Norderstedt
Die Tötung des Neset Danis durch türkische Faschisten

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Neset Danis

Die Auseinandersetzungen innerhalb des Hamburger Türkischen Arbeitervereins (TAV – vgl. 21.4.1974, 5.5.1974), die zum Tode von Neset Danis am 21.5.1974 führen, scheinen vor allem den KBW zur Solidarisierung bewegt zu haben, denn obwohl auch KB und KPD an einer ersten Aktionseinheit beteiligt scheinen, unterzeichnet doch der KBW-Vertreter das Flugblatt (vgl. 6.5.1974), der KB scheidet offenbar bald aus und auch die KPD verweigert sich der Demonstration (vgl. 11.5.1974).

Der Hamburger KBW greift den Fall in seiner Agitation gegen das Grundgesetz auf (vgl. 15.5.1974, 21.5.1974, 22.5.1974), der Tod von Neset Danis (vgl. 21.5.1974) wird zum Anlass genommen für eine Versammlung (vgl. 23.5.1974, 27.5.1974, 28.5.1974, 29.5.1974), auf der der Rücktritt von Innensenator Klose beschlossen werden soll. Dieses Vorhaben verficht der Hamburger KBW allerdings weitgehend auf sich allein gestellt und nicht wie in Frankfurt eingebettet in eine große Bewegung (vgl. 30.5.1974, 2.6.1974). Bald wird von KBW dieses Vorhaben in Hamburg aufgegeben, in Norderstedt aber die Entfernung der Vorsitzenden der Kriminalpolizei gefordert (vgl. 11.6.1974) und in Hamburg die Repression bekämpft (vgl. 19.6.1974, 26.6.1974).

Die KPD/ML solidarisiert sich ebenfalls (vgl. 31.5.1974) und offenbar auch der KB (vgl. 1.6.1974), der auch noch eine weitere Demonstration gegen den Faschismus durchführt (vgl. 6.6.1974, 7.6.1974), sich aber ebenso wie der KSV der KPD der Kampagne des KBW zum Sturz von Klose verweigert (vgl. 15.6.1974).

Zu Solidaritätsaktionen kommt es ebenfalls in Braunschweig (vgl. 7.6.1974, 12.6.1974), und bundesweit (vgl. Juli 1974). Die Protestierenden und Aufklärenden unterliegen der Repression (vgl. 4.7.1974, 20.9.1974), die Verfahren zur Schlägerei selbst werden eingestellt (14.11.1974).

„Durchbruch _ Rahlstedter Schülerpresse“ zum Tod von Neset Danis in Norderstedt


Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)


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21.04.1974:
In Hamburg berichtet die dem KBW-befreundete Rahlstedter Schülerpresse 'Durchbruch' (vgl. 20.6.1974), über den TAV bzw. den Tod von Neset Danis (vgl. Norderstedt - 5.5.1974):"
Am 21.4. fand in Hamburg eine Versammlung des Türkischen Arbeitervereins statt, auf der ein neuer Vorstand gewählt werden sollte, der sich aus Kandidaten der Arbeiter zusammensetzen sollte, während der der alte Vorstand aus Konsulatsfunktionären und Marionetten des türkischen Regimes bestand, die nicht die Interessen der Arbeiter vertraten und teilweise nicht einmal Mitglieder des Vereins waren. Auf einer vorherigen Versammlung war dieser Vorstand schon abgewählt worden; bevor aber eine Neuwahl stattfinden konnte, wurde die Versammlung von der vom Konsulat bestellten Polizei aufgelöst."

Berichtet wird auch den KB / Gruppe Kiel (vgl. Aug. 1974).
Quellen: Metaller Nr.4,Kiel Aug. 1974,S.17; Durchbruch Nr.3,Hamburg 20.6.1974,S.8

05.05.1974:
Die DKP berichtet:"
MASSENSCHLÄGEREI MIT VERLETZTEN

Am Sonntag, dem 5.Mai 1974 kam es in der Gaststätte 'Zum tiefen Brunnen' (Ulzburger Straße) zu einer Schlägerei, die mit mörderischer Brutalität ausgetragen wurde. Der türkische Bauingenieur Danis Nesset (Neset Danis, d.Vf.) schwebt in Lebensgefahr; er liegt mit mehreren Schädelfrakturen im Hamburger Heidberg-Krankenhaus. Nach den der UW-Redaktion vorliegenden Informationen handelte es sich um eine Wahlversammlung des Türkischen Arbeitnehmervereins e.V. (TAV, d.Vf.) für Hamburg und Umgebung, auf der ein neuer Vorstand gewählt werden sollte. Diese gewerkschaftliche Vereinigung türkischer Arbeiter wird offensichtlich vom arbeiterfeindlichen und mit rechtsextremen Kräften durchsetzten türkischen Generalkonsulat in Hamburg gelenkt.

Zwei Wochen vor der Veranstaltung in Norderstedt wählte die Mehrheit der Mitglieder den konsulatshörigen Vorstand ab. Ein neues Gremium konnte nicht zusammentreten, weil das Konsulat die Polizei einschaltete, die die Versammlung auflöste. In Norderstedt sollten daraufhin nur die Mitglieder erscheinen, die dem alten Vorstand treu ergeben sind, nicht aber jene, die sich aktiv für Arbeiterrechte und sozialen Fortschritt einsetzen. Zu diesem Zweck hatten Konsulatsvertreter Listen anfertigen lassen und bewaffnete Schlägertrupps mitgebracht, die jeden Widerstand gegen diese undemokratischen Praktiken im Keim ersticken sollten. Als dennoch unerwünschte Mitglieder erschienen, kam es unter der Leitung eines türkischen Konsulatsattaches zu einer brutalen Schlägerei.

