Pädagogische Hochschule (PH) Dortmund - KSV:
Wahlzeitung, Feb. 1972

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 9.10.2017


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Mit der hier dokumentierten Wahlzeitung zur Studentenkonferenz (SK) stellte sich der KSV der KPD den Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) Dortmund vor und grenzte sich zugleich von den anderen dort aktiven politischen Hochschulgruppen ab.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

31.01.1972:
Die Zelle PH Dortmund des KSV der KPD gibt vermutlich in dieser Woche ihre auf Februar datierte 'Wahlzeitung' unter den Parolen: "Unterstützt und wählt Liste 5 (SL): Kampf der kapitalistischen Ausbildung! Für eine Ausbildung im Dienste des Volkes!" mit einem Umfang von 14 Seiten DIN A 4 zu den Wahlen zur Studentenkonferenz (SK) an der PH (vgl. 8.2.1972) heraus.

Im ersten Artikel, "Kampfprogramm des KSV", wird u.a. eine Demonstration gegen den Hamburger Erlaß (Berufsverbote - BV, d.Vf.) am 3.2.1972 in Bochum angekündigt, die den Höhepunkt einer Kampagne gegen den Abbau demokratischer Rechte (vgl. Jan. 1972) sei.

Der zweite Artikel lautet:"
ISOLIEREN WIR DIE REAKTIONÄRE!
BEKÄMPFEN WIR ENTSCHIEDEN ALLE REFORMILLUSIONEN!

'Entschieden demokratisch' (RCDS), 'Vor extremen Experimenten warnen unabhängige Studenten', 'PGH/ESG, die Mannschaft, die den AStA macht!'. Mit diesen Werbesprüchen betreiben seit über einer Woche verschiedene Gruppen an der PH ihren Wahlkampf in der Hoffnung, die Mehrheit in der neuen SK zu erringen. Wir wollen im folgenden kurz auf einige ihrer Argumente eingehen und prüfen, ob sie tatsächlich das halten, was sie lauthals versprechen.

ENTSCHIEDEN REAKTIONÄR - RCDS:

Unter dem Deckmantel der Demokratie gibt sich der RCDS, die Studentenorganisation der reaktionärsten Teile des Monopolkapitals, der CDU/CSU, freiheitsliebend und staatserhaltend. Was sich aber hinter diesen leeren Phrasen verbirgt, wird klar, wenn man in den 'Demokratischen Blättern' vom WS 1971/72 Nr. 1 liest 'Im Wintersemester 1971/72 ging der RCDS an einer Reihe von Hochschulen in eine spürbare Offensive gegen antidemokratische Kräfte über, die ihn immer deutlicher als die entscheidende Alternative im Kampf gegen die Linksradikalen an den Hochschulen erscheinen läßt.' Die Versuche des RCDS als reaktionärer Spähtrupp, den Boden für das Vorgehen der Hochschulbürokratie gegen fortschrittliche Studenten zu bereiten, seine in jeder Vollversammlung an der PH verbreiteten Denunziationen, seine Hetzkampagnen, die er fortgesetzt gegen Kommunisten entfacht, sind der Beweis dafür, daß er nichts weiter tut, als die Bourgeoisie bei der Ausbildung möglichst guter Handlanger an der PH nach allen Kräften zu unterstützen. Unter der Parole:
KAMPF DEN REAKTIONÄREN UND FASCHISTISCHEN ORGANISATIONEN AN DER HOCHSCHULE
entlarven die Kandidaten der Liste 5 (SL) die reaktionären Machenschaften des RCDS und führen einen entschiedenen Kampf dagegen.

ILLUSIONEN EINER 'FORTSCHRITTLICHEN' STUDENTENPOLITIK: PGH/ESG

Auf Seite 12 in der DOS 7 (vgl. ***** 197*, d.Vf.) steht zu lesen: 'Aus dem lockeren Haufen entwickelt sich eine politisch stringent arbeitende Gruppe, die in der PH-Analyse und der Entwicklung der Berufsperspektive ihre Aufgabe sieht.'

