungen ausgespart haben. Schon einmal (in der Auseinandersetzung mit den Lambertisten) ( bzw. JG,d.Vf.) sind wir auf dieses Problem gestoßen worden. Damals hatten wir einstimmig festgestellt, daß wir in diesem Punkt so rasch wie möglich die nationale Diskussion in unserer Organisation beginnen müßten. Zum 1.Mai sei aber (so R1 und R3) nur zu sagen, daß wir UNFÄHIG gewesen wären, mehr oder weniger aus dem hohlen Bauch heraus auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Fragen, die die gesamte Arbeiterklasse betreffen, müßten aber nichtsdestoweniger sehr rasch (wenn möglich schon auf der nächsten Nationalen Konferenz) zumindest andiskutiert werden.

Zur Gründungskonferenz:
In der allgemeinen Diskussion über den RA sind wir einstimmig zu der Überzeugung gelangt, die Gründung so rasch wie möglich zu vollziehen. Als einzig geeigneter Termin erscheint der Sonnabend vor Pfingsten (vgl. 16.5.1970,d.Vf.). Zum Inhalt: aufbauend auf der Auswertung der Mai-Kampagne (sowohl Veränderungen nach innen wie nach außen) und damit der konkreten Frage, warum am 30.April Niederlage und am 1.Mai (auch in Darmstadt) relativer Erfolg müßten wir zu dem globaleren Problem kommen: politische Bewußtseinsbildung bei jungen Arbeitern (dabei die Unterschiede zu Berlin aufzeigen) und die Rolle der APO darin".
Q: IKD-RK Rhein-Main: Protokoll der RK-Sitzung vom 3-5-70, o.O. o.J. (1970)

03.05.1970:
Die IKD berichten intern von den Auswirkungen ihrer Maikampagne auf die eigene Gruppe in Frankfurt (vgl. 1.5.1970):"
Die Gruppe ist dabei, sich zu konsolidieren. Dabei sind schon zwei Genossen herausgefallen (zwei Genossen aus Neu-Isenburg, bei einem hat sich herausgestellt, daß er noch zu jung ist, beim anderen, daß er besser in einem familiären Zirkel aufgehoben wäre.)"
Q: IKD-RK Rhein-Main: Protokoll der RK-Sitzung vom 3-5-70, o.O. o.J. (1970)

06.05.1970:
Für die IAK berichtet Doris Müller aus Frankfurt aus den Jusos der SPD (vgl. 20.5.1970):"
BEGINN EINER KLASSENKAMPFPOLITIK BEI DEN JUNGSOZIALISTEN

Im Mai fanden in Frankfurt zwei zentrale Mitgliederversammlungen der Jungsozialisten statt. Es gab dort harte politische Auseinandersetzungen, wie sie die Jusos schon lange nicht mehr erlebt hatten.

Der Unterbezirksausschuß der Jusos (UBA) mußte sich zunächst rechtfertigen für seine Politik in Bezug auf den 1. Mai und dem Vorabend zum 1. Mai.

Die Gewerkschaftsbürokraten hatten für den 1. Mai aufgrund des Kampfes der Jungen Garde in der Gewerkschaftsjugend eine Demonstration nur für die Jugendlichen organisiert, während am Vorabend des 1. Mai als Alibiveranstaltung für die ausgefallene Demonstration und Kundgebung der gesamten Arbeiterklasse eine Feierstunde in der Paulskirche mit Eintrittskarten und Ordnern organisiert wurde.

Gegen diese Manöver der Gewerkschaftsbürokratie hatte der UBA eine Kundgebung und Demonstration der Jungsozialisten zur Paulskirche geplant und dann später wieder zurückgenommen. Folgende Gründe für die Zurücknahme wurden angegeben: In einer vom UBA schlecht vorbereiteten Versammlung von sozialistischen Gruppen und Jugendvertretern, auf der die SDAJ (Jugendorganisation der DKP,d.Vf.) und nur zwei Jugendvertreter aus Produktionsbetrieben anwesend waren, lehnte die SDAJ die geplante Kundgebung und Demonstration ab.Die propagandistische Verteidigung der stalinistischen Bürokratie in der DDR geht in der SDAJ Hand in Hand mit dem praktischem Kampf gegen jeden Ansatz von Kritik an der Gewerkschaftsbürokratie in der Bundesrepublik. Der UBA, von der SDAJ alleine gelassen, sah sich nun außerstande, die Jungsozialisten und andere Gewerkschaftsjugendliche für den 30.4. zu mobilisieren. Er übersah, daß eine Jusogruppe aus dem Stadtteil Bockenheim II, in der auch Mitglieder der Jungen Garde sind, den Vorschlag des UBA aufgefordert (? gemeint ist wohl aufgegriffen,d.Vf.) hatte zur Vorbereitung der Demonstration eine zentrale Mitgliederversammlung der Jungsozialisten einzuberufen. Diese Jusogruppe informierte andere Gruppen über die Politik des UBA und forderte die Jungsozialisten auf, trotzdem zur Paulskirche zu kommen und einen Protestbrief an den UBA zu schicken. Drei weitere Gruppen verfaßten einen Protestbrief. Nachdem außerdem 200 Jugendliche zur Paulskirche kamen, es waren dort neben der Jungen Garde auch Spartacus, SAG, AStA und der SHB vertreten, verblaßte das Argument des UBA, es seien keine Jungsozialisten, keine anderen sozialistischen Gruppen und die Gewerkschaftsjugend überhaupt für eine Demonstration zu gewinnen.

Auf der zentralen Mitgliederversammlung der Jungsozialisten am 6. Mai konnte sich der UBA nur noch durch Diffamierung der Jusogruppe Bockenheim II und der Jungen Garde rechtfertigen. Mit dem Argument, die Junge Garde könne das politisch für sich auswerten, konnte der UBA mit knapper Mehrheit einem Protestbrief an den DGB-Kreis, in der die Politik der Gewerkschaftsbürokratie zum 1. Mai und zum 30.4. kritisiert wurde, entgehen."
Q: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 30, Frankfurt Mai/Juni 1970, S. 4f

09.05.1970:
Die IAK berichtet aus Frankfurt:"
Auch nach dem 1. Mai werden die Gewerkschafter mit der Kapitulationspolitik der Bürokratie konfrontiert. So wurde auf der Hauptversammlung der GEW am 9.5. durch unsere Genossen eine Protestresolution durchgesetzt, die das Verhalten des GEW-Vorsitzenden Frister kritisiert, der das Hauptreferat in der Paulskirche (vgl. 30.4.1970,d.Vf.) hielt, obwohl er wissen mußte, daß draußen Gewerkschaftsjugendliche standen, die nicht hereingelassen wurden. Die Hauptversammlung forderte ihren zuständigen Kollegen auf, durchzusetzen, daß der 1. Mai in Zukunft als ein Tag des Klassenkampfes mit öffentlichen Kundgebungen organisiert wird."
Q: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 30, Frankfurt Mai/Juni 1970, S. 4

13.05.1970:
In Frankfurt verfaßt die ehemalige Gruppe Frankfurt-2 der alten deutschen Sektion des VS der Vierten Internationale und ehemalige Gruppe Frankfurt der IKD vgl. 7.3.1970) und jetzige Trotzkistische Fraktion der Freitagsgruppe ein Papier "Standort der ehemaligen F2-Gruppe", in dem es u.a. heißt:"
Sehr bald stellte sich jedoch heraus, daß in der IKD die Orientierung auf die Jugendarbeit absoluten Vorrang gewann. Die Frankfurter Gruppe konnte diese einseitige und obendrein strategisch begründete Orientierung nicht akzeptieren. Ihr Arbeitsmilieu war weitgehend auf den 'Freitagskreis' beschränkt, einer im Kern aus ehemaligen Frankfurter Falken bestehenden Gruppierung, die vor 6 Jahren aus diesem Verband ausgeschlossen wurde. Außerdem stellte sich heraus, daß die ursprüngliche Kritik des überwiegenden Teils der IKD am Internationalen Sekretariat und seinen Praktiken in eine undifferenzierte Ablehnung der gesamten IV. Internationale umschlug. Diese Entwicklung führte schließlich zu einer Trennung der Frankfurter Gruppe von der IKD im März 1970. Eine intensive Schulungsarbeit mit dem Freitagskreis führte in der Folge zu einer organisatorischen Verschmelzung dieses Kreises mit der Frankfurter Gruppe. Die so entstandene 'Freitagsgruppe' widmete ihre erste Aktivität der Vorbereitung des 1.Mai in Frankfurt unter dem Motto 'Trotzkisten an einen Tisch' - einer Einheitsfrontinitiative, die durch die intransigente Haltung der Lambertisten jedoch torpediert wurde."
Q: Freitagsgruppe Frankfurt-trotzkistische Fraktion: Standort der ehemaligen F2-Gruppe, Frankfurt 13.5.1970

November 1970:
Die Junge Garde (JG) der IAK berichtet vermutlich aus dem November über den Frankfurter Metallbetrieb Messer Griesheim:"
JUGENDVERTRETER AUS BETRIEBSRAT UND VERTRAUENSLEUTEKÖRPER AUSGESCHLOSSEN BEI MESSER GRIESHEIM - ER IST IN DER JUNGEN GARDE
'FORTSCHRITTLICHE' BERUFSAUSBILDUNG

Ein Jugendvertreter, der in der Jungen Garde organisiert ist, baute mit Jugendlichen eine Betriebsgruppe auf, die einen Forderungskatalog ausarbeitete. Neben der Verbesserung der Berufsausbildung fordern wir:
- Kostenlose Mittagessen für alle Lehrlinge
- Stellung und kostenlose Reinigung der Arbeitsanzüge
- 4 Wochen Urlaub für alle Lehrlinge und 2 Wochen bezahlten Bildungsurlaub
- Abschaffung der Stechkarten.

Wir wissen, daß diese Forderungen nicht getrennt sind von den Forderungen der Arbeiter. Deshalb kämpft die Jugendvertretung auf Betriebsrats- und Vertrauensleutesitzungen für diese Forderungen, indem sie dort für den 1.Mai als Kampftag der Arbeiter mobilisierte.

Am 30. April demonstrierten wir gegen die Feierstunde der Gewerkschaftsführung in der Paulskirche und verlangten von ihnen eine Antwort auf unsere Forderungen.

DIE REAKTION DER GEWERKSCHAFTSFUNKTIONÄRE

Die Antwort der Betriebsräte und Vertrauensleute, die so viel von Arbeiterdemokratie sprechen, war sehr deutlich: sie schlossen den Jugendvertreter, der als Mitglied der Jungen Garde am konsequentesten für die Forderungen kämpfte, aus allen Sitzungen aus, obwohl das gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstößt, wo der Paragraph 35 festlegt, daß jeder Jugendvertreter an Betriebsratssitzungen teilnimmt, wenn Jugendfragen behandelt werden. Als Begründung nannte man schlicht und einfach sein 'Verhalten in letzter Zeit'. So leicht ist das.

Der JV schrieb daraufhin einen Brief an den Hauptvorstand der IGM, in dem er der Gewerkschaft die Situation schilderte und sie um Unterstützung bat. Da der Vorsitzende des Betriebsrates jedoch Mitglied der Ortsverwaltung der IG Metall ist, blieb von der Gewerkschaft jede Stellungnahme aus, von Unterstützung ganz zu schweigen."
Q: Junge Garde Nr. 5, Bochum Dez. 1970 / Jan. 1971, S. 14ff

Januar 1971:
Ende Januar wird in Frankfurt, auf Initiative der KJO Spartacus, nach deren eigenem internen Bericht, auf einer Funktionärstagung des KJA mit 15 bis 20 Teilnehmern (FLC, SDAJ, KJO und Unabhängige) ein Maiarbeitskreis (AK) gegründet.
Q: KJO Spartacus: Nationales Internes Bulletin Nr. 7, o.O. Juni 1971

10.01.1971:
Der 'KND' (vgl. 27.1.1971) der KPD/ML-ZB und des KJVD berichtet:"
KREISJUGENDKONFERENZ DES DGB

Am 10.1. fand in X eine Kreisjugendkonferenz statt, auf der 41 Delegierte vertreten waren. 12 davon waren von den Spartacus-Trotzkisten (KJO Spartacus,d.Vf.) mit Anhang.

Spartacus, der in der IGM eine Jugendgruppe mit Lehrlingen beherrscht, stellte den Antrag, daß die Kreisjugendkonferenz eine zentrale Jugenddemonstration zum 1. Mai fordert (diese Linie verfolgte die KJO im Rhein-Main Gebiet,d.Vf.) Doch dies wurde in der Diskussion klar zurückgewiesen: Es wurde klargestellt, daß diese Forderung nur die Arbeiterklasse spaltet und daß man nur einer Gesamtdemonstration der Arbeiter zustimmen würde. Die Trotzkisten enthüllten ihre Politik an diesem Punkt sehr deutlich: ihnen geht es nur darum, eine Jugendbewegung zu züchten wollen, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, da sie ohne die älteren Proletarier mit der Jugend als 'Vorhut der proletarischen Partei' den Sozialismus erreichen wollen. Die Gegenforderung der klassenbewußtesten Jungproletarier gegen die spalterische Spartacus-Forderung lautete: Gesamtdemonstration, um die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus zu demonstrieren. Diese Forderung wurde mit 2/3 Mehrheit gegen die Stimmen von Spartacus angenommen.

