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Stübbe-DEMAG Kalldorf

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 24.10.2006


Materiallage

Aus Kalldorf lag uns örtliches Material nur von der KPD vor. Zahlreiche weitere, hier nicht vorgestellte überörtliche Dokumente, befinden sich im APO-Archiv.


Die Organisationen

Diese Darstellung beruht aufgrund einer keineswegs vollständigen Auswertung aller verfügbaren Quellen fast allein auf Dokumenten der KPD. Andere Gruppen kommen daher nur am Rande vor.


Wichtige Themen und Ereignisse

Zentrales Thema ist der Arbeitskampf gegen die Werksstilllegung im Jahr 1975 bei Stübbe Kalldorf. Die KPD berichtet vom strategischen Vorgehen der Demag (vgl. 1970), welches bereits die spätere Stilllegung vorbereitet.

1971 kommt es wohl bereits zu ersten Entlassungen, die aber vermutlich verhindert werden können (vgl. Nov. 1971, 22.11.1971). Anders offenbar im folgenden Jahr (vgl. 1972).

Der KJVD der KPD/ML-ZB enthüllt, wohin die Arbeitsplätze verlagert werden, nach Nordirland (vgl. 28.2.1972).

Vom Beginn des Streiks gegen die Stilllegung im Januar 1975 (vgl. 9.1.1975) berichtet die KPD, die vermutlich auch in Düsseldorf (vgl. 13.1.1975) und Duisburg (vgl. 13.1.1975), vor allem bei auch zum Mannesmann-Konzern gehörenden Betrieben, die Solidarität mit organisiert und vor Ort mit Hilfe von 'Reisekadern' eingreift (vgl. 14.1.1975). Deren Papierprodukte bilden vermutlich einen nicht unwesentlichen Teil dieser Materialien.

Auch die KPD verweist auf die Arbeitsplatzverlagerung von Kalldorf ins Ausland nach Nordirland (vgl. 17.1.1975), greift die untauglichen Problemlösungsversuche der örtlichen und landesweiten Politiker an (vgl. 17.1.1975).

Lyrisch besonders wertvoll werden die Ergüsse der KPD angesichts ihres Versuchs, die örtlichen kleinen Bauern in die 'Volkseinheit' mit einzubeziehen (vgl. 20.1.1975).

Auch die DKP scheint nun bei Stübbe Kalldorf für die Mitbestimmung zu agitieren, wird von der KPD umgehend als arbeiterverräterisch gegeißelt (vgl. 20.1.1975).

Die KPD betont dagegen die Notwendigkeit der Betriebsbesetzung, auch wenn es zunächst bei einer Demonstration bleibt (vgl. 22.1.1975). Auch die Kalldorfer Ratssitzung wird offenbar von der KPD durch Anwesenheit beehrt (vgl. 25.1.1975). Sie propagiert den Streik, wird offenbar nun durch die IGM bzw. den Betriebsratsvorsitzenden aufs Korn genommen (vgl. 27.1.1975), denen auch noch die DKP zu Hilfe kommt (vgl. 27.1.1975), die die KPD ja kurz zuvor genau denselben Kreisen zugeschlagen hatte.

Nicht geschlagen, sondern vor allem getreten wird offenbar bald darauf bei der Flugblattverteilung vor dem Betrieb (vgl. 29.1.1975).

Zur mittäglichen Diskussion mit der KPD vorm Tor am nächsten Tag, zu der sie morgens vorm Betrieb aufruft, kommt immerhin die IGM, die offenbar anwesende Polizei bleibt noch untätig. Noch am selben Tag aber kommt es auch zu einer fristlosen Kündigung, von der KPD als politische Entlassung verstanden (vgl. 30.1.1975).

Von der Solidarität im benachbarten Detmolder Mannesmannwerk berichten die lambertistischen SPD-Entristen der SAP (vgl. Feb. 1975), aus der IGM Bielefeld die KPD (vgl. 5.2.1975).

Die KPD prangert vor Ort die Entlassung als politische an (vgl. 3.2.1975), versucht offensichtlich die Auseinandersetzung auch für den eigenen Wahlkampf zu nutzen.

Die KPD berichtet in der Folge ausgesprochen häufig von Stübbe-Demag (vgl. 12.2.1976, 19.2.1976), ohne dass hier alle Berichte erfasst oder gar im Volltext dokumentiert werden konnten. Auch andere linken Gruppen berichten wiederholt, ohne dass alle Berichte hier genannt werden können. Einige Hinweise wurden aufgenommen auf Artikel von AB (vgl. 6.4.1975, 18.5.1975, 1.6.1975, 15.6.1975, 13.7.1975, 16.11.1975), KBW (vgl. 20.2.1975, 13.3.1975, 3.4.1975, 30.4.1975, 12.6.1975) SAG (vgl. Apr. 1975, 1.5.1975), Spartacusbund (vgl. Aug. 1975) und 'Voran' (vgl. Juni 1975).

Die KPD greift nicht nur IGM, SPD und DKP scharf an, sondern bemüht sich auch darum, den Kampf auf alle Mannesmann-Demag-Werke auszudehnen, vor allem auf diejenigen im Regierungsbezirk Düsseldorf, in denen sie selbst bereits länger tätig ist (vgl. 17.2.1975). Gestreikt wird immerhin schon einmal gemeinsam in Kalldorf mit dem kleinen Werk in Vlotho (vgl. 3.3.1975, 4.3.1975).

Die KPD ist dabei natürlich publizistisch präsent (vgl. 5.3.1975), ihr Eintreten für eine Betriebsbesetzung wird weit überzeugender, als eine solche am 10.3.1975 in dem nicht weit entfernten Zementwerk Seibel Erwitte vollzogen wird, und Kollegen aus Kalldorf sich vor Ort informieren (vgl. 14.3.1975). Die KPD berichtet von der Solidarität im DGB KJA Bielefeld (vgl. 16.3.1975) und versucht sich darin, die Belegschaften von Seibel und Stübbe übereinander auf dem Laufenden zu halten, um auch hier die einheitliche Kampffront zu 'schmieden' (vgl. 17.3.1975), was sie aber angesichts weiterer Entlassungen auch auf der Ebene des Gesamtkonzerns in Angriff nimmt, während sie in Kalldorf die Hintergründe der Stillegung beleuchtet (vgl. 17.3.1975).

Die gemeinsame Kampffront von Seibel- und Stübbe-Kollegen scheint zumindest auf Kölner Treffen der KPD Realität zu werden (vgl. 19.3.1975) und erreicht, zumindest nach Wahrnehmung der KPD, eine solche Leuchtkraft, dass diese bis Bielefeld reicht (vgl. 24.3.1975) und auch in Dortmund (vgl. 1.4.1975) und Westberlin (vgl. 2.4.1975) noch als Vorbild zu dienen vermag.

Die KPD mobilisiert nun vor Ort in Kalldorf für den Schulterschluss mit der Belegschaft des Mannesmann-Werkes in Düsseldorf-Benrath (vgl. 24.3.1975), wobei vorerst unklar bleibt, was passierte. In Kalldorf aber kommt es zu sofortigen Entlassungen (vgl. 23.4.1975), die KPD ruft vermutlich umgehend zur örtlichen Veranstaltung auf (vgl. 29.4.1975), versucht nun sowohl in Kalldorf als auch in Erwitte (vgl. 28.4.1975) die Kampffront der beiden Klein- bis Mittelbetriebe gar auf VW zu erweitern. Zum Leidwesen der KPD aber scheitert diese geniale Klassenkampfstrategie, sie führt zwar eine örtliche Veranstaltung in Kalldorf durch (vgl. 29.4.1975), mobilisiert aber auch dort für Maiaktionen nach Dortmund (vgl. 28.4.1975) bzw. Gelsenkirchen (vgl. 1.5.1975).

In Kalldorf wird erneut gestreikt (vgl. 6.5.1975), die KPD propagiert den Kampf erneut im Regierungsbezirk Düsseldorf als vorbildlich (vgl. 12.5.1975), bald aber auch bei SEL Dortmund (vgl. 28.5.1975), versucht diesen Betrieb mit in ihre Einheitsfront einzubeziehen (vgl. 2.6.1975, 23.6.1975).

Die DKP berichtet von Mannesmann aus Duisburg (vgl. 3.6.1975), die KPD wiederholt aus Kalldorf (vgl. 21.5.1975, 28.5.1975, 11.6.1975, 30.7.1975).

Bei der Demonstration in Düsseldorf wird die Einheitsfront zumindest von Seibel und Stübbe-Kollegen scheinbar unter Beweis gestellt (vgl. 12.7.1975).

Angesichts der Verschärfung des politischen Strafrechts dient die Auseinandersetzung bei Stübbe-Demag Kalldorf der KPD oder ihren Freunden in Bielefeld (vgl. 19.1.1976) und Duisburg (vgl. 16.2.1976) als Beispiel für die von dieser Strafrechtsänderung ausgehende Bedrohung.

Es konnten noch Verweise auf mehrere Artikel über Demag Kalletal gefunden werden, gegen Ende dieser Dokumentation kommt es dann zur Abwechslung auch einmal zu einer anders gelagerten Aktion (vgl. 2.5.1977).


Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

1970:  Die KPD (vgl. Kalldorf - 17.3.1975) berichtet über die Einstellung der Kunststofftechnikproduktion bei Demag Duisburg.
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Stillegung in Kalldorf - 200 Entlassungen in Nürnberg - damit die Profite von Mannesmann stimmen!,o.O. o.J. (1975),S.1

November 1971:  Bei Hadir - Arbed St. Ingbert berichtet die Rote Fahne Organisation (RFO) Saarland bzw. die Sozialistische Betriebsgruppe (SBG) der Hadir vermutlich von Anfang November, dass die Stübbe-Belegschaft, vermutlich in Bonneburg und Kalldorf, den Kampf gegen Kurzarbeit und Kündigungen gewonnen habe.
=Rote Fahne - Arbed o.Nr.(16),St.Ingbert o.J. (1971)

22.11.1971:  Der KB/ML Flensburg gibt eine Sonderausgabe seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (vgl. Juli 1971, Dez. 1971) mit dem Titel "Was bringt uns das neue BVG?" heraus und Berichten u.a. über eine Reihe von Streiks und anderen betrieblichen Kampfaktionen in der ganzen 'BRD' (u.a. bei der MF Stübbe in Kalletal und Bonneburg bei Vlotho gegen 49 Entlassungen).
=Kommunistische Arbeiter Zeitung Sdr.ausgabe,Flensburg 22.11.1971

22.11.1971:  In Eutin gibt die neugegründete Gruppe des KB die Nr.4 ihres 'Metallkampf' (vgl. Nov. 1971, 29.11.1971) heraus, die sich u.a. mit der MF Stübbe Kalletal (bei Lemgo) und Bonneburg (bei Vlotho) in NRW befasst.
=Metallkampf Nr.5,Eutin 22.11.1971

1972:  Die KPD (vgl. Kalldorf - 17.3.1975) berichtet von der Mannesmann (MM) Tochter Stübbe-Demag:"
1972: 600 Entlassungen im Werk Kalldorf".
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Stillegung in Kalldorf - 200 Entlassungen in Nürnberg - damit die Profite von Mannesmann stimmen!,o.O. o.J. (1975),S.1

28.02.1972:  Das Landeskomitee NRW des KJVD der KPD/ML-ZB gibt vermutlich in dieser Woche eine Broschüre "Nieder mit dem Imperialismus - Freiheit für das Irische Volk!" zur Irland-Demonstration in Dortmund am 11.3.1972 heraus, in der es u.a. heißt:"
PROFITGIER ZIEHT WESTDEUTSCHE UNTERNEHMEN NACH IRLAND

Die Freude der westdeutschen Imperialisten über die billige irische Arbeitskraft ist groß. Eine Reihe westdeutscher Firmen griffen hier zu. Einige Beispiele: ...
- Stübbe (IGM-Bereich,d.Vf.) Maschinenhersteller, dehnten ihre Produktion in Partdown im letzten Jahr um 25% aus."
=KJVD-LK NRW:Nieder mit dem Imperialismus - Freiheit für das Irische Volk,Bochum o.J. (1972)

09.01.1975:  Die KPD (vgl. 15.1.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 14.1.1975):"
STREIK IN KALLETAL!

Seit Donnerstag, dem 9.Januar, streiken die über 600 Arbeiter und Angestellten der DEMAG-Maschinenfabrik in Kalletal/Ostwestfalen. Die Kollegen wehren sich mit diesem Streik gegen die beabsichtigte Stillegung ihres Werkes durch die DEMAG-Konzernleitung.

Mit der Schließung des Betriebes soll eine üble Komödie der DEMAG-Kapitalisten ihren Abschluß finden: 1969 kaufte die DEMAG die 1 300 Mann starke Stübbe-Maschinenfabrik auf. Sie versprach hohe Investitionen. Die Stillegung war schon eine beschlossene Sache. Mit dem Stübbe-Kauf will sich der DEMAG-Konzern einen leidigen Konkurrenten in der Fertigung von Spritzgußmaschinen für das ebenfalls zum DEMAG-Konzern gehörende Anker-Werk/Nürnberg vom Halse schaffen.

