Bochum: Chilesolidarität

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 11.9.2016


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Zur Berichterstattung über Chile und zur Chile-Solidarität in Bochum können hier bisher nur wenige Dokumente und Hinweise erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Einleitend wird bei Opel Bochum auf die US-amerikanischen Interessen in Chile verwiesen (vgl. 11.5.1970) und auch zum Spreti-Prozess wird mehrmals auf das chilenische Beispiel Bezug genommen. (vgl. 19.9.1973, 20.9.1973).

Die GIM berichtet mehrmals im Stahlbereich (vgl. 24.9.1973, 22.10.1973, 28.1.1974), und auch die Freunde der KPD an der Ruhr-Universität werden aktiv (vgl. 14.6.1974), die fraktionsübergreifende Solidarität aber wird durch die Jusos abgelehnt (vgl. 9.8.1974, 12.8.1974), die radikale Linke aber versucht sich an einer Aktionseinheit (vgl. 30.8.1974), wobei es aber zum Konflikt mit den Freunden der KPD kommt (vgl. 19.9.1974).

Auch 1975 geht die Chilesolidarität weiter, wobei nun zur Freude des KB auch der MIR aktiv wird in Bochum (vgl. 1.4.1975, 15.9.1976), wo es aber auch ein Chilekomitee unter Mitarbeit der KGB gibt (vgl. 4.9.1975).

Zum vorläufigen Abschluss dieser Darstellung sind in Bochum chilenische bzw. Chilesolidaritäts-Gruppen immer noch aktiv (vgl. 2.4.1979, 5.4.1980).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

11.05.1970:
Die Rote Opel-Betriebsgruppe der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK Bochum gibt vermutlich in dieser Woche eine Sonderausgabe ihrer 'Zündkerze' (vgl. 13.4.1970, 26.5.1970) für Bochumer Betriebe heraus. Aufgerufen wird darin zur Demonstration zur "Solidarität mit den Völkern von Kambodscha und Vietnam" (vgl. 14.5.1970). Der Name des US-Präsidenten Nixon wird in den Hervorhebungen meist mit Hakenkreuz anstatt mit 'X' geschrieben:"
NIXON, KAMBODSCHA UND WIR

'WAS GEHT UNS KAMBODSCHA AN?'

Natürlich geht es den (US-Imperialisten nicht, d.Vf.) nur um Vietnam. Es geht ihnen um ihr Erdöl in Venezuela, um ihre Bananen in Guatemala, um ihre Erze in Chile usw… Wenn ihnen der Beweis in Vietnam nicht gelingt, wird ihr Reich in Südamerika zusammenbrechen."
Quelle: Zündkerze Sdr.ausg. für Bochumer Betriebe, Bochum Mai 1970

19.09.1973:
Von der Roten Hilfe (RH) Bochum erscheint das folgende Flugblatt zum morgigen 'Spreti'-Prozeß:"
FREISPRUCH FÜR DIE ANGEKLAGTEN IM 'SPRETI-PROZESS

Mit 72% aller Stimmen wurde 1950 ein fortschrittlicher Präsident, Jakobo Arbenz, gewählt. Als dieser versuchte, durch eine bescheidene Landreform - er wollte die brachliegenden Ländereien der 'United Fruit Company' verstaatlichen - das Elend des Volkes zu mildern, erging es ihm wie kürzlich dem chilenischen Präsidenten Allende: 1954 putschte ein Teil des guatemaltekischen Heeres, das in den USA ausgebildet worden war, offen unterstützt von der US-Luftwaffe und dem CIA, sowie, im Inneren, von den Christdemokraten, Nationalisten und der sog. 'Weißen hand', einer faschistischen Terrortruppe."
Q: RH Bochum: Freispruch für die Angeklagten im 'Spreti'-Prozeß, Bochum o.J. (19.9.1973)

