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Kreis Olpe

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 8.4.2009

Die Bedeutung des Kreises Olpe im Sauerland für die bundesdeutsche Arbeiter- und linke Bewegung besteht nicht allein in der dort offenbar aktiven DKP bzw. zuvor ADF (vgl. 7.12.1968, 3.4.1969, 29.5.1969, 5.6.1969, 12.2.1970, 11.4.1970), oder der auch dort auftretenden, aber von uns hier nicht berücksichtigten KPD/ML Kreisverband Siegen-Olpe, sondern vielmehr zunächst in der Stilllegung der Hoesch Rothe Erde Schmiedag AG in Olpe (vgl. 30.6.1969, 1.7.1969), die für die Belegschaft der Dortmunder Hoesch-Betriebe vermutlich eine wichtige Lehre darstellte.

Für die Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) bzw. die von diesen aufgebaute Kommunistische Jugendorganisation (KJO) Spartacus bildet Lennestadt bzw. die dortige Sozialistische Basisgruppe zunächst offenbar ihre stärkste Bastion in NRW (vgl. 19.1.1970, 25.3.1970, 24.5.1970), zumindest was die Gewerkschaftsarbeit angeht (vgl. 8.7.1970, 25.12.1970, 27.4.1971, 1.5.1971), wenn offenbar auch zum Missfallen örtlicher Funktionäre (vgl. 28.10.1971, Jan. 1972), und bildet für Spartacus offenbar auch das Sprungbrett in weitere Orte des Sauerlands bzw. vor allem nach Lüdenscheid (vgl. 7.3.1970, 14.3.1970, 26.4.1970). Ob die Gruppe Lennestadt nach der Spaltung der KJO noch aktiv war (vgl. 4.3.1972) kann hier derzeit nicht erschlossen werden.

Von Aktivitäten linker Gruppen im Schwerspatbau der Sachtleben AG in Meggen, im Organisationsbereich der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE - vgl. Okt. 1970, 5.10.1970, 19.10.1970, 1.1.1971, Okt. 1971, 1.1.1972, Okt. 1972) kann hier derzeit nichts erschlossen werden. Für die Linke ist vielmehr eine erneute Stilllegung, wiederum aus dem Hoesch-Konzern relevant, die der Kalkwerke in Fretter (vgl. 31.10.1970).

Das Sozialistische Zentrum Attendorn (vgl. 1.5.1971) schließt sich der KPD bzw. zunächst ihrer Liga gegen den Imperialismus an (vgl. 18.12.1971, 11.3.1972, 13.4.1972, 29.4.1972, 13.5.1972, 17.6.1972), bildet für diese einen ihrer bescheidenen proletarischen Stützpunkte an Rhein/Ruhr (vgl. 1.5.1972, 1.10.1972, 15.11.1972, 2.12.1972, 20.1.1975, 30.4.1975, 4.5.1975, 2.2.1976, 3.3.1976, 6.10.1976).

Ihren vorläufigen Abschluss erfährt diese, wie immer äußerst unvollständige Darstellung mit zwei Fällen von Massenentlassungen bzw. Stilllegungen, eine davon wiederum bei Hoesch (vgl. Juli 1976, 6.12.1984).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

07.12.1968:
Das Innenministerium NRW berichtet von der Aktion Demokratischer Fortschritt (ADF - vgl. 2.11.1968, 1.1.1969):"
In Nordrhein-Westfalen bestehen, soweit bisher bekannt wurde, örtliche Gruppen des Aktions- und Wahlbündnisses an 44 Orten, und zwar in .., Olpe-Meschede".
Quelle: Innenministerium NRW:Extremismusberichte an den Landtag oder Landesbehörden 1969,Düsseldorf 1969,S.11ff

April 1969:
In der Aprilausgabe des 'Roten Morgens' der KPD/ML (vgl. März 1969, Mai 1969) wird btont, es habe "die sich Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, Kreisverband Siegen-Olpe nennende Sekte nichts mit der am 31.12. 1968 gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten zu tun, und ist nicht berechtigt, sich als Teil dieser Partei zu bezeichnen oder in ihrem Namen Materialien herauszugeben".
Quelle: Roter Morgen,Hamburg Apr. 1969

03.04.1969:
Die DKP gibt die Nr.1 der Ausgabe NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 10.4.1969). U.a. wird auch die ADF in Meggen und Olpe-Meschede erwähnt.
Quelle: Unsere Zeit NRW Nr.1,Essen 3.4.1969

29.05.1969:
Die DKP gibt die Nr.9 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 22.5.1969, 5.6.1969). Berichtet wird u.a. über Elspe im Kreis Olpe sowie die dortige GEW und die Firma Sachtleben (IGBE) im Elsper Ortsteil Meggen.
Quelle: Unsere Zeit NRW Nr.9,Essen 29.5.1969

05.06.1969:
Die DKP gibt die Nr.10 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 29.5.1969, 12.6.1969). Berichtet wird u.a. über Maumke in Elspe.
Quelle: Unsere Zeit NRW Nr.10,Essen 5.6.1969

30.06.1969:
Für den 'EXI' berichtet Hans Bender aus Olpe:"
KONZERN AUF DEM RÜCKZUG

'Das wird ja immer unangenehmer', rief - laut 'Westfälische Rundschau' ((WR,d.Vf.) 1. Juli 1969) - Prokurist Latta von der 'Rothe Erde Schmiedag AG' (Dortmund) angesichts des heranrückenden Demonstrationszuges. Er hatte begriffen, daß die Aktion Stillegung schief ging und der schwarze Peter bei der Rothe Erde hängen bleiben würde. Die Belegschaft der Betriebe Olpe und Lütringhausen (?,d.V*.) des Hammer-Werks Ruegenberg war im Anmarsch. Viele brachten ihre Frauen und Kinder mit und mehrere andere Metallbetriebe hatten sich ihnen angeschlossen. Vor kurzem hatte die örtliche Presse ausposaunt - aus 'gut informierter Quelle' -, daß beide Werke am 30. September stillgelegt werden sollen. (Beileibe nicht vor den Bundestagswahlen! (BTW - vgl. 28.9.1969,d.Vf.)) Die Empörung richtete sich gegen den Hoesch-Konzern, dem das Hammer-Werk über die Rothe Erde angeschlossen ist. Auf den selbst gebastelten Transparenten hieß es: 'Mutter Hoesch läßt ihre Kinder verhungern'; 'Heute wir - morgen ihr'; 'Für Hoesch holten wir hohe Summen - warum will man uns jetzt verdummen?'; 'Stadtväter was nun?'; 'Das Kapital ist zu beklagen, lebt nur von roten Zahlen'; 'Ist der Menschenhandel noch nicht tot?'; 'Sagt uns endlich die Wahrheit!'; 'Wir fordern Erhaltung unserer Betriebe'; 'Wer ist der Sündenbock?'; 'Sieht so unsere Mitbestimmung aus?'; 'Rotterdam ja, Olpe nein!' Die überfüllte Stadthalle Olpe erlebte ihre stürmischste Protestkundgebung. An der Stirnwand die Hauptlosung: 'Die Erhaltung unserer Arbeitsplätze am Ort ist der beste Sozialplan!'

Es geht hier um Struktur-, Mitbestimmungs- und Konzernpolitik zugleich. Der Kreis Olpe hat in letzter Zeit 3 000 Arbeitsplätze verloren - nun sollten weitere weiße Stellen in der Infrastruktur entstehen. Was die Aktion der 250 Betroffenen für den Mitbestimmungs-Konzern Hoesch so brisant machte, war die Massenbasis: Ganz Olpe war dabei und alle Institutionen sahen sich gezwungen - zumindest verbal - gegen den Konzern und für die Erhaltung der Arbeitsplätze Stellung zu nehmen. Belegschaftsangehörige in der Diskussion: 'Hier wird mit gezinkten Karten gespielt'; 'Das geht nicht mit rechten Dingen zu.'

Eine eigenartige 'Volksfront', die sich hinter sie stellt: Bürgermeister Enders (CDU): 'Auch für den Hoesch-Konzern muß gelten: Nicht den Menschen zur Arbeit bringen, sondern die Arbeit zum Menschen. Man kann unsere Menschen nicht einfach in andere Betriebe verpflanzen, wo sie wieder in der untersten Lohngruppe anfangen müssen.'

SPD-Bundestagsabgeordneter Martin Wendt: ' Wir können uns nicht gefallen lassen, daß immer mehr Betriebe abwandern.' Er habe sich deswegen an die SPD-Minister Schiller, Figgen und Kassmann gewandt.