Doch die Kapitalisten haben ihre Rechnung ohne die Stübbe-Arbeiter und die Kalletal-Bewohner gemacht! Auf der Betriebsversammlung am Donnerstag machten die Kollegen deutlich: Wir werden bis zum letzten für unsere Arbeitsplätze kämpfen."
=Rote Fahne Nr.2,Dortmund 15.1.1975,S.1

13.01.1975:  Die KPD (vgl. 22.1.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche über die Solidaritätsresolution der Jugendvertretung Feldmühle Düsseldorf mit dem Kampf gegen die Stillegung der Mannesmann-Tochter Stübbe-DEMAG Kalldorf (IGM-Bereich - vgl. 17.1.1975).
=Rote Fahne Nr.3,Dortmund 22.1.1975,S.4

13.01.1975:  Die KPD (vgl. 22.1.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche über die Solidaritätsresolution der Jugendvertretung Mannesmann (MM) Lierenfeld mit dem Kampf gegen die Stillegung der Mannesmann-Tochter Stübbe-DEMAG Kalldorf (vgl. 17.1.1975).
=Rote Fahne Nr.3,Dortmund 22.1.1975,S.4

13.01.1975:  Die KPD (vgl. 22.1.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche über die Solidarität bei Mannesmann (MM) Duisburg mit dem Streik gegen die Stillegung der Mannesmann-Tochter Stübbe-DEMAG Kalldorf (vgl. 9.1.1975, 17.1.1975), daß ein Kollege von Mannesmann Duisburg 80 DM, "im Betrieb zur Unterstützung des Streiks gesammelt hatte. Auch er verlas eine Protestresolution, die bereits über 50 Kollegen seiner Abteilung unterschrieben haben."
=Rote Fahne Nr.3,Dortmund 22.1.1975,S.4

14.01.1975:  Die KPD (vgl. 15.1.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 9.1.1975):"
Am Dienstag kam das DEMAG-Vorstandsmitglied Wenzler ins Kalletal, um die Kollegen zu beruhigen. Doch ihm schallte hundertfach entgegen: Wir werden um unsere Arbeitsplätze kämpfen! Herzlich willkommen Kalletalkiller Wenzler!

Die Bewohner des Kalletals stehen auf der Seite der Kollegen, denn mit der Schließung des Werkes fliegen nicht nur über 600 Kollegen auf die Straße, sondern etwa 50 kleinere Zulieferbetriebe sind von dem DEMAG-Werk abhängig.

Die bürgerlichen Parteien versuchten in den letzten Tagen, sich mit Blick auf die Wahlen, den Arbeitern anzubiedern. Selbst die CDU 'verurteilte' den Schritt des DEMAG-Konzerns. Der IGM-Bevollmächtigte Reichel und die SPD sagten ebenso schnell 'Hilfe der Landesregierung' zu. Aber weder Bittgänge nach Düsseldorf, noch die staatserhaltende Propaganda der DKP für paritätische Mitbestimmung kann jetzt den Stübbe-Arbeitern helfen. Ob SPD, CDU oder DKP: Sie alle wollen die Stübbe-Arbeiter zum Spielball ihrer Wahlkampfinteressen machen. Die Gespräche, die die ROTE FAHNE am Dienstag Mittag mit Stübbe-Arbeitern führte, zeigten: sie sind entschlossen, bis zum letzten für ihre Interessen zu kämpfen. Nur ihr schonungsloser und selbständiger Kampf, nur die Solidarität der Kalletaler und die Hilfe der DEMAG-Arbeiter in anderen Betrieben kann jetzt noch helfen.

SOLIDARITÄT MIT DEM KAMPF DER STÜBBE-ARBEITER!"

Am 22.1.1975 berichtet die KPD über ihre "Genossen, die seit Dienstag ununterbrochen in Kalletal sind".
=Rote Fahne Nr.2 und 3,Dortmund 15.1.1975 bzw. 22.1.1975,S.1 bzw. S.4

17.01.1975:  Von der heutigen IGM-Versammlung bei Stübbe Demag Kalldorf berichtet u.a. die KPD bei Stübbe (vgl. 3.2.1975). Bundesweit (vgl. 22.1.1975) berichtet die KPD:"
KALLDORF: DER KAMPF DER STÜBBE-DEMAG-ARBEITER

Kalldorf. 'Diese Demokratie ist nicht mehr für uns Arbeiter, das ist eine Diktatur, wir aber müssen dahin kommen, daß die Arbeiter diktieren.' Diese Worte eines Stübbe-Arbeiters machen deutlich, wie klar einige Kollegen erkannt haben, welches Spiel die SPD-Regierung und die DEMAG-Mannesmann-Kapitalisten mit ihnen treiben. Bereits in der letzten ROTEN FAHNE berichteten wir über den Kampf der Arbeiter des Stübbe-Werkes in Kalldorf (vgl. 9.1.1975,d.Vf.), das stillgelegt werden soll. 640 Arbeiter und Angestellte sollen auf die Straße fliegen, weil die Kapitalisten es so wollen.

Dem DEMAG-MM-Konzern gelang es durch den Aufkauf des Stübbe-Werkes vor fünf Jahren, den einzigen Konkurrenten auf dem Gebiet der Spritzgußmaschinen in der BRD auszuschalten.

Aber die Konkurrenz aus dem Ausland ist groß. Österreichische und Schweizer Firmen wie Windsor, Netztal oder Engel produzieren die gleichen Maschinen etwa 20 Prozent billiger.

Damit die DEMAG-Kapitalisten konkurrenzfähig bleiben, sind sie also gezwungen, rentabler als bisher zu produzieren. Daher ihr Entschluß, das Kalldorfer Werk stillzulegen und die Produktion in die Eifel (Jünkerath) bzw. ins Ausland zu verlegen (Nordirland). Selbst eine Investitionsspritze in Höhe von 9 Millionen DM lehnten sie ab.

Sie kümmert es einen Dreck, was mit den Arbeitern passiert, Hauptsache, der Profit stimmt!

Die Arbeiter haben dies erkannt und traten deshalb in den Streik. Letzte Woche wurde er jedoch abgebrochen, weil die IGM und die Landesregierung sofortige Hilfe versprachen.

WAS IST AUS DEN VERSPRECHUNGEN UND AUS DEN BITTGESÄNGEN NACH DÜSSELDORF GEWORDEN?

Am letzten Freitag konnten sich die Arbeiter und die Bewohner des Kalletals auf der von der IGM einberufenen Versammlung selbst davon überzeugen: nichts ist daraus geworden!

DEMAG bleibt hart, Landesfürst Kühn blieb lediglich übrig, sich mit den Arbeitern 'solidarisch' zu erklären und sein Bedauern über das Verhalten der DEMAG zu bekunden. Die Arbeiter, die all ihr Vertrauen auf die Gewerkschaft und den Betriebsrat setzten, sahen sich getäuscht.

Betriebsratsvorsitzender Ackermann sprach viel von Kampf, von 'entschlossenem Vorgehen' gegen die Stillegung. Konkret sah es aber so aus, daß er den DEMAG-Kapitalisten den Vorschlag gemacht hat, das Anker-Werk in Nürnberg (ebenfalls zum Konzern gehörend) zu schließen, weil die 800 Arbeiter dort das besser verkraften könnten, als die Kalldorfer. Außerdem meint er:

'Sicher, Kollegen, Streik ist das richtige Mittel, aber, Kollegen, wir haben ja noch Aufträge zu erfüllen, und da ist an Streik ja nicht zu denken!'

Ins gleiche Horn tutete IGM-Bevollmächtigter Reichel, der schon vor der Versammlung ein Transparent von uns ('Arbeiter und Bauern - gemeinsam gegen Stillegung') herunterriß, einen Genossen mit Ackermanns Hilfe rausschmiß und meinte: 'Die Kollegen sind soweit, daß sie wie in Frankreich den Betrieb besetzen werden; aber wir dürfen es nicht soweit kommen lassen; ich hoffe, die Vernunft wird vorher siegen.'

Was am Freitagabend ablief, war reine Abwiegelei und Hinhaltetaktik und arbeitete den Kapitalisten in die Hände. Betriebsrat und IGM-Vertreter genießen aber noch soviel Vertrauen, daß sich dagegen kein Widerstand erhob. Aber wir wissen aus den vielen Gesprächen mit Stübbe-Kollegen, daß sie entschlossen sind, die Stillegung zu verhindern.

Unsere Genossen, die seit Dienstag (14.1.1975,d.Vf.) ununterbrochen in Kalletal sind, diskutierten mit den Arbeitern immer wieder die Frage, wie der Kampf geführt werden muß: Streik und Besetzung des Werkes, das sind die einzig erfolgversprechenden Mittel!

Auf Einladung unserer Genossen hin, überbrachte ein Kollege von Mannesmann Düsseldorf eine Protestresolution der Jugendvertretung Lierenfeld (IGM-Bereich - vgl. 13.1.1975,d.Vf.) und Feldmühle (CPK-Bereich - vgl. 13.1.1975,d.Vf.) und ein Kollege von Mannesmann Duisburg (IGM-Bereich - vgl. 13.1.1975,d.Vf.) überreichte 80 DM, die er im Betrieb zur Unterstützung des Streiks gesammelt hatte. Auch er verlas eine Protestresolution, die bereits über 50 Kollegen seiner Abteilung unterschrieben haben. Außerdem berichtete ein Genosse aus dem Anker-Werk in Bielefeld über die Spaltungsmanöver der Kapitalisten dort und forderte die Stübbe-Arbeiter auf, aus diesen Beispielen für ihren eigenen Kampf zu lernen. Die Kollegen erhielten herzlichen Beifall.

Weiter wie bisher werden unsere Genossen die Stübbe-Arbeiter in ihrem Kampf praktisch unterstützen. Taten zählen, Worte nicht!"
=Rote Fahne Nr.3,Dortmund 22.1.1975,S.4;
KPD-Sonderdruck Kalldorf 7 und Am Montag, den 14.4. um 13 Uhr findet eine Betriebsversammlung bei der Demag-AG, Werk Benrath in Düsseldorf statt!,O.o. o.J. (3.2.1975) bzw. o.J. (Apr. 1975),S.1 bzw. S.1


17.01.1975:  Die KPD (vgl. 29.1.1975) berichtet von der Mannesmann (MM) Tochter Stübbe-Demag Kalldorf über die Meinung des Kalldorfer Bürgermeisters:"
Die Sitzung (Gespräch) mit dem Ministerpräsidenten Kühn und der Landesregierung am Freitag letzter Woche ist, seiner Meinung nach, befriedigend verlaufen (obwohl gar nichts rausgekommen ist)."
=Rote Fahne Nr.4,Dortmund 29.1.1975,S.6

20.01.1975:  Die KPD (vgl. 29.1.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf vermutlich aus dieser Woche:"
Wir haben jetzt begonnen, die Volkseinheit in Kalldorf zu schmieden, was heißt, die vielen kleinen Bauern des Dorfes in den Kampf gegen die Stillegung, von der sie auch betroffen wären, miteinzubeziehen."
=Rote Fahne Nr.4,Dortmund 29.1.1975,S.6

20.01.1975:  Die KPD (vgl. 29.1.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf vermutlich aus dieser Woche:"
Für die klassenbewußten Kollegen wird es auch Zeit, sich von falschen Parolen zu distanzieren, wie sie z.B. von den DKP-Vertretern auf Flugblättern aufgestellt wurden:
'Einmal mehr wird jetzt die Notwendigkeit der seit über 20 Jahren von DGB geforderten umfassenden Mitbestimmung durch die Belegschaft und ihre Gewerkschaft in allen betrieblichen und strukturellen Fragen deutlich.'

Jeder ältere Arbeiter weiß, daß es nirgendwo durch 'umfassende Mitbestimmung' (Montanbereich (IGBE- und IGM-Bereich,d.Vf.)) zur Verhinderung von Massenentlassungen gekommen ist. Wer das behauptet, tritt gegen die selbständige Kampfführung auf und verrät die Arbeiterinteressen. Er unterscheidet sich um nichts von den SPD-Führern!"
=Rote Fahne Nr.4,Dortmund 29.1.1975,S.6

22.01.1975:  Die KPD (vgl. 29.1.1975) berichtet u.a. von heute (vgl. 25.1.1975):"
KALLETAL: STÜBBE-DEMAG-ARBEITER KÄMPFEN WEITER

Kalldorf. In der letzten Woche haben sich die Fronten im Kampf gegen die Stillegung des Stübbe-Werkes noch deutlicher gezeigt: Gewerkschaftsführung und Betriebsratsvorsitzender Ackermann treten immer offener für die Kapitalisten und gegen die Arbeiter auf. IGM-Reichelt schloß sich auf einer Pressekonferenz den Worten seines Vorredners von der DAG an: 'Im Fall einer Besetzung werde ich als erster die Polizei rufen!'

