Ford-Werke Köln

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

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Von Ford Köln, wo es neben dem Produktionswerk in Niehl auch noch das Ersatzteillager in Merkenich gibt, lagen uns kaum betriebliche oder wenigstens örtliche Publikationen vor, so dass hier wesentlich bundesweit verbreitete Darstellungen wiedergegeben werden.

Auf die Scans der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP) der Zelle Ford Köln der KPD wird hier lediglich verwiesen.

Das Kölner Ford-Werk ist Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre einer der größten Betriebe der Bundesrepublik, von dem nicht nur frühe Trotzkisten berichten (vgl. Apr. 1967), sondern an dem sich auch sowohl der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) Köln (vgl. Nov. 1969, Jan. 1970) als auch die DKP (vgl. 29.5.1969, 26.6.1969, 31.7.1969, Feb. 1970) und die KPD/ML (vgl. Aug. 1968, Dez. 1968, Juni 1969, Okt. 1969) mit der Herausgabe von Betriebszeitungen versuchen, ohne dass diese hier im Wortlaut dokumentiert werden könnten. Bei den Septemberstreiks 1969 spielt Ford Köln noch keine Rolle, auch wenn die RJ/ML schon einmal Streiks meldet (vgl. Jan. 1970).

Die auf der Suche nach der Jugendavantgarde befindlichen spartacistischen IKD (vgl. 14.11.1969) künden allein von der SDAJ der DKP als einer Gruppe, die einen kleinen Einfluss bei den Lehrlingen von Ford Köln ausübe.

Bei Opel Bochum wird Ford Köln seitens der DKP als Vorbild propagiert (vgl. 8.12.1969). Beim ersten hier dokumentierten Warnstreik aber (vgl. 2.3.1970), gilt Opel Bochum keineswegs als Vorbild (vgl. 2.3.1970). Auch die maoistische Linke, die bei Ford in Gestalt der SDS-Betriebsgruppe bzw. der KPD/ML neben der DKP (vgl. 5.3.1970, 19.3.1970, 18.4.1970) tätig wird, gilt zumindest den örtlichen Spartacisten der IKD keineswegs als vorbildlich (vgl. 25.3.1970).

Nun wird Ford Köln gar bei Opel Bochum durch die KPD/ML als Vorbild für Kampfmaßnahmen bemüht (vgl. 15.4.1970), und auch gar in Völklingen (vgl. 4.5.1970), wo die örtlichen Rote-Fahne-Aktivisten sich wenige Monate später mit ihren Kollegen bei den Ford-Werken Saarlouis vereinen.

In Köln dagegen stehen derweil die Ford-Wohnheime auf der Tagesordnung (vgl. 1.5.1970, 16.5.1970).

Bundesweite Beachtung in den linken Betriebszeitungen findet der kurze Proteststreik gegen die Einführung der Lohnsteuervorauszahlung (vgl. Juli 1970, 10.7.1970, 13.7.1970, 14.7.1970, 15.7.1970, 20.7.1970, 1.8.1970), so dass für die kommende Metalltarifrunde Auseinandersetzungen zu erwarten scheinen (vgl. Aug. 1970). Während sich die Beschäftigten der Wilhelm Karmann GmbH Osnabrück um Lohnangleichung mit Ford und Opel bemühen, werden bei Opel die Profite der Autoindustrie im Vergleich bekannt (vgl. 17.9.1970), wobei die Umsatzzuwächse bei Ford auffallen.

In der Metalltarifrunde (MTR) 1970 kommt es zum Warnstreik, wobei der übliche Rahmen solcher Aktionen aber offenbar deutlich überschritten wurde (vgl. 24.9.1970, 25.9.1970).

Ford Köln wird so zum beliebten Beispielbetrieb für die linke Presse (vgl. 27.9.1970, 28.9.1970, 29.9.1970, Okt. 1970, 12.10.1970), wobei allein die DKP in dieser wie immer unvollständigen Darstellung von der Solidarität bei Hoesch Dortmund mit den Entlassenen berichtet (vgl. 30.9.1970). Mit dem Ergebnis der Metalltarifrunde ist die Ford-Belegschaft offenbar äußerst unzufrieden (vgl. 30.10.1970), der aus dem November von den u.a. bei Ford Saarlouis aktiven Rote Fahne Organisation gemeldete Streik scheint aber eher ein Datierungsfehler (vgl. Nov. 1970).

Während die KPD/ML-ZB Hintergrundfakten liefert (vgl. 15.12.1970) beschreibt die örtliche Vertretung des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale die offenbar bescheidenen Erfolge der bisherigen Betriebsarbeit des SDS Köln bei Ford Köln, allerdings ohne eine eventuelle eigene Aktivität darzustellen (vgl. 18.12.1970).

Die KPD/ML-ZK sieht im Ford-Betriebsrat trotzdem Trotzkisten verschiedener Fraktionen im Kampf um Posten, wobei damals allerdings auch Anhänger des Sozialistischen Büros bei der KPD/ML-ZK vermutlich als Trotzkisten galten (vgl. Jan. 1971).

Durch den Streik bei Ford in Großbritannien ist zwar auch die Kölner Produktion betroffen, von Solidaritätsaktionen aber wurde uns nur wenig bekannt (vgl. 1.2.1971, Juli 1971).

Anlässlich der späten Spaltung des SDS Köln, der eine der wenigen Gruppen war, die noch unter diesem Namen agierten, wird von der anderen Fraktion wiederum auf die offenbar wenig erfolgreiche SDS-Betriebsgruppe Ford eingegangen (vgl. 21.2.1971), während die KPD/ML-ZB den Karriereverlauf eines ehemaligen Fordmanagers zum Verteidiger von deutschnationalen Terroristen beschreibt (vgl. 8.3.1971), aber auch – zumindest bei Hoesch Dortmund – die Pläne der IGM-Führung für die nächste Metalltarifrunde enthüllt (vgl. 15.3.1971).

Bei Ford Köln selbst sind offenbar sowohl DKP und SPD als auch KPD/ML-ZB und KPD/ML-ZK mit Betriebszeitungen präsent (vgl. 26.4.1971, Juni 1971, 14.6.1971, Juli 1971), wobei die KPD/ML-ZB sich durch die SPD-Zeitung sofort angegriffen fühlt (vgl. 12.7.1971), auch wenn sie den Einfluss der SPD durch die MTR 1970 deutlich geschwächt sieht (vgl. 28.8.1971).

Auch das Anarcho-Syndikat Köln beginnt nun mit der Berichterstattung von Ford Köln (vgl. Juli 1971, Aug. 1971).

Die Metalltarifrunde (MTR) 1971 beginnt mit der Aufstellung einer niedrigen Forderung (vgl. Aug. 1971, 25.8.1971), während bei Ford selbst offenbar eine lineare Forderung erhoben wurde (vgl. 23.8.1971), während die KPD/ML-ZB bei Ford Köln eine Kurzkundgebung durchführt, die Zusammenarbeit von Polizei und Betrieb beschreibend (vgl. Aug. 1971).

Selbst die DKP findet die Forderungen von 10% bzw. 11% offenbar niedrig, berichtet von den bei Ford offenbar favorisierten 15% (vgl. 26.8.1971), ebenso wie die Münchener Arbeiterbasisgruppen (vgl. 6.9.1971), während die KPD in NRW von einer Forderung der Ford-Belegschaft nach 85 Pfennig weiß (vgl. 1.9.1971, 6.9.1971). Die Produktion läuft damals bei Ford – man entsinne sich der Umsatzzuwächse – offenbar auf vollen Touren, wie die DKP in Dortmund berichtet (vgl. 6.9.1971), die nun offenbar auch um die lineare Forderung bei Ford weiß (vgl. 8.9.1971), diese auch in Dortmund propagiert (vgl. 20.9.1971). Bei Opel Bochum dagegen scheint sich die KPD über den Unterschied von Prozentforderungen und linearen Forderungen nicht ganz klar (vgl. 16.9.1971), bei Klöckner Düsseldorf ist sie dann wieder besser informiert (vgl. 4.10.1971). In Freiburg beharrt der BKA auf der altbekannten Forderung nach 15% (vgl. 22.9.1971), während die RJ/ML die Profitprozente zum Vergleich beisteuert (vgl. 30.9.1971).

Durch die Abspaltung der KPD/ML-Neue Einheit vom KAB/ML bzw. der KPD/ML-RW tritt nun auch diese bei Ford Köln auf (vgl. Okt. 1971), wo die Konzernleitung offenbar die Metalltarifrunde durch Warnungen vorbereitet (vgl. Okt. 1971), während die KPD in Berlin mit Verweis auf Ford Köln die Neue Einheit zu entlarven versucht (vgl. 7.10.1971).

Der KJVD der KPD/ML-ZB befasst sich nicht nur ebenfalls mit der KPD/ML-Neue Einheit, sondern auch wiederholt mit dem Jungarbeiterheim von Ford Köln (vgl. Okt. 1971, 15.10.1971), die KPD versucht sich auch bei Ford Köln mit einem Aufruf zum Streik (vgl. 28.10.1971), während die KPD/ML-ZK bei Opel die vorbildliche Gesundheitsfürsorge für Ford-Führungskräfte beschreibt (vgl. 1.11.1971) und ihre Rote Garde sich bei Ford Köln an die neuen Lehrlinge wendet (vgl. Okt. 1971).

Die KPD hat mittlerweile offenbar Freunde bei Ford Köln (vgl. 12.11.1971, 19.11.1971), die KPD/ML-ZB berichtet vom weiteren Verlauf der MTR 1971 (vgl. 29.11.1971), aus Dortmund werden Absatzeinbussen prophezeit (vgl. Dez. 1971), während für Ford Köln die Aussperrung erfolgt (vgl. 6.12.1971, 9.12.1971, 10.12.1971, 18.12.1971) und bald auch das Ende der Metalltarifrunde (vgl. 14.12.1971), die vom Anarcho-Syndikat Köln als 'Beschiss' beurteilt wird (vgl. Jan. 1972).