Nach Pastor Dörnmann (ev.) möchten die Experten des Hoesch-Konzerns bedenken, daß es sich hier um Menschen, Arbeiter und ihre Familien handelt. 'Hier steht dem Gewinnstreben ganz einfach der Mensch gegenüber. Es ist unanständig, den Arbeitnehmern von heute auf morgen die Papiere in die Hand zu drücken.'

Bundestagsabgeordneter Franz Lenze (CDU): 'Hier steht ein Freund der Arbeitnehmer. Einem Konzern muß es doch möglich sein, selbst eine Durststrecke zu verkraften. Bei uns auf dem Land entsteht der Eindruck, daß wir im Stich gelassen werden. Ich werde mit Euch kämpfen, denn die Wirtschaft ist für den Menschen da.'

Dechant Kurze (kath.): 'Die Kirche erklärt sich mit Euch solidarisch. Man darf das kostbarste Kapital, den Menschen, nicht achtlos beiseite schieben.'

Der IG-Metall Bevollmächtigte von Olpe, Franz Tittelbach: 'Bisher war immer nur von roten Zahlen die Rede. Von den Menschen hat man bisher nicht gesprochen. Auch die Zahlen sind in Zweifel zu ziehen. Es ist etwas faul an der Geschichte (minutenlanger Beifall). Die beiden Werke können sich vor Aufträgen kaum retten. Sind die Defizite überhaupt echt? Warum werden die versäumten Investititionen nicht nachgeholt und nicht rationalisiert? Warum sollte das dem Hoesch-Konzern nicht möglich sein? Uns geht es nicht darum, daß durch einen Sozialplan, wie ihn der Hoesch-Konzern vorschlägt, Härten vermieden werden, sondern daß die Arbeitsplätze hier am Ort erhalten bleiben. Wir warnen die Hoesch AG davor, falsche Beschlüsse zu fassen. Sollte die Stahlkugelproduktion wirklich nicht aufrechtzuerhalten sein, dann muß eine andere Produktion ins Werk Olpe. Die Politiker, die hier sprachen, sollte man beim Wort nehmen und sie fragen: 'Was tut Ihr?''

Das Rothe Erde-Vorstandsmitglied Krause wurde mit Buh- und Pfui-Rufen überschüttet. Noch vor kurzem hatte er die Stillegungsmeldungen als 'Altweibergewäsch' abgetan.

Der Hoesch-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Pfeiffer stieß auf allgemeinen Widerstand, da er sich nur über 'rote Ziffern' und Unrentabilität' erging. Er wurde fortwährend durch die Zurufe 'Für wen sprichst Du?' unterbrochen. Die Lohnabhängigen sahen in ihm einen Sprecher der Konzern-Leitung.

In ähnliche Schwierigkeiten geriet Arbeitsdirektor Hölkeskamp. Obwohl die Stillegungspläne offensichtlich in der vergangenen Zeit schon konzernintern behandelt und anscheinend auch schon ausgereift waren, sah er sich zu dem Rückzieher gezwungen: 'Alles wird noch einmal überprüft, vom Konzernvorstand und Aufsichtsrat wurden noch keine Beschlüsse gefaßt.' Dann ließ er sich die Hintertür offen: 'Nichts wird ohne Abstimmung mit dem Betriebsrat von Ruegenberg und der IG Metall geschehen. Der Hoesch-Konzern ist bereit, die Stadt Olpe bei ihren Bemühungen zur Strukturverbesserung bei Bund und Land zu unterstützen.'

Tatsächlich aber hat der Hoesch-Konzern zunächst einmal kalte Füße bekommen. Das Stillegungsvorhaben scheint für ein bis zwei Jahre auf Eis gelegt. Es war allerdings ein zeitlich zufälliges Zusammentreffen , daß sich der DGB-Vorstand gerade in diesen Tagen (vgl. **.*.1969,d.Vf.) 'für eine aufeinander abgestimmte Wachstums-, Struktur- und Gesellschaftspolitik' ausgesprochen hatte, auch gegen 'ungehemmte und unkontrollierte Konzentrationen' sowie den Mißbrauch wirtschaftlicher Marktmacht'.

Die Fehlrechnung des Konzerns: Er hatte angenommen, alles könne stillschweigend innerhalb der 'großen Hoeschfamilie' geregelt werden (selbst die IG Metall-Verwaltungsstelle würde kuschen) - 'Außenstehende' ginge das nichts an.

In ihrer Ausgabe vom 30.6.1969 brachte die 'Westfälische Rundschau' unter der Überschrift 'SPD-Delegation erbat wirksame NRW-Soforthilfe; Die Minister Kassmann und Figgen über Olper Probleme informiert; 250 Arbeitsplätze in den beiden Hoesch-Werken noch in Gefahr' einen Bericht, der zeigt, welches Ausmaß die Angelegenheit inzwischen angenommen hatte: 'Die für den heutigen Montagnachmittag (30.6.), 14 Uhr 30, in der Olper Stadthalle geplante Protestversammlung der beiden Belegschaften der Rothe Erde-Schmiedag AG Olpe/Lütringhausen dürfte weiteren Aufschluß über das Schicksal der rund 250 Arbeitsplätze geben, die - so der Wille des Hoesch-Konzerns - am 30.September 1969 für den Wirtschaftsraum Olpe verlorengehen werden. Trotz Erklärungen der Betriebe, der Gewerkschaften und der Kommunalpolitiker besteht nach wie vor noch Unklarheit...

Eben aus dieser Ungewißheit heraus versuchte der Vorstand der Olper SPD mit Unterstützung des SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Wendt mit kompetenten Ministern des Landes Nordrhein-Westfalen über dieses für den heimischen Raum so schwerwiegende Problem zu sprechen. Die bisherigen SPD-Stadtverordneten Paul Palmer, Hubert Schrage und Alois Adler sowie der 2. Vorsitzende, Herbert Ganady, sprachen mit dem Arbeits- und Sozialminister Werner Figgen und mit dem Wirtschaftsminister Fritz Kassmann. Unter anderem nahmen an diesem Gespräch auch MdB Martin Wendt und das Mitglied des Gesamtvorstandes der IG Metall, Willi Michels, teil. Michels, Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Aufsichtsrates der Hoesch AG, konnte zu dieser Sachdebatte wichtige Beiträge geben.

Überraschend kam für die Olper Delegation aus dem SPD-Ortsverein die Äußerung von Willi Michels, daß hier Direktoren sehr voreilig mit fast konkret scheinenden Mitteilungen operiert hätten. Eine evtl. Schließung des Olper Werkes mit der unrentabel gewordenen Kugelproduktion steht erst am morgigen Dienstag (1. Juli) in einer Aufsichtsratssitzung zur Debatte. Ferner betonte Michels, daß eine Beschlußfassung über die eventuelle Schließung nicht im Aufsichtsrat vollzogen werde. Es steht lediglich fest, daß die Kugelproduktion eingestellt werden soll.

Laut Aufsichtsratsmitglied Willi Michels wird in Erwägung gezogen, die Arbeitsplätze im Werk Olpe durch die Aufnahme einer anderen Produktion zu erhalten. Zum Flanschenwerk Lütringhausen erklärte Michels: 'Eine Schließung dieses Werkes steht nicht zur Debatte.'

...Zum Problem der Erhaltung der Arbeitsplätze (Hoesch-Werke) versprach Wirtschaftsminister Kassmann, gegebenenfalls über Finanzhilfen mit Hoesch zu verhandeln.

...Minister Figgen, der gestern den Besuch von Bundeswritschaftsminister Schiller erwartete, versprach, mit dem Bundeswirtschaftsminister die ihm vorgetragenen Olper Industrieprobleme zu erörtern.'"

Für die DKP berichtet W.S.:"
STADT OLPE WEHRT SICH GEGEN HOESCH

Über 400 Metallarbeiter demonstrierten in der vorigen Woche durch das Sauerlandstädtchen Olpe. Sie protestierten gegen die vorgesehene Schließung der Hammerwerke Rügenberg-Schmiedag AG (Hoesch) und führten Transparente mit 'Wo bleibt der Mensch' - 'Hoesch - ein Name für Stillegung statt für Stahl'. Die IG Metall hatte zu diesem Marsch und zu der in einer Kleinstadt nicht alltäglichen Protestkundgebung in der Stadthalle aufgerufen. Sie war an diesem Tage bis zum letzten Platz besetzt. Nicht nur die von der Stillegung betroffenen 250 Hammerschmiede mit ihren Familien waren erschienen, sondern Bürgermeister und Landrat, Vertreter der Hoesch-Direktion, die Kirche und die DKP. Die DKP Kreis Olpe forderte die Bevölkerung Olpes in einem Flugblatt zum Kampf gegen die Schließung auf. 'Wenn heute in der noch vorhandenen Hochkonjunktur schon Betriebe stillgelegt werden, was wird erst in einer neuen Krise aus unserem durch unglückliche Strukturverhältnisse ohnehin schon wirtschaftliche gefährdetem Raum? Gegen die Konzernbosse helfen keine papiernen Proteste mehr.'

