Hoesch Dortmund: 'Kommunistische Arbeiterpresse'

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 2.3.2013

Die 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) der Zelle Hoesch Westfalenhütte, später der Zelle Hoesch der KPD, kann hier bisher nur sehr lückenhaft erschlossen werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Die 'Kommunistische Arbeiterpresse - Hoesch' war nicht nur eine der ersten KAP-Ausgaben außerhalb Westberlins, sondern vermutlich zumindest in den ersten Jahren gar die wichtigste. Während sie zunächst aufwändig zentral gedruckt wurde, sind spätere Ausgaben von deutlich geringerer Druckqualität.

Inhaltlich sind die uns vorliegenden Ausgaben vor allem bestimmt durch die Stahltarifrunden, aber auch durch die Betriebsratswahlen 1972, den Streik im Februar 1973, die Entlassung Rolf Strojecs sowie aktuelle betriebliche und politische Themen.

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

09.08.1971:
Die KPD gibt vermutlich in dieser Woche ihre erste 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) bei Hoesch Dortmund (vgl. 6.9.1971) mit acht Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 heraus. Als Kontaktadresse wird die 'Evinger Lampe' in der Preußischen Straße 117 in Dortmund-Eving, mittwochs von 17 bis 20 Uhr angegeben.

Im Leitartikel heißt es zur MTR der IGM: "
BEREITEN WIR UNS AUF DIE KOMMENDE METALL-TARIFRUNDE VOR!

Die kommende Metalltarifrunde wird harte Klassenauseinandersetzungen mit sich bringen. Die Tarifauseinandersetzung wird in einer Situation geführt, in der die Hochkonjunktur der Jahre 1969/1970 zu Ende geht und sich die Krisenzeichen in der Metall- und Stahlindustrie immer deutlicher zeigen.

Die Kapitalisten haben ihr Kampfziel schon formuliert; sie haben zum Angriff auf die Lebensinteressen der Metall- und Stahlarbeiter geblasen:
- Wie 1966/1967 sollen schon im vorhinein die Lasten der nächsten Krise auf die Arbeiterklasse abgewälzt werden.
- Sie sind entschlossen, die erwarteten Arbeitskämpfe zu spalten und niederzuschlagen.

Dabei leistet ihnen die SPD-Regierung mit ihrer Politik der Lohnleitlinien und der Neuauflage des arbeiterfeindlichen Betriebsverfassungsgesetzes (BVG, d.Vf.) wirksame Schützenhilfe.

Die Metall- und Stahlarbeiter, deren Kampfentschlossenheit durch die Erfahrungen der Streiks und Demonstrationen der letzten Jahre gestiegen sind, sind nicht gewillt, dem vom Kapitalisten und SPD-Regierung geforderten faktischen Lohn-Stopp zuzustimmen. Die Mehrzahl der Kollegen ist bereit, für ihre berechtigten Forderungen zu kämpfen.

Breite Zustimmung in den Betrieben findet die von fortschrittlichen Vertrauensleuten aufgestellte Forderung von mindestens DM 120 im Monat für alle.

Die IG-Metall-Spitze dagegen verfolgt das Ziel, die Lohnleitlinien nicht zu überschreiten und an den spalterischen Prozentforderungen festzuhalten. Ihre Hinhalte- und Spaltungspolitik hat bisher verhindert, daß sich die Kollegen um ihre Forderungen zu einer einheitlichen Front zusammenschließen und dem Angriffsplan der Kapitalisten entschlossen entgegentreten.

ZIEL DER METALL- UND STAHLKAPITALISTEN: EIN ABSCHLUSS UNTER 6, 5%

Die Kapitalisten lassen seit Monaten eine Propagandakampagne laufen, um weiszumachen, ein weiteres Steigen der Löhne würde die Metallindustrie an den Rand des Abgrunds bringen. Gesamtmetall hat angekündigt, daß mit der kommenden Lohnrunde ein 'völlig neuer Abschnitt' markiert werden soll, der sich durch 'besondere Zurückhaltung und Anpassung an die konjunkturellen Erfordernisse' auszeichnen müsse.

Aus dieser Äußerung wird klar, daß die Kapitalisten mit 'völlig neuem Abschnitt' Verschärfung der Ausbeutung meinen.

In der Hochkonjunktur der Jahre 1968-1970 haben sie durch Verschärfung der Arbeitshetze und Verlängerung des Arbeitstages durch Überstunden Unsummen von Profiten aus der Arbeiterklasse herausgepreßt. Mit Hilfe der SPD- und DGB-Spitze ist es ihnen gelungen, ein entsprechendes Steigen der Löhne zu verhindern. Jetzt, wo die Profite durch die sich abzeichnende Krise bedroht werden, versuchen sie, die Profite mit einer abgestimmten Politik von Stillegungen und Rationalisierungen, Kurzarbeit, Entlassungen und Umsetzungen, Lohnstopp und offenen Lohnrückstufungen auf der Höhe der Hochkonjunktur zu halten. So sind seit Sommer 1970 50 000 Metaller entlassen worden, die Zahl der Arbeitslosen in der Branche hat sich verdoppelt, 40 000 Metaller stehen in Kurzarbeit.

Bei HOESCH erfolgt die Vorbereitung auf die Krise durch Kürzungen der Überstunden; die Mitteleisen- und Tandemstraße arbeiten zum Beispiel nur noch 16 Schichten pro Woche.

Diese Maßnahmen treffen die Kapitalisten, um sich, noch ehe die Krise wirklich ausgebrochen ist, ein sicheres Profitpolster zu verschaffen. So konnte die Metall- und Stahlindustrie trotz aller Unkenrufe selbst nach bürgerlichen Statistiken ihre Profite im letzten halben Jahr noch um 13% steigern.

Die ständige Drohung mit der Krise soll die Kollegen einschüchtern und vom entschiedenen Eintreten für ihre Interessen abhalten.

Die Chemie-Kapitalisten haben diesen 'völlig neuen Abschnitt' schon mit einem klaren Sieg, dem scheinbar 7, 8%-, in Wirklichkeit aber 6, 9%-Abschluß (der CTR der CPK - vgl. 3.7.1971, d.Vf.) eingeleitet. Es ist nicht verwunderlich, daß Kirchner, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, verlauten ließ: 'Wir können keinem Abschluß zustimmen, der das von der Chemie erreichte verwässert.' (vgl. 16.7.1971, d.Vf.).

Das altbewährte Krisenprogramm der Kapitalistenklasse, die Kürzung des Anteils, den die Arbeiterklasse am von ihr produzierten gesellschaftlichen Reichtum bekommt, zeigt sich gegenwärtig in einem nie da gewesenen Hochschnellen der Preise und Mieten, die immer größere Teile des Lohns auffressen:

Seit dem letzten Tarifabschluß sind die Lebenshaltungskosten stärker gestiegen als je zuvor. Die durchschnittliche Steigerungsrate in NRW liegt bei 6, 5%. Gerade die Preise für Massenkonsumgüter steigen unverhältnismäßig: die Kohlepreise wurden innerhalb von zwei Monaten um 9%, Milch, Butter und Käse um 9, 8%, Brot und Backwaren um 9, 6%, Frischobst um 9, 8% verteuert. Die Preise im Nahverkehr des Ruhrgebiets stiegen um 30%. Erhöhung der Strompreise, der KFZ-Versicherung, der Benzinpreise, der Postgebühren, sowie für Fleisch- und Wurstwaren sind bereits angekündigt. Die Mieten steigen schon seit langem ins Unermeßliche.

Konnte der Tarifabschluß in der Chemie nicht einmal die Preissteigerungen decken, so wollen die Metall Bosse noch einen Abschluß darunter erzwingen:
'Lohnorientierungshilfen von 6 bis 6, 5% sind für die Metall Industrie ein Kostenwildwasser mit gefährlichen Untiefen und Strömungen.' (Herbert v. Hüllen, Vorsitzender von Gesamtmetall (vgl. S2.*.1971, d.Vf.)).

Die Metall- und Stahlkapitalisten wissen sehr gut, daß die Kollegen der drohenden Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen nicht kampflos zusehen werden.

Die großen Arbeitskämpfe gegen die zügellose Steigerung der Ausbeutung im Herbst 1969 und die Tarifrunde 1970 stecken ihnen noch in den Knochen.

Ebenso wie die Chemie-Kapitalisten haben sie zur Zerschlagung der erwarteten Abwehrkämpfe ein Schutz- und Trutzbündnis geschlossen:

Es sieht im Streitfall gegenseitige Unterstützung, Organisierung von Streikbrechertum, Einsatz von Polizei und Klassenjustiz gegen kämpfende Arbeiter und disziplinarische Maßnahmen bis hin zur fristlosen Entlassung vor. Auch hier haben die Chemie-Bosse die brutale Anwendung dieser Mittel vorexerziert. Die Metall Kapitalisten sind ebenso entschlossen, sie anzuwenden. Laut Kirchner ist der 'Wille zum Widerstand', d.h. zum offenen Angriff auf die Arbeiterklasse, 'moralische Verpflichtung'.

DIE SPALTUNG DER ARBEITERFRONT DURCH SPD- UND DGB-SPITZE

Das Ergebnis der Chemie-Tarifrunde ist für alle Kollegen eine ernste Warnung. Um dem Großangriff der Kapitalisten wirksam entgegentreten zu können, müssen wir uns rechtzeitig auf Kampfmaßnahmen vorbereiten und eine einheitliche Kampffront aufbauen. Die Chemie-Tarifrunde beweist, daß dies nur gelingen kann, wenn wir uns von der Illusion befreien, SPD-Regierung und Gewerkschaftsführung würden sich für unsere Interessen einsetzen.

Die SPD-Regierung, die uns mit ihrem Gerede von 'Wirtschaftspolitischer Vernunft' einreden will, daß unsere Interessen dann besonders gut verwirklicht werden, wenn wir vor den Kapitalisten zu Kreuze kriechen. Diese SPD-Regierung hat gerade bei den niedrigen Tarifabschlüssen im Öffentlichen Dienst (ÖDTR der ÖTV - vgl. 30.11.1970, d.Vf.) und der Chemie bewiesen, daß sie durch 'Stabilitätsprogramme', Konzertierte Aktion und Eingriffe in die Schlichtunsverhandlungen nicht unsere, sondern die Interessen der Monopole vertritt. Ihr wahres Gesicht zeigt die SPD-Führung in den Chemie Streiks, wo sie Aussperrungen unterstützte und in SPD-regierten Städten und Ländern Polizei gegen streikende Arbeiter einsetzte.

Der Ausgang der Chemie-Tarifrunde hat vor allem gezeigt, was wir von der Gewerkschaftsführung zu erwarten haben. Durch die Beteiligung an der Konzertierten Aktion, durch das Gerede von der Sozialpartnerschaft und die Hinnahme der Lohnleitlinien arbeitet sie den Unternehmern in die Hände.

Die Taktik der Gewerkschaftsführung in der letzten Metalltarifrunde und in der Chemie Runde war eindeutig: Bei scheinbarem Eingehen auf die Forderungen und die Kampfbereitschaft der Kollegen verhinderte sie eine einheitliche Kampffront und ließ die Kampfmaßnahmen der Kollegen ins Leere laufen.

Dazu bediente sie sich aller Mittel der Spaltung:

- regionale Aufspaltung der Tarifverhandlungen
- Zersplitterung der Kampfaktionen in punktuelle und Teilstreiks
- Abwürgen der Kampfaktionen, wenn sie die Kapitalisten wirklich bedrohten.

So fiel die IG-Metallspitze 1970 den streikenden Metallern mit dem 10%-Abschluß in Hessen (vgl. 27.9.1970, d.Vf.) in den Rücken, so die IG-Chemie Spitze den streikenden Chemiearbeitern mit dem 6, 9%-Abschluß. Sie hatten noch die Frechheit diesen Verrat als großen Sieg hinzustellen.

Auch für die kommende Metall Runde weigert sich die Gewerkschaftsspitze beharrlich, die Forderungen der Kollegen und der Mitgliedermassen der IG Metall in den Betrieben zur Kenntnis zu nehmen und eine breite innergewerkschaftliche Diskussion zu eröffnen.

So versuchte der Gewerkschaftssekretär Erlenhofer den Beschluß der Vertrauensleueversammlung der Maschinenfabrik Deutschland (MFD, d.Vf.) vom 27.5.1971 15% linear auf alle Lohngruppen zu fordern, mit dem scheinheiligen Argument zu verhindern, die Tarifrunde sei doch erst in 4 1/2 Monaten. So fällt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Pfeiffer der 75 Pfg.-Forderung der Vertrauensleutekörperleitung der Westfalenhütte (vgl. 23.7.1971, d.Vf.) mit der Erklärung in den Rücken, die IG-Metall habe noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob der Tarifvertrag überhaupt gekündigt würde.

Die IG-Metall-Führer gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie erklären offen, daß sie sich den Interessen der Kapitalisten beugen wollen: die von den Vertrauensleuten in vielen Betrieben erhobene Forderung nach Vorweganhebung von 10% wurde jetzt schon von der IG-Metall-Spitze abgelehnt (vgl. Juli 1971, d.Vf.), sie passe nicht in die konjunkturelle Landschaft. Und IG-Metall Pressechef Thönnessen erklärt den Sieg der Chemie-Kapitalisten zum Orientierungsdatum für die Metallrunde: 'Das von den Chemie-Kollegen erzielte Ergebnis ist eins der Daten, was wir nicht übersehen können.'

Ebenso der Gesamtbetriebsratsvorsitzender Pfeiffer: Auf die 75-Pfg.-Forderung der Vertrauenskörperleitung der Westfalenhütte antwortete er wie ein Mitglied von Gesamtmetall, die gestiegenen Kosten und schlechte Ertragslage ließen allenfalls Lohnforderungen in der Größenordnung um 10% realistisch erscheinen. Auch dabei müsse es Spielraum geben.

Damit meint er sicherlich nicht Spielraum nach oben…

Das beweist: weil die Gewerkschaftsführung den Kampf für die endgültige Befreiung der Arbeiterklasse aufgegeben hat, kann und will sie auch nicht mehr für die Verbesserung der Lage der Arbeiter im Kapitalismus kämpfen. Besonders deutlich wird das durch ihr Festhalten am Lohngruppensystem und der Prozentforderung, die die Spaltung der Arbeiterklasse eindeutig vertiefen. Die Pfennig- und DM-Forderungen der Kollegen werden von den Gewerkschaftsführern übergangen oder mit der fadenscheinigen Begründung abgelehnt, der Lohnrahmentarifvertrag (vgl. S3.**.19**, d.Vf.) ließe nur prozentuale Forderungen zu.

Dazu ist zu sagen: Es war schon ein Skandal, daß die Gewerkschaftsführung dieses Spaltungsabkommen, dazu noch mit einer Laufzeit von vier Jahren, abgeschlossen hat. Die Heuchelei wird vollends deutlich durch die Tatsache, daß sie in den jetzt in aller Heimlichkeit laufenden Verhandlungen keinen Finger krumm macht, um den Lohngruppenschlüssel ersatzlos zu streichen.

GEGEN AUSBEUTUNG UND SPALTUNG: DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE

Der Gewerkschaftsspitze wird es in der kommenden Metalltarifrunde nicht mehr so glatt gelingen, die Kollegen hinters Licht zu führen. Viele Kollegen haben aus den Kämpfen im Herbst 1969 und 1970 gelernt, daß es gilt, die geschlossene Kampffront der Arbeiterklasse gegen die Verschärfung der kapitalistischen Ausbeutung und die Spaltungsmanöver der SPD- und DGB-Führung aufzubauen.

Die spontanen Streiks, besonders in der Metall- und Stahlindustrie haben gezeigt, daß die Kollegen sich nicht länger durch von den Kapitalisten diktierte Verträge im Kampf um ihre Interesse binden lassen.

- Im Septemberstreik 1969 (vgl. 2.9.1969, d.Vf.) forderten die Kollegen der Hoesch-Hüttenwerke 30 Pfennig mehr für alle
- In der IG-Metall-Tarifrunde 1970 forderten die Westberliner Kollegen 85 Pfennig mehr für alle (vgl. 26.8.1970, d.Vf.)
- In der Chemie-Tarifrunde forderten die Kollegen in der Bundesrepublik 120 DM mehr für alle und in Westberlin 150 DM mehr für alle Arbeiter und Angestellten.

Die KPD unterstützt die entschlossene Ablehnung des spalterischen Lohngruppensystems.

Die KPD unterstützt die Mindestforderung der Vertrauensleute der HOESCH-Westfalenhütte in Dortmund:

10% Vorweganhebung
2% Preisgleitklausel
75 Pfennig mehr für alle Lohngruppen - DAS SIND DM 120 MEHR FÜR ALLE.

Sie begrüßt, daß die Genossen von 'Heiße Eisen' (DKP, d.Vf.) mit der Unterstützung der 75 Pfennig Forderung zur Vereinheitlichung der Arbeiterklasse beitragen und sich von der spalterischen Politik ihres Parteivorstandes und der DGB Spitze nicht die Hände binden lassen.

Es kommt jetzt darauf an, eine fortschrittliche Opposition in den Gewerkschaften aufzubauen, die der verräterischen Politik der Gewerkschaftsführung entgegentreten kann.

Es kommt darauf an, den Vertrauensleutekörper (VLK, d.Vf.) in den Betrieben zu stärken, der das wichtigste Instrument in der Hand der Arbeiterklasse ist, um alle organisierten und nicht organisierten Kollegen im Kampf gegen die Verschärfung der kapitalistischen Ausbeutung zu mobilisieren.

Es kommt darauf an, daß nur die Kollegen in den Vertrauensleutekörper gewählt werden, die sich wirklich für die Interessen der Kollegen einsetzen. Um den Willen der Gewerkschaftsmitglieder auch in den Tarifverhandlungen durchzusetzen, fordert die KPD:

Wahl der Tarifkommission durch die gewerkschaftlichen Vertrauensleute!

Entscheidung über Annahme oder Ablehnung der Verhandlungsergebnisse der Tarifkommission durch die gewerkschaftlichen Vertrauensleute!

Die KPD wird in den Metall Tarifkämpfen alle fortschrittlichen Gewerkschafterentschlossen unterstützen, wird entschieden

FÜR DIE DURCHSETZUNG EINER EINHEITLICHEN DM-FORDERUNG KÄMPFEN."

Ein Kasten auf S.1 führt unter einem Bild mit einem Transparent 'Berliner Chemiearbeiter fordern in der Tarifrunde 150 DM mehr für alle!' aus: "
Die absolute DM-Forderung der West-Berliner Kollegen auf der 1.Mai-Demonstration des Gewerkschaftlichen Mai-Komitees 1971.

Wie schon in der Chemie-Tarifrunde fordert die KPD eine einheitliche Lohnerhöhung.

Die KPD unterstützt die Mindestforderung der Vertrauensleute von HOESCH-Westfalenhütte in Dortmund:

10% Vorweganhebung
2% Lohngleitklausel
75 Pfennig mehr für alle Lohngruppen - das sind
120 DM MEHR FÜR ALLE."

Der nächste Artikel erläutert: "
DIE AUFGABEN DER BETRIEBSZELLE HOESCH UND IHRER BETRIEBSZEITUNG, DER KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSE

Mit der Herausgabe der ersten KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSE bei HOESCH hat die Betriebszelle Westfalenhütte der KPD ihre Propagandaarbeit aufgenommen. Die KOMMUNISTISCHE ARBEITERPRESSE wird regelmäßig erscheinen und von Kollegen geschrieben, die sich in der Betriebszelle der KPD bei Hoesch organisiert haben.

Wir, das sind die in der Betriebszelle Westfalenhütte zusammengeschlossene Kollegen, ziehen mit unserer Organisierung in der KPD und dem Aufbau der Betriebszellen bei Hoesch die Lehren aus den Kampferfahrungen der letzten Jahre und der Zuspitzung der Widersprüche zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten auf der ganzen Welt.

Die KPD hat ihre Ziele in der PROGRAMMATISCHEN ERKLÄRUNG (vgl. 7.7.1971, d.Vf.) dargelegt: die Monopolbourgeoisie zu stürzen und den Sozialismus, das heißt die Diktatur des Proletariats über die Kapitalistenklasse, zu errichten. Wir Kommunisten wissen, daß die Arbeiterbewegung nur dann siegreich sein wird, wenn die klassenbewußtesten und kämpferischsten Arbeiter in der KPD organisiert sind, wenn die Mehrzahl der Werktätigen unter der Führung der Arbeiterklasse und der KPD den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus führt, wenn die KPD eng mit den Massen verbunden ist. Deshalb sind die Betriebszellen das Fundament der Partei.

Die Zellen haben die Aufgabe, die Arbeiter im Kampf gegen die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen zusammenschließen und für den Sozialismus zu gewinnen. Auf der Basis von Kampfprogrammen für Betrieb und Arbeiterviertel schließen die Zellen, vorrangig die Betriebszellen, die kommunistischen, vom Revisionismus getäuschten, sozialdemokratischen und parteilosen Arbeiter zu einer festen Einheitsfront gegen das Monopolkapital zusammen.

Um die Einheitsfront aller Kollegen auf der Hütte, im Werk Phoenix und im Werk Union zu schaffen, haben wir als wichtigste Aufgabe die Erstellung eines betrieblichen Kampfprogramms für Hoesch in Angriff genommen sowie den Aufbau kommunistischer Gewerkschaftsfraktionen in allen gewerkschaftlichen Ebenen als Kern einer revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO, d.Vf.) aller fortschrittlichen gewerkschaftlichen Kollegen. Im Sympathisantenzirkel der Betriebszelle unterstützen alle sympathisierenden Kollegen unseren Kampf aktiv und qualifizieren sich in der dort durchgeführten Schulung, um als Kandidaten der KPD in die Betriebszelle aufgenommen zu werden.

Unser wichtigstes Instrument für Agitation und Propaganda im Kampf gegen die Übergriffe der Kapitalisten auf die Arbeiterklasse ist die zunächst in dreiwöchigem Abstand erscheinende KOMMUNISTISCHE ARBEITERPRESSE. Kollegen, unterstützt unsere Propagandaarbeit, schreibt uns Arbeiterkorrespondenzen, die die Praktiken der Ausbeuter und Antreiber anprangern und die Arbeiterverräter entlarven. Kommt zu unserem Kontakttreffen in der 'Evinger Lampe' und zu den Propagandaveranstaltungen der Betriebszelle Westfalenhütte.

Die Gewerkschaftsführer haben längst den Sozialismus aus ihrem Programm gestrichen und stellen sich in den wichtigsten Abwehrkämpfen der Arbeiterklasse, wie den Septemberstreiks und den gerade abgeschlossenen Chemie-Tarifverhandlungen, immer auf die Seite der Kapitalisten. Aber dennoch sind die Gewerkschaften die wichtigsten Massenorganisationen der Arbeiterklasse.

Wir Kommunisten wollen die Gewerkschaften nicht zerschlagen, sondern die Arbeiterverräter in den Gewerkschaften entlarven und alle fortschrittlichen und klassenbewußten Gewerkschafter in der Gewerkschaftsopposition zusammenzuschließen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Betriebszelle ist es, Fraktionen von Kommunisten auf allen gewerkschaftlichen Ebenen aufzubauen. Damit wenden wir uns gegen die sektiererische Politik, einige Kollegen aus der Gewerkschaft herauszubrechen und in 'Roten Betriebsgruppen' (RBG der KPD/ML-ZK, d.Vf.) als neuen Massenorganisationen zu organisieren.

Die Partei verallgemeinert die Erfahrungen des Kampfes an allen Fronten und verbindet sie mit den historischen Erfahrungen der Arbeiterbewegung, besonders der revolutionären Tradition der KPD unter Ernst Thälmann. Die ROTE FAHNE, das Zentralorgan der KPD, dient so der Vereinheitlichung der gesamten Arbeit der Partei in der Bundesrepublik und West-Berlin, der Verbindung mit den werktätigen Massen und dem weiteren Aufbau der Kommunistischen Partei.

'Alle Aufgaben der KPD sind bestimmt durch die Hauptaufgabe, die einheitliche rote Front aller Ausgebeuteten und Unterdrückten gegen die Monopolbourgeoisie und gegen die Spaltung durch Reformismus und Revisionismus zu schaffen.'

Dieser Satz, mit dem das Aktionsprogramm der KPD (vgl. 7.7.1971, d.Vf.) beginnt, macht klar, in welche Richtung alle Teilkämpfe der Arbeiterklasse letzten Endes laufen müssen.

Die KPD kämpft für die Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse, indem sie den Kampf gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen und den Abbau demokratischer Rechtspositionen der Arbeiterklasse mit dem Kampf für den Sozialismus verbindet. Deshalb bekämpft die KPD sämtliche Versuche der Kapitalisten und ihre Handlanger in der Regierung, die Spaltung der Arbeiterklasse weiter zu vertiefen.

Schon das bestehende Lohnsystem ist darauf angelegt, einen Teil der Arbeiterklasse durch bessere Bezahlung über die Masse der Kollegen zu stellen und sie damit zu einer versöhnlerischen Haltung gegenüber den Kapitalisten zu bewegen. Daß eine solche Strömung in der Arbeiterbewegung äußerst schädlich ist, ist jedem klassenbewußten Kollegen klar. Gleichzeitig aber werden andere Teile der Arbeiterklasse extrem unterbezahlt. Besonders hart davon betroffen sind die Frauen und die ausländischen Kollegen. Ihre mangelnde Kampferfahrung und ihre Schwäche nutzen die Kapitalisten dazu aus, diesen Teil des Proletariats einer besonders scharfen Ausbeutung zu unterwerfen und so wieder ein gesondertes Lager innerhalb der Arbeiterklasse zu schaffen.

'Die KPD ist sich darüber im klaren, daß eine wirkliche Demokratie für die werktätigen Massen nicht anders gesichert werden kann, als dadurch, daß die Arbeiterklasse selbst die politische Macht erobert. Dennoch wird sie jede demokratische Rechtsposition, die den Werktätigen größere Bewegungsfreiheit in ihrem Kampf gegen die Monopolbourgeoisie bietet, mit aller Kraft verteidigen, um günstigere Bedingungen für die Vorbereitung der proletarischen Revolution zu schaffen. Sie verbindet diesen Kampf mit dem Kampf gegen alle Illusionen über Mitbestimmung im Betrieb, Wirtschaft und Gesellschaft, von Arbeiterkontrolle der Produktion VOR der Zerschlagung des kapitalistischen Lohnsystems.' (Aus dem Aktionsprogramm der KPD)

Damit wenden wir uns klar gegen die Politik des Parteivorstandes (PV, d.Vf.) der DKP, die den friedlichen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus auf parlamentarischem Wege propagiert, so als hätten die Kapitalisten schon jemals in der Geschichte freiwillig die Macht an die Arbeiterklasse abgetreten; gegen eine Politik, die der DGB-Spitze mit Mitbestimmungsparolen hinterherrennt, so als hätte es die Mitbestimmungserfahrungen in der Montanunion und der Ruhrkohle AG (RAG - IGBE-Bereich, d.Vf.) nie gegeben; gegen eine Politik, die insgesamt die Illusion in der Arbeiterklasse nährt über die Natur des Klassenstaates unter der Herrschaft der Bourgeoisie und damit die unheilvolle und spalterische Geschichte des Revisionismus und der sozialdemokratischen Illusionen in Deutschland fortgesetzt. Wir betonen an dieser Stelle, daß wir mit allen revolutionären Genossen von der DKP im Betrieb zusammenarbeiten werden, daß wir in betrieblichen Kämpfen stets das Einigende vor das Trennende stellen werden, besonders dann, wenn wir wissen, daß viele klassenbewußten Genossen der DKP nur aus Parteidisziplin die Politik ihres Parteivorstandes verteidigen.

In ihren Kampf stützt sich die Betriebszelle Westfalenhütte auf das AKTIONSPROGRAMM der KPD.

Die wichtigsten Forderungen und Losungen sind:

KAMPF DEM ARBEITERFEINDLICHEN BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ!

Unter dieser zentralen Losung kämpft die KPD energisch für alle demokratischen Rechtspositionen der Arbeiterklasse im Betrieb und auf der Straße, weil sie weiß, daß die demokratischen Rechtspositionen wichtige Bastionen im Klassenkampf sind.

Unter ihrer zentralen Losung:

FÜR DEN SIEBENSTUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!

nimmt die KPD den Kampf gegen verschärfte Arbeitshetze und Massenentlassungen auf.

Um die Konkurrenz der Arbeiter untereinander, die Spaltung der einheitlichen Kampffront durch die Monopolbourgeoisie aufzuheben, führt die KPD ihren Kampf um die Mehrheit derArbeiterklasse unter den Forderungen:

GLEICHER LOHN FÜR MÄNNER UND FRAUEN!
GLEICHER LOHN FÜR DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER!
GLEICHER LOHN FÜR WESTDEUTSCHE UND WESTBERLINER ARBEITER!

Um die Vereinigung der Arbeiterklasse vorwärts zu bringen und vor allem die Lage der besonders ausgebeuteten Teile der proletarischen Klasse zu verbessern, fordert die KPD:

HEUTE 1 000 DM MINDESTLOHN!
EINHEITLICHER EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE - HEUTE 500 DM!
ABSCHAFFUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN!"

Dieser Artikel erscheint auch gekürzt in der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 13.8.1971) der KPD.

Der dritte und letzte Artikel lautet: "
DER SIEGREICHE KAMPF DES VIETNAMESISCHEN VOLKES

Seit dem Ende des zweiten imperialistischen Weltkrieges versuchte der US-Imperialismus durch Aggressionskriege seine Vorherrschaft in der Welt zu errichten.

Blindwütig geht er dabei mit Aggression, Subversion und Sabotage vor.

Die Völker der ganzen Welt erkannten immer klarer seine aggressive Natur und die ihm innewohnende Schwäche und schlossen sich immer fester zum revolutionären Kampf gegen Aggression und Unterdrückung zusammen.

IM GEGENWÄRTIGEN KAMPF DER VÖLKER BILDET INDOCHINA DAS HAUPTSCHLACHTFELD.

Nach dem vergeblichen Versuch in den fünfziger Jahren, Korea in eine Kolonie zu verwandeln und die Volksrepublik China wiederholt militärisch anzugreifen, richtete der US-Imperialismus seinen Hauptstoß gegen das Volk von Vietnam.

Durch den erfolgreichen Widerstandskampf des ganzen Volkes in die Enge getrieben und empfindlich getroffen, weitete der US-Imperialismus seine Aggression aus und überzog auch die Völker von Laos und Kambodscha mit Krieg.

Durch die neu entstandene Lage schlossen sich die 50 Mio. zählenden Volksmassen noch enger zusammen und kämpften Seite an Seite mit dem vietnamesischen Volk an vorderster Front gegen den US-Imperialismus.

Der katastrophale Ausgang des Überfalls auf Laos im Februar (vgl. 12.1971, d. Vf.), bei dem über 4 000 Aggressoren getötet wurden, der siegreiche Kampf in Kambodscha, die stückweise Befreiung und Sicherung des Landes und die offensichtliche militärische Niederlage in Südvietnam beweisen:

Die Nixon Regierung ist mit ihrer Aggressionspolitik in eine Sackgasse geraten, aus der keine waffentechnische und zahlenmäßige Überlegenheit herausführen kann. Ihre Position ist schwieriger und isolierter geworden als je zuvor.

Die Ursachen der Erfolge, die das vietnamesische Volk im Kampf gegen den US-Imperialismus erringt, sind die Waffe des langwierigen Volkskrieges, und die politische Mobilisierung immer breiterer Schichten des Volkes.

Die Erhöhung des Bewußtseins der Volksmassen, die immer besser ihren Hauptfeind erkennen, ihn durch Aufstände in den Städten ebenso schwächen, wie sie ihn an internationalen Verhandlungstischen von der Position der Stärke her von der ganzen Welt und allen revolutionären und fortschrittlichen Menschen entlarven und seine militärische Niederlage besiegeln.

In jeder Etappe des Kampfes gegen den US-Imperialismus konnte sich der südliche Teil des Landes auf den nördlichen Teil stützen, der unter den Bedingungen des Aufbaus des Sozialismus den militärischen Kampf des Südens mit allen Mitteln unterstützte.

Auch die verschiedenen Pläne, die sich das Pentagon und die Nixon-Regierung im Laufe des Krieges ausdachten, mußten an dem revolutionären Willen des vietnamesischen Volkes, das wie ein Mann gegen die Aggression aufstand, scheitern.

Auch der letztliche Schachzug der Nixon-Regierung mußte ebenso scheitern:

Mit ihrem Plan der 'Vietnamisierung', den sie seit Ende der 60er Jahre verfolgte, wollte der US-Imperialismus Vietnamesen gegen Vietnamesen kämpfen lassen.

Eine faschistische Söldnertruppe der Thieu-Ky-Clique sollte die Schlinge des Neokolonialismus um den Hals des vietnamesischen Volkes zuziehen.

Fieberhaft versucht der US-Imperialismus mit einer riesigen Militärmaschinerie das ländliche Gebiet Südvietnams zu 'befrieden'. In riesigen KZs wird die Bevölkerung gefangengehalten, weite Gebiete werden mit B 52 Bomben und Giftgas zerstört, Mord und Entführung der revolutionären Führer des Volkes sollen den Machtapparat schwächen und aufreiben.

Doch die Imperialisten werden nie die Gesetze des Volkskrieges und seine mächtigste Waffe, die revolutionären Volksmassen, begreifen können.

Die Schlinge, die sie um den Hals des vietnamesischen Volkes legen wollen, ziehen sie jeden Tag enger um ihren eigenen Hals zusammen.

Im langwierigen Kampf lernte das Volk, jede Schwäche des Gegners auszunutzen, jedesmal dann zuzuschlagen, wenn der Gegner es nicht erwartet, und fügt so dem Imperialismus eine Niederlage nach der anderen zu.

An der politischen Front ist in den letzten Jahren ebenso ein neuer Aufschwung zu verzeichnen.

Die vietnamesischen Städte haben sich erhoben und unterstützen das Hauptschlachtfeld auf dem Lande mit Massenbewegungen weiter Teile der Bevölkerung, die sich gegen den Aggressionskrieg und den drohenden Neokolonialismus und Faschismus der Thieu-Ky-Clique richtet.

Mit der klugen Verbindung von politischem und militärischem Kampf, gestützt auf die Phantasie und Kampfbereitschaft der Stadtbevölkerung, die mit den Mitteln der Kampagne, der Demonstration und Teach-ins den US-Imperialismus anprangert, trägt sie den Funken des Volkswiderstandes in alle soziale Schichten der Bevölkerung, rüttelt sie wach und schließt sie noch enger zusammen.

Der Funke der Empörung gegen den Aggressionskrieg macht dabei ebensowenig vor den Reihen der Söldnertruppe halt, wie vor den amerikanischen Truppen.

Diese Erfahrung bestätigt sich sowohl in den Reihen der amerikanischen Soldaten, als auch in den vietnamesischen Truppen, die gegen ihre Landsleute kämpfen sollen.

Längst ist der Rauchvorhang, der das Wesen des Imperialismus und dieses Aggressionskrieges verschleierte, für viele GIs und für ihren bewußtesten Teil, die nationalen Minderheiten (Schwarze, Puertoricaner etc.) zerrissen.

Sie unterstützen den Vietkong durch Befehlsverweigerung, Erschießung ihrer faschistischen Vorgesetzen oder leisten durch passiven Widerstand der Verfaulung und Demoralisierung der US-Truppen Vorschub. Hunderte von GIs und Vietnamesen der Saigoner Soldateska desertieren wöchentlich hinter die Linien des Kampfes.

KRIEGFÜHREN UND VERHANDELN

Ebenso wie das vietnamesische Volk es im Laufe des Aggressionskrieges immer besser verstand, die Waffe des Volkskrieges allseitig einzusetzen, lernte es den diplomatischen Kampf geschickt zur Unterstützung des militärischen Kampfes zu führen.

Der Beginn der diplomatischen Verhandlungen in Paris 1968 (vgl. 10.5.1968, d.Vf.) fußte auf der relativen militärischen Schwäche, die der US-Imperialismus bis zu diesem Zeitpunkt eingestehen mußte.

Die militärische Niederlage zwingt den US-Imperialismus an den Verhandlungstisch

- Er mußte die totale Bombardierung Vietnams einstellen
- den Plan für eine Invasion in die Demokratische Republik Vietnam (DRV) aufgeben
- und er mußte in Gesprächen zur Beendigung des Krieges mit Vertretern des Vietkong und der Provisorischen Revolutionären Regierung Südvietnams einwilligen.

Grundsätzlich sind die Verhandlungen zu verstehen als eine Position der Stärke der revolutionären Volksmassen, die sie sich auf dem Schlachtfeld in Vietnam erkämpft haben, und nicht, wie die Lüge der Imperialisten behauptet, der Vernunft der Imperialisten und ihrer Lakaien zuzuschreiben.

Darüberhinaus stärken die Pariser Verhandlungen die schwankenden Elemente der Welt, die immer noch nicht das Wesen des Imperialismus erkannt haben, und legen vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Machenschaften und Verbrechen des US-Imperialismus bloß.

Jeder militärische Sieg der Volksbefreiungskräfte verschärft die Widersprüche im imperialistischen Lager und macht die Ausweglosigkeit der Positionen des US-Imperialismus klarer.

Nicht die Gutwilligkeit der bürgerlichen Presse in Amerika oder die Vernunft des Weißen Hauses brachten in jüngster Zeit Licht in das Verbrechen des US-Imperialismus durch die Veröffentlichungswelle in den Zeitungen, sondern die glänzenden Siege in Vietnam zwangen den US-Imperialismus wieder an den Verhandlungstisch.

Aber weder papierne Dokumente noch Zugeständnisse wie 'Truppenreduzierungen' können das Wesen des US-Imperialismus in Südostasien verschleiern.

Schon seit langem hatten der US-Imperialismus und die Monopolkapitalisten Amerikas ihren Arm nach Indonesien, Thailand, Burma und Malaya ausgestreckt und betreiben das schmutzige Geschäft der Ausplünderung von Rohstoffen und billigen Arbeitskräften.

Thailand und Burma und Indonesien sind für den US-Imperialismus militärische Stützpunkte, von denen er durch Bombereinsätze schon während des Vietnam-Krieges seine Angriffe startet.

Die Flanke der Volksrepublik China, die Koreanische Volks-Demokratische Republik (KDVR) und der Subkontinent Indien sind nach wie vor seine Angriffsziele.

Aber der heldenhafte Kampf des vietnamesischen Volkes hat auch die Reihen der Volksmassen in Indonesien, Burma, Thailand und Malaya fester zusammengeschlossen und sie in den aktiven Kampf gegen den US-Imperialismus geführt.

Die Vietnamesische Revolution und die Wiedervereinigung der beiden Teile des Landes wird ein weiterer Einbruch in den imperialistischen Ring in Südostasien sein und ein Schritt vorwärts in dem großen Sieg über den US-Imperialismus, den Hauptfeind der Menschheit.

NIEDER MIT DEN US-IMPERIALISMUS, DEM HAUPTFEIND DER MENSCHHEIT!
SOFORTIGER UND BEDINGUNGSLOSER ABZUG ALLER US- UND MARIONETTENTRUPPEN AUS VIETNAM, LAOS UND KAMBODSCHA!
SOLIDARITÄT MIT DEN KÄMPFENDEN VÖLKERN INDOCHINAS!
SIEG IM VOLKSKRIEG!"

Geworben wird für die: "
ROTE FAHNE

Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands - KPD

UNTERSTÜTZT DIE PROPAGANDAARBEIT DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS

Die Rote Fahne, das Zentralorgan der KPD, dient der Agitation und Propaganda der Ziele der Kommunisten unter den Massen der Werktätigen.

Sie legt in grundsätzlichen Artikeln die strategisch wichtigen Einschätzungen der KPD dar und erläutert die praktischen Schritte des Kampfes. Sie veröffentlicht Berichte und Enthüllungen über die Lage der arbeitenden Klasse, entlarvt exemplarisch einzelne Arbeiterverräter und Werkzeuge der Bourgeoisie, sie beschreibt mit den Mitteln der sozialistischen Reportage den täglichen Kampf der arbeitenden Massen gegen das Kapital und seine staatlichen Agenturen. Schließlich analysiert sie die Klassenkämpfe des internationalen Proletariats und die bewaffneten Kämpfe der nationalen Befreiungsfronten und kämpft für deren aktive Unterstützung.

Die ROTE FAHNE propagiert den Kampf der KPD für die Einheit der Arbeiterklasse. Sie setzt sich für die Verwirklichung der Kampfprogramme auf Betriebsebene und in den Arbeitervierteln ein. Sie fordert die Sicherung und Erweiterung der demokratischen Rechte der Werktätigen.

Oberstes Ziel und Richtschnur für die Arbeit der ROTEN FAHNE ist die Propaganda für die sozialistische Revolution in Westdeutschland und Westberlin, ist die Errichtung der Volksdemokratie mit der Diktatur des Proletariats als Kern.

ABONNIERT DAS ZENTRALORGAN 'ROTE FAHNE'!"

Angefügt ist dazu noch ein Bestellschein.

Die KPD/ML-ZK widmet sich dem Ereignis in der Dortmunder 'Rotfront' (vgl. 10.8.1971), die KPD/ML-ZB in ihrer 'Roten Westfalenwalze' (vgl. 25.10.1971).
Quellen: Rote Fahne Nr. 23, Berlin 13.8.1971, S. 4; Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 1, Dortmund Aug. 1971;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 61, Bochum 14.8.1971, S. 5;Rotfront Nr. 9, Dortmund 1971;Die Rote Westfalenwalze SPD-Regierung und IGM-Bonzen für harte Durchsetzung des Lohndiktats, Dortmund o.J. (Okt. 1971), S. 3f

06.09.1971:
Vermutlich zu Beginn dieser Woche gibt die KPD bei Hoesch Dortmund die Nr. 2 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 9.8.1971, 20.9.1971) - Betriebszeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands - mit vier Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 und dem folgenden Leitartikel zur MTR bzw. STR heraus: "
120 DM MEHR FÜR ALLE! 10% SIND EIN HOHN!

Die große Tarifkommission von Nordrhein-Westfalen hat ihre Forderungen aufgetischt: 10% für die Eisen- und Stahlindustrie (vgl. 26.8.1971, d.Vf.), 9% für die Metallverarbeitung (vgl. 27.9.1971, d.Vf.). Wie in den anderen Tarifbezirken (Hamburg und Schleswig-Holstein 10%, Oldenburg und Hannover 10, 3% bzw. 10, 4%, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Westberlin 11%) bereitet sie mit diesen Forderungen einen verräterischen Abschluß innerhalb der Lohnleitlinien unter 7, 5% vor.

Kollegen, wer von uns hat jemals von 9, 10 oder 11% geredet?
75 Pfennig mehr für alle, das ist die Forderung der Vertrauensleute der Westfalenhütte,
80 Pfennig mehr für alle - Klöckner Hütte Bremen,
65 Pfennig mehr für alle - Mannesmann-Werke Duisburg (MM, d.Vf.),
100 DM mehr für alle - Klöckner-Drahtwerke Düsseldorf (VDI, d.Vf.),
85 Pfennig mehr für alle - Ford-Werke Köln,
75 Pfennig mehr für alle - Maschinenfabrik Deutschland (MFD Dortmund, d.Vf.).
Das sind die Forderungen der Stahl- und Metallarbeiter.

Die 10%-Forderung liegt für die große Mehrheit der Kollegen um ein Drittel unter diesen Mindestforderungen. In der Stahlindustrie bedeutet sie für die höchste Lohngruppe 61 Pfennig mehr, für Lohngruppe 1 ganze 39 Pfennig mehr. Das heißt: die 10% liegen nicht nur erbärmlich niedrig, die spalterische Prozentforderung vergrößert weiter die Unterschiede zwischen den Lohngruppen.

Was die IG-Metall Spitze mit ihrer Hinhalte- und Abwiegelungs- und Spaltungstaktik erreichen will, ist sonnenklar:

Sie will einen Abschluß innerhalb der Lohnleitlinien der SPD-Regierung durchsetzen. Sie will ihren Auftrag erfüllen, den sie von der SPD-Regierung erhalten hat: die kapitalistischen Konjunkturmaßnahmen, den Angriff auf die Arbeiterklasse in der Arbeiterklasse durchzusetzen und ihr das noch als Erfolg anzupreisen.

Ende August (vgl. 21.8.1971, d.Vf.) kam die vorläufig letzte Anweisung aus dem Ministerium des Monopolvertreters Schiller: Die Lohnerhöhung muß unter dem Chemie-Abschluß (CTR der CPK, d.Vf.) liegen.

Kollegen, die IG-Chemie-Führung forderte anfangs 12-13% und schloß mit den verräterischen 7, 8% ab. Wenn die IG-Metall-Führung jetzt 10% fordert, so ist es ihr Ziel, möglichst schnell und ohne Arbeitskämpfe unter 7% abzuschließen.

Spitzenverhandlungen und Geheimgespräche mit Kapitalisten und SPD-Regierung - dazu war die IG-Metallspitze jederzeit bereit. Gegenüber den Forderungen der Metall- und Stahlarbeiter stellte sie sich jedoch taub. Mit allen Mitteln suchte sie das Aufstellen von berechtigten Forderungen und den Aufbau einer einheitlichen Kampffront zu verhindern; wo ihr das nicht gelang, versuchte sie die Betriebe gegeneinander auszuspielen.

Die DKP-Spitze hat dem Verrat der IG-Metall-Führung nichts entgegengesetzt. Im Gegenteil: Sie hat deren Spiel bestens mitgespielt. Während viele DKP-Kollegen in den Betrieben für die Aufstellung von hohen linearen Forderungen kämpften, wartete ihr Parteivorstand ab und trug nichts zur Bildung einer einheitlichen Kampffront bei. Das jedoch ist die Pflicht jedes Kommunisten. Stattdessen betrieb die DKP-Führung Nachtrabpolitik und begrüßte jede Forderung über 10%, ohne gegen den sich abzeichnenden Verrat der IGM-Spitze aufzutreten. Damit verfolgt die DKP-Spitze ihre Linie weiter, sich an die Politik der Gewerkschaftsspitze anzuhängen und so das Geschäft der Spaltung zu unterstützen.

Wie die Kapitalisten, versucht die Gewerkschaftsspitze ihren Verrat mit der Konjunktursituation zu begründen. Dazu ist zu sagen: Jeder, der Lohnforderungen von der Konjunktursituation und der Höhe der kapitalistischen Profite abhängig macht, ist schon auf dem Weg des Verrats. Die Arbeiterklasse kämpft für einen Lohn der ihre täglichen Bedürfnisse deckt - für nichts anderes.

Was sollen die Krisendrohungen der Kapitalisten und der SPD-Regierung: Sie sollen die Arbeiterklasse einschüchtern, damit sie den Kampf um ihre Interessen nicht aufnimmt. Seit die SPD-Regierung an der Macht ist, dienen alle ihre wirtschaftspolitischen Maßnahmen dazu, den Großangriff der Kapitalisten auf die Arbeiterklasse durchzusetzen. Dabei leistet die IG-Metall-Spitze wirksame Handlangerdienste.

