Schwerte

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Auch in Schwerte wird durch die örtliche Presse von den Verlockungen der antiautoritären Revolte berichtet (vgl. 19.6.1967), die vermutlich auch in Schwerte zur Bildung einer Gruppe führt (vgl. Aug. 1969), über die wir aber nichts weiteres in Erfahrung zu bringen vermochten.

Die DKP verweist bei Hoesch Dortmund auf das Hoesch-Werk Schwerte (vgl. Mai 1969), bekannt aber wird Schwerte dann vor allem als Wohnsitz des Hoesch-Chefs Harders, kommt es doch anlässlich des wilden Streiks bei Hoesch Dortmund (vgl. 2.9.1969), dem Vorreiter der Septemberstreiks 1969, zunächst zu Solidaritätserklärungen bei Hoesch Schwerte, später aber offenbar zu aufregenden Inszenierungen in Schwerte selbst an der Harderschen Villa (vgl. 8.9.1969). Ein neuer bundesdeutscher Spartakusaufstand scheint ausgerechnet in Schwerte seinen Anfang zu nehmen. Bald allerdings stellt sich dies als Falschmeldung heraus.

Weitere Berichte verblassen natürlich angesichts solcher Abenteuer. Das Hoesch-Werk Schwerte wird ordnungsgemäß in den Strukturen der Hoesch AG vertreten (vgl. 7.2.1970) und ihr eingegliedert (vgl. 23.4.1970).

Die Betriebszeitung der KPD/ML-ZB und des KJVD bei Hoesch Schwerte (vgl. März 1971, Apr. 1971, Mai 1971) scheint nur kurzzeitig bestanden zu haben, da keine weiteren Berichte dieser Gruppen über Schwerte aufgefunden werden konnten.

Die DKP Dortmund erfreut sich Schwertes als grüner Lunge der Großstadt (vgl. Nov. 1971), die Kampagne für Demokratie und Abrüstung wird auch in Schwerte unterstützt, wobei wir von der bundesweiten Bedeutung Schwertes für die Freidenker erfahren (vgl. 14.2.1972).

Die Belegschaft von Hoesch Schwerte wird immer noch u.a. durch Josef Brandl vertreten (vgl. Nov. 1972, 9.3.1973), die Marxisten-Leninisten Dortmund berichten von den Arbeitsplatz bedrohenden Folgen des Blockunterrichts an der Berufsschule Schwerte (vgl. Jan. 1973). Auch eine Sympathisantengruppe des KBW wird gegründet (vgl. 25.11.1974) und engagiert sich offenbar auch in einem Chile-Komitee.

Die GIM beklagt bei Hoesch Dortmund (vgl. 2.7.1973), dass in Schwerte die Arbeitnehmervertreter den Streik, von dem wir weiter nichts in Erfahrung zu bringen vermochten, abgewiegelt hätten.

In der Dortmunder Jugendzentrumsbewegung wird Schwerte bzw. die Solidarität mit damals vermutlich ebenfalls für ein Jugendzentrum kämpfenden Schwerter Jugendlichen zum Streitpunkt in der Auseinandersetzung der verschiedenen Fraktionen (vgl. Jan. 1974).

Bei Hoesch Dortmund wird das Schwerter Hoesch-Werk zum Auslöser der Forderung nach dem Hausarbeitstag für Frauen (vgl. 23.9.1974), ohne dass diesbezüglich eine Gleichberechtigung der Geschlechter in Erwägung gezogen worden wäre.

Zu Arbeitskämpfen kommt es wiederholt auch in Schwerte (vgl. 7.2.1975, 13.1.1977), die DKP bei Hoesch Dortmund verweist abschließend noch einmal auf die Geschichte des Hoesch-Konzerns (vgl. Okt. 1977).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

19.06.1967:
In der heutigen 'Schwerter Zeitung' wird, laut Haug/Maessen, die Gründung des AUSS (vgl. 18.6.1967) mit der Schlagzeile "Unterricht in Sexualkunde gefordert" bekanntgegeben.
Quelle: Haug, Hans-Jürgen, Maessen, Hubert: Was wollen die Schüler?, Frankfurt 1969, S. 49

Mai 1969:
Bei Hoesch Dortmund gibt die DKP, laut IMSF im Mai, eine Ausgabe ihrer 'Heissen Eisen' (vgl. Apr. 1969, Juni 1969) heraus, in der sie sich im ersten Artikel mit den 12 Funktionen des Vorstandsvorsitzenden von Hoesch, Dr. Dr. Friedrich Harders befaßt:"
DIE '12 BEINE' DES DR. DR. HARDERS

Ein moderner Manager mit gefährlichem Einfluß:
HARDERS FRIEDRICHS, Dr. Ing., Dr. phil.
Diplomchemiker, Hüttendirektor, geb. 13.04.1909 in Mannheim.

Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrates bei folgenden Unternehmen:
Schwerter Profileisenwalzwerk AG Schwerte; …"
Q: Heisse Eisen, Dortmund o.J. (Mai 1969)

August 1969:
Laut MLPD (2) organisiert in Bochum das Komitee Sozialistischer Arbeiter und Studenten ca. ab Sommer 1969 auch Intellektuellenzirkel. In diesen sollen SDS-Mitglieder, aber auch ESG-Mitglieder organisiert sein.

Dabei soll es ab diesem Zeitraum bis ca. Dezember 1969 Kontakte u.a. zu folgenden Gruppen aufgebaut haben: Sauerlandgruppen (Hagen, Schwerte, Iserlohn).
Q: MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, I.Teil, Stuttgart 1985, S. 136

02.09.1969:
Bei Hoesch Dortmund beginnt, laut IMSF, ein zweitägiger Streik von 27 000 Arbeitern in allen drei Werken (vgl. 3.9.1969).

Für die DKP berichtet Fritz Noll (vgl. 3.9.1969):"
DIE 30 STUNDEN STREIK BEI HOESCH

Die Streiknacht begann. Die Frauen der streikenden Arbeiter kamen mit Kaffeeflaschen und Brötchen.

