Krupp - Bochumer Verein:
'Die Walze' der Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB (1970-1972)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 6.9.2017


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Es können hier nur wenige Ausgaben der 'Walze' vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen. Für die KPD/ML-ZB war die 'Walze' vermutlich eine der wichtigsten Betriebszeitungen, nicht nur weil sie bei einem der größten Stahlbetriebe des Ruhrgebiets erschien, sondern auch weil sie am Stammsitz der KPD/ML-ZB in Bochum erschien, wo bei dem anderen wichtigen Betrieb der Stadt, bei Opel, die konkurrierende KPD/ML-ZK ihre 'Zündkerze' herausgab. In den zentralen Publikationen der KPD/ML-ZB finden sich daher zahlreiche Berichte über die 'Walze'.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

April 1970:
In Bochum erscheint die erste Nummer von 'Die Walze' - Betriebszeitung der KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZB für den Bochumer Verein von Krupp (vgl. 26.5.1970). Die Verantwortung für die 12 Seiten übernimmt Peter Weinfurth in Essen. Der Leitartikel lautet "Schluß mit der Überstundenschinderei! Bezahlte Freischicht am 2. Mai!" Danach sind bei Krupp die Auftragsbücher voll und es gehe "in jedem Fall um den Profit". Daher: "bezahlte Feierschicht am 2. Mai für die ganze Belegschaft".

Weitere Artikel sind:
- Die Antwort der Höntroper Kollegen: Streik!
- Herunter mit den Mieten,
- 1. Mai: Kampftag der Arbeiterklasse.

Im Artikel "An alle Kolleginnen und Kollegen" heißt es zur Herausgabe:"
Wir wollen alle Kollegen über die Situation in allen Abteilungen informieren und die Heuchelei der Bosse und ihrer Handlanger entlarven. Wir werden systematisch und unermüdlich für die Interessen der Arbeiterklasse eintreten und alle Mißstände, alle hinterlistigen Aktionen der Geschäftsleitung gegen die Arbeiter enthüllen und allen Kollegen bekannt machen, damit wir uns gemeinsam gegen die Kapitalistenwillkür wehren können. Wir werden euch informieren über den Kampf der Arbeiter in anderen Krupp-Betrieben und in den Betrieben anderer Konzerne, damit ihr aus den Erfahrungen der Kollegen lernen könnt und wißt, daß wir nicht alleine stehen."
Eingegangen wird u.a. auf verschiedene Kruppbetriebe und die Werkswohnungen in Essen und Wattenscheid-Höntrop (heute Bochum).
Quellen: Die Walze Nr. 1, Bochum Apr. 1970; Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 3, Bochum Aug. 1970, S. 1

26.05.1970:
In Bochum erscheint die Nr. 2 der 'Walze' (vgl. Apr. 1970, 2.6.1970), Betriebszeitung der KPD/ML bzw. bald der KPD/ML-ZB für Krupp Bochumer Verein (BV), u.a. mit der Forderung nach einer Lohnerhöhung von einer D-Mark pro Stunde, die im Leitartikel "Statt Überstunden - Lohnerhöhung" aufgestellt wird. Danach wird "durch Überstunden kein Lohnausgleich geschaffen". Weitere Artikel sind:
- Schluß mit den langen Tariflaufzeiten,
- Vermögensbildung ist Lohnraub.
Q: Die Walze Nr. 2, Bochum Mai 1970; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 4, Bochum 8.6.1970

02.06.1970:
In Bochum wird, nach eigenen Angaben, ein Flugblatt der 'Walze' der BV-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB für Krupp Bochumer Verein (vgl. 26.5.1970, 22.6.1970) verteilt, in dem noch einmal eine D-Mark mehr pro Stunde gefordert wird (vgl. 26.5.1970, 5.6.1970).

Vermutlich handelt es sich dabei um die folgende Ausgabe der 'Walze' von einer Seite DIN A 4 unter Verantwortung von Peter Weinfurth, Essen:"
Kollegen,
Dienstag haben die Kranführer, Transportarbeiter und Montagehelfer im Radsatzbau und im BeB 2 gestreikt. Sie fordern:

ANHEBUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN, so daß sie an 6 Mark herankommen. Kranführer, Transportarbeiter und Montagehelfer bekommen 5, 10 bis 5, 21 DM die Stunde. Sie sind von den Preissteigerungen und Mieterhöhungen am härtesten betroffen. Bei den prozentualen Tariferhöhungen kommen sie jedes mal am schlechtesten weg.

Kollegen, die Preissteigerungen der Kapitalisten können nur durch Lohnerhöhung ausgeglichen werden. Wenn es so weitergeht, dann nützen auch die Überstunden nichts mehr. Wenn die Aufträge zurückgehen und die Kapitalisten die Überstunden streichen, kommt keiner mehr mit dem Lohn aus.

Deshalb fordert die WALZE:
EINE MARK FÜR ALLE

Als die Kollegen vom Radsatzbau sagten, daß man mit 700 Mark keine Familie ernähren kann, hatte Lenarz die Unverschämtheit zu antworten, damit hätte er gar nichts zu tun und Krupp auch nicht.

Aber wer setzt denn die Preise herauf? Wer raubt uns dadurch den Lohn? Bald eine Milliarde Profit haben die Kruppherren im letzten Jahr aus unserer Arbeit gezogen! Und Ende Juni werden wieder die dicken Dividenden an die Aktionäre verteilt!

Sombetzki sagte: Die Lohnkommission verhandelt - jetzt kommt es nur darauf an, wieviel der Vorstand rausrückt.