Der Kampfeswille der Stübbe-Arbeiter hingegen ist ungebrochen. Die Forderung: keine Stillegung! - sonst Streik und Besetzung - steht fester denn je. Der Kampf muß gegen alle Feinde geführt werden, auch gegen die Gewerkschaftsführung.

Erste Schritte auf diesem Weg machten die Stübbe-Arbeiter, als sie am letzten Mittwoch auf unseren Vorschlag hin eine Protestdemonstration auf das 7 km entfernte Hohenhausen durchführten, wo sich Demag-Kapitalisten und die Verräter aus Gewerkschaft und Betriebsrat ein erneutes Scheingefecht lieferten."

Später (vgl. 26.2.1975) berichtet die KPD von der Versammlung am 17.1.1975 und fährt fort:"
Als über eine Woche später in einem Nachbarort Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat und Mannesmann liefen, marschierten die Kollegen gegen den Willen Ackermanns unter der Führung einiger Kollegen, einem Betriebsrat und dem Vertrauensleutekörpervorsitzenden dorthin, nachdem die KPD dazu aufgerufen hatte."
=Rote Fahne Nr.4 und 8,Dortmund 29.1.1975 bzw. 26.2.1975,S.6 bzw. S.9

25.01.1975:  Die KPD (vgl. 29.1.1975) berichtet von der Mannesmman (MM) Tochter Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 22.1.1975):"
Auf der Ratssitzung vom 25.1. war, wie zu erwarten, kaum ein Arbeiter aus dem Betrieb vertreten. Die überwiegende Mehrheit der ca. 70 Anwesenden bestand aus bürgerlichen Parlamentariern und Gewerkschaftsführern.

Bürgermeister Kraft lobte die Landesregierung, die 'volles Verständnis für die Lage gezeigt hat und jede Hilfe versprach, allerdings seien auch Grenzen gesetzt, denn die Regierung vermag nicht auf die Entscheidungen des Konzerns einzuwirken.' Die Sitzung (Gespräch) mit dem Ministerpräsidenten Kühn und der Landesregierung am Freitag letzter Woche (vgl. 17.1.1975,d.Vf.) ist, seiner Meinung nach, befriedigend verlaufen (obwohl gar nichts rausgekommen ist). Weiter las er zwei Resolutionen vom 'Wirtschaftsförderungsausschuß Kalletal' und von einigen Pastoren vor.

Der Gemeindedirektor meinte, daß sehr harte Verhandlungen mit DEMAG-Vorstand geführt wurden. Weiterhin führte er einiges über die Arbeitsplatzsituation in Kalletal aus: Unter anderem, daß durch die Stillegung die Arbeitslosenquote in Kalletal von jetzt 5,1 Prozent auf 11-12 Prozent steigen würde.

Ohne daß eine Diskussion stattfand, wurde die Sitzung für geschlossen erklärt. Auf unsere Forderung, die Resolution vorzulesen, die am Mittwoch von einer Arbeiterdelegation auf der Bonzensitzung übergeben wurde, wurde erneut die Sitzung vom Bürgermeister für geschlossen erklärt. Er weigerte sich damit, die Resolution der Arbeiter öffentlich vorzulesen.

Ein Beweis dafür, daß die Arbeiter erkennen, daß nur sie diejenigen sein können, die die Stillegung erfolgreich verhindern können! Und ein Erfolg für die Stübbe-Arbeiter, weil sie gezeigt haben, daß sie nicht auf wochenlange Verhandlungen warten werden."
=Rote Fahne Nr.4,Dortmund 29.1.1975,S.6

27.01.1975:  Die KPD (vgl. 5.2.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 25.1.1975, 29.1.1975):"
NUR KONSEQUENTER STREIK KANN DEN STÜBBE-DEMAG-ARBEITERN WEITERHELFEN

Kalletal, Kalldorf. Nach wie vor setzen IGM-Führung und Betriebsratsvorsitzender Ackermann alles daran, den Kampf der Stübbe-Arbeiter zu sabotieren, mit allen Tricks versuchen sie, das Vertrauen der Arbeiter auf die eigene Kraft lahmzulegen. Unsere Partei dagegen hat auch in dieser Woche durch ihre Agitation und Propaganda immer wieder auf die Notwendigkeit hingewiesen, jetzt Kampfschritte einzuleiten. An konkreten Beispielen haben wir die verräterische Politik der Gewerkschaftsführung entlarvt!

Dies haben die Bonzen zum Anlaß genommen, im Betrieb eine Hetzkampagne gegen die Kommunisten einzuleiten."
=Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8

27.01.1975:  Die KPD (vgl. 5.2.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf aus dieser Woche über die gegen sie gerichtete Kommunistenhetze der 'Bonzen':"
Große Unterstützung dazu leistete die DKP mit einem Flugblatt, in welchem sie schrieb:
'Ein Wort noch zu den Umtrieben der sich 'KPD' nennenden Maoisten: Deren Hetze gegen euren Betriebsrat und gegen die Gewerkschaft entlarvt sie als Agenten der CDU. Kommunisten und Gewerkschafter kennen keine Gemeinsamkeit mit solchen Schmierfinken.'"
=Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8

29.01.1975:  Die KPD (vgl. 5.2.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 27.1.1975, 30.1.1975) über die gegen sie gerichtete Kommunistenhetze:"
Ihren Höhepunkt fand diese Hetze am Mittwoch morgen. Nachdem unsere Genossen die Flugblätter an die Kollegen verteilt hatten, erschien ein Rollkommando von fünf Mann aus dem Betrieb, unter Führung des Betriebsratsvorsitzenden Ackermann, griff unsere Genossen an, riß ihnen die Flugblätter aus der Hand, sie warfen einen von uns zu Boden und traten mehrmals auf ihn ein. Von dieser Aktion hatte natürlich kein einziger Kollege etwas mitbekommen."

Bei Stübbe berichtet die KPD (vgl. 30.1.1975):"
ACKERMANN ÜBERFÄLLT MIT SCHLÄGERTRUPP FLUGBLATTVERTEILER DER KPD!

Gestern, am Mittwochmorgen um etwa 7 Uhr 15 überfiel ein von Betriebsratsvorsitzendem Ackermann angeführtes Rollkommando unsere Flugblattverteiler, riß ihnen die Flugblätter weg und griff sie sogar tätlich an.

Zuerst tauchte diese Horde von fünf Mann, die sich mit Kitteln als Arbeiter verkleidet hatten (wo doch jeder weiß, daß zumindest der freigestellte Ackermann keinen Handschlag mehr arbeitet) am Parkplatz auf und raubte die Flugblätter.. Ein blonder Kerl - auch Betriebsrat, wie uns Arbeiter sagten - würgte einen unserer Genossen von hinten, während Ackermann blind vor Wut diesem Genossen immer wieder die Flugblätter auf den Kopf haute.

Dort am Parkplatz versuchte Ackermann seinen Überfall noch damit zu rechtfertigen, daß wir auf dem Betriebsgelände seien.

Doch selbst dieser Vorwand ist lächerlich, denn kaum zwei Minuten später erschien das Rollkommando am Haupttor, riß auch den dortigen Verteilern die Flugblätter weg und schmiß sie auf die Straße.

Hier kamen sich die fünf 'feinen Herren' besonders 'mutig' vor, denn im Unterschied zum Parkplatz, wo zwei Jungen verteilten, war am Haupttor nur ein Junge und ein Mädchen. So konnten sie es 'wagen', den Verteiler zu Boden zu werfen und auf Kommando von jenem blonden Kerl ('Schlag zu! Schlag zu!') mit Fußtritten zu bearbeiten.

Als die anderen beiden Verteiler dort ankamen ließen sie davon ab.

Darauf gab Ackermann herumschreiend den Grund seiner Aktion zu: Unser Flugblatt gefalle ihm einfach nicht!

Es sei 'unobjektiv', 'total falsch' usw.

Um ganz sicher zu sein, riefen Ackermann und Co. dann noch vom Pförtnerhaus die Polizei an, worauf eine Streife vorbeikam und solange wartete, bis unsere Genossen wegfuhren."
=KPD-Sonderdruck Kalldorf 6,o.O. o.J. (30.1.1975),S.1
Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8

29.01.1975:  Die KPD, vermutlich ihr Büro Bielefeld, gibt heute bei der MM-Tochter Stübbe-Demag in Kalldorf ein Flugblatt, vermutlich als 'KPD-Sonderdruck Kalldorf 5' (vgl. 30.1.1975), heraus, welches uns leider noch nicht vorlag.
=KPD-Sonderdruck Kalldorf 6,o.O. o.J. (30.1.1975),S.1;
Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8


30.01.1975:  Die KPD, vermutlich ihr Büro Bielefeld, gibt heute ein Flugblatt von einer Seite DIN A4 unter Verantwortung von Thomas, Luczak, Dortmund als 'KPD-Sonderdruck Kalldorf 6' (vgl. 29.1.1975, 3.2.1975) heraus, in dem zunächst vom gestrigen Überfall auf die eigenen Verteiler berichtet und fortgefahren wird:"
Kollegen, jetzt ist es raus! Jetzt liegt es auf dem Tisch, was die IGM-Führung und Ackermann wollen. Derselbe Ackermann, der vor kurzem noch vom 'Streik als richtiges Mittel' sprach, schlägt heute diejenigen, die jetzt zur Organisierung des Streiks aufrufen.

Es geht Herrn Ackermann auch nicht um den Zeitpunkt des Streiks – denn darüber könnte man ja diskutieren - sondern Ackermann, der gehofft hatte, die Arbeiter durch radikale Worte einzuwickeln, will jetzt im wahrsten Sinne des Wortes die Diskussion über den Streik niederschlagen!

'Streik und Besetzung, das ist das einzige was noch hilft - wir müssen die Tore von innen zuschweißen bis Mannesmann klein bei gibt!' das ist es, was viele Kollegen wissen und uns gesagt haben und was Ackermann, Reichel und Loderer genauso fürchten, wie Mannesmann-Demag.

Wenn Herr Ackermann Streit sucht, kann er ihn haben. Wenn er aber noch Argumente hat, dann soll er heute Mittag vor das Tor kommen. Dort soll er einmal klipp und klar sagen, wie er meint, daß die Stillegung erfolgreich verhindert werden kann!

Wir werden das auch tun - dann wird sich zeigen, wer Recht hat!

KOLLEGEN! KOMMT ALLE UM 14 UHR 30 VOR DAS HAUPPTOR!"
=KPD-Sonderdruck Kalldorf 6,o.O. o.J. (30.1.1975);
Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8


30.01.1975:  Die KPD (vgl. 5.2.1975) berichtet von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 29.1.1975) über den gestrigen Überfall gegen sie:"
Wir schrieben daraufhin in unserem nächsten Flugblatt:
'Wenn Herr Ackermann Streit sucht, kann er ihn haben. Wenn er aber noch Argumente hat, soll er heute Mittag vor das Tor kommen.'

Ackermann kam natürlich nicht. Stattdessen erschien IGM-Bevollmächtigter Reichel. Mehrere Kollegen hatten sich vor dem Tor versammelt.

Das erste, was Reichel äußerte, war eine Aufforderung an die Polizei, uns in den Wagen zu stecken und wegzuschaffen. Das rief die erste Empörung bei den Kollegen hervor.

Auf unsere Frage, ob die IGM-Führung einen Streik der Arbeiter unterstützen würde, gab er keine Antwort (wie sollte er auch!) sondern schrie nur wild herum, wir sollten mal machen, daß wir wegkämen. Hinterher meinten dann auch einige Kollegen: 'Ich bin durch und durch Metaller, aber ich hätte von der IGM-Führung ja doch etwas anderes erwartet!'

Dies macht deutlich: Unsere Aufgabe wird auch weiterhin sein, immer wieder den Kollege aufzuzeigen, was diese Herren mit ihnen vorhaben und die Arbeiter nach wie vor darin zu bestärken, daß nur ein Streik die Stillegung verhindern kann."
=Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8

30.01.1975:  Die KPD (vgl. 3.2.1975) berichtet von Stübbe Demag Kalldorf über die heutige fristlose Kündigung von Friedel Brackmann.
=KPD-Sonderdruck Kalldorf 7,o.O. o.J. (3.2.1975),S.1

Februar 1975:  Im Detmolder Zylindergroßwerk von Mannesmann-Demag findet, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik' (SAP), Anfang Februar ein halbstündiger Solidaritätsstreik für die Kollegen des von Stillegung bedrohten MM Demag Werkes Kalldorf statt.
=Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.37,Bochum Apr. 1975

03.02.1975:  Die KPD, vermutlich ihr Büro Bielefeld, gibt heute das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Thomas, Luczak, Dortmund als 'KPD-Sonderdruck Kalldorf 7' (vgl. 30.1.1975, 5.3.1975) heraus:
POLITISCHER RAUSSCHMISS BEI STÜBBE!