Die gedungenen Schlägertypen schlugen mit Stühlen und den mitgebrachten Schlagwerkzeugen auf alle Anwesenden ein, die nicht auf besagter Listen standen, und zwar so bestialisch, daß sich einige nur durch den Sprung durch geschlossene Fenster retten konnten.

Der Bauingenieur Danis Neset wurde lebensgefährlich verletzt.

Als alle nicht erwünschten Mitglieder herausgeprügelt waren, da kam die Norderstedter Polizei. Keiner durfte die Gaststätte betreten, wo diese wildgewordenen Verbrecher ihr Unwesen trieben. Die teilweise schwerverletzten Augenzeugen interessierten die Polizei nicht. Stattdessen ließen sich unsere 'Freunde und Helfer' von dem Schlägerei-Planer, dem Konsulatsattache und seinen Helfershelfern informieren.

Ein bundesdeutscher Rechtsanwalt, der genaue Ermittlungen forderte, wurde, man glaubt es kaum - denn das war der Höhepunkt - von Polizisten zusammengeschlagen. Des weiteren verhaftete die Polizei fünf verletzte Türken und ließ sie abführen, während sie den Schlägern Geleitschutz bot. Wir Kommunisten fordern den unverzüglichen Rücktritt des Chefs der Norderstedter Kriminalpolizei Buchholz, der diese Schandtaten seiner Beamten zu verantworten hat.

Das stinkt geradezu förmlich nach einem vorher vereinbarten Komplott zwischen Herrn Buchholz und dem türkischen Generalkonsulat, nur beweisen können wir das leider nicht. Handeln solche Beamte im Sinne der 'freiheitlich-demokratischen Grundordnung' (FDGO, d.Vf.), dann ist es durchaus verständlich, warum wirkliche Demokraten hierzulande daran gehindert werden, im Öffentlichen Dienst tätig zu sein."

Die KPD berichtet sofort von dem Vorfall.

In Hamburg berichtet die dem KBW-nahestehende Rahlstedter Schülerpresse 'Durchbruch' (vgl. 20.6.1974), über den TAV bzw. den Tod von Neset Danis (vgl. Norderstedt – 21.4.1974, 21.5.1974) und über den Protest dagegen (vgl. 11.5.1974):"
Am 5.5. muß die Konsulatsclique feststellen, daß ihre Geheimhaltung gescheitert ist. Es stellen sich, teilweise mit Familien, soviele unzufriedene Arbeiter und ihr fortschrittlichen Kandidaten ein, daß der alte Vorstand mit einer Niederlage rechnen muß. 4 der Arbeiter verteilen kurz vor Versammlungsbeginn die Wahlerklärung der neuen Kandidaten und werden als erste geschubst und geschlagen. Ein Konsulatsfunktionär feuert die Kommandos an: 'Schlagt zu! … Wer seinen Gott liebt, erschlägt die Kommunisten!' Dann bricht schon eine äußerst brutale Schlägerei los. Voller Panik fliehen die Menschen aus dem Saal, um ihre Kinder und sich in Sicherheit zu bringen. Sie kommen nicht durch die verstopfte Tür, einer springt durch ein geschlossenes Fenster. Etwas abseits vom Tumult an der Tür wird der flüchtende Neset Danis – als fortschrittlicher Kollege bekannt – von 5 – 6 Schlägern solange geschlagen, und – am Boden liegend – auf den Kopf getreten, bis er kein Lebenszeichen von sich gibt. Am 21.5. starb er im Heidberg-Krankenhaus. Daran, daß seine Schädelknochen völlig zertrümmert waren, zeigt sich, daß ihm die Schläger nicht nur eine Abreibung verpassen wollten.

10, 15 Minuten nach der Schlägerei trifft Norderstedter und Hamburger (!) Polizei ein, läßt sich eine 'schwarze Liste' vom alten Vorstand aushändigen und dann werden einige Kollegen verhaftet (anhand der Liste). Aussagen anderer Kollegen, die die Schläger benennen wollten, werden ignoriert, ebenso ein anwesender Rechtsanwalt. Statt dessen bekommen die Schlägertrupps freies Geleit und werden mit Kleinbussen zum Konsulat zurückgefahren und später als Zeugen gegen die verhafteten Kollegen verhört, d.h. die Opfer weder verhaftet und die Täter zu Zeugen gemacht! Dieser Zwischenfall blieb nicht ohne Folgen" (vgl. 11.5.1974).

