Umweltschutz und Anti-AKW-Bewegung im Kreis Dithmarschen

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 18.7.2013

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Von den Protesten gegen Umweltverschmutzung und Atomkraftwerke im Kreis Dithmarschen können bisher nur wenige Hinweise erschlossen werden, wobei zunächst der Kommunistische Bund (KB) über die Umweltverschmutzung durch die Erdölwerke Holstein der Deutschen Texaco AG in Hemmingstedt berichtet (vgl. 30.10.1974) und anschließend auch das Werk Brunsbüttel von Bayer in die Kritik gerät (vgl. 3.4.1974), während der Bau eines Bleiwerkes der CWM Bärlocher in Brunsbüttel offenbar verhindert werden kann (vgl. 3.3.1975).

Das Kernkraftwerk Brunsbüttel dagegen kann nicht mehr verhindert werden (vgl. 23.6.1976, 1.7.1976, 5.8.1976). Dem sehr lesenwerten Blog UmweltFAIRaendern.de entnehmen wir die Aufklärungsbroschüre über den für das AKW Brunsbüttel geplanten Katastrophenschutz (vgl. Dez. 1977) vom Arbeitskreis Brokdorf der BUU, auch die BUU Brunsbüttel engagiert sich im Protest gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf (vgl. 26.8.1977).

Zum Konflikt kommt es auch angesichts des Protests von Soldaten aus der Wulf-Isebrand-Kaserne in Heide gegen das benachbarte Atomkraftwerk Brokdorf (vgl. 4.2.1977), die zur Versetzung von zwei Feldjägern aus Heide in die Hamburger Lettow-Vorbeck-Kaserne (vgl. 11.4.1977, 30.5.1977, 1.11.1978) führt.

Im Kernkraftwerk Brunsbüttel kommt es zum Störfall (vgl. 22.6.1978), die Proteste gegen seinen Betrieb werden fortgesetzt (vgl. Dez. 1978, 11.2.1979, 1.12.1979, 14.9.1980, 4.10.1980) wobei auch Bayer Brunsbüttel erneut in die Kritik der Umweltschützer gerät (vgl. 13.10.1980, Dez. 1980).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

30.10.1973:
Der KB/Gruppe Hamburg gibt seinen 'Chemiearbeiter' Nr. 31 (vgl. Juli 1973, 14.12.1973) für Oktober heraus. Berichtet wird in "Umweltvergiftung" zum Giftmüll in Hainhausen bei Offenbach, der Texaco Raffinerie Heide und der DOW Bützfleth.
Quelle: Der Chemiearbeiter Nr. 31, Hamburg 30.10.1973, S. 17

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03.04.1974:
In der Nr.14 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 27.3.1974, 10.4.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit dem Chemiebetrieb Bayer Brunsbüttel.
Q: Rote Fahne Nr.14,Dortmund 3.4.1974

03.03.1975:
Die KPD-Sympathisantengruppe Braunschweig gibt vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt gegen den geplanten Bau des Bleiwerkes der CWM Bärlocher (CPK-Bereich) aus München in Bayern heraus. Verhindert wurde die Ansiedlung bereits in Rheinland-Pfalz in Ramstein, Worms und Kaiserslautern sowie in Schleswig-Holstein in Brunsbüttel.
Q: Rote Fahne Nr.10,Köln 12.3.1975

23.06.1976:
Der Ermittlungsausschuß der BUU (vgl. Feb. 1977) berichtet vom AKW Brokdorf (vgl. 15.5.1976, 14.7.1976):"
Das AKW Brunsbüttel wird in Betrieb genommen. Eine weitere Ortsgruppe der BUU wird in Brunsbüttel gegründet."
Q: BUU-Ermittlungsausschuß: Chronologie des Widerstandes gegen das geplante Atomkraftwerk Brokdorf, o. O. o. J. (1977), S. 2