Der nächste Antrag der Trotzkisten betraf die Novellierung des BVG. Nach einer größtenteils richtigen Einschätzung des BVG folgte die Forderung, die reaktionäre Schweige- und Friedenspflicht der Betriebsräte abzuschaffen. Dieser Teil des Antrags wurde von den klassenbewußten Jungproletariern der Konferenz unterstützt.

In der Resolution, die verabschiedet wurde, heißt es:
'Die reaktionäre Friedens- und Schweigepflicht muß abgeschafft werden. Arbeiter und Unternehmer haben kein gemeinsames Interesse, das ihnen eine 'vertrauensvolle' Zusammenarbeit ermöglicht. Jugendvertretung, Betriebsrat und Gewerkschaften sind die Interessenvertretungen der Arbeiter und Angestellten und deshalb nur ihnen verantwortlich. Sie haben den Arbeitskampf gegen die Unternehmer zu führen und nicht mit ihnen zusammenzuarbeiten…

2. Die sozialpartnerschaftlichen Mitbestimmungsregelungen müssen beseitigt werden, denn sie dienen nur dazu, den Arbeitern und ihren Vertretern einen Teil der Verantwortung für das Funktionieren der kapitalistischen Unternehmen aufzubürden, um sie dadurch an das Profitinteresse der Unternehmer zu ketten. Die Arbeitervertretungen müssen unabhängig sein von den Unternehmern, um konsequent für die Interessen der Arbeiter und Angestellten eintreten zu können.'

Im 2. Teil des Antrags sprach sich Spartacus für Minderheitsklauseln zur Besetzung des Betriebsrates aus; die Jugendvertretung sollte einen gewählten stimmberechtigten Vertreter im Betriebsrat haben und eine unabhängige Jugendvertretung. Damit hätte die Jugend im Betrieb zwei Jugendvertretungen und nur einen Stimmberechtigten im Betriebsrat. Diese spalterische Forderung wurde wiederum von der Mehrzahl der Delegierten abgelehnt. Sie machten den Gegenvorschlag, daß die Jugendvertretung entsprechend den speziellen Interessen der Jugendlichen von diesen gewählt wird, ihnen verantwortlich ist und von diesen abgesetzt werden kann. Darüberhinaus soll die Jugendvertretung im Betriebsrat VOLL stimmberechtigt sein bei ALLEN Fragen. Auch diese Änderungsvorschläge zu den Spartacus-Forderungen wurden angenommen.

Zuletzt stellte Spartacus einen Initiativantrag zu den staatlichen Lehrwerkstätten. Die Begründung für diese Forderung war wiederum so widerspruchsvoll, daß sie schnell von der Mehrheit durchschaut wurde: Es wurde klargestellt, daß solche Formen der Ausbildung nur den Unternehmern den Nutzen bringen können, aber nicht der Arbeiterjugend. Spartacus sprach einerseits von der Macht der Kapitalisten und ihrem Staat, die gebrochen werden muß, und andererseits von staatlichen Lehrwerkstätten, um die Ausbildung dem EINZELNEN Kapitalisten zu entreißen. Anstelle der Spartacus Forderung nach staatlichen Lehrwerkstätten wurde von der Mehrheit der Delegierten die Forderung 'FÜR ARBEIT IN DER PRODUKTION - ARBEITER- ODER GESELLENLOHN!' aufgestellt.

Durch das geschlossene Auftreten der klassenbwußtesten Jungproletarier auf dieser Konferenz wurden somit die spalterischen Forderungen von Spartacus entlarvt und entschieden zurückgewiesen."

Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Feb. 1971) berichtet:"
GEWERKSCHAFTSJUGEND STELLT SICH HINTER FORDERUNGEN DES KJVD

Auf der Kreisjugendkonferenz des DGB, Kreis Mainz-Bingen, konnte bei allen Abstimmungen eine große Mehrheit für die Anträge, die von KJVD-Mitgliedern kamen, erzielt werden. Auf dieser Konferenz hat sich wieder einmal gezeigt: Die Forderungen des Kommunistischen Jugendverbandes sind richtig; es sind die Forderungen der Arbeiterjugend.

1.MAI - KAMPFTAG DER GANZEN ARBEITERKLASSE

Eine sozialdemokratische Gruppe, die sich 'Spartacus' nennt, stellte den Antrag, am 1.Mai eine zentrale Jugenddemonstration zu machen.

Der KJVD lehnte scharf ab.

'Eine Demonstration am 1.Mai soll unsere Stärke zeigen. Stark ist die Arbeiterklasse aber nur, wenn Einheit herrscht. Einheit zwischen Jungarbeitern und Lehrlingen, zwischen jüngeren und älteren Kollegen.

Deshalb müssen bei allen Aktionen, und erst recht bei einer Demonstration am 1.Mai, junge und ältere Kollegen zusammen mitmachen.'

Allen anderen war das klar, der 1.Mai ist ein Kampftag der Arbeiter gegen Ausbeutung und Unterdrückung. - Und gegen den gemeinsamen Feind aller Arbeiter, die Kapitalisten und ihren Staat muß auch ein gemeinsamer Kampf geführt werden.

Der Antrag der Spalter wurden von allen anderen geschlossen abgelehnt.

'AM 1.MAI SOLL DIE GEWERKSCHAFT ZU EIENER MÄCHTIGEN DEMONSTRATION ALLER ARBEITER, JUNGARBEITER UND LEHRLINGE AUFURUFEN.'

Dieser Antrag unserer Genossen wurde ebenso geschlossen angenommen.

Jetzt rückten diese feinen Sozialdemokraten mit einem Antrag heraus, nach dem die Jugendvertretung sich in Zukunft teilen solle in einen Teil, der im Betriebsrat sitzt und einen Teil außerhalb.

Und wieder muß eine Niederlage hingenommen werden. Alle anderen anwesenden Lehrlinge waren der Meinung:

WIR BRAUCHEN EINE STARKE JUGENDVERTRETUNG, DIE VOLL STIMMBERECHTIGT IM BETRIEBSRAT IST.

Zum Schluß versuchten es die Leute von Spartacus noch einmal mit den zentralen Lehrwerkstätten. Aber hier ernteten sie gleich von Anfang an nur noch Kopfschütteln von den anderen Lehrlingen.

Die Spartacisten gaben selbst zu: 'Wir leben in einem kapitalistischen Staat.' Ja, was nützt es uns denn dann, wenn wir nicht von einzelnen Kapitalisten ausgebildet werden, sondern von ihrem Staat? Die Lehrlinge sind doch dann nur die Betrogenen, wenn man sie aus den Fabriken rausholt und in zentrale Lehrwerkstätten steckt. Denn dann, ohne die älteren Kollegen, sind sie so schwach, daß sie sich überhaupt nicht mehr wehren können.

Die Jungarbeiter und Lehrlinge aus dem KJVD stellten stattdessen die Forderung auf:

60% des Ecklohns für alle Lehrlinge
80% des Effektivlohns für Arbeit in der Produktion.

(Diese Kreisjugendkonferenz war die erste gewerkschaftliche Veranstaltung dieser Art, auf der die KJVD-Genossen aufgetreten sind. So haben sie im Eifer des Gefechts einen Fehler gemacht. Der KJVD fordert natürlich für die Arbeit in der Produktion nicht nur 80% des Arbeitslohnes für Lehrlinge, sondern den gleichen Lohn - 100% des Effektivlohns.

Es wird den Genossen in ihrer Arbeit im Jungarbeiter- und Lehrlingszentrum und in ihrer weiteren Betriebsarbeit bestimmt gelingen, den Jungarbeitern und Lehrlingen klarzumachen, daß das auch die einzig richtige Forderung ist. Anm. d. red.)

Wieder stimmten die Delegierten bis auf die Spartacusleute für diesen Antrag. Zuletzt faßten die Delegierten den Beschluß, auf Stadtebene ein Jungarbeiter- und Lehrlingszentrum einzurichten, in dem die gewerkschaftlichen Jugendbetriebsgruppen zusammengefaßt werden sollen.

Diese Kreisjugendkonferenz hat gezeigt, daß der Kommunistische Jugendverband auch im wirtschaftlichen Kampf die Organisation ist, die am entschlossensten für die Interessen der Arbeiterjugend eintritt. Und sie hat gezeigt, daß die Arbeiterjugend immer mehr erkennt, daß die Forderungen des KJVD ihre Forderungen sind."

Der KJVD veröffentlicht auch die Punkte 1. und 2. aus der im 'KND' zitierten Resolution, wobei auch der im 'KND' ausgelassene Satz des Punktes wiedergegeben wird:"
Dabei müssen sie den Belegschaftsmitgliedern jederzeit uneingeschränkt Rechenschaft ablegen können."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 7, Bochum 27.1.1971, S. 6f; Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 2, Bochum Feb. 1971, S. 5

April 1971:
Vermutlich im April gibt die KPD/ML-ZK bei Hoechst Frankfurt ein Extrablatt ihrer 'Rotfront' (vgl. 23.3.1971, 15.4.1971) zum 1.Mai heraus. Die Rote Garde (RG) Betriebsjugendgruppe verteilt ebenfalls mindestens ein Flugblatt.
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt-RBG Hoechst, RBG Cassella: Chemiearbeiterkampf 1971 Analyse Bericht Dokumentation, Frankfurt o.J. (1971)

April 1971:
Vermutlich im April verfaßt die Ortsgruppe Frankfurt der KPD/ML-ZK einen "Aufruf der KPD/ML OG Frankfurt zur Einheit aller revolutionäre am 1. Mai" zur Bildung eines Maikomitees, den sie nach eigenen Angaben weitergibt an GUPS und GUPA, Trikont, CISNU Iran, KJVD der KPD/ML-ZB, Rote Panther, die BPG (Revolutionärer Kampf), Pädagogen, Rotes Banner, Holger-Heide-Gruppe, die KG "und die uns bekannten Genossen".
Q: KPD/ML-ZK-OG: Aufruf der KPD/ML OG Frankfurt zur Einheit aller revolutionäre am 1. Mai, Frankfurt o. J. (1971)

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April 1971:
In Frankfurt erscheint die Nr. 2 der Ausgabe Naxos des 'Roten Metallers' der KPD/ML-ZK (vgl. Feb. 1971, Juni 1971) mit dem Leitartikel "Heraus zum 1. Mai!".
Q: Roter Metaller Naxos Nr. 2, Frankfurt Apr. 1971, S. 1ff

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April 1971:
In Frankfurt erscheint die Nr. 3 der Ausgabe Samson des 'Roten Metallers' der KPD/ML-ZK (vgl. März 1971, Juli 1971) mit folgendem Leitartikel: "
IST DIE IG-METALL NOCH UNSERE ORGANISATION?

Wir müssen unseren Kampf, der sich letztenendes gegen das gesamte kapitalistische System richtet, zusammen mit einer konsequenten Opposition außerhalb der Gewerkschaft führen.

UNTERSTÜTZT DESHALB DEN AUFBAU DER ROTEN BETRIEBSGRUPPE!

Am 1. Mai müssen wir beginnen den Widerstand in der kommenden Krise und den Kampf in der Metallindustrie im Herbst zu organisieren."

Ein weiterer Artikel, "1. Mai: Kampftag der Arbeiterklasse! Gegen Lohnabbau und Steuerraub, gegen Kurzarbeit und Entlassungen" wurde vermutlich aus einem anderen Organ übernommen, geht auf die Maifeiern in Deutschland in den Jahren 1890, 1916 und 1933 sowie in Berlin 1929 ein und endet:"
Nach dem zweiten Weltkrieg würdigten die SPD-Führung und die Gewerkschaftsbonzen den 1. Mai zu einem bloßen Feiertag herab. Wenn trotzdem die Arbeiterklasse den 1. Mai mit kämpferischen Losungen zu bestimmen drohte, dann versuchten sie häufig, sich mit ein paar radikalen Worten an die Spitze zu setzen. Damit wollten sie die Arbeiter wieder in den Griff bekommen. Es ist klar: Sie wollen nach wie vor den 1.Mai zu einem Tag der Versöhnung der Arbeiterklasse mit dem Kapital machen. Aber die kommunistische Bewegung ist stark genug. Sie setzt sich am 1.Mai gegen die Opportunisten und gegen die Feinde der Arbeiterklasse durch."
Q: Roter Metaller Samson Nr. 3, Frankfurt Apr. 1971, S. 4

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April 1971:
Vermutlich im April erscheint in Frankfurt erstmals der 'Klassenkampf' (vgl. 15.6.1971) als Maizeitung der Sozialistischen Arbeiter Gruppen (SAG) Frankfurt. Der Namenszusatz Frankfurt fällt später, ebenso wie der Plural im Gruppennamen fort. International gehört die SAG zu den Internationalen Sozialisten (IS) um Tony Cliff (Abspaltung von der Vierten Internationale 1939, wegen der Einschätzung der SU als Staatskapitalismus). Für die Zeitung, die 30 Pf. kostet, zeichnet Hans Linde verantwortlich. Die nach eigenen Angaben aus Arbeitern, Angestellten, Lehrlingen und Studenten bestehenden SAG befassen sich mit der Metalltarifrunde (MTR) in NRW und Baden-Württemberg, sowie mit den Lehrlingen im Handwerk und im Groß- und Einzelhandel (HBV-Bereich). Eine Anzeige wirbt für das 'Rote Berichtsheft' der Aktionsgruppe städtische Lehrlingsausbildungswerkstätten (LAW - ÖTV-Bereich).
Q: Klassenkampf Maizeitung, Frankfurt 1971

April 1971:
Bei Opel Rüsselsheim gibt die KPD/ML vermutlich im April ihren 'Roten Metaller' Nr. 2 (vgl. März 1971, Juli 1971) heraus mit dem Leitartikel "Machen wir aus dem 1. Mai wieder den Kampftag der Arbeiterklasse!", wobei aufgerufen wird zur Demonstration in Frankfurt-Sindlingen. Es erscheint auch der Artikel "'Rotes Fließband' und wir", wobei nun auf Gemeinsamkeiten mit der KPD/ML-ZB und dem KJVD verwiesen wird, weshalb man auch zum 1. Mai ein Bündnis angeboten habe.
Q: Roter Metaller Nr. 2, Rüsselsheim o. J. (1971), S. 1f und 4

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07.04.1971:
Die RJ/ML Ortsgruppe Walldorf/Mörfelden verfaßt ihren letzten Bericht an das ZK, für die Zeit vom 9.2.1971 bis heute. U.a. heißt es:"
E. Zusammenarbeit mit der MLS (Gruppe Marxistisch-Leninistischer Studenten,d.Vf.)