Kameras surrten, Blitzlichter flammten auf, und immer wieder die Stimme des jeweiligen Sprechers: 'Kollegen, wir lassen uns nicht weichmachen, entweder 30 Pfennig, oder wir bleiben wochenlang vor diesem Haus.'

Solidaritätstelegramme trafen ein. Aus Rotterdam (in den Niederlanden,d.Vf.). Aus Hohenlimburg (heute Hagen,d.Vf.), aus dem Federnwerk. Aus dem Profileisenwerk in Schwerte."

Später berichtet die DKP:"
Die BILD-Zeitung erscheint. Nichts vom Streik, wohl aber die Zeile über ein im Klostergarten verführtes Mädchen. Empörung bei den Kumpels. Die BILD-Zeitung, Springers Verdummungs-Blatt, wird verbrannt.

Solidarität! Aus Rotterdam, aus Hohenlimburg (heute Hagen,d.Vf.), aus Schwerte trafen Solidaritätsbeweise ein. Nein, die kämpfende Hoesch-Belegschaft stand nicht allein."
Q: Unsere Zeit Nr. 24, Essen 11.9.1969, S. 3; Heisse Eisen, Dortmund 2.9.1969;DKP-Hoesch-Betriebsgruppen Westfalenhütte und Phoenix: Heisse Eisen 1968-1978, Dortmund o.J. (1978), S. 6f

08.09.1969:
Für die DKP berichtet Fritz Noll:"
DER STREIK UND DIE BRANDSTIFTER

Worüber hier zu berichten ist: Über Unruhestifter, Drahtzieher und bestellte Räuberpistolen in der FAZ. Über ein Kapitel 'journalistischer Sorgfaltspflicht' und politischer Brunnenvergiftung. Über Beleidigungen und Verleumdungen. Über das Kapitel Meinungsmanipulation.

Wilhelm Throm, Korrespondent der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' in Düsseldorf, Berliner Allee 4 ('Ich bin ein erfahrener Journalist'), hatte seine große Woche. Am 8. September durfte er den Leitartikel für sein Blatt verfassen, am 9. September die Aufmachung: 'Wilde Streiks von Linksradikalen geplant und geführt'.

'Enthüller' Throm nahm den Streik der Hoesch-Arbeiter aufs Korn. Hier ein Kostprobe:

'Das Büro des Vorstandsvorsitzenden wurde von einem Trupp gestürmt, dessen Anführer dann dort die Parole ausgab: 'Nun stecken wir seine Villa an'. Anschließend fuhren 12 Mann in drei Personenwagen in die 15 Kilometer von Dortmund entfernt liegende Wohnung von Harders. Als sie dort Einlaß begehrten, trat ihnen Frau Harders mit einer Pistole in der Hand entgegen mit der Drohung, sie werde auf jeden, der das Haus betrete, schießen. Inzwischen hatte die Polizei von der Absicht, Harders Wohnung zu demolieren, Kenntnis genommen und war noch rechtzeitig zur Stelle. Daraufhin verständigte der Anführer der Gruppe über ein Funksprechgerät die Streikzentrale im Werk davon, daß sie ihren Vorsatz nicht ausführen könne. 'Das Schwein läßt sich durch Polizei schützen.' Angeblich sollen in einem Waldstück in der Nähe von Harders Wohnung drei Lastkraftwagen mit Aufrührern in Bereitschaft gestanden haben, um auf ein Zeichen hin ebenfalls im Hause des Firmenchefs zu erscheinen.'

Hier das Ergebnis unserer Nachforschung: Polizeihauptwachmeister Hahn von der Revierwache in Schwerte, zuständig für Ergste, Wohnort des Vorstandsvorsitzenden Dr. Harders, sagte uns: 'Wir wurden von der Chefsekretärin Dr. Harders' angerufen'. Angeblich wollten Streikende die Villa anzünden.

Als die Polizei unter Leitung des Hauptkommissars Steinhagen die Villa erreicht - Ruhe und Stille, Frau Dr. Harders kommt gerade von einem Krankenbesuch zurück. Es ist etwa 11 Uhr vormittags.

Weit und breit keine Frau mit der Pistole in der Hand. Die Villa liegt weitab von der Straße in einem Privatpark. Die Polizei wartet an der Grundstückseinfahrt. Um 11 Uhr 45 kommen drei Personenwagen mit Männern, einige tragen Schutzhelme.

'Waren es Hoesch-Arbeiter?' fragen wir Polizeihauptwachmeister Hahn. 'Nein, das kann ich nicht bestätigen.' Auch die Privatchauffeure des Dr. Harders sagen: 'Das sind nicht unsere Kumpels.'

Nach Aussage von Kommissar Steinhagen fahren die drei PKW eine Viertelstunde später wieder zurück. Keiner der Männer hatte das Grundstück Dr. Harders' betreten.

Die Polizei, die sich noch bis zum Abend am Grundstück des Hoesch-Chefs aufhält, sagt: Keine verdächtigen Lastwagen, keine gezogene Pistole, kein Unbefugter betrat Harders' Grundstück - 'nur ein Bauer fuhr mit einer Ladung Mist vorbei'.

DR. HARDERS HOLTE DIE POLIZEI

Es ergeben sich Fragen: Wer inszenierte diesen Auftritt? Wer schickte die Männer? Wer informierte den FAZ-Redakteur Throm und inspirierte ihn zu dieser Kriminalstory, an der kaum ein Wort den Tatsachen entspricht?

Wir wissen, daß die Polizei vom Sekretariat des Dr. Harders informiert wurde. Wir wissen, daß Frau Dr. Harders am nächsten Tag einen Urlaub antrat. Wir wissen, daß die FAZ keine Zeitung ist, die von Arbeitern, wohl aber von Ministern, Polizeipräsidenten, Generaldirektoren gelsen wird.

Wir schließen daraus: Die FAZ-Story sollte offenbar dazu dienen, jene Reaktion auf die berechtigten Lohnkämpfe der Stahlarbeiter und Kumpel auszulösen, deren Ausführungsbestimmungen in den Notstandsgesetzen (NSG,d.Vf.) enthalten sind.

