Ruhruniversität Bochum / PH Dortmund - KSV:
Erkämpft das Sozialistische Studium WS 71/72

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 9.10.2017


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Mit der hier dokumentierten Broschüre stellte sich der KSV der KPD den Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) Dortmund und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) vermutlich erstmals vor.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

01.11.1971:
An der Ruhruniversität Bochum (RUB) und der PH Dortmund geben die Zellen PH Dortmund und Philologie, Medizin und Naturwissenschaften RUB des KSV der KPD vermutlich erst in dieser Woche ihre Broschüre 'Erkämpft das Sozialistische Studium' heraus, die auf 32 Seiten das Programm des Sozialistischen Studiums enthält.

In einem beigelegten Zettel wird auf die Verzögerung durch Schwierigkeiten beim Druck verwiesen, weswegen die angekündigten Veranstaltungen um eine Woche verschoben werden, und aufgerufen, die Broschüre "massenhaft" zu lesen.

Eingeladen wird zur Semesteranfangsveranstaltung an der RUB (vgl. 3.11.1971) und in einer weiteren Einlage zu einer ebensolchen Veranstaltung an der PH Dortmund (vgl. 9.11.1971), hingewiesen wird auf die Bücher- und Zeitschriftenstände jeweils montags und mittwochs an der Mensa der RUB und im Foyer der PH Dortmund.

Agitationskollektive in den Hochschulseminaren sollen eingerichtet werden von den Zellen:
- Philologie (Germanistik) RUB im Seminar "Literatur der beiden deutschen Staaten nach 1945" von Klussmann;
- Medizin RUB in der Vorlesung "Der Arzt. Eine Einführung in die Medizin für Anfänger" von Fritze;
- Naturwissenschaften RUB in "Theoretische Physik";
- PH Dortmund - Arbeitsgruppe Erziehungswissenschaft im Seminar "Schüler und Lehrer in der Schule von Morgen" von Baer (vgl. 4.11.1971).

Arbeitsgruppen des KSV werden angekündigt von den RUB-Zellen Philogie (vgl. 11.11.1971), Medizin (vgl. 11.11.1971) und Naturwissenschaften (vgl. 11.11.1971) sowie von der Zelle PH Dortmund im Fach Deutsch (vgl. 10.11.1971).

Einleitend heißt es u.a.:"
DAS SOZIALISTISCHE STUDIUM
BESTANDTEIL KOMMUNISTISCHER BÜNDNISPOLITIK

2. Warum organisieren sich die fortschrittlichen Studenten im Sozialistischen Studium?

Die Situation an den Universitäten ist gegenwärtig gekennzeichnet durch verschärfte Aufnahmebedingungen, Einführung der Regelstudienzeit, Reglementierung der Studienordnung und Verschulung der Ausbildungsgänge. Die SPD-Regierung hat diese Maßnahmen eingeführt und propagiert sie als die längst fällige Reform der Hochschulausbildung. Was haben die Studenten, gerade an der 'Reformuniversität' Bochum, von den Maßnahmen der sozialdemokratischen Regierung erhofft?

Sie haben geglaubt, das Studium würde inhaltlich verändert dahin, die objektiven Gesetzmäßigkeiten des gesellschaftlichen Lebens erkennen zu können, sich ein Wissen aneignen zu können, das allen Unterdrückten und Ausgebeuteten zugute kommt und nicht nur der Profitgier der Monopolbourgeoisie, wenn die SPD-Regierung in ihrer Begründung zum HRG schreibt: 'Durch die Berücksichtigung der Berufswelt bei der Studien- und Prüfungsreform ist sicherzustellen, daß die Studenten die für ihren beruflichen Werdegang notwendige qualifizierte Ausbildung erhalten.'In der Realität der Vorlesungen und Seminare erfahren sie direkt, was die SPD-Regierung, die Dienerin der Monopole, meint, wenn sie von Reformen spricht: Reduzierung der Ausbildung auf den Erwerb bloßer technischer Fähigkeiten und Methoden, die für das Kapital in dem jeweiligen Bereich notwendig sind.

Die Bougeoisie kann die Hoffnungen der Studenten niemals erfüllen, denn alle Reformvorschläge im Kapitalismus finden ihre Grenzen dort, wo das Klasseninteresse der Bourgeoisie, die Aufrechterhaltung des Privateigentums an Produktionsmitteln, berührt wird.

Für die Studenten treten damit die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaftsordnung schärfer und erfahrbar zu Tage. Die offensichtliche Unterordnung der wissenschaftlichen Disziplinen unter die Zwecksetzung des kapitalistischen Profits zerstört den Schein der 'Autonomie der Wissenschaft', an deren immanente Fortschrittlichkeit die Studenten so viele illusionäre Hoffnungen knüpften. Sie geraten in Widerspruch zur herrschenden Klasse, die nicht in der Lage ist, ein Studium zu organisieren, das dem Wunsch nach einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung gerecht wird.