Am letzten Donnerstag (vgl. 30.1.1975,d.Vf.) wurde der Kollege Friedel Brackmann, zuletzt Bote von Personalchef Langer, fristlos gekündigt. Der angebliche Grund: er kam nach der Mittagspause eine Stunde zu spät in den Betrieb. Das ist eine wirkliche Provokation aller Stübbe-Kollegen, daß der Kollege Friedel B., der fast auf den Tag genau 13 Jahre bei Stübbe gearbeitet hat, mit einer dermaßen fadenscheinigen Begründung (ein einziges Mal zu spät gekommen) entlassen werden soll. Der wahre Grund für die Entlassung ist auch ein ganz anderer:

Friedel Brackmann gehört zu denen im Werk, die sich nicht durch die ewige Verhandelei abwiegeln und zur Untätigkeit verurteilen lassen wollen, die JETZT kämpfen wollen und nicht erst, wie Ackermann am 17.1. im Dannhäuser sagte 'wenn die Aufträge erledigt sind'. Er glaubt auch nicht, daß SPD-, CDU- oder FDP-Parlamentarier trotz ihres Geredes etwas gegen die Stillegung tun können oder auch nur wollen. Das hat offensichtlich Personalchef Langer mitbekommen und den Vorwand des Zu-Spät-Kommens genutzt, um ihn loszuwerden.

Doch soweit darf es nicht kommen! Dieser Rausschmiß trifft Euch alle. Er soll Euch durch Einschüchterung von Kampfmaßnahmen gegen die Stillegung abhalten. Dieser Rausschmiß und ähnliche, die vielleicht noch kommen werden, sind Bestandteil der Stillegung, weil sie Euch ruhig halten sollen.

Darum:

Beschließt Kampfmaßnahmen gegen Friedel Brackmanns Rausschmiß! Der Betriebsrat darf der Entlassung Friedel B.'s auf keinen Fall zustimmen!

KEINER DARF ENTLASSEN WERDEN - SOLIDARITÄT HILFT SIEGEN!

Der Rausschmiß von Friedel Brackmann zeigt deutlich, daß der Konzern ganz schön Angst vor selbständigen Kampfmaßnahmen der Kollegen hat, sonst brauchte er nicht zu solchen Einschüchterungsmaßnahmen zu greifen.

Bevor es jedoch zu größeren Kampfmaßnahmen kommt, die den Konzern wirklich empfindlich genug treffen, müssen noch eine Reihe Fragen geklärt werden:
- Ist damit zu rechnen, daß das Werk ohne den Kampf der Kollegen bestehen bleibt?
- Würde eine Werksbesetzung den Konzern empfindlich genug treffen?
- Würde man sich durch eine Werksbesetzung isolieren oder würde die Bevölkerung den Kampf unterstützen und wenn ja, wie?
- Würde die IGM-Führung eine Werksbesetzung unterstützen, reichen ihre Gelder für einen langen Kampf aus?
- Welche Erfahrungen sind bei selbständigen Streiks bei Ford/Köln, Philips/Aachen oder Hella/Lippstadt gemacht worden, die ohne gewerkschaftliche Unterstützung im Sommer 1973 stattfanden und wo zumindest wichtige Teilforderungen durchgesetzt wurden - warum weigerte sich die Gewerkschaftsführung, diese Streiks und Werksbesetzungen zu unterstützen?
- Könnte die Mitbestimmung die Stillegung verhindern - wie sieht es z.B. in der Montanindustrie aus, hat die voll paritätische Mitbestimmung dort Stillegungen und Entlassungen verhindern können?
- Was meint die KPD, wenn sie sagt: 'gegen Monopoldiktatur – für Volksdemokratie - die Arbeiterklasse an die Macht' - warum die DDR KEIN sozialistischer Staat ist?

Alle diese Fragen sollen heute auf der Veranstaltung geklärt werden! Außerdem spricht ein KPD-Kommunalwahlkandidat. Was er zu sagen hat und wie sich seine Rede von den Wahlversprechungen der SPD, FDP, DKP oder CDU unterscheidet, die uns zu den Wahlen Honig ums Maul schmieren wollen, solltet Ihr am besten selbst feststellen.

KOMMT ALLE ZUR VERANSTALTUNG!"

In einem Kasten wird angekündigt:"
VERANSTALTUNG DER KPD: WIE KANN ERFOLGREICH GEKÄMPFT WERDEN?

Es werden da sein: Reinhardt Beulakker, Kommunalwahlkandidat der KPD für Lemgo - Norbert Zöller, der Kollege vom Anker-Werk Bielefeld, der schon auf der Gewerkschaftsversammlung am 17.1. sprach - Friedel Brackmann

HEUTE, 3.2. - 17 UHR - DANNHÄUSER"
=KPD-Sonderdruck Kalldorf 7,o.O. o.J. (3.2.1975)

05.02.1975:  Die KPD (vgl. 19.2.1975) berichtet:"
KORRESPONDENZ EINES WAHLKANDIDATEN AUS BIELEFELD

Am Mittwoch, 5.2., fand in Bielefeld eine Handwerkerversammlung der IG Metall statt. Etwa 40 Kollegen waren gekommen.
...
Am Schluß der Sitzung las ich die Solidaritätsadresse für die Stübbe-Kollegen (in Kalldorf,d.Vf.) vor. Heinz Schmidt versuchte zunächst abzuwiegeln. (Die Stillegung kann sowieso nicht verhindert werden.)

Später erklärten die Bonzen, sie würden im Handwerksausschuß die Resolution überarbeiten und dem Betriebsrat von Stübbe-Demag zuleiten. Damit beendeten sie die Versammlung."
=Rote Fahne Nr.7,Dortmund 19.2.1975,S.9

12.02.1975:  In der Nr.6 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 5.2.1975, 19.2.1975) berichtet die KPD u.a. über Stübbe-Demag Kalldorf.
=Rote Fahne Nr.6,Dortmund 12.2.1975

17.02.1975:  Die KPD (vgl. 26.2.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche von der MM-Tochter Stübbe-Demag Kalldorf:"
KALLETAL: GEWERKSCHAFTSFÜHRER - EINPEITSCHER DER DEMAG-INTERESSEN

Anfang Januar, als die Stübbe-Arbeiter erfuhren, daß die DEMAG-Kapitalisten das Werk stillegen wollen, antworteten sie mit Streik (vgl. 9.1.1975,d.Vf.). Die zentrale Kampfparole 'Streik und Besetzung' wurde von den Kollegen ausgegeben. Heute, nach fast zwei Monaten, spricht kaum noch ein Kollege davon. Viele sind der Meinung, daß man angesichts der Tatsache, daß die DEMAG-Kapitalisten auf allen Verhandlungen ihren Standpunkt, das Werk zu schließen, bekräftigt haben, nichts mehr gegen die Stillegung unternehmen könne. Gegen einen Mammutkonzern wie Mannesmann könnten 650 Stübbe-Arbeiter nichts ausrichten. Andere Kollegen vertreten die Auffassung, daß man schon etwas machen müsse, aber noch nichts, solange noch die Möglichkeit besteht, eventuell durch weitere Verhandlungen die Stillegung zu verhindern. Wieder andere schweigen sich aus, wenn die Frage gestellt wird, welche Kampfschritte beschlossen werden sollen. Die entschlossene Kampfbereitschaft der Stübbe-Arbeiter hat sich nicht in Kampfaktionen umgesetzt. Warum?

SPD-GEWERKSCHAFTSBONZEN - EINPEITSCHER DER DEMAG-INTERESSEN

Die alleinige Schuld an dieser Entwicklung tragen die Arbeiterverräter der Gewerkschaftsführung, wie der Betriebsratsvorsitzende Ackermann, der IGM-Bevollmächtigte Reichel und andere. Diese Leute haben es fertig gebracht, den Glauben der Arbeiter an einen Sieg im Kampf gegen Mannesmann/Demag immer weiter auszubauen. Als die Kampfentschlossenheit ihren Höhepunkt erreicht hatte, als Kollegen aus anderen Mannesmann-Werken den Stübbe Kollegen auf der IGM-Versammlung in Kalldorf Mitte Januar (vgl. 17.1.1975,d.Vf.) noch einmal eindringlich die Notwendigkeit, sofort zu streiken und das Werk zu besetzen, klarmachten, und als sie durch in anderen Werken gesammelte Unterschriften und Streikgelder die Solidarität der Kollegen in Düsseldorf und Duisburg zeigten, da war es Ackermann, der sagte, man könne nicht streiken, wenn noch Aufträge da sind. Ja mehr noch, er brach die Versammlung ab und verhinderte damit, daß die Kollegen über die Besetzung und andere Kampfschritte berieten und klare Beschlüße faßten, wie der Kampf weiter zu führen sei. Ackermann wiegelte ab: 'Erst mal die Verhandlungen abwarten', er wußte genau – weitere Kampfschritte hätten die Geschlossenheit der Kollegen gefördert. Als über eine Woche später (vgl. 22.1.1975,d.Vf.) in einem Nachbarort Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat und Mannesmann liefen, marschierten die Kollegen gegen den Willen Ackermanns unter der Führung einiger Kollegen, einem Betriebsrat und dem Vertrauensleutekörpervorsitzenden dorthin, nachdem die KPD dazu aufgerufen hatte. Aber die Kampfbereitschaft der Kollegen war schon so weit gesunken, daß die Kollegen den Verrat Ackermanns nicht so deutlich sahen, wie es notwendig gewesen wäre, um sich von seiner Führung zu lösen. Zumal auch, weil Ackermann sich den Anschein gab, er würde dauernd hart mit den Kapitalisten und Parlamentariern verhandeln.

Nicht ohne Erfolg versuchte er, die Kollegen für die Illusion zu gewinnen, daß der bürgerliche Staat für sie Partei ergreifen würde. Einen Monat später hatte die Gewerkschaftsführung durch ihre permanente Hinhaltetaktik die Kollegen soweit entmutigt, daß sie die Einberufung einer Belegschaftsversammlung wagen konnte. Natürlich wurden auch hier keine Beschlüße gefaßt, nicht einmal über die von Ackermann selbstangekündigte Protestfahrt nach Düsseldorf. Als neuesten Schritt hat die Gewerkschaftsführung veranlaßt, daß das NDR und PANORAMA einen 'Schicksalsfilm' über Stübbe dreht. Ackermann fordert die Kollegen dazu auf, durch Schilderungen ihrer elenden Lage nach der Stillegung an das Mitleid des Kapitals zu appellieren. (Während der Kampfaktionen hätte er vergeblich nach einem Filmteam gerufen!)

DIE DKP - FEST AN DER SEITE DER GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG

'Fest auf dem Boden des Grundgesetzes (GG,d.Vf.) stehend' appellieren die DKP-Revisionisten an den Staat, Artikel 14 (Eigentum verpflichtet) gegenüber den DEMAG-Kapitalisten durchzusetzen. Gleichzeitig stärken sie den Gewerkschaftsführern vom Schlage Reichel den Rücken, indem sie den Kollegen weis machen, daß die 'Gewerkschaft als Interessenvertreter der Arbeiter alleine noch in der Lage sei, etwas für die Kollegen zu erreichen.' Die DKP bindet so die Arbeiter an das sozialdemokratische Konzept des Stillhaltens in der Krise und des blinden Vertrauens auf die Gewerkschaftsführung. Deshalb ist es auch nur konsequent aus der Sicht der Revisionisten, gegen uns, die wir den selbständigen Kampf der Arbeiter gegen und ohne die Gewerkschaftsführung propagieren, mit Hetze und mit Prügeleien vorzugehen - allerdings ohne Erfolg.

DIE NÄCHSTEN AUFGABEN

Wir sind nach wie vor der Meinung, daß die Stübbe-Arbeiter mit Streik und Besetzung des Werkes die Stillegung verhindern können. Deshalb besteht unsere Aufgabe darin, systematisch den Verrat der Gewerkschaftführung aufzuzeigen. Gleichzeitig werden wir durch die Propagierung erfolgreicher Besetzungen den Mut der Kollegen in ihre eigene Kraft stärken! Die Wahl von Arbeiterdelegationen, die auf Belegschaftsversammlungen bei Mannesmann Huckingen (in Duisburg,d.Vf.) und DEMAG auftreten, ist ein gutes Mittel, die Solidaritätsfront innerhalb des Mannesmann-Konzerns weiter zu entwickeln!

Besonders jetzt während der Wahlkampagne werden wir den Kollegen von Stübbe zeigen, daß es in diesem System keine Alternative gibt, daß es gilt, für den Sozialismus, die Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen."
=Rote Fahne Nr.8,Köln 26.2.1975,S.9

19.02.1975:  Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.7 (vgl. 12.2.1975, 26.2.1975) heraus und berichtet u.a. von Demag Kalletal (IGM-Bereich).
=Rote Fahne Nr.7,Köln 19.2.1975

20.02.1975:  Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.7 (vgl. 13.2.1975, 27.2.1975) heraus und berichtet u.a. aus Kalletal von Stübbe-Demag.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.7,Mannheim 20.2.1975

03.03.1975:  Die KPD (vgl. 5.3.1975) berichtet, daß heute auch im Werk Vlotho der Mannesmann (MM) Tochter Stübbe-Demag gestreikt wird, ebenso wie in Kalldorf (vgl. dort).
=Rote Fahne Nr.9,Köln 5.3.1975,S.5

03.03.1975:  Die KPD (vgl. 5.3.1975) berichtet von der Mannesmann (MM) Tochter Stübbe-Demag (vgl. 4.3.1975):"
STREIK BEI STÜBBE-DEMAG

Kalletal/Kalldorf. Montag früh traten die Stübbe-Arbeiter in Kalldorf und Vlotho wieder in den Streik gegen den Mannesmann-Demag-Konzern. Personalchef Langer muß weg!