Bis zum 30.September sollen die über 100 Jahre bestehenden Rügenberg-Betriebe geschlossen werden. Angeblich sind sie für den Hoesch-Konzern plötzlich nicht mehr rentabel. Noch ist das letzte Wort darüber nicht gesprochen. Die Arbeiter, eine ganze Stadt kämpfen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Für Olpe würde z.B. der Verlust dieser 250 Arbeitsstellen dasselbe bedeuten wie für Hagen die Stillegung von 7 000 Arbeitsplätzen. Der Erhalt der bedrohten Arbeitsplätze im industriearmen und standortungünstigen Olpe ist deshalb lebenswichtig. Die Hauptforderung: 'Die Erhaltung unserer Arbeitsplätze am Ort ist der beste Sozialplan.'

Als Direktor Krause in der Stadthalle noch einmal die 'Gründe' für die vorgesehene Schließung darlegte, wurde er ständig durch Pfui-Rufe und Rufe wie 'Märchenerzähler' unterbrochen. Stürmischen Beifall erntete dagegen der evangelische Pfarrer Hörremann, als er sagte: 'Die Stillegung ist unanständig und menschenunwürdig.'

Noch am 31.Mai stellte die Direktion auf einer Betriebsversammlung alle Fragen nach einer eventuellen Betriebsschließung als 'dummes Geschwätz' hin. Vierzehn Tage später wurden die Belegschaft und der Betriebsrat vom Stillegungsbeschluß überrascht. So sieht gegenwärtig die Mitbestimmung aus.

Der IG-Metall-Bevollmächtigte von Olpe, TITTELBACH erklärte: 'Wir brauchen keine schönen Worte mehr. Die IG Metall hat seit geraumer Zeit auf diese mögliche Entwicklung hingewiesen. Mich wollte der Hoesch-Konzern noch vor kurzem zu 500 000 DM Geldstrafe wegen angeblicher Geschäftsschädigung verklagen, nur weil ich die Wahrheit sagte. Warum erfolgen bei Rügenberg keine Investitionen? Warum keine Umstellung auf andere Produkte? Wie kommt es, daß kleinere Unternehmen bei der Herstellung der gleichen Produkte noch Gewinn erzielen? Diese Stillegung ist nicht notwendig. Wir appellieren an die Vernunft und werden uns wehren.'

Der Betriebsrat der Firma Apparatebau Rothemühle solidarisierte sich mit dem Kampf der Olper Kollegen um ihren Arbeitsplatz und forderte die Leitung des Hoesch-Konzerns auf, den Stillegungsbeschluß rückgängig zu machen."
Quellen: Unsere Zeit NRW Nr.15,Essen 10.7.1969,S.10;
Express International Nr.77,Frankfurt 25.7.1969,S.6

01.07.1969:
Es findet eine Aufsichtsratssitzung der Hoesch AG (Dortmund) statt, auf der u.a. über die Stillegung der Rothe Erde Werke in Olpe diskutiert werden soll.

Bei Hoesch Dortmund (vgl. 17.12.1971) berichtet die KPD über die Fusion (vgl. 1966) mit Hoogovens in den Niederlanden anhand von Äußerungen (vgl. **.**.197*) des Vorstandsvorsitzenden:"
Durch den 'Rahmenvertrag' ist bereits der erste Schritt in diese Richtung getan. Die weiteren Schritte sind schon eingeleitet, zum Beispiel auf dem Sektor Investitionen. Hören wir dazu noch einmal Harders:

'Im Juli 1969 ist der Aufsichtsrat dem Vorschlag des Vorstandes gefolgt, zunächst den Ausbau der Produktseite vorzunehmen. Das war damals und ist auch heute noch richtig, weil wir direkt mit Fertigprodukten in den Markt gehen können...'
Quellen: Express International Nr.77,Frankfurt 25.7.1969,S.6;
Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr.7,Dortmund Dez. 1971,S.4

19.01.1970:
Der IKD-Regionalbeauftragte Ruhrgebiet berichtet aus Lennestadt (vgl. 7.3.1970):"
Gestern habe ich die X.-Gruppe besucht. Das vorgeschaltete Gespräch mit X. und Y. (einem sehr unsicheren antiautoritären Schüler) brachte nichts, wir wußten nicht, wie wir anfangen sollten.

An der Sitzung selbst nahmen ca. 10 Leute teil, darunter zwei ältere DKP-Genossen. Die beiden antiautoritären Autoritäten (aber nicht überschätzen, der Y. war in der Vordiskussion innerhalb weniger Minuten sehr unsicher über die Frage der Schülerarbeit), Y. und Z., waren nicht da. Es haben nur wenig diskutiert, X., die beiden DKPler, ein Lehrling A. (der wie alle wenig belesen ist, aber einen duften Eindruck gemacht hat). Die Diskussion mit den beiden DKPisten war ausgezeichnet. X. hat richtig schön trotzkistisch argumentiert (Argumentationen aus der 'Permanenten'), dann kam ich dazu, und die DKPler haben für alle sehr schlecht 'abgeschnitten'. Die Genossen waren für unsere Argumentation sehr zugänglich. Die Diskussion begann mit der Frage 'Integration der Arbeiterklasse in den Neokapitalismus?', ging weiter zur Rolle des Proletariats in der sozialistischen Revolution, schließlich zur Frage der Erklärung des momentanen Bewußtseins der westdeutschen Arbeiterklasse, was anhand der Einschätzung der DDR zu einer intensiven historischen Trotzkismus-Diskussion mit den DKP-Genossen führte. Das Erstaunliche an den anwesenden jungen Genossen war, daß sie - obwohl bar jeglichen Grundwissens - für die Diskussion ein sehr großes Interesse hatten. Das kann man wohl nur in der Provinz erleben. Es ist zu erwarten, daß der fast schon gefaßte Entschluß der Gruppe, nicht das von X. vorgeschlagene Grundschulungsprogramm (ähnlich Spartacus) durchzunehmen, sondern die berühmten individuellen Bedürfnisse zu diskutieren (X.: 'die können sich anscheinend nicht vorstellen, daß jemand ein individuelles Bedürfnis nach Schulung hat'), revidiert wird. Man wird sich sicher darauf einigen, mit dem Kommunistischen Manifest zu beginnen (ich hatte auf der Sitzung zum Schluß noch auf die Notwendigkeit der Schulung gedrängt). Es ist unbedingt nötig, daß I. oder ich die nächste Zeit hingehen - weil die Gruppe noch nicht sehr gefestigt ist, weil wir besser als X. mit den leicht antiautoritären Tendenzen fertig werden und weil X. alleine die DKP-Genossen nicht neutralisieren kann.

In einer anschließenden einstündigen Diskussion (X., ... A. - sehr vertrauenserweckend, junger Lehrling ohne politische Kenntnisse, was sich ändern wird -, ein Mädchen (Gymnasiastin, dito ohne politische Kenntnisse), ich) haben wir vorläufigen Konsensus erzielt, daß die Diskussion mit den DKP-Genossen auf die Dauer unmöglich ist, unsere Arbeit verunmöglicht. Wir haben uns darauf geeinigt, zuerst weiter mit ihnen zu diskutieren (wenn es weiter so läuft, wie letzten Montag, kann uns das nur nützen), dann auf Grundlage einer politischen Diskussion einer speziellen Frage, wo die gesamte Gruppe eine Position ausarbeitet, den Bruch mit ihnen vollziehen.

Ich möchte nochmal betonen, daß die zwar sehr wenig belesenen Genossen der Gruppe einen politischen Ernst und ein Interesse aufwiesen, wie man es wahrscheinlich nur in der Provinz finden kann. Kontakte bestehen außer zur DKP nur zu einer antiautoritären Gruppe in Siegen; die Genossen sind aber allgemein abgestoßen (nicht sehr politische Gründe). Man darf die Gruppe heute natürlich nicht überschätzen - sie hat einen Flugblattentwurf formuliert für Berufsschulen, der stark reformistische Tendenz hatte.