An diesem entscheidendem Widerspruch knüpft das Sozialistische Studium an. Denn die Studenten fordern von ihren Dozenten Antwort darauf, welche Gesetzmäßigkeit zum Beispiel dahinter steht, daß immer Arbeiterkinder die sogenannten unbegabten Kinder sind, wie man diese scheinbare Gesetzmäßigkeit durchbrechen kann, warum die Medizin, die selbst den notwendigen Zusammenhang zwischen Vorbeugen und Heilen anerkennt, nicht in der Lage ist, Krankheit, bevor sie mit ihrem somatischen Endstadium in Erscheinung tritt, zu erkennen und ein umfassendes System der Prophylaxe zu entwickeln. Die bürgerlichen Wissenschaftler müssen diese Antwort schuldig bleiben, denn die Unfähigkeit der Methode der bürgerlichen Wissenschaft, die zwar Einzelaspekte beschreiben, aber nicht in beziehung miteinander stellen kann, ist selbst Teil ihrer Funktion; unlösbare Fragen werden als ewig unlösbar dargestellt, als Beweis für die Unabänderlichkeit und ewige Herrschaft der bestehenden Verhältnisse. Die gesetzmäßigkeiten der bürgerlichen Gesellschaft kann die bürgerliche Wissenschaft niemals durchschauen. Dem stellen wir im Sozialistischen Studium die Methode des historischen und dialektischen Materialismus entgegen, die Methode des wissenschaftlichen Sozialismus, die allein in der Lage ist alle gesellschaftlichen Bereiche in ihren bewegungszusammenhang zu stellen, die darstellen kann, daß die Geschichte selbst eine Geschichte hat und sich weiterentwickeln wird, und die aufzeigen kann, daß die Arbeiterklasse die treibende Kraft in dieser Entwicklung ist ohne deren politische und ökonomische Kämpfe es seit der Entfaltung des Kapitalismus nie einen gesellschaftlichen Fortschritt gegeben hätte."

Eingeladen wird auch zu Meetings des KSV:"
Als weiteren Bestandteil seiner Arbeit unter den Studenten wird der KSV an der RUB und der PH Dortmund in diesem Semester beginnen Meetings zu veranstalten. Die Meetings sollen Studenten, die am Sozialistischen Studium und der Sympathisantenschulung noch nicht teilnehmen, aber dennoch an der Diskussion wichtiger politischer Fragen der aktuellen Politik, insbesondere der Hochschulpolitik, und an der Auseinandersetzung mit anderen Organisationen interessiert sind, die Gelegenheit geben, die Diskussion solcher Fragen mit Genossen des KSV zu führen. Um den politischen Klärungsprozeß dieser Studenten zu fördern und die Möglichkeit intensiver Mitarbeit abzustecken, wird der KSV in den Meetings zu allen Fragen und Kritikpunkten Stellung nehmen.
Die Themen der Meetings sind:
- Wie führt der KSV den Kampf gegen die reaktionär-bürokratische Hochschulreform?
- Die Programmatische Erklärung der KPD, die richtige Einschätzung der Etappe der Klassenkämpfe und der daraus resultierenden, notwendigen Schritte.
- Revisionismus und Kampf zweier Linien im Weltmaßstab und ihr Ausdruck in der BRD und Westberlin: die Politik der DKP, des MSB Spartakus, der SEW.
- Wie führt der KSV den antiimperialistischen Kampf und warum unterstützt er die Liga gegen den Imperialismus (LgdI, d.Vf.).
- Trotzki und der Trotzkismus, eine kleinbürgerlich konterrevolutionäre Richtung auf dem Boden Arbeiterbewegung.
- Die Auseinandersetzung mit anderen Gruppen und Organisationen (KSB/ML (der KPD/ML-ZK, d.Vf.), SAG etc.), die den Anspruch haben Bündnispolitik unter den Studenten zu betreiben."

Vorträge sollen durchgeführt werden zu den Themen:
- Die Funktion des Deutschunterrichts;
- Die konterrevolutionäre Anwendung technischer und naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse;
- Das Verhältnis von Politik, Ökonomie und Literatur;
- Die Funktion der Sozialmedizin.

Eingeladen wird auch zur Sympathisantenschulung an RUB (vgl. 17.11.1971) und PH Dortmund (vgl. 16.11.1971) und zu einer aktuellen Schulung. Aus der 'RPK' wird ein Bericht über die Kampagne der LgdI gegen den Besuch des japanischen Kaisers Hirohito übernommen.
Quelle: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971)

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03.11.1971:
An der Ruhruniversität Bochum (RUB) will der KSV der KPD seine Semestereinführungsveranstaltung durchführen, bei der es sich vermutlich um die erste Veranstaltung des KSV in Bochum handelt.
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 32

04.11.1971:
Die Zelle PH Dortmund des KSV der KPD will heute ein erstes Treffen der an ihrem Agitationskollektiv im Seminar "Schüler und Lehrer in der Schule von Morgen" von Baer Interessierten durchführen, welches er zusammen mit dem Mitglied von AStA und MSB Spartakus der DKP, Böller durchführe.

Zur PH allgemein wird u.a. gesagt:"
Der Kampf gegen die bürgerliche Lehrerausbildung ist Teil des Kampfs des KSV gegen die kapitalistische Ausbildung.
Dieser Kampf wird nur dann in der richtigen Weise geführt werden, wenn den Studenten klar gemacht wird, daß die Misere ihrer Ausbildungssituation in direktem Zusammenhang zu den katastrophalen Zuständen an den Grund- und Hauptschulen steht, wenn klar gemacht wird, daß die miserable Ausbildungssituation der Studenten bedingt ist durch das Interesse der Kapitalistenklasse an der maßlosen Ausbeutung und Unterdrückung des Proletariats.