Die MLS ist für uns eine große Hilfe. Die Genossen haben den Verteilerdienst von 2 Berufsschulen übernommen. Weiterhin tragen sie die Kosten der Frankfurter Betriebszeitung. Genossen der RJ/ML und der MLS ein Aktionskomitee für den 1.Mai gebildet, das die Arbeit von uns am 1.Mai in Frankfurt planen soll. Ebenso wurden regelmäßige Treffs vereinbart, um über kurzfristige Sachen, die anstehen, zu diskutieren. Über eine längerfristige Zusammenarbeit wird erst in den nächsten Wochen diskutiert.
Q: RJ/ML-OG W/M: Bericht der Ortsgruppe Walldorf / Mörfelden für die Zeit vom 9.2.-7.4.71, o.O. o.J. (1971)

12.04.1971:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Frankfurt und Groß Gerau die RJ/ML des KAB/ML die Nr. 3 ihrer 'Jungarbeiter und Lehrlingspresse' (JLP) (vgl. 29.3.1971, 24.5.1971) heraus. Aufgefordert wird: "Heraus zum 1. Mai".
Q: Jungarbeiter- und Lehrlingspresse Nr. 3, Frankfurt/Groß Gerau Apr. 1971, S. 6

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15.04.1971:
Bei Hoechst Frankfurt gibt die KPD/ML-ZK eine Ausgabe ihrer 'Rot Front!' (vgl. 5.4.1971, 19.4.1971) unter der Schlagzeile "Hinhaltemanöver der Bonzen" heraus.

In "Kampftag der Arbeiterklasse" wird aufgerufen zum 1. Mai.
Q: Rot Front! - Ausgabe Hoechst Werk Höchst und Griesheim Hinhaltemanöver der Bonzen, Frankfurt 15.4.1971, S. 3

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19.04.1971:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Frankfurt die KPD/ML-ZK die Nr. 4 der Ausgabe Cassella ihrer 'Rotfront' (vgl. 6.4.1971, 27.5.1971) heraus mit dem Artikel "Heraus zum 1. Mai", wobei zur Maidemonstration aufgerufen und von Phrix Okriftel berichtet wird.
Q: Rotfront - Ausgabe Cassella Nr. 4, Frankfurt Apr. 1971, S. 5ff

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19.04.1971:
Vermutlich in dieser Woche gibt die KPD/ML-ZK bei Hoechst Frankfurt die Nr. 4 ihrer 'Rot Front!' (vgl. 15.4.1971, Mai 1971) heraus mit dem Leitartikel "Heraus zum 1. Mai", der zur Maidemonstration der KPD/ML-ZK aufruft.

Die Rote Garde (RG) ruft auf: "Heraus zum 1. Mai. Kampftag der Arbeiterklasse", wobei sie sich u.a. auch mit der Kupferhütte Duisburg beschäftigt. Aufgerufen wird zur Versammlung der Roten Garde zum 1. Mai und zum Lohnkampf am 29.4.1971.
Q: Rot Front! - Ausgabe Hoechst Werk Höchst und Griesheim Nr. 4, Frankfurt 1971, S. 1ff und 6f

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19.04.1971:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Frankfurt die RJ/ML des KAB/ML die Nr. 2 ihres 'T+N-Arbeiters' (vgl. 29.3.1971) heraus. Der Leitartikel fordert "Heraus zum 1. Mai", geht auf die Geschichte ein und entwickelt einige Forderungen vom BVG bis Vietnam.

Erneut erscheinen 4 Seiten unter dem Titel 'Der T+N - Lehrling'. Hier wird aufgerufen zum 1. Mai und zur Jugenddemonstration am 30.4.1971.
Q: Der T+N-Arbeiter Nr. 2, Frankfurt Apr. 1971, S. 1ff und 7

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23.04.1971:
Vermutlich Ende dieser Woche gibt die Ortsgruppe Frankfurt der KPD/ML-ZK das Flugblatt "Heraus zum 1. Mai!" heraus, das aufruft zur Mai-Demonstration in Sindlingen, aber auch zu den 1. Mai-Versammlungen der KPD/ML in Riederwald am 26.4.1971 und in Fechenheim am 28.4.1971 sowie zur Versammlung der Roten Garde Fechenheim am 26.4.1971 im Tischtennisraum des Rathaus.
Q: KPD/ML-ZK-OG: Heraus zum 1. Mai!, Frankfurt o. J. (1971)

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29.04.1971:
In Frankfurt-Höchst will die Rote Garde (RG) der KPD/ML-ZK heute eine Versammlung zum 1.Mai und zum Lohnkampf bzw. zur Chemietarifrunde (CTR) durchführen.
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt-RBG Hoechst, RBG Cassella: Chemiearbeiterkampf 1971 Analyse Bericht Dokumentation,Frankfurt o.J. (1971)

30.04.1971:
Vermutlich heute gibt die KPD/ML-ZK bei Hoechst Frankfurt ein Extrablatt "Arbeiter, Angestellte, Jungarbeiter und Lehrlinge, Frauen, Rentner und Ausländer! Der 1. Mai ist der Kampftag der Arbeiterklasse!" ihrer 'Rot Front!' (vgl. 26.4.1971, 26.5.1971) zum 1. Mai heraus.
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt-RBG Hoechst, RBG Cassella: Chemiearbeiterkampf 1971 Analyse Bericht Dokumentation, Frankfurt o.J. (1971); Rot Front! - Ausgabe Hoechst Werk Höchst und Griesheim Extrablatt Arbeiter, Angestellte, Jungarbeiter und Lehrlinge, Frauen, Rentner und Ausländer! Der 1. Mai ist der Kampftag der Arbeiterklasse!, Frankfurt o. J. (1971)

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30.04.1971:
In Frankfurt findet eine Demonstration der DGB-Jugend statt.

Über die Vorgeschichte äußert sich die KJO Spartacus intern in einem Papier "Die Maikampagne in Frankfurt oder was die Junge Garde und SDAJ unter gewerkschaftlicher Arbeit zum 1. Mai verstehen". Dort wird u.a. mitgeteilt, daß das Frankfurter Lehrlings Center (FLC) in der ÖTV arbeite, wo sich die Junge Garde (JG) bei Beamtenanwärtern, Magistratsangestellten und einigen technischen Lehrlingen der Stadt verankert habe und wo es die, an der SAG orientierte, Aktionsgruppe LAW (Lehrlingsausbildungswerkstätten) gäbe. Außerdem seien im FLC noch die DPG-JG, die leicht post-syndikalistische Revolutionsvorstellungen habe, eine unpolitische GdED-Gruppe und etliche Ortsjugendausschüsse ohne Basis vertreten. Die SDAJ beherrsche einen Arbeitskreis der HBV. In einer nicht anerkannten Jugendgruppe der IG Chemie sollen sich neben KJO und ML auch Gewerkschafter befinden.

In dem Ende Januar gegründeten Maiarbeitskreis (AK) habe die Junge Garde kurz interveniert, um ihre "Nationale Versammlung der Jugend und Streiks aller Jugendlichen am 30.4." zu propagieren. Kontinuierlich mitgearbeitet hätten die SAG, die stark in den LAW verankert und im Bündnis mit den ca. 30 Post-Jugendlichen sei, und der Freitagskreis, bei dem es sich um ein Abfallprodukt der Spaltung der deutschen Sektion in GIM und IKD handele.

Die KJO habe sodann eine DruPa-Jugendgruppe gegründet, die einen KJOler als Bezirksjugendleiter gewählt habe. Dieser sei dann auf KJO-Linie in die Maikampagne eingestiegen. Die JG sei dann mit 26 Leuten plötzlich im MaiAK aufgetaucht, weshalb die SDAJ zur nächsten Sitzung mit 50 Anhängern erschien. Dadurch habe der AK dann 150 Teilnehmer gehabt. Bei der Wahl der Mairedner im AK habe der eigene Genosse, der auch von FLC, SAG, Freitagskreis und Unorganisierten unterstützt wurde, mit 14 Stimmen gegen den DGB-Jugendleiter gewonnen, der nur 11 Stimmen erhielt. Der DGB Kreisvorstand allerdings wollte dieses Wahlergebnis nicht akzeptieren und beharrte auf seinem Jugendleiter als Redner. Auch sollte die für den 30.4.1971 geplante Demonstration nicht in der City stattfinden. Eine weitere Sitzung des AK mit 120 Teilnehmern wollte sich allerdings dem Diktat des DGB nicht beugen, woraufhin SDAJ und Teile des FLC ausgestiegen seien. Bei der Neuwahl der Redaktion der Maizeitung seien dann je zwei von KJO und JG und ein Anhänger der KPD aus dem Druckbereich gewählt worden. Auf einer öffentlichen KJA-Sitzung hätten sich dann 60 von der SDAJ, 35 von der JG und etliche Jusos eingefunden. Der DGB-Jugendleiter habe sich zugunsten des KJO-Redners zurückgezogen. Die JG habe aber trotzdem den Antrag gestellt, ihn als KJA-Vorsitzenden abzuwählen, woraufhin er sein Rederecht doch wieder beanspruchen wollte. Der Beschluß des AK, zur Industrie- und Handelskammer zu marschieren, sei revidiert worden.

Auf der Demo habe die SAG eine Abstimmung durchgeführt, nach der eine knappe Mehrheit doch dorthin wollte. Daraufhin seien JG, ML und KJO mitgezogen, was zusammen ca. 700 Teilnehmer ergeben habe. SDAJ und Teile des FLC seien mit 300 Personen direkt zum DGB-Haus marschiert.

Laut SAG ziehen 1 500 zur IHK, während 100 Funktionäre und SDAJler vorher abbiegen.

Auch die RJ/ML des KAB/ML rief zur Jugenddemo auf und berichtet:"
Am Vorabend des 1. Mai lud die DGB-Jugend Frankfurt zu einer Diskussion ein, bei der die Forderungen der Gewerkschaftsjugend behandelt werden sollten. Den Auftakt dazu sollte eine Demonstration vom Opernplatz zum Gewerkschaftshaus bilden. Am Opernplatz versammelten sich etwa 800 Jugendliche, darunter auch Mitglieder und Sympathisanten der RJ(ML) - Ortsgruppe Frankfurt. Doch einige trotzkistische Wirrköpfe und Spalter, meistens Schüler und Studenten, nutzten diese Situation zu einer chaotischen Aufführung ihrerseits aus. Es gelang ihnen den Demonstrationszug zu spalten und mit dem größten Teil zum Gebäude der Industrie- und Handelskammer zu ziehen. Dort konnten sie allerdings nicht viel erreichen, weil das Gebäude von der Polizei vollkommen abgeriegelt war. Während der andere Teil der Demonstranten sich in der Zwischenzeit im DGB-Haus eingefunden hatte, zogen die Spalter weiter durch Frankfurt, wobei sie solche, nach unserer Meinung vollkommen falsche Parolen, wie: 'Wer hat uns verraten - Gewerkschaftsbürokraten' riefen. Anschließend machten sie dann im DGB-Haus jegliche Diskussion, über die Ereignisse des Abends und die Forderungen der Arbeiterjugend unmöglich.

Wir meinen:
Es ist vollkommen klar, daß die rechte Gewerkschaftsführung die Arbeiterklasse durch ihre Arbeitsgemeinschaftspolitik mit den Kapitalisten verrät. Deshalb ist es notwendig in den einzelnen Gewerkschaften diese verräterische Politik anzuprangern und zu bekämpfen.
MACHEN WIR DIE GEWERKSCHAFTEN ZU UNSEREN KAMPFORGANISATIONEN!
Dies kann man aber nur durch harte Kleinarbeit erreichen, und nicht dadurch, indem man die Gewerkschaften vor den Augen der Kapitalisten spaltet und lächerlich macht. denn dadurch unterstützt man nur die Kapitalisten in ihrem Kampf gegen die Einheit der Arbeiterklasse."
Q: Der T+N-Arbeiter Nr. 2 und 3/4, Frankfurt Apr. 1971 bzw. Mai/Juni 1971, S. 7 bzw. S. 10; Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr. 4/5, Frankfurt/Groß Gerau Mai/Juni 1971, S. 6;Klassenkampf Nr. 11/12, Frankfurt Mai/Juni 1972;KJO Spartacus: Nationales Internes Bulletin Nr. 7, o.O. Juni 1971

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Mai 1971:
In Frankfurt gibt die KPD/ML-ZK die Nr. 3 der Ausgabe Messer ihres 'Roten Metallers' (vgl. Feb. 1971, Juni 1971) für Mai heraus mit dem Leitartikel "Heraus zum 1. Mai". Ein spanischer Maiaufruf kommt von der PCE/ML.
Q: Roter Metaller - Ausgabe Messer Nr. 3, Frankfurt Mai 1971, S. 1f und 7f

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01.05.1971:
Die RJ/ML des KAB/ML beteiligt sich in Frankfurt an der Demonstration ab Opernplatz zur Kundgebung des DGB, die 5 000 Personen umfaßt habe. Laut KAB/ML bildet die RJ/ML zusammen mit dem KAB/ML einen Block. Das SALZ Bremerhaven konnte allerdings nur über 3 000 ausmachen. Hier weiß man sich mit dem SALZ Hamburg einig, welchem ebenfalls auch die Beteiligung von vielen Ausländern auffiel. Auf den nach der Demonstration stattfindenden Diskussionskundgebungen, die von ca. 200 Jugendlichen angehört worden seien, haben, laut KJO, 2 JGler der IAK, 2 KJOler, 1 SAGler, der DGB-Jugendleiter und eine, uns nur namentlich bekannte, Person geredet.

