Nordrhein-Westfalen: Chilesolidarität

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Hier werden derzeit nur wenige Aktionen und Dokumente aus Nordrhein-Westfalen erschlossen. Separate Darstellungen gibt es zur Chilesolidarität in Aachen, Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Münster.

Während einleitend in Chile gegen Übergriffe in Europa protestiert (vgl. 15.5.1972) wird, und die Freunde des späteren KBW sich noch hoffnungsvoll geben (vgl. 31.3.1973), wird bald auch in Nordrhein-Westfalen gegen den Putsch in Chile protestiert (vgl. 1973, Sept. 1973, 12.9.1973), wobei sowohl fraktionsübergreifende Komitees wie in Werne (vgl. März 1974, Mai 1974) gegründet werden, als auch parteigebundene Propaganda wie etwa durch die GIM bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 24.9.1973, 22.10.1973, 28.1.1974) erfolgt.

Es werden auch Geldsammlungen durchgeführt, wie in Paderborn (vgl. 18.10.1973).

Während die Marxisten-Leninisten Duisburg Broschüren und Dokumente zu Chile veröffentlichen (vgl. 20.8.1974, 29.8.1974, Okt. 1974) agitieren die Freunde der KPD auch in Bielefeld mit Verweis auf Chile (vgl. 25.1.1975).

Auch 1975 geht die Chilesolidarität weiter, wobei in Bonn offenbar nur eine kleine Aktionseinheit protestiert (vgl. 2.7.1975).

Der Koordinationsausschuß der Chile-Komitees agitiert gegen die Deutsche Gießdraht GmbH in Emmerich (vgl. 21.6.1975, 3.9.1975), wo sich denn auch eine Chile-Initiative bildet (vgl. 20.4.1976, 1.9.1976) und Demonstration durchgeführt werden (vgl. 10.7.1976, 15.1.1977).

Die Schärfe der damaligen Polemik zwischen den Chinafreunden und denjenigen Moskaus wird hier anhand zweier Texte der KPD und ihrer Liga gegen den Imperialismus einerseits (vgl. 22.9.1975) sowie der DKP Hochschulgruppe Duisburg andererseits (vgl. Apr. 1976) verdeutlicht.

Der KB dagegen dehnt sich im Bündnis mit dem MIR nun auch in NRW vermittels der Chilesolidarität weiter aus, ist 1976 dann schon an einer Reihe von örtlichen Chilesolidaritätsaktionen beteiligt (vgl. 25.6.1976, 10.7.1976, 16.7.1976, 15.9.1976), in denen sich aber auch der KBW engagiert (vgl. 19.12.1975, Feb. 1976).

Auch 1977 geht die Chilesolidarität weiter (vgl. Apr. 1977, Juni 1977), wobei der KB weiterhin vom Bündnis mit dem MIR profitiert (vgl. 1.5.1977), die DKP sich vom linksradikalen Terrorismus unter Verweis auf Chile distanziert (vgl. 18.10.1977) und die KPD/ML in Hagen die bundesdeutschen Freunde der chilenischen Faschisten in Gestalt von Franz-Josef Strauß angreift (vgl. Dez. 1977). Zum 1. Mai 1978 sind Blöcke von Chilenen dann Bestandteil verschiedener Demonstrationen (vgl. 1.5.1978).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

15.05.1972:
Die Sozialistische Aufbauorganisation (SAO) Bielefeld gibt ihre 'Revolutionäre Politik' Nr. 1 heraus. Berichtet wird u.a. aus Chile über den Protest gegen die Ausweisung Ernest Mandels.
Quelle: Revolutionäre Politik Nr. 1, Bielefeld 15.5.1972, S. 32

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1973:
Der Polizeipräsident Bonn (vgl. Jan. 1974) berichtet:"
HOCHKONJUNKTUR IN DEMONSTRATIONEN

An der Spitze der internationalen Themen standen Vietnam und Chile."
Q: Der Polizeipräsident Bonn: Polizei Bonn 73. Jahresbericht 1973 der Kreispolizeibehörde Bonn, Bonn o.J. (1974), S. 11 und 28

31.03.1973:
Nach eigenen Angaben findet in Castrop-Rauxel vom Sekretariat der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei (KFR ? vgl. 28.3.1973, 20.4.1973) einberufen, eine Veranstaltung statt, auf der auch über eine 1. Mai-Kampagne und die Gründung eines regionalen 1. Mai-Komitees diskutiert und vollzogen wird (vgl. 2.4.1973):"
REGIONALES 1. MAI-KOMITEE: VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DIE RECHTE DER ARBEITERKLASSE UND DES VOLKES! VORWÄRTS IM KAMPF FÜR DEN SOZIALISMUS

Der 1. Mai ist der internationale politische Kampftag der Arbeiterklasse. …
Einige Völker, wie z. B. das russische, das chilenische oder das albanische haben den Imperialismus bereits besiegt und sind dazu übergangen, die bürgerlichen Überreste vollkommen zu beseitigen."
Q: Die Rote Front Nr. 8, Dortmund/Castrop-Rauxel 1973, S. 1ff; Mai-Zeitung der Kommunistischen Kollektive Hoesch, Zeche Hansa (Dortmund) und Gewerkschaft Viktor (Castrop Rauxel) Mitglieder der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei, Dortmund/Castrop-Rauxel 1973