Was ist nun die Funktion der Grund- und Hauptschulen im Kapitalismus?An den Grundschulen werden indern elementare Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt: Lesen, Schreiben und Rechnen. Aber die Kinder werden nicht alle in der gleichen Weise qualifiziert. An den Grundschulen findet die Auslese statt, die die 'begabten' von den 'unbegabten' Kindern trennt, und damit die Entscheidungen darüber trifft, welche Berufschancen die Kinder später haben werden.

Die Kinder, die von der bürgerlichen Klassenschule als 'unbegabt' abgestempelt werden und als weitere Perspektive ihrer Ausbildung den Besuch der Hauptschule vor sich haben, stammen in ihrer großen Mehrheit aus der Arbeiterklasse. Die weitere Ausbildung dieser Kinder und Jugendlichen an den Hauptschlen umfaßt die gerade notwendigsten Qualifikationen und die Vermittlung bestimmter, zur Aufrechterhaltung der bürgerlichen Klassenherrschaft notwendiger Verhaltensweisen und Eigenschaften - wie 'Anpassungsfähigkeit', 'Flexibilität' und 'Mobilität'.

Sie umfaßt gerade soviel Qualifikationen wie sie zur Wahrnehmung untergeordneter Teilfunktionen in den Fabriken notwendig sind, und gerade solche Fähigkeiten, wie sie notwendig sind, um die proletarischen Kinder und Jugendlichen ideologisch bei der Stange zu halten. Diese Erziehung zu 'Flexibilität', 'Mobilität' und 'Anpassungsfähigkeit' ist eben gerade nicht als Höherqualifizierung zu begreifen, vielmehr soll dadurch gewährleistet werden, daß die proletarischen Kinder und Jugendlichen sich später im Betrieb schneller an Erhöhungen der Bandgeschwindigkeiten, besser an den öfteren Wechsel des Arbeitsplatzes und die damit einhergehenden Lohngruppenrückstufungen gewöhnen sollen, daß sie sich in Zeiten der Krise 'flexibel' auf Kurzarbeit und Massenentlassungen einstellen können.

Eine Funktion der Hauptschule ist es also, für den ständigen Nachschub billiger und arbeitswilliger Arbeitskräfte zu sorgen. Wenn wir so das Interesse der Bourgeoisie an den Grund- und Hauptschulen gesehen haben, können wir die Frage, warum so wenig finanzielle Mittel für die Grund- und Hauptschulen bereitgestellt werden, warum ein eklatanter Lehrermangel herrscht, leicht beantworten. …

Die Hauptschule hat aber noch eine andere Funktion als die Abrichtung der proletarischen Kinder und Jugendlichen zu billigen und 'anpassungsfähigen' Arbeitskräften. So beweist sich die Hauptschule auch als hervorragendes Mittel zur Spaltung der Arbeiterklasse; denn sie spaltet - z.B. durch das Zensurensystem, durch Sitzenbleiben - die Kinder und Jugendlichen aus der Arbeiterklasse, trennt so einen kleineren Teil von den übrigen ab, dem es ermöglicht ist, nach Schulabschluß eine Lehre zu beginnen. Dem anderen, größeren Teil ist es nach Schulabschluß mit schlechten Zeugnissen schwer möglich, eine Lehrstelle zu bekommen. In der Regel üben sie später die Funktion eines Hilfsarbeiters oder bestenfalls angelernten Arbeiters aus.

Aber wie sieht es in diesem Zusammenhang mit der von der SPD mit viel schönem Wortgeklingel begleiteten 'Bildungsreform' und der integrierten Gesamtschule aus? Hebt die Gesamtschule die Spaltung der Arbeiterklasse auf?

Die SPD behauptet im Bildungsbericht von 1970:
'Der Verfassungsgrundsatz der Chancengleichheit muß durch eine intensive und individuelle Förderung aller Lernenden in allen Stufen des Bildungssystems verwirklicht werden. Bildung soll den Menschen befähigen, sein Leben selbstzu gestalten. Sie soll durch Lernen und Erleben demokratischer Werte eine dauerhafte Grundlage für freiheitliches Zusammenleben schaffen und Freude an selbständig-schöpferischer Arbeit wecken.'

Aber die Gesamtschule bewirkt gerade mit leistungsdifferenziertem Unterricht ein neues, schärferes System der Auslese und Spaltung. Im leistungsdifferenzierten Unterricht sollen die 'Leistungsschwachen' schneller erkannt werden, um dann erbarmungslos herausgedrückt zu werden. So hilft die Gesamtschule, Geld einzusparen, es soll kein Groschen zuviel für die Ausbildung der 'Unbegabten' ausgegeben werden.

Die soziale Demagogie der SPD liegt darin, daß sie behauptet, mit diesem System 'soziale Gerechtigkeit' und 'Chancengleichheit' zu erreichen.

Was nützt es aber den Proletarierkindern, wenn sie formal eine Chance erhalten, aufzusteigen in die herrschende Klasse? Die Monopolbourgeoisie und ihre sozialdemokratischen Verwalter im Staatsapparat bewirken durch Verschärfung der Arbeitshetze in den Betrieben, durch Lohnraub und Preistreiberei die immer größere Verelendung der Arbeiterklasse. Sie berauben damit die proletarischen Eltern der materiellen Mittel, die gerade notwendig wären, um ihren Kindern eine solche Schulausbildung zukommen lassen zu können.
Auf diesem Hintergrund müssen wir die Ausbildung der Studenten an den Pädagogischen Hochschulen betrachten.