X. selbst hat offensichtlich eine Menge Kenntnisse, man merkte aber sofort, gerade in der Diskussion in der Gruppe, daß er sehr selten mit anderen Leuten politisch diskutiert, so daß er sein Wissen in der Diskussion schlecht anbringen kann. Er fährt praktisch nie aus dem Sauerland raus (Köln 125 km, 125 Min., Dortmund 95 km, 73 Min.) und das merkt man. Das kann überwunden werden, indem wir dorthin kommen und versuchen, ihn mal zu Diskussionen aus Lennestadt herauszuholen (er hat einen Wagen). Ich nehme an, daß wir ihn demnächst als IKD-Kandidaten einstufen können. Ich werde einige Fragen mit ihm am nächsten Montag diskutieren (...), aber von Kandidatur noch nicht so direkt etwas sagen. befragt, wie er zum Trotzkisten geworden sei: über Literatur den Absprung zum Marxismus und Trotzkismus. Mein nimmer müdes Mißtrauen führte mich dazu, daß, wenn er ein Spitzel ist, er wahrscheinlich von der SDAJ ist. Aber seine Argumentation gegen die DKP, sein Bücherbestand, die Atmosphäre in der Gruppe - wo er mehr oder weniger klar als Trotzkist bekannt ist - beweisen, daß diese Mutmaßung unberechtigt ist."
Quelle: IKD-Regionalbeauftragter Ruhrgebiet:An IKD-Leitung,o.O. 20.1.1970

12.02.1970:
Die DKP bringt die Nr.7 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 5.2.1970, 19.2.1970). Leserbriefe kommen aus Bochum, Eschede, Köln, Lennestadt und Maumke.
Quelle: Unsere Zeit Nr.7,Essen 12.2.1970

12.02.1970:
Die DKP gibt die Nr.7 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 5.2.1970, 19.2.1970). Veröffentlicht wird die Reserveliste zu den Landtagswahlen (LTW - vgl. 14.6.1970). Die KandidatInnen kommen u.a. aus Attendorn.
Quelle: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr.7,Essen 12.2.1970

07.03.1970:
Innerhalb der IKD werden "Thesen zur Arbeit im Sauerland" (vgl. 19.1.1970, 14.3.1970) verfaßt, in denen es heißt:"
1. Die Arbeit im Sauerland ist NICHT MEHR IN ERSTER LINIE AUF DIE SOZIALISTISCHE BASISGRUPPE LENNESTADT (SBL) AUSGERICHTET.

Bei einigen Mitgliedern der SBL ist die antiautoritäre Ideologie so stark verwurzelt, daß die Perspektive, die ganze Gruppe oder 'den Kern' als Grundstock einer KJO zu gewinnen, aufgegeben werden muß. Da wir in jedem Fall nur einen Teil gewinnen können, einen bisher nicht geahnten ideologischen Kampf gegen bestimmte Vertreter der antiautoritären Linie führen müssen, müssen wir unsere Arbeit in der SBL anders aufbauen.

2. Die einzige praktische Arbeitsperspektive in Lennestadt ist die GEWERKSCHAFTSJUGEND. Zwar sind im Bereich Olpe/Lennestadt nur 120 Jugendliche gewerkschaftlich organisiert, an den Treffen beteiligen sich maximal ca. 10 Leute, aber nichtsdestoweniger ist hier der einzige Ort, unsere Perspektive zu realisieren.
Es wird wesentlich unsere Aufgabe sein, mehr Jugendliche in die Gewerkschaftsversammlungen und überhaupt erst in die Gewerkschaften zu bekommen. Aus der Projektgruppe Gewerkschaftsarbeit der SBL (X1, X2, X3, X4, 1 Metallarbeiter), die eben einzig eine politische Perspektive, ein einheitliches Arbeitsfeld hat, ist unter Einbeziehung von X5 (Stud. in Bochum) und X6 (Schül.) eine 'Bolschewistische Fraktion' (BoFra) innerhalb der SBL zu bilden.

3. AUFGABEN DER BOFRA sind die Forcierung der ideologischen Klärung (nach dem Manifest die Märzansprache, die Leitsätze über die Rolle der kommunistischen Partei in der proletarischen Revolution, Lukacs: Lenin) und parallel dazu die Durchsetzung weiterer Verbindlichkeiten in der Gruppe auf politischer Grundlage (Vorläufer einer KJO-Plattform mit z.B. Ausrichtung auf Aufbau der Partei, Priorität der Arbeit im proletarischen Milieu). Diese Plattform wird zum wahrscheinlichen Bruch mit den Antiautoritären führen. Es ist wichtig, daß dieser Bruch nicht nur nach theoretischen Diskussionen, sondern aufgrund einer schon vorzuweisenden Arbeit im Gewerkschaftsjugendmilieu stattfindet.

4. Vor der Arbeit in Lennestadt selbst besteht unsere Aufgabe im AUFBAU VON KONTAKTEN ZU ANDEREN GRUPPEN IM SAUERLAND, und zwar: Lüdenscheid, Siegen, ggf. Olpe, Iserlohn (näher bei Dortmund?). Nach dem 14.3. in Lüdenscheid werden wir die Bedeutung dieser Frage genauer einschätzen können.

5. KANDIDATUR VON X1 in der IKD-Gruppe RRS (Rhein-Ruhr-Sauerland,d.Vf.). Ich habe das schon vor einiger Zeit angedeutet. Aufgrund seiner isolierten Stellung im Sauerland fällt es X1 schwerer als z.B. Berliner Genossen, aktuelle politische und organisatorische Fragen im Rahmen der Perspektive der Organisation zu lösen. Das wird sich mit der Arbeit im Sauerland, die er unter Kontrolle der Organisation leistet, und der Teilnahme an den Diskussionen in der Gruppe sehr schnell beheben lassen.

Mit der Rekrutierung von X1 haben wir den ersten Schritt über die Importierung von Berliner Genossen oder Mitgliedschaft von Uralt-Trotzkisten getan. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, daß er nicht aufgrund der Arbeit unserer Gruppe, sondern aufgrund der publizistischen Aktivität von SPARTACUS zu uns gestoßen ist."
Quelle: IKD-Gruppe Köln-1 Mitglied:Thesen zur Arbeit im Sauerland,o.O. 7.3.1970

14.03.1970:
Das Sozialistische Zentrum (SZ) Lüdenscheid führt, laut Spartacus – IAfeKJO Berlin und IKD, eine Arbeitskonferenz aller Gruppen im Sauerland durch, auf der sich wesentlich die Rote Garde (RG) der KPD/ML und die Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD), die einen Spartacus Regionalausschuß NRW aufbauen wollen, gegenüberstehen.

Die IKD berichten intern (vgl. 7.3.1970, 16.3.1970):"
Kürzlich (am 14.3.) hat eine Arbeitskonferenz aller Sauerlandgruppen stattgefunden, zu der auch Vertreter der ROTEN GARDE und wir eingeladen waren. Hauptthema war, ob es objektive Bedingungen für die Gründung einer revolutionären Kaderpartei gebe. Die Diskussion spielte sich hauptsächlich zwischen uns und der Roten Garde ab, die die Ansicht vertrat, daß das Vorhandensein des Imperialismus die einzige Bedingung wäre. Am Ende der Diskussion wurde der Plan gefaßt, die Diskussion in dem 'Sauerland-Info' weiterzuführen. Dazu sollten Vertreter aller Gruppen in die Redaktion gehen. Während die Rote Garde das ablehnte, schickten wir einen Vertreter in die Redaktion, zu der noch Vertreter aus Lennestadt und Lüdenscheid gehören. Da wir später erkannten, daß hinter einem solchen Info eine zentristische Konzeption steht, wollen wir nach der 1. Nummer unsere Beteiligung aufkündigen."
Quellen: Spartacus Nr.12/13,Berlin Apr./Mai 1970;
IKD-Gruppe NRW:Beginnen wir mit dem Aufbau der Kommunistischen Jugendorganisation!,o.O. Apr. 1970;
IKD:Internes Bulletin Nr.1 Nachtrag,o.O. März 1970

25.03.1970:
Heute verfaßt die Gruppe Köln der IKD einen Bericht, in dem es u.a. heißt:"
ARBEIT IM SAUERLAND

Wir haben seit langem Kontakt zu einer Gruppe in Lennestadt, die aber vorwiegend aus Antiautoritären besteht. Dort haben wir an der Schulung (Kommunistisches Manifest) teilgenommen. Wir werden uns wahrscheinlich bald zusammen mit unseren dortigen Sympathisanten von den Antiautoritären trennen."
Quelle: IKD:Internes Bulletin Nr.1 Nachtrag,o.O. März 1970

11.04.1970:
Die DKP bringt die Nr.15 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 4.4.1970, 18.4.1970). Leserbriefe kommen u.a. aus Maumke.
Quelle: Unsere Zeit Nr.15,Essen 11.4.1970

