Düsseldorf: Schülerbewegung

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 20.10.2017


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Es können hier nur wenige Dokumente und Hinweise zur Düsseldorfer Schülerbewegung vorgestellt werden. Wir bitten um Ergänzungen.

Nachdem zunächst offenbar eine gemeinsame Organisation mit Studenten in Gestalt der Antiautoritären Schüler und Studenten Düsseldorf (ASSD) bestand (vgl. März 1969), berichtet später die DKP (vgl. 20.11.1969), deren Anhänger zunächst noch im Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler (vgl. Jan. 1970) mitarbeiten, diesen sowie vermutlich auch den Arbeitskreis Düsseldorfer Schüler (ADS), den Zusammenschluß der Schülervertretungen, dominierten, die sich beide in den Schulkämpfen zu Anfang des Jahres 1970 engagieren, die sich nicht zuletzt in mehreren Demonstrationen und Streiks niederschlugen (vgl. 4.2.970, 13.3.1970, 25.1.1970, 25.5.1970, 1.6.1970).

Als erste linksradikale Gruppe scheint dann die Revolutionär-Kommunistische Jugend (RKJ) der GIM in Düsseldorf eine Schülergruppe aufzubauen (vgl. 5.9.1970, 9.9.1970, Okt. 1970, 25.10.1970, 7.11.1970), die eigene Aktionen durchführt (vgl. 14.12.1970, 3.4.1971) aber auch in den Basisgruppen des Zentralrats mitarbeitete (vgl. März 1971), die sich u.a. dem Fahrpreiskampf widmeten (vgl. März 1971, 27.8.1971).

An den Berufsschulen war die SDAJ der DKP aktiv (vgl. Mai 1971).

Die Westberliner KPD-Aufbauorganisation (KPD/AO) vollziehet ihren Namenswechsel in KPD nicht zuletzt wegen ihrer Ausdehnung in die Bundesrepublik, für die vor allem die Gruppe in Düsseldorf maßgeblich war, die sie an sich zu binden vermochte und bei der es sich vermutlich um den Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler handelte, der sich nun offenbar mehrheitlich an der KPD orientierte (vgl. Juli 1971) und sich an deren internationalistischen Kampagnen zu Japan (vgl. 8.10.1971, 9.10.1971) und auch zu Vietnam (vgl. 18.12.1971, 17.6.1972, 19.6.1972) beteiligte.

Die Anhänger der DKP dagegen organisierten sich nun als Marxistischer Schülerbund (MSB) Düsseldorf, der gemeinsam mit den Jusos der SPD auch die Bezirks-SMV dominierte (vgl. 11.11.1971, Dez. 1971, 14.3.1972), in der aber auch die Freunde der KPD aktiv waren.

Aus dem Zentralrat waren mittlerweile nicht nur die Anhänger der DKP ausgetreten, sondern auch die Freunde der KPD/ML-Revolutionärer Weg bzw. des Kommunistischen Arbeiterbundes (ML), die vor allem am Helene-Lange-, dem Leibnitz- und dem Geschwister Scholl-Gymnasium vertreten waren, hatten sich eigenständig als Marxistisch-leninistische Schülergruppe (MLSG) Düsseldorf organisiert und gaben eine stadtweite 'Rote Schülerpresse' heraus (vgl. Apr. 1972, Mai 1972, Juni 1972, 21.8.1972).

Auf Landesebene spitze sich nun der Konflikt um die Schülermitverwaltung und deren SMV-Press' zu (vgl. 14.8.1972, Sept. 1972), wobei Düsseldorfer Schüler wichtige Funktionen im Landesvorstand der SMV der Gymnasien, aber auch der allgemeinbildenden Schulen (vgl. 9.9.1972), innehatten.

An der Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in der Landes-SMV (vgl. 30.10.1972)waren dann sowohl auf seiten der Freunde der DKP und der Jungsozialisten als auch bei denen der KPD, die sich nun als Kommunistischer Oberschülerverband (KOV) organisierten (vgl. 8.10.1972, 9.10.1972), Düsseldorfer Schüler aktiv.

Vornehmlich separat geschildert wird der Protest gegen den Wehrkundeerlass (WKE) bzw. die Jugendoffiziere der Bundeswehr (vgl. Dez. 1972)

Gegenüber stand den linken Gruppen mittlerweile auch der Bund demokratischer Schüler (BDS) der Anhänger der CDU (vgl. Sept. 1972), während die Linken sich im Protest gegen die NPD engagierten (vgl. 21.10.1972) und der KOV einen landesweiten Schülerkongreß in Düsseldorf (vgl. 6.11.1972, 9.11.1972, 12.11.1972, 23.11.1972), auf den auch der ADS mit einem Kongreß antwortete (vgl. 1.12.1972, 3.12.1972) im Vorfeld einer landesweiten Schüler- und Studentendemonstration (vgl. 5.12.1972).

Die Freunde der KPD beginnen nun mit der Herausgabe von Zellenzeitungen für einzelne Schulen (vgl. 25.1.1973, 29.1.1973, 19.2.1973), nachdem dies bereits kurz zuvor von der MLSG des KABD begonnen wurde (vgl. Dez. 1972, 1.2.1973), und widmen sich verstärkt der Vietnamsolidarität (vgl. Jan. 1973, 14.1.1973, 23.3.1973), aber auch der Solidarität mit dem Befreiungskampf in den portugiesischen Kolonien in Afrika (vgl. 29.1.1973). Auch die MLSG des KABD ist in der Vietnamsolidarität aktiv (vgl. 19.3.1973).

Organisiert wird ein Streik für die Wiedereinstellung des Lehrers Ludwig am Geschwister Scholl-Gymnasium (vgl. 26.2.1973, 28.2.1973, März 1973, 12.3.1973), der Zentralrat löst sich nun auch formal auf (vgl. 2.3.1973). Der MSB der DKP aber auch die SMV protestieren gegen die Berufsverbote (vgl. 9.4.1973, 9.5.1973), aber auch gegen die materiellen Mängel an den schulen (vgl. 12.6.1973) und für die Rechte der Schülervertretungen (vgl. Aug. 1973). In der Landes-SMV ziehen wiederum Düsseldorfer Schüler in den Vorstand ein (vgl. 24.9.1973).

Sowohl die Freunde der KPD (vgl. Sept. 1973) als auch des KABD (vgl. Nov 1973, 17.12.1973) widmen sich nun der Chile-Solidarität, befassen sich aber auch weiterhin mit Vietnam (vgl. Feb. 1974).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

März 1969:
Es erscheint das 1. Arbeitsheft der Arbeitskommune der Antiautoritären Schüler und Studenten Düsseldorf (ASSD), welches das Ergebnis der Arbeitskommune "Schule - Herrschaft - Sexualität" der ASSD darstellt und sich gliedert in die Abschnitte:
- "I Kritik" an der Sexualaufklärung im Biologieunterricht;
- "I Aufklärung heute";
- "Sexualität und Konsum";
- "2x Kritik an Ehe und Familie";
- "II Forderungen";
- - "Im Kindesalter";
- - "Schüler - Jugendliche";
- "III Praxis";
- - "Geschlechtsorgane bei Frau und Mann";
- - - "Bei der Frau";
- - - "Beim Mann";
- - "Die Befruchtung";
- - "Praktiken sexueller Stimulation";
- - "Sexuelle Reizzonen";
- - "Liebesspiel";
- - "Reizung beim Koitus";
- - "Massage der Muskulatur innerhalb der Vagina";
- - "Die Koitusstellungen";
- - "Selbstbefriedigung (Onanie, Masturbation)";
- - - "Die Selbstbefriedigung bei der Frau - Techniken";
- - - "Selbstbefriedigung beim Mann - Techniken";
- - - "Zusammenfassung";
- - "Mittel der Empfängnisverhütung";
- - - "Temperaturmethode";
- - - "Das Bestimmen der fruchtbaren Tage nach Knaus-Ogino";
- - - "Coitus interruptus";
- - - "Das Kondom";
- - - "Chemische Mittel";
- - - "Scheidenspülung";
- - - "Mechanische Mittel"; sowie
- - - "Die Anti-Baby-Pille".

Neben einer Literaturliste findet sich auch eine Aufstellung:"
Arbeitende und geplante Aktions- und Basisgruppen der ASSD:
Sexualität und Herrschaft
Betriebsaktionsgruppe
Aktionsgruppe 'Kunst'
Klassenkollektive zur kritischen Vorbereitung auf den Unterricht (Deutsch, Geschichte, Erdkunde)
Informationsdienst Rhein / Ruhr".

Dargestellt wird die:"
Arbeitsgruppe Schulaktion:
Unterstützung von Schülern bei Klassenarbeiten / Prüfungen,
Pillenbeschaffung (kostenlos),
Rechtshilfe für Schüler (Benachteiligung in der Notengebung, Austritt aus dem Religionsunterricht, Repressionen bei politischer Tätigkeit, Lehrersadismus etc.).

Aufgerufen wird:"
Arbeitet konkret mit an der Veränderung der Gesellschaft in den Aktions- und Basisgruppen der ASSD."
Quelle: ASSD: 1. Arbeitsheft der Arbeitskommune, Düsseldorf März 1969

20.11.1969:
Die DKP gibt die Nr. 34 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 13.11.1969, 27.11.1969). Gefragt wird in einem Artikel über linke Schüler von Doris Jann auf S. 9:"
Wie sieht denn nun die Schülermitverwaltung aus der Sicht eines fortschrittlichen Lehrers aus. Andreas Rade, *Studienrat und Kommunist am Aufbaugymnasium in Dortmund-Hombruch sieht das große Dilemma der Lehrer darin, daß den größtenteils liberal eingestellten Erziehern das Erziehungs- und Bildungsziel fehlt. Sie arbeiten zwar bewußt für diesen Staat, aber er ist nichts Definiertes mehr, nur noch Phrase und Schablone. In ihrer Standpunktlosigkeit werden viele Lehrer unsicher und greifen dann auf reaktionäre Erziehungsmethoden zurück.

Von fortschrittlichen, sozialistischen Schülern erwartet der linke Studienrat ein Höchstmaß an Selbstdisziplin, Einsatz ihrer Fähigkeiten und eine hohe Arbeitsmoral.

Für Andreas Rade müßten solche Schüler auch beispielhaft in vielen Organisationsaufgaben der SMV sein, sich andererseits aber auch fest organisieren und solidarisieren, nicht in irgendwelchen linken Clubs - sondern in der SDAJ. 'Die Lehrer sollen merken: Hier haben wir es mit überlegenen Ordnungsvorstellungen zu tun.'

Gleichzeitig sollten die fortschrittlichen Schüler mit großem Mut politische, kulturelle und soziale Interessen der Schüler anfassen und die Rechte der SMV voll ausschöpfen."
Berichtet wird in dem Artikel über die Gymnasien Comenius Düsseldorf, Konrad Heeresbach Mettmann, das Mädchengymnasium Siegen und das Jungengymnasium Velbert.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 34, Essen 20.11.1969

Januar 1970:
Anfang des Jahres wird in Düsseldorf der Zentralrat Düsseldorfer Oberschüler gegründet, in dem zunächst, laut KOV der KPD, Sympathisanten der DKP die Führung haben.
Q: Schulkampf Nr. 6, Berlin März 1973, S. 2

04.02.1970:
Laut der 'Bochumer Studenten Zeitung' demonstrieren in Düsseldorf ca. 2 500 Studenten "gegen das Hochschulgesetz der Kühn-Weyer-Regierung". Die "Abwiegelungsparolen der DKP-Spartakus-Ordner (AMS, d.Vf.) … 'Wir wollen für den Frieden lernen' … wurde an vielen Stellen durch die revolutionäre Parole 'Wir wollen für den Klassenkampf lernen' übertönt".

Das Innenministerium NRW berichtet (vgl. 22.1.1970):"
An der Vorbereitung und der Durchführung der Studentendemonstration in Düsseldorf am 4.2.1970 waren kommunistisch orientierte Studenten maßgeblich beteiligt. …
An der Demonstration, der sich auch Schüler aus dem Düsseldorfer Bereich anschlossen, haben ca. 2.500 - 3.000 Personen teilgenommen. Sie verlief im wesentlichen ohne Störungen. Lediglich am Thyssen-Hochhaus wurde ein polizeiliches Einschreiten erforderlich, um einige Demonstranten zum Verlassen des Hauses aufzufordern (Eine der Scheiben der Drehtür des Eingangs wurde zerbrochen).

Während der Demonstration wurden Aufrufe und Anweisungen aus einem Lautsprecherwagen gegeben.

Als Referent trat während der Demonstration ein Mitglied des Parteivorstandes der DKP auf, der auch dem SDS und der Spartakus-Gruppe Bonn angehört."
Q: Innenministerium NRW: Extremismusberichte an den Landtag oder Landesbehörden 1970, Düsseldorf 1970, S. 16f; Bochumer Studenten Zeitung Nr. 57, Bochum 12.2.1970, S. 1

13.03.1970:
Vermutlich zwischen dem 13. und dem 15. erscheint die auf März datierte Nr. 3 der Kölner 'apo press' (vgl. Feb. 1970, 1.5.1970). Über Schülerdemonstrationen wird u.a. auch berichtet von den Sternmärschen auf Wiesbaden und Düsseldorf.
Q: Apo press Nr. 3, Köln März 1970

21.05.1970:
Die DKP berichtet:"
NEUE SCHÜLERDEMONSTRATIONEN

Aus Protest gegen den Lehrer- und Raummangel an den Kollegs des Landes waren am Donnerstagvormittag weit über tausend Kollegstudenten aus allen Teilen des Landes in einer Sternfahrt nach Düsseldorf gekommen, um dort mit einem Marsch durch die Innenstadt für die Öffentlichkeit ihr Anliegen zu demonstrieren. Während des Marsches forderten die Demonstranten wiederholt in Sprechchören 'Ho - Ho - Holthoff weg'. Auf zahlreichen Transparenten hieß es unter anderem: 'Alle wollen weniger arbeiten, wir nicht', 'wenn zwei sich streiten, verdummt der dritte'."
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 21, Essen 23.5.1970, S. 17

25.05.1970:
Am Düsseldorfer Theodor Schwann Gymnasium wird, laut DKP bzw. laut Arbeitskreis Düsseldorfer Schüler (ADS), vermutlich in dieser Woche gestreikt.
Q: Unsere Zeit - NRW Nr. 23, Düsseldorf 6.6.1970

01.06.1970:
Am Lise Meitner Gymnasium, vermutlich in Düsseldorf, wird, laut DKP, vermutlich in dieser Woche gestreikt.
Q: Unsere Zeit - NRW Nr. 23, Düsseldorf 6.6.1970

05.09.1970:
Innerhalb der Revolutionär-Kommunistischen Jugend (RKJ) der GIM beginnt die zweitägige 1. Koordinationskonferenz in Solingen mit 46 Personen aus Bochum, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim, Neustadt, Saarbrücken, Speyer und Stuttgart.
Im Protokoll heißt es zu den Gruppenberichten auch:"
Am 9.9. wurde formell eine RKJ mit 10 Mitgliedern gegründet, die Gruppe ging ebenfalls aus den Falken hervor.
Aktivitäten: Arbeit im Schülerbereich; Lehrlingsgruppe (Jour-Fix-Perspektive); Kontakte zur Betriebsgruppe Mannesmann.
Q: RKJ-Info Nr. 5, Mannheim Okt. 1970, S. 2ff

09.09.1970:
Die Gruppe Düsseldorf der RKJ der GIM (vgl. Sept. 1970, Okt. 1970) hat sich, nach eigenen Angaben, heute "mit 13 Personen konstituiert. Ihr Aufbau erfolgte relativ künstlich, wobei wir zum Teil zufällige Kontakte ausnutzten und zum Teil aus schon bestehenden politisch arbeitenden Gruppen Genossen für die RKJ rekrutierten. So gewannen wir vier Schüler aus einer bereits bestehenden Schülergruppe, während die übrigen Schüler als auch Lehrlinge, Jungarbeiter und Angestellten mehr oder weniger durch zufällige Kontakte oder durch frühere Beziehungen über die ehemalige Arbeit einzelner Genossen in den Falken gewonnen werden konnten."
Q: RKJ-Info Nr. 4 und 9, Mannheim Anfang Okt. 1970 bzw. Mitte Jan. 1971, S. 2 bzw. 6

Oktober 1970:
Die RKJ Düsseldorf der GIM berichtet über ihren Schülerarbeitskreis (vgl. 14.12.1970):"
Er ist das erste Mal im Oktober zusammengetreten und hat sich zunächst einmal um sein arbeitstechnisches Selbstverständnis bemüht. Daneben lief die schon bestehende Basisarbeit an den Schulen selbstverständlich weiter."
Q: RKJ-Info Nr. 9, Mannheim Mitte Januar 1971, S. 8

25.10.1970:
In Köln tagt erstmals das ZK der RKJ der GIM. Zu den Gruppenberichten heißt es im Protokoll:"
Düsseldorf: neue RKJ-Gruppe, ca. 12 Mitglieder, breit gestreute Kontakte in verschiedenen Bereichen, vor allem Schüler und Gewerkschaftsjugend."
Q: RKJ-Info Nr. 5, Mannheim Okt. 1970, S. 14ff

07.11.1970:
In Bochum tagt der Regionalbereich West der RKJ der GIM (vgl. 5.12.1970), an dem je 2 aus Bochum, Düsseldorf und Köln sowie 3 aus Marl teilnehmen. Zum Brüsseler Kongress heißt es, daß ca. 30 aus Köln und ca. 15 - 17 aus Düsseldorf teilnehmen wollen.

In den Gruppenberichten heißt es:"
D´dorf: Der RKJ-Aufbau erfolgte relativ künstlich. Daraus ergaben sich manche organisatorischen und individuellen Schwierigkeiten. Eine inhaltlich politische Arbeit ist deshalb noch nicht im Plenum angelaufen. Sie wird aber jetzt durch die Auseinandersetzung mit der IKD vorangetrieben. Schulung hat es bisher noch nicht gegeben. Rein äußerlich gliedert sich das Plenum in 2 Subgruppen (Lehrlinge u. Schüler). Eine provisorische Leitung dient den organisatorischen Vorbereitungen, demnächst wird sie außerdem perspektivische politische Themen zur Diskussion ins Plenum tragen, weil sich gezeigt hat, daß das Plenum aus individuellen Gründen dazu z. Z. noch nicht in der Lage ist, sich die Diskussionsgrundlagen selbst anzueignen.
Die RKJ krankte z. Z. noch an der geringen Verbindlichkeit vieler Genossen."
Q: RKJ-Info Nr. 6, Mannheim Anfang Nov. 1970, S. 2ff

14.12.1970:
Die RKJ Düsseldorf der GIM (vgl. Dez. 1970, 21.12.1970) berichtet von ihrer Schülerarbeit, vermutlich aus dieser Woche:"
Mitte Dezember startete die RKJ eine Flugblattaktion vor dem Lessing-Gymnasium, an dem ein RKJ-Genosse und zwei Sympathisanten von uns arbeiten und relativ gute Fortschritte gemacht haben. Diese Aktion wurde notwendig, als einige Lehrer versuchten, zwei der Genossen mundtot zu machen. Unsere Aktion hat aber dafür gesorgt, daß sich zahlreiche Schüler aus Solidarität hinter unsere beiden Genossen gestellt haben. Außerdem ist dadurch die Mobilisierungsmöglichkeit stark angestiegen."
Q: RKJ-Info Nr. 9, Mannheim Mitte Januar 1971, S. 7

21.12.1970:
Vermutlich in dieser Woche wird ein "Bericht der RKJ Düsseldorf" für die Nationale Konferenz der RKJ der GIM (vgl. 1.1.1971) verfaßt. Darin heißt es nach Ausführungen zur eigenen Gründung (vgl. 9.9.1970) und über erste Kampagnen (vgl. Sept. 1970, Okt. 1970, Nov. 1970):"
Da sich in der Aufbauphase unserer RKJ-Gruppe das politische Selbstverständnis erst allmählich herausbilden mußte, konnten wir die Verbindlichkeiten zu beginn nicht so fest regeln, wie es für eine länger bestehende revolutionär Gruppe nötig ist. Aus diesem Grunde waren wir auch in den ersten drei Monaten für neue Interessenten offen, die durch zufällige Beziehungen zu uns gestoßen sind. So haben wir in der ersten Zeit ein verhältnismäßig starkes sporadisches Kommen und Gehen von nahezu 30 Leuten erlebt, aus denen sich dann allmählich ein Kern von 15 Genossen herausgebildet hat, der fest in der RKJ mitzuarbeiten gewillt ist."
Berichtet wird auch von der Schülerarbeit in Düsseldorf (vgl. 14.12.1970).

Weiter heißt es auch:"
Da sich die Düsseldorfer RKJ zur Zeit fast ausschließlich aus Schülern und Lehrlingen sowie Jungarbeitern zusammensetzt, ergab sich für uns die arbeitstechnische Notwendigkeit, innerhalb der RKJ zwei Arbeitskreise als Subgruppen des Plenums festzulegen, die Strategie und Taktik in den beiden Bereichen vordiskutieren und die entsprechende Basisarbeit koordinieren. Diese Arbeitskreise halten wir für RKJ-Sympathisanten offen, also Leute, die noch nicht fest im RKJ-Plenum mitarbeiten. So haben wir z.B. im Schülerarbeitskreis zwei solcher Sympathisanten, die vorläufig nur dort mitarbeiten. Das Material und die Diskussionsergebnisses des Lehrlingsarbeitskreises bzw. des Schülerarbeitskreises werden dann im Plenum zusammengefaßt, diskutiert und verabschiedet."

Zum Schülerarbeitskreis (vgl. Okt. 1970) heißt es:"
Der Schülerarbeitskreis bestehend aus etwa 9 Genossen, koordiniert die Arbeit von drei Schulen. … Inzwischen ist die Strategie der revolutionären Schülerbewegung diskutiert worden. Dabei liegen jetzt die ersten Ergebnisse vor. Die Diskussion muß jedoch noch fortgesetzt werden, da erst ein Anfang gemacht worden ist. Auf der anderen Seite sind Probleme der Intensivierung der Basisarbeit im Arbeitskreis diskutiert worden.
Am fortgeschrittensten ist die Arbeit zur Zeit im Lessing-Gymnasium (vgl. 14.12.1970, d.Vf.). Dabei konnte eine Klasse recht stark mobilisiert werden. Im Unterricht konnten unsere sozialistischen Alternativen für einige Fächer durchgesetzt werden. Elternversammlungen und Lehrerkonferenzen konnten durch die Intervention unserer Genossen und mehrerer anderer Schüler neutralisiert oder zugunsten der politischen Tätigkeit unserer Genossen gewendet werden. Jetzt besteht sogar die Möglichkeit, über Fachschaftsarbeitskreise der SMV Einfluß auf den Schulsprecher und linke Leute anderer Klassen zu gewinnen. Dies ist umso eher möglich, als zwei unserer Genossen Klassensprecher sind und dadurch größere Einflußmöglichkeiten besitzen. Kürzlich ist eine Basisgruppe von etwa acht Personen aus zwei Klassen gebildet worden, die zur Zeit sozialistische Unterrichtskonzepte erstellt, dabei dient diese Arbeit zugleich als Schulung neuer Leute.
Die Basisarbeit an den beiden anderen Schulen ist noch nicht so fortgeschritten. Im Aufbau-Gymnasium, wo zwei unserer RKJ-Genossen arbeiten, konzentriert sie sich zur Zeit noch ganz auf eine Klasse, in der versucht wird, über Diskussionen im Unterricht die Schüler zu mobilisieren. Es ist auch hier jetzt eine Basisgruppe mit einigen Leuten gebildet worden, wobei allerdings die Arbeitsweise noch nicht klar abgesteckt worden ist.

Ähnliches gilt auch für das Max-Planck-Gymnasium, an dem drei RKJ-Genossen arbeiten. Sie sind in drei verschiedene Klassen verteilt und versuchen jetzt, eine feste sozialistische Kerngruppe zu bilden, die dann die Aktivitäten an der Schule intensivieren soll.
Insgesamt gesehen, muß die Basisarbeit in ihrer Strategie noch wesentlich stärker im Schülerarbeitskreis diskutiert und koordiniert werden, da zur Zeit hierbei noch eine verhältnismäßig starke Uneinheitlichkeit besteht. Durch Flugblattkampagnen und Kontakte zu anderen linken Schülerkreisen soll demnächst versucht werden, unsere Aktivitäten auf neue Schulen auszudehnen."
Q: RKJ-Info Nr. 9, Mannheim Mitte Januar 1971, S. 6ff

März 1971:
Vermutlich im März wird anlässlich der RKJ-Schülerkonferenz vom 3./4.4.1971 von der RKJ-Gruppe Düsseldorf die "Dokumentation zur Arbeit des Schülerarbeitskreises der RKJ" erstellt, von dem bei unserem Exemplar leider die Seite 6 fehlt.

Der im Oktober 1970 gegründete SAK bestehe derzeit "aus 2 Genossen von zwei HFS, drei Leute Max-Planck BG, 1 BG Lessing (alle RKJ-Mitglieder), 1 BG Lessing (RKJ-Sympathisant), 2 Luisenschule (Sympathisanten des SAK), 1 Aufbau (RKJ), 1 Mettmann (RKJ)."