12.09.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr. 2 des KBW verkauft die OG Köln insgesamt 997 Exemplare in Köln, Leverkusen/Opladen, Mönchengladbach und im Zweiten Bildungsweg (ZBW) in Neuß, davon 128 auf Chile-Veranstaltungen.
Q: KBW-OG Köln: Verkaufsstatistik KVZ Nr. 2, Köln und Umgebung, o.O. (Köln) o.J. (Sept. 1973); KBW-OG Köln: Verkaufsbericht KVZ 2 Köln und Umgebung, o.O. (Köln) o.J. (Sept. 1973)

24.09.1973:
Bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen gibt die GIM die Nr. 7 der bisher für Hoesch Dortmund erschienen 'Solidarität' (vgl. 2.7.1973, 22.10.1973) heraus. Der Artikel "Solidarität mit Chile!" meint:"
Am Dienstag, den 11.9.1973 wurde über die Nachrichtensender die Meldung verbreitet, daß die Oberkommandierenden der Armee gegen die verfassungsmäßig gewählte Regierung Allende geputscht haben. Das Militär und die Polizei seien 'vereint in der historischen und verantwortungsvollen Mission für die Befreiung des Landes vom marxistischen Joch zu kämpfen.' Die Armee, die stets behauptet hat, die Legalität und die Verfassung zu schützen, hat demonstriert, daß sie zum Schutz dieser Verfassung nur solange bereit ist, solange diese unter der Kontrolle der herrschenden Klasse steht.

Die sofort verhängte scharfe Pressezensur der Militärjunta macht es fast unmöglich, daß echte Informationen ins Ausland durchsickern. Die Junta versucht nun in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, das Land sei unter ihrer Kontrolle. In Wirklichkeit organisieren die chilenischen Arbeiter und Bauern massiven Widerstand. Die Militärs, die faschistische Untergrundorganisation 'Vaterland und Freiheit' der US-Imperialisten mit ihrem CIA (amerik. Geheimdienst), das chilenische Bürgertum und andere reaktionäre Kräfte wollen den Widerstand im Blut ersticken. Schon jetzt sind tausende von Arbeitern und Bauern im Bürgerkrieg umgekommen. Alle, die noch die alte rechtsmäßige Regierung unterstützen, sollen standrechtlich erschossen werden. Die Militärs betreiben eine fürchterliche Hexenjagd auf Demokraten, Kommunisten und Revolutionäre. Wenn jetzt Tausende von Arbeitern und Bauern ihr Leben lassen müssen, so trifft die Mitschuld daran auch die Volksfrontregierung, aber ganz besonders die KP Chiles, da sie die Massenbewegung für die Verteidigung und den Ausbau der sozialen und politischen Errungenschaften vernachlässigt haben. Sie hielten die ganze Zeit an dem Traum vom friedlichen verfassungsmäßigen Übergang zum Sozialismus fest. Alle außer ihnen wußten, daß die bewaffnete Auseinandersetzung unvermeidlich war. Die jetzt stattfindende Entscheidungsschlacht findet nicht zwischen der alten 'rechtmäßigen' Regierung und der neuen Militärdiktatur statt; sie wird auf den Straßen, auf dem Lande und in den Fabriken geschlagen. Die Alternative zur Militärdiktatur ist nicht die Wiedereinsetzung der bisherigen Volksfront-Regierung, sondern die revolutionäre Arbeiter- und Bauernregierung!"
Q: Solidarität Nr. 7, Dortmund 24.9.1973

18.10.1973:
Der AStA der Universität Göttingen gibt seine 'Göttinger Nachrichten' (GN) Nr. 66 (vgl. 9.7.1973, 25.10.1973) heraus. Berichtet wird auch von der Beschlagnahme der Chilespenden in Paderborn.
Q: Göttinger Nachrichten Nr. 66, Göttingen 18.10.1973, S. 8

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22.10.1973:
Die Nr. 8 der 'Solidarität' - Informationsblatt der GIM erscheint bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 24.9.1973, 2.11.1973). Im letzten Artikel heißt es:"
CHILE

Das 'wirkliche Gesicht' Chiles - laut Bild oder: Wie macht man eine Militärdiktatur salonfähig?

Während das chilenische Militär Arbeiterviertel bombardierte, seine Standgerichte im Akkord arbeiteten und Arbeiterführer in den Kellern der Geheimdienste zu Tode gefoltert wurden, ersonn man in den Redaktionsstuben des Herrn Springer bereits ein neues Chilebild. Noch während Massendemonstrationen in der ganzen Welt stattfanden, erschien in BILD ein Bericht über Allende, der ihn zum heimlichen Diktator erkor, der einen Putsch von links vorbereitete. Zugleich versicherte man, daß man aus 'gut informierten Kreisen' wisse, daß der Präsident Selbstmord begangen habe.

Diese beiden Lügen stellen den Beginn einer Kampagne dar, um die Henker von Santiago salonfähig zu machen. Wäre die erste Behauptung wahr, so hätte eine gut bewaffnete chilenische Arbeiterklasse mit dem Spuk eines Armeeputsches kurzen Prozeß gemacht. Zum zweiten hat Allendes Frau die wirklichen Todesumstände klar ausgedrückt: 'Mein Mann wurde umgebracht'. (Spiegel vom 24.9.1973).

