Marxisten-Leninisten Aachen / Marxisten-Leninisten Duisburg:
Noch ein Weg in den Sumpf… Ein Beitrag zur Kritik an den Auffassungen des NRF (Ende August 1972)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 16.9.2017


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Das hier vorgestellte Papier der ML Aachen und der ML Duisburg zur Kritik an der KG (NRF) Mannheim / Heidelberg bzw. den Gruppen des 'Bremer Kommunique' (BK), aus denen später der KBW hervorging, markiert einen der Brüche innerhalb der Zirkel, die in NRW aus der KPD/ML-ZK hervorgegangen waren, wobei sich einige dem späteren KBW anschlossen und die anderen sich in der Vierten Parteiaufbaufront bzw. der Nationalen Konferenz formierten.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

21.08.1972:
Die ML Aachen und Duisburg verfassen Ende August, also vermutlich in dieser Woche, ein Papier "Noch ein Weg in den Sumpf… Ein Beitrag zur Kritik an den Auffassungen des NRF" zum 'Neuen Roten Forum' Mannheim/Heidelberg Nr. 2 (vgl. Mai 1972), das sich gliedert in die Abschnitte:
- "A) Vorwort", in dem es heißt, dass das NRF den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben versuche;
- "B) Die Kommunistische Partei - revolutionäre Vorhut oder I-Tüpfelchen des spontanen Kampfes?";
- "C) Den Opportunismus organisieren oder bekämpfen?";
- "D) Revolutionäre Massenlinie oder opportunistischer Nachtrab?";
- "E) Der moderne Revisionismus - Bündnispartner oder Feind?";
- "F) Zwischen den zwei Generallinien?";
- "G) Das Programm - Wegweiser zur sozialistischen Revolution oder Wegweiser des Tageskampfes?";
- "H) Den ML mit der konkreten Praxis der westdeutschen Revolution verbinden oder Eklektizismus?";
- "I) Sind die Massen doof?"; sowie
- "J) Schluß", in dem gefolgert wird, dass der Weg des NRF in den Sumpf führe und der Opportunismus des Zirkelwesens verteidigt werde.

Die Redaktion von 'Klassenkampf und Programm' (Klapro - vgl. Feb. 1973) der ML Castrop-Rauxel, ML Dortmund und ML Hagen berichtet:"
Das Papier wurde von den Marxisten-Leninisten Duisburg als polemischer Beitrag gegen eine bestimmte Entwicklung bei den Marxisten-Leninisten Dortmunds verfaßt. Wir begannen damals unser 'Avantgardebewußtsein', das wir uns in der alten Roten-Morgen-Partei anerzogen hatten, das wir aber trotz des totalen Scheiterns dieser Partei nicht aufgegeben hatten, gründlich zu hinterfragen. Wir entwickelten die Auffassung, daß man sich die Autorität einer kommunistischen Gruppe nicht selbst ausstellen kann, daß man sie allein durch die Herausarbeitung programmatischer und strategischer Klarheit und durch eine vorwärtstreibende und bewußte Rolle in der Arbeiterbewegung erwerben kann. Auf beiden Seiten hatten wir, wie alle anderen dieser Gruppen aus dem Zerfallsprozeß des Roten-Morgen nichts geleistet, sodaß wir den unvermittelten Anspruch der Duisburger, diese Gruppe erneut zusammenzufassen unter Herausgabe eines gemeinsamen Zentralorgans, als falsch ablehnten. Demgegenüber stellten wir die Notwendigkeit heraus, als bescheidener Teil der kommunistischen Bewegung erst in der programmatischen Auseinandersetzung und in der Arbeiterklasse die Voraussetzungen für den Aufbau eine solchen Zentralorgans zu schaffen. Insbesondere hielten wir es für notwendig, sich mit dem Angebot der WAHRHEIT und des NRF's (des KB Bremen (KBB) bzw. der KG (NRF) Mannheim/Heidelberg, d.Vf.), die breite Debatte um das Programm zu führen, auseinanderzusetzen.

Ihre Polemik begründeten die Duisburger daraufhin damit, daß die Dortmunder Genossen 'ohne jede Begründung den Parteiaufbauartikel im NRF 2/72 (vgl. Mai 1972, d.Vf.) zu einem der fortgeschrittensten Beiträge der ML-Bewegung erklärten und zentrale Auffassungen des NRF's übernommen hatten'. In ihrem Papier, das der Polemik zwischen den NRW-Zirkeln einen Schlußpunkt setzte, formulierten dann die Genossen den Katalog der allgemeinen Sprüche, mit denen sich der Rote-Morgen bereits von den Zirkeln abgegrenzt hatte. Ihr Papier endete mit dem Spruch:

'Die Vorstellung des NRF liefern die Revolutionäre und Volksmassen dem modernen Revisionismus aus. Sie bekämpfen den Opportunismus, die ideologische Grundlage des Zirkelwesens nicht, sondern verteidigen ihn. Sie nennen nicht die Aufgaben, die wir anpacken müssen, um den Volksmassen den Weg zur Zerschlagung des imperialistischen Systems zu zeigen, und sie auf diesem Weg anzuleiten. Sie bringen die marxistisch-leninistische Bewegung nicht vorwärts, sondern zerren sie zurück.'

Die Ausführungen des NRF im 2/1972ger Artikel 'Über den Parteibildungsprozeß und die Dialektik zwischen den spontanen Kämpfen und der Entwicklung der bewußten Vorhut des Proletariats', wurde von den Duisburgern von der Position bekämpft, 'daß die Kommunistische Partei als bewußte Vorhut neben, nötigenfalls trotz der spontanen Bewegung, herauszubilden sei' (Noch ein Weg in den Sumpf, S. 3)."

Eingegangen auf dieses Papier wird u.a. in:
- NRW durch die ML Dortmund (vgl. Sept. 1972, 18.9.1972).
Quellen: Klassenkampf und Programm Nr. 2, Dortmund Feb. 1973, S. 6f; N.N. (ML Dortmund): Mit Idealismus und Großmäuligkeit die Partei aufbauen? Einige Anmerkungen zu dem Papier 'Noch ein Weg in den Sumpf', o.O. (Dortmund) o.J. (1972), S. 1ff;N.N. (ML Dortmund): Vorläufige Schwerpunkte der Arbeit an 'Klassenkampf und Programm' - Untersuchungsschwerpunkte, o.O. (Dortmund) o.J. (1972), S. 1 und 3;N.N. (ML Dortmund): Diskussionsvorschlag, o.O. 1972, S. 2

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Letzte Änderung: 21.11.2017