26.04.1970:
In NRW wird ein Spartacus - Regionalausschuss gegründet, dem 4 Gruppen mit zusammen 20 bis 30 Mitgliedern aus Köln, Lüdenscheid, Lennestadt und Euskirchen beitreten (vgl. 21.3.1970, 24.5.1970).
Quellen: IKD-Leitung:Erklärung,o.O. 21.5.1970;
KJO Spartacus:Nationales Internes Bulletin 1,o.O. 8.7.1970;
KJG Wuppertal:Arbeit im Gewerkschaftsjugendmilieu,o.O. o.J. (1970);
IKD-RK Rhein/Main-1 Mitglied:An die Genossen der Leitung,Frankfurt 28.4.1970

24.05.1970:
Auf der heutigen Leitungssitzung des Spartacus - Regionalausschuß (RA) NRW wird auch über die Gruppe in Lennestadt (vgl. 25.3.1970) diskutiert:"
In Lennestadt hatte unsere Gruppe den Plan gehabt, in der Basisgruppe (in der unsere Genossen arbeiten) dafür einzutreten, daß sich die Basisgruppe eine eigene Leitung wählt. Davon versprach man sich, von der organisatorischen Arbeit befreit zu sein und außerdem die politische Diskussion anzuregen. Der Plan stellte sich als praktisch undurchführbar heraus (es keine Genossen - außer unseren - die eine solche Leitungsarbeit hätten übernehmen können). Unsere Gruppe kam schließlich zu dem Schluß, daß eine unabhängige Basisgruppe keinen Sinn hat (fehlende politische Perspektive) und daß den Genossen der Basisgruppe nur die Alternative bleibt, sich entweder der KJG (Kommunistische Jugendgruppe,d.Vf.) anzuschließen (bzw. als Sympathisant an deren Schulung teilzunehmen) oder keine politische Arbeit mehr zu leisten."
Quelle: Spartacus-RA-NRW:Protokoll der Leitungssitzung vom 24.5.70,o.O. o.J. (1970)

08.07.1970:
Innerhalb der Vorläufergruppen der KJO Spartacus erscheint erstmals ein Nationales Internes Bulletin, in dem es u.a. heißt, bei einigen Gruppen sei die Hauptbasis der propagandistische Kampf, während andere wie z.B. in Lennestadt schon die Praxis entfaltet hätten. Dort habe z.B. die DGB-Jugend einem antibürokratischen Flugblatt zum 1.Mai zugestimmt.
Quelle: Nationales Internes Bulletin,o.O. 8.7.1970

Oktober 1970:
Die IGBE (vgl. 1.11.1970) berichtet vermutlich aus dem Oktober:"
Im Schwerspatbergbau des Interessengebietes Sachtleben AG hat die IG Bergbau und Energie die Angleichung der Tarifeinkommen an die Löhne und Gehälter der Sachtleben AG in Meggen (in NRW - vgl. 5.10.1970,d.Vf.) erreicht. Für jeden Beschäftigten dieses Tarifbereiches erhöht sich das Einkommen pro Schicht also um mindestens 4 DM.

Außerdem wurde das Urlaubsgeld auf 15 DM erhöht und vermögenswirksame Leistungen vereinbart.
Quelle: Einheit Nr.21,Bochum 1.11.1970,S.1

05.10.1970:
Die IGBE (vgl. 15.10.1970) berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
SACHTLEBEN AG MEGGEN: 4 DM MEHR JE SCHICHT
VERMÖGENSWIRKSAME LEISTUNG ERREICHT

Höhere Einkommen, mehr Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen und kürzere Arbeitszeit. Das ist der Erfolg der Tarifverhandlungen für die Arbeiter der Sachtleben AG in Meggen. Und das ist das Ergebnis:
- Der IG Bergbau und Energie ist es im Verlaufe der Tarifverhandlungen zunächst gelungen, die Tarifwahrheit bei der Sachtleben AG wiederherzustellen. Auf die dabei ermittelten Lohnsätze bekommt jeder Arbeiter eine Lohnerhöhung von 4 DM pro Schicht. Der neue Tarifvertrag gilt ab 1.Oktober 1970;
- In der gleichen Verhandlungsrunde hat die IG Bergbau und Energie für die Arbeiter vermögenswirksame Leistungen durchgesetzt. Jeder Arbeiter erhält ab 1.Oktober 1970 monatlich 26 DM zur vermögenswirksamen Anlage;
- Das Urlaubsgeld wurde um 25 Prozent erhöht. Ab 1.Januar 1971 werden statt 12 DM nunmehr 15 DM pro Urlaubstag gezahlt;
- Außerdem wurde mit dem Einkommen eine weitere Arbeitszeitverkürzung vereinbart, die 1971 wirksam wird.

Wie uns die IGBE-Bezirksleitung aus Gießen mitteilt, werden die Tarifverhandlungen für die Angestellten dieses Unternehmens am 19.Oktober geführt. Über das Ergebnis dieser Verhandlungen wird die 'Einheit' zum gegebenen Zeitpunkt berichten."
Quelle: Einheit Nr.20,Bochum 15.10.1970,S.4

19.10.1970:
Die IGBE (vgl. 1.11.1970) berichtet von den Resultaten der für heute geplanten Tarifverhandlungen:"
Bei der Sachtleben AG in Meggen wurde für die Angestellten ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Die Tarifwahrheit ist hergestellt. Alle Prämien und Zulagen sind in die Gehälter eingebaut. Ausgenommen blieben nur pauschalierte Mehrarbeits- und Springerzulagen. Neben höherem Urlaubsgeld und vermögenswirksamen Leistungen gab es eine echte Gehaltserhöhung von 10 Prozent."
Quelle: Einheit Nr.21,Bochum 1.11.1970,S.1

31.10.1970:
Vermutlich zum heutigen Tag wird im Kreis Olpe das Kalkwerk Fretter geschlossen.

Die KPD/ML-ZB berichtet:"
47 Arbeiter haben die Hoesch-Herren über Nacht auf die Straße gesetzt: Um ihre Profite zu erhöhen haben sie das Kalkwerk Fretter bei Olpe stillgelegt (KND 46,5). Diese Stillegung hatten die Hoesch-Herren von Anfang an geplant: Vor einem Jahr hatte die Rheinisch-Westfälische Kalkwerke AG in Dornap den kleinen Konkurrenzbetrieb aufgekauft, der damals einem einzelnen Kapitalisten gehörte: 90% der Aktien der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke gehören dem Hoesch-Konzern. Mit der Stillegung des Werkes machen die Hoesch-Herren dreifachen Gewinn:

Nach Ausschaltung der Konkurrenz teilen sich die Kalkwerke in Dornap und die Dolomitwerke in Wülfrath den Markt unter sich auf: beide gehören zum großen Teil Hoesch. Durch die Einstellung der Produktion bei Fretter können die Kapazitäten der anderen, moderneren Werke voll ausgelastet werden; und die Stillegung bringt den Hoesch-Herren große Abschreibungsgewinne. Für die Arbeiter und Angestellten bedeutet die Entlassung längere Arbeitslosigkeit und sicher niedrigere Löhne: Arbeitsplätze gibt es im Sauerland kaum, und als Waldarbeiter, im Sägewerk oder in einem Metallbetrieb werden die Kollegen weit weniger verdienen.

Um die Arbeiter zu hintergehen hatten die Hoesch-Kapitalisten eine lange Reihe von Betrugsmanövern entwickelt: Im Sommer 1970 wurde das Mahlwerk in Fretter stillgelegt; von den ursprünglich 80 Arbeitern wurden alle über 59 Jahre alten entlassen. Für die übrigen beteuerte der Vorstand persönlich, jetzt seien die Arbeitsplätze endgültig sicher, 'volle Pulle 1970'! Um die Arbeiter zu beruhigen bewilligte der Aufsichtsrat 300 000 DM für eine Entstaubungsanlage in Fretter: Gebaut wurde sie allerdings nie. Als weiteres Betrugsmanöver begann man mit Arbeiten am Klärteich: Diese dienten aber tatsächlich als Vorbereitung der Stillegung: Da der Schotterbetrieb weiterverpachtet werden sollte, war ein intakter Klärteich nötig. Der Hoesch-Konzern hat versucht, die Arbeiter durch einen 'großzügigen Sozialplan' zu beruhigen und die Gewerkschaftsvertreter von Protestmaßnahmen abzuhalten: 360 000 DM für die 37 Arbeiter, 173 000 DM für die 10 Angestellten. Mit der unterschiedlich hohen Abfindungssumme versuchen sie darüberhinaus, die Arbeiter zu spalten, denn die Empörung der Arbeiter über diese Machenschaften ist sehr groß".