Die Dokumentation gliedert sich in die Teile:
- "I. Theoretischer Teil";
- - "1. Schule und Klassenkampf Funktion der Schule";
- - "2. Theoretische Ansätze der Schülerarbeit";
- - "3. Methodische Ansätze der Schülerarbeit";
- "II. Praktischer Teil";
- - "A. 1. Protokolle";
- - - "2. Zusammenfassung der Arbeit (Oktober - Januar - NK der Schüler)";
- - - "3. Arbeitspapier";
- - - "4. Berichte vom SAK";
- - - - "1. Gruppendynamisches Seminar des SAK";
- - - - "2. Bericht von einem Gespräch mit einer Iserlohner Gruppe" aus Kräften, "die nicht zur DKP und ML neigen";
- - - "5. Kritik und neue Perspektiven";
- - "B. Protokolle der BG";
- - - "a) Lessing";
- - - "b) "Max-Planck", wobei auch die Aktivitäten der Basisgruppe in der Aktion Roter Punkt gegen die Fahrpreiserhöhungen geschildert werden;
- - "C. Situation des SAK in der RKJ-Düsseldorf";
- "III. Kurzer Abriß der Entwicklung der Schülerbewegung in Düsseldorf"; sowie
- "IV. Literatur".
Q: RKJ: Dokumentation zur Arbeit des Schülerarbeitskreises der RKJ, Düsseldorf o. J. (1971)

03.04.1971:
Innerhalb der RKJ der GIM beginnt in Köln eine zweitägige Arbeitskonferenz der bundesweiten Arbeitsgruppe Schüler. Aus Mannheim kommen 7, aus Düsseldorf und Köln je 6, aus Wolfsburg 3 Genossen sowie aus Esslingen, Marl, Neustadt, Speyer und Stuttgart je ein Genosse. Hamburg fehlt.

In Düsseldorf gaben die 8 Schüler aus drei Schulen ein Flugblatt zur Notengebung heraus und führten ein Gruppenseminar über kommunikative Praxis durch.
Q: RKJ: Info Nr. 11 und 16, Hamburg 31.1.1971 bzw. 15.5.1971, S. 6 bzw. S. 4ff

Mai 1971:
Die SDAJ Düsseldorf der DKP gibt vermutlich im Mai ein Extra ihrer Berufsschulzeitung 'Kehrseiten' zum Kongreß in Recklinghausen (vgl. 22.5.1971) heraus.
Q: Kehrseiten Extra, Düsseldorf o.J. (1971)

Juli 1971:
Die KPD gründet ihr Regionalkomitee Rhein/Ruhr (RK) in NRW. Nach eigenen späteren (vgl. 22.1.1975) Angaben verfügt das RK Rhein/Ruhr anfangs über ganze acht Mitglieder, die dann später durch die Mehrheit eines Düsseldorfer Zirkels verstärkt worden seien (uns ist in dieser Hinsicht höchstens der Zentralrat Düsseldorfer Oberschüler geläufig, der aber als Schülergruppe wohl kaum als Zirkel bezeichnet werden darf).
Q: Rote Fahne Nr. 3, Dortmund 22.1.1975

27.08.1971:
Innerhalb der Revolutionär-Kommunistischen Jugend (RKJ) der GIM erscheint das 'RKJ-Info' Nr. 19 (vgl. 20.7.1971, Aug. 1972) mit der "Analyse der RPA" aus Düsseldorf, zur Rote Punkt Aktion gegen die Fahrpreiserhöhungen, an der sich neben DKP und Anhang und den nur dem Namen nach beteiligten AStA der Universität, VK und Lehrlingsgruppe Mettmann, auch die RKJ, der RC und der Zentralrat Düsseldorfer Oberschüler teilnahmen, in dem neben der DKP und RKJ auch andere Schüler arbeiten, "die weitgehend die AO-Linie vertreten" und als ML bezeichnet werden. Berichtet wird:"
Der Aufbau von Schülerkomitees ist nicht gleichmäßig in Angriff genommen worden. Im Max-Planck-Gymnasium gelang es zwar, die SMV für Teach-Ins und die Bildung von Komitees zu gewinnen, aber da nach den Osterferien die RPA abschlaffte, kam es zu keiner Ausführung mehr. Im Lessing-Gymnasium wurde von Anfang an die Notwendigkeit und die Bedeutung der RPA nicht eingesehen und so geschah dort nichts."
Q: RKJ-Info Nr. 19, Hamburg 27.8.1971, S. 5ff

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September 1971:
Der Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler gibt vermutlich im September die Broschüre "Zur Strategie der vietnamesischen Revolution. Entwicklung und Aufbau des Sozialismus in der Demokratischen Republik Vietnam" heraus, die sich gliedert in die Abschnitte:
- "Historischer Abriß";
- "Die national-demokratische Volksrevolution";
- - "Probleme der revolutionären Strategie";
- - "Prinzipien und Methoden des revolutionären Handelns";
- - "Die südvietnamesische Revolution - der Volkskrieg gegen die US-Imperialisten";
- - "a) Historische Entwicklung - von der national-demokratischen Revolution zur sozialistischen Revolution";
- - "b) Die gegenwärtige Situation mit ihren Aufgaben und Problemen";
- - - "Die Diktatur des Proletariats und die 3-fache Revolution vollenden!";
- - - "Die Linie der wirtschaftlichen Entwicklung in der Anfangsphase";
- "Die Partei, der Organisator aller Siege";
- - "Internationale Auswirkungen des Volkskriegs in Vietnam";
- - "Die Auswirkungen auf die kolonialen und halbkolonialen Länder"; sowie
- - "Die Auswirkungen auf die kapitalistischen Länder".

Bekanntgegeben wird der ZR-Treffpunkt, jeweils montags im Republikanischen Centrum (RC). Geworben wird für Schriften des Oberbaumverlags und des Verlags Rote Fahne der KPD.
Q: Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler: Zur Strategie der vietnamesischen Revolution. Entwicklung und Aufbau des Sozialismus in der Demokratischen Republik Vietnam, Düsseldorf o. J.

08.10.1971:
In Düsseldorf wird, laut LgdI der KPD, vermutlich im Oktober eine Japan-Veranstaltung unter ihrer Anleitung durchgeführt.

Die KPD (vgl. 22.10.1971) berichtet über Aktionen gegen den Besuch von Hirohito aus Japan vermutlich von heute (vgl. 9.10.1971):"
In Düsseldorf hatte die LIGA, unterstützt vom Zentralrat (ZR, d.Vf.) der Schüler zur Protestveranstaltung aufgerufen. Es waren über hundert Schüler, zahlreiche Jungarbeiter und Lehrlinge und auch einige fortschrittliche Lehrer anwesend."
Q: Internationale Solidarität Nr. 1, Berlin 10.2.1972, S. 4

Rote Fahne Nr. 28, Berlin 22.10.1971, S. 7

09.10.1971:
Die KPD (vgl. 22.10.1971) berichtet aus Düsseldorf, daß heute "Genossen und Sympathisanten der KPD durch Agit-Prop-Trupps den Kampf der 'Liga gegen den Imperialismus' (LgdI, d.Vf.) gegen die Anwesenheit des Kriegsverbrechers und Feind der japanischen Arbeiterklasse Hirohito unterstützten, um Großveranstaltungen und Demonstrationen vorzubereiten".

Der Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler (ZR) rief für heute mit einem Flugblatt "Solidarität mit dem kämpfenden japanischen Volk" zur Veranstaltung der LgdI mit dem Film "Der Kampf der Bauern in Sanrizuka" auf.
Q: Rote Fahne Nr. 28, Berlin 22.10.1971, S. 5; Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler: Solidarität mit dem kämpfenden japanischen Volk, Düsseldorf o. J. (1971)

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11.11.1971:
Für den Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW berichtet Uwe Koch vom Kampf gegen die Berufsverbote (BV), "am 11. November 1971, also noch vor dem Beschluß der Ministerpräsidenten, sprach der damals bereits nicht eingestellte Lehrer Karl-Heinz Henne zu Schülern, Lehrern und Eltern. Die Bezirks-SMV hatte zuvor eine Unterschriftenaktion durchgeführt. 40 Düsseldorfer Lehrer und zahlreiche Schülersprecher forderten damals: Henne in den Schuldienst!"

Nicht erschienen seien die eingeladenen Vertreter des Kultusministeriums und des Schulkollegiums.
Q: SMV-Ex-Press Nr. 1, Düsseldorf Aug. 1973, S. 1

Dezember 1971:
In der Nr. 2 der nordrheinwestfälischen 'SMV-Press' wird u.a. berichtet über die Arbeit des Marxistischen Schülerbundes (MSB) Düsseldorf der DKP am dortigen Comeniusgymnasium.
Q: SMV-Press Nr. 2, Münster Dez. 1971

18.12.1971:
Es beginnt die zweitägige 'Bonner Konferenz' der LgdI, auf der u.a. ein Text: "Alles für den Sieg des Kämpfenden Vietnam. Gemeinsame Erklärung der Teilnehmer der Konferenz der Liga gegen den Imperialismus" verabschiedet wird. Die Erklärung wird auch unterstützt vom Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler.
Durchgeführt wird die Kampagne (vgl. 10.2.1972) u.a. in Düsseldorf (vgl. Feb. 1972, 19.2.1972).
Q: Internationale Solidarität Nr. 1, Berlin 10.2.1972, S. 5; Rote Presse Korrespondenz Nr. 148, Berlin 1971

Februar 1972:
Vermutlich Anfang Februar gibt die Oberschülerkommission (OSK) des KSV der KPD die Nr. 2 ihrer 'Kommunistischen Schülerpresse' (KSP - vgl. Jan. 1972, Feb. 1972) heraus. Berichtet wird u.a. vom Zentralrat Düsseldorfer Oberschüler.
Q: Kommunistische Schülerpresse Nr. 2, Berlin o.J. (1972), S. 6

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14.03.1972:
U.a. der OSK des KSV der KPD, später dem KOV nahestehende Mitglieder der Landes-SMV (vgl. 9.9.1972) berichten vom Arbeitskreis Düsseldorfer Schüler (ADS - der Bezirks-SMV), daß dieser unter Einfluß des Marxistischen Schülerbundes (MSB) der DKP heute eine Demonstration "'für Mitbestimmung und demokratische Lehrinhalte' in der kapitalistischen Schule" durchführte.

Die 2 000 DemonstrantInnen rührten u.a. daher, "daß viele SPD-Schulleiter den Schülern zu dieser Demonstration schulfrei gaben."

Laut den MLSG (vgl. Apr. 1972) demonstrierten über 2 000 Schüler während der Unterrichtszeit gegen den Wehrkundeerlass (WKE) bzw. die Militarisierung der Schulen.
Q: SMV/ABS NRW-Mitglieder: Erklärung: Bezirks- und Landes-SMV unter der politischen Kontrolle der Kultusbürokratie, Bonn 9./10.9.1972, S. 5; Rotes Signal Nr. 3, Erlangen Apr. 1972, S. 11

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April 1972:
Vermutlich im April bringt die MLSG Düsseldorf des KAB/ML ihre 'Rote Schülerpresse' Nr. 2 (vgl. Mai 1972) mit einem Aufruf zum 1. Mai heraus.

Weitere Artikel sind:
- "Bayern: 'Buttons' verboten!" an den Schulen;
- "Das kleine gelbe Schülerbuch von Gerd Hamburger - Buchbesprechung";
- "Antiwehrkunde-Demonstration" in Stuttgart am 22.3.1972;
- "Scholl: MSB-Werbung nach ADS-Aktionstag";
- "Resümee des ADS-Aktionstags"; sowie
- "1. Mai lebt! Geschichte des 1. Mai".

Die Sympathisanten werden eingeladen zum Treffen im Republikanischen Centrum (RC).
Q: Rote Schülerpresse Nr. 2, Düsseldorf 1972

Mai 1972:
Vermutlich im Mai bringt die MLSG Düsseldorf des KAB/ML ihre 'Rote Schülerpresse' Nr. 3 (vgl. Apr. 1972, Juni 1972) heraus mit dem Leitartikel "Ostverträge - Scheinkampf auf dem Höhepunkt".

Weitere Artikel sind:
- "Freiheit der Berufswahl?";
- "Imperialismus in der Praxis: VW";
- "Streiks gegen die CDU";
- "Zu unserer weiteren politischen Arbeit", nachdem man seit 2 1/2 Monaten als "selbständig arbeitende politische Schülergruppe" bestehe, mit der Einladung zum Sympathisantentreffen im Republikanischen Centrum (RC), wozu es heißt: "Verirrt euch nicht zum Zentralrat: WIR sind in der Bücherstube";
- "Vietnam: Offensive der Volksstreitkräfte"; sowie
- "Randnotizen vom 1. Mai".
Q: Rote Schülerpresse Nr. 3, Düsseldorf 1972

01.05.1972:
1. Mai in Düsseldorf. Laut OSK des KSV gab der Zentralrat Düsseldorfer Oberschüler zwei Flugblätter heraus und mobilisierte etwa 60 Schüler für seine Veranstaltung, die fast alle mit nach Dortmund zur Demonstration gefahren seien.
Q: Kommunistische Schülerpresse Nr. 4, Berlin Mai 1972, S. 9

26.05.1972:
In Düsseldorf findet, laut RJ/ML des KAB/ML, die Jugenddelegiertenkonferenz des DGB Kreisverbandes Düsseldorf statt, die 13 000 Jugendliche vertritt und sich laut MLSG auch gegen das Schulmitwirkungsgesetz aussprach.
Q: Rote Schülerpresse Nr. 4, Düsseldorf Juni 1972, S. 7; Rebell Nr. 7, Tübingen Juli 1972, S. 3

Juni 1972:
Die MLSG Düsseldorf des KAB/ML gibt ihre 'Rote Schülerpresse' Nr. 4 (vgl. Mai 1972, Juni 1972) heraus mit dem Leitartikel "Oberstufenreform - ein Fortschritt für wen?" zur OSR.

Weitere Artikel sind:
- "Die Frage der Gewalt" zur RAF;
- "Theodor Heuss Schule Ratingen" wo es wegen der Ernennung eines anderen Kandidaten als des von Elternvertretern, Schülern und der Lehrerkonferenz (mit vier Schülern) gewünschten zum stellvertretenden Direktor, trotz strömenden Regens zur Demonstration von 100 von 750 Schülern auf dem Marktplatz kam;
- "Notiz" zur DGB-Kreisjugendkonferenz am 26.5.1972, die sich auch gegen das Schulmitwirkungsgesetz aussprach;
- "Was ist Imperialismus?";
- "Aus Adolfs Zeiten. Bonner Parteien peitschten die Vorbeugehaft durch!"; sowie
- "Bücherseite" zu Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus.
Q: Rote Schülerpresse Nr. 4, Düsseldorf Juni 1972

Juni 1972:
Die MLSG Düsseldorf des KAB/ML gibt ihre 'Rote Schülerpresse' (vgl. Juni 1972, 7.8.1972) vermutlich im Juni als Sonderdruck für das Geschwister Scholl Gymnasium heraus "Zur SMV-Aktion".
Q: Rote Schülerpresse Sonderdruck für das Geschwister Scholl Gymnasium, Düsseldorf o. J. (1972)

Juni 1972:
Die Zelle Leibniz-Gymnasium der MLSG Düsseldorf des KAB/ML gibt vermutlich im Juni das Flugblatt "Helft uns beim Aufbau der Schulzelle am LG!" heraus.
Q: MLSG-Zelle Leibniz: Helft uns beim Aufbau der Schulzelle am LG!, Düsseldorf o. J. (1972)

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15.06.1972:
In Düsseldorf streikt, laut KPD, die Klasse ESM 1 (Starkstromelektriker) an der Gewerblichen Berufsschule 1 zwei Stunden lang wegen Lehrermangel.
Q: Rote Fahne Nr. 49, Dortmund 28.6.1972, S. 7

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17.06.1972:
Das Nationale Vietnam Komitee (NVK) wird gegründet (vgl. 5.6.1972) und kann sich auf dieser ersten Delegiertenkonferenz (vgl. 7.10.1972) auf 102 bereits existierende Vietnamausschüsse (VA) stützen, u. a. Max Planck Gymnasium Düsseldorf, Oberschüler Düsseldorf und Clara Schumanngymnasium Düsseldorf.
Q: NVK: Bulletin Nr. 1 und 5, Bonn 1972;

19.06.1972:
Die Oberschülerkommission (OSK) des KSV der KPD gibt ihre 'Kommunistische Schülerpresse' (KSP) Nr. 5 für Juni (vgl. Mai 1972, Sept. 1972) frühestens in dieser Woche heraus. Der Leitartikel gibt zum NVK bekannt: "Nationales Vietnamkomitee gegründet!" (vgl. 17.6.1972). In "Breite Resolutionsbewegung an den Schulen zur Unterstützung des kämpfenden Vietnam" wird als Verabschieder einer Resolution auch genannt der Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler.
Q: Kommunistische Schülerpresse Nr. 5, Berlin Juni 1972

07.08.1972:
Die MLSG Düsseldorf des KAB/ML gibt in dieser Woche ihre 'Rote Schülerpresse' (vgl. Juni 1972, 21.8.1972) als Sonderdruck "Neue Notstandsgesetze durchgepeitscht" heraus mit der Einladung zur Veranstaltung am 14.8.1972.
Q: Rote Schülerpresse Sonderdruck Neue Notstandsgesetze durchgepeitscht, Düsseldorf o. J. (1972)

14.08.1972:
Die Landeselternschaft der Gymnasien in NRW (vgl. Okt. 1972) berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche über die Tätigkeit ihres Vorstands:"
SCHÜLERZEITUNGEN

Schülerzeitungen aller Art waren Gegenstand von Untersuchungen und Diskussionen im Ausschuß 'Politische Bildung und Erziehung'. Der nachstehende Bericht ist das Ergebnis dieser Arbeit.

AUSSERSCHULISCHE SCHüLERZEITUNGEN

Ganz anders liegen die Verhältnisse nach den Ermittlungen des Ausschusses bei den Schülerzeitungen und Informationsschriften (Infos), die von außerschulischen Schüler- oder Jugendgruppen herausgegeben werden. Z.B. vom Marxistischen Schülerbund Düsseldorf (MSB der SDAJ der DKP, d.Vf.), 'Imun' aus Rheydt u.ä….

Diese Publikationen sind nicht Schülerzeitungen im Sinne des Schülerzeitungserlasses, da sie außerhalb der Schule entstehen. Zum Teil werden sie offensichtlich von starken Organisationen gestützt; sie erscheinen auch viel regelmäßiger als die Blätter an den Einzelschulen. Ihre meist radikal marxistische Tendenz ist zweifellos bedenklich im Hinblick auf eine mögliche Indoktrinierung von Schülern."
Q: Landeselternschaft der Gymnasien in NRW: Mitteilungsblatt Nr. 77, Rheydt Okt. 1972, S. 10ff

21.08.1972:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich in dieser Woche ihre 'Rote Schülerpresse' Nr. 5 (vgl. 7.8.1972, Okt. 1972) für August heraus mit dem Leitartikel "Einschätzung der SMV".

Weitere Artikel sind:
- "'Friedens'olympiade 1972";
- "Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands gegründet" zum KABD;
- "Po-Festivals: Liebe und Musik";
- "Die neue Monopoloffensive: Vier neue NS-Gesetze" zu den NSG;
- "Bericht von den Diskussionsveranstaltungen der MLSG-Schulzellen", die von den Zellen jeweils für mehrere Schulen durchgeführt worden seien; sowie
- "Vietnamsolidarität Erlangen. Aktionseinheit oder Sektierertum?" aus dem 'Roten Pfeil'.

Unser Exemplar enthält eine Beilage der Zelle Leibniz mit den Artikeln "Elternversammlung: Randbemerkungen der Zelle" und "Rechtsausschuß - die nächsten Aufgaben der SMV".
Q: Rote Schülerpresse Nr. 5, Düsseldorf Aug. 1972

September 1972:
Die Oberschülerkommission (OSK) nun des KJV, nicht mehr des KSV der KPD gibt ihre 'Kommunistische Schülerpresse' (KSP - vgl. Juni 1972, 9.10.1972) heraus. Aus Düsseldorf berichtet der zweite Leitartikel über "Militaristische Propaganda an den Düsseldorfer Oberschulen" bzw. den Wehrkundeerlass (WKE) und die Jugendoffiziere am Leibnizgymnasium und dem Max Planckgymnasium. Der dortige Zentralrat (ZR) der Düsseldorfer Oberschüler ist in der Bezirks-SMV tätig und bekämpft die Wehrkunde, wobei er sich dort mit dem Marxistischen Schülerbund (MSB) der DKP und den Jusos der SPD konfrontiert sieht. In "BDS: Antikommunistischer Hetzverein" wird berichtet, daß in Düsseldorf im Mai der Bund Demokratischer Schüler durch Mitglieder JU der CDU gegründet wurde. Dieser wurde am Max-Planck-Gymnasium und in der Bezirks-SMV aktiv.
Q: Kommunistische Schülerpresse Nr. 6, Berlin Sept. 1972, S. 1, 5 und 10

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September 1972:
In NRW gibt die Landes-SMV an allgemeinbildenden Schulen vermutlich im September ihre 'SMV-Press' Nr. 5 (vgl. Juni 1972, Aug. 1973) heraus. Der Leitartikel agitiert gegen die Olympiade und propagiert aus diesem Anlaß die bundesweite Olympia-Demonstration der KPD und ihres NVK am 26.8.1972.

Auf Seite 4 erscheint ein Artikel gegen die Disziplinierung des Vietnamausschusses Schlaun-Gymnasium Münster (VA des NVK der KPD).

Laut den Freunden des KOV der KPD kommt es zu Behinderungen bei der Verteilung dieser Nummer, die erstmals so richtig gute Artikel enthalten habe (vgl. 26.9.1972).
Q: SMV allgemeinbildende Schulen NRW-Bezirksschülersprecher Dortmund, Münster, Warendorf, Düsseldorf, Mettmann, Planungsreferent, Innenreferent und Finanzreferent des Landesvorstandes NRW's: Resolution gegen die Behinderung der Arbeit fortschrittlicher Schülervertreter auf Schul-, Bezirks- und Landesebene, o.O. 17.10.1972

09.09.1972:
In Bonn beginnt eine zweitägige Landesversammlung der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW's (SMV/ABS).

In einer achtseitigen "Erklärung: Bezirks-und Landes-SMV unter der politischen Kontrolle der Kultusbürokratie" heißt es u.a. zu dieser Tagung:"
In dieser für Juso-Hoffmann peinlichen Situation kam ihm der Landesschülersprecher der berufsbildenden Schulen (BBS, d.Vf.), Michael Winter (SPD) zu Hilfe: Nachdem er bereits am Vortag jegliche Mitverantwortung an diesem 'politischen Unkraut 'SMV-Press' der Gymnasiasten' abgelehnt hatte, erklärte er nunmehr, daß etliche Gespräche, die er im KuMi geführt habe, zu folgendem Ergebnis gekommen seien: das KuMi sei nicht mehr länger bereit, eine solche SMV-Press zu finanzieren. Er habe deshalb den Vorschlag unterbreitet, eine neue Zeitung zu machen, gemeinsam mit den allgemeinbildenden Schulen in NRW. Der Verband der berufsbildenden Schulen könne in Übereinstimmung mit dem KuMi 'schon jetzt' sagen, daß er sich nur unter folgenden Voraussetzungen an einem solchen Projekt beteiligen werde: 'einseitige Parteipropaganda' muß von vornherein 'ausgeschlossen' sein. Obendrein legte er ein völlig fertiges Redaktionsmodell vor, das den vom KuMi sehr gewünschten und bereits bekannten 'Pluralismus' garantieren soll.

Was das KuMi und dieser schmierige Verräter an den Interessen der Arbeiterjugend darunter verstehen, zeigt die Äußerung E. Hoffmanns, daß die geplante Zeitung in engerer Zusammenarbeit mit 'dem' DGB und 'der' GEW geplant und erstellt werden soll. Also gerade mit den Spitzen derjenigen Verbände, die Arbeiterinteressen in jeder Tarifrunde aufs Neue verraten bzw. wie die GEW-Führung ständische Forderungen für die studierende und werktätige Intelligenz aufstellen.

Juso-Hoffmann 'distanzierte' sich nach empörten Zwischenrufen, die dieses Vorhaben als politische Disziplinierung aller fortschrittlichen und kommunistischen Schüler bei den SMV'en aufdeckten, von diesem Projekt lediglich insofern, als er erklärte, dieses Redaktionsmodell sei für die SMV der ABS 'nicht ganz akzeptabel'. Denn der im Modell integrierte Landeshauptausschuß existiere bei der SMV der ABS nicht mehr (der LHA ist ein zweitrangiger Ausschuß, der den Landesvorstand 'kontrollieren' und ihm organisatorische Hilfe leisten soll). Er verlor natürlich kein Wort über die politische Gängelung fortschrittlicher Schüler durch das Verbot 'einseitiger Parteipropaganda'. In diesem Zusammenhang muß auf die Rolle der anwesenden DKP-, MSB- und SDAJ-Mitglieder eingegangen werden (der MSB - Marxistischer Schülerbund in Düsseldorf - ist eine lokale Schülerorganisation, die eng mit der DKP und der SDAJ zusammenarbeitet).