Langer hatte sich wie ein Pascha im Betrieb aufgeführt und z.B. Kollegen, die an den Protestaktionen gegen die bevorstehenden Stillegungen teilnahmen, mit fristloser Kündigung gedroht.

Bis Mittag wurde zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung verhandelt, während die Kollegen vor dem Tor versammelt waren. Als die Geschäftsleitung nicht bereit war, Langer fallen zu lassen, traten die Kollegen in den unbefristeten Streik. Massenstreikposten von ca. 40 bis 50 Kollegen wurden organisiert, um rund um die Uhr das Werk zu bewachen. Die Streikposten sahen sich im Freien den Film über den erfolgreichen Kampf gegen die Stillegung der Enka-Glanzstoffwerke in Breda (Niederlande,d.Vf.) und Wuppertal (CPK-Bereich - vgl. 17.9.1972,d.Vf.) an, die durch eine zehntägige Besetzung der beiden Werke verhindert werden konnte.

Und vielen wurde noch deutlicher, daß, wie es auch die KPD seit einem Monat propagiert, eine Besetzung, ob sie legal ist oder nicht, auch das entscheidende Kampfmittel gegen die von Mannesmann-Demag geplante Stillegung des Kalldorfer Werkes ist."

Laut KBW (vgl. 6.3.1975) wird das Stübbe-Werk Kalletal heute besetzt.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.9,Mannheim 6.3.1975;
Rote Fahne Nr.9,Köln 5.3.1975,S.5


04.03.1975:  Die KPD (vgl. 5.3.1975) berichtet von der Mannesmann (MM) Tochter Stübbe-Demag (vgl. 3.3.1975) aus dem Werk Kalldorf plus evtl. auch aus dem Werk Vlotho:"
Am Dienstag wurde der Streik fortgesetzt, obwohl die Geschäftsleitung mit fristloser Entlassung aller Beschäftigten drohte. Die Forderungen: Weg mit Personalchaf Langer! Keine Stillegung von Stübbe!"
=Rote Fahne Nr.9,Köln 5.3.1975,S.5

05.03.1975:  Die KPD, vermutlich das Büro Bielefeld, gibt vermutlich heute oder morgen bei der MM-Tochter Stübbe-Demag einen 'KPD-Sonderdruck Kalldorf' (vgl. 3.2.1975, 7.4.1975) als Spiritcarbonabzug von einer Seite DIN A4 unter Verantwortung von Thomas Luczak, Dortmund, heraus:"
LANGER IN DIE SCHRANKEN GEWIESEN!

Dem Personalchaf Langer mußte der Mund gestopft werden!

Er wird aber weiter Personalchef sein und Verhandlungen führen. Aber er darf Kollegen nicht mehr mit Entlassungen drohen, die gegen die Stillegung kämpfen wollen.

Warum hat dieser Kampf so schnell zu einem Teilerfolg geführt?

Weil Ihr hiermit deutlich gezeigt habt, daß Ihr mit der Besetzung Druck auf die Kapitalisten ausüben könnt, dies aber auch nur durch den festen Zusammenhalt. Und weil nicht nur verhandelt wurde, sondern auch gekämpft wurde. Sie mußten Euch nachgeben, weil sie nicht länger Profitausfall haben wollten. Solange man ein Druckmittel in der Hand hat, wird man auch gegen den Willen der Demag-Mannesmann-Kapitalisten seine Ziele durchsetzen können.

Euer Kampf hat klar gemacht: man erreicht einen Erfolg schneller durch einen aktiven Kampf (Besetzung), als durch schleppende Verhandlungen mit dem Demag-Konzern. Der zweitägige Kampf gegen den Reaktionär Langer hat Euch schneller zu einem Sieg geführt, als die langandauernden Verhandlungen mit den Demag-Kapitalisten.

Wie soll es weitergehen, werden einige Kollegen fragen.

Wir meinen, daß der Kampf, so wie er gegen Langer geführt wurde, d.h. Besetzung des Werkes und Stillegung der Produktion, der EINZIGE Weg sein wird, der zum Erfolg führt. Die schwache Stelle der Mannesmann-Demag-Kapitalisten sind die Maschinen. Sie haben im Augenblick noch ein Interesse daran, daß in Kalletal produziert wird. Deshalb ist das Druckmittel gegenüber den Demag-Mannesmann-Kapitalisten, NICHT zu produzieren. Hat der Demag-Konzern aber kein Interesse mehr an der Produktion, d.h. alle Aufträge sind erledigt, so habt Ihr auch kein Druckmittel mehr in der Hand. Dann ist es Mannesmann egal, wenn gestreikt wird.

Deshalb ist es das einzige Druckmittel, dann zu streiken, das Werk zu besetzen, wenn noch Aufträge da sind, wenn Mannesmann verdienen will und es ist falsch zu sagen, 'Wir müssen noch solange arbeiten, wie Aufträge da sind, weil das die Arbeitsplätze sichere und bessere Bedingungen für Verhandlungen schaffe, wie es gestern von dem IGM-Vertreter nach den Verhandlungen gesagt wurde.

Da kann es doch nur heißen, daß sich JETZT alle Kollegen, Vertrauensleute und Betriebsräte, die wirklich gegen die Stillegung kämpfen wollen zusammenschließen, den Streik und die Besetzung vorbereiten und durchführen.

Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!"
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Langer in die Schranken gewiesen!,o.O. o.J. (1975)

13.03.1975:  Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.10 (vgl. 6.3.1975, 20.3.1975) heraus. U.a. wird berichtet durch die OAG Bielefeld von Stübbe Kalletal (IGM-Bereich).
=Kommunistische Volkszeitung Nr.1O,Mannheim 13.3.1975

14.03.1975:  Die KPD bei Stübbe-Demag Kalldorf (IGM-Bereich - vgl. 24.3.1975) berichtet vermutlich von heute über den Besuch von Stübbe-Demag Kollegen bei Seibel Erwitte.
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Am Montag, den 14.4. um 13 Uhr findet eine Betriebsversammlung bei der Demag-AG, Werk Benrath in Düsseldorf statt!,O.o. o.J. (März 1975),S.1f

16.03.1975:  Die KPD (vgl. 19.3.1975) berichtet mit Hilfe der:"
KORRESPONDENZ EINES KOMMUNISTISCHEN GEWERKSCHAFTSDELEGIERTEN

Am 16.3. fand in Bielefeld die jährliche Kreisjugendkonferenz des DGB statt. Eingeladen waren ca. 50 Delegierte aus Ostwestfalen-Lippe. ...
Am Schluß wurde von den Kollegen einstimmig beschlossen, daß das Fahrgeld für die Kreisdelegierten (über 250 DM) den Stübbe-DEMAG-Arbeitern (IGM-Bereich in Kalldorf,d.Vf.) gespendet wird."
=Rote Fahne Nr.11,Köln 19.3.1975,S.4

17.03.1975:  Die KPD bei Stübbe-Demag Kalldorf (IGM-Bereich - vgl. 24.3.1975) berichtet von Seibel Erwitte über die vermutlich in dieser Woche erscheinende 'Streikstimme' Nr.1 (vgl. **.*.1975) bzw. den Besuch von Stübbe-Kollegen bei Seibel (vgl. 14.3.1975):"
Wie wichtig Euer Besuch für die Kollegen in Erwitte war, schreiben sie in ihrer Informationsschrift 'STREIKSTIMME Nr.1', 'Die Besetzer von Seibel und Söhne informieren':

'Wir haben uns besonders über den Besuch einiger Kollegen aus dem Demag-Werk in Kalletal (Mannesmann-Konzern) gefreut, die uns am Freitag im Auftrag der Belegschaft besucht haben. Diese Belegschaft befindet sich in einer ähnlichen Situation. Auch dort herrscht eine industrielle Monostruktur, und die Belegschaft sah sich gezwungen, gegen geplante Massenentlassung vom Streikrecht Gebrauch zu machen und vorübergehend ihr Werk zu besetzen. Auch dort hätten die Entlassungen zu einer Dauer- und Massenarbeitslosigkeit geführt. Ihr Kampf ist noch ebenso wenig entschieden wie unserer. Wir haben deshalb diesen Besuch zu einem wichtigen Erfahrungsaustausch genutzt.'"
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Am Montag, den 14.4. um 13 Uhr findet eine Betriebsversammlung bei der Demag-AG, Werk Benrath in Düsseldorf statt!,O.o. o.J. (März 1975),S.2

17.03.1975:  Die KPD, vermutlich ihr Parteibüro Bielefeld, gibt vermutlich in dieser Woche das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Thomas Luczak, Dortmund, als 'KPD-Sonderdruck Kalldorf' (vgl. 3.2.1975, 24.3.1975) heraus:"
STILLEGUNG IN KALLDORF - 200 ENTLASSUNGEN IN NÜRNBERG - DAMIT DIE PROFITE VON MANNESMANN STIMMEN!

Das ist das Konzept des Mannesmann-Demag-Kapitals zur 'Sanierung' der Profite im Demag-Kunststofftechnik-Bereich (DKT):

1975: Umsatz 110 Mio. DM - 2 000 Beschäftigte
1976: Umsatz 110 Mio. DM - 1 200 Beschäftigte

Das bedeutet: die verbleibenden 1 200 Kollegen in Jünkerath (Eifel) und Nürnberg sollen für die entlassenen 800 Kalldorfer und Nürnberger Kollegen mitschuften. Der Lohn für 800 Arbeiter bleibt in der Kasse des Konzerns, ihre Arbeit wird trotzdem gemacht. Durch verschärfte Arbeitshetze in den beiden anderen Werken soll der Pro-Kopf-Umsatz dort um 61% (!) von 56 000 DM auf 90 000 DM gesteigert werden. (Alle Zahlenangaben nach: 'Neue Westfälische' vom 19.2.1975)

Dieser neue scharfe Angriff des Mannesmann-Demag-Kapitals auf die Lebenslage aller Beschäftigten im DKT-Bereich ist Bestandteil eines langfristigen Profitsanierungsplans:

Im Boomjahr 1969 kaufte Demag das Stübbe-Werk in Kalldorf, um seine Monopolstellung auf dem Kunststofftechnik-Bereich auszubauen. Damals schwamm Demag förmlich in Aufträgen und so wurden noch 6 Mio. DM in die Erweiterung des Kalldorfer Werkes gesteckt. Aber spätestens im Rezessionsjahr 1970 wurde von Demag ein Plan aufgestellt, nach dem die Produktion konzentriert wurde, hunderte Arbeiter 'wegrationalisiert' und der Rest zu verschärfter Mehrarbeit angetrieben wurde:
1970: Einstellung der Produktion in Duisburg (vgl. 1970,d.Vf.)
1972: 600 Entlassungen im Werk Kalldorf (vgl. 1972,d.Vf.)
1973: Einstellung der Produktion in Darmstadt (vgl. 1973,d.Vf.)

Der Umsatz wurde insgesamt bis 1974 immer weiter gesteigert. So hißt es im Geschäftsbericht für das Jahr 1973 von MM-Demag über den DKT-Bereich: 'Im In- und Ausland gelang es, die führende Marktposition weiter auszubauen... der Umsatz konnte 1973 um etwa 10% auf 160 Mio. DM gesteigert werden.' (S.32)

Und jetzt in der Krise wird der Profitsanierungsplan mit besonderer Schärfe vorangetrieben. Die bürgerlichen Parteien, egal, ob SPD, FDP, CDU oder DKP wollen uns nun einreden, daß die Arbeitsplätze dann wieder sicherer werden, wenn die Gewinne stimmen. In Wirklichkeit wird jedoch gerade stillgelegt und entlassen, DAMIT die Gewinne steigen, auch dann, wenn genug Aufträge da sind. Auch der Mutterkonzern von Stübbe - Mannesmann (MM) - hat schon mehrfach bewiesen, daß Rationalisierung zur 'Rentabilitätssteigerung' sich immer gegen die Kollegen richtet.

Beispiel: MANNESMANN-RÖHRENWERKE (MRW), mit 40% des Gesamtumsatzes größter Konzern-Bereich:

Anfang 1970 (vgl. Jan. 1970,d.Vf.) fusionierten MRW und Thyssenröhren zum größten Röhrenhersteller der Welt und bekamen z.B. die profitablen Großröhrenaufträge des Röhren-Erdgas-Geschäfts mit der Sowjetunion (SU,d.Vf.).