Man hätte erwarten können, daß Friedens-Willy Brandt seine Stimme erhoben hätte, um das Regime zu verurteilen und den Befreiungskampf zu unterstützen. Doch nur Illusionäre konnten an soviel Menschenfreundlichkeit glauben. Dieses Regime und ihr Friedensnobelpreischef hatten schon im letzten Dezember die riesigen Bombenangriffe der US-Armee in Vietnam stillschweigend akzeptiert. Zum anderen wäre es den Sozialdemokraten gewiß schwergefallen, einen Salvador Allende zu verteidigen, der im Kampf mit der Waffe in der Hand gefallen ist. An der Seite der Arbeiter und nicht wie ehedem Noske und Ebert samt ihren Enkeln an der Seite der Unternehmer. Und wer immer noch nicht versteht, warum in der BRD heute eine neue chilenische Geschichte geschrieben wird, warum der DGB-Bundesvorstand die Teilnahme an Chile-Solidaritätsaktionen zusammen mit sogenannten Linksradikalen verbietet, warum der Friedensnobelpreisträger schweigt, dem wurde einiges klarer, als er vor einigen Tagen die F.A.Z. las. Dort war nämlich zu lesen, was jetzt zu tun sei: 'Chile: Jetzt investieren!' Nun ist alles klar, warum Willy schweigt und BILD sich in Lügen selbst übertrifft weil sie alle investieren wollen: Herr Abs, Herr Siemens und Konsorten. Gerade deshalb kommt es darauf an, nicht zu schweigen und Solidarität zu üben! Heute gilt es umso mehr jede Initiative zu unterstützen, die die Sache des chilenischen Volkes vertritt:

ES LEBE DER KAMPF DER CHILENISCHEN ARBEITER; BAUERN UND STUDENTEN!
NIEDER MIT DER MILITÄRDIKTATUR!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!"
Q: Solidarität Nr. 8, Dortmund 22.10.1973

28.01.1974:
Für Stahlbetriebe in Bochum, Dortmund und Hagen geben die drei Ortsgruppen der GIM ihre 'Solidarität' Nr. 11 (vgl. 11.12.1973, Feb. 1974) heraus. Im letzten Artikel heißt es:"
CHILE: 'KEINE KLAGEN'

oder Wie eine CDU-Delegation in Chile die Militärdiktatur deckt.

Schon im November des vorigen Jahres reisten zwei CDU-Bundestagsabgeordnete, Heck und Gewandt, nach Chile, um sich über die Situation nach dem Putsch zu informieren. Was sie von dort mitbrachten, waren 'positive' Eindrücke.

Die Übergriffe bei der Machtübernahme seien längst vergessen, das Leben normalisiere sich wieder und endlich würde das Land wieder zur politischen und wirtschaftlichen Stabilität zurückgeführt. Von Folterungen und Mißhandlungen, von denen berichtet worden war, will Herr Gewandt 'nichts bemerkt' haben.

Auch der Berliner CDU-Mann Wohlrabe, der vor wenigen Tagen von einer Chile-Reise zurückkam, ist optimistisch. Auf der Gefangeneninsel Dawson 'haben die Gefangenen in humanitärer Hinsicht keine Klagen gehabt.'

In Anbetracht dessen gibt Gewandt der Bundesregierung den Rat, den Putschgenerälen mit Wirtschaftshilfe unter die Arme zu greifen.

Hören wir zur politischen Situation in Chile den 'SPIEGEL', der in der Nr. 41/1973 auf S. 126 folgendes berichtet:
'Die Nacht ist zur Besuchszeit geworden im Chile der Militärdiktatur. Während am Tage die vollen Straßen, das Geschrei der Zeitungsverkäufer und das Hupen ungeduldiger Autofahrer den von der Junta propagierten Eindruck ruhiger Normalität vermitteln, wiederholt sich Nacht für Nacht der brutale Auftrieb politischer Gegner, verschärft sich die hysterische Jagd auf alles, was links ist oder zu sein scheint.'

Offenbar haben sich die CDU-Reisenden nur während der Geschäftszeit für das Geschehen in Santiagos Straßen interessiert. Auch in den Morgenstunden, wenn die Leichen Erschossener (zur Abschreckung) im Mapoche-Fluß treiben und andere Opfer der nächtlichen Exekutionen in der Müllverbrennungsanlage des Nationalstadions beseitigt werden, müssen die Christdemokraten noch fest in ihren Hotel-Suiten geschlafen haben.

Der Spiegel berichtet weiter von stand'rechtlichen' Erschießungen während der nächtlichen Besuche und von Mißhandlungen an linken Parteifunktionären; auch davon hat Herr Gewandt 'nichts bemerkt.'