Dafür unseren nächsten Beweis:

Wilhelm Throm schrieb:
'Bezeichnenderweise hat die in Duisburg erscheinende kommunistische Wochenschrift 'Unsere Zeit' inzwischen das Verdienst des wilden Streiks bei Hoesch für die DKP in Anspruch genommen und die Abberufung des jetzigen Betriebsrates gefordert.'

Auf meine Anfrage, woher er diese Informationen habe, antwortete der FAZ-Redakteur: 'Aus gut informierten Kreisen.' 'Ja, dann sagen Sie mir bitte, wo hat diese Feststellung in der UZ gestanden?' Throm: 'Ich kenne Ihre Zeitung gar nicht, ich habe sie noch gelesen.'

An anderer Stelle schreibt der FAZ-Redakteur:
'Die Anführer sind offensichtlich mit Belegschaftsmitgliedern, die sich am wilden Streik nicht beteiligen wollen, nicht gerade glimpflich umgegangen. So sollen in einem Walzwerk von Hoesch zwei Männer die gesamte übrige Belegschaft dieser Anlage mit Androhung von Schlägen solange terrorisiert haben, bis sich auch diese an der Demonstration beteiligte.'

Niemand in der Hoesch-Belegschaft kennt diese beiden 'Arbeiter', die dort eine Abteilung traktiert haben sollen. Betriebsräte von Hoesch sagen: 'Dortmunds Stahlarbeiter lassen sich weder einschüchtern noch aufwiegeln.'

Und was die UZ angeht: Sie war an Ort und Stelle und schrieb in ihrem Extrablatt:
'Kein Zweifel mehr, die Stahlwerker machten ernst und widerstanden allen Aufsplitterungsversuchen, die am Dienstagnachmittag gestartet wurden. So wiesen den Versuch eines Werkstudenten zurück, der versuchte, diesen Streik in eine antigewerkschaftliche Aktion 'umzufunktionieren'.'

Kein Zweifel, die Pistolengeschichte der FAZ ist ein Symptom für die gelenkte arbeiter- und gewerkschaftsfeindliche Kampagne der Meinungsfabriken. Auch dafür einige Beispiele.

Am 8. September erklärt der Pressedienst der Unternehmer: 'Die Tarifautonomie ist in Gefahr, unserer Volkswirtschaft droht Schaden.'

Tags darauf schreibt Eberhard Starosta im 'Handelsblatt':
'In der Stahlindustrie ist mit dem Chaos der wilden Streiks nicht nur die Tarifautonomie kompromittiert worden, die IG Metall hat obendrein ein bedauerliches Beispiel von Maßlosigkeit und Verantwortungslosigkeit gegeben.'

DER POPANZ VOM AUFRUHR

Am 8. September erklärt Schiller: 'Hier geht es um unser Tarifvertragssystem schlechthin', und CDU-Generalsekretär Heck, nach der Devise, nicht kleckern, sondern klotzen, sagt, alle Verantwortlichen sollten sich darin einig sein, 'schon den Anfängen eines gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auflösungsprozesses entgegenzutreten.'

Da ist er an die Wand gemalt, der Popanz vom Aufruhr, vom Umsturz, vom Bürgerkrieg. 'Bild' sagt, wie es ist: 'Mit der Pistole in der Hand verteidigte sie ihre Villa.' FAZ: Aufrührer am Werk.

Das alles, weil Arbeiter streikten. Die Frage nach dem Warum, die Frage nach den eingefrorenen Löhnen, nach den märchenhaften Gewinnen der Aktionären - wen interessiert das schon. 'Auflösungsprozesse' sieht die CDU. Der Ruf nach Polizei und Bundeswehr ist zwischen den Zeilen lesbar.

Halten wir fest: Die Unruhestifter sitzen in den Konzerndirektionen, sie sitzen in Redaktionen großbürgerlicher Blätter, sie sitzen in den Ministerien, die jetzt davon sprechen, daß der Neonazismus harmlos, die Gefahr von links 'lebensgefährlich' sei.

Die Gefahren für Wirtschaft und Gesellschaft kommen von der alleinigen Macht für eine Handvoll Superaktionäre. Die Gefahren für die Gesellschaft provozieren Politiker herauf, die im berechtigten Lohnkampf der Arbeiter das Chaos und in der Gewinnexplosion für die Superreichen die Ordnung sehen."
Q: Unsere Zeit Nr. 25, Essen 18.9.1969,S.4; Das Rote Schwungrad Kollegen, Genossen! Weg mit dem Vorbeugehaftgesetz, Dortmund o.J. (Juni 1972), S. 2;Die Rote Westfalenwalze Kollegen, Genossen! Weg mit dem Vorbeugehaftgesetz, Dortmund o.J. (Juni 1972), S. 2

29.12.1969:
Für die DKP berichtet 'ja' vermutlich aus dieser Woche:"
ROTER PUNKT IN SICHT
IN ISERLOHN SCHIMPFT MAN AUF HOHE FAHRPREISE

Besonders hart trifft die Tariferhöhung die Schüler. Sie zahlen zwischen 1,90 DM und 6,40 DM mehr. Dabei werden gerade die weiten Entfernungen sehr stark frequentiert, denn die IKB ist die ständige Verbindung zwischen den Städten Iserlohn, Menden, Hemer, Letmathe, Hohenlimburg, Schwerte bis nach Unna."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 3, Essen 15.1.1970

07.02.1970:
Laut 'Werk und Wir' findet bei Hoesch in Dortmund eine bundesweite "Betriebsrätevollkonferenz statt. Im Mittelpunkt standen die Ergänzungswahl für zwei ausgeschiedene Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Hoesch AG und die Beratung über die Ergänzungswahl von zwei außerbetrieblichen Arbeitnehmervertretern.
Albert Pfeiffer umriß die wirkungsvolle Tätigkeit der beiden Ausscheidenden und deren Verdienste und sprach ihnen dafür den herzlichen Dank der Betriebsräte und der Belegschaften aus. Als Nachfolger schlug der Gemeinschaftsausschuß Josef Brandl, Betriebsratsvorsitzender des Federnwerks der Walzwerke Hohenlimburg-Schwerte, und Walter Tebbe, Betriebsratsvorsitzender des Werkes Phoenix der Hoesch AG Hüttenwerke, vor. Aus der Versammlung kamen keine weiteren Vorschläge. Die beiden Kandidaten stellen sich sodann mit einem kurzen Abriß ihres Lebenslaufes und ihrer Tätigkeit vor. Bei der anschließenden Wahl gaben von den 168 Stimmberechtigten Josef Brandl 134 und Walter Tebbe 111 ihre Stimme. Damit waren beide gewählt."
Q: Werk und Wir Nr. 3, Dortmund März 1970, S. 80f

