Blaupunkt Herne

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Diese Darstellung stützt sich auf Sekundärquellen. In der 'Bochumer Studentenzeitung' tritt Blaupunkt Herne als einer der ersten Betriebe auf, aus denen über studentische Betriebsarbeit berichtet wird (vgl. 9.10.1969). Allerdings geht es der Autorin offenbar nicht um die Beglückung der Arbeiterklasse mit selbstgebrauten Theoremen, sondern eher um die Sicherung ihrer Existenz als Werkstudentin. Pikant sind die Parallelen, die sie zwischen der Arbeit bei Blaupunkt Herne und der in der Bochumer 'Uschi-Bar' zieht, ist doch eine solche Gleichsetzung der ordinären Lohnarbeit und der Sexarbeit erst weit später wieder in den entsprechenden Debatten zu finden. Der Artikel scheint auch bei Blaupunkt Herne nicht nur von vielen Beschäftigten, sondern auch von der Geschäftsleitung gelesen worden zu sein, Helena Schulte wird offenbar eine Wiedereinstellung in den nächsten Semesterferien untersagt, wie wir aus einem unveröffentlichten Flugblatt dokumentieren (vgl. 2.3.1970).

Weitere Berichte über Blaupunkt Herne kommen von der DKP (vgl. 20.11.1969) sowie von der KPD/ML (später KPD/ML-ZK) bei Opel Bochum (vgl. 13.4.1970), die über die Krankheitskontrollen berichtet.

Die KPD/ML-Betriebsgruppe Blaupunkt Herne mit ihrer Betriebszeitung 'Der Funke' aber gehört nicht zur KPD/ML-ZK, sondern zur KPD/ML-ZB (vgl. Okt. 1970), die dann auch vom Streik bei Blaupunkt Herne während der Metalltarifrunde (MTR) 1970 berichtet (vgl. 5.10.1970), anlässlich der MTR 1970 offenbar die Arbeit aufnimmt (vgl. 7.10.1970) und umgehend in Konflikt mit der SPD gerät (vgl. 21.10.1970).

Die Kurzarbeit kann offenbar zunächst durch die Demonstration von Kampfbereitschaft kurzzeitig verhindert werden (vgl. 25.11.1970), obwohl - laut KJVD der KPD/ML-ZB - auch bei Blaupunkt der Betriebsrat zu beruhigen versuchte (vgl. Jan. 1971).

Auch die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB aber, von der in den zentralen Organen dieser Gruppe des Öfteren berichtet wird (vgl. 21.12.1970, 15.3.1971), kann die Kurzarbeit nicht nachhaltig verhindern (vgl. 11.1.1971) und auch häufig Kranke Kolleginnen werden erneut eingeschüchtert, bekommen 'blaue Briefe' (vgl. 29.3.1971).

Hier endet vermutlich auch die Existenz der KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Blaupunkt Herne, von der trotz penibler Auswertung nahezu sämtlicher zentraler Publikationen und Interna der KPD/ML-ZB und des KJVD, in deren Spalten für Betriebsgruppenberichte immer überreichlich Platz war, keine weitere Erwähnung mehr aufgefunden werden konnte.

Auch die Belegschaft von Blaupunkt Herne beteiligt sich eventuell an der Streikwelle 1973, da aber allein nur die KPD dies berichtet, muss diese Meldung als zweifelhaft gelten, auch wenn die KPD (vgl. 28.8.1974) später ebenso wie die Herner Freunde des KBW, die auch später wiederholt von Blaupunkt berichten, von Massenentlassungen kündet (vgl. 4.9.1974, 18.9.1974).

Es kommt zum Stop der Ausbildung von Lehrlingen (vgl. Feb. 1975) und zum, Streik gegen die versuchte Kürzung der Schichtzulage (vgl. 11.12.1975).

Abschließend für diese Darstellung berichtet dann der KBW über die Arbeitsunfälle (vgl. Dez. 1976).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

09.10.1969:
In der heutigen 'Bochumer Studenten Zeitung' (BSZ) heißt es von Blaupunkt Herne:"
ZUM THEMA: WERKSTUDENT

Ich gehöre zu den 10 Prozent Studentinnen (insgesamt mindestens 20 Prozent der Bochumer Studenten), die sich während der Semesterferien nach einem Job umsehen müssen, um ihr Studium zu finanzieren.