Den besten Eindruck von der Lage der Gefangenen in den geheimen Straflagern gibt die Schilderung des Schauspielers und Kommunisten B., der dort selbst interniert war und entkommen konnte:

'Im Unterstand der Sondereinheit wird systematisch gefoltert. Eine Gruppe von 5 oder 6 Spezialisten 'bearbeitet' einen Mann. Es ist furchtbar, nicht zu wissen, woher der Schlag kommt. Die Folterer verwenden Stromstöße, tauchen uns in mit Exkrementen gefüllte Bottiche ein, bis wir knapp vor dem Erstickungstod stehen, verbrennen uns mit Zigaretten und Zigarren an den Genitalien, in den Kniekehlen und am Hals, in den Achselhöhlen - überall an den empfindlichsten Körperstellen. Sie schlagen uns mit nassen Sandsäcken, hängen uns an den Fußgelenken auf, schlagen uns mit Gummischläuchen ins Gesicht, bis die Lippen platzen, das Nasenbein bricht und die Augen sich schließen. …Hinrichtungen erfolgen alle paar Stunden. Niemand wußte, wann er an der Reihe sei. Immer wieder hörten wir das Geräusch eines Bulldozers, der Massengräber aushob und nach den Gewehrsalven die Gräber wieder einebnete.'

Wie ist die Widersprüchlichkeit der Aussagen zu erklären?

Jakob Moneta, Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung 'Metall', der nach seinem Chile-Besuch (er konnte nur als Tourist getarnt einreisen) die Berichte über die Schlächterei bestätigte und sogar Fotos davon mitbrachte, meint:

'Wenn der Gewandt erzählt, daß in Chile nicht gefoltert wird, dann lügt er entweder bewußt oder die Leute haben ihm nichts gesagt, weil sie Angst vor einer Denunziation hatten.'

Letzteres hält er selbst für unwahrscheinlich, weil Gewandt in vielen Fällen mit denselben Leuten gesprochen habe wie er. Warum vertuschen also unsere CDU-'Demokraten' und 'Menschenrechtskämpfer' die Barbarei und blutige Unterdrückung in Chile? Es ist nur eine Erklärung möglich: Daß sie sie billigen. Und die Forderung nsach Wirtschaftshilfe weist darauf hin, daß sie das grausame Regiment des General Pinochet auch nach besten Kräften unterstützen wollen.

Schon die offizielle CDU-Erklärung zum Putsch ließ eine gewisse Erleichterung darüber erkennen, daß der 'marxistische Spuk' vorüber sei. Erleichterung darüber, daß nun auch in Chile, wie in vielen Ländern Lateinamerikas ein Bollwerk gegen die sozialistische Revolution errichtet sei, die sich bereits unter dem zögernden Allende und dessen illusionärer Politik ankündigte.

Die blutige Niederhaltung der Arbeiter und Bauern, die Zerschlagung der Gewerkschaften und verschärfte Ausbeutung sollen Chile wieder zu einem Profitparadies und die Arbeiter- und Bauerndemokratie zu einem Traum werden lassen.

Um die Empörung über das grausame Regime zu beschwichtigen sind der Rechten in der BRD auch Lügen und Verfälschungen recht.

Die Arbeiter dagegen müssen aus Solidarität mit den verfolgten und Unterdrückten in Chile dem verzweifelten Appell folgen, den ein chilenischer Arbeiter dem 'Metall'-Chefredakteur mit auf den Weg gab:

'Ihr müßt die Empörung über das, was hier geschieht, wachhalten. Das ist unsere einzige Chance.'"
Q: Solidarität Nr. 11, Dortmund 28.1.1974

März 1974:
In Werne erscheint vermutlich im März das 'DKP Schüler- und Lehrlingsinfo' (vgl. Mai 1974), in dem u.a. über Chile berichtet wird.
Q: DKP Schüler- und Lehrlingsinfo, Werne o.J. (1974)

März 1974:
In Sennestadt erscheint an der Hans Ehrenberg Schule (HES) die Nr. 3 von 'Rotlicht' (vgl. Dez. 1973) mit dem Artikel "'Ideologisch gefärbt'" zum Ratschlag einer Geschichtslehrerin, die 'FAZ' zu lesen, in der sich dann eine Anzeige fand, die für Investitionen in Chile wirbt.
Q: Rotlicht Nr. 3, Sennestadt März 1974, S. 6

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Mai 1974:
In Werne erscheint das 'DKP Schüler- und Lehrlingsinfo' (vgl. März 1974, März 1975), in dem u.a. über die Gründung des Chilekomitees Werne berichtet wird, an dem sich junge DKPler, die Jusos der SPD, die Judos der FDP, der Club Courage (CC) und die Naturfreundejugend (NFJ) Selm beteiligen.
Q: DKP Schüler- und Lehrlingsinfo, Werne Mai 1974

09.08.1974:
Laut KBW (vgl. 21.8.1974) lud das Solidaritätskomitee Chile in Bochum zu einer Veranstaltung ein. Das Chile-Komitee Bochum war nicht eingeladen. Es nimmt auch das Kommunistische Kollektiv (KK) Bochum des KBW teil. Die Chile-Komitees (vgl. 24.8.1974) berichten: "Bochum: Juso-Kreisvorstand verhindert Zusammenschluss aller Kräfte in Bochum, die für den Sturz der Junta und für die uneingeschränkte politische Betätigungsfreiheit der Arbeiter, Angestellten und Bauern in Chile sind".
Q: Chile-Komitees Göttingen und Heidelberg: Chile Zeitung, Göttingen o. J. (1974), S. 8; Kommunistische Volkszeitung Nr. 17, Mannheim 21.8.1974, S. 15

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20.08.1974:
Von den Marxisten-Leninisten Duisburg erscheint, unter Verantwortung von W. Schweer, Bochum, die Broschüre: "Chile. Was lehrt Chile wirklich? (Antwort auf die Artikelserie 'Was Chile lehrt' in der UZ - Zeitung der DKP). Die VR China und Chile - Dichtung und Wahrheit" mit zwei Beiträgen.