Die KPD/ML-ZK demonstriert, laut KJO Spartacus, in Sindlingen. Nach eigenen Angaben findet hier eine der drei zentralen Maidemonstrationen des Landesverbandes Südwest der KPD/ML-ZK durch Sindlingen und Zeilsheim statt, für die u.a. in Marburg und Rüsselsheim mobilisiert wird. Die Demonstration wuchs, nach eigenen Angaben, von anfänglich 600 auf fast 1 000 Personen an. Bei Hoechst (vgl. 19.5.1971) berichtet die KPD/ML-ZK, dass anfangs 600 durch Sindlingen und Zeilsheim und dann durch Höchst demonstrierten, wobei es mehr und mehr Teilnehmer wurden. Die Rote Garde verbreitete die April-Nummer ihres Zentralorgans 'Der Rotgardist' mit einem Aufkleber, der zur Mai-Demonstration in Sindlingen aufruft.

Der KJVD der KPD/ML-ZB fährt, laut KJO, nach Dortmund.

Die RJ/ML berichtet:"
Am 1. Mai veranstaltete der DGB in Frankfurt eine Kundgebung unter der offiziellen Parole: 'Mitbestimmung - eine Forderung unserer Zeit' und anschließend eine Demonstration zum Gewerkschaftshaus. Hierbei zeigte sich, daß viele fortschrittliche Kollegen die Augenwischerei des DGB durchschauten und sich hinter die Forderungen des KAB/ML stellten. Diese Kollegen hatten erkannt, daß der unverschämte Versuch der sozialreaktionären SPD/FDP-Regierung, ein noch rückschrittlicheres Betriebsverfassungsgesetz (BVG, d.Vf.) als das Alte, durchzupeitschen, ihre elementarsten Lebensrechte in Frage stellt. Die anwesenden Mitglieder und Sympathisanten der Revolutionären Jugend (ML) - Ortsgruppe Frankfurt bildeten zusammen mit den anderen fortschrittlichen Kollegen einen einheitlichen Block gegen diese betrügerischen Machenschaften. Unter Sprechchören wie 'Weg mit dem neuen BVG - Gegen den Betrug der SPD' gaben sie ihrem berechtigten Protest gegen die reaktionäre Politik des Monopolkapitals und seiner SPD-Regierung Ausdruck. Auch die Arbeitsgemeinschaftspolitik der rechten Gewerkschaftsführung mit den Kapitalisten und der Versuch der SPD den Gewerkschaften ein Lohndiktat aufzuzwingen, wurden stark angeprangert. Besonderen Ausdruck fand dieser Protest wiederum in Sprechchören wie: 'Gegen Teuerung, Lohnabbau und Inflation - Gewerkschaften raus aus der Konzertierten Aktion', oder 'Gewerkschaften in unserem Land - brauchen den Geist des Klassenkampfs'. Die Machenschaften der US-Imperialisten in Indochina stießen auf große Empörung bei den fortschrittlichen Kollegen. Zusammen mit einer Gruppe amerikanischer Soldaten, die sich ebenfalls den Parolen des KAB/ML angeschlossen hatten, brachten sie mit dem Sprechchor: 'Vöker der Welt schließt Eure Reihen - Gegen Imperialismus und seine Lakaien!' ihre Solidarität mit den um Freiheit und Unabhängigkeit kämpfenden Völkern Indochinas und der ganzen Welt zum Ausdruck. Auf die faschistische Gefahr in Westdeutschland wurde ebenfalls hingewiesen: 'Weil die Faschisten den Frieden verraten, brauchen wir die Einheit der Demokraten!' lautete ein Sprechchor. Immer größere Teile der Bevölkerung solidarisierten sich mit der 1.Mai-Demonstration, die gegen Mittag vor dem DGB-Haus mit dem Absingen der 'Internationale' endete."
Q: Der Rotgardist Nr. 3, Berlin Apr. 1971 Titelseite mit Aufkleber Frankfurt; Der T+N-Arbeiter Nr. 2 und 3/4, Frankfurt Apr. 1971 bzw. Mai/Juni 1971, S. 1 und 7 bzw. S. 4f;Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr. 4/5, Frankfurt/Groß Gerau Mai/Juni 1971, S. 7;Roter Morgen Nr. 5, Hamburg Mai 1971;KJO Spartacus: Nationales Internes Bulletin Nr. 7, o.O. Juni 1971;Spartacus Nr. 25, Bonn Dez. 1971/Jan. 1972;Rote Fahne Nr. 5, Tübingen Mai 1971;Arbeiterstimme Nr. 9, Bremerhaven Mai 1971, S. 7;Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 7, Hamburg 26.5.1971;KPD/ML-ZK, RG, KSB/ML: Wir zahlen keinen Pfennig mehr - Nulltarif im Nahverkehr, Marburg o.J.;Roter Metaller Nr. 2, Rüsselsheim o.J.;Roter Metaller - Ausgabe Messer Nr. 4, Frankfurt Juni 1971;Rot Front! - Ausgabe Cassella Nr. 4, Frankfurt Apr. 1971;Rot Front - Ausgabe Hoechst Werk Höchst und Griesheim Nr. 5, Frankfurt 1971, S. 4;KPD/ML-ZK-OG Frankfurt-RBG Hoechst, RBG Cassella: Chemiearbeiterkampf 1971 Analyse Bericht Dokumentation, Frankfurt o.J. (1971)

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12.07.1971:
Vermutlich in dieser Woche geben die Roten Betriebsgruppen Hoechst und Cassella der Ortsgruppe Frankfurt der KPD/ML-ZK eine Broschüre "Chemiearbeiterkampf 1971 Analyse Bericht Dokumentation" zur Chemietarifrunde (CTR) heraus mit dem Abschnitt "Chemiekampf und KPD/ML", worin es zur CTR heißt: "Diese Kämpfe waren allein in Frankfurt vom Lufthansastreik, der Kontrolleiteraktion, dem Müllarbeiterstreik und der Roten Punkt Aktion begeleitet. In diese Kämpfe hat die KPD/ML eingegriffen. Dann kommen Antiimperialismustage und antiimperialistische Demonstrationen von fortschrittlichen und revolutionären Organisationen, eine mächtige 1. Mai-Demonstration der KPD/ML, die eng mit dem gerechten Kampf der Chemiearbeiter verbunden war."
Q: KPD/ML-ZK-OG Frankfurt-RBG Hoechst, RBG Cassella: Chemiearbeiterkampf 1971 Analyse Bericht Dokumentation, Frankfurt o.J. (1971), S. 5

17.07.1971:
Die Ortsgruppe Frankfurt der RJ/ML des KAB/ML, die aus der OG Walldorf/Mörfelden entstand (vgl. 7.4.1971) verfaßt ihren ersten Bericht an ihr ZK, in dem es u.a. heißt:"
E. Zusammenarbeit mit der MLS

Die Zusammenarbeit mit der kommunistischen Studentenmassenorganisation erstreckte sich bis jetzt nur auf den Verkauf des REBELL und das Verteilen der JLP vor den Berufsschulen. Besonders gut lief die Zusammenarbeit am 1.Mai. Der Stand der jetzigen Diskussionen beläuft sich auf einen gemeinsamen Kampf gegen sektiererische Gruppen, die sowohl in unserem Bereich als auch im Hochschulbereich ihr Unwesen treiben (z.B. Aust-Clique, Genger-Gruppe) (KPD/ML-ZK und KPD/ML-ZB,d.Vf.)."
Q: RJ/ML-OG Frankfurt: Gruppenbericht für die Zeit vom 7.4.1971-17.7.1971

17.10.1971:
Innerhalb der KJO Spartacus erscheint, nach diesem Tage, das 'Interne Diskussions Bulletin' Nr.8/9 (vgl. Feb. 1972). Enthalten ist eine "Einschätzung der ZL zur Maikampagne, vorgelegt zur DK am 12./13.6.71", die allerdings nicht stattfand. Darin betont die ZL u.a., in einem Streit mit der Region Rhein/Main sei die ZL für die Organisierung von oppositionellen Gewerkschaftsjugendblocks eingetreten.
Q: KJO Spartacus: Internes Diskussions Bulletin Nr. 8/9, o.O. Okt. 1971

März 1972:
In Frankfurt erscheint erstmals die Zeitschrift 'Gesellschaft für Albanisch-Chinesisch-Deutsche Freundschaft e. V.' (vgl. Juni 1972), die von der gleichnamigen Gruppe herausgegeben wird. Zum Titelbild heißt es:"
Das Titelbild zeigt den im November 1971 plötzlich verstorbenen Karl Heinz Leyendecker, genannt Charlie, als Fahneträger der Roten Garde der KPD/ML während der 1. Mai-Demonstration des gleichen Jahres in Zeilsheim - ihn zum Gedenken.

In unserer Erinnerung wird er immer als einer der aktivsten Genossen unvergessen bleiben."
Q: Gesellschaft für Albanisch-Chinesisch-Deutsche Freundschaft e. V., Frankfurt März 1972, S. 1

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April 1972:
Die Rote Hilfe (RH) Frankfurt gibt vermutlich im April das Flugblatt "Heraus zum 1. Mai" heraus, in dem von den Gefangenen Larry Jackson (BPP), sowie Eric Grusdat, Ilse Bongartz, Heinrich Jansen und Brigitte Asdonk bzw. der RAF berichtet wird.
Q: RH: Heraus zum 1. Mai, Frankfurt o. J. (1972)

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April 1972:
Wahrscheinlich im April 1972 erscheint die Nr. 1/2 der Zeitung 'Kommunistische Hochschulpresse' (KHP) des Kommunistischen Studentenverbandes (KSV) Frankfurt (vgl. 18.5.1972) mit dem Artikel "Zum 1. Mai: Für eine bessere Welt".
Q: Kommunistische Hochschulpresse Nr. 1/2, Frankfurt 1972, S. 1f

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April 1972:
Die Octobergruppe Frankfurt gibt, laut den ML-Gruppen in NRW, u.a. den ML Dortmund (vgl. Juni 1972), vermutlich im April ein Flugblatt zum 1. Mai heraus.
Q: Marxistisch-leninistische Gruppen in NRW: Vietnamkampagne, Dortmund Juni 1972,S.3

03.04.1972:
Vermutlich heute erscheint eine 'Rote Westfalenwalze' (vgl. 13.3.1972, 17.4.1972) der KPD/ML und KJVD Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte (WH) Dortmund.
Geworben wird für das eigene Zentralorgan RF Nr.7 vom 3.4.1972:"
ARBEITER LIES: ROTE FAHNE

In Dortmund soll der 1. Mai mit Willy Brandt und Vetter zu einer Staatsfeier für die SPD-Regierung gemacht werden. In anderen Städten scheut der DGB schon nicht mehr davor zurück, den 1. Mai, den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, auf den 2. Mai beziehungsweise in den Saal zu verlegen. Deshalb berichtet die Rote Fahne:

'VERREIST LIEBER STATT ZU DEMONSTRIEREN'

FRANKFURT:
Die SPD-Führer sabotieren gemeinsam mit den verräterischen Gewerkschaftsbonzen immer mehr den 1. Mai als Kampftag der Arbeiterklasse. So verschoben sie in Frankfurt-Höchst die 1.Mai-Kundgebung auf den 2. Mai. Und das mit der unverschämten Begründung: 'In diesem Jahr ist der 1. Mai ein Montag, so daß anzunehmen ist, daß viele das verlängerte Wochenende zu einem Familienausflug nutzen wollen.' Die Kundgebung wird nach Arbeitsschluß gehalten, und der neue Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt (SPD) wird die Jubelrede auf die Verrätereien der Sozialdemokratie und die 'Erfolge' der SPD-Regierung halten. (Die Mitteilung der Verschiebung wurde in 'Die Brücke', Mitteilungen der IG Chemie für die Farbwerke Hoechst veröffentlicht.)"
Q: Die Rote Westfalenwalze Arbeitereinheitsfront gegen Notstand Aufrüstung und Revanchepolitik, Dortmund o.J. (1972)

12.04.1972:
Bei Cassella Frankfurt geben die KPD/ML-ZB und der KJVD ihren 'Roten Cassella-Arbeiter' (vgl. 21.3.1972, 17.4.1972) heraus mit dem Artikel "1. Mai".
Q: Roter Cassella Arbeiter Chemietarifrunde und Kommunismus, Frankfurt 12.4.1972, S. 7f

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24.04.1972:
In Frankfurt gibt der Arbeitskreis junger Mitglieder der IG Chemie vermutlich Anfang dieser Woche das Flugblatt "Abschlüsse in der chemischen Industrie" zur Chemietarifrunde (CTR) heraus.