Kollegen, 10 Pfennig Schmutzzulage hat der Vorstand angeboten. Freiwillig rückt er nicht mehr heraus! Das ist eine Herausforderung und kein Angebot!

NUR DARAUF KOMMT ES AN: WIEVIEL WIR MIT UNSEREN KAMPFMITTELN DURCHSETZEN!"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 4, Bochum 8.6.1970, S. *; Die Walze Eine Mark für alle, Bochum o.J. (1970)

05.06.1970:
Bei Krupp Bochum Verein (BV) erscheint vermutlich heute ein Extrablatt "Streik Eine Mark" der 'Walze' der KPD/ML bzw. bald KPD/ML-ZB (vgl. 2.6.1970, 5.8.1970).
Q: Die Walze Extrablatt Streik Eine Mark, Bochum o. J. (1970)

08.06.1970:
Bei Krupp Bochum Verein (BV) erscheint vermutlich heute ein Extrablatt "Volle Bezahlung der Ausfallstunden" der 'Walze' der KPD/ML bzw. bald KPD/ML-ZB (vgl. 2.6.1970, 5.8.1970).
Q: Die Walze Extrablatt Volle Bezahlung der Ausfallstunden, Bochum o. J. (1970)

22.06.1970:
Bei Krupp Bochum Verein (BV) erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr. 3 der 'Walze' der KPD/ML bzw. bald KPD/ML-ZB (vgl. 2.6.1970, 5.8.1970) mit dem Leitartikel "'Mehr war nicht drin' - Weil die SPD-Clique im Betriebsrat und Vertrauensleutekörper die Interessen der SPD höher stellt als die Interessen der Kollegen" zur Forderung nach 1 Makr mehr pro Stunde.

Weitere Artikel sind:
- "Schöne Worte - Wenig Inhalt. Nachwort zur Belegschaftsversammlung";
- "Stempeluhren";
- "Geschenktes Geld?" zur 10 DM-Sparförderung im Tarifvertrag und dem 312-DM-Gesetz bzw. der Vermögensbildung;
- "D'K'P" zur 'Roten Glut' der DKP, die die Vermögensbildung begrüßte;
- "Zufrieden mit dem Profit von 1969" zur Hauptversammlung am letzten Mittwoch; sowie
- "Entlassen!" zu zwei Entlassungen von Kollegen, die einen Abteilungsstreik gutgeheißen haben sollen, wogegen es eine Unterschriftenliste gibt.
Q: Die Walze Nr. 3, Bochum Juni 1970; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 11, Bochum 2.7.1970

05.08.1970:
In Bochum beginnt beim Bochumer Verein im Blockwalzwerk von Krupp, nach Berichten der KPD/ML-ZB, ein Streik. Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe greift mit einer Ausgabe ihrer 'Walze' (vgl. 22.6.1970, 22.8.1970) in den Streik ein.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 22, 23 und 48, Bochum 8.8.1970, 12.8.1970 bzw. 7.11.1970, o.S., o.S. bzw. S.4

22.08.1970:
Bei Krupp Bochum Verein (BV) erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr. 4 der 'Walze' der KPD/ML-ZB (vgl. 2.6.1970, 18.9.1970) mit dem Leitartikel "Harte Lohnrunde. Gegen den Lohnraub - Die geschlossene Front der Metallarbeiter" zur Metalltarifrunde (MTR).

Weitere Artikel sind:
- "Für die geschlossene Front der Metallarbeiter" zum Streik in Höntrop;
- "Gegen die Spalter der Arbeiterklasse" wie den IGM-Ortsvorstand, der beim Streik abwiegelte;
- "Gewaltverzichtsabkommen oder gemeinsamer Angriff auf die Arbeiterklasse"
Q: Die Walze Nr. 4, Bochum Aug. 1970

17.09.1970:
In Bochum legen, laut KPD/ML-ZB, ca. 200 Arbeiter des Hammerwerks und der Gesenkschmiede von Krupp in der Mittagsschicht die Arbeit nieder. Die Betriebsgruppe des ZB greift, nach eigenen Angaben, mit mehreren Ausgaben und Flugblättern der 'Walze' in diesen Konflikt ein.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 1, Bochum Jan. 1971, S. 1; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 33/34 und 5, Bochum 19.9.1970 bzw. 20.1.1971, S. 13f bzw. S. 12;Der Parteiarbeiter Nr. 3, Bochum Nov./Dez. 1970

18.09.1970:
Bei Krupp Bochum führen, laut KPD/ML-ZB, 3 000 Kollegen der Frühschicht den Kampf vom Vortag weiter (vgl. 21.9.1970).
Die KPD/ML-ZB verteilt, laut Erwin Bawulski, Flugblätter und eine Extra-Ausgabe ihrer Betriebszeitung 'Die Walze' (vgl. 22.8.1970, 21.9.1970).
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 35, Bochum 23.9.1970, S. 2ff; Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 5 und 1, Bochum Nov. 1970 bzw. Jan. 1971, S. 2 bzw. S.5;Erwin Bawulski: Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum, Dortmund 1974

21.09.1970:
Bei Krupp Bochum Verein (BV) erscheint vermutlich heute ein Extrablatt "Von der SPD verschaukelt!" der 'Walze' der KPD/ML-ZB (vgl. 18.9.1970, 9.10.1970) zu den Betriebsversammlungen heute und morgen.
Q: Die Walze Extrablatt Von der SPD verschaukelt!, Bochum o. J. (1970)