Die Politik der DKP, SDAJ und des MSB in engster Zusammenarbeit den Jusos dient zur Wahlunterstützung der SPD. Gerade diese Organisationen loben sich selber in Worten als entschiedene 'Kämpfer' für 'Frieden, Demokratie und Sozialismus'. Der MSB tritt z.B. nicht nur für das 'Demokratische Bildungswesen' im Kapitalismus ein, deren Grundlage die 'einheitliche demokratische Gesamtschule sein muß', wo alle Schüler 'gefördert' werden. Der MSB hat auch 'zum aktiven Eintreten für den demokratischen Fortschritt' schriftlich etwas niedergelegt. Er hat es sich auch zur Aufgabe gesetzt, 'die Schüler nicht nur für bildungspolitische Forderungen zu mobilisieren, sondern sie auch in den antiimperialistischen Kampf einzubeziehen, insbesondere in die Aktionen gegen die USA-Aggressionen in Indochina, gegen den Abbau demokratischer Rechte…' So setzten sie sich bei der SMV-Arbeit in Worten 'für eine Erweiterung der Rechte der SMV ein', die allen Gruppen und Parteien außer 'faschistischen und revanchistischen' die Möglichkeiten einer 'ungehinderten' und 'effektiven' Arbeit bietet. Dazu ist 'die Arbeit der SMV von der Verwaltung mit ausreichenden finanziellen Mitteln zu unterstützen'. Im Aktionsprogramm des MSB (vgl. S4.**.197*, d.Vf.) steht weiter: 'die dringenste Aufgabe ist der Kampf gegen den Antikommunismus…', damit die vielen 'ehrlich für den gesellschaftlich Fortschritt kämpfenden Menschen' das 'spätkapitalistische System… überwinden'.

Schaffte es DKP-Hüller, daß die Mitglieder des MSB und der SDAJ wie er gemeinsame Sache mit der SPD-Kultusbürokratie, den Jusos und den sich befriedigt zurückhaltenden CDU- und Junge Union-Mitgliedern gegen die fortschrittlichen Bezirksvertreter machten?

Oder nahmen einige Mitglieder den Anspruch ihrer Organisationen ernst? Kämpften sie gegen den Abbau demokratischer Rechte, gegen den Antikommunismus und gegen die US-Aggressionen in Indochina und setzten sie sich für ausreichende finanzielle Absicherung der Arbeit der SMV gegenüber der Kultusbürokratie ein?

Oder bekam der bis auf die Spitze getriebene Reformismus (wie die Forderung nach einem 'demokratischen Bildungswesen' und der 'demokratischen Schulreform' im Kapitalismus, die durch 'umfassende Mitbestimmung' der Schüler realisiert werden soll) die Oberhand, sodaß sie sich mit der Agentur der SPD unter der Jugend, den Jusos, gegen die fortschrittlichen und kommunistischen Schülervertreter verbanden?

Auch diesmal maßte sich DKP-Hüller an, die 'wahren' Interessen der Schüler NRW's zu vertreten, indem er als beispielhaft die ADS-Demonstration (Arbeitskreis Düsseldorfer Schüler - die Bezirks-SMV, d.Vf.) vom 14. März 1972 anführte (hier war 'für Mitbestimmung und demokratische Lehrerinhalte' in der kapitalistischen Schule in Düsseldorf demonstriert worden).

Er vergaß nur zu erwähnen, daß viele SPD-Schulleiter den Schülern zu dieser Demonstration schulfrei gaben.

Wieviel von dem damals 2 000 demonstrierenden Schülern auf Grund der illusionären Forderungen übriggeblieben sind, beweist die äußerst peinliche Situation der MSB und der Juso-Mehrheit im ADS (Aktionskreis Düsseldorfer Schüler-Bezirksschülerparlament) bei der Vorbereitung des im November geplanten Schülerkongresses.

Momentan 'arbeiten' nur ca. fünf Arbeitskreise, in denen nicht viel mehr als 20 Schüler Interesse an diesen Reformspielereien haben.

Wenn man sich vergegenwärtigt, daß bei einer Sitzung des Vietnam-Ausschusses (VA des NVK der KPD, d.Vf.) am Max-Planck-Gymnasium in Düsseldorf mehr Schüler mitarbeiten, als in allen Arbeitskreisen zusammen und daß über 100 Schüler aus den bisher zwölf Schüler-Vietnam-Ausschüssen in NRW trotz Schwierigkeiten mit Schulbürokratie, Eltern und mit der Finanzierung am 26.8. zur Vietnamdemonstration anläßlich der Eröffnung der Olympischen Spiele nach München kamen, so läßt sich wohl unschwer ablesen, für welche Interessen die Schüler NRW's eintreten.

Sie zeigen Interesse vor allem daran, ungehindert ihre Meinung zu äußern, was ihnen von der Schulbürokratie vielfach verwehrt wurde (siehe auch S. 4 Mitte in der SMV-Press Nr. 5, als sie Partei ergriffen für das kämpfende vietnamesische Volk in seinem gerechten Kampf gegen die USA-Aggression). Der Vietnam-Artikel ist also nur Ausdruck einer bereits vorhandenen Bewegung einer großen Zahl fortschrittlicher Schüler in NRW.

Warum sind sich Jusos, DKPisten, SDAJler und MSBler so einig in der Verteidigung der Liquidierung der SMV-Press? Warum ist ihnen dieser Vietnam-Artikel so sehr ein Dorn im Auge? Warum verweigerten sie strikt jede Diskussion über den Artikel?


Der Grund ist sehr einfach: der Artikel 'Olympische Spiele in München: Friedensspiele?' ist der bisher einzige Artikel von ca. 140 in sieben erschienenen SMV-Press, der die SPD/FDP-Regierung als willige und gut funktionierende Interessenvertretung der BRD-Monopole entlarvt.

Hieraus wird endgültig deutlich, wieso sich - so kurz vor den Neuwahlen - Juso-Landesschülersprecher Hoffmann bei seinen Terminen im SPD-Kultusministerium nicht mehr 'vor die SMV-Press stellen konnte'.

Denn ein solcher Artikel dürfte wohl kaum der von Jusos, DKP, SDAJ, MSB usw. beschlossenen und öffentlich erklärten Wahlunterstützung für die SPD dienlich sein (Bekanntlich sind für diese 'Linken' Barzel und Strauß mit ihrer CDU/CSU-Reaktion der Hauptgegner - sieht man einmal von den Kommunisten ab).

Wir haben gesehen, Juso, DKP, SDAJ und MSB unterstützen voll die reaktionäre Politik der SPD; sie wollen den Schülermassen vorgaukeln, daß in der Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium (Interessenvertretung des Kapitals) Reformen entstehen, wodurch die Interessen der Schüler vertreten werden. Gerade diejenigen, die den Schülern am meisten versprechen (Mitbestimmung, Chancengleichheit in unserer 'freiheitlich demokratischen Grundordnung'(FdGO, d.Vf.)) wiegeln bei derartig einschneidenden Maßnahmen der SPD-Kultusbürokratie ab, kurz: unterstützen voll den Abbau der demokratischen Rechte, statt für sie zu kämpfen. Dadurch ist es ihnen möglich, sich ihre Posten und Pöstchen (Landesschülersprecher mit durchschnittlich 1 000 DM Spesen-Steuergeldern, in der Landesjugendpresse (LJP, d.Vf.), Geschäftsführer des Konvents etc.) nicht zu verlieren und die dazu notwendigen guten Beziehungen zum KuMi aufrechtzuerhalten. Deshalb scheuen sie selbst vor plumper antikommunistischer Hetze nicht zurück, um somit die fortschrittlichen und kommunistischen Schülervertreter zu diffamieren.

Q: SMV allgemeinbildende Schulen NRW-Bezirksschülersprecher Dortmund, Münster, Warendorf, Düsseldorf, Mettmann, Planungsreferent, Innenreferent und Finanzreferent des Landesvorstandes NRW's: Resolution gegen die Behinderung der Arbeit fortschrittlicher Schülervertreter auf Schul-, Bezirks- und Landesebene, o.O. o.J. (1972); SMV/ABS NRW-Mitglieder: Erklärung: Bezirks- und Landes-SMV unter der politischen Kontrolle der Kultusbürokratie, Bonn 9./10.9.1972

Oktober 1972:
Die MLSG Düsseldorf und nun auch Duisburg des KABD gibt ihre 'Rote Schülerpresse' Nr. 6 (vgl. 21.8.1972) für Oktober heraus mit dem Leitartikel "MLSG Duisburg gegründet! Gründungserklärung der MLSG Duisburg" vom 27.8.1972.

Weitere Artikel sind:
- "Zur Situation der Lehrer in der BRD";
- "Olympiawandzeitungen am Leibniz-Gymnasium";
- "Verbindungslehrerwahlen am Leibniz-Gymnasium";
- "Zum Thema Schulsport: 1. Teil";
- "Werksbesichtigung bei VW" in Wolfsburg;
- "Neue Verbrechen der US-Imperialisten in Vietnam!"; sowie
- "Essen: Popfestival der Kapitalisten" am 8.9.1972.

Beigelegt ist ein Flugblatt "Nazis raus aus Düsseldorf" von KABD, Kommunistischer Jugendverband (Revolutionärer Weg) und MLSG, das zur Aktionseinheit gegen den NPD-Bundesparteitag am 21.10.1972 aufruft.
Q: Rote Schülerpresse Nr. 6, Düsseldorf Okt. 1972; KABD, KJV (RW), MLSG: Nazis raus aus Düsseldorf, Düsseldorf o. J. (1972)

08.10.1972:
Bei seiner Gründung richtet der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD in Düsseldorf zwei Zellen ein.
Q: Schulkampf Nr. 6, Berlin März 1973

09.10.1972:
Frühestens heute gibt der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD erstmals seinen 'Schulkampf' (vgl. Sept. 1972, 9.11.1972) heraus. Aus NRW wird in "Girgensohn (SPD) will SMV in NRW liquidieren" berichtet über die LandesSMV. In dieser konnte man fortschrittliche Kräfte u.a. in Düsseldorf ausfindig machen, befreundet ist man mit dem Zentralrat (ZR) Düsseldorfer Oberschüler. In Düsseldorf sind neben dem ZR u.a. noch Jusos der SPD und Marxistischer Schülerbund (MSB der DKP) an den Gymnasien Clara Schumann, Comenius und Leibniz tätig, eine MLSG-Zelle des KABD gibt es am Leibnizgymnasium.
Q: Schulkampf Nr. 1, Berlin Okt. 1972, S. 1 und 12f

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21.10.1972:
In Düsseldorf organisiert die Ortsleitung der KPD, nach eigenen Angaben, auf dem Gertrudisplatz in Eller eine achtzigköpfige Demonstration und Kundgebung gegen den NPD Bundesparteitag, gegen den letztes Jahr noch 2 000 protestiert hätten. Diese aber sind heute eventuell auch bei den Kundgebungen von DKP und KPD/ML-ZB in der Innenstadt. Man selbst bzw. die LgdI wurde auch noch von einer Razzia betroffen. Zur Demonstration der KPD rief diese mit einem 'Rote Fahne' Sonderdruck "Faschisten raus aus Düsseldorf!" auf.

Es wurde auch ein gemeinsamer Aufruf des KOV, des Zentralrates (ZR) der Düsseldorfer Oberschüler und der Kommunistischen Schülergruppe (KSG) Neuss erlassen.

Gegen die NPD protestiert auch die DKP.

KABD, Kommunistischer Jugendverband (Revolutionärer Weg) und MLSG, riefen mit einem Flugblatt "Nazis raus aus Düsseldorf" auf zur Aktionseinheit.
Q: Rote Fahne Nr. 66, Dortmund 25.10.1972, S. 8; Rote Fahne Sonderdruck Faschisten raus aus Düsseldorf!, Dortmund o. J.;Schulkampf Nr. 2, Berlin Nov. 1972, S. 11;Morgen! Nr. 5 und o.Nr. , Düsseldorf o.J. (1972);Kommunist, Düsseldorf o.J. (1972);KABD, KJV (RW), MLSG: Nazis raus aus Düsseldorf, Düsseldorf o. J. (1972)

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30.10.1972:
Vom KOV der KPD in NRW wird vermutlich in dieser Woche ein siebenseitiger Entwurf vorgelegt:"
PLATTFORM DER KAMPFAKTIVS GEGEN DIE LIQUIDIERUNG DER LANDESSCHÜLERVERTRETUNG

Wenn aber in der SMV-Press Artikel von SV erscheinen, die die Politik der SPD, FDP, CDU etc. genauer unter die Lupe nehmen und von Aktivitäten dagegen berichten oder zur Solidarität mit politisch disziplinierten Schülern aufrufen, so erklärt die SPD gemeinsam mit den anderen Parteien im Landtag, daß dies nicht unter 'Pluralismus' gehört!

Unsere Forderungen gegen diesen Abbau des demokratischen Rechts der freien Meinungsäußerung müssen sein:
KAMPF DER LIQUIDIERUNG DER SMV-PRESS DURCH DIE EINSTELLUNG DER FINANZIERUNG!
FÜR EINE UNZENSIERTE ZEITUNG DER LANDESSCHÜLERVERTRETUNG IN NRW!
FINANZIELLE ABSICHERUNG DER ARBEIT FORTSCHRITTLICHER SCHÜLERVERTRETER!

Hatte man gedacht, daß sich alle Schüler gegen diese Bevormundungsmaßnahmen stellen würden, so mußte man sich eines beonseren belehren lassen: Gerade die sich fortschrittlich und 'links' gebenden Jugendorganisationen der bürgerlichen Parteien, wie die Jusos der SPD, ergriffen gemeinsam mit der Jungen Union der CDU Partei FÜR die Disziplinierungsmaßnahmen der Kultusbürokratie!

Auch Wortführer der SDAJ, des MSB aus Düsseldorf, sowie andere DKP-Anhänger distanzierten sich von dem Inhalt der letzten SMV-Press. Sie erklärten den Vietnam-Solidaritätsartikel für 'zweitrangig', 'formal' und als 'Pflichtübung'.

Auch den Solidaritätsaufruf für den politischen disziplinierten Heinz-J. bezeichneten sie als nicht so wichtig, da auch er 'am Interesse der Schüler vorbeigehen' würde.

Auf Schul- und Bezirksebene versuchten sie die Schüler so an der Nase herumzuführen, schreckten noch nicht einmal davor zurück, den Schülern die letzte SMV-Press vorzuenthalten, indem sie sie nicht austeilten und auf 'Befehl von höherer Stelle' (diese stellte sich später als der Juso-Landes'schüler'sprecher heraus) versuchten Jusos am Leibniz-Gymnasium und MSB'ler am Clara-Schumann-Gymnasium sogar, sie beiseite zu schaffen (Düsseldorfer Gymnasien).

Überall versuchten die Führer dieser Organisationen die Protestbewegung aufzuweichen und zu spalten, bezeichneten die als 'Sektierer', die die Schüler informierten und zum einheitlichen Vorgehen aufriefen.

Viele Jusos und MSB-Mitglieder haben aus dem Verhalten ihrer Organisationsspitzen die Konsequenzen gezogen: Sie haben gemeinsam mit den fortschrittlichen SV den Kampf gegen die Bevormundungsmaßnahmen der Kultusbürokratie aufgenommen:

GEGEN DIE VERSUCHE DER JUSO-, DKP-, SDAJ- und MSB-FÜHRER, DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT DER SCHÜLER GEGEN DIE POLITISCHE DISZIPLINIERUNG ZU SPALTEN UND ZU SABOTIEREN!

Trotz all diesem liebdienerischen Taktieren ist sich die SPD-Kultusbürokratie der Wirksamkeit der Juso, MSB, SDAJ und DKP-Wortführer beim Abwiegeln des einheitlichen Vorgehens der Schüler nicht mehr 100%ig sicher: deshalb hat sie die Landes-SMV selbst in die Hand genommen und Maßnahmen getroffen, die alle bisherigen bei weitem in den Schatten stellen

Als 'Kampf' geben jetzt auch E. Hoffmann und andere Jusos, DKP-, SDAJ- und MSB-Spitzen ihr Taktieren mit der Kultusbürokratie aus.

Haben sie die Einstellung der SMV-Press unterstützt und sich für eine Zensur ausgesprochen, so sehen sie jetzt mit Besorgnis, daß die Kultusbürokratie aus Angst vor konsequenter Schülervertretung die gesamte SMV lahmlegen will, d.h. daß auch ihre Pöstchen in Gefahr geraten, die Möglichkeiten ihrer politischen Arbeit eingeschränkt werden könnten.

Bezeichnenderweise denken sie in ihrem 'Kampf' auch nicht im Traum daran, die Schüler umfassend zu informieren und gegen die Kultusbürokratie zu mobilisieren. Das könnte ja die 'Stimmung' im Kultusministerium unnötig verschlechtern…

Um aber nicht völliger Blindheit bezichtigt zu werden, und um die Mitglieder ihrer Organisationen ruhig zu halten, sprechen sie neuerdings auf Bezirks- oder Schulversammlungen der SMV vom 'Abbau der demokratischen Rechte'.

Als 'Kampf'strategie gilt für sie, diesen Abbau der demokratischen Rechte durch 'vertrauliche Gespräche' und Verhandlungen im Kultusministerium - natürlich hinter verschlossenen Türen und ohne die Schülermassen - gerade zu biegen!

Hier wird deutlich, daß die Juso-, DKP-, SDAJ- und MSB-Führer das Spiel mit der Kultusbürokratie mitspielen, sie setzen die Schüler wehrlos den Angriffen der Kultusbürokratie aus.

Sie wollen nicht für eine fortschrittliche Schülervertretung kämpfen, sondern weiterhin ihre SMV-Politik und die Partnerschafts- und Reformillusionen fortsetzen und verbreiten.

Der MSB-Schülersprecher von Düsseldorf, Uwe Koch, rief deshalb auch in dem einzigen Info der Bezirks-SMV seit Monaten auf: 'Machen wir die SMV stark!'

Schüler! Machen wir dagegen die SV stark, die sich entschieden für politisch disziplinierte Schüler gegenüber der Kultusbürokratie einsetzt, die sich nicht den Mund verbieten läßt, die die Schüler umfassend informiert, gegen den Abbau der demokratischen Rechte mobilisiert; kurz: schaffen wir eine SV, in der die Schüler eine fortschrittliche Vertretung besitzen!!

Gegen die Versuche der Kultusbürokratie, die SV zu verhindern, hilft nur die gemeinsame solidarische Aktion!

Fortschrittliche SV aus Düsseldorf, Münster, Mettmann, Dortmund, Warendorf, Dinslaken etc., die sich auf Grund der einschneidenden Maßnahmen der Kultusbürokratie zusammengeschlossen haben, brachten gleich nach Bekanntwerden eine umfassende Erklärung zu den Vorgängen heraus, und haben auf dieser Grundlage eine breite Resolutionsbewegung gegen diesen Abbau der demokratischen Rechte begonnen.

Sie hängten Wandzeitungen aus bisher erschienenen SMV-Press-Artikeln in den Klassen, Pausengängen etc. auf, wo sie verdeutlichten, daß erst in den letzten Nummern das 'Kumi-Organ SMV-Press' sich ansatzweise zu einem Schülerorgan entwickelte.

Sie propagierten die Notwendigkeit der unzensierten Zeitung und diskutierten mit ihren Klassenkameraden über all das in den Verfügungsstunden, Schülerrats- und Schülervollversammlungen.

Mittlerweile haben über 2 000 Schüler die Resolutionsbewegung in der ganzen Region durch ihre Unterschrift vorangetrieben.

Nur wenn wir so weiter machen, können wir die Herren im Kultusministerium zwingen, ihre Bevormundungsmaßnahmen zurückzunehmen!

Nur dann wird es uns gelingen, eine selbständig arbeitende Schülervertretung mit einem unzensierten Publikationsorgan durchzusetzen, die finanziell abgesichert ist!

Unser nächstes Etappenziel muß sein, die Resolutionsbewegung zu verdoppeln und den Schülerkongress, den viele fortschrittliche SV aus der ganzen Region fordern, in den nächsten Wochen zu einem Höhepunkt der Protestbewegung zu machen.

Der KOMMUNISTISCHE OBERSCHÜLERVERBAND (KOV) hat sich von Anbeginn der Aufnahme seiner Arbeit in dieser Region mit den Aktionen der fortschrittlichen SV solidarisiert und unterstützt auf das entschiedenste ihre Aktivitäten.

Um die Protestbewegung noch erfolgreicher voranzutreiben, hat der KOV dort, wo er die Arbeit am Ort mit Schulzellen aufgenommen hat, Kampfaktivs gegen die Liquidierung der Landesschülervertretung initiiert, die der Protestbewegung die entscheidende Kraft verleihen werden, um die Maßnahmen der Kultusbürokratie bei der Mehrzahl der Schüler anzuprangern, um die Kultusbürokratie zu isolieren.

Es gilt, in dieser Bewegung die Voraussetzungen zu schaffen, daß neuerliche politische Disziplinierungen von fortschrittlichen Schülern sowie die letzten Bevormundungsmaßnahmen zurückgenommen werden!

In diesen Kampfaktivs, die sich an jeder Schule oder in jedem Ort gründen können, können sich alle Schüler und Lehrer organisieren, die diese Plattform und die darin enthaltenen Forderungen unterstützen, und auch bereit sind, den Kampf gegen diese einschneidenden Maßnahmen zu führen!

UM DIE KAMPFAKTIVS AUCH WIRKLICH KAMPFFÄHIG ZU MACHEN, MÜSSEN MEHRHEITSBESCHLÜSSE FÜR ALLE AKTIV-MITGLIEDER BINDEND SEIN!

Der KOV fordert alle Schüler und Lehrer auf, ebenso alle entschieden demokratischen und fortschrittlichen Organisationen, die im Oberschülerbereich arbeiten, solche Kampfaktive auf Grundlage dieser Plattform einzurichten und die Arbeit aufnehmen, um die Abwehrfront gegen die Bevormundungen der Kultusbürokratie entscheidend zu stärken.

Um die Bewegung im regionalen Maßstab gemeinsam und koordiniert voranzutreiben, um die Erfahrungen und Erfolge für alle verwerten zu können, wird der KOV regionale Konferenzen veranstalten, wozu alle Kampfaktive Delegierte entsenden sollten.

Nehmt Kontakt mit dem KOV auf und schreibt an diese Anschrift:
4 Düsseldorf 1, Plk. …
KAMPF DEM ABBAU DER DEMOKRATISCHEN RECHTE AUCH AN DER SCHULE!
FÜR EINE FORTSCHRITTLICHE SCHÜLERVERTRETUNG."
Q: KOV: Plattform der Kampfaktivs gegen die Liquidierung der Landesschülervertretung, o.O. o.J. (1972)

November 1972:
Vermutlich im November erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr. 10 für November und Dezember (vgl. Okt. 1972, Jan. 1973). Mit Hilfe der 'Roten Schülerpresse' der MLSG Düsseldorf wird berichtet aus Wolfsburg über eine "Werksbesichtigung bei VW" und aus Essen von einem Popfestival in der Grugahalle.
Q: Rotes Signal Nr. 10, Erlangen Nov./Dez. 1972, S. 8f und 14

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06.11.1972:
In NRW gibt der KOV der KPD vermutlich Anfang dieser Woche das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Klaus Schaak in Berlin heraus:"
AUFRUF ZUM SCHÜLERKONGRESS GEGEN DIE POLITISCHE DISZIPLINIERUNG SOZIALISTISCHER UND KOMMUNISTISCHER SCHÜLER UND LEHRER

Inzwischen ist den meisten Schülern NRWs bekannt, daß das Kultusministerium Ende September die Finanzierung des als 'linksradikal' verschrienen Publikationsorgans der Landes-SMV, der SMV-Press, eingestellt hat. Mit der Begründung der 'politischen Einseitigkeit' und unter dem Deckmantel des Wahrens der 'freiheitlich-demokratischen Grundordnung' (FDGO, d.Vf.) hat die SPD/FDP-Kultusbürokratie zum Schlag gegen all diejenigen ausgeholt, die es wagen, den Reformschleier der SPD-Bildungspolitik zu lüften und dessen reaktionären Kern hervorzukehren.

Die 250 000 DM pro Jahr, die sich die SMV in einem jahrzehntelangem Ringen von der Kultusbürokratie im Jahre 1971 abgetrotzt hatte, und die sie in 'Eigenverantwortlichkeit' (!) (siehe SMV-Erlaß) verwalten wollte, werden nun von der Kultusbürokratie zurückgehalten. In Zukunft werden der SMV nur noch 'Einzelbewilligungen' gewährt, was Presse- und Meinungsfreiheit ist, bestimmt ab jetzt das KuMi!

Doch das ist nur der Anfang! Jetzt folgt ein ganzer Rattenschwanz von politischen Disziplinierungen gegen Schülervertreter (SV) in und um die SMV, die sich gegen die Knebelungsversuche zur Wehr setzen:

- Die Zeitung des Schulkollektivs/ML Münster, die über die Liquidierungsversuche des Kumi sofort berichtete und die Aktivitäten des KOMMUNISTISCHEN OBERSCHÜLERVERBANDES in Wort und Tat unterstützt, wurde kurzerhand vom Schulkollegium Münster verboten.

- In Düsseldorf versuchte die Schulbürokratie der Albrecht Dürer-Schule die Schulsprecherwahl dreier fortschrittlicher Schüler zu verhindern. Auf Grund des Protests der Schülerschaft mußte sie ihr Vorhaben fallenlassen. Um aber dennoch ein Exempel zu statuieren wurde dem angeblichen 'Rädelsführer' die Androhung eines strengen Verweises mit der absurden Behauptung des 'Unterrichtsboykotts' ausgesprochen, um die Schüler einzuschüchtern.

- Eine fortschrittliche Schülerzeitung der Innerschulischen Opposition Jülichs wurde 'schulrechtlich' verboten, weil die Herausgeber sich anmaßten, die SMV als verlängerten Arm des KuMi und als 'Schülermitverdummung' zu charakterisieren.

Nach den politischen Disziplinierungen und Berufsverboten (BV, d.Vf.) für fortschrittliche Lehrer, wie sie zuerst in SPD-regierten Ländern (Lehrer Bernhard Laux, Hamburg und Karl-Heinz Henne, Detmold/NRW) durchgeführt wurden, stellen die neuerlichen Maßnahmen die unverschämtesten Angriffe dar, die Girgensohn (SPD) und seine Mannen sich seit ihrem Amtsantritt geleistet haben.