20.09.1973:
Laut einem anonymen Protokoll "Dortmund: Prozeß wegen Beleidigung der Bundesrepublik" (vgl. 29.8.1973), welches vermutlich für die Rote Hilfe (RH) Dortmund der KPD/ML verfaßt wurde, wird Klaus Dillmann "am 20. September erneut vor Gericht stehen, diesmal in Bochum in 2. Instanz wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' (Paragraph 140 StGB).
In der Verteidigungsrede von Klaus Dillmann heißt es:" …
Einer der größten Großgrundbesitzer von Guatemala war die United Fruit Company, der größte Bananenkonzern der Welt (Chiquita). … Dieser Konzern gehört Leuten wie Rockefeller und ähnlichen Größen der US-Politik. Dulles war einer der wichtigsten Vertreter dieses Polypen auf dem Rücken der Völker Mittelamerikas. Im Volksmund heißt der Konzern ganz allgemein 'El pulpo' (der Polyp). Infolgedessen brachen 1954 die USA einen Krieg gegen Guatemala vom Zaun, ein von der UFC und dem CIA bezahltes Söldnerheer unter Castillo Armas drang ins Land ein, brachte Tausende von Bauern um und vertrieb die Regierung Arbenz. Stattdessen setzten die USA eine Militärregierung ein, ähnlich wie z.B. Somoza in Nicaragua, Strößner in Paraguay, Banzer in Bolivien und nun, als jüngstes Beispiel: Pinochet in Chile. …
Das Beispiel Chiles und der Volksfrontregierung Allendes wird bestimmt weitere Wunschvorstellungen in den Köpfen der Menschen auch Guatemalas zerstören, das seit März 1970 - kurz vor der Entführung Spretis - von dem Faschisten Arana beherrscht wird, der sogleich zu Regierungsantritt ein Massenschlachten in den Gefängnissen einleitete und schon seinen Wahlkampf unter dem Motto führte, jeden Tag im Jahr einen 'Linksextremisten' öffentlich zu erschießen."
Q: N.N.: Protokoll: Dortmund: Prozeß wegen Beleidigung der Bundesrepublik, o.O.o.J. (Aug. 1973); Dillmann, Klaus: Verteidigungsrede des Angeklagten Klaus Dillmann im Verfahren 16 Ms 2/71 wegen 'öffentlicher Billigung eines Mordes' vor der II. Strafkammer Bochum am 20. September 1973, o.O. 20.9.1973;RH Bochum: Freispruch für die Angeklagten im 'Spreti'-Prozeß, Bochum o.J. (19.9.1973)

24.09.1973:
Bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen gibt die GIM die Nr. 7 der bisher für Hoesch Dortmund erschienen 'Solidarität' (vgl. 2.7.1973, 22.10.1973) heraus. Der Artikel "Solidarität mit Chile!" meint:"
Am Dienstag, den 11.9.1973 wurde über die Nachrichtensender die Meldung verbreitet, daß die Oberkommandierenden der Armee gegen die verfassungsmäßig gewählte Regierung Allende geputscht haben. Das Militär und die Polizei seien 'vereint in der historischen und verantwortungsvollen Mission für die Befreiung des Landes vom marxistischen Joch zu kämpfen.' Die Armee, die stets behauptet hat, die Legalität und die Verfassung zu schützen, hat demonstriert, daß sie zum Schutz dieser Verfassung nur solange bereit ist, solange diese unter der Kontrolle der herrschenden Klasse steht.

Die sofort verhängte scharfe Pressezensur der Militärjunta macht es fast unmöglich, daß echte Informationen ins Ausland durchsickern. Die Junta versucht nun in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, das Land sei unter ihrer Kontrolle. In Wirklichkeit organisieren die chilenischen Arbeiter und Bauern massiven Widerstand. Die Militärs, die faschistische Untergrundorganisation 'Vaterland und Freiheit' der US-Imperialisten mit ihrem CIA (amerik. Geheimdienst), das chilenische Bürgertum und andere reaktionäre Kräfte wollen den Widerstand im Blut ersticken. Schon jetzt sind tausende von Arbeitern und Bauern im Bürgerkrieg umgekommen. Alle, die noch die alte rechtsmäßige Regierung unterstützen, sollen standrechtlich erschossen werden. Die Militärs betreiben eine fürchterliche Hexenjagd auf Demokraten, Kommunisten und Revolutionäre. Wenn jetzt Tausende von Arbeitern und Bauern ihr Leben lassen müssen, so trifft die Mitschuld daran auch die Volksfrontregierung, aber ganz besonders die KP Chiles, da sie die Massenbewegung für die Verteidigung und den Ausbau der sozialen und politischen Errungenschaften vernachlässigt haben. Sie hielten die ganze Zeit an dem Traum vom friedlichen verfassungsmäßigen Übergang zum Sozialismus fest. Alle außer ihnen wußten, daß die bewaffnete Auseinandersetzung unvermeidlich war. Die jetzt stattfindende Entscheidungsschlacht findet nicht zwischen der alten 'rechtmäßigen' Regierung und der neuen Militärdiktatur statt; sie wird auf den Straßen, auf dem Lande und in den Fabriken geschlagen. Die Alternative zur Militärdiktatur ist nicht die Wiedereinsetzung der bisherigen Volksfront-Regierung, sondern die revolutionäre Arbeiter- und Bauernregierung!"
Q: Solidarität Nr. 7, Dortmund 24.9.1973