Was vielversprechend anfängt, nämlich als Versuch ein politisches Selbstverständnis zu finden, eine Grundlage für die Arbeit unter Studenten zu entwickeln, landet aber umgehend bei der Aufzählung von 'Erfolgen' studentischer Interessenvertretung ohne jegliche politische Aussage. Denn was hat die PGH/ESG nicht alles geleistet:
'1. Verbesserung der Mensasituation
2. Kostenlose Rechtsberatung für Studenten
3. Bemühungen auf dem Wohnungssektor
4. Bereitstellung eines Aufenthaltsraumes'
Dies sind die stolzen Ergebnisse verstärkter Schulung und Theoriestudiums, kritischer Reflektionen, die 'sie befähigen, die Interessen der Studenten zu erkennen und zu vertreten.' Was aber die PGH/ESG offensichtlich nur erkannt hat ist, wie man mit einem frischen antikapitalistischen Anstrich noch besser Reform-Illusionen ausstreut. Was anders bedeutet jener folgenschwere Satz: 'Auch meinen wohl einige Profs, sie würden im Rahmen des Aufbaus der Gesamthochschule zu Profs 2. Klasse, wenn an der PH im Verhältnis mehr Arbeiterkinder studieren als an der Uni. So wird jetzt versucht, auch die letzten Lücken für Arbeiterkinder zu verschließen.'
'Wir wehren uns dagegen, daß noch mehr Arbeiterkinder vom Studium ausgeschlossen werden!'
Treffend wird hier ausgedrückt, daß, gäbe es mehr Arbeiterkinder an den Hochschulen, manches den Arbeitern leichter fiele. Vielleicht meinen die Kommilitonen von der PGH/ESG, daß, wenn viele Arbeiter nur zu studieren anfingen, sie der kapitalistischen Ausbeutung in den Fabriken entfliehen würden, vielleicht könnten diese an den Hochschulen sich so ausbilden, daß vom Ausbildungsbereich her die Gesellschaft verändert wird. Diese Vorstellungen gleichen den illusionären Plänen der 'linken' SPD-Hochschul- und Schulreformer. Tatsache ist aber, daß mit dem Konzept der 'integrierten Gesamthochschule' in der Tasche die Lehrerstudenten gut trainiert werden, um den Arbeiterkindern noch besser das Denken der Bourgeoisie beizubringen. Es soll noch ausgetüftelter als bisher den Studenten die Hochschule und die gesamte Gesellschaft als reformierbar vorgespiegelt werden. Doch die 'linke' Reformpolitik der PGH/ESG kann die fortschrittlichen Studenten nicht von ihrem entschlossenen Kampf gegen die bürgerliche Wissenschaft abhalten, kann nicht verhindern, daß immer mehr Studenten die Perspektive darin sehen, ihren Kampf dem der Arbeiterklasse unterzuordnen, ihn unter die Leitlinie zu stellen:
KAMPF DER KAPITALISTISCHEN AUSBILDUNG!
FÜR EINE AUSBILDUNG IM DIENSTE DES VOLKES!

GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS!
In diesem Jahr kandidiert zum ersten Mal der MSB Spartakus (der DKP, d.Vf.) zu den SK-Wahlen - und für viele Studenten ist es auch das erste Mal, daß sie etwas von dieser Organisation hören. Diese Tatsache ist nicht nur an der PH zu beobachten. Es gehört zur Strategie des Spartakus, sich auf allen möglichen Wegen in die Gremien zu manövrieren und fruchtlose Debatten hinter verschlossenen Türen zu führen.
Und wenn ein Spartakus-Funktionär bei Baer behauptet, man müsse sich den Studenten gegenüber taktisch verhalten, weil man von ihrem rückständigem Bewußtsein ausgehen müsse, dann ist das auch nur eines von zahlreichen Beispielen dafür, daß die Spartakus-Revisionisten nicht wirklich die Massen mobilisieren können und wollen, daß sie die Studenten nicht zu Verbündeten der Arbeiterklasse erziehen, sondern sie in ihrer Aktivität bestärken, indem sie falsche Hoffnungen über die Möglichkeiten der Studentenvertreter in den Gremien und über Mitbestimmung fördern.