Berichtet wird auch durch die KPD/ML (vgl. 1.6.1974) und ca. 1979 in dem Jubiläumsband "1968/69 bis 1978/79. Zehn Jahre KPD/ML. 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland", herausgegeben vom ZK der KPD/ML. Dort wird berichtet über den Tod von Neset Danis:"
Kurz darauf verüben türkische Faschisten einen grauenhaften Mord an einem fortschrittlichen türkischen Arbeiter. Mit Knüppeln und Stuhlbeinen verhindert die Faschistenbande des türkischen Konsulats in Hamburg, daß der bisherige, konsulatshörige Vorstand des 'Vereins türkischer Arbeitnehmer' abgewählt und durch fortschrittliche Kollegen ersetzt wird. Der unter seinen türkischen Kollegen angesehene Neset Danis wird dabei auf brutalste Weise von den Faschisten zugerichtet: mit siebenfachem Schädelbruch wird er ins Hamburger Neidberg-Krankenhaus eingeliefert, wo er an den schweren Verletzungen stirbt. Ein willkürlicher Mord der türkischen Faschistenbande des Konsulats. Die Polizei war bereits vorher von dem Konsulatsvorstand instruiert worden, sie solle sich bereithalten. Und dann geschieht das Ungeheuerliche: Polizeiautos fahren vor dem Lokal in Norderstedt vor, in dem der Mord soeben geschah. Polizisten verhaften auf Anweisung des Konsulatsintimus Gelgi, eines führenden Kopfes der Faschisten, genau die türkischen Kollegen, die Opfer des Faschistenterrors waren. Zugleich wird der Schlägertrupp unter Polizeischutz zu Autos geleitet und kann ungehindert verschwinden. Gelgi, der Oberschläger des Konsulats, wird zum Kronzeugen der Polizei. Offen werden Zeugen bedroht, die die Wahrheit sagen wollen. So der Konsulatsfunktionär Özcannoglu zu einem Zeugen: 'In der Türkei schneidet man solchen Leuten wie dir die Fußsohlen auf und streut Salz rein. Anderen wird mit der Ermordung gedroht. Die Partei organisiert am 1.6. gemeinsam mit den türkischen Genossen und anderen Organisationen in Hamburg eine Demonstration gegen die Verfolgung patriotischer Türken in ihrer Heimat und durch den westdeutschen Imperialismus, an der 2.000 Menschen teilnehmen.

Die Hilfsdienste der westdeutschen Polizei für die türkischen Faschisten sind kein Einzelfall. Die westdeutsche Bourgeoisie steht stets auf Seiten der Reaktion, des Faschismus, im In- wie im Ausland."

Berichtet wird auch durch den BDJ /RBJ (vgl. Sept. 1974), die RH e.V. (vgl. juni 1974) und die KPD/ML (vgl. 1.6.1974) und in:
- Berlin durch die KPD bei Daimler-Benz (vgl. 15.8.1974).
- NRW in Bonn durch das Komitee Schluß mit den Polizeiübergriffen (vgl. 16.9.1974) und in Köln durch die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 28.4.1975, 7.7.1975).
Quellen: Rote Fahne Nr. 19 und 21, Dortmund 8.5.1974 bzw. 22.5.1974; Unser Weg Nr. 12, Norderstedt Juni 1974, S. 5;RH e.V.:Freiheit für die fünf Patrioten aus der Türkei!, Köln o.J. (1975), S. 2;RH e.V.:Prozeß gegen Baha Targün: Fortschrittliche Türken dürfen nicht kriminalisiert werden!, Köln o.J. (Apr. 1975), S. 1;Komitee Schluß mit den Polizeiübergriffen:Dokumentation Schluß mit den Polizeiübergriffen!, Bonn o.J. (Sept. 1974), S. 3;KPD/ML-ZK (Hrsg.): 1968/69 bis 1978/79. Zehn Jahre KPD/ML. 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland, Dortmund 1979, S. 147f;Kämpfende Jugend Nr. 4, Hamburg Sept. / Okt. 1974, S. 42;Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe Daimler Benz Westberlin Nr. 9, Berlin 15.8.1974, S. 1;Rote Hilfe Nr.6,Dortmund Juni 1974, S. 10f;Roter Morgen Nr. 22, Dortmund 1.6.1974, S. 4

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06.05.1974:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint in Hamburg das Flugblatt "Faschistischer Mordanschlag auf türkischen Arbeiter!" zum Anschlag auf Neset Danis in Norderstedt in einer Auflage von 50 000 unter Verantwortung von L. Plümer. Aufgerufen wird zu einer Aktionseinheit durch die Organisationen Bund der Arbeiter der Türkei, KPD, KB, KBW, KJV, KSV, Liga gegen den Imperialismus (LgdI), ORT (Spanien), PEF Türkei, Rote Hilfe, SSG und Spanische Arbeiterkommission (CCOO).
Q: Bund der Arbeiter der Türkei, KPD, KB, KBW, KJV, KSV, Liga gegen den Imperialismus, ORT, PEF, Rote Hilfe, SSG, Spanische Arbeiterkommission: faschistischer Mordanschlag auf türkischen Arbeiter!, Hamburg o. J. (1974)

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11.05.1974:
KBW und KPD/ML führen in Hamburg, laut KB, eine Solidaritätsdemonstration für den von türkischen Faschisten ermordeten Arbeiter Neset Danis durch (vgl. 5.5.1974, 1.6.1974). Es kommen ca. 250 Menschen zusammen. Laut KBW demonstrieren 500 mit der Aktionseinheit von 15 Organisationen, die KPD nimmt nicht teil weil ihr ein eigener Block untersagt wurde.

In Hamburg berichtet die Rahlstedter Schülerpresse, 'Durchbruch' (vgl. 20.6.1974), über den TAV bzw. den Tod von Neset Danis (vgl. Norderstedt - 5.5.1974, 21.5.1974):"
- am 11. Mai demonstrieren 500 Hamburger und Türken gegen den Anschlag
- 1 400 Hamburger bekunden in einer Unterschriftenaktion ihre Solidarität mit den türkischen Arbeitern"
Q: Durchbruch Nr.3,Hamburg 20.6.1974,S.9; Kommunistische Volkszeitung Nr. 10, Mannheim 15.5.1974, S. 10;Arbeiterkampf Nr.45,Hamburg 11.6.1974,S.15