Charakteristisch für alle diese Maßnahmen ist das saubere Zusammenspiel von offen reaktionären CDU/CSU- und von vor Reformfreude strotzenden SPD-Kultusbürokraten: auf der einen Seite zaubern sie in ihrem öffentlichen Auftreten irgendwelche welche Widersprüche in ihren politischen Zielsetzungen, auf der anderen Seite überschlagen sie sich beinahe, wenn es darum, Hand in Hand die fortschrittliche Bewegung in und um die SMV im Keim zu ersticken.

Allen Schülern, die ehrlich davon überzeugt sind, daß an der SPD noch irgendetwas Fortschrittliches dran ist, sei klar gesagt:

Wenn KuMi Girgensohn 'Meinungspluralismus' und 'unteilbare Pressefreiheit für alle' sagt, dann meint er dies im Sinne der herrschenden Klasse, die ihn bezahlt! Solange sich SMV-Vertreter die Köpfe darüber zerbrechen, wie man mit SPD-Reformmodellen vielleicht das System überwinden kann, so kriegen sie auch Geld dafür.

Kommen jedoch SMV-Vertreter auf den Trichter, daß diese Reformmodell im Kapitalismus barer Blödsinn und undurchführbar sind und wagen sie es obendrein noch, dieses ganze Blech als ein Mittel der sozialdemokratischen Bildungspolitik hinzustellen, welches die Aufgabe hat, die Schüler von Aktionen gegen die aufgezwängte 'Mitverantwortung' an der kapitalistischen Ausbildung abzuhalten, dann sind die Herren vom KuMi schnell bei der Hand, die im Munde geführten demokratischen Rechte der Schüler mit ihrer ganzen Verfügungsgewalt über den Haufen zu werfen.

Doch das Verhalten der SPD/FDP-Kultusbürokratie ist nicht unbeantwortet geblieben!

Das indirekte Verbot der SMV-Press hat auf Schul-, Bezirks- und Landesebene Proteste von fortschrittlichen Schülern und Lehrern hervorgebracht.

Schülervertreter verfaßten Resolutionen die in ganz NRW in Verfügungsstunden, Schülerratssitzungen und Bezirksveranstaltungen sowie in fortschrittlichen Schülergruppen diskutiert und häufig einstimmig verabschiedet wurden. Bis heute haben über 2 000 Schüler und Lehrer mit ihrer Unterschrift die Resolutionsbewegung vorangetrieben.

Hatte man gedacht, daß alle Schüler gegen die Bevormundungsmaßnahmen des Kumi geschlossen Front machen würden, so sah man sich getäuscht.

Wortführer der Jusos, des MSB (Marxistischer Schülerbund), der SDAJ und der DKP unterstützten gemeinsam mit der erzreaktionären Jungen Union (JU der CDU, d.Vf.) die Resolutionsbewegung nicht. Im Gegenteil, auf Schülerrats- und Bezirksversammlungen polemisierten und stimmten sie dagegen und spalteten damit die einheitliche Kampffront gegen den Abbau der demokratischen Rechte. Eberhard Hoffmann (Juso), bis vor kurzem Landesschülersprecher, erklärte, daß durch Gespräche und Verhandlungen im Kultusministerium, die bekanntlich unter Ausschluß der Schülerschaft verlaufen, mehr erreicht werden können als durch die umfassende Information und Mobilisierung der Schüler NRWs. Er und auch die anderen Wortführer dieser Jugendorganisationen wollen den Schülern damit einreden, daß sie Vertrauen in das SPD-Kumi setzen können, welches doch gerade die reaktionären Maßnahmen erlassen hat.

Staat die über 2 000 Protestunterschriften aus allen Teilen NRWs als den ersten entscheidenden Schritt zur Schaffung einer starken Kampffront anzusehen, die das Kumi dann unter dem Druck der Schüler zwingen wird, den Schülern Zugeständnisse zu machen, hatten sie auf der letzten Landesversammlung für die Protestunterschriften nur ein geringschätziges Gelächter übrig. Das zeigt in aller Deutlichkeit, daß sie mehr Vertrauen in die Kultusbürokraten haben als in die Stärke der Schülermassen.

Der KOMMUNISTISCHE OBERSCHÜLERVERBAND der KPD hat die Protestbewegung von Anbeginn der Aufnahme seiner Arbeit tatkräftig unterstützt. Der KOV hat durch die Ausarbeitung einer Plattform gegen die politische Disziplinierung die Grundlage für die Aufnahme der Arbeit von rund 20 SV-Kampfaktivs in NRW geschaffen. Sie werden sich für eine unzensierte SV-Zeitung einsetzen und für die Finanzierung durch das Kumi kämpfen. In den Kampfaktivs werden politisch disziplinierte Schüler zuverlässige Verbündete finden, denn das Ziel der Aktivs ist es für eine fortschrittliche SCHÜLERvertretung (SV) auf Schul-, Bezirks- und Landesebene zu kämpfen, die nicht wie die Schulmitverwalter- oder Mitverantworter vor dem KuMi buckelt.

Auf dem am 12. November stattfindenden Schülerkongreß werden Vertreter der SV-Kampfaktivs über die ersten Aktivitäten berichten und ihre Erfahrungen austauschen. Hier werden wir die nächsten Schritte im Kampf für die fortschrittliche SV bestimmen, was voraussetzt, daß wir Schluß machen mit der 'Partnerschafts'- und Mitbestimmungspolitik der SMV als Handlanger der Schulbürokratie! Der Schülerkongreß muß zum Tribunal gegen die SPD/FDP-Kultusbürokratie und gegen die CDU gemacht werden. Jetzt vor den Wahlen, wo uns gerade die SPD/FDP wieder einmal die 'Demokratisierung der Schule' verspricht, gilt es zu zeigen, daß sich die Schüler nicht für dumm verkaufen lassen, daß sie den Kampf gegen die Bevormundungen aufnehmen.

Auf diesem Kongreß werden Vertreter des KOV und des KJV (Kommunistischer Jugendverband) der KPD aber auch darlegen, daß der Abbau der demokratischen vor allem auch die Arbeiterjugend trifft. So wurden in den letzten Wochen fortschrittliche Jugendvertreter von den Kapitalisten entlassen, die sich auf die 'Friedenspflicht' des SPD-Betriebsverfassungsgesetzes (BVG, d.Vf.) berufen.

KOMMT ZUM SCHÜLERKONGRESS AM SONNTAG DEN 12.11. IN DÜSSELDORF UM 13 UHR IN DER AULA DES COMENIUSGYMN. AN DER HANSAALLEE 90

Bisher unterstützen den Aufruf: SV Abendgymnasium und Lessinggymnasium Düsseldorf, Bezirks-SMV Dortmund, SV-Kampfaktivs in Neuss, Düsseldorf, Dinslaken, Solingen, Dortmund, Münster, Warendorf, Ostbevern und Zentralrat Düsseldorf, KSG Neuss, AK Warendorf, SK/ML Münster"
Q: KOV: Aufruf zum Schülerkongreß gegen die politische Disziplinierung sozialistischer und kommunistischer Schüler und Lehrer, Berlin o.J. (1972)

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09.11.1972:
Der KOV gibt die Nr. 2 seines 'Schulkampfs' (vgl. 9.10.1972, Dez. 1972) heraus. Berichtet wird von den Jugend der FDP und SPD: "Jusos & Judos - Arm in Arm mit den Parteien" (vgl. Okt. 1972), wobei auch eingegangen wird auf die Jusos in Münster und am Leibniz und Clara Schumann Gymnasium Düsseldorf.

Berichtet wird aus Düsseldorf vom NPD-Bundesparteitag (vgl. 21.10.1972) vom Max Planck Gymnasium.
Q: Schulkampf Nr. 2, Berlin Nov. 1972, S. 2 und 11

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09.11.1972:
Spätestens heute gibt der KOV einen auf Nov. datierten Sonderdruck seines 'Schulkampfs' (vgl. 10.9.1972, Dez. 1972) heraus, der auch der Nr. 2 beigelegt wird und unter der Überschrift "Polizeiknüppel, Rausschmisse, Verbote" zu Aktionen gegen politische Disziplinierung morgen in Berlin und übermorgen in Düsseldorf aufruft. Beispiele von Repressionen kommen u.a. aus der Landes-SMW NRW und von der Albrecht Dürer FOS Düsseldorf.
Q: Schulkampf Sdr.druck, Berlin Nov. 1972

12.11.1972:
In Düsseldorf will der KOV einen landesweiten Kongreß gegen die politische Disziplinierung fortschrittlicher Schülervertreter durchführen.

Dies geschieht auch, trotz Verhinderungsversuchen, die in einem Flugblatt des KOV beklagt werden.
U.a. beteiligen sich Mitglieder des Aktivs gegen den Abbau demokratischer am Leibniz-Gymnasium Dortmund, wo so berichtet wird (vgl. 13.11.1972):"
Ich schreibe ein Flugblatt ab, welches die Schüler in Düsseldorf, nachdem sie erfahren mußten, daß die Aula des Gymnasiums in Düsseldorf nicht geöffnet wird, noch schnell druckten.

SPD-STADTVERWALTUNG VERSUCHT SCHÜLERKONGRESS ZU VERHINDERN!

Heute sollte in der Aula Gymnasiums-Abendgymnasium ein Schülerkongreß zum Thema: 'Wie stehen die Schüler zur Politik der zur Wahl stehenden Parteien' stattfinden.
Im Antrag des Veranstalters (SMV-Gymnasium-Abendgymnasium) an das Schulamt Düsseldorf hieß es dazu genauer: 'Die Diskussion wird vorrangig entlang der schulpolitischen Vorstellungen und der schulpolitischen Praxis der zur Wahl stehenden Parteien geführt werden.' Schüler aus ganz NRW wurden aufgerufen, demokratische und kommunistische Organisationen aus ganz NRW sagten zu. Vor allem in Düsseldorf und Neuss mobilisierte der KOV der KPD mit Flugblättern (vgl. 6.11.1972, d.Vf.) und Plakaten unter der Hauptparole: GEGEN DIE POLITISCHE DISZIPLINIERUNG SOZIALISTISCHER UND KOMMUNISTISCHER SCHÜLER UND LEHRER!

Am Samstag, den 11.11. teilte das Schulamt dem Veranstalter mit: die Genehmigung zur Benutzung der Aula des Comenius-Gymnasiums sei entzogen, da - wie 'aus Aufrufen (des KOV) zu ersehen' sei - die 'Veranstaltung nicht entsprechend ihrem Antrag und seiner Genehmigung stattfindet'.

Diese Begründung ist scheinheilig, denn Diskussion der schulpolitischen Praxis der SPD heißt - und das beweist der Entzug der Genehmigung auf's Neue! - Diskussion des verschärften Abbaus der demokratischen Rechte, der Disziplinierung fortschrittlicher Schüler, Schüler die eine SMV als Handlanger der Kultusbürokratie entschieden ablehnen, und für eine fortschrittliche Schülervertretung eintreten, die gegen diese Maßnahmen die Schüler mobilisieren.

Die Schulbürokratie wird aber den Schülerkongreß nicht verhindern können. Denn die fortschrittlichen Schüler NRW's haben mit dem Raumentzug gerechnet und werden jetzt anschließend den Schülerkongreß im 'Haus der Jugend' durchführen.

SDAJ und MSB haben eine Beteiligung am Schülerkongreß abgelehnt. Sie führen den Kampf gegen den Abbau der demokratischen Rechte durch die SPD-Kultusbürokratie zwar im Munde, der 'Polit-Pop' von 'Floh de Cologne', Wahlunterstützung für die DKP ist ihnen aber wichtiger.

Soweit das Flugblatt, welches ich zum besseren Verständnis zusätzlich zum Gespräch im Aktiv selbst noch mitabgeschrieben habe. Die zusammengekommenen Schüler versammelten sich vor dem Comenius-Gymnasium, beobachtet von der Politischen Polizei (K14, d.Vf.) (2 Herren, die 'mal frische Luft schnappen wollten' saßen in einem VW 411 20 Meter entfernt von der Gruppe von ca. 90 Schülern und mußten sich dann als Bullen zu erkennen geben).

Nachdem auf die Schnelle in einer Kneipe ein Ersatzraum beschafft worden war, zogen die Schüler mit Transparenten geschlossen dorthin, eskortiert von Polizeiwagen. Dort wurde begonnen, um ca. 16 Uhr (um 14 Uhr hatte man in der Kneipe angefangen, um 13 Uhr war eigentlich offizieller Beginn in der Aula) für 2 Stunden unterbrochen: Man demonstrierte gegen die Polit-Pop-Veranstaltung der DKP und ihrer SDAJ u. MSB und verteilte das eben zitierte Flugblatt. Der Kongreß wurde dann um 18 Uhr im Haus der Jugend fortgesetzt.

Das Ergebnis (Protokoll) dieses Schülerkongresses geht - sowie vorhanden - allen Aktivmitgliedern zu."

Vermutlich wird auf dem Kongreß u.a. das folgende Papier diskutiert:"
Zur Geschichte der SMV

Die SMV ist nicht auf Initiative der fortschrittlichen Schülermassen, sondern als Teil der Besatzungspolitik der USA wieder ins Leben gerufen worden.

Welche Gründe bewogen die US-Besatzungsmacht nach 1945 zur Wiedereinrichtung einer Schülermitverantwortung (-mitverwaltung)?

- Die SMV wurde nach dem 2. Weltkrieg auf Veranlassung der westlichen Besatzungsmächte über die Schulbürokratie eingerichtet. Sie ist keine Forderung der Schülerschaft oder gar das Resultat einer Bewegung der fortschrittlichen Schüler gewesen. Die Schülermitverwaltung wurde ins Leben gerufen, um die Schüler beim Wiederaufbau der Schulen und bei der von den Alliierten bestimmten 'Herausbildung einer demokratischen Elite' miteinzubeziehen. Bis weit in die sechziger Jahre war die Arbeit der Schülermitverwaltung durch das Einüben von formal-demokratischen Spielregeln wie Wahlen, Pausenaufsicht organisieren, Pakethilfe für die 'Ostzone' oder aber Hobby-Arbeitsgemeinschaften einzurichten, gekennzeichnet.

- Die wirtschaftliche Krise der westlichen kapitalistischen Staaten führte Ende der sechziger Jahre auch zu einer Verschärfung der Schulausbildungssituation und damit zu einer Polarisierung unter der Schülerschaft an den Oberschulen: Der Grund für die aufkommende Bewegung war auf die Angst der nicht mehr gesicherten akademischen Ausbildung und Berufsperspektive zurückzuführen.

Durch die wirtschaftliche Entwicklung war eine Veränderung der Ausbildung notwendig geworden, die mehr als zuvor der Wirtschaft angeglichen werden mußte. Nur so konnte gewährleistet werden, daß weiterhin für Akademiker in der Wirtschaft genügend Berufsmöglichkeiten bestanden.

Somit entsprach die Studentenbewegung den wirtschaftlichen Interessen. In diesem Zusammenhang müssen auch die großen Schülerstreiks von 1969/1970 und das Entstehen der Schülerbasisgruppen gesehen werden (AUSS). Diese schwach verankerte Bewegung in der Schülerschaft war im Grunde ständisch, da sie nur auf die Interessen und Bedürfnisse der Oberschüler beschränkt war.

Doch diese Bewegung konnte teils durch die Reformversprechungen der SPD-Regierung, durch die vereinzelt vorgenommenen Disziplinierungen fortschrittlicher Schüler, aber vor allem durch die Resignation der damals Aktiven zum Scheitern gebracht werden.

Auf der anderen Seite steht hinter den Reformversprechungen der SPD der Knüppel der politischen Disziplinierung für den Einsatz gegen alle fortschrittlichen Schüler, die auf die Reformversprechungen der SPD nicht hereinfallen (siehe letzte Ereignisse).

WENN DIE FORTSCHRITTLICHEN SCHÜLER HEUTE DIE IM SMV-ERLASS GARANTIERTEN RECHTE VOLL AUSSCHÖPFEN, GREIFT DIE KULTUSBÜROKRATIE SOWOHL ZUR VERSCHÄRFTEN POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG ALS AUCH ZUM ABBAU DER DAMALS 'FAKTISCH' ZUGESTANDENEN RECHTE!!"

Vermutlich auf diesem Kongreß wird auch das folgende Papier verteilt, das uns als Spiritcarbonabzug aus dem Besitz eines Schülers des Leibniz-Gymnasiums Dortmund vorlag:"
THESEN-PAPIER ZUM REFERAT:
Zur wirtschaftlichen Entwicklung in der BRD (1950 - 1969) und ihre Auswirkungen auf den Ausbildungssektor

Thesen

A
1) Die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse wurden nach dem zweiten imperialistischen Weltkrieg nicht geändert.
2) So konnte sich der Kapitalismus in der BRD weiterentwickeln.

B
1) Die Entwicklung führte zu einer weiteren Monopolisierung.
2) Die Mittel- oder Kleinbetriebe wurden entweder aufgelöst oder gerieten in Abhängigkeit von den großen Betrieben.
3) Die Großbetriebe sind horizontale und vertikale Kombinate, die untereinander in festem Kontakt stehen.
4) Das Kapital befindet sich zunehmend in den Händen einiger weniger Kapitalisten.

C I
1) Die Entwicklung zur Monopolisierung erfolgt in Form einer 'zyklischen' Bewegung.
2) Jeder dieser Entwicklungsabschnitte endet mit einer Krise.
3) Die Krisen stellen nur den Höhepunkt einer sich vertiefenden widerspruchsvollen Entwicklung dar.
4) Ursache der Krisen ist der Widerspruch des Kapitalismus, der sich wirtschaftlich in:
a) Verwertungsschwierigkeiten und
b) Realisierungsschwierigkeiten ausdrückt.

C II
1) Um diese Schwierigkeiten kurzfristig aufzuschieben, muß der Kapitalist den Arbeiter noch mehr ausbeuten.
2) Ebenfalls kann der Staat Maßnahmen ergreifen, um diese Schwierigkeiten kurzfristig zu verschieben:
a) Indem der Staat von den Unternehmern Waren kauft;
b) indem er in Wachstumsphasen Konjunkturzuschlag erhebt, den er in Krisen- Zeiten auszahlt;
c) indem er die Geldschöpfung anwendet.
3) Alle Maßnahmen können kurzfristig die Schwierigkeiten verschieben, können jedoch längerfristig
a) den Widerspruch des Kapitalismus und damit die Schwierigkeiten nicht lösen; sie führen
b) längerfristig zu einer Verschärfung der Widersprüche im Kapitalismus.

D
1) Um möglichst viel Geld einzusparen ist der Kapitalist gerade in dieser Phase, da sich seine Lage zunehmend widersprüchlich und verschlechtert weiterentwickelt, daran interessiert, das Geld innerhalb des Ausbildungssektors intensiver als zuvor
a) für seine Interessen und
b) trotzdem so rationell wie möglich einzusetzen.

2) Um die verstärkte widersprüchliche Entwicklung zu verdecken, muß der Kapitalist
a) Die Reformillusionen schüren (Das System sei an sich gut, durch Reformen könne man seine Interessen durchbringen)
b) verbesserte Methoden finden, um den Auszubildenden besser als zuvor die bürgerliche Ideologie beizubringen (Kurssystem/Leistungsdruck).

3) Im Ausbildungssektor findet eine Polarisierung statt in besonders wenige hochqualifizierte Leute und eine Masse von allgemein ausgebildeten Leuten:
a) Nur nahezu 7% der Studenten werden weiter gefördert und qualifiziert.
b) In der Oberschule wird zunehmend die allgemeine Bildung an Hand von Fachunterricht beigebracht.
c) Die Hauptschüler sollen zu flexiblen und mobilen Arbeitern erzogen werden, um schnell von einem Arbeitsplatz zum anderen versetzt werden zu können.

4) Da das Kapital kein Geld für Reformen ausgeben kann, können die Reformen, die im Interesse des Kapitals sind, zum größten Teil nur bürokratisch durchgeführt werden. Da diese Reformen außerdem noch das System stabilisieren sollen sind es REAKTIONÄR-bürokratische Reformen.

5) Stärker als zuvor muß der kapitalistische Staat Maßnahmen bereithalten, um fortschrittliche Leute zu disziplinieren, da diese den Massen den wahren Charakter der Reformen klar machen wollen.

Denn diese Leute würden die Anstrengungen des Kapitals, über seine Schwierigkeiten und Widersprüche hinwegzutäuschen, zerstören und damit der Arbeiterklasse ihren wahren Feind zeigen.

Diese Thesen werden durch ein ausführliches Referat bewiesen!"
Q: N.N.: Thesen-Papier zum Referat: Zur wirtschaftlichen Entwicklung in der BRD (1950 - 1969) und ihre Auswirkungen auf den Ausbildungssektor, o. O. o.J.; Aktiv gegen den Abbau demokratischer Rechte Leibniz-Gymnasium: Protokoll der Aktivsitzung, o.O. (Dortmund) 13.11.1972;Schulkampf Sdr.druck, Berlin Nov. 1972;KOV: Aufruf zum Schülerkongreß gegen die politische Disziplinierung sozialistischer und kommunistischer Schüler und Lehrer, Berlin o.J. (1972);KOV: SPD-Stadtverwaltung versucht Schülerkongress zu verhindern, O. O. O. J.;N.N.: Zur Geschichte der SMV, o.O. o.J. (1972)

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23.11.1972:
In Dortmund findet im Fritz-Henßler-Haus (FHH) das 1. Teach-In des Aktiv gegen den Abbau demokratischer Rechte - Leibniz-Gymnasium bei Anwesenheit von zehn Mitgliedern des Aktivs und fünf weiteren Schülern des Leibniz-Gymnasiums statt. Das Protokoll führt dazu u.a. aus:"
Einleitend wurden vier Referate gehalten:

2. UNTERSTÜTZUNG DER SPD/FDP KULTUSBÜROKRATIE DURCH DKP/MSB/SDAJ UND JUSO-FUNKTIONÄRE (Y. UND Z.):

Obengenannte unterstützen die Erpressungen des Kumi gegen die SMV. Auf dem Schülerkongreß in Düsseldorf entfachten sie eine starke Kommunistenhetze."
Q: Aktiv gegen den Abbau demokratischer Rechte Leibniz-Gymnasium-X.: Protokoll des 1. Teach-In vom 25.11.1972, o.O. (Dortmund) o.J. (1972)

Dezember 1972:
Die Oberschülerkommission (OSK) des KSV Frankfurt gibt in Zusammenarbeit mit der Initiativgruppe für den Aufbau einer Kommunistischen Oberschülergruppe Frankfurt/Offenbach (IG/KOG) erstmals den 'Schulkampf' (vgl. 22.1.1973) heraus. Zur Wehrkunde-Erlaß (WKE) Kampagne wird auch berichtet aus Düsseldorf.
Q: Schulkampf Nr. 1, Frankfurt Dez. 1972, S. 8

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Dezember 1972:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden', Nr. 1 (vgl. 1.2.1973) zum Preis von 10 Pfennig heraus, von der bei unserem Exemplar die Seite 8 leider nicht bedruckt ist, mit dem Leitartikel "SMV Aktionsprogramm für das LG".

Weitere Artikel sind:
- "Herr H. … ein ganz besonders schlimmes Beispiel";
- "Wahlen '72: eine 200 Millionen Show" zu den Bundestagswahlen am 19.11.1972;
- "Bericht über die Märzmassaker Berlin 1919";
- "Letzte Schülerratssitzung: Wozu eine neue Satzung?"; sowie
- "Knick Ratterterton packt aus: Auf den Spuren des BdS" dem Bund demokratischer Schüler, ein Comic.

Aufgefordert wird zum Lesen des 'Roten Signal', eingeladen wird zu Diskussionen jeden Dienstag im Raum neben dem Direktorzimmer, wo das 'Rote Signal' erhältlich sei.
Q: Roter Faden Nr. 1, Düsseldorf Dez. 1972

01.12.1972:
In Düsseldorf kündigte der KOV der KPD an: "ADS-Vorstand will 'Schülerkongress' ohne Schülermassen veranstalten!", und rief zum Besuch auf, wobei auch für die Vietnamarbeitskreise am Max Planck Gymnasium und am Lessinggymnasium und dem Arbeitskreis gegen politische Disziplinierung an der Albrecht Dürer Schule Berücksichtigung gefordert wird.

Der KOV der KPD berichtet im Nachfeld vom heute beginnenden Düsseldorfer Schülerkongreß der Freunde der DKP (vgl. 3.12.1972):"
ADS-SCHÜLERKONGRESS: PROPAGANDASCHAU DES MSB VEREITELT!

Der ADS, SMV-Bezirksvertretung Düsseldorfs, veranstaltete vom 1. bis 3. Dezember einen Schülerkongreß unter dem Motto 'Für demokratische Lehrinhalte - Gegen politische Disziplinierung'. Der ADS-Vorstand, der aus Mitgliedern des MSB (Marxistischer Schülerbund), einer DKP-nahen Organisation und der Jusos (der SPD, d.Vf.) besteht, verteilte Einladungen an Delegierte der Düsseldorfer Ober- und Realschulen. Ziel des Kongresses sollte laut Stadtschülersprecher Uwe Koch (MSB) ein 'Diskussionsbeitrag zur Demokratisierung der Lehrinhalte' und die 'Erweiterung des Informationsangebotes der Lehrbücher' sein.