Der erste, "Was lehrt Chile wirklich? (Antwort auf die Artikelserie 'Was Chile lehrt' in der UZ - Zeitung der DKP", gliedert sich in die Abschnitte:
- "Die tragischen Ereignisse in Chile - Ihre Bedeutung für alle Antiimperialisten und Revolutionäre";
- "Verstaatlichte Betriebe - 'Keime des Sozialismus'?";
- "Politische Macht durch 'Verfassungstreue', 'Edelmut und Großherzigkeit'?"; und
- "Revolution ohne Waffen?".

Der zweite, "Die VR China und Chile - Dichtung und Wahrheit", gliedert sich in die Abschnitte:
- "'Nicht einmal ein Wort des Bedauern'?";
- "'Schmähung' des Programms von Allende?"; und
- "'Selbstlose Hilfe' und diplomatische Beziehungen".
Q: ML Duisburg: Chile. Was lehrt Chile wirklich? (Antwort auf die Artikelserie 'Was Chile lehrt' in der UZ - Zeitung der DKP). Die VR China und Chile - Dichtung und Wahrheit, Bochum 20.8.1974

24.08.1974:
Die Chile-Komitees Göttingen und Heidelberg stellen ihre 'Chile Zeitung' fertig. Enthalten ist auch der "Aufruf" zur bundesweiten Demonstration in Frankfurt am 14.9.1973 u.a. von den Chile-Komitees Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln, Münster und Siegen.
Q: Chile-Komitees Göttingen und Heidelberg: Chile Zeitung, Göttingen o. J. (1974), S. 1f

29.08.1974:
Von den Marxisten-Leninisten Duisburg erscheint die Broschüre "Chile. Die Feinde des chilenischen Volkes in Westdeutschland. Der westdeutsche Imperialismus und Chile. Dokumente, Tatsachen, Schlussfolgerungen".

Sie beschäftigt sich u. a. mit Fragen der Verbindung des westdeutschen Kapitals mit der Militärjunta, den politischen Ambitionen westdeutscher Politiker und Parteien zur Junta, der Unterdrückung der Solidaritätsbewegung, der Presse zu Chile.

Ein wichtiger Aspekt wird in der westdeutschen Solidaritätsbewegung gesehen, "… dass die Schandtaten des US-amerikanischen sowie der westdeutschen Imperialisten gegen das chilenische Volk bekannt gemacht werden, dass deutlich gemacht wird, dass die Feinde des chilenischen Volk auch in Westdeutschland zu suchen, dass sie auch unsere Feinde sind, dass die Solidaritätsbewegung gegen jegliche Aktivitäten des US-Imperialismus sowie des westdeutschen Imperialismus kämpft, die sich gegen das chilenische Volk richten".

Agitiert wird gegen die DKP, die "gegen diese politische Unterstützung des chilenischen Volkes" sei.

Aufgefordert wird dazu, den Sonderdruck aus 'Albanien heute' ("Die tragischen Ereignisse in Chile - Eine Lehre für die Revolutionäre in aller Welt") und die Broschüre der ML Duisburg ("Was lehrt Chile wirklich?" - vgl. 20.8.1974) zu lesen.
Q: ML Duisburg: Chile. Die Feinde des chilenischen Volkes in Westdeutschland, Bochum 29.8.1974

Oktober 1974:
Die Marxisten-Leninisten (ML) Duisburg geben, laut Frankfurter Marxisten-Leninisten (FML - vgl. 20.4.1975), unterstützt u.a. von den ML Aachen und den ML Bochum, Dokumente zu Chile heraus.
Q: Frankfurter Marxisten-Leninisten: Marxisten-Leninisten zum 1. und 8. Mai 1975, Bochum 1975, S. 10

01.10.1974:
In der GIM erscheint die Nr. 54 des 'Organisationsinformationsbrief' (OIB - vgl. 5.9.1974, 1.10.1974) mit der "Auswertung der Berichte der Gruppen zur Chilearbeit (10 Fragen des ZK vom 7./8. Sept.)", in der es auch heißt:"
Krefeld GIM initiativ, KBW-Übermacht
Leverkusen GIM einzige mobilisierende Organisation

Münster AE mit Spartacus und KBW. Gegen Revi-Komitee".
Q: GIM: Organisationsinformationsbrief Nr. 54, O. O. 1.10.1974, S. 44

14.11.1974:
Der KBW gibt die Nr. 24 seiner 'KVZ' (vgl. 7.11.1974, 21.11.1974) heraus. In "Soldat unterrichtet über Chile. Die 'Aktuelle Information' wird politisch genutzt" wird berichtet aus der Kaserne Gellendorf in Rheine.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 24, Mannheim 14.11.1974, S. 12

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25.01.1975:
Die KPD (vgl. 5.2.1975) berichtet:"
BIELEFELD: KPD-SYMPATHISANTEN VERTRIEBEN NPD-FASCHISTEN!