Die Auswahlmöglichkeiten für weibliche Studenten sind nicht gerade rosig. Nach einem hoffnungslosen Debut in der Bochumer Uschi-Bar (als Animiermädchen für Peter Nellen) versuchte ich es nunmehr als Arbeiterin im Herner Blaupunkt-Werk.

Ohne die 'modern und übersichtlich eingerichteten Fertigungsräume und die freundliche Kantine' (laut Inserat in der WAZ) vorher besichtigen zu können, wurde ich in den 'Produktionsprozeß' eingegliedert - d.h. noch nicht sogleich, denn eine zweistündige Belehrung des Personalchefs nebst Verlesung der betriebseigenen Blaupunkt-Broschüre gingen dem voran. Höhepunkt der Einstellungszeremonie waren die aufmunternden Worte von Betriebsrat S. In Stichworten: Aufzählung der sozialen Errungenschaften der Blaupunkt GmbH, wie Coca-Cola, Heißwasserbehälter, Würstchen- und Schokoladeautomat, Prämien bei Fleiß und Pünktlichkeit, Treuegeld 7 DM pro Jahr. Dann das Betriebsinterne: 'Wir sind eine Gemeinschaft… bei uns muß jeder arbeiten, von der Putzfrau bis zum Chef… er ist nur der erste Arbeiter… Sie haben es hier nur mit gewerkschaftlich organisierten Vorgesetzten zu tun. Auch Sie können Kollege der IGM werden, Aufnahmeanträge hier beim Betriebsrat. Beitrag wird vom Lohnkonto direkt einbehalten.'

Nach dieser salbungsvollen Einleitung wurde ich an meinem Arbeitsplatz ins Verzinnen von Transformatoren eingewiesen.

1.Tag: Vom Plutonium bekomme ich Kopfschmerzen, man tröstet mich: das geht allen Neuen so. Die Arbeiterinnen sind mir gegenüber wohlwollend-kritisch, Presse und Fernsehen haben ihr Ziel (Verteufelung der Studenten) noch nicht ganz erreicht.

3.Tag: Der Personalchef, Herr K., kommt und fragt mich dreimal, ob mir die Arbeit gefällt. Als ich schließlich bejahe, kommt der Pferdefuß: er will wissen, ob ich das auch einer Reporterin der WAZ erzählen würde (Reportage über Ferienarbeit). Ich tu's. Am nächsten Samstag ist in der Zeitung zu lesen, daß ich den Rasen vor dem Blaupunkt-Werk für 'arbeitspsychologisch sehr geschickt' halte. Ausbeutung von Privateigentum hielte ich nicht für unbedingt richtig. Von dem Interview waren nur noch zusammenhanglose Fetzen übriggeblieben.

2.Woche: kleiner Arbeitsunfall. Ich muß sofort ins Krankenhaus zum Röntgen, auf Betreiben der Werksleitung. Der Verdienstausfall einer Woche wird natürlich nicht vergütet. Betriebsrat S. zu mir: 'Zugegeben, ein wunder Punkt unseres sozialstaatlichen Systems. Aber Studenten arbeiten nun mal auf eigenes Risiko.'

5.Woche: Lohnauszahlung. Ich wage, Befremden über meinen Stundenlohn zu äußern. Mein Vorgesetzter: 'Liebes Fräulein, Sie verwechseln offenbar den Einstellohn mit dem Grundlohn, denn mit dem Grundlohn kann man natürlich keine Katze hinter dem Ofen hervorlocken. Der Akkord wird natürlich auf den Grundlohn aufgeschlagen.' Tja, so kann man sich irren. Der 'Irrtum' kostete mich 12 DM pro Woche.

