Bonn:
Rote Zelle Germanistik (Rotzeg) / Gruppe Roter Anfang (GRA)

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 3.10.2014

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Von den verschiedenen, uns vorliegenden, Veröffentlichungen der Roten Zelle Germanistik (Rotzeg) bzw. dann der Gruppe Roter Anfang (GRA) Bonn, wird hier derzeit allein die zweite Nummer des 'Roten Anfangs' dokumentiert, in der neben trotzkistischen Texten auch ein bordighistischer Artikel enthalten ist.

Der 'Rote Anfang' wurde herausgegeben, nachdem die Rotzeg in der 'Arbeitermacht' des ehemaligen SDS Bonn zunächst eine Minderheitenposition bezogen hatte und dann aus der Redaktion herausgedrängt worden war.

Aktiv wird die Gruppe nicht nur in Bonn selbst (vgl. Juni 1970, Sept. 1970), sondern auch vor allem in Bottrop (vgl. 17.4.1970, 18.4.1970, 1.5.1970) und steht bald in Kontakt mit IKD und Spartacus (vgl. 4.9.1970, 5.9.1971, 14.12.1970, 23.1.1971), schließt sich dann der KJO Spartacus an (vgl. 15.2.1971), tritt aber alsbald als 'Bolschewistische Fraktion' (BOLFRA) wieder aus der KJO Spartacus aus und beteiligt sich an der konkurrierenden Organisation Spartacus Bolschewiki/Leninisten (B/L).

Liste der als Scans vorhandenen Zeitungen

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

Februar 1970:
In Köln findet eine Veranstaltung mit Ernest Mandel unter dem Thema "Die Rolle der Intelligenz im Widerstand gegen den Faschismus" statt.
Quelle: Roter Anfang Nr. 2, Bonn 1970

17.04.1970:
Die Junge Sozialistische Garde (JSG) Bottrop verteilt ein Flugblatt "Die Arbeitermörder von 1920 feiern in Bottrop/Kirchhellen 50jähriges Jubiläum!!!!". Es wird zu Protesten in Bottrop am 18.4.1970 und in Bottrop und Kirchhellen am 19.4.1970 aufgerufen (vgl. 18.4.1970).
Q: Roter Anfang Nr. 3/4, Bonn 1970

18.04.1970:
In Bottrop wird ein Flugblatt der Jungen Sozialistischen Garde (JSG) Bottrop der späteren KJO Spartacus mit dem Titel "Arbeiter, Bürger, Lehrlinge, Schüler : Genossen!" verteilt, in dem u.a. ausgeführt wird:"
Gestern haben wir - Schüler, Studenten und Lehrlinge aus Bottrop/Bonn/Oberhausen - in den Zechen und Schulen Flugblätter verteilt". Notwendig sei eine verbindliche Organisierung in Roten Zellen und Betriebsprojektgruppen. An der Demonstration gegen die Gedenkfeiern zur Zerschlagung der Roten Ruhr Armee 1920 beteiligen sich an diesem Tage, laut Bottroper Stadtanzeiger, 200 Personen.

Laut DKP beteiligen sich hunderte an der Demonstration gegen die Gedenkfeier der Marinekameradschaft im Kolpinghaus.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 17, Düsseldorf 25.4.1970; Roter Anfang Nr. 3/4, Bonn 1970

01.05.1970:
In Bottrop verteilte die Junge sozialistische Garde Bottrop, laut Rotzeg Bonn, ein Flugblatt zum 1.Mai auf einer DGB-Veranstaltung. Die DKP habe daraufhin vor dieser Gruppe gewarnt und sich distanziert.
Q: Roter Anfang Nr. 1, Bonn 1970

Juni 1970:
In Bonn findet Ende Juni, laut Gruppe Roter Anfang Bonn, ein Teach In gegen das Verbot des SDS Heidelberg statt. Dieser Verein sei recht sympathisch, weil er gegen den Aufbau von Karnevalsparteien und für eine betriebliche Praxis eintrete. Auf dem Teach In sei man selbst zum ersten Male nach der Spaltung der sogenannten antirevisionistischen Gruppen als konsolidierte Gruppe mit trotzkistischer Tendenz an die Öffentlichkeit getreten, wobei man gleich die Diskussionsleitung und vier Referate übernehmen konnte.
Q: Roter Anfang Nr. 3/4, Bonn 1970

Juni 1970:
Vermutlich im Juni gibt die Rote Zelle Germanistik (Rotzeg) Bonn erstmals ihre Zeitschrift 'Roter Anfang' - Veröffentlichungen der Rotzeg Bonn (vgl. Juli 1970) heraus.
Neben Artikeln zu Gewerkschaften und zu Kambodscha wird auch auf die Betriebsprojektgruppe (BPG) Bonn eingegangen. Diese habe über sich selbst gesagt:"
Die Situation in der BPG und den Roten Zellen ist dadurch gekennzeichnet, daß sich im wesentlichen zwei politische Linien herausgebildet haben, jedoch der größte Teil der Genossen irgendwo dazwischen steht".

Inzwischen habe sich die maoistische Fraktion der KPD/ML-ZB angeschlossen. Diese sei auch in Berlin und Bottrop aktiv.