Es kam darauf an, den Faschisten die demagogische Maske vom Gesicht zu reißen: sie wettern gegen die Arbeitslosigkeit, wollen aber daß sich die deutschen Kollegen auf ihre ausländischen Klassenbrüder stürzen. Sie meinen es aber nicht ernst mit ihrem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Seht das Elend der Millionen Arbeitslosen in solchen Ländern wie Chile und Spanien, wo ihresgleichen an der Regierung sind. Keine Arbeitslosigkeit gibt es nur in solchen Ländern wie China und diesen gilt der größte Haß der Faschisten!"
Q: Rote Fahne Nr.5,Dortmund 5.2.1975,S.8

16.03.1975:
Heute ist Redaktionsschluß für die Nr. 2 der 'Chile Solidarität' (vgl. 8.12.1974, 3.9.1975). Adressen der Chile-Komitees kommen aus NRW aus Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Gronau, Herne, Köln, Krefeld, Münster, Paderborn, Siegen und Wuppertal.
Q: Chile Solidarität Nr. 2, Heidelberg o. J. (1975), S. 7

02.07.1975:
In Bonn führt Amnesty International (AI), laut und mit Spartacusbund (SpB), eine Demonstration zur Chilenischen Botschaft gegen das Verschwinden von 1 000 Personen in Chile durch.
Q: Spartacus Nr. 19, Essen Aug. 1975

03.09.1975:
Heute erscheint die Nr. 3 der 'Chile Solidarität' (vgl. 16.3.1975, 20.4.1976) mit dem Artikel "Emmerich: Die Junta investiert, die Landesregierung hilft" zur Deutschen Gießdraht GmbH.
Q: Chile Solidarität Nr. 3, Freiburg 3.9.1975, S. 1f

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22.09.1975:
In NRW geben der Landesvorstand NRW der LgdI und das RK NRW der KPD zu der laut ihnen heute beginnenden internationalen Portugalsolidaritätswoche (vgl. 21.9.1975) ein Flugblatt heraus:"
NICHT BRESCHNEW, NICHT FORD! UNABHÄNGIGKEIT FÜR PORTUGAL!

- 'In Portugal droht ein neues Chile', so tönt es aus den Zeilen von Prawda (der KPdSU,d.Vf.), Iswestija oder 'Unsere Zeit' (UZ,d.Vf.), der Zeitung der DKP.

Aber: Können wir denjenigen glauben, die selbst andere Völker ausbeuten und unterdrücken, und die selbst einen militärischen Überfall auf die CSSR durchgeführt und unterstützt haben (1968 (vgl. 21.8.1968,d.Vf.))?"
Q: LgdI-LVorst NRW, KPD-RK NRW: Nicht Breschnew, nicht Ford! Unabhängigkeit für Portugal!, Bochum o.J. (1975)

19.12.1975:
Die Kommunistische Studentengruppe (KSG) Bonn des KBW gibt frühestens Ende dieser Woche ihre 'Kommunistische Studentenzeitung' (KSZ) Nr. 8/9 für Dez. 1975 / Jan. 1976 heraus mit dem Artikel "Chile-Antrag im SP - RCDS strotzt vor Zynismus".
Q: Kommunistische Studentenzeitung Nr. 8/9, Bonn Dez. 1975 / Jan. 1976, S. 3f

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Februar 1976:
Der KBW OG Herne (vgl. 26.4.1976) berichtet:"
Trotz strenger Geheimhaltung von seiten der veranstaltenden 'Gesellschaft für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland' demonstrierten im Februar dieses Jahres ungefähr 50 Kollegen gegen den Auftritt des juntatreuen 'Deutsch-Chilenischen Singekreis' im städtischen Saalbau Wanne-Eickel und die faschistische Militärjunta in Chile. 1. Vorsitzender der o. g. Gesellschaft ist ein Angestellter des Baukonzerns Heitkamp, der die Hafenanlagen des chilenischen Kupferwerkes mit deutscher Beteiligung in Emmerich baut! Ein Demonstrant wurde von der Polizei verhaftet."
Q: KBW-OG Herne: 1. Mai internationaler Kampftag der Arbeiterklasse, Herne o. J. (1976), S. 2

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April 1976:
Die DKP Hochschulgruppe Duisburg gibt ihr 'Manifest' (vgl. Jan. 1976, Juli 1976) mit 4 Seiten DIN A 4 heraus. Zum KSV der KPD heißt es:"
GEMEINSAMKEITEN

Wenige Tage nachdem in Bonn CDU-Abgeordnete eine Plakatausstellung des Heidelberger Grafikers K. Staeck verwüsteten (vgl. **.*.1976,d.Vf.) traten an der GH Duisburg im Schutze der Semesterferien Neofaschisten auf den Plan (sie tarnten sich in aller Regel mit der Bezeichnung 'KPD'), zerstörten sämtliche Info-Wände der DKP-Hochschulgruppe und des MSB Spartakus und rissen alle ihre Plakate und Ankündigungen von den Wänden. Das kannten wir bisher nur von der Hochschulverwaltung.