8.Woche: Ich hole meine Papiere. Werde dabei Zeuge einer Szene zwischen Personalchef und einer langjährigen Arbeiterin. Sie hat sich im Verlauf ihrer Tätigkeit für den Betrieb eine Nervenentzündung an beiden Armen zugezogen. Wieder gesundgeschrieben bittet sie um Weiterbeschäftigung. Personalchef K. jovial: 'Was soll ich denn mit Ihnen anfangen? An Ihrer alten Stelle können Sie ja nicht mehr eingesetzt werden. Sie müssen ja hier überall mit den Händen arbeiten. Wie wär's denn als Raumpflegerin?' Die Arbeiterin lehnt ab. Man einigt sich zunächst darauf, daß sie Montag wieder anfangen soll. Als sie weg ist, ein Anruf an ihren Meister: '…Montag fängt Frau X. wieder an… weist ihr irgendetwas zu, wir müssen dann mal sehen, ob sie von selbst geht oder ob wir ihr kündigen müssen…' Als ich das Büro verließ, entdeckte mich der Betriebsleiter, Herr M.: 'Kommen Sie doch bitte mal mit in mein Büro… Ich möchte Ihnen noch persönlich alles Gute für Ihr Studium wünschen… Wie hat es Ihnen bei uns gefallen? … Betriebsklima…' Als ich ihm daraufhin den Vorfall mit der Arbeiterin berichten will, hat er plötzlich keine Zeit mehr und komplimentiert mich rasch hinaus."

Der mit S. H. unterzeichnete Artikel hat später Folgen für Helena Schulte bei Blaupunkt Herne (vgl. 2.3.1970).
Quelle: Bochumer Studentenzeitung-Redaktion: Kolleginnen und Kollegen!, Herne o.J. (März 1970)

20.11.1969:
Die DKP gibt die Nr. 34 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 13.11.1969, 27.11.1969) und berichtet aus Herne von Blaupunkt.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 34, Essen 20.11.1969

02.03.1970:
Vermutlich in dieser Woche wird für Blaupunkt Herne ein Flugblatt mit einer Seite DIN A 4 erstellt von der 'Bochumer Studenten Zeitung' (BSZ) Redaktion, die dafür verantwortlich zeichnet, während als Herner Kontaktanschrift Helena Schulte genannt wird. Von dieser stammte ein BSZ-Artikel über Blaupunkt (vgl. 9.10.1969), der abgedruckt wird. Laut einer handschriftlichen Notiz von Klaus Dillmann (BSZ-Redaktion) wurde das Flugblatt Anfang März hergestellt, sei aber nicht erschienen. Ausgeführt wird:"
KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

Die Werkstudentin Helena Schulte wurde nach Kündigung nicht wieder eingestellt. Was war der Grund?

Helena Schulte hat im vergangenen Sommer acht Wochen bei euch gearbeitet. Danach war in der BSZ (Bochumer Studentenzeitung) nebenstehender Artikel über Blaupunkt erschienen, worin Helena erzählt, was sie bei euch erlebt hat.

Dieser Artikel wurde von Personalchef Katzer als 'provokativ', 'aus der Luft gegriffen', 'im APO-Stil geschrieben' bezeichnet. Er war Grund für ihre Nichtwiedereinstellung.

Katzer erklärte der erstaunten Studentin am Telefon: 'Dieser verleumderische Artikel' sei 'durch den ganzen Betrieb gegangen' und man hätte 'überlegt', ob man ihr nicht 'was an den Hals hängen sollte'. (Das hörten Zeugen am Nebenapparat mit.) In dem Artikel würde so getan, 'als ob es die Frauen bei uns wer weiß was wie schlecht hätten' (wörtliche Äußerungen).

Auch der Betriebsrat meint, daß die Studentin auf Grund dieses Artikels nicht wieder eingestellt werden darf.

Wir haben den Artikel nun für euch vervielfältigt, damit er wirklich 'durch den ganzen Betrieb' gehen kann.

Ihr sollt nun beurteilen, ob die Vorfälle richtig wiedergegeben worden sind. Es kann ja sein, daß die Werkstudentin Fehler gemacht hat, weil sie nur kurze Zeit bei euch gearbeitet hat und sich darum nicht so genau auskennt.

Wir fragen euch: Wird in dem Artikel wirklich nur so getan, als ob es euch 'wer weiß wie schlecht geht'? Warum haben Betriebsleitung und Betriebsrat Angst davor, die Studentin weiter mit euch zusammenarbeiten zu lassen? Wird dadurch wirklich der Betriebsfrieden gestört oder gibt es den gar nicht bei euch?