Für die DKP berichtet J. M.:"
'LÜGEN NICHTS ALS LÜGEN'
GUTER SOZIALPLAN ERKÄMPFT

Mit Böllerschüssen, mit schwarzen Fahnen, heulender Werkssirene und einer Demonstration durch die Gemeinde Finnentrop protestierte die Belegschaft des Kalkwerkes in Fretter, Kreis Olpe, gegen den Beschluß der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke, Dornap, (RWK), ihr Fretter Kalkwerk stillzulegen. Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft wurden über die Stillegungspläne nicht informiert. Sie erfuhren erst durch die Presse davon. Eine Praxis, die nicht überrascht. Die Mehrheit des Aktienkapitals der RWK liegt bei der Hoesch AG in Dortmund, deren Arbeiter erst im Sommer 1970 (vgl. 16.6.1970,d.Vf.) ihren Boss Harders an ähnlichen Absichten hinderten.

Als Begründung für diesen Stillegungsbeschluß wurden von der RWK, die das Kalkwerk erst am 1.Oktober 1969 übernahm, technische Gründe angegeben. Noch im Frühjahr wurde mit dem Bau eines neuen Klärteiches begonnen und der Belegschaft wurden sichere Arbeitsplätze in einem noch zu vergrößernden Betrieb versprochen. 'Lügen, nichts als Lügen', schrieben die Arbeiter daher auf ein Plakat, das sie auf ihrer Demonstration mitführten. Sie glauben nicht an diese Begründung.

Auch Günter Lass, Geschäftsführer der IG Chemie, Papier, Keramik (CPK,d.Vf.) in Hagen, glaubt nicht an die von der RWK angegebenen Stillegungsgründe. Er vermutet, daß das Kalkwerk in Fretter und andere kleine Betriebe nur aufgekauft wurden, um sie stillzulegen, um den Markt durch Ausnutzung der Kapazitäten in den größeren Konzernbetrieben noch besser beherrschen zu können. Ferner sähe die RWK wohl auch die Möglichkeit, bei einer Stillegung noch in diesem Jahr das 'Geschäft des Jahres' durch steuerliche Abschreibungen zu machen. DGB-Kreisvorsitzender Kleinberg sieht eine weitere Gefahr: Die Bundesbahn könnte durch die Stillegung des Kalkwerkes zur Einstellung ihrer Bahnlinie Finnentrop-Wennemeu veranlaßt werden, wodurch weitere Betriebe, vor allem Sägewerke, gefährdet würden.

Insgesamt 16 Betriebsstillegungen, mit einem Verlust von 3 000 Arbeitsplätzen wurden alleine im Kreis Olpe in den letzten zehn Jahren durchgeführt.

Der Betriebsrat stimmte der Stillegung zu, nachdem ein Sozialplan für die Belegschaft erstellt wurde. Danach sollen bestimmte betriebliche Leistungen, einschließlich der Werkswohnung, erhalten bleiben. Allen Belegschaftsmitgliedern soll ein Arbeitsplatz im Hoesch- oder RWK-Bereich angeboten werden. An Mitteln für den Sozialplan zahlt die RWK insgesamt 550 000 DM. Für die 37 Arbeiter 370 000 DM und die neun Angestellten 173 000 DM. Ursprünglich wollte die RWK nur 170 000 DM für die 46 Belegschaftsmitglieder zahlen. Ein Ergebnis, das von der Gewerkschaft als bisher einmalig bezeichnet wird."
Quellen: Unsere Zeit NRW Nr.46,Düsseldorf 14.11.1970,S.15;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.49,Bochum 11.11.1970,S.5

25.12.1970:
Es beginnt die zweitägige 2.Bundes DK der Vorläufer der KJO Spartacus, der Spartacus-Gruppen. Die Region NRW berichtet, einzig in Lennestadt gäbe es eine entwickelte Gewerkschaftsarbeit.
Quelle: KJO Spartacus:Protokoll 2. DK 25./26.12.70;in:Bulletin Nr.6,o.O. März 1971

01.01.1971:
Die IGBE (vgl. 15.12.1970) berichtet von tariflichen Änderungen ab 1.1.1971:"
Für die Beschäftigten bei der SACHTLEBEN AG in Meggen wird das Urlaubsgeld um 25 Prozent von 12 auf 15 DM je Urlaubstag erhöht.

Außerdem wird eine monatliche vermögenswirksame Leistung von 26 DM gewährt. Die Arbeitsleistung wird auf 260 Werktage im Jahr festgelegt."
Quelle: Einheit Nr.24,Bochum 15.12.1970,S.4

27.04.1971:
Im Kreis Olpe wird, laut internem Bericht der Ortsgruppe Lennestadt der KJO Spartacus, an 3 Betrieben und einer Berufsschule ein Flugblatt der beiden einzigen Jugendgruppen des DGB im Kreise, die beide unter ihrer Kontrolle seien, verteilt. Aufgerufen wird zur DGB-Veranstaltung am 30.4.1971 und zur Demonstration der IGBE am 1.Mai.
Quelle: KJO Spartacus:Nationales Internes Bulletin Nr.7,o.O. Juni 1971

30.04.1971:
Die Maiveranstaltung des DGB Kreisverbandes Olpe wird, laut internem Bericht der KJO Spartacus Ortsgruppe Lennestadt, von 700 Personen besucht. Die DKP habe ein Flugblatt verteilt, man selbst eine Rede halten dürfen, da man ja den DGB KJA unter Kontrolle habe.
Quelle: KJO Spartacus:Nationales Internes Bulletin Nr.7,o.O. Juni 1971

01.05.1971:
Im Kreis Olpe oder in Siegen wird die Maikundgebung, laut internem Bericht der Ortsgruppe Lennestadt der KJO Spartacus, von 220 Personen besucht. Der eigene Block habe 20 Personen umfaßt, die u.a. aus den Gewerkschaftsjugendgruppen Olpe (6 Teiln.) und Lennestadt kamen. Nicht erschienen sei die Siegener Gruppe und auch die Attendorner waren nicht da. Bei denen wisse man aber sowieso nicht so genau, ob sie nun zur KPD/ML oder zur KPD/AO zu rechnen seien.
Quelle: KJO Spartacus:Nationales Internes Bulletin Nr.7,o.O. Juni 1971

November 1971:
Die IGBE (vgl. 1.12.1971) berichtet vermutlich aus dem November:"
NEUER LOHNTARIFVERTRAG
HÖHERE EINKOMMEN FÜR DIE BESCHÄFTIGEN DER SACHTLEBEN AG

Nach schwierigen Verhandlungen konnte die IG Bergbau und Energie neue Tarifverträge für den Bergbau der Sachtleben AG abschließen.

Im einzelnen wurde folgendes erreicht:

- Ab 1.Oktober 1971 erhöhen sich die tariflichen Schichtlöhne in den Werken Meggen, Clarashall, Dreislar und Wolfach um 3,60 DM je Schicht. Diesen Betrag erhalten auch die Gedingearbeiter auf den Festlohnanteil.

- In der Flotation in Meggen wird die wöchentliche Arbeitszeit von 44 auf 42 Stunden ab 1.Oktober 1971 herabgesetzt. Der Lohnausgleich ist in den entsprechenden Lohngruppen enthalten.

- die Kontinuitätszulage der Flotation in Meggen wird von 3 DM auf 5 DM je Schicht angehoben. Die Ausbildungsbeihilfen werden zwischen 35 DM und 50 DM je Monat erhöht.

- Die Gehaltserhöhung für die Angestellten beträgt zwischen 80 DM und 100 DM pro Monat.

Außerdem wurde das Familiengeld um 10 DM pro Monat verbessert."
Quelle: Einheit Nr.23,Bochum 1.12.1971,S.4

28.10.1971:
Innerhalb der KJO Spartacus erscheint ein Rundbrief "RB der Zentralen Leitung zur Konspiration bei der Gewerkschaftsarbeit", in dem betont wird, diese sei notwendig, da momentan Ausschlußandrohungen gegen je ein Organisationsmitglied in Rheinhausen und in Lennestadt (Kreis Olpe) erfolgt sei.
Quellen: KJO Spartacus:RB der Zentralen Leitung zur Konspiration bei der Gewerkschaftsarbeit,o.O. 28.10.1971;
KJO Spartacus:Statuten der KJO Spartacus (Entwurf der ZL),o.O. 28.10.1971

18.12.1971:
Es beginnt die zweitägige 'Bonner Konferenz' der LgdI, auf der u.a. ein Text: "Alles für den Sieg des Kämpfenden Vietnam. Gemeinsame Erklärung der Teilnehmer der Konferenz der Liga gegen den Imperialismus" verabschiedet wird. Nicht in der 'RPK', aber auf einem Flugblatt der LgdI unter dem Titel "Alles für den Sieg des kämpfenden Vietnam" hat sich auch angeschlossen das Sozialistische Zentrum Attendorn.
Quellen: Internationale Solidarität Nr.1,Berlin 10.2.1972,S.5;
Rote Presse Korrespondenz Nr.148,Berlin 1971;
LgdI:Alles für den Sieg des kämpfenden Vietnam,o.O. (Berlin) o.J.