Allen Kollegen muß klar sein: Noch hat die Krise nicht begonnen, noch sind die Arbeitsplätze nicht in größerem Umfang bedroht. Die Kapitalisten und die SPD-Regierung versuchen jedoch schon jetzt, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Lasten der sich anbahnenden Krise auf die Arbeiterklasse abzuwälzen.

Die Chemie-Tarifrunde war der Auftakt, die Metalltarifrunde soll der zweite Akt sein.

Um ihren Krisendrohungen Nachdruck zu verleihen, kommt den Kapitalisten die Erhöhung der Importzölle durch die USA-Regierung (vgl. 15.8.1971, d.Vf.) gerade recht. Was hinter dem Gerede der Kapitalisten in Wirklichkeit steckt, zeigen wir in: 'DER USA-IMPERIALISMUS IN DER KRISE' auf Seite 4.

Kollegen, wir müssen daraus die Konsequenz ziehen, daß wir jetzt damit beginnen, die Abwehrfront gegen das kapitalistische Krisenprogramm aufbauen, daß wir in der Tarifrunde den ersten Schritt dazu tun. Noch ist die Gelegenheit günstig. Die Kollegen der Klöckner-Hütte Hagen-Haspe (IGM-Bereich - vgl. 12.7.1971, d.Vf.), die im Juli dieses Jahres trotz der Rationalisierungs-, Stillegungs- und Entlassungsdrohungen der Kapitalisten in einem erfolgreichen Streik 30 Pfennig Lohnerhöhung durchsetzten, haben uns gezeigt, daß der entschlossene und einheitliche Kampf auch angesichts sich anbahnender wirtschaftlicher Schwierigkeiten das einzige Mittel ist, die Interessen der Arbeiterklasse zu wahren.

Kollegen, es gilt jetzt alle Vorbereitungen in den Betrieben zu treffen. Wir müssen allen Spaltungs- und Abwiegelungsversuchen eine einheitliche Front entgegensetzen."

Die ersten Absätze dieses Artikels werden auch bei Klöckner Düsseldorf (vgl. 4.10.1971) verwandt.

Eingeladen wird zur eigenen Kampfveranstaltung zur Tarifrunde (vgl. 10.9.1971).

In diesen Artikel eingestreut finden sich drei Kästen. Im ersten heißt es: "
DIE ETAPPEN DES VERRATS DER IG-METALL-SPITZE BEI HOESCH

MAI (vgl. 27.5.1971, d.Vf.): Vergeblich versucht Ortsbeauftragter Erlenhofer die Vertrauensleute der Maschinenfabrik Deutschland davon abzuhalten, ihre lineare 15% gleich 75 Pfennig-Forderung aufzustellen. Begründung: es sei noch viel zu früh.

JULI (vgl. 8.7.1971, d.Vf.): Betriebsräte und VK-Leitung rufen kurzfristig Belegschaftsversammlungen (BV, d.Vf.) der Hüttenwerke ein. Wegen der mangelnden Vorbereitung nimmt nur ein Bruchteil der Kollegen teil - in der Hauptsache SPD-Betriebsgruppenmitglieder (SPD-BG, d.Vf.). Pfeiffer, Rosentreter und Tebbe und ihre Handlanger in den Vertrauensleutekörpern verhindern das frühzeitige Aufstellen von Forderungen.

JULI: Unter dem Druck der Kollegen stellen VK-Leitung (vgl. 23.7.1971, d.Vf.) und später die VL-Vollversammlung (vgl. 6.8.1971d.Vf.) auf der Westfalenhütte die 75 Pfennig-Forderung auf. Sofort eröffnen Pfeiffer und die Ortsleitung ihre spalterische Gegenpropaganda: mehr als 10% seien nicht 'realistisch'.

AUGUST (vgl. 17.8.1971, d.Vf.): IGM-Bevollmächtigter Troche, Betriebsrat und ihre Handlanger im VK von Union boxen die 50 Pfennig-Forderung gegen den Widerstand eines Teils der Vertrauensleute durch.

GEGEN DIE SPALTUNGSVERSUCHE DER IG-METALL-SPITZE - DIE EINHEITLICHE FRONT ALLER HOESCH-KOLLEGEN!"

Der zweite Kasten schildert: "
DAS GESCHÄFT DER SPALTER

Die Metall- und Stahlarbeiter sind sich einig, sich nicht wieder dem spalterischen Lohngruppensystem zu unterwerfen, durch das die, die viel verdienen, viel - die, die wenig verdienen, wenig hinzubekommen. Gerade in dieser Tarifrunde ist die Gelegenheit, lineare Forderungen aufzustellen, günstig: Der Lohnrahmentarifvertrag von 1966 (vgl. 1966, d.Vf.) ist seit 1.6.1971 kündbar.

Aber nicht nur, daß die IG-Metall-Führung den Lohnrahmentarifvertrag zum erstmöglichen Termin gekündigt hat und keinen Finger krumm macht, dieser Spaltung ein Ende zu setzen, sie lehnt jede einheitliche Forderung mit schwindsüchtigen Begründungen ab. Manowski; Verhandlungsleiter der NRW- Tarifkommission : 'Eine Pfennigerhöhung hätte das gesamte Lohngefüge in der Stahlindustrie in Unordnung gebracht.'

Was meint Herr Manowski wohl, weswegen die Metaller und ihre Vertrauensleute lineare Forderungen aufgestellt haben: Weil sie sich nicht mit einer 'Ordnung' abfinden wollen, die für die unteren Lohngruppen 50% weniger Lohn bedeutet als für die oberen, die die Spaltung der Arbeiterklasse ständig vertieft.

Gegen diese Spalter hat die KPD die Forderung aufgestellt:
ABSCHAFFUNG DER UNTEREN LOHNGRUPPEN! 1 000 DM MINDESTLOHN!
WEG MIT DEM SPALTERISCHEN LOHN- UND ALTERSGRUPPENSCHLÜSSEL!"

Der dritte Kasten lautet: "
Die KPD fordert: OFFENLEGUNG ALLER RATIONALISIERUNGS- UND STILLEGUNGSPLÄNE!

Die Hoesch-Kapitalisten bereiten ihren Angriff auf die Arbeiterklasse vor.
Schon jetzt:
- Wegfall der Überstunden in vielen Werksteilen,
- Kürzung einer Schicht in der Mitteleisenstraße bei Union, und der Brammenstraße auf der Westfalenhütte,
- überdurchschnittlich viele Reparaturschichten in vielen Walzwerken,
- Entlassung der Kollegen vom 'Unternehmer'.
- Geplant: Stillegung von Hochofen I.

Um die Krisenfurcht zu schüren, lassen die Kapitalisten uns absichtlich im Ungewissen über ihre weiteren Pläne. Sie lassen Gerüchte über weitere Stillegungen, Schichtkürzungen und Kurzarbeit verbreiten.

DIE KPD fordert: OFFENLEGUNG ALLER RATIONALISIERUNGS- UND STILLEGUNGSPLÄNE!
UMSETZUNGEN NUR UNTER GLEICHEN ARBEITS- UND LOHNBEDINGUNGEN!"

In einem weiteren Kasten heißt es: "
DIE KPD fordert:
KEINE PROZENTUALEN LOHN- UND GEHALTSERHÖHUNGEN, SONDERN LINEARE ERHÖHUNGEN UM EINEN EINHEITLICHEN BETRAG FÜR ALLE ARBEITER UND ANGESTELLTEN!

120.- DM mehr für alle!
10 Prozent, mindestens 50 Pfennige Vorweganhebung für alle Lohngruppen!
1 000.- DM MINDESTLOHN!

EINHEITLICHER EXISTENZLOHN FÜR ALLE LEHRLINGE - HEUTE 500.-DM!

Weg mit dem spalterischen Lohn- und Altersgruppenschlüssel!

WAHL DER TARIFKOMMISSION DURCH DIE GEWERKSCHAFTLICHEN VERTRAUENSLEUTE!

Kündigung aller Schlichtungsvereinbarungen!

KEINE GETRENNTEN TARIFVERHANDLUNGEN!

SONDERN: Einheitliche Tarifkommissionen für Arbeiter, Angestellte und Jugendliche!

Gleichzeitige Tarifverhandlungen in allen Tarifgebieten und allen Metallbranchen!

Keine getrennten Lohntarife, Gehaltstarife, Manteltarife, Urlaubstarife und Lohnrahmenabkommen!

Der Tarifvertrag muß die Klausel enthalten, daß er von den Tarifkommissionen vorzeitig gekündigt werden kann, wenn die Lebenshaltungskosten über 2 Prozent steigen!

Entscheidung über Annahme oder Ablehnung der Verhandlungsergebnisse der Tarifkommissionen durch die gewerkschaftlichen Vertrauensleute!"

Berichtet wird über eine Antifademonstration in Berlin (vgl. 13.8.1971) sowie über die Wirtschaftskrise der USA (vgl. 15.8.1971).

Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) Nr. 24 (vgl. 27.8.1971): "
Mehr über die Krise des US-amerikanischen Monopolkapitals ist in der ROTEN FAHNE Nr. 24 zu lesen. Weitere Artikel der nächsten ROTEN FAHNE:

- Auszüge aus der Rede des Genossen KIM IL SUNG, Ministerpräsident der Koreanischen Volksdemokratischen Republik, zum Nixon-Besuch in der VR China - Vorbereitung der Metall- und Stahlarbeiter der BRD- und Westberlins auf die Lohnkämpfe
- Die Forderungen der Arbeiterjugend für die Metalltarifrunde
- Die DKP-Thesen des Düsseldorfer Parteitages - ein Neuaufguß der alten reformistischen Illusionen
- Worin unterscheidet sich die KPD von den ML-Organisationen und Gruppen".

Der Ausgabe ist auch ein Bestellschein für die 'Rote Fahne' angehängt.

Unserem Exemplar beigelegt war ein 'Rote Fahne Sonderdruck zur Metalltarifrunde' für NRW (vgl. 1.9.1971).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 2, Dortmund Sept. 1971; Kommunistische Arbeiterpresse Klöckner Nr. 1, Düsseldorf Okt. 1971, S. 1;Rote Fahne Sonderdruck NRW zur Metalltarifrunde, Berlin Sept. 1971;Rote Fahne Nr. 27, Berlin 8.10.1971, S. 4

20.09.1971:
Vermutlich in dieser Woche gibt die KPD bei der Hoesch Westfalenhütte Dortmund die Nr. 3 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 6.9.1971, 11.10.1971) mit vier Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 mit folgendem Leitartikel zur Metall- (MTR) bzw. Stahltarifrunde (STR) heraus: "
DIE GESCHLOSSENHEIT STÄRKEN UND DEN KAMPF ORGANISIEREN

Gerade in dieser Tarifrunde kommt es darauf an, entschlossen und einheitlich für angemessene Lohnerhöhungen zu kämpfen, um die Angriffe der Kapitalisten auf unsere Lebensbedingungen, die Preistreiberei und die Arbeitshetze abzuwehren. Davon dürfen wir wir uns auch nicht dadurch abhalten lassen, daß die Kapitalisten Stillegungen, Kurzarbeit und Entlassungen auf die Tagesordnung gesetzt haben und die beginnende Krise als Drohmittel benutzen, um die einheitliche Kampffront in den Betrieben aufzuweichen. Kollegen, Entlassungen können wir nicht dadurch verhindern, daß wir jetzt klein beigeben. Der einzige Trumpf, den wir gegen Entlassungen und Lohnraub in der Hand haben, ist die Geschlossenheit unserer Kampffront. Deshalb kämpft die KPD gerade in dieser Tarifrunde für die Einheit der Arbeiterklasse, indem sie die Forderungen nach einer einheitlichen Lohnerhöhung stellt:

120 DM MEHR FÜR ALLE!

Kollegen, daß die IGM-Spitze diesen Kampf längst nicht mehr führt, beweist die 10%-Forderung der Großen Tarifkommission (vgl. NRW - 26.8.1971, 27.8.1971, d.Vf.). Erstens zielt sie auf einen Abschluß innerhalb der Lohnleitlinien der SPD-Regierung hin, und zweitens spaltet sie die Kollegen. Und die DKP-Führung scheut sich nicht, den Verrat der Gewerkschaftsführung zu vertuschen und ihn schließlich sogar aktiv zu unterstützen. 'Jetzt die 10% voll durchsetzen', sagt sie und übergeht damit absichtlich die Forderungen der breiten Masse der Kollegen. Genau auf dieser Linie handelte Betriebsratsmitglied der Westfalenhütte DKP-Vernholz, als er in der Großen Tarifkommission unsere 75-Pfennig-Forderung einfach fallen ließ und für 13% stimmte.

DIE SPALTUNGSTAKTIK DER DORTMUNDER ORTSVERWALTUNG

Zuerst wollte die Ortsverwaltung überhaupt verhindern, daß die Betriebe ihre Forderungen für die Tarifrunde aufstellen. Was sonst hatte Erlenhofer im Mai auf der Vertrauensleutesitzung der Maschinenfabrik Deutschland (MFD - vgl. 27.5.1971, d.Vf.) im Sinn, als er den Kollegen einreden wollte, es sei noch viel zu früh, Forderungen aufzustellen? Als aber dennoch von den Kollegen der MFD 15% linear gefordert wurden, als schließlich die Vertrauensleutevollversammlung der Westfalenhütte 75 Pfennig forderte (vgl. 6.8.1971, d.Vf.), setzten Troche und Duhm mit primitiver Demagogie auf der Vertrauensleuteversammlung von Phoenix (vgl. 17.8.1971, d.Vf.) die 50-Pfennig-Forderung der Ortsverwaltung durch. Beim Ecklohn entsprechen die 50 Pfennig den 10% der Großen Tarifkommission. Daß die Ortsverwaltung die 50 Pfennig für alle Lohngruppen forderte, zeigt nur, daß sie Angst haben mußte, sich auch noch durch eine prozentuale Forderung von den Kollegen zu isolieren.

Bei Union, wo mehr Facharbeiter als in den anderen Hoesch-Werken beschäftigt sind, spielten die Arbeiterverräter im Betriebsrat und Vertrauensleutekörper auf üble Weise die besser bezahlten Facharbeiter gegen die anderen Arbeiter aus und brachten einen Abstimmungssieg für die 10% zustande (vgl. 17.8.1971, d.Vf.).

Trotz dieser Spaltungsmanöver stand die örtliche Tarifkommission mit ihrer 50-Pfennig-Forderung von Anfang an allein da (vgl. S1.*.1971, d.Vf.). Da kann Erlenhofer noch so oft behaupten, die Ortsverwaltung habe ihre Forderung auf Grund einer breiten Diskussion mit Vertrauensleuten und Kollegen aus dem Betrieb aufgestellt.

Kollegen, Jahr für Jahr ist es dasselbe: Die IGM-Spitze paktiert mit den Kapitalisten und setzt ihren Verrat gegen den Willen der Masse der Gewerkschafter durch. Die Tarifkommission wird von der IGM-Spitze eingesetzt. Was das für Folgen hat, zeigt sich auch in diesem Jahr wieder. In der Tarifkommission sitzen Betriebsräte, die ihre gut bezahlten Posten haben, die seit Jahren fest im Sattel sitzen und sich längst nicht mehr um unsere Interessen scheren. Was wir Metaller auch für Forderungen aufstellen, 'unsere' Tarifkommission kann sich 'aus gesamtwirtschaftlichen Überlegungen' immer nur zu Forderungen entschließen, die zwar den Kapitalisten in ihr Programm passen, unseren Interessen dagegegen völlig widersprechen! Deshalb:

WAHL DER TARIFKOMMISSION DURCH DIE GEWERKSCHAFTLICHEN VERTRAUENSLEUTE!

ENTSCHEIDUNG ÜBER ANNAHME ODER ABLEHNUNG DER VERHANDLUNGSERGEBNISSE DURCH DIE GEWERKSCHAFTLICHEN VERETRAUENSLEUTE!

MACHEN WIR DEN VERTRAUENSLEUTEKÖRPER ZU UNSEREM KAMPFINSTRUMENT!

Die Vertrauensleute auf der Westfalenhütte haben die 75-Pfennig-Forderung aufgestellt. Diese Forderung ist richtig, weil sie die Interessen aller Kollegen aufnimmt. Um aber diese Forderung gegen die Angriffe der Kapitalisten und die Spaltungsversuche der IGM-Spitze durchzusetzen, muß der breite Abwehrkampf in den Betrieben organisiert werden. Der Vertrauensleutekörper kann nur dann ein Kampfinstrument der Arbeiterklasse sein, wenn er sich konsequent für die Interessen aller Kollegen einsetzt. Kollegen, messen wir die Vertrauensleute nicht an ihren Worten, dem Aufstellen von richtigen Forderungen, sondern an ihren Taten, daran, wie sie den Kampf zur Durchsetzung dieser Forderungen organisieren!

Fordern wir in allen Betrieben IGM-Mitgliederversammlungen, auf denen wir gemeinsam mit unseren Vertrauensleuten die notwendigen Kampfmaßnahmen beraten und beschließen können.

DIE SCHÄRFSTE WAFFE DES GEWERKSCHAFTLICHEN KAMPFES IST DER STREIK!

ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN DEIN STARKER ARM ES WILL!"

Berichtet wird von der IGM-Stadtteilversammlung in Dortmund-Brackel (vgl. 8.9.1971) sowie von den eigenen Veranstaltungen zur MTR bzw. STR in Dortmund (vgl. 10.9.1971) und Düsseldorf (vgl. 16.9.1971).

Die neue Kontaktadresse sind die 'Borsig Stuben, mittwochs 17 bis 19 Uhr.

In einer Arbeiterkorrespondenz wird ausgeführt: "
WIE DIE ARBEITSSICHERHEIT AUF DER WESTFALENHÜTTE AUSSIEHT!

Ich arbeite in der Feineisenstraße auf der Westfalenhütte. Wer die Arbeit da kennt, weiß, was die Kapitalisten von Arbeitssicherheit halten. Nämlich nichts, weil Sicherheit eben nur bei langsamerer Produktion und besseren Maschinen möglich ist. Aber das geht ja auf Kosten der Gewinne.

Die Maschinen, mit denen Betonstahlstangen gedreht werden, laufen heute mit der größten Geschwindigkeit. Es kommt oft vor, daß eine Stange nicht ganz gerade ist, wenn sie in die Maschine einläuft. Sobald der Verbindevorgang dann beginnt, fängt die Stange an, wild hin und her zu schlagen. Wenn sie dabei auch noch auseinanderbricht, löst sich manchmal ein Ende und schießt meterweit durch die Gegend.

Woanders sieht es nicht besser aus. Wenn 'Karl Hoesch' es besonders eilig hat, und die Profile von vorne durchgewalzt werden, kommen sie heiß in die Zurichterei. Wenn man zum Beispiel an der Schere arbeitet, qualmen die Handschuhe. Oder am Pendelwagen zur Betonstahlabteilung: Die Verlader können es auf den Paketen kaum aushalten, so heiß ist es, ganz abgesehen davon, daß das sehr gefährlich ist. Ein paar Mal war ein Werksarzt da, der sich das anguckte und dann sagte, die Arbeit sei eigentlich nicht zumutbar, und beruhigt unverrichteter Dinge wieder abzog. Es kann sein, was will, geändert wird an den wirklich gefährlichen Arbeitsplätzen nicht für fünf Pfennig was. Vor einigen Jahren hat eine Richtmaschine einem Vorarbeiter ein paar Finger abgeschnitten, weil die Maschine eine so patente Automatik hat, daß ein kurzer Druck auf den Schlüssel genügt, um sie ins Laufen zu bringen. Bis heute ist nichts an der Richtmaschine gemacht worden, außer, daß sie inzwischen sieben Meter pro Sekunde - das sind 25 Km pro Stunde - läuft.

Viele Unfälle passieren mit den Kränen. Einmal wurde zum Beispiel ein Verlader von einem Haken erschlagen. Weil mehrere Kräne auf einer Bahn laufen, kann es zu Zusammenstößen kommen. Wie das für den ist, der unten einhängt, können am besten die Kollegen erzählen, die da mal ihre Knochen hingehalten haben. Die meisten Unfälle kommen durch das hohe Produktionstempo. Wenn man acht Stunden angestrengt arbeitet, kann man eben nicht die Augen überall haben und alle Sicherheitsregeln einhalten. Wer mit Kollegen aus anderen Werken spricht, merkt, daß es woanders noch schlimmer ist mit der Unfallgefahr, besonders im Kaltwalzwerk.

Eins ist ganz klar: Von alleine tun die Kapitalisten nichts, um die Arbeitssicherheit zu verbessern. Wenn wir sie nicht dazu zwingen, müssen wir auch in Zukunft immer schneller produzieren, immer mehr Tonnen machen und dabei unsere Knochen hinhalten."

Bundesweit verbreitet die KPD (vgl. 8.10.1971) diese Korrespondenz leicht geändert sowie mit dem folgenden letzten Satz: "
Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß im Moment nur in zwei Schichten gewalzt wird."

Bundesweit heißt es dazu in einer: "
EINLEITUNG DER REDAKTION

Die Hoesch-Kapitalisten werden nicht müde, ihr angeblich so fortschrittliches und wirksames Arbeitsschutzsystem zu preisen. Fast jede Ausgabe ihrer Werkszeitung 'WERK UND WIR' schwärmt von Verbesserungen und Fortschritten bei der Unfallverhütung. Wenn man sich fragt, woher bei diesen Errungenschaften eigentlich die steigenden Unfallzahlen rühren, so geben die Ausbeuter die Antwort: Die betroffenen Arbeiter sind selber schuld. Alle Beispiele über Unfallursachen und Verhütungen, die sie in ihrer Werkszeitung berichten, erwecken den Eindruck, als hänge es allein von der Umsicht und der Gewissenhaftigkeit der Kollegen ab, ob sie einen Unfall erleiden. Wovon auch sonst, da sie doch alle Verhütungsmaßnahmen ergreifen und wirksame Schutzbestimmungen erlassen.

Die nachstehende Korrespondenz eines Kollegen aus der Westfalenhütte entlarvt diese Betrugsmanöver und zeigt die Wirklichkeit der kapitalistischen Ausbeutung: Der wahre Grund der steigenden Unfallzahlen liegt in der ständigen Verschärfung des Arbeitstempos, das allein von den Profitinteressen der Kapitalisten und davon bestimmt wird, wieviel die Maschinen hergeben, nicht von der Leistungsfähigkeit der Arbeiter.

Nach der Fusion von Hoesch und DHHU wurde in der jetzt abgelaufenen Hochkonjunktur durch breitangelegte Rationalisierungsmaßnahmen das Arbeitstempo sprunghaft in die Höhe getrieben. Selbst jetzt, wo die Produktion gedrosselt wird, wo die Kapitalisten Schichtkürzungen und Kurzarbeit beschlossen haben, wird die Arbeitshetze nicht entschärft. Im Gegenteil: Während ein Teil der Kollegen kurzarbeitet, Schichten wegfallen und Entlassungen vor der Tür stehen, wird in den verbleibenden Schichten das Arbeitstempo noch erhöht.

Der Bericht des Kollegen macht klar, daß die Werksärzte zu allererst die Aufgabe haben:

für die ARBEITSFÄHIGKEIT

der Kollegen zu sorgen. Denn ihre Aufgabe besteht in erster Linie darin, exakt und wissenschaftlich zu entwickeln, wie man aus einem Menschen noch mehr Arbeit in der gleichen Zeit herauspressen kann."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 3, Dortmund Sept. 1971; Rote Fahne Nr. 27, Berlin 8.10.1971, S. 4

11.10.1971:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD vermutlich Anfang dieser Woche die Nr. 4 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 20.9.1971, 1.11.1971) mit vier Seiten DIN A4 ohne presserechtlich Verantwortlichen heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 20 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51.

Im Leitartikel wird berichtet aus dem Hagener IGM-Bereich (vgl. 4.10.1971) von Klöckner und den SSW, in weiteren Artikeln vom Besuch des japanischen Hirohito und der Demonstration dagegen in Bonn (vgl. 12.10.1971), vom IGM-Gewerkschaftstag (vgl. 27.9.1971) und von Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. 6.10.1971, 7.10.1971).

Der Metall- (TR) bzw. Stahltarifrunde (STR) widmet man sich so: "
AM 13.OKTOBER BEGINNEN DIE SCHEINVERHANDLUNGEN: ES BLEIBT DABEI: 120 DM MEHR FÜR ALLE!
DEN LOHNKAMPF JETZT MIT DEM KAMPF GEGEN DIE KRISENMASSNAHMEN DER KAPITALISTEN VERBINDEN!

Erste Stillegungen, Kurzarbeit, Entlassungen, das ist die Situation, der sich die Stahl- und Metallarbeiter in dieser Tarifrunde gegenübersehen.

Bei Hoesch wird keiner mehr eingestellt, und die Kapitalisten haben bisher Kurzarbeit nur angedroht, obwohl in vielen Abteilungen faktisch schon jetzt kurzgearbeitet wird. So werden zum Beispiel im Oxygen-Stahlwerk von Phoenix nur 38 Stunden gemacht - bei 36 Stunden müßte Kurzarbeit angemeldet werden.

Jeder Kollege weiß, das Hoesch garantiert bald Kurzarbeit anmelden muß. Laufend werden Schichten gestrichen und die Überstunden immer weiter abgebaut. Kollegen, die Angst um ihre Arbeitsplätze haben, können besser ausgebeutet werden, weil sie Angst haben müssen, überhaupt den Mund aufzumachen. Die Arbeitshetze kann immer mehr gesteigert werden, und die Kollegen sollen immer größere Tonnenleistungen bringen. Auch Stechuhren kommen dabei immer wieder 'ins Gespräch'.

Kein Zweifel - die enorm hohen Profitraten der Hochkonjunktur der Jahre 1968 bis 1970 sind in der Stahlindustrie gesunken. Nun soll die Arbeiterklasse die Zeche zahlen.

In der Hochkonjunktur haben die Stahlkonzerne unwahrscheinliche Gewinne aus der Arbeit der Kollegen gepresst: durch Überstundenhetze und ständiges Hochschrauben des Arbeitstempos. Gleichzeitig verschaffen die Konzerne sich durch Fusionierung (wie zwischen Hoesch und der Hörder Hüttenunion) oder Absprachen, die Fusionen gleichkommen, wie zwischen Thyssen und Mannesmann (ATH bzw. MM, d.Vf.), die Möglichkeit zu breit angelegten Rationalisierungen und 'Flurbereinigung'. So sind sie bestens auf die kommende Krise vorbereitet. Ihr Ziel: In dieser Krise auf Kosten der Kollegen überalterte Produktionsanlagen stillzulegen und den Widerstand gegen ihr Rationalisierungsprogramm (besonders gegen die Verlagerung der Produktion ans Meer) zu brechen.

Krisen sind im Kapitalismus unvermeidlich. Sie ergeben sich aus den Gesetzen der Profitmacherei selbst. Denn die Konkurrenz zwingt jeden Kapitalisten, immer kostensparender, d.h. mit immer besseren Maschinen immer produktiver zu produzieren, um seine Profite zu steigern. Da es immer nur auf die Profite des Einzelkapitalisten ankommt, läuft dieser Prozeß nicht planmäßig ab, sondern anarchisch im Kampf aller gegen alle. In der Hochkonjunktur investieren alle Kapitalisten ihre gesamte Kapitalmasse und weiten ihre Produktion aus, um möglichst viel zu scheffeln und um aus der nächsten Krise als Stärkste hervorzugehen.

In dem Augenblick jedoch, in dem diese Neuinvestitionen von der gesamten Industrie durchgeführt worden sind - neue Investitionen die Profite also nicht weiter steigern würden - stocken die Investitionen, und die Produktionsgüterindustrie bleibt auf ihren Produkten sitzen, die 'Wachstumsraten' sinken. Solange also Neuinvestitionen Zuwachs der Profite versprechen, werden sie durchgeführt; wenn sie keine Profitsteigerung mehr bringen, werden sie unterlassen.

Da jeder Kapitalist nur für sich investiert und den Boom auszunutzen sucht, kann es im Kapitalismus nicht zu einem geplanten wirtschaftlichen Wachstum kommen.

Die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus zeigt seine ganze Widersprüchlichkeit und Überlebtheit: die Steigerung der Produktivität, die das Mittel zum ständigen Fortschritt, zum ständigen Wachsen des Reichtums der Gesellschaft sein könnte ist in ihrer kapitalistischen Zwangsjacke eine dauernde Drohung für die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen; denn da sie allein der Profitmacherei dient, führt sie notwendigerweise zu immer neuen zyklischen Schwankungen. Die Krise führt der Arbeiterklasse klar vor Augen, daß sie im Kapitalismus nie ein sicheres Leben und steigenden Wohlstand genießen kann. Denn die Steigerung der Produktivität, die kapitalistische Rationalisierung dient nicht dazu, schwere Arbeit abzubauen und die Arbeitszeit zu verkürzen, sondern allein der Auspressung von mehr Arbeit aus dem einzelnen Arbeiter, dem Überflüssigmachen von Arbeitern statt von Arbeit.

Solange das kapitalistische Profitinteresse nicht gebrochen ist, gibt es kein Mittel gegen die Krise und kein ständiges wirtschaftliches Wachstums. Alles Gerede von 'sozialer Symmetrie', 'Gemeinwohl' und 'wirtschaftlicher Vernunft', das die SPD-Führer auf den Lippen tragen, ist reine Heuchelei und dient einzig und allein dem Zweck, die Arbeiterklasse vom Kampf um ihre Interessen abzuhalten. Zu diesem Zweck wurde die SPD-Regierung auch ans Ruder gelassen; denn sie soll den Kredit und das Vertrauen, daß sie noch in Teilen der Arbeiterklasse hat, dazu benutzen, sie zum Stillhalten zu bewegen, wenn das Kapital seine Profite auf ihrem Rücken saniert.

WIE KANN DIE ARBEITERKLASSE DAS KRISENPROGRAMM DER KAPITALISTEN ABWEHREN?

Erst durch den Sturz des kapitalistischen Ausbeutersystems kann die Arbeiterklasse sich ein Leben ohne Krise und Unsicherheit erhoffen. Der entscheidende Kampf zum Sturz der Kapitalistenklasse kann jedoch nur am Ende einer langen Kette von Kämpfen gegen das Kapital stehen. Um diesen Kampf zu ermöglichen, gilt es in den wirtschaftlichen und politischen Abwehrkämpfen der Arbeiterklasse die einheitliche Front zu schmieden. Unterm Kapitalismus muß die Arbeiterklasse um jeden Fußbreit Boden kämpfen, den ihr die Kapitalistenklasse rauben will. Gegen den ständigen Versuch der Kapitalisten, aus einem Teil der Arbeiter immer mehr Arbeit herauszupressen, um dadurch den anderen Teil auf die Straße zu setzen, muß die Arbeiterklasse für die Verkürzung der Arbeitszeit kämpfen.

DIE LINIE DIESES KAMPFES HAT DIE KPD IN IHREM AKTIONSPROGRAMM (vgl. 7.7.1971, d.Vf.) FFESTGELEGT:

Unter ihrer zentralen Losung: FÜR DEN SIEBENSTUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH nimmt die KPD den Kampf gegen verschärfte Arbeitshetze und Massenentlassungen auf.In der Hochkonjunktur tritt der unersättliche Heißhunger des Kapitals nach Mehrarbeit offen zu Tage. Brutal verschärft das Monopolkapital das Arbeitstempo und zwingt die Arbeiter zu einer unermeßlichen Zahl von Überstunden. Der Achtstundentag wurde vor über 50 Jahren durchgesetzt; zu einer Zeit, als noch nicht einmal die Fließbandarbeit normal war und die Produktivkräfte wesentlich geringer entwickelt waren als heute. Heute ist die Durchsetzung der generellen Arbeitszeitverkürzung auf sieben Stunden das wichtigste Mittel, den Folgen der Arbeitshetze, wie steigende Unfallzahlen, Zunahme der Berufskrankheiten, sinkende Lebenserwartungen usw. wirksam zu begegnen.

Die KPD erkennt jedoch, daß es in der gegenwärtigen Etappe der Klassenkämpfe, wo die Arbeiterklasse noch keine festgefügte Front gegen das Monopolkapital bildet, sondern noch hauptsächlich vereinzelte Abwehrkämpfe führt, Massenentlassungen gibt, denen auch mit der Forderung nach dem Siebenstundentag nicht wirksam begegnet werden kann.

In solchen sich meist aus Strukturkrisen ergebenden Massenentlassungen wird die KPD den Kampf für ausreichende Sozial- und Umschulungspläne, sowie ausreichende Überbrückungsgelder führen.

Für die Tarifrunde steht vor der Arbeiterklasse die Aufgabe, jetzt ihre Reihen zu formieren, um das Krisenprogramm des Kapitals zu verhindern. Jetzt den einheitlichen Kampf um die berechtigten Lohnforderungen zu organisieren, ist das beste Mittel, um den Lohnraubplänen der Kapitalisten einen Riegel vorzuschieben und die Abwehrfront der Arbeiterklasse zu schaffen, die allein die schweren Kämpfe gegen Entlassungen, Lohnraub und Arbeitshetze erfolgreich führen kann."

In einem Kasten innerhalb dieses Artikels wird gefragt: "
Hat die SPD-Regierung die Preise gestoppt, hat sie etwas gegen Mietwucher unternommen, gegen die Fahrpreiserhöhungen? Im Gegenteil; was im Kapitalismus allein zu planen ist, ist der Raub am Lebensstandard der Arbeiterklasse. Alle wirtschaftlichen Maßnahmen der SPD-Regierung bestehen deshalb auch darin, den Angriff der Kapitalisten auf die Arbeiterklasse staatlicherseits abzusichern:
-Lohnsteuervorauszahlung
-Lohnleitlinien
-Erhöhung von Krankenkassen-, Renten-, und Arbeitslosenversicherungsbeiträgen, Steuererhöhungen

das ist die SPD-Politik der Stabilitätssicherung."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 4, Dortmund Okt. 1971; Rote Fahne Nr. 30, Berlin 19.11.1971, S. 2

01.11.1971:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD vermutlich Anfang dieser Woche die Nr. 5 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 11.10.1971, 22.11.1971) mit sechs Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 19 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51. Berichtet wird vom Zwangsurlaub (vgl. 26.112.1971), vom Betriebsverfassungsgesetz (BVG - vgl. 10.11.1971) und aus Spanien von SEAT (IGM-Bereich - vgl. 18.10.1971).

Im Leitartikel zur Metall- (MTR) bzw. Stahltarifrunde (STR) heißt es: "
SCHLUSS MIT DEN SCHEINMANÖVERN: SOFORTIGE URABSTIMMUNG!

4, 5% - das ist das Angebot der Kapitalisten für die Kollegen in der Metallverarbeitung.

4, 5% - das bedeutet schon heute für jeden Metaller einen Rückgang des Reallohns um 2% gegenüber Herbst 1970.

4, 5% - das bedeutet einen ständigen Reallohnrückgang im Laufe des nächsten Jahres, der im Herbst 1972 rund 9% gegenüber Herbst 1970 betragen wird - vorausgesetzt das Tempo der Preissteigerungen wird nicht noch schneller.

4, 5% - das ist die Kampfansage der Kapitalisten auf unseren Lebensstandard, sie bedeuten, das die kommende Krise wieder auf unserem Rücken ausgetragen werden soll.

Bei Eisen und Stahl halten die Kapitalisten mit ihrem Angebot immer noch hinterm Berg zurück. Jedoch kann sich jeder ausrechnen, in welcher Größenordnung es liegen wird. Neber, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, erklärte unverhohlen, daß ein Angebot von 4, 5% wie in der Metallverarbeitung für die Stahlindustrie bei der augenblicklichen Wirtschaftslage kaum in Frage kommen könnte (WAZ vom 28.10).

Also weniger als 4, 5%! Ein solches Angebot ist für jeden Stahlarbeiter eine unverschämte Provokation, eine Herausforderung zum Kampf.

Für Brenner und die übrigen Erfüllungsgehilfen der arbeiterfeindlichen Politik der Brandtregierung (SPD/FDP, d.Vf.) jedoch nicht. Sie klopfen zwar zum Schein kämpferische Sprüche, aber kämpfen wollen sie in Wirklichkeit nicht. 'Wer Wind sät, wird Sturm ernten', so tönte Brenner auf dem IG Metall-Tag (vgl. 27.9.1971, d.Vf.). Wo bleibt denn der versprochene Sturm, blechener Otto. Oder ist dir 4, 5% und weniger nicht Wind genug?

VERZÖGERUNG UND SPALTUNG DER KAMPFFRONT - DAS IST DIE VERHANDLUNGSTAKTIK VON KAPITALISTEN UND IGM-SPITZE

Während in der Metallindustrie bereits in allen Tarifgebieten die Schlichtung vor der Tür steht, tragen sich Kapitalisten und die IG-Metall-Führer in NRW noch geruhsam 'die wirtschaftlichen Argumente' vor. Wie schon in den früheren Jahren leistet die IG-Metall-Führung den Kapitalisten bei ihrem Spaltungsgeschäft wirksame Unterstützung, indem sie zuläßt, daß die Hauptkämpfe in Metall- und Stahlindustrie zeitlich auseinandergerissen werden. Ihre Taktik geht darauf aus, daß wir unsere Kräfte in zwei zeitlich verschiedenen Kämpfen verzetteln, statt in einer festgefügten Front den Kapitalisten entgegenzutreten. Unsere schärfte Waffe ist die Geschlossenheit und Solidarität, und vor der fürchten sich die Kapitalisten und offensichtlich auch die Gewerkschaftsführer.

Es ist klar, warum die Kapitalisten gerade die Metallverhandlungen vorziehen und schnell zum Abschluß bringen wollen: In der Metallindustrie bestehen Schlichtungsvereinbarungen zwischen Kapitalisten und Gewerkschaftsführung. Die Kapitalisten wissen genau, daß die Schlichtungsverhandlungen, das Eingreifen ihres Staates als scheinbar neutrale Instanz, immer zu ihren Gunsten verläuft. Egal ob ein SPD-Minister wie Figgen oder ein 'linker' CDU-Vertreter wie jetzt Katzer den Kapitalisten beisteht: Auf die Klassenneutralität eines politischen Schlichters zu vertrauen, heißt immer, den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Das zeigte zuletzt der Tarifabschluß in der Chemie (CTR der CPK - vgl. 3.7.1971, d.Vf.).

Mit Hilfe der Schlichtung wollen die Kapitalisten die Metallverhandlungen möglichst schnell und ohne Widerstand in ihrem Sinne über die Runden bringen!

In der Stahlindustrie dagegen gibt es keine Schlichtungsvereinbarung. Hier können sie ihren Staat nicht in dieser Form einsetzen. Deshalb stellen sie sich schon darauf ein, daß sie hier auf größere Schwierigkeiten stoßen, daß es hier leichter zu Kampfaktionen der Arbeiterklasse kommen könnte. Genau aus diesem Grund haben sie die Metallverhandlungen vorgezogen: Mit der Absicht, die Stahlarbeiter durch möglichst niedrige Abschlüsse in der Metallindustrie und einem reibungslosen Verhandlungsablauf ohne größere Kämpfe zu entmutigen, um sie dann besser schlagen zu können.

Diese Taktik müssen wir durchkreuzen: Deshalb:

KÜNDIGUNG ALLER SCHLICHTUNGSVEREINBARUNGEN!

SOFORTIGE URABSTIMMUNG BEI METALL, EISEN UND STAHL!

KEINE ZEITLICHE TRENNNUNG VON METALL- UND STAHLVERHANDLUNGEN!

UND WIE ERÖFFNET DIE IG-METALL-FÜHRUNG DEN KAMPF GEGEN DIESES UNVERSCHÄMTE ANGEBOT DER AUSBEUTER?

In den Metallverhandlungen gibt sie sich wortradikal, schimpft laut auf die 'Sturheit der Unternehmer', unternimmt aber keinen Schritt, den Kampf dort zu organisieren, wo er geführt wird, im Betrieb. Die Schlichtungsvereinbarung kommt ihr gelegen, denn sie kann sie immer vorschieben, wenn die Kollegen fragen: Warum wird noch nicht gestreikt.

In den Eisen- und Stahlverhandlungen lobt sie die Verzögerungstaktik der Kapitalisten. Die Verhandlungen seien 'sachlich und nüchtern' verlaufen. Hier traut sie sich nicht so leicht zu poltern; denn hier fehlt ihr die Schlichtung als Vorwand für ihre Untätigkeit, hier müßte sie Farbe bekennen, sollte nicht ihr Komplott mit den Kapitalisten offen zu Tage treten.

Ihre Leitlinie ist: Zum Schein hart verhandeln, um die Kollegen in den Betrieben ruhig zu halten. Die schärfste Waffe des Lohnkampfes, den Streik, wollen sie erst gar nicht zum Einsatz kommen lassen. Wenn sie ihn nicht überall verhindern können, so sollen die Einzelaktionen durch ihre Hinhalte- und Spaltungstaktik begrent und isoliert werden, um eine einheitliche Kampffront zu verhindern. Diese Lehre haben wir aus den Tarifkämpfen im letzten Herbst und aus der Chemierunde gezogen.

Kollegen, wenn wir darauf warten, daß Brenner und seine Amtsgenossen zum Sturm blasen, können wir lange warten! Den Sturm kann niemand anders als wir selbst entfachen, wenn nötig ohne und gegen die Gewerkschaftsführung.

Bei Krupp in Essen (vgl. 19.10.1971, d.Vf.), sowie in Hamburg, Bremen (vgl. Vulkanwerft - 21.10.1971, d.Vf.) und Karlsruhe (vgl. MF Losert und Wolf - 18.10.1971, d.Vf.) legten Kollegen die Arbeit nieder, um die Verzögerungstaktik zu verurteilen und ihre Kampfbereitschaft zu demonstrieren.

In Hamburg waren es am vorletzten Freitag (vgl. 15.10.1971, d.Vf.) allein 3 000, letzten Freitag (vgl. 22.10.1971, d.Vf.) über 6 000 Kollegen.

Welche Antwort die Arbeiterverräter in der IGM-Metall-Spitze zu erwarten haben, haben die Kollegen von Opel/Rüsselsheim (vgl. 7.10.1971, d.Vf.) demonstriert: Sie forderten einen zweistündigen Warnstreik zur Durchsetzung ihrer Forderungen. Als daraufhin der Betriebsratsvorsitzende Lorenz die Versammlung schließen wollte, stürmten die Kolleginnen und Kollegen das Podium.

Das ist der Sturm, der sich gegen die 4, 5% der Kapitalisten erhebt. Er richtet sich zugleich gegen die Abwiegelung und Spaltung der IG-Metallspitze, gegen die verräterischen 9 - 11%.

Kollegen, sollen Kapitalisten und Gewerkschaftsführer noch soviel von schwieriger Lage und wirtschaftlicher Vernunft schwätzen: Was uns interessiert sind nicht die Profite der Kapitalisten, sondern ein Lohn, von dem wir leben können, der nicht gleich wieder von den Preissteigerungen aufgefressen wird. Die KPD hält deswegen an ihrer Forderung unbeirrt fest:

120 DM MEHR FÜR ALLE!"

Die erste Arbeiterkorrespondenz fordert: "
GESCHLOSSEN FÜR HÖHERE LÖHNE KÄMPFEN

Adjustagen gehören zu den schlimmsten Knochenmühlen. Das ist nicht nur bei uns auf der Feineisenstraße so, sondern in allen Zurichtereien der Hütte. Wer nach zehn Jahren Adjustage noch nichts abgekriegt hat, das hat das Glück auf seiner Seite.Aber das ist nicht das einzige, warum viele Kollegen nur eins wollen, nämlich hier herauskommen. Wenn in P4 viele 6, 21 oder 6, 30 oder nicht viel mehr verdienen, ist das lächerlich. Da soll der Goswin uns mal erklären, wie man von 800 DM im Monat eine Familie ernähren soll. Ja, Herr Goswin, das können sie ja mal versuchen!

Wir haben jedenfalls keine Lust, uns ewig hinhalten zu lassen. Wenn jetzt die Löhne wieder nach Prozenten erhöht werden, sind wir mit den niedrigsten Löhnen wieder am schlechtesten dran. Bei uns gibt es durchschnittlich dreizehn Punkte - das ist so ziemlich das niedrigste auf der ganzen Hütte.

Der Betriebsrat stellt sich taub. Wenn man ihn sprechen will, ist er nicht da. Wenn man ihn doch mal zu Gesicht bekommt, sagt er höchstens, wenn man mit dem Lohn nicht zufrieden ist, kann man nur kündigen. Ein kluger Rat, wo in der ganzen Stahlindustrie immer mehr Arbeitet entlassen werden oder kurzarbeiten. Auch Vernholz, der in der DKP ist, scheint nicht zu wissen, wie ernst unsere Lage ist. Er hat von den Vertrauensleuten und vor Goswin gesagt, der Betriebsrat wird etwas unternehmen, wenn die Löhne nicht heraufgesetzt werden. Ja, und wo ist der Betriebsrat jetzt?

Vor einiger Zeit (vgl. S2.*.197*, d.Vf.) war eine Sitzung von Vertrauensleuten, Vernholz und Goswin. Es ging um die Anhebung unserer Löhne. Goswin wollte sich darum bemühen - sagte er. Und was ist? Natürlich nichts.

Dafür hatten die Kapitalisten etwas anderes auf Lager. Vor einigen Wochen fing nämlich die Geschiche mit den Umsetzungen an. Eine Schicht wurde aufgelöst, 30 Mann kamen in andere Betriebe. Es wurde angekündigt, daß die 30 Mann wieder zurück nehmen müssen, wenn sie in der Feineisenstraße gebraucht werden, obwohl viele von ihnen heute mehr verdienen als bei uns. Vor kurzem (vgl. S2.1*.1971, d.Vf.) hieß es: Im November wird nur Torstahl gewalzt, weitere 40 Kollegen kommen raus. Die Namensliste der Kollegen, die 'freigestellt' werden sollen, hatte Obermeister Wiemers schon fix und fertig - da wurde alles abgeblasen. Vorläufig? Sicher ist bei uns gar nichts mehr.

Man merkt immer deutlicher, daß die Kapitalisten im Stillen irgendwelche Dinge planen wegen der Krise. Aber wir Arbeiter werden im Unklaren gelassen, was weiter passiert. Die Kapitalisten rücken absichtlich nicht mit ihren Plänen heraus, um die Kollegen einzuschüchtern. Harders meint vielleicht, wenn er mit dem Buhmann Krise droht, Schichten kürzt und von Zeit zu Zeit Abschußlisten von Kollegen aus der Tasche zieht, würden wir vergessen, daß 800 Mark im Monat eben nicht reichen und 4, 5% Lohnerhöhung ein Witz sind. So ist es aber. Und wir wären dumm, wenn es so bleiben würde. Vor einiger Zeit (vgl. S3.*.1971, d.Vf.) haben wir 75 Pfennig gefordert. Es war von Anfang an klar, daß das das mindeste ist, was wir brauchen. Vielleicht sollen Harders und die Tarifkommission mal an den September vor zwei Jahren denken, und sich fragen: Kann man den Hoesch-Arbeiter einfach übers Ohr hauen?"