Darüber würden wir gern mal mit euch sprechen."
Q: Bochumer Studentenzeitung-Redaktion: Kolleginnen und Kollegen!, Herne o.J. (März 1970)

13.04.1970:
Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML bzw. später KPD/ML-ZK nach eigenen Angaben erstmals ihre Betriebszeitung 'Zündkerze' heraus (vgl. 11.5.1970). Berichtet wird auch:"
DIE LOHNFORTZAHLUNG IM KRANKHEITSFALL

… stellt sich immer mehr als zweischneidiges Schwert heraus. Natürlich wollen die Kapitalisten nicht blechen. Deshalb versuchen sie, uns einzuschüchtern, damit wir auch dann nicht krankfeiern, wenn wir kaum noch auf den Beinen stehen können. Zu diesem Zweck hat es in anderen Firmen wie z.B. Blaupunkt in Herne schon Massenentlassungen gegeben, natürlich ohne Angabe von Gründen oder mit vorgeschobenen Begründungen. Außerdem lassen die Bosse kranke Kollegen zuhause bespitzeln, indem sie sog. Krankenkontrolleure losschicken. Sollte so was auch bei Opel vorkommen, teilt es uns mit! Übrigens habt ihr das Recht, solche Leute erst gar nicht reinzulassen."
Q: Zündkerze Nr. 1, Bochum 1970

Oktober 1970:
Vermutlich in diesem Monat gibt die Betriebsgruppe Blaupunkt Herne der KPD/ML-ZB erstmals ihre Betriebszeitung 'Der Funke' heraus.
Q: Rote Fahne Nr. 4, Bochum 23.11.1970, S. 4; Der Parteiarbeiter Nr. 1, Bochum Jan. 1971

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05.10.1970:
Nach einem Bericht der KPD/ML-ZB streiken in Herne 2 000 Arbeiter in 8 Betrieben aus Empörung gegen eine Anzeige von Gesamtmetall, in der behauptet wurde 81% der Arbeiter in NRW seien für das 10%-Angebot.

Laut 'EXI' kommt es zu Warnstreiks im Rahmen der Metalltarifrunde (MTR) in Herne, mit 2 000 Teilnehmern.
Q: Express International Nr. 107, Frankfurt 16.10.1970, S. 6; Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 40, Bochum 10.10.1970;Der junge Bolschewik Nr. 5/6, Bochum 15.12.1970, S. 79f

07.10.1970:
In Herne wird, nach eigenen Angaben, erstmals ein Flugblatt der KPD/ML-ZB vor dem Blaupunkt-Werk verteilt, welches sich u.a. mit den Streiks in Herne am 5.10.1970 befaßt:"
Das Flugblatt berichtete über den Stand der Tarifkämpfe und den Verrat der Gewerkschaftsbonzen und der SPD. … Dieses Flugblatt jagte den Blaupunktbossen und den rechten Gewerkschaftsführern gewaltige Angst ein".

Nachdem Versuche eines Betriebsrates der Verteilerin die Flugblätter zu stehlen mißlungen seien und Entlassungsdrohungen gegen Kolleg(inn)en, die Flugblätter abnahmen, gescheitert waren, habe die Polizei auf Veranlassung der Gewerkschaftsbonzen die Personalien der Verteilerin festgestellt.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 40, Bochum 10.10.1970; Der junge Bolschewik Nr. 5/6, Bochum 15.12.1970. S. 66 und 79f

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21.10.1970:
Die Nr. 43 des 'KND' (vgl. 17.10.1970, 24.10.1970) der KPD/ML-ZB erscheint. Von Blaupunkt Herne wird unter der Überschrift "SPD-Hetze gegen die KPD/ML" berichtet:"
Auf einer Betriebsversammlung … erklärte ein SPD-Vertrauensmann, die KPD/ML wolle alles kaputtmachen, 'was wir uns nach dem Kriege aufgebaut haben.' Ein Funktionär von der IGM empörte sich lautstark, daß die KPD/ML solche Männer wie ihn als Bonzen bezeichneten. Der Betriebsratsvorsitzende erklärte, die Belegschaft sei immer über die Tarifsituation informiert, deshalb brauche sie auch nicht die zweifelhafte Unterstützung von 'diesen Radikalen', die sich in die Tarifverhandlungen einschalteten, um Stimmung für ihre 'staatsstürzlerischen Umtriebe' zu machen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 43, Bochum 21.10.1970

25.11.1970:
In der Nr. 53 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 21.11.1970, 28.11.1970) heißt es:"
Bei Blaupunkt in Herne wird es keine Kurzarbeit geben, nachdem die Kollegen dort über die Ankündigung sehr empört waren und der Betriebsrat gezwungen war, mit den Kapitalisten zu verhandeln, um den 'Betriebsfrieden' aufrecht zu erhalten."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 53, Bochum 25.11.1970