22.10.1973:
Die Nr. 8 der 'Solidarität' - Informationsblatt der GIM erscheint bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 24.9.1973, 2.11.1973). Im letzten Artikel heißt es:"
CHILE

Das 'wirkliche Gesicht' Chiles - laut Bild oder: Wie macht man eine Militärdiktatur salonfähig?

Während das chilenische Militär Arbeiterviertel bombardierte, seine Standgerichte im Akkord arbeiteten und Arbeiterführer in den Kellern der Geheimdienste zu Tode gefoltert wurden, ersonn man in den Redaktionsstuben des Herrn Springer bereits ein neues Chilebild. Noch während Massendemonstrationen in der ganzen Welt stattfanden, erschien in BILD ein Bericht über Allende, der ihn zum heimlichen Diktator erkor, der einen Putsch von links vorbereitete. Zugleich versicherte man, daß man aus 'gut informierten Kreisen' wisse, daß der Präsident Selbstmord begangen habe.

Diese beiden Lügen stellen den Beginn einer Kampagne dar, um die Henker von Santiago salonfähig zu machen. Wäre die erste Behauptung wahr, so hätte eine gut bewaffnete chilenische Arbeiterklasse mit dem Spuk eines Armeeputsches kurzen Prozeß gemacht. Zum zweiten hat Allendes Frau die wirklichen Todesumstände klar ausgedrückt: 'Mein Mann wurde umgebracht'. (Spiegel vom 24.9.1973).

Man hätte erwarten können, daß Friedens-Willy Brandt seine Stimme erhoben hätte, um das Regime zu verurteilen und den Befreiungskampf zu unterstützen. Doch nur Illusionäre konnten an soviel Menschenfreundlichkeit glauben. Dieses Regime und ihr Friedensnobelpreischef hatten schon im letzten Dezember die riesigen Bombenangriffe der US-Armee in Vietnam stillschweigend akzeptiert. Zum anderen wäre es den Sozialdemokraten gewiß schwergefallen, einen Salvador Allende zu verteidigen, der im Kampf mit der Waffe in der Hand gefallen ist. An der Seite der Arbeiter und nicht wie ehedem Noske und Ebert samt ihren Enkeln an der Seite der Unternehmer. Und wer immer noch nicht versteht, warum in der BRD heute eine neue chilenische Geschichte geschrieben wird, warum der DGB-Bundesvorstand die Teilnahme an Chile-Solidaritätsaktionen zusammen mit sogenannten Linksradikalen verbietet, warum der Friedensnobelpreisträger schweigt, dem wurde einiges klarer, als er vor einigen Tagen die F.A.Z. las. Dort war nämlich zu lesen, was jetzt zu tun sei: 'Chile: Jetzt investieren!' Nun ist alles klar, warum Willy schweigt und BILD sich in Lügen selbst übertrifft weil sie alle investieren wollen: Herr Abs, Herr Siemens und Konsorten. Gerade deshalb kommt es darauf an, nicht zu schweigen und Solidarität zu üben! Heute gilt es umso mehr jede Initiative zu unterstützen, die die Sache des chilenischen Volkes vertritt:

ES LEBE DER KAMPF DER CHILENISCHEN ARBEITER; BAUERN UND STUDENTEN!
NIEDER MIT DER MILITÄRDIKTATUR!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!"
Q: Solidarität Nr. 8, Dortmund 22.10.1973

28.01.1974:
Für Stahlbetriebe in Bochum, Dortmund und Hagen geben die drei Ortsgruppen der GIM ihre 'Solidarität' Nr. 11 (vgl. 11.12.1973, Feb. 1974) heraus. Im letzten Artikel heißt es:"
CHILE: 'KEINE KLAGEN'

oder Wie eine CDU-Delegation in Chile die Militärdiktatur deckt.

Schon im November des vorigen Jahres reisten zwei CDU-Bundestagsabgeordnete, Heck und Gewandt, nach Chile, um sich über die Situation nach dem Putsch zu informieren. Was sie von dort mitbrachten, waren 'positive' Eindrücke.