Da die Lehrer an den Grund- und Hauptschulen keine andere Funktion haben sollen, als die Kinder und Jugendlichen aus der Arbeiterklasse für eine problemlose Ausbeutung zu präparieren, keine andere Funktion als sich als willfährige Handlanger der Bourgeoisie für die Spaltung der Arbeiterklasse einzusetzen, wird es klar, warum die Ausbildung an der PH eben kein nützliches Wissen vermittelt.

So wie die Ausbildungskosten für die Arbeiterklasse niedrig gehalten werden, so müssen auch die Kosten für die Ausbildung der Lehrer für die Kinder aus der Arbeiterklasse so gering wie möglich sein. Damit die Arbeiterkinder auch wirklich eine schlechte Ausbildung bekommen, müssen auch ihre Lehrer schon schlecht ausgebildet werden. Das zeigt sich in der totalen Überfüllung der Pädagogischen Hochschulen, in den Massenseminaren, das zeigt sich in der ungenügenden Anzahl von Dozenten, das zeigt sich in der unzureichenden Anzahl von Räumen usw.

So wie die materiellen Voraussetzungen zur Durchführung eines sinnvollen Studiums völlig fehlen, so sind es auch die reaktionären Inhalte, die einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung direkt entgegengesetzt sind. Die Studenten der PH Dortmund werden im Laufe von sechs Semestern mit sechs verschiedenen Wissenschaften - von Grundstudium über Wahlfach bis Stufenschwerpunkt - vollgestopft; sie erhalten in jedem Fach lediglich einen Wust von Informationen und allgemeine 'werftfreie' Überblicke über die verschiedensten bürgerlichen Theorien und didaktischen Modelle, was es ihnen ersparen soll, danach zu fragen, wem diese Informationen, Theorien und Modelle denn eigentlich nutzen.

Die Lehrerausbildung an den Pädagogischen Hochschulen ist völlig unfähig, die gesellschaftlichen Widerspräche und den Klassencharakter der Erziehung an den Grund- und Hauptschulen zu begreifen. Sie kann deshalb nicht den Widerspruch zwischen den proletarischen Eltern und Kindern, mit ihrem Wunsch nach einer gesellschaftlich sinnvollen Schulausbildung und dem Lehrer, der die Rolle des direkten Handlangers der Bourgeoisie spielt, sehen. genau das ist der Grund, weshalb die bürgerliche Lehrerausbildung kein richtiges Bild von der Realität der Klassenauseinandersetzungen geben kann, warum die Lehrer nach abgeschlossener PH-Ausbildung in der Bezirksseminarzeit und auch danach den Problemen der proletarischen Kinder und Jugendlichen hilflos und verständnislos gegenüberstehen, sie sich den Schwierigkeiten des Lehrerberufs in keiner Weise gewachsen fühlen.

Selbst die Didaktik, die ihnen während ihrer Studienzeit noch vorzugaukeln versuchte, der Unterricht ließe sich mit einigen methodologischen Tricks, durch klugen Medieneinsatz, sinnvoll und vielleicht sogar 'emanzipatorisch' gestalten, versagt vor den Widersprüchen zwischen proletarischen Schülern und Eltern und ihren kleinbürgerlichen Lehrern vollständig."

Zum Fach Erziehungswissenschaft, in dem das Seminar von Baer stattfindet, wird ausgeführt:"
Warum beginnen wir mit dem Aufbau des Sozialistischen Studiums in Erziehungswissenschaft?

Die bürgerliche Erziehungswissenschaft ist Teil des Grundstudiums an der PH Dortmund, das von allen Studenten absolviert werden muß. Zugleich erwarten die Studenten gerade von dieser bürgerlichen Wissenschaft Hilfe für ihre spätere Lehrertätigkeit, sie glauben lernen zu können, wie die erzieherischen Prozesse ablaufen und welche Stellung als Lehrer man den Schülern gegenüber einnehmen muß. Welche Antworten geben aber die bürgerlichen Hochschullehrer auf die Fragen der Studenten? - Das Lehrangebot in Pädagogik enthält zu über der Hälfte Seminare, deren Titel bereits politisches Programm ist; als Beispiel seien hier nur genannt:
'Brezinka: Erziehung als Lebenshilfe'
'Mensch und Erziehung'
'Bildungsbegriff und Bildungsgeschehen'

Was wird in diesen Seminaren gelehrt?
'Ausgehend von einer anthropologischen Grundlegung, soll die gegenwärtige Situation, in der Erziehung geschieht, beispielhaft aufgewiesen werden. Daraus leiten sich verschiedene Aspekte für den Begriff der Erziehung ab, u.a. Erziehung als Sozialisation, Erziehung als Enkulturation, Erziehung als Lebenshilfe, usw.' (Aus: Erläuterungen zu den Lehrveranstaltungen der Fächergruppe I, 'Brezinka: Erziehung als Lebenshilfe'). Die Bedingungen von 'Erziehung' in der kapitalistischen Klassengesellschaft werden hier gar nicht erst untersucht. Dem Individuum, dem einzelnen soll geholfen werden gegen seine 'Umwelt', für das Leben 'draußen', deshalb 'Erziehung als Lebenshilfe'.