09.10.1970:
In Bochum ruft die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Krupp Bochumer Verein (BV) für diesen Tag mit ihrem 3. Extrablatt für Lehrlinge, "Mit der KPD/ML und dem KJVD gegen den Lohnraub der SPD", ihrer Betriebszeitung 'Die Walze' (vgl. 21.9.1970, Nov. 1970) zum Besuch einer Lehrlingsveranstaltung auf.
Q: Der junge Bolschewik Nr. 5/6, Bochum 15.12.1970, S. 76f

November 1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet in ihrer 'Walze' (vgl. 9.10.1970, Jan. 1971), nach eigenen Angaben, zur drohenden Stillegung der Walzstraßen 5/6 und 8/9:"
Die Schließung dieser Straßen ist nur noch eine Frage der Zeit."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 38, Bochum 19.5.1971, S. 2

Januar 1971:
In Bochum gibt die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Krupp Bochumer Verein (BV) vermutlich im Januar ein Extrablatt "Kein Zwangsurlaub!" ihrer Betriebszeitung 'Die Walze' (vgl. Nov. 1970, Apr. 1971) heraus zum Zwangsurlaub der Walzstraßen 5/6, 8/9 und 1/2.
Q: Die Walze Extrablatt Kein Zwangsurlaub!, Bochum O. J. (1971)

April 1971:
Die Nr. 3 der 'Walze' erscheint durch die KPD/ML-ZB für Krupp Bochumer Verein (BV) in Bochum (vgl. Jan. 1971, 30.4.1971) mit dem Leitartikel "Heraus zum Roten 1. Mai". Die Betriebsgruppe ruft dazu auf, mit der KPD/ML-ZB zu demonstrieren "Gegen Lohnraub, Gegen das Lohndiktat! Gegen die Verrätereien der SPD-Regierung!"

Weitere Artikel sind:
- Verrat für Posten und Profit!
- Aufruf an alle Jungarbeiter und Lehrlinge,
- Die Zustände im Stahlwerk 3 (auch in 'KND' Nr. 36 (vgl. 12.5.1971) auszugsweise veröffentlicht),
- Aufruf des Zentralbüros der KPD/ML zum 1. Mai.
Die BV-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB unterbreitet auch der DKP-Betriebsgruppe am Bochumer Verein ein Bündnisangebot zum 1. Mai:"
Genossen, wir haben in dieser Zeitung unsere Ansichten genannt und unseren Plan zum 1. Mai 1971 veröffentlicht. Heute ist die Arbeiterklasse durch verschiedene Parteien aufgespalten. Besonders die sozialdemokratischen rechten Gewerkschaftsführer tun sich als Spalter hervor, indem sie die von der SPD geführte Regierung zu schützen und die Arbeiter zu betrügen versuchen. Auch zwischen der KPD/ML und der DKP gibt es eine Reihe von Meinungsverschiedenheiten. So hat die Rote Glut es bisher streng vermieden ein klares Wort gegen den Verrat der Gewerkschaftsführer zu sagen. Die DKP verschweigt, daß die SPD-Führer dem Faschismus wiederum den Weg bereiten, sie unterstützt die Sowjetführer, die den Sozialismus verraten haben. Es ist aber notwendig, daß die Arbeiterklasse gemeinsam handelt! Es ist trotz aller Meinungsverschiedenheiten notwendig, daß sich alle Arbeiter zur Verteidigung ihrer Interessen zusammenschließen. Es ist notwendig, am 1. Mai 1971 gemeinsam gegen den Lohnraub, gegen das Lohndiktat und gegen die Verrätereien der SPD-Regierung zu demonstrieren. Deshalb fordern wir euch auf, am 1. Mai mit uns für diese Kampfziele zu demonstrieren."

Der "Aufruf des Zentralbüros" enthält folgende Losungen zum 1. Mai:
- Kampf dem Lohndiktat,
- Kampf dem Lohnraub,
- Gegen die Verrätereien der SPD-Regierung die geschlossene Front der
Arbeiterklasse,
- Die SPD-Regierung ist der Wegbereiter des Faschismus,
- Schluß mit der Bezahlung der faschistischen Banden durch die SPD-Regierung,
- Auflösung des Bundesgrenzschutzes.
Die Ausgabe macht auch bekannt, daß es beim BV eine Jugendbetriebsgruppe des KJVD gibt.
Q: Die Walze Nr. 3, Bochum Apr. 1971; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 36, Bochum 12.5.1971, S. 6f

30.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet von Krupp Bochumer Verein (BV) über ihre 'Walze' (vgl. Apr. 1971, 10.5.1971):"
V-LEUTE-AUSSCHUSS BEIM BOCHUMER VEREIN hetzt gegen die KPD/ML

Der V-Leute-Ausschuß beim Bochumer Verein (Krupp), in dem nur SPD-Bonzen sitzen, hat einen Angriff gegen die KPD/ML-Betriebsgruppe gestartet. Einen Tag vor dem 1. Mai ließen sie ein Papier verteilen, in dem die KPD/ML als Handlanger des Kapitals angegriffen wird und die Forderung nach Mitbestimmung verteidigt wird."