Die zweite Arbeiterkorrespondenz berichtet vom
KRANFAHREN IM BLECHWALZWERK PHOENIX

Bei den Kranfahrern im Blechwalzwerk Phoenix sorgen die Kapitalisten für 'Arbeitsunsicherheit' und Unfallgefahr. Die Springergruppe 9 zum Beispiel fährt auf über 20 Kränen. Viele davon sind nicht in Ordnung. Zum Teil sind sie schon von der Konstruktion her so veraltet, daß sie offiziell schon nicht mehr geführt werden. Das bedeutet, daß sie natürlich auch nicht mehr gewartet werden. Ein Kran, den es nicht mehr gibt, braucht auch nicht mehr geschmiert zu werden! Selbst wenn nur Kleinigkeiten zu verbessern wären, wird nichts unternommen. Stattdessen müssen die Kollegen, die oben sitzen, und die, die unten einhängen, ihren Kopf hinhalten.

Zum Beispiel muß ab und zu das Eldrogerät gelüftet werden. Der Kranfahrer muß einen Schlüssel oder einen Knüppel zur Hilfe nehmen. Dabei kann es passieren, daß er sich verhakt; dann fliegt die ganze Traverse runter. Es ist klar, was mit dem Kollegen passiert, der gerade unter dem Kran steht. Außerdem kann das Material feine Risse kriegen und in Zukunft dann, wenn die Last dranhängt, jederzeit wieder runterknallen. Den Kapitalisten ist es völlig egal, ob wir dabei kaputtgehen. Ihnen geht es nur um die Profite, das heißt aber: so wenig wie möglich für Arbeitsschutz investieren! Es reicht eben, wenn ein Kran so gerade noch den Sicherheitsbestimmungen der Berufsgenossenschaft entspricht. Das gilt zum Beispiel auch für die Brückenbremsen, die nie richtig eingestellt sind. Noch nicht mal die Bremsseile werden regelmäßig abgeschmiert.

Bei Unfällen wird immer gesagt, daß das an den Kollegen selber liegt, sie würden die Sicherheitsbestimmungen nicht einhalten. Da frage ich mich, wie man denn die Sicherheitsbestimmungen überhaupt immer einhalten soll, wenn das Arbeitstempo so hoch ist und auch weitergesteigert wird. Nächstens muß man noch im Dauerlauf von einem Kran zum anderen überwechseln. Wie kommt es denn, daß wir oft gezwungen sind, andere Kräne wegzuschieben, wenn gerade keiner draufsitzt, obwohl es eigentlich bei Strafe verboten ist?

Ab und zu wird sogar ein alter Kran eingesetzt, der gar nicht mehr gefahren werden darf. Das einzige, was an dem noch ganz ist, sind die Motoren. Die Beleuchtung ist im Eimer, im Führerhaus ist kein Sitz und die Bodenbretter sind los. Man muß sich immer breitbeinig hinstellen, weil man sonst durchbricht und unten auf dem Boden landet. Eigentlich hatte man die Tür zum Führerhaus schon längst geschlossen. Da der Kran aber weiter eingesetzt wird, hat man ein paar Bretter herausgerissen, damit der Kranfahrer wenigsten durch eine kleine Öffnung ins Führerhaus 'reinkriechen' kann. Natürlich will kein Kollege auf dieser alten Kiste fahren. Deshalb wird immer darum geknobelt.

Es ist kein Wunder, daß wir bei diesen Arbeitsbedingungen 45 Mann Unterbelegschaft haben. Alle Kollegen, die neu kommen, versuchen, so schnell wie möglich wieder wegzukommen. Die Folge davon ist, daß die Schichteinteilung für die Springergruppen völlig unregelmäßig ist. Es ist fast so, daß wir heute erst erfahren, wann wir morgen Schicht haben.

Wir dürfen uns das Geschwätz der Kapitalisten, sie würden alles dafür tun, daß wir an unseren Arbeitsplätzen sicher sind, nicht länger mitanhören. Denn dann wird sowieso nichts geändert. Erreichen können wir nur etwas, wenn wir gemeinsam für ausreichenden Unfallschutz und Gesundheitsschutz kämpfen."

Auf der letzten Seite wird gefordert: "
EINHEITLICHER EXISTENZLOHN FÜR ALLE LEHRLINGE - HEUTE 500 DM

DER KAMPF DER LEHRLINGE MUSS ZUGLEICH DER KAMPF DES GESAMTEN PROLETARIATS SEIN!

Die Arbeiterjugend gehört zu den am meisten ausgebeuteten und zugleich rechtlosesten Teilen der Arbeiterklasse. Noch immer kann kein Lehrling von seiner 'Ausbildungsvergütung' leben. Noch immer müssen die Eltern die Lebenshaltungskosten während der Ausbildung ihrer Kinder bezahlen. Das heißt: Die Kapitalisten wälzen noch immer den Hauptteil der Ausbildungskosten auf die Arbeiterklasse ab. Noch immer müsen deswegen viele Arbeiterkinder, deren Eltern selbst zuwenig verdienen, ihre Ausbildungshoffnungen begraben. Noch immer werden deshalb die Kinder von Hilfsarbeitern immer wieder Hilfsarbeiter.

Wir fordern deshalb:

EINEN EINHEITLICHEN EXISTENZLOHN FÜR ALLE LEHRLINGE - HEUTE 500 DM!

Mit der Durchsetzung dieser Forderung schaffen wir für alle Jugendlichen die materielle Voraussetzung, eine Ausbildung beginnen zu können. Außerdem fordern wir damit die Entlohnung der vielen Hilfsarbeiten und produktiven Tätigkeiten, zu denen überall die Lehrlinge als billigste Arbeitskräfte herangezogen werden, für die die Kapitalisten sonst eine voll bezahlte Arbeitskraft einsetzen müßten.

Einen EINHEITLICHEN Existenzlohn fordern wir, um den Spaltungsmanövern der Kapitalisten, die mit der unterschiedlichen Bezahlung nach Alter und Lehrjahr bereits einsetzen, die bewußte Solidarität aller Lehrlinge entgegenzusetzen.

Damit wenden wir uns auch gegen die Forderung nach vollem Lohn bei Einsatz in der Produktion, weil dadurch die Lehrlinge untereinander gespalten werden.

Durch Gespräche mit vielen Lehrlingen, durch unsere Arbeit in gewerkschaftlichen Jugendgruppen haben wir erfahren, daß unsere Forderung nach einem einheitlichen Existenzlohn breite Zustimmung und Unterstützung findet. Gleichzeitig haben wir aber auch festgestellt, daß die Mehrheit der Jugendlichen der Auffassung ist, daß die 500 DM-Forderung in dieser Tarifrunde nicht durchgesetzt werden kann. Deshalb hat die KPD nach eingehender Beratung in ihren Betriebszellen, betrieblichen Sympathisantenzirkeln und Jugendsympathisantenzirkeln folgende Forderung für die laufende Tarifrunde aufgestellt:

EINE EINHEITLICHE ERHÖHUNG UM 100 DM FÜR ALLE LEHRJAHRE!

Um die Spaltung der Lehrlinge durch die gestaffelte Vergütung zu verringern fodert die KPD gleichzeitig eine gestaffelte Erhöhung zusätzlich:

FÜR DAS ERSTE LEHRJAHR ZUSÄTZLICH 35 DM!

FÜR DAS ZWEITE LEHRJAHR 20 DM!

FÜR DAS DRITTE LEHRJAHR 10 DM ZUSÄTZLICH!

Diese Forderung ist von mehreren Jugendgruppen in Westberlin, Düsseldorf und Süddeutschland als ihre Forderung für die Tarifrunde übernommen worden.

Die 100 DM-Forderung der Hoesch-Jugendvertreter (vgl. S6.**.1971, d.Vf.) weist in die richtige Richtung, weil die 100 DM die Unterschiede zwischen den einzelnen Lehrjahren nicht vergrößern würden, wie es in den Tarifabschlüssen der letzten Jahre immer der Fall war.

Sie bleibt jedoch auf halbem Wege stehen, weil sie diese Unterschiede nicht konsequent angeht und verringert.

In einer der nächsten KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSEN werden wir zum kapitalistischen Stufenplan Stellung nehmen."

In der Ausgabe wird auch geworben für die 'Rote Fahne' (RF): "
UNTERSTÜTZT DIE PROPAGANDAARBEIT DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS

Die ROTE FAHNE, das Zentralorgan der KPD, dient der Agitation und Propaganda der Ziele der Kommunisten unter den Massen der Werktätigen.

Sie legt in grundsätzlichen Artikeln die strategisch wichtigen Einschätzungen der KPD dar und erläutert die praktischen Schritte des Kampfes. Sie veröffentlicht Berichte und Enthüllungen über die Lage der arbeitenden Klasse, entlarvt exemplarisch einzelne Arbeiterverräter und Werkzeuge der Bourgeoisie, sie beschreibt mit den Mitteln der sozialistischen Reportage den täglichen Kampf der arbeitenden Masse gegen das Kapital und seine staatlichen Agenturen. Schließlich analysiert sie die Klassenkämpfe des internationalen Proletariats und die bewaffneten Kämpfe der nationalen Befreiungsfronten und kämpft für deren aktive Unterstützung.

Die ROTE FAHNE propagiert den Kampf der KPD für die Einheit der Arbeiterklasse. Sie setzt sich für die Verwirklichung der Kampfprogramme auf Betriebsebene und in den Arbeitervierteln ein. Sie fordert die Sicherung und Erweiterung der demokratischen Rechte der Werktätigen.

Oberstes Ziel und Richtschnur für die Arbeit der ROTENF FAHNE ist die Propaganda für die sozialistische Revolution in Westdeutschland und Westberlin, ist die Errichtung der Volksdemokratie mit der Diktatur des Proletariats als Kern.

ABONNIERT DAS ZENTRALORGAN 'ROTE FAHNE'!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 5, Dortmund Nov. 1971

22.11.1971:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD vermutlich Anfang dieser Woche die Nr. 6 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 1.11.1971, 17.12.1971) mit sechs Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 19 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51.

Im Leitartikel wird berichtet von der Stahltarifrunde (STR) bzw. der Metalltarifrunde (MTR) in Nordbaden/Nordwürttemberg (NB/NW - vgl. 15.11.1971)."
STATT PUNKTSTREIKS: DIE GESCHLOSSENE STREIKFRONT

Am Montag führte die IGM bei Mercedes und Audi in Nordwürttemberg/Nordbaden einen Streik durch. Aber während die Kollegen in zwei Betrieben auf die Straße gehen, sollen die übrigen Stahl- und Metallarbeiter in Süddeutschland und den anderen Tarifgebieten ruhig dasitzen und zusehen, wie durch vereinzelte 'Punktstreiks' der gemeinsame Kampf aller Arbeiter für höhere Löhne von den IGM-Führern sabotiert wird, wie die Kapitalisten durch Aussperrung, durch massive Drohungen und Entlassungen die Streiks nacheinander und in aller Ruhe zerpflücken können. Wir fordern:

SOFORTIGE URABSTIMMUNG BEI STAHL UND METALL IN ALLEN TARIFGEBIETEN!

Kollegen, was gibt es jetzt noch zu überlegen, wenn die Kapitalisten uns frech ins Gesicht sagen, sie wollten die Tarifverträge sechs Monate verlängern (vgl. 10.11.1971, d.Vf.), d.h., keinen Pfennig mehr Lohn zahlen.

Kollegen, jetzt keine ausreichenden Lohnerhöhungen zu erkämpfen bedeutet, sich schutzlos den immer unverschämteren Preissteigerungen, dem Mietwucher und den Steuererhöhungen auszuliefern. Jetzt keinen geschlossenen Kampf führen, bedeutet, sich von den Drohungen der Kapitalisten einschüchtern zu lassen.

Aber seit Beginn der Tarifrunde versucht die IGM-Führung zu verhindern, daß es zu gemeinsamen Kampfaktionen in allen Regionen und Betrieben kommt. Obwohl in NW/NB schon letzte Woche (vgl. 12.11.1971, d.Vf.) 90% der Metaller für sofortigen Streik stimmten, obwohl die Streiks bei Mannesmann/Mülheim (MM - vgl. 16.11.1971, d.Vf.), bei der ATH in Duisburg (vgl. 15.11.1971, d.Vf.), in Hamburg, Bremen und Ludwigshafen und die Kampfmaßnahmen im Stahlbau auf der Westfalenhütte (vgl. 8.11.1971, d.Vf.) die Kampfentschlossenheit der Arbeiter zeigen.

- will die IGM Spitze nur 'Punktstreiks' durchführen, um wie in der Chemie Tarifrunde (CTR der CPK - vgl. 3.7.1971, d.Vf.) die einheitliche Streikfront der Arbeiter zu spalten
- verlängerte Katzer in NRW mit Billigung der IGM Spitze die Schlichtung und Friedenspflicht mir nichts dir nichts um drei Tage (vgl. 13.11.1971, d.Vf.);
- legte der IGM-Vorstand nach dem 7, 3% Schiedsspruch (vgl. 18.11.1971, d.Vf.)
in der Metallverarbeitung und dem Abbruch der Verhandlungen in Eisen- und Stahl in NRW (vgl. 10.11.1971) für eine Woche eine Denkpause ein.

Das ist das Ergebnis der kapitalistischen Schlichtung, der regionalen Zersplitterung der Verhandlungen und der abwieglerischen Politik der IGM Spitze.

Erst an diesem Mittwoch (vgl. 25.11.1971, d.Vf.) tritt der Hauptvorstand der IGM erneut zusammen. Was er vorhat, ist jetzt schon klar: die Verhandlungen weiter zu verschleppen, Urabstimmungen hinauszuschieben und Streiks unter Kontrolle der Gewerkschaftsspitze in den Betrieben, die sie für richtig halten, durchzuführen.

Kollegen, wenn wir die Taktik der IGM-Spitze nicht durchkreuzen haben die Kapitalisten uns in der Hand!

WEG MIT DER SCHLICHTUNG!

SOFORTIGE URABSTIMMUNG IN METALL, EISEN UND STAHL!

STATT PUNKTSTREIKS - DIE GESCHLOSSENE STREIKFRONT ALLER METALL- UND STAHLARBEITER!"

Angekündigt wird eine bundesweite Vietnamkampagne (vgl. 29.11.1971), berichtet vom SPD-Parteitag (vgl. 18.11.1971) und einer landesweiten BVG-Veranstaltung der KPD in Düsseldorf (vgl. 12.11.1971).

Aus der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 19.11.1971) wird eine Arbeiterkorrespondenz von Hoesch abgedruckt (vgl. 12.11.1971), enthalten ist auch die folgende: "
ARBEITERKORRESPONDENZ
VORBEMERKUNG:

Karl Marx und Friedrich Engels schrieben 1848 im Kommunistischen Manifest: 'Ist die Ausbeutung des Arbeiters durch den Fabrikanten soweit beendigt, daß er seinen Arbeitslohn bar ausgezahlt erhält, so fallen die anderen Teile der Bourgeoisie über ihn her, der Hausbesitzer, der Krämer, der Pfandleiher usw.' Sie weisen uns darauf hin, daß die Arbeiterklasse sich nicht nur im Betrieb, sondern auch in allen übrigen Lebensbereichen gegen die kapitalistische Ausbeutung, die Senkung ihres Lebensstandards und Lohnraub wehren muß.

Gerade die gegenwärtige Situation führt uns deutlich vor Augen, daß die Analyse der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus nicht veraltet ist, wie die Arbeiterverräter seit Jahrzehnten behaupten. Der Kapitalismus hat sich nicht verändert, im Gegenteil, die Versuche, auf Kosten des Lebensstandards der Arbeiterklasse die Profite zu steigern, werden immer stärker.

Angesichts der rapide steigenden Kosten für die Güter des täglichen Lebens, Nahrungsmittel, Kleidung und Wohnung versuchen die Kapitalisten in der Tarifrunde, die Reallöhne der Arbeiter zu senken. Hatten viele Arbeiter und andere Werktätige 1969 noch gehofft, die SPD-Regierung werde diesem Ausbeutungskreislauf ein Ende setzen, ihn zumindest mildern, so sehen sie sich nun den Folgen ihrer Illusionen gegenüber:
nicht nur, daß die SPD-Regierung nichts gegen die ansteigenden Preise und nur vorsichtig etwas gegen die schlimmsten Auswüchse der Mietwucher unternimmt, sondern sie betreibt durch den von ihr geführten Staatsapparat selbst das Geschäft der Ausbeuter:
- Steuererhöhungen
- Tarifsteigerungen für Strom und Gas
- Tarifsteigerungen bei Bundesbahn und Nahverkehrsmitteln
- Beitragserhöhungen für Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung fressen weitere Teile des Lohnes auf.

Das zeigt: Der Kampf gegen die Ausbeutung des Arbeiters und der anderen Werktätigen kann nur erfolgreich geführt werden, wenn man sich von allen Hoffnungen und Illusionen über den Staat und die SPD freimacht. Diesen Abwehrkampf können wir nur dann organisieren, wenn wir nicht bei dem Kampf gegen einzelne Ausbeuter stehenbleiben, sondern uns darüber hinaus gegen das kapitalistische System als ganzes, besonders gegen den von der SPD geführten kapitalistischen Staatsapparat wenden.

Die Kommunistische Arbeiterpresse wird regelmäßig neben den Berichten aus den Hoesch-Betrieben Berichte über die Lebensbedingungen der Hoesch-Arbeiter außerhalb des Betriebesbringen und damit exemplarisch die Ausbeutungspraktiken der herrschenden Klasse und die Verfilzung von Partei- und Staatsbürokratien und Kapitalisten bei der Profitmacherei entlarven.
Gleichzeitig werden wir über Widerstandsaktionen berichten und die Schritte des Kampfes gegen die Senkung des Lebensstandards propagieren und erläutern.

Nachstehend die Korrespondenz eines Hoesch-Kollegen und seiner Frau über die Wohnbedingungen in einer Arbeitersiedlung.

WOHNUNG FÜR KINDERREICHE FAMILIEN

Wenn man in die Dortmund-Löttringhauser Sozialbau-Siedlung kommt, sieht man zuerst die abgebröckelte Farbe an den Wänden der Häuser. Wenn man dann noch an die undichten Wohnungsmauern denkt, in denen man fließendes Wasser an den Wänden hat, und an die unverschämt hohen Mieten, die man dafür zahlen muß, dann fragt man sich ernsthaft, ob man in einer Arbeitersiedlung ist.

Über die einzelnen Wohnungen kann man ellenlange Berichte schreiben, doch damit ist den Mietern nicht gedient. Sie müssen erst einmal kämpfen, daß sie ihre Wohnungen dicht bekommen und die fingerbreiten Risse verschließen, aus denen bei Regen das Wasser in Strömen läuft. Mit Eimern und Aufnehmern ist dem Übel nämlich nicht zu Leibe zu rücken. Aber die Wohnungsgesellschaft stellt sich taub, denn sie verfolgt nur ihre Gewinninteressen.

Von Leuten, die ihre Wohnung auf Protektion bekommen haben, wurden Eingaben gemacht, die alle darauf hinauslaufen, die Bewegungsfreiheit der Kinder einzuschränken. Die Kinderspielplätze liegen so, daß die Mütter die Kinder´nicht beobachten können. Mit hohen Büschen umrahmt und mit unsauberem Sand gefüllt, stellen sie eine große Gesundheitsgefahr dar: Tote Tiere werden dort gefunden, die Hunde verunreinigen die Spielplätze, und um das Maß der intelligenten Anlage vollkommen zu machen, baut die Wohnungsgesellschaft riesige Klettertürme, die für Artisten geeignet sind, aber nicht für Kinder.

Aber damit noch nicht genug!

So sucht man vergebens nach einem Arzt und einer Apotheke. 1969 z.B. ereigneten sich fünf Verkehrsunfälle, bei denen Kinder verletzt wurden, auf der Schneiderstraße. Natürlich war kein Arzt in der Siedlung zu finden, sodaß man die verletzten Kinder bis nach Hombruch bringen mußte, wo der nächste Arzt seine Praxis hat.

Das sind nur einige Beispiele dafür, welche Wohnungsbedingungen die Kapitalisten den Arbeitern zumuten. Und das alles, weil sie höchstmöglichen Profit auch aus den Lebensbedürfnissen der Arbeiterklasse erpressen wollen.

Die Mieten sind eine Domäne des Profits, das wirkt sich für uns katastrophal aus: Für eine Wohnung von 108 qm wird eine Miete (Kaltmiete) von fast 400 DM verlangt. Die Kosten für die eingebaute elektrische Heizung betragen im Monat 110 DM. Mit allem drum und dran kommt die Wohnung auf einen Kostenpunkt von etwa 600 DM. Jeder kann sich ausrechnen, was da einer siebenköpfigen Familie noch zum Leben bleibt, wenn der Vater als Arbeiter 900 bis 1 000 DM verdient. Und jetzt sollen die Mieten noch erhöht werden.

So sieht das Leben von Arbeiterfamilien in der Siedlung Dortmund-Löttringhausen aus."

Gewarnt wird bezüglich der Fusion mit Hoogovens in den Niederlanden: "
ZUSAMMENSCHLUSS HOESCH - HOOGOVENS GEPLANT!

Die Pläne der Hoesch-Kapitalisten, zusammen mit Hoogovens ein Hüttenwerk an der Nordseeküste zu bauen, sind vorläufig gescheitert. Doch Harders und seine Freunde von Hoogovens haben sich schon einen neuen Weg ausgedacht, um letztenendes doch zu ihrem Ziel zu kommen: Statt nur ein gemeinsames Hüttenwerk zu bauen, wollen sie jetzt ganz zusammengehen.

Wozu diese ganzen Pläne?

Für die Kapitalisten ist es heute schon absolut absehbar, daß ihre Profitaussichten in den nächsten Monaten und Jahren nicht mehr so rosig aussehen werden, wie in der Hochkonjunktur 1968 bis 1970. Deshalb gehen sie heute schon daran, ihre unrentabelsten Werke stillzulegen, um dafür neue, große, rationelle Werke aufzubauen. Rationell produziert werden kann aber bekanntlich nur, wenn in großen Mengen produziert wird. Also schließen sich einzelne Kapitalisten zusammen, um einerseits über einen möglichst großen Kundenstamm, andererseits über genügend Kapital zu verfügen.

Genau diesen Weg beschreiten Hoesch und Hoogovens. Mit dem zunächst rein kapital- und verwaltungsmäßigen Zusammenschluß wollen sie sich die Voraussetzungen dazu schaffen, eine tiefgreifende Rationalisierungswelle zu starten, die sämtliche unprofitable Anlagen erfassen wird, die eine Reihe von Arbeitsplätzen überflüssig machen wird. Und diesen Plänen stimmten die Arbeiter'vertreter' im Aufsichtsrat, Pfeiffer, Hölkeskamp und Konsorten, auch noch begeistert zu! Ihr 'Argument': Die paritätische Mitbestimmung kann erstmals über die Grenzen des Landes hinausgetragen werden. Jeder Kollege, der morgen arbeitslos auf der Straße steht, pfeift auf die 'paritätische Mitbestimmung', denn wenn es um seinen Arbeitsplatz geht, dann bestimmen letztenendes immer die Kapitalisten allein.

Deshalb:

GEGEN MITBESTIMMUNGSILLUSIONEN - FÜR SCHUTZRECHTE DER ARBEITERKLASSE ALS BASTION IM KLASSENKAMPF!
SOFORTIGE OFFENLEGUNG SÄMTLICHER RATIONALISIERUNGSPLÄNE!
FÜR DEN 7-STUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!
KAMPF DEM KRISENPROGRAM DER STAHLBOSSE!"

Der letzte Artikel fordert zur 'RF': "
ROTE FAHNE - FÜR DEN PLANMÄSSIGEN AUFBAU DER 'ROTEN FAHNE' ALS KOMMUNISTISCHE WOCHENZEITUNG!

Mit der Konsolidierung unseres Regionalkomitees Rhein-Ruhr, mit dem Abschluß der Vorbereitungen zur Errichtung eines dritten und vierten Regionalkomitees unserer Partei erwächst dem Zentralorgan ROTE FAHNE die Aufgabe, sich organisatorisch und technisch auf die Unterstützung der Arbeit der Partei im Maßstab der gesamten BRD einzustellen.

Unser nächstes Planziel muß es sein, die ROTE FAHNE zu einer wöchentlich erscheinenden kommunistischen Zeitung zu machen, die in der Lage ist, gegen das Monopol der reaktionären Wochenzeitungen anzugehen und den Einfluß der revisionistischen UZ (der DKP, d.Vf.) auf die Arbeiterklasse zu brechen.

Wir haben uns vorgenommen, im Frühjahr 1972 zum wöchentlichen Erscheinungsturnus überzugehen und uns das Ziel gesetzt, mit 10 000 verkauften Exemplaren pro Woche zu beginnen.

DIE KPD IST POLITISCH UND FINANZIELL VOLLKOMMEN UNABHÄNGIG.

Im Gegensatz dazu ist jedem Kollegen mit offenen Augen klar, daß die revisionistische DKP bzw. SED keinen einzigen ihrer aufwendigen Wahlkämpfe ohne Unterstützung der SED (der DDR, d.Vf.) führen könnte, daß ihr Zeitungs-, Betriebszeitungs- und Zeitschriftenvertrieb ohne diese Unterstützung zusammenbrechen würde.

Wir kennen den hohen Preis, den die Revisionisten dafür zahlen: 'Politische Unterordnung unter die Ziele der SED- und KPdSU-Führungsgruppen'. Das heißt praktisch: Unterstützung der sozialdemokratischen Regierungsclique, im Rahmen des Grundgesetzes (GG, d.Vf.) manövrierende Oppositionspartei.

Weil er die gleiche verkommene antikommunistische Logik verfolgt wie der Springer-Konzern, weil er sich nicht vorstellen kann, daß Kommunisten politisch arbeiten, ohne daß man sie Tag und Nacht mit Vergünstigungen und Prämien besticht, erklärt der Renegat Kurt Hager, Mitglied des Politbüros der SED, 'Sendboten aus Peking' würden unsere Arbeit und die anderer kommunistischer Gruppen und Parteien finanzieren.

Gerade weil wir mit den revolutionären Parteien, mit den Regierungen der Volksrepubliken und demokratischen Republiken Chinas, Vietnams, Koreas und Albaniens solidarisch sind, halten wir das große revolutionäre Prinzip hoch:

AUS EIGENER KRAFT VORAN!

Wie die Bauern der Volkskommune Dadschai es ausdrückten: Materielle Hilfe ist schnell erschöpft und ist demobilisierend. Die wirkliche Hilfe, das ist die ideologische Hilfe, die nie verbraucht ist und die in materielle Gewalt umgewandelt werden kann (S. Rote Fahne Nr. 22 (vgl. 23.7.1971, d.Vf.), der KP Chinas gewidmet).

BISLANG IST IM APPARAT DER ROTEN FAHNE OHNE JEDE FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG GEARBEITET WORDEN. Mit dem Ziel des wöchentlichen Erscheines vor Augen wird es notwendig, wenigstens drei Genossen der Produktion und des Vertriebs freizustellen. Es ist ferner notwendig, den technischen Apparat weiter aufzubauen und zu sichern und für die Erfordernisse des nationalen Vertriebs zu rüsten.

Diese Aufgaben übersteigen bei weitem die Finanzmittel der Mitglieder unserer Partei. Wir können unsere Pläne nur erfüllen, wenn
1. Eine umfassende Propandaaktion zur Steigerung der Abbonements und des Verkaufs der ROTEN FAHNE erfolgreich durchgeführt wird.
2. Wenn alle Kollegen und Freunde, die am Aufbau einer Wochenzeitung interessiert sind, die auf marxistisch-leninistischer Grundlage einen echten Beitrag zur Massenarbeit der Kommunisten leistet, großzügig den Aufbau des technischen Apparates unterstützen."

In einem Kasten wird verwiesen darauf, daß die ROTE FAHNE regelmäßig am Samstag von 10 Uhr bis 13 Uhr am Borsigplatz in Dortmund verkauft wird.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 6, Dortmund Nov. 1971

17.12.1971:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD vermutlich Ende dieser Woche die Nr. 7 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 22.11.1971, 3.1.1972) mit sechs Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 19 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51.

Berichtet wird von den Betriebsversammlungen (BV) auf der Westfalenhütte (vgl. 9.12.1971) sowie bei Phoenix und Union (vgl. 27.11.1971), vom Zwangsurlaub (vgl. 26.12.1971) und mit Hilfe der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 3.12.1971) vom Krieg zwischen Indien und Pakistan (vgl. 22.11.1971).

Im Leitartikel heißt es zur MTR u.a. in NB/NW (vgl. 10.12.1971): "
GEGEN DIE BUNDESWEITE DURCHSETZUNG DES 7, 5%-VERRATS: PROTESTSTREIK!

Während der ganzen Tarifrunde hat sich der IG Metall Vorstand auf den Standpunkt gestellt, daß die Tarifverhandlungen eine regionale Angelegenheit seien; so haben sie das Entstehen einer geschlossenen Streikfront verhindert. Jetzt, nachdem sie den Kollegen in Nordbaden/Nordwürttemberg, die 19 Tage lang gestreikt haben, mit den 7, 5% in den Rücken gefallen ist, geht sie daran, diesen verräterischen Abschluß im Einvernehmen mit den Kapitalisten zu einer Musterlösung für die anderen Tarifgebiete zu machen. Für Südwürttemberg/Hohenzollern, Südbaden (vgl. 16.12.1971, d.Vf.), Saarland, Bayern und das Unterwesergebiet haben sie den 7, 5% Verrat bereits durchgesetzt!

Vor Wochen bereits waren die Verhandlungen in NRW gescheitert. Was geschah? Der Vorstand und die Tarifkommission taten entrüstet über die 0% der Kapitalisten - und unternehmen nichts. In der Tarifkommission fand sich nicht einmal eine Mehrheit für die Urabstimmung. Es kam soweit, daß 26 Mitglieder aus der Tarifkommission für die Annahme der 0% stimmten! Darauf übergab die Tarifkommission die ganze Angelegenheit dem Vorstand, der sich seitdem zur Urabstimmung beharrlich ausschweigt. Von der Tarifauseinandersetzung in NRW, geschweige denn von Urabstimmung seit Wochen keine Rede.

Am Freitagabend letzter Woche (vgl. 10.12.1971, d.Vf.), nach dem Abschluß von 7, 5% schließlich fand der Vorstand endlich die Lösung, um Streikmaßnahmen in NRW weiter hinauszuschieben. Er empfahl den Tarifkommissionen in den anderen Tarifgebieten die Verhandlungen mit Gesamtmetall wieder aufzunehmen. Aber nicht auf Grundlage unserer Forderungen, nicht einmal auf der Grundlage der ursprünglichen Forderungen der Tarifkommission, sondern auf der Grundlage des verräterischen Abschlusses in Nordbaden/Nordwürttemberg.

Damit geht die IG-Metall Führung weiter auf dem Weg, Urabstimmung und Kampfmaßnahmen in NRW und in den anderen Tarifgebieten weiter zu verhindern.

Damit strebt sie einen für die Metaller untragbarer Abschluß mit den Kapitalisten an, den sie unverschämt 'tragbaren Kompromiß' nennen.

Damit will sie innerhalb der Lohnleitlinien der SPD-Regierung mit Gesamtmetall eine Einigung auf Kosten des Arbeiters durchsetzen.

Kollegen, die Belegschaftsversammlung auf der Westfalenhütte am letzten Donnerstag war ein Ausdruck der Kampfentschlossenheit der Hoesch-Kollegen. Die IG-Metall Führer haben bewiesen, daß sie mit allen Mitteln eine Urabstimmung über Kampfmaßnahmen verhindern wollen. Der Brief von Pfeiffer an den IG-Metall Vorstand mit der Forderung nach Urabstimmung wird bei dem höchstens ein müdes Lächeln erwirken. Kollegen, es ist an der Zeit, die Lehren zu ziehen.

An der Reihe sind Proteststreiks gegen den verräterischen Abschluß von Nordbaden/Nordwürttemberg und gegen den Versuch, diesen Abschluß auf kaltem Wege in allen Tarifgebieten durchzusetzen. Zeigen wir unsere Entschlossenheit, weiter für Lohnerhöhungen zu kämpfen, wie sie schon von den fortschrittlichsten Kollegen und Vertrauensleuten zu Beginn der Tarifrunde gestellt wurden:

120 DM MEHR FÜR ALLE!"

Zum Zusammenschluß mit Hoogovens in den Niederlanden heißt es: "
HOESCH - HOOGOVENS: SOFORTIGE OFFENLEGUNG SÄMTLICHER RATIONALISIERUNGSPLÄNE!

Am 1.Oktober 1966 schlossen sich die Dortmund-Hörder Hüttenunion (DHHU) und Hoesch zusammen. Das Ergebnis:

Das Thomasstahlwerk der Westfalenhütte und insgesamt sechs Walzstraßen wurden stillgelegt. Innerhalb eines Jahres - vom Oktober 1966 bis zum Oktober 1967 - nahm die Gesamtbelegschaft um 7 600 Kollegen ab. Die Hoesch-Kapitalisten erwirtschafteten indessen im Jahr nach der Fusion einen wesentlich höheren Umsatz - 'ein Erfolg der Rationalisierung, die sofort nach dem Zusammenschluß begann', wie die Kapitalisten offen bekennen.

Gehen wir ein paar Jahre weiter zurück.

1951 (vgl. 1951, d.Vf.) schlossen sich das Hüttenwerk Hörde und das Hüttenwerk Union zur DHHU zusammen. In der Folge wurden unter anderem stillgelegt: das Thomaswerk und das Hochofenwerk in Dortmund und die Kokerei in Dortmund. Die Belegschaft nahm seit dem Geschäftsjahr 1956/1957 ständig ab, allein zwischen 1961 und 1966 um 5 500 Kollegen. Die verschiedensten Methoden wurden dazu angewandt, angefangen von Sozialplänen über Einstellungsstopp bis zu Massenentlassungen von 1 200 Kollegen auf einen Schlag.

Und da wollen uns Harders und seine Handlanger im Betriebsrat erzählen, unsere Arbeitsplätze würden durch die Fusion Hoesch - Hoogovens nicht gefährdet!

Seit 1966 (vgl. 1966, d.Vf.) besteht der 'Rahmenvertrag' zwischen Hoesch und Hoogovens, in dem vereinbart ist, daß Hoesch einen Teil seines Bedarfs an Rohstahl und Warmbreitband bei Hoogovens deckt. An diesem Vertrag läßt sich bereits ablesen, in welchen Bahnen die Verschmelzung der beiden Konzerne ablaufen wird. Doch lassen wir Harders (vgl. S4.**.19**, d.Vf.) selbst sprechen:
'Die Lage von Hoogovens - von Hoesch aus gesehen - war denkbar günstig, wenn man von der Erkenntnis ausging, daß die Erzeugung von Roheisen und Rohstahl einschließlich der Verarbeitung des Rohstahls bis zum Halbzeug und Warmbreitband in einem integrierten Hüttenwerk an der Küste mit großen modernen Produktionsanlagen wirtschaftlicher war als im Dortmunder Raum.

Die Lage von Hoesch - von Hoogovens aus gesehen - war nicht weniger günstig. Seine weiterarbeitenden Betriebe und Werke lagen mitten zwischen den Verbrauchern an Rhein und Ruhr. Mit seiner Marktnähe war Hoesch für einen Partner, der marktfern am Meer produzierte, die ideale Ergänzung.'

Harder's Ausführungen sind eindeutig:

Die Stärke von Hoogovens liegt in der Rohstahl- und Halbzeugproduktion. Der Standort an der Nordseeküste gewährleistet, daß die Transportkosten für Übersee-Erz niedrig bleiben.

Allein aufgrund dieses Standortvorteils ergibt sich für die Herstellungskosten pro Tonne Rohstahl zwischen Hoesch in Dortmund und Hoogovens in Ijmuiden ein Unterschied von 8 bis 10 DM.

Die Stärke von Hoesch liegt dagegen in der Weiterverarbeitung. Dort ist die Lage abseits vom Meer oder von großen Wasserstraßen kein großer Nachteil, weil der Transport von Massengütern, wie Erz und Kohle, keine Bedeutung hat. Hoesch hat seine weiterverarbeitenden Betriebe mitten zwischen den Verbrauchern an Rhein und Ruhr angesiedelt, während Hoogovens weit vom Markt entfernt produziert.

Es zeichnet sich also für die Zukunft folgende Arbeitsteilung zwischen Hoesch und Hoogovens ab:

BEI HOOGOVENS WIRD DIE PRODUKTION VON STAHL, HALBZEUG UND WARMBREITBAND KONZENTRIERT, WÄHREND HOESCH DIE GANZE WEITERVERARBEITUNG ÜBERNIMMT.

Durch den 'Rahmenvertrag' ist bereits der erste Schritt in diese Richtung getan. Die weiteren Schritte sind schon eingeleitet, zum Beispiel auf dem Sektor Investitionen. Hören wir dazu noch einmal Harders:

'Im Juli 1969 (vgl. 1.7.1969, d.Vf.) ist der Aufsichtsrat dem Vorschlag des Vorstandes gefolgt, zunächst den Ausbau der Produktseite vorzunehmen. Das war damals und ist auch heute noch richtig, weil wir direkt mit Fertigprodukten in den Markt gehen können…'

Und an einer anderen Stelle (vgl. S4.**.1**, d.Vf.):

'Mit diesen Investitionen, die einen Aufwand von etwa DM 750 Mio. erfordern, wird die Verarbeitungsbasis im Dortmunder Raum, der wegen seiner Verbrauchernähe bleibende Vorteile hat, erweitert und in Richtung höhere Qualitäten umstrukturiert.'

Die vergangenen und zukünftigen Investitionspläne bei Hoesch laufen darauf hinaus, daß die Stahlbasis des Konzerns langfristig abgebaut wird. Das hat nichts damit zu tun, daß kleinere Investitionen für den Eisen- und Stahlbereich weiterhin aufgebracht werden zwecks Instandhaltung und Modernisierung sowie Ersatz verschlissener Anlagen. Die Hoesch-Kapitalisten stellen sich mit Recht darauf ein, daß die Verlagerung der Stahlproduktion an die Nordseeküste nicht so schnell ablaufen wird wie die Rationalisierungs- und Stillegungsmaßnahmen im Anschluß an die Fusion Hoesch - DHHU. Der Abbau der Stahlbasis in Dortmund wird sich über Jahre hinziehen.

Insbesondere in der nächsten Wirtschaftskrise (in dieser weniger) werden die Kapitalisten unter dem Zwang zur Ausnutzung sämtlicher Rationalisierungsmöglichkeiten ihre Methoden verschärfen. Wir müssen uns heute schon auf diese Maßnahmen vorbereiten, indem wir uns zumindest volle Klarheit schaffen über die kommenden Stillegungs- und Rationalisierungspläne der Kapitalisten. Deshalb:

SOFORTIGE OFFENLEGUNG SÄMTLICHER RATIONALISIERUNGSPLÄNE!

An den augenblicklichen Maßnahmen und Plänen der Hoesch-Kapitalisten werden die allgemeinen Gesetze deutlich, denen die Arbeiterklasse im Kapitalismus unterliegt:

Teile der Arbeiterklasse werden durch Rationalisierung auf die Straße gesetzt, andere Teile werden dafür umso schärfer ausgebeutet.

Dem können wir nur wirksam entgegentreten, indem wir für die Verkürzung des Arbeitstages bei vollem Lohnausgleich kämpfen. Einerseits wirken wir damit dem steigenden Verschleiß unserer Arbeitskraft entgegen, andererseits sind die Kapitalisten durch die Verkürzung des Arbeitstages dazu gezwungen, mehr Arbeiter einzustellen. Dadurch treten wir langfristig der Tendenz im Kapitalismus entgegen, ein ständiges Arbeitslosenheer zu schaffen und zu vergrößern. Deshalb:

FÜR DEN SIEBENSTUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!"

Gefordert wird: "
KAMPF DEM KAPITALISTISCHEN STUFENAUSBILDUNGSPLAN!

In immer mehr Bereichen der Industrie setzen sich die sogenannten Stufenausbildungspläne durch. Bei Krupp zum Beispiel wird er seit 1965 praktiziert; mit der Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes 1969 durch die SPD-Regierung wurde er gesetzlich abgesichert. Die SPD-Regierung hat sich als treue Dienerin der Monopole zum Ziel gesetzt, dem Stufenplan schrittweise in allen Branchen zum Durchbruch zu verhelfen. Für die Berufe Textilveredler und Bekleidungsnäher wurden Stufenpläne bereits gesetzlich eingeführt, für Schlosser und Elektrotechniker sowie Bau- und Glasindustrie sind sie angekündigt.

WAS BRINGT UNS DER STUFENPLAN?

Die großen Konzerne preisen ihre neuen Ausbildungspläne als entscheidenden Fortschritt in der Berufsbildungsfrage. 'Schon heute peilen wir die Zukunft an, mit einer Stufenausbildung, die auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet', heißt es bei Krupp. 'Heute Lehrlinge bei Siemens in Berlin - morgen Siemens Fachmann für alle Welt', heißt es bei Siemens, wo der Stufenplan unter der Hand eingeführt werden soll.

Was verbirgt sich hinter diesen Propagandaphrasen?

Der Stufenplan sieht vor, die Lehrzeit in drei Stufen zu unterteilen, von denen jede ein Jahr dauert. Die erste Stufe soll angeblich 'eine allgemeine Grundausbildung' vermitteln, und erst in der zweiten und dritten Stufe soll schrittweise die Spezialisierung auf einen bestimmten Beruf hin einsetzen.

Der Stufenplan legt dadurch den Grundstein zur 'beruflichen Mobilität', lehren uns die Kapitalisten. Was aber lehrt uns die Praxis?

In der Praxis verkehrt sich die sogenannte 'allgemeine Grundausbildung' zu ihrem Gegenteil: Das Ausbildungsziel der ersten Stufe heißt: 'Teilaufgaben in der Serienfertigung, praktische Leistungsfähigkeiten ohne theoretische Anforderungen' - also alles andere als eine gründliche Ausbildung.

DAS IST DIE GRUNDAUSBILDUNG IM KAPITALISMUS!

Auch das Ausbildungsziel der zweiten Stufe - 'Bedienungs- und Kontrolltätigkeit' - liegt nur geringfügig über der reinen Hilfsarbeit.

Im Stufenplan zeigt sich das Interesse der Kapitalisten, die Ausbildungskosten zu senken und die Qualifizierung der Arbeiter genau auf den jeweils nötigen Stand zuzuschneiden. Bei Krupp zum Beispiel kann nur 1/3 der Lehranfänger die Ausbildung bis zum Ende durchlaufen, 25% werden bereits nach einem Jahr ausgesiebt, weitere 45% nach zwei Jahren. Die Kapitalisten versuchen, sowenig Lehrlinge wie möglich wirklich gründlich auszubilden, damit sie später möglichst wenig Facharbeiterlöhne zahlen müssen, dafür umso mehr von uns mit Hilfsarbeiterlöhnen abspeisen können.

Ausgehend von diesem Prinzip haben die Kapitalisten Pläne über ihren betrieblichen Nachwuchsbedarf aufgestellt. Krupp zum Beispiel braucht:

25% sogenannte Betriebswerker mit einjähriger Ausbildung

45% sogenannter Facharbeiter II mit zweijähriger Ausbildung

20% sogenannter Facharbeiter I mit dreijähriger Ausbildung

10% werden schließlich zu technischen Angestellten qualifiziert.

Ganz gleich, welche Leistungen die Krupp-Lehrlinge in den Prüfungen erbringen, 25% fallen beim ersten mal durch, 45% beim zweiten mal usw. Die Ausbildung ist eben nach den Profitinteressen der Kapitalisten ausgerichtet, und nicht nach unseren Fähigkeiten und Begabungen. Wenn die Kapitalisten viele Hilfsarbeiter brauchen, dann eignen sich plötzlich viele Lehrlinge zu Hilfsarbeitern.

DAS IST 'BERUFLICHE MOBILITÄT' IM KAPITALISMUS!

Wie steht es bei Hoesch mit der Berufsausbildung?

Zur Zeit können noch fast alle Lehranfänger ihre Ausbildung voll bis zum Ende durchlaufen. Doch Harders hat in einem Vortrag (auf einer Tagung des Verbandes oberer Angestellter (vgl. S5.**.197*, d.Vf.)) schon klar gesagt, wohin der Hase läuft:

'Während früher in Unternehmen in der Regel 2/3 der Kosten für Ausbildung und 1/3 der Kosten für Fortbildung ausgegeben wurden, verlagert sich heute der Schwerpunkt immer mehr zur betrieblichen Fortbildung.'

Die mehr oder weniger gründliche und vielseitige Ausbildung der Arbeiterkinder in einer 3 - 4 Jahre dauernden Lehre soll also zunehmend ersetzt werden durch das Anlernen im Betrieb für spezielle Fertigkeiten. Dementsprechend wollen auch die Hoesch-Kapitalisten die Lehrlingsausbildung ummodeln!

WAS SAGT DER DGB ZUM STUFENPLAN?

Nach anfänglichen Protesten hat der DGB-Vorstand dem Stufenplan, wie er im Berufsbildungsgesetz (BBiG, d.Vf.) verankert ist, das Etikett einer 'fortschrittlichen Ausbildung' angeklebt. Die Gewerkschaftsspitze, die heute den reaktionären Stufenplan verteidigt, unterschlägt, daß 1948 (vgl. 1948, d.Vf.) von Vertretern der IG Metall im sogenannten 'Braunschweiger Plan' das Modell eines Stufenplans entwickelt wurde, der als eine Ausbildungseinheit verstanden wurde; d.h. daß alle Lehrlinge alle Stufen der Ausbildung ohne jede Lehrzeitverkürzung durchlaufen sollten. Hier wurde die Stufenausbildung noch als eine Ausbildung verstanden, die von einer breiten Grundausbildung zu zunehmender Spezialisierung fortschritt.

Die Billigung der derzeitigen Stufenpläne durch den DGB zeigt die totale Preisgabe seiner eigenen ursprünglichen Ausbildungsforderungen, zeigt seinen Verrat an der Arbeiterjugend.

AUCH IN DER FRAGE DER BERUFSAUSBILDUNG STEHT DIE DGB-FÜHRUNG EINDEUTIG AUF SEITEN DER KAPITALISTEN!

Die Einführung des Stufenplans ist ein Beispiel dafür, wie die Kapitalisten versuchen, die technische Entwicklung auf Kosten der Arbeiter voranzutreiben. Wir müssen deshalb den Kampf gegen die Verschlechterung der Ausbildung der Arbeiterjugend aufnehmen.

Kollegen, in unserem Interesse liegt eine Ausbildung, die uns nicht nur auf bestimmte Teilfunktionen abrichtet, und uns damit an einen bestimmten Betrieb fesselt. Wir brauchen eine Ausbildung, die uns neben technischen Fertigkeiten auch theoretische Kenntnisse vermittelt, damit wir uns auf veränderte Produktionsprozesse umstellen können und nicht gleich auf die Straße fliegen.

Wir fordern deshalb als allererste Voraussetzung für eine umfassende Berufsausbildung:

EINEN ZWEITEN BERUFSSCHULTAG FÜR ALLE LEHRLINGE UND JUNGARBEITER!