Zur Wahl stellt sich auch die GEW-Hochschulgruppe. Zur GEW ist grundsätzlich zu sagen: die gewerkschaftliche Organisierung der Intelligenz dient dazu, die materiellen Interessen abzusichern und mittels der Gewerkschaft immer wieder ihre Privilegien zu verteidigen. Den Kommilitonen in der GEW-Hochschulgruppe muß klar sein, daß ihre Arbeit in dieser Organisation, auch wenn die Ansätze noch so kritisch sind, letztlich im Reformismus landet.
Dieser Weg ist schon angegeben im Flugblatt 'Zur Mitbestimmung' der GEW in der Forderung nach Studieninhalten 'die stärker auf die Praxis' bezogen sein sollen, die sich orientieren sollen an der späteren Lehrlingstätigkeit der Hauptschüler. Die GEW-Hochschulgruppe tut dabei so, als sei es möglich Theorie und Praxis im Kapitalismus sinnvoll zu verbinden, sofern man im Unterricht etwas näher auf die Lehrlingsausbildung eingeht. Letztlich vertritt sie damit das 'linke' SPD-Konzept, die Gesellschaft über den Ausbildungssektor zu verändern."

Ein weiterer Artikel lautet:"
DIE SK ZUR TRIBÜNE DES POLITISCHEN KAMPFES MACHEN!

Wir wissen - und das zeigt sich auch an dem Interesse, mit dem die Studenten an der PH den Wahlkampf verfolgen - daß sehr viele Studenten sich noch Illusionen darüber machen, daß ihre Interessen allein durch die Arbeit in den studentischen Selbstverwaltungsgremien durchgesetzt werden könnten. Wir wollen gerade auch diesen Studenten dadurch, daß wir ihnen klar machen, daß ihre Vorstellungen von der Möglichkeit einer tatsächlichen Interessenvertretung der Studenten in den Hochschulgremien Illusionen sind, gleichzeitig aufzeigen, welches die richtige Kampfperspektive für fortschrittliche PH-Studenten ist.
Es ist eine berechtigte Frage der Studenten, wie die Kommunisten die Arbeit in den Gremien grundsätzlich bestimmen und wie sie konkret den Kampf in der Studentenkonferenz und im AStA führen wollen. Diese Frage, die notwendig ist, allen Organisationen und Gruppen, die sich an der Wahl beteiligen, zu stellen, wird dieser Artikel beantworten.

Kommilitonen, dabei ist es zuallererst wichtig, noch einmal klar zu sagen, wo das Hauptkampffeld der Kommunisten liegt.
Ziel des KSV ist es, die Studenten zu Verbündeten der Arbeiterklasse zu erziehen. Deshalb ist die Hauptseite der Arbeit des KSV die Führung und Anleitung der Massenkämpfe. Um in diesen Kämpfen alle demokratischen und sozialistischen Studenten fest zusammenzuschließen hat der KSV die drei Pfeiler der Massenarbeit in seinem Kampfprogramm entwickelt, den Kampf für das sozialistische Studium, den antiimperialistischen Kampf und den Kampf gegen den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes. Uns ist ganz klar, daß in diesen Kämpfen nur Erfolge errungen werden können, wenn sie von der Masse der Studenten getragen werden, denn nie in der Geschichte der Kämpfe an den Hochschulen wurde ein Erfolg durch Gremienarbeit durchgesetzt. Die Arbeit in den Gremien hatte immer nur unterstützende Funktionen.

