Hamburg: Kommunistischer Studentenverband:
'MSB-Schwarzbuch. Dokumente vom schwarzen Treiben des MSB an der Uni HH' (1978)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Dietmar Kesten, Gelsenkirchen, 20.3.2017


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Vom Regionalkomitee Wasserkante des KSV der KPD erscheint vermutlich im Januar 1978 die Broschüre: "MSB-Schwarzbuch. Dokumente vom schwarzen Treiben des MSB an der Uni HH", die sich mit dem Marxistischen Studentenbund an der Uni Hamburg beschäftigt und eine "Dokumentensammlung" der "reaktionären Rolle" des MSB an der Uni sein will.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Januar 1978:
Vom RK Wasserkante des KSV herausgegeben, erscheint die Broschüre: "MSB-Schwarzbuch. Dokumente vom schwarzen Treiben des MSB an der Uni HH".

In der Vorbemerkung "WARUM EIN SCHWARZBUCH ÜBER DEN MSB?" heißt es u. a.: "In Streikauswertungen und SP-Wahlkampf wirft sich der MSB in die Brust: 'Erfolgreicher bundesweiter Streik', 'konsequente studentische Massenaktionen', 'MSB entscheidende Kraft der demokratischen Aktionseinheit' … Ohne den MSB geht es sozusagen nichts, könnte man meinen. Doch das Wintersemester 77 war ungewöhnlich lehrreich …

- Es fing schon im Oktober an, mit kübelweise 'Terroristenhetze' gegen fortschrittliche Kräfte, die Linken seien Provokateure, man warne sie vor etwaiger Gewaltanwendung im Streik …
- - Und dann im Streik: die friedliche Koexistenz von DGH und Polizei, der von Biallas und MSB gemeinsam beschworene 'demokratische Grundkonsens' der FDGO als Rahmen für sog. sachlichen Protest … Den entschiedenen Gegnern des HRG wurde es dabei schon etwas mulmig.
- Dann kamen noch die Schlägereinsätze hinzu, als MSB- Ordner der CDU die Bahn frei prügelten, und auf der ASTA -Fete sogar Taschenkontrollen auf linke Zeitungen durchführten, wie beim DDR-Transit. Hier schien den meisten von uns doch die Belobigung durch die FAZ berechtigt: Corinna Hauswedell sei verdiente Ordnungshüterin …

Je weiter das selbstgezimmerte 'demokratische' oder gar 'marxistische' Image und die praktische MSB- Politik auseinanderklafften, desto mehr schlossen sich die fortschrittlichen Studenten ohne und gegen den MSB zusammen. Doch die Erfahrung zeigt, dass viele immer wieder geneigt sind, dem MSB solche Politik als 'Fehler', 'Zurückweichen' oder 'Ausrutscher' einer insgesamt jedoch linken Politik auszulegen.

Diese Nachsicht gegenüber dem MSB ist unserer Meinung nach absolut nicht angebracht! Wir meinen: Der rote (besser: schwarze) Faden, der sich durch ihre Politik im Hamburger ASTA durchzieht, sollte nicht so schnell wieder verlorengehen. Es hat reaktionäres SYSTEM, dass sie nur taktisch gegen das HRG sind (nämlich um stärker mitzubestimmen), gegen Berufsverbote (um selbst ihre Posten zu verteidigen), dass sie den 'Erfolg' des Streiks daran messen, ob sie von der Bourgeoisie anerkannt werden.

Der Grund dafür ist eben, dass sie weder demokratisch noch sozialistisch sind, sondern vom Wesen her die Bourgeoisie vertreten. Unentbehrlich, weil sie erfolgreicher als die offene und plumpe Reaktion oder etwa uniformierte Machtorgane der Bourgeoisie gegen die fortschrittliche Bewegung vorgehen können: VON INNEN !

Zugleich haben sie tatsächlich zur BRD-Bourgeoisie gewisse Widersprüche. Denn sie vertreten ein Unterdrückungssystem anderer Art und einen anderen Herrn: den Imperialisten Breschnew und seine weltweiten Vorherrschaftspläne, die auch er mit sozialistischen Phrasen tarnt. So ist auch die doppelt reaktionäre Position des MSB zu erklären: seine grundsätzliche Verteidigung der kapitalistischen Ordnung, FDGO, und darüber hinaus besonders militante Verteidigung von Ausbürgerung, psychiatrischen KZs und Schießbefehl als 'nötig zum Schutz des realen Sozialismus'.

Diese Dokumentensammlung soll zum einen die Systematik der reaktionären Rolle des MSB aufzeigen, andererseits zur gründlicheren Auseinandersetzung um die prinzipielle Funktion der Revisionisten anregen …"

Artikel der Broschüre sind:
- "Warum ein Schwarzbuch über den MSB?"
- "Spieglein, Spieglein an der Mauerwand, wer schafft die beste Ordnung in unserm Land?"
- "Resolution gegen die MSB- Prügeleien in Marburg"
- "In München ging MSB- Funktionär Held mit Lobkowitz auf die Bühne. 1000 Studenten pfiffen sie herunter"
- "MSB- Schlägereinsätze"
- "Faustrecht oder Meinungsfreiheit? MSB prügelt linke Studenten"
- "MSB Intern"
- "HRG"
- "Novellierung a la MSB. Wir schlagen Schaum, wir seifen ein"
- "Dokumente"
- "MSB - demokratische Kraft? Nee!"
- "MSB - Ja zur politischen Unterdrückung in der BRD"
- "Solidarität mit Professor Scheer"
- "Erklärung des KSV zum 'Asta aktuell' vom 25.10.77 (Bremen)"
- "DKP, MSB und das Grundgesetz"
- "Dokumente des Revisionismus"
- "Bericht von der Podiumsdiskussion gegen Berufsverbote"
- "MSB - Ja zur politischen Unterdrückung in der DDR"
- "DKP/MSB- und die SED-Opportunisten"
- "II. Parteitag der KPD: Der moderne Revisionismus"

Aufgerufen wird zur "Schule des Marxismus-Leninismus - Kurs: gegen den modernen Revisionismus" (Mittwochs, Paul-Sudeck Heim). Geworben wird für: "Dem Volke dienen", die "Rote Fahne" und das TO der KPD: "Theorie und Praxis".
Quellen: Regionalkomitee Wasserkante des Kommunistischen Studentenverbandes: MSB-Schwarzbuch. Dokumente vom schwarzen Treiben des MSB an der Uni HH", Hamburg, o. J. (Januar 1978).

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Letzte Änderung: 20.03.2017