EINRICHTUNG VON LEHRWERKSTÄTTEN IN GROSS- UND MITTELBETRIEBEN, IN DENEN ALLE LEHRLINGE ALLE STUFEN DER AUSBILDUNG OHNE AUSNAHME DURCHLAUFEN KÖNNEN!

EINRICHTUNG VON SAMMELLEHRWERKSTÄTTEN FÜR LEHRLINGE AUS HANDWERKS- UND KLEINBETRIEBEN!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 7, Dortmund Dez. 1971

03.01.1972:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD vermutlich Anfang dieser Woche die Nr. 8 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 17.12.1971, 10.1.1972) mit sechs Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35 heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 19 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51.

Berichtet wird aus Vietnam (vgl. 26.12.1971) und von der DKP-BG Hoesch Union (vgl. 16.12.1971).

Zu einem Bild vom RF-Verkauf auf Seite 1 heißt es: "
Propagandatrupp der KPD in Dortmund am Westenhellweg - wir verkaufen die ROTE FAHNE jeden Samstag von 10 Uhr bis 13 Uhr am Borsigplatz und am Hermannplatz in Hörde."

Im Leitartikel wird gefordert: "
GEGEN LOHNABBAU UND STAATLICHE PREISTREIBEREI: KAMPF DER VERSCHLECHTERUNG DER LEBENSBEDINGUNGEN DER WERKTÄTIGEN!

Die Kapitalisten geraten in täglich wachsende Schwierigkeiten mit ihrer Profitwirtschaft und geben uns wieder einmal ein anschauliches Beispiel dafür, wie das aussieht, wenn wie und ihre SPD-Regierung 'Verantwortung und Risiko für das Wohl von Wirtschaft und Allgemeinheit' tragen:

Im letzten Jahr stiegen die Preise um 6, 9%; neue Preissteigerungen für die wichtigsten Grundnahrungsmittel, weiterhin für Benzin, Schnaps und Zigaretten sind angekündigt. Auf der anderen Seite sieht sich die Arbeiterklasse in der jetzt laufenden Metall- und Stahltarifrunde (MTR bzw. STR, d.VF.) - genau wie in der Chemietarifrunde (CTR der CPK - vgl. 3.7.1971, d.Vf.) im Frühjahr - brutalen Angriffen seitens Kapitalisten und Staatsapparat gegenüber, die von den Gewerkschaftsführern unterstützt werden:

- Aussperrungen, und zwar auch in nichtbestreikten Betrieben

- zeitweilige Verweigerung der Arbeitslosenunterstützung zwecks Einschüchterung der nicht gewerkschaftlich organisierten Kollegen

- Polizeigeleit für Streikbrecher

- Verhinderung von Urabstimmung und Streiks in allen Tarifgebieten außer Nordwürttemberg/Nordbaden durch die IG Metall-Führung

- schließlich die bundesweite Durchsetzung des 7, 5% Abschlusses

So sieht das also aus, wenn die Kapitalisten und ihre arbeiterfeindliche SPD-Regierung 'Verantwortung und Risiko' tragen: Die Lasten jeder kapitalistischen Wirtschaftskrise werden voll auf die werktätige Bevölkerung abgewälzt.

Ein wichtiger Punkt, an dem die Kapitalisten ihre Krisenpolitik in den nächsten Wochen durchzusetzen versuchen werden, sind die Gas-, Strom- und Nahverkehrstarife.

In Essen und Düsseldorf wurden bereits die Fahrpreise um 30%, in Düsseldorf die Stromgebühren um 20% und in Dortmund die Gastarife zwischen 8, 9% und 14, 3% erhöht. Weitere Maßnahmen sind geplant. Hinzu kommen noch die Gebührenerhöhung bei der Bundespost und die Fahrpreiserhöhungen bei der Bundesbahn. In Dortmund scheuten sich die SPD-Ratsherren nicht, den Kapitalisten 150 Mio. DM als Wirtschaftsförderung in den Rachen zu werfen, gleichzeitig 76 Schulprojekte aus dem Haushaltsplan für 1972 zu streichen, um das 52 Mio. Defizit im 1972er Haushaltplan über die Erhöhung der Nahverkehrstarife auf die werktätige Bevölkerung abzuwälzen.

An der Lohnfront bekommen die Arbeiter die kapitalistische Krisenpolitik ebenso zu spüren. Der 7, 5%-Abschluß in der Metallindustrie bedeutet Lohnabbau, bedeutet die absolute Verschlechterung der Arbeiterklasse. Für die Eisen- und Stahlindustrie haben die Kapitalisten angekündigt, daß sie noch brutaler vorgehen werden, um ein noch niedrigeres Ergebnis durchzusetzen.

Gegen die Krisenpolitik der Kapitalisten können wir nur dann erfolgreich kämpfen, wenn wir an beiden Fronten, im Kampf um höhere Löhne und im Kampf gegen die Preistreiberei, entschieden die unverschämten Angriffe der Kapitalisten zurückweisen.

DEN KAMPF GEGEN DIE PREISTREIBEREI MIT DEM KAMPF UM HÖHERE LÖHNE VERBINDEN!

Die KPD führt den Kampf gegen die Fahrpreiserhöhungen nicht unter der illusionären Forderung nach dem Nulltarif, wie die DKP-Revisionisten es tun. Denn im Kapitalismus ist es nicht möglich, einen Sektor der Wirtschaft - die Nahverkehrsgesellschaften - von den Gesetzen der Profitmacherei auszunehmen, einen Sektor zu schaffen, in dem diese nicht gelten. Erst im Sozialismus, wenn das Profitprinzip nicht mehr gilt, und die Produktionsmittel, also auch die Nahverkehrsanlagen, sich in der Hand des ganzen Volkes befinden, wird es möglich sein, diese kostenlos für alle zugänglich zu machen. Heute fordern wir solche Nahverkehrstarife, die der wirtschaftlichen Lage der werktätigen Massen entsprechen, die ohne Verzicht auf andere lebensnotwendige Dinge von der werktätigen Bevölkerung aufgebracht werden können.

Abgesehen von der Tarifrunde, wo noch einige entscheidende Schlachten zu schlagen sind, muß die Hauptstoßrichtung unseres Kampfes in den nächsten Wochen und Monaten zunächst einmal gegen die geplante Tariferhöhungen bei Gas, Strom und Nahverkehr gehen. Deshalb:

KAMPF DEN TARIFERHÖHUNGEN BEI GAS, STROM UND NAHVERKEHR!

KAMPF DER STATLICHEN PREISTREIBEREI!

Für die Tarifrunde gilt nachwievor:
120 DM MEHR FÜR ALLE!"

Eine Arbeiterkorrespondenz fordert: "
KAMPF DEM LOHNRAUB UND PREISTREIBEREI

Nach der hohen Inflationsrate 1971 wird auf uns eine weitere Geldentwertung zukommen. Die Preise werden weiter steigen. So haben wir eine Preissteigerung von ca. 6% zu erwarten. Der Lohnraub wird immer mehr verschärft, was der verräterische Tarifabschluß in der Metallindustrie zeigt, lumpige 7, 5% hat die Gewerkschaftsführung anerkannt, das deckt nicht einmal die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Auch bei uns in der Stahlindustrie und eisenschaffenden Industrie wird es nicht anders aussehen, die Gewerkschaftsführung wird auch bei uns versuchen, ihren Verrat durchzusetzen.

Es ist kaum vorstellbar, daß es die Gewerkschaftsführung jemals mit der von ihr anfänglich aufgestellten Forderung von 10% und den 9% bis 11% für die Metaller ernst gemeint hat. Ganz im Gegenteil, täuschen wollte sie uns Arbeiter; denn wann hat sie es versucht, an der von ihr aufgestellten Forderung festzuhalten? Von Anfang an schwenkte die Gewerkschaftsspitze auf die Lohnleitlinien der SPD-Führung ein. Es ist geradezu eine Frechheit: auf der einen Seite haben wir mit steigenden Preisen im Nahverkehr zu rechnen, die Lebensmittel werden 1972 auch wieder um ca. 6% teurer werden, Gas- und Strompreise steigen, die Mieten sollen um 12% bis 14% erhöht werden, die Telefongebühren und das Porto im Inland. Was die Kapitalisten uns auf der einen Seite geben, nehmen sie uns auf der andern vielemale weg.

Bei dem ständig steigenden Lohnraub, der schleichenden Inflation und der Preistreiberei ist es umso notwendiger, daß wir Stahlarbeiter an der von uns aufgestellten Forderung von 75 Pfg. mehr pro Stunde für alle Arbeiter festhalten und uns nicht mit den schäbigen 7, 5% abspeisen lassen. Die Kapitalisten geben uns gerade immer soviel, daß wir uns am Leben erhalten können, d.h. für den Kapitalisten, daß wir zur Arbeit kommen und diese auch körperlich durchstehen; daß wir abends kaputt nach Hause kommen und uns nicht mehr groß um die Familie kümmern können interessiert die Kapitalisten nicht. Nicht nur, daß ihnen die Ausbeutung im Betrieb reicht, kaum sind wir zu Hause, reißen sie einem noch den geringen Lohn aus den Händen.

Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, eines geht noch zur Hauptschule und die andere ist in der Lehre. Vom Wohnungsamt bekam ich eine Sozialwohnung von 80 qm zugewiesen. Erst zahlten wir 254 DM Kaltmiete und 312 DM Warmmiete. Über unseren Hauseigentümer bekamen wir mitgeteilt, daß ab sofort die Miete um 50 DM steigt und rückwirkend 50 DM für zehn Monate gezahlt werden müssen. Das bedeutet für uns ab Oktober 1971 362 DM Miete monatlich und 50 DM sofort zahlen. Wo soll das eigentlich bei einem so geringen Lohn herkommen. Jeder von uns Kollegen weiß doch, wie die Lohnabrechnungen im letzten halben Jahr aussah, wir mußten Einbußen bis zu 400 DM hinnehmen um die Krise der Kapitalisten auszubaden. Im September betrug mein Lohn netto noch 1 012 DM, im Oktober nur noch 950 DM und im November noch ganze 909 DM. Mein Lohn sank von Monat zu Monat durch die Streichung von Schichten. Ein Drittel meines Lohnes muß ich allein an den Hausbesitzer geben. Hinzu kommen monatlich noch 8, 50 DM Rundfunk- und Fernsehgebühren, 6 DM Zeitung, für die Haftpflichtversicherung zahle ich 52 DM, Sterbekasse und Lebensversicherung kostet mich 29, 40 DM und Benzinkosten allein für den An- und Abfahrtsweg zum Betrieb betragen monatlich 25, 52 DM. Meine Wohnung liegt nämlich 12 km vom Arbeitsplatz entfernt. Für die Ausbildung meiner Kinder muß ich monatlich 26 DM aufbringen. Allein die festen Kosten betragen monatlich rund 530 DM. Zur Ernährung meiner Familie bleiben uns gerade noch 380 DM. Davon müssen wir essen, Kleider, Schuhe und Putzmittel kaufen.

Mein Fall ist kein Einzelfall, so geht es tausenden von Hoescharbeitern. Der Herr Harders, Rosentreter, Pfeiffer und wie sie alle heißen, sollen uns das einmal vormachen, wie sie von 380 DM eine vierköpfige Familie ernähren. Wie sieht es denn bei uns Stahlarbeitern aus, wir müssen fast alle schwarz arbeiten oder uns eine zweite Steuerkarte zulegen. Das heißt für uns, daß wir nicht einen acht Stundentag haben, sondern einen 12 bis 14 Stundentag. Selbst an den Wochenenden sind wir gezwungen, soviel wie möglich Überstunden zu machen.

Um eine Verbesserung unserer Lebensbedingungen zu schaffen, und um noch ein menschenwürdiges Dasein zu haben, muß ich allen Gewerkschaftsführern sagen, daß ihre elenden Versuche auf den Betriebsversammlungen vollkommen sinnlos sind, uns die 75 Pfg. Forderung auszutreiben, indem sie noch frech behaupten, unsere Forderung sei spalterisch. Unsere Forderung würde eine tatsächliche Verbesserung unserer Lebenslage bedeuten, und was das wichtigste ist, die unteren Lohngruppen würden nicht benachteiligt werden, diese Forderung vereinigt uns Arbeiter und davor haben die Arbeiterverräter und die Kapitalisten Angst. Seit wann muß ein Kollege, der in einer niedrigen Lohngruppe ist, weniger Miete, Gas, Strom zahlen? Brot, Milch, alles ist für ihn ebenso teuer."

Diese Korrespondenz veröffentlicht die KPD, gekürzt um die ersten beiden Absätze, auch zentral (vgl. 14.1.1972).

Zur Stahltarifrunde (STR) heißt es: "
LASSEN WIR UNS NICHT VON DER HAUPTFORDERUNG ABLENKEN: 120 DM!

Die Taktik der Gewerkschaftsführung in der Metalltarifrunde war von Anfang an, die Kampffront der Arbeiter zu zerschlagen, um die verräterischen 7, 5% durchzusetzen. Es galt, die Lohnleitlinien, die in gemeinsamer Arbeit von SPD- und Gewerkschaftsspitze hinter dem Rücken der Arbeiter ausgehandelt worden waren, durchzupeitschen. Insbesondere mußte die SPD- und Gewerkschaftsspitze der Monopolbourgeoisie beweisen, daß sie gut zusammenarbeiten und in der Lage sind, die Interessen der Kapitalisten mit allen Methoden den Arbeitern aufzuzwängen. Die Bundestagswahlen 1973 (BTW, d.Vf.) stehen vor der Tür, sodaß die SPD-Führung alles daran setzen mußte, um ihre wichtige Rolle für die Monopolbourgeoisie zu erfüllen, nämlich über soziale Demagogie Teile der Arbeiterklasse irrezuleiten und die Kampffront zu spalten.

Geschickt ist es der Gewerkschaftsführung gelungen, die Tarifverhandlungen der Stahl- und Eisenarbeiter aus den Metalltarifverhandlungen herauszunehmen. Sie erklärten ganz einfach die ersten Verhandlungen mit den Unternehmern nicht etwa für gescheitert, sondern vertagten sie bis Januar 1972. Ihr lag daran, in keinem Fall eine Urabstimmung zustande kommen zu lassen, weil das eine Stärkung und Verschärfung der Tarifkämpfe bedeutet hätte. Seit drei Monaten warten die Arbeiter auf eine angemessene Lohnerhöhung. Nun wo die Kampffront der Metall-, Stahl- und Eisenarbeiter gespalten ist und der Verrat an der Arbeiterklasse in fast allen Tarifbezirken durchgeführt worden ist, können es sich die verräterischen Gewerkschaftsfunktionäre leisten, wortradikal aufzutreten. Als die Stahlarbeiter die Urabstimmung forderten, wurde sie abgelehnt, weil die einheitliche Kampffront gespalten werden mußte, damit in aller Ruhe der Verrat mit lumpigen 7, 5% durchgeführt werden konnte. Heute auf einmal spucken sie wieder große Töne von wegen Urabstimmung und Ausgleichsforderungen wie die Anhebung des Ecklohns der Stahlarbeiter auf den der Metallarbeiter. Jetzt, wo die Kampffront gespalten ist, tun sie als ob es ihnen um die Einheit der Arbeiterklasse ginge. Die Taktik der Gewerkschaftsführer ist klar, jetzt, wo die Stahlarbeiter von den Metallarbeitern isoliert sind, können sie eine solche Forderung aufstellen, weil der von ihnen gefürchtete 'Flächenbrand' erst einmal gebannt ist.

Was versteht die Gewerkschaftsführung eigentlich unter 'Vereinheitlichung' der Arbeiterklasse, was sind ihre Ziele?

Während der Metalltarifrunde stand die Angleichungsforderung im Hintergrund. Auf einmal wird sie propagandistisch in den Vordergrund gespielt, um von der eigentlichen Hauptforderung, nämlich der nach einer angemessenen Lohnerhöhung, abzulenken. Ihr Ziel ist, auf diese Weise auch die verräterischen 7, 5% durchzusetzen. Taktisch geht die Gewerkschaftsführung skrupellos vor, sie weiß genau, daß die Angleichungsforderung von den Arbeitern massiv unterstützt wird, weil die Arbeiter für ihre Einheit kämpfen.

UNSERE FORDERUNG BLEIBT: 120 DM MEHR FÜR ALLE!

Wir halten an dieser Forderung fest, denn gerade die absolute Forderung hat die Vereinheitlichung der Arbeiterklasse und die Verbesserung ihrer Lebenslage zum Ziel. Deswegen gilt es: nicht, wie die Gewerkschaftsführer eine vereinheitlichende Forderung dann aufzustellen, wenn die gemeinsame Kampfbasis der Metall- und Stahlarbeiter zur Durchsetzung der Forderung zuvor von ihr gespalten worden ist.

Gerade bei den Stahlarbeitern, die eine lange Kampftradition haben, werden es die Gewerkschaftsführer in enger Zusammenarbeit mit der SPD-Regierung versuchen, die 7, 5% zum Tarifabschluß zu bringen. Sie werden keine Scheu haben, sich der Unterdrückungsinstrumente des bürgerlichen Staatsapparates wie Polizei gegen kämpfende Arbeiter zu bedienen.

Die Stahlkapitalisten werden ein besonderes Interesse daran haben, daß es zu einem niedrigen Lohnabschluß kommt, da die Stahlindustrie mit am stärksten von der Krise betroffen ist. Es wird den Kapitalisten nicht gelingen, ihren Verrat ohne Kampfmaßnahmen der Arbeiter durchzusetzen.

WIR FORDERN: SOFORTIGE ZUSAMMENKÜNFTE DER VERTRAUENSLEUTE ZUR BERATUNG ÜBER EINZULEITENDE KAMPFMAßNAHMEN!"

Im letzten Artikel wird u.a. berichtet von Parteitag (vgl. 25.11.1971) bzw. 'Thesen' (vgl. 30.7.1971) der DKP: "
SOZIALISTISCHE REPORTAGE

VORBEMERKUNG

Die auf dem DKP-Parteitag Anfang Dezember verabschiedeten Thesen, das Hinterherlaufen der DKP-Führung hinter der IGM-Spitze in der Tarifrunde, haben aufs Neue bewiesen: Das Ergebnis der Politik der DKP-Führung ist, die Arbeiterklasse an die Politik der Sozialdemokratie, der Dienerin der Monopole, zu binden und dadurch vom konsequenten Kampf gegen das Monopolkapital und für den Sozialismus abzubringen.

Gerade heute, wo das Monopolkapital seinen Angriff auf die Lebenslage der Massen und die demokratischen Rechte mit Hilfe der SPD-Regierung durchzusetzen versucht, behauptet die DKP-Führung, der Hauptfeind der Arbeiterklasse sei das sogenannte Rechtskartell, 'die gefährliche Sammlung der neonazistischen und ultrarechten Kräfte'. Die demokratischen und sozialistischen Kräfte heute ausschließlich auf den Kampf gegen die äußerste Reaktion zu konzentrieren, bedeutet nichts anderes, als die Arbeiterklasse über die wirklichen Taktiken und die wirklichen Absichten der Monopolbourgeoisie zu täuschen. Denn diese baut heute darauf, daß die arbeiterfeindlichen Maßnahmen in Wirtschaft und Politik am besten von der SPD-Regierung durchgesetzt werden können, da diese noch bei Teilen der Werktätigen gewisses Vertrauen genießt und durch ihr Gerede von inneren Reformen sozialistische und einheitsstaatliche Illusionen verbreitet. Unter diesem Deckmantel setzt sie die Lohnleitlinien, die Preissteigerungen durch und baut den staatlichen Unterdrückungsapparat, Polizei, Militär, Klassenjustiz aus, um der Monopolbourgeoisie die Mittel zur terroristischen Niederhaltung der Arbeiterklasse bereit zu legen. Wer das wie die DKP-Führung verschleiert, der spaltet den Kampf der Arbeiterklasse gegen das Monopolkapital.

Die KPD hat klargestellt, daß sie den Faschismus vom ersten Tag an entschieden bekämpft und hat das in ihren antifaschistischen Kundgebungen und Demonstrationen bewiesen.

Sie weiß aber sehr wohl, daß den politischen Kampf gegen das Monopolkapital führen heute heißt, den Hauptstoß gegen den von der SPD geführten Staatsapparat zur richten.

Wie ernst es den Revisionisten in ihrem Kampf gegen die reaktionären Kräfte ist, zeigt, daß sie bisher alle Angebote der antifaschistischen Aktionseinheit von Seiten der marxistisch-leninistischen Kräfte abgelehnt haben.

Gleichzeitig schürt die DKP alle sozialdemokratischen und reformistischen Illusionen, die die deutsche Arbeiterklasse schon mehrfach um die Früchte ihrer Kämpfe brachte und dem Monopolkapital auslieferte. Wie die SPD in der Weimarer Zeit propagierte sie die Illusion, die Arbeiterklasse könne noch im Kapitalismus ihre Interessen durchsetzen und das Monopolkapital 'zurückdrängen' - durch Mitbestimmung, Parlament, bürgerliche Gesetze. Sie konstruieren die Phase einer 'antimonopolistischen Demokratie', in der die Arbeiterklasse und die anderen 'demokratischen Kräfte' an der 'Zurückdrängung und schließlichen Überwindung der Macht des Monopolkapitals' arbeiten. Hinter diesen Sätzen lugt doch ganz klar die Illusion von der Sozialpartnerschaft hervor. Als würden die Monopole scheibchenweise sich ihre Alleinherrschaft nehmen lassen und die politische und wirtschaftliche Macht mit der Arbeiterklasse teilen, als würde sie sich die wirtschaftlichen und politischen Machtmittel aus der Hand nehmen und die Gesetze der kapitalistischen Profitmacherei außer Kraft setzen lassen.

Was heißt das anderes, als daß die DKP-Führung die Arbeiterklasse vom Kampf abhält?

Der Kampf um die demokratischen Rechte und gegen die Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen kann immer nur Abwehr der Angriffe der Monopolbourgeoisie bedeuten. Sicherheit, steigender Lebensstandard und umfassende Demokratie für die Werktätigen sind nur im Sozialismus möglich, wenn die Macht der Kapitalistenklasse gestürzt ist.

Die Kämpfe um die demokratischen Rechte sind die Schule des entscheidenden Kampfes, in ihnen muß der Arbeiterklasse die Beschränktheit der bürgerlichen Demokratie und die Notwendigkeit des Sozialismus erklärt werden. Wer jedoch - wie die DKP - sie anstelle des Kampfes für den Sozialismus setzt, der hält die Werktätigen in den Armen des Monopolkapitals.

Die DKP-Führung hat große Angst, daß immer weitere Teile der Arbeiterklasse das erkennt. Deswegen ihre Hetze und ihre Verleumdungen gegen alle wahrhaften Kommunisten, ihre Weigerung, mit den marxistisch-leninistischen Kräften Aktionsbündnisse einzugehen. Konsequenterweise bringt ihr Haß gegen die Kommunisten sie dazu, offen die Geschäfte des Klassenfeindes zu tätigen: DKP-Mitglieder unterstützen auf Anweisung des Parteivorstandes Verbotsanträge gegen die marxistisch-leninistischen Organisationen.

Daß diese Leute, die das sozialistische Ziel aufgegeben haben, auch in den Abwehrkämpfen der Arbeiterklasse gegen die Übergriffe der Kapitalisten letztlich Verrat üben, die Arbeiter aus den Scheinmanövern von SPD- und Gewerkschaftsspitze auszuliefern, das zeigt die Tarifrunde bei Metall und Stahl. Sie machten der Arbeiterklasse vor, als wolle die IGM-Führung ernsthaft gegen die Lohnleitlinien kämpfen, beschworen die Gewerkschaftseinheit, die für sie nichts anderes heißt als die Unterordnung unter die verräterische Führung, und machten jendes Manöver der IGM-Spitze mit.

Die Politik des DKP-Betriebsrats und Mitglied der Tarifkommission Vernholz ist sattsam bekannt. Die Kollegen in der DKP, die mit dieser Politik unzufrieden sind, die aber vor der Auseinandersetzung kneifen und nur privat den Mund aufmachen, die wie der Kollege Wetzel im wahrsten Sinne des Wortes hinter Vernholz herrennen, um die empörten Kollegen zu besänftigen, und den 'schlechten Eindruck' zu verwischen, dann aber, wenn die entscheidenden Kämpfe in der Tarifrunde auf der Tagesordnung sind, kneifen und sich auf Bildungsurlaub schicken lassen, denen müssen wir sagen: Eure Unzufriedenheit hat keine positiven Konsequenzen für die Kollegen. Solange ihr die Verrätereien der IGM-Spitze nicht anprangert und den Widerstand dagegen unterstützt, übernehmt ihr die Funktion der linken Demagogen, die mit großen Worten vom Klassenkampf die Verräter am Klassenkampf decken."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 8, Dortmund Jan. 1972; Rote Fahne Nr. 34, Berlin 14.1.1972, S. 7

10.01.1972:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 3.1.1972, 11.1.1972) mit zwei Seiten DIN A4 ohne presserechtlich Verantwortlichen heraus: "
DEN KAMPF JETZT WEITERFÜHREN!

Sofortige Belegschaftsversammlungen auf der Westfalenhütte, bei Phoenix und Union!
Schluß mit den Hinhaltemanövern der IGM-Spitze!
120 DM mehr für alle!

Heute haben die Kollegen der Hoesch-Hüttenwerke, von Mannesmann (MM, d.Vf.) und Rheinstahl (beide in Duisburg, d.Vf.) den Kapitalisten und der IGM-Spitze gezeigt, daß sie sich nicht weiter hinhalten lassen, daß sie für ihre Forderungen kämpfen.

Die 23 000 Kollegen von Hoesch, die 5 000 Kollegen von Mannesmann und 1 000 Kollegen von Rheinstahl haben durch die spontane Niederlegung der Arbeit gezeigt, daß die Stahlarbeiter es sich nicht gefallen lassen werden, daß ihnen die verräterischen 7, 5% oder sogar 4, 8% aufgezwängt werden.

Seit Wochen haben Kollegen und ihre fortschrittlichen Vertrauensleute die Tarifkommission aufgefordert, Kampfmaßnahmen vorzubereiten. Sie haben zur Herstellung einer einheitlichen Kampffront die sofortige Urabstimmung gefordert. Jetzt, wo die Kollegen von der Hinhaltetaktik der Gewerkschaftsspitze genug haben und ohne sie Kampfmaßnahmen einleiten, da endlich sieht sich die Tarifkommission gezwungen, radikal aufzutreten, die Verhandlungen für gescheitert zu erklären und Urabstimmung zu fordern.

Kollegen, lassen wir uns dadurch nicht täuschen! Damit wollen sie die Kollegen weiter hinhalten und in ihnen die Hoffnung erwecken, jetzt würde die IGM-Führung handeln.

Daß die IGM-Spitze alle Mittel einsetzt, um die streikenden Kollegen vom Kampf abzuhalten, das beweist der Streik auf der Westfalenhütte:
Nachdem in der Maschinenabteilung vom Warmbreitband schon die Nachtschicht die Arbeit gegen 4 Uhr niedergelegt hatte, schlossen sich die Kollegen der Frühschicht aus der Bauabteilung, dem Stahlbau und SM 2 und 3 der Streikfront an. Sie zogen über das Werksgelände und forderten weitere Abteilungen auf, sich in die Streikfront einzureihen. Da fielen VK-Leitung und Betriebsrat auf ihrer gemeinsamen Sitzung um 7 Uhr den Kollegen in den Rücken: Sie lehnten den Streik mehrheitlich ab.

Als sich 50 Kollegen am Tor 5 versammelten, um durch den Betrieb zu marschieren, erschien Betriebsrat Simon und Vernholz mit einer Flüstertüte und versuchten, den Kampf der Kollegen abzuwiegeln. Vernholz ging zum Schein auf die Empörung der Kollegen ein, drosch kämpferische Phrasen, um zum Schluß zu behaupten, wir würden ins offene Messer laufen, wenn wir streiken. Simon versuchte den Kollegen einzureden, die Tarifkommission und der Vorstand würden ja den Kapitalisten entgegentreten und die notwendigen Maßnahmen einleiten; deswegen sei ein Streik nicht nötig und würde die Kampfposition nur schwächen.

Als er mit diesem Geschwätz keinen Erfolg hatte, verbreitete er die Gerüchte, die Kollegen vom Warmbreitband hätten die Arbeit schon wieder aufgenommen und bei Phoenix und Union werde überhaupt nicht gestreikt. Trotz der Gerüchte zogen die Kollegen durch das Werk. Der Zug wuchs auf ca. 2 000 Mann. Mehrmals noch versuchte Simon, die Kollegen wieder zur Arbeitsaufnahme aufzufordern. Keiner wollte ihm jedoch mehr zuhören. Der Zug setzte sich in Bewegung zum Borsigplatz und von dort zur Hauptverwaltung. Eine Gruppe von Kollegen stürmte in die Vorhalle, sie riefen 'Harders wir kommen!' und 'Harders weg, hat kein Zweck!'.

In diesem Augenblick, wo der Kampfeswille seinen Höhepunkt erreicht hatte, die Kollegen aber - ohne Streikleitung, ohne Lautsprecher - nicht wußten, wie es weitergehen sollte, wo sie über die weiteren Kampfesschritte hätten beraten und sich eine Streikleitung wählen müssen, da trat Schrade, Sprecher der VK-Leitung, auf. Ihm gelang es, die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Kampfmaßnahmen auszunutzen und die Kollegen wieder zur Arbeitsaufnahme zu bewegen. Er verwies auf die VL-Vollversammlung heute früh und versicherte, die Vertrauensleute würden sich für 10% und für Urabstimmung aussprechen. Der 'wilde' Streik habe nun sein Ziel erreicht, er würde für die Arbeitgeber eine Lehre sein. Jetzt sollten sie wieder zur Arbeit gehen.

Kollegen, das ist Verrat! Das ist die Politik Ruhe um jeden Preis.

Wir werden uns nicht von solchen Arbeiterverrätern und scheinradikalen Typen abwiegeln lassen, sondern wir werden für unsere Forderungen kämpfen.

Wir müssen an unserer Forderungen festhalten 75 Pfg. mehr für alle!

Wir müssen den Streik weiterführen, unsere Streikleitung wählen aus Kollegen, die unser Vertrauen haben!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Den Kampf jetzt weiterführen!, Dortmund o.J. (10.1.1972)

11.01.1972:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 10.1.1972, 14.1.1972) heraus, der uns leider bisher nicht vorlag.

Die KPD (vgl. 14.1.1972) berichtet: "
Die KPD hat in ihren Flugblättern bei Hoesch und Mannesmann die Manöver der Demagogen vom Dienst entlarvt und dem Kampf der Kollegen die richtige Perspektive gewiesen: 'Kollegen, für uns muß gelten - wir werden uns nicht von solchen Arbeiterverrätern abwiegeln lassen, sondern weiter für unsere Forderungen kämpfen. Wir müssen an unserer Forderung festhalten: 75 Pfennig mehr für alle! Wir müssen den Streik weiterführen und unsere Streikleitung wählen aus Kollegen, die unser Vertrauen haben.' (Streikflugblatt der Kommunistischen Arbeiterpresse, Hoesch, 11.Januar 1972)."
Q: Rote Fahne Nr. 34, Berlin 14.1.1972, S. 1; Kommunistische Arbeiterpresse KWU Nr. 8, Berlin 21.1.1972

14.01.1972:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 11.1.1972, 26.1.1972) mit einer Seite DIN A 4 ohne presserechtlich Verantwortlichen heraus: "
STREIK FORTSETZEN!
500 HOESCH-KOLLEGEN MARSCHIERTEN HEUTE ZUM DGB-HAUS
DIE KPD FORDERT: 75 PFG. MEHR FÜR ALLE!

Streik und eine Demonstration zum DGB-Haus am Ostwall, das war die Antwort der Kollegen von der Westfalenhütte auf den verräterischen Abschluß der IGM-Führung. Durch die komplizierte Rechnung sollten die Kollegen getäuscht werden. Doch jeder durchschaute den 6% VERRAT! 'Kostenneutrale' Vorweganhebung und 'Nettopauschale' von 200 DM ändern nichts am Lohnraub. Der Effektivlohn wird bei weitem nicht abgesichert. Noch schmählicher als bei Metall (MTR, d.Vf.) ist das Ergebnis. Verzweifelt versuchten auch heute 'linke' SPD und DKP 'Arbeitervertreter' die Kollegen vom Kampf abzuhalten. Doch über 500 Kollegen zogen los. Am Ostwall zwangen sie durch Sprechchöre den IGM-Bonzen, den 1. Bevollmächtigten Dieterich, Farbe zu bekennen. Vergeblich versuchte er sich und seinen Kumpanen in der IGM-Spitze zu verteidigen. Überall wurden Rufe laut wie: 'Seit 25 Jahren habt Ihr uns verraten' und 'Du bist ja ein Arbeitgebervertreter'. Über zwei Stunden dauerte die Demonstration vor dem DGB-Haus. In vielen Abteilungen wurde auch nach Schichtwechsel weitergestreikt. Kollegen, heute Nacht und nächste Woche muß weitergestreikt werden, auch bei Union und Phoenix. Nur gegen die Arbeiterverräter können wir unsere Forderungen durchsetzen.

ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN DEIN STARKER ARM ES WILL!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Sonderdruck Streik fortsetzen!, Dortmund Jan. 1972

26.01.1972:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die KPD die Nr. 9 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 14.1.1972, 17.2.1972) mit acht Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 15, Postfach heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 19 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51. Herausgeber ist nun nicht mehr die KPD allgemein sondern deren Zelle Westfalenhütte.

Berichtet wird aus NRW von der Gründung der Liga gegen den Imperialismus (LgdI - vgl. 15.1.1972) der KPD.

Der Leitartikel befaßt sich mit dem Streikgeschehen (vgl. 10.1.1972, 14.1.1972), ein weiterer Artikel befaßt sich mit dem Brief des Hoesch-Vorstandes an die Kollegen (vgl. 17.1.1972).

Gezogen werden auch: "
DIE LEHREN AUS DEM STREIK

Der VL-Körper muß zum Kampfinstrument der Arbeiterklasse werden; nur dann werden wir unsere Forderungen durchsetzen können. Wir müssen die fortschrittlichsten, klassenbewußtesten Kollegen und Kommunisten in den VL-Körper wählen. Die KPD unterstützt alle fortschrittlichen Vertrauensleute. Die Arbeiterverräter aber, die die Arbeiter einerseits irreführen und andererseits dann an die Kapitalisten verkaufen, müssen offen entlarvt und bekämpft werden.

Mit Unterstützung aller fortschrittlicher Kollegen wird die KPD im VL-Körper und Betriebsrat kommunistische Fraktionen aufbauen, die die Arbeiterverräter in jedem Einzelfall entlarven und alle fortschrittlichen Kollegen fest zusammenschließen. Dadurch schafft die KPD die Voraussetzungen, die Kämpfe der Arbeiterklasse immer besser organisieren und anleiten zu können und gegen die arbeiterfeindliche Gewerkschaftsführung eine breite Oppositionsbewegung zu entfalten.

Aber nicht nur die linken SPD-Vertrauensleute haben in diesem Streik gezeigt, daß sie sich in den entscheidenden Situationen auf die Seite des Klassenfeindes schlagen, sondern auch der DKP-Führung gelang es, ihre spalterische und arbeiterfeindliche Politik durchzusetzen und somit den Arbeiterverrätern noch ordentlich in die Hände zu spielen. Einig war sie von Anfang an mit der Gewerkschaftsführung, daß eine spalterische Prozentforderung aufgestellt werden muß. Ihre Nachtrabpolitik gegenüber der Gewerkschaftsspitze hat sich während der ganzen Tarifrunde gezeigt. Nachdem in den meisten Betrieben eine absolute Forderung aufgestellt worden war, so bei Hoesch die nach 75 Pfennig mehr für alle, rückte die DKP-Führung immer noch nicht mit einer zentralen Forderung heraus. Sie wagte sich erst vor, nachdem die Gewerkschaftsspitze die 10%-Forderung ausgegeben hatte. Gerade bei Hoesch führte sie damit die in der DKP organisierten Kollegen in den offenen Widerspruch zur Parteispitze. Die in der DKP organisierten Kollegen setzten sich im Betrieb für eine absolute Forderung ein und lehnten die spalterische 10%-Forderung ab. Erneut fielen die DKP-Führer ihren Mitgliedern in den Rücken, als sie sie an Kampfmaßnahmen hinderten:

'Haltet still! Wartet die Urabstimmun ab!. Dann werden wir kämpfen; aber ja nicht ohne die Zustimmung der Gewerkschaftsspitze!'

Zum dritten Male führte sie ihre Mitglieder hinters Licht, als sie die Forderung nach einem Haustarif aufbrachte, die auch nur zu gern von den linken SPD'lern unterstützt wurde. Es ist klar, was die Forderung nach einem Haustarif in diesem Lohnkampf bedeutet, in dem sich die Kapitalisten als Klasse zusammengeschlossen haben: Aufsplitterung der einheitlichen Front der Stahlarbeiter in Teilkämpfe einzelner Betriebsbelegschaften.

Diesem Verrat, den Kampf der Hoesch-Kollegen in die Isolation zu treiben und ihm damit jede Aussicht auf Erfolg zu nehmen, setzte die KPD ihre Parole entgegen:

Jetzt Streik aller Stahlarbeiter in Nordrhein-Westfalen!

Am Freitag (vgl. 14.1.1972, d.Vf.) wagten es die DKP-Führer sogar noch, mit einem Flugblatt herauszukommen, in dem sie den IG-Metall-Vorstand gegen die Empörung der Stahlarbeiter in Schutz nahm.

Der Streik hat deutlich gezeigt, daß er nur erfolgreich geführt werden kann, wenn eine Streikleitung aus den fortschrittlichsten Kollegen gewählt wird, die den Streik zielbewußt und einheitlich bis zu Ende führen!

Als der VK bei Hoesch die Forderung nach 75 Pfg. mehr für alle aufstellte, tat er es unter dem Druck der Hoesch-Arbeiter. Damals trat der VK-Vorstand noch wortradikal auf und tat so, als ob er sich für diese Forderung auch einsetzen würde. In den vier Monaten seit Kündigung des Tarifvertrages gab er sich scheinbar fortschrittlich und kämpferisch, wenn nichts in die Tat umgesetzt werden mußte. Als den Stahlarbeitern der erste Schlag von Kapitalisten und Gewerkschaftsführung versetzt wurde, als die Stahl- und Eisenarbeiter aus den Metalltarifverhandlungen herausgenommen wurden, schwieg er. So wurde auch nicht mehr von den 75 Pfg. gesprochen, sondern willig die 10%-Forderung übernommen.

Aktivität täuschte der VK vor, indem er endlose Appelle an die Gewerkschaftsführer richtete, mit der Forderung nach Urabstimmung. Wie nicht anders zu erwarten war - und das war dem VK-Vorstand von vornherein klar - wurde einer nach dem anderen abgelehnt. Aber der VK-Vorstand mußte schließlich vor den Arbeitern so tun, als ob: 'Wir versuchen ja alles! Wartet doch diese Resolution ab, vielleicht auch noch die nächste! Haltet nur solange still!' Auf diese Art und Weise versuchte er die Kollegen immer wieder an sich zu binden, um ja Kampfmaßnahmen zu vermeiden. Die Parole der Kapitalisten und der Gewerkschaftsführung mit ihren Handlangern im VK und insbesondere im VK-Vorstand war, die Stahlarbeiter zu isolieren, um die verräterischen 6% durchzupeitschen. Linke SPD'ler wie Schrade und Werski haben sich von Anfang an die Forderung der Kollegen nur zu eigen gemacht, um sie zu täuschen und von Kampfmaßnahmen abzuhalten.

Noch ist es nicht gelungen, daß sich die fortschrittlichsten Kollegen im VK zusammenschließen und die Interessen der Arbeiter durchsetzen. Immer noch machen sich die Arbeiterverräter im VK-Vorstand breit, immer wieder gelingt es ihnen, die fortschrittlichen VL niederzuhalten. Als verlängerter Arm der SPD- und Gewerkschaftsführung tun diese Herren alles, um über soziale Demagogie Teile der Arbeiter irre zu leiten und die Interessen der Kapitalisten im Betrieb zu sichern.

So beschloß der VK-Vorstand am Montag (vgl. 17.1.1972, d.Vf.) einfach, daß der Streik nicht weitergeführt werden soll. VK-Sprecher Schrade bot sich immer wieder für die Kapitalisten und Gewerkschaftsführung an, den Streik abzuwiegeln. Die Arbeiterverräter haben deutlich gezeigt, daß sie sich solange wortradikal gebärden, wie es den Interessen der Kapitalistenklasse und der Gewerkschaftsführung nicht schadet; in den entscheidenden Situationen schlagen sie sich jedoch immer auf die Unternehmerseite und fallen den Kollegen in den Rücken.

KOLLEGEN KÄMPFEN WIR FÜR EINEN STARKEN VERTRAUENSLEUTEKÖRPER ALS KAMPFINSTRUMENT DER ARBEITERKLASSE!

BAUEN WIR IN DER GEWERKSCHAFT EINE STARKE REVOLUTIONÄRE OPPOSITION AUF!

ENTLARVEN UND BEKÄMPFEN WIR ENTSCHIEDEN ALLE ARBEITERVERRÄTER!

KAMPF DER REVISIONISTISCHEN DKP-FÜHRUNG UND IHREN HANDLANGERN IM BETRIEBSRAT UND VERTRAUENSLEUTEKÖRPER!"

Ein weiterer Artikel lautet: "
SUBVENTIONEN FÜR DIE KAPITALISTEN - STAATLICHE PREISTREIBEREI FÜR DIE WERKTÄTIGEN:
DAS IST DER KLASSENCHARAKTER DES KAPITALISTISCHEN STAATSAPPARATS!

Am 1.März 1971 erhöhten die Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) den Grundpreis für Haushaltstarife um 50 Pfg. Die meisten der anderen Elektrizitätswerke in der Bundesrepublik erhöhten die Strompreise ebenfalls.

Die gleiche Entwicklung spielt sich zur Zeit bei den Gaspreisen und dem Nahverkehr ab: In Dortmund z.B. stiegen die Gaspreise (vgl. S5.**.197*, d.Vf.) zwischen 9 und 14, 3%, die Fahrpreise im Nahverkehr (vgl. S5.**.197*, d.Vf.) wurden um rd.25% angehoben.

Diese Maßnahmen sind Teil des umfassenden Angriffs, den die Kapitalisten mit aktiver Unterstützung der SPD-Regierung zur Zeit gegen die Bevölkerung der Bundesrepublik verschärft führen. Durch staatliche Preistreiberei leistet die SPD-Regierung einen entscheidenden Beitrag, den Monopol-Kapitalisten ihre durch die Krise angeschlagenen Profite zu erhalten.

VEW: ERHÖHUNG DER HAUSTARIFE - VERBILLIGTE INDUSTRIETARIFE

Die VEW-Bosse jammern uns vor, wie schlecht es ihnen doch gehe: '180 Mio. DM jährliche Mehrkosten für die gesamte Stromerzeugung in der Bundesrepublik. Bei den Elektrizitätswerken, die zur Stromerzeugung vorwiegend Steinkohle verwenden (wie z.B. VEW), beträgt die Mehrbelastung 30 Mio. DM. Diese Mehraufwendungen können nicht von den Elektrizitätswerken aufgefangen werden.'

Die VEW-Bosse gingen den Ausweg, den Kapitalisten in solchen Fällen immer nehmen: sie erhöhten die Strompreise für die werktätige Bevölkerung und sorgten so dafür, daß die Stromproduktion auch weiterhin ein profitables Geschäft bleibt. Sie schütteten für das Geschäftsjahr 1970, wie schon in den Vorjahren, eine Dividende von 14% aus. Das macht einmal mehr deutlich, was von der 'sozialen Verpflichtung' der staatlichen Versorgungsbetriebe zu halten ist; denn die VEW-Aktien befinden sich zum größten Teil in der Hand von Kommunen und Landschaftsverbänden im Ruhrgebiet.

VEW hat im Dortmunder Raum Verträge mit ca. 800 'Sonderabnehmern', sprich mittleren und großen Industrie-Kapitalisten. So z.B. mit den Deutschen Edelstahlwerken (DEW - IGM-Bereich, d.Vf.) in Dortmund-Aplerbeck, mit Rheinstahl und natürlich auch mit Hoesch. Die Industriestrompreise der Sonderabnehmer liegen erheblich unter den Haushaltspreisen. Von den Werktätigen werden also Wucherpreise verlangt, damit die Industrie-Kapitalisten weiterhin billig an ihren Strom kommen.

Dieser Politik blieben die VEW-Bosse auch bei der letzten Stromtariferhöhung treu: wie sie in ihrem Geschäftsbericht selbst schreiben, ermöglicht die Erhöhung der Haushaltstarife es ihnen 'im Sonderabnehmerbereich die durchschnittliche Preisanhebung für diese Abnehmer von rd. 4, 9% auf 4% zu verringern und darüber hinaus verschiedenen Abnehmergruppen zusätzliche Erleichterungen im Strompreis einzuräumen.' (Geschäftsbericht VEW 1970, S. 21)

Also nicht irgendeine 'Kostenlawine' ist der Hauptgrund für die Erhöhung der Haushaltstarife, sondern das ständige Bestreben des Kapitals, durch indirekten Lohnabbau an den Werktätigen die schon verteilten Werte nochmals umzuverteilen zugunsten der Monopol-Kapitalisten. Deshalb fordert die KPD:

KEINE ERHÖHUNG DER HAUSHALTSTARIFE -
STATT DESSEN ERHÖHUNG DER INDUSTRIETARIFE!

Die zu Lasten der Werktätigen gehenden Tariferhöhungen vom 1.März 1971 fanden die volle Zustimmung der Preisbehörde, ohne deren Genehmigung keine Änderung der Stromtarife vorgenommen werden darf. Darin zeigt sich wieder einmal der Klassencharakter des kapitalistischen Staatsapparates, der mit der SPD-Regierung an der Spitze genauso scharf gegen die Werktätigen vorgeht wie zu Zeiten der CDU-Regierung.

ÜBER DIE STROMTARIFERHÖHUNG HAT NICHT NUR DIE VEW IHRE SCHWIERIGKEITEN IN DER PROFITMACHEREI AUF DIE WERKTÄTIGE BEVÖLKERUNG ABWÄLZEN KÖNNEN, SONDERN AUCH DIE RUHRKOHLE AG RAG - IGBE-Bereich, d.Vf.).

Die Ruhrkohle AG, die seit 1968 dadurch entstand, daß die Stahlbosse an Rhein und Ruhr ihren unprofitabel gewordenen Bergbau abgaben und in einer Eiheitsgesellschaft zusammenfaßten, steckt nach wie vor in der Strukturkrise, die den Bergbau seit Ende der 50er Jahre plagt - trotz brutaler Wegrationalisierung, Umsetzung und Kurzarbeit zehntausender Kollegen.