Was der ADS-Vorstand allerdings unter 'Demokratie' und 'Demokratisierung' versteht, wurde schon vor dem Kongreß deutlich: Jeder, der von einem Schülerkongreß hört, würde meinen, daß es sich dabei um ein Treffen handelt, auf dem alle interessierten Schüler über die angegebenen Themen diskutieren. Der ADS-Vorstand jedoch hatte sich das anders vorgestellt. Zuerst sollten die Delegierten der einzelnen Schulen Rede-, Antrags- und Stimmrecht haben, die übrigen interessierten Schüler aber als bloße Statisten für die MSB- und Juso-Führer dienen. Nachdem der KOV diese Tricks schon in Flugblättern vor dem Kongreß aufgezeigt hatte, konnte ein Genosse des KOV auf dem Kongreß durch einen Antrag das Rederecht für jeden der anwesenden Schüler durchsetzen!

Die Diskussion wurde entlang von Berichten verschiedener Arbeitskreise geführt über Themen wie 'Militarisierung des Schulwesens', Darstellung der parlamentarischen Demokratie in den Schulbüchern, Schulreform, politische Disziplinierung usw. Die Ergebnisse der Arbeitskreise, in denen hauptsächlich MSB- und Juso-Mitglieder arbeiteten, brachten ständig die gleiche alte Leier von der 'Zurückdrängung des Einflusses der reaktionären Kreise' und von der Reformierbarkeit des Kapitalismus. Der Kampf gegen die deutlich aufgezeigte Militarisierung des Schulwesens z.B. sollte sich auf die Einrichtung von Arbeitskreisen gegen die Wehrkunde (WKE, d.Vf.) und Anträge und Vorschläge an die Regierung beschränken. Gerade an diesem Punkt zeigt sich deutlich, wie sehr die Jusos und der MSB ins Leere schlagen, wenn sie immer nur von der Strauß-Barzel-Reaktion sprechen. Denn wer treibt denn heute die Militarisierung des Unterrichts voran? Wer hat denn vor ca. einem Jahr als Bundeskanzler allen Kultusministern in einem Schreiben deutlich zu verstehen gegeben, daß sie sich mehr um die militaristische Hetze und Verhetzung an der Schule kümmern sollten? War das der 'Friedensnobelpreisträger' Brandt oder war es Strauß? Gerade bei dem Referat zur 'Militarisierung' bzw. 'Entmilitarisierung' MSB nennen würden (?, d.Vf.), zeigte sich, daß derjenige den Kampf gegen die Militarisierung der Schule nicht richtig führen kann, der nicht genau fragt, wer ist heute verantwortlich für die ständigen Truppenbesuche von ganzen Schulklassen, für die zunehmende Ausbildung der Lehrer in der Wehrkunde, für die 'Informationsgespräche' der Jugendoffiziere im Unterricht usw. Aber ebenso kommt es darauf an zu fragen, warum denn überhaupt diese ganze militaristische Verhetzung der Jugend verstärkt betrieben wird. Hier kommt es gerade darauf an, deutlich zu machen: der Militarismus ist nicht ein Überbleibsel aus dem faschistischen Hitler-Reich sondern ist ein Ausdruck der imperialistischen Wirklichkeit. Wenn die BRD-Imperialisten ihre Profite sichern wollen, so müssen sie ins Geschäft mit den Ländern der '3. Welt' einsteigen und müssen die Völker dieser Länder brutal unterdrücken und bis auf die Knochen ausbeuten. Doch 'Wo es Unterdrückung gibt, da gibt es Widerstand' und dies trifft ebenso für die werktätige Bevölkerung, allen voran die Arbeiterklasse, hier in der BRD zu. So ist der Militarismus also ein notwendiger Bestandteil des Imperialismus: Er dient der Niederhaltung, Unterdrückung und wenn nötig Ausrottung der unterentwickelt gehaltenen Völker und auf der anderen Seite der Unterdrückung und Zerschlagung der Arbeiterbewegung im eigenen Lande. Wer diese Zusammenhänge nicht sieht, der kann nicht ernsthaft behaupten, gegen den Militarismus zu kämpfen, so wie es die Jusos und MSBler auf dem Schülerkongreß in ihrem Referat auszudrücken versuchten.

Genossen und Freunde des KOV und des Zentralrats Düsseldorfer Oberschüler zeigten an dieser Stelle aber auch, daß der militaristischen Verhetzung im Unterricht wirksam nur durch eine organisiert betriebene Unterrichtsagitation und Mobilisierung der Schüler selbst entgegengetreten werden kann. Durch die Verbreitung der Forderung nach Kriegsdienstverweigerung (KDV) versuchten einige MSB- und Juso-Vertreter wieder einmal vom Kampf gegen den Militarismus in allen Bereichen abzulenken. Die Genossen des KOV machten dagegen klar, daß der Militarismus überall entschieden bekämpft werden muß, besonders aber da, wo er sich gegen das Volk organisiert: in der Bundeswehr! Durch KDV aber werden gerade die Kräfte vom Kampf abgehalten, die in der Bundeswehr den geist des Militarismus zersetzen müssen. Zudem bildet die KDV ein besonderes Privileg für die Oberschüler, die auf Grund ihrer 'besseren' Ausbildung den Fangfragen der Militaristen besser ausweichen können als z.B. ein Hauptschüler, wodurch gerade sie eine einheitliche Kampffront gegen den Militarismus spalten und verhindern.

Als dann einige Referenten die 'Konsequenzen' aus ihren Schulbuchuntersuchungen zogen und meinten, man müsse an Stelle der alten Geschichtsbücher 'neue, demokratischere' einführen, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion darüber, wie gegen die reaktionären Lehrinhalte in der Schule vorzugehen sei. Hier konnte auch ein Vertreter der MLSG (Marxistisch-leninistische Schülergruppe (des KABD, d.Vf.)) den Schülern keine Perspektive weisen, als er lediglich forderte, nicht Vorschläge ans KUMI zu richten, sondern 'Material an die Schüler (zu) verteilen'. Eine Genossin betonte daraufhin in einem Redebeitrag, daß wir in die Unterrichtsagitation System hineinbringen, daß wir unseren Kampf organisieren müssen. Die fortschrittlichen Schüler müssen sich in einem Klassenkollektiv zusammenschließen, in dem sie sich auf den Unterricht gemeinsam durch politische Diskussionen, Untersuchungsarbeit usw. vorbereiten, um so die Lügen der bürgerlichen Ideologie vor ihren Mitschülern entlarven und ihnen gleichzeitig eine politische und organisatorische Perspektive bieten zu können. Gegen die reformistischen Vorstellungen der MSB- und Juso-Theoretiker von Bittgängen zu KUMI u.ä. stellte sie die Politik des KOV und forderte: 'Wir müssen die Schüler an der Materialherstellung usw. selbst beteiligen und mit ihnen gemeinsam den Kampf gegen die kapitalistische Ausbildung führen!' Um das zu veranschaulichen las sie eine Schülerkorrespondenz aus der Kommunistischen Schülerpresse (KSP Nr. 1 (vgl. Jan. 1972, d.Vf.)) über die Unterrichtsagitation eines Klassenkollektivs des KOV vor, die mit großem Interesse aufgenommen wurde (den KOV gab es damals allerdings noch lange nicht, d.Vf.).

Höhepunkt des reformistischen und revisionistischen Geschwätzes bildete zweifelsohne eine Podiumsdiskussion am 2. Kongreßtag über das Thema: 'Wie können demokratische Lehrinhalte durchgesetzt werden?'

Studentenpfarrer Stuckmann aus Mainz (DFU - Deutsche Friedensunion) und Karl Schabrod, Mitglied der Schulbuchkommission NRW's und der DKP, legten im Folgenden ein anschauliches Konzept reformistischer Illusionsmacherei und 'radikal-demokratischer Systemkritik' dar. Durch die Kritik an den Schulbüchern solle die Schaffung eines 'Problembewußtseins durch demokratische Selbsttätigkeit' erreicht werden, die 'Veränderung der Lehrinhalte durch das Bündnis aller Demokraten' (beides Stuckmann).

Es durften jedoch 'keine abstrakten Kriterien zur Kritik' angewandt werden, wie etwa 'Revolution' (Stuckmann), der 'antifaschistische Charakter des Grundgesetzes' müsse wieder hergestellt werden (Schabrod). Schabrod betonte, daß in der Landesverfassung NRW's die 'Völkergemeinschaft' propagiert würde, die es nun auch auf die 'sozialistischen' Staaten Osteuropas anzuwenden gelte, auf die DDR etwa und 'Volkspolen' (wo die neue Herrscherclique inzwischen wieder mit Panzern gegen die Arbeiter vorgeht). Eine Gemeinschaft der Ausbeuter von hüben und drüben, Herr Schabrod, ist allerdings bereits in prächtigem Gedeihen!

Als Lösungsmöglichkeit, dies alles nun auch in unsere Schulbücher zu bekommen, boten die Herren an: 'Demokratische Zulassungsausschüsse für Schulbücher' (Stuckmann), 'Verstaatlichung der Schulbuchverlage' und die Bildung einer 'örtlichen Initiativgruppe zur Überprüfung der Schulbücher in Düsseldorf' (Schabrod). In dankenswerter Offenheit wurden dann auch die Chancen solcher Bemühungen gezeigt: 'Wir wissen nicht, wie lange die Überprüfung braucht, welche Ergebnisse sie erzielt' (Schabrod) und, sinngemäß, man wisse nicht, wie lange etwa ein neu angefertigtes Schulbuch durch die Instanzen der Schulbürokratie gehe.

Ein ehemaliger Landesschülersprecher NRW's, der sich ebenfalls an der Podiumsdiskussion beteiligte, stellte hierzu richtig fest, daß dieses Reformgerede der Bourgeoisie direkt in die Hände arbeite, die durch die Durchführung von 'Reformen' Radikalen das Wasser abgraben wolle, wie das Schulmitwirkungsgesetz (SMWG, d.Vf.) und das Fachschaftsprojekt deutlich zeige. Er griff die Äußerungen Schabrods auf, der selber betont hatte, daß es den Herrschenden heute, da die Schüler zunehmend die Langeweile, Praxisferne und Sinnlosigkeit des Unterrichts zu spüren bekämen und sich dagegen spontan auflehnten, um 'subtilere Methoden der Indoktrination' gehe, und zeigte, daß gerade die sogenannte Demokratisierung der Lehrinhalte es ist, die Beteiligung der Schüler an der Planung der kapitalistischen Ausbildung, die dieser subtileren (feineren und schwerer durchschaubareren) Methode der Vermittlung der bürgerlichen Ideologie entspricht. Das heißt, daß unsere Schulbücher zwar von faschistischen Zügen 'gereinigt' werden, daß sich deswegen aber die Grundtendenzen dieser 'demokratisierten' Schulbücher, nämlich die Lobhudelei der 'freiheitlich-demokratischen Grundordnung' (FDGO, d.Vf.) usw. nicht verändern wird. Denn es stellt eine Lebensnotwendigkeit des kapitalistischen Ausbildungswesens dar, die sozialistische Ausbildung z.B. in der VR CHINA entweder totzuschweigen oder zu verteufeln.

Was Verstaatlichung im Kapitalismus heißt, konnte anschaulich an Beispielen wie den Howaldtswerken-Deutsche Werft (HDW, d.Vf.) in Hamburg und der Ruhrkohle AG (RAG, d.Vf.) erläutert werden: beschleunigter Lohnraub und Massenentlassungen für die Arbeiter - Profitsanierung für die Monopole. Eine Verstaatlichung der Schulbuchverlage ist also nicht ein Schritt zum Sozialismus, sondern entreißt die Produktion der Lernmittel der Aufsicht der einzelnen Kapitalisten und stellt sie direkt unter die Kontrolle und Planung des Staatsapparates, dessen Funktion schon Marx und Engels als die eines 'ideellen Gesamtkapitalisten' bezeichnet haben!

Als Genossen am Beispiel der VR China zeigen wollten, wie eine Ausbildung im Dienste des Volkes dagegen aussieht, schnitt ihnen MSB-Vorstandsmitglied Uwe Koch das Wort ab:

'DIE GEWINNUNG DER SCHÜLER FÜR DEN SOZIALISMUS KANN JETZT NICHT UNSERE AUFGABE SEIN!'

Bravo, Uwe Koch, der du dich Marxist nennst! Deutlicher konnte es keiner der anwesenden Schönredner für eine 'demokratischere' Ausbeutungswirklichkeit in der BRD und für noch scheindemokratischere Lehrinhalte sagen!

Einen großen Erfolg für das konsequente Auftreten der KOV- und ZR-Genossen bedeutete am dritten Kongreßtag die Entlarvung der Phrasen von 'Chancengleichheit und Demokratisierung' durch die sog. Oberstufenreform (OSR, d.Vf.). Mehrheitlich stimmten die Delegierten für die Einrichtung einer Arbeitsgruppe in Düsseldorf, die den reaktionär-bürokratischen Charakter der Schulreformen untersuchen soll und die Schüler darüber umfassend zu informieren hat. Ebenfalls wurde von den Delegierten wie auch von allen anwesenden Schülern eine Resolution angenommen, die wir hier auch abgedruckt haben:

'RESOLUTION

Die Schulreform der SPD/FDP-Regierung, die hier in NRW durch Schulmitwirkungsgesetz und Oberstufenreformen wie dem Sekundarstufe II-Erlaß von Kultusminister Girgensohn vorangetrieben wird, ist nicht ein Schritt hin zur Demokratisierung des Schulwesens. Sie ist vielmehr für das Monopolkapital eine Notwendigkeit, die Produktion von Akademikern, Ingenieuren etc. besser den Notwendigkeiten der kapitalistischen Produktion anzupassen und die gesamte Ausbildung direkt unter seine Kontrolle zu bringen. Diese Reform ist bestimmt durch eine Formalisierung und Rationalisierung des gesamten Unterrichts durch verschärften Leistungsterror und durch den Abbau der demokratischen Rechte der Schüler. Gleichzeitig sollen alle diese Maßnahmen den Schülern als Fortschritt verkauft werden. So sprechen die Kultusreformer von Chancengleichheit und gerechterer Leistungsbewertung. Bildungsexperte Hitpass wies z.B. nach, daß in den so viel gepriesenen Gesamtschulen gerade in den C- und B-Kursen die Arbeiterkinder sitzen, während im A-Kurs diejenigen sitzen, die früher zum Gymnasium gingen. Erlaß von Ku.Mi. Girgensohn zur Reformierung der Oberstufe des Gymnasiums spricht z.B. von gerechter und exakter Leistungsbewertung durch ein Punkte-System. In der Praxis bedeutet dies aber nichts anderes als die Übertragung der 6 Noten in 16 Punkte. Dies zeigt deutlich: Es soll die Illusion verbreitet werden, im Kapitalismus sei die Schule frei von allen gesellschaftlichen, nämlich kapitalistischen Notwendigkeiten. Diese Schulreform ist nicht nur kein Fortschritt, sie ist eine reaktionäre Reform. Gleichzeitig soll sie auf bürokratischem Wege eingeführt werden: sie beschränkt sich vor allem auf formale und organisationstechnische Veränderungen. Die Delegierten des Düsseldorfer Schülerkongresses fordern den ADS auf, auf Grundlage dieser Resolution die reaktionär-bürokratische Schulreform zu untersuchen und Informationsmaterial für die Schüler zusammenzustellen.'

Auf dem Schülerkongreß, den die MSB- und Jusos-Führer zu einer Propagandashow ihrer ständischen Politik machen wollten, ist es uns durch unser Auftreten gelungen, vielen Schülern die illusionäre und verlogene Politik der MSB- und Juso-Führer vor Augen zu führen. Es gelang auf diesem Kongreß aber auch, den reaktionären 'Bund Demokratischer Schüler' (BDS), der sich zum Torhüter kapitalistischer Ausbeutung und Bildung aufschwang, vollständig zu isolieren. Ein Genosse legte in einem ausführlichen Redebeitrag die Praktiken dieser 'Demokraten' dar, die in (bei der CDU gedruckten) Flugblättern ihrer selbstgestellten Aufgabe nachgehen 'Vor Gruppen zu warnen, die versetckt oder offen das Grundgesetz bekämpfen, die in unserem Staate gewährleisteten Menschenrechte… in irgendeiner Weise zu bekämpfen suchen.' (Grundsatzprogramm des BDS) D.h. in der Praxis: Antikommunistische hetze, Unterstützung des Ausweisungsterrors gegen arabische Arbeiter und Studenten in der BRD, Unterstützung von versuchen politischer Disziplinierung, wie am Düsseldorfer Max-Planck-Gymnasium geschehen:

Dort wollte der Direktor Genossen des ZR, die einen Infostand vor der Schule errichtet hatten, dafür verantwortlich machen, daß viele Schüler zu spät zum Unterricht kamen. Natürlich stand der BDS voll hinter der Schulleitung und ihren reaktionären Angriffen.

Der BDS in der Praxis - d.h. aber auch, daß sich vor dem Lessing-Gymnasium in Düsseldorf kein BDS-Verteiler mehr sehen läßt, seit ein BDSler es sich gefallen lassen mußte, daß die Schüler ihm seine Flugblätter wieder in die Tasche zurücksteckten oder großenteils wegwarfen. Wer die 'kleine radikale Minderheit' tatsächlich bildet - von der der BDS immer redet, entlarvte sich auf dem Schülerkongreß sehr deutlich.

Bei der Diskussion über die politische Disziplinierung konnten von Genossen und Freunden des KOV und des ZR's u.a. am Beispiel der Entlassung des fortschrittlichen Lehrers Hannes Heer aus dem Schuldienst, dem Verbot der SMV-Press, Verboten von fortschrittlichen Schülerzeitungen (Münster und Jülich) sowie an etlichen Androhungen und Aussprechungen von Verweisen gegen fortschrittliche Schüler und Schülervertreter die reaktionäre Schulpolitik der SPD/FDP-Regierung offengelegt werden. Besonders die Jugendlichen aus den proletarischen Schichten sind in der Haupt-, Berufs- und Realschule schärfsten Disziplinierungen ausgesetzt. Damit versucht die Bourgeoisie, die Arbeiterkinder zu willigen Handlangern und Ausbeutungsobjekten im Betrieb und Büro zu erziehen. So berichteten Schülerinnen der Franklinrealschule, wo es die Schulleitung nicht dabei beließ, die Post der SMV zu öffnen und zu kontrollieren, sondern sie stahl auch politische Plakate, die Schülerinnen aufgehängt hatten, erteilte ihnen 'Konzentrationstadel' und beschimpfte sie als 'Straßenmädchen'. Nur durch solche verkommenen Disziplinierungsmaßnahmen kann die Schulbürokratie hier den Schulbetrieb aufrechterhalten.

Nahezu die Gesamtheit der ca. 150 anwesenden Schüler - abgesehen von dem halben Dutzend BDSler - solidarisierte sich mit Hannes Heer und den Schülerinnen der Franklinrealschule.

Der MSB 'würdigte' den KOV und den ZR ganzer 26 Zeilen in seinem jüngsten Flugblatt. 26 Zeilen, die wir für so bezeichnend halten, daß wir sie hier abdrucken:

Unter der Überschrift '…und ultralinkes Sektierertum' schreibt dort der MSB:
'Noch energischer (als der BDS) waren die Aktionen, die der ZTR der Düsseldorfer Oberschüler und der 'Kommunistische Oberschülerverband' (KOV) gegen den Kongreß entfachten. Schon vor dem Kongreß hatten sie in einem Flugblatt dem ADS-Vorstand 'Lichtscheuheit' und den MSB-Führern 'Schweinereien' vorgeworfen. Auch auf dem Kongreß waren sie nicht zimperlich mit Beschimpfungen und Verfälschungen, wo ihre Argumente versagten. Den als Gast zur Podiumsdiskussion eingeladenen Studentenpfarrer Stuckmann betitelte ein Vertreter des KOV als Lügner. Der Vorwurf des ZTR, daß die Schülervertreter, die nicht bereit sind, dem Zentralrat auf seinem chaotischen kleinbürgerlichen Weg zu folgen, sondern die konsequente Interessensvertretung der Schüler aufnehmen wollen, allesamt 'Handlanger der Kultusbürokratie' sind, wird auch dadurch nicht richtiger, wenn man ihn ständig wiederholt. Organisationen wie der ZR und der KOV bieten, das hat der
Kongreß bewiesen, fortschrittlichen Schülern keinerlei Perspektiven.'

Der ADS-Vorstand (besetzt vom MSB) versuchte, einen Schülerkongreß zu veranstalten, auf dem die Schüler ihre eigenen Gäste sein solten. Nur ein Delegierter pro hundert Schüler einer Schule hatte Rede-, Antrags- und Stimmrecht. Nur durch das entschiedene Auftreten des KOV und des ZR wurde durchgesetzt, daß zumindestens für alle Anwesenden auf dem Schülerkongreß Rederecht bestand. Nur zur Schlußkundgebung wurde öffentlich aufgerufen, die eigentlichen Kongreßtermine am Freitag und Samstag sowie Sonntag Vor- und Nachmittag wurden wohlweislich verschwiegen; von ihnen sollten nur die Delegierten wissen. Wie anders kann man so etwas bezeichnen als als Lichtscheuheit?

Wenn Studentenpfarrer Stuckmann die SPD-Schulreform als Fortschritt verkaufen will, die man zudem noch durch aktive Mitarbeit vorantreiben könne, so versuchte er nichts anderes, als die Schüler in die kapitalistische Ausbildung zu 'integrieren' (einzugliedern) und mit ihren fortschrittlichen Interessen nach demokratischem Unterricht und freier politischer Betätigung Katz und Maus zu spielen!

Wenn dann dem KOV und dem ZR ständig 'ultralinkes Sektierertum' und 'kleinbürgerliche chaotische Wege' angedichtet werden, wird es auch nicht dadurch richtiger, wenn man es ständig wiederholt."
Q: KOV: ADS-Vorstand will 'Schülerkongress' ohne Schülermassen veranstalten!, O. O (Düsseldorf) o. J.; Schulkampf-NRW Einlage Nr. 3, o.O. o.J. (Dez. 1972), S. 3ff

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03.12.1972:
Für den Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW berichtet Uwe Koch von einer heute in Düsseldorf durchgeführten Veranstaltung der Bezirks-SMV mit Günter Mielast gegen politische Disziplinierung bzw. die Berufsverbote (BV), die vermutlich im Rahmen des Schülerkongresses (vgl. 1.12.1972) stattfand.
Q: SMV-Ex-Press Nr. 1, Düsseldorf Aug. 1973, S. 1

05.12.1972:
In Düsseldorf beteiligen sich, laut KPD, 10 000 an der landesweiten Demonstration (vgl. 6.12.1972) gegen das Landeshochschulgesetz (LHG). Der KSV bildet einen eigenen Block.
Aufgerufen wird auch durch den KOV in Düsseldorf sowie die Kommunistische Schülergruppe (KSG) Neuss.
Q: KOV: Kämpfen wir mit den Fachhochschülern gegen die reaktionären Maßnahmen der SPD/FDP-Regierung!, Düsseldorf o. J.; Rote Fahne Nr. 72, Dortmund 6.12.1972, S. 1

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Januar 1973:
Der KOV der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 4 (vgl. Dez. 1972, 14.2.1973) heraus und berichtet:"
Schülervertretung beweist internationale Solidarität

Nicht nur Vietnamausschüsse, kommunistische und sozialistische Organisationen unterstützen mit ganzer Kraft das vietnamesische Volk. Auch Schülervertretungen sehen heute die Notwendigkeit, praktische Solidarität mit dem kämpfenden Vietnam zu üben. So beschloß die SMV des Comenius-Gymnasiums (Düsseldorf) 100 DM an die Provisorische Revolutionäre Regierung Südvietnams zu spenden!".
Q: Schulkampf Nr. 4, Berlin Jan. 1973, S. 6

14.01.1973:
Zentrale Vietnamdemonstration in Bonn (vgl. 7.1.1973, 20.1.1973).
Aufgerufen wird auch in Düsseldorf am Lessinggymnasium, von wo 6 Schüler teilnehmen (vgl. 25.1.1973)
Q: Der Wecker Nr. 1, Düsseldorf 25.1.1973, S. 4ff

25.01.1973:
Am Lessinggymnasium in Düsseldorf gibt die Zelle des KOV erstmals ihre Zeitung 'Der Wecker' (vgl. 29.1.1973) heraus. Der Leitartikel tritt zur SMV ein: "Für eine fortschrittliche Schülervertretung!". Man äußert sich auch "Zum Erscheinen der Zellenzeitung", die den zentralen 'Schulkampf' ergänzt, und auch den Vietnamausschuss des NVK am Lessinggymnasium zu Wort kommen lassen soll, was auch in dieser Ausgabe bereits geschieht. Eine Schülerkorrespondenz behandelt die Vietnamsolidarität in Form von Malerei der Parole "Tod den USA-Banditen!" am Pausendach, berichtet wird "Über 20 000 demonstrierten gegen die USA-Aggression in Vietnam" (vgl. 14.1.1973), wobei auch auf die Frankfurter Vietnamdemonstration (vgl. 15.1.1973) eingegangen wird. Aus Guinea-Bissau wird berichtet "Amilkar Cabral ermordet!" (vgl. 20.1.1973).