Dieser Zusammenschluß diente vor allem dazu, das nötige Kapital für einen umfassenden Profitsanierungsplan auf die Beine zu stellen:

Aus 15 Röhrenwerken wurden drei Röhrenwerke und fünf 'Produktgruppen'. Durch Produktionseintellungen in einer Reihe von Werken wie Witten (vgl. 30.6.1972,d.Vf.) oder Duisburg-Großenbaum (vgl. 31.12.1971,d.Vf.) wurden über 3 000 Arbeiter 'freigesetzt'. Gleichzeitig wurde das Werk Mülheim zur größten Röhrenproduktionsstätte der Welt ausgebaut und Anlagen errichtet, die Tausende von Arbeitern einsparen.

Die neuerrichtete Rohrkontistraße II (ununterbrochen laufende Rohrfertigungsstraße) hat über die Hälfte weniger Arbeiter als die ältere Rohrkontistraße I, läuft jedoch mit doppelter Geschwindigkeit. Trotz Stillegungen stieg die Produktion von 1970 bis 1973 um 500 000 t Röhren (18% Steigerung).

Gleichzeitig wurden die Investitionen im Ausland, vor allem in Brasilien und der Türkei wesentlich vergrößert. Beides sind faschistische Länder, in denen der Kampf der Arbeiterklasse blutig unterdrückt wird, in denen die Arbeiter für 40 - 50 Pfg. in der Stunde schuften müssen. Allein in Brasilien hat MM Produktionsanlagen, hauptsächlich Röhrenwerke, mit einem Grundkapital von 150 Mio. DM und einem Umsatz von rund 500 Mio. DM pro Jahr.

Kollegen, man sieht:
Überall, wo das Kapital und der Profit herrschen, sieht es so aus:
Die Profite werden benützt, um Produktionsanlagen zu errichten, die hunderte, tausende von Arbeitern überflüssig machen. Hierdurch wird nicht die Arbeit erleichtert und die Arbeitszeit verkürzt, wie es das Interesse des Arbeiters ist. Stattdessen wird ein Teil der Arbeiter auf die Straße geworfen, und der andere Teil zu verschärfter Mehrarbeit angetrieben. Wenn das Kapital aus ihnen genug Profit herausgeholt hat, kann es hiermit Investitionen durchführen, die noch weitere Arbeiter überflüssig machen und wieder neue Arbeiter auf die Straße setzen.

Darum sagt die KPD:
Die Herrschaft des Kapitals, des Profits muß gestürzt werden, die Arbeiterklasse muß das Kommando in den Fabriken und im Staat übernehmen und den Sozialismus errichten:
dann werden die Arbeiter die Produktion so planen und durchführen, daß sie wirklich der Erleichterung des menschlichen Lebens dient und nicht zur Arbeitslosigkeit und verschärften Ausbeutung um des Profits willen führt.

Und das bedeutet jetzt sofort, sich nicht an die Erhöhung der 'Rentabilität' und der Profite zu binden, wie manche Gewerkschaftsführer es wollen, sondern den scharfen Kampf gegen alle Versuche des Kapitals zu führen, 'Rentabilität' und Profite auf Kosten der Arbeiter zu erhöhen. Ihre entscheidende Waffe hierbei ist der Streik, denn er bedeutet, was das Kapital am meisten fürchtet: Senkung seiner Profite!

Und beim Streik gilt es, nicht lange zu zögern, sondern so früh wie möglich anzufangen und den Angriffen des Kapitals mit dem Kampf der Arbeiter entgegenzutreten.

DIE KOLLEGEN DES SEIBEL-ZEMENTWERKS (CPK-Bereich,d.Vf.) IN ERWITTE (MÜNSTERLAND) GEBEN DAS BEISPIEL!

Als der Kapitalist Seibel dort die Entlassung von 86 der 160 Kollegen bekanntgab, traten die Arbeiter am vorletzten Montag (vgl. 10.3.1975,d.Vf.) sofort in den Streik, besetzten das Werk und verbarrikadierten es mit Lastwagen. Sie streiken jetzt immer noch und haben sich auf einen langen Kampf eingerichtet.

Stübbe-Kollegen! SCHLIESST EUCH MIT DEN ERWITTER KOLLEGEN IM KAMPF GEGEN ENTLASSUNG UND RATIONALISIERUNG ZUSAMMEN!
LADET DIE ERWITTER KOLLEGEN AUF EURE BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG EIN!
SCHICKT SELBER DELEGATIONEN AUS DEM WERK NACH ERWITTE!

ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN DEIN STARKER ARM ES WILL!"
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Stillegung in Kalldorf - 200 Entlassungen in Nürnberg - damit die Profite von Mannesmann stimmen!,o.O. o.J. (1975)

19.03.1975:  Die KPD bei Stübbe-Demag Kalldorf (IGM-Bereich - vgl. 24.3.1975) berichtet:"
Folgende Resolution wurde am letzten Mittwoch in Köln auf einer Solidaritätsveranstaltung der KPD und der Roten Hilfe (RH e.V.,d.Vf.) mit angeklagten FORD-Arbeitern einstimmig von ca. 80 Kollegen verabschiedet:
'An die Arbeiter des Zementwerkes Seibel und Söhne (CPK-Bereich in Erwitte,d.Vf.) und an die Arbeiter des Stübbe-Werkes in Kalldorf:

Wir, anwesende Arbeiter, Angestellte und Studenten auf einer Solidaritätsveranstaltung der KPD und der Roten Hilfe mit angeklagten Ford-Arbeitern, die morgen wegen ihrer Teilnahme am Ford-Streik vor Gericht gestellt werden, übersenden Euch unsere herzlichsten Kampfesgrüße. Mit Begeisterung haben wir von Eurem mutigen Kampf gegen den Seibel-Kapitalisten und die Demag-Mannesmann-Kapitalisten erfahren. Ihr macht es richtig: gegen Massenentlassungen und Stillegungen hilft nur der Kampf der Arbeiter, Streik, Werksbesetzung. 'In der Krise kämpfen' muß unser Motto sein! Mit 'Stillhalten', wie es von der Regierung gefordert wird, ist nur den Kapitalisten gedient, denn umso rücksichtsloser werden sie sich dann auf Kosten der Arbeiter gesundstoßen.

Die vier türkischen und ein deutscher Arbeiter, die morgen vor Gericht gestellt werden, haben im Ford-Streik 1973 (vgl. 24.8.1973,d.Vf.) gegen die Entlassung von 300 Kollegen, für höheren Lohn und niedrigere Bandgeschwindigkeiten gestreikt. Bei Ford versagte die Gewerkschaftsführung jede Unterstützung, indem sie den Streik als illegal bezeichnete. Sie ging zusammen mit der Polizei gegen die Streikenden vor, deren Opfer jetzt wegen angeblichen 'Widerstands' und 'Körperverletzung' vor Gericht gezerrt werden. Doch die Kollegen haben sich nicht beirren lassen, sondern haben durch die Wahl einer Streikleitung und durch die Besetzung des Werkes den Kampf in die eigene Hand genommen. Und sie werden morgen vor Gericht noch einmal deutlich machen, daß der Streik seine volle Berechtigung hatte.

Kollegen in Erwitte und Kalldorf: Kämpft mutig weiter für Eure gerechten Forderungen! Wir stehen hinter Euch!

SOLIDARITÄT HILFT SIEGEN!'"
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Am Montag, den 14.4. um 13 Uhr findet eine Betriebsversammlung bei der Demag-AG, Werk Benrath in Düsseldorf statt!,O.o. o.J. (März 1975),S.2

24.03.1975:  Die KPD (vgl. 26.3.1975) berichtet aus Bielefeld von Kochs Adler (vgl. 21.3.1975):"
Der Streik wurde am Montag morgen abgebrochen, nachdem ein Mitglied der IG Metall Ortsverwaltung ins Werk gekommen war und den Kollegen massiv gedroht hatte. Der Streik sei gesetzeswidrig, außerdem würde die IG Metall ja verhandeln.

Die Kollegen ließen sich vorläufig einschüchtern und brachen den Streik ab.

Jetzt gilt es, die Kämpfe der Arbeiter in Kalldorf und in Erwitte als leuchtendes Beispiel dafür zu propagieren, daß es richtig ist, was unsere Partei sagt: Auch in der Krise kämpfen! Gegen Krisenwirtschaft und politische Unterdrückung! Für die Herrschaft der Arbeiterklasse!"
=Rote Fahne Nr.12,Köln 26.3.1975,S.6

24.03.1975:  Die KPD, vermutlich ihr Parteibüro Bielefeld, gibt vermutlich in dieser Woche das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Thomas Luczak, Dortmund, als 'KPD-Sonderdruck Kalldorf' (vgl. 17.3.1975) heraus:"
AM MONTAG, DEN 14.4. UM 13 UHR FINDET EINE BETRIEBSVERSAMMLUNG BEI DER DEMAG-AG, WERK BENRATH IN DÜSSELDORF STATT!

JETZT DEN PROTESTMARSCH NACH DÜSSELDORF ORGANISIEREN!

Daß die Mannesmann-Arbeiter solidarisch hinter dem Kampf der Stübbe-Arbeiter stehen, hat sich schon vor einigen Monaten (vgl. 17.1.1975,d.Vf.) auf einer öffentlichen IGM-Veranstaltung in Kalldorf gezeigt.

Dort konnte ein Jugendvertreter von Mannesmann-Düsseldorf den Arbeitern von Stübbe-DEMAG zur Unterstützung ihres Kampfes 80 DM überreichen, die er kurzfristig unter seinen Kollegen gesammelt hatte.

Jetzt findet in Düsseldorf eine Belegschaftsversammlung statt, auf der sich die gute Gelegenheit bietet, diese Solidaritätsfront zu verstärken, indem Ihr dort von Eurem Kampf berichtet.

Die Genossen der KPD werden die Kollegen in Düsseldorf auffordern, aktiv dafür einzutreten, daß ihr auf dieser Betriebsversammlung sprechen könnt.

Nur im gemeinsamen Kampf gegen den Mammut-Konzern ist es möglich, Erfolge zu erzielen. So gilt es z.B. den Kampf, den die Kollegen in Düsseldorf gegen Auslandsverlagerungen führen, mit Eurem Kampf gegen die Stillegung zu verbinden!

Genauso wie Ihr Eure Solidarität mit den Kollegen in Erwitte (Seibel - CPK-Bereich,d.Vf.) durch Euren Besuch (vgl. 14.3.1975,d.Vf.) bewiesen habt, genauso muß auch die Solidarität aus anderen Betrieben mit Eurem Kampf organisiert werden.

Seit langem hattet Ihr schon einen Protestmarsch nach Düsseldorf geplant. Jetzt ist die beste Gelegenheit, diesen Plan wahrzumachen und an der Betriebsversammlung in Düsseldorf teilzunehmen!

FAHRT AM MONTAG, DEN 14.4. ZUR BELEGSCHAFTSVERSAMMLUNG ZUR DEMAG-AG NACH DÜSSELDORF!"

Auf der Rückseite wird berichtet von einer Kölner Veranstaltung (vgl. 19.3.1975) zum Ford-Prozeß (IGM-Bereich - vgl. 20.3.1975) sowie zitiert aus der 'Streikstimme' bei Seibel Erwitte (CPK-Bereich - vgl. 17.3.1975).
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Am Montag, den 14.4. um 13 Uhr findet eine
Betriebsversammlung bei der Demag-AG, Werk Benrath in Düsseldorf statt!,O.o. o.J. (März 1975)

April 1975:  Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr.46 (vgl. März 1975, Mai 1975) heraus und berichtet u.a. von Demag Kalletal.
=Klassenkampf Nr.46,Frankfurt Apr. 1975

01.04.1975:  Das der KPD nahestehende Arbeitslosenkomitee (ALK) Dortmund gibt vermutlich heute das folgende Flugblatt heraus:"
ARBEITSLOSENKOMITEE DORTMUND!
...
Aber immer mehr Arbeiter stehen der Krise nicht mehr tatenlos entgegen, sondern kämpfen in der Krise, so wie die Arbeiter von Erwitte (Seibel - CPK-Bereich,d.vf.) und Kalletal (Stübbe-Demag - IGM-Bereich,d.Vf.)!