23.04.1970:
Laut 'Werk und Wir' tagt die Hauptversammlung der Dortmunder Hoesch AG. Die Versammlung beschließt die Eingliederung u.a. folgender Betriebsführungsgesellschaften in die Hoesch-AG:

- Hoesch Werke Hohenlimburg-Schwerte AG, Hohenlimburg.
Q: DKP-KV Dortmund: Hoesch - Nicht nur ein Name für Stahl, Dortmund o.J. (1977), S. 16; Werk und Wir Nr. 4, Dortmund Apr. 1971, S. 90

März 1971:
Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Mai 1971) berichtet mit Hilfe seiner vermutlich im April erscheinenden Betriebszeitung vermutlich aus dem März:"
E I N E BETRIEBSVERSAMMLUNG FÜR ALLE

Auch bei Hoesch in Schwerte wälzen die Kapitalisten die Krisenfolgen auf die Arbeiter ab. Wie bei Hoechst in Frankfurt (CPK-Bereich - vgl. 29.3.1971, d.Vf.) gehen sie mit Hilfe der rechten Betriebsräte verstärkt daran, die Arbeiter, Jungarbeiter und Lehrlinge untereinander zu spalten. Besondere Angst haben sie davor, daß alle Kollegen zusammen auf der Betriebsversammlung (BV, d.Vf.) ihre Problem diskutieren und erkennen, daß ALLE von den Krisenfolgen betroffen werden können und sich darum auch von Anfang an gemeinsam zur Wehr setzen.

Zu welchen Maßnahmen sie bei Hoesch in Schwerte gegriffen haben, zeigt ein Abschnitt aus einem Artikel der Betriebszeitung der KPD/ML und des KJVD.

'Ein typisches Beispiel:
Jugendversammlung in Hohenlimburg. Sie fand statt zur gleichen Zeit wie die Betriebsversammlung. Versammlungsort - die Lehrwerkstatt. Versammelt waren nur Lehrlinge.

Wie war es dazu gekommen?

Schon seit längerem wurde Lehrlingen unter 18 die Teilnahme an den Betriebsversammlungen verwehrt. Unter dem Vorwand: 'Die Ausbilder können sonst nicht an der Betriebsversammlung teilnehmen' wurden beide Versammlungstermine zusammengelegt. So werden alle Lehrlinge über 18 vor die Wahl gestellt:

ENTWEDER JUGENDVERSAMMLUNG ODER BETRIEBSVERSAMMLUNG!

Auf diese Weise haben die HOESCH-Bosse einen halben Tag Produktionsausfall in der Lehrwerkstatt gespart.

Der eigentliche Zweck aber war:
Die Lehrlinge von den übrigen Kollegen und vor allem von den Jungarbeitern zu isolieren und gegen sie auszuspielen.

Das haut in die gleiche Kerbe wie das Streikverbot für Lehrlinge.

Man will auf jeden Fall den gemeinsamen Kampf von Arbeiterjugend und älteren Kollegen verhindern.

Dies Beispiel von den Betriebs- und Jugendversammlungen zeigt uns ganz deutlich, daß die Kapitalisten sich bei ihren Spaltungsmanövern voll und ganz auf die Hilfe der rechten Gewerkschaftsbonzen verlassen können, denn ohne Betriebsrat und Jugendvertretung wäre so eine 'Lösung' gar nicht möglich.

Aber wir lassen uns nicht einschüchtern und fordern:

JUGENDVERSAMMLUNGEN FÜR LEHRLINGE U N D JUNGARBEITER!

TEILNAHME A L L E R JUGENDLICHEN IN DER BETRIEBSVERSAMMLUNG!'"
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 5, Bochum Mai 1971, S. 5

April 1971:
Laut KJVD der KPD/ML-ZB gibt er bei Hoesch Schwerte vermutlich im April gemeinsam mit der KPD/ML-ZB eine Betriebszeitung heraus, die sich u.a. mit der Jugendversammlung im Werk Hohenlimburg (vgl. Hagen - März 1971) befaßt.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 5, Bochum Mai 1971, S. 5

November 1971:
Der DKP Kreisvorstand Dortmund gibt vermutlich im November erstmals seinen 'Blick auf Dortmund' (vgl. 17.1.1972) - Informationen, Hinweise, Ratschläge der DKP für demokratische Kommunalpolitik heraus:"
WER WIR SIND UND WAS WIR WOLLEN

Dortmund erfreut sich großer Grün- und Freiflächen. Da haben wir den Rombergpark, den Tierpark, den Westfalenpark. Wir haben auch den an Schwerte grenzenden Stadtwald. Das ist eine gute Sache."
Q: Blick auf Dortmund Wer wir sind und was wir wollen, Dortmund o.J. (1971)

14.02.1972:
In NRW erscheint vermutlich Mitte Februar das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A 4 ohne presserechtlich Verantwortlichen aber unterzeichnet von einer Reihe von Personen, wobei weitere Unterschriften an das Büro NRW der Kampagne für Demokratie und Abrüstung (KfDA), 43 Essen-Rellinghausen, Kaninenbergstraße 24 zu senden sind:"
AUFRUF ZUR 'FRÜHJAHRSKAMPAGNE 1972 FÜR ABRÜSTUNG, SICHERHEIT UND INTERNATIONALE SOLIDARITÄT'"
Unterschrieben ist dieser Aufruf hier u.a. vom Deutscher Freidenkerveband (DFV) Bundesvorstand Schwerte und aus Schwerte von Hubert Freistühler, Buchhändler und Verleger.
Q: KfDA-Büro NRW:Aufruf zur 'Frühjahrskampagne 1972 für Abrüstung, Sicherheit und internationale Solidarität', o.O. (Essen) o.J. (1972)