Man selber verfüge noch über eine Projektgruppe Gewerkschaft.

Die Rotzeg steht in Kontakt zum Spartacus - Regionalausschuß (RA) NRW (vgl. 24.5.1970).
Q: Roter Anfang Nr. 1, Bonn 1970

Juli 1970:
Im Juli oder August erscheint in Bonn die zweite Nummer des 'Roten Anfangs' (vgl. Juni 1970, Sept. 1970) der Roten Zelle Germanistik Bonn, die Materialien zum Faschismus enthält. Hierbei handelt es sich eben einer Einleitung um:
- "Leninismus gegen Stalinismus (Lehren der deutschen Katastrophe von 1933) Zusammengestellt von Oskar Fischer mit einem Vorwort von Leo Trotzki";
- "Ernst Mandel, Die Rolle der Intelligenz im Abwehrkampf gegen den Faschismus. Vortrag in Köln im Februar 1970"; sowie
- "IKP (Sektion Italien), Nur der Kampf für die proletarische Revolution ist wahrer Kampf gegen den Faschismus" aus 'Internationale Revolution', Organ der Internationalen kommunistischen Partei Nr. 3 vom Dez. 1969.
Q: Roter Anfang Nr. 2, Bonn o. J. (1970)

September 1970:
In Bonn gibt die Gruppe Roter Anfang Bonn (Bolschewiki-Leninisten/Trotzkisten) (früher Rote Zelle Germanistik Bonn) ein Flugblatt "Konterrevolution in Jordanien" heraus. Der Kontakt zu der Gruppe ist möglich über Büchertische am Dienstag und Freitag in der Mensa und am Donnerstag in der neuen Mensa.
Q: Roter Anfang Nr. 3/4, Bonn 1970

September 1970:
Vermutlich im September erscheint in Bonn die Nr. 3/4 des 'Roten Anfangs', der jetzt nicht mehr von der Roten Zelle Germanistik Bonn, sondern von der Gruppe Roter Anfang (GRA) Bonn, die jetzt überdies noch Mitglied von Spartacus/IKD (Trotzkisten) sei, herausgegeben wird.

Für Oktober wird angekündigt, daß die GRA zusammen mit Lehrlingsgruppen im Ruhrgebiet eine große Plenumsdiskussion mit Spartacus und IKD führen werde.

In einer "Kurzkritik an Bonner Gruppen" wird zunächst auf die Jens- (Bünning, d.Vf.) Gruppe 'Roter Partisan' eingegangen, die an der zweiten Brüngsberger Konferenz teilgenommen habe. Zuerst habe diese eine Schülermobilisierungsstrategie verfolgt, dann habe ein "'radikales' Umschwenken auf besinnlich akademische Studien zusammen mit Politologen" stattgefunden, womit wohl auf die Herausgabe der 'Kritischen Politik' im April 1970 angespielt wird.

Die Betriebsprojektgruppe (BPG) Bonn um Hannes Heer betreibe eine ökonomistische Handwerkelei. Nützlich in der Auseinandersetzung mit der BPG sei die Broschüre der IKD-Gruppe Bochum "Leninismus gegen Trotzkismus? Antwort auf den Bolschewik".

Hannes Heer habe gestern, was sich entweder auf das SDS Heidelberg Teach In Ende Juni oder auf diese Nr. des 'Roten Anfangs' bezieht, "die Volksfront mit der DKP eklektisch gerechtfertigt".

Gehässig wird weiter ausgeführt:"
'Weil keine Arbeiter aus anderen Betrieben Bescheid wussten' (Arbeitermacht Nr. 5, S. 9), scheiterte der revolutionäre Volkskrieg der sechs Haribo-Arbeiter". Nun habe sich diese 'Laienspielschar in Sachen Marxismus-Leninismus', die eine 'objektiv konterrevolutionäre Politik' betreibe, einen Hausjuristen angeschafft.
Q: Roter Anfang Nr. 3/4, Bonn 1970; Spartacus Nr. 25, Bonn Dez. 1971/Jan. 1972

04.09.1970:
In Bonn findet, laut Gruppe Roter Anfang Bonn, ein Indonesien Teach In statt. Die Gruppe Roter Partisan Bonn sei dabei für den Sieg im indonesischen Volkskrieg eingetreten. Einem selbst sei es auf dem Teach In zum ersten Male gelungen seinen trotzkistischen Standpunkt darzustellen, wobei einem allerdings Genossen von Spartacus und IKD geholfen hätten.
Q: Roter Anfang Nr. 3/4, Bonn 1970

05.09.1970:
In Bonn findet, laut Gruppe Roter Anfang Bonn, eine Indonesien Demonstration statt. Aufgrund der regionalen Zusammenarbeit der Trotzkisten in NRW habe man einen eigenen Block mit Spartacus und IKD bilden können, dem sich die GIM angeschlossen habe. Leider sei einem von den Stalinisten und den Pazifisten des Asta das Rederecht verweigert worden. Ein Mobilisierungsflugblatt "Ob Sukarno/Ob Suharto - Sieg der indonesischen Revolution!!!" ist unterzeichnet vom Spartacus - Regionalausschuß NRW, IKD (Trotzkisten) und Gruppe Roter Anfang Bonn.
Q: Roter Anfang Nr. 3/4, Bonn 1970