NICHT STILLHALTEN - SONDERN KÄMPFEN!
ARBEITSLOSE UND BETRIEBSARBEITER MÜSSEN GEMEINSAM KÄMPFEN!"
=ALK Dortmund:Liebe Kollegen und Freunde!,Dortmund o.J. (1975)

02.04.1975:  In Berlin wird, laut und mit KPD, das Maikomitee (MK) oppositioneller Gewerkschafter von über 100 GewerkschafterInnen aus 30 Betrieben und 7 Gewerkschaften gegründet. Dieses Komitee (vgl. 21.4.1975) veröffentlicht auch eine Plattform, in der u.a. eingegangen wird auf Stübbe Demag Kalldorf (IGM-Bereich).
=Rote Fahne Nr.15,Dortmund 16.4.1975;
Maikomitee oppositioneller Gewerkschafter:1.Mai Internationaler Kampftag der

Arbeiterklasse Plattform,Berlin o.J. (1975)

03.04.1975:  Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.13 (vgl. 26.3.1975, 10.4.1975) heraus, in der u.a. seitens der OAG Paderborn aus dem IGM-Bereich von Demag Kalletal berichtet wird.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.13,Mannheim 3.4.1975

06.04.1975:  Der AB gibt vermutlich heute die auf April datierte Nr.58 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. März 1975, 20.4.1975) heraus und berichtet u.a. von Demag Kalletal.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.58,München Apr. 1975

14.04.1975:  Zur heutigen Betriebsversammlung bei der Mannesmann (MM) Tochter Demag Düsseldorf, Werk Benrath, rief u.a. die KPD bei Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 24.3.1975) auf.
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Am Montag, den 14.4. um 13 Uhr findet eine Betriebsversammlung bei der Demag-AG, Werk Benrath in Düsseldorf statt!,O.o. o.J. (Apr. 1975)

23.04.1975:  Die KPD berichtet bei Stübbe-Demag Kalldorf (vgl. 29.4.1975):"
Am Mittwoch, dem 23.4.1975 kündigte die Geschäftsleitung des Stübbe-DEMAG-Werkes in Kalldorf die Sofortentlassung von 150 Kollegen an."
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Kampf dem Demag-Mannesmann-Konzern,O.O. o.J.
(29.4.1975),S.1

23.04.1975:  Die KPD, vermutlich das Büro Bielefeld, gibt bei Stübbe-Demag Kalldorf (IGM-Bereich) vermutlich Mitte dieser Woche das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Thomas Luczak, Dortmund, heraus.

Auf der Vorderseite wird aufgerufen zur Stübbe-Demag-Veranstaltung am 29.4.1975, auf der Rückseite heißt es neben weiteren Aufrufen zur Maiveranstaltung in Dortmund (vgl. 26.4.1975) und zum 1.Mai in Gelsenkirchen:"
Die Wirtschaft muß sich 'gesundrationalisieren' und 'gesundschrumpfen'. das ist das Zauberwort in den Mündern von Konzernherren, Schmidt-Regierung und bürgerlichen Wirtschaftsexperten. Was aber bedeutet das für die Arbeiterklasse? Genau das, was sie seit anderthalb Jahren zu spüren bekommt: Massenentlassungen, steigende Arbeitslosenzahlen und verschärfter Rationalisierungsdruck. Denn 'gesund' werden sollen die Profite der Monopole, die Lage der Arbeiterklasse wird unerträglicher.

Stillegung von Stübbe-DEMAG, 86 Entlassungen beim Zementwerk Seibel in Erwitte (CPK-Bereich,d.Vf.), 25 000 Entlassungen bei VW, das sind die Bilanzen der Zauberworte der Kapitalisten und deren Vertreter.

Gleichzeitig wird die Arbeitshetze in den Betrieben enorm gesteigert. Wie z.B. in der letzten Zeit die Akkordhetze bei VW vorangetrieben wurde berichten Arbeiter vom VW-Werk Baunatal (Kassel): früher wurden 230, heute über 500 Getriebewellen gefertigt. Das alles mit der gleichen Zahl von Arbeitern.

Gleichzeitig kommt es zur 'Erweiterung der Auslandskapazitäten' in 'Billiglohnländern'.

Das alles heißt: Massenentlassungen bei Aufrechterhaltung der Produktionsziffern. Massenentlassungen zur Sicherung von Extraprofiten für
die Kapitalisten.

Daß das nicht nur bei VW der Fall ist, sondern überall und auch bei Mannesmann-DEMAG (Kunststofftechnikbereich) zeigt folgende Aufstellung:
1975: Umsatz 110 Mio. DM - 2 000 Beschäftigte
1976: Umsatz 110 Mio. DM - 1 200 Beschäftigte

Dieser kapitalistischen Krisenwirtschaft gilt es die geschlossene Kampffront der Arbeiter und Werktätigen entgegenzusetzen!

IN DER KRISE KÄMPFEN!

Aus dem Grunde führen wir in dieser und der nächsten Woche Solidaritätstage mit Eurem Kampf gegen die Stillegung durch. Wir werden der umliegenden Bevölkerung von Eurem Kampf berichten und eine Unterschriftensammlung durchführen. Der Höhepunkt wird die Solidaritätsveranstaltung am kommenden Dienstag sein."
=KPD:Keine Stillegung des Stübbe-Demag-Werkes in Kalldorf!,o.O. o.J. (Apr. 1975)

26.04.1975:  In Dortmund will die KPD eine Maiveranstaltung im Goldsaal der Westfalenhalle durchführen.

Die KPD, vermutlich das Büro Bielefeld, rief bei Stübbe-Demag Kalldorf (IGM- Bereich - vgl. 23.4.1975) auf:"
Nehmt teil an der 1.Mai-Veranstaltung der KPD in Dortmund!

Abfahrt Lemgo: Samstag, 26.4.1975, 13 Uhr 30, Echternstr.128 (AStA)"
=KPD:Keine Stillegung des Stübbe-Demag-Werkes in Kalldorf!,o.O. o.J. (Apr. 1975),S.2

28.04.1975:  Die KPD, vermutlich ihr Büro Bielefeld, gibt vermutlich Anfang dieser Woche das folgende Flugblatt von zwei Seiten DIN A4 unter Verantwortung von Thomas Luczak, Dortmund, heraus:"
ERWITTER!
...
Was nützen uns die Solidaritätserklärungen unserer 'demokratischen' Parteien SPD und CDU, wenn hintenrum die Justiz mit Hilfe der Gesetze der von diesen Parteien gestützten 'freiheitlich-demokratischen Grundordnung' (FdGO,d.Vf.) die Entlassungen letztendlich bestätigt.

Denn Massenentlassungen sind in unserer Gesellschaft zur Steigerung des Profits rechtens, solange der Kapitalist sich an die Form hält. Wenn Seibel - wie man uns von allen Seiten einreden will - eine Ausnahme ist, dann ist er es, weil er sich im Gegensatz zu VW und Demag in Kalletal bisher nicht an die rechtliche Form gehalten hat. Weil die VW und Demag Kapitalisten das aber getan haben, sind alle bürgerlichen Parteien, die Justiz mit ihren arbeiterfeindlichen Gesetzen und der gesamte Staatsapparat auf ihrer Seite.

Das zeigt, daß wir unseren Kampf gegen die gesamte Kapitalistenklasse, ihren Staat und ihre Justiz zu richten haben!"
=KPD:Erwitter! Wie geht es weiter?,o.O. o.J. (Apr. 1975)

29.04.1975:  Die KPD, vermutlich das Büro Bielefeld, gibt bei Stübbe-Demag Kalldorf das folgende Flugblatt von einer seite DIN 4 unter Verantwortung von Thomas
Luczak, Dortmund, heraus:"
KAMPF DEM DEMAG-MANNESMANN-KONZERN
- KEINE STILLEGUNG DES STÜBBE-WERKES! - KEINE ENTLASSUNGEN!

Kolleginnen und Kollegen!

Am Mittwoch, dem 23.4.1975 kündigte die Geschäftsleitung des Stübbe-DEMAG-Werkes in Kalldorf die Sofortentlassung von 150 Kollegen an. Monatelang hat die Konzernleitung die Belegschaft mit leeren Versprechungen und falschen Meldungen über mögliche Käufer u.ä. ruhig zu halten versucht.

Jetzt zeigt sich einmal mehr ganz deutlich, daß hier ein abgekartetes Spiel auf dem Rücken der Kollegen gespielt wird. Der DEMAG-Mannesmann-Konzern will, um größere Kampfaktionen der Belegschaft, wie z.B. in Erwitte (bei Seibel im CPK-Bereich - vgl. 10.3.1975,d.Vf.), zu verhindern, seinen Plan scheibchenweise durchsetzen. Nach und nach einige Entlassungen, bis die Kollegen des Werkes und die Bewohner des Kalletales plötzlich vor vollendeten Tatsachen stehen.

Diese angedrohten 150 Entlassungen sind nur der Anfang; deshalb ist es notwendig, dem Versuch der 'schrittweisen Stillegung' des Stübbe-Werkes sofort entschieden entgegenzutreten.

Keine einzige Entlassung darf kampflos hingenommen werden!

Die KPD unterstützt weiterhin Euren Kampf gegen die Stillegung und gegen die geplanten Entlassungen. In den letzten Tagen haben wir in Lemgo, Minden und Vlotho vor allen größeren Betrieben, vor Berufsschulen, Fachhochschule usw. Flugblätter mit Berichten über Euren bisherigen Kampf verteilt und die Werktätigen, Schüler und Studenten zur aktiven Solidarität mit Eurem Kampf aufgefordert.

Heute abend führen wir in der Gaststätte Dannhäuser eine Solidaritätsveranstaltung durch, zu der wir nochmal alle Kollegen des Stübbe-Werks sowie alle anderen Interessenten einladen!"
=KPD-Sonderdruck Kalldorf Kampf dem Demag-Mannesmann-Konzern,O.O. o.J. (29.4.1975)

29.04.1975:  Die KPD, vermutlich das Büro Bielefeld (vgl. 23.4.1975), rief bei Stübbe-Demag Kalldorf auf:"
KEINE STILLEGUNG DES STÜBBE-DEMAG-WERKES IN KALLDORF!
GEGEN KRISENWIRTSCHAFT UND POLITISCHE UNTERDRÜCKUNG!
FÜR DIE HERRSCHAFT DER ARBEITERKLASSE!
FÜR DIE SOZIALISTISCHE DEUTSCHE REPUBLIK!
SOLIDARITÄTSVERANSTALTUNG DIE. 29.4.1975 19 UHR KALLDORF, IM DANNHÄUSER"

An anderer Stelle heißt es:"
Kommt alle zur Solidaritätsveranstaltung am kommenden Dienstag, den 29.4., 19
Uhr, Gast. Dannhäuser

THEMEN: Profitsanierung des MM-Konzerns auf Kosten der Arbeiter – Ausdruck der kapitalistischen Profitwirtschaft. Berichte von Arbeitern aus anderen MM-DEMAG-Betrieben über die Praxis des MM-Konzerns und ihr Kampf dagegen. Der Kampf der Arbeiter in Erwitte".

Heute kündigte die KPD bei Stübbe an:"
PROGRAMM:
- Film über die Besetzung des Zementwerkes Seibel in Erwitte
- Kollegen aus Erwitte berichten von ihrem Kampf
- Kollegen aus anderen Demag/Mannesmann-Betrieben spprechen".
=KPD:Keine Stillegung des Stübbe-Demag-Werkes in Kalldorf!,o.O. o.J. (Apr. 1975);
KPD-Sonderdruck Kalldorf Kampf dem Demag-Mannesmann-Konzern,O.O. o.J. (29.4.1975),S.1


30.04.1975:  Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.17 (vgl. 24.4.1975, 7.5.1975) heraus, in der er u.a. aus Kalletal berichtet von Stübbe.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.17,Mannheim 30.4.1975

01.05.1975:  Die SAG gibt ein Mai-Extra ihres 'Klassenkampf' (vgl. Mai 1975, 8.5.1975) heraus und berichtet u.a. von Demag Kalletal.
=Klassenkampf Mai-Extra,Frankfurt 1.5.1975

01.05.1975:  Laut KB beteiligen sich in Gelsenkirchen ca. 15 000 an der DGB-Demonstration.

Die KPD führt, nach eigenen Angaben, eine Maidemonstration gegen Schmidt und Vetter durch, deren Kundgebung knapp 10 000 verfolgten. Danach demonstrierten über 1 000 mit der KPD in die Innenstadt. Die KPD/ML sei nicht aufgetreten.

Aufgerufen wurde u.a. durch die KPD in Bielefeld (vgl. 28.4.1975) und bei Stübbe-Demag Kalldorf (IGM-Bereich - vgl. 23.4.1975).

Laut Kommunistischer Gruppe Bochum (KGB - vgl. Mai 1975) wird auf der 1.Mai-Demonstration die Rede von Bundeskanzler Schmidt massiv durch AnhängerInnen von KPD und Liga gegen den Imperialismus (LgdI) gestört.
=Bochumer Arbeiterzeitung Nr.12,Bochum ****1975,S.10;
KPD:Keine Stillegung des Stübbe-Demag-Werkes in Kalldorf!,o.O. o.J. (Apr. 1975),S.2;
KPD-Büro Bielefeld:Dem Regierungsmai eine Absage!,Bielefeld o.J. (Apr. 1975),S.1;
Rote Fahne Nr.16 und 18,Köln 23.4.1975 bzw. 7.5.1975;
Arbeiterkampf Nr.61,Hamburg 21.5.1975,S.19


06.05.1975:  Bei Stübbe-Demag Kalletal wird heute, laut KBW (vgl. 15.5.1975), mehrere Stunden lang gestreikt.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.19,Mannheim 15.5.1975

12.05.1975:  Das Regionalkomitee (RK) NRW der KPD gibt bei bei Mannesmann- (MM) und Demag-Werken im Regierungsbezirk Düsseldorf vermutlich in dieser Woche das folgende Flugblatt heraus:"
MANNESMANN- UND DEMAG-ARBEITER GEMEINSAM GEGEN POLITISCHE ENTLASSUNGEN UND GEWERKSCHAFTSAUSSCHLÜSSE!