01.07.1976:
Der KBW (vgl. 5.8.1972) berichtet:"
Am 1. Juli fand in Brunsbüttel eine Veranstaltung der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU) statt.
Es war die erste Veranstaltung der BUU an diesem Ort. Etwa 50 Menschen waren gekommen und die BUU hat sich zum ziel gesetzt, auch in Brunsbüttel eine Initiative gegen Kernkraftwerke an der Unterelbe zu gründen. Die Versammelten beschlossen, eine Gründungsversammlung zu einer Gruppe der BUU in Brunsbüttel in den nächsten Wochen durchzuführen."
Q: Kommunistische Volkszeitung Regionalbeilage Schleswig-Holstein Nr. 31, Kiel 1976, S. 3

05.08.1976:
Zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 31 (vgl. 29.7.1976, 12.8.1976) erscheint eine Regionalbeilage Schleswig-Holstein. Aus Brunsbüttel wird berichtet von der BUU (vgl. 1.7.1976) sowie vom AKW:"
Schleswig / Brunsbüttel: Gegen die Klage von 16 Gegnern des Kernkraftwerkes Brunsbüttel auf sofortige Einstellung des Betriebes des Kernkraftwerkes entschied das Landesverwaltungsgericht in Schleswig. Die IG Brunsbütteler Bürger hatte die Klage mit den mangelnden Sicherheitsvorkehrungen und der radioaktiven Verseuchung der Umwelt begründet. Nachdem ihre Klage auf eine einstweilige Verfügung abgewiesen wurde, wollen sie Revision einlegen."
Q: Kommunistische Volkszeitung Regionalbeilage Schleswig-Holstein Nr. 31, Kiel 1976, S. 3

10.01.1977:
Der KB gibt seinen 'Arbeiterkampf' (AK) Nr.96 (vgl. 13.12.1976, 24.1.1977) heraus. Die Gruppe Steinburg/Pinneberg berichtet u.a. über Brunsbüttel.
Q: Arbeiterkampf Nr.96,Hamburg 10.1.1977

26.08.1977:
Marschenkonferenz der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU). Laut KB sind Initiativen aus Uetersen, Wedel, Pinneberg, Elmshorn, Quickborn (2), Heide (2), Glückstadt, Brunsbüttel und Itzehoe anwesend:"
Ein Antrag des KBW, am 17.9. eine Großkundgebung am Bauplatz des AKW Brokdorf durchzuführen, wurde bei nur einer Ja-Stimme und zwei Enthaltungen abgelehnt. Stattdessen sprachen sich die Delegierten für eine Großkundgebung nach Aufhebung des Baustopps aus." Eine Mobilisierung für die Großdemonstration in Kalkar wird beschlossen.
Q: Arbeiterkampf Nr.112,Hamburg 5.9.1977,S.9

Dezember 1977:
Der Arbeitskreis Brokdorf der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU) gibt die von der Arbeitsgruppe Katastrophenfall erstellte Broschüre "Katastrophenfall Brunsbüttel" heraus mit den Abschnitten:
- "Vorwort";
- "1. Voraussetzungen";
- "1.1 Das Atomkraftwerk Brunsbüttel Standort- und Typenbeschreibung";
- "1.2 Betrieb des AKW Brunsbüttel";
- "1.3 Die Katastropheneinsatzleitung";
- "1.4 Der Einsatzleitung unterstellte Hilfskräfte";
- "1.4.1 Bundeswehr";
- "1.4.2 Polizei";
- "1.4.3 Feuerwehren";
- "1.4.4 Rotes Kreuz / Johanniter-Unfall-Hilfe / Malteser-Hilfsdienst / Arbeiter-Samariter-Bund";
- "1.4.5 Technisches Hilfswerk";
- "1.4.6 Andere Einrichtungen";
- "1.5 Die meteorologischen Bedingungen in der Umgebung";
- "2. Kerntechnischer Unfall und seine Folgen";
- "2.1 Beschreibung des angenommenen Unfalls";
- "2.2 Abschätzung der Folgen für die Bevölkerung";
- "3. Offizielle Hilfsmaßnahmen";
- "3.1 Unterrichtung der Bevölkerung und Mitteilung von Verhaltensmaßnahmen";
- "3.2 Evakuierung der betroffenen Gebiete";
- "3.3 Dekontamination (Entseuchung) und ärztliche Versorgung der verseuchten Personen";
- "4. Realisierbarkeit der Hilfsmaßnahmen";
- "4.1 Rechtzeitige Warnung";
- "4.2 Ausgabe von Jodtabletten";
- "4.3 Evakuierung";
- "4.4 Absperrung des Gebietes";
- "4.5 Ärztliche Versorgung";
- "5. Bürgerfreundlichkeit der zuständigen Behörden und Organisationen";
- "6. Forderungen der Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe - Arbeitskreis Brokdorf";
- "Anlagen Nrn. 1 - 7"; sowie
- "Benutzte Unterlagen und Literatur".
Q: BUU-Arbeitskreis Brokdorf: Katastrophenfall Brunsbüttel, Krempe Dez. 1977