Aufgerufen wird zu den Mai-Demonstrationen am 30.4.1972 und am 1.5.1972 sowie zur eigenen Vorbereitungsveranstaltung dafür am 27.4.1972 in Höchst.
Q: Arbeitskreis junger Mitglieder der IG Chemie: Abschlüsse in der chemischen Industrie, Frankfurt o. J. (1972), S. 2

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24.04.1972:
In Frankfurt gibt Spartacus (Bolschewiki-Leninisten) vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Lohnraub durchgesetzt!" zur Chemietarifrunde (CTR) heraus.

Aufgerufen wird, auf der 1. Mai-Demonstration "gegen den Verrat der Bürokratie" zu demonstrieren.
Q: SBL: Lohnraub durchgesetzt!, Frankfurt o. J. (1972), S. 2

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24.04.1972:
In Frankfurt gibt Spartacus (Bolschewiki-Leninisten) vermutlich in dieser Woche das Flugblatt "Am 1. Mai: Arbeiterpolitik!" heraus.

Aufgerufen wird auf der 1. Mai-Demonstration des DGB im oppositionellen Block zu demonstrieren.
Q: SBL: Am 1. Mai: Arbeiterpolitik!, Frankfurt o. J. (1972)

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26.04.1972:
Bei Cassella Frankfurt geben die KPD/ML-ZB und der KJVD ihren 'Roten Cassella-Arbeiter' Nr. 6 (vgl. 19.4.1972, 2.6.1972) heraus mit dem Leitartikel "Heraus zum roten 1. Mai!".
Q: Roter Cassella Arbeiter Nr. 6, Frankfurt 26.4.1972, S. 1f

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27.04.1972:
In Frankfurt gibt die KJO Spartacus nach einer handschriftlichen Datierung heute ihren Maiaufruf unter dem Titel "Vorwärts zum 1. Mai!" heraus, der uns evtl. nur unvollständig vorliegt.

Der Text gliedert sich in die Abschnitte:
- "Der 1. Mai und die Aufgaben der Kommunisten";
- "Die politische Situation in der BRD";
- "Die Lage der Arbeiterjugend";
- "Wofür kämpfen?";
- "Wie kämpfen?";
- "Der 1. Mai in Frankfurt";
- "Wie kommt man zu einer besseren Welt?" zur Jugend-Demonstration am 30.4.1972; sowie
- "Lehrlings- und Jungarbeiterdemonstration am 30. April!" zu der ebenso aufgerufen wird wie zum 1. Mai.
Q: KJO: Vorwärts zum 1. Mai!, o. O. (Frankfurt) o. J. (1972)

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30.04.1972:
In Frankfurt findet, laut KB, eine Jugend-Maidemonstration von 3 trotzkistischen Gruppen statt, an der sich 300 bis 400 beteiligen.

Ein gemeinsames Aufruf-Flugblatt ist unterzeichnet von der Jugendgruppe der DPG, der Jugendgruppe der IG Chemie, dem Stadtschülerrat (SSR) der Berufsschulen, Spartacus KJO und den SAG.

Aufgerufen wurde auch separat von der KJO (vgl. 27.4.1972) und vom Arbeitskreis junger Mitglieder der IG Chemie (vgl. 24.4.1972).
Q: Arbeiterkampf Nr. 19, Hamburg Juni 1972, S. 11; Arbeitskreis junger Mitglieder der IG Chemie: Abschlüsse in der chemischen Industrie, Frankfurt o. J. (1972), S. 2;DPG-JG, CPK-JG, SSR Berufsschulen, KJO, SAG: Aufruf zur Demonstration am 30.4., Frankfurt o. J. (1972);KJO: Vorwärts zum 1. Mai!, o. O. (Frankfurt) o. J. (1972)

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01.05.1972:
In Frankfurt beteiligen sich, laut KAB/ML, über 3 000 an der Demonstration vom Opernplatz zur Kundgebung am DGB Haus, davon 200 im KAB/ML-Block.

Die Demonstration der KPD/ML-ZB und der KPD/ML-ZK habe 70 Frankfurter und 200 auswärtige Teilnehmer gehabt. Der KB scheint mehr Genossen der Frankfurter KPD/MLs zu kennen, denn er kommt auf 150 Einheimische und nur 100 Auswärtige aus Marburg und Gießen, obwohl die Veranstalter von 700 gesprochen hätten.

Dafür hat der KB bei der ersten Demonstration nur ca. 3 000 gezählt:"
Der Demonstrationszug war weitgehend geprägt durch die Fahnen und Transparente der verschiedenen sozialistischen und kommunistischen Gruppen und Organisationen. Sehr starke Blocks bildeten auch die ausländischen Arbeiter, vor allem Griechen, Türken und Spanier … . Verschiedene sozialistische und kommunistische Gruppen - u.a. auch der KB - bemühten sich in Vorbereitung auf den 1. Mai um eine Aktionseinheit aller sozialistischen Kräfte in Frankfurt. Ziel dabei sollte nach Möglichkeit sein, sich unter gleichen Parolen in einem einheitlichen Block an der Demonstration zu beteiligen. Dieses Vorhaben scheiterte allerdings. Zu unterschiedlich waren die politischen Vorstellungen der verschiedenen Gruppen."

Die KPD (vgl. 17.5.1972) berichtet:"
Aus Frankfurt schrieben uns gewerkschaftsoppositionelle Kollegen, die sich ohne den direkten Einfluß der Partei zusammengeschlossen hatten, von ihrem Auftreten mit den Mailosungen der KPD zum wirtschaftlichen und demokratischen Kampf auf der DGB-Veranstaltung und Demonstration."

Laut KPD/ML-ZK demonstrieren 400 durch Bockenheim und Bornheim, wozu sie selbst, die KPD/ML-ZB und die Deutsch-albanisch-chinesische Freundschaftsgesellschaft (DACFG) aufriefen. Bei dieser Gruppe handele es sich um einen losen Zusammenschluß von Zirkeln, die durch die Liquidatoren der Partei entfremdet worden seien.
Q: Arbeiterkampf Nr. 19, Hamburg Juni 1972, S. 11; Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr. 14, Frankfurt/Groß Gerau Mai 1972;Rebell Nr. 5, Tübingen Mai 1972;Rote Fahne Nr. 43, Dortmund 17.5.1972, S. 3;Rote Fahne Nr. 5, Tübingen Mai 1972;Roter Morgen Nr. 11, Hamburg 5.6.1972

Juni 1972:
Der Frankfurter Kampfbund/Marxisten-Leninisten (FKB/ML) gibt die Nr. 1 seines marxistisch-leninistischen Magazins 'Initiative' (vgl. 17.11.1972) heraus. Enthalten sind die Beiträge:
- "Revolutionäre Intelligenz und Proletariat" von Werner Schneller;
- "1. Mai in Frankfurt", wobei berichtet wird über den KB und vom KJVD, mit dem man ein Maikomitee bildete, an dessen ersten Sitzungen sich auch die KPD/ML-ZK, October und Haussa beteiligten, von denen Haussa und October aber dann fortblieben, während der FKB/ML die "politische und organisatorische Linie bestimmte";
- "Kritik und Vorschläge für Demonstrationen im Allgemeinen und am Beispiel des 1. Mai 1972 im besonderen" vom Riederwald-Kollektiv;
- "Rede des Frankfurter Kampfbundes/ML zum 1. Mai 1972";
- "Erklärung zum 1. Mai 1972" von dem FKB-Mitglied Klotz über seine Nichtteilnahme;
- "Ortsgruppen der KPD/ML (Rote Fahne) und des KJVD: Die proletarische Einheitsfront und der rote 1. Mai in FFM" von der KPD/ML-ZB, die nur den FKB/ML und die Haussa-Gruppe, aber nicht October erwähnt; sowie
- "Studiert das Kapital", der 1. Mai-Aufruf der Gruppe October.
Q: Initiative Nr. 1, Frankfurt Juni 1972, S. 1ff und 24ff

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21.06.1972:
Bei Cassella Frankfurt gibt die KPD/ML-ZB ihren 'Roten Cassella-Arbeiter' Nr. 8 (vgl. 2.6.1972, 28.8.1972) heraus mit dem "Arbeiterbericht vom 1. Mai" in Mannheim.
Q: Roter Cassella Arbeiter Nr. 8, Frankfurt 21.6.1972, S. 5

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März 1973:
Die KG Frankfurt/Offenbach gibt eine dritte Ausgabe ihrer 'Arbeiter-Zeitung' heraus (vgl. 26.1.1973, 19.4.1973). Gefordert wird: "Der 1.Mai muß rot sein!"
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.1,Frankfurt/Offenbach März 1973,S.1f

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April 1973:
Die IG/KOG Frankfurt/Offenbach/Wiesbaden gibt vermutlich im April eine Maizeitung ihres 'Schulkampf' (vgl. 25.2.1973, Mai 1973) heraus. Enthalten ist auch die Plattform der Maikomitees.
Q: Schulkampf Maizeitung, Frankfurt o. J. (1973)

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08.04.1973:
In Frankfurt wird, laut KG Frankfurt/Offenbach, eine Initiativgruppe für ein Rotes 1.Maikomitee, von der KG gemeinsam mit ihren Massenorganisationen KSB, KLG und IG/KOG, der Frankfurter Lehrergruppe (FLG), dem Frankfurter Kampfbund/ML (FKB/ML), dem KB/ML Frankfurt, dem Kommunistischen Kollektiv Nordend, dem Movimento Comunista de Espana (MCE), der VDM Betriebsgruppe und der KG Wilhelm Wolff gegründet (vgl. 15.4.1973). In ihrer 'Arbeiter-Zeitung' erwähnt die KG allerdings nur sich selbst und den eigenen Anhang.
Q: Kampf Kritik Umgestaltung Nr. 4/5, Frankfurt Juni 1973; Arbeiter-Zeitung Nr. 2, Frankfurt/Offenbach Apr. 1973

15.04.1973:
In Frankfurt tritt, laut KG Frankfurt/Offenbach, auf der heutigen zweiten Sitzung der Initiativgruppe für ein Rotes 1.Maikomitee die KG Wilhelm Wolff aus (vgl. 8.4.1973, 18.4.1973). Die KG WW habe ein wirklich kommunistisches Komitee, welches die Diktatur des Proletariats fordere, gewollt. Ihr folgt zu unbekanntem Zeitpunkt auch noch der Frankfurter Kampfbund/ML (FKB/ML), der zum 1.Mai ein Flugblatt seiner 'Initiative' herausgibt. Er habe erst die KG WW unterstützt, dann den Rest, und endlich Sabotage gegen das Rote Maikomitee betrieben, in dem nun nur noch die KG nebst Anhang und der KB/ML säßen. Wo die restlichen Gründungsgruppen (vgl. 8.4.1973) abblieben, verrät die KG nicht.
Q: Kampf Kritik Umgestaltung Nr. 4/5, Frankfurt Juni 1973

18.04.1973:
Im Frankfurter Volksbildungsheim wird, laut KG Frankfurt/Offenbach, ein Rotes Maikomitee von über 160 bis ca. 180 Personen gegründet. Aufgerufen zu der Veranstaltung hatte eine Initiativgruppe (vgl. 15.4.1973).
Q: Arbeiter-Zeitung Nr. 2, Frankfurt/Offenbach Apr. 1973, S. 13

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19.04.1973:
Die KG Frankfurt/Offenbach gibt frühestens heute ihre 'Arbeiter-Zeitung' Nr.2 für April (vgl. März 1973, Mai 1973) heraus, in der zum 1. Mai aufgerufen wird und von den Maikomitees in Offenbach (vgl. 5.4.1973) und Frankfurt (vgl. 18.4.1973) sowie den Folgen der Bonner Rathausbesetzung (vgl. 10.4.1973), in Gestalt des Verbots kommunistischer Organisationen berichtet wird. Dargestellt wird auch die Geschichte des 1.Mai. Gefragt wird in diesem Zusammenhang: "Mitdenken? Mitbestimmen? Mitverantworten?". Ein Offenbacher Arbeiter berichtet über "Der 1. Mai und die deutsche Arbeiterbewegung".
Q: Arbeiter-Zeitung Nr. 2, Frankfurt/Offenbach Apr. 1973

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20.04.1973:
Vermutlich Ende dieser Woche erscheint in Frankfurt die 'Was tun im Betrieb zur Chemietarifrunde für die Beschäftigten bei DEGUSSA und CASSELLA' (vgl. 9.4.1973) unter der Schlagzeile "9,9% mehr Lohn - das wär ein Hohn!" zur CTR. Aufgerufen wird auch zum 1. Mai.
Q: Was tun im Betrieb zur Chemietarifrunde für die Beschäftigten bei DEGUSSA und CASSELLA 9,9% mehr Lohn - das wär ein Hohn!, Frankfurt o. J. (1973), S. 2

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20.04.1973:
Der KSB Frankfurt gibt vermutlich Ende dieser Woche ein Extra "Heraus zum 1. Mai" der Frankfurter 'Kommunistischen Hochschulpresse' (KHP - vgl. Apr. 1973, 24.4.1973) heraus.