Zur landesweiten Demonstration des KSV (vgl. 26.1.1973) wird aufgerufen: "Stellen wir am Freitag die einheitliche Kampffront von Schülern und Studenten her!".
Q: Der Wecker Nr. 1, Düsseldorf 25.1.1973; Schulkampf Nr. 5, Berlin Feb. 1973

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26.01.1973:
In Düsseldorf will der KSV der KPD um 11 Uhr ab Schauspielhaus eine NRW-weite Demonstration durchführen.
Aufgerufen wird in NRW auch durch den KOV der KPD (vgl. 22.1.1973), u.a. durch seine Zelle am Lessinggymnasium Düsseldorf (vgl. 25.1.1973).
Q: Der Wecker Nr. 1, Düsseldorf 25.1.1973, S. 9f; KOV-Information, Dortmund o.J. (Jan. 1973)

29.01.1973:
Am Lessinggymnasium in Düsseldorf gibt die Zelle des KOV vermutlich Anfang dieser Woche einen Sonderdruck ihrer Zeitung 'Der Wecker' (vgl. 25.1.1973) unter der Schlagzeile "Solidarität mit dem Befreiungskampf der afrikanischen Völker!" heraus, wobei es um die portugiesischen Kolonien geht. Aufgerufen wird zur Schülerrunde am Lessing-Gymnasium am 1.2.1973 sowie zum Afrikakampftag in Essen (vgl. 3.2.1973).
Ein Spiritcarbon-Aufdruck informiert von der Afrikaschülerrunde für alle anderen Schulen am Erscheinungstag des 'Weckers'.

Vermutlich für diese Schülerrunde wird am Comenius Abendgymnasium durch Freunde des KOV der KPD die Broschüre "Solidarität mit dem Kampf der Völker Angolas, Guinea-Bissaos und Mozambiques!" herausgegeben, die sich auch mit dem portugiesischen Kolonialismus befasst.
Q: Der Wecker Sdr.druck Solidarität mit dem Befreiungskampf der afrikanischen Völker!, Düsseldorf 25.1.1973; N. N.: Solidarität mit dem Kampf der Völker Angolas, Guinea-Bissaos und Mozambiques!, O. O. o. J.

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Februar 1973:
In Berlin gibt die Zelle des KOV der KPD an der Peter A. Silbermann Schule (PAS) erstmals ihren 'Roten Kompaß' heraus, u.a. mit dem Artikel "Warum ich aus der DKP ausgetreten bin" mit Schilderungen aus Düsseldorf, in dem auch die ADS-PAS der SEW angegriffen wird.
Q: Schulkampf Nr. 5, Berlin Feb. 1973, S. 2

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01.02.1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich Anfang Februar ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden', Nr. 2 (vgl. Dez. 1972, 19.2.1973) zum Preis von 10 Pfennig heraus mit dem Leitartikel "Rojahn kommt. Keine Bundeswehrpropaganda an unserer Schule!" zu den Besuchen des Jugendoffiziers und dem Gedicht "General dein Tank ist ein starker Wagen" von Bertolt Brecht.

Weitere Artikel sind:
- "Vor der nächsten Schülersprecherwahl";
- "Vietnam im Kampf für die Unabhängigkeit";
- "Resolution dem Schülerrat des LG vorgelegt: Solidarität mit dem Volk Vietnam";
- "Zwischenzeugnis";
- "Lied beim Ausbessern der Straße" aus Vietnam;
- "Roter Faden in eigener Sache"; sowie
- "Knick Ratterton packt aus: Auf den Spuren des BdS".

Beigelegt ist das Flugblatt "Weihnachtssegen - Bombenregen" des KABD zu Vietnam. Angekündigt wird eine Dokumentation über den BDS "Wahrheiten über eine 'demokratische' Gruppierung…". Geworben wird für das 'Rote Signal', das vor der Schule verkauft werde.
Q: Roter Faden Nr. 2, Düsseldorf Feb. 1973; KABD: Weihnachtssegen - Bombenregen, Dortmund o. J. (1973)

05.02.1973:
In einer heute beginnenden Schulkampf-Werbewoche des KOV der KPD sollen Schülerrunden in Berlin, Düsseldorf und Dortmund stattfinden.
Q: Schulkampf Nr. 5, Dortmund Feb. 1973, S. 3

14.02.1973:
Frühestens heute gibt der KOV der KPD die auf Februar datierte Nr. 5 seines 'Schulkampf' (vgl. Jan. 1973, 11.3.1973) heraus.
Aus Düsseldorf wird vom Erscheinen der ersten Zellenzeitung des KOV am Lessing-Gymnasium Düsseldorf (vgl. 25.1.1973) und auch vom Graf Recke Gymnasium berichtet.
Q: Schulkampf Nr. 5, Berlin Feb. 1973, S. 5

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19.02.1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich in dieser Woche ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden', Nr. 3 (vgl. 1.2.1973, 26.2.1973) heraus mit dem Leitartikel "Für ein freies schwarzes Brett! Jetzt Kampfmaßnahmen!".

Weitere Artikel sind:
- "Schulumzug…Stadtverwaltung spart an allen Ecken" bzw. "Schulrenovierung";
- "Schülersprecherwahlen '73. Kollektiv Dommes-Rutschmann oder Zum wählen zu schade!";
- "Geben die Kriegsdienstverweigerer eine Alternative zur Bundeswehr und deren Propaganda an der Schule ???" zu KDV und Wehrkunde, mit der Resolution des Schülerrats gegen den Jugendoffizier Rojahn;
- "Verfassungsunterricht = Wehrkunde";
- "Korrespondentenbericht der MLSG Schulzelle des Geschwister Scholl Gymnasiums" (GSG) wo freie politische Betätigung, Streikrecht und Wiedereinstellung des Lehrers Ludwig gefordert wird;
- "Vietnam-Spenden-Aktion am LG" die vom Schüllerrat beschlossen wurde;
- "Schülersprecherwahlen '73. Kandidat Oberst - genug Zeit für Schülersprecherposten ??";
- "Bücherecke: Die politische Ökonomie des Marxismus";
- "B. Brecht wird 75"; sowie
- "Vom kriegerischen Lehrer" von Bertolt Brecht.
Q: Roter Faden Nr. 3, Düsseldorf 1973

26.02.1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich Anfang dieser Woche ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden' (vgl. 19.2.1973, 12.3.1973) als Flugblatt "Roter Faden zur ADS-Aktion" heraus zum für den 28.2.1973 geplanten stadtweiten Streik für Wiedereinstellung des Lehrers Ludwig, Streikrecht, freie politische Betätigung und gegen die Berufsverbote.
Q: Roter Faden Roter Faden zur ADS-Aktion, Düsseldorf o. J. (1973)

28.02.1973:
In Düsseldorf streiken, laut KOV, 650 Schüler des Geschwister Scholl Gymnasiums für mehr Lehrer und mehr Geld für die Bildung. Aktiv an der Schule ist auch die MLSG des KABD, die ebenfalls im Arbeitskreis Düsseldorfer Schulen (ADS), der BezirksSMV vertreten ist, in der der Vorstand aber von den Jusos und dem Marxistischem Schülerbund (MSB) Düsseldorf der DKP gebildet wird.
Q: Schulkampf Nr. 6, Berlin März 1973, S. 5

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März 1973:
Es erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr. 3 (vgl. Feb. 1973, Apr. 1973). Aus Düsseldorf wird berichtet vom Leibnizgymnasium über Wehrkunde und Jugendoffiziere bzw. "Objektivität durch Kriegsdienstverweigerer?" (KDV), wobei auch die MLSG Schulzeitung 'Der Rote Faden' erwähnt wird. Am Geschwister Scholl Gymnasium (GSG) Düsseldorf protestierte die MLSG-Schulzelle mit einem Flugblatt gegen den Lehrermangel.
Q: Rotes Signal Nr. 3, Erlangen März 1973, S. 12 und 14

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02.03.1973:
Der Zentralrat Düsseldorfer Oberschüler löst sich auf, um sich - zumindest weitgehend - dem KOV der KPD anzuschließen.
In seiner Erklärung dazu heißt es u.a., daß in der Anfang 1970 gegründeten Organisation zunächst DKP-Sympathisanten die Führung gehabt hätten. In der Diskussion um eine Aktion Roter Punkt habe sich dann eine ML-Fraktion gebildet, die 4 DKP-Anhänger seien ausgeschlossen worden und man habe sich mit dem KAB/ML auseinandergesetzt. Der ZR habe lediglich über ein Schulkollektiv am Max Planck Gymnasium verfügt, sonst aber keine Grundorganisationen an den Schulen gehabt.
Q: Schulkampf Nr. 6, Berlin März 1973, S. 2

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12.03.1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich in dieser Woche ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden', Nr. 4 (vgl. 26.2.1973, 19.3.1973), deren Seite 8 bei uns leider nicht bedruckt ist, für März zum Preis von 10 Pfennig heraus mit dem Leitartikel "Zur ADS-Aktion. Jetzt die Initiative ergreifen" zum von MSB und MLSG gebildeten Streikausschuß.

Weitere Artikel sind:
- "Zweierlei Maß" zur Propaganda für die Bundeswehr;
- dem Leserbrief "Nicht spontaner Brief an die Leser zum Thema Rojahn" zum Jugendoffizier vom 11.3.1973 und der "Stellungnahme der Redaktion zum Leserbrief über den Rojahnbesuch"; sowie
- "SMV: Rutschmann - Schüler- oder Direktorsprecher".

Geworben wird für die "Dokumentation über die Ursachen und die Entwicklung des Vietnamkrieges!" zum Preis von 50 Pfennig.
Q: Roter Faden Nr. 4, Düsseldorf März 1973

19.03.1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich Anfang dieser Woche ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden' (vgl. 12.3.1973, Juni 1973) als Sondernummer "Dokumentation über die Ursachen und die Entwicklung des Vietnamkrieges" zum Preis von Pfennig heraus. Die Sondernummer gliedert sich in die Abschnitte:
- "a. Kampf gegen die französische und japanische Kolonialherrschaft";
- "b. Eingriff des amerikanischen Imperialismus bis 68";
- "c. Scheitern der Vietnamisierung";
- "d. Volkskrieg siegt über Imperialismus"; sowie
- "e. Aufbau des Sozialismus in Nordvietnam".

Aufgerufen wird zur Vietnam-Veranstaltung des Schülerrates am 26.3.1973 und zur Unterstützung von dessen Vietnam-Spendenaktion.
Q: Roter Faden Sondernummer Dokumentation über die Ursachen und die Entwicklung des Vietnamkrieges!, Düsseldorf o. J. (1973)

23.03.1973:
Der Vietnamausschuß (VA) Dortmunder Oberschüler des NVK der KPD (vgl. 19.3.1973) lud zu einem Vietnam-Solidaritätsfest um 19 Uhr im Studentenwohnheim Stockumer Straße, Eichlinghofen (Partykeller) ein:"
Programm: 2 Referate
a.) Wie helfen Oberschüler Vietnam,
b.) Die Darstellung des Vietnamkrieges in unseren Schulbüchern.
Versteigerung zugunsten der Vietnamhilfe."

Das zweite Referat lag uns auch als Broschüre von vier Seiten DIN A 4 in Spiriticarbonauszug vor:"
DIE DARSTELLUNG DES VIETNAMKRIEGES IN DEN SCHULBÜCHERN

Erarbeitet von der KOV-Sympathisantengruppe Dortmund, auf der Grundlage eines Referates des Vietnamausschusses am Max-Planck-Gymnasium Düsseldorf und des Vietnam-Arbeitskreises der SMV am Max-Planck.

DIE DARSTELLUNG DES VIETNAMKRIEGES IN UNSEREN SCHULBÜCHERN

Bei einer Untersuchung unserer Geschichtsbücher läßt sich feststellen, daß der Vietnamkrieg meistens sehr kurz abgehandelt wird. Die Darstellungen des Krieges selbst reichen von offensichtlichen Lügen und Verdrehungen bis hin zu einer scheinbar wahrheitsgetreuen Beschreibung, die sich jedoch auf Halbwahrheiten und verschwiegene Tatsachen stützt und den Krieg als 'schicksalhafte Verstrickung' in 'weltpolitische Auseinandersetzungen' bezeichnet.

Die vernichtende Niederlage, die der französische Kolonialismus 1954 bei Dien Bien Phu durch die vietnamesischen Volksbefreiungsstreitkräfte erlitt, wird in 'Zeiten und Menschen' Bd. 4 (1965) so dargestellt: '…endlich mußte Frankreich den Kampf, der an seinen Kräften erehblich zehrte, abbrechen.' Die Kriegsursache für den 'amerikanisch-vietnamesischen Konflikt' wird in diesem Buch den Kommunisten zugeschrieben, die angeblich aus Nordvietnam in den Süden eingeschleust wurden: 'In Südvietnam nahmen die Kämpfe, seitdem kommunistische Truppen aus dem Norden eingeschleust wurden und daraufhin auch die USA-Truppen landeten, ein immer größeres Ausmaß an. Ein großer Teil des Landes wird von den Kommunisten beherrscht. So bleibt Südostasien eines der Zentren der weltpolitischen Auseinandersetzung in dem vornehmlich Rotchina die Unruhe schürt.'

Tatsache ist, daß die USA 1954 das Genfer Indochinaabkommen offen brach, als sie eine 150 Mann starke Militärberatertruppe in Südvietnam stationierten. Und Tatsache ist, daß die USA zunächst aus rein wirtschaftlichen Gründen in Vietnam einfielen; später betrachteten sie Vietnam zusätzlich als Übungsplatz, wie man z.B. mit Volksaufständen in Lateinamerika fertig werden könnte.

Wie sehr die USA an einem Weitergang des Vietnamkrieges mit vertauschten Rollen interessiert war, zeigte ein Fernsehfilm im 2. Programm mit dem Titel 'Schlacht von Dien Bien Phu'. Hier wurde gezeigt, daß die USA die Franzosen auf der Genfer Konferenz in keiner Weise unterstützten, um somit eine gute Ausgangsposition für ihre Interessen, für eine Weiterführung des Krieges unter der (Kontrolle, d.Vf.) der USA, zu erreichen.

Tatsache ist auch, daß schon 1949 - auch nach französischen Berichten - mindestens 84% der vietnamesischen Bevölkerung die Vietminh unterstützten und die Befreiungsfront zu dieser Zeit 9 Mio. Mitglieder zählte (bei einer Gesamtbevölkerung Vietnams von 27 Mio.).

Wer die Unruhe in Südostasien schürt, sind die USA-Imperialisten, die nach 1954 - laut Pentagonpapiere - Sabotagetrupps in die DRV einschleusten. Die das brutale Diem-Regime in Südvietnam einsetzten und so freie Wahlen verhinderten und die schließlich ganz Vietnam mit einem nie dagewesen Bombenterror und Völkermord überzogen.

In 'Zeiten und Menschen' Bd. 4 (1970) lesen wir zu den Regierungen in Südvietnam: 'die von den USA UNTERSTÜTZTEN Regierungen (erweisen sich) als unfähig, durchgreifende soziale Reformen einzulieten und die Massen der Bevölkerung für sich zu gewinnen.'

In 'Grundzüge…' Bd. 4 (1968) nimmt sich das folgendermaßen aus: 'Die USA verpflichtet sich, in Saigon eine stabile demokratische Regierung einzusetzen und auf unbestimmte Zeit zu schützen.'

Bewußt verschwiegen wird durch beide Bücher, daß die Regierungen Diemes und Thieus reine Marionettenregierungen der USA waren und sind und nichts mit einer Volksvertretung zu tun haben. Einen deutlichen Beweis dafür veröffentlichte am 13.5.1957 das amerikanische Magazin 'Life' zu den angeblichen Wahlen in Vietnam, nämlich daß amerikanische Berater Diem GERATEN hätten, sich mit 60% der Stimmen zufriedenzugeben, da dies besser aussehe, 'aber Diem bestand auf 98%.'

Die Rolle der USA in Vietnam wird in den Geschichtsbüchern gern als 'schicksalsbedingte militärische Verstrickung' (Grundzüge…) oder als Helfer und Unterstützer der Demokratie in Vietnam gegen 'Untergrundtätigkeit' oder 'einen Angriff von außen' (Grundzüge…) dargestellt.

Die Wahrheit ist, daß die USA in Vietnam massive Wirtschaftsinteressen verfolgen. Durch die Überschwemmung des vietnamesischen Marktes mit amerikanischen Konsumgütern wurde eine eigenständige vietnamesische Wirtschaft total zerstört. Milliardenprofite verdienten sich die amerikanischen Monopole durch den ständig eskalierenden Bombenkrieg.

Jede Demokratie wird in den von den USA noch beherrschten Gebieten durch die Folterung und Ermordung tausender Kommunisten, Demokraten und Angehörigen nationaler und religiöser Minderheiten aufs brutalste unterdrückt.

Kein Wort erfahren wir durch unsere Geschichtsbücher, welche 'Ziele', wie es in 'Zeiten und Menschen' 4 (1970) heißt, die 'amerikanische Luftwaffe' z.B. in Nordvietnam bombardierten, nämlich Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Wohnviertel (wie in Hanoi und Haiphong) und Deiche. Kein Wort über die barbarischen Waffensysteme der USA-Imperialisten, wie z.B. die Napalm- und Schrapnellbomben, die speziell zum Menschentöten konstruiert wurden.

Ein bezeichnender satz ist auch: 'Dieser Krieg brachte der Zivilbevölkerung unermeßliches Leid.' Die Verantwortung für den Krieg wird beiden Seiten gleichermaßen zugeschoben. Neuere Geschichtsbücher, wie etwa 'Grundzüge der geschichte' 4 91970) stellen die von den USA ausgehende Aggression realistischer dar und berichten auch von der amerikanischen Antikriegsbewegung. Das Fazit daraus allerdings ist: 'Unter solchen Umständen entschlossen sich die USA EINZULENKEN', anschließend wird von Friedensverhandlungen geschrieben. Das gute Gewissen und die Vernunft der USA-Regierung soll also doch noch vorhanden sein!

Von den reaktionären angefangen bis hin zu den 'reformierten' neueren Geschichtsbüchern wird der siegreiche Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes mehr oder weniger verschwiegen, wenn er nicht verteufelt wird. In Wirklichkeit ist es einzig und allein der Kampf eines ganzen Volkes gegen seine Unterdrücker, der die USA-Imperialisten zum Rückzug und zu Friedensverhandlungen zwang. Das beweisen:
- US-Präsident Eisenhower selbst ging 1956 davon aus, daß im Falle einer Wiedervereinigung über 80% der Bevölkerung Südvietnams Ho Chi Minh gewählt hätten.
- die großen Bauernaufstände 1962/1963 gegen die Einpferchung in sogenannte 'strategische Dörfer' durch die Diem-Regierung, die nichts anderes als KZ's sind, die zum fast völligen Zusammenbruch dieses Konzepts führten.
- die gewaltigen Protestdemonstrationen von oft über hunderttausend Menschen gegen die volksfeindliche Politik der Marionettenregierung in den südvietnamesischen Städten, die zum Sturz der Diem-Dikattur führten und in der letzten Zeit dazu, unter Thieu, daß über 20 000 Menschen in den großen Städten Südvietnams von der Thieu-Clique verhaftet und größtenteils gefoltert wurden.
- die große Unterstützung der FNL hat in den befreiten Gebieten eine eigene - durch Wahlen legitimierte - Verwaltung aufgebaut, ein funktionierendes Gesundheitssystem eingerichtet, das Analphabetentum nahezu beseitigt und eine umfangreiche Landreform durchgeführt.

In unseren Geschichtsbüchern wird bewußt das Wichtigste verschwiegen! Die militärischen Siege der FNL lassen sich nur daraus erklären, daß dieser Befreiungskampf ein Volkskrieg ist. Es handelt sich nicht um arme, bedauernswerte Geschöpfe, die in Vietnam verschiedenen Großmachtinteressen ausgeliefert sind, sondern um ein Volk, das im jahrelangen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung erkannt hat, wer Freund und wer Feind ist und danach handelt.

Deswegen auch, gestützt auf den Volkskrieg, erringt die einzig wirklich gewählte Regierung, die der FNL, die Provisorische Revolutionäre Regierung der Republik Südvietnam immer größere politische Erfolge. Unsere Geschichtsbücher verschweigen, daß alle Friedensinitiativen immer von der PRR und der Regierung der DRV ausgingen und es die USA-Aggressoren waren, die jeden vernünftigen Friedensvorschlag mit der Eskalation des Krieges beantworteten: so die ersten Friedensangebote 1964/1965 mit der Bombardierung der DRV, so den Beginn der Pariser Friedensverhandlungen mit dem Einmarsch nach Laos, so den 7-Punkte-Vorschlag mit dem stärksten Bombenterror seit Beginn des Krieges.

Diese fehlerhaften und lügnerischen Darstellungen der Schulbücher sind typisch für die bürgerliche Ideologie.

Der Zweck solcher Darstellungen besteht darin, die Schüler davon abzuhalten, die Wahrheit über den Vietnamkrieg zu erfahren; hier sollen die Schüler auf der kleinbürgerlichen Linie festgehalten werden. Dahinter steht die Angst, daß die Schüler erkennen, was in Vietnam gespielt wird, wer der Aggressor ist und daß das vietnamesische Volk mit einem unbeschreibbaren Mut seinen gerechten Kampf führt und daß es Erfolge in diesem Volkskrieg errungen hat und erringen wird, da sich die Volksmassen unter der richtigen Führung zusammengeschlossen haben.

Genauso verhält es sich mit der übrigen bürgerlichen Geschichtsdarstellung: Es soll verhindert werden, daß die Schüler die zahlreichen anderen Beispiel von erfolgreichen Volks- und Klassenkämpfen entdecken.

Für Schüler, die dies richtig erkannt haben, gilt es, das Informationsmonopol der Bourgeoisie zu brechen, indem sie entsprechend handeln.

EINE Aufgabe des KOV ist es, diese eine historische Wahrheit in die Klassen zu tragen. Dies geschieht in organisierter Form, im Klassenverband durch die Klassenkollektive, die aus KOV-Mitgliedern oder -Sympathisanten und den fortschrittlichsten Schülern der Klasse bestehen.

Ziel des Klassenkollektivs ist es, die Fortschrittlichsten zu organisieren, die Schwankenden auf seine Seite zu ziehen und die Reaktionären zu isolieren. Der Kampf der Klassenkollektive darf sich jedoch nicht nur gegen die falschen Darstellungen bezüglich des Vietnamkriegs richten, sondern es muß den Kampf quasi an allen Fronten eröffnen, so muß es z.B. auch gegen die Disziplinierungen kämpfen.

KOV-Mitglieder und -Sympathisanten arbeiten generell in denjenigen Massenorganisationen, die eine richtige politische Linie vertreten und die richtigen Forderungen aufstellen. Aus diesem Grunde arbeitet der KOV auch im Vietnamausschuß des Nationalen Vietnamkomitees."
Q: VA Dortmunder Oberschüler: Solidaritätsfest des Vietnamausschusses Dortmunder Oberschüler, Dortmund o.J. (1973); KOV-Sympathisantengruppe Dortmund: Die Darstellung des Vietnamkrieges in den Schulbüchern, o.O. (Dortmund) o.J. (März 1973)

April 1973:
Der KOV der KPD gibt einen Sonderdruck "Heraus zum 1. Mai" seines 'Schulkampf' (vgl. 11.3.1973, Juni 1973) heraus. Am Düsseldorfer Lessinggymnasium führten der VA und die KOV Zelle eine Afrika Schülerrunde durch.
Q: Schulkampf Sdr.druck Heraus zum 1. Mai, Dortmund Apr. 1973, S. 3

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09.04.1973:
Vermutlich erscheint zu Beginn dieser Woche in Dortmund das vierseitige anonyme Flugblatt unter Verantwortung von Peter Rath, Dortmund:"
WEG MIT DEM BERUFSVERBOT

Überall in der Bundesrepublik fehlen Lehrer. Ständig fällt der Unterricht aus. Unsere Kinder werden unzureichend auf das Berufsleben vorbereitet. Trotz des unerträglichen Lehrermangels müssen befähigte Lehrer stempeln gehen. Durch einen Erlaß der Ministerpräsidenten der Länder und der Bundesregierung vom 28.1.1972 werden sie an der Ausübung ihres Berufes gehindert. Zahlreiche Lehrer sind schon aus politischen Gründen dem Berufsverbot (BV, d.Vf.) zum Opfer gefallen, zum Beispiel:

Bernhard Fichtner bestand beide Staatsprüfungen mit der Note 'ausgezeichnet'. Seine Einstellung an der Gesamtschule Kamen wurde trotz der Proteste des Lehrerkollegiums und der GEW abgelehnt. Grund: er ist Mitglied der DKP. Bernhard Laux ist parteilos und aktives Mitglied der GEW. Er wurde nicht in den Schuldienst übernommen. Grund: sein aktives Auftreten als gewählter Sprecher von 600 Referendaren in Hamburg.

Karl-Heinz Henne hat die zweite Lehramtsprüfung mit 'sehr gut' bestanden. Er ist seit dem 1.8.1971 (!) arbeitslos, weil ihn das Kultusministerium von Nordrhein-Westfalen nicht in den Schuldienst übernehmen will. Grund: er ist Mitglied der DKP.

Ulrich Kuder war Vikar und Religionslehrer in München. Er wurde auf Betreiben der CSU aus dem Schuldienst entlassen. Grund: die politische Einstellung des Sozialdemokraten hatte der CSU nicht gepaßt.

Rainer Birenheide war bereits vier Jahre als Lehrer im Angestelltenverhältnis tätig gewesen. Seine Vereidigung als Beamter sollte am 1. 2.1973 in Dortmund erfolgen. Eine halbe Stunde vorher hinderte ein telefonischer Einspruch des Regierungspräsidiums Arnsberg die Dortmunder Schulbehörde an der Vereidigung. Die Hauptschule in Dortmund-Nette muß so auf einen dringend benötigten Mathematik- und Physiklehrer verzichten. Grund: Birenheide ist Mitglied der DKP.