Hier offenbart sich einmal mehr die völlige Perspektivlosigkeit der maoistischen sogenannten 'KPD', die mittlerweile im Bündnis mit der NPD das gleiche schäbige Spiel treibt, wie die Pekinger Führung (der VR China,d.Vf.), die inzwischen mit den Chilenischen Faschisten über Waffenlieferungen verhandelt."
Q: Manifest, Duisburg Apr. 1976

20.04.1976:
Heute erscheint die Nr. 4 der 'Chile Solidarität' (vgl. 3.9.1975, 1.9.1976) mit den Artikeln "Chile-Initiative Emmerich: Keine Kredite an die Junta! Kein Kupfer von der Junta!" zur Deutschen Gießdraht GmbH und "Theaterstück aus Bochum: Der Widerstand lebt!".

Adressen der Chile-Komitees kommen auch aus Bochum, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Emmerich-Kleve (über die SJD - Die Falken, Goch), Essen, Gronau, Hamm, Herne, Köln, Moers, Münster, Paderborn, Schwerte und Wuppertal.
Q: Chile Solidarität Nr. 4, Freiburg 20.4.1976, S. 2 und 6

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29.04.1976:
Die Sympathisantengruppe Bonn des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr. 17 eine 'Ortsbeilage Bonn' (vgl. 22.4.1976, 20.5.1976) heraus mit dem Artikel "1. Mai internationaler Kampftag der Arbeiterklasse" mit dem Aufruf zur 1. Mai-Demonstration nach der DGB-Kundgebung, wozu auch die IKG, das Sozialistische Plenum, das Chilekomitee, das Palästinakomitee und das Komitee gegen den § 218 aufrufen.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Bonn Nr. 17, Bonn 1976, S. 2

01.05.1976:
Vermutlich heute erscheint eine Ausgabe der 'Chile-Information' - Informationen des Kölner Chile-Komitees, unter der Schlagzeile "Der Widerstand in Chile wächst" und mit einem Bericht von der Veranstaltung am 27.4. und einem Seminar der Chile-Komitees Bonn, Köln und Wuppertal Ende April.
Q: Chile-Information Der Widerstand in Chile wächst, Köln o. J. (1976), S. 1

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25.06.1976:
In Mönchengladbach findet, laut KB, eine Chile-Solidaritätsveranstaltung statt, zu der u.a. der KB und die MIR Chile aufgerufen hatten. Unter den ca. 45 Anwesenden sind auch Vertreter des KBW.
Q: Arbeiterkampf Nr. 85, Hamburg 26.7.1976, S. 47

10.07.1976:
In Emmerich findet, laut KB, eine Chile-Solidaritätsdemonstration statt. Zu der Demonstration hatte u.a. aufgerufen das regionale Chile-Komitee, das aus SDAJlern der DKP und den SJD - Die Falken der SPD besteht. Es versammeln sich ca. 50 - 60 Menschen.
Q: Arbeiterkampf Nr. 85, Hamburg 26.7.1976, S. 47

10.07.1976:
In Wuppertal findet, laut KB, eine Chile-Solidaritätsveranstaltung statt, zu der das Chile Komitee Wuppertal aufgerufen hatte. Anwesend sind auch u.a. Vertreter des Chile-Komitees Kleve/Emmerich, und GARM Genossen. Solidaritätsadressen erreichen die Veranstaltung von KB, Freidenkerverband (DFV) und der KG Wuppertal des KBW. Das Chile-Komitee berichtet, dass am 12.7.1976 ungefähr 400 Menschen die Chile-Solidaritätsveranstaltung im Kommunikationszentrum 'Die Börse' besuchen.
Q: Arbeiterkampf Nr. 85, Hamburg 26.7.1976, S. 47; Chile Solidarität Nr. 5, Freiburg 1.9.1976, S. 6

Chile_045


01.09.1976:
Heute erscheint die Nr. 5 der 'Chile Solidarität' (vgl. 20.4.1976, 1.1.1977) mit dem Artikel "Aktion zum Kupferdrahtwerk in Emmerich" von der Chile-Initiative Kleve-Emmerich.

Adressen der Chile-Komitees kommen aus NRW aus Bochum, Bonn, Düsseldorf, Emmerich-Kleve (über die SJD - Die Falken, Goch), Essen, Gronau, Hamm, Herne, Köln, Münster, Oberhausen, Paderborn, Schwerte und Wuppertal.
Q: Chile Solidarität Nr. 5, Freiburg 1.9.1976, S. 2 und 6

Chile_041


15.01.1977:
In Emmerich beteiligen sich, laut SAG, 800 an einer Chile-Demonstration.