21.12.1970:
Die Nr. 6 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 7.12.1970, 11.1.1971) berichtet u.a. über die Betriebsgruppe der KPD/ML-ZB bei Blaupunkt Herne ('Der Funke').
Q: Rote Fahne Nr. 6, Bochum 21.12.1970, S. 4

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Januar 1971:
Der KJVD der KPD/ML gibt seinen 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ - vgl. Dez. 1970, Feb. 1971) heraus. Im Leitartikel heißt es:"
MASSENENTLASSUNGEN, KURZARBEIT:
MIT DEN KOLLEGEN DEN KAMPF AUFNEHMEN!

UND DIE GEWERKSCHAFTSFÜHRER?

Sie halten mit der Wahrheit hinter dem Berg. Sie tun so, als sei alles nicht so ernst. Sie reden von Planungsfehlern einiger Kapitalisten.

Auch die Betriebsräte haben sich in den meisten Betrieben, wo Kurzarbeit eingeführt werden sollte, wo Arbeiter auf die Straße fliegen sollte, auf die Seite der Kapitalisten geschlagen. Bei AEG in Berlin, bei Blaupunkt in Herne, bei Porsche und in vielen anderen Betrieben haben sie die Belegschaft über die Maßnahmen der Kapitalisten nicht informiert, haben sie versucht, die Kollegen hinters Licht zu führen und zu beruhigen.

Nicht überall ist ihnen das gelungen. In einigen Betrieben konnte die KPD/ML die Pläne der Kapitalisten entlarven, in einigen Betrieben haben die Kollegen rechtzeitig von den Maßnahmen der Kapitalisten erfahren."
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 1, Bochum Jan. 1971, S. 1

11.01.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
Bei Blaupunkt in Herne wird wahrscheinlich ab demnächst nur noch eine Schicht verfahren. Die alljährliche 'Dividende' für die Arbeiterinnen, die sonst immer 35-40% des Lohns betrug, haben die Kapitalisten diesmal auf 25% zusammengestrichen. Außerdem mußten sich die Kolleginnen, die öfter krankgefeiert hatten, jetzt beim Personalchef melden, der ihnen mit Entlassung drohte."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 4, Bochum 16.1.1971, S. 9f

01.03.1971:
Es erscheint die Nr. 4 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 15.2.1971, 15.3.1971) und berichtet von der eigenen Betriebsgruppe Blaupunkt Herne ('Der Funke'), die gegen 40 Entlassungen agitiiert.
Q: Rote Fahne Nr. 4, Bochum 1.3.1971, S. 4

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29.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche:"
Über die Krisenangriffe bei BLAUPUNKT berichtet uns der Parteistützpunkt HERNE:

Nachdem die Blaupunkt-Herren im Januar und Februar zwei Bänder stillgelegt hatten, was für die Kolleginnen Lohnverlust bedeutete (…) haben sie den Arbeiterinnen jetzt blaue Briefe in's Haus geschickt, worin genau aufgeführt ist, wann die Kolleginnen früher nach Hause gegangen sind, wann sie gefehlt haben usw.

Ende Februar wurde an ein paar Bändern versteckte Kurzarbeit eingeführt. Die Maschinen wurden langsamer gestellt, so daß die Kolleginnen statt 140% wie sonst nur noch 128% und schließlich sogar nur noch 122% herausbekamen. So mußten die Kolleginnen ihre acht Stunden im Betrieb absitzen, konnten aber nur langsam arbeiten und bekamen so weniger Lohn. Die Kapitalisten sparten das Kurzarbeitsgeld, das sie hätten zahlen müssen, wenn sie die Kolleginnen bei gleicher Bandgeschwindigkeit früher nach Hause geschickt hätten.