FREIHEIT IM BERUF - DEMOKRATIE IM BETRIEB. KEIN BERUFSVERBOT FÜR AKTIVE GEWERKSCHAFTER

Auch die Unternehmer praktizieren das Berufsverbot. Sie benutzen es als Waffe gegen die aktivsten Kollegen, gegen alle Gewerkschafter, gegen Vertrauensleute, Jugendvertreter und Betriebsräte, die sich in den Betrieben aktiv für die arbeitenden Menschen einsetzen.

Fall Hoesch:
Die Direktion des Dortmunder Hoesch-Konzerns beschließt nach einem Streik im Februar dieses Jahres 38 besonders aktive Gewerkschafter zu entlassen. Die 'erste Rate' besteht aus 8 Werksangehörigen: 4 Sozialdemokraten, 2 Kommunisten ud 2 Parteilose - 2 dieser Kollegen sind Betriebsräte, 5 Vertrauensleute.

Fall Mannesmann:
Im gleichen Monat werden von der Direktion des Mannesmann-Werkes in Duisburg 42 Arbeiter, die führ höhere Löhne streiken, durch eine einstweilige Verfügung mit Geld- und Haftstrafen bedroht. Hiermit wird der Streik zu einem kriminellen Delikt. Hier werden streikende Arbeiter zu Verbrechern erklärt. In beiden Fällen mußten die Bosse kapitulieren. Massenhafte Proteste zwangen sie zum Rückzug.

Die Fälle von Berufsverbot im Betrieb häufen sich. So sind schon mehrere Hundert Betriebsjugendvertreter unter Umgehung des Betriebsverfassungsgesetzes (BVG, d.Vf.) nach Abschluß ihrer Ausbildung aus dem Betrieb geworfen worden. Man verweigerte ihnen die Übernahme in ein reguläres Arbeitsverhältnis.

Die CDU-Landesregierung von Rheinland-Pfalz geht weiter. In der Antwort auf eine Anfrage, die sich mit der Sicherung der Weiterbeschäftigung von Betriebsjugendvertretern nach dem Abschluß ihres Ausbildungsverhältnis beschäftigte, heißt es, daß eine solche Forderung 'systemwidrig' sei.

AUS DER ENTSCHLIESSUNG DER IG METALL VERTRETERVERSAMMLUNG ESSEN:
'Die Delegierten der IG Metall-Vertreterversammlung in Essen verurteilen entschlossen das verfassungswidrige Berufsverbot der Ministerpräsidenten der Länder, das sich gegen alle Demokraten in unserem Lande wendet. Wir fordern eine Änderung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen, die derartige Praktiken ermöglichen. Der IG Metall-Vorstand wird beauftragt, in diesem Sinne in den Parlamenten der Länder und im Deutschen Bundestag tätig zu werden.'

AUS DER ENTSCHLIESSUNG DER IG METALL VERTRETERVERSAMMLUNG DORTMUND:
'Die Vertreterversammlung der IG Metall Dortmund schließt sich dem Protest gegen das verfassungswidrige Berufsverbot der Ministerpräsidenten der Bundesländer an.

In Nordrhein-Westfalen sind trotz akuten Lehrermangels und Schichtunterricht drei gewerkschaftlich organisierte Lehrer arbeitslos. Wir Gewerkschafter in der IG Metall Dortmund wenden uns entschieden dagegen, daß die GEW-Kollegen, die sich im schulischen und außerschulischen Bereich für die Durchsetzung demokratischer Forderungen einsetzen wie jeder andere Gewerkschafter, allein wegen ihrer politischen Einstellung arbeitslos werden sollen, zumal das Grundgesetz eindeutig festlegt, daß niemand wegen seiner politischen Einstellung benachteiligt werden darf.'

AUS DER ENTSCHLIESSUNG DER BUNDESARBEITSTAGUNG DER GEWERKSCHAFTSJUGEND:
'Die Teilnehmer der Bundesarbeitstagung der Gewerkschaftsjugend am 10. und 11. März 1973 in Solingen verurteilen entschlossen das verfassungswidrige Berufsverbot der Ministerpräsidenten der Länder, das sich gegen alle demokratischen, gewerkschaftlichen und politischen Kräfte in unserem Land wendet.

Dieser unter Mitwirkung der Bundesregierung gefaßte Beschluß der Ministerpräsidenten der Länder schränkt die im Grundgesetz verankerte Freiheit der Meinung, der Berufswahl und der freien Entfaltung der Persönlichkeit ein und ist somit eindeutig verfassungswidrig.'

AUS DER ENTSCHLIESSUNG DES VDS:
'Der VDS unterstützt alle regionalen und nationalen Aktionen gegen die Berufsverbote. Ein wichtiger Schritt für die Verbreitung des Kampfbündnisses wird die Manifestation der initiative 'Freiheit im Beruf - Demokratie im Betrieb' sein, die am 14. 4. 1973 in Dortmund stattfinden wird. Der VDS ruft alle Studenten auf, diese aus der Solidaritätsbewegung mit den Hoesch-Arbeitern entstandene Aktion zu unterstützen.'

AUFRUF DER INITIATIVE:
Wir haben Lehrermangel - aber hochqualifizierte Fachkräfte dürfen nicht Lehrer werden! Wir haben ein Grundgesetz, das die Freiheit der Berufswahl, den freien Zugang zu allen öffentlichen Ämtern garantiert und die Benachteiligung Einzelner wegen ihrer Weltanschauung oder politischen Meinung verbietet - aber aktive Demokraten werden nicht zu Lehrämtern zugelassen! Kraft eines Regierungs-Erlasses, über den sich SPD/FDP-Regierung und CDU/CSU geeinigt haben, werden von der Ministerial-Bürokratie willkürlich Berufsverbot verhängt. Die Betroffenen sind bis heute zumeist Lehrer und Studenten, Sozialdemokraten und Kommunisten. Morgen können es Arbeiter, Angestellte und Beamte sein; denn der Regierungs-Erlaß vom Januar 1972 ermöglicht Berufsverbote im gesamten öffentlichen Dienst.

Mit diesen Maßnahmen soll zugleich das gesellschaftskritische Engagement aller im öffentlichen Dienst Beschäftigten verhindert werden. Das ist zwar verfassungswidriges Ausnahmerecht, aber dennoch keine Ausnahme. Ein ganzes Bündel antidemokratischer Maßnahmen bedroht uns alle: Ein Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts gestattet die Entlassung von Arbeitern und Angestellten, die es wagen, am Unternehmertum Kritik zu üben: Neue 'Ordnungsrechte' an den Hochschulen reglementieren die Studenten wie rechtlose Untertanen. Die Schülermitverwaltung und die Schülerpresse werden einer schikanösen ministeriellen Aufsicht unterstellt. Ein Urteil des Bundessozialgerichts sanktioniert die Aussperrungswillkür der Unternehmer. Diese antidemokratische Entwicklung ermunterte den Vorstand des Hoesch-Konzerns zu dem Versuch, mit der Entlassung von 8 Hoesch-Arbeitern ein Exempel zu statuieren.

Doch mit der Kraft der Solidarität gelang es, diesen Anschlag auf Arbeiterrechte abzuwehren. Ebenso kann es gelingen, die Berufsverbote zu Fall zu bringen!

Selten ist ein Regierungs-Erlaß auf eine derartige Kritik und Ablehnung gestoßen. Ehemalige Bundesrichter nennen die Berufsverbote verfassungswidrig. Jusos und Jungdemokraten, SPD-Abgeordnete und ganze SPD-Landesverbände fordern:

Der Berufsverbot-Erlaß muß zurückgenommen werden. Wissenschaftler und Gewerkschafter protestieren. In zahlreichen Orten finden sich Eltern und Schüler, Professoren und Studenten, Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte zur solidarischen Aktion zusammen, um die Einstellung von Lehrkräften zu erzwingen, die mit dem Berufsverbot belegt wurden. In einigen Fällen war dieser Kampf bereits erfolgreich. Jetzt muß es allen Demokraten darum zu tun sein, die Berufsverbote überhaupt zu Fall zu bringen. Das wäre ein großer Erfolg für die Demokratie, für die Verteidigung der Grundgesetzlichen Rechte und Freiheiten aller Bürger!

Deshalb rufen die Unterzeichner zu einer Manifestation aller demokratischen Kräfte am Samstag, 14. April 1973, in Dortmund auf."

Neben einer Reihe von Einzelpersonen, ist der Aufruf unterzeichnet von:
- Bezirksvorstand SJD - Die Falken der SPD, Niederrhein,
- Landesjugendleitung der Naturfreundejugend (NFJ), Rheinland,
- Landesjugendkonferenz NFJ, Westfalen,
- Landesvorstand Jungdemokraten (Judos der FDP), NRW,
- Bundesvorstand DFG/IDK,
- Bund demokratischer Wissenschaftler (BdWi), Sektion Münster,
- Bezirksvorstand SHB,
- SMV-Landesvorstand der allgemeinbildenden Schulen NRW,
- SMV-Bezirksvorstand, linker Niederrhein,
- Marxistischer Schülerbund (MSB) Düsseldorf,
- Landesdelegiertenkonferenz der SMV-berufsbildenden Schulen NRW,
- Verband deutscher Studentenschaften (VDS) Vorstand.
Q: N.N: Weg mit dem Berufsverbot, Dortmund o. J. (1973)

09.05.1973:
Für den Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW berichtet Uwe Koch vom Düsseldorfer Schülerprotest gegen die Berufsverbote (BV):"
Auf einer Diskussionsveranstaltung, die vorwiegend von Mitgliedern des Stadtschülerrates besucht war, berichtete Rütger Booß am 9. Mai 1973.

Zu den Diskussionen mit Henne (vgl. 11.11.1971, d.Vf.) und Booß waren jeweils Vertreter des Kultusministeriums und des Schulkollegiums eingeladen worden. In beiden Fällen zogen sie es vor, 'verhindert' zu sein. Daraus schloß die Versammlung am 9.Mai in einer Resolution, daß sich die Vertreter des Kultusministeriums der öffentlichen Diskussion entziehen: '…entspricht der argumentativen Schwäche der Verteidiger des Ministerpräsidentenerlasses'."
Q: SMV-Ex-Press Nr. 1, Düsseldorf Aug. 1973, S. 1

18.05.1973:
Der KOV Dortmund der KPD berichtet:"
Am vergangenen Donnerstag war in Düsseldorf das Haus der Jugend von Bullen umzingelt, in dem der KOV eine Veranstaltung für die Düsseldorfer Oberschüler durchführen wollte. Es mußte ein anderer Ort gesucht werden."
Q: KOV Dortmund: Hände weg von der KPD, Dortmund o.J. (25.5.1973)

29.05.1973:
Dem Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW berichtet Ulrich Kemmer u.a. von heute:"
BERICHT VOM JUNGENGYMNASIUM GERRESHEIM: SCHÜLERINITIATIVEN WERDEN ABGEBLOCKT

Aus dem allgemeinen Zustand einer Lethargie wollte ich anfangs durch Einzelaktionen (Flugblätter an das Schwarze Brett hängen, Aufrufe zur Solidarität gegen den Leistungsdruck) nicht nur die Stunden in der Schule absitzen um dann ohne jegliche Beziehung zu anderen Schülern wieder nach Hause zu laufen.

SCHÜLERRECHTS-AG

Nachdem das keine Wirkung zeigte, warb ich um Interessenten, um eine Schülerrechts-AG, die sich mit den Konflikten zwischen Schülern und Lehrern auseinandersetzen sollte (zu gründen, d.Vf.). Nur wenige kamen zu diesen Sitzungen. Wir trugen unsere Vorstellungen vor und merkten, daß wir aus sehr unterschiedlichen Motiven zu dieser Versammlung kamen. Gemeinsam sahen wir die Funktion der AG darin, den Vermittlungsausschuß, der aus der Intention eines Schlichtungsgremiums für Disziplinarfälle entstanden war, zu einer wirksamen Waffe umzugestalten und die ständigen Repressionen im Unterricht abzubauen, indem wir den Schülern die Möglichkeit zu Vertrauensgesprächen und Klagen gegen Lehrer boten.

Wir informierten die Schüler durch Aushang eines selbstverfaßten Flugblattes am Vertretungsplan, wo es jeder Schüler sehen mußte. Am nächsten Tag war das Flugblatt verschwunden. Wir wurden zum Direktor zitiert und mußten in Gegenwart des Schülersprechers und des Verbindungslehrers uns einem 'Gespräch' unterziehen, bei welchem der Direktor dominierte und wir nur einige Berichtigungen vorbringen konnten.

Uns wurde vorgeworfen, wir informierten unsachlich, wir diffamierten DIE Lehrer (wir hatten Einschüchterungsversuche an einem Exemplarfall geschildert) und wir irritierten die Schüler. Außerdem hätten wir eine falsche Vorstellung von Unterdrückung. Auf einige formale Fehler wurde hingewiesen (z.B. Falschsetzen von Anführungszeichen, die in diesem Fall unwesentlich waren und den Inhalt nicht änderten). Danach entließ uns der Direktor mit dem Hinweis, wenn die AG ähnliche aufwieglerische Schriften verbreite, sähe er sich veranlaßt, die Tagung der AG zu untersagen.

Bald darauf erfuhren wir, daß ein Schüler von einem Lehrer geschlagen worden war. Der Direktor benutzte sofort eine seiner 'kostbaren' Stunden, um den Vorfall im Beisein des Schülers, des betreffenden Lehrers und der Klasse zu besprechen. Es wurden Fragen gestellt, die nichts mit der Sache zu tun hatten, und die Schüler bekamen nicht die Möglichkeit, den Vorgang aus ihrer Sicht im Kontext darzustellen.

Zusätzlich hatte dieser Schüler als stellvertretender Klassensprecher und Mitarbeiter der AG eine Anfrage an den Minister für Arbeit und Soziales geschickt. Wir wurden zum Direktor gerufen und beide Themen wurden ausgiebig (vom Direktor) besprochen.

Dabei ging er nur nebenbei auf das ungeheuerliche Verhalten des Lehrers ein, der den Schüler geschlagen hatte, sondern erklärte umständlich, daß der Minister für Arbeit und Soziales der falsche Adressat für einen solchen Brief sei, daß die AG die Aufgabe habe, hierüber die Schüler zu informieren und die demokratischen Institutionen zu erläutern.

ANTRÄGE AN DIE GESAMTKONFERENZ

Zu einer allgemeinen Konferenz brachte ich drei Anträge ein. In einem Gespräch wurde mir vom Direktor mitgeteilt, ich brauche nicht zur Konferenz zu erscheinen, da nur persönliche Angelegenheiten eines Lehrers behandelt würden, bei denen ich sowieso den Raum verlassen müsse. Um Schwierigkeiten auszuweichen, verschob ich meine Anträge auf die nächste Konferenz. Durch irgendein Mißverständnis erhielt ich jedoch zur nächsten Konferenz keine Einladung.

Am 29.5. konnte ich endlich meine drei Anträge vortragen: Stimmrecht für Elternvertreter bei allgemeinen Konferenzen und rechtzeitige Einladung, Teilnahme- und Stimmberechtigung für die Schüler bei allen Fachkonferenzen, Genehmigung eines informativen Seminars von drei Tagen über politische und ethische Fragen.

Alle drei Anträge wurden durch Abstimmung abgelehnt. Danach berichtete ich von unserer AG und ließ u.a. vernehmen, daß politische Meinungen in den Unterricht flössen, die von der Schülerschaft unkritisch übernommen würden. Dies löste einen Tumult aus und einen cholerischen Ausbruch eines Lehrers, der mich aufforderte, das zu belegen. Ich willigte ein, und damit war dieser Punkt beendet.

Nach den Ferien ließ mich der Direktor zu sich kommen und forderte mich auf, endlich die Fakten vorzulegen, um meine harten Vorwürfe zu bestätigen. Wenn ich nicht dazu in der Lage sei, werde man in der nächsten Sitzung darüber beschließen, ob man mich weiter als Konferenzteilnehmer akzeptiere.

Da die Kritik jedoch nur allgemeiner Art war und ich darauf hingewiesen hatte, die Lehrer sollten ihren Unterricht daraufhin prüfen, und wir keine Einzelfälle aufweisen können, bei denen die Tatsachen grob verfälscht dargestellt wurden, bin ich damit als unliebsamer Konferenzteilnehmer mit ziemlicher Sicherheit ausgeschieden.

SCHÜLER NUTZEN IHRE RECHTE NICHT

Neben den harten Auseinandersetzungen mit den Lehrern müssen wir auch bei den Schülern Kritik ansetzen. Ihre passive, desinteressierte Haltung gibt den Lehrern immer wieder den Vorwand, wir würden die Schüler 'gegen die Lehrer aufhetzen'. Unser Verbindungslehrer meint dazu, die Zusammenarbeit mit der SMV sei bis auf die letzten drei Monate, seit die AG existiert, als positiv zu bezeichnen.

Vorher hatte der BDS-Schülersprecher (Bund Demokratischer Schüler, der Jungen Union (JU der CDU, d.Vf.) nahestehender lokale Schülerorganisation) auch keinen Finger gekrümmt und jetzt war er damit beschäftigt, eine Gegenmobilisierung zu erzeugen und die Schüler gegen jegliche Änderung der Satzung voreinzunehmen (z.B. daß vier Schülersprecher sich zur Kandidatur stellen, daß drei Delegierte in den Stadtschülerrat und nicht wie bisher nur einer und die beiden Schülersprecher gewählt würden). Außerdem blockte er bei der letzten Schülerratssitzung drei Anträge ab. Ich hatte 150 DM (die Hälfte des Ertrags des letzten Schulfestes) für die Vietnamhilfe beantragt, eine Zusammenarbeit mit dem Mädchengymnasium und eine Schülerversammlung mit politischen Diskussionen vorgeschlagen. Das BDS-Mitglied meinte, die Bundesregierung würde schon genug für Vietnam tun, und wir bräuchten uns als Bürger dieses Staates nicht mehr darum zu kümmern.

Die Situation an unserer Schule ist damit so verheerend, daß selbst diejenigen, die sich für eine weitere Demokratisierung (z.B. Satzungsänderung in den beiden Punkten) und für politisches Engagement einsetzten, bei dem Zweifrontenkrieg gegen Lehrer und BDS-Mitglieder bald resignieren müssen. Dies kann sich nur ändern, wenn die Schüler begreifen, daß sie ihre wenigen Rechte nutzen müssen."

Der Landesvorstand formuliert dazu folgende:"
NACHBEMERKUNGEN

Immer wieder versuchen Schulleitungen, der SMV das Recht auf Tagungsräume in der Schule streitig zu machen. Der SMV-Erlaß jedoch schreibt eindeutig vor: Der Schulleiter muß eine Zusammenkunft von Schülern auch dann als Schulveranstaltung genehmigen, wenn es sich dabei nicht um die Sitzung eines SMV-Organs, sondern lediglich um das Zusammentreffen einer Arbeitsgemeinschaft, einer politischen Schülergruppe oder einer Hausaufgabenbetreuung handelt (SMVE 8.2 und 8.3).

Auch wenn Schüler anderer Schulen an diesen Veranstaltungen teilnehmen, handelt es sich dabei noch um eine Veranstaltung der SMV (Erläuterungen zum SMVE zu 8: 1.1). Eine solche Veranstaltung muß nicht vom Schülerrat oder vom Schülersprecher beantragt werden; jeder Schüler hat dazu das Recht.

Wenn ein Schulleiter einer AG mit dem Verbot droht oder ihre Sitzungen nicht mehr genehmigen will, kann er das in keinem Fall damit begründen, daß diese AG ein Flugblatt herausgegeben hat, in dem ein Lehrer oder die Schule angegriffen wurde.

Ebenso kann eine Gesamtkonferenz einen Schülervertreter nicht ausschließen, weil sie mit seinen Äußerungen nicht einverstanden ist.

Wenn Schulleiter in dieser Weise gegen den SMV-Erlaß und andere Bestimmungen verstoßen, sollten sich die Schüler unbedingt an die Landes-SMV wenden oder direkt an die Schulaufsichtsbehörden:
Für Gymnasien in Nordrhein: Schulkollegium Düsseldorf.
Für Gymnasien in Westfalen: Schulkollegium Münster.
Für Realschulen: Regierungspräsidium des jeweiligen Regierungsbezirks."
Q: SMV-Ex-Press Nr. 2, Düsseldorf Okt./Nov. 1973, S. 3

Juni 1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich im Juni ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden', Nr. 6 (vgl. 19.3.1973, 17.12.1973) heraus mit dem Leitartikel "Umbau und Umlagerung unserer Schule".

Weitere Artikel sind:
- "Oberstufenreform" zur OSR;
- "Der Arbeiter kann sich freuen" ein Gedicht;
- "Erfahrung als Arbeiter und Mitarbeiter";
- "Faschismus" zu einem NPD-Lehrer an der Schule;
- "Solidarität mit Kambodscha!"; sowie
- "Was ist geschehen?" ein Gedicht von Bertolt Brecht.
Q: Roter Faden Nr. 6, Düsseldorf 1973

05.06.1973:
In Heessen (heute Hamm) soll auf dem Dorfmarktplatz eine Bundeswehrschau stattfinden, gegen die u.a. die Zelle Westfalenkaserne Ahlen des KJV der KPD sowie sein Regionalkomitee NRW, aber auch der KOV u.a. aus Dortmund und Düsseldorf protestieren.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 7, Dortmund Juli 1973, S. 9; Kämpfende Jugend Sonderdruck NRW, Dortmund 5.6.1973;Schulkampf Nr. 8, Berlin Juli 1973, S. 5

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12.06.1973:
Der Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW berichtet:"
DÜSSELDORF: Knapp 500 Schüler demonstrierten gegen politische Disziplinierung und materielle Bildungsmisere. In vielen Schulen waren vorher die Forderungen der Stadt-SMV (ADS) diskutiert worden. Geschlossen forderten Schülerräte ihre Schulen auf, am Schüleraktionstag, dem 12. Juni 1973, teilzunehmen. Nach der Demonstration fand eine Kundgebung auf dem Schadowplatz statt, auf der Klaus Stein von der Düsseldorfer GEW über den Ministerpräsidentenerlaß (BV, d.Vf.) sprach. Dabei forderte er die vollständige Aufhebung des 'Radikalen'-Erlasses. Volker Franke vom SMV-Landesvorstand sprach über die Bildungsreform. Mit den einleitenden Worten, 'die Bildungsreform findet nicht statt', charakterisierte er bereits den Haupttenor seiner Rede. Mit allen Tricks, von Fälschungen der Statistiken bis hin zu Märchen wie das von der Lehrerschwemme, versuche man den Bildungsnotstand in seiner ganzen Ausdehnung zu leugnen. Statt dessen plane man, die Bildungsmisere durch gerechte Verteilung des Numerus Clausus (NC, d.Vf.), der zu wenigen Lehrer und des Lehrmaterials zu beheben. Es gehe also nicht darum, das Bildungssystem zu verbessern, sondern seine verheerenden Mängel auf alle gleich zu verteilen."

Auf einem beigefügten Foto sind Transparente für kleine Klasse und 'Für Senkung der Rüstungsausgaben!' zu erkennen.

Laut KOV der KPD waren es nur 250 Demonstranten, darunter auch ein Block des KOV, fortschrittlicher Schülervertreter und der Föderation freier Sozialisten (FFS), deren Sympathisant, Schulsprecher an der Graf-Recke Schule, der MSB Düsseldorf am Clara-Schumanngymnasium die Solidarität verweigert habe.
Q: SMV-Ex-Press Nr. 1, Düsseldorf Aug. 1973, S. 2; Schulkampf Nr. 8, Berlin Juli 1973, S. 8

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August 1973:
In NRW gibt der Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen erstmals sein Info 'SMV-Ex-Press' (vgl. Sept. 1972, Okt. 1973) mit vier Seiten DIN A 3 in einer Auflage von 80 000 unter Verantwortung von Volker Franke in Düsseldorf mit folgendem Leitartikel von Uwe Koch heraus:"
UNSERE AUFGABEN IM NEUEN SCHULJAHR:

DIE RECHTE DER SCHÜLERVERTRETUNG ERWEITERN - DIE UNABHÄNGIGKEIT DER SMV-ZEITUNG SICHERN

SMV FORDERT: 'SCHLUSS MIT DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG!'

Es hat eine lange Pause gegeben zwischen der letzten Ausgabe der SMV-Press und dem Erscheinen dieses Informationsblattes des SMV-Landesverbands. Wie Ihr wißt, war nicht unsere Untätigkeit der Grund: DAS SCHWEIGEN WAR ERZWUNGEN, DER KULTUSMINISTER HATTE DER SMV IM VERGANGENEN SEPTEMBER UNTERSAGT, WEITERHIN GELD FÜR EINE ZEITUNG AUSZUGEBEN, DEREN INHALT NICHT SEINEN WÜNSCHEN ENTSPRACH.

BEHINDERTE SMV

Es blieb nicht der einzige Schlag gegen die Landesschülervertretung. Ich erwähne nur noch kurz, was (durch unsere Schulrundsendungen, durch andere Schülerzeitungen) vielen wohl schon bekannt ist:

EINE LANDESVERSAMMLUNG, DIE EINEN NEUEN LANDESVORSTAND DER SMV WÄHLEN SOLLTE, WURDE VIER WOCHEN LANG VERHINDERT. Das Schulkollegium machte seine Zustimmung von Bedingungen abhängig: ein die SMV-Press betreffender Tagesordnungspunkt sollte abgesetzt, das Wahlverfahren des Landesvorstands geändert werden.

Bereits seit Anfang 1972 sieht die Satzung der Landes-SMV vor, daß für Ämter des Landesverbands 'jeder Schüler einer allgemeinbildenden Schule NRWs' kandidieren kann. Das wußten Kultusministerium und Schulkollegium Münster.