Die Übergriffe bei der Machtübernahme seien längst vergessen, das Leben normalisiere sich wieder und endlich würde das Land wieder zur politischen und wirtschaftlichen Stabilität zurückgeführt. Von Folterungen und Mißhandlungen, von denen berichtet worden war, will Herr Gewandt 'nichts bemerkt' haben.

Auch der Berliner CDU-Mann Wohlrabe, der vor wenigen Tagen von einer Chile-Reise zurückkam, ist optimistisch. Auf der Gefangeneninsel Dawson 'haben die Gefangenen in humanitärer Hinsicht keine Klagen gehabt.'

In Anbetracht dessen gibt Gewandt der Bundesregierung den Rat, den Putschgenerälen mit Wirtschaftshilfe unter die Arme zu greifen.

Hören wir zur politischen Situation in Chile den 'SPIEGEL', der in der Nr. 41/1973 auf S. 126 folgendes berichtet:
'Die Nacht ist zur Besuchszeit geworden im Chile der Militärdiktatur. Während am Tage die vollen Straßen, das Geschrei der Zeitungsverkäufer und das Hupen ungeduldiger Autofahrer den von der Junta propagierten Eindruck ruhiger Normalität vermitteln, wiederholt sich Nacht für Nacht der brutale Auftrieb politischer Gegner, verschärft sich die hysterische Jagd auf alles, was links ist oder zu sein scheint.'

Offenbar haben sich die CDU-Reisenden nur während der Geschäftszeit für das Geschehen in Santiagos Straßen interessiert. Auch in den Morgenstunden, wenn die Leichen Erschossener (zur Abschreckung) im Mapoche-Fluß treiben und andere Opfer der nächtlichen Exekutionen in der Müllverbrennungsanlage des Nationalstadions beseitigt werden, müssen die Christdemokraten noch fest in ihren Hotel-Suiten geschlafen haben.

Der Spiegel berichtet weiter von stand'rechtlichen' Erschießungen während der nächtlichen Besuche und von Mißhandlungen an linken Parteifunktionären; auch davon hat Herr Gewandt 'nichts bemerkt.'

Den besten Eindruck von der Lage der Gefangenen in den geheimen Straflagern gibt die Schilderung des Schauspielers und Kommunisten B., der dort selbst interniert war und entkommen konnte:

'Im Unterstand der Sondereinheit wird systematisch gefoltert. Eine Gruppe von 5 oder 6 Spezialisten 'bearbeitet' einen Mann. Es ist furchtbar, nicht zu wissen, woher der Schlag kommt. Die Folterer verwenden Stromstöße, tauchen uns in mit Exkrementen gefüllte Bottiche ein, bis wir knapp vor dem Erstickungstod stehen, verbrennen uns mit Zigaretten und Zigarren an den Genitalien, in den Kniekehlen und am Hals, in den Achselhöhlen - überall an den empfindlichsten Körperstellen. Sie schlagen uns mit nassen Sandsäcken, hängen uns an den Fußgelenken auf, schlagen uns mit Gummischläuchen ins Gesicht, bis die Lippen platzen, das Nasenbein bricht und die Augen sich schließen. …Hinrichtungen erfolgen alle paar Stunden. Niemand wußte, wann er an der Reihe sei. Immer wieder hörten wir das Geräusch eines Bulldozers, der Massengräber aushob und nach den Gewehrsalven die Gräber wieder einebnete.'

Wie ist die Widersprüchlichkeit der Aussagen zu erklären?

Jakob Moneta, Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung 'Metall', der nach seinem Chile-Besuch (er konnte nur als Tourist getarnt einreisen) die Berichte über die Schlächterei bestätigte und sogar Fotos davon mitbrachte, meint:

'Wenn der Gewandt erzählt, daß in Chile nicht gefoltert wird, dann lügt er entweder bewußt oder die Leute haben ihm nichts gesagt, weil sie Angst vor einer Denunziation hatten.'

Letzteres hält er selbst für unwahrscheinlich, weil Gewandt in vielen Fällen mit denselben Leuten gesprochen habe wie er. Warum vertuschen also unsere CDU-'Demokraten' und 'Menschenrechtskämpfer' die Barbarei und blutige Unterdrückung in Chile? Es ist nur eine Erklärung möglich: Daß sie sie billigen. Und die Forderung nsach Wirtschaftshilfe weist darauf hin, daß sie das grausame Regiment des General Pinochet auch nach besten Kräften unterstützen wollen.