Warum arbeiten die Kommunisten dann aber überhaupt in den Gremien? Unter der strategischen Leitlinie des KSV:
KAMPF DER KAPITALISTISCHEN AUSBILDUNG!
FÜR EINE AUSBILDUNG IM DIENSTE DES VOLKES!
Die uns ja klar das Ziel des Kampfes, den Sozialismus zeigt, ist es notwendig, alle Möglichkeiten, die uns die bürgerliche Demokratie bietet, auszunutzen, sie als Stützpunkte für die Massenkämpfe zu benutzen, durch sie die Kämpfe zu flankieren. Auch die SK und der AStA können Stützpunkte in unserem Kampf sein. Die wichtigste Frage der Studenten ist aber, wofür setzen sich die Kommunisten in den Gremien ein. Weil wir die Studenten zu Verbündeten des Proletariats erziehen wollen, treten wir alle die Interessen der Studenten ein, die den Interessen der Arbeiterklasse nicht widersprechen. Wir kämpfen DESHALB nicht um die Privilegien der Studenten.
Durch die Privilegierung der Studenten vor der Arbeiterklasse, z.B. dadurch, daß die Studenten in ihrer Ausbildungszeit nicht wie das jugendliche Proletariat gezwungen sind in den Fabriken zu arbeiten und ausgebeutet zu werden, versucht ja gerade die Bourgeoisie die Studenten davon abzuhalten, den Kampf unter Führung der Arbeiterklasse aufzunehmen. Im Sozialismus wird die Intelligenz sicher keine Privilegien haben - deshalb heißt, den Kampf um studentische Privilegien führen immer, die Studenten vom Kampf für den Sozialismus abzuhalten - dient damit letztlich nur der Bourgeoisie.

Wenn wir sagen, daß die Arbeit in der SK und im AStA unsere Kämpfe flankieren soll, dann ist von daher schon klar, wofür wir uns einsetzen werden. Jeden Fall des Abbaus demokratischer Rechte wird der KSV aufgreifen und gegen den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes mit der Masse der Studenten kämpfen. Gleichzeitig haben wir als Kommunisten in der SK die Aufgabe, immer wieder alle Organisationen darauf zu verpflichten, klar zu sagen, wie sie zu den Massenkämpfen stehen.
Dann nämlich wird es sich auch zeigen, was es mit dem demokratischen Getue der RCDS-Reaktionäre auf sich hat. Dann nämlich, wenn er seine demokratische Maske fallen muß und klar als Vertreter der Konterrevolution auftritt. Wir Kommunisten haben die Pflicht, permanente Enthüllungs- und Entlarvungskampagnen gegen die Reaktionäre zu führen, um den Studenten immer wieder zu zeigen, daß die, die sich als Vertreter der Interessen der Studenten aufspielen, in Wirklichkeit die Vertreter der Klasse sind, die z.B. durch die reaktionär-bürokratische Hochschulreform in immer größerem Maße den Abbau der demokratischen Rechte des Volkes auch an den Hochschulen betreibt.
Indem wir alle anderen Organisationen an ihrem antikapitalistischen Anspruch packen, sie in der SK zwingen Stellung zu beziehen zu den Kämpfen der Arbeiterklasse und der mit ihr verbündeten Schichten des Volkes, machen wir die SK zu einer Tribüne des politischen Kampfes.
Auch in der SK wird sich bei wichtigen politischen Entscheidungen, wie der Verabschiedung von Resolutionen gegen politische Disziplinierung, bei Entschlüssen über einen Streik, bei Aufrufen zu Demonstrationen immer wieder zeigen, wer tatsächlich den proletarischen Standpunkt vertritt. So müssen wir, wenn wir die Reaktionäre isolieren, gleichzeitig den Kampf zweier Linien führen. Wir müssen immer wieder aufdecken, daß es den Revisionisten von MSB Spartakus gar nicht mehr darum geht, für den Sozialismus zu kämpfen, da - laut Ausspruch eines Spartakus-Funktionärs an der PH - es linkssektiererisch sei, immer wieder den Kampf gegen den Abbau der demokratischen Rechte mit dem Kampf für den Sozialismus zu verbinden. Gerade an dem Punkt wird sich auch erweisen, wie ernst es andere Gruppen (z.B. PGH) mit ihrem antirevisionistischen Anspruch meinen.
Für den AStA gilt, daß er für die Kommunisten ein wichtiges Instrument ist, die Kämpfe sowohl ideologisch als auch materiell zu unterstützen. Die Behauptung, der AStA sei aus sich heraus schon ein Kampfinstrument der Studenten - wie sie von der PGH aufgestellt wird - dient nur der Bestärkung der Studenten, in ihren Illusionen über Gremienarbeit. Daß diese Behauptung falsch ist, kann man sehen, wenn man die Frage stellt, ob ein RCDS-AStA etwa auch Kampfinstrument der Studenten sein kann. Allein durch die Arbeit der Kommunisten im AStA ist es möglich, ihn zu einem Instrument zu machen, das durch seine vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten ein wichtiger Stützpunkt für die Massenarbeit ist.