Die Betriebsratswahlen 1972 werden offenbar frühzeitig von der SPD vorbereitet (vgl. 21.2.1972), die KPD dagegen, die vermutlich u.a. aus der SDS-Betriebsgruppe mit hervorging, gründet gerade erst ihre Betriebszelle (vgl. 1.3.1972), überwirft sich aber sogleich mit der sich erfolgreich wähnenden KPD/ML-ZB und deren Verhalten zur Betriebsratwahl (vgl. 13.3.1972, 17.3.1972, 20.3.1972, 29.5.1972, 31.5.1972), welches offenbar auch durch das Anarcho-Syndikat Köln abgelehnt wird (vgl. März 1972), das eher die direkte Aktion propagiert (vgl. Apr. 1972).

Die KPD versucht nach den Betriebsratswahlen nicht nur die Lehren zu ziehen (vgl. 7.4.1972, 13.4.1972, 26.4.1972, 24.5.1972), sondern auch im Verein mit den Bochumer Opel-Kollegen eine neue Kampffront aufzubauen (vgl. 26.3.1972), nicht zuletzt auf ihren RGO-Treffen, an denen stets auch Ford-Beschäftigte teilnehmen (vgl. 21.5.1972, 1.10.1972).

Die KPD/ML-ZB widmet sich den polizeitaktischen Fragen der Streikbekämpfung (vgl. 3.4.1972), da diese auch in Dortmund droht (vgl. 12.6.1972), die KPD der Maivorbereitung (vgl. 19.4.1972, 22.4.1972), ihr KJVD mobilisiert für den 1. Mai. Zunächst aber kommt es auch bei Ford Köln zum kurzen politischen und daher illegalen Streik (vgl. 26.4.1972), die KPD/ML-ZB sieht die Vorbereitungen für den Krieg als bewiesen an, wobei Ford Köln als Beleg dient (vgl. 27.5.1972).

Die KPD versucht sich nun im IG Metall-Vertrauensleutekörper zu verankern, in dieser Darstellung werden nur einige der von der KPD bundesweit veröffentlichten Berichte über Ford Köln wiedergegeben (vgl. 29.5.1972), die KPD/ML-ZB aber stellt die neuen oppositionellen Betriebsräte von Ford Köln in den Vordergrund (vgl. 19.6.1972), vermag so vermutlich mehr zu beeindrucken, auch ihre Freunde von Ford Köln nehmen nun an einem Gewerkschaftsoppositionstreffen der KPD/MLs teil (vgl. 22.10.1972).

Die Vorbereitung der Metalltarifrunde 1972/73 wird von der KPD geschildert (vgl. 20.9.1972), die auch die Auseinandersetzungen in der IG Metall Köln darstellt (vgl. 29.11.1972, 18.12.1972, März 1973), während es zu einem Streik im Ersatzteillager Merkenich kommt (vgl. 1.12.1972). Von den Befriedungsmaßnahmen bei Ford Köln aber berichten hier andere (vgl. 17.2.1973, 23.2.1973).

In Aachen wird die Ausrichtung der Kölner Forschung an den Ford-Interessen behauptet (vgl. 1.3.1973), vor Ort in Köln geht es zumindest der KPD eher um die Stufenausbildung, die die bisherigen Facharbeiterausbildung für viele entwertet sowie um die internationale Solidarität (vgl. 1.4.1973), ihre Freunde von Ford aber treten auch bundesweit auf dem RGO-Kongress in den Vordergrund (vgl. 14.4.1973).

Beim Maikomitee Köln der KPD fällt auf, dass dieses zwar im Merkenicher Ersatzteillager, aber nicht im Hauptwerk in Niehl aktiv zu sein scheint (vgl. 1.5.1973) und in der KPD-Betriebszeitung selbst keine Erwähnung findet (vgl. 5.4.1973, 11.5.1973), während es bei Ford Köln offenbar bereits Forderungen für eine Teuerungszulage bzw. vorfristige Tarifvertragskündigung bei Ford gibt (vgl. 25.4.1973, 6.5.1973, 11.5.1973).

Es kommt zu einem ersten kurzen Streik für eine Teuerungszulage (vgl. 28.5.1973), über den bundesweit berichtet wird (vgl. Juni 1973, 5.6.1973, 6.6.1973, Juli 1973, 3.7.1973), während der große Streik mit Betriebsbesetzung erst im August stattfindet (vgl. Aug. 1973, 20.8.1973, 20.8.1973, 24.8.1973). Die KPD hebt zuvor noch die Jugendvertretung von Ford Köln positiv hervor (vgl. 6.8.1973), versucht dann auch aktiv in den Streik einzugreifen (vgl. 26.8.1973, 27.8.1973) sowie bundesweit die Solidarität zuorganisieren (vgl. 25.8.1973, 28.8.1973), wobei sie selbst sich dank ihres Genossen im Streikkomitee und der späteren Freundschaft von Baha Targün als wahrhafte Vertreterin der Ford-Kollegen und die perfekte Partei des Proletariats darzustellen versucht (vgl. 27.8.1973).

Bei Ford Köln kommt es nun zur Aussperrung (vgl. 28.8.1973, 29.8.1973), womit die gewaltsame Räumung des Betriebes vorbereitet wird, die am nächsten Tag erfolgt (vgl. 30.8.1973). Der Streik wird zerschlagen, wobei der KBW die Spaltung zwischen deutschen und ausländischen Beschäftigten vermutlich richtig als Ursache für die Schwäche der Streikbewegung benennt (vgl. 31.8.1973).

Für die Entlassenen und auch die später Angeklagten beginnen nun zahlreiche Solidaritätsaktionen, von denen hier nur einige wenige angeführt werden können (vgl. 1.9.1973, 6.9.1973, 17.9.1973), andererseits aber wird er Kampf bei Ford auch immer wieder als Beispiel für Entschlossenheit angeführt (vgl. 3.9.1973, 11.9.1973), wobei die KPD sich als wahre Avantgarde der Fordarbeiter betrachtet (vgl. 10.9.1973), was offenbar sogar die Sowjetunion zugeben musste (vgl. 12.9.1973).

Bald ist auch ein Solidaritätskomitee für die Entlassenen gegründet (vgl. 12.9.1973, 14.9.1973), welches eine Demonstration organisiert, wobei der KBW dies für eine Aktion bzw. ein Komitee allein der KPD hält (vgl. 12.9.1973, 15.9.1973), was diese aber von weiteren Aktionen nicht abhält (vgl. 16.9.1973).

Im Jugendbereich scheint die KPD Freunde bei Ford Köln zu haben, berichtet doch auch der KJV immer wieder von Ford (vgl. Sept. 1973, 14.9.1973, 17.9.1973, Okt. 1973, Nov. 1973, Dez. 1973, 26.1.1974, 15.2.1974).

Die KPD sammelt nun bundesweit Spenden (vgl. 14.9.1973, 19.9.1973), die Rote Hilfe e.V. bietet Rechtsschutz (vgl. 20.9.1973), dessen vor allem bald Baha Targün bedarf (vgl. 24.9.1973, 25.9.1973).

Die SAG analysiert die Streikwelle hinsichtlich der Teilnehmer, die Dortmunder Freunde des KBW dagegen hinsichtlich der Zerschlagung, beide mit Bezug auf Ford Köln (vgl. Okt. 1973), wobei der Einsatz der Polizei u.a. bei Ford, aber auch bei Hella Lippstadt und Pierburg Neuss, offenbar zu Unmut zumindest bei einzelnen Mitgliedern der Regierungsparteien führt, aber auch den Linken, wie z. B. der Roten Hilfe Dortmund (vgl. 1.10.1973), der GIM in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 22.10.1973) dem KBW bei Hoesch Dortmund (vgl. 25.10.1973), der Proletarischen Front (vgl. 10.12.1973) und Angeklagten im Bonner Hirohitoprozess (vgl. 16.9.1974) zur Anprangerung des Staatsapparates dient .

Der Kölner KBW, der die Gruppe 'Kölner Fordarbeiter' unterstützt (vgl. 10.10.1973), berichtet nun von der bescheidenen Basis der KPD bei Ford (vgl. 1.10.1973), diese dagegen bereitet schon ihrer nächste Demonstration vor (vgl. 3.10.1973, 8.10.1973).

Die Dortmunder KBW-Freunde dagegen stellen nun einen weiteren Aspekt der Forderungen des Fordstreiks in den Vordergrund (vgl. 9.10.1973), das ZK des KBW solidarisiert sich zwar mit Baha Targün, grenzt sich aber doch scharf von der KPD ab (vgl. 13.10.1973, 24.10.1973) und von deren Baha-Targün-Kampagne, die nun intensiv mittels Ikonisierung Baha Targüns bundesweit anläuft (vgl. 14.10.1973, 15.10.1973, 16.10.1973, 17.10.1973, 18.10.1973, 19.10.1973, 22.10.1973, 23.10.1973, 24.10.1973, 25.10.1973, 26.10.1973).

Die Verhinderung der Abschiebung Baha Targüns rechnet sich die KPD selbst an (vgl. 29.10.1973), zeiht auch die KPD/ML der Passivität (vgl. 31.10.1973) sowie den KBW (vgl. 14.1.1973), und übt weiter Solidarität mit Baha Targün (vgl. 2.11.1973). Die RGO-Treffen der KPD werden weiterhin von Kölner Fordbeschäftigten besucht (vgl. 4.11.1973, 21.11.1973), während bei Ford offenbar Kurzarbeit angedroht wird (vgl. 24.11.1973). Auch die KPD/ML beteiligt sich nun an Ford-Spendensammlungen (vgl. 24.11.1973), Baha Targün ist immer noch von der Abschiebung bedroht (vgl. 30.11.1973), der RJVD reflektiert die hier nicht dokumentierte Presseberichterstattung zu den Streiks u.a. bei Ford (vgl. Dez. 1973), bei VW Wolfsburg wird durch den KBW von der verfehlten Modellpolitik Fords berichtet (vgl. 17.12.1973), während der KBW bei Hoesch Dortmund die Kurzarbeit bei Ford für eine Krisenerscheinung hält (vgl. 18.12.1973).