Und im SMV-Erlaß heißt es: 'Über die Form örtlicher und überörtlicher Zusammenschlüsse entscheiden die Schülersprecher selbst. Die Konstituierung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen.' (Art. 9.2)

Auf einmal sah das Münsteraner Schulkollegium einen Widerspruch zwischen der Landessatzung und dem Erlaß. FÜR DEMOKRATISCHER WURDE ERKLÄRT, WENN DIE ÄMTER IM LANDESVORSTAND NUR DEN FUNKTIONÄREN VORBEHALTEN BLIEBEN, DIE ZUVOR SCHON IN HÖHERE SMV-ÄMTER GEWÄHLT WORDEN SIND. ALLE ANDEREN SCHÜLER SOLLTEN VOM PASSIVEN WAHLRECHT (WÄHLBARKEIT) AUSGESCHLOSSEN SEIN.

Die Landes-SMV hält das für alles andere als einen 'demokratischen Grundsatz' (s.o.) und wählte gemäß ihrer Satzung. Prompt verweigerte das Schulkollegium in Münster lange Zeit die Anerkennung des Landesvorstands.

Und schließlich: ein Finanzerlaß für die SMV wurde entworfen. Er sah vor, daß ein Beamter des Schulkollegiums Münster jede Finanzausgabe des Landesverbands (also auch: Veranstaltungen, Publikationen) hätte verbieten können.

Es hat Solidarität mit der Landes-SMV gegeben. Viele SMVen fragten in der Zwischenzeit an, wann endlich die nächste SMV-Press erscheine. Vollversammlungen nahmen das Thema 'Politische Disziplinierung' auf und luden Mitglieder des Lanesvorstands dazu ein. Jugendverbände und Schülerorganisationen setzten sich für die SMV-Zeitung ein.

Gegen die SMV-Press standen: die Landeselterschaft und die CDU-Landtagsfraktion. Aber spricht das gegen uns?

Es hat auch Schüler gegen die SMV-Press gegeben. Mitglieder der Jungen Union sammelten in Düsseldorf bereits Unterschriften für ein Verbot, als Girgensohn sich noch nicht dazu entschlossen hatte. Dazu einige Sätze:

Von den Mitarbeitern dieser Zeitung kann niemand sagen, mit dem Inhalt der SMV-Press stets einverstanden gewesen zu sein. Die Zeitung verstand sich bis zuletzt als Forum und gab unterschiedliche Meinungen wieder. Die Redaktion der Zeitung war demokratisch gewählt und demzufolge auch demokratisch abwählbar. WER NACH DEM VERBOT DER SMV-ZEITUNG RUFT, DER KANN DEMNÄCHST AUCH DAS VERBOT EINES SCHÜLERRATS ODER AUFLÖSUNG EINER SMV FORDERN, WEIL IHM DIE DARIN VERTRETENEN MEINUNGEN NICHT MEHR GEFALLEN.

Die Sammler der JU haben allerdings durch ihre Unterschriftenaktion ihrer Organisation noch mehr geschadet als der SMV-Press; zum weitaus größeren Teil setzten sich die Schüler für die Zeitung ein.

Erfolge sind zu verbuchen:

- Dem jetzt gewählten Landesvorstand wird nicht weiter die Anerkennung verweigert.

- Neben einer gemeinsamen Zeitung mit der SMV der Berufsbildenden Schulen, die erstmals nach den Sommerferien erscheinen wird, stehen unserem Landesverband wieder (im Vergleich zu früher allerdings geringere) Mittel für eigene Publikationen zur Verfügung. Ob die in Pressegesetz und Schülerzeitungserlaß versprochene Meinungsfreiheit allerdings auch für sie gilt, muß sich erst noch zeigen.

'SCHULRECHT IN NRW'

GRUND ZUR EUPHORIE GIBT ES JEDENFALLS NICHT, AUFGABEN FÜR EINE FORTSCHRITTLICHE SCHÜLERVERTRETUNG ABER GENUG; FOLGENDES IST IM SPD-REGIERTEN NORDRHEIN-WESTFALEN MÖGLICH:

- Schüler werden von der Schule verwiesen, weil sie sich in einem Klassenkollektiv kritisch auf den Geschichts- und Deutschunterricht vorbereiten. Die Schulleitung nennt es 'Behinderung der Lernwilligen' (Wuppertal).

- Ein Erlaß aus dem Jahre 1932 fordert von den Schülern, sich 'jeder herausfordernden Betonung eines Parteistandpunktes zu enthalten' (Preuß. Musterschulordnung Paragraph 7).

- Referendare, die sich gegen die verbotene, aber immer noch praktizierte Prügelstrafe wenden, werden aus der Schule entfernt (Erkelenz).

- Während bereits vor einem Jahr das Kultusministerium bekannt gab, an etwa der Hälfte aller Gymnasien seien drei oder mehr Schüler stimmberechtigt in Konferenzen, werden die minimalen Rechte des SMV-Erlasses ständig verletzt: Schüler bleiben von Konferenzen ausgeschlossen, Schüler werden von der
behandlung von Disziplinarfällen ausgeschlossen, eine Gesamtkonferenz erklärt sich für beendet und tagt, nachdem die Schüler den Raum verlassen haben, weiter, um das Schwarze Brett zu zensieren (Düsseldorf).

- Die Bezirksdirektorenkonferenz empfiehlt: 'Man vermeide aufgestautes Unbehagen', denn 'Die Solidarisierung der Schüler mit radikalen Elementen tritt auf, wenn Unbehagen herrscht'. 'Man sollte die Möglichkeit geben, als Schulleiter gegen verfassungsfeindliche außerschulische Kontakte der SMV vorgehen zu können.' 'Die Behörde muß eingreifen, wenn SMV-Landesvertreter Mitteilungen verschicken, die gegen das Gesetz verstoßen.'

'Aufgrund der Bindungen an die Verfassung sollte der Schulleiter ermächtigt werden, verlangen zu dürfen, daß ihm Flugblätter, die zur Verteilung auf dem Schulgelände bestimmt sind, vor der Verteilung zur Genehmigung vorgelegt werden.'

'Schulleiter sollten das Recht haben, SMV-Post zurückzuhalten, wenn sie wissen, daß ihr Inhalt verfassungswidrig ist.' (Aus einem internen Protokoll der Bezirksdirektorenkonferenz Westfalens)

MINISTERPRÄSIDENTEN KONTRA FORTSCHRITTLICHEN UNTERRICHT

UND AUCH DAS IST NOCH MÖGLICH: LEHRER, DIE SICH ALS KONSEQUENTE KRITIKER DIESES BILDUNGSNOTSTANDSSYSTEMS ERWIESEN HABEN, WERDEN NICHT EINGESTELLT.

Der verfassungswidrige Beschluß der Ministerpräsidenten der Länder führt dazu, daß Lehrer mit fortschrittlichen Unterrichtszielen aus der Schule entfernt werden, während die erzreaktionären (sie brauchen nicht einmal Mitglied der NPD zu sein) weiter unterrichten.

Wir als Schüler müssen für die Einstellung der linken Lehrer sein, denn:

- sie werden zu den Lehrern gehören, die nicht schlagen und ihren Unterricht durch autoritäre Methoden, durch Bestrafungen und Disziplinierungsmaßnahmen absichern;

- sie werden die überkommenen Unterrichtsmethoden (Frontalunterricht usw.) abschaffen und eine fortschrittlichere Gestaltung der Unterrichtsstunden unter Schülerbeteiligung einführen;

- sie werden, wo andere Lehrer noch von ihren Rußlandfeldzügen schwärmen, mit uns die geschichtlichen Ursachen des Faschismus untersuchen.

BERUFSVERBOT FÜR LINKE LEHRER - GEGEN UNSERE INTERESSEN

AUS DEN KONKRETEN INTERESSEN UNSERES UNTERRICHTS IST DAHER UNSER EINTRETEN FÜR DIE VOM BERUFSVERBOT (BV, d.Vf.) BETROFFENEN ODER BEDROHTEN LEHRER NÖTIG.

Die Kultusbehörden versuchen, uns dieses Recht streitig zu machen. denn, so argumentiert das Schulkollegium Münster: 'Zum Zuständigkeitsbereich der Schule - und damit auch der SMV - gehören Schul- und Bildungsangelegenheiten, nicht aber allgemeine beamtenrechtliche Fragen, wie etwa diejenigen der Nichteinstellung Radikaler in den Staatsdienst und der Entlassung radikaler Beamter aus dem Staatsdienst'.

Vollversammlungen, bei denen der Berufsverboterlaß diskutiert werden oder ein Betroffener gar selbst zu Wort kommen soll, werden teilweise untersagt.

Die Landes-SMV hat schon seit langem gegen den Beschluß Front gemacht. In unserer Ablehnung wissen wir uns einig mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit dem Verband Deutscher Studentenschaften (VDS) und fast allen großen Jugendverbänden der BRD.

SMV IN DER AKTION: FÜR GRUNDRECHTE UND POLITISCHE FREIHEITEN

Aktionen gegen diesen Erlaß standen deshalb immer im Mittelpunkt unserer Arbeit. In vielen Städten beteiligte sich die Bezirks-SMV an Initiativgruppen gegen die Berufsverbote (u.a. in Münster und Essen). In Iserlohn, Düsseldorf, Solingen und Essen fanden Veranstaltungen von oder mit der SMV statt, bei denen die betroffenen Lehrer selbst zu Wort kamen."

Berichtet wird von Veranstaltungen in Düsseldorf (vgl. 3.12.1972), u.a. gegen die Berufsverbote (vgl. 11.11.1971, 9.5.1973) und bundesweit (vgl. 14.4.1973) und so geendet:"
Wo in Schule und Universität fortschrittliche Lehrer und Dozenten entlassen werden, weil sie Kritik an unhaltbaren Zuständen äußerten und in Betrieben Jugendvertreter und Betriebsräte aus demselben Grund gefeuert werden, da ergibt sich unser gemeinsames Handeln ganz von selbst.

Die Kultusbürokratie will uns dieses Recht streitig machen (s.o.). Die Beschränkung auf ein bildungspolitisches Mandat der SMV soll unsere Arbeit dort begrenzen, wo wir unsere Interessen gemeinsam mit den Jugendlichen in Universität und Betrieb wahrnehmen müssen.

UNTERSTÜTZEN WIR SMV-EX-PRESS!
MATERIELLE HILFE FÜR UNSERE EIGENE SACHE!

Die vorliegende SMV-Information ist in ihrem Inhalt weiterhin beschränkt und unterliegt einer Kontrolle durch die Kultusbehörden.

Nachdem der Kultusminister am 19. März die Finanzierung von Publikationen unserer SMV zusagte, erfuhr der SMV-Landesvorstand bald, daß an eine Aufhebung des SMV-Press-Verbots nicht gedacht ist. Statt dessen steht uns die Herausgabe eine 'Infos' zu; was dabei jedoch 'Informationsarbeit' und was ein Presseorgan ist, das zu entscheiden behält sich das Kultusministerium vor.

Eine erneute Sperrung der Mittel für dieses Info ist also jederzeit möglich. Für eine Erhaltung unserer Publikationen müssen wir daher selber sorgen. Direkte materielle Unterstützung ist notwendig, wenn wir unser Informationsorgan erhalten wollen.

DAMIT WIR DIE FORDERUNG NACH POLITISCHEN RECHTEN DURCHSETZEN UND DIE DISZIPLINIERUNGSVERSUCHE ABWEHREN KÖNNEN, BRAUCHT DIE SCHÜLERVERTRETUNG POLITISCHE SELBSTÄNDIGKEIT UND BÜNDNISFREIHEIT. DIE FORDERUNG DER SMV 'SCHKUSS MIT DER POLITISCHEN DISZIPLINIERUNG!' STEHT AUCH IM NEUEN SCHULJAHR UNVERÄNDERT DRINGEND AUF DER TAGESORDNUNG."

Noch auf der Titelseite erscheint die folgende Bitte von Volker Franke:"
LIEBE MITSCHÜLER

Wir bitten um Euer Verständnis, wenn wir mit der Bitte an Euch herantreten, unser Info mit Geld zu unterstützen. Bei meinem letzten Gespräch im Schulkollegium Münster wurde mir nicht versichert, ob dieses Info aus öffentlichen Mitteln finanziert werde. Grund: Das Kultusministerium will sich die Entscheidung noch vorbehalten, ob das, was wir hier gemacht haben ein Info ist. (Wäre es ein Presseorgan, würde es nicht finanziert.)

SPENDET FÜR SMV-EX-PRESS!

Wir müssen versuchen, eine eigenständige Zeitung zu erreichen. Das bedeutet Startkapital. Nur so können wir den dauernden Angriffen der Behörden entgehen. Diese Zeitung erscheint, ohne daß deren Finanzierung sichergestellt wäre.

Wenn jeder Schüler 10 Pfennig spendet, ist uns sicher geholfen!"

Von Volker Franke stammt der folgende Artikel:"
MILITARISIERUNG DURCH DIE HINTERTÜR

Der starke Protest vieler Schüler, Lehrer und Politiker gegen die geplante Einführung eines Unterrichtsfaches 'Wehrkunde' (WKE, d.Vf.) zwang die Kreise, die an diesem Fach interessiert waren, dazu, eine neue Strategie zu entwickeln. So versucht man mit schönen Worten über die neue Kampagne hinwegzutäuschen.

'Ich habe nachdrücklich gesagt, daß die Schule nicht zur Stätte der
Propaganda gemacht werden sollte. Wenn Jugendoffiziere der Bundeswehr in die Schulen kommen sollten, um Propaganda für die Bundeswehr, für Wehrbegeisterung und Wehrkunde zu betreiben, dann würde ich dies für ebenso unvertretbar halten, als wenn Wehrdienstverweigerer (KDV, d.Vf.) Propaganda für Wehrunwilligkeit in der Schule betreiben würden. Die Schule ist kein Rekrutierungsinstitut der Bundeswehr und sie ist kein Propaganda-Institut der Wehrdienstverweigerung!' (Ministerpräsident von NRW JHeinz Kühn am 15.11.1972 im Landtag)

Neben diesen Ausführungen versucht man nun Lehrer für diese Dienste zu schulen. Über den Inhalt der Schulung berichtete die Deutsche Volkszeitung (DVZ, d.Vf.) vom 17.5.1973."

Es folgt eine längere Nacherzählung des DVZ-Berichts über eine Tagung in Düsseldorf (vgl. 27.3.1973) mit kurzem Kommentar:"
In Anbetracht dieser friedensfeindlichen Äußerungen halten wir es deshalb für gefährlich, was Ministerpräsident Kühn beabsichtigt. Das Unterlaufen der weiten Proteste gegen die geplante Einführung des Faches Wehrkunde.

'Die Schule muß in ihrem Gesamtunterricht das Verständnis der Bedingungen unserer Epoche, der gesellschaftlichen nach innen und der weltpolitischen nach außen, vermitteln. Und hier liegt Ihr Fehler, meine Damen und Herren der CDU: Das kann man nicht durch Erlasse des Kultusministers, weder durch irreführende 'Wehrkundeerlasse', noch durch noch so richtungsweisende kultusministerielle Erlasse…

Dieses Problem des staatsbürgerlichen Bewußtseins müssen wir durch Gestaltung des Gesamtunterrichts unserer Schulen bewältigen.' (Kühn im Landtag am 15.11.1972)

Hier wird klar, was beabsichtigt ist. Da man gesehen hat, daß es zur Zeit noch nicht möglich ist, ohne den Protest vieler Eltern, Schüler, Lehrer und Politiker, die Bundeswehr direkt mit ihren Jugendoffizieren an die Schulen zu bringen, beginnt man eine andere Strategie. Die Lehrer werden zu Informationsträgern von Bundeswehrwerbung gemacht. Mit dem Vorteil, daß die Einflußnahme immer gewährleistet ist, außerdem nicht personalisiert ist, läßt sich ie ganze Kampagne fruchtbarer und sicherer durchführen.

Neben solchen, wie oben beschriebenen Tagungen, gibt es noch Informationsschriften, die den Lehrern helfen sollen. So berichtet die Deutsche Volkszeitung vom 22.3.1973 (12/1973) von einem Buch des Majors der Reserve Günther Wapulski, das beim Bundesamt für Presse und Information erschienen ist. Titel der Broschüre, die an Sozial-, Staatsbürgerkunde- und Geschichtslehrer verschickt wird: 'Verteidigung und Entspannung gleich Sicherheit'. Kritische Wissenschaftler kommen in der Schrift nicht zu Wort, wahrscheinlich bürgt der Dienstgrad von Günther Wapulski für die objektive Darstellung.

1971 meinte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Dr. Otto A. Friedrich, in einem Aufruf an Bundeswehr, Bildungswesen und die 'Gesamtheit der Gesellschaft': Es muß jetzt nach Mitteln und Wegen gesucht werden, 'jungen Menschen überzeugend Sinn, Zweck und Notwendigkeit der Verteidigung und der Erhaltung von Streitkräften deutlich zu machen'. Die Unterrichtsstunden sollen mit militärischem
'Pflichtbewußtsein' angereichert werden. (Kern 5/1973)"
Q: SMV-Ex-Press Nr. 1, Düsseldorf Aug. 1973

September 1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 9 (vgl. Juli 1973, Okt. 1973) heraus und berichtet von der eigenen Zelle am Max Planck Gymnasium Düsseldorf.
Q: Schulkampf Nr. 9, Dortmund Sept. 1973, S. 3

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September 1973:
Die Aktionsgruppe Demokratischer Lehrer (ADL) Bremen gibt ihr 'ADL-Info' Nr. 5 (vgl. Apr. 1973) heraus. Berichtet wird über die "Aktion kleine Klasse Bremen Bürgerinitiative" (AKK - 9.5.1973), wobei auch Elterninitiativen u.a. aus Düsseldorf Erwähnung finden.
Q: ADL-Info Nr. 5, Bremen Sept. 1973

September 1973:
Am Görregymnasium Düsseldorf besuchen, laut KOV der KPD, vermutlich im September über 30 Schüler eine Chilesolidaritätsschülerrunde seiner Freunde.
Q: Schulkampf Nr. 10, Dortmund Okt. 1973, S. 9

24.09.1973:
Für den Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW berichtet Jutta Hüffelmann:"
GEWERKSCHAFTLICHE ORIENTIERUNG (GO, d.Vf.) WURDE FÜR RICHTIG BEFUNDEN DIE SMV-LANDESDELEGIERTENKONFERENZ UNTERSTÜTZTE DAS KONZEPT DER GEWERKSCHAFTLICH ORIENTIERTEN SMV-ARBEIT

Am 24.-26.9.1973 fand in Düsseldorf eine Landesdelegiertenkonferenz statt, auf der die Arbeit des letzten Vorstandes akzeptiert und inhaltlich weitergeführt wurde.

Die einzigen Kandidaten zur Wahl des Landesvorstandes - Jungdemokraten (DJD - Judos der FDP, d.Vf.), Jungsozialisten (Jusos der SPD, d.Vf.) und Mitglieder der SDAJ (der DKP, d.Vf.) - hatten zusammen ein Programm ausgearbeitet, das sie den Delegierten bei ihrer Kandidatur vorlegten.

Alle fünf Kandidaten wurden mit überwiegender Mehrheit gewählt. Landesschülersprecher wurde Michael Kämper aus Essen, Finanzreferent Wolfgang Nafroth (Krefeld), Innenreferent Uwe Franken (Düsseldorf) und Planungsreferent Rainer Wannicke (Minden). Die Öffentlichkeitsarbeit macht weiterhin Volker Franke aus Düsseldorf."
Q: SMV-Ex-Press Nr. 2, Düsseldorf Okt./Nov. 1973, S. 1 und 4

Oktober 1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 10 (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) heraus und berichtet über die Bezirks-SMV Düsseldorf, vom Lessing-Gymnasium Düsseldorf und vom Görregymnasium Düsseldorf (vgl. Sept. 1973).
Q: Schulkampf Nr. 10, Dortmund Okt. 1973, S. 9

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Oktober 1973:
Im Großraum Mannheim/Heidelberg gibt die Kommunistische Schülergruppe (KSG) Heidelberg-Mannheim-Wiesloch in Zusammenarbeit mit den Roten Zellen Karlsruher Schüler des KBW die Nr. 13 ihres 'Schulkampfs' (vgl. 31.7.1973, 18.11.1973) heraus. Anläßlich der Besprechung des "KOV-Aktionsprogramms" im Artikel "Getretener Quark wird breit, nicht stark" wird u.a. bemerkt: "(Nennenswert ist im Grunde nur seine Arbeit in Westberlin, Düsseldorf, Münster, Wiesloch und Karlsruhe-Durlach)".
Q: Schulkampf Nr. 13, Heidelberg Okt. 1973

November 1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich im November erstmals ihre Schulzeitung für das Geschwister-Scholl-Gymnasium und das Helene-Lange Gymnasium, 'Die lange rote Scholle' heraus mit dem Leitartikel "Zum Geleit schon wieder eine neue Schülerzeitung".

Weitere Artikel sind:
- "Buchtip Anna Seghers Das siebte Kreuz";
- "Die SMV entlarvt sich selbst";
- "Scholl intern: Die Oberstufenreform" zur OSR; sowie
- "Zum Thema Chile".
Q: Die lange rote Scholle, o. O. (Düsseldorf) o. J. (1973)

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15.12.1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 12 (vgl. Nov. 1973, Jan. 1974) Aus Düsseldorf wird gefragt "Wie demokratisch ist der BDS wirklich?" und "Eine Schülerin berichtet: Ein Tag im BDS" der CDU, der u.a. am Fliedner- und am Lessinggymnasium tätig ist.
Q: Schulkampf Nr. 12, Dortmund Dez. 1973, S. 10f

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17.12.1973:
Die MLSG Düsseldorf des KABD gibt vermutlich Anfang dieser Woche ihre Schulzeitung für das Leibniz-Gymnasium, 'Roter Faden' (vgl. Juni 1973) heraus mit dem Leitartikel "Schülersprecherwahlen 73/74".

Weitere Artikel sind:
- "Naher Osten";
- "Das Beispiel der 12b" die sich gegen eine unangekündigte Klassenarbeit wehrte;
- "Bericht über die erste Konferenz der Oberstufenkommission";
- "Wo sind unsere Klassenschränke?";
- "Chile"; sowie
- "Was sind Tanzschulen?" mit der Einladung zum Lesertreff am 21.12.1973.
Q: Roter Faden Schülersprecherwahlen 73/74, Düsseldorf (1973)

18.01.1974:
In Hamburg gibt das Komitee Kampf den Berufsverboten für fortschrittliche und kommunistische Lehrer vermutlich Ende dieser Woche die Broschüre "Weg mit den Berufsverboten!" heraus mit dem Abschnitt "Das GG ist volksfeindlich!" mit einem Bild Düsseldorfer Schüler.
Q: Komitee Kampf den Berufsverboten für fortschrittliche und kommunistische Lehrer: Weg mit den Berufsverboten!, Hamburg o. J. (1974), S. 20

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Februar 1974:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD seinen 'Schulkampf' Nr. 2 (vgl. Jan. 1974, März 1974) heraus. Berichtet wird von der Vietnamsolidarität der Sympathisantengruppen Max Planckgymnasium Düsseldorf.
Q: Schulkampf Nr. 2, Dortmund Feb. 1974, S. 4

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Februar 1974:
Vermutlich im Februar erscheint das 'Rote Signal' der MLSG des KABD Nr. 1/2 für Januar und Februar (vgl. Dez. 1973, Apr. 1974). Geschildert wird die "Rote Freizeit der MLSG", wobei auch Treffen der MLSG Düsseldorf erwähnt werden.
Q: Rotes Signal Nr. 1/2, Erlangen Jan./Feb. 1974, S. 23

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Mai 1974:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' (SK) Nr. 4 (vgl. Apr. 1974, 11.6.1974) heraus. Berichtet wird von der Solidarität mit Elmar Beiers aus Warendorf in Düsseldorf durch den von der eigenen Ortsleitung (OL) initiierten SEP-Untersuchungsausschuss, am Clara Schumann und dem Lessing Gymnasium sowie von der neu gegründeten Zelle am Görres Gymnasium.
Q: Schulkampf Nr. 4, Dortmund Mai 1974, S. 7

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Mai 1974:
Die Ortsleitung (OL) Düsseldorf des KOV der KPD beschließt vermutlich im Mai als Parteitagsaufgebot (vgl. 26.6.1974) Veranstaltungen mit der KPD an den Gymnasien Görres, Lessing und Max Planck durchzuführen und die eigene Arbeit nach Krefeld auszudehnen.
Q: Schulkampf Nr. 5, Dortmund 11.6.1974, S. 6 und 8

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11.06.1974:
Der KOV der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 5 (vgl. Mai 1974, 28.8.1974) heraus. Berichtet wird in "Der Arbeiter kann seine Lage genau erkennen: An seinem Portemonnaie" von der Einladung von Jungarbeitern in den Philosophieunterricht des Max-Planck-Gymnasiums Düsseldorf.
Q: Schulkampf Nr. 5, Dortmund 11.6.1974, S. 9

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03.07.1974:
In der Nr. 27 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 26.6.1974, 10.7.1974) berichtet die KPD über eine Parteitagsspende der KOV Zelle Lessing Gymnasium Düsseldorf.
Q: Rote Fahne Nr. 27, Dortmund 3.7.1974

24.07.1974:
In der Nr. 30 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 17.7.1974, 31.7.1974) berichtet die KPD aus Düsseldorf über Parteitagsspenden ein u.a. von der KOV-Sympathisantengruppe am Max Planck Gymnasium.
Q: Rote Fahne Nr. 30, Dortmund 24.7.1974

Letzte Änderung: 23.10.2017