Kommilitonen und Genossen, es geht für jeden fortschrittlichen Studenten darum, welche Politik er in Zukunft unterstützen will. Perspektivlose, prinzipienlose Handwerkelei und den Kampf um studentische Privilegien oder die Entscheidung für eine Politik, die das Hauptkampffeld in der Massenarbeit sieht, die sich immer konsequent am schließlichen Ziel, am Sozialismus ausrichtet."

Im letzten Artikel wird neben Passagen, die uns schon aus der Broschüre "Erkämpft das Sozialistische Studium" (vgl. 1.11.1971) geläufig sind, u.a. ausgeführt:"
ZUR SITUATION AN DEN GRUND- UND HAUPTSCHULEN IN NRW
DIE AUSBILDUNG DER PH-STUDENTEN

An der PH werden hauptsächlich Lehrer ausgebildet, die später an den Grund- und Hauptschulen unterrichten sollen. … Wie sieht nun die Situation an der Hauptschule aus? Die Klassenfrequenz liegt zu 54% über 36 Schülern, wogegen an Gymnasien die Klassenfrequenz nur bei 29% über 36 Schülern liegt. 53% der Schulklassen an Gymnasien haben weniger als 30 Schüler. 1971 wurden in Dortmund von 94 Erneuerungsbauten für Grund-, Haupt- und Sonderschulen 67 gestrichen, weil der Etat von 2, 8 Mio. auf 0, 8 Mio. DM gesenkt wurde.
In den nächsten Jahren ist nicht damit zu rechnen, daß der Lehrermangel behoben werden kann. Die Behauptung von Kultusminister Girgensohn, daß wenn die Lehrer selbst entscheiden könnten, wo sie unterrichten wollen, der Lehrermangel behoben würde, ist geradezu lächerlich. Auch die Behauptung von Girgensohn, daß in fünf Jahren der Lehrermangel behoben sei, macht deutlich, daß es nicht um eine Verbesserung der Ausbildung geht; denn wenn tatsächlich 1977 der Lehrerbedarf gedeckt sein soll, so kann dies nur der Fall sein, wenn die jetzige Klassenstärke und der Frontalunterricht beibehalten werden.
Die lauthals verkündete sozialdemokratische Schulreform mit der integrierten Gesamtschule als Kernstück, bleibt dann wohl eine leere Versprechung.

Diese Zahlen zeigen deutlich, daß die Ausbildungskosten für die Kinder aus der Arbeiterklasse so niedrig wie möglich gehalten werden. … Die Hauptfunktion der Hauptschule ist es, für den ständigen Nachwuchs billiger und arbeitswilliger Arbeitskräfte zu sorgen. … Das Fach Arbeitslehre zeigt dies ganz deutlich. So gibt der Lehrplan von NRW als Lernziel für die 8. Klasse an: 'Unternehmung und Haushalt stehen miteinander in einem Arbeitergeber/Arbeitnehmerverhältnis'. Die Kapitalisten und die Arbeiterklasse werden hier als gleichwertige Partner nebeneinander gestellt; die Tatsache der Ausbeutung, d.h., daß der eine seine Arbeitskraft verkaufen muß, während der andere sich den produzierten Mehrwert aneignet, ohne auch nur einen Schlag getan zu haben, soll durch die Ideologie der gegenseitigen Verantwortung verschleiert werden. …

WIE SEHEN DIE AUSBILDUNGSBEDINGUNGEN FÜR DIE STUDENTEN AN DER PH DORTMUND AUS?