Eine der wichtigsten Quellen zum Fordstreik 1973 gibt es wohlfeil im Antiquariatsbuchandel bzw. in vielen Archiven, sie wird hier nur erwähnt (vgl. Jan. 1974). Während sich die KPD weiterhin um Einfluss unter den Fordlehrlingen bzw. den Jugendlichen bemüht (vgl. 16.1.1974, 13.2.1974) kommt es zur juristischen Würdigung des Streiks und derjenigen, die sich solidarisch zeigten (vgl. 22.1.1974), während die KPD die nun auch die Lehren aus dem Streik zu ziehen versucht (vgl. 26.1.1974), aber auch von der weiteren Entwicklung berichtet (vgl. 30.1.1974, Feb. 1974), u.a. von den Ausschlussverfahren aus der IG Metall (vgl. 18.2.1974, 19.2.1974, 27.2.1974).

Allerdings kommt es nun auch in der Kölner IGM-Ortsverwaltung zu heftigen Auseinandersetzungen, in die auch die Ford-Betriebsräte verwickelt sind (vgl. 30.3.1974, Apr. 1974, 24.4.1974).

Die KPD grenzt sich bald von Baha Targün ab (vgl. 26.8.1974), vermag also den vaterländischen Kurs einiger türkischer Marxisten-Leninisten damals noch nicht ganz nachzuvollziehen. In Dortmund enthüllt die KPD den Hintergrund der Kurzarbeit in Köln (vgl. 7.10.1974), ihr Mitglied im Streikkomitee steht nun vor Gericht (vgl. 11.11.1974, 18.11.1974, 25.3.1975).

Auch der KBW hat mittlerweile eine Ford-Aufbauzelle in Köln (vgl. 5.12.1974, 13.1.1975, 13.2.1975), die DKP in Preetz benutzt die Presseschlagzeilen zum Fordstreik als abschreckendes Beispiel (vgl. Jan. 1975). Die KPD kandidiert zum Landtag mit Fordkollegen (vgl. 19.2.1975), die KPD/ML wird mit einem Strafverfahren bedacht (vgl. 15.3.1975) und selbst Attentate werden für die Fordbelegschaft verübt (vgl. 17.3.1975). Während die KPD sich an der Verbindung der Auseinandersetzungen bei Ford Köln mit denen bei Seibel Erwitte und Stübbe-Demag Kalldorf zu versucht (vgl. 19.3.1975), finden vor Ort in Köln wieder Betriebsratswahlen statt, wobei die Einheitsaktion nicht unwichtig erscheint (vgl. Apr. 1975), laut KBW im Gegensatz zur KPD, die sich weiter mit der Solidarität für Baha Targün befasst (vgl. 28.4.1975, 29.4.1975), dies mit der Solidarität für die vier PEF-Anhänger verbindend (vgl. 30.4.1975), während der KBW offenbar recht erfolgreich gegen den Paragraphen 218 eintritt (vgl. 21.4.1975, 26.5.1975), und vom harschen Urteil gegen Baha Targün berichtet (vgl. 2.6.1975), ebenso wie die KPD (vgl. 21.7.1975, 28.7.1975). Es gibt noch weitere Urteile (vgl. 26.1.1976) und nachdem die juristische Würdigung des 1973er Streiks weitgehend vorüber zu sein scheint, auch wieder einen neuen, aber nur kleinen, Streik bei Ford Köln (vgl. 28.6.1976). Allerdings gehen die Fordprozesse weiter (vgl. 13.10.1976), die Rote Hilfe e.V. der KPD zieht erst ein Jahr später eine Bilanz (vgl. 25.4.1977), nicht den inhaftierten Baha Targün vergessend (vgl. 30.4.1977), der immer noch von Abschiebung in die Türkei bedroht ist (vgl. 1.5.1977).

Während die DKP bei Hoesch die Methoden des Fordmanagements für gefährlich zu halten scheint (vgl. Okt. 1977), prangert die KPD die Zögerlichkeit der IG Metall in der Metalltarifrunde 1978 an (vgl. 2.2.1978), Ende des Jahres etabliert sich dann offiziell die noch gar nicht ganz gegründete RGO der KPD/ML bei Ford Köln (vgl. 5.11.1978, 25.11.1978), zieht 1981 auch in den Betriebsrat ein, aber nur als Minderheit unter den Oppositionellen (vgl. Apr. 1981).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

April 1967:
Die Nr. 8 der 'Internationalen Arbeiterkorrespondenz' (IAK - vgl. Jan. 1967, 27.11.1967) berichtet u.a. über Ford Köln.
Quelle: Internationale Arbeiter Korrespondenz Nr. 8, Eschborn Apr. 1967

August 1968:
Vermutlich im August 1968 erscheint erstmals in Köln bei den Ford-Werken die u.a. von G. Ackermann herausgegebene 'Rote Fordarbeiter-Zeitung' (RFAZ).
Q: Der Klassenkampf Nr. 3, Köln 1971, S. 51; KIK:Kommunismus oder Kleinbürgerei, Köln 1974;Roter Morgen, Hamburg Sept. 1968, S. 2

Dezember 1968:
Seit Ende 1968 erscheint in Köln, laut KI Köln, bei den Ford-Werken die von Marxisten-Leninisten herausgegebene 'Rote Fordarbeiter-Zeitung'. An einer ersten Zeitung dieses Titels arbeitete auch G. Ackermann vom ZK der KPD/ML mit (vgl. Aug. 1968).
Q: Der Klassenkampf Nr. 3, Köln 1971, S. 51; KIK: Kommunismus oder Kleinbürgerei, Köln 1974

29.05.1969:
Die DKP bringt die Nr. 9 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 22.5.1969, 5.6.1969). Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 9, Essen 29.5.1969

Juni 1969:
Die ersten Ausgaben der einzigen Betriebszeitung der KPD/ML vor den Septemberstreiks 1969, 'Roter Ford Arbeiter' (Köln) erscheinen im Sommer.
Q: H.Modau: Zur Geschichte der KPD/ML und des KABD,o.O. 1979,S.19

26.06.1969:
Die DKP gibt die Nr. 13 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 19.6.1969, 3.7.1969). Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 13, Essen 26.6.1969

31.07.1969:
Die DKP gibt die Nr. 18 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 24.7.1969, 7.8.1969). Berichtet wird u.a. von Ford Köln. Dort gibt die DKP die 'Informationen für den Ford-Arbeiter' heraus.
Q: Unsere Zeit NRW Nr. 18, Essen 31.7.1969

Oktober 1969:
Laut MLPD (2) entsteht in Köln Ende Oktober/Anfang November eine erste Rote Betriebsgruppe der KPD/ML, die im IGM-Bereich bei Ford den 'Roten Fordarbeiter' und bei der Firma Elektrola/Linström ihre 'Unsere Stimme' (vgl. 21.10.1969) herausbringt.
Q: MLPD-ZK: Geschichte der MLPD, I.Teil, Stuttgart 1985, S. 80

November 1969:
Laut SDS Köln erscheint seit Nov. 1969 bei Ford in Köln die 'Rote Fordarbeiter-Zeitung' als Betriebszeitung der SDS-Betriebsgruppe Köln. Eine Zeitung mit dem selben Titel wird allerdings ab 1969 auch von den Marxisten-Leninisten (ML) Kölns herausgegeben.
Q: Theorie und Praxis Nr. 3, Köln 1970, S. 26ff

14.11.1969:
Die Gruppe Köln (vgl. 20.1.1970) der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) verfaßt einen Bericht zur nationalen Konferenz (vgl. 30.11.1969), in dem es u.a. über das Lehrlingskomitee (LK) (vgl. Juni 1969, 7.11.1969) heißt:"
Es hatte regen Zulauf, aber ständige Fluktuation. Deshalb keine kontinuierliche Arbeit, oder besser anders: keine kontinuierliche Arbeit, deshalb Abwanderung. Seit Beginn fast völlig in der Hand der SDAJ, die die Mehrheit der Anwesenden stellt. Das Niveau ist äußerst niedrig und es wird so gut wie nichts getan, dem abzuhelfen. Viel Aktivismus bringt ständig neue Leute, die bald wieder enttäuscht gehen. Nicht ein Minimum an organisatorischer Struktur, deshalb kann die SDAJ mühelos jede Abstimmung gewinnen. Abgesehen von ein paar führenden Leuten, haben die SDAJ-Mitglieder keinerlei Kenntnisse und keine Disziplin (Anwesenheit!). … Hauptsächliche Tätigkeit bisher: Flugblätter und Fragebogen zur Situation der Lehrlinge und Berufsschüler vor Berufsschulen und in Lehrwerkstätten. Kleine Verankerung bei Felten und Guillaume und bei Ford."

Zur eigenen Fraktion im LK wird mitgeteilt:"
Im Lehrlingskomitee sind bisher C. und D.. Bisher konnten wir uns kein Gehör verschaffen, die SDAJ walzt borniert alles nieder und stoppt jede Diskussion. Aber jetzt, wo die Unzufriedenheit immer stärker wird bei Leuten, die sich nicht damit zufrieden geben wollen, einfach nicht mehr hinzugehen, sind wir in persönliche Gespräche mit Einzelnen gekommen, die eventuell bereit scheinen, den Kampf gegen die SDAJ aufzunehmen. Voraussetzen können wir nicht viel, ganz junge Leute, aber wir könne sie bei ihren Interessen packen, bei dem was sie ursprünglich von so einem Komitee erwartet haben. Bisher kein nennenswerter Absatz von 'Spartacus' in diesem Komitee."