14.12.1970:
In dieser Woche erscheint in NRW, laut KJO Spartacus, ein Flugblatt "Spartacus -Lage des Kleinbürgertums im Monopolkapitalismus", in dem u.a. ausgeführt wird, daß man an der Antifademonstration am Samstag (vgl. 12.12.1970, d.Vf.) in den Reihen der Gewerkschaften demonstriert habe. Nähere Informationen und Wandzeitungen gäbe es in den Unis Bonn, Köln, Bochum und Dortmund.
Q: Roter Anfang Nr. 5, Bonn 15.2.1971

23.01.1971:
In Essen führt Spartacus eine Demonstration "Solidarität mit dem politischen Kampf der polnischen Arbeiter" durch. Auf einem Mobilisierungsflugblatt werden Kontaktadressen angegeben für Dortmund, Bochum, Hagen, Wuppertal und Köln. Beteiligen tut sich aber auch die Ortsgruppe Bonn.
Q: Roter Anfang Nr. 5, Bonn 15.2.1971

15.02.1971:
In Bonn erscheint mit der Nr. 5 des 'Roten Anfangs' (vgl. Sept. 1970) auch gleichzeitig die letzte Nummer dieser Zeitschrift, die nun nicht mehr von der Gruppe Roter Anfang Bonn, sondern von der Gruppe Bonn der KJO Spartacus herausgegeben wird. Erklärt wird dazu u.a.:"
Die Bonner Spartacus-Gruppe stellt das Erscheinen des 'Roten Anfang' mit dieser Nummer ein. Als Konsequenz ihres Beitritts zu SPARTACUS/IKD veröffentlichen ihre Mitglieder ihre Beiträge künftig in 'Spartacus' und 'Die Vierte Internationale'."

Mitgeteilt wird auch, daß einige Mitglieder der Gruppe in andere Städte versetzt werden sollen.

Neben der "Zweiten programmatischen Erklärung der Spartacus-Gruppe Bonn" finden sich auch noch Bemerkungen zur "Wahlplattform der zum Unikollektiv gehörigen Gruppe Arbeitermacht" und zur "Wahlplattform der zum Unikollektiv gehörigen Sozialistischen Gruppe", wobei in letzterer ausgeführt wird, daß die Bildung des Unikollektivs "Mangels an Potential für die vorgenommene Arbeit zum letzten Anstoß für die Rückkehr an die Hochschule" geworden sei. Die KJO Spartacus meint dazu, daß 'Jens' eine Politik des ein Schritt vor, zwei Schritte zurück betreibe. Erst habe er gefordert:"Organisiert euch im Schüler-Zentralrat!", jetzt sei er Motor der Sozialistischen Gruppe Bonn. Etwas holperig wird dazu formuliert:
"Macht mit der Uni-Arbeit Schluß - organisiert euch in Spartacus!"

Zum KJVD der KPD/ML-ZB wird u.a. erklärt:"
Die Linksstalinisten (z.B. der KJVD) meinen dem Revisionismus zu entgehen, wenn sie mit mehr Geschrei haargenau denselben rechtsstalinistischen Reformismus durchsetzen wollen. Sie haben denselben Ziehvater wie DKP und SDAJ."

Abgedruckt wird noch eine Rede, die auf einer Veranstaltung von Exilgriechen in Bonn gehalten und in der Griechenzeitung der OCI veröffentlicht worden sei und ein Beitrag, der auf dem Vietnamhearing wegen DKP und AMS Spartakus nicht gehalten werden konnte.

Berichtet wird u.a. von Antifa-Aktionen in Essen (vgl. 5.12.1970) und Bonn (vgl. 12.12.1970) sowie dem eigenen landesweiten Eingreifen (vgl. 14.12.1970) und vom Brüsseler Kongreß (vgl. 21.11.1970) des VS der Vierten Internationale.
Q: Roter Anfang Nr. 5, Bonn 15.2.1971

18.03.1971:
Anläßlich des Austritts der ehemaligen Bonner Gruppe Roter Anfang (GRA) aus der KJO Spartacus geben die IKD eine Erklärung heraus, in der es u.a. heißt:"
Spartacus - NRW … hat sich … recht lange und recht erfolgreich auch ohne sie entwickelt und kann auf ihre Mitarbeit noch nicht allzulange zählen."
Q: KJO-Spartacus-BOLFRA: Antwort der BOLFRA auf die "Stellungnahme der ZL zur Konstituierung der bisherigen 'Minderheit' als 'Bolschewistische Fraktion (BOLFRA)'", o.O. 6.10.1971

14.03.1972:
Die ZL der KJO Spartacus unterrichtet die Spartacusgruppe Merzig u.a. über die Geschichte der Gruppe Roter Anfang Bonn, die jetzt bei Spartacus B/L organisiert ist.
Q: KJO Spartacus-ZL: An Spartacusgruppe Merzig, Berlin 14.3.1972

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