Januar 1972:
Das RK Rhein/Ruhr des KJV der KPD (vgl. Juni 1973) berichtet vermutlich aus dem Januar:"
In Lennestadt (Sauerland) griff die DGB-Jugendgruppe bei der Einführung des 'neuen' Betriebsverfassungsgesetzes die Friedens- und Schweigepflicht scharf an. Sie führte als Beispiel den Kampf von Lennestedter Lehrlingen und Jungarbeitern gegen Überstundenschinderei und berufsfremde Arbeiten in einigen Klein- und Mittelbetrieben an, die wegen ihrer Aktivitäten auf der Grundlage des Friedenspflichtsparagraphen gemaßregelt wurden.

Die Reaktion der Gewerkschaftsführung: Landesbezirksjugendausschuß (LBJA,d.Vf.), Kreisjugendausschuß (KJA,d.Vf.) und Kreisverwaltung des DGB drohten mit der Auflösung der Jugendgruppe und mit Ausschluß der führenden Kollegen, falls die Forderungen und die entsprechende Situation (?,d.Vf.) nicht sofort zurückgenommen wurden."
Quelle: KJV-RK Rhein/Ruhr:Jugendarbeitsschutz - Schutz der Jugend? Schutz der Ausbeutung!,Dortmund 1973,S.15

01.01.1972:
Die IGBE gibt ihre 'Einheit' Nr.1 (vgl. 15.12.1971, 15.1.1972) nun mit dem neuen Untertitel "Zeitung für Mitglieder der IG Bergbau und Energie" heraus. Auf Seite 3 heißt es:"
ZWÖLF MONATE TARIFARBEIT: MEHR GELD - MEHR FREIZEIT

Zwölf Monate Tarifarbeit, das sind zwölf Monate fortwährende Berechnungen, Gespräche und - meist - langwierige Verhandlungen. Denn Tarifpolitik ist ein hartes Geschäft. ... Und das sind die Tariferfolge, die in den letzten zwölf Monaten in den verschiedenen Bergbauzweigen errungen wurden:
...
METALLERZ SACHTLEBEN AG MEGGEN: 1 000 Beschäftigte; Manteltarifvertrag für Arbeiter (redaktionelle Überarbeitung der Vertragsbestimmungen aus 1964, Einbeziehung der Sondertarife für die Flotation und über den Urlaub sowie Änderung der Kündigungsbestimmungen).
...
METALLERZ SACHTLEBEN, MEGGEN: 120 Beschäftigte; neuer Manteltarifvertrag für Angestellte (redaktionelle Überarbeitung der Vertragsbestimmungen aus 1964).
...
METALLERZ SACHTLEBEN AG, MEGGEN: 1 000 Beschäftigte; Lohnerhöhung zwischen 6,4 und 10 PROZENT je Schicht und ein Tag zusätzlichen Tarifurlaub für diese Beschäftigten."
Quelle: Einheit Nr.1,Bochum 1.1.1972

04.03.1972:
Es beginnt die zweitägige 3. Bundeskonferenz der KJO Spartacus. In NRW seien die Ortsgruppen Bonn, Duisburg, Lennestadt, Gelsenkirchen und der Neuling Bottrop ganz, Essen fast ganz ausgetreten.
Quellen: KJO Spartacus:Internes Bulletin Nr.11,o.O. Mai 1972;
KJO Spartacus:Protokoll der 3. Bundeskonferenz der KJO-Spartacus am 4./5.3.1972,o.O. 5.3.1972;
KJO Spartacus:Rechenschaftsbericht der ZL Teil I und II,o.O. o.J. (1972)

11.03.1972:
In Attendorn findet, nach eigenen Angaben, eine Vietnamkampagne der LgdI der KPD statt, die vom Sozialistischen Zentrum (SZ) Attendorn vorbereitet wurde.
Quelle: Internationale Solidarität Nr.3,Berlin 1972,S.16

13.04.1972:
Innerhalb der LgdI der KPD erscheint der Rundbrief des Zentralvorstandes Nr.9. Neue Ortsgruppen gäbe es u.a. in Attendorn.
Quelle: LgdI-ZV:Rundbrief Nr.9,o.O. 13.4.1972

29.04.1972:
Die KPD (vgl. 3.5.1972) berichtet über die LgdI:"
ATTENDORN (ORTSGRUPPE DER LIGA GEGEN DEN IMPERIALISMUS)

Obwohl die Agitation und Propaganda von Kommunisten in der Kleinstadt besonders erschwert ist, obwohl die politische Polizei (K14,d.Vf.) in Attendorn versuchte, alle Plakate der KPD und der Liga abzureißen, obwohl die Schulbürokratie von zwei Gymnasien versuchte, mit Hilfe der politischen Polizei Flugblattverteiler zu denunzieren und einzuschüchtern, organisierte die Ortsgruppe der Liga in Attendorn zum 29.4. eine kämpferische Maiveranstaltung.

Es sprachen zwei Vertreter der KPD. Nach einem allgemeinen Referat zur internationalen Situation erklärte eine Genosse der Betriebszelle Hoesch-Westfalenhütte (IGM-Bereich in Dortmund,d.Vf.) die Hauptlosung zum 1.Mai. Im weiteren Verlauf berichteten die Genossen aus Attendorn über verschiedene Übergriffe besonders der Schulverwaltungen.

Während des Schlußreferats trat ein Vertreter der Attendorner DKP auf. Nachdem er mit undiszipliniertem Gequatsche den Redner gestört hatte und er deswegen zur Ruhe gemahnt worden war, legte er plötzlich 100 DM auf den Tisch als Spende.

Auf den festen Willen der Versammelten, die KPD zu unterstützen und ihre Linie weiterhin in Attendorn verstärkt durchzusetzen, hatte dieser Einfall allerdings keinen Erfolg."

In der 'Roten Fahne' (RF) vom 19.4.1972 war aufgerufen worden für den 28.4., genauer Ort und Zeit waren damals noch nicht bekannt.
Quelle: Rote Fahne Nr.41 und 42,Dortmund 19.4.1972 bzw. 3.5.1972,S.1 bzw. S.3

01.05.1972:
Die KPD (vgl. 3.5.1972) sowie in Folge fast identisch auch die KPD-Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 31.5.1972) berichten:"
1.MAI IN DORTMUND

1 100 Menschen waren dem Aufruf der KPD zu ihrer zentralen Maidemonstration in Dortmund gefolgt. Wir sehen als wesentliches Ergebnis der breitangelegten Agitation und Propaganda der ganzen Partei, daß die Hauptparole:
GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS, FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE - KPD
als richtige Bestimmung der Hauptaufgaben des Kampfes der Kommunisten in dieser Etappe unter den Kollegen verbreitet und verankert wurde.

So hatten sich viele Arbeiter, Schüler, Studenten und fortschrittliche Menschen nach Dortmund begeben, um an der zentralen Demonstration der KPD teilzunehmen.

Unter dem Beifall der bereits versammelten Genossen und Kollegen trafen am Dortmunder Nordmarkt Arbeiter- und Lehrlingsgruppen, oppositionelle Gewerkschafter und Sympathisantengruppen aus Siegen, Hagen, Attendorn, Köln, Aachen, Witten, Duisburg (bei Hoesch Dortmund hier auch: Detmold,d.Vf.) ein."

Die Konzernzellenleitung RAG der KPD (IGBE-Bereich - vgl. 8.5.1972) berichtet:"
1.MAI IN DORTMUND

1 100 Menschen waren dem Aufruf der KPD zu ihrer zentralen Maidemonstration in Dortmund gefolgt. Wir sehen als wesentliches Ergebnis der breitangelegten Agitation und Propaganda der ganzen Partei, daß die Hauptparole:
GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS, FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE - KPD
als richtige Bestimmung der Hauptaufgaben des Kampfes der Kommunisten in dieser Etappe unter den Kollegen verbreitet und verankert wurde.

Unter dem Beifall der bereits versammelten Kollegen trafen am Dortmunder Nordmarkt Genossen und Kollegen aus Siegen, Hagen, Attendorn, Köln, Aachen, Witten und Duisburg und Studenten aus Bonn, Köln, Bochum und Münster ein."