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11.05.1974:
Vermutlich heute erscheint in Hamburg das Flugblatt "Auch türkische Arbeiter müssen das Recht haben, sich für ihre Interessen zu organisieren" zum Anschlag auf Neset Danis in Norderstedt in einer Auflage von 40 000 unter Verantwortung von L. Plümer. Verteilt wird es offenbar auf einer Demonstration, zu der sich eine Aktionseinheit bildete aus Bund der Arbeiter der Türkei, Türkischer Studentenverein, KBW, ORT (Spanien), PEF Türkei, SSG, Spanische Arbeiterkommission (CCOO), EKKE (Griechenland), Bund Ausländischer Studentenvereinigungen (BASV), AELA Lateinamerika, FPLN (Portugal), Chile-Komitee, Afghanische Studentenvereinigung und die GIM zusammenschlossen. Enthalten ist eine Unterschriftenliste.
Q: Bund der Arbeiter der Türkei, Türkischer Studentenverein, KBW, ORT (Spanien), PEF Türkei, SSG, Spanische Arbeiterkommission (CCOO), EKKE (Griechenland), Bund Ausländischer Studentenvereinigungen (BASV), AELA Lateinamerika, FPLN (Portugal), Chile-Komitee, Afghanische Studentenvereinigung und die GIM: Auch türkische Arbeiter müssen das Recht haben, sich für ihre Interessen zu organisieren, Hamburg o. J. (1974)

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15.05.1974:
Der KBW Ortsgruppe Hamburg gibt ein Flugblatt "25 Jahre Grundgesetz. 25 Jahre Klassenkampf und Unterdrückung in der BRD" in einer Auflage von 30 000 Stück heraus, in dem zur Veranstaltung am 21.5.1974 und zur Demonstration am 22.5.1974 aufgerufen und auch vom Anschlag auf Neset Danis berichtet wird.
Q: KBW-OG Hamburg: 25 Jahre Grundgesetz. 25 Jahre Klassenkampf und Unterdrückung in der BRD, Hamburg 15.5.1974

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18.05.1974:
Zur 'Ermordung' von Neset Danis in Norderstedt (vgl. 5.5.1974) erscheint eine Dokumentation in eienr Auflage von 1.000 Exemplaren, die sowohl durch die KPD bzw. die Ortsgruppe Hamburg der Roten Hilfe (RH) e.V. und den KBW vertrieben wird. Zu Spenden über den KBW-nahen Rechtsanwalt Schween ruft auch die KPD auf.
Q: Rote Fahne Nr.22,Dortmund 29.5.1974; Dokumentation: Faschistischer Mordanschlag auf türkischen Arbeiter,Hamburg 18.5.1974

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21.05.1974:
In Hamburg berichtet die Rahlstedter Schülerpresse 'Durchbruch' (vgl. 20.6.1974), dass Neset Danis heute im AK Heidberg stirbt (vgl. 20.5.1974, 29.5.1974).

Berichtet wird auch durch die KG Bochum (vgl. Jui 1974).
Q: Durchbruch Nr.3,Hamburg 20.6.1974,S.9; Bochumer Arbeiterzeitung Nr.6 und 7,Bochum Juli 1974 bzw. Okt. 1974,S.2 bzw. S.11

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21.05.1974:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt ein DIN A5-Flugblatt "Hamburger Bürger!" in einer Auflage von 20 000 Stück heraus, in der zur Veranstaltung am 21.5.1974 und zur Demonstration am 22.5.1974 aufgerufen und auch vom Anschlag auf Neset Danis berichtet wird.
Q: KBW-OG Hamburg: Hamburger Bürger!, Hamburg 21.5.1974

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22.05.1974:
Zu einer Demonstration des KBW in Hamburg "25 Jahre Grundgesetz, kein Grund zum Feiern - sondern zum Demonstrieren!" bekommt der KBW, laut KB, nur ein paar Dutzend seiner Anhänger zur Agitation gegen das GG zusammen. Am Mönckebrunnen versammeln sich zur zentralen Abschlußkundgebung etwa 100 Genossen.

In der vermutlich vom KBW formulierten "Plattform für eine Aktionseinheit zu einer Demonstration 'Gegen die politische Unterdrückung durch den bürgerlichen Staat – Für die demokratischen Rechte des Volkes" wird auch eingegangen auf Neset Danis in Norderstedt.
Q: Unser Weg Nr.23,Hamburg ****1974,S.13; KBW-OG Hamburg: 25 Jahre Grundgesetz. 25 Jahre Klassenkampf und Unterdrückung in der BRD, Hamburg 15.5.1974;KBW-OG Hamburg: Hamburger Bürger!, Hamburg 21.5.1974

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23.05.1974:
In Hamburg erscheint vermutlich heute eine erste Version des Flugblatts "Politischer Mord an türkischem Arbeiter?" zu Neset Danis, unter Verantwortung von Hartmut Schween, welches eine Reihe Unterschriften für eine Veranstaltung am 29.5.1974 enthält. Vermutlich zum Ende der Woche erscheint eine zweite Version ohne Impressum mit mehr Unterschriften.
Q: Schween, H.: Politischer Mord an türkischem Arbeiter?, Hamburg o. J. (Mai 1974)

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27.05.1974:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt spätestens Anfang dieser Woche eine Ortsbeilage Extra zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) (vgl. 8.5.1974, 29.5.1974) heraus unter der Titelzeile "Deckt Innensenator Klose einen politischen Mord?". Die Auflage wird mit 15 000 angegeben, aufgerufen wird zur Versammlung am 29.5.1974 und zur Solidaritätsdemonstration am 1.6.1974. Ein Artikel erklärt: "In welchem Zusammenhang steht der Mord von Norderstedt?".
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Hamburg Extra Deckt Innensenator Klose einen politischen Mord?, Hamburg o. J. (1974)

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27.05.1974:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt die Nr. 3 des 'Querschläger' (vgl. 10.2.1974, 7.7.1974) heraus in einer Auflage von 3 000 Stück. Berichtet wird von Neset Danis in "Politischer Mord an türkischem Arbeiter" und aufgerufen zur Versammlung am 29.5.1974.
Q: Der Querschläger Nr. 3, Hamburg 27.5.1974, S. 3f