In diesem Flugblatt heißt es unter dem Titel 'Die Walze - Stellungnahme zur KPD/ML':"
Die Walze hat seit ihrem Erscheinen manche Mißverhältnisse und Untragbarkeiten ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Wir alle, besonders aber die hart arbeitenden Bevölkerungsschichten, haben sich ein reales Gefühl für Recht und Ordnung bewahrt. Man sollte allen Kräften dankbar sein, die mithelfen, Mißstände aufzudecken und Unternehmerdiktatur und Ausbeutung anzuprangern. Der Walze gebührt in dieser Hinsicht auch Dank; denn selbstverständlich hat sie auf manchen Übelstand berechtigt hingewiesen. Sie kann zu ihren Mitarbeitern Kollegen zählen, welche unverblümt ihnen die Begebenheiten aus den Betrieben zutragen; selbst oft gegen den Willen der betroffenen Kollegen. Dadurch ist es ihr möglich, tatsächlich Mißstände aufzudecken, welche den zuständigen Stellen, wie Betriebsrat oder Vertrauensmann, bis dato nicht bekannt waren. Man sollte jedem, der sich für gerechte Angelegenheiten einsetzt, auch seinen Verdienst dafür bescheinigen … Die Taktik, halbe Wahrheiten zu verbreiten und gegen einzelne Personen zu schießen, ist in jedem Lehrbuch für revolutionäre Kräfte nachzuschlagen … Die Walze stellt den Vertrauensleutekörper und den Betriebsrat von FKH als eine Institution von Befehlsempfängern und Dummköpfen hin. Der Vertrauensleutekörper bei FKH in Bochum umfaßt ca. 500 Kollegen. Diese Kollegen müssen unter den Augen der übrigen Belegschaft tagtäglich in ihren Abteilungen ehrenamtlich Lohn-, Urlaubs- und Sozialbelange für ihre Kollegen aushandeln. Oft unter Verzicht ihrer beruflichen Aufstiegschancen. Wird diese Gruppe von Außenstehenden noch in infamster Weise diffamiert (und die Redakteure von 'Die Walze' muß man als Außenstehende betrachten, wenn ihnen solche entscheidenden Pannen passieren), so kann man den Wert ihrer Informationen nicht mehr sehr hoch einschätzen".

Die KPD/ML-ZB zitiert bis "Dank" und kommentiert:"
Nach einigen völlig unbegründeten und mit keinem Beweis belegten Angriffen gegen die Betriebszeitung (sie würde 'Unwahrheiten' und Lügen schreiben folgt dann die Propaganda für die Mitbestimmung: 'Daß die Walze erscheinen kann, ist ein Beweis für das Funktionieren unserer Demokratie. Darum unsere Beteiligung am 1. Mai für Mitbestimmung und der 'Der Mensch im Mittelpunkt'… Mitbestimmung ist deshalb praktizierte Demokratie, nur Feinde dieser Demokratie können die Mitbestimmung ablehnen. Wenn alle Gebiete unserer Gesellschaft und alle Branchen durch die Selbstverwaltung oder Mitbestimmung verwaltet werden, dann kann sich keiner, der wirklich für Demokratie ist, dagegen sträuben, daß für das wichtigste Gebiet, 'die Wirtschaft', welche über unsere Verdienste und somit über unseren Lebensstandard entscheidet, die Mitbestimmung gefordert wird… Wenn die KPD/ML nun fragt: 'Was hat Euch die Mitbestimmung in Eisen und Stahl gebracht', so kann man die Gegenfrage stellen: 'Was wäre wohl mit den Kollegen im Bergbau und in der Stahlindustrie geschehen, WENN NICHT DURCH DIE MITBESTIMMUNG DEN ERFORDERNISSEN ANGEPASSTE SOZIALPLÄNE AUSGEHANDELT WORDEN WÄREN?' Die STRUKTURKRISE hat nicht nur den Bergbau, sondern zum Teil auch schon die Stahlindustrie erfaßt. DIESE ENTWICKLUNG BERUHT AUF WELTWEITEN, WIRTSCHAFTLICHEN UND TECHNISCHEN VERBESSERUNGEN. Diesen Trend können wir nicht aufhalten, wollen wir auf dem Weltmarkt existent bleiben. Letzthin sind sie auch für höhere Löhne und Gehälter notwendig. Zwangsweise fordern sie aber auch Umstrukturierungen.

OHNE MITBESTIMMUNG würden die Strukturveränderungen in den betroffenen Wirtschaftszweigen ohne Rücksichtnahme auf soziale Härten durch das Kapital durchgeführt werden.

OHNE MITBESTIMMUNG würden die durch die Rationalisierung und Automation erzielten höheren Gewinne nicht den Arbeitnehmern anteilsmäßig zugeschlagen.

OHNE MITBESTIMMUNG wäre kein Arbeitsplatz gesichert. Die Mitbestimmung fordert für einen verlorenen Arbeitsplatz einen neuen.

Ein Gegner dieser Mitbestimmung stellt sich gegen den Menschen und tritt somit offen für das Kapital und die Unternehmer ein. Eine Partei, wie die KPD/ML, die gegen die Mitbestimmung operiert, macht sich bewußt zum Handlanger des Kapitals.

Wenn 'Die Walze' sich in ihren Ausgaben immer als Menschenfreund und als Helfer gegen die Ausbeuter und Unterdrücker selbst hinstellt und gleichzeitig dieser führenden Klasse des Kapitals mit ihrem Kampf gegen die Mitbestimmung Schützenhilfe leistet, dann ist medizinisch dieses Verhalten nur als schizophren zu bezeichnen.

Oder wollen sie die Revolution propagieren? HIERVON SOLLTE SICH JEDER KOLLEGE DISTANZIEREN. Denn diese politischen Auswüchse hat der 'Kleine Mann' noch immer bezahlen müssen, er würde auch diesmal wieder dafür bezahlen.