Die Ruhrkohle-Kapitalisten verfahren genauso wie die von VEW, um mit ihren wirtschaftlichen Schwierigkeiten fertig zu werden: An die Stahlkonzerne geben sie die Tonne Kohle zum seit Jahren unveränderten Preis von 80 DM ab; für alle anderen Abnehmer steigen die Preise ununterbrochen, allein im letzten Jahr um 25%. Diese ständigen Preisaufschläge bei andererseits wachsenden Kohlenhalden (z.Zt. 1 Mio. Tonnen), gehen voll zu Lasten der Werktätigen, zum Teil eben auch über den Umweg über die Elektrizitätsgesellschaften. Diese zusätzlichen Gewinne ermöglichen es der Ruhrkohle AG, die Stahlkapitalisten derart billig zu beliefern und ihr eigenes Rationalisierungsprogramm durchzusetzen, immer mehr Kollegen rauszuschmeißen.

Doch die ständige Preistreiberei genügt noch nicht, um den Forderungen der Väter der Ruhrkohle AG gerecht zu werden: Damit die jährlich 180 Mio. DM Rückzahlung an die Altgesellschaften noch 15 Jahre lang an die Stahlkonzerne geleistet werden können, die Kohle weiterhin für die Stahlkonzerne nur 80 DM/t. kostet, werfen SPD Landes- und Bundesregierung der Ruhrkohle AG und damit indirekt auch den Stahlbossen jährlich 160 Mio. DM Investitionshilfe in den Rachen; übernehmen sie ab 1973 die jährlich 200 Mio. DM betragenen Pumpkosten der Ruhrkohle AG.

Um nur einige Maßnahmen zu nennen.

Damit die Elektrizitätswerke trotz rapide steigender Kohlepreise noch weiterhin ein Interesse an der Kohleverstromung haben, erhalten sie bis 1980 vom Bund 2, 25 Mrd. DM als Ausgleich für die höheren Betriebskosten bei der Verstromung von Steinkohle gegenüber Braunkohle, Erdgas und Kernenergie. Damit wollen Bund und Land der Ruhrkohle AG eine Verstromung von jährlich 25 Mio. Tonnen Steinkohle garantieren. Zum weiteren Aufbau von Steinkohlenkraftwerken zahlt der Bund den Elektrizitätswerken 2, 5 Mrd. Zuschuß.

Die SPD-Regierung betreibt durch Steuererhöhungen und staatliche Preistreiberei in zunehmendem Maße indirekten Lohnraub an den Werktätigen; auf der anderen Seite läßt sie den Monopolkapitalisten ungeheure Subventionen zufließen. Die Stromtariferhöhungen vom März 1971 und ihre Hintergründe sind ein deutliches Beispiel dafür. Unter Einsatz ihres Staatsapparates gelingt es den Monopolkapitalisten immer wieder, die zeitweiligen Siege der Arbeiterklasse im Lohnkampf wieder rückgängig zu machen. Endgültig sicher vor diesen Angriffen des Monopolkapitals ist die werktätige Bevölkerung erst dann, wenn sie dessen Macht und die seines Staatsapparates zerschlagen hat und ihre eigene, proletarische Staatsmacht errichtet hat.

Heute stellt sich konkret die Aufgabe, den augenblicklichen Lebensstandard der werktätigen Bevölkerung gegen die Angriffe der Kapitalisten und ihres Staatsapparates auf dem Preis- wie auf dem Lohnsektor abzuwehren und in diesem Kampf alle Ausgebeuteten zur einheitlichen Kampffront zusammenzuschließen.

KAMPF DEM LOHNRAUB!
DEN KAMPF GEGEN DIE STAATLICHE PREISTREIBEREI MIT DEM KAMPF UM HÖHERE LÖHNE VERBINDEN!"

Im letzten Artikel befaßt man sich u.a. mit dem Aktionsprogramm der KPD (vgl. 7.7.1971): "
AUS DEM AKTIONSPROGRAMM DER KPD:

FÜR DEN SIEBENSTUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH

Seit 1966 gibt es für die Arbeiter in der eisenschaffenden Industrie wieder den 8-Stundentag. Wieder - denn bereits vor 50 Jahren, 1918, hatte die Arbeiterklasse für einige Jahre den 8-Stundentag erkämpft. Und ebenso alt ist die Forderung nach weiterer Verkürzung des Arbeitstages. Doch die Gewerkschaftsführung hat längst diese Forderung aus ihrem Programm gestrichen. Nach dem Abkommen von 1960 (vgl. 1960, d.Vf.), das den heutigen Zustand herstellte, jubelte der IG-Metall Vorstand: 'Ein altes Ziel der Gewerkschaften ist erreicht' und nahm seitdem das Wort 'Arbeitszeitverkürzung' nicht einmal mehr in den Mund. Aber gerade heute hat die Forderung nach genereller Arbeitszeitverkürzung für die Arbeiterklasse große Wichtigkeit.

7-STUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!

Die Stahlindustrie ist das beste Beispiel dafür, welche Folgen das kapitalistische Wirtschaftswachstum, regelmäßig von Krisen unterbrochen, für den Arbeiter hat. Die westdeutschen Stahlmonopole, auf die nach der Krise 1966/1967 die zweite schwere Nachkriegskrise zukommt, suchen den Fall der Profitrate mit den klassischen Mitteln des Kapitalismus zu begegnen - durch weitere Konzentration des Kapitals, großangelegte Rationalisierungen und gleichzeitige Stillegung von Anlagen.

'In der Krise 1966/1967 setzten die Stahlkapitalisten brutal die erste Stufe ihres Rationalisierungsprogramms durch.

Die 1966 gegründeten Walzstahlkontore - getarnte Rationalisierungsgruppen - leisteten ganze Arbeit: Bis Ende 1970 wurden 18 Hochöfen, 26 Thomaskonverter, 40 Siemens-Martin-Öfen. 10 Block- und Brammenstraßen, 30 Profil- und Drahtstraßen und 38 Flachstraßen stillgelegt. Dadurch und durch die gleichzeitigen Rationalisierungsinvestitionen wurden über 60 000 Arbeitsplätze wegrationalisiert (1966: 400 000, 1970: 340 000). Gleichzeitig wurde das Arbeitstempo rapide in den Höhe geschraubt: Die Produktion von Rohstahl stieg pro Arbeiter und Stunde um fast 50%, von Walzstahl um fast 70%.' (RF 28 (vgl. IGM-Bereich NRW - 22.10.1971, d.Vf.).

Welche Folgen die Rationalisierungsmaßnahmen nach 1966 für die Hoesch-Arbeiter hatten, das ist jedem noch zu gut in Erinnerung. Die Fusion mit der DHHU führte zur Stillegung von mehreren Walzstraßen und des Thomasstahlwerkes.

Tausende von Arbeitsplätzen wurden eingespart und auf der anderen Seite: die Tonnenzahlen und das Arbeitstempo stiegen in den Jahren der Hochkonjunktur 1968 bis Anfang 1970 in rasantem Tempo. Das nicht zuletzt durch die Einführung des Leistungslohn, der noch mehr als der alte REFA-Akkord zur Steigerung der Arbeitshetze dient, für die Kapitalisten aber darüber hinaus den Vorteil hat, daß es keine Sonderzulagen mehr gibt. So dauert noch 1962 eine Ofenreparatur in SM2 oder SM3 vier bis fünf Wochen, heute darf sie nur noch fünf oder sechs Tage dauern. So wurde in den letzten Jahren das letzte aus den Walzwerken herausgeholt. Davon können die Flämmer und Knüppelputzer im Blechwalzwerk auf Phoenix ein Lied singen - und nicht nur sie.

Ein Vergleich der Produktionsziffern der letzten zehn Jahre in den Profilwalzwerken zeigt genauso: immer mehr mit immer weniger Leuten. Überall ist es dasselbe, ob in der Produktion, ob bei den Reparaturkolonnen aus dem Stahlbau oder bei den Schweißern z.B. aus der Weiterverarbeitung auf Phoenix oder sonst irgendwo: die Arbeitskraft wird immer 'besser' ausgenutzt, und verschlissen. Das zeigen mehr als deutlich die steigenden Unfallzahlen in allen Bereichen während der letzten Jahre - von Ausnahmen abgesehen. Hoesch ist da kein Einzelfall. In der gesamten Industrie stieg die Unfallziffer zwischen 1967 und 1970 um fast 15%.

Heute steigen die Arbeitslosenzahlen wieder. Besonders in der Stahlindustrie und der Weiterverarbeitung. Dortmund hatte im Dezember letzten Jahres fast 2 000 Arbeitslose im Metall- und Montagebereich, Kurzarbeit, Entlassungen und Zwangsurlaub nehmen ständig zu. Das zeigt: die Kapitalisten haben begonnen, ihr Krisenprogramm, ihre Rationalisierungsmaßnahmen beschleunigt durchzuführen. Die Fusion Hoesch und Hoogovens ist der erste Schachzug der Hoesch-Kapitalisten. Weitere werden folgen und das Rezept ist immer wieder das alte: durch Konzentration die Voraussetzungen schaffen für umfassende Rationalisierungen und Stillegung unrentabler Anlagen; einen Teil der Arbeiter auf die Straße setzen und aus dem Rest umso größere Leistungen herauszupressen.

Gerade in der Krise ist der Abbau übertariflicher Lohnbestandteile das Hauptmittel der Kapitalisten, ohne großes Risiko die Löhne zu kürzen, den Preis für die Arbeitskraft immer weiter herunterzudrücken. Denn die Herren fühlen sich sicher: Das Heer der Arbeitslosen gibt ihnen die beste Möglichkeit, die beschäftigen Kollegen unter Druck zu setzen. Wer mit dem geringen Lohn nicht zufrieden ist, kann sich die Papiere holen. Auf dem Arbeitsmarkt finden sich ja genug Arbeiter, die mit jedem Lohn und jeder Arbeit zufrieden sein müssen. Der eine Teil der Arbeiterklasse wird so gegen den anderen ausgespielt. Genauso in den Tarifverhandlungen: das zündendste 'Argument' der Stahlbarone war die Drohung mit Kurzarbeit und Entlassungen.

Wir Kommunisten sind uns im klaren darüber, daß es im Kapitalismus nie eine wirkliche Sicherung der Arbeitsplätze geben wird, daß die Kapitalisten niemals Investitionen an etwas anderem als dem Profit orientieren. Daran ändert auch keine 'Mitbestimmung' etwas, wie es die DKP und Gewerkschaftsführung dem Arbeiter glauben machen wollen.

Sicherheit der Arbeitsplätze und umfassenden Schutz vor den Auswüchsen der Profitmacherei kann es nur im Sozialismus geben. Aber was wir Arbeiter schon heute durchsetzen können und müssen, sind Abwehrmaßnahmen gegen die Folgen von Krise und Arbeitshetze. Dabei stellt die KPD die zentrale Losung auf: für den 7-Stundentag bei vollem Lohnausgleich.

Der Kampf um generelle Arbeitszeitverkürzungen wird nicht von heute auf morgen den 7-Stundentag bringen. Aber er ist das wichtigste Mittel gegen den immer stärkeren Verschleiß der Arbeitskraft durch immer unverschämtere Ausbeutung im Betrieb, gegen das Bestreben des Kapitals, immer weniger Arbeiter zu beschäftigen und in der Krise tausende von Arbeitern auf die Straße zu werfen.

Als Schritte hin zur Durchsetzung einer generellen Arbeitszeitverkürzung kämpft die KPD auf betrieblicher Ebene für die Forderung nach:
ANRECHNUNG DER PAUSEN AUF DIE ARBEITSZEIT!
BEZAHLUNG DER FAHRZEIT ALS ARBEITSZEIT!"

Zur 'Roten Fahne' (RF) heißt es abschließend: "
Unterstützt die Propagandaarbeit der Kommunistischen Partei Deutschlands

Die ROTE FAHNE, das Zentralorgan der KPD, dient der Agitation und Propaganda der Ziele der Kommunisten unter den Massen der Werktätigen.

Sie legt in grundsätzlichen Artikeln die strategisch wichtigen Einschätzungen der KPD dar und erläutert die praktischen Schritte des Kampfes. Sie veröffentlicht Berichte und Enthüllungen über die Lage der arbeitenden Klasse, entlarvt exemplarisch einzelne Arbeiterverräter und Werkzeuge der Bourgeoisie, sie beschreibt mit den Mitteln der sozialistischen Reportage den täglichen Kampf der arbeitenden Massen gegen das Kapital und seine staatlichen Agenturen. Schließlich analysiert sie die Klassenkämpfe des internationalen Proletariats und die bewaffneten Kämpfe der nationalen Befreiungsfronten und kämpft für deren aktive Unterstützung.

Die ROTE FAHNE propagiert den Kampf der KPD für die Einheit der Arbeiterklasse. Sie setzt sich für die Verwirklichung der Kampfprogramme auf Betriebsebene und in den Arbeitervierteln ein. Sie fordert die Sicherung und Erweiterung der demokratischen Rechte der Werktätigen.

Oberstes Ziel und Richtschnur für die Arbeiter der ROTEN FAHNE ist die Propaganda für die sozialistische Revolution in Westdeutschland und Westberlin, ist die Errichtung der Volksdemokratie mit der Diktatur des Proletariats als Kern.

ABBONIERT DAS ZENTRALORGAN 'ROTE FAHNE'!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 9, Dortmund 26.1.1972

17.02.1972:
Bei der Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) Nr. 10 (vgl. 26.1.1972, 8.3.1972) heraus mit dem Leitartikel "Betriebsratswahl. SPD-Parteipolitik im Namen der IGM". Die KPD (vgl. 10.3.1972) zitiert daraus anläßlich der Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 1.3.1972): "
DKP-FÜHRUNG IM SCHLEPPTAU DER SOZIALDEMOKRATIE

Allerdings fürchten die SPD-Betriebsräte noch, daß ein reiner SPD-Betriebsrat noch weniger Vertrauen unter den Kollegen genießt als der jetzige, in dem zwei DKPler sitzen. Diese erwiesen sich gerade in der letzten Tarifrunde als Meister der Spaltung der Arbeiterklasse und durch geschicktes Taktieren als oft bessere Gewerkschafter im Sinne der IGM-Führung.

Im entscheidenden Moment, als Betriebsrat Pfeiffer ausgepfiffen wurde und unter minutenlangen Rufen 'Arbeiterverräter! Arbeiterverräter!' seine Worte abbrechen mußte, trat die DKP mit der spalterischen Forderung nach einem Haustarif auf. Die Spaltung- und Nachtrabpolitik der DKP-Führung hat sich schon oft genug als günstig für die SPDler in Betriebsrat und Vertrauensleutekörper erwiesen. Albert Pfeiffer weiß, die arbeiterverräterische Politik der DKP-Führung folgendermaßen zu schätzen:

'Ich kann, was die gewerkschaftliche Arbeit betrifft, nicht klagen. Mit den beiden Mitgliedern der DKP in der 20köpfigen Arbeitervertretung des Betriebsrats, den Kollegen Vernholz und Kaiser, läßt sich gut zusammenarbeiten. Auch die Zusammenarbeit auf der Ebene der betrieblichen Vertrauensleute ist sehr gut'. Ebenso meinte aber der Verräter Diederich, 1.Bevollmächtigter der Dortmunder IGM und SPD-Mitglied: 'Was die Durchsetzung der gewerkschaftlichen Forderungen angeht, könnte die Arbeit unserer Kollegen, die der DKP angehören, nicht besser sein'.

DKP-Kollegen, die nicht einverstanden sind mit der Politik der Parteiführung, werden immer mehr unter Druck gesetzt, damit sie sich diesen verräterischen Schritten anschließen. Einem DKP-Vertrauensmann, der sich gegen die getarnte SPD-IGM-Liste aussprach und vorschlug, unter diesen Bedingungen eine eigene Liste aufzustellen, wurde von der Parteiführung gesagt, wer aus der DKP die SPD-Liste nicht unterstützt, fliegt innerhalb von 48 Stunden aus der Partei."

Auf die Äußerungen zur Betriebsratswahl (BRW - vgl. 18.4.1972) wird eingegangen von der KPD/ML-ZB (vgl. 3.3.1972) sowie vermutlich auch von der DKP (vgl. 23.2.1972).

Mit dem Artikel "Alles für den Sieg des kämpfenden Vietnam" wird aufgerufen nach Düsseldorf (vgl. 18.2.1972, 19.2.1972).

Weitere Artikel sind:
- "Weg mit den Mitbestimmungsillusionen";
- "Volle Bezahlung der Streikstunden!";
- "Die 'Hölle' von Hoogovens. Ein holländischer Genosse berichtet";
- "Volle Auszahlung der Lohnerhöhung!"; sowie
- "Mit der Forderung nach Haustarif helfen die 'linken' Demagogen den 6 %-Verrat durchsetzen" zur betriebsnahen Tarifpolitik.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Dortmund Nr. 10, Dortmund 17.2.1972; Rote Fahne Nr. 38, Dortmund 10.3.1972, S. 7;Die Rote Westfalenwalze, Dortmund 3.3.1972, S. 4;Heisse Eisen jeden Spaltungsversuch zurückweisen, Dortmund Feb. 1972, S. 1ff

08.03.1972:
Bei der Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) Nr. 11 (vgl. 17.2.1972, 29.3.1972) mit sechs Seiten DIN A4 unter Verantwortung von M. Bergmann, Berlin 15, Postfach heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 19 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51.

Aus dem Ausland wird berichtet vom Bergarbeiterstreik in Großbritannien (vgl. 15.1.1972), aus Bonn von einer Antifa-Kundgebung (vgl. 20.2.1972), aus Bochum von einem Flugblatt der IGM zu den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. Feb. 1972) und der Aufstellung der BRW-Kandidaten auf der Westfalenhütte (vgl. 29.2.1972).

Zum Treffen der SPD-Betriebsräte mit der Bundesregierung (vgl. 20.1.1972) heißt es: "
Zur Besprechung der SPD-Betriebsräte mit Bundeskanzler Brandt fand sich auch Phoenix-Betriebsratsvorsitzender Tebbe ein, um sich nochmals auf den arbeiterfeindlichen Kurs der SPD-Regierung verpflichten zu lassen."

Neben einem Bild eines Bungalows heißt es: "
So lebt Arbeiterverräter Albert Pfeiffer. Ihm zahlen die Hoesch-Kapitalisten gern sein dickes Gehalt, leistet er ihnen doch dafür hervorragende Handlangerdienste. In den Septemberstreiks 1969 versuchte er, den Kollegen, die ihre Forderung schon längst auf 30 Pfg. erhöht hatten, einzureden, die erreichten 20 Pfg. seien schon ein großer Erfolg, man könne sich zufriedengeben. In der letzten Tarifrunde sprach Pfeiffer als einziger in der VL-Versammlung gegen die Aufstellung der 75 Pfg.-Forderung; in der großen Tarifkommission setzte er sich entgegen dem Auftrag der Kollegen für die Aufstellung der spalterischen 10%-Forderung ein. Doch Pfeiffer kann die Kollegen heute nicht mehr täuschen. Schon im letzten Streik hatte er ausgespielt. Am Tor Oesterholzstraße hatten sich weit über 1 000 Kollegen versammelt, um Rechenschaft von Pfeiffer zu fordern. Als dieser Arbeiterverräter dann auftrat, wurde er mit einem minutenlangen Pfeifkonzert empfangen und mit den Sprechchören 'Arbeiterverräter, Arbeiterverräter!'. Er darf unsere Stimme diesmal nicht kriegen!"

Gefordert wird: "
VOLLE BEZAHLUNG DER STREIKSTUNDEN!

Großartig werden in der letzten Hoesch-Zeitung 'Werk und Wir' (vgl. Feb. 1972, d.Vf.) die Errungenschaften für die Arbeiter der letzten Tarifrunde gepriesen. Sie schreiben sogar, daß die Arbeiter in Nord-Württemberg/Nord-Baden (NB/NW, d.Vf.) gestreikt haben, allerdings fällt kein Wort über die Streiks der Stahlarbeiter in Nordrhein-Westfalen. Warum? Die Hoesch-Kapitalisten hatten in ihren beiden Rundschreiben an alle Kollegen bereits darauf hingewiesen, daß die Streiks nicht 'rechtmäßig' gewesen seien, um es dann den Kollegen auf den Lohnabschnitten zeigen zu können. Die Streikstunden werden nicht bezahlt.

Kollegen, wir haben der IGM-Führung und den Kapitalisten die richtige Antwort gegeben, als wir gemeinsam vor das DGB-Haus in Dortmund und vor die Hoesch-Hauptverwaltung marschierten, nachdem die Angebote klar auf die Schiller'schen Lohnleitlinien sich hin orientierten und die Tarifkommission gemeinsame Verhandlungen aufnahm, nachdem die Urabstimmung beschlossene Sache war. Die geheimen Verhandlungen zeigen deutlich, wie es die Arbeiterverräter und die Kapitalisten mit dem Recht halten!

Es ist klar, daß die Kapitalisten durch die Verweigerung der Bezahlung der Streikstunden uns einschüchtern wollen, uns einen Denkzettel für den sogenannten 'wilden Streik' erteilen wollen. Dieses Vorgehen kommt der Gewerkschaftsführung gelegen.

KOLLEGEN, WIR MÜSSEN DARAUF BESTEHEN:
VOLLE BEZAHLUNG DER STREIKSTUNDEN!
SOLIDARITÄT MIT ALLEN STREIKENDEN KOLLEGEN!"

Ein weiterer Artikel lautet: "
DIE POLITIK DER SPD-REGIERUNG
UNTER DEM DECKMANTEL DER 'INNEREN REFORMEN'

Kollegen, die SPD-Regierung ist mit dem Programm der 'inneren Reformen' angetreten. Dieses Programm soll über den Kern der Regierungspolitik hinwegtäuschen: Die bisherigen und zukünftigen Maßnahmen der SPD-Regierung richten sich durchweg gegen die Arbeiterklasse.

…ARBEITERFEINDLICHE MASSNAHMEN

Gerade die Arbeiterklasse hat den Klassencharakter dieser 'inneren Reformen' zu spüren bekommen: Die Verschlechterung der Lebensbedingungen der werktätigen Massen sind die Folgen der Lohnstop-Politik durch die Schiller'schen Lohnleitlinien, der Steuervorauszahlung, der indirekten Steuererhöhungen von Tabak, Branntwein, Kfz-Steuern und der Preiserhöhungen der staatlichen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaften sowie der Bundespost und zahlreicher anderer Maßnahmen. Indirekter Lohnraub und Preistreiberei zur Sicherung der Monopolprofite, das ist der wahre Charakter der 'inneren Reformen'!

Diese Maßnahmen sind jetzt notwendig, weil sich das Monopolkapital aus der gegenwärtigen Krise nur durch Verschärfung der Ausbeutung, Lohnraub, Preistreiberei und durch die rücksichtlose Plünderung der Staatskasse retten kann.

Immer weitere Teile der Arbeiterklasse erkennen, daß es im Kapitalismus keine Sicherheit der Arbeitsplätze gibt, sind bereit, sich gegen die arbeiterfeindlichen Maßnahmen zu wehren. Umso dringlicher ist für das Monopolkapital die Schaffung von vorbeugenden Maßnahmen gegen die organisierten Abwehrkämpfe der Arbeiterklasse. Diese Aufgabe hat die SPD-Regierung übernommen. Seit ihrem Amtsantritt betreibt sie den Abbau der demokratischen Rechte der Arbeiterklasse und schafft die Bedingungen für die Zentralisierung der staatlichen Unterdrückungsapparate.

…ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE UND ZENTRALISIERUNG DER STAATLICHEN UNTERDRÜCKUNGSAPPARATE

Je härter der Druck der Krise wird, je mehr das Monopolkapital zu schärferen Ausbeutungsmethoden übergeht, desto mehr wird das demokratische Mäntelchen gelüftet: hinter der Fassade des sozialen Rechtsstaats tritt der unversöhnliche Widerspruch zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten hervor. Das zeigt der Neuaufguß des reaktionären Adenauer-Betriebsverfassungsgesetzes (BVG - vgl. 19.1.1972, d.Vf.), daß die demokratischen Rechte im Betrieb einschränkt, das zeigen die Beschneidungen der politischen und beruflichen Tätigkeit von Kommunisten und Demokraten (Berufsverbote - BV, d.Vf.), alles Maßnahmen die der Arbeiterklasse und ihren Organisationen die Kampfesmöglichkeiten rauben sollen, Vorbereitungen zur Unterdrückung von Klassenkämpfen.

Schon die Notstandsgesetze (NSG - vgl. 30.5.1968, d.Vf.) der Großen Koalition sicherten dem Staat die Möglichkeit des Eingriffs mit militärischen Mitteln zur Beseitigung von Streik- und Koalitionsfreiheit. Die SPD versucht jetzt, den Unterdrückungsapparat im Hinblick darauf zu organisieren:

- Am 19.1. passierte in erster Lesung der Entwurf des neuen Gesetzes über den Bundesgrenzschutz das Parlament. Damit sind die Maßnahmen des Innenministeriums zur gesetzlichen Absicherung einer militärischen Eingreifreserve abgeschlossen
- Die Polizeiapparate werden zentralisiert, 'Spezial'- und 'Eliteeinheiten', besonders Scharfschützen werden ausgebildet,
- Das Bundeskriminalamt (BKA, d.Vf.) soll zu einem bundesdeutschen FBI werden.

Die Behauptung der SPD-Regierung, diese Maßnahmen sollten der Bekämpfung von Kriminellen oder der Verfolgung aufgebauter Popanze wie Baader/Meinhof-Bande (RAF, d.Vf.) dienen, können die wahre Zielrichtung dieser Maßnahmen nicht verdecken:

Das Absperren ganzer Wohnbezirke, Durchkämmen von Straßen, systematische Hausdurchsuchungen sind klassische Methoden zur Niederschlagung von Arbeiterunruhen. Die terroristischen Maßnahmen der Polizei erreichten in den letzten Tagen einen vorläufigen Höhepunkt. Die Erschießung von Weisbecker (vgl. Augsburg - 2.3.1972) und eines Lehrlings in Stuttgart (vgl. Herrenberg - 1.3.1972, d.Vf.) bei einer Ausweiskontrolle, der Mordversuch an Grashoff (vgl. S4.*.1972, d.Vf.), sollen die Öffentlichkeit an den Polizeiterror gewöhnen und dessen Legalisierung rechtfertigen und vorbereiten und dienen der Einübung der Scharfschützen. Gleichzeitig sollen sie der Arbeiterklasse vor Augen halten, mit welchen Mitteln der Staatsapparat den Kapitalisten zur Seite steht.

Kollegen, wenn wir sagen, die SPD-Regierung ist eine Agentur der Monopole, heißt das: Unter Vorspiegelung einer fortschrittlichen Politik der 'inneren Reformen' den Ausbeutern bessere Unterdrückungsinstrumente in die Hand zu geben.

…'LINKER FLÜGEL': ABWIEGELUNG UND SPALTUNG IM INTERESSE DER MONOPOLBOURGEOISIE

Es ist kein Zufall, daß die SPD gerade in einer Zeit an die Regierung kam, in der das Monopolkapital wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten gegenübersteht. Denn die SPD soll Teilen der Arbeiterklasse und des übrigen Volkes glauben machen, daß sie ihre Interessen vertritt, um die Interessen der Monopolbourgeoisie besser durchsetzen zu können. Dabei stützt sich die SPD auf ihren 'linken Flügel', um ihre arbeiterfeindliche Politik in den Betrieben und in den Gewerkschaften besser durchsetzen zu können. Überall dort, wo kampfbereite und fortschrittliche Arbeiter sich gegen das Kapital wehren, treiben diese Phrasendrescher ihr Spaltungswerk. Die letzte Tarifrunde und die Streiks im Januar zeigten uns die Rolle dieser Verräter ganz deutlich: sie sprachen große Worte von Entschlossenheit und Kampf, lähmten jedoch jede Opposition gegen die Manöver der IGM-Spitze; sie suchten die Kollegen immer wieder zu vertrösten und die Empörung von der IGM-Spitze abzulenken. So lieferten sie schließlich die Kollegen der durch die Lohnleitlinien der SPD-Regierung vorgezeichneten Verrats-Strategie der IGM-Führung aus.

Bei den kommenden Betriebsratswahlen versucht die SPD-Führung die Unzufriedenheit unter den Arbeitern für ihre Zwecke auszunützen. Durch SPD-bestimmte IGM-Listen versucht sie, ihren Einfluß in den Betrieben zu verstärken, um für die nächste Bundestagswahl und für die erwarteten Klassenauseinandersetzungen alle organisatorischen und institutionellen Hebel in der Hand zu haben. Selbst einige Kollegen, die erkannt haben, daß die SPD-Führung im Lager der Kapitalisten steht, lassen sich durch die 'linken' SPD'ler noch täuschen, die uns weismachen sollen, daß man innerhalb der SPD noch eine Arbeiterpolitik durchsetzen könne.

WIE FÜHRT DIE KPD DEN KAMPF GEGEN DEN ABBAU DEMOKRATISCHER RECHTE DER ARBEITERKLASSE?

Durch den Abbau demokratischer Rechte, durch die Zentralisierung und den Ausbau staatlicher Unterdrückungsapparate schafft die SPD-Regierung die Bedingungen für die politische Unterdrückung der Arbeiterklasse in den kommenden verschärften Klassenauseinandersetzungen. Sie gibt der Monopolbourgeoisie wirksame Mittel in die Hand, um organisierten Abwehrkämpfen gegen die Verschärfung der Ausbeutung, Lohnraub und Preistreiberei zu begegnen.

Wir Kommunisten sind uns darüber im klaren, daß eine wirkliche Demokratie für die werktätigen Massen nicht anders abgesichert werden kann, als dadurch, daß die Arbeiterklasse selbst die politische Macht erobert. Wirkliche Demokratie kann es unter den Bedingungen der Ausbeutung durch die Monopolbourgeoisie nicht geben. Dennoch müssen wir jede demokratische Rechtsposition mit aller Kraft verteidigen, müssen wir den Kampf gegen den Abbau der demokratischen Rechte der Arbeiterklasse führen um uns bessere Kampfbedingungen zu sichern.

DIE KPD HAT DAHER DEN KAMPF GEGEN DAS ARBEITERFEINDLICHE BETRIEBSVERFASSUNGSGESETZ AUFGENOMMEN UNTER DEN FORDERUNGEN:

FÜR UMFASSENDE REDE- UND VERSAMMLUNGSFREIHEIT DER WERKTÄTIGEN UND IHRER ORGANISATIONEN IM BETRIEB UND AUF DER STRASSE!

WEG MIT DER FRIEDENS- UND SCHWEIGEPFLICHT!

GEGEN DIE ZENTRALISIERUNG UND DEN AUSBAU STAATLICHER UNTERDRÜCKUNGSAPPARATE FORDERN WIR:
WEG MIT DEM BUNDESGRENZSCHUTZ (BGS, d.Vf.)!
KEINE MILITARISIERUNG DER POLIZEI!

Wir verbinden mit dem Kampf gegen den Abbau demokratischer Rechte keinerlei Illusionen über Mitbestimmung im Betrieb, Wirtschaft und Gesellschaft, die nur den Kapitalisten nützen. Kommunisten kämpfen daher gegen den Abbau demokratischer Rechte unter der Parole:

FÜR SCHUTZRECHTE DER ARBEITERKLASSE ALS BASTION IM KLASSENKAMPF!"

Zitiert wird aus dieser Ausgabe u.a. durch die 'Rote Fahne' (RF - vgl. 24.3.1972) der KPD. Kritisiert wird diese Zeitung durch die KPD/ML-ZB (vgl. 13.3.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 11, Dortmund 8.3.1972; Rote Fahne Nr. 39, Dortmund 24.3.1972, S. 3;Die Rote Westfalenwalze Klassenkämpferische Kollegen an die Front!, Dortmund o.J. (März 1972), S. 1f

29.03.1972:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD die Nr. 12 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 8.3.1972, 31.5.1972) - Betriebszeitung der Zelle Westfalenhütte der KPD für die Hoesch-Arbeiter - mit sechs Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 15, Postfach heraus. Eine Kontaktmöglichkeit besteht mittwochs von 17 bis 20 Uhr in den 'Borsigstuben' in der Borsigstr.51. Angegeben wird auch eine Kontakttelefonnummer für Düsseldorf, die Dienstags und Donnerstags zwischen 18 und 21 Uhr besetzt ist.

Eingegangen wird auf die Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 18.4.1972), den Moskauer Vertrag mit der SU (vgl. 29.3.1972), den Umzug der KPD-Zentrale nach Dortmund (vgl. 1.3.1972), aus Spanien (vgl. 10.3.1972) und von der Spaniensolidarität in Bochum (vgl. 21.3.1972) und Dortmund (vgl. 25.3.1972).

Im Leitartikel heißt es: "
VORWÄRTS ZUM 1.MAI!

Kollegen, DGB-Chef Vetter und SPD-Kanzler Brandt denken sich den 1.Mai in Dortmund so: Wir sollen von den Hoesch-Werken aus marschieren, die Demonstration - mit Vetter und Brandt an der Spitze - endet an der Westfalenhalle. Da drinnen sollen wir uns dann noch anhören, was die beiden zum 1.Mai 1972 zu sagen haben.

KOLLEGEN, DIE BETRIEBSZELLE DER KPD FORDERT EUCH AUF: KEINE BETEILIGUNG AN DIESER SOZIALDEMOKRATISCHEN PROPAGANDASCHAU!

KEINE EINHEIT MIT SPD- UND DGB-FÜHRERN GERADE AM 1.MAI, DEM TAG, AN DEM ES GILT, FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE ZU DEMONSTRIEREN!

Unsere Partei hat im Sonderdruck der ROTEN FAHNE (RF-SD - vgl. S1.*.1972, d.Vf.) deutlich gemacht, daß es die SPD-Spitze ist, die Lohnraub und Preistreiberei für die Kapitalisten durchsetzen soll, die die demokratischen Rechte der Werktätigen abbaut und die Hetze gegen alle fortschrittlichen Kräfte ständig steigert. Gerade wir bei Hoesch haben in den letzten Monaten erfahren, was sich hinter der Politik der 'Inneren Reformen' verbirgt.

'Innere Reformen', das heißt gesteigerte kapitalistische Rationalisierung. Die Fusion von Hoesch-Hoogovens bringt uns in den nächsten Jahren dasselbe wie die mit der Dortmund-Hörder Hüttenunion (DHHU, d.Vf.): Entlassungen für die einen, gesteigerte Arbeitshetze für die anderen. Immer mehr Ausstoß mit immer weniger Arbeitern, so lautet die Profitrechnung von Harders und Co., und die SPD-Regierung sorgt dafür, daß die Rechnung auch stimmt.

'Innere Reformen', das heißt sechs Prozent. Sechs prozent, die noch nicht einmal die Preissteigerungen decken. Das gesteigerte Arbeitstempo, der dadurch größere Verschleiß von Körper- und Nervenkraft, die dadurch noch gesteigerten Lebenshaltungskosten kommen noch dazu. 'Innere Reformen', das heißt Lohnraub.

Kollegen, für diese Politik sollen wir am ersten Mai das Feigenblatt abgeben. Symbol für die Massen, die angeblich immer noch hinter SPD- und DGB-Spitze stehen. Das ist die Absicht von Brandt und Vetter. Um mehr Wirksamkeit zu erzielen, schicken sie neben den offenen Arbeiterverrätern, wie Pfeiffer, Rosentreter und Tebbe, diejenigen vor, die sich durch scheinradikales … (im Text fehlt mindestens eine Zeile, d.Vf.) halten konnten, wie Schrade, der uns im Januar mit Vertrösten auf die Urabstimmung wieder zur Arbeit aufforderte, wie Wetzel, der unseren Streik mit der spalterischen und wortradikalen Forderung nach 10%-Haustarif abwiegelte und damit nicht für unsere Interessen, sondern für die der Kapitalisten Partei ergriff.

KOLLEGEN, UNSERE DEMONSTRATION ZUM GEWERKSCHAFTSHAUS AM 14.JANUAR HAT DEN RICHTIGEN WEG GEZEIGT. VEREINIGT SIND WIR STARK, NICHT MIT, SONDERN GEGEN SPD- UND GEWERKSCHAFTSFÜHRER!

WIR FORDERN EUCH AUF: BETEILIGT EUCH AM 1.MAI AN DER DEMONSTRATION DER KPD IN DORTMUND!

… (wiederum fehlt mindestens eine Zeile, die vermutlich ungefähr hieß: 'Wir werden ein Maikomitee', d.Vf.) AUFBAUEN, UM DIE BEWEGUNG FÜR EINE REVOLUTIONÄRE LINIE ZUM 1.MAI ZU UNTERSTÜTZEN.

DIE ORTSLEITUNG DER KPD LÄDT EUCH EIN: KOMMT ZUR ARBEITERRUNDE, AUF DER DIESES MAIKOMITEE GEGRÜNDET WIRD: AM MITTWOCH, DEM 5.APRIL, 19 UHR, ZIMMERSTRAßE 19, HINTERHAUSEINGANG!

UNTERSTÜTZT DEN PROPAGANDAFONDS DER KPD ZUM 1.MAI! SPENDET AUF DAS POSTSCHECKKONTO BERLIN (WEST) 276631, KONTOBEZEICHNUNG R. PFRIEM.

NIEDER MIT DEM USA-IMPERIALISMUS UND DEM SOZIALIMPERIALISMUS - PROLETARIERE ALLER LÄNDER UND UNTERDRÜCKTER VÖLKER VEREINIGT EUCH!

GEGEN DIE VERSCHLECHTERUNG DER ARBEITS- UND LEBENSBEDINGUNGEN DER WERKTÄTIGEN MASSEN DURCH MONOPOLKAPITAL UND SPD-REGIERUNG! FÜR DEN SIEBENSTUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!

GEGEN DEN ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES! FÜR DAS FESTE BÜNDNIS DER ARBEITERKLASSE MIT ALLEN UNTERDRÜCKTEN SCHICHTEN DES VOLKES IM KAMPF FÜR DIE SOZIALISTISCHE REVOLUTION!

GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS - FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE - KPD!"

Geworben wird für die 'Rote Fahne' (RF) Nr. 39 (vgl. 24.3.1972) und bekanntgegeben: "
Straßenverkauf der Roten Fahne:
Borsigplatz, jeden Freitag von 15-17 Uhr
Herrmannstraße (in Hörde) jeden Samstag von 10-13 Uhr
Westenhellweg jeden Samstag von 10-13 Uhr".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 12, Dortmund 29.3.1972

31.05.1972:
Bei Hoesch Dortmund gibt die KPD die Nr. 13 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 29.3.1972, 22.6.1972) - Betriebszeitung der Zelle Westfalenhütte der KPD für die Hoesch-Arbeiter - mit acht Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 15, Postfach 150 625, heraus.

Berichtet wird vom 1.Mai in Dortmund und von der Betriebsversammlung (vgl. 4.3.1972) bzw. der 'Werk und Wir' (vgl. Apr. 1972).

Im Leitartikel heißt es: "
OSTVERTRÄGE
DIE AUSBEUTER REICHEN SICH DIE HAND

Am 17.Mai wurden die Ostverträge unter Stimmenthaltung der CDU/CSU-Abgeordneten ratifiziert. Die Vorgänge in Bonn in den Tagen unmittelbar vor der Ratifizierung müssen jedem Kollegen klargemacht haben, daß es sich bei den Streitereien zwischen der SPD/FDP-Regierung und der Opposition nicht um Auseinandersetzungen grundsätzlicher Art zwischen einer erklärten 'Friedenspolitik' und einer Politik des kalten Krieges handelt, wie uns die DKP/SED-Revisionisten weismachen wollen. Grundsätzlich waren sich beide vollkommen einig darin, daß im Interesse des westdeutschen Monopolkapitals die Ostverträge schleunigst in Kraft treten müssen. Das beweist die Stimmenthaltung der CDU, mit der sie den Ostverträgen ins Leben verhalf.

Die entscheidenden Vertreter des westdeutschen Monopolkapitals haben längst erkannt, daß die Expansion auf die Ostmärkte und die Ausbeutung der Völker Osteuropas heute besser in friedlicher Zusammenarbeit mit der neuen Monopolbourgeoisie der Sowjetunion und der DDR erreicht werden kann. Die Ostverträge sollen dafür den politischen Rahmen schaffen. Gerade in der jetzigen Zeit, wo die Konkurrenz unter den imperialistischen Staaten und die wirtschaftlichen Krisen aller kapitalistischen Länder schärfer werden, wollen die BRD-Monopole durch das Ostgeschäft ihre Position stärken und sich durch die Teilnahme an der Ausbeutung der osteuropäischen Arbeiterklasse Mittel für ihre weitere Expansion verschaffen.

Die Ostverträge sind Ausdruck einer geschichtlichen Tendenz, der sich auch die CDU weder entziehen will noch kann; sie sind Ausdruck der Veränderung der Widersprüche in der Welt: Bestand früher, als die Sowjetunion noch ein wahrhaft sozialistisches Land war, ein unversöhnlicher, antagonistischer Widerspruch zwischen dem sozialistischen und dem imperialistischen Lager, so trägt heute dieser Widerspruch einen nichtantagonistischen Charakter, nämlich den zwischen imperialistischen Blöcken. Das heißt: die Beziehungen zwischen den USA und den westeuropäischen Ländern einerseits und der Sowjetunion und den osteuropäischen Ländern andererseits sind nicht mehr durch den kalten Krieg gekennzeichnet, durch Kriegsdrohungen und - Vorbereitungen seitens der BRD-Imperialisten sowie Sabotagetätigkeit in den ehemals sozialistischen Ländern, sondern durch allseitige Zusammenarbeit, durch die Zusammenarbeit imperialistischer Länder, deren Interessen sich weitgehend entgegenkommen. Natürlich gibt es auch widersprüchliche Interessen, was die konkrete Durchführung und Ausgestaltung der Zusammenarbeit anbelangt; vor unseren Augen spielt sich eine gemeine, prinzipienlose Feilscherei und Rangelei ab, wobei natürlich jeder die Bedingungen der Zusammenarbeit in seinem Sinne geregelt sehen will. Die Sowjetrevisionisten und die DDR-Führung scheuen sich nicht, die Rechte der Bevölkerung der DDR in diesem schmutzigen Geschäft an die USA- und BRD- Imperialisten zu verschachern, denn sie sind angesichts der zunehmenden Krisenhaftigkeit der Wirtschaft in ihrem eigenen Lande auf einen möglichst raschen Aufschwung der Handelsbeziehungen angewiesen. So erkannte die Sowjetunion im Berlinabkommen ohne weiteres die Zugehörigkeit Westberlins 'zur BRD an, obwohl - wie jeder weiß - Westberlin auf dem Territorium der DDR liegt, obwohl dadurch das Potsdamer Abkommen mit Füßen getreten wird. So veranlaßte die Sowjetunion die DDR, die Beschränkung ihrer Souveränität auf den Zufahrtswegen nach Westberlin hinzunehmen.

Kollegen, das zeigt, daß es den sowjetischen Imperialisten bei den Verträgen nicht um die Absicherung eines 'sozialistischen Lagers' gegenüber den aggressiven Zielen des westdeutschen Monopolkapitals geht! Denn das, was sie angeblich absichern wollen, verschachern sie in Wirklichkeit an die Imperialisten, in der Hoffnung, dadurch besser mit ihnen ins Geschäft zu kommen.

Mit 'Sicherung des Friedens' haben die Ostverträge nichts zu tun.

Das beweist nochmals in aller Deutlichkeit die 'gemeinsame Entschließung' von Koalition und Opposition zur Ost- und Deutschlandpolitik'. Dort heißt es unter anderem: 'Die Verträge nehmen eine friedensvertragliche Regelung für Deutschland nicht vorweg und schaffen keine Rechtsgrundlage für die heute bestehenden Grenzen.' Was sollen denn dann die ganzen Verträge, wenn das westdeutsche Monopolkapital und seine SPD-Regierung entgegen allen Friedensbeteuerungen immer noch nicht bereit sind, grundsätzlich und endgültig die Grenzen in Europa anzuerkennen? Was sollen sie anders, als eine neue Phase der Zusammenarbeit zwischen westdeutschem Monopolkapital und neuer Bourgeoisie in der Sowjetunion einleiten, einer Zusammenarbeit, die sich gegen die Befreiungsbewegungen in der ganzen Welt, gegen die wahrhaft sozialistischen Länder und gegen die Proletarier aller kapitalistischen Länder richtet!

Von manchen Kollegen hört man noch das Gegenargument, die CDU sei doch die Partei des Monopolkapitals, und die sei doch dagegen gewesen. Diese Kollegen fragen wir: welche Partei war es denn, die in den letzten Jahren die Steuererhöhungen zulasten der Werktätigen beschloß, die uns das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz (BVG - vgl. 19.1.1972, d.Vf.) 'bescherte', die Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS, d.Vf.) zur Bürgerkriegsarmee ausbaut, um für kommende Arbeiterunruhen gerüstet zu sein? Kollegen, es ist im Augenblick nicht die CDU, die die Geschäfte der Kapitalisten am besten und reibungslosesten erledigt, sondern die SPD als die derzeitige Regierungspartei! Und zum zweiten Argument:

Die CDU ist nicht gegen die Ostverträge, sie war nur dagegen, daß die SPD die Verträge abschließt. Der Abschluß der Verträge bedeutet einen großen Erfolg für das BRD-Monopolkapital. Diejenige Partei, die ihm dazu verholfen hat, kann der weiteren Unterstützung durch die Kapitalisten gewiß sein, was insbesondere bei der nächsten Wahl ins Gewicht fallen wird. Daher das fieberhafte Interesse der CDU, noch vor der Ratifizierungsdebatte die SPD/FDP-Regierung anhand der Debatte über den Haushalt zu stürzen, um selbst Verträge ähnlichen Inhalts abzuschließen.

Nachdem sich aber gezeigt hatte, wie sehr das Kapital bereits an seiner SPD/FDP-Regierung hängt, blieb der CDU/CSU nichts anderes übrig, als unter Anwendung raffiniertester Tricks der SPD doch noch zur Verabschiedung der Verträge zu verhelfen. Sie konnte es sich nicht leisten, sich in den Kreisen des Monopolkapitals womöglich noch in den Verdacht zu bringen, sie sei wirklich gegen die Ostverträge."

Im zweiten Artikel heißt es: "
ALLES FÜR DEN SIEG DES KÄMPFENDEN VIETNAM

Am 30.März haben die Streitkräfte der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams zusammen mit der gesamten Bevölkerung des Landes den Generalangriff auf die USA-Aggressoren und ihre Saigoner Marionettentruppen begonnen. Die Offensive wurde vorbereitet durch eine intensive Propagandaarbeit unter der Bevölkerung in den Städten, durch das Bündnis der nationalen, demokratischen und Friedenskräfte, aber auch durch eine intensive Propagandaarbeit unter den Soldaten der Marionettenarmee, die zu tausenden auf die Seite der Befreiungsstreitkräfte überlaufen. Der Kampf des vietnamesischen Volkes ist in die Phase des offenen Bürgerkriegs eingetreten. An fünf Fronten, in der Provinz Quang Tri, der Provinz Kontum und Gia Lay, um An Loc, im Mekong-Delta und in der Provinz Binh Dinh konzentrieren sich die Kämpfe. Es gelang den Befreiungsstreitkräften, große Teile der Provinzen den USA-Imperialisten zu entreißen, wichtige Landstraßen zu besetzen und unter dem Jubel der Bevölkerung in Quang Tri eine Revolutionsregierung einzusetzen.