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28.05.1974:
Die SSG Hamburg gibt die Nr. 3 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 21.5.1974, 13.6.1974) in einer Auflage von 500 Stück heraus. Berichtet wird auch vom Tod von Neset Danis (vgl. 21.5.1974) und aufgerufen zur morgigen Veranstaltung dazu.
Q: Rote Presse Nr. 3,Hamburg 28.5.1974, S. 7

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29.05.1974:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 15.5.1974, 12.6.1974) Nr.11 heraus. Aus Hamburg wird in "Hamburger Senat deckt Verbrechen türkischer Faschisten" berichtet über Neset Danis.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.11,Mannheim 29.5.1974, S. 1

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29.05.1974:
In Hamburg berichtet die Rahlstedter Schülerpresse 'Durchbruch' (vgl. 20.6.1974) vom Protest gegen die Tötung von Neset Danis (vgl. 21.5.1974, 1.6.1974):"
- am 29. Mai findet im Audimax eine Versammlung statt, auf der 1 200 Hamburger Bürger in einer Resolution u.a. den Rücktritt von Innensenator Klose fordern, da er
1. für das Verhalten der Polizei in Norderstedt verantwortlich ist,
2. trotz mehrmaliger Aufforderung HH Bürger nicht öffentlich Stellung bezogen und Rechenschaft abgelegt hat,
3. durch diese (sic!, d.Vf.) Verhalten den politischen Mord an Neset Danis deckt.)"

Aufgerufen wurde vom KBW auch vor den Kasernen (vgl. 27.5.1974).
Q: Der Querschläger Nr. 3, Hamburg 27.5.1974, S. 3f; Durchbruch Nr. 3, Hamburg 20.6.1974, S. 9;Kommunistische Volkszeitung Nr. 11 und 12, Mannheim 29.5.1974 bzw. 12.6.1974, S. 1 bzw. 12

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29.05.1974:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt eine Ortsbeilage Extra zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 11 (vgl. 27.5.1974, 12.6.1974) heraus unter der Titelzeile "Vorschlag des KBW, die Versammlung möge beschliessen: Innensenator Klose muss abtreten!". Die Auflage wird mit 10 000 angegeben. Zur letzten Ausgabe erscheint "Selbstkritik". Berichtet wird: "An der Universität macht die Aktionseinheit Fortschrite".
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Hamburg Extra, Hamburg 29.5.1974

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30.05.1974:
In Hamburg erscheint vermutlich heute ein Flugblatt "Innensenator Klose muss abtreten!" zu Neset Danis, unter Verantwortung von H. Plähn, das zur Demonstration am 1.6.1974 aufruft und die Resolution der gestrigen Versammlung enthält.

Vom KBW-Ortsgruppe Hamburg erscheint heute ebenfalls ein Flugblatt "Innensenator Klose muss abtreten!", das in einer Auflage von 10 000 zur Demonstration am 1.6.1974 aufruft, aber auch vom Fahrpreiskampf in Frankfurt und dem Tod von Thomas Hytrek berichtet.
Q: Innensenator Klose muss abtreten!, Hamburg o. J. (Mai 1974); KBW-OG Hamburg: Innensenator Klose muss abtreten!, Hamburg 30.5.1974

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31.05.1974:
Laut KPD/ML (vgl. 8.6.1974), beteiligen sich in Hamburg rund 200, u.a. von der Roten Hilfe (RH) Hamburg, an ihrer Veranstaltung gegen die Tötung von Neset Danis durch türkische Faschisten.

In Hamburg berichtet die Rahlstedter Schülerpresse 'Durchbruch' (vgl. 20.6.1974) vom Protest gegen die Tötung von Neset Danis (vgl. 29.5.1974, 1.6.1974):"
- am 31. Mai erschien Polizei im HHer Büro des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) und beschlagte (sic,d.Vf.) das Flugblatt mit der Resolution und dem Aufruf zur Demonstration am 1. Juni".
Q: Durchbruch Nr.3,Hamburg 20.6.1974,S.9; Roter Morgen Nr.23,Dortmund 8.6.1974

01.06.1974:
In Hamburg findet, laut KB, eine weitere Solidaritätsdemonstration für Neset Danis (vgl. 11.5.1974, 7.6.1974) statt. Es nehmen u.a. teil:
- KB,
- KPD/ML,
- KPD,
- KBW.
Ebenfalls wird die Demonstration von mehreren Ausländergruppen unterstützt. Ca. 2 300 Teilnehmer, darunter mehrere hundert Türken.

Laut KBW nehmen an einer vom KBW organisierten Demonstration gegen den Tod des Türken Neset Danis ca. 2OOO Menschen teil, u.a. auch die KPD, die auch eine Broschüre dazu mitherausgab.

Laut KPD/ML (vgl. 8.6.1974) beteiligen sich rund 2 000 von PEF sowie ATÖF Türkei, der KPD/ML (vgl. 31.5.1974), der Roten Hilfe(RH) Hamburg und anderen Gruppen.

In Hamburg berichtet die Rahlstedter Schülerpresse 'Durchbruch' (vgl. 20.6.1974) vom Protest gegen die Tötung von Neset Danis (vgl. 31.5.1974):"
- am 1. Juni demonstrieren ca. 2 000 Hamburger und Türken für gleiches Recht für deutsche und ausländische Arbeiter
Bis dahin war dem Begehren der HH Bürger keinerlei Reaktion gefolgt, jetzt aber rührte Klose sich:

- auf der anschließenden Kundgebung am 1. Juni am Mönckebrunnen erscheinen 50 – 100 Polizisten, um der öffentlichen Debatte über Kloses Verhalten einen Riegel vorzuschieben, was aber nicht gelingt.
- Megaphone werden beschlagnahmt ud 7 Menschen – darunter Mitglieder des KBW – verhaftet und weggeschleppt."