Wir wissen aber, wie sachlich vernünftig unsere Kollegen sind.

Denn unsere 'Freunde' können uns viel erzählen! Was können sie halten?

Wir kommen wieder!"

Die KPD/ML-ZB berichtet über ihre eigene Antwort (vgl. 3.5.1971):"
'Die Walze' hat auf dieses Flugblatt, das ein deutlicher Beweis für die Stärke des Einflusses der KPD/ML-Betriebsgruppe ist, folgende Antwort geschrieben:
'Bei dieser Gelegenheit ist noch einiges zu der gefälschten Walze des Vertrauensleuteausschusses zu sagen, welche mit den Argumenten und dem Papier der Krupp-Herren (das Flugblatt wurde auf einer werkseigenen Maschine gedruckt - Anmerkung der KND-Redaktion) hergestellt wurde und die ohne Befragung der Vertrauensleute selbstherrlich von Paßmann jun. (Vorsitzender des Ausschusses) veröffentlicht wurde. Nicht einmal dieser wagte seinen Namen unter das Pamphlet zu setzen, über dem in den bekannten roten Buchstaben 'Die Walze' stand.

Um nur die krasseste Lüge herauszugreifen - was stand in dieser Anti-Walze doch? In der Anti-Walze stand: 'Ohne Mitbestimmung würden die durch Rationalisierung erzielten höheren Gewinne nicht den Arbeitern anteilmäßig zugeschlagen.'

Ja, wo bleiben denn nun die Gewinnanteile, wir haben doch die Mitbestimmung?!

Nein, Kollegen, es ist genau anders! Die Mitbestimmung ist, solange die Kapitalisten die unbeschränkte Macht im Staate haben, nur ein Mittel der Kapitalisten, mit welchem sie sich die Gewerkschaftsfunktionäre und Betriebsräte als Handlanger kaufen, die Arbeiterklasse spalten und so die Lage der Arbeiter verschlechtern.

Die Mitbestimmung ist das sichere Mittel der SPD- und Gewerkschaftsführung, mit welchem sie die Arbeiterklasse verkaufen, die Gewerkschaften aushöhlen und zum Oberrechnungsbüro der Kapitalisten machen, mit welchem sie die Betriebsräte zu nützlichen Idioten und teilweise bewußten Handlangern der Kapitalisten machen.'

Die demagogischen Manöver der SPD-Bonzen werden auch durch die Ereignisse im eigenen Betrieb entlarvt: beim BV führen die Kapitalisten schon seit langem Krisenangriffe durch, die mit der Unterstützung der rechten SPD- und Gewerkschaftsbonzen auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen werden (…).

Die Auseinandersetzungen zwischen SPD- und Gewerkschaftsführern auf der einen und KPD/ML-Betriebsgruppen auf der anderen Seite, die sich in der letzten Zeit häufen, zeigen, daß die politische Krise der Sozialdemokratie voranschreitet. Die rechten SPD-Führer werden langsam aber sicher ihren Einfluß in der Arbeiterklasse verlieren; die KPD/ML aber wird die Arbeitermassen immer stärker für sich gewinnen."

Vermutlich im Mai erscheint eine weitere Ausgabe dieser 'Walze', die sich auch mit dem Maiaufruf der KPD/ML-ZB befasst.
Q: IGM-VL-Ausschuß der Firma Friedrich Krupp AG: Die Walze - Stellungnahme zur KPD/ML, Bochum o.J. (1971); Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 40, Bochum 26.5.1971, S. 5f;Die Walze Nr. 5, Bochum Juli 1971, S. 2

03.05.1971:
Bei Krupp Bochum gibt die BV-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB vermutlich in dieser Woche ihre 'Walze' Nr. 4 (vgl. 30.4.1971, 10.5.1971) heraus, die uns leider noch nicht vorlag. Geantwortet wird vermutlich auf die durch den IGM-Vertrauensleuteausschuß herausgegebene 'Gegen-Walze' (vgl. 30.4.1971).
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 40, Bochum 26.5.1971, S. 5f

10.05.1971:
Die KPD/ML-ZB (vgl. 19.5.1971) berichtet aus dieser Woche:"
SPD-FUNKTIONÄRE IM BETRIEB UNTERSTÜTZEN KRISENANGRIFFE
STILLEGUNG VON ZWEI WALZSTRASSEN BEI KRUPP IN BOCHUM

Die Krupp-Herren haben in der letzten Woche neue Angriffe auf die Arbeiterklasse gestartet: beim Bochumer Verein sollen zwei Walzstraßen stillgelegt werden.

Die Betriebszeitung der KPD/ML, 'Die Walze' (vgl. 3.5.1971, 5.7.1971, d.Vf.), hat sofort nach Bekanntwerden dieses neuen Krisenangriffs ein Flugblatt herausgegeben, in dem es heißt:
'Kollegen, wir sind doppelt betrogen worden! Noch im September erklärten die Herren vom Vorstand: 'Die Gerüchte über eine kurzfristige Stillegung der Walzenstraßen 5/6 und 8/9 entbehren jeder Grundlage. Die Planungen sehen vielmehr den Bau einer neuen Edelstabstahlstraße vor, die in einigen Jahren die Walzenstraßen 5/6 und 8/9 ersetzen soll.'