Gerade die wichtigsten Lehrveranstaltungen, vor allem die Erstsemester, sind teilweise total überfüllt - bei manchen Vorlesungen ist sogar in den Hörsälen kein Platz mehr zu bekommen, ganz zu schweigen von der Raumnot in der Kreuzstraße. Die Anzahl der Dozenten ist verschwindend gering gegenüber den ca. 2 500 Studenten - so kommt z.B. in Schulpädagogik ein hauptamtlicher Lehrender auf 400 Studenten, in allgemeiner Pädagogik beträgt dieses Verhältnis sogar 1 : 480! Für die Chemiestudenten sind keine Laborplätze vorhanden ('die Studenten an der PH sollten nicht erwarten, einen eigenen Laborplatz zu erhalten, an dem sie sich austoben können', wie akadem. Rat Günther von der Fächergruppe treffend formulierte), ebensowenig wie für die Biologiestudenten, denn hier genügt es, 'wenn die Studenten auf dem Niveau lernen, wie es auch an den Schulen herrscht, nämlich auf dem der elementaren Grundlagen der Tier- und Pflanzenkunde', so ebenfalls Günther.
Daran, daß ähnliche, oft noch schlechtere, Zustände wie in Dortmund an allen pädagogischen Hochschulen herrschen, erweist sich deutlich: die Ursachen hierfür sind im menschenfeindlichen imperialistischen System selbst zu suchen.

Wie einerseits die materiellen Voraussetzungen für ein sinnvolles Studium in jeder Beziehung fehlen, stehen andererseits die reaktionären Inhalte der Lehrveranstaltungen dem Interesse der Studenten nach einer gesellschaftlich nützlichen Ausbildung direkt entgegen. … Im Fach Deutsch wird z.B. von einem Professor die Interpretation des Satzbaus bei H. v. Kleist auf seine Ästhetik und 'inneren Werte' hin als die Grundlage für jegliches Literaturverständnis und - daraus folgend für die Fähigkeit, einigermaßen klar zu denken, schlechthin betrachtet. Diese Logik läßt es dann allerdings einsichtig erscheinen, daß Hauptschüler, die im allgemeinen weniger Begeisterung für derlei Theorien aufbringen, auch gar nichts anderes verdienen als in der materiellen Produktion - die 'eine zwar notwendige, aber doch eine der untergeordnetsten aller menschlichen Tätigkeiten darstellt' - zu arbeiten (bei zugegebenermaßen 'etwas schlechterer' Bezahlung).
Tritt an der zeitweise schon lächerlichen Absurdität dieser und ähnlicher Theorien offen zu Tage, daß sie keinem anderen Interesse als dem der Unterdrückung der werktätigen Masse durch eine verschwindende Minderheit von Ausbeutern dienen, so bemühen sich die sogenannten progressiven Vertreter des Modells der kompensatorischen Erziehung und der Soziolinguistik, wie z.B. Rolff, um so stärker, den Studenten, die verschärft den menschenfeindlichen Charakter des imperialistischen Systems zu spüren bekommen, Illusionen der Art einzupflanzen, daß die Erziehung der Arbeiterkinder und -jugendlichen im Sinn ihrer Ausbeuter nur ein besonders häßlicher Auswuchs dieses Systems sei. In einer integrierten Gesamtschule sei von gutgewillten Lehrern, gewappnet mit der Theorie der Soziolinguistik sowie den Methoden der kompensatorischen Erziehung, diese unangenehme Seite des Imperialismus leicht zu beseitigen, behaupten diese Reformer. Aber: auch diese 'Reform' der SPD - die auf Grund nicht bereitgestellter finanzieller Mittel zudem nur bruchstückhaft durchgeführt wird - beabsichtigt nichts anderes, als mit all diesen Methoden flexible und mobile Arbeiter zu produzieren".
Quelle: KSV-Zelle PH: Wahlzeitung, Dortmund Feb. 1972

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Letzte Änderung: 21.11.2017