Was steckt aber hinter diesen bürgerlichen Vorstellungen von 'Erziehung'?

Es ist die Lebensphilosophie der Bourgeoisie, die in den Schulen und Hochschulen lehrt, daß es keine Klassen in der Gesellschaft gibt, daß die Erziehung, die jeder einzelne erfährt, 'neutral' ist, dem Menschen, nicht dem Mitglied einer Klasse gilt, sei es der Bourgeoisie oder des Proletariats. Diese Ideologie von der Möglichkeit einer klassenneutralen Erziehung, einer Erziehung, die von den Interessen einer 'Gesamtgesellschaft' ausgeht, ist die Grundlage aller Zweige der bürgerlichen Erziehungswissenschaft.

Die herrschende Ideologie der Erziehungswissenschaften - die idealistische Philosophie - derer sich die Bourgeoisie bis in die sechziger Jahre hinein noch vorzugsweise bediente, kann heute den Widerspruch zwischen den Interessen der Arbeiterklasse und ihren Kindern an einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung und der menschenfeindlichen Ausbildung im Kapitalismus an den Grund- und Hauptschulen vor den Studenten nicht mehr verbergen. So wird den Studenten immer klarer, daß die Lehrinhalte der idealistischen Philosophie, 'Erziehung als Hinführung zu den allgemeingültigen Werten der abendländischen Kultur', Lehrinhalte sind, die nichts mehr mit der Realität der bürgerlichen Klassenerziehung an den Grund- und Hauptschulen zu tun haben.

Wenn auch diese Ideologie die Pädagogischen Hochschulen noch beherrscht, zeichnet sich doch jetzt schon eine Entwicklung ab, durch die es der Bourgeoisie leichter fällt, die Studenten an sich zu binden, als durch die alten moralischen Lehrsätze. Gerade die SPD hat es mit dem Ruf nach Chancengleichheit verstärkt in Angriff genommen, unter den Studenten die Illusionen zu verbreiten, daß der Kapitalismus durch Reformen grundsätzlich zu verbessern sei, und empfiehlt als Mittel dafür die 'Bildungsreform' mit der integrierten Gesamtschule als Kernstück. Für die Erziehung und die Erziehungswissenschaft bedeutet das die Einführung von 'progressiven' Sozialisationstheorien, unter anderem die Einführung solcher illusionärer Reformmodelle wie der kompensatorischen Erziehung.

Verschweigt die kompensatorische Erziehung das Vorhandensein von Widersprüchen in der gesellschaft nicht, so sind die von ihr entwickelten Programme zur Lösung dieser Widersprüche aber Versuche der Monopolbourgeoisie und ihrer sozialdemokratischen Verwaltung im Staatsapparat, sie auf der Basis der bestehenden Gesellschaftsordnung zu lösen. Dies ist aber nichts als die alte Leier von der zu erstrebenden Klassenharmonie im Kapitalismus, die bürgerliche Lüge davon, daß der Klassenkampf nicht geführt werden muß."
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 20ff

09.11.1971:
An der PH Dortmund will der KSV der KPD zu unbekannter Uhrzeit im Raum H 5 seine Semesteranfangsveranstaltung durchführen.
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), Einlage

10.11.1971:
Die Zelle PH Dortmund des KSV der KPD will heute mit ihrer Arbeitsgruppe im Fach Deutsch, "Proletarisch-revolutionäre Romane: Die Kämpfe der Arbeiterklasse im Ruhrgebiet März 1920 und der Berliner Blutmai 1929 in Grünberg: 'Brennende Ruhr' und Neukrantz: 'Barrikaden am Wedding'" beginnen. Zum Fach Deutsch wird festgestellt:"
Deutsch ist eines der Fächer an den Grund- und Hauptschulen, das für die Bourgeoisie zur Vermittlung der reaktionären Ideologie wichtig ist. Die den Studenten zugedachten Aufgaben - als Deutschlehrer den proletarischen Kindern und Jugendlichen in der Form des 'literarischen Bildungsgutes' die Lügengebäude der Bourgeoisie aufzutischen, darüberhinaus ihnen nur noch Lesen und Schreiben beizubringen - schlagen sich nieder im bürgerlichen Lehrangebot.
So stellen die angebotenen literaturwissenschaftlichen Seminare zum größten Teil sinnlose Beschäftigungen mit 'Form- und Gattungsproblemen' der bürgerlichen Literaturwissenschaft dar, die die Studenten dazu verführen sollen, darüber die reaktionären Inhalte dieser Literatur und Literaturwissenschaft zu vergessen.