Als Anfang Januar die Belegschaft dieser Walzstraßen in Zwangsurlaub geschickt wurde, behaupteten einige SPD-Funktionäre, dadurch könne die Flaute überbrückt werden. Dabei wußte der Betriebsrat Schuchow längst, daß die Produktion der Straße 5/6 planmäßig nach Rheinhausen (heute Duisburg, d.Vf.) verlagert wurde und daß die Behauptung der WALZE vom November (vgl. Nov. 1970, d.Vf.) voll der Wahrheit entsprach: 'Die Schließung dieser Straßen ist nur noch eine Frage der Zeit.'

Dieser doppelte Betrug von Vorstand und SPD-Funktionären diente zur Abwiegelung bei dem großen Streik im September und zur Verhinderung von Kampfmaßnahmen. Die Kapitalisten und die SPD-Regierung wollen mit allen Mitteln verhindern, daß die Arbeiter wie jetzt wieder in Frankreich zu Millionen auf die Straße gehen und sich gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Arbeiterklasse zur Wehr setzen.

Das Ergebnis dieses Betrugs auf dem BV: Lohnabbau für weitere 230 Kollegen und Spaltung der Belegschaft durch einen sogenannten Sozialplan, der sogar schlechtere Regelungen bringt als frühere Sozialpläne:
- Der Kollege A von der Straße 5 verdient bisher knapp 8 DM. Jetzt kommt er in einen neuen Betrieb, er wird als Schlosser mit 6, 60 eingestuft und sein Lohn wird monatlich stückweise auf diese Höhe runtergedrückt. Dagegen der Aktionär erhält 10% Dividende ohne eine Handschlag.
- Der Kollege B von der Straße 8 war mit 7, 27 eingestuft. Er wird im neuen Betrieb über verschiedene Arbeitsplätze gehetzt und als Transportarbeiter mit 5, 71 DM eingestuft. Es ist eine 'Freundlichkeit' der Krupp-Herren, daß er an den verschiedenen Arbeitsplätzen 'anlernen' darf. Aber Kollege B bringt kein Pensum. Dagegen der Aktionär erhält 10% ohne Handschlag.
- Kollege C darf für 90% des alten Lohns umschulen. Gleichzeitig steigt seine Miete. Er muß sich ernsthaft überlegen, ob er seinen Wagen abschafft. Dagegen der Aktionär bekommt ohne einen Handschlag 10% Dividende!
- Kollege A ist über 25 Jahre auf dem BV und erhält einen Anerkennungszuschlag, der Kollege B ist erst 15 Jahre auf dem Werk, er erhält keinen Zuschlag.

Die Kollegen A, B und C sind gewissenhafte Arbeiter. Ihre Umversetzung gibt Krupp die Möglichkeit, drei andere im Radsatzbau für sie zu feuern, die angeblich unzuverlässig sind.

So werden durch diesen Sozialplan die Kollegen gespalten und gegeneinander ausgespielt, während 'Kollege' Schuchow nicht im entferntesten daran denken muß, den Blaumann wieder anzuziehen. Nein, Kollegen, dieser Sozialplan ist wie seine Vorgänger ein Spalterplan, und dazu noch mit ungünstigeren Regelungen als zum Beispiel im Sozialplan 1969 für Weitmar.

WEG MIT DEM SPALTERPLAN!
KEIN LOHNABBAU!
KEINE ENTLASSUNGEN!

Das müssen unsere Forderungen sein, Kollegen! Volle Erhaltung des sozialen Besitzstandes! Keine Entlassungen, auch nicht hintenherum, denn dadurch verschlechtert sich die Lage der gesamten Belegschaft.'"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 38, Bochum 19.5.1971, S. 1f

05.07.1971:
Bei Krupp Bochum gibt die BV-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB vermutlich Anfang dieser Woche ihre 'Walze' Nr. 5 (vgl. 10.5.1971, 26.7.1972) mit vier Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von H. D. Weber, Bochum, und mit folgendem Leitartikel heraus:"
LOHNDIKTAT DER SPD-REGIERUNG

Seit der letzten Währungskrise fordern die SPD-Führer und allen voran Schiller einen Stabilitätspakt zwischen Gewerkschaften und Kapitalisten. Ganz im Sinne der Regierung schrieb die Bildzeitung: 'Haltet endlich Frieden!'

Was für einen Frieden die Regierung gemeinsam mit Strauß und BILD schaffen will, das zeigen ihre Taten: einen Frieden des Kapitals, bei dem die Arbeiterklasse stillhält, während sie von Regierung und Kapitalisten entrechtet und ausgeplündert wird.

- Schillers Staatssekretär Hankel erklärte ganz offen: 'Mit der Freigabe der Wechselkurse will die Bundesregierung den Widerstand der Unternehmen gegen Lohnerhöhungen stärken.' (vgl. 8.5.1971, d.Vf.)

- In der Chemietarifrunde (CTR der CPK, d.Vf.) riet Schiller den Kapitalisten, 'ganz hart zu bleiben' (7.Mai im Fernsehen).

- In mehreren Städten wurde gegen die streikenden Chemiearbeiter zum Schutz von Streikbrechern Polizei eingesetzt. In Hessen geschah dies auf direkte Anordnung des SPD-Innenministers. In Darmstadt (vgl. 23.6.1971, d.Vf.) kam Oberbürgermeister Sabais persönlich mit der Polizei und forderte die Streikposten auf, Streikbrecher durchzulassen. In mehreren Städten, z.B. Köln (vgl. 21.6.1971, d.Vf.), wurden beim Knüppeleinsatz der Polizei Streikposten verletzt und teilweise krankenhausreif geschlagen.

- Überall griffen die Landesregierungen in die Tarifauseinandersetzungen ein und spielten sich als neutrale Schlichter auf, obwohl sie von vornherein auf Seiten des Kapitals stehen.