Zur KPD/ML wird klargelegt:"
Keine politische Kraft. Intern gespalten. Ein antiparlamentarisches Plakat zur Wahl."
Q: IKD: Internes Bulletin Nr. 1 Nachtrag, o. O. März 1970; IKD-Gruppe Köln: Bericht der Gruppe Köln, Köln 14.11.1969

08.12.1969:
Für die DKP berichtet Erika Herzog vermutlich in dieser Woche u.a. über die eigene Betriebszeitung 'Der Prüfstand' bei Ford Köln und:"
OPEL - DAS HEISSE THEMA …

Bei Mercedes-Benz (Daimler,d.Vf.) und Ford haben die Kollegen ein solches Antrittsgeld für jede Sonderschicht durchgesetzt."
Q: Unsere Zeit Nr. 38, Essen 18.12.1969, S. 3

Januar 1970:
Der SDS Köln berichtet über sich selbst (vgl. Apr. 1970), von spätestens Anfang 1970, daß parallel zur Auflösung des Bundesvorstandes (BV) (vgl. 21.3.1970) auch die Kölner Gruppe auseinandergefallen sei. Es bildet sich u.a. die Betriebsgruppe (BG), die eine 'Rote Ford-Arbeiterzeitung' (vgl. **.**.1969, **.*.1970) herausgibt.
Q: Theorie und Praxis Nr. 4/5, Köln 1971

Februar 1970:
Bei Ford Köln gibt die DKP eine Ausgabe ihres 'Ford-Prüfstandes' heraus.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 10, Düsseldorf 5.3.1970

02.03.1970:
Bei Ford Köln beteiligen sich, laut DKP, ca. 1 000 an einer Demonstration und 6 000 an einem Warnstreik. Um 10 Uhr beginnt die Demonstration von den Hallen Z und R zur Y-Halle, und von dort vorbei an den Hallen FK, X, S, T und E zum M-Gebäude, dem Sitz der Personalleitung. Von 6 000 Streikenden berichten später auch RJ/ML und KAB/ML (vgl. Apr. 1970), die zuvor berichteten:"
Mehrere tausend Fordarbeiter in Köln streikten spontan, um Forderungen wie Lohnzulagen, geringere Bandgeschwindigkeit usw. Nachdruck zu verleihen."

Laut BPG Bonn werden insgesamt 8 Forderungen aufgestellt. Bei Opel Bochum (vgl. 15.4.1970) wird Ford Köln von der KPD/ML als abschreckendes Beispiel dessen dargestellt, was Betriebsräte offenbar verhindern sollten.
Q: Apo press Nr. 3, Köln März 1970; Arbeitermacht Nr. 1, Bonn o.J. (1970);Rebell Nr. 19 und 20, Tübingen März 1970 bzw. Apr. 1970, S. 4 bzw. S. 10f;Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 11, Düsseldorf 12.3.1970;Zündkerze Nr. 2, Bochum 1970, S. 2

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03.03.1970:
Bei Ford Köln erscheint ein Flugblatt der 'Roten Fordarbeiter Zeitung der Marxisten Kölns' zum gestrigen Streik, für das H. Gellrich verantwortlich zeichnet. Als Emblem wird die SDS-Faust verwandt.
Q: Apo press Nr. 3, Köln März 1970

05.03.1970:
Die DKP bringt die Nr. 10 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 26.2.1970, 12.3.1970) und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Unsere Zeit Nr. 10, Essen 5.3.1970

19.03.1970:
Die DKP bringt die Nr.12 ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 12.3.1970, 26.3.1970) und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Unsere Zeit Nr. 12, Essen 19.3.1970

19.03.1970:
Die DKP gibt die Nr. 12 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 12.3.1970, 26.3.1970) und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 12, Essen 19.3.1970

25.03.1970:
Die Gruppe Köln (vgl. 20.1.1970) der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) verfaßt einen Bericht, in dem es u.a. heißt:"
Die stärkste Kraft in der APO ist nach wie vor die Kölner GIM … wegen des Falken-Apparats …, den sie hinter sich hatte. …
Die maoistischen Gruppen sind ähnlich wie die Berliner zersplittert: KPD/ML, ML und geringe Strömungen in SDS-Gruppen. Die KPD/ML tritt wegen ihrer Schwäche kaum auf. Die ML ist eine Abspaltung der KPD/ML. Sie führt ihre Grundschulung in der Uni durch, gibt aber auf der anderen Seite zusammen mit ihren Kontakten bei Ford die 'Rote Fordarbeiter Zeitung' heraus. Darin schreibt sie unter anderem 'Für eine starke Gewerkschaft – gegen Arbeiterverräter, Bürokraten'. Das Blatt hat einen völlig handwerklerischen Charakter. Vom SDS bestehen die beiden Reste 'Hochschulpraxisgruppe' und 'Betriebsgruppe'. Die Betriebsgruppe, zu der nur Studenten gehören, gibt auch eine 'Rote Fordarbeiterzeitung' heraus, die (wenn das überhaupt möglich ist) auf einem noch niedrigeren Niveau steht als die erstgenannte."
Q: IKD:Internes Bulletin Nr. 1 Nachtrag, o.O. März 1970

15.04.1970:
Bei Opel Bochum Werk I findet, laut DKP, eine Belegschaftsversammlung (BV) statt. Später berichtet die KPD/ML-ZK:"
BETRIEBSRATSVORSITZENDER PERSCHKE - DER ARBEITER-DOMPTEUR

Wir wollen uns auch nicht bei den 'Erfolgen jahrelanger Bemühungen' des Betriebsrats aufhalten. Sie sind kaum der Rede wert.

Wichtig sind aber solche Selbstbekenntnisse wie seine 'Beruhigungspolitik des Betriebsrats', die dazu beigetragen habe, 'Vorkommnisse' wie 'im Herbst vergangenen Jahres in der Stahlindustrie sowie die letzten Ereignisse bei Ford' (in Köln - vgl. 2.3.1970,d.Vf.) zu verhindern. Er 'warnte' die Herren von der Geschäftsleitung ausdrücklich davor, ihn als 'Reserverad des Kadetts' zu betrachten, da dann seine Beruhigungspolitik 'nicht mehr sehr lange Früchte tragen würde'."
Q: Zündkerze Nr. 2, Bochum 1970, S. 2

18.04.1970:
Die DKP gibt die Nr.16 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 11.4.1970, 25.4.1970). Berichtet wird u.a. über die eigene Betriebszeitung 'Der Ford Prüfstand' in Köln.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 16, Essen 18.4.1970

01.05.1970:
In Köln erscheint die Nr. 5 der 'apo press' (vgl. 13.3.1970, 1.6.1970) u.a. mit einem Bericht aus den Ford Wohnheimen.
Q: Apo press Nr. 4, Köln 1.5.1970

04.05.1970:
Bei Röchling Völklingen erscheint die Nr.3 der 'Roten Fahne' (vgl. 20.3.1970, 29.5.1970) als Zeitung der Sozialistischen Betriebsgruppe (SBG) der Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke (RESW) bzw. der Rote Fahne Organisation (RFO). Berichtet wird u.a. von Ford.
Q: Rote Fahne - Röchling Nr. 3, Völklingen 4.5.1970

16.05.1970:
Die DKP gibt die Nr. 20 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 9.5.1970, 23.5.1970).
Berichtet wird u.a. über ein Ford Wohnheim in Köln-Vingst.
Q: Unsere Zeit - Ausgabe NRW Nr. 20, Essen 16.5.1970

Juli 1970:
Erstmals gibt der Kommunistische Arbeiterbund/Marxisten -Leninisten (KAB/ML) sein Zentralorgan 'Rote Fahne' (vgl. Aug. 1970) heraus. Es wird über eine Reihe von Streiks berichtet und zwar u.a. bei Ford Köln (20 Minuten).
Q: Rote Fahne Nr. 1, Tübingen Juli 1970

Juli 1970:
Die KPD/ML-ZB bringt erstmals die 'Rote Fahne' - Zentralorgan der KPD/ML (vgl. 7.8.1970) heraus. Diese berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 1, Bochum Juli 1970, S. 4

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10.07.1970:
Bei Ford Köln legen rund 1 000 Arbeiter für 20 Minuten bis zu einer halben Stunde die Arbeit nieder, um gegen die geplanten Lohnsteuervorauszahlungen zu protestieren.

Der KB/ML Berlin (vgl. 13.7.1970) berichtet mit Hilfe der morgigen 'BZ':"
1 000 STREIKTEN

KÖLN - Aus Protest gegen die zehnprozentige Steuervorauszahlung und die geplante Erhöhung der Kfz-Versicherungsprämien traten 1 000 Arbeiter der Ford-Werke in Köln in einen 0minütigen Streik. (dpa)"

Vom Streik bei Ford Köln berichtet auch die DKP.

Berichtet wird auch in:
- Baden-Württemberg in Heidelberg durch den AStA der Uni (vgl. 15.7.1970);
- Bayern in München durch die KPD/ML-ZK (vgl. 20.7.1970);
- Berlin durch die KPD/AO (vgl. 13.7.1970) und im BSE-Bereich durch die KPD/ML-ZB (vgl. 20.7.1970);
- Hessen in Marburg durch den 'Marburger Betriebsboten' (MBB - vgl. 28.7.1970);
- Niedersachsen in Hannover bei Hanomag (IGM-Bereich - vgl. 14.7.1970);
- NRW in Bochum durch die KPD/ML-ZK bei Opel (IGM-Bereich - vgl. 20.7.1970);
- Saarland in Völklingen durch die RFO bei Röchling (IGM-Bereich - vgl. Aug. 1970).
Q: KPD/ML-ZK-OG München: Kampf der Steuervorauszahlung, München o. J. (1970), S. 2; Unsere Zeit NRW Nr. 31, Essen 1.8.1970, S. 15;Schwungrad Nr. 3, Hannover 14.7.1970;WAZ 10.7.1970, nach: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 14, Bochum 13.7.1970;AStA Uni Heidelberg: Die SPD bittet zur Kasse - Ausgabe Heidelberg, Heidelberg 15.7.1970;Marburger Betriebsbote Nr. 3, Marburg 28.7.1970;Rote Fahne Nr. 6, Berlin Juli 1970;Rote Fahne - Röchling Nr. 7, Völklingen o.J. (1970);Der Bulldozer Nr. 1, Berlin Aug. 1970, S. 4;Zündkerze Nr. 3, Bochum 1970, S. 13;KB/ML: Steuererhöhung - die SPD sichert Unternehmerprofite!, Berlin o. J. (Juli 1970), S. 2