Wir werden im Kampf gegen die bürgerliche Literaturwissenschaft den Studenten klarmachen, daß nur die materialistische Betrachtung der Literatur, die das literarische Dokument als Dokument des Klassenkampfes zwischen Proletariat und Bourgeoisie begreift, es daraufhin untersucht, für welche Klasse es in diesem Kampf Partei ergreift, es von seiner Stellung zu den Kämpfen der Arbeiterklasse um den gesellschaftlichen Fortschritt beurteilt, in der Lage ist, dem Wunsch der Studenten nach einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung nachzukommen und ihnen ein Instrument an die Hand zu geben, ihren späteren Deutschunterricht vom Klasseninteresse des Proletariats zu bestimmen."
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 23f

11.11.1971:
Die Zelle Philogie (Germanistik) des KSV der KPD an der Ruhruniversität Bochum (RUB) will heute mit ihrer Arbeitsgruppe "Literatur der Weltwirtschaftskrise" beginnen. Zu ihrem Fachgegenstand äußert sich die Zelle so:"
Die Studenten, die sich nach dem Abitur entschließen, Germanistik zu studieren, verbinden das Interesse an der Literatur mit dem Interesse an der Gesellschaft; sie hoffen, in der Interpretation und Kritik der Literatur, die eigenen Fragen und Probleme, die sie in der Literatur widergespiegelt fanden, lösen zu können.
Kommen sie an die Universität, sehen sie, daß sich ihre Erwartungen nicht erfüllen. Ein sinnloser Lehrplan, Professoren, die seit Jahren immer wieder ihr kleines esoterisches Spezialgebiet in unverständlicher Sprache darbieten, viele vereinzelte Pflichtübungen, die untereinander nicht in Beziehung stehen - dies alles belehrt sie schnell darüber, daß die bürgerliche Germanistik das Interesse an der Literatur mit dem Desinteresse an der Gesellschaft gleichsetzt, daß das bürgerliche Germanistikstudium auf keine Praxis in der Gesellschaft, besonders nicht auf den Lehrerberuf vorbereiten kann. Seit der Studentenbewegung haben die Studenten gegen diese Sinnlosigkeit protestiert und damit die Professoren und Assistenten in Unsicherheit versetzt. So haben diese, als die Forderungen der Studenten und einiger Assistenten und jüngerer Professoren nach mehr Gesellschaftsbezogenheit der Germanistik immer stärker wurden und die Studenten ihnen aus den Seminaren und Vorlesungen wegzulaufen begannen, damit angefangen, die Titel ihrer Veranstaltungen zu ändern, wie es sich in den Vorlesungsverzeichnissen der letzten Jahre feststellen läßt. Statt 'Das Weltbild Goethes' hieß es nun 'Goethe und seine Zeit' oder 'George und die Gesellschaft', 'Kafka und die Gesellschaft' etc. In den Vorlesungen und Seminaren machten jedoch ihren alten Kram weiter. Sie verbreiteten die bürgerliche Ideologie, daß die Dokumente der Literatur Kunstwerke seien, die nicht von außen befragt werden dürfen, daß die Germanistik in erster Linie Interpretationskunst sei und daß die Qualifikation zum Germanistikstudium in der Pflege der bürgerlichen 'Einfühlungsgabe' und 'Sensibilität' bestehe. In einigen Fällen gelang es den Studenten und einigen Assistenten und Professoren diese reaktionäre Front zu durchbrechen. Sie versuchten den gesellschaftlichen Bezug der Literatur herzustellen, ja sogar die Marx-Lektüre für die Germanistik fruchtbar zu machen. Sie verfielen dabei in zwei entscheidende Fehler, die wir heute, wo sie sich zu festen ideologischen Positionen des Reformismus und Revisionismus ausgebreitet haben, entschieden bekämpfen müssen.
- der eine Fehler besteht darin, in den literarischen Dokumenten lediglich die Widerspiegelung der Kapitalbewegungen, von ihrem politischen Zusammenhang getrennt, aufzuspüren. Die Anhänger dieser Richtung suchen in jedem Stück Literatur, gleichgültig welcher Epoche, die Ware-Geld-Beziehung in ihrer direkten Vermittlung im literarischen Text.
- der andere Fehler besteht darin, die Literatur auf ihre 'Produktionsbedingungen' zu reduzieren. Diese Richtung, die sogenannte Literatursoziologie, glaubt durch positivistische Ermittlung der Auflageziffern, der klassen- und schichtenmäßigen Zusammensetzung des Publikums der Literatur und der persönlichen Beziehung des Autors zu seinem Verleger und anderen Persönlichkeiten seiner Zeit, dem literarischen Dokument seinen geschichtlichen Zusammenhang zu geben.

Wie sehr beide Positionen auch die Borniertheit der alten bürgerlichen Germanistik überwinden wollen, so bleiben sie doch in ihrem Bereich, denn es kann ihnen niemals gelingen, die literarischen Dokumente in ihrer ideologischen Funktion im Klassenkampf zu bestimmen, wenn sie auch bestimmte Einzelaspekte und Einzelergebnisse beitragen.

Warum ist das Sozialistische Studium des KSV das einzige Instrument, die bürgerliche Germanistik und die reformistische und revisionistische Literaturwissenschaft zu bekämpfen?

Warum ist für Euch richtig teilzunehmen am Sozialistischen Studium und es durchzusetzen gegen Dogmatismus und Indoktrination der bürgerlichen Wissenschaft und es zu verteidigen gegen die Anschläge der Reaktionäre? Kurz zusammengefaßt: Mit der Methode der bürgerlichen Literaturwissenschaft können nur bestimmt Einzelaspekte wie Formprobleme und Rezeptionsgeschichte etc. erfaßt werden, der 'Sinn', der von den Studenten ständig hinterfragt wird kann jedoch nicht befriedigend erklärt werden. So ist die scheinbare Unzulänglichkeit bürgerlicher Methode zugleich Teil ihrer Funktion: unlösbare Fragen werden als ewig unlösbar und nur als vom Individuum nachzuempfindende dargestellt und damit zur Grundlage bürgerlicher Lebensphilosophie gemacht. Dem stellen wir das Sozialistische Studium entgegen. Was ist die gemeinsame Grundlage auf der die Arbeit des Sozialistischen Studiums in den eigenen Veranstaltungen und den Agitationskollektiven in den Univeranstaltungen durchgeführt wird? Es ist das Studium der Geschichte und der Literatur mit der Methode des historischen und dialektischen Materialismus.