- Die rechten Gewerkschaftsbonzen machten diesen Betrug mit und sicherten so die Durchsetzung des Lohndiktats der Regierung. Sie sind längst auf kaltem Wege durch Posten und Bestechung gleichgeschaltet. Schon bei der Konzertierten Aktion (vgl. S1.*.1970, d.Vf.) hatten sie zugestimmt, daß die Löhne nicht stärker als die Preise steigen sollen.

- Gleichzeitig bereitet sich die Regierung jedoch auf den Zeitpunkt vor, wo die Arbeiterklasse nicht länger stillhält und sich verschuakeln läßt, wo sie die verräterischen Bonzen hinwegfegt. Dafür haben Brandt und Strauß, SPD und CDU 1968 gemeinsam mit den Notstandsgesetzen (NSG - vgl. 30.5.1968, d.Vf.) vorgesorgt, die die gewaltsame Gleichschaltung der Gewerkschaften ermöglichen.

- Um diese Maßnahme zum gegebenen Zeitpunkt durchführen zu können, hat der Sicherheitsrat der Regierung am 3.Juni dieses Jahres beschlossen, Durchführungsbestimmungen zu den Notstandsgesetzen zu erlassen.

Kollegen, dies sind die Taten der SPD-Führer. Über die ganzen Steuermaßnahmen und den Vermögensbildungsbetrug, über die weiter steigenden Preise brauchen wir hier kein Wort zu verlieren. Ihr spürt sie am eigenen Leibe.

Welchen Zweck haben diese Maßnahmen der SPD-Führer?

Auf diese Frage gab der frühere Staatssekretär Arndt letztes Jahr (vgl. S2.**.1970, d.Vf.) eine eindeutige Antwort: 'Neue außenpolitische Offensive in Ost- und Westeuropa, beides in Erfolgen nicht kalkulierbar, deshalb 'Ruhe an der Heimatfront'!' sagte er.

'Außenpolitische Offensive' bedeutet, daß die SPD-Regierung alles daransetzt, den westdeutschen Monopolen ihre alte Weltmachtstellung wie unter Kaiser Wilhelm und Hitler wieder zu erobern. Auch in diesem Ziel ist sie sich mit Strauß und BILD bis auf einige Fragen der Taktik völlig einig.

(Kollegen, wenn Ihr mehr über die Großmachtpläne der Regierung, über den tatsächlichen Sinn der 'Neuen Ostpolitik' und der 'europäischen Einigung' wissen wollt, so könnt Ihr die Tatsachen in der ROTEN FAHNE nachlsen. - Leider können wir die Walze, die nur aus Beiträgen und Spenden von Kollegen finanziert wird, nicht dicker machen.)

'RUHE AN DER HEIMATFRONT'

Auch auf dem Bochumer Verein laufen die Vorbereitungen zur 'Entlastung der Heimatfront' auf vollen Touren:

- Ist es etwa etwas anderes als Beschwichtigungspolitik im Dienste der Regierung, wenn Nieswandt uns auf der letzten Versammlung (vgl. S2.*.1971, d.Vf.) unterjubeln wollte, der Durchschnittslohn auf dem BV betrage 1 420 Mark?! Zu recht erntete er für diese Verdrehung der Tatsachen einen Proteststurm!

- Wie ist es anders zu verstehen, wenn die gefälschte 'WALZE' des Vertrauensleuteausschusses (vgl. 30.4.1971, d.Vf.) daherschwätzt, bei den Lohnverhandlungen solle 'über die Verteilung der Vermögenszuwachsrate bei den Unternehmern gesprochen werden' und vorgeschlagen wird, wir sollten 'durch Einheit (-liches Stillhalten - Ergänzung der Redaktion) auf den Gesetzgeber einwirken'.

Wie wollen denn die Hintermänner der Gegenwalze auf einen Gesetzgeber einwirken, der vollständig in den Händen des Kapitals ist? - Was sie tatsächlich wollen, das 'Ruhe an der Heimatfront', damit sie weiter Posten und Profitbeteiligung behalten!

- Wie ist es anders zu verstehen, wenn die Gewerkschaftsbonzen Verbotsantrag gegen die KPD/ML stellen - so geschehen in Duisburg (vgl. IGM - 4.6.1971, d.Vf.)?!

- Wie ist es anders zu verstehen, wenn aus dem Gewerkschaftshaus sehr eng geknüpfte Fäden zur politischen Polizei (K14, vgl. DGB Bundeskongreß - 14.5.1971, d.Vf.) und zum Verfassungsschutz laufen und wenn sich Betriebsräte aktiv für den Rausschmiß von Kommunisten aus dem Betrieb einsetzen?!

Kollegen, dies sind einige Tatsachen und Maßnahmen, die den Notstandsfrieden auch auf dem Bochumer Verein herstellen sollen, die Euch jeder Möglichkeit berauben sollen, Euch gegen Lohnabbau und Spaltung, gegen Abbau der Demokratie und Gleichschaltung der Gewerkschaft, gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung zu wehren.

Wir Kommunisten wissen, daß nur der Sozialismus, die politische Macht in den Händen der Arbeiterklasse, die Lage der Arbeiterklasse und des übrigen Volkes grundlegend ändern kann. - Heute geht es darum, die Einheit der Arbeiterklasse im Kampf gegen das Lohndiktat der SPD-Regierung herzustellen.