Aufgerufen wurde vom Chile-Komitee Emmerich-Kleve.
Q: Chile Solidarität Nr. 6, Freiburg 1.1.1977, S. 5; Sozialistische Arbeiterzeitung Nr. 17, Frankfurt 9.2.1977

Chile_059


Juni 1977:
In Siegen veröffentlicht die Sozialistische Basisgruppe die Nr.2 ihrer 'Kritick' (vgl. Apr. 1977) u.a. mit Berichten über die Chile-Woche der ESG.
Q: Kritick Nr. 2, Siegen Juni 1977

18.10.1977:
Die DKP Hochschulgruppe Essen gibt vermutlich heute ihren 'Kommunist' (vgl. Juni 1977, Dez. 1977) heraus. Im Leitartikel heißt es u.a. zur RAF:"
TERROR IN DER BRD - TERRORISMUS IM DIENST DER REAKTION

Seit Wochen wird die Bevölkerung unseres Landes in Atem gehalten. Seit der Schleyer-Entführung (vgl. 5.9.1977,d.Vf.) treten alle anderen politischen Ereignisse in den Hintergrund. Nach der Entführung der Lufthansa-Maschine (vgl. 1*.10.1977,d.Vf.) erreicht die von allen Massenmedien geschürte Terroristenhysterie einen neuen Höhepunkt.

So wird unter dem Vorwand der Terroristen- und Sympathisantenjagd ein Kesseltreiben gegen jedes kritische und fortschrittliche Handeln entfesselt. Die DKP hat mit aller Schärfe das Kölner Attentat und die Flugzeugentführung verurteilt. Der Terrorismus hat nichts, aber auch gar nichts mit der kommunistischen- und Arbeiterbewegung zu tun. Terror und Mordanschläge gehören vielmehr zum politischen Arsenal kapitalistischer Herrschaftsmethoden.

Erinnert sei nur an die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy (vgl. **.**.196*,d.Vf.), an den Mord an Martin Luther King (vgl. **.**.196*,d.Vf.), an die Blutspur des CIA in Chile, an die bekanntgewordenen Mordpläne des US-Geheimdienstes an Fidel Castro.

Gerade diejenigen, die vorgeben, diesen Staat vor dem Terrorismus mit allen Mitteln verteidigen zu müssen, haben nach eigenen Angaben die besten und freundschaftlichsten Beziehungen zu Terrorregimen wie Chile und Südafrika (RSA - Azania,d.Vf.)."
Q: Kommunist, Essen Okt. 1977

Dezember 1977:
In Hagen gibt die Initiative: Kein StrauSS in Hagen und auch nicht anderswo! vermutlich im Dezember anläßlich des Besuchs von Strauß (FJS) ein Flugblatt heraus:"
STRAUSS RAUS!!

- In Chile (vgl. S2.**.197*,d.Vf.) hat dieser Sympathisant des Faschismus festgestellt, 'daß die rechtsstaatliche Ordnung ungeschmälert funktioniere', und eine Versammlung von deutschen Siedlern aufgerufen: 'Sorgen sie dafür, daß die Freiheit in ihrem Lande… erhalten bleibt' (!?). Außerdem sprach StrauSS von 'Disziplin, Fleiß, Leistung, Opferbereitschaft und Gemeinschaftssinn', um ein 'blühendes Chile' zu schaffen.

Die Bilanz der Junta kurz ins Gedächtnis gerufen: Seit 1973 30 000 Chilenen ermordet; ca. 60 000 politische Häftlinge sind und waren in Gefängnissen und KZ's; 1 800 Menschen gelten als 'spurlos verschwunden'…!

Man muß genau hinsehen, welche Freiheit in Chile es ist, die StrauSS erhalten haben will. Man muß genauer hinhören, was er unter 'innerem Frieden, politischer Stabilität, funktionierender rechtsstaatlicher Ordnung und Disziplin' versteht.

Und man muß sich schließlich erinnern, daß es absolut die gleichen Parolen sind, mit denen StrauSS und Co. hierzulande für ihre politischen Ziele trommeln.

Eine besondere Bedeutung hat die mehr oder weniger offene Empfehlung des Chilenischen Modells für die BRD im Klima der gegenwärtigen Hetze gegen Demokraten und des Abbaus demokratischer Rechte, der von allen Bonner Parteien vorangetrieben wird.

Es seien hier nur erwähnt:
Die Berufsverbote (BV, d.Vf.), immer mehr Zensurmaßnahmen (wie Anklagen gegen fortschrittliche Artikelschreiber, z.B. wegen 'Verunglimpfung der BRD'), Kontaktsperrengesetz, sowie ein sich ständig verschärfendes Polizeirecht.

Als besonderer Scharfmacher und Vorantreiber des Abbaus demokratischer Rechte tritt StrauSS in den Vordergrund, dessen Partei, die CSU, sich gemeinsam mit der CDU u.a. für die Aushöhlung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung (KDV,d.Vf.), für ein Verbot kommunistischer Organisationen, ja sogar für körperliche Folter (Ernst Albrecht) stark macht.

Erteilen wir dem provokatorischen Auftritt von StrauSS die entsprechende Antwort.

Wir meinen, daß es an der Zeit ist, sich gegen diese fortschreitende Rechtsentwicklung zu wehren.

Wir wollen keine Chilenischen Verhältnisse in der BRD und auch nicht anderswo."

Verbreitet wird dieses Flugblatt u.a. auch durch die KPD/ML bei Opel Bochum (IGM-Bereich - vgl. Dez. 1977).
Q: Initiative: Kein StrauSS in Hagen und auch nicht anderswo!: StrauSS raus!!, Hagen o.J. (1977)

Letzte Änderung: 12.09.2016