Und was bedeutet es für die Studenten, mit Hilfe des historischen und dialektischen Materialismus sich Geschichte und Literatur anzueignen? Es heißt:
- die reale Bewegung der Geschichte und ihrer treibenden Kräfte und vor diesem Hintergrund die Literatur als Dokument des Klassenkampfes zu erkennen,
- festzustellen, daß die Arbeiterklasse die entscheidende führende Kraft der Umwälzung der Geschichte ist, ohne deren politische und ökonomische Kämpfe es seit der Entfaltung des Kapitalismus nie einen gesellschaftlichen Fortschritt gegeben hätte,
- in der Aneignung und Anwendung des wissenschaftlichen Sozialismus, in dem die Kämpfe der Arbeiterklasse ihre Verallgemeinerung erfahren haben, eine grundlegende Kritik der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer oben beschriebenen Wissenschaftsideologie zu üben. Nur so kann der Fehler liberaler Literaturideologie vermieden werden, deren Allmachtsphantasien über die gesellschaftliche Mächtigkeit der Literatur und Literaturwissenschaft in den Klassenauseinandersetzungen den Schriftsteller zum Schrittmacher des gesellschaftlichen Fortschritts machen."
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 6

11.11.1971:
Die Zelle Medizin des KSV der KPD an der Ruhruniversität Bochum (RUB) will heute mit ihrer Arbeitsgruppe "Die Funktion von Psychosomatik und Sozialmedizin im Monopolkapitalismus" beginnen. Zu ihrem Fachgegenstand äußert sich die Zelle allgemein so:"
In der medizinischen Ausbildung finden wir in besonders starkem Maße die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung des Faches und der inhaltlichen Beschränktheit des Studiums. Auf der einen Seite weiß jeder Student, daß die Medizin die unmittelbaren Lebensinteressen des Volkes berührt. Viele Studenten kommen mit humanitären und fortschrittlichen Zielen an die Universität. Sie wollen Medizin studieren, um später einmal ihr Wissen und fachliches Können in den Dienst der notleidenden Bevölkerung zu stellen. Diese Studenten werden schon nach kurzer Zeit bitter enttäuscht. Sie werden durch eine Reihe völlig bezugloser und langweiliger naturwissenschaftlicher Praktika und Vorlesungen geschleust. Die vollkommene Praxislosigkeit setzt sich unvermindert fort in Anatomie, Physiologie und Biochemie. Die Studenten müssen erkennen, daß die praktischen Erfordernisse der ärztlichen Tätigkeit überhaupt keinen Einfluß auf die Organisierung des Studiums haben. Ihre ursprünglichen humanitären Ziele schlagen in Resignation und Apathie um.
Schon bald geben sie den Besuch der Vorlesungen auf und in den Praktika beschränken sie sich auf das Einpauken der völlig unsinnigen Prüfungsfragen. Das einzige, was sie noch hält, ist der Prüfungsdruck und die Erwartung einer angesehenen gesellschaftlichen Stellung mit stattlichem Einkommen. In dieser Situation hat das Sozialistische Studium die Aufgabe, den Studenten die Einsicht in die wahren Ursachen der Misere zu geben, ihnen klar zu machen, daß die Arbeiterklasse daher umso mehr ihres vollen Einsatzes bedarf und zwar sowohl als bestmöglich ausgebildete Ärzte als auch als Verbündete im Kampf um eine ausreichende medizinische Versorgung.

Auf diese Weise gibt das Sozialistische Studium den Medizinstudenten zum einen wieder eine Motivation, sich jedenfalls das wenige nützliche Wissen anzueignen, das die bürgerliche Ausbildung ihnen bieten kann. Zum anderen weist es ihnen den einzig möglichen Weg, ihrem eigenen Interesse an einer sinnvollen Ausbildung und medizinischen Praxis näher zu kommen: die Unterstützung des Kampfes der Arbeiterklasse."

Zur Arbeitsgruppe heißt es u.a.:"
Die Arbeitsgruppe wird sich mit der Bedeutung der Psychosomatik und der Sozialmedizin auseinandersetzen. Diese medizinischen 'Spezialdisziplinen' spielen bei einem großen Teil der fortschrittlichen Medizinstudenten gerade deshalb eine Rolle, weil es der Bourgeoisie gelungen ist mit der Aufnahme dieser Fächer in den Ausbildungsgang und ihrer Verankerung in der neuen Approbationsordnung diesen Studenten die Illusion zu vermitteln, mit dieser 'Reform' werde die Ausbildung ihrem legitimen Interesse gerecht, eine den Bedürfnissen des Volkes entsprechende Medizin zu erlernen. …