Berichtet wird vom KBW auch beim Bauer-Verlag (vgl. 11.6.1974).
Q: Durchbruch Nr.3,Hamburg 20.6.1974,S.9; Roter Morgen Nr.23,Dortmund 8.6.1974, S. 7;Arbeiterkampf Nr.45,Hamburg 11.6.1974,S.15;Kommunistische Volkszeitung Nr.12,Mannheim 12.6.1974,S.12;Innensenator Klose muss abtreten!, Hamburg o. J. (Mai 1974);KBW-OG Hamburg: Innensenator Klose muss abtreten!, Hamburg 30.5.1974;Betriebszeitung für die Kollegen vom H. Bauer-Verlag Nr. 12, Hamburg 11.6.1974, S. 1f

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01.06.1974:
Die KPD/ML (vgl. 8.6.1974) berichtet aus Düsseldorf, dass sich rund 500 Menschen an einer Kundgebung des Komitees für die sofortige Freilassung der drei spanischen Antifaschisten und Patrioten sowie der FRAP Spanien, der OGML Griechenland, der Deutsch-Spanischen Freundschaftsgesellschaft (DSFG) und der KPD/ML für die Freilassung der drei Spanier beteiligt hätten.

Ein Flugblatt der Landesverbände NRW von KPD/ML und Roter Garde: "Tod den Killern in Uniform! Tod den faschistischen Mordbuben!" zum Tod von Günther Jendrian in München (vgl. 22.5.1974) und von Neset Danis in Hamburg (vgl. 5.5.1974) sowie dem Fahrpreiskampf in Frankfurt rief auf zur Demonstration gegen politische Unterdrückung bzw. für die "Sofortige Freilassung der drei spanischen Antifaschisten und Patrioten!" in Düsseldorf am 1.6.1974 um 15 Uhr ab Hauptbahnhof.
Q: KPD/ML, RG-LV NRW: Tod den Killern in Uniform! Tod den faschistischen Mordbuben!, Duisburg o. J. (1974); Roter Morgen Nr. 23, Dortmund 8.6.1974, S. 7

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02.06.1974:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt ein Flugblatt "Innensenator Klose deckt einen politischen Mord" in einer Auflage von 3 000 Stück heraus, in dem von der Demonstration am 1.6.1974 gegen den Tod von Neset Danis berichtet wird.
Q: KBW-OG Hamburg: Innensenator Klose deckt einen politischen Mord, Hamburg 2.6.1974

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06.06.1974:
Der KB/Gruppe Hamburg gibt die Nr.7 seines 'Metallarbeiters' (vgl. 24.4.1974, 11.9.1974) für Juni mit einer Auflage von 8 500 heraus. Berichtet wird in "Faschistischer Mord in Hamburg" über Neset Danis.
Q: Der Metallarbeiter Nr.7,Hamburg Juni 1974, S. 11

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07.06.1974:
Die KBW-OG Braunschweig gibt ein Flugblatt "Polizei deckt politischen Mord an einem türkischen Arbeiter" zum Tod von Neset Danis in Norderstedt und zur Veranstaltung dazu in Braunschweig (vgl. 12.6.1974) in einer Auflage von 6 000 Stück heraus.
Q: KBW-OG Braunschweig: Polizei deckt politischen Mord an einem türkischen Arbeiter, Braunschweig 7.6.1974

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07.06.1974:
Laut KB findet eine antifaschistische Großveranstaltung in Hamburg statt. An ihr nehmen ca. 1 400 - 1 500 Menschen teil. Zu der Veranstaltung hatten aufgerufen: KB, SSB und RBJ:"
Anlaß der Veranstaltung war der faschistische Mord am türkischen Genossen Neset Danis vor den Toren Hamburgs, der faschistische Bombenanschlag in Brescia/Italien und der verschärfte faschistische Terror in Griechenland."
Q: Arbeiterkampf Nr.45,Hamburg 7.6.1974,S.15

11.06.1974:
In Norderstedt führt u.a. die KBW-Ortsaufbaugruppe ein Tribunal zu Neset Danis mit ca. 90 Teilnehmern durch. Verlangt wird die Entfernung des Chef der Kriminalpolizei, Buchholz, aus dem Dienst. "Dieses Tribunal war das erste öffentliche Auftreten der neuen Ortsaufbaugruppe Norderstedt".
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.13,Mannheim 26.6.1974, S. 9

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11.06.1974:
Die KBW Ortsgruppe Hamburg gibt die Nr. 12 ihrer 'Betriebszeitung für die Kollegen vom H. Bauer-Verlag' (vgl. 25.4.1974, 25.6.1974) heraus mit dem Artikel Warum ist Klose nicht zurückgetreten?" zu Neset Danis.
Q: Betriebszeitung für die Kollegen vom H. Bauer-Verlag Nr. 12, Hamburg 11.6.1974, S. 4f

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11.06.1974:
Die Sektion Justiz der Gesellschaft zur Unterstützung der Volkskämpfe (GUV) Hamburg gibt die Broschüre "Politischer Mord an Neset Danis. Polizeisenator Klose deckt diesen Mord - Klose muß weg!" in einer Auflage von 2 500 Stück zum Preis von 1,20 DM heraus, wobei 0,20 DM zur Unterstützung des Rechtshilfefonds dienen.