Unterdessen verschärfen die USA-Aggressoren ihre imperialistischen Verbrechen. Sie verminten die nordvietnamesischen Häfen, warfen Tausende Tonnen Sprengstoff auf die befreiten Gebiete. USA-Flugzeuge und Schiffsartillerie bombardieren pausenlos Wohngebiete der Bevölkerung, Schulen, Krankenhäuser, Verkehrswege und Industrieanlagen in Nordvietnam. Nixon zeigt unverhohlen, was er mit seinen Phrasen von Vietnamisierung und Frieden meint: er verlangt vom vietnamesischen Volk, seinen Befreiungskampf einzustellen, und womöglich noch die Waffen abzuliefern, damit er seine Bedingungen diktieren kann.

Die sowjetischen Sozialimperialisten versuchen, die Offensive der FNL zu verhindern, sie reden von 'Entspannung' und 'Frieden', denn sie wollen nicht den Sieg der vietnamesischen Revolution, sondern möglichst gute Geschäfte mit den USA-Imperialisten. Die Führungsclique der KPdSU, deren 'Hilfe' für das vietnamesische Volk aus geheuchelter Empörung und materieller Unterstützung besteht, die von Jahr zu Jahr abnimmt und heute nur noch 1/5 der Lieferungen von 1968 beträgt, will über die Köpfe der Vietnamesen mit den USA-Imperialisten Absprachen treffen und versprechen Nixon ständig, ihren ganzen Einfluß auf die DRV geltend zu machen, um eine baldige 'Entschärfung' der Lage in Vietnam herbeizuführen - vergeblich, wie sie selbst zugeben müssen.

Das vietnamesische Volk hat sich in der Vergangenheit nicht einschüchtern lassen und wird sich auch jetzt nicht einschüchtern lassen. Die vietnamesischen Genossen haben immer betont, daß die Entscheidung über Vietnam nicht in Moskau fällt, sondern einzig und allein im Kampf zwischen USA-Imperialismus und dem vietnamesischen Volk.

Die erneute Verschärfung des Terrors des amerikanischen Imperialismus, die Verschärfung des totalen Zerstörungskrieges, der Mord an tausenden von Männern, Frauen und Kindern in Vietnam zeigt immer mehr Menschen in aller Welt was sich hinter der Lügenpropaganda der USA-Imperialisten verbirgt: die skrupellose Durchsetzung ihrer Interessen in Vietnam. Wir Kommunisten werden gerade jetzt das vietnamesische Volk durch verstärkte Solidarität unterstützen. Wir werden den USA-Imperialismus ständig als Hauptfeind der Menschheit anprangern. Wir werden allen Menschen zeigen, daß das vietnamesische Volk einen gerechten Krieg führt. Wir werden den Kampf der Befreiungsfront und die DRV durch Geldsammlungen, durch die Beschaffung von Medikamenten, durch Demonstrationen unterstützen. Wir wissen, warum die USA-Imperialisten zu immer grausamerem Terror greifen, weil sie genau wissen, daß der Sieg der vietnamesischen Revolution, der Sieg des vietnamesischen Volkes für alle unterdrückten Völker und für die Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern ein ungeheurer Ansporn im Kampf gegen den Imperialismus, gegen Ausbeutung und Unterdrückung ist. Der Sieg des vietnamesischen Volkes wird den USA-Imperialismus an seiner schwächsten Stelle treffen; er beweist, daß auch ein kleines Volk gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner triumphieren kann, wenn es auf seine eigene Kraft vertraut und von einer schlagkräftigen kommunistischen Partei geführt wird; er beweist, daß der Imperialismus geschlagen werden kann: im revolutionären und gewaltsamen Kampf für den Sozialismus.

Die neuerlichen Verbrechen der USA-Aggressoren haben in der ganzen Welt eine Welle der Empörung und des Abscheus hervorgerufen. In den USA selbst, in Italien, Frankreich und anderen Ländern verurteilten in den letzten Wochen hunderttausende von Menschen die USA-Aggression in Vietnam. In zahlreichen Städten der Bundesrepublik u.a. in Köln, Dortmund und Bochum sowie in Westberlin - hier kam es zu einer machtvollen antiimperialistischen Demonstration von über 7 000 Teilnehmern (vgl. 13.5.1972, d.Vf.) – bekundeten die Menschen ihre tiefe Abscheu über die Verbrechen des USA-Imperialismus und ihre kämpferische Solidarität mit dem Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes.

Nachstehend berichten wir über die Solidaritätsdemonstration, die in Dortmund am 13.Mai durchgeführt wurde."

In den Artikel eingestreut ist ein Foto mit dem Text: "
Die Bevölkerung jubelt beim Einzug der Nordvietnamesischen Truppen in Quang Tri".

Als letzter Beitrag findet sich eine: "
LEHRLINGS-KORRESPONDENZ

Als ich bei Hoesch als Dreherlehrling anfing, glaubte ich noch an vieles, was sie bei uns bei der Einstellung als 'Auszubildende' versprochen hatten. Nämlich vor allem an eine fachgerechte Ausbildung in der vielgerühmten Lehrwerkstatt in der Freizeitstraße. Inzwischen sehe ich die Sache ganz anders, denn ich bin jetzt im 3.Lehrjahr, und da können sie uns nicht mehr so viel vormachen. Vor allem habe ich erfahren, daß wir Lehrlinge ganz besonders ausgebeutet werden, denn wir erhalten nur 120 DM im ersten, 250 DM im zweiten und 290 DM im 3.Lehrjahr, obwohl der Betriebsleiter mich schon nach wenigen Wochen in die Produktion steckte, wo ich wie ein erwachsener Kollege schuften mußte. Als ich einmal Schrott machte, wurde mir ganz deutlich: wir schaffen hier genauso Werte, wie die älteren Arbeiter, nur stecken die Hoesch-Kapitalisten bei unserer Arbeit noch größeren Gewinn ein, man sehe sich nur unsere Bezahlung an! Außerdem wird mir, wenn ich an Zuhause denke, auch immer klar, daß ja meine Eltern praktisch 3 Jahre für mich aufkommen müssen, die ihrerseits vom Kapitalisten ausgebeutet werden. Als ich in der KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSE von der Forderung der KPD las: 'Existenzlohn für Lehrlinge - heute 500 DM', dachte ich gleich: das ist eine Forderung, für die sich alle Kollegen einsetzen müssen.

Aber die jetzigen Jugendvertrauensleute verlassen sich nicht auf die Lehrlinge und auch nicht auf die Kollegen, sondern arbeiten mit dem Betriebsrat, von dem wir ja wissen, auf welcher Seite er steht: bestimmt nicht bei den Arbeitern, sondern bei den Hoesch-Kapitalisten. Sonst hätten wir schon längst mit Kampfmaßnahmen zusammen mit allen Kollegen etwas erreichen können.

Als in der Metalltarifrunde (MTR, d.Vf.) wir Lehrlinge die streikenden Kollegen unterstützen wollten, stellte sich unser Betriebsleiter an der Tür auf und versperrte uns den Weg. Dabei wollten wir nur dafür sorgen, daß die berechtigten Forderungen der Arbeiter auf breiter Front vorgetragen werden können. Aber wie immer ließ sich niemand von den Jugendvertrauensleuten und dem Betriebsrat sehen, der uns ermuntert hätte; auch bei Betriebsversammlungen ist es immer wieder dasselbe, daß wir uns vorher nicht mit den erwachsenen Kollegen organisiert absprechen dürfen. Ist es dann ein Wunder, wenn viele von uns Lehrlingen die Flinte ins Korn werfen und lieber sehen, daß sie - jeder einzelne für sich - ein paar Mark mehr verdienen? Können wir so die Spaltung zwischen Lehrlingen und anderen Arbeitern überwinden? Bestimmt nicht!

Wenn wir auch nur ein Schritt vorankommen wollen, dann müssen wir uns um die Forderungen der KPD zusammenschließen und dafür kämpfen, daß fortschrittliche Jugendvertrauensleute und fortschrittliche Betriebsräte unsere Interessen vertreten. Die KPD sagt, daß dies nur möglich ist, wenn wir eine starke Opposition in den Gewerkschaften aufbauen, die für die Arbeiterinteressen umfassend den Kampf führt.

Alles in allem kann ich nur sagen: die 500 DM Forderung muß unbedingt durchgesetzt werden, natürlich nicht nur bei uns im Betrieb allein, sondern überall. Dies ist ein politischer Kampf. Ebenso müssen wir dafür kämpfen, daß wir als Lehrlinge Streikrecht erhalten, damit wir nicht als Streikbrecher eingesetzt werden können. Auch die anderen Forderungen der KPD finde ich richtig: ein zweiter Berufsschultag, Führung des Berichtsheftes während der Arbeitszeit, und Bildungsurlaub.

Deshalb fordere ich alle Lehrlinge auf: meldet euch bei den Verteilern der KOMMUNISTISCHEN ARBEITERPRESSE, nehmt Kontakt mit der KPD auf, kämpft organisiert für Eure Interessen!"

Diese Korrespondenz veröffentlicht die KPD auch bundesweit in ihrer heutigen 'Roten Fahne'.

Aufgerufen wird dazu, die Rote Fahne zu abbonieren und für sie zu spenden.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 13, Dortmund 31.5.1972; Rote Fahne Nr. 45, Dortmund 31.5.1972, S. 8

22.06.1972:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD gibt die Nr. 14 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 31.5.1972, 13.7.1972) mit sechs Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 15, Postfach, mit der Kontaktadresse Verlag Rote Fahne, Zimmerstr.19 mit einem Bericht von der Jugendvertretungswahl (JVW - vgl. 19.6.1972) und folgendem Leitartikel heraus: "
DIE FUSION TRÄGT ERSTE FRÜCHTE:
HOCHOFEN UND STAHLWERK WERDEN NICHT GEBAUT!

Die Fusion mit Hoogovens bedeutet für die Hoesch-Kapitalisten Verbesserung ihrer Position auf dem internationalen Stahlmarkt und damit langfristig Sicherung ihrer Profite. Was es für uns bedeutet, konnten wir am Mittwoch (vgl. 14.6.1972, d.Vf.) letzter Woche in der Zeitung lesen:

der geplante Hochofen und das Oxygenstahlwerk werden nicht gebaut. Das ist ein weiterer Beweis dafür, daß die Stahlbasis Dortmund keine große Zukunft mehr hat. Wir müssen für die nächsten Jahre mit umfangreichen Einsparungen und Rationalisierungsmaßnahmen rechnen, die auf Kosten unserer Arbeitsplätze gehen.

Die Unterzeichnung des Zusammenschlusses am 14.1.1972 hatte damals für die Kollegen noch keine unmittelbaren Auswirkungen; sie war zunächst ein rein juristischer Verwaltungsakt. Gleichzeitig war damit aber die Voraussetzung und der Auftakt für tiefgreifende Rationalisierungsmaßnahmen gegeben.

Bekanntlich kann in EINEM GROSSEN Werk erheblich billiger produziert werden als in mehreren kleinen. Durch die Fusion eröffnete sich den Hoesch-Hoogovens-Kapitalisten die Möglichkeit, die Vielzahl kleinerer und mittlerer Werke, über die sie jetzt gemeinsam verfügen, durch wenige große Anlagen zu ersetzen. Wie wird diese Konzentration der Produktion vor sich gehen?

Folgende einfache Rechnung ist den meisten von uns bekannt:
die wichtigsten Rohstoffe für die Eisen- und Stahlindustrie, Steinkohle und Eisenerz, kommen aus Übersee. Für ein Stahlwerk an der Nordseeküste, sei es in Ijmuiden oder in Rotterdam, ergibt sich dadurch die günstige Situation, daß sowohl Kohle als auch Erz gleich vom Überseefrachter in die Hochöfen wandern können, ohne daß mehrfaches Umladen notwendig ist. Anders bei Hoesch in Dortmund. Die Rohstoffe müssen zweimal umgeladen werden, bevor sie den Hochofen erreichen: vom Überseefrachter auf Binnenschiffe, im Dortmunder Hafen dann auf Eisenbahnwaggons. Dieser Mehraufwand schlägt sich auf die Produktionskosten so nieder, daß die in Dortmund produzierte Tonne Stahl 10 DM teurer ist als die an der Nordseeküste produzierte.

Auf der anderen Seite stellt das Ruhrgebiet einen hervorragenden Absatzmarkt für Stahlprodukte aller Art dar, Hoesch produziert in unmittelbarer Nähe der Verbraucher.

Es bahnt sich eine Arbeitsteilung zwischen den Dortmunder Werken und denen in Holland an. Im Dortmunder Raum soll die Weiterverarbeitung konzentriert werden, in den niederländischen Werken die Stahlproduktion und –Verarbeitung bis zum Halbzeug und Warmbreitband. Die neuesten Beschlüsse des Hoesch-Vorstandes legen ein deutliches Zeugnis davon ab.

Die Zusammenfassung der bisher zersplitterten Produktion zu wenigen großen Anlagen am jeweils günstigsten Standort - darauf laufen letztenendes alle Bemühungen der vereinigten Hoesch-Hoogovens-Kapitalisten hinaus. Das bedeutet einen gewaltigen Schritt vorwärts in der kapitalistischen Rationalisierung der Produktion. Das heißt für uns: immer mehr Tonnen mit immer weniger Kollegen. Unsere holländischen Kollegen und wir sind davon gleichermaßen betroffen. Rationalisierung bedeutet im Kapitalismus immer: Entlassungen für die einen, steigende Arbeitshetze für die anderen. Dagegen haben wir künftig unseren Kampf zu richten und zwar in einer Front mit unseren holländischen Kollegen; denn es geht gegen den gleichen Feind, es geht um die gleichen Ziele."

Nach einer Auslassung im Text heißt es weiter: "
im Kampf gegen Rationalisierungen, und zwar aus zwei Gründen:
- dadurch können wir der steigenden Arbeitshetze entgegenwirken
- die Kapitalisten müssen dadurch mehr Arbeiter einstellen, wenn die Produktion auf gleicher Höhe bleiben soll. Deshalb:

FÜR DEN SIEBENSTUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!

Außerdem müssen wir fordern:

SOFORTIGE OFFENLEGUNG SÄMTLICHER RATIONALISIERUNGSPLÄNE!

Noch ein Wort zu der unverschämten Lügenpropaganda des Hoesch-Generalbevollmächtigten Herrn Dr. Vogel in den bürgerlichen Zeitungen:
er versichert uns eifrig, unsere Arbeitsplätze seien nach wie vor gesichert. Was wir von solchen Versprechungen zu halten haben, hat sich doch wieder mal gezeigt:
erstens sind solche Versprechungen für die Kapitalisten nur taktisches Kalkül, mit dem sie uns beschwichtigen wollen;
zweitens ist eine sinnvolle und langfristige Planung von Investitionen und Produktion im Kapitalismus nicht möglich."

Der nächste Artikel berichtet vom NVK bzw. den VA: "
VIETNAMKOMITEE GEGRÜNDET: ÜBER 130 AUSSCHÜSSE
ALLES FÜR DEN SIEG DES KÄMPFENDEN VIETNAM

Unter dieser Losung versammelten sich am 17.Juni in Bonn die Delegierten von über 130 Vietnam-Ausschüssen aus der ganzen Bundesrepublik und Westberlin, um ein Nationales Vietnamkomitee zu konstituieren.

Nachdem in den letzten Wochen der Vorbereitungsausschuß mit der massenhaften Verbreitung der 'Erklärung zur Unterstützung des kämpfenden vietnamesischen Volkes bis zum endgültigen Sieg über die USA-Aggressoren' an die Öffentlichkeit getreten war, bildeten sich in zahlreichen Betrieben, an Universitäten und Schulen, an Krankenhäusern und in vielen proletarischen Stadtteilen Vietnam-Ausschüsse, die durch öffentliche Veranstaltungen, Flugblättern und Versammlungen ihrer Solidarität mit dem vietnamesischen Volk, der Befreiungsfront in Südvietnam und der Demokratischen Republik Vietnam Ausdruck verleihen.

Die 'Erklärung', die Plattform des Vorbereitungsausschusses, die in diesen Tagen auch vor unserem Betrieb verteilt wurde, macht klar, weshalb es darauf ankommt, eine breite Kampagne für den Sieg des vietnamesischen Volkes durchzuführen, alle fortschrittlichen und antiimperialistischen Menschen zu verstärkten Solidarität zu mobilisieren: die erneute Verschärfung des Aggressionskrieges gegen Vietnam durch die USA-Regierung hat nie gekannte Ausmaße erreicht. Die brutale Eskalation des Luft- und Seekrieges ist der verzweifelte Versuch der Imperialisten, einer Niederlage in Vietnam zu entgehen. Das vietnamesische Volk hat bisher alle noch so brutalen Angriffe mit der Waffe des Volkskrieges zurückgeschlagen. Gerade jetzt müssen wir die Befreiungsfront und die DRV in ihrem Kampf unterstützen und den USA-Imperialismus als den Hauptfeind der Menschheit entlarven.

Auch in Dortmund arbeiten bereits einige Vietnam-Ausschüsse. Der Vietnam-Ausschuß Dortmund Stadt verteilte in der letzten Woche an zahlreichen Punkten in der Innenstadt die 'Erklärung' und führte am 19.6. seine erste Veranstaltung in der 'Jakob-Schänke' durch, auf der viele der anwesenden Kollegen und Freunde für die Mitarbeit im Vietnam-Ausschuß gewonnen werden konnten.

Ein weiterer Ausschuß an den Städtischen Krankenanstalten (SK - ÖTV-Bereich, d.Vf.), in dem fortschrittliche Ärzte und Krankenschwestern arbeiten, führte ebenfalls am Montag eine Veranstaltung in der 'Stimmgabel' durch.

Antiimperialistische Studenten und Dortmunder Oberschüler haben sich ebenso in Ausschüssen zusammengeschlossen (vgl. 12.6.1972, d.Vf.).

Unsere Partei unterstützt das Vietnam-Komitee mit allen Kräften. Sie hat ihre Mitglieder augefordert, an den Vietnam-Ausschüssen teilzunehmen und neue zu initiieren. Wir, die Mitglieder der Betriebszelle Hoesch werden alles daransetzen, die Ausschüsse in ihrer Arbeit zu stärken und möglichst viele Kollegen zum Aufbau neuer Ausschüsse in den Betrieben zu bewegen.

'Als Kommunisten werden wir dafür kämpfen, daß in dieser Kampagne die Arbeiterklasse die Führung übernimmt und daß die Bündnisschichten, die Demokraten und Antiimperialisten in dieser Kampagne an den proletarischen Internationalismus herangeführt werden, daß sie erkennen, daß der antiimperialistische Kampf mit dem Kampf für den Sozialismus im eigenen Lande verbunden werden muß.' (ROTE FAHNE Nr. 47, v. 14.6.1972)."

Geworben wird für die Nr. 48 der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 21.6.1972).

Zur RAF (vgl. Frankfurt 1.6.1972, Hannover 15.6.1972) heißt es: "
DAS BAADER-MEINHOF-PHANTOM - VORWAND FÜR DIE WEITERE AUFRÜSTUNG DES POLIZEIAPPARATES!

Anfang Juni wurden Andreas Baader, Holger Meins und Jan Carl Raspe von der Polizei festgenommen, am Freitag der letzten Woche Ulrike Meinhof in Hannover verhaftet. Damit ist der Kern der Baader-Meinhof-Gruppe aufgelöst.

Das Fernsehen und die reaktionäre Massenpresse stilisierten diese Nachrichten zu einem Ereignis, das angeblich 'Millionen Menschen in der BRD aufatmen ließ' - als gebe es für die werktätige Bevölkerung unseres Landes keine weiteren Probleme als die sog. Baader-Meinhof-Bande. In 4-seitigen Großberichten, die jedes Detail der Festnahmen in einen Knüller zu verwandeln suchten, ('Wie Baader schrie - und warum alle drei nackt waren' / 'Meins kapituliert in der Unterhose' - so BILD) wurden diese Nachrichten zum Staatsereignis Nr. 1 hochgespielt.

WESHALB DIESE BEWUSST INSZENIERTE HSYSTERIE?

Mit den Erfolgsmeldungen über die Festnahmen von Baader, Meins, Raspe und Meinhof sollen die bundesweiten spektakulären Verfolgungsmaßnahmen gerechtfertigt, die Bevölkerung auf weitere Polizeiaktionen vorbereitet werden. Die Öffentlichkeit soll sich an den Anblick von mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten, an Straßenkontrollen, Durchsuchungen von PKW's etc. gewöhnen.

Die Bombendrohungen und Anschläge der letzten Wochen haben tatsächlich Verwirrung und Entsetzen unter der Bevölkerung hervorgerufen. Wir Kommunisten verurteilen solche Anschläge wie den Bombenanschlag auf das Springerhaus (vgl. Hamburg - S5f*.1972, d.Vf.), durch den zahlreiche Kollegen verletzt wurden. Wer den Kollegen neben die Maschine oder den Schreibtisch Bomben legt, wer - wie in Stuttgart (vgl. S6.*.1972, d.Vf.) - Bombendrohungen gegen die gesamte Bevölkerung ankündigt, verhöhnt mit dieser Tat offensichtlich das vorgegebene Ziel: die Gesellschaft von Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien. Diese Taten haben objektiv den Charakter einer faschistischen Provokation: sie bieten dem Staatsapparat den gewünschten Anlaß, weitere Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Vorhut, der Kommunistischen Partei, vorzubereiten.

Angesichts der systematischen Verfälschungen in der offiziellen Berichterstattung über die sog. Baader-Meinhof-Bande bleibt die Frage vorerst offen, wer tatsächlich für die letzten Bombenanschläge und -drohungen verantwortlich ist (Was die Stuttgarter Bombendrohungen betrifft, mußte das Bundeskriminalamt (BKA, d.Vf.) inzwischen seine Behauptung zurücknehmen, daß die 'Rote Armee Fraktion' dafür verantwortlich zeichnet.)

Klar ist auch, daß die 'Rote Armee Fraktion' mit ihrer geheimbündlerischen und putschistischen Theorie und Praxis solchen Verfälschungen Vorschub leistet.

Da ihre Aktionen nicht mehr erkennen lassen, gegen welchen Gegner sie sich eigentlich richten, kann es der Polizei umso leichter gelingen, faschistische Provokationen in Zusammenhang mit dem Baader-Meinhof-Phantom zu stellen: der Übergang dieser Aktionen zur faschistischen Provokation erscheint fließend.

Damit hat die 'Rote-Armee-Fraktion' ihre Isolierung und Kriminalisierung selbst vorbereiten helfen. Wir Kommunisten wissen, daß die Bourgeoisie immer versuchen wird, die revolutionären Kräfte zu kriminalisieren. Wir wissen aber auch, daß das Instrument der Kriminalisierung stumpf wird, wenn die Massen erkennen, daß für ihre Sache gekämpft wird, wenn der Kampf von den Massen getragen wird. Die Verbindung mit den Massen ist deshalb der Garant dafür, daß der Versuch, die revolutionären Kräfte zu kriminalisieren, fehlschlägt.

KAMPF DER ILLEGALISIERUNG SOZIALISTISCHER UND KOMMUNISTISCHER ORGANISATIONEN!
KAMPF DEM ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE DES VOLKES! AUFLÖSUNG DES BUNDESGRENZSCHUTZES (BGS, d.Vf.)! KEINE MILITARISIERUNG DER POLIZEI!

Die SPD-Regierung kann zufrieden sein. Mit Hilfe der 'Jagd auf die Baader-Meinhof-Bande' ist es ihr gelungen, die Schlagkraft der Geheimdienst- und Polizeiapparate zu erhöhen, die Zentralisierung der Polizei voranzutreiben. Bundesweite Fahndungsaktionen, Massenkontrollen von PKW's und Durchkämmen ganzer Viertel sind polizeiliche Übungen, die ohne die Begründung der Suche nach Baader-Meinhof auf wesentlich stärkere Empörung und Widerstand bei der Bevölkerung gestoßen wären. Wir wissen - all dies dient der Vorbereitung auf die Zerschlagung von Kämpfen der Massen, ihr eigentliches Ziel ist nicht die Zerschlagung des Terrorismus von selbsternannten Rotarmisten. Das Etappenziel, das sich die SPD-Regierung setzte im Ausbau des Unterdrückungsapparates ist vorerst erreicht.

Noch vor der Sommerpause des Bundestages will die SPD/FDP-Regierung 4 Gesetze durchbringen, die den Ausbau des staatlichen Unterdrückungsapparates absichern (vgl. 22.6.1972).

Wenn die Polizei vor einigen Tagen 10 Studenten in Bochum mit vorgehaltener Maschinenpistole verhaftet, weil angeblich irgendwelche Beziehungen zur Baader-Meinhof-Gruppe bestehen sollen (vgl. 12.6.1972, d.Vf.), wenn in Köln (vgl. 12.6.1972, d.Vf.) ein Student mit derselben Begründung verhaftet und gezielt nach der KPD und dem Kommunistischen Studentenverband (KSV, d.Vf.) 'befragt' wird, dann zeigt der Staatsapparat mit aller Deutlichkeit, was sich hinter dem Kampf gegen 'Kriminelle' und 'Terroristen' verbirgt: der verschärfte Kampf gegen kommunistische Organisationen, der beständige Abbau der demokratischen Rechte des Volkes, immer offenere Angriffe auf alle fortschrittlichen Menschen, Demokraten und Kommunisten."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 14, Dortmund 22.6.1972

03.07.1972:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD gibt vermutlich heute einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 22.6.1972, 13.7.1972) mit einer Seite DIN A 4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin, heraus: "
ALLES FÜR DEN SIEG DES KÄMPFENDEN VIETNAMESISCHEN VOLKES
ARBEITERRUNDE DER BETRIEBSZELLE

Warum unterstützen wir den Befreiungskrieg des vietnamesischen Volkes? Seit Jahren versuchen die USA-Imperialisten, den Kampf des vietnamesischen Volkes für Unabhängigkeit und Freiheit von ausländischer Unterdrückung, für eine Volksregierung und die friedliche Wiedervereinigung des Landes mit allen Mitteln zu unterdrücken: die Verbrechen der USA-Imperialisten haben nie gekannte Ausmaße erreicht, die USA-Aggressoren gehen daran, ein ganzes Volk auszurotten, weil sie sich Indochina als Militärstützpunkt sichern wollen.

Wir unterstützen den gerechten Kampf des vietnamesischen Volkes, weil es an vorderster Front im Kampf gegen den Imperialismus steht. Wir unterstützen den Befreiungskrieg, um den USA-Imperialismus in der ganzen Welt zu entlarven und zu isolieren. Wir unterstützen die Revolution in Vietnam, weil sie zeigt, daß der Imperialismus nur im bewaffneten Kampf besiegt werden kann, weil die Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern und die unterdrückten Völker in der ganzen Welt ein gemeinsames Interesse haben: Freiheit von Ausbeutung und Unterdrückung, Sturz des imperialistischen Systems.

ALLES FÜR DEN SIEG DES KÄMPFENDEN VIETNAMESISCHEN VOLKES!
UNTERSTÜTZEN WIR DAS NATIONALE VIETNAMKOMITEE (NVK der KPD, d.Vf.)!

KOMMT ZUR ARBEITERRUNDE" (vgl. 4.7.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Hoesch Dortmund Sonderdruck Alles für den Sieg des kämpfenden vietnamesischen Volkes, Dortmund o.J. (1972)

13.07.1972:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte der KPD gibt die Nr. 15 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 3.7.1972, 24.10.1972) für die Hoesch-Arbeiter mit vier Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Berlin 12, Schillerstr.35, mit folgendem Leitartikel heraus: "
ABBAU DER STAHLPRODUKTION: OFFENLEGUNG DER RATIONALISIERUNGS- UND STILLEGUNGSPLÄNE

Die 1 000 Hoesch-Kollegen, die am Mittwoch, dem 5.7. um 11 Uhr morgens vor die Hauptverwaltung an der Eberhardstraße zogen, um den Aufsichtsrat zur Offenlegung seiner Pläne für die Dortmunder Hoesch-Werke zu zwingen, wußten am Ende genauso viel wie vorher: die Kapitalisten denken überhaupt nicht daran, auch nur einen Ton über ihr wirkliches Vorhaben, ihre Politik des Abbaus der Stahlbasis in Dortmund und ihr umfangreiches Rationalisierungsprogramm aufzudecken. Stattdessen tun sie so, als könnten sie mit den Arbeitern so umspringen, wie sie wollten. Harders glaubt im Ernst, die Kollegen mit dem nichtssagenden Satz abspeisen zu können: 'Das neue Stahlwerk wird gebaut, nur den Zeitpunkt können wir noch nicht nennen.'

Aber, Herr Harders, kann es nicht sein, daß sie noch in 20 Jahren von dem neuen Stahlkomplex in Dortmund schwafeln, und leider 'nur den Zeitpunkt' für den Bau immer noch nicht genau nennen können, wenn SM 2 und SM 3 längst verschrottet sind und 1 000 Kollegen auf der Straße sitzen?

Die Hoesch-Kollegen wissen, was gespielt wird. Es gab am Mittwoch nur einen, der glaubte, die Kollegen hätten gestreikt, um sich für dumm verkaufen zu lassen. BR-Vorsitzender, Albert Pfeiffer meinte: 'Ich glaube, daß wir damit zufrieden sein können.'

Pfeiffer selbst, die 'Arbeitnehmervertreter' im AR (Aufsichtsrat, d.Vf.) von Hoesch, und die Gewerkschaftsführung haben seinerzeit die Fusion mit Hoogovens voll unterstützt und großspurig dahergeredet: 'Wenn das neue Stahlwerk nicht gebaut wird, nehmen wir unseren Hut!' Und jetzt? Die Herren fangen ein großes Gezeter an. 'Wir haben das Wort des Vorstandes, wenn der 'uns' hinters Licht führt, hat das unabsehbare Folgen' (F. Fahrtmann, Aufsichtsratsmitglied, WWI des DGB). Aber nach den glasklaren Zusagen von Harders, für die SM-Stahlwerke vielleicht nächstes Jahr, vielleicht in 2, vielleicht in 20 oder je nach der 'Ertragslage' auch in 100 Jahren mit einem Oxygenstahlwerk Ersatz zu schaffen, verkündet A. Pfeiffer: 'Ich glaube, daß wir damit zufrieden sein können.'

WELCHE PLÄNE HABEN DIE HOESCH-KAPITALISTEN?

Seit eh und je suchen die Hoesch-Kapitalisten, wie alle Stahlkonzerne, nach immer besseren Methoden, den Stahl billiger zu kochen, die Arbeiter noch stärker auszubeuten. Da wurde in den letzten Jahren rationalisiert, das Arbeitstempo gesteigert, die Tonnenzahlen hochgeschraubt. Jeder weiß, wie die Hoesch-Kapitalisten durch Umbauten im Warmbreitband, am Hochofen 4, im Kaltwalzwerk immer mehr herausholen, wie z.B. die Zeiten für das Ofenausmauern in den SM-Stahlwerken von 4 Wochen früher auf weniger als eine Woche heruntergeschraubt wurden. Jeder weiß auch, was es mit dem Leistungsfestlohn auf sich hat: er wurde eingeführt, weil der REFA-Akkord, die Prämien und Schwerezulagen die Kollegen überhaupt nicht mehr zu größeren Leistungen antreiben konnten - die Maschinen laufen oft so schnell, daß überhaupt keine Steigerung mehr möglich ist, es sei denn, es werden neue Maschinen aufgestellt. Heute gibt es keine Zulagen mehr für erschwerte Arbeit, so bei den Auswechselarbeiten an den Kranlagern im SM- Stahlwerk, die Vorgabezeiten, Wartezeiten und Spielräume, die den Kapitalisten beim REFA-System im Weg waren, gibt es nicht mehr. Restlose Ausnutzung der vorhandenen Anlagen bis zum letzten, Rationalisierungen, das ist das eine. Stillegungen unprofitabler Anlagen das war und ist das andere. Dafür ist die Fusion der DHHU und Hoesch ein Beispiel. Dafür ist noch ein viel besseres Beispiel die Fusion von Hoesch und Hoogovens. Was heute - nach der Gründung von 'Estel' - auf Hoesch beginnt, wird den Konzern von oben bis unten umkrempeln – auf Kosten der Arbeiter. Die Kapitalisten haben ganz klar vor, die Verlagerung der Stahlbasis ans Meer, wo die Kosten für Erz- und Kohleimporte geringer und die Möglichkeiten für den Export günstiger sind, den Bau eines Riesenstahlwerkes zusammen mit Hoogovens in Rotterdam beschleunigt durchzuführen. Und das bedeutet, die SM-Stahlwerke werden noch einige Jahre laufen und dann verschrottet. Was das für die schweren Walzstraßen, die Hochöfen usw. heißt, kann sich jeder ausmalen. Hoesch wird in Dortmund bleiben. Aber der Ausbau der Weiterverarbeitung, der Kaltwalzwerke, der Weißblechlinie, Zinkanlagen ist die eine Seite, der großangelegte Abbau der Stahlbasis, der Abbau und die Unsicherheit der Arbeitsplätze ist die andere Seite.

Die Hoesch-Kapitalisten sind nicht dumm, Abs und Harders sind nicht auf den Kopf gefallen, daß sie Hoesch mit Haut und Haar an den Holländer (Niederländer, d.Vf.) verschachert haben. Was sie planen, erwächst den Gehirnen der Monopolkapitalisten, die nur nach höherem Profit, dem eigenen Vorteil trachten, und sich um die Lage der Arbeiter einen Dreck kümmern.

WAS FORDERN DIE KOMMUNISTEN?

Erst einmal einiges zur DKP und zum 'Heißen Eisen', das immer kälter wird. Da wird die 'langfristige Sicherung der Stahlbasis in Dortmund' gefordert, da geht die DKP hin und will die Kapitalisten 'zwingen', ihre Investitionspläne 'im Interesse der Belegschaft auszurichten'. Kollegen, man kann und muß den Kapitalisten durch die einheitliche Front aller Arbeiter Zugeständnisse abringen, aber niemals wird es einen Kapitalismus geben, in dem die Kapitalisten ihre Taschen leermachen und ihre Investitionen umfassend nach unseren Interessen ausrichten. Die Arbeiterklasse hat ein berechtigtes Interesse an der Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Aber wer den Kollegen weiszumachen versucht, diese Sicherheit könne dauerhaft gewonnen werden, solange die Bourgeoisie die Produktionsmittel besitzt, dazu brauche man nur Mitbestimmung oder Verstaatlichung und eine starke DKP, ruft die Arbeiter zu einem aussichtslosen Kampf auf, verbreitet Illusionen und Resignation.

Kollegen, es muß darum gehen, von den Kapitalisten die Offenlegung sämtlicher Rationalisierungs- und Stillegungspläne zu erzwingen, damit die Belegschaft weiß, was die Kapitalisten im Sinn haben, wie sie sich gegen die Angriffe wehren kann.

Es geht darum, gegen die steigende Arbeitshetze, den verstärkten Verschleiß der Arbeitskraft, und das Bestreben der Kapitalisten, möglichst wenige Kollegen möglichst lange arbeiten zu lassen, den 7-STUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH durchzusetzen,

1/2 STUNDE BEZAHLTE MITTAGSPAUSE FÜR ALLE SCHICHTARBEITER,
BEZAHLUNG DER AN- UND ABFAHRTZEIT.

Kollegen, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt, ist kein Spaziergang. Die Hoesch-Kapitalisten haben ihre Pläne fertig in der Tasche. Es wird zu verstärkten Auseinandersetzungen mit den Kapitalisten kommen, die die Streikstunden, wie schon bei den Streiks im Januar, nicht bezahlen, die am letzten Freitag einen Kollegen aus dem Kaltwalzwerk fristlos entlassen haben (vgl. 7.7.1972), weil er sich bei der Demonstration hervorgetan hat, die die Westfalenhütte, sieht man sich die neue Eingangsanlage an der Oesterholzstraße an, auf alles vorbereiten."

Mit Hilfe der 'Roten Fahne' (RF - vgl. 5.7.1972) wird berichtet vom DGB-Bundeskongreß (vgl. 25.6.1972), in eigenen Worten vom bundesweiten Vietnam-Meeting in Bonn (vgl. 8.7.1972) und dessen Vorbereitung in Dortmund (vgl.3.7.1972, 7.7.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 15, Dortmund 13.7.1972

24.10.1972:
Vermutlich heute erscheint eine Ausgabe der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 13.7.1972, 22.11.1972) - Betriebszeitung der Zelle Westfalenhütte der KPD für die Hoesch-Arbeiter mit 8 Seiten und folgendem Inhalt:
- "Streik im Kaltwalzwerk. Kampf dem Leistungsfestlohn! Kampf dem Tarifvertragssystem" (vgl. 17.10.1972),
- "Kein Burgfriede zur Wahl!" aus der 'Roten Fahne' (vgl. 1.10.1972)
- "Gegen Monopoldiktatur - Für Volksdemokratie; KPD!";
- "Kommunistischer Jugendverband (KJV): 600 DM Existenzlohn!" (vgl. 1.10.1972)
- "Schluß mit der Verfolgung fortschrittlicher Ausländer!" (vgl. 4.10.1972, 15.10.1972)
- "Opel-Bochum: Solidarität mit Andreas Lara!" aus der 'Roten Fahne' (vgl. 5.10.1972, 17.10.1972)

Zu den Bundestagswahlen (BTW – vgl. 19.11.1972) heißt es: "
GEGEN MONOPOLDIKTATUR - FÜR VOLKSDEMOKRATIE: KPD

Tausende von Kollegen wurden entlassen, für die übrigen zog die Arbeitshetze an, es gab steigende Unfallziffern in den Betrieben. Staatliche Preistreiberei verschlechterte die Lebensbedingungen der Werktätigen weiter: es gab massive Tariferhöhungen bei Gas, Wasser, Strom, bei den Versicherungen und bei den Nahverkehrsmitteln. Indirekte Steuern wurden durch höhere Besteuerung von Branntwein, Tabak und Benzin eingetrieben. Der sozialdemokratisch geführte Staatsapparat gewährte sich durch sogenannte Lohnsteuervorauszahlungen, die ein direkter Abzug vom Lohn waren, zinslose Darlehen. Am 19. November wird gewählt. Wenn die Wahlen bevorstehen, dann versprechen die großen Parteien den Werktätigen das Blaue vom Himmel.

SIND SIE VORÜBER, DANN GEHT DER BETRUG AN DEN MASSEN GENAUSO WEITER WIE VOR DEN WAHLEN

Das ist die Lage des bürgerlichen Parlamentarismus. Die SPD/FDP-Regierung hatte 1969 mit großen Versprechungen begonnen. Sie versprach Preisstabilität, wirtschaftliches Wachstum, sichere Arbeitsplätze, und sie versprach 'mehr Demokratie'. Was kam dabei heraus? Die Preise schnellten in die Höhe, die Mieten gingen hoch, Fabriken wurden stillgelegt. Und was es mit der Phrase 'mehr Demokratie' auf sich hatte, das zeigte sich schnell. Wie jede Regierung des Monopolkapitals, so vertritt auch die SPD/FDP-Regierung in jeder Hinsicht die Interessen der Kapitalistenklasse. Sie verschlechterte nicht nur die Lebensbedingungen der Werktätigen, sie leistete auch ihren Beitrag dazu, die Kapitalistenklasse auf den Klassenkampf zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie vorzubereiten.

- Die SPD boxte das sogenannte 'neue Betriebsverfassungsgesetz' durch. Die Friedenspflicht blieb, die Schweigepflicht blieb und es blieb die 'vertrauensvolle Zusammenarbeit' zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung. Die SPD/FDP-Regierung sorgte für die Verstärkung, weitere Militarisierung und zentrale Einsatzmöglichkeiten der Polizei. Unter dem Vorwand, gegen anarchistische Gruppen den notwendigen Schutz der Bürger zu schaffen, rüstete die SPD/FDP-Regierung in Wirklichkeit die Kapitalistenklasse mit denjenigen Mitteln aus, die sie braucht, um gegen Massenstreiks der Arbeiterklasse vorgehen zu können.

Genauso die Gesetze zur 'inneren Sicherheit': Die SPD belebte die Nazi-Schutzhaft unter dem Namen Vorbeugehaft; ein Verdacht reicht, um fortschrittliche Kollegen vom Arbeitsplatz weg zu verhaften und in die bekannte 'Untersuchungshaft' zu stecken. Der Verfassungsschutz und andere Spitzelorganisationen wurden gestärkt. Der Bundesgrenzschutz wird zur Spezialtruppe gegen die Werktätigen umgerüstet. SPD- und FDP-Männer zeigen sich öffentlich in Kriegsmontur und an Waffen. Weyer, FDP-Innenminister von NRW, ist stolz auf seine 700 Mann starke Scharfschützeneinheit. Und schließlich: das neue Ausländergesetz. Was die SPD/FDP-Regierung in den letzten Wochen vorführte, erlaubt nur einen Vergleich: Wer wird nicht an die Pogromhetze der Nazis erinnert, wie 'unabhängige' Zeitungen wie 'BILD' ungestraft 'Araber raus!' schreiben dürfen, wenn die Regierung Hunderte von palästinensischen Kollegen und Studenten abschiebt, ohne Rücksicht auf ihre sozialen Verhältnisse und ohne Rücksicht darauf, daß viele dieser Menschen in ihren teilweise faschistisch beherrschten Heimatländern wie Jordanien nur eines erwartet: Kerker, Folter, Tod.

WAS HABEN DEM CDU/CSU entgegenzusetzen?

Nichts. Sie regieren 20 Jahre lang in der BRD.
- Sie spalteten Deutschland.
- Sie sorgten dafür, daß die Kapitalisten schon wenige Jahre nach dem Krieg Riesenprofite auf Kosten der Kollegen machten,
- Sie schufen das erste Nachkriegs- Betriebsverfassungsgesetz.
- Sie sorgten für die Wiederbewaffnung der BRD und die Eingliederung der BRD in die imperialistische NATO.
- Sie verboten die KPD und ließen die Klassenjustiz auf Tausende von kommunistisch und fortschrittlich denkenden Kollegen los.
- Sie verschlechterten in beispielloser Weise die Lebensbedingungen aller Werktätigen.

Wer diese Partei wählt, schafft keine Alternative zur SPD/FDP.
ER WÄHLT KEIN GRÖSSERES, NUR EIN ANDERES ÜBEL

Es ist genauso, als käme man aus dem Sumpf, in der Hoffnung, der Morast bedeutet Rettung. Die deutsche Kommunistische Partei (DKP) stellt sich erstmals zur Bundestagswahl. Sie behauptet, Arbeiterinteressen 'kontra Großkapital' zu vertreten. Was aber sind die Tatsachen? Die DKP wurde als Resultat von Verhandlungen zwischen der herrschenden Clique und der Sowjetunion und der deutschen Bundesregierung nach 13 Jahren KPD-Verbot ins Leben gerufen. Sie hat die Aufgabe, die wirtschaftlichen Interessen der neuen Klasse von Ausbeutern der Sowjetunion zu vertreten. Deswegen marschierten DKP-Mitglieder für die imperialistischen Ostverträge mit dem sowjetischen Sozialimperialismus. In den Betrieben spaltet sie, wo sie kann. Sie hilft, wie jüngst bei Opel, fortschrittliche Betriebsräte auszuschließen. Sie unterstützt Verbotsanträge gegen kommunistische Organisationen.

Die Erklärung ist einfach: WIE IHRE ZIEMUTTER, SO HAT AUCH DIE DKP ALLES, WAS KOMMUNISTISCH UND REVOLUTIONÄR IST, AUS IHREM PROGRAMM GESTRICHEN. WER DIESE PARTEI WÄHLT, WÄHLT NICHT ETWA 'KOMMUNISTEN IN DEN BUNDESTAG', ER WÄHLT KOMPLIZEN DES KLASSENFEINDES

Warum kandidiert die KPD nicht zu den Bundestagswahlen 1972? Die KPD hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeiterklasse und die übrigen unterdrückten Schichten des Volkes zum Sturz der kapitalistischen Ausbeuterordnung zusammenzuschließen. Wir sind keine Wahlmaschine wie die bürgerlichen Parteien, die ihre Existenzberechtigung im Konkurrenzkampf um Abgeordnetensitze und Staatsämter finden. Die Beteiligung am bürgerlichen Parlament ist für uns ein wichtiges Hilfsmittel bei der Propaganda für die Sache des Kommunismus. Die Beteiligung am bürgerlichen Parlament ist für uns ein wichtiges Hilfsmittel bei der Propaganda für die Sache des Kommunismus. Wir können aber gegenwärtig für die Bundestagswahlen noch keine Landeslisten aufstellen, ohne daß gerade die Genossen entlassen und aus der Gewerkschaft ausgeschlossen würden, die für den weiteren Aufbau unserer Betriebszellen notwendig sind. Die KPD hat daher entschieden, zu der jetzigen Bundestagswahl nicht zu kandidieren. Wir rufen alle Kollegen, alle fortschrittlichen Menschen und Genossen auf:
NUR VOLKSFEINDE STEHEN ZUR WAHL!
KEINEM DIE STIMME!
STIMMT UNGÜLTIG!"

Aufgerufen wird dazu, an einer Nationalen Vietnam-Demonstration in Frankfurt am 28.10.1972 teilzunehmen. Es stehen auch Busse zur Verfügung. Informationen dazu sind einzuholen bei: Vietnam-Ausschüsse, oder Zimmerstraße 19.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Hoesch, Dortmund 24.10.1972

22.11.1972:
Vermutlich Mitte dieser Woche erscheint eine Ausgabe der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' der Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD (vgl. 24.10.1972, 10.1.1973) mit 6 Seiten DIN A4 und einem Leitartikel zur Belegschaftsversammlung (vgl. 15.11.1972). Berichtet wird von den Bundestagswahlen (BTW – vgl. 19.11.1972) aus Dortmund sowie aus den USA von der Wiederwahl Nixons (vgl. 7.11.1972) bzw. vom Vietnamkrieg (vgl. 31.10.1972).

Auf den Seiten vier und fünf heißt es zur MTR der (IG Metall) IGM: "
METALLTARIFRUNDE: 150 DM MEHR FÜR ALLE! 1.200 DM MINDESTLOHN NETTO!