Wir werden nachweisen, daß die Einführung solcher Fächer nicht humanitärer Besorgnis, sondern bestimmten Bedingungen des Kapitalismus im Endstadium seiner Geschichte, dem Imperialismus, entspringt. Die in immer kürzeren Abständen auftretenden Krisen bringen die Kapitalisten in immer größere Schwierigkeiten, ihre Profitrate zu erhöhen, oder auch nur auf gleicher Höhe zu halten. Die Kapitalisten versuchen, ihre Profite dadurch zu sichern, daß sie die Arbeitshetze maßlos steigern und immer raffiniertere Ausbeutungsmethoden einführen (Arbeitsplatzbewertung etc.). Diese sich ständig verschärfende Ausbeutung ist die Ursache für das quantitativ und qualitativ veränderte Auftreten von Krankheiten im Stadium des Imperialismus. Die Einführung neuer medizinischer Disziplinen ist daher notwendig, um die verschärfte Ausbeutung aufrechtzuerhalten.

Psychosomatik und soziale Medizin sind nicht als eine Reform des Studiums auf der Suche nach einer den Bedürfnissen des Volkes entsprechenden medizinischen Versorgung zu begreifen, sondern als medizinische Disziplinen, wie andere auch, die durch die objektiven Bedingungen des Kapitalismus, die Wiederherstellung der Arbeitskraft in geringstmöglichem Umfang zu garantieren, notwendig geworden sind. Wenn wir die Schriften bürgerlicher Wissenschaftler wie Mitscherlich, Pflanz, Uexküll etc. dazu lesen, so soll es in der Arbeitsgruppe nicht in der Hauptsache darum gehen, das Scheitern dieser Wissenschaftler an den Grenzen ihrer eigenen Ideologie aufzuzeigen, sondern in erster Linie ihre objektive und subjektive Funktion als Rechtfertiger und Stützen des kapitalistischen Ausbeutungssystems zu entlarven.

Die Doppelfunktion und Gefährlichkeit solcher Autoren liegt besonders darin, einerseits die Zusammenhänge zwischen Krankheit und Produktionsprozeß 'kritisch' zu beleuchten andererseits aber nur Lösungsvorschläge wie Psychotherapie und Kommunikationsforschung anzubieten, die die Ursachen des Mißstands, die kapitalistischen Produktionsverhältnisse, nicht antasten. Sie wenden sich damit direkt gegen die Interessen der Arbeiterklasse an einer Verbesserung des Gesundheitswesens. Sie sind die Vorposten des Reformismus der Sozialdemokratie im Gesundheitswesen.
Diese Einschätzung der Psychosomatik und Sozialmedizin unterscheidet sich grundsätzlich von der Einschätzung durch die Revisionisten von der DKP. Indem die Revisionisten diese bürgerlichen Wissenschaften nur 'kritisch' betrachten und Verbesserungsvorschläge dazu anmeldeen, aber nie grundsätzlich de Klassencharakter und die Arbeiterfeindlichkeit entlarven, tragen sie aktiv dazu bei, die Sozialstaatsillusionen im Volke und im besonderen bei den fortschrittlichen Studenten zu schüren und die Befriedungsfunktion der Sozialdemokratie aufrechtzuerhalten."
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 11f

11.11.1971:
Die Zelle Naturwissenschaften des KSV der KPD an der Ruhruniversität Bochum (RUB) will heute mit ihrer Arbeitsgruppe "Naturwissenschaften im Imperialismus" beginnen.
Zu den Naturwissenschaften wird festgestellt:"
Besonders in den Naturwissenschaften soll den Studenten vorgemacht werden, daß ihr Fach sich nur mit objektiven Sachverhalten beschäftigt, die unveränderlichen Abläufen entspringen. Wenn das auch nicht ausdrücklich vertreten wird, sind die Naturwissenschaften so wie sie gelehrt werden, bestimmt von der Unterstellung, daß es sich bei ihnen um 'reine' Wissenschaften handelt, die gänzlich losgelöst sind von gesellschaftlichen Einflüssen, die z.B. unbeeinflußt sind von der Tatsache, daß sich in der BRD eine verschwindende Minderheit von Kapitalisten an den Werten bereichert, die von der Mehrheit des Volkes geschaffen werden.

Die Studenten geraten jedoch bald in Widerspruch zu dieser Ideologie. Der enorme Leistungsdruck in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern, wie er sich in extrem hohen Durchfallquoten z.B. bei den Ingenieurwissenschaften ausdrückt, die Senkung der Ausbildungskosten pro Student durch die Einführung von Regelstudienzeiten - in Bochum bereits vor der Verabschiedung des Hochschulrahmengesetzes (HRG, d.Vf.) praktisch vorweggenommen - solche Erfahrungen führen zur Zerstörung der Illusion, daß man Mathematik, Physik, Chemie oder gar Ingenieurwissenschaften um ihrer selbst willen aus einem ästhetischen Interesse heraus studiert."
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 16

16.11.1971:
An der PH Dortmund will der KSV der KPD mit seiner Sympathisantenschulung beginnen.
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 29

17.11.1971:
An der Ruhruniversität Bochum (RUB) will der KSV der KPD mit seiner Sympathisantenschulung beginnen.
Q: KSV: Erkämpft das Sozialistische Studium - Ruhruniversität Bochum/PH Dortmund WS 71/72, o.O. o.J. (1971), S. 29

Letzte Änderung: 09.10.2017