KAMPF DEM LOHNDIKTAT

GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE FRONT DER
ARBEITERKLASSE"

Berichtet wird über die 2 000 drohenden Entlassungen (vgl. 1.7.1971), geworben wird für die 'Rote Fahne' Nr. 13 vom 5.7.1971, die morgen und übermorgen vor dem Tor verkauft werde.

Abgedruckt wird ein:"
LESERBRIEF DES KOLLEGEN GRYCZ:

In der von Ihnen herausgegebenen WALZE vom Mai 1971 werde ich in einem sogenannten Leserbrief aus dem Eisenbahnfahrbetrieb in einer nicht mehr zu übertreffenden Weise diffamiert. Von diesen dort vorgebrachten Vorwürfen ist nicht nur ein Wort, geschweige denn ein Sazt wahr. Wenn ich einen Neider habe, so ist das eine Sache. Eine andere Sache ist, dies mit solchen an den Haaren herbeigezogenen Lügen in die Öffentlichkeit zu tragen. Für Sie sehr bedenklich ist allerdings, daß diese, von einem anonymen Lügner aufgestellten Unwahrheiten, 'OHNE DEM SO BESCHULDIGTEN DIE CHANCE EINER RICHTIGSTELLUNG ZU GEBEN', von Ihnen abgedruckt werden. Für mich ist das schlichtweg Rufmord. Sollte hier nicht innerhalb kürzester Frist dieselbe öffentliche Klarstellung erfolgen, werde ich den notwendigen Weg zu gehen wissen. (Unterstreichungen von der Redaktion. - Kein Kommentar)"

Es findet sich als letzter Beitrag noch zur KPD/ML-ZK:"
EIN HINWEIS…

In der zweiten Gegenwalze (vgl. S4.*.1971, d.Vf.) unterschob uns der Vertrauensleuteausschuß ein Zitat vom 'Landesverband der KPD/ML, verantw. Stefan Bock'. Es handelt sich hier um eine Gruppe, die sich von der KPD/ML abgespalten hat, mit der wir in einigen grundlegenden politischen Fragen nicht übereinstimmen, die gelegentlich aber auch Flugblätter vor dem BV verteilt. Trauriges Bild für Paßmann junior - offensichtlich kann er die Berichte und Behauptungen der WALZE und der ROTEN FAHNE nicht widerlegen!"
Q: Die Walze Nr. 5, Bochum Juli 1971

26.07.1972:
Bei Krupp Bochumer Verein (BV) erscheint, laut einem Datumsstempelaufdruck heute, 'Die Walze' der BV-Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB (vgl. 5.7.1971), welches die letzte uns bekanntgewordene Ausgabe ist, mit einer Seite DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum:"
WEITER SO!

Die Nachtschicht von Stahlwerk I und III hat weitergestreikt.

Gestern abend marschierten die Kollegen geschlossen nach Tor 1. Die Werksleitung hatte versucht, uns zu erpressen. Sie wollte nur verhandeln, wenn die Arbeit wieder aufgenommen wird. Dieser Versuch ist gescheitert! Gestern abend bot die Werksleitung dann 20 Pfennig mehr an. Das haben die Kollegen geschlossen abgelehnt. Die Forderungen heißen weiter:
- 50 Pfennig Lohnerhöhung für alle!
- 30 Mark Zulage für jeden heißen Monat!
- Ablösung alle zwei Stunden an den heißen Arbeitsplätzen!
- Bezahlung aller Ausfallstunden, die durch den Streik entstehen!

Besonders empört waren die Kollegen, daß wegen der Unterbesetzung des Stahlwerks III und über die Hitzezulage überhaupt nicht verhandelt worden ist.

Diese Forderungen sind vollkommen berechtigt, aber jetzt greifen die Herren zu immer schärferen Mitteln, um den Streik abzuwürgen. Vor allem wollen sie die breite Informierung der Belegschaft verhindern: deshalb wurden gestern die Werkstelefone überwacht und abgestellt. Das Flugblatt der Stahlwerker war ein großer Schlag dagegen; die Stahlwerker legten vor dem Hochhaus die Forderungen fest und sammelten Geld für den Druck. Gestern abend versuchten die Herren, unsere Genossen vom Werksgelände zu schmeißen - auch hier holten sie sich eine Abfuhr von den anwesenden Kollegen. Nicht die Kommunisten müssen vom Werksgelände, sondern die Spitzel von der politischen Polizei (K14, d.Vf.)!

Nicht nur bei Krupp herrscht Unuzfriedenheit mit der Arbeitshetze, den unmenschlichen Arbeitsbedingungen und dem ständig sinkenden Lohn.

In Berlin haben sich Arbeiter in einem Kampfkomitee zusammengeschlossen (vgl. **.*.1972, d.Vf.), das die vorzeitige Kündigung der Tarifverträge zum 1.Oktober fordert. Die Kaltwalzwerker bei Hoesch (in Dortmund, d.Vf.) haben selbständig die Drosselung des Arbeitstempos organisiert. Überall wächst die Kampfbereitschaft.

Beim BV ist der Kampf richtig begonnen worden. Er muß weitergeführt werden! Wir müssen mehr werden! Eine kleine entschlossene Gruppe holte gestern die Kollegen von Stahlwerk I zum Hochhaus. So muß es in allen Werksteilen gemacht werden.

Die Werksleitung will getrennt über die Forderungen der einzelnen Betriebe verhandeln. Lassen wir uns nicht zersplittern!

AUF ZUM EINHEITLICHEN KAMPF!"
Q: Die Walze, Bochum 26.7.1972

Letzte Änderung: 06.09.2017