Schon die offizielle CDU-Erklärung zum Putsch ließ eine gewisse Erleichterung darüber erkennen, daß der 'marxistische Spuk' vorüber sei. Erleichterung darüber, daß nun auch in Chile, wie in vielen Ländern Lateinamerikas ein Bollwerk gegen die sozialistische Revolution errichtet sei, die sich bereits unter dem zögernden Allende und dessen illusionärer Politik ankündigte.

Die blutige Niederhaltung der Arbeiter und Bauern, die Zerschlagung der Gewerkschaften und verschärfte Ausbeutung sollen Chile wieder zu einem Profitparadies und die Arbeiter- und Bauerndemokratie zu einem Traum werden lassen.

Um die Empörung über das grausame Regime zu beschwichtigen sind der Rechten in der BRD auch Lügen und Verfälschungen recht.

Die Arbeiter dagegen müssen aus Solidarität mit den verfolgten und Unterdrückten in Chile dem verzweifelten Appell folgen, den ein chilenischer Arbeiter dem 'Metall'-Chefredakteur mit auf den Weg gab:

'Ihr müßt die Empörung über das, was hier geschieht, wachhalten. Das ist unsere einzige Chance.'"
Q: Solidarität Nr. 11, Dortmund 28.1.1974

14.06.1974:
Die KSV Hochschulleitung Bochum gibt das Flugblatt "Die wahren 'Weltmeister stehen fest: deutsche Bullen sind die besten Scharfschützen" heraus zur Fußball-Weltmeisterschaft bzw. zu den Todesschüssen der Polizei und zu Chile.

Eingeladen wird zum Fußball mit dem KSV am 16.6.1974.
Q: KSV-HL Bochum: Die wahren 'Weltmeister stehen fest: deutsche Bullen sind die besten Scharfschützen, Bochum o. J. (14.6.1974)

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22.06.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr.25 (vgl. 15.6.1974, 29.6.1974) heraus und berichtet über die Fußball-WM und u.a. Chilenen in Bochum.
Q: Roter Morgen Nr. 25, Dortmund 22.6.1974, S. 8

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24.08.1974:
Die Chile-Komitees Göttingen und Heidelberg stellen ihre 'Chile Zeitung' fertig. Im Artikel Vorwärts in der Solidarität" zum 1. Jahrestag des Putsches, heißt es auch:"
An anderen Orten, wie in Bochum, versuchte ein Komitee in der Stadt ein anderes, das den gemeinsamen Aufruf mit unterzeichnete, von den örtlichen Aktivitäten auszuschließen."

Enthalten ist auch der "Aufruf" zur bundesweiten Demonstration in Frankfurt am 14.9.1973 u.a. von den Chile-Komitees Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln, Münster und Siegen.
Q: Chile-Komitees Göttingen und Heidelberg: Chile Zeitung, Göttingen o. J. (1974), S. 1f

09.08.1974:
Laut KBW (vgl. 21.8.1974) lud das Solidaritätskomitee Chile in Bochum zu einer Veranstaltung ein. Das Chile-Komitee Bochum war nicht eingeladen. Es nimmt auch das Kommunistische Kollektiv (KK) Bochum des KBW teil. Die Chile-Komitees (vgl. 24.8.1974) berichten: "Bochum: Juso-Kreisvorstand verhindert Zusammenschluss aller Kräfte in Bochum, die für den Sturz der Junta und für die uneingeschränkte politische Betätigungsfreiheit der Arbeiter, Angestellten und Bauern in Chile sind".
Q: Chile-Komitees Göttingen und Heidelberg: Chile Zeitung, Göttingen o. J. (1974), S. 8; Kommunistische Volkszeitung Nr. 17, Mannheim 21.8.1974, S. 15

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12.08.1974:
Das Chile-Komitee Bochum gibt das Flugblatt "Offener Brief an das 'Chile-Solidaritätskomitee' in Bochum" heraus, in dem berichtet wird von einer Beratung des Chile-Solidaritätskomitees über Aktionen zum 1. Jahrestag des Putsches, zu der das Chile-Komitee ohne Einladung erschien und auf Antrag eines Jusos ausgeschlossen wurde.