22.06.1978:
Im Radio-Regionalprogramm des NDR 2 erscheint heute in der Kieler 'Umschau am Abend' der Beitrag von Gerd Wasmund: "Sozialministerium zum Störfall im Kernkraftwerk Brunsbüttel". Das Manuskript des NDR wird auch hektographiert in der Anti-AKW-Bewegung verbreitet.
Q: NDR-Manuskript: Sozialministerium zum Störfall im Kernkraftwerk Brunsbüttel, O. O. 22. Juni 1978

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Dezember 1978:
Vermutlich Ende Dezember erscheint ein Flugblatt "Brunsbüttel unser täglich Milch" in einer Auflage von 1 500 Stück unter Verantwortung von G. Pelikan.
Q: G. Pelikan: Brunsbüttel unser täglich Milch, o. O. o. J.

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11.02.1979:
Auf dem heutigen Braunschweiger Bundesarbeitstreffen der Anti-AKW-Bewegung verbreitet die BUU Brunsbüttel eine Einladung zum morgigen Vorbereitungstreffen sowie einen Aufruf "Brunsbüttel – ein Skandal, der endlich ein Ende haben muß!" der Vorbereitungsgruppe für die am 17.12.1978 beschlossenen Kampagne, die über den Arbeitskreis Brokdorf erreichbar ist, aber auch über die Bürgeraktion Küste (BAK), 2819 Thetenhausen, die BUU Hamburg, die LDU in 2391 Handewitt, sowie 'Umweltschutz Schleswig-Holstein', 2301 Revensdorf.
Q: BUU Brunsbüttel: Brunsbüttel – ein Skandal, der endlich ein Ende haben muß!, Brunsbüttel 11.2.1979

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01.12.1979:
Zur heutigen Anti-AKW und Umweltschutz Landeskonferenz Schleswig-Holstein in Brunsbüttel, wurde im Auftrag der letzten Landeskonferenz eingeladen durch die BUU Brunsbüttel.
Q: BUU Brunsbüttel: Liebe Freunde!, Brunsbüttel 26.11.1979

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14.09.1980:
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU) führt das fünfte Unterelbetreffen mit 85 Vertretern aus 26 BIs durch u.a. zum Aktionstag am AKW Brunsbüttel.
Q: 1984, Itzehoe Nov. 1980, S. 15

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04.10.1980:
Es soll ein Aktionstag am AKW Brunsbüttel stattfinden, zu dem die BUU mobilisiert. Dies geschieht in Form einer Mastbesichtigung. Am Vortag wird ein AKW-Gegner verhaftet.
Q: 1984, Itzehoe Nov. 1980, S. 16ff

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13.10.1980:
Heute kommt es Protestaktionen der Elbfischer gegen Bayer Brunsbüttel, die auch von der BUU / Bewegung weiße Rose Itzehoe unterstützt werden.
Q: 1984, Itzehoe Nov. 1980, S. 3ff

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Dezember 1980:
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe (BUU) Itzehoe und die Bewegung Weiße Rose (BWR) geben ihr Rundschreiben '1984 – Verhindert den totalen Staat!' (vgl. Nov. 1980, Jan. 1981) heraus. Berichtet wird u.a. über die Wasserversorgung in Brunsbüttel und den eigenen Informationsgang zum AKW und zu Bayer Brunsbüttel am 2.11.1980, aus den 'Politischen Berichten' des BWK stammt ein Artikel zur Grundwassersenkung. =1984, Itzehoe Dez. 1980, S. 2 und 13f


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