Quellen: Rote Fahne Nr. 42,Dortmund 3.5.1972,S.1 und 3;
Kommunistische Arbeiterpresse, Sonderdruck der Konzernzellenleitung RAG der KPD für die Ruhrkumpel,o.O. 8.5.1972,S.4;
Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr.13,Dortmund 31.5.1972,S.6f

13.05.1972:
Eine Vietnamveranstaltung der KPD und ihrer Freunde findet heute statt in Attendorn.
Quelle: Rote Presse Korrespondenz Nr.168,Berlin **.*.1972,S.*

08.06.1972:
Die Ortsgruppe Attendorn der LgdI will heute ihre erste Vietnamschulung durchführen, zu der man sich am Bahnhof treffen will. Aufgerufen wird u.a. durch ein Flugblatt "L.g.d.I.", welches auf der Rückseite einen 'Rote Fahne' Sonderdruck der KPD mit dem Titel "Hände weg von Nordvietnam" enthält.
Quelle: LgdI-OG Attendorn:L.g.d.I.,Attendorn o.J. (1972)

17.06.1972:
Das Nationale Vietnam Komitee (NVK) wird gegründet (vgl. 5.6.1972) und kann sich auf dieser ersten Delegiertenkonferenz (vgl. 7.10.1972) auf 102 bereits existierende Vietnamausschüsse (VA) stützen, u.a. den VA Attendorn.
Quellen: NVK:Bulletin Nr.1 und 5,Bonn 1972;
NVK:Resolution der Gründungsversammlung,Bonn 1972

Oktober 1972:
Die IGBE (vgl. 1.12.1972) berichtet aus dem September und Oktober:"
Bei der Sachtleben AG, Meggen wurde die Nachtschichtzulage um 1 DM erhöht".
Quelle: Einheit Nr.23,Bochum 1.12.1972,S.4

01.10.1972:
In Dortmund nehmen, nach eigenen Angaben über 100 Personen an einem Treffen oppositioneller, der KPD-nahestehender Metaller teil. Die Teilnehmer kommen u.a. von Fröhling Attendorn.
Quellen: Rote Fahne Nr.63,Dortmund 4.10.1972;
Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.1,Dortmund o.J. (1972),S.36

15.11.1972:
Die KPD verlautbart in der Nr.69 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 8.11.1972, 21.11.1972), in Olpe besuchten die LgdI und KJV-Sympathisanten den Auftritt von Klaus Schütz (SPD), in Siegen dieselbigen den von Bachmann (DKP).
Quelle: Rote Fahne Nr.69,Dortmund 15.11.1972

02.12.1972:
In Siegen führen, laut KPD, alle 5 Vietnamausschüsse (VA) (Lindenberg, Stahlwerke Südwestfalen Hüttental, Waggon Union, Gesamthochschule und der erst kurz zuvor gegründete VA am Stift Keppel in Hilchenbach) eine Demonstration durch, bei der sie noch von den VA Giessen, Marburg, Darmstadt, Burg und Attendorn unterstützt werden.
Quelle: Rote Fahne Nr.72,Dortmund 6.12.1972

05.06.1974:
In der Nr.23 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 29.5.1974, 12.6.1974) berichtet die KPD aus dem Kreis Olpe vom Druckstreik in Heggen.
Quelle: Rote Fahne Nr.23,Dortmund 5.6.1974

11.12.1974:
In der Nr.50 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 4.12.1974, 18.12.1974) berichtet die KPD u.a. über die Gefangenen in der JVA Attendorn (Kreis Olpe).
Quelle: Rote Fahne Nr.50,Dortmund 11.12.1974

20.01.1975:
In Finnentrop wird vermutlich in dieser Woche bei Fleischwaren Metten (fast 400 Besch.) das Mitglied der OG Attendorn der LgdI der KPD, Herbert Kost entlassen, wogegen die LgdI ein Flugblatt verteilt.
Quelle: Rote Fahne Nr.4,Dortmund 29.1.1975

30.04.1975:
In Attendorn will die KPD eine Maiveranstaltung in der Gaststätte 'Zum Ölchen' durchführen.
Quelle: Rote Fahne Nr.16,Dortmund 23.4.1975

04.05.1975:
Bei den Landtagswahlen (LTW) in NRW erhält die KPD, nach eigenen Angaben, in Attendorn doppelt soviel Stimmen wie die DKP.
Quelle: Rote Fahne Nr.18 und 20,Köln 7.5.1975 bzw. 21.5.1975

02.02.1976:
Vermutlich in dieser Woche wird, laut KPD, Uwe Carstensen, gegen den noch fünf Prozesse wegen Günther Routhier anhängig sind, wegen Verunglimpfung der BRD mit Hilfe von in Attendorn verteilten LgdI-Flugblättern, zu einer Geldstrafe von 5 000 DM verurteilt.
Quelle: Rote Fahne Nr.6,Köln 11.2.1976

03.03.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.9 (vgl. 3.3.1976, 10.3.1976) heraus. U.a. wird berichtet von der eigenen Zelle Mannesmann (MM - IGM-Bereich) Lierenfeld über die Thyssen Flachstahlbetriebe (ex-MM) u.a. in Finnentrop.
Quelle: Rote Fahne Nr.9,Köln 3.3.1976

Juli 1976:
Bei dem Textilbetrieb Tobueren in Lennestadt kommt es, laut SAG, vermutlich im Juli zu 100 Entlassungen.
Quelle: Sozialistische Arbeiter Zeitung Nr.7,Frankfurt 25.8.1976

06.10.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.40 (vgl. 29.9.1976, 13.10.1976) heraus. Wahlspenden gingen u.a. ein aus Attendorn.
Quelle: Rote Fahne Nr.40,Köln 6.10.1976

06.12.1984:
Die RGO Betriebsgruppe Hoesch Dortmund berichtet:"
NEUE VORSTANDSPLÄNE: VERNICHTUNG VON ÜBER 2 000 ARBEITSPLÄTZEN!

Die Vernichtung von über 2 000 weiteren Arbeitsplätzen - das ist der Kern der für die Aufsichtsratssitzung am Donnerstag (6.12.1984) vorgelegten Pläne des Vorstands.

Begründet werden dese Pläne vom Vorstand wie üblich mit dem Konkurrenzkampf in der Stahlindustrie. Zudem müssen die Neuinvestitionen auf den drei Dortmunder Werken der Hoesch Stahl AG herhalten als Begründung für einen erenuten Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen.

In dieses Arbeitsplatzvernichtungskonzept paßt die Vorstandsplanung, für die Arbeitszeitsverkürzung nur 190 neue Plätze in den Richtbelegschaften vorzusehen, - obwohl 5,26% Arbeitszeitverkürzung beim jetzigen Belegschaftsstand über 700 neue Arbeitsplätze bedeuten müßten!

So will der Vorstand den - wenn auch geringen - Arbeitsplatzeffekt der 38-Stunden-Woche zunichtemachen, seine Strategie der Arbeitsplatzvernichtung mit der Brechstange durchziehen.

Dagegen gilt es Widerstand zu leisten. Denn wenn dem Vorstand keine Grenzen gesetzt werden, wird das munter weitergehen nach dem Prinzip 'Heute wir - morgen ihr' und 'Jeder stirbt für sich allein'!"

In einer Todesanzeige heißt es:"
VORLAGE DES VORSTANDS FÜR DIE AUFSICHTSRATSSITZUNG AM 6.12.1984:

ZUR STILLEGUNG VORGESEHENE BETRIEBE/ARBEITSPLÄTZE

Kaltwalzwerke/Wh (Westfalenhütte Dortmund, d. Vf.)200 Leute weg
Stahlgießerei/Ph (Phoenix Dortmund,d.Vf.)300 Leute weg
SEl-Stahlwerk/Wh200 Leute weg
Tiefofenanlage/U (Union Dortmund,d.Vf.)15 Leute weg
Stahlbau Attendorn150 Leute weg
Kaltwalzwerk Eichen370 Leute weg
Kaltwalzwerk Wissen160 Leute weg
Profilierungszentrum Eichen, dafür Schließung von Anlagen in Wissen50 Leute weg
Änderung im Hochofenbereich (H-ofen V/Ph geht raus, H-ofen VII/Wh rein)50 Leute weg
Oxygenstahlwerk/Gießgrube220 Leute weg
F1/Phoenix 170 Leute weg
Hilfe- und Nebenbetriebe 150 Leute weg

Zusammen sind das 2 035 Arbeitsplätze. Und das ohne die 'normal laufenden' Rationalisierungen und ohne die Auswirkungen des M-Konzepts."
Quelle: RGO-BG Hoesch,Dortmund 4.12.1984,S.1

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