Eingeladen wird zur Solidaritätsversammlung am 20.8.1974 um Aktionen zu planen.
Q: Chile-Komitee: Offener Brief an das 'Chile-Solidaritätskomitee' in Bochum, Bochum 12.8.1974

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30.08.1974:
Das Chile-Komitee Bochum gibt vermutlich Ende dieser Woche das Flugblatt "Übt Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes" heraus, das zur Demonstration in Frankfurt am 14.9.1974 aufruft und Aktionen in Bochum vom 1. bis 13.9.1974 ankündigt.
Q: Chile-Komitee: Übt Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes, Bochum o. J. (1974)

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30.08.1974:
In Bochum erscheint vermutlich Ende dieser Woche das Flugblatt "Übt Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes" der Bochumer Aktionseinheit "Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes", das zur Demonstration in Bochum am 11.9.1974 und zur Veranstaltung am 1.9.1974 aufruft. Bekanntgegeben wird:"
Um eine breite Solidaritätsfront aller demokratischen, antiimperialistischen Menschen in Bochum aufzubauen, haben sich folgende Organisationen zu einer Aktionseinheit für eine Kampagne zum Jahrestag zusammengeschlossen: Chile-Komitee Bochum, KKB, KHI, ESG, KPD, KSV, Liga gegen den Imperialismus, KG Bo, GIM".
Q: Bochumer Aktionseinheit Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes: Übt Solidarität mit dem Kampf des chilenischen Volkes, Bochum o. J. (1974)

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08.09.1974:
KPD und LgdI riefen für heute auf zur Chile-Veranstaltung in Bochum.
Q: KPD-OL Dortmund, LgdI-OG Dortmund: Ein Jahr faschistische Diktatur über das chilenische Volk, Dortmund o. J., S. 4

19.09.1974:
In Bochum wird eine "Erklärung von Mitgliedern des Chile-Komitees Bochum zu den Ereignissen während der Vorbereitung und Durchführung von Solidaritätsaktionen zum 1. Jahrestag des Putsches in Chile" verfasst, die laut internen Notizen des KBW, von ca. 7 - 8 Mitgliedern des Komitees, darunter 2 - 3 Unabhängige, unterstützt wird.

Dargestellt wird die Auseinandersetzung um den Göttinger Aufruf, die im Chile-Komitee Bochum von einigen abgelehnt werde zugunsten einer Plattform, die die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes enthalte und auch den US-Imperialismus erwähne sowie den Sozialismus als Ziel. Diese Leute hätten dann aufgerufen, in Frankfurt im Block der Freunde der KPD zu demonstrieren und KPD plus Liga hätten ca. 15 Anhänger aufgeboten, um "das Chile-Komitee mitten in den laufenden Vorbereitungen von seinem Beschluß, die Demonstration der Komitees in Frankfurt zu unterstützen, abzubringen."

Weiter hätten sie "Mitgliedern der GIM, die an der Aktionseinheit beteiligt waren, unrechtmäßig ihre Zeitungen und Broschüren zerrissen", obwohl darin die VR China, die nach den Vereinbarungen nicht angegriffen werden durfte, gar nicht erwähnt wurde.
Q: Chile-Komitee: Offener Brief an das 'Chile-Solidaritätskomitee' in Bochum, Bochum 12.8.1974

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16.03.1975:
Heute ist Redaktionsschluß für die Nr. 2 der 'Chile Solidarität' (vgl. 8.12.1974, 3.9.1975). Adressen der Chile-Komitees kommen aus NRW aus Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Gronau, Herne, Köln, Krefeld, Münster, Paderborn, Siegen und Wuppertal.
Q: Chile Solidarität Nr. 2, Heidelberg o. J. (1975), S. 7

01.04.1975:
Laut KB findet Anfang April eine Veranstaltung des MIR Chile in Bochum statt, an der ca. 500 Menschen teilnehmen.
Q: Arbeiterkampf Nr. 60, Hamburg 29.4.1975, S. 21

04.09.1975:
Laut Kommunistische Gruppe Bochum (KGB) beginnt heute in Bochum eine Chile-Aktionswoche des Bochumer Chile-Komitees bis zum 11.9., im Zusammenhang mit bundesweiten Aktionen (vgl. 18.9.1975), zu der die u.a. beteiligte KGB intern ausführt, Ziel ist es, "die Unterstützung des Kampfes des Chilenischen Volkes zu verbessern". Im Rückblick heißt es:"
Zu der Chile-Aktionswoche im September (2. Jahrestag des Putsches) gelang es uns nicht, im Bochumer Chile-Komitee eine besonders vorwärts treibende Rolle zu spielen."
Q: KGB: Rundbrief, Bochum 1.11.1975; KGB: Politischer Plan für die Arbeit der KGB (September bis Dezember 1975), Bochum 1975, S. 2

15.04.1976:
Die Ortsgruppe Bochum des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 15 eine 'Ortsbeilage Bochum' (vgl. 8.4.1976, 22.4.1976) heraus. Berichtet wird auch:"
HBV-Jugend unterstützt den Widerstandskampf des chilenischen Volkes!