Wochenlang hat uns der Sozialdemagoge Brandt erzählt, wir Arbeiter könnten heute bei ständig steigendem Lohn ein immer besseres Leben führen. Die DGB-Führer behaupten, ihre 'konsequente Lohnpolitik' habe uns effektive Lohnerhöhungen gebracht. Jeder Hoesch-Kollege weiß, daß das unverschämte Lügen sind. Lächerliche 6% hat uns die letzte Tarifrunde gebracht. Auf unserem Lohnzettel war selbst von dieser dürftigen Lohn-'Erhöhung' nichts zu sehen: Sie hatte nur die Spanne zwischen Tarif- und Effektivlöhnen verringert. Darauf folgte 15 Monate lang faktischer Lohnstopp bei ständig steigenden Preisen - über 6% zuletzt. Nachdem bei Hoesch in den meisten Abteilungen die Überstunden wegfielen, standen die Hoesch-Kollegen am Schluß mit einem Durchschnittslohn von rund 780.-800.-DM da. Davon kann keine Arbeiterfamilie satt werden! Der DGB gab schon 1971 die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten einer vierköpfigen Arbeiterfamilie mit 1.200 DM an. Heute werden wir also im Durchschnitt um 500, -DM unter Existenzminimum bezahlt. Viele müssen deshalb nach Feierabend Schwarzarbeit leisten. Von anderen Kollegen hört man, sie hätten ihr Auto verkaufen müssen, seien in eine billigere Wohnung umgezogen usw. Auf der anderen Seite verlangen die Kapitalisten immer größere Arbeitsleistungen von uns. Bei Hoesch nimmt die Belegschaft um monatlich 200 Kollegen ab. Die verbleibenden Kollegen müssen die Arbeit der abgegangenen mitmachen. Das Ergebnis ist: ständig steigende Arbeitshetze auf der einen Seite, Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf der anderen. Bei Hoesch wird heute in den meisten Abteilungen mit Unterbelegschaft gearbeitet. Doch die Personalpolitik der Hoesch-Kapitalisten bleibt die gleiche: Einstellungsstopp bei den meisten Betrieben. Manche Kollegen glauben, daß sich unsere Lage bald im Zuge eines allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs in der Bundesrepublik bessern wird. Doch damit fallen sie auf eine üble Propagandalüge der SPD-Regierung und der Gewerkschaftsspitze herein. Beide wollen uns einreden, die Zeiten der regelmäßig wiederkehrenden kapitalistischen Krisen, in denen die Produktion erlahmt und tausende Kollegen auf die Straße fliegen, seien endgültig vorbei. Beide behaupten, durch 'staatliche Lenkungsmaßnahmen' ließen sie sich verhindern, oder zumindest stark abschwächen. Doch ihre 'staatlichen Lenkungsmaßnahmen' dienen nur der Stabilisierung der Monopolprofite auf Kosten der Lebenshaltung der werktätigen Massen. Über die Erhöhung der Massensteuern, wie Branntwein-, Tabak- und Mineralölsteuern, über die weitere Kürzung der ohnehin minimalen Staatsausgaben, die im Interesse der Werktätigen liegen, über Preiserhöhungen bei den staatlichen und halbstaatlichen Versorgungsunternehmen (Gas, Wasser, Strom, Nahverkehr) schafft die SPD/FDP-Regierung zusätzliche Gelder, die direkt den Kapitalisten zufließen. Der Ruhrkohle AG und ihren Abnehmern, den Strom- und Stahlkapitalisten steckt sie Milliardensummen als Subventionen in die Tasche, um den Absatz der Ruhrkohle zu Monopolpreisen zu sichern. Das ist die 'Stabilitätspolitik' der Parteien des Monopolkapitals: Stabilität der Monopolprofite durch brutalen Lohnraub an den Werktätigen!

Wirtschafts- und Finanzminister Schmidt läßt gar keinen Zweifel daran, daß das auch die zukünftige Politik der Regierungskoalition sein wird: für das kommende Jahr hat er bereits Lohnsteuererhöhungen angekündigt. Kapitalistische Rationalisierungen, Steigerung der Arbeitshetze, Preistreiberei und staatlich organisierter Lohnraub- das ist die Situation, in der sich die diesjährige Tarifrunde abspielt. Die IGM-Führung hat für die anstehende Tarifrunde bekanntlich die Forderung nach 60 Pfg. mehr für alle aufgestellt. Nach den Erfahrungen der letzten Tarifkämpfe weiß heute jeder Stahlarbeiter, daß sie damit wieder einen 5-6%-Abschluß ansteuert. Und diese 5-6% noch nicht mal als effektive Lohnerhöhung; lediglich die tarifliche Absicherung unseres Lohnes soll nach den Plänen der IGM-Führung um diesen Prozentsatz steigen. Bei den bisher üblichen Laufzeiten der Tarifverträge bedeutet das aber: 12-15 Monate Lohnstopp bei ständig steigenden Preisen, also weitere Verschlechterung unserer Lebenshaltung. Das ist das Wesen der Politik der IGM-spitze in dieser Tarifrunde! Die KPD geht mit der Forderung nach 150 DM MEHR FÜR ALLE in diese Tarifrunde. Dies ist aber das Mindeste, was wir durchsetzen müssen, um der massiven Lohnraubpolitik von Kapitalisten und SPD-Regierung einen Riegel vorzuschieben. Doch selbst wenn wir diese Forderung durchsetzen, ist uns damit unser gegenwärtiger Lebensstandard nicht garantiert, von effektiver Lohnerhöhung ganz zu schweigen. Das Ergebnis jahrzehntelanger reformistischer Tarifpolitik ist ein Auseinanderklaffen von Tarif- und Effektivlöhnen - heute durchschnittlich um 200-300 DM bei Hoesch. Das heißt: dieser Anteil unseres Lohns ist durch keinen Tarifvertrag abgesichert. Die Kapitalisten können ihn jederzeit streichen. Selbst wenn wir 150 DM mehr für alle durchsetzen, müssen wir trotzdem damit rechnen, daß unser tatsächlicher Lohn nicht um einen Pfennig steigt, wie schon in der letzten Tarifrunde für viele Kollegen. Eine tariflich voll abgesicherte effektive Lohnerhöhung, durch die unsere Lebenshaltungskosten wirklich abgedeckt werden, können wir nur unter der Forderung nach 1.200 DM Mindestlohn netto erkämpfen. Die Mindestlohnforderung wurde bereits auf der letzten Belegschaftsversammlung auf der Westfalenhütte vorgebracht. Sie muß noch stärker verbreitet werden; denn sie ist unsere schärfste Waffe im Kampf gegen den Lohnabbau. Sie richtet sich zugleich gegen das gesamte reformistischer Tarifvertragssystem, das heute immer weniger eine Waffe in der Hand der Arbeiter, vielmehr eine Fessel für unsren Kampf ist.

1.200 DM MINDESTLOHN NETTO!

Die Forderung nach 150 DM mehr für alle ist trotz allem äußerst wichtig für diese Tarifrunde. Denn dies ist eine Forderung, mit der wir gegen alle Spaltungsmanöver von IGM-Führung und Kapitalisten - die einheitliche Front aller kampfentschlossenen Metaller - und Stahlarbeiter aufbauen können und werden. Im Kaltwalzwerk ist die Forderung nach 160 DM mehr für die Kollegen mit 12 Punkten, 150 DM mehr für die mit 13 Punkten usw. aufgestellt worden. Es ging den Kollegen darum, die besonders schlecht bezahlten unteren Punktwerte anzuheben. Der Kampf gegen das spalterische Punktsystem und die größtenteils völlig ungerechtfertigten Lohnunterschiede zwischen den einzelnen Abteilungen wird bei Hoesch seit 6 Jahren geführt. Unsere Partei führt selbst diesen Kampf in vielen Betrieben unter der Forderung:
WEG MIT DEN LOHNGRUPPEN 1 und 2 UND DEN ENTSPRECHENDEN PUNKTWERTEN!

Sie steht auch an diesem Kampfabschnitt voll und ganz an der Seite der Hoesch-Arbeiter. Die Forderung nach 160 DM mehr liegt von der Höhe her gesehen richtig. Wir sollten aber nicht vergessen, daß die Betriebsräte, die diese Forderung mit aufgebracht haben, schon oft genug von der Tarifrunde scheinradikal den Mund aufgerissen und hohe Forderungen gestellt haben, um dann, wenn gekämpft werden muß, alles wieder abzublasen und den Streik zu verhindern. Ihre Taktik heißt Spaltung: Zusammen mit einigen Vertrauensleuten isolieren sie die Hoesch-Arbeiter durch überdurchschnittliche hohe Forderungen von der Masse der Metall- und Stahlarbeiter. Das Ergebnis ist bekannt: die Hoesch-Arbeiter versuchen, ihre
Forderungen im Alleingang durchzusetzen und scheitern genauso wie die Kollegen vom Niederrhein. Gerade eine so kampferfahrene Belegschaft wie unsere hier in Dortmund muß sich fest mit den weniger kämpferischen Belegschaften unter einer einheitlichen Forderung zusammenschließen, muß in dieser Kampffront als vorwärtstreibender Motor die anderen Metall- und Stahlarbeiter mitreißen. Nur so können wir unsere Forderungen durchsetzen. Dafür brauchen wir unsere einheitliche Lohnforderung:
150 DM MEHR FÜR ALLE!
1.200 DEM MINDESTLOHN NETTO!"

Auf Seite 6 setzt man sich ein: "
FÜR AUSREICHENDEN GESUNDHEITSSCHUTZ

Immer wieder wird von Vertretern der Werksleitung behauptet: Bei Hoesch steht der Mensch im Mittelpunkt! Die Sicherheit der Arbeitsplätze, der Gesundheit unserer Arbeitnehmer, ihnen gilt unsere ganze Sorge. Daß in Wirklichkeit bei Hoesch nicht der Mensch, sondern der Profit im Mittelpunkt steht, beweisen uns die vielen Unfälle, die ständig bei Hoesch vorkommen. In den letzten Wochen gibt es zwei besonders krasse Beispiele:
- einem Kollegen wurden die Daumenspitzen von einer Maschine absägt. Mit der Begründung, dies sei nur ein minimaler Unfall, wurde ihm der Abtransport in einem Krankenwagen verweigert. An der Unfallstation zu Fuß angekommen, wurde er von einem Sanitäter angeschnauzt, warum er seine Daumenspitzen nicht mitgebracht habe, er solle sie gefälligst holen gehen.
- durch ausströmendes Gichtgas wurden ein Lehrling und ein Ausbilder mit Vergiftungserscheinungen zum Krankenwagen gebracht. Das Unfallkrankenhaus verweigerte die Aufnahme der beiden Kollegen. Erst im Krankenhaus am Westfalendamm wurden sie endlich aufgenommen.

Jetzt sollen die werkseigenen Krankenwagen auch noch ganz abgeschafft werden. Der Transport von Verletzten soll den städtischen Unternehmen übertragen werden, die sicherlich bei einem Betriebsunfall weniger schnell zur Stelle sein können als die werkseigenen Wagen dies könnten.

Kollegen, wehren wir uns entschieden gegen solche Maßnahmen, die den Gesundheitsschutz ständig weiter verschlechtern. Fordern wir gemeinsam:
KEINE ABSCHAFFUNG DER WERKSEIGENEN KRANKENWAGEN!
UNMITTELBARER ABTRANSPORT ALLER UNFALLVERLETZTEN IM KRANKENWAGEN!"

Geworben wird:
ROTE FAHNE - ZENTRALORGAN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS

Unterstützt die Propagandaarbeit der Kommunistischen Partei Deutschlands. Aus dem Inhalt der Roten Fahne:
- Bundestagswahl: Brandt siegt - das Volk verliert!
- Honeckers Schwierigkeiten, sich von Brandt abzugrenzen,
- Wunderdroge Osthandel,
- RGW-Instrument der Ausbeutung der Völker Osteuropas,
- Inflation - eine Folge der Monopolprofite,
- Die Einigkeit der Monopolparteien in der Frage der 'inneren Sicherheit'.
- Klassenjustiz: Entlassung im Krankheitsfall,
- Forderungen fortschrittlicher ÖTV-Mitglieder zur Tarifrunde,
- Weitere Berichte von Aktivitäten der KPD zu den Bundestagswahlen,
- Die USA-Imperialisten rüsten die Thieu-Clique auf,
- Streik bei Klöckner-Draht."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse – Hoesch Dortmund Bericht von der Belegschaftsversammlung, Dortmund o. J. (Nov. 1972)

15.12.1972:
Es erscheint die Nr. 18 der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 22.11.1972, 10.1.1973) - Betriebszeitung der Zelle Westfalenhütte der KPD für die Hoesch-Arbeiter mit 4 Seiten und dem Leitartikel "Keine weiteren Verhandlungen! Sofortige Urabstimmung. Streik!" zur Stahltarifrunde (STR).

Weitere Artikel sind:
- "Warum wurde am Dienstag nicht gestreikt?";
- "Die Jugendzelle schreibt: Weihnachtsgeld gekürzt!";
- "Weg mit dem KPD-Verbot!" zur Nichtzulassung der KPD zu den Bundestagswahlen (BTW), wogegen mit einem Coupon Unterschriften gesammelt werden; sowie
- "Die Monopole präsentieren die Rechnung, die SPD bittet zur Kasse!" zu den Bundestagswahlen und der Stahltarifrunde (STR), zu der zur Veranstaltung aufgerufen wird (vgl. 17.12.1972).
Aufgerufen wird zur Vietnamveranstaltung in Köln (vgl. 16.12.1972).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse – Hoesch Dortmund Nr. 18, Dortmund 15.12.1972

10.01.1973:
Es erscheint die Nr. 19 der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' - Betriebszeitung der Zelle Westfalenhütte der KPD für die Hoesch-Arbeiter (vgl. 15.12.1972, 12.2.1973) mit 4 Seiten DIN A4. Der Leitartikel lautet:"
NEIN ZU 46 PFENIG UND 8, 5% FÜHRT AUS!

Albert Pfeiffer hat sich in der Tarifkommission bei der Abstimmung über den 46 Pfg. Abschluß enthalten. Das hat erneut gezeigt, daß die Betriebsratsführung nichts von dem Willen der Hoesch-Belegschaft hält. Die Leitungen der Vertrauensleutekörper fordern uns dazu auf, bei der Urabstimmung mit Nein zu stimmen. Gleichzeitig will sie 'objektive Aufklärung' treiben, warum die Tarifkommission den Abschluß mehrheitlich annahm. Reicht das aus, um nach der Einigung zwischen Kapitalisten und IG-Metall-Führern noch eine Lohnerhöhung durchzukämpfen, die den Interessen der Stahlarbeiter an Rhein und Ruhr entspricht?
Nein. Denn: Über das Verhalten der Mehrheit der Tarifkommission braucht uns niemand 'aufzuklären'. Darüber sind wir seit Freitag aufgeklärt. Jetzt müssen wir darüber reden, wie wir dagegen angehen. Und mit dem reaktionären Paragraphen 11 ihrer Satzung haben die IG-Metall-Führer dafür gesorgt, daß selbst eine klare Mehrheit für Streik den Tarifabschluß nicht aufheben kann. Wenn es gilt, arbeiterfeindliche Maßnahmen der SPD/FDP-Regierung zu verteidigen, denn reden die IG-Metall-Führer viel von Demokratie und der demokratischen Macht der Mehrheit. Wenn aber ihre eigene Politik gefährdet wird, dann sieht die Praxis anders aus: selbst 74% der Arbeiter und Angestellten von Eisen und Stahl reichen nicht aus, um den 46 Pfg. Abschluß vom Tisch zu bringen.

In der IGM-Satzung, Paragraph 11, Absatz 3, heißt es nämlich:
'Der Vorstand darf der Fortführung der Bewegung nur dann zustimmen, wenn mindestens 75 Prozent der daran beteiligten Mitglieder sich dafür ausgesprochen haben.'

Und jedem Kollegen, der nicht spurt, wird offen gesagt, daß sein Lebensunterhalt auf dem Spiel steht, wenn er sich nicht an das hält, was Mannesmann-Aufsichtsrat Loderer und seine Leute in seinem Namen beschließen:
'Die Entscheidungen des Vorstandes sind unter allen Umständen für die betreffenden Mitglieder bindend. Wird gegen den Beschluß des Vorstandes die Arbeit niedergelegt, so verzichten die Mitglieder auf jede Unterstützung.' (IGM-Satzung, Paragraph 11, Absatz 4).

Die IGM-Führer bauen darauf, daß die Kollegen in der Mehrheit noch glauben, wenn es hart auf hart geht, stünden die Gewerkschaftsführer auf ihrer Seite. Aber die Niederhaltung von Streikmaßnahmen zur Durchsetzung wirklicher Lohnerhöhungen durch die Führungen der DGB-Gewerkschaften ist systematisch und planmäßig. Das zeigen uns nicht nur die Zitate aus der Satzung. Das zeigt z. B. auch eine von der Baden-Württembergischen IG-Metall (Verwaltungsstelle Schwäbisch Gmünd) herausgegebene Broschüre über den Metallarbeiterstreik des letzten Jahres, in deren Vorwort es wortwörtlich heißt:
'Die Arbeiter waren über die sture Haltung der Metallindustrie erbost und die Gewerkschaftsfunktionäre hatte alle Mühe, Arbeitsniederlegungen, die nicht geplant waren, zu unterbinden.'

Kollegen, Loderer und Co. bauen darauf, daß wir den Tarifabschluß für gelaufen halten, daß viele von uns heute auf ein klares Nein verzichten, weil sie meinen, es habe ja doch keinen Zweck. Tatsächlich kann man in diesen Tagen manche Kollegen so reden hören. Aber diese Haltung ist falsch. Die geschlossene Front der Arbeiter und Angestellten von Eisen und Stahl ist stärker als alle Kapitalisten und IGM-Führer zusammen!

Deswegen, um allen Kollegen zu zeigen, daß es noch Zweck und Erfolgsaussichten hat, gegen den Abschluß vom vergangenen Freitag zu kämpfen, muß noch heute und morgen gestreikt werden! Und wir alle müssen verhindern, daß durch den reaktionären 75%-Paragraphen der Streik verhindert wird und sich die IGM-Führer noch mit demokratischer Abstimmung brüsten.
DARUM: HEUTE UND MORGEN VON JEDEM KOLLEGEN EIN KLARES NEIN!
UND DARUM: NOCH HEUTE UND MORGEN STREIK!
DENN: WAS UNS ERFOLG BRINGT, IST NICHT DER STIMMZETTEL, SONDERN DER GESCHLOSSENE UND SOLIDARISCHE KAMPF!"

Auf Seite 3 erscheint der Artikel:"
WILLY BRANDT - WAHRHAFT EIN FRIEDENSKANZLER

Nachdem die USA-Mörder kurz vor Weihnachten barbarische Bombenüberfälle auf die nordvietnamesischen Städte Hanoi und Haiphong starteten, schlug Nixon in der ganzen Welt eine Welle der Empörung entgegen. Nicht nur Massendemonstrationen in vielen Ländern zeigen, daß die USA-Imperialisten sich immer mehr isolieren. Jeder Staat, jede Regierung, jede Persönlichkeit, die immer noch einen Funken Gerechtigkeit und Menschlichkeit ha, brachten ihre Abscheu noch über die neuerliche Eskalation des Bombenterrors öffentlich zum Ausdruck.
Diejenigen, die der sozialdemokratischen Regierung im letzten Jahr ihre Stimme gaben, warten bis heute vergeblich auf eine Äußerung von Willy Brandt:
DER TRÄGER EINES FRIEDENSNOBELPREISES HAT ES OFFENSICHTLICH NICHT NÖTIG, AUCH NUR MIT EINER SILBE AUF DIE SYSTEMATISCHE VERNICHTUNG EINES GANZEN VOLKES EINZUGEHEN.
Ein 'Friedensnobelpreisträger', ein 'Friedenskanzler' kann es sich sogar leisten, auf heftige Angriffe aus seiner eigenen Partei verlauten zu lassen: er wurde schon seine Gründe für sein Schweigen haben. Alle, ganz besonders die sozialdemokratischen Kollegen, diejenigen, die Willy Brandt gewählt haben, weil sie seinen Friedensparolen glauben, müssen dieses Verhalten der sozialdemokratischen Regierung scharf verurteilen.
Sie müssen erkennen: Diese Regierung deckt seine imperialistischen Räuber und Verbrecher. Diese Regierung unterstützt die Aggressionen der USA.

Diese Regierung ist um keinen Deut besser und friedliebender als die kriegslüsterne Nixon-Regierung.
Jede Unterstützung der südvietnamesischen Regierung durch die BRD muß sofort eingestellt werden! Weg mit der Thieu-Botschaft in Bonn! Anerkennung der Demokratischen Republik Vietnam und der Provisorischen Revolutionären Regierung in Südvietnam!"

Gefordert wird:
SOFORTIGE UNTERZEICHNUNG DES 9-PUNKTE-ABKOMMENS DURCH DIE USA-REGIERUNG

Nachdem die USA-Regierung die Pariser Friedensverhandlungen sprengten, versuchte der Kriegsverbrecher Nixon die vietnamesische Verhandlungsdelegation 'an den Verhandlungstisch zurückzubomben', wie er selbst sagte.
Damit wollte der die Provisorische Revolutionäre Regierung Südvietnams kompromißbereit machen und Forderungen wie den Verzicht auf die Wiedervereinigung Vietnams durchzusetzen.
Die beiden Regierungen gingen aber auf Nixons 'Sonderwünsche' nicht ein, da das vietnamesische Volk die Wiedervereinigung seines Landes nicht aufgeben kann.
Unter diesen brutalen Bombardierungen hatte ausschließlich die Bevölkerung zu leiden. 1319 Menschen wurden getötet, ebensoviele verletzt. Die Städte Nordvietnams existieren über der Erde praktisch nicht mehrt, ihre Krankenhäuser und Schulen sind zerstört.
Allen diesen brutalen und unmenschlichen Bombardierungen zum Trotz wächst die Entschlossenheit des vietnamesischen Volkes, solange zu kämpfen bis kein einziger US-Soldat oder Zivilberater mehr in Vietnam ist. Die heroische Luftabwehr der DRV hat seit Dezember ca. 60 Piratenflugzeuge abgeschossen, davon allein 34 B-52-Bomber.
Ein Mitglied der Botschaft der Demokratischen Republik Vietnam in Ostberlin faßte auf einer Solidaritätsveranstaltung der Vietnamausschüsse Westberlins den Willen des vietnamesischen Volkes folgendermaßen zusammen:
'Der USA-Imperialismus wird die Liebe zur Freiheit des vietnamesischen Volkes nicht ersticken. Lieber stehend sterbend, als knieend leben - lieber für die Unabhängigkeit und Freiheit des Vaterlandes sterben, als in der Sklaverei leben.' Und weiter: 'In unserem Volk herrscht die Sehnsucht nach Frieden, aber nicht nach einem Frieden der amerikanischen Art, sondern nach einem echten Frieden. Das ist der Frieden der Freiheit und Unabhängigkeit. Solange der USA-Imperialismus auf seine Aggression nicht verzichtet, wird das vietnamesische Volk weiterkämpfen, bis es seine Freiheit errungen hat.'
In der ganzen Welt wuchs und wächst die Solidarität mit dem vietnamesischen Volk. Die Hafenarbeiter von Australien und Genua weigerten sich, solange amerikanische Kriegsschiffe auszuladen, bis Nixon ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet hat. Diese Solidarität hat gesiegt. Vorläufig sind die Bombenangriffe eingestellt. Gerade die letzten grausamen Bombardierungen der US-Luftwaffe haben immer mehr Menschen den wahren Charakter des Krieges in Vietnam vor Augen geführt: Aggressionen von Seiten der Nixon-Regierung - Wille nach Unabhängigkeit und Freiheit auf Seiten des vietnamesischen Volkes.
Angesichts dieser Tatsache wird immer klarer, daß Friedenskanzler Brandt sich eindeutig auf die Seite der USA-Verbrecher stellt.
Jede Bekräftigung der 'Friedenspolitik' von dem Parteivorstand der SPD wird zur Bekräftigung des Friedens der Machart von Nixon und Thieu, wenn Staatsminister Bahr vor seinem Amerikaflug sagt: 'Mit Freunden redet man offen, aber nicht öffentlich!' Diese Unterstützung der USA-Aggression läßt der von der SPD geführte Staatsapparat auch Taten folgen: Überall, wo in letzter Zeit gegen die Bombenangriffe demonstriert wurde, versuchte die Polizei durch überfallartigen Einsatz die Demonstranten auseinanderzujagen, so z.B.: in Bonn, Köln und auch hier in Dortmund. Die SPD-Polizei wurde zum Helfershelfer der USA-Imperialisten.
Aber viele Menschen, die den Bombenterror verabscheuen und denen klar geworden ist, daß das vietnamesische Volk einen gerechten Krieg führt, fragen sich: Vietnam ist weit, wie können wir denn das vietnamesische Volk unterstützen?
Neben der moralischen und materiellen Hilfe durch Demonstrationen und Geldsammlungen können wir in der BRD das vietnamesische Volk ganz konkret unterstützen, indem wir folgende Forderungen der Provisorischen Revolutionären Regierung und der Demokratischen Republik Vietnams erkämpfen:
UNGEHINDERTE EINREISE DER VERTRETER DER PRR UND DRV IN DER BRD!
SOFORTIGE ANERKENNUNG DER DRV!
SOFORTIGE ANERKENNUNG DER PRR!
WEG MIT DER THIEU-BOTSCHAFT IN BONN!
ZULASSUNG VON INFORMATIONSBÜROS DER PRR! Diese Forderungen legen klar, daß die PRR und die DRV die einzige legitimen Vertreter des vietnamesischen Volkes sind, die Thieu-Clique eine vom USA-Imperialismus an der Macht gehaltene Marionette ist.
Unter diesen Forderungen führen die Dortmunder Vietnamausschüsse (VA des NVK, d.Vf.) eine Kampagne zur Unterstützung des vietnamesischen Volkes durch. Die Hoesch-Zelle der KPD unterstützt diese Kampagne und hilft mit bei den Geldsammlungen für den Wiederaufbau von Hanoi und Haiphong, bei den Unterschriftensammlungen für die sofortige Unterzeichnung des 9-Punkte-Abkommens. Für alle Kollegen, die die Kampagne unterstützen wollen, haben die Vietnamausschüsse eine tägliche Kontaktadresse eingerichtet:
HAUS PETERS, RHEINISCHE STRAßE 168, täglich, außer Dienstag,
17.30-19.30 Uhr.
GEBT EURE UNTERSCHRIFT FÜR DIE SOFORTIGE UNTERZEICHNUNG DES 9-PUNKTE-ABKOMMENS!
UNTERSTÜTZT DIE GELDSAMMLUNG FÜR DEN WIEDERAUFBAU VON HANOI UND HAIPHONG!
DEMONSTRATION Am 14. JANUAR IN BONN! -Abfahrt der Busse aus Dortmund, Sonntag, 14 Januar, 9 Uhr am Busbahnhof."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 19, Dortmund 10.1.1973

12.02.1973:
Die Zelle Hoesch Dortmund der KPD gibt einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 10.1.1973, 16.2.1973) heraus. Darin heißt es u.a.:"
MACHT DEN VERRÄTERN AUS DER IGM-FÜHRUNG UND VK-LEITUNG EINEN STRICH DURCH DIE RECHNUNG: NOCH HEUTE BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG!

Nachdem sie 2 1/2 Tage lang wortradikale Töne von sich gegeben hatten, würgte am späten Samstagnachmittag die VK-Leitung der Westfalenhütte den Streik ab. Ohne die geringste Zusage der Hoesch-Kapitalisten sollen wir jetzt auf Verhandlungen vertrauen, obwohl jeder weiß, daß der Hoesch-Vorstand an seinem spalterischen und unzureichenden Angebot festhält.

DARUM MUß DER KAMPF FORTGESETZT WERDEN. NICHT DIE KOLLEGEN VON PHOENIX UND UNION - SONDERN DIE VK-LEITUNG UND BETRIEBSRAT HABEN UNS VERRATEN!

Kein Kollege war auf der Westfalenhütte bereit die Arbeit am Samstagnachmittag aufzunehmen. Ein Kollege rief: 'Wer will die Arbeit wieder aufnehmen?' Keine Stimme erhob sich. 'Wer zieht mit zur Union und sorgt dafür, daß weitergestreikt wird?' Tosender Beifall. Dem nächsten Kollegen wird schon von der VK-Leitung das Mikrofon abgedreht. Die VK-Leitungen aller drei Werke haben zur Arbeitsaufnahme aufgefordert, weil die Streikfront angeblich nicht mehr stünde. Insbesondere dem Werk Union versuchen sie den schwarzen Peter zuzuschieben, um von ihrem eigenen Verrat abzulenken. Am Abend waren Kollegen und Genossen unserer Betriebszelle im Werk Union, wo Kollegen, die immer noch streikten, erklärten:
'Die Arbeit auf Union wurde erst am Nachmittag wieder aufgenommen, nachdem von IGM-Funktionären die Lüge verbreitet worden war, die Westfalenhütte wolle allein weiterstreiken.' Davon war aber am Samstagnachmittag überhaupt nicht die Rede.

DER KAMPF GEHT WEITER!

Kollegen!

WIR MÜSSEN DIE BEREITS AM SAMSTAG GEPLANTE BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG UNBEDINGT DURCHFÜHREN, UND ZWAR SOFORT.

Wir müssen gemeinsam den Streik neu anpacken, wir müssen uns eine Streikleitung wählen, die nicht nur großtuerisch auf den Tisch haut, sondern dafür sorgt, daß durch Streikposten vor allen Toren und vollständige Lahmlegung der Produktion den Hoesch-Kapitalisten die Luft abgedreht wird, bis sie nicht mehr können und klein beigeben.

VERSAMMELN WIR UNS IN DEN ABTEILUNGEN, MARSCHIEREN WIRD DURCH DIE ANDEREN WERKE ZUM ALTEN FAHRRADSCHUPPEN OESTERHOLZSTRASSE

Die VK-Leitung hat keine offensiven Streikmaßnahmen organisiert, sie hat die Streikfront nicht ausgeweitet, sie hat den Streik auf der Westfalenhütte abgeblasen, als die Streikfront noch weitgehend stand. Deshalb muß die VK-Leitung abgesetzt werden.

WEG MIT DER VK-LEITUNG!

Kollegen! Auf zur Belegschaftsversammlung. Warten wir nicht, bis Pfeiffer oder Borchert dazu aufrufen; denn dann können wir lange warten.

DER KAMPF MUß UNBEDINGT WEITERGEHEN"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Sonderdruck, Dortmund 12.2.1973, zitiert nach: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 2, Dortmund o.J. (1973), S. 42f.; Rote Fahne Nr. 7, Dortmund 14.2.1973

16.02.1973:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund (vgl. 12.2.1973, 19.2.1973) der KPD gibt eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' heraus, mit der sie sogar Eingang in die Spalten der 'Welt' findet (vgl. 23.2.1973). Es handelt sich hierbei um die Ausgabe Nr. 21, in deren acht Seiten DIN A4 es neben einem Streikbericht vom 8.2.1973 bis 10.2.1973 eingangs heißt:"
EIN VERLORENES GEFECHT IST NOCH KEINE VERLORENE SCHLACHT

Seit Donnerstag früh haben wir in der letzten Woche für die beiden Forderungen gestreikt:
14 PFENNIG MEHR FÜR ALLE!
BEZAHLUNG DER STREIKSTUNDEN!
Am Samstagabend wurde der Streik von der VK-Leitung abgewürgt, ohne eine der beiden Forderungen erfüllt wurde. Jetzt hat der Betriebsrat dem Angebot der Werksleitung zugestimmt: 5 Pfennig mehr für alle. Das ist genau das alte Angebot, nur linear umgerechnet. Kollegen! Heißes Eisen hat am Montag geschrieben: Obwohl die 14 Pfennig nicht voll durchgesetzt wurden, ist der Streik als Erfolg anzusehen. Jeder von uns weiß, daß diese Einschätzung nicht stimmt. Jeder Kollege weiß, daß der Streikbruch eine Niederlage war. Wie konnte es zu dieser Niederlage, wie konnte es zu diesem plötzlichen Streikabbruch kommen? Welche Lehren müssen wir aus dem Streik ziehen, um den nächsten Kampf zu gewinnen?"

Auf Seite 2 und 3 erscheint der Artikel:"
NACH DREI TAGEN STREIKKAMPF: WARUM SCHEITERTE DER STREIK?

Viele Kollegen sagen: was sollten wir denn am Samstag noch machen? Union und Phoenix wollten nicht mehr mitziehen, die VK-Leitung hat bis zuletzt alles versucht, aber immer mehr sind umgefallen, da mußte es doch so kommen. Stimmt das?
1. Wir haben bis zuletzt gefordert, und mit uns die 1.000 Kollegen in der alten Kantine: FORTSETZUNG DES STREIKS. Und wir sagen auch jetzt noch: wer sich auf die Kollegen beruft, die umgefallen sind, sieht nicht die URSACHEN, und sieht nicht, daß man den Streik hätte fortsetzen können. Wir bezweifeln nicht, daß die Streikfront an einigen Abschnitten abgebröckelt ist. ABER WARUM?
Deshalb, weil der Großteil der Betriebsräte und die Gewerkschaftsführung uns offen in den Rücken gefallen ist, weil sie den Streik sabotiert haben, wo sie nur konnten, weil sie den Kollegen Angst eingejagt haben und gespalten haben, was das Zeug hält. Bisher hat es immer noch ein Mittel gegeben, gegen die Drohungen der Kapitalisten: DIE GESCHLOSSENE FRONT ALLER KOLLEGEN!
Diese Front ist nicht von selbst abgebröckelt, sondern ist von den Arbeiterverrätern systematisch untergraben worden.

- Von Anfang an haben Betriebsräte wie Thiemann (PH) und Schäfer (U) die Kollegen bewußt irregeführt, z. B. 'der Streik ist in den anderen Werken schon zuende', als noch 10. 000 im Streik waren.
Oder IGM-Funktionär Samstagnachmittag auf Union ganz geschickt: 'Die Westfalenhütte will nicht mit uns streiken.' (worauf einige Abteilungen die Arbeit aufnahmen).
- Unter dem Vorwand 'ich will ja nur sachlich und wertneutral informieren', schüchterte A. Pfeiffer immer wieder die Kollegen ein: man muß an die juristischen Konsequenzen denken, Entlassungen, Krankenkassenentzug, Aussperrung usw. Jetzt, nach dem Streik, gibt Pfeiffer offen zu verstehen, daß er von Anfang an gegen den Streik gewesen ist.
- Da, wo Abteilungen den Streik durchbrochen haben, hatten oft Betriebsräte die Finger im Spiel, wie Betriebsrat Bruns (W) im SM 3, Samstag Mittag.
- Was soll man davon halten, wenn der 2. BR.-Vors. von Union, Schäfer, kurz nach Ende des Streiks zu Kollegen am Telephon sagt: 'Wir sind endlich aus dem SOLIDARITÄTSSCHWUR ENTLASSEN. Wir können jetzt sicher sein, daß kein Rollkommando mehr von der Westfalenhütte kommt.'
- Die Betriebsräte Brauckoff und Weber (Beide W) wurden bereits am Donnerstag Abend von Kollegen in die Streikversammlung geholt, weil sie Kollegen unter dem Vorwand des 'Notdienstes' weiterarbeiten ließ.
- DER GIPFEL: Auf Union hat sich folgendes abgespielt: auf SM 1 fanden häufiger gemeinsame Besprechungen von Werner Dietrich (1. Bevollmächtigter der IGM-Ortsverwaltung), Betriebsräten und Vorstandsvertreter statt. Unter anderem sollen diese Herren folgenden feinen Plan ausgeheckt haben: eine Serie von 4 Briefen war geplant, die an alle Hoesch-Arbeiter und Angestellten gehen sollte. Der 1. ist der, der bereits angekommen ist; der 2. sollte beinhalten: 'Auch Arbeitswillige bekommen keinen Lohn', der 3. Brief kündigt Aussperrung an, als 4. Stufe waren planmäßige Rausschmisse geplant. Sind das nicht feine Herren? Nicht einmal neutral haben sie sich verhalten, sondern die Betriebsräte und die Geschäftsführung hat zusammen mit Schmitthals und Abs und Sieber den Streik bekämpft. Der IGM-Boß Loderer, der seine Weisungen von seinen SPD-Regierungsfreunden in Bonn erhält, erklärte Freitag (S. 3) und Samstag: die Gewerkschaft denke überhaupt nicht daran, den Streik der Hoesch-Arbeiter zu 'legalisieren', er sei gewerkschaftsschädigend und ungesetzlich.'

SAMSTAG MORGEN: Ein Vertreter der Bezirksleitung Essen und des Düsseldorfer Zweigbüros werden von Loderer nach Dortmund geschickt…Was sie da gemacht haben, kann sich jeder denken.

2. Nur konsequent: AUCH VK-LEITUNG UMGEFALLEN. Am Samstag Nachmittag wurde auf der Sitzung der Leitungen aller drei VK's im Werk Union der Abbruch des Streiks beschlossen. GEGEN DEN WILLEN DER 1.000 KOLLEGEN DER WESTFALENHÜTTE IN DER ALTEN KANTINE, die 1-STIMMIG FÜR DIE FORTSETZUNG DES STREIKS EINTRATEN, drehten Borchert und der SPD-VK-Vorstand den Hahn zu. Der Verrat der SPD-VK-Leitung war in ihrem Verhalten während der Streiktage schon angelegt. Am Anfang vertrat sie mit radikalen Worten die Forderungen nach 14 Pf. und Streiktage-Bezahlung, sie gab bis kurz vor Abbruch des Streiks Durchhalteparolen aus. Die Kollegen sagten:
'Der Streik steht, die VK-Leitung macht das schon.'
IN WIRKLICHKEIT UNTERNAHM ABER DIE VK-LEITUNG NICHTS FÜR KONEQUENTE ORGANISIERUNG DES STREIKS.
Sie verhinderte, daß eine Streikleitung gewählt wurde, daß Streikposten aufgestellt wurden. Vor allem aber kniff die VK-Leitung den Schwanz ein vor der Gewerkschaftsführung und den Betriebsräten. Seit Samstag Morgen besaß die VK-Leitung der Westfalenhütte eine Tonbandaufzeichnung des Loderer-Interviews im Rundfunk. Dieses Interview wurde mit scheinheiligen Argumenten NICHT abgespielt ('Müssen wir erst intern analysieren'). Mit jeder Streikstunde wurde aber deutlicher: Wer den Streik erfolgreich führen will, der MUSS gegen die Spaltungs- und Sabotageakte von Pfeiffer und Dietrich organisiert vorgehen. Als die Lage sich zuspitzte, waren die SPD-Vorstandsmänner zu einem klaren Entschluß gekommen:
'Entweder streiken wir weiter, dann kommt die Polizei, und wir Familienväter werden wegen Hausfriedensbruch verhaftet. Das können wir nicht mehr verantworten.'
Die VK-Leitung wollte den Kampf um die 14 Pfennig führen - durch wortradikales Auftreten und großes Getöse. Als sich aber zeigte, daß dieser Kampf sich verschärfen mußte, daß dieser Kampf nicht gegen einen 'Herr-im Hause-Standpunkt', sondern einen organisierten Klassenfeind geführt werden mußte, entschieden sie sich klar GEGEN den Kampf und kapitulierten. Damit hat sie
allerdings auch den Kampf für 14 Pf. verraten und verloren.
SOFORTIGE BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG!
FORDERN WIR RECHENSCHAFT VON DER VK-LEITUNG!
FORDERN WIR RECHENSCHAFT VOM BETRIEBSRAT!"
Einige Ausschnitte sowie die Streikchronik werden von der KPD auch bundesweit verbreitet.

Zum Bericht über den Streik heißt es:"
Kollegen, wenn Ihr unseren Bericht für falsch oder für unvollständig haltet:
- schreibt uns: Rote Fahne Verlag, Zimmerstraße 19,
- ruft uns an: Telefon 834166,
- kommt vorbei: Arbeiterbuchhandlung Karl Marx, Zimmerstraße 19, täglich 17.00 - 20.00 Uhr.
KOMMT ZUR VERANSTALTUNG DER BETRIEBSZELLE ÜBER DEN STREIK BEI HOESCH.
Mittwoch 21.2.1973, 19 Uhr, Gaststätte Hackländer Hof, Münsterstraße 190 am Hackländer Platz."

In der Ausgabe wird auch auf Seite 3 Reklame für die 'Rote Fahne' der KPD gemacht. Dazu heißt es:"
(Aus Nr. 7/1973):
"Lohnkampf-Klassenkampf.
Wir Kommunisten sagen den Kollegen an Rhein und Ruhr: Lernt aus dieser Niederlage, daß sich die Kapitalistenklasse heute mit der SPD-Regierung stärker fühlt als je zuvor. Der Hoesch-Streik zeigt: Der Klassenfeind, die Kapitalistenklasse, die SPD-Regierung, die Gewerkschaftsführung sind nicht bereit, freiwillig auch nur einen Fußbreit Boden abzugeben. Unsere Betriebszelle schreibt in ihrem letzten Flugblatt vor dem Ende des Streiks: 'Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder die Kapitalisten schlagen zu oder die Arbeiter. Ein drittes gibt es nicht. Das ist die Lehre, die die Arbeiterklasse in den nächsten Wochen und Jahren durchmachen muß: Wer versucht, Lohnkampf und Klassenkampf auseinanderzuhalten, wer der Meinung ist, unter der SPD-Regierung gehe es mit ein bißchen 'Druck von unten', wer davor zurückschreckt, gegen Maßnahmen der Kapitalisten, selbst gegen Polizeidrohungen, selbst gegen die Kampfansage der IGM-Führung zu kämpfen, der steht bald vor der Alternative wie der DKP-Vorstand bei Hoesch: 'Aufgeben und keinen einzigen Pfennig holen – oder Verschärfung der Streikmaßnahmen und Fortsetzung des Kampfes bis zum Erfolg.'
Die Mitglieder der VK-Leitung, die zu Anfang von fast allen Kollegen als Führer des Streiks akzeptiert wurden, haben sich am Samstag allesamt zum Verrat des Streiks entschieden."

Aufgerufen wird auch zur Dortmunder Vietnamveranstaltung am 17.2.1973.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 21, Dortmund o. J. (16.2.1973); Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 2, Dortmund o.J. (1973), S. 34

19.02.1973:
Für die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD (vgl. März 1973) berichtet das RK Rhein/Ruhr der KPD (vgl. 16.2.1973, 20.2.1973), dass vermutlich heute die Betriebszelle der KPD vor der Westfalenhütte das Flugblatt 'KAPITALISTEN HOLEN ZUM SCHLAG AUS: RAUSSCHMIß VON 38 KOLLEGEN!' der 'Kommunistischen Arbeiterpresse - Hoesch' (vgl. 16.2.1973, 12.3.1973), verteilt. Darin heißt es auf einer Seite DIN A4:"
Jetzt, wo der Streik abgewürgt, kein Pfennig erkämpft, kein Streiktag bezahlt worden ist, sich der Kapitalist in der Oberhand fühlt, holt er zum Schlag gegen uns aus.

38 VON UNS SOLLEN ALS 'RÄDELSFÜHRER' GEFEUERT WERDEN!

Unter den ersten werden sein:
Borchert, VK-Leitung, Westfalenhütte
Hopp, VK-Leitung, Westfalenhütte
Meyerling, Betriebsrat, Phoenix
Wolf, Betriebsrat, Phoenix
Eine Kranführerin von Phoenix.
Wir sagen nach wievor klar, was wir von SPD-Mitglied Borchert und den anderen Mitgliedern der VK-Leitung halten: Im entscheidenden Moment haben sie den Streik abgewürgt und verraten. Trotzdem: Gleichgültig, ob Sozialdemokrat oder Kommunist, wir werden bis zum letzten dafür kämpfen, daß kein einziger Kollege wegen des Streiks entlassen wird. Die Entlassungen sind nicht nur ein Schlag gegen die 38. Sie sind ein Schlag gegen uns alle. Uns allen soll ins Gehirn gehämmert werden, daß die Stahlkapitalisten nicht mehr gewillt sind, auch nur den kleinsten Lohnkampf zuzulassen. Von nun an sollen wir uns der Peitsche der Kapitalisten vollständig beugen. Kapitalistenchef Sohl (BDI) an Harders:
'Wir halten es für unerläßlich, diesmal unnachsichtig vorzugehen.'
Jetzt soll ein Exempel statuiert werden. Die Kapitalisten wollen endgültig aufräumen mit der Bereitschaft zu wilden Streiks. Wenn wir die Entlassung auch nur eines einzelnen Kollegen dulden, werden wir jeder Willkür der Kapitalisten wehrlos ausgeliefert sein.
Kollegen, am Freitag ist dem Betriebsrat eine Liste von 8 Kollegen vorgelegt worden, die als erste entlassen werden sollen.
Am Montag tagt der Betriebsrat erneut.
KEIN BETRIEBSRAT DARF DIESE ENTLASSUNGEN UNTERSCHREIBEN!
Trotzdem wird die Werksleitung versuchen, die Kollegen zu entlassen.
KOLLEGEN, DARAUF GIBT ES NUR EINE ANTWORT: DEN STREIK FORTSETZEN!
GEGEN DIE ANGRIFFE DER KAPITALISTENKLASSE, DIE GESCHLOSSENE
KAMPFFRONT DER ARBEITERKLASSE!

Laut den morgigen 'Ruhrnachrichten' wirft die KPD heute Heinrich Borchert vor, daß er im 'entscheidenden Moment den Streik verraten habe.' Dies entspricht auch unserer Textauswertung.
Q: Ruhr Nachrichten 20.Februar 1973, Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 2, Dortmund o.J. (1973), S. 37; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 2, Dortmund 1973, S. 26;Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch, Dortmund o.J. (19.2.1973)

20.02.1973:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund (vgl. 19.2.1973, 10.3.1973) der KPD gibt eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' heraus unter der Schlagzeile "Die Herausforderung der Kapitalisten zurückschlagen! Keine einzige Entlassung! Streik!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Die Herausforderung der Kapitalisten zurückschlagen! Keine einzige Entlassung! Streik!, Dortmund 20.2.1973

10.03.1973:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund (vgl. 20.2.1973, 12.3.1973) der KPD gibt vermutlich heute einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' heraus unter der Schlagzeile "Sieg im Streik bei Mannesmann".

Berichtet wird von der Streikwelle auch (vgl. 28.2.1973): "Letzten Mittwoch übernahmen die Kollegen von 'Hoelschertecnic' in Herne: 28 der insgesamt 60 Kollegen forderten eine lineare Lohnerhöhung von 80 Pfennig und legten die Arbeit nieder."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Sonderdruck Sieg im Streik bei Mannesmann, Dortmund o. J. (1973)

12.03.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 10.3.1973, 24.4.1973) Nr. 22 mit 4 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Dortmund, heraus. Berichtet wird von der Betriebsversammlung (BV – vgl. 22.2.1973) und den Steuererhöhungen (vgl. 1.7.1973). Im Leitartikel heißt es:"
LEHREN AUS DEM STREIK - GEGEN DIE TARIFPOLITIK DER IGM-FÜHRUNG
FÜR ECHTE LOHNERHÖHUNGEN KÄMPFEN

Während der vergangenen Wochen des Streiks, der Entlassung von 6 Kollegen, der allgemeinen Unruhe bei Hoesch, hat das Zusammenspiel von Kapitalistenklasse und Gewerkschaftsführung eine neue Stufe von Deutlichkeit und Offenheit erreicht. Die Kapitalisten gingen in die Auseinandersetzung von vornherein mit der festen Absicht, nicht einen Zoll nachzugeben. Sie wußten: die Preise werden steigen, die Lebensbedingungen der Stahlarbeiter in der ganzen BRD werden sich angesichts des gerade abgeschlossenen, lächerlich niedrigen Lohnabkommens, weiterhin rapide verschlechtern. Aus ihrer materiellen Not heraus werden die Stahlarbeiter immer wieder zu wilden Streiks greifen. Die Kapitalisten wünschten keinerlei Einbuße während ihres beginnenden konjunkturellen Aufschwungs, sie beschlossen: Wir bleiben eisenhart, und wenn uns der Produktionsausfall mehr kostet als die von den Stahlarbeitern geforderten Lohnerhöhungen bis zur nächsten Tarifrunde.