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13.07.1970:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr. 1 des 'Klassenkampf - Ausgabe Siemens' - Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen Siemens der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI - Aug. 1970). Aus NRW wird berichtet von Ford Köln.
Q: Klassenkampf - Ausgabe Siemens Nr. 1, Berlin Juli 1970

14.07.1970:
In Hannover geben der SHB und der Arbeitskreis Hanomagarbeiter die Nr.3 ihrer Betriebszeitung 'Schwungrad' (vgl. 10.7.1970, 30.7.1970) als Extra heraus, welches sich gegen die Einführung der Lohnsteuervorauszahlung wendet (vgl. 11.7.1970) und dabei u.a. den Streik dagegen bei Ford Köln am 10.7.1970 erwähnt.
Q: Schwungrad Nr.3,Hannover 14.7.1970

15.07.1970:
In Mainz gibt die Sozialistische Arbeiterbasisgruppe (SABG) die Nr. 6 ihrer 'Roten Arbeiterpresse' (vgl. März 1970, 1.8.1970) heraus mit einem Bild aus Köln unter der Schlagzeile "Streik bei Ford!" und dem zugehörigen Leitartikel "Kampf dem Steuerzuschlag" zur Lohnsteuervorauszahlung.
Q: Rote Arbeiterpresse Nr. 6, Mainz 15.7.1970, S. 1

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20.07.1970:
Die OG München der KPD/ML-ZK gibt vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt zur Einführung der Lohnsteuervorauszahlung (vgl. 11.7.1970) heraus:"
KAMPF DER STEUERVORAUSZAHLUNG
KAMPF DER KAPITALISTENKLASSE

Auch die Vertretung ihrer ökonomischen Interessen kann die Arbeiterklasse niemandem anvertrauen als sich selbst. Sie muß sich organisieren, um geschlossen den Kampf zu führen für eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Kollegen in Duisburg (vgl. Mannesmann im IGM-Bereich - 8.7.1970,d.Vf.), Mannheim (vgl. MWM und Daimler-Benz im IGM-Bereich - 13.7.1970,d.Vf.) und Köln (vgl. Ford im IGM-Bereich - 10.7.1970,d.Vf.) haben das bereits erkannt und sind in den Warnstreik getreten. Es gilt jetzt, gegen dieses Gesetz zu kämpfen. Es gilt, sich gemeinsam gegen den Lohnraub des kapitalistischen Staates zu wehren. es gilt, sich vorzubereiten auf die Arbeitskämpfe in der nächsten Krise.

Die Arbeiterklasse braucht also auch eine Organisation, die fähig ist, die Lohn- und Arbeitskämpfe der Arbeiterklasse anzuführen und zu leiten. Der erste Schritt dazu sind die roten Betriebsgruppen der KPD/ML.

BAUEN WIR DESHALB STARKE ROTE BETRIEBSGRUPPEN DER KPD/ML AUF!"
Q: KPD/ML-ZK-OG München: Kampf der Steuervorauszahlung, München o. J. (1970)

August 1970:
Die KPD/ML-ZK bei Opel Bochum berichtet vermutlich spätestens aus dem August von der 15% Forderung für die Metalltarifrunde (MTR):"
Auch der Betriebsratsvorsitzende Tolusch von Ford in Köln mußte wegen der Stimmung unter den Fordarbeitern in einem SPIEGEL-INTERVIEW sagen, daß 'wir' (er tat so, als wäre auch er ein Arbeiter) die Lohnsteuererhöhung durch die Lohnforderungen wieder herausholen würden."
Q: Zündkerze Nr. 4, Bochum Sept. 1970, S. 1

01.08.1970:
In Mainz gibt die Sozialistische Arbeiterbasisgruppe (SABG) die Nr. 7 ihrer 'Roten Arbeiterpresse' (vgl. 15.7.1970, 24.8.1970) heraus mit dem Leitartikel "Ein neuer Verrat der Gewerkschaftsführung" zur Lohnsteuervorauszahlung, der auch von Hoesch Dortmund, Mannesmann (vermutlich Duisburg) und Ford Köln berichtet.
Q: Rote Arbeiterpresse Nr. 7, Mainz 1.8.1970, S. 1

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31.08.1970:
In dieser Woche streiken, laut KPD/ML-ZB, die Werkzeugmacher der Karmann GmbH in Osnabrück für eine Lohnerhöhung um 60Pf., womit sie näher an die Löhne bei Ford und Opel, die bis zu 1,50 DM höher liegen, herankommen wollen. Die Kollegen hätten bei Verhandlungen zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und Kapitalisten die Hälfte ihrer Forderung durchgesetzt. Ein Bericht findet sich auch in der 'Westfälischen Rundschau' vom 5.9.1970.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 31, Bochum 9.9.1970, S. 3

17.09.1970:
Bei Opel Bochum gibt die KPD/ML-ZK, laut einer handschriftlichen Datierung, heute die Nr. 4 ihrer 'Zündkerze' (vgl. 15.9.1970, 18.9.1970) heraus.
In einem Artikel geht es um die:"

PROFITE IN DER AUTOINDUSTRIE 1969

                          OPEL      FORD       VW   DAIMLER-BENZ     BMW
Kapital (Mio. DM)          850       120      750            761     100
Umsatz (Mrd. DM)          4,85      3,88    13,93           9,09     1,45
Umsatzzuwachs 1968/69     26,8%     51,1%    19,1%         33,07%    40,1%
Reingewinn der
Aktionäre (Mio. DM)      419,2     209,6    338,7           248,1    54,4
Gewinnzuwachs 1968/69       68%    333,7%     ?              16,9%     50%
Investitionen (Mio. DM) unter 274    379    1 076             733       ?
Belegschaft             54 300    45 400  168 500         136 400   21 000
Umsatz pro Belegschafts-
mitglied (DM)           89 375    85 499   82 709          66 659   69 029
Reingewinn pro Beleg
schaftsmitglied (DM)     7 739     4 614    2 010           1 819    2 116
…

Die Angaben sind entnommen der Zeitschrift CAPITAL 9/1970 (vgl. **.*.1970,d.Vf.), die allerdings keinerlei Aufschluß gibt über die Lohnkosten. Daß der Reingewinn bei Daimler-Benz 1969 so niedrig war, liegt daran, daß schon die Verhandlungen mit Moskau (SU,d.Vf.) im Gange waren und das Geld für Investitionen zurückgehalten wurde. Auch VW plant den Bau eines neues Werkes und steht ebenfalls in Verhandlungen mit Moskau. Bekanntlich sind die Opellöhne besonders niedrig."
Q: Zündkerze Nr. 4, Bochum Sept. 1970

24.09.1970:
In Köln streiken, laut KPD/ML-ZB, insgesamt 18 000 Ford-Arbeiter, wobei die 'SBK' allerdings nur 12 000 Streikende im Werk Niehl vermeldet, während die Berliner KPD/AO sich damit begnügt überhaupt den Streik wahrzunehmen.

Laut KPD/ML-ZB hatten 4 000 den Streik mit einem Zug durch das Werk begonnen. Von der Mittagsschicht seien die Ausländer die einzigen gewesen, die die Arbeit nicht wieder aufnahmen. Ein Sprecher der Personalabteilung habe sie als Kriminelle bezeichnet, die sowieso immer zu radikalen Taten neigten. Laut Gruppe Arbeitermacht (GAM) Bonn beginnt in der Frühschicht ein Streik mit einer Demonstration von 400 Kollegen, unter denen sich viele Ausländer befinden, durch das Werk. Daraufhin versammeln sich dann 12 000 am Verwaltungsgebäude. Durch die Solidarität der Spätschicht streiken heute insgesamt 18 000 (vgl. 25.9.1970).

Laut Berichten der KPD/ML-ZB vom 3.10.1970 werden in der Folge 10 Kollegen entlassen, die heute zum Streik aufriefen. Der Betriebsrat habe erklärt, die Kündigungen seien willkürlich ausgesprochen worden und dienten nur dazu in der Tarifverhandlungen Druck zu machen. Durch die Empörung der Kollegen seien 5 Kündigungen zurückgenommen worden, während weitere 5 Kündigungen - gegen ausländische Kollegen - noch bestehen würden.

Die KPD/ML-ZK vermeldet lediglich einen Streik bei Ford.

Laut 'EXI' beteiligen sich 12 000 bei Ford in Köln an einem Warnstreik im Rahmen der Metalltarifrunde (MTR).

Die KPD (vgl. 19.11.1971) berichtet vom "Proteststreik der Kollegen im vorigen Jahr, als sie in berechtigter Wut Maschinen und Autos beschädigten und Vorgesetzte verprügelten. Es waren vor allem türkische Kollegen, die mit in der vordersten Kampffront standen."

Die OG München der KPD/ML-ZK berichtet im IGM-Bereich (vgl. 2.10.1970), es "wurden bei Ford kürzlich zehn streikende Arbeiter willkürlich herausgegriffen und auf die Straße gesetzt."
Q: KPD/ML-ZK-OG München: Heimtückische Spaltungsmanöver, München o. J. (Okt. 1970), S. 1; Express International Nr. 107, Frankfurt 16.10.1970, S. 6;Der Schwartzkopff Hammer Nr. 2, Berlin Okt. 1970;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 36 und 38, Bochum 25.9.1970 bzw. 3.10.1970;Sozialistische Betriebskorrespondenz Nr. 6, Offenbach 12.11.1970;Arbeitermacht Nr. 7, Bonn o. J. (1970);Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken o. Nr.(10),Berlin 5.10.1970;Rote Fahne Nr. 30, Berlin 19.11.1971, S. 6;Roter Morgen Nr. 9, Hamburg Okt. 1970

25.09.1970:
In Köln bei Ford streiken, laut KPD/ML-ZB, 10 000 Kollegen der Frühschicht. Als gegen Mittag ein Teil wieder an die Arbeit ging, sei es zu Auseinandersetzungen zwischen Arbeitswilligen und Streikenden gekommen, woraufhin die Kapitalisten sofort wieder versucht hätten die Ausländer, die größtenteils zur Fortführung des Streikes entschlossen gewesen wären, zu diffamieren. Einigen sei sogar die fristlose Kündigung angedroht worden.