Enthalten sind auch die Artikel "Weg mit dem KPD-Verbot!" und "Rotes Mai-Komitee gegründet", was am 18.4.1973 geschah.
Q: Kommunistische Hochschulpresse Extra Heraus zum 1. Mai, Frankfurt o. J. (1973)

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23.04.1973:
In Frankfurt gibt Spartacus (Bolschewiki-Leninisten) vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt "Aufruf zum 1. Mai" heraus mit dem Aufruf zur Demonstration am 1. Mai und zur eigenen Veranstaltung am 27.4.1973 in den Gildestuben in der Bleichstr. 38a.
Q: SBL: Aufruf zum 1. Mai, Mainz o. J. (1973)

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23.04.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint das Flugblatt der Uni-Zelle der GIM Frankfurt: "Für eine klassenkämpferische Maidemonstration!" das aufruft zur Vordemonstration ab 10 Uhr vom Römer zur DGB-Demonstration.
Q: GIM-Uni-Zelle: Für eine klassenkämpferische Maidemonstration!, Frankfurt o. J. (1973)

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30.04.1973:
Die KPD berichtet:"
Am Vorabend des ersten Mai fand auf Einladung des Frankfurter Maikomitees und der Sympathisantengruppe der KPD eine Saalveranstaltung statt, zu der über 200 Kollegen und Genossen erschienen. Im Zentrum der Diskussion standen die Beiträge des ZK-Genossen der Partei, des KJV und des Maikomitees."
Q: Rote Fahne Nr. 18, Dortmund 2.5.1973, S. 8

01.05.1973:
In Frankfurt besuchen, laut KABD, 8 000 die DGB Kundgebung. Auf der Demonstration habe man einen Block von 300 Leuten bilden können.
Die RJ/ML zählt 8 000 Demonstranten.

Laut KPD nehmen nur knapp 3 000 an der DGB Kundgebung teil, aber:"
500 GENOSSEN DURCHBRACHEN DAS DEMONSTRATIONSVERBOT! …
Die Demonstration des oppositionellen Maikomitees vom Opernplatz (um 10 Uhr, d.Vf.) hin zur DGB-Kundgebung an der Hauptwache sowie der oppositionelle Demonstrationsblock wurden verboten.

Ein großes Polizeiaufgebot am Opernplatz konnte nicht verhindern, daß die Kollegen und Genossen in kleinen Gruppen zur Hauptwache durchsickerten und sich dort als geschlossener Block formierten. Als Rudi Arndt (SPD,d.Vf.) seine Rede halten wollte, war der gesamte Platz gefüllt von roten Fahnen und kämpferischen Losungen.

Der Arbeiterfeind Arndt bemühte sich verzweifelt, zu Wort zu kommen. Tausende stimmten ein in den Sprechchor: 'Arbeiterfeind' - 'Heuchler', so daß Arndt vorzeitig abbrechen mußte.

Ein Farbei verfehlte nur knapp sein Ziel, DGB-Bonzen Preiss konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen und wurde voll getroffen. Auf der anschließenden Demonstration gelang des den Genossen vom Maikomitee und vom Freundeskreis (RFFK, d.Vf.), einen starken Block von 500 Kollegen und Genossen zu bilden. Lächerlich wirkten die Versuche der Zirkel-'Ordner', die Genossen von der DGB-Demonstration fernzuhalten. Wie Hühner mußten sie auseinanderrennen, als der Block sich einreihte. Machtvoll erklangen die Rufe im DGB-Zug: 'Hinein in die Gewerkschaft - Stärkt die RGO!' und '1.Mai - KPD'. Als der DGB-Zug am Endpunkt angekommen war, zogen die Genossen geschlossen weiter und beendeten ihre Demonstration mit einer Kundgebung im Gallus-Viertel."

Z.T. zählt die KPD auch ca. 600 Leute in dem Block.

Der KB Bremen (KBB) zählt auf der Kundgebung 8 bis 10 000 Personen:"
Vor Beginn der Kundgebung fanden verschiedene Demonstrationen statt. Die wichtigste, an der sich 1 500 bis 2 000 Menschen beteiligten, war eine Demonstration, zu der Vertrauensleute der Post und der ÖTV aufgerufen hatten. An dieser Demonstration beteiligten sich die Kommunistische Gruppe Frankfurt und das Rote-Mai-Komitee mit eigenen Parolen."
Im Anschluß an die Kundgebung des DGB "fand eine Demonstration zum Gewerkschaftshaus statt, an der sich 4 000 - 5 000 Menschen beteiligten; davon bildeten 2 000 bis 2 500 einen oppositionellen Block. … Die Gruppe Rote Fahne (KPD) deren Demonstration vom Opernplatz aus verboten worden war, marschierte in einem eigenen Block auf der offiziellen DGB-Demonstration. Ihre Teilnehmerzahl aus ganz Hessen betrug etwa 200, mit denen sie im Anschluß an die offizielle Demonstration eine eigene Demonstration durchführte."

Laut KG Hamburg versammeln sich in Frankfurt ca. 8 000 Menschen zu einer Demonstration:"
Das von der KG-Ffm/Of. zusammen mit fortschrittlichen Kollegen gebildete Mai-Komitee führte im Anschluß an die DGB-Demonstration eine Abschlußkundgebung durch, an der ca. 1 500 Menschen teilnahmen."

Laut KAJB (NRF) beteiligen sich 8 000 bis 10 000 an der DGB Kundgebung.

Laut KG Frankfurt/Offenbach beteiligen sich ca. 1 000 an der Kundgebung des Roten Maikomitees (RMK) (vgl. 18.4.1973), welches sie selbst u.a. mit dem KB/ML Frankfurt bildete, nach der DGB Kundgebung. Zweihundert KPD-Anhänger aus ganz Hessen hätten dann noch den Versuch gemacht, die RMK-Demonstration anzuführen. An der Vordemonstration hätten sich insgesamt 1500 bis 2000 beteiligt. Laut IG/KOG waren es 1500 Demonstranten.

Laut SAG beteiligen sich 8 000 bis 10 000 an der DGB-Kundgebung. Danach organisiert der Zentrale Vertrauensleute Ausschuß (ZVA) der ÖTV, dem sich die SAG, die Sozialistischen Frauen Frankfurt, der Vertrauensleute Auschuß der DPG, einige Betriebsgruppen und die meisten revolutionären Gruppen angeschlossen haben, eine Demonstration mit 1 500 Teilnehmern. Auf der DGB-Kundgebung sei die extreme Linke mit ca. einem Drittel die größte Gruppe gewesen. Erwähnt werden noch Gruppen von ZVA, Uni, FHS, Schulen und aus dem akademischen Bereich.

Zur Demonstration rief auch die KPD/ML-ZK auf.

Die KLG (vgl. 7.5.1973) schildert:"
Die Sache mit der Bombe

Während vor dem Gewerkschaftshaus das Rote 1. Mai-Komitee seine Kundgebung abhielt, versammelten sich die spanischen Kollegen zu ihrer traditionellen Mai-Feier im Gewerkschaftshaus-Saal. Auch hier herrschte eine klassenkämpferische Stimmung. reichlich niedergeschlagen saß Willi Reiss, DGB-Vorsitzender von Frankfurt, auf dem Podium und mußte die temperamentvolle Kritik der Kollegen an der DGB-Spitze über sich ergehen lassen. Just zu diesem Zeitpunkt, als die Spanier die Haltung des DGB zu den Ausländergesetzen der Bundesregierung lautstark verurteilten, wurde - angeblich von einem 'Demonstranten' - der Polizei gemeldet, es läge eine Bombe im Saal. Natürlich wurde nichts gefunden, auch ließen die spanischen Kollegen sich nicht zur Räumung des Saales bewegen. selbstverständlich liegt uns die Vermutung fern, der DGB selbst habe die Polizei gerufen."
Q: Der Föhn Nr. 1, Frankfurt 7.5.1973, S. 3; Arbeiter-Zeitung Nr. 3, Frankfurt Mai 1973, S. 6;Roter Morgen Nr. 15, Dortmund 21.4.1973;Klassenkampf Nr. 24 und 25/26, Frankfurt Juni 1973 bzw. Juli/Aug. 1973;Kampf Kritik Umgestaltung Nr. 4/5, Frankfurt Juni 1973;Kommunistische Jugendzeitung Nr. 5, Mannheim Apr./Mai 1973;Wahrheit Nr. 5/6, Bremen 1973,S.10;Hamburger Arbeiter-Zeitung 1. Mai Extra, Hamburg 1973,S.2;Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 25, Berlin 15.5.1973;Rote Fahne Nr. 5, Tübingen Mai 1973;Rebell Nr. 5, Tübingen Mai 1973;Rote Fahne Nr. 17 und 18, Dortmund 25.4.1973 bzw. 2.5.1973, S. 1 bzw. S. 8;Schulkampf Sdr.druck, Berlin Apr. 1973;Schulkampf Nr. 4, Frankfurt Mai 1973

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29.05.1973:
Eine Mitgliederversammlung der KG Frankfurt/Offenbach beschließt, daß man der Parteiaufbaufront bzw. bald dem KBW (vgl. 8.6.1973) beitreten möchte, was auch tatsächlich geschieht (vgl. 13.10.1973). Begründet wird dieser Wunsch in einer "Politischen Erklärung der Kommunistischen Gruppe Frankfurt/Offenbach zu den Grundfragen des Parteiaufbaus in Westdeutschland", in der es u.a. heißt:"
Die KG Frankfurt/Offenbach entstand zum kleineren Teil aus den marxistisch-leninistischen Restelementen einer Gruppierung gleichen Namens, die längere Zeit eine ökonomistische 'Betriebsarbeit' in Offenbach gemacht hatte, so wie zum größeren Teil aus Genossen aus dem ehemaligen KSV Frankfurt."
Im KSV habe es fraktionelle Auseinandersetzungen um das Bremer Kommunique (vgl. 28.5.1972) gegeben, aus diesen entstand eine Gruppe von Leuten, "die vor die Aufnahme der Arbeit in der Arbeiterklasse … die Erarbeitung einer 'Realanalyse' setzen wollten." Diese habe inzwischen unter dem Namen ihres Westberliner Vorbildes, des KB/ML, eine Zeitschrift herausgegeben (vgl. 19.3.1973). Die KG meint zu dieser Abspaltung:"
Ihre erste praktische Aktion, die Zusammenarbeit mit der KG in der Maikampagne, hat eine eigenständige Position … nicht sichtbar werden lassen."
Q: Kampf Kritik Umgestaltung Nr. 4/5, Frankfurt Juni 1973

April 1974:
Die Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975) beteiligen sich, nach eigenen Angaben, an der Herausgabe einer vermutlich im April erscheinenden Broschüre zum 1.Mai, an deren Positionen sie später selbst Kritik üben.
Q: Frankfurter Marxisten-Leninisten: Marxisten-Leninisten zum 1. und 8. Mai 1975, Bochum 1975, S. 3

26.04.1974:
In Frankfurt-Höchst will die KPD/ML eine Veranstaltung "Kampf der politischen Unterdrückung" durchführen, die vermutlich auch als Maiveranstaltung gilt.
Q: Roter Morgen Nr. 16 und 20, Dortmund 20.4.1974 bzw. 18.5.1974

29.04.1974:
Die Ortsgruppe Frankfurt des Spartacusbund (SpB) gibt bei Hoechst das Flugblatt heraus zur Chemietarifrunde (CTR). Eingegangen wird auch die IG Chemie-Jugendgruppe und die Jugendvertreterwahlen (JVW) bei Hoechst. Eingeladen wird zum nächsten Treffen der Betriebsgruppe am 8.5.1974 und zur 1. Mai-Fete des SpB um 19 Uhr im Bürgerhaus Nied.
Q: SpB: Chemietarifrund ein Hessen: Abschluss! Erfolg der Kapitalisten!, Frankfurt o. J. (29.4.1974)

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29.04.1974:
In Frankfurt führt die KPD, laut KJV, ihre Maiveranstaltung im Volksbildungsheim durch.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 8, Dortmund 24.4.1974

Mai 1974:
Die KPD/ML gibt bei Hoechst Frankfurt die Nr. 8 ihrer 'Rot Front!' (vgl. März 19741, 17.6.1974) für Mai heraus mit dem Artikel "1. Mai 1974".
Q: Rot Front! Nr. 8, Frankfurt Mai 1974, S. 3f

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01.05.1974:
In Frankfurt demonstrieren, laut RJVD des KABD, 10 000, darunter 20 vom Siemens Schaltwerk.

Auch laut KB kommen ca. 10 000 bei dem Zug vom Opernplatz zum Römerberg, zu dem man auch selbst aufrief, zusammen: "Auch die ausländischen Kollegen waren in diesem Jahr wieder mit einem starken Block, zahlreichen Fahnen und Transparenten vertreten. … Die KPD, die in einem eigenen Block in der Demonstration mitgezogen war, führte anschließend noch eine eigene Demonstration mit etwa 100 Teilnehmern durch das Nordend und Bornheim durch. Der KBW veranstaltete nach Schluß der DGB-Kundgebung eine eigene Kundgebung."