November 1972:
Laut 'Werk und Wir' bildet sich vermutlich Anfang bis Mitte November ein Koordinierungsausschuß der Arbeitnehmervertreter von Hoesch und Hoogovens (vgl. 23.11.1972). Ihm gehören von deutscher Seite u.a. an:
- Sepp Brandl, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Hohenlimburg-Schwerte und Aufsichtsratsmitglied der Hoesch Werke AG.
Q: Werk und Wir Nr. 1, Dortmund Jan. 1973, S. 6

Januar 1973:
Für die Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund (vgl. 6.2.1973) berichtet F.K. vermutlich aus dem Januar:"
BLOCKUNTERRICHT: ANGRIFF AUF DIE RECHTE DER ARBEITERKLASSE

In den nächsten Jahren wird eine wichtige Neuigkeit im Berufsschulunterricht eingeführt: 'Blockunterricht'.

Wenn man Lehrer, Meister und Betriebsräte hört, bringt er endlich die große Besserung in der Berufsausbildung. Der Berufsschulunterricht, der bisher auf das ganze Jahr verteilt ist, wird auf einen Block zusammengefaßt. Lehrlinge gehen mit dem Argument, daß die Berufsschule in einem durch unterrichten kann, insgesamt 65 - 90 Tage zur Schule. Das wird auf einem Block von 3 ? 4 Monaten zusammengefaßt. Jungarbeiter müssen 30 - 50 Tage zur Berufsschule. Das wird auf einen Block von 2 - 3 Monaten zusammengefaßt.

Was heißt das für Jungarbeiter? Sie müssen 2 - 3 Monate zur Schule, die sie nicht bezahlt bekommen. Schon jetzt kommt es häufig vor, daß Jungarbeiter den Berufsschultag nicht bezahlt bekommen oder gekündigt werden, weil sie auf die Bezahlung dieses Tages drängen. Wenn der Jungarbeiter jetzt 2 - 3 Monate zur Berufsschule muß, wird der Krauter ihm was mit dem Bezahlen husten. Der Jungarbeiter wird für die Zeit gekündigt und muß stempeln gehen. In Schwerte und Witten ist Blockunterricht eingeführt. Folge: Jungarbeiter werden entlassen (Das Fernsehen berichtete vor einigen Wochen)."
Q: Die Rote Front Nr. 3, Dortmund Feb. 1973, S. 4

09.03.1973:
Laut 'Werk und Wir' konstituiert sich in Dortmund-Hörde der Gesamtbetriebsrat für alle Betriebe der Hoesch Werke AG:"
HOESCH GESAMTBERIEBSRAT GEBILDET

Um einen arbeitsfähigen und alle Mitarbeiter-Gruppen im rechten Verhältnis repräsentierenden Gesamtbetriebsrat zu bilden, waren langwierige Überlegungen und Gespräche nötig. …
Entsendungsbereich 4:
- Hoesch Werke Hohenlimburg-Schwerte AG,
- Döhner AG,
- Hoesch Packband GmbH.
Delegiert wurden zwei Arbeiter: Josef Brandl und Günter Beis - und ein Angestellter: Viktor Groß."
Q: Werk und Wir Nr. 4, Dortmund Apr. 1973, S. 86f

02.07.1973:
Bei Hoesch Dortmund erscheint die Nr.6 der 'Solidarität' - Informationsblatt der GIM (vgl. 13.6.1973) vermutlich frühestens in dieser Woche und berichtet u.a.:"
Klöckner in Bremen:
Am 25. Juni traten 6 000 Kollegen in den Streik. …

Die Unternehmer reagierten hart, denn sie wollten 'stabilitätsbewußt' sein, d.h. sie wollen sich ihre Profite nicht schmälern lassen. Die bürokratischen Kräfte in den Gewerkschaften unterstützten diese Haltung; denn sie wollen sich nicht die Lohnkämpfe aus der Hand nehmen lassen, da spontane Aktionen gegen ihr Machtinteresse verstoßen. Wie weit sie dabei gehen, zeigt sich am Beispiel des Kurzstreiks bei Hoesch-Schwerte (vgl. **.*.1973,d.Vf.). Als 250 Mann der Frühschicht streikten, überzeugten Betriebsrat und Gewerkschaft gemeinsam mit der Betriebsleitung die Belegschaft, daß sie keinen Anspruch auf Zahlung einer Zulage habe, da sie nicht zur metallverarbeitenden Industrie gehöre!

Gemeinsam mit den aktiven und fortschrittlichen Gewerkschaftern müssen wir solche Taschenspielertricks bekämpfen; denn wir können unsere Interessen nicht zum Vorteil der Profitsteigerung der Unternehmen und zum Vorteil bürokratischer Gewerkschaften vergessen. Die Inflation darf nicht auf unsere Kosten gehen. Deshalb:
FÜR SOFORTIGE KÜNDIGUNG DER LOHNABBAUTARIFVERTRÄGE!
SOLIDARITÄT MIT DEN KOLLEGEN, DIE FÜR TEUERUNGSZULAGEN KÄMPFEN!"
Q: Solidarität Nr. 6, Dortmund o.J. (1973)

Januar 1974:
In Dortmund erscheint die erste und letzte Nummer des 'Info der Parteilosen im Aktionskreis JZ' (AKJZ). Es handelt sich hierbei um eine spontaneistische Gruppierung, die der 'Wir wollen alles' (WWA) nahesteht. Unter Punkt III: 'Über den Reformismusvorwurf des KJV gegen uns', heißt es:"
Wir brauchen die Diskussions- und Propagandaclubs, die sich KPD und KPD/ML nennen nicht. Wenn wir den Kampf der Schwerter Jugendlichen unterstützen, fahren wir hin, wenn wir Solidarität mit den spanischen Arbeitern üben wollen, beteiligen wir uns an deren Aktionen, so informieren wir uns allmählich über die Kämpfe der Jugendlichen im gesamten Bundesgebiet bzw. über die Kämpfe der multinationalen Arbeiterklasse."
Q: Info der Parteilosen im Aktionskreis Nr. 1, o.O. (Dortmund) Jan. 1974