Enthalten sind die Abschnitte:
- "Vorwort" der Leitung der GUV Hamburg vom 11.6.1974;
- "Gründungserklärung der Gesellschaft zur Unterstützung der Volkskämpfe (GUV)/Hamburg" vom 19.5.1974;
- "Politischer Mord an Neset Danis. Zusammenfassung der Ermittlungen zweier Rechtsanwälte", aus der Dokumentation von Mäffert, Plähn und Schween;
- "Augenzeugenbericht eines Rechtsanwalts" von Uwe Mäffert, ebenfalls aus der Dokumentation der Rechtsanwälte;
- "Die Gerichte sind ein Teil des staatlichen Unterdrückungsapparats";
- "Verschweigen, verdrehen, verhetzen - die Rolle der Massenmedien", von einem Mitglied der Sektion Massenmedien der GUV;
- "Klose muß weg! Wer einen politischen Mord deckt, darf hier nicht Senator sein! Bericht vom Kampf der Hamburger Bevölkerung"; sowie
- "Für den Profit der Reichen geht der Senat über Leichen. Gleiches Recht für deutsche und ausländische Arbeiter! Klose muss weg!".
Q: GUV Hamburg-Sektion Justiz: Politischer Mord an Neset Danis. Polizeisenator Klose deckt diesen Mord - Klose muß weg!, Hamburg 11.6.1974

12.06.1974:
Auch die KBW-Ortsgruppe Braunschweig rief zur heutigen Veranstaltung des Türkischen Studentenvereins zum Tod von Neset Danis in Norderstedt auf.
Q: KBW-OG Braunschweig: Polizei deckt politischen Mord an einem türkischen Arbeiter, Braunschweig 7.6.1974

15.06.1974:
Die Sozialistische Studentengruppe (SSG) Hamburg gibt ein Extra "ASTA und SP müssen dem Kampf der Studenten um ihre Rechte dienen und den Kampf für die Rechte des Volkes unterstützen" ihrer 'Roten Presse' (vgl. 13.6.1974, 19.6.1974) - Für eine Ausbildung im Dienste des Volkes - in einer Auflage von 1 500 Stück heraus. Berichtet wird im Abschnitt "Eine Politik der Entmutigung und der Niederlage: KSV und SSB", dass diese sich nicht an der Kampagne für den Rücktritt des Innensenators Klose aufgrund des "Mord türkischer Faschisten an dem Arbeiter Neset Danis" beteiligt zu haben.
Q: Rote Presse Extra ASTA und SP müssen dem Kampf der Studenten um ihre Rechte dienen und den Kampf für die Rechte des Volkes unterstützen, Hamburg 15.6.1974, S. 3f

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19.06.1974:
Die SSG Hamburg gibt die Nr. 3 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 15.6.194, 4.7.1974) in einer Auflage von 500 Stück heraus mit dem Leitartikel "Uni-Bürokratie gegen Aufdeckung des Mordes an Neset Danis".
Q: Rote Presse Nr. 3,Hamburg 28.5.1974, S. 1f

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26.06.1974:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt eine Ortsbeilage für Hamburg und Umgebung zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 13 (vgl. 12.6.1974, 10.7.1974) heraus. Zu Neset Danis wird in "Unterricht über Mord an türkischem Arbeiter von Schulbehörde vorläufig verboten" berichtet vom Gymnasium Curschmannstraße.
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage für Hamburg und Umgebung Nr. 13, Hamburg 26.6.1974, S. 2

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28.06.1974:
Vermutlich Ende dieser Woche wird vermutlich in Münster, vermutlich von der Liga gegen den Imperialismus (LgdI) eine Plattform vorgelegt, die sich u.a. mit der Erschlagung von Neset Danis in Norderstedt (vgl. 5.5.1974, 21.5.1974), der Verhaftung von vier Türken in Köln (vgl. 4.5.1974) und dem GUPS/GUPA-Verbot 1972 befasst, aber auch von der Beerdigung Günter Routhiers am 24.6.1974 berichtet.
Q: N. N.: Plattform, o. O. (Münster)

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Juli 1974: Demonstration in Köln mit Bildnissen von Danis Neset und Günter Routhier

Juli 1974:
Laut KPD beteiligen sich in Köln ca. 2 000 Personen an der bundesweiten Türkeidemonstration der ATÖF. Die Polizei greift Transparente zum „Polizeimord“ an Günther Routhier in Duisburg (vgl. 5.6.1974) an.

Laut KBW (vgl. 24.7.1974) nehmen ca. 2 5OO Menschen an einer durch eine Aktionseinheit von ATÖF (türkischer Studentenverband), KPD und anderen initiierten zentralen Demonstration gegen die Ausländerverfolgung teil. Zu dieser Demonstration in Köln hatte der KBW nicht aufgerufen, "weil er es für falsch hält, das Kampfmittel der zentralen Demonstration routinemäßig und beliebig einzusetzen und es dadurch zu zerschleißen".

In Köln selbst beteiligte sich jedoch die OG des KBW mit einem Block von ca.3OO Teilnehmern an der Demonstration.