Wieder nehmen politische Entlassungen und Ausschlüsse (aufgrund der UVB,d. Vf.) von klassenbewußten Arbeitern aus der Gewerkschaft zu. In den letzten Wochen haben die Mannesmann-Kapitalisten und Gewerkschaftsbonzen einen wahren Feldzug gegen die erstarkende Opposition begonnen.

Warum gerade jetzt? Weil die Unzufriedenheit der Mehrheit der Arbeiter eine unüberhörbare Warnung an die Führer der 'Zusammenarbeit von Unternehmern und Gewerkschaften' ist.

Die Arbeiter des Demag-Werkes in Kalletal haben durch ihren schon monatelangen Kampf ein Signal für alle Mannesmann-Arbeiter gesetzt."
=KPD-RK NRW:Mannesmann- und Demag-Arbeiter gemeinsam gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse!,Dortmund o.J. (Mai 1975)

18.05.1975:  Der AB gibt die Nr.61 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ - vgl. 4.5.1975, 1.6.1975) heraus und berichtet von Demag Kalletal.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.61,München 18.5.1975

21.05.1975:  In der Nr.20 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 14.5.1975, 28.5.1975) berichtet die KPD über Demag Kalletal.
=Rote Fahne Nr.20,Köln 21.5.1975

28.05.1975:  In der Nr.21 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 21.5.1975, 4.6.1975) berichtet die KPD über Demag Kalldorf.
=Rote Fahne Nr.21,Köln 28.5.1975

28.05.1975:  Die KPD Ortsleitung (OL) Dortmund gibt, laut einer handschriftlichen Datierung heute, bei SEL das folgende Flugblatt heraus:"
KEINER DARF ENTLASSEN WERDEN!
...
Wie der Kampf geführt werden muß, haben die Arbeiter von Erwitte (Seibel - CPK-Bereich,d.Vf.) und Kalletal (Demag - IGM-Bereich,d.Vf.) gezeigt: Sie sind wie ein Mann aufgestanden und haben geschlossen ihr von Stillegung bedrohtes Werk besetzt.

Angesichts dieser geschlossenen Kampffront mußten die schon ausgesprochenen Entlassungen zurückgenommen werden!"
=KPD-OL Dortmund:Keiner darf entlassen werden!,Dortmund o.J. (28.5.1975)

Juni 1975:  Die Nr.10 der trotzkistischen 'Voran' (vgl. Feb. 1975, Juni 1975) für Juni/Juli erscheint vermutlich im Juni und berichtet u.a. von MM Kunststofftechnik in Kalldorf.
=Voran Nr.10,Köln Juni/Juli 1975

01.06.1975:  Der AB gibt die Nr.62 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 18.5.1975, 15.6.1975) heraus und berichtet von Demag Kalletal.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.62,München 1.6.1975

02.06.1975:  Das Regionalkomitee (RK) NRW der KPD gibt vermutlich Anfang dieser Woche das folgende Flugblatt heraus. Während die Vorderseite vom Titel, in großer roter Schrift, "Einheitsfront gegen politische Entlassungen, Gewerkschaftsausschlüsse und Berufsverbote!" über diversen 'Rote Fahne'-Meldungen über BV und UVB eingenommen wird, heißt es auf der Rückseite u.a.:"
Trotz Unterdrückung, die Arbeiterklasse kämpft:

Bei Demag in Kalldorf (IGM-Bereich,d.Vf.) und bei Seibel in Erwitte (CPK-Bereich,d.Vf.) haben die Arbeiter die Fabriken besetzt um die Schließung zu verhindern. Die Arbeiterinnen von SEL streiken und lassen sich nicht vertrösten mit vagen Versprechungen."
=KPD-RK NRW:Einheitsfront gegen politische Entlassungen,Gewerkschaftsausschlüsse und Berufsverbote!,Dortmund o.J. (1975),S.2

03.06.1975:  Die DKP berichtet von der IG Metall (IGM) bei Mannesmann (MM) Duisburg:"
KRISENGESCHREI DES VORSTANDS ZUM GROSSEN TEIL AUGENWISCHEREI - ARBEITER HOFFEN AUF NEUE VERTRÄGE MIT UDSSR
...
Als erste Maßnahme zur Vermeidung von Kurzarbeit sind unter anderem Einstellungsstopp, Nichtersetzen von Abgängen, Abbau der Mehrarbeit und die Gewährung von unbezahltem Urlaub an Ausländer vorgesehen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Hütte, Herbert Knapp, meint zu dieser Situation, daß das Krisengeschrei des Vorstandes in die Gesamtstrategie der Unternehmerverbände mit einstimmt. Gerade aber bei Mannesmann sei viel Augenwischerei dabei.

Trotzdem dürfe man nicht vergessen, daß Rationalisierungsabsichten und Senkung der Lohnkosten mit im Spiele seien. Gerade die geplante Stillegung der Spritzguß-Maschinenfabrik in Kalletal (Stübbe-DEMAG,d.Vf.) zeige, daß viele kleinere Betriebe dem Streben nach höherem Profit der Großkonzerne zum Opfer fallen sollen."
=Roter Punkt,Duisburg Juni 1975,S.1

11.06.1975:  In der Nr.23 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 4.6.1975, 18.6.1975) berichtet die KPD über Demag Kalletal.
=Rote Fahne Nr.23,Köln 11.6.1975

12.06.1975:  Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.23 (vgl. 5.6.1975, 19.6.1975) heraus, in der er sich u.a. mit Stübbe Kalletal befaßt.
=Kommunistische Volkszeitung Nr.23,Mannheim 12.6.1975

15.06.1975:  Der AB gibt die Nr.63 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 1.6.1975, 29.6.1975) heraus und berichtet von Demag Kalletal.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.63,München 15.6.1975

23.06.1975:  In Dortmund gibt die der KPD nahestehende Gruppe von ITT/SEL-Arbeitern vermutlich in dieser Woche die Nr.8 ihrer 'Information' (vgl. 20.6.1975) heraus, in der es u.a. heißt:"
Deshalb: Heute wird gestreikt! Wenn wir uns einig sind - können wir jede Entlassung verhindern! Die Arbeiter von Erwitte (Seibel - CPK-Bereich,d.Vf.) und Kalletal (Stübbe-Demag - IGM-Bereich,d.Vf.) sind uns vorangegangen."
=Gruppe von ITT/SEL-Arbeitern:Information Nr.8,o.O. (Dortmund) o.J. (1975)

12.07.1975:  In Düsseldorf beteiligen sich, laut KPD, über 400 an einer Demonstration gegen die Stillegung von Demag Kalldorf. Unter den Demonstranten sind auch Beschäftigte von Seibel Erwitte (CPK-Bereich).
=Rote Fahne Nr.28,Köln 16.7.1975

13.07.1975:  Der AB gibt die Nr.65 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 29.6.1975, 27.7.1975) heraus und berichtet von DEMAG Kalletal.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.65,München 13.7.1975

30.07.1975:  In der Nr.30 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 23.7.1975, 6.8.1975) berichtet die KPD u.a. über Demag Kalletal.
=Rote Fahne Nr.30,Köln 30.7.1975

August 1975:  Der Spartacusbund (SpB) gibt sein 'Spartacus' Nr.19 (vgl. 14.4.1975, Sept. 1975) heraus. Berichtet wird von Demag Kalletal.
=Spartacus Nr.19,Essen Aug. 1975

16.11.1975:  Der AB gibt die Nr.74 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 2.11.1975, 30.11.1975) heraus und berichtet von Demag Kalletal.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.74,München 16.11.1975

19.01.1976:  Die SMV der Carl-Severing-Schule Bielefeld für Metall- und Elektroberufe mit Berufsschule, Fachoberschule und Fachschule (BS, FOS bzw. FS) Abteilung Metall und Elektro (vgl. 2.2.1976) verfaßt vermutlich in dieser Woche die folgende Resolution zur 13. und 14.SRÄ (vgl. 16.1.1976):"
RESOLUTION DER SMV GEGEN DIE MAULKORBGESETZE"
Zum Hintergrund äußert sich die SMV so:"
STAATSGEWALT GEGEN VOLKSGEWALT
WEG MIT DEM MAULKORBEGSETZ 130A (88A)
...
Der Paragraph 130 verfolgt jeden, der 'zum Haß gegen Teile der Bevölkerung (gemeint sind die Kapitalisten - Anm. des Verf.) oder zum Klassenkampf aufstachelt'. Demnach gehören sämtliche großen Führer der Arbeiterbewegung, von Bebel, Marx, bis zu Lenin, Stalin, Mao Tse-tung auf den Index. Sämtliche Bürgerinitiatien, wie z.B. Wyhl oder Werksbesetzungen, wie z.B. Erwitte oder Kalletal (Demag - IGM-Bereich,d.Vf.), wo die Betroffenen Dokumentationen über ihren Kampf herausgegeben haben, sind davon betroffen."
=Carl-Severing-Schule Bielefeld:SMV-Info,Bielefeld Feb. 1976,S.7ff

16.02.1976:  Die Ortsleitung (OL) Duisburg der KPD gibt spätestens Anfang dieser Woche das folgende Flugblatt zum Prozeß (vgl. 18.2.1976) wegen der Störung einer Löwenthal-Veranstaltung (vgl. 6.3.1975) heraus:"
LÖWENTHAL GESTÖRT - ANGEKLAGT WEGEN BESCHIMPFUNG DER BUNDESREPUBLIK
...
NEUE MAULKORBGESETZE
...
Gerechte Widerstandsaktionen der Arbeiterklasse und des Volkes, wie der Kampf der Winzer von Wyhl (gegen ein AKW,d.Vf.), wie die Aktionen der Arbeiter von Erwitte (bei Seibel - CPK-Bereich,d.Vf.) und Kalletal (Stübbe-Demag - IGM-Bereich,d.Vf.) dürfen nicht mehr 'befürwortet' werden - denn es handelt sich ja um Landfriedensbruch!

Diese Strafrechtsänderung erfolgt in einem Klima der reaktionären Formierung in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Sie steht in einer Reihe mit den Berufsverboten, dem Abbau der Rechte von Verteidigern und Angeklagten, dem erweiterten Schießbefehl für die Polizei, dem neuen Ordnungsrecht für die Universitäten und den seit 1973 praktizierten 'Unvereinbarkeitsbeschlüssen' (UVB,d.Vf.) in den DGB-Gewerkschaften. Sie alle tragen das Siegel der SPD-Reform."
=KPD-OL Duisburg:Löwenthal gestört - angeklagt wegen Beschimpfung der Bundesrepublik,Duisburg o.J. (Feb. 1976)

03.03.1976:  Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.9 (vgl. 3.3.1976, 10.3.1976) heraus.
Aus NRW wird berichtet von der eigenen Zelle Mannesmann (MM - IGM-Bereich) Lierenfeld u.a. über Demag Kalletal.
=Rote Fahne Nr.9,Köln 3.3.1976

21.04.1976:  Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.16 (vgl. 14.4.1976, 28.4.1976) heraus. Berichtet wird von Demag Kalletal.
=Rote Fahne Nr.16,Köln 21.4.1976

01.05.1976:  Die SAG gibt die Nr.1 ihrer 'Sozialistischen Arbeiter Zeitung' (vgl. Apr. 1976, 19.5.1976) heraus. Berichtet wird von Demag Kalletal.
=Sozialistische Arbeiter Zeitung Nr.1,Frankfurt 1.5.1976

15.06.1976:  Die Gruppe Arbeiterstimme-Minderheitsgruppe bzw. Montagsfraktion gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 10.3.1976, Apr. 1977) Nr. 2 heraus. Berichtet wird von Demag Kalletal.
=Arbeiterstimme Nr.2,Nürnberg 15.6.1976

19.07.1976:  Bei Mannesmann (MM) Duisburg-Huckingen gibt, laut KPD, ihre Betriebszelle vermutlich in dieser Woche einen 'Abstich' (vgl. **.*.1976, **.**.197*) heraus, in dem sie sich u.a. mit Demag Kalletal befaßt.
=Rote Fahne Nr.30,Köln 28.7.1976

02.05.1977:  Die Gruppe Arbeiterstimme-Mehrheitsgruppe (vgl. 26.6.1977) berichtet vermutlich aus dieser Woche über eine Benneter-Solidaritätsveranstaltung in Kalletal mit 800 Teilnehmern.
=Arbeiterstimme Nr.3/4,Nürnberg 26.6.1977

01.11.1977:  Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr.124 (vgl. 18.10.1977, 15.11.1977) heraus und berichtet vom IGM Bezirk Münster, zu dem auch Demag Kalletal gehört.
=Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.124,München 1.11.1977

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