DIE KAPITALISTEN WOLLEN DER ARBEITERKLASSE EINE DAUERHAFTE NIEDERLAGE ZUFÜGEN, SIE WOLLTEN EIN EXEMPEL STATUIEREN.

Anders als im September 1969 gaben sie drei Tage lang nicht einen Zentimeter nach. Die Gewerkschaftsführung hieb genau in dieselbe Kerbe: Heuchelte sie bei früheren wilden Streiks meist noch Solidarität, so verurteilten sie den Hoesch-Streik offen als illegal. Dies war jedem streikenden Hoesch-Arbeiter ein Schlag ins Gesicht; dies trug mit zum Abbruch des Streiks bei. Kapitalisten und Gewerkschaftsführung waren sich einig: mit den wilden Streiks muß ein für allemal aufgeräumt werden. Besonders deutlich wurde das in der 2. Phase der Auseinandersetzung: Die westdeutsche Monopolbourgeoisie in Gestalt von BDI-Chef Sohl wollte die Niederlage der Stahlarbeiter vollständig machen. Er ordnete die Entlassung von 6 Kollegen an, die während des Streiks radikal aufgetreten waren. Wir dürfen uns nicht dadurch verwirren lassen, daß es sich größtenteils um sozialdemokratische und revisionistische Abwiegler handelte. Teile des westdeutschen Monopolkapitals haben noch Mißtrauen gegenüber der sozialdemokratischen Methode, die Arbeiterklasse niederzuhalten. Sie fühlen sich unwohl dabei, wenn sie Leute, die wortradikal auf den Tisch hauen, zu ihren Verbündeten zählen sollen. Bei Bekanntwerden der Entlassungen kam sofort wieder kämpferisches Leben unter die Hoesch-Arbeiter: Waren sie auch deprimiert und mutlos wegen des Streikabbruchs - das konnten sie dennoch nicht wortlos hinnehmen. Unterschriftensammlungen wurden organisiert, vom Betriebsrat wurde eine Belegschaftsversammlung gefordert. Die Hoesch-Kapitalisten waren nach ihrem ersten Erfolg siegessicher; denn sie haben die Logik der Arbeiterklasse nie verstanden. Durch diese Maßnahmen erreichten sie nur das Gegenteil dessen, was sie wollten. In dieser Situation sprang ihnen die IGM-Führung zuhilfe und schaffte vorläufig Ruhe.

SIE LEHRE DIE HOESCH-KAPITALISTEN, DAß DIE SOZIALDEMOKRATISCHE METHODE DER ABWIEGELEI DIE WIRKSAMERE IST

In der Nacht vor der Belegschaftsversammlung einigte man sich auf folgendes Vorgehen: Der Hoesch-Vorstand nahm die Entlassungen in einer 'großzügigen Geste' zurück. Der IGM-Vorstand machte den Hoesch-Arbeitern klar, daß die Sache 'dank ihres Eingreifens gerade noch mal gut gegangen ist, daß er das nächste Mal aber auch nicht mehr helfen könne. Die Kollegen sollten also in Zukunft bloß die Finger von wilden Streiks lassen. Die bürgerliche Presse schrieb zu diesem ganzen Vorgang naiv offen: Wörtlich sagte Schmithals: 'Wir sind sehr befriedigt darüber, daß der Vorstand der IG-Metall sich auf die Seite der Hüttenwerke gestellt hat. Das war uns die Rücknahme der Kündigung wert.' (Ruhrnachrichten 23. 2.).
Kollegen! Schon in der Tarifrunde im Januar war die Hauptschwierigkeiten des IGM-Vorstandes, seine Tarifpolitik und das 8, 5%-Ergebnis gegenüber Stahl- und Metallarbeitern durchzusetzen.

Die 2. Urabstimmung zeigte: die Kollegen wollten dieses dürftige Ergebnis nicht, sie wollten Streik. Der IGM-Vorstand brachte die 8, 5% nur mit knapper Mühe durch - gestützt auf die antidemokratische 75%-Klausel. Danach glaubte er, daß die 'Streikgefahr' gebannt sei. Diese Bonzen fürchten den Streik wie der Teufel. Ihre ganze Tarifpolitik läuft darauf hinaus, den Kollegen ca. alle 12 Monate soviel Lohn'erhöhung' zuzugestehen, daß die allgemeine Unzufriedenheit nicht in wilde Streiks umschlägt. Die Haltung von Loderer in diesem Streik ist nur konsequent: Er weiß: jeder wilde Streik ist eine Niederlage für die Tarifpolitik der IGM. Judith führte diesen Gedanken auf der Belegschaftsversammlung weiter:
- Streik ist das allerletzte Mittel im Lohnkampf;
- das ist doch gerade eine wichtige Errungenschaft unserer modernen Gesellschaft, daß solche Streitigkeiten heute friedlich in Verhandlungen beigelegt werden;
- wir kämen ja ins Chaos, wenn wir bei jeder Gelegenheit gleich streiken würden.

Kollegen, wir dagegen wissen: unsere berechtigten Lohnforderungen können nur im erbitterten Kampf gegen die Kapitalistenklasse durchgesetzt werden. Die Tarifpolitik der IGM-Führung geht nur darauf aus, diesen Kampf zu verhindern, uns ein Trostpflästerchen zu geben, damit wir still sind. Kämpfe für echte Lohnerhöhungen müssen sich auch gegen die Tarifpolitik der IGM-Führung richten, wir müssen sie selbst in die Hand nehmen!
WER SICH AUF LODERER, JUDITH UND TROCHE VERLÄSST, DER IST VERRATEN!

NICHT BIS ZUR NÄCHSTEN TARIFRUNDE WARTEN - DIE PREISE WARTEN AUCH NICHT!"

Auf Seite 4 heißt es:"
HOESCH-TRADITION - DER WOHLFAHRTSLOHN

Der unverschämte Ausspruch von Arbeitsdirektor Sieber: 'Die niedrigsten Löhne bei Hoesch liegen immer noch 100 DM über dem Wohlfahrtssatz', ist kein Ausrutscher. Er hat Hoesch-Tradition. Als nämlich vor rund 100 Jahren Leopold Hoesch zur Arbeiterfrage gehört wurde, kam es zu folgender Unterhaltung: Frage: 'Welche Vorteile und Nachteile haben bisher Lohnerhöhungen auf die Arbeitsleistung gehabt?' Herr Hoesch: 'Die hohen Löhne sind ein Unglück gewesen. Der hohe Lohn von den Jahren 1873 und 1874 ist niemals der Familie zugute gekommen, nur dem Wirtshaus. Die wahnsinnig hohen Löhne brachten eine große Demoralisierung unter die Arbeiter. Bei uns war wie gesagt der Durchschnitt 4, 10 (Tageslohn, die Red.). die hohen Löhne dienten der Verzehrungs- und Zerstreuungssucht der Arbeiter und im Grunde genommen nur dem Wirtshaus. 100 Jahre Ausbeutung, 100 Jahre Kapitalismus haben die Logik der Kapitalisten nicht geändert. Nur daß sie heute für den Vorstand durch den IGM-'Kollegen' Sieber im Namen der Mitbestimmung vorgebracht wird - das ist der feine Unterschied."

Ebenfalls auf Seite 4 wird berichtet:"
KOLLEGEN BERICHTEN: HOESCH VERDIENT SICH GESUND: WIR ARBEITEN UNS KRANK

KALTWALZWERK WESTFALENHÜTTE:
Vor nicht allzulanger Zeit arbeitete ich noch im alten Kaltwalzwerk. Die meisten Kollegen kennen die Zustände dort, im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt, bei ständigem Durchzug, an den Arbeitsplätzen nerventötender Lärm, überall unheimlicher Dreck. Daneben die große Arbeitshetze. So werden an der Kaltbandstraße, die für eine Höchstleistung von 40.000 t. ausgelegt wurde, tatsächlich 56.000 t. gewalzt. Für die Kollegen heißt das ständige Hetze, an Pause ist da nicht zu denken. Außerdem sind die Kollegen ständig in Schwaden der Emulsionsflüssigkeit eingehüllt, was nicht nur sehr unangenehm, sondern auch gesundheitsschädlich ist. Da ich und viele andere Kollegen mit den Arbeitsbedingungen äußerst unzufrieden waren, und sich im letzten Jahr die Gelegenheit bot, ins neue Kaltwalzwerk zu gehen, griff ich dann auch zu, in der Hoffnung, dort würde es besser, zumal die Hoesch-Kapitalisten ihr neues Kaltwalzwerk überall als eines der modernsten und umweltfreundlichsten in Europa preisen. Wie freundlich es allerdings zu den Kollegen ist, sollte ich bald erfahren. So müssen auch hier, im Einlaufteil der neuen Conti-Band Beize die Kollegen ständig Ohrenschützer tragen, weil der Lärm des mit großer Geschwindigkeit dahinjagendes Bandes ohrenbetäubend ist. Jagt das letzte Stück Band aus dem Haspel, meint man, einem würde das Trommelfell platzen. Hat die Anlage Millionen gekostet, so ist offensichtlich kein Geld mehr für eine ausreichende Hallenbeheizung vorhanden. In der Bundvorbereitung, Halle 3a, wo ständig Schwertransporter die Bunde reinfahren und die Tore geöffnet sind, ist nicht einmal ein einziges Heizgebläse vorhanden. Die Kollegen frieren in großer Kälte, zur Erwärmung sind nur Propangas-Heizstrahler da, über Weihnachten war es in der Beize sogar so kalt, daß das Hydrauliköl dick wurde und die Anlage nicht lief. Habe ich vor kurzem noch gemeint, die schlechten Arbeitsbedingungen lägen an der veralteten Anlage, so sehe ich jetzt, da selbst bei modernsten Anlagen für die Kollegen kein Deut mehr herausspringt. Wenn unsere Arbeitsbedingungen schlecht sind, so dürfen wir nicht auf die Zukunft und den Fortschritt hoffen, sondern müssen uns bessere Arbeitsbedingungen erkämpfen!

HOCHOFEN PHOENIX:
Die Arbeit am Hochofen Phoenix übertrifft alles, was ich bisher gesehen habe. Wenn Besuchergruppen kommen, sehen sie die Ofenleute mit den Händen in den Taschen stehen. Denn sie kommen nur, wenn Abstich ist und da ist ausnahmsweise mal nichts zu tun. Doch sind die Besucher weg und der Ofen wird zugemacht, dann fängt die Maloche erst an. Am schlimmsten sind die Schlackenmänner oder 4 Männer dran. Sie haben die Aufgabe, die Schlackenrinne sauberzumachen und sie für den nächsten Abstich herzurichten. Das heißt genauer: Zentnerschwere Schlackenbrocken nur mit einem Eisenhaken aus der Rinne zerren, die Rinne mit der Schaufel in Ordnung bringen, die Schieber mit Sand auskleiden usw. Bei dieser Arbeit herrscht eine Temperatur von über 85 Grad, doch das ist noch nicht einmal das schlimmste. Während der Arbeit liegt in der Luft ein Schwefeldampf, der so ätzend ist, daß die Kollegen in Zeitabständen an die frische Luft rennen, weil sie keine Luft mehr kriegen. Manche sind sogar schon mal umgefallen. Das sind unhaltbare Zustände: Deshalb müssen unsere Forderungen sein:
EINSTELLUNG VON MEHR KOLLEGEN!
LÄNGERE UND HÄUFIGERE PAUSEN!
BEREITSTELLUNG VON AUSREICHENDEN ATEMSCHUTZGERÄTEN!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 22, Dortmund 12.3.1973

24.04.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 12.3.1973, 11.5.1973) Nr. 23 mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Maria Bergmann, Dortmund, heraus, mit dem Leitartikel
FÜR EINEN REVOLUTIONÄREN 1.MAI

Am 1.Mai wird die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) mit ihrer Maidemonstration vom Nordmarkt eine alte Tradition der Dortmunder Arbeiterbewegung fortsetzen, die lautet: Am 1.Mai wird in Dortmund unter roten Fahnen gegen Ausbeutung, Unterdrückung, für den Sozialismus demonstriert. 1973 steht das nötiger denn je auf der Tagesordnung:

Die Preise steigen, die Steuern werden erhöht - im Auftrag der Brandt-Regierung würgt der IGM-Vorstand jeden Lohnkampf ab. Brandt feiert den 1.Mai mit Völkermörder Nixon (USA, d.Vf.) und freut sich schon auf die Geschäfte, die er Mitte Mai mit dem Sozialimperialisten Breschnew (SU, d.Vf.) abschließen wird. Die Gewerkschaftsführer bauen aus Angst vor ihren eigenen Mitgliedern, die diese Politik nicht mehr mitmachen, die Demokratie in den Gewerkschaften ab: sie lösen sämtliche Jugendgruppen auf (Westberlin) (vgl. S1.**.197*, d.Vf.), zerschlagen Vertrauensleutekörper (Reichhold Hamburg; IG Chemie) (CPK - vgl. S1.*.1973, d.Vf.) und schließen oppositionelle Kollegen aus (UVB, d.Vf.). Höhepunkt aller Manöver - von CDU bis SPD, von BILD bis Spiegel - ist eine einzigartige Verleumdungskampagne gegen die KPD, um das Verbot unserer Partei vorzubereiten. Diese Manöver der Volksfeinde - so ernst wir sie nehmen - zeigen das unsere Partei auf dem richtigen Weg ist. 500 Gewerkschafter beschlossen vor 1 1/2 Wochen (vgl. 14.4.1973, d.Vf.) in Dortmund-Mengede unter der Losung: 'HINEIN IN DIE GEWERKSCHAFTEN - STÄRKT DIE REVOLUTIONÄRE GEWERKSCHAFTSOPPOSITION' (RGO, d.Vf.) die begonnene erfolgreiche Arbeit weiter fortzusetzen. Das NATIONALE VIETNAMKOMITEE (NVK, d.Vf.), das zusammen mit unserer Partei und der LIGA GEGEN DEN IMPERIALISMUS (LgdI, d.Vf.) schon zehntausende von Menschen in Solidaritätsdemonstrationen für das kämpfende vietnamesische Volk mobilisiert hat, wird an der Seite der KPD am 1.Mai demonstrieren. Die Monopole und ihre sozialdemokratische Regierung wissen, daß der Sozialismus, für den wir jeden Tag offen kämpfen, zunehmend die deutsche Arbeiterklasse ergreifen wird. Sie wissen, daß die Führer der Sowjetunion und der DDR das Erbe Lenins verraten haben und daß das Beispiel der wirklichen Volksherrschaft in der VR China, Albanien, der demokratischen Republik Vietnam (DRV, d.Vf.) und der Koreanischen Volksdemokratischen Republik für die deutschen Arbeiter glänzende Beispiele sozialistischen Aufbaus sind. Darum unterstützen sie die DKP, die den Plunder Breschnews und Honeckers, trotz ihrer Denunziationen und Schlägermanieren den deutschen Arbeitern niemals als Sozialismus verkaufen wird.

Dortmunder Arbeiter:
AM 1.MAI HERAUS ZUM NORDMARKT! GEGEN MONOPOLE, ARBEITERVERRAT
ES LEBE DER SOZIALISMUS, ES LEBE DIE PROLETARISCHE WELTREVOLUTION!"

In einem weiteren Artikel heißt es:"
BESETZUNG DES BONNER RATHAUSES

Die Besetzung des Bonner Rathauses - wer sind die Verbrecher?

Am 10.April wurde der Faschist und Massenmörder Thieu in Bonn von Bundespräsident Heinemann (SPD, d.Vf.) empfangen. Bei diesem besuch durfte Thieu der Öffentlichkeit verkünden, in Südvietnam gebe es keine politischen Gefangenen, - sondern nur Kriminelle und Kommunisten - von der SPD kein Wort der Kritik, in eben der Woche dieses Besuchs wurden nicht nur 400 000 politische Gefangene in südvietnamesischen 'Tigerkäfigen' und Konzentrationslagern (KZ, d.Vf.) gefoltert, sondern auch Hunderte vergiftet, die Methode, wie Thieu das Gefangenenproblem 'löst'. Heinemanns Hinweise auf die politischen Gefangenen der Saigoner Marionettenclique sind demgegenüber blanke Heuchelei: Kredite der Bundesregierung erhält weiter die Marionette Thieu, und während Thieu einreisen kann und vom Bundespräsidenten empfangen wird, wird den Vertretern der Demokratischen Republik Vietnam (DRV, d.Vf.) und der Provisorischen Revolutionären Regierung (PRR, d.Vf.) der Republik Südvietnam weiter die Einreise in die BRD verweigert, mit der Begründung, ihr Besuch diene nicht 'humanitären Zwecken'. 'Humanitären Zwecken' dient also nach Auffassung der Brandt-Regierung offensichtlich die Einreise eines Massenmörders, dessen Opfer wohl niemand mehr zählen kann. Das waren die Gründe, warum die KPD, die Liga den Imperialismus (LgdI, d.Vf.) sowie das Nationale Vietnam-Komitee (NVK, d.Vf.) und andere fortschrittliche Organisationen zu einer Protestkundgebung in Bonn aufriefen. Das waren die Gründe, warum im Verlaufe dieser Aktion die Demonstranten das Rathaus besetzten, um ein deutliches Zeichen zu setzen gegen die Marionette Thieu, und gegen die unverbrüchliche Zusammenarbeit der imperialistischen, d.h. völkerfeindlichen Brandt-Regierung mit dem USA-Imperialismus. Seit dieser erfolgreichen und diszipliniert zu Ende geführten Aktion (gegen die brutalen Angriffe der Polizei mußte nur 1 Verhaftung zugelassen werden) haben die Bonner Parlamentsparteien, die Monopolpresse, Rundfunk und Fernsehen eine wüste Hetze gegen unsere Partei, unsere Massenorganisationen, die Liga und das Vietnam-Komitee vom Stapel gelassen. Die Demonstranten werden als vermummte Terroristen und 'Vandalen' diffamiert, das Fernsehmagazin 'Monitor' spricht zur Einleitung eines Interviews mit 2 Genossen des ZK unserer Partei (vgl. 16.4.1973, d.Vf.) vom 'roten Terror, der ich seit Wochen über die Bundesrepublik ergießt', ohne den Anlaß der Bonner Protestaktion auch nur zu nennen.

In diese Hetze hat sich auch die revisionistische DKP-Führung eingeschaltet. 'Heißes Eisen' (vgl. 12.4.1973, d.Vf.), Betriebszeitung der DKP, bezeichnete uns in einem Flugblatt gar als 'Faschisten vom Typ der SA-Banditen'. Voller Wut darüber, daß immer mehr fortschrittliche und kommunistische Kollegen einsehen, daß außer dem Namen an der DKP nichts kommunistisches ist, übersteigern sie noch die Hetze der bürgerlichen Presse und erheben die lächerliche Behauptung, wir würden vom 'westdeutschen Rüstungskapital' finanziert. Und Faschisten seien wir auch, weil wir in den Gewerkschaften die revolutionäre Opposition organisieren; das behauptet dieselbe DKP, die sich auf Ernst Thälmann beruft, den deutschen Arbeiterführer, der an erster Stelle in der Weimarer Republik gegen die kapitalhörige SPD- und Gewerkschaftsführung die RGO propagierte.

Die Hetze der bürgerlichen Parteien, einschließlich DKP, fällt auf ihre eigenen Füße.

Denn: sind die 'Chaoten', die unter der Losung 'Hinein in die Gewerkschaften - stärkt die revolutionäre Gewerkschaftsopposition!' die oppositionellen Kräfte in den DGB-Gewerkschaften unter revolutionärer Führung zusammenschließen, die kämpfen für 1 200 DM Mindestlohn netto ohne Überstunden, gegen das arbeiterfeindliche Betriebsverfassungsgesetz (BVG), für den 7-Stundentag bei vollem Lohnausgleich?

Sind die 'Verbrecher', die gegen den Bombenterror der USA-Imperialisten, gegen den von der Nixon-Regierung betriebenen Massenmord demonstrieren."

In "Hinein in die Gewerkschaften - stärkt die revolutionäre Gewerkschaftsopposition!" wird berichtet vom RGO-Kongreß (vgl. 14.4.1973) und auch ausgeführt:"
Ganz in Panik jedoch geriet die Gewerkschaftsführung erst bei dieser DRUPA-Tarifrunde (DPTR, d.Vf.) und der Abhaltung des Kongresses (der RGO - vgl. 14.4.1973, d.Vf.). Sie, deren unsinnige Parolen niemand mehr tragen will (um überhaupt jemanden fürs Transparentetragen zu bekommen, muß sie nun 7 statt 6 DM zahlen!), erlebt, wie fast 600 Gewerkschaftler sich im Kampf gegen Monopolkapital und Gewerkschaftsführung fest zusammenschließen.

Sie greift nun zu einem Mittel, das sie zur Zeit des Verbots der alten KPD durch die Adenauer-Regierung 1956 anwandte, als sie zehntausende von Kommunisten und fortschrittlichen Menschen aus den Gewerkschaften ausschloß (UVB, d.Vf.), nämlich dem Rausschmiß von ganzen Jugendgruppen und jedem, der es satt hat, weiterhin der Aktionseinheit von Kapitalisten und Gewerkschaftsführung zuzusehen und selber den Lohnkampf in die Hand nimmt. Sie lügt, daß wir die Gewerkschaften spalten wollen und stachelt die gewerkschaftlichen Gremien auf, oppositionelle Kollegen zu denunzieren, um sie aus den Gewerkschaften rauszuschmeißen.

Wir sagen hierzu, daß die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ständig gesunken ist, daß die Zahl der gewerkschaftlichen Jugendgruppen stark dezimiert wurde. Wir hingegen sind für starke Gewerkschaften, wir fordern jeden fortschrittlichen Kollegen auf, in die Gewerkschaft einzutreten, allerdings unter der Perspektive, sich nicht dem Pakt zwischen Gewerkschaftsführung und Kapitalisten unterzuordnen, sondern einen ehrlichen Kampf gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen zu führen, was notwendigerweise mit dem Kampf gegen die Gewerkschaftsführung verbunden ist, die ja schon den Kollegen bei einfachen Lohnkämpfen in den Rücken fällt (siehe Mannesmann Huckingen (in Duisburg - vgl. 28.2.1973, d.Vf.) und Hoesch). Wir sind uns sicher, daß die in faschistischer Manier gehaltene Hetze von Staatsapparat, Kapitalisten, Gewerkschaftsführung und DKP (die sogar so weit geht, unsere Gewerkschafter als 'Chaoten' und 'faschistische Schlägerhorden im Dienste der Kapitalisten' ' zu bezeichnen und zu behaupten, wir wollten am 1.Mai die DGB-Demonstration überfallen und aufreiben!) nur den Abscheu aller aufrechten Menschen gegen diese Verleumdungen herbeiführt und unsere Reihen noch weiter stärken wird.

GEGEN MONOPOLKAPITAL UND GEWERKSCHAFTSBONZEN - RGO"

Aufgerufen wird zu den Maiveranstaltungen des Gewerkschaftsoppositionellen Maikomitees (vgl. 27.4.1973) und der KPD (vgl. 29.4.1973) sowie zur Maidemonstration der KPD. Berichtet wird vom Tod des Praktikanten Holtkamp (vgl. 12.4.1973), vorbereitet auf die Vertrauensleutevollversammlung der Westfalenhütte (vgl. 25.4.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 23, Dortmund 24.4.1973

11.05.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD vermutlich heute ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 24.4.1973, 10.5.1973) mit dem Leitartikel "Der Klassenkampf läßt sich nicht verbieten!" heraus.

Weitere Artikel sind:
- "Lohnkampf jetzt!";
- "Staatlicher Terror" zum 1. Mai;
- "Loderers 'Capitaler' Aprilscherz: Die Tarife sind 'akzeptabel'" mit Auszügen aus dessen Interview in der 'Capital';
- "VL-Vollversammlung: Erlenhofers Konzept durchkreuzt!";
- "Den IGM-Führern fehlen die Argumente: Ausschluß!" zu den UVB; sowie
- "Massendemonstration am 19. Mai in Dortmund gegen: Breschnew und Brandt - Volksfeinde Hand in Hand".

Über Rolf Strojec wird berichtet: "Extrablatt. Letzte Meldung. Politische Entlassung!".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Der Klassenkampf läßt sich nicht verbieten!, Dortmund o. J. (1973)

11.05.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund geben der KJV der KPD und die KPD vermutlich heute einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Jugendpresse' (KJP - vgl. 18.6.1973) bzw. 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 11.5.1973, 25.5.1973) mit einer Seite DIN A 4 Brennmatrizendruck ohne presserechtlich Verantwortlichen heraus:"
Der Hoesch-Vorstand setzt seine Tradition politischer Entlassungen fort:

Gestern wurde der Starkstromelektriker-Lehrling und Jugendvertrauensmann Rolf Strojec fristlos entlassen:
BEGRÜNDUNG: Er habe in einer Teilbelegschaftsversammlung (vgl. 26.4.1973, d.Vf.) den tödlichen Unfall des Kollegen Holtkamp 'als Ermordung' dargestellt.

'Auf Grund ihrer Äußerungen sind wir nicht bereit das Berufsausbildungsverhältnis mit ihnen fortzusetzen.'

In der fraglichen Sitzung hatte der Kollege gesagt, 'letzten Endes hat der Hoesch-Vorstand diesen Kollegen ermordet' und dies mit Argumenten belegt. Die Gründe, die unausgesprochen hinter dieser Entlassung stehen:
- auf den bisherigen Jugendversammlungen ist der Kollege konsequent gegen die Stufenausbildung aufgetreten, gegen den reaktionären politischen Unterricht
und
- der Ausbildungsleitung war bekannt geworden, daß der Kollege auf der letzten VL-Vollversammlung (vgl. 25.4.1973, d.Vf.) die Resolution zur vorzeitigen Kündigung der Tarifverträge eingebracht hatte - als Jugendvertrauensmann hat er sich durch konsequente Interessenvertretung den Rückhalt aller Kollegen erworben.

Darum zog man diese Entlassung auch klammheimlich durch: Die einzelne Zustimmung des erzreaktionären BR Roggenbach hatte man sofort, eine Unterschrift des geschäftsführenden Ausschusses ebenfalls; nicht einmal dem gesamten BR und JV wurde der Entlassungsantrag vorgelegt. Durch die Solidarität aller muß jetzt verhindert werden, daß wieder ein Kollege entlassen wird, der für die Kollegen eingetreten ist.

SAMMELT UNTERSCHRIFTEN!

SOFORTIGE WIEDEREINSTELLUNG DES KOLLEGEN ROLF STROJEC!"
Q: Kommunistische Jugendpresse - Hoesch Dortmund/Kommunistische Arbeiterpresse - Hoesch Dortmund Sonderdruck Der Hoesch-Vorstand setzt seine Tradition politischer Entlassungen fort, Dortmund o. J. (11.5.1973)

25.05.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 10.5.1973, 13.6.1973) Nr. 25 mit dem Leitartikel "Trotz Demonstrationsverboten und Verbotsdrohungen: die Sache des Sozialismus wird siegen!" heraus.

Weitere Artikel sind:
- "4 000 demonstrierten gegen Breschnew und Brandt" (vgl. 19.5.1973); sowie
- "Kampf der politischen Entlassung Rolf Strojecs!" mit dem Aufruf zur heutigen Demonstration.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 25, Dortmund 25.5.1973

13.06.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 25.5.1973, 23.8.1973) Nr. 26 heraus mit dem Leitartikel "Jetzt Lohnstreik für Mark und Pfennig!".

Weitere Artikel sind:
- "Belegschaftsversammlung im Zeichen des Arbeiterverrats!", ein Bericht von der Teilbelegschaftsversammlung FK; sowie
- "Hände weg von der KPD" zu den Verbotsmassnahmen gegen die KPD.

Für Donnerstag oder Freitag wird der Verkauf der 'Roten Fahne' angekündigt.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 26, Dortmund 13.6.1973

23.08.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 13.6.1973, 6.9.1973) heraus als Sonderdruck mit der Schlagzeile "Von Duisburg bis Dortmund - eine Streikfront", in dem berichtet wird von den Streiks bei Opel Bochum, Rheinstahl Bielefeld, Olbrich Bocholt, Küppersbusch Gelsenkirchen und Pierburg Neuss.

Gefordert wird: "Auf der Vertrauensleutesitzung müssen unsere Lohnforderungen auf den Tisch!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Sdr.druck Von Duisburg bis Dortmund - eine Streikfront, Dortmund 23.8.1973

06.09.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 23.8.1973, 11.10.1973) Nr. 28 heraus mit dem Leitartikel "Lernen wir aus den Metallstreiks!".

Weitere Artikel sind:
- "Dortmund-Barop 1.9.1973: Großveranstaltung der KPD zu den Streiks" aus der 'Roten Fahne';
- "Kambodscha: der Sieg ist gewiß!";
- "Polizeimord!" zu Erich Dobhardt, aus der 'Roten Fahne'; sowie
- "Bürgerliche Klassenjustiz: Klage des Kollegen Strojec gegen Hoesch-Kapitalisten abgewiesen!" (vgl. 30.8.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 28, Dortmund 6.9.1973

11.10.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 6.9.1973, 28.11.1973) heraus mit der Schlagzeile "Der 7. tödliche Unfall in 6 Monaten! Wieviel Kollegen sollen noch der Profitgier der Kapitalisten geopfert werden?" zum tödlichen Arbeitsunfall von Ernst Hosbach im Hoesch-Werk Phoenix am 7.10.1973.

Aufgerufen wird zu Demonstrationen am 13.10.1973 in Köln und am 3.11.1973 in Dortmund.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Der 7. tödliche Unfall in 6 Monaten! Wieviel Kollegen sollen noch der Profitgier der Kapitalisten geopfert werden?, Dortmund 13.10.1973

28.11.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 11.10.1973, 30.11.1973) heraus als Sonderdruck mit der Schlagzeile "11% Das ist Verrat!" zur Stahltarifrunde (STR).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Sdr.druck 11 % Das ist Verrat!, Dortmund 28.11.1973

30.11.1973:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD gibt eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 28.11.1973, 6.12.1973) mit 6 Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Thomas Luczak heraus:"
65 PFENNIG SIND EIN HOHN, NUR DER LOHNSTREIK GIBT UNS EINEN MENSCHENWÜRDIGEN LOHN!

Nachdem trotz einer Preislawine die Tarifverhandlungen wochenlang verschleppt wurden und die IGM-Führung jede Mobilisierung für Kampfmaßnahmen abgewiegelt und unterdrückt hatte, handelte sie vorgestern, Mittwoch, den 28.11. mit den Kapitalisten einen neuen Lohnraubabschluß aus, der von der großen Tarifkommission am gleichen Abend bestätigt wurde.

11% für Arbeiter und Angestellte (das sind 65 Pf.)
Laufzeit über 10 1/2 Monate
die 70 DM werden nicht weitergezahlt
über die Ergebnisse der Manteltarifverhandlungen hüllen sich die IGM-Bonzen
in Schweigen.

Dieses Ergebnis ist nicht nur völlig unzureichend, sondern trägt weiterhin zur Verschlechterung der Lebenslage der Arbeiter bei. Wir reden dann von einem LOHNRAUBABSCHLUSS, wenn die Lohnerhöhung niedriger ist als der allgemeine Preisanstieg, die Kollegen von Mal zu Mal weniger Werte für ihre Arbeit bekommen.

Unsere Partei hatte im Sommer des Jahres für die Werktätigen eine Lohnerhöhung von 1, 20 DM gefordert, da bei den immensen Preissteigerungen die 1, 20 DM gerade ausgereicht hätten, um den alten Lebensstandard der Arbeiterklasse zu wahren.

So hat sogar der DGB ausgerechnet, daß eine Arbeiterfamilie 1972 1 314 DM netto gebraucht hat, um leben zu können. HEUTE bekommt ein Kollege bei Hoesch mit 15 Punkten im Schichtbetrieb gerade 900 DM netto, mit 19 Punkten und 200 Stunden im Monat auf ca. 1 100 DM.

Eine 20%ige Erhöhung hätte runde 160-180 DM bedeutet, was aber auch nicht ausgereicht hätte, um auf das errechnete Existenzminimum zu kommen. Eine Erhöhung von 11% bringt ganze lumpige 65 Pf/Std, macht im Monat 114 DM, bei durchschnittlichen Abzügen von 30% bleiben 80 DM mehr.

DAS BEDEUTET, DASS WIR 1974 WENIGER LOHN BEKOMMEN, ALS WIR JETZT HABEN!

Durch eine groß angelegte Kampagne soll der Arbeiterklasse weisgemacht
werden, daß wir zur Zeit in einer großen wirtschaftlichen Krise stecken würden. Die Stahlkapitalisten halten den Abschluß für viel zu hoch. Man wisse nicht, ob die Welt nächstes Jahr noch in 'Ordnung' sei. Am besten sollen die Kollegen von selbst auf Lohnerhöhungen verzichten.

Kollegen,
die angebliche Ölkrise wird dazu benutzt, den Werktätigen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Denn, obwohl bis jetzt nicht ein Tropfen Öl weniger in Deutschland angekommen ist, treiben die Ölkonzerne mit Hilfe der Brandtregierung die Preise in die Höhe.

- Benzin in 14 Tagen um über 20%.
- Hoesch erhöht in allen Werkswohnungen die Heizkostenpauschale um 100%.
- Außerdem steigen die Preise für Nahrungsmittel ins Unermeßliche.
- ALLES WIRD TEURER - SPÜRBAR UND KRÄFTIG!

Das alles schert die IGM-Bonzen einen Dreck, sie stecken mit den Kapitalisten unter einer Decke.
Sie und die Stahlkapitalisten rechnen damit, daß wir uns von ihrem Stabilitätsgerede verdummen lassen und glauben, daß wir die Tarifrunde jetzt für beschlossen halten und nur resigniert mit den Schultern zucken. Auch unsere Vertrauenskörperleitung hat nicht ein Wort des Protestes gegen diese Machenschaften gerichtet, daß sich die IGM-Führung von Anfang an über die Forderungen der Kollegen hinwegsetzte, mit verräterischen 15% in die Verhandlungen ging, um mit vorher abgesprochenen 11% hinauszugehen.

Kein Wort, daß A. Pfeiffer als Mitglied der großen Tarifkommission gegen Weiterzahlung der 70 DM und gegen die ihm auferlegten 20% stimmte (bei der vorletzten Tarifrunde im Frühjahr enthielt er sich als einziger der Stimme). Und obwohl am Mittwoch bei Frühschichtbeginn der Verrat schon feststand, unterließ es die VKL, die Vertrauensleute und die Belegschaft zu unterrichten. Die sozialdemokratische Vertrauensleuteleitung meint wohl, daß für sie die Zeit gekommen sei, sich zur Ruhe zu setzen und künftiger Pöstchen im Betriebsrat zu harren, als die Interessen der Kollegen zu vertreten! Kollegen, nur wer kämpft wird etwas ernten.

NEIN ZU 65 PFENNIG!
STREIK FÜR EINEN ANGEMESSENEN LOHN!
SOFORTIGE EINBERUFUNG EINER BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG!
1, 20 DM MEHR FÜR JEDEN!"

Berichtet wird von der bundesweiten Demonstration am 3.11.1973 gegen Lohnraub etc. und der nächste Artikel behandelt das:"
THEMA: ÖLBOYKOTT

Springers Bildzeitung und die US-Imperialisten sind sich einig: 'Wir können es nicht zulassen, daß einige mittelalterliche Wüstenscheichs der zivilisierten Welt den Ölhahn abdrehen.'

Jetzt plötzlich, wo die imperialistische Raub- und Unterdrückungspolitik gegenüber den erdölproduzierenden Staaten auf deren Widerstand stößt, empören sich die Imperialisten über das Mittel des wirtschaftlichen Drucks, daß sie
stets angewendet haben, um fortschrittliche Regierungen zu unterdrücken.

DER ERDÖLBOYKOTT DER ARABISCHEN STAATEN GEGEN DIE IMPERIALISTISCHEN LÄNDER IST EINE GERECHTE WAFFE GEGEN DIE ZIONISTISCHEN AGGRESSOREN UND IHRE HINTERMÄNNER AUS DEN USA, DER BRD UND DEN EG-LÄNDERN!

Er ist ein Druckmittel in ihren Händen, um auf diese Weise die imperialistischen Staaten davor zu warnen, weiter Israel mit Waffen und Wirtschaftshilfe zu unterstützen. daran ändert auch das Gefasel der sowjetischen Sozialimperialisten nichts, die vom 'internationalen Eigentum am arabischen Öl' reden und damit nur ihr Interesse an billigem Öl durchsetzen wollen. Trotz aller großen Worte von Solidarität mit den arabischen Völkern: die sowjetischen Sozialimperialisten stecken mit den USA- und BRD-Imperialisten unter einer decke. Dies beweist nicht zuletzt das Angebot der SU, der BRD bei einer drohenden Energiekrise hilfreich zur Seite zu stehen. Dies ist nichts anderes als Sabotage am Kampf der arabischen Völker.

DIE WAHREN ERPRESSER SIND DIE IMPERIALISTEN!

Jetzt entfesseln sie eine erneute Hetze gegen die Araber, um der Bevölkerung einen Schuldigen zu präsentieren. Der Ölboykott wird zum Vorwand für weitere Preiserhöhungen genommen, bürgerkriegsähnliche Notstandsmaßnahmen werden vorbereitet. In Holland (Niederlande, d.Vf.) das Autofahrverbot an Sonntagen, in England (Großbritannien, d.Vf.) wurde der Notstand ausgerufen, zugleich ein Druckmittel gegen die streikenden Arbeiter. Wirtschaftsminister Friderichs
kündigte für die BRD ebenfalls Sonntagsfahrverbote an. Wäre das Öl so knapp
wie behauptet, gäbe es trotzdem keinen Grund, die Bevölkerung die Folgen der imperialistischen Politik ausbaden zu lassen. Ein Flugverbot für Starfighter ist z.B. bis jetzt noch nicht angekündigt worden!

Und die Ölpreise? Die erdölproduzierenden Länder haben seit 1971 nur um 12% erhöht, hier ist allein im Oktober der Preis für Heizöl um 12% gestiegen. Den Profit machen die europäischen Monopole. Lassen wir uns nicht abspalten vom Kampf der arabischen Völker! Der Imperialismus ist unser gemeinsamer Feind."

Berichtet wird aus Bonn vom Prozeß gegen Uli Kranzusch (vgl. 13.10.1973, 23.10.1974) wegen der Rathausbesetzung (vgl. 10.4.1973) und aus Dortmund von der Demonstration des AKJZ (vgl. 17.11.1973).
Im letzten Artikel, dem auch ein kleiner Absatz auf Türkisch sowie ein Unterschriftencoupon auf Türkisch beigefügt ist, wird gefordert:"
KEINE ABSCHIEBUNG VON BAHA TARGÜN!

Im August (vgl. 24.8.1973, d.Vf.) haben bei Ford Tausende von deutschen und türkischen Arbeitern gestreikt für eine Lohnerhöhung und für Herabsetzung der Bandgeschwindigkeiten. Die Kollegen wählten sich eine eigenständige Streikleitung, die den Streik organisierte, Versammlungen einberief und, anders als die VK-Leitung bei Hoesch, entschieden und konsequent den Streik anführte. Nach dem Streik wurde von den Kapitalisten die gesamte Streikleitung entlassen, dem türkischen Kollegen Baha Targün wurde mit Abschiebung gedroht. Wir fordern alle Hoesch-Kollegen auf, gegen diese Abschiebungsversuche zu protestieren. Warum? Viele Kollegen sagen, was geht uns ein türkischer Arbeiter an? Die sollen doch zu Hause bleiben und uns nicht die Arbeitsplätze wegnehmen. Diesen Kollegen antworten wir: Die türkischen Arbeiter, die spanischen, jugoslawischen und griechischen Arbeiter können deshalb nicht in ihrem Heimatland bleiben, weil dort der US-Imperialismus und der BRD-Imperialismus die einheimische Wirtschaft zerstört haben, die einheimische Industrie ruiniert haben, um selber dort Profit machen zu können. So finden die ausländischen Arbeiter in ihrem Heimatland keine Arbeit mehr und fallen den Sklavenhändlern der BRD in die Hände, die die ausländischen Arbeiter zu miserabelsten Bedingungen an die deutschen Firmen vermitteln. Die Kapitalisten beuten also die ausländischen Arbeiter doppelt aus: Sie zerstören ihre Arbeitsplätze im Heimatland, bringen die einheimische Wirtschaft unter die Kontrolle der ausländischen Imperialisten und beuten dann die arbeitslos gewordenen türkischen Arbeiter und Bauern in den deutschen Fabriken aus.

Genauso aber wirkt sich die Profitgier der Imperialisten auch auf die deutschen Arbeiter aus: Die in der Türkei, in Spanien und Griechenland billig hergestellten Waren werden uns hier teuer wieder verkauft, wir haben nichts davon, allein die Monopole verdienen daran. Und gleichzeitig werden die ausländischen Arbeiter hier als Lohndrücker eingesetzt, als Einschüchterungsmittel gegen Kollegen, die nicht in jeder Sekunde nach der Pfeife der Kapitalisten tanzen wollen.

Kollegen, treten wir diesen Spaltungsmanövern der Kapitalisten entschieden entgegen!

Kämpfen wir gemeinsam gegen die Abschiebung des Kollegen Baha Targün.
Deutsche und ausländische Arbeiter - eine Kampffront gegen das imperialistische Ausbeutersystem!
Kampf den reaktionären Ausländergesetzen!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch 65 Pfennig Sind Ein Hohn, nur der Lohnstreik gibt uns einen menschenwürdigen Lohn!, Dortmund 30.11.1973

06.12.1973:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund gibt die Zelle der KPD ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 30.11.1973, 23.10.1974) als Sonderdruck heraus mit der Schlagzeile "Hoesch verliert Prozeß vor dem Arbeitsgericht! Strojec muß wiedereingestellt werden! Betriebsrat hatte seine schmutzigen Finger im Spiel" zum Arbeitsgerichtsprozeß in Hamm vom 15.11.1973.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Hoesch verliert Prozeß vor dem Arbeitsgericht! Strojec muß wiedereingestellt werden! Betriebsrat hatte seine schmutzigen Finger im Spiel, Dortmund 6.12.1973

23.10.1974:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD gibt ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 6.12.1973, 20.4.1976) heraus.
Q: Rote Fahne Nr. 51/52, Dortmund 18.12.1974

20.04.1976:
In Dortmund erscheint eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 23.10.1974, Nov. 1976) - Betriebszeitung der Zelle Westfalenhütte der KPD für die Hoesch-Arbeiter, die u.a. einen Maiaufruf enthält.
Q: Rote Fahne Nr. 17, Köln 28.4.1976

November 1976:
Die 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) der Zelle Hoesch Dortmund der KPD (vgl. 20.4.1976, 8.12.1976) erscheint vermutlich Ende November unter der Schlagzeile "Jetzt Vollstreik!" und berichtet von der Stahltarifrunde (STR) vom Angebot der Arbeitgeber über 6 Wochen Urlaub und 3 % mehr Lohn.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Jetzt Vollstreik!, Dortmund o. J. (1976)

08.12.1976:
Die 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) der Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD (vgl. 20.4.1976, 8.12.1976) erscheint heute unter der Schlagzeile "6 % sind ein Hohn!" und berichtet vom Abschluss der Stahltarifrunde (STR) in der letzten Nacht.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch 6 % sind ein hohn!, Dortmund o. J. (1976)

05.01.1977:
Die 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) der Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD (vgl. 20.4.1976, 1.4.1978), ruft die Hoesch-Arbeiter dazu auf, "gegen Monopolkapital und Gewerkschaftsführung die Einheitsfront im selbständigen Kampf zu schmieden".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch, Dortmund 5.1.1977

01.04.1978:
In der 'Kommunistischen Arbeiter Presse' (KAP) der Zelle Westfalenhütte Hoesch Dortmund der KPD (vgl. 5.1.1977) wird zur Betriebsratswahl (BRW) 1978 und zur RGO u.a. ausgeführt:"
Für die nächsten Jahre stehen insbesondere für die Stahlarbeiter wichtige Aufgaben an. Wir brauchen BR, die sich vor allem dadurch auszeichnen, die Kollegen unter einen Hut bringen zu können - die Arbeitereinheit zu schaffen. Stellen sich die Kollegen der 'RGO-Liste' diese Aufgabe? Wir meinen, nein. Es wird zwar lautstark vom Kampf gegen Bosse und Bonzen geredet, der Weg des Zusammenschluß dagegen jedoch nicht gewiesen. 7 Jahre KPD/ML Politik auf den Dortmunder Hütten haben überdies praktisch bewiesen, daß diese Partei nicht gewillt ist, einen Beitrag zur Aktionseinheit von Kommunisten und Sozialdemokraten zu leisten. Ihr Kampf gilt dem 'IGM'-Apparat und damit werden alle Gewerkschaftsfunktionäre über einen Kamm geschoren. Zwischen Freund und Feind können diese Kollegen nicht richtig unterscheiden, kein Wunder, daß sie es schafften, auf Phönix die ganze Vertrauensleutevollversammlung geschlossen gegen sie aufzubringen. Umstandslos werden linke sozialdemokratische Gewerkschafter, die Reformvorstellungen haben, aber für ihre Klasse eintreten wollen, zum Feind abgestempelt. Unsere Partei hat sich ziemlich lange, auch auf der Westfalenhütte dafür stark gemacht, eine 'Revolutionäre Gewerkschaftsopposition' aufzubauen. Die eigenen Erfahrungen und ein genaueres Studium der historischen Erfahrungen haben uns zu dem Schluß kommen lassen, daß diese Politik verfehlt ist und der Schaffung der Arbeitereinheit im Wege steht. … Die RGO-Politik verhindert, daß sich die Kommunisten in den Gewerkschaften mit allen zusammenschließen, mit denen ein Zusammenschluß möglich ist. Die Einheit der Gewerkschafter muß auf dem gemeinsamen Kampf gegen das Kapital gegründet sein und sich deshalb auch gegen die reaktionären Gewerkschaftsführer richten. … Die Vorstellung der KPD/ML, daß es heute eine sich rasch entwickelnde Strömung von revolutionären Arbeitern gibt, die es außerhalb der Gewerkschaften zu organisieren gelte, entspricht nicht den Tatsachen. Auch wenn jetzt zum dritten Mal in den letzten 5 Jahren bei Hoesch eine RGO-Gruppe gegründet wird, bedeutet dies für die Masse der Kollegen nichts. Dieses lächerliche Sektierertum erleichtert es nur den rechten SPD-Leuten und DKP-Führern, die Kommunisten als hirnlose Spinner hinzustellen. Revolutionäre müssen in den Gewerkschaften arbeiten und sich dort mit den Kollegen verbinden. … Von der RGO-Liste ist keine vorwärtstreibende Politik für die Einheit der Arbeiter zu erwarten. Deshalb meinen wir, daß es falsch ist diese Politik zu unterstützen."
Q: Kommunistische Arbeiter Presse Hoesch, Dortmund 1.4.1978

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