Januar 1974:
In Dortmund erscheint vermutlich im Januar die folgende Stellungnahme der Kommunistischer Jugendbund (Initiative) KJB (I) des KBW mit zwei Seiten DIN A4 zum Streit im AKJZ:"
FÜR EIN FREIES JUGENDZENTRUM! BEMERKUNGEN DER KOMMUNISTISCHEN JUGENDBUNDINITIATIVE ZUM STREIT ZWISCHEN 'PARTEILOSEN' UND KJV IM AKTIONSKREIS

Obwohl die Sponties den Kapitalismus gemeinsam abschaffen wollen, gehen sie von der These aus, daß solidarischer Zusammenhalt für diesen Kampf ausreicht. Im Kampf um das freie Jugendzentrum (FJZ) lehnen sie jegliche Organisierung ihrer Arbeit ab. Sie wälzen alles auf die wöchentlichen Vollversammlungen (VVs), die ohne Vorbereitungen undurchschaubar und langatmig werden. Sie lehnen es ab, daß die Arbeitsgruppen (AGs) selbständig arbeiten und fertige Vorstellungen auf den VVs zur Abstimmung einbringen.

Mit dieser Arbeitseinstellung wollen sie auch genauso spontan andere Kämpfe unterstützen und somit den Kapitalismus zerschlagen. Wenn sie mal Lust haben, gehen sie zu Schwerter Jugendlichen oder üben mit den spanischen Arbeitern Solidarität (Info S. 2.). So können sie aber lange auf den Sozialismus warten."
Q: KJB(I) Dortmund: Für ein freies Jugendzentrum. Bemerkungen der Kommunistischen Jugendbundinitiative zum Streit zwischen Parteilosen und KJV im Aktionskreis, Dortmund o.J. (1974)

24.04.1974:
Der KJV der KPD gibt seine 'Kämpfende Jugend' (KJ) Nr. 8 (vgl. 10.4.1974, 8.5.1974) heraus. Spenden kamen u.a. aus Schwerte.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 8, Dortmund 24.4.1974

23.09.1974:
Die KPD/ML (vgl. 11.10.1974) berichtet vermutlich aus dieser Woche von Hoesch Dortmund:"
KAPITALISTEN UND BETRIEBSRAT GEGEN KRANFÜHRERINNEN

Vor zwei Wochen haben die Hoesch-Kapitalisten ein Manöver gestartet, um die Forderung nach einem Hausarbeitstag für Frauen abzublocken und die Kolleginnen mit der Überstundenschinderei zu erpressen. Ihre besten Helfer dabei waren 'unsere' Betriebsräte Langenbach und Dume. Sie haben in einer Kampagne versucht, die Kranführerinnen der Wv (Phoenix) gegen ihre Kollegin Christiane S. aufzubringen. Christiane schreibt an die 'Stählerne Faust'.

Was ist geschehen? In der 'Werk und Wir' 3/74 (vgl. März 1974,d.Vf.) las die Kollegin Christiane, Kranführerin bei Phoenix, daß es bei Hoesch im Werk Hohenlimburg, Schwerte, einen Hausarbeitstag für Kranführerinnen gibt. Das interessierte Christiane natürlich. Sie erkundigte sich und fand ein Gesetz von 1948 für NRW, wonach Frauen bei mindestens 40 Stunden pro Woche Recht auf einen bezahlten Hausarbeitstag pro Monat haben. Als sie den Kolleginnen in der Kaue davon erzählte, waren einige gleich damit einverstanden, daß C. beim Gewerkschaftsbüro danach fragte. Die wußten aber von nichts und schickten C. zum Betriebsratsausschuß zu Betriebsrat Dume. Der meinte zuerst, der Hausarbeitstag sei seit Einführung der 40-Stunden-Woche abgeschafft. Als ein anderer Kollege auf die Überschichten hinwies, wollte BR Dume sich noch mal darüber informieren. Einige Tage später legte er C. dann eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG - vgl. S4.**.19**,d.Vf.) vor, wonach der Hausarbeitstag seit der 40-Stunden-Woche abgeschafft ist. Zu den Überstunden meinte der BR, die wären ja freiwillig und hätten keinen Einfluß auf den Hausarbeitstag.

Aber in Hohenlimburg gibt es den Hausarbeitstag! Deshalb bat C. den Betriebsrat Dume, in Schwerte danach zu fragen. BR Dume verabschiedete sich von C. mit den Worten: 'Siehst Du, Kollegin, wenn Du Fragen hast, kannst Du Dich vertrauensvoll an den Betriebsrat wenden.' Welch unbeschreiblicher Hohn!

Denn einen Tag später schickte Bereichsbetriebsrat Langenbach die Vertrauensfrau Ruth Link in den Abteilungen rum, die versuchte, die Kolleginnen gegen C. aufzubringen. Sonst, wenn es um unsere Rechte geht, lassen sie sich nie bei den Kollegen blicken. Aber jetzt verbreiten sie: Die Werksleitung hat die Überstunden für alle Frauen gestrichen. Schuld daran sei Christiane, weil sie einen Hausarbeitstag 'gefordert' habe für alle Frauen, die Überschichten machen. Da hätte die Werksleitung natürlich lieber die Überschichten gestrichen und den Hausarbeitstag dazu. Wenn Christiane und Hella, eine andere fortschrittliche Kollegin in der Abteilung, etwas machten, wäre das immer zum Schaden der Kollegen.