Laut GAM Bonn setzen 8 000 Kollegen der Frühschicht, darunter Türken und Italiener, den Streik von gestern fort.

Die KPD/ML-ZK zählt 15 000 Streikende. Es sei ein Streikkomitee gebildet worden.

Laut BKA Freiburg streiken bei Ford Köln über 10 000 in der größten Arbeitsniederlegung der 40jährigen Firmengeschichte.
Q: Klassenkampf Nr. 2, Freiburg Sept. 1970, S. 2; Roter Morgen Nr. 9, Hamburg Okt. 1970;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 37, Bochum 30.9.1970;Arbeitermacht Nr. 7, Bonn o. J. (1970)

27.09.1970:
Die Rote Arbeiter Gruppe (RAG) Frankfurt und Offenbach gibt eine Sonderausgabe ihrer 'Roten Arbeiter Zeitung' (RAZ) für Collet und Engelhardt (C+E) Offenbach (vgl. März 1971) heraus. Berichtet wird u.a. aus der Metallindustrie in NRW, Hessen, sowie von Ford, Krupp und Opel über "einheitliche Kampfaktionen".
Q: Rote Arbeiter Zeitung Sdr.ausg. C+E, Frankfurt 27.9.1970, S. 4

28.09.1970:
Vermutlich in dieser Woche gibt in Frankfurt und Offenbach die Rote Arbeiter Gruppe (RAG) ihre 'Rote Arbeiter Zeitung' (RAZ) Nr. 6 (vgl. 21.9.1970) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford.
Q: Rote Arbeiterzeitung Nr. 6, Frankfurt Sept. 1970

28.09.1970:
Die Nr. 7 des 'Roten Kabels' (vgl. Aug. 1970) der KPD/ML-ZB und KJVD Betriebsgruppe Kabelwerke Reinshagen Bochum erscheint in dieser Woche datiert auf September mit folgendem Leitartikel zur Metalltarifrunde (MTR):"
KAMPF FÜR DIE VOLLE DURCHSETZUNG DER FORDERUNGEN

Sage und schreibe 7% boten am vergangenen Montag (vgl. 21.9.1970,d.Vf.) die Kapitalisten als Lohnerhöhung für die Metallarbeiter in NRW wie auch in anderen Bezirken!

Diese Unverschämtheit wurde von den Kollegen richtig beantwortet: In zahlreichen Betrieben organisierten sie WARNSTREIKS, so bei HOAG, bei VW in Hannover, beim Schalker Verein (SV in Gelsenkirchen,d.Vf.), bei den Ford-Werken in Köln, in den Werken der Rheinstahl-Henschel AG in Kassel, in den Hüttenwerken Oberhausen (HOAG,d.Vf.), bei Opel Bochum, in Duisburg, Düsseldorf und in anderen Betrieben."
Q: Rotes Kabel Nr. 7, Bochum Sept. 1970

28.09.1970:
Vermutlich heute erscheint in Bonn die Nr. 7 der betrieblichen 'Arbeitermacht' (vgl. 21.9. 1970, 27.10.1970). In "Streik bei Ford in Köln" (vgl. 24./25.9.1970) berichtet man auch noch von Streiks bei Daimler (25 000), KHD (8 000), in allen Opelwerken und in Bremen. In diesem Zusammenhang steht auch der Artikel "Wie verhielt sich die IG Metall-Spitze?", der nicht gerade ein Werbeartikel für diese ist.
Q: Arbeitermacht Nr. 7, Bonn o.J. (1970)

29.09.1970:
In Heidelberg hat die örtliche Ausgabe der Nr. 3 des 'Kommentar zu den Tarifverhandlungen', die immer noch vom Politischen Referat des AStA der Uni herausgegeben wird, 8 Seiten und berichtet im regionalen Teil über Streiks u.a. bei Ford Köln.
Q: Kommentar zu den Tarifverhandlungen - Ausgabe Heidelberg Nr. 3, Heidelberg 29.9.1970

30.09.1970:
Die DKP berichtet aus Dortmund von der heutigen Solidarität mit Ford Köln:"
SOLIDARITÄT MIT DEN VERTRAUENSLEUTEN DER IG METALL BEI FORD KÖLN!

Während in den USA die Arbeiter gegen die Habgier der Ford-Bosse streiken, startet dieser US-amerikanische Großkonzern einen Angriff auf die IG Metall und versucht, durch die Entlassung von zehn Vertrauensleuten im Kölner Ford-Werk seinen Herr-im-Hause-Standpunkt durchzusetzen. Als eine der ersten hat die Vertrauensleute-Vollversammlung des (Hoesch,d.Vf.) Werkes Phönix gegen diesen Angriff auf die Rechte der Arbeiter protestiert (s. Presserklärung).

Text der Presseerklärung
'IG Metall-Vertrauensleute der Hoesch Hüttenwerke AG, Werk Phönix

In unserer Vertrauensleuteversammlung am 30.9.1970 wurde folgende Presserklärung beschlossen:
Aus der Presse haben wir erfahren, daß bei der Fa. Ford AG, Köln, mehrere Vertrauensleute der IG Metall im Zusammenhang mit den dortigen Arbeitsniederlegungen zur Entlassung gekommen sind.
Wir verurteilen derartige Maßregelungen des Arbeitgebers und erklären uns mit den Vertrauensleuten der IG Metall bei der Fa. Ford solidarisch.'

Die DKP ruft dazu auf, sich dem Protest der Vertrauensleute von Phönix anzuschließen und durch entsprechende Protestmaßnahmen die Wiedereinstellung der gewerkschaftlichen Vertrauensleute zu erzwingen."
Q: Heisse Eisen Extrablatt Feine Leute greifen zu unfeinen Mitteln, Dortmund o. J. (Okt. 1970),S.2

Oktober 1970:
Die Nr. 9 des 'Roten Morgens' der KPD/ML-ZK (vgl. Sept. 1970, Okt. 1970) erscheint. Im zweiten Leitartikel heißt es zur MTR:"
NIEDER MIT DEM VERRAT DER IG METALL!

Am Dienstag, den 22. September 1970, fast genau 1. Jahr nach den großen Arbeiterkämpfen von 1969, wurde bei Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln gestreikt. Am Mittwoch folgten die Arbeiter bei Felten und Guilleaume, am Donnerstag die Werktätigen bei Ford und Opel-Bochum diesem Beispiel. Am Freitag machten diese Vorbilder Schule. Empört über das unverschämte 7%-Angebot der Unternehmer verließen über 200 000 Metaller in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und im Saarland ihre Arbeitsplätze. Sie versammelten sich auf Fabrikhöfen und verurteilten entschieden die Ausbeutertaktik der Kapitalisten, die darin besteht, auf Arbeiterkosten riesige Profite herauszuschinden. Hier eine kurze Übersicht der größten dieser Streiks:
- 16 000 bei Opel-Bochum,
- 15 000 bei Ford-Köln,
- 7 500 bei Krupp-Essen,
- 8 000 bei Hoesch Dortmund,
- 4 000 bei HOAG-Oberhausen,
- 14 000 bei Klöckner-Humboldt-Deutz …
DIE ARBEITERKLASSE BEGINNT DAS NIEDERTRÄCHTIGE KOMPLOTT DER GEWERKSCHAFTSBOSSE MIT DEN KAPITALISTEN ZU DURCHSCHAUEN UND ZU BEKÄMPFEN!

Bei Ford in Köln (vgl. 24./25.9.1970,d.Vf.), bei Hoesch in Dortmund (vgl. 25.9.1970,d.Vf.) sowie bei Opel in Bochum (vgl. 24./25.9.1970) und (vgl. 25.9.1970) Rüsselsheim durchkreuzten die Arbeiter die hinterlistige Absicht der IG-Metallführung und der Betriebsräte, durch kurze Warnstreiks die allgemeine Empörung über das unverschämte Unternehmerangebot aufzufangen und die Kollegen unter ihrer Kontrolle zu halten. Streikkomitees wurden spontan gebildet, die die Leitung des Kampfes übernahmen."
Q: Roter Morgen Nr. 9, Hamburg Okt. 1970

RM_1970_09_01


Oktober 1970:
Die DKP Hochschulgruppe Köln gibt vermutlich im Oktober ihre 'DKP Alternativen' Nr. 2 (vgl. Sept. 1970, Nov. 1970) heraus. Eingegangen wird u.a. auf die Metalltarifrunde (MTR) in Hessen, Niedersachsen sowie in Köln bei Ford und Felten und Guillaume (F+G).
Q: DKP Alternativen Nr. 2, Köln o.J. (1970)

02.10.1970:
Die OG München der KPD/ML-ZK gibt vermutlich heute ein Flugblatt zur MTR der IGM heraus:"
HEIMTÜCKISCHE SPALTUNGSMANÖVER

'WAS UNTERSCHEIDET DIE UNTERNEHMER VON DER MAFIA? GAR NICHTS.'
Mit dieser Parole demonstrierten die streikenden Hoesch-Arbeiter in Dortmund (vgl. 25.9.1970,d.Vf.). …
Wenn die Arbeiter die Brocken hinwerfen und sich solidarisieren, greifen die Kapitalisten zu einem härteren Mittel: DIE ENTLASSUNG EINZELNER. So wurden bei Ford (IGM-Bereich in Köln - vgl. 24.9.1970,d.Vf.) kürzlich zehn streikende Arbeiter willkürlich herausgegriffen und auf die Straße gesetzt."
Q: KPD/ML-ZK-OG München: Heimtückische Spaltungsmanöver, München o. J. (Okt. 1970)

12.10.1970:
Die 'Sozialistische Betriebskorrespondenz' (SBK) gibt eine Sonderausgabe für NRW (vgl. 29.9.1970, 12.11.1970) heraus, die sich mit der Metalltarifrunde (MTR) befaßt. Hierbei findet u.a. Erwähnung Ford.
Q: Sozialistische Betriebskorrespondenz Sdr.ausgabe für NRW, Offenbach 12.10.1970

26.10.1970:
Für die DKP berichtet Heinz Czymek vermutlich aus dieser Woche von der MTR der IGM in NRW:"
Der Vorstand der Vertrauensleute der Kölner Ford-Werke empfahl der Belegschaft, bei der Urabstimmung (vgl. 30.10.1970,d.Vf.) für die Ablehnung der elf Prozent zu votieren. Die Vertrauensleute beschlossen weiter, das Material der IG Metall, das die Annahme empfiehlt, nicht an die Belegschaft zu verteilen."
Q: Unsere Zeit Nr. 45, Düsseldorf 7.11.1970, S. 6

30.10.1970:
In der nordrheinwestfälischen Metallindustrie führt die IGM in der MTR eine Urabstimmung über den Einigungsvorschlag von 11% Lohnerhöhung durch (vgl. 23.10.1970, 2.11.1970), die ursprünglich für den 28.10 geplant war. Hierbei kommt es, laut KPD/ML-ZB, zu folgenden Ergebnissen: Insgesamt befürworteten von den über 500 000 organisierten Metallern 33,5% den Kompromiß, während 51,2% dagegen waren und über 15% nicht abstimmten oder sich der Stimme enthielten.