Laut KPD/ML kommt es in Köln Mitte Juli zu einer Protestdemonstration von 4 000 deutschen und ausländischen Arbeiterinnen und Arbeitern gegen die Tötung des türkischen, evtl. auch kurdischen, Antifaschisten Neset Danis in Norderstedt bei Hamburg und des Genossen Günter Routhier in Duisburg sowie die Verhaftung von türkischen und spanischen Patrioten, die seit Wochen im Gefängnis sitzen und mit der Abschiebung in ihre vom Faschismus beherrschten Länder bedroht werden.
Q: ZK der KPD/ML (Hg.): 1968/69 bis 1978/79. Zehn Jahre KPD/ML. 10 Jahre Kampf für ein vereintes, unabhängiges, sozialistisches Deutschland,Dortmund 1979, S. 153; Kommunistische Volkszeitung Nr.15,Mannheim 24.7.1974,S.11; Rote Fahne Nr.29,Dortmund 17.7.1974

04.07.1974:
Die Sozialistische Studentengruppe (SSG) Hamburg gibt die Nr. 5 ihrer 'Roten Presse' (vgl. 19.6.1974, 16.10.1974) - Für eine Ausbildung im Dienste des Volkes heraus mit dem Artikel "Unterricht über Mord an türkischem Arbeiter von Schulbehörde vorläufig verboten!" zum von Verena Maeffert am Gymnasium Curschmannstraße durchgeführten Projekt über Neset Danis.
Q: Rote Presse Nr. 5, Hamburg 4.7.1974, S. 6

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20.09.1974:
Der KBW Hamburg (vgl. 20.9.1974) kündigte einen Neset Danis-Prozeß an:"
1 000 DM Geldstrafe für den Aufruf gegen den politischen Mord an Nesset Danis

Die Kampagne gegen den Senat im Zusammenhang mit dem politischen Mord an dem türkischen Arbeiter Nesset Danis hat dem Hamburger Staatsapparat zu schaffen gemacht.

Er reagiert jetzt auf seine Weise: 1 000 DM soll Lutz Plümer, Sekretär der Ortsleitung Hamburg des KBW, bezahlen weil in einem von ihm presserechtlich verantworteten Flugblatt des KBW aufgerufen wird zu einer Kundgebung vor dem Rathaus. Dies sei Verletzung des 'Bannmeilengesetzes'. Verhandlung am Freitag, 20.9., um 14.00 Uhr im Zimmer 297 des Strafjustizgebäudes am Sievekingplatz."
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Hamburg Nr. 19, Hamburg 19.9.1974

14.11.1974:
Die Ortsgruppe Hamburg des KBW gibt eine Ortsbeilage Hamburg zur 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 24 (vgl. 7.11.1974, 21.11.1974) heraus. Über Neset Danis wird berichtet in "Verfahren gegen türkische Arbeiter" von der Einstellung aller Verfahren gegen die Beteiligten an der Schlägerei.
Q: Kommunistische Volkszeitung Ortsbeilage Hamburg Nr. 24, Hamburg 14.11.1974, S. 3

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Dezember 1977:
Die Nr.7 der 'Zündkerze' - Betriebszeitung der KPD/ML für Opel-Bochum (vgl. 21.6.1976, 7.5.1984) erscheint u.a. mit dem weiteren Artikel:"
TÜRKISCHER FASCHIST IM BETRIEBSRAT
EIN SPRICHWORT…

'Sage mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist' so lautet ein deutsches Sprichwort. M. Thomas, Löffelmeier, Perschke wie auch Flakschin und Wirtz, allesamt FunktionÄre der IGM in der Vertrauenskörperleitung, im Betriebsrat bzw. in der Ortsverwaltung kennen es sicherlich auch. Und doch haben sie einen gemeinsamen Freund, fühlen sich zumindest mit ihm sehr verbunden, wo jeder aufrechte Kollege sagen würde: 'Mit dem will ich nichts zu tun haben.'

Ihr Freund heißt Muza Gücer - Mitglied der IGM, türkischer Dolmetscher des Betriebsrats, seit neuestem Delegierter in der Vertreterversammlung.

Muza Gücer ist Faschist. Er unterstützt die türkische faschistische Terrorbande 'Graue Wölfe'. Auf ihr Konto gehen zig Morde, brutale Überfälle und die Terrorisierung türkischer Kollegen. Sein Vorbild wie das seiner faschistischen Bande ist Hitler. So eifert er ihm auch nach, stolziert wie ein KZ-Aufseher in den Wohnheimen herum, trägt frech das Abzeichen der Grauen Wölfe zur Schau. Wenn er kommt, verstummt so manches Gespräch, eine Atmosphäre wie im Faschismus macht sich breit, denn die türkischen Kollegen wissen: Die Grauen Wölfe bleiben nicht bei Drohungen.

Neset Danis, fortschrittlicher Arbeiter in Hamburg, wurde mit dem Ruf 'Wer Allah liebt, tötet die Kommunisten' erschlagen (in Norderstedt - vgl. 5.5.1974,d.Vf.), in Hilden ein türkischer Arbeiter erstochen (vgl. S5.**.197*,d.Vf.) Unzählige Terrorüberfälle wurden von dieser Organisation verübt, die mit ihrer Partei, der MHP - Partei der nationalistischen Bewegung, die auch in Bochum, Dorstener Straße 8 jetzt ein Büro unterhält - danach strebt, 'einen nationalen Staat zu gründen, der für ein paar Haare eines Türken die ganze Welt opfern wird'. Am 1.Mai dieses Jahres war es diese faschistische Terrorbande, die in Istanbul unter den 400 000 Arbeitern, die sich dort zu einer Kundgebung versammelt hatten, ein Blutbad anrichtete. 38 Tote und 300 Verwundete wurden Opfer dieses barbarischen Gemetzels.

Sollten diese Tatsachen der IGM und ihren Funktionären bei Opel etwa nicht bekannt sein? Kennen sie, die doch sonst an alle Flugblätter herankommen, ausgerechnet nicht das Flugblatt, wo diese Terrorbande mit ihrem Wolfsemblem versehen ihre faschistische Ideologie verbreitet? - Das ist unvorstellbar."
Q: Zündkerze Nr.7,Bochum Dez. 1977

Letzte Änderung: 07.07.2017