Das ist wirklich eine Unverschämtheit! Da nimmt eine Kollegin den Bericht in 'Werk und Wir' beim Wort und schon fallen Betriebsleitung und Betriebsrat über sie her. Wie war die Sache denn eigentlich an die Betriebsleitung geraten? Natürlich über die Betriebsräte. Die hatten nichts eiligeres zu tun, als C. zu denunzieren und alles zu verdrehen. Dazu rief BR Langenbach eine Versammlung der Kranführerinnen der Wv ein. Hier versuchten er und BR Dume mit allen Mitteln, die Wut der Kolleginnen von den Kapitalisten abzulenken und C. die Schuld in die Schuhe zu schieben. BR Langenbach versuchte, sich als Interessenvertreter der Kollegen herauszuputzen. Er behauptete, er hätte sich sofort an die Betriebsleitung gewandt, kräftig auf den Tisch gekloppt und den Hausarbeitstag verlangt. Er könnte ja nicht zulassen, daß Leute wie Christiane das Heft in die hand bekämen. Aber das wäre jetzt dabei herausgekommen: den Hausarbeitstag gibt es nicht und die Überstunden sind gestrichen. Und daran hätte einzig und allein C. Schuld. Daß die Kollegin Christiane sich schon oft für das Recht auf die 40-Stunden-Woche eingesetzt hatte, verdrehen sie jetzt schamlos: Sie hätte den Kolleginnen die Überstunden wegnehmen wollen, dazu logen sie, C. hätte auf dem Hausarbeitstag beharrt, immer weiter geborht und gewissermaßen mit dem Arbeitsgericht gedroht. Und wenn sie es gefordert hätte? Das wäre doch nur im Interesse der Kolleginnen! Entschieden dagegen sind aber nur BR Langenbach und BR Dume. Sie warfen C. vor, sie hätte 'schlafende Hunde geweckt'. Was für eine Unverfrorenheit! Welche schlafenden Hunde hat C. eigentlich geweckt? BR Langenbach ist aufgewacht. Er hat ja zwei Jahre lang gedeckt, daß die Kapitalisten die Frauen um einen Hausarbeitstag betrogen haben. Jetzt fürchtet er die Aufdeckung seines Verrats. Mit der Methode 'Haltet den Dieb!' ruft der Dieb 'Christiane hat die Schuld!' Und zu den gestrichenen Überstunden weiß BR Langenbach folgende 'Lösung': Wer jetzt doch 'freiwillig' Überstunden machen möchte, müßte schon auf den Hausarbeitstag verzichten. Derjenige soll dann beim Meister anrufen und lieb um Überschichten bitten.

Das ist die Logik von Arbeiterverrätern! Dankbar sollen die Kollegen sein für die Überschichten, die die Kapitalisten uns aufzwingen und auch noch darum betteln. Wir sollen nichts mehr fordern, sondern mit Almosen der Kapitalisten zufrieden sein. Auf alle Rechte, wie die 40-Stunden-Woche, verzichten. Überstunden kloppen, statt um ausreichenden Lohn bei der 40-Stunden-Woche zu kämpfen. Und die Kollegen , die sich für unsere Interessen und Forderungen einsetzen, sollen von den anderen isoliert werden. Das war nicht das erste Mal, daß BR Langenbach sich für die Kapitalisten und gegen die Kollegen eingesetzt hat. Als C. und ihr Mann den Kampf gegen die Überschichten aufnahmen, hat er geschickter noch als die Kapitalisten selbst deren Interessen vertreten: Überschichten wären von der Produktion her nötig: wir hätten es bei der Einstellung selbst unterschrieben und schließlich, die Kollegen forderten 'Sonderrechte'. Jetzt auf einmal sind Überschichten 'freiwillig'. Ganz klar! Damit die Kapitalisten nicht zahlen brauchen! Vor allem nicht den Hausarbeitstag.

Aber wie sich die Betriebsräte auch für ihre Herren, die Hoesch-Kapitalisten angestrengt haben, schon fünf Minuten nach der Versammlung zeigte sich, daß die Kolleginnen diese Demütigungen nicht widerstandslos hinnehmen werden. 'Wir werden nicht um Überstunden betteln!' erklärten einige Kolleginnen, und am Donnerstag hatte noch kaum eine Kollegin beim Meister angerufen, so daß der die 'Vertrauensfrau' Link wieder losschicken mußte, um die Kolleginnen zur Überschichtenschieberei aufzufordern.

Trotzdem, die Demagogie der Betriebsräte Langenbach und Dume hat auf der Versammlung ihre Wirkung auf einige Kolleginnen gehabt. Kollegen, fragt Euch selbst, wer steht auf wessen Seite, Christiane, die für ausreichenden Lohn bei 40 Stunden in der Woche eingetreten ist und sich für uns nach dem Hausarbeitstag erkundigt hat, oder BR Langenbach, der beides abgewürgt hat?

Sagt selbst, sind die Überstunden denn freiwillig? In vielen Abteilungen bei Hoesch ist das doch 'freiwilliger Zwang'. Wer sich öfter zum Wochenende abmeldet, steht bereits auf der schwarzen Liste. Aber vor allem: der niedrige Lohn zwingt doch die meisten Kollegen zu Überschichten oder Schwarzarbeit. Können wir uns von dem Geld etwa Luxus erlauben, wie BR Langenbach nahelegte? Es ist doch vielmehr so, daß viele von uns davon Schulden abbezahlen, das Auto unterhalten usw., also zum Leben notwendige Dinge. Die Kapitalisten versuchen eben immer, den Lohn so niedrig wie möglich zu halten. Sie zahlen uns Arbeitern nur, was wir und unsere Familien brauchen, um am nächsten Tag wieder für sie schuften zu können. Wenn Überstunden die Regel sind, wie bei Hoesch, bekommen wir nicht erheblich mehr, sondern einschließlich Überstunden reicht das Geld gerade zum Leben. Das Recht auf die 40-Stunden-Woche steht nur auf dem Papier, wenn wir nicht für ausreichend Lohn bei der 40-Stunden-Woche kämpfen!

Und wie steht es mit dem Hausarbeitstag? Den brauchen die Frauen sehr dringend. Denn neben der Arbeit wartet noch die Hausarbeit auf sie. Und was es in Hohenlimburg gibt, muß es auch bei Phoenix geben!