Die Unruhe unter den Kolleginnen und ihre Empörung über diese Angriffe sind so immer mehr gesteigert worden. Auf der letzten Betriebsversammlung sind so viele Kollegen und Kolleginnen nach vorne gegangen wie noch nie zuvor. Sie wiesen die frechen Lügen des Betriebsratsvorsitzenden zurück, der behauptete, was im 'Funken', der Zeitung der KPD/ML-Betriebsgruppe gestanden hätte, das sei alles Hetze, bei Blaupunkt gäbe es keinen Lohnraub. Der Funke hatte alle Angriffe der Blaupunkt-Herren aufgedeckt und die Forderungen der Kollegen formuliert. Alle diese Forderungen sind von den Kollegen auf der Betriebsversammlung zur Sprache gebracht worden! Und die Kollegen hatten Erfolg! Ein Teil der Umsetzungen wurde rückgängig gemacht. Die langsamer gestellten Bänder liefen sofort nach der BV wieder mit alter Geschwindigkeit."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 27, Bochum 7.4.1971, S. 8

August 1973:
Bei Blaupunkt Herne kommt es, laut KPD, vermutlich im August zu einem Streik für eine Teuerungszulage (TZL).
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973

28.08.1974:
In der Nr. 35 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 21.8.1974, 4.9.1974) der KPD wird aus Herne berichtet von Blaupunkt (1 700 Besch.) über die Entlassung eines Drittels (500) der dort Autoradios produzierenden Frauen.
Q: Rote Fahne Nr. 35, Dortmund 28.8.1974, S. 5

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04.09.1974:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.18 (vgl. 21.8.1974, 18.9.1974) heraus. Die Kommunistische Gruppe (KG) Herne berichtet über Blaupunkt (1 700 Beschäftigte).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 18, Mannheim 4.9.1974, S. 4

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18.09.1974:
In der Nr. 19 der 'KVZ' des KBW (vgl. 4.9.1974, 2.10.1974) berichtet die Kommunistische Gruppe Herne von "300 Entlassungen bei Blaupunkt Herne".
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 19, Mannheim 18.9.1974, S. 7

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Februar 1975:
Der KBW gibt vermutlich im Februar die Broschüre "Die Zukunft der arbeitenden Jugend liegt im Kampf für den Sozialismus" heraus, die berichtet vom Ausbildungsstop bei Bosch-Blaupunkt Herne, wo bisher rund 100 Lehrlinge lernten.
Q: KBW: Die Zukunft der arbeitenden Jugend liegt im Kampf für den Sozialismus, Mannheim o. J. (1975), S. 15

11.12.1975:
Die GIM Düsseldorf berichtet:"
Bosch Kollegen gegen Kürzung der Schichtzulage

Gegen einen Lohnabbau bis zu 70 DM durch die Kürzung ihrer Schichtzulage streikten am 11. Dezember die Früh- und Mittagsschicht bei Bosch in Herne. Die Firma will ab 1. Januar diese Zulage nicht mehr vom Effektivlohn, sondern vom Tariflohn berechnen. Die Arbeiter erreichten, das auf einer Betriebsversammlung eine Regelung vereinbart werden muß."

Der KBW OG Herne (vgl. 26.4.1976) berichtet:"
Dezember '75. Streik der Früh- und Mittagsschicht von BOSCH. Wie viele andere Belegschaften im Bundesgebiet zeigen die BOSCH-Kollegen, daß sie auch in der Krise nicht an Kampfkraft eingebüßt haben. Mit ihrem Streik gegen die Kürzung der Schichtzulage tritt die BOSCH-Belegschaft dem Ausweg der Kapitalisten aus der Krise ihrer Profitwirtschaft entgegen, die Ausbeutung zu verschärfen."
Q: KBW-OG Herne: 1. Mai internationaler Kampftag der Arbeiterklasse, Herne o. J. (1976), S. 1; Was tun im Betrieb für die Beschäftigten der Düsseldorfer Metallbetriebe Wird Daimler-Benz geschlossen?, Düsseldorf Jan. 1976, S. 4

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Dezember 1976:
Im Sendler Verlag des KBW erscheint die von Mitgliedern des Arbeitskreises Betriebsgesundheitswesen der Gesellschaft zur Unterstützung der Volkskämpfe (GUV) Heidelberg verfaßte Broschüre "Die Profitproduktion ruiniert die Gesundheit der arbeitenden Klassen" mit dem Abschnitt "Die hohe Zahl der Arbeitsunfälle hat keine 'psychologischen' Ursachen", wobei berichtet wird von Bosch Blaupunkt Herne.
Q: GUV Heidelberg - Arbeitskreis Betriebsgesundheitswesen: Die Profitproduktion ruiniert die Gesundheit der arbeitenden Klassen, Mannheim Dez. 1976, S. 22

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Letzte Änderung: 01.02.2017