In den Großbetrieben, wo kräftige Warnstreiks stattgefunden hatten, stimmen teilweise über 80% für einen Streik. Daher waren im mittleren Ruhrgebiet, wo die kampfstärksten Betriebe sind, die Ergebnisse (mit Kleinbetrieben) meist so: 20 - 25% ja, 55 - 65% nein, 20 - 30% Enth..

Bei Opel Bochum habe es eine Streikbefürwortung von über 70% gegeben. Auch bei Ford Köln sei die Zahl der Nein-Stimmen hoch gewesen. Deshalb wolle die IGM in diesen beiden Betrieben nun Werkstarifverträge vereinbaren.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 45, 47 und 48, Bochum 26.10.1970, 4.11.1970 bzw. 7.11.1970,S.2, S. 1f bzw. S. 2

30.10.1970:
In der heutigen Urabstimmung in der MTR NRW stimmen, laut DKP, bei Ford Köln 92,2 Prozent gegen das Ergebnis.
Q: Unsere Zeit Nr. 45, Düsseldorf 7.11.1970, S. 1

November 1970:
Die Münchner Arbeiterbasisgruppen (ABG) geben auf November datiert ein Extrablatt ihrer 'Kommunistischen Arbeiterzeitung' (vgl. Okt. 1970, Dez. 1970) heraus, in dem u.a. berichtet wird von Ford Köln.
Q: Kommunistische Arbeiter Zeitung Extrablatt, München Nov. 1970

November 1970:
Im November streiken, laut RFO Saarland, 15 000 bei Ford Köln.
Q: Rote Fahne - Hadir Nr.5,St. Ingbert 15.12.1970

November 1970:
Vermutlich im November oder Anfang Dezember gibt bei Ford Saarlouis die Sozialistische Betriebsgruppe (SBG) der Rote Fahne Organisation (RFO) Saarland erstmals ihre 'Rote Fahne' heraus. Dies ist zugleich die einzige uns vorliegende Ausgabe. Sie wird aber durch die überregionale 'Rote Fahne' (vgl. März 1971) fortgesetzt. Berichtet wird u.a. über Streiks bei Ford Köln.
Q: Rote Fahne - Ford Nr. 1, Saarlouis o. J. (1970)

10.12.1970:
Es erscheint der 'Marburger Betriebsbote' (MBB) Nr.12 (vgl. 19.11.1970, 17.12.1970) und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Marburger Betriebsbote Nr. 12 und 1, Marburg 10.12.1970 bzw. 14.1.1971

15.12.1970:
Die KPD/ML-ZB berichtet (vgl. 23.11.1970):"
VW ERHÖHT DIE PREISE

Nachdem vor drei Wochen Opel die Preise um bis zu 7,7% erhöhte, schlossen sich in den letzten Tagen Porsche, Ford, Audi-NSU und die Deutsche Fiat AG mit Erhöhungen um 3,1 bis zu 6% an. Am 15.12. zog dann auch VW nach."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 60, Bochum 19.12.1970, S. 9

18.12.1970:
Frühestens heute wird ein "Gruppenbericht der RKJ Köln" verfaßt. Darin heißt es:"
b. Die Arbeit der RKJ an der Universität/PH
In der Uni Köln findet zur Zeit eine charakteristische Veränderung statt: Der alte SDS verliert eine Basisgruppe nach der anderen an die Revisionisten, was unter anderem bedingt ist durch die Spannungen innerhalb des SDS. Die Hochschulgruppe um die Redaktion des SDS-Organs 'tup' (theorie und praxis) liegt ungefähr auf der KPD/AO-Linie. Zur Zeit hat sie das Basisgruppenkonzept in Frage gestellt und meidet alle außergewöhnlichen Aktivitäten an der Uni. Bei der anderen Fraktion im SDS handelt es sich um die Betriebsgruppe (PL/PI-Linie), die seit ca. zwei Jahren ohne greifbaren Erfolg in einigen Kölner Großbetrieben (Ford, Felten und Guillaume) arbeitet. Dieser Differenzierungsprozeß lähmt insbesondere die Hochschulgruppe."
Q: RKJ-Info Nr. 9, Mannheim Mitte Januar 1971, S. 1ff

Januar 1971:
In der ersten Nummer von 'Betrieb und Gewerkschaft' - Organ des Zentralen Betriebs- und Gewerkschaftskomitees der KPD/ML-ZK (vgl. März 1971) wird in der Reihe 'Arbeiterkorrespondenten berichten' behauptet, daß bei Ford Köln der Trotzkist und ex-Betriebsratsvorsitzende Görres von anderen Trotzkisten von diesem Posten verdrängt worden sei und deshalb nun sein Unwesen in der Lehrwerkstatt treibe.
Q: Betrieb und Gewerkschaft Nr. 1, Köln Jan. 1971

18.01.1971:
Vermutlich heute erscheint in Bonn die Nr. 10 der betrieblichen 'Arbeitermacht' (vgl. 15.1.1971). In "El Fascismo al Diablo" beschäftigt man sich mit Ford Köln.
Q: Arbeitermacht Nr. 10, Bonn o. J. (1971)

01.02.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche aus Großbritannien:"
STREIKS IN ENGLAND

Bei Ford in England ist die gesamte Produktion stillgelegt. Alle 21 Werke werden bestreikt. Insgesamt streiken 50 000 Arbeiter. Der Streik hat auch für die deutschen Fordwerke (IGM-Bereich,d.Vf.) Folgen: Ersatz- und Unterteile werden knapp. Die Gewerkschaftsverbände fordern eine Lohnerhöhung von 50%. Die Kapitalisten wollen nur 10% zahlen."

Später berichtet die KPD/ML-ZB, vermutlich ebenfalls noch aus dieser Woche:"
Der Streik der 50 000 Fordarbeiter geht unvermindert fort."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 10 und 11, Bochum 6.2.1971 bzw. 10.2.1971, S. 3 und 9 bzw. S. 12

21.02.1971:
Der SDS Köln spaltet sich, laut der Minderheit, die sich weiter SDS und später Kommunistische Gruppe Köln (KGK) nennt, auf seiner heutigen Mitgliederversammlung (MV).

Die Mehrheitsfraktion lehne sich ideologisch an die PL/PI Berlin an. Die Abspaltung der Spontaneisten und 'akademischen Aushilfsproleten', d.h. der vermutlich der Betriebsgruppe (BG) und der Sozialistische Kollektive (SoKo) Fraktion der Hochschulpraxisgruppe (HPG) "stellte eine schwere personelle und technische Schwächung dar". Über die BG heißt es, dies sei "eine Betriebsgruppe, die bei Ford unregelmäßig eine Zeitung herausbrachte und unfähig war, in die Kämpfe der Arbeiterklasse einzugreifen (Metalltarifrunden)" (MTR).
Q: Theorie und Praxis Nr. 8, Köln Nov. 1971

08.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet (vgl. 7.11.1970):"
WEIL-PROZESS

Am 8.3. hat ein britischer Militärrichter in Westberlin den Faschisten Ekkehard Weil wegen des Attentats auf einen sowjetischen Wachsoldaten vor dem sowjetischen Ehrenmal im vergangenen November zu sechs Jahren Haft verurteilt.

DER VERTEIDIGER WEILS, HEYNITZ, IST EIN ALTER FASCHIST UND AGENT DES MONOPOLKAPITALS. Nach seinem Studium war er Direktionsassistent bei Ford, Vertreter der Konzerne bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften, anschließend beim Nazi - 'Reichskommissar für Preisbildung'.

1950 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der reaktionären 'DEUTSCHEN PARTEI', Sammelpartei späterer NPD- und NLA-Funktionäre, heute ist er CDU-Mitglied."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 20, Bochum 13.3.1971, S. 5f

15.03.1971:
Vermutlich Anfang dieser Woche erscheint die 'Rote Westfalenwalze' Nr. 2 der Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD/ML-ZB (vgl. Jan. 1971, 1.3.1971) mit dem Artikel:"
GEGEN LOHNDIKTAT LOHNFORDERUNGEN DER METALLER
MAYR AUF DER V-LEUTE VOLLVERSAMMLUNG

Auch von den rechten Führern der IG Metall werden bereits die Tarifverhandlungen für den Herbst vorbereitet. Die Einschätzung der Tarifrunde 1970 (MTR,d.Vf.), wie sie auf einer Tagung des IGM-Vorstandes getroffen wurde, zeigt schon auf, wie die Bonzen bei den Verhandlungen 1971 vorgehen wollen.

So sagte Mayr vom Hauptvorstand der IGM, der schon beim 10%-Verrat in Hessen (vgl. **.*.1970,d.Vf.) und bei der Figgenschlichtung (vgl. **.**.197*,d.Vf.) seine Finger im Spiel hatte: 'Die Schlichtung hat sich in der Tarifbewegung bewährt.'