Dafür aber, daß wir unser Recht nicht bekommen, setzt sich 'unsere' Gewerkschaft ein. Wir sollen keine Forderungen stellen, sondern um Almosen betteln. Das ist nicht nur die Politik des reaktionären Betriebsrates Langenbach, nein, das ist die Linie des gesamten Gewerkschaftsapparates. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Kapitalisten sorgt die Gewerkschaft dafür, daß die Kapitalisten uns ausbeuten und unterdrücken. Das zeigt dieses Manöver für die Überstunden gegen den Hausarbeitstag.

Wir aber, Kollegen, haben keinen Grund, vertrauensvoll mit den Kapitalisten zusammenzuarbeiten. Uns hilft keine Klassenzusammenarbeit, sondern nur der revolutionäre Klassenkampf gegen die Kapitalisten und ihre Helfer in der Arbeiterbewegung, den reaktionären Gewerkschaftsapparat.

Christiane hat sich an die Gewerkschaft und 'unsere' Betriebsräte gewandt, um etwas über unsere Rechte zu erfahren. Das war falsch, denn das Ergebnis sind Lügen, Hetze und Denunziation. C. zieht den Schluß daraus, wenn man nicht sicher wüßte, ob ein Betriebsrat auf unserer Seite steht, soll man ihn nicht nach unseren Rechten fragen, weil er uns denunziert. Zu solchen Leuten sollte man nur mit Zeugen gehen, damit sie uns das Wort nicht im Munde rumdrehen können. Aber das reicht nicht.

Uns stehen nicht einzelne reaktionäre Betriebsräte gegenüber wie der Langenbach oder Dume, sondern der gesamte Gewerkschaftsapparat. Wir müssen mit unseren Kollegen zusammen unsere Forderungen stellen und im Kampf Klasse gegen Klasse durchsetzen. Wenn die Betriebsräte es dann erfahren, können sie so leicht keinen Keil zwischen die Kollegen treiben!

SCHLUSS MIT DER HETZE GEGEN CHRISTIANE!

SCHLUSS MIT DER ERPRESSUNG MIT DEN ÜBERSTUNDEN! FÜR DIE 40-STUNDEN-WOCHE BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!

VEREINIGT EUCH IM REVOLUTIONÄREN KLASSENKAMPF GEGEN DEN KAPITALISMUS UND ALLE SEINE HANDLANGER!"
Q: Stählerne Faust Nur Kampf gegen Kapitalismus und Arbeiterverrat verhindert neuen Lohnabbau, Dortmund o.J. (Okt. 1974), S. 4ff

25.11.1974:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 28.11.1974, 12.12.1974) Nr. 27 heraus. Für die Zanu Zimbabwe spendete u.a. die eigene Sympathisantengruppe Schwerte.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.27,Mannheim 5.12.1974

07.02.1975:
Laut KBW (vgl. 13.2.1975) wird heute in Schwerte im Rahmen der Metalltarifrunde (MTR) gestreikt.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 6, Mannheim 13.2.1975, S. 2

20.04.1976:
Heute erscheint die Nr. 4 der 'Chile Solidarität' (vgl. 3.9.1975, 1.9.1976). Adressen der Chile-Komitees kommen auch aus Schwerte.
Q: Chile Solidarität Nr. 4, Freiburg 20.4.1976, S. 2

13.01.1977:
Im Hoesch Profilwalzwerk (PWW) Schwerte findet, laut SAG, vermutlich im Januar ein Streik statt.

Die KPD (vgl. 19.1.1977) berichtet von heute über einen einstündigen Streik von 500 Arbeitern der Hoesch Walz-, Preß- und Ziehwerke. Laut KBW streiken heute 600.
Q: Rote Fahne Nr. 3 und 4, Köln 19.1.1977 bzw. 26.1.1977; Sozialistische Arbeiterzeitung Nr. 16, Frankfurt 26.1.1977;Kommentar für die Kollegen von Teroson 6,9 % = Lohnraub! 174 DM Festgeld muß her!, Heidelberg 9.2.1977, S. 2

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12.05.1977:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr. 19 (vgl. 5.5.1977, 16.5.1977) in einer Ausgabe Nord heraus. In "'Kernkraftwerke sichern Arbeitsplätze'" wird berichtet von Brüninghaus in Westhofen bei Schwerte, wo zwei Gittermasten für das AKW Brokdorf gefertigt werden.
Q: Kommunistische Volkszeitung Ausgabe Nord Nr. 19, Mannheim 12.5.1977, S. 5

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01.09.1977:
Die Branchenzelle Metall des KBW Bezirk Trier gibt seine 'Informationen für Trierer Metallkollegen' (vgl. 14.7.1977, 23.11.1977) heraus mit dem Artikel "Lohnkürzungen in der Metallindustrie und der Kampf der Arbeiter dagegen: Meldungen", u.a. von Hoesch Schwerte.
Q: Informationen für Trierer Metallkollegen Moselstahlwerk (MSW): Statt Neueinstellungen dumme Tricks. Stellenausschreibung à la Arenz, Trier 1.9.1977, S. 1

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Oktober 1977:
Der DKP Kreisvorstand Dortmund gibt vermutlich im Oktober eine Broschüre mit 62 Seiten DIN A 5 plus Deckblatt heraus:"
HOESCH - NICHT NUR EIN NAME FÜR STAHL
HOESCH-ANALYSE
von Arbeitern, Angestellten und Wissenschaftlern

1966 wurde als Folge der Wirtschaftskrise dann die Hoesch Werke AG mit der Dortmunder-Hörder-Hütten-Union AG fusioniert, die im Krieg zur Vereinigten Stahlwerke AG gehört hatte. Dadurch wurden dem Hoesch Konzern gleichzeitig solche Beteiligungen wie … Hüttenwerke Siegerland AG, … und andere Unternehmen zugeführt. Damit wuchs Hoesch zugleich zum zweitgrößten Stahlkonzern der Bundesrepublik hinter Thyssen auf und ist es bis heute geblieben."
Q: DKP-KV Dortmund: Hoesch - Nicht nur ein Name für Stahl, Dortmund o.J. (1977)

Letzte Änderung: 13.04.2016