Nachdem auf der Landesbezirksjugendausschußsitzung der Beschluß gefaßt wurde, den Widerstandskampf des chilenischen Volkes gegen die faschistische Junta vermehrt und aktiv zu unterstützen, führte die HBV-Jugendgruppe Bochum auf ihrer Wochenendschulung am 10. und 11. April eine Versteigerung zur Unterstützung des Widerstandskampfes durch. Das einleitende Referat und die Versteigerung stießen bei den Jugendlichen auf große Zustimmung und Interesse, und die Chile-Bücher konnten weit über ihrem Wert versteigert werden. Insgesamt wurde ein Betrag von 151, 16 DM gesammelt."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Bochum Nr. 15, Bochum o. J. (1976), S. 2

15.09.1976:
Laut KB wird in Bochum zum dritten Jahrestag des Putsches in Chile eine Veranstaltung der Chilenischen Linken (IC) durchgeführt. U.a. hatte auch der KB mobilisiert. Anwesend sind ca. 200 Menschen.
Q: Arbeiterkampf Nr. 89, Hamburg 20.9.1976, S. 45

April 1977:
Die Kommunistische Gruppe Bochum/Essen (KGB/E) gibt im April erscheint eine Sondernummer der 'BAZ' zum 1. Mai heraus. In dieser erscheint auch der Aufruf "1. Mai Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse" aus Bochum. Der Aufruf ist auch unterzeichnet von GARM (Auslandsorganisation zur Unterstützung des Chilenischen MIR).
Q: Bochumer Arbeiterzeitung Nr. 26 und Sdrnr., Bochum Apr. 1977

01.05.1977:
1. Mai in Bochum.
Laut KB kommen zu "der Mai-Veranstaltung des KB (in Aktionseinheit mit MIR (Chile, d.Vf.) und CISNU" Iran 250.
Q: Arbeiterkampf Nr. 104, Hamburg 16.5.1977, S. 11

01.05.1978:
1. Mai in Bochum. Laut KB beteiligen sich an der DGB-Demonstration ca. 1 400 Teilnehmer:"
Im oppositionellen Teil der Demonstration gingen 500 - 700 Leute mit. Darunter Blöcke vom Atombüro-Bochum (AKW,d.Vf.) … ein Block mit Chilenen, Spaniern, Iranern, Türken und ein Block der ML-Aktionseinheit (GOG (Opel im IGM-Bereich,d.Vf.), KPD, KSV, KGB/E) … An der anschließenden Kundgebung nahmen 3 000 bis 4 000 Personen teil. Danach kam die traditionelle Kundgebung der AE, die von 130 Leuten … angehört wurde."
Q: Arbeiterkampf Nr. 129, Hamburg 16.5.1978, S. 14

02.04.1979:
Laut KGB/E findet ein erstes Treffen (vgl. 11.4.1979) zu Aktionseinheitsverhandlungen zum 1. Mai 1979 in Bochum statt. U.a. sind vertreten: KPD, KPD/ML, KBW, Atombüro, BASA, GOG Opel, Frauentreff, SOAG, KGB/E und Chilenen (MIR).
Q: KGB/E: Rundbrief Nr. 1 und 2, Bochum 1.4.1979 bzw. 13.5.1979, S. 1 bzw. S.*

05.04.1980:
Einladungsschreiben der KGB/E "zur Verhandlung über die Bildung einer Aktionseinheit für einen oppositionellen Block am diesjährigen 1.Mai" am 13.4.1980. Das Einladungsschreiben geht auch an die Chile-Initiative Bochum.
Q: KGB/E: Einladung zu Verhandlungen über die Bildung einer Aktionseinheit für einen oppositionellen Block am diesjährigen 1. Mai, Bochum 5.4.1980

Letzte Änderung: 11.09.2016