Einem Aufruf der Komitees gegen die Fahrpreiserhöhungen folgend ziehen, laut KBW, ca. 300 - 400 FahrpreisgegnerInnen (vgl. 22.4.1974, 7.5.1974) in drei Zügen zur DGB-Demonstration, an der ca. 6 000 Menschen teilnehmen:
"Die Mitglieder des KBW und seiner Massenorganisationen hatten jeweils mit ihren Kollegen gemeinsam Transparente angefertigt und demonstrierten mit ihnen unter den vereinbarten Forderungen und Losungen. Mehrere hundert Menschen gingen allein im Block der Frankfurter "Komitees gegen die Fahrpreiserhöhung", die auf Initiative des KBW hin mittlerweile in 10 Stadtteilen gegründet worden sind. … Nicht dabei waren (abgezählt) 130 Anhänger der Gruppe Rote Fahne, die gleich zu Beginn ihrem "Parteiführer" Horlemann zu einer eigenen "Revolutionären Maikundgebung" ins Frankfurter Nordend folgten. Dort sammelten sich Augenzeugen zufolge noch insgesamt etwa 250 bis 300 Sympathisanten dieser Gruppe, allerdings auch aus anderen Städten in Hessen." Der Block des KBW soll zum Kristallisationspunkt der "allgemeinen Aufmerksamkeit" geworden sein, "als kurz vor Schluß die Transparente rumgedreht wurden und in Sprechchören aufgefordert wurde: 'Alle zur Kundgebung des KBW!' … bildete sich ein Demonstrationszug von über 1 000 Menschen, die unter unserer Hauptparole und lautstarker Agitation der umstehenden Menschenmassen langsam zum Liebfrauenberg hochzogen. Auf dem kleinen Platz drängten sich die Tausend dicht und hörten sehr aufmerksam den beiden Redebeiträgen zu, die vom Genossen Joachim Töws (Mitglied des Zentralen Komitees des KBW) und vom Genossen Gerd Koenen (Sekretär der Frankfurter Ortsgruppe) gehalten wurden. Häufig gab es Beifall und wurden neue Sprechchöre angestimmt. Im Anschluß sprach noch eine Vertreterin der Fahrpreiskomitees, denen der DGB verweigert hatte, auf seiner Kundgebung zu sprechen. Auch hier gab es viel Beifall, vor allem, als die Sprecherin zum Schluß rief: 'Die Fahrpreiserhöhung muß fallen - und wenn der Magistrat mitfällt.'"

Die KPD berichtet von ihrer regionalen Maidemonstration. Nachdem man sich zuvor mit einem Block von 250 Personen an der DGB-Demonstration beteiligte, seien dann 400 auf der KPD-Demonstration durch Nordend und Bornheim gezogen, wobei die KPD unterstützt wurde von KJV, LgdI, Rote Hilfe e.V., CISNU, Gruppe palästinensischer Arbeiter und Studenten, Äthiopische Studenten Vereinigung und revolutionären Kurden. In seiner Kundgebungsrede befaßt sich Frank Herterich von der Ortsleitung Frankfurt der KPD u.a. mit dem Metzelerwerk im Odenwaldkreis (ODW). Laut KJV beteiligen sich 250 am KPD Block beim DGB und später dann 400 an der landesweiten eigenen KPD Demonstration.

Innerhalb des Spartacusbundes (SpB) berichtet das ZK (vgl. 25.5.1974):"
FRANKFURT: Demoblock etwa 100, Veranstaltung ca. 40-50 (KK-Block SAG, GIM und wir). Dazu 'programmatische Gespräche' mit dem 'Freitagskreis' (ehemalige IKDler und BLer…)", womit Spartacus/BL gemeint ist.
Q: Spartacusbund: Internes Bulletin Nr. 8, o.O. Juli 1974; Kämpfende Jugend Nr. 8 und 9, Dortmund 24.4.1974 bzw. 8.5.1974;Rote Fahne Nr. 16, 17 und 18, Dortmund 17.4.1974,24.4.1974 bzw. 2.5.1974;Rebell Nr. 5, Tübingen Mai 1974;Arbeiterkampf Extrablatt zum 1.5.1974 bzw. Nr. 44, Hamburg 1974 bzw. 22.5.1974, o.S. bzw. S. 11;Kommunistische Volkszeitung Nr. 10, Mannheim 15.5.1974, S. 11ff;KBW-OG FFM: Kampf gegen die Fahrpreiserhöhung und den Magistrat in Frankfurt Mai/Juni 1974, Plankstadt 1975, S. 25

07.05.1974:
Der KSB Frankfurt gibt die Nr. 14 seiner 'Kommunistischen Hochschulpresse' (KHP - vgl. 22.4.1974, 27.5.1974) in einer Ausgabe Uni heraus mit dem Artikel "Rausschmißdrohung vom Hauswirt" wegen Solidarisierung mit der 1. Mai-Demonstration vom Fenster aus.
Q: Kommunistische Hochschulpresse Ausgabe Uni Nr. 14, Frankfurt 7.5.1974, S. 5

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April 1975:
An der GHS Kassel erscheint die Nr. 1 der 'Kommunistischen Studentenpresse' (KSP) des KSV der KPD für Stufenlehrer mit dem Artikel "Am 1. Mai - unter roten Fahnen für den Sozialismus".

Aufgerufen wird zur 1. Mai-Demonstration in Frankfurt.
Q: Kommunistischen Studentenpresse - Stufenlehrer Nr. 1, Kassel Apr. 1975, S. 5ff und 20

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21.04.1975:
Bei Cassella Frankfurt gibt die KPD/ML vermutlich Anfang dieser Woche ihren 'Roten Kessel' Nr. 5 (vgl. Apr. 1975, 24.4.1975) für April heraus mit dem Abschnitt "Nieder mit dem Regierungsmai - Heraus zum Roten 1. Mai! Demonstration der KPD/ML in Ludwighafen, 10 h".
Angekündigt wird eine 1. Mai-Veranstaltung für den 27.4.1975.
Q: Der rote Kessel Nr. 5, Frankfurt Apr. 1975, S. 4

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24.04.1975:
Bei Cassella Frankfurt gibt die KPD/ML ihren 'Roten Kessel' Nr. 6 (vgl. 21.4.1975, 26.4.1975) für April heraus. Aufgerufen wird zur 1. Mai-Veranstaltung am 25.4.1975 im Bürgerhaus Sindlingen und zur 1. Mai-Demonstration in Ludwigshafen.
Q: Der rote Kessel Nr. 6, Frankfurt 1975, S. 4 und 6

26.04.1975:
Bei Cassella Frankfurt gibt die KPD/ML vermutlich Ende dieser Woche ihren 'Roten Kessel' (vgl. 24.4.1975, Mai 1975) unter der Schlagzeile "Heraus zum Roten 1. Mai!" heraus. Aufgerufen wird zur 1. Mai-Demonstration in Ludwigshafen.
Q: Der rote Kessel Heraus zum Roten 1. Mai!, Frankfurt o. J. (1975)

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28.04.1975:
Heute führt das RK Hessen der KPD in Frankfurt seine Maiveranstaltung im Bürgerhaus Nordweststadt durch. Laut KPD kommen 320 u.a. von Hoechst Frankfurt und VW Baunatal bei Kassel.
Q: Rote Fahne Nr. 16, Dortmund 23.4.1975

28.04.1975:
Der KSB Frankfurt gibt seine 'Kommunistische Studentenzeitung' Nr. 5 (vgl. 14.4.1975, 27.5.1975) heraus mit dem Artikel "GEW-Mitgliederversammlung" vom 13.4.1975, die den 1. Mai vorbereitete.

Aufgerufen wird zum 1. Mai.
Q: Kommunistische Studentenzeitung Nr. 5, Frankfurt 28.4.1975, S. 11f

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29.04.1975:
In Frankfurt gibt die Sozialistische Betriebsgruppe Degussa - Werk II ihren 'Mitmischer' Nr. 3 (vgl. 25.3.1975, 27.5.1975) heraus mit dem Artikel "1. Mai: Gehen wir gegen die Arbeitslosigkeit auf die Straße, bevor wir auf die Straße fliegen!".
Q: Mitmischer Nr. 3, Frankfurt 29.4.1975, S. 6

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01.05.1975:
In Frankfurt beteiligen sich, laut KB, ca. 15 000 an der Maidemonstration. In der Nähe des Frankfurter Römerbergs findet eine KBW-Kundgebung mit, laut ARPO, ca. 600 Teilnehmern statt. Im Mittelpunkt stand der Sieg der südvietnamesischen Befreiungsfront.

Die KPD bildet, nach eigenen Angaben, einen oppositionellen Block auf der DGB-Kundgebung auf dem Opernplatz mit 200 Teilnehmern. Unter den 10 000 bis 12 000 Teilnehmern der Kundgebung hätten sich auch KBW und FML befunden.

Man selbst führte noch eine Demonstration durch Bornheim durch, deren über 500 Teilnehmer auch von LgdI, Rote Hilfe (RH) e.V., Iranischer Studentenverein (ISV), FILE Italien, ÄSU Äthiopien, dem Berufsverbotekomitee (BVK), den Arbeitslosenkomitees (ALK) Frankfurt, Hanau und Offenbach sowie der Initiative gegen Gewerkschaftsausschlüsse und politische Entlassungen kamen.

Von den Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML) wird die Zeitung "Marxisten-Leninisten zum 1. Mai und 8. Mai 1975 - die Hitler von heute heißen Breschnew und Ford" herausgegeben.

Der KBW führt eine Kundgebung durch, die vom KBW selbst zu den größten Aktionen dieser Art in diesem Jahr, mit Teilnehmerzahlen zwischen 500 und 2 000 gerechnet wird.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 18, Mannheim 7.5.1975; FML: Marxisten-Leninisten zum 1. Mai und 8. Mai 1975, Frankfurt 1975;Arbeiterkampf Nr. 61, Hamburg 21.5.1975, S. 19;Arbeiterpolitik Nr. 4, Bremen 1975, Beilage;Rote Fahne Nr. 16, Dortmund 23.4.1975

21.05.1975:
Der KB / Gruppe Frankfurt gibt seine Frankfurter Stadtzeitung 'Commune' (vgl. 18.2.1975, 23.6.1975) Nr. 4 für Mai heraus mit dem Artikel "Fachhochschule: AStA soll aufgelöst werden" wegen dem Aufruf zur 1. Mai-Demonstration des DGB.
Q: Commune Nr. 4, Frankfurt Mai 1975, S. 6

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26.06.1975:
Die GIM gibt ihre 'Was tun' Nr. 79 (vgl. 30.5.1975, 10.7.1975) heraus mit dem Artikel "Samson Apparate - AG, Ffm. Gefeuert" wegen Teilnahme am 1. Mai.
Q: Was tun Nr. 79, Frankfurt 26.6.1975, S. 5

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21.04.1976:
Die KPD/ML gibt bei Hoechst Frankfurt vermutlich Anfang dieser Woche ein Extrablatt zum Roten 1. Mai! ihrer 'Rot Front!' (vgl. 1.4.1976, Sept. 1976) heraus. Aufgerufen wird zur Maidemonstration in Ludwigshafen, zur Veranstaltung in Frankfurt (vgl. 25.4.1975) und zum Besuch des Infostandes vor dem Ausbildungszentrum am 24.4.1975.
Q: Rot Front! Extrablatt zum Roten 1. Mai!, Frankfurt o. J. (1976)

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21.04.1976:
In Frankfurt wollen die Zellen Bornheim, Nordend und Ostend des KBW ihre Maiveranstaltung durchführen (vgl. 22.4.1976).
Q: KVZ-OBL Frankfurt Nr. 15, Frankfurt 15.4.1976

22.04.1976:
In Frankfurt wollen die Zellen Rödelheim, Bockenheim und Roth und Heddernheim-VDM des KBW ihre Maiveranstaltung durchführen (vgl. 21.4.1976).
Q: KVZ-OBL Frankfurt Nr. 15, Frankfurt 15.4.1976

29.04.1976:
In Frankfurt-Dornbusch führt die KPD ihre Maiveranstaltung mit Wolfgang Schwiedrzik von ihrem eigenen ZK durch.
Q: Rote Fahne Nr. 16, 17 und 18, Köln 21.4.1976, 28.4.1976 bzw. 5.5.1976; Rote Fahne Pressedienst Nr. 18, Köln 4.5.1976

30.04.1976:
In Frankfurt wird die Maiveranstaltung der Ortsgruppe des KBW, nach eigenen Angaben, von 550 Personen besucht.
Q: KVZ-OBL Frankfurt Nr. 18, Frankfurt 6.5.1976

01.05.1976:
In Frankfurt beteiligen sich, nach eigenen Angaben, 1 000 an Demonstration bzw. Kundgebung des KBW. Insgesamt beteiligen sich bis zu 10 000 an der Demonstration. Die eigene Kulturveranstaltung sei von ca. 1 000 besucht worden.

Laut KB nehmen in Frankfurt ca. 15 000 Menschen an der Maidemonstration teil. "Wie schon in den Jahren zuvor hat es auch diesmal zwischen den Organisationen und Gruppen der Frankfurter Linken keinerlei Absprache gegeben, eine breite oppositionelle Manifestation auf die Beine zu stellen, statt dessen gab es eine unüberschaubare Zahl kleiner und kleinster Kundgebungen, Demos, Mai-Feiern usw. Die größte (Festveranstaltung) wurde am Vorabend des 1.Mai wiederum von den linken Ausländer-Organisationen zustande gebracht (2 - 3 000 Teilnehmer). Wir selber organisierten eine kleine Kundgebung, die mit 100 Teilnehmern schlecht besucht war und zu der praktisch auch kaum mobilisiert wurde. Der KBW führte am 1. Mai eine Demo mit 4 - 500 Teilnehmern und tags zuvor seine Mai-Veranstaltung mit etwa 400 Personen in einem eigens dafür aufgestellten Festzelt für 1 000 Personen durch. KPD / KPD/ML führten 4 - 500 Anhänger aus ganz Hessen durch Frankfurts Straßen."

Laut KPD beteiligen sich 10 000 an Demonstration und Kundgebung des DGB, man selbst macht einen oppositionellen Block. Danach führen KPD und KPD/ML, laut KPD, trotz des Scheiterns der zentralen Maiaktionseinheit, um 12 Uhr eine gemeinsame Demonstration mit 700 Personen (400 von der KPD, 250 von der KPD/ML) durch.

Laut KPD/ML wollten KPD und KPD/ML eine eigene Maidemonstration durchführen, was auch trotz Bruch der zentralen Mai-AE geschieht. Laut KPD/ML stellt sie selbst 300 der 800 Teilnehmer und führt eine Veranstaltung in Sindlingen durch.

Laut AB beteiligen sich 15 000 an Demonstration und Kundgebung des DGB.

Die Gruppe Arbeiterstimme-Minderheitsgruppe bzw. Montagsfraktion berichtet von der teilnahme der ÖTV und städitscher Angestellter.
Q: Arbeiterstimme Nr. 2, Nürnberg 15.6.1976

Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 86, München 2.5.1976; Roter Morgen Nr. 16, 17 und 19, Dortmund 17.4.1976, 24.4.1976 bzw. 8.5.1976; Rote Fahne Nr. 16, 17 und 18, Köln 21.4.1976, 28.4.1976 bzw. 5.5.1976, S. 3, S. * bzw. S. *; Rote Fahne Pressedienst Nr. 18, Köln 4.5.1976; Arbeiterkampf Nr. 80, Hamburg 14.5.1976, Beilage; KVZ-OBL Frankfurt Nr. 18, Frankfurt 6.5.1976; Kommunistische Volkszeitung Nr. 18, Mannheim 6.5.1976, S. 2

01.05.1976:
Vermutlich auf der Frankfurter 1.Mai-Demonstration verteilt der Spartacusbund (SpB) ein Flugblatt "1. Mai-Aufruf" mit dem bundesweiten Aufruf des SpB und auf der Rückseite dem Text "1. Mai '76 - Bilanz und Perspektiven", in dem es auch heißt, dass in der Metalltarifrunde (MTR) "der KBW und die GIM sich auf die Seite der Sozialdemokratie geschlagen haben".

Kontakt ist jetzt möglich über Vertriebsbüro Verlag Ergebnisse & Perspektiven, Hamburgerallee 59, Frankfurt.
Q: SpB: 1. Mai-Aufruf, Essen o. J. (1976)

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13.05.1976:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ) Nr. 19 (vgl. 6.5.1976, 20.5.1976) heraus mit einem Bildbericht über Soldaten am 1. Mai in Frankfurt.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 19, Mannheim 13.5.1976, S. 11

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25.02.1977:
Die Zelle Hoechst AG Frankfurt des KBW gibt ihre Betriebszeitung 'Der Ansatz' (vgl. 11.2.1977) heraus. Aufgerufen wird zur "Veranstaltungsreihe des Komitees gegen den § 218 zur Vorbereitung des 1. Mai".
Q: Der Ansatz 170 DM für alle - gegen die spalterischen 9 %, Frankfurt 25.2.1977, S. 8

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30.04.1977:
In Frankfurt führt der KBW seine Maiveranstaltung durch. Joscha Schmierer äußert sich, laut AB, zu AKWs u.a. so, daß die Hauptaufgabe im Kampf gegen die Kriegsgefahr der Kampf gegen das Lohnsystem und das AKW-Programm sei. Zufrieden stellt der AB fest, "aber sogar im Frankfurter KBW gibt es Genossen, die anfangen, sich Gedanken über den richtigen Weg zum Wiederaufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands zu machen."
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 111, München 3.5.1977

01.05.1977:
Die Liga gegen den Imperialismus (LgdI) gibt ein Flugblatt ihrer Zeitschrift 'Internationale Solidarität' heraus, welches unter der Überschrift "1. Mai" aufruft zu den Blöcken der LgdI auf den revolutionären Maidemonstrationen in Köln, Westberlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Stuttgart und München sowie zu Spenden für die ZANU Zimbabwe.
Q: Internationale Solidarität 1. Mai, Köln o. J. (1977)

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01.05.1977:
Zur 1. Mai Kundgebung des DGB in Frankfurt kommen, laut KB, ca. 10 000 Menschen:"
Ein kleiner Lichtblick war dabei eine linke Aktionseinheit, die von KB, einigen kleineren örtlichen trotzkistischen Gruppen (Spartacusbund (SpB,d.Vf.), SAG, GAD (Gruppe Arbeiterdemokratie,d.Vf.) und Freitagsgruppe), revolutionären Ausländergruppen, sowie dem Vorstand des Stadtschülerrats (SSR,d.Vf.) gebildet wurde. Am Block dieser AE, sowie deren abschließender Demo und Kundgebung beteiligten sich 500 Leute. Am Block von KBW und Co. beteiligten sich 400 Menschen … Zur Mai-Veranstaltung der AE (KB etc.) erschienen etwa 700 Personen, zur regionalen Mai-Veranstaltung des KBW (mit Schmierer als Star) kamen 3 - 400."

Am 18.4.1977 berichtete der KB, es hätten "der Vorstand des Stadtschülerrats und eine Gruppe von Betriebsräten und fortschrittlichen Kollegen aus Frankfurter Betrieben … unterstützt vom KB, zu einem AE-Treffen eingeladen, mit dem Vorschlag, sich mit fortschrittlichen Parolen an der DGB-Maidemonstration zu beteiligen und im Anschluß daran eine alternative Kundgebung durchzuführen, auf der Kollegensprecher, Frauengruppen und AKW-Gegner zu Wort kommen sollen. Für den Abend ist eine Musikveranstaltung im Rahmen der Tournee der Gruppen 'Schmetterlinge' und 'Oktober' geplant. Diese Vorschläge wurden auch in die Bürgerinitiative gegen Atomkraftwerke eingebracht, und gegen den Willen der SB'ler (SBü,d.Vf.), GIM'ler und KPD'ler auch diskutiert. Einigkeit bestand darin, einen Block von AKW-Gegnern auf der gewerkschaftlichen Demo zu bilden und ein Flugblatt mit einer Kritik an der Haltung des DGB-Vorstands zu verteilen. Der Vorschlag, sich an einer linken Kundgebung zu beteiligen, wurde zunächst ebenfalls angenommen, soll aber endgültig erst auf einer weiteren Plenumssitzung entschieden werden."

Die KPD/ML führt, nach eigenen Angaben, eine eigene Demonstration durch Höchst und Unterliederbach mit 500 Teilnehmern und eine Maiveranstaltung in Sindlingen mit 320 Personen durch.

Laut AB beteiligen sich über 20 000 an der Demonstration. Die Polizei überfällt den Demonstrationsteil, in dem Soldaten in Uniform demonstrieren. Die KPD habe mit ca. 100 Leuten eine Extrakundgebung mit Christian Semler gemacht.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.111,München 3.5.1977; Roter Morgen Nr. 16 und 18, Dortmund 22.4.1977 bzw. 6.5.1977;Arbeiterkampf Nr. 103 und 104, Hamburg 18.4.1977 bzw. 16.5.1977, S. * bzw. S. 10

01.05.1978:
In Frankfurt beteiligen sich, laut KB, ca. 10 000 Menschen an einer DGB-Demonstration:"
Ein einheitliches Vorgehen maßgeblicher Teile der Frankfurter Linken kam nicht zustande. Allerdings traf sich in etwa dasselbe Spektrum, das im letzten Jahr eine Aktionseinheit gebildet hatte … Dieser Block (AK Leben (AKL,d.Vf.), SAG, KB, Schülerinnen-Frauengruppe, BI (AKW,d.Vf.), CISNU (Iran,d.Vf.), GAD (Gruppe Arbeiterdemokratie,d.Vf.), Linke Liste (LiLi,d.Vf.) an der Uni, Spartacusbund (SpB,d.Vf.), einige Griechen und das WISK (Irland,d.Vf.)) umfaßte ca. 700 Leute … Der Vorschlag des KB, wie im letzten Jahr eine eigene Abschlußkundgebung dieser Gruppen durchzuführen, setzte sich diesmal jedoch nicht durch."
KPD und KBW marschierten ebenfalls im Zug mit:"
Am Nachmittag machte der KBW bei wolkenbruchartigem Regen durch menschenleere Straßen eine ZANU-Demonstration (Zimbabwe, d.Vf.) (600 - 700 KBW-Anhänger aus ganz Hessen) … Zur Mai-Veranstaltung der Mai-Initiative (KB, CISNU, LiLi, WISK) erschienen 400 Besucher." Laut Gruppe Arbeiterstimme beteiligen sich 12 000 bis 15 000 an der Demonstration und der Kundgebung auf dem Römerberg. Erwähnt werden UGT, türkischer Arbeiterverein, KBW und aus dem DruPa Bezirk Beschäftigte der FR.
Q: Arbeiterstimme Nr. 3/4, Nürnberg 15.6.1978; Arbeiterkampf Nr. 129, Hamburg 16.5.1978, S. 13

April 1979:
In Frankfurt gibt der Spartacusbund (SpB) die Nr. 8 (vgl. März 1979, Juli 1979) seiner Flugschrift für die Frankfurter Postkollegen 'Klassenkampf' heraus mit dem Leitartikel "Heraus zum 1. Mai!".
Q: Klassenkampf Nr. 8, Frankfurt Apr. 1979, S. 1ff

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30.04.1979:
Laut KB veranstaltet in Frankfurt die GLH ein Mai-Fest, "das mit ca. 4 000 Besuchern ein voller Erfolg und eine der bestbesuchtesten linken Veranstaltungen der letzten Jahre war."
Q: Arbeiterkampf Nr. 153, Hamburg 14.5.1979, S. 15

01.05.1979:
1. Mai-Demonstration in Frankfurt. Laut KB beteiligen sich an einer DGB-Demonstration ca. 12 000 Menschen:"
Die linken Organisationen von Frankfurt hatten sich wie üblich der Vordemonstration von linken Kollegen der Postgewerkschaft angeschlossen. An dem linken Block beteiligten sich ca. 1 000 Menschen … darunter auch ein Frauenblock."

Die Ortsgruppe Frankfurt des Spartacusbund (SpB) verteilt vermutlich auf der Demonstration ein Flugblatt "Der 1. Mai 1979" in dem auf das AKW Harrisburg in den USA und auf den Iran eingegangen wird.
Q: Arbeiterkampf Nr. 153, Hamburg 14.5.1979, S. 15; SpB: Der 1. Mai 1979, Frankfurt o. J. (1979)

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01.05.1980:
Laut KB beteiligen sich an einer 1.Mai-Demonstration des DGB in Frankfurt ca. 20 000 Menschen. Ein einheitlicher linker Block kam nicht zustande.
Im DGB Zug formierten sich u.a.
- ein Frauenblock,
- ein Anarcho-Block,
- ein Kinderblock,
- ein Ausländerblock.
Q: Arbeiterkampf Nr. 176, Hamburg 5.5.1980, S. 5

01.05.1981:
1. Mai Demonstration in Frankfurt.
Laut KB gab der DGB "die Teilnehmerzahl seiner Demonstration mit 12 000 an. … Es demonstrierten deutlich weniger Menschen als im letzten Jahr. Die Masse der Teilnehmer stellten die türkischen linken Organisationen, die mit Transparenten gegen Folter und Militärdiktatur und gegen die Türkeihilfe der Bundesregierung das Bild bestimmten."
Q: Arbeiterkampf Nr. 201, Hamburg 11.5.1981, S. 9

18.08.1981:
Der KB berichtet heute vom 'Schwarzen Block', der auf Demonstrationen in der letzten Zeit auf sich aufmerksam gemacht habe:"
Schwarzer Block ist vor allem der Mythos verschiedener Aktionen des letzten Jahres in Frankfurt/M. : Störung der DGB-Demo am 1.Mai, Hausbesetzung (Siesmaierstraße) anläßlich von Rock gegen Rechts, nachhaltige Belebung der 100 Jahr-Feier der Alten Oper. Diese Aktionen wurden meist als militant bezeichnet, wobei berücksichtigt werden muß, daß die Schwelle dessen, was man unter diesem Begriff versteht, ständig sinkt. … Die Teilnehmer dieser Aktion bilden ebenso wenig eine einheitliche Organisation wie etwa die Frankfurter K-Gruppen. Auch dürften die drei, vier Strömungen, die sich in diesen Aktionseinheiten zusammenfanden, untereinander (und erst recht zur RAF) ein ähnlich herzliches Verhältnis pflegen. Der 'Schwarze Block' hat seinen politischen Minimalkonsens am ehesten in der gemeinsamen Wut auf sog. 'Altspontis' gefunden. Doch auch hierbei sind die Motivationen unterschiedlich. Geht es den einen hauptsächlich um die Kampagne gegen die 'Guerilla' so beklagen die anderen die Schlaffheit und Passivität der Szene. Nicht von ungefähr wird dieser Streit unter dem Stichwort 'Generationskonflikt' gehandelt. Denn von den politischen Anschauungen her ist der 'Schwarze Block' mitsamt seiner Heterogenität am ehesten noch ein Abklatsch, der Versuch einer Neuauflage der ehemaligen Frankfurter Sponti-Bewegung, die von beiden Generationen als ruhmreich empfunden wird."
Q: Arbeiterkampf Nr. 206, Hamburg 17.8.1981, S. *

Letzte Änderung: 17.09.2017