Ja, für wen denn? Für die Kapitalisten und ihre Handlanger in der IGM-Führung, doch nicht für die Metallarbeiter! Noch frecher behauptet Mayr: 'Unsere Mitglieder verstehen die Funktion der Schlichtung sehr wohl.' Was die Metaller von der Schlichtung halten, hat sich in der Urabstimmung sehr deutlich gezeigt: in den größten Betrieben, bei Opel und Ford, wurde die Schlichtung mit 89 - 90% abgelehnt. Um solche Peinlichkeiten bei den nächsten Tarifverhandlungen zu vermeiden, soll künftig die Schlichtung erst nach der Urabstimmung stattfinden."
Q: Die Rote Westfalenwalze Nr. 2, Dortmund 1971

26.04.1971:
Bei der Lehrwerkstatt von Ford Köln gibt die KPD/ML-ZK, nach eigenen Angaben, in dieser Woche die 'Zündkerze' zur Maivorbereitung heraus.
Q: Roter Morgen Nr. 5, Hamburg Mai 1971, S. 6

Mai 1971:
Der 'Rote Morgen' Nr.5 (vgl. April 1971, Juni 1971) berichtet von Ford in England und Köln.
Q: Roter Morgen Nr. 5, Hamburg Mai 1971, S. 3

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Juni 1971:
Bei Ford Köln gibt die DKP ihren 'Ford Prüfstand' Nr. 37 und 38 (vgl. Juli 1971) heraus.
Q: Der Ford Prüfstand Nr. 37 und 38,Köln Juni 1971

14.06.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche über die SPD-BG:"
Auch die Kölner SPD-Führer haben beschlossen, eine Betriebszeitung für die Ford-Werke herauszubringen: 'SPD-Ford-Express' (bei Ford erscheint die Betriebszeitung der KPD/ML 'DAS ROTE SCHWUNGRAD')."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 49, Bochum 26.6.1971, S. 8

Juli 1971:
Es erscheint der 'Rote Pfeil' Nr. 17 (vgl. 1971, Okt. 1971) der KSG des KAB/ML mit Streikberichten auch von Ford Großbritannien, wozu es auch heißt:"
Die englischen Fordarbeiter bekamen Unterstützung in Frankreich und Belgien: Gewerkschafter boykottierten die Telefonvermittlung nach Großbritannien. Die Internationale Metallarbeiterföderation erklärte sich mit dem Streik der englischen Fordarbeiter solidarisch. Sie faßte den Beschluß, Streikbrechermaßnahmen der Fordbosse - zum Beispiel verstärkte Überstunden in den Fordwerken anderer Länder - abzuwehren. Die Kölner Fordarbeiter schickten ihren englischen Kollegen ein Solidaritätstelegramm, in dem es hieß: 'Wir wünschen euch für euren Kampf vollen Erfolg, denn die Solidarität aller Fordarbeiter in Europa wird stärker sein als das Diktat der Unternehmer!'".
Q: Roter Pfeil Nr. 17, Tübingen Juli 1971, S. 25

Juli 1971:
Es erscheint die Nr. 7 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Juni 1971, Aug. 1971).

Enthalten sind auch "Ford-News" über den "Gesamtbetriebsrat Ford-Saarlouis", der der Samstags- und Sonntagsarbeit vor dem Betriebsurlaub zugestimmt habe.
Q: Befreiung Nr. 7, Mülheim Juli 1971, S. 17

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Juli 1971:
Bei AG Weser Bremen gibt der KBB die Nr. 3 seines 'Brenners' (vgl. Juni 1971, Sept. 1971) heraus und befaßt sich u.a. mit Ford Köln bzw. der dortigen 125 DM-Forderung für die MTR.
Q: Der Brenner Nr. 3, Bremen Juli 1971, S. 5

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Juli 1971:
Bei Ford Köln gibt die DKP vermutlich im Juli ihren 'Ford Prüfstand' Nr. 39 (vgl. Juni 1971, Aug. 1971) für Juli/Aug. heraus.
Q: Der Ford Prüfstand Nr. 39, Köln Juli/Aug. 1971

12.07.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet spätestens aus dieser Woche:"
SPD-BETRIEBSZEITUNGEN HETZEN GEGEN DIE KPD/ML

Die SPD-Führer wollen in der Metalltarifrunde (MTR,d.Vf.) das Lohndiktat durchsetzen. Die Löhne sollen in die staatliche Zwangsjacke gepreßt und die Pläne für Streikverbot und Zwangsschlichtung vorbereitet werden.

Um diese sozialfaschistische Politik auf unterster Ebene, im Betrieb, durchzusetzen, sind die SPD-Führer gezwungen, das ständige Wachsen des politischen Einflusses der KPD/ML in den Arbeitermassen zu verhindern. Diesem Zweck sollen u.a. die jetzt an mehreren Orten aus dem Boden gestampften ZEITUNGEN VON SPD-BETRIEBSGRUPPEN dienen; nach Daimler in Mannheim (vgl. 1.6.1971,d.Vf.) sind jetzt bei Ford in Köln und bei Hoesch in Dortmund (vgl. 28.6.1971,d.Vf.) zwei SPD-Blättchen erschienen, bei denen die PROPAGANDA FÜR DIE REFORMEN DER SPD-REGIERUNG UND DIE HETZE GEGEN DIE KPD/ML AN ERSTER STELLE STEHEN …

Bei Ford in Köln unterstützen die SPD-Führer in ihrem 'Ford-Express' sogar offen die Krisenangriffe auf die Ford-Arbeiter und versuchen die Illusionen in der Arbeiterklasse über Mitbestimmung zu verstärken:

'Durch die geänderte Modellpolitik in den Ford-Werken ist es im Gehaltssektor zu einem weiteren Mitarbeiterüberhang gekommen. Um eventuellen schweren Maßnahmen vorzubeugen, ist beabsichtigt, den Kollegen, die nach der Foveruka (?,d.Vf.) Anspruch auf Werksrente haben, eine vorzeitige Pensionierung zu ermöglichen. Die Personalverwaltungen werden die Betroffenen ansprechen und mit ihnen alle Bedingungen aushandeln. Die SPD-Betriebsgruppe bitte alle Kollegen, sich an den Betriebsrat zu wenden, damit dieser ihnen bei den Verhandlungen hilft. Der Betriebsrat wird wiederum aufgefordert, sein Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht voll auszuschöpfen. Dies gilt nicht nur für vorzeitige Pensionierungen, sondern auch für eventuell beabsichtigte Versetzungen und Entlassungen.' Neben der Propaganda für die Regierungspolitik und dem Ablenken vom Lohndiktat als staatliche Zwangsmaßnahme ('Die Regierung kann keine Lohnleitlinien setzen, denn die Gewerkschaften besitzen die Tarifhoheit') steht dann natürlich die Hetze gegen die KPD/ML: '…Dies ist ein Beispiel mehr dafür, daß sich Mitglieder der SPD-Betriebsgruppe und ihre Genossen an der Basis für die Interessen der Arbeitnehmer… einsetzen. Da wird kein leeres Stroh gedroschen, ohne Aussicht auf Realisierung - wie bei der KPD - hier können durch unsere Mandatsträger echte politische Arbeit geleistet und Arbeitnehmerinteressen verwirklicht werden.'

Der 'Ford-express' und die 'Argumente' liegen damit genau auf der Linie, die die SPD-Führer auf der 1.Bundesarbeitnehmerkonferenz in Schweinfurt (vgl. 10.10.1970,d.Vf.) und auf dem Dortmunder Parteitag (vgl. 20.3.1971,d.Vf.) festgelegt haben: der Kampf gegen die Kommunisten und die Propaganda für die Regierungspolitik sind die wichtigsten Aufgaben der SPD-Betriebsgruppen".
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 55, Bochum 21.7.1971, S. 15f

19.07.1971:
In der Nr. 14 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 5.7.1971, 2.8.1971) finden sich u.a. Berichte über die SPD-Betriebsgruppe und die KPD/ML-ZB Betriebszelle bei Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 14, Bochum 19.7.1971, S. 5

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August 1971:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg berichtet ungefähr aus dem August von der Streikverhinderungstaktik der IG Metall (IGM) in der Metalltarifrunde (MTR) (vgl. 4.9.1971):"
Zuerst wurden über die Tarifkommissionen dort, wo aus den Betrieben höhere Forderungen kamen (FORD), diese auf 11% zusammengestrichen. Wo die Tarifkommission die höhere Forderung übernahm, wie in Bremen, griff der Hauptvorstand selbst zum Rotstift. Resultat: Höchste Forderung 11%."
Q: Klassenkampf Extrablatt An alle Metaller, Freiburg 3.11.1971, S. 2

August 1971:
Es erscheint die Nr. 8 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Juli 1971, Nov. 1971) mit dem Artikel "Ford-News. Ford-Ledigenheim (Bullenkloster)", von denen es ca. 50 gebe, je 1 deutsches und 1 jugoslawisches, 2 italienische und den Rest türkische Heime, wobei berichtet wird aus einem Heim in der Gronauer Str. 51, Köln-Mülheim mit ca. 80 % Deutschen und ca. 20 % Jugoslawen.
Q: Befreiung Nr. 8, Mülheim Aug. 1971, S. 3

Befreiung_293


August 1971:
Bei Ford Köln gibt die DKP ihren 'Ford Prüfstand' Nr. 40 (vgl. Juli 1971) heraus.
Q: Der Ford Prüfstand Nr. 40, Köln Aug. 1971

August 1971:
Nach eigenen Angaben findet wahrscheinlich Ende August im Rahmen der Metalltarifrunde (MTR) 1971 eine Kurzkundgebung der KPD/ML-ZB vor Ford Köln statt. Die Kurzkundgebung soll ein großer Erfolg gewesen sein.:"
Die Zeitung der KPD/ML-Betriebsgruppe, Rote Schwung-Scheibe, die am nächsten und übernächsten Tag verteilt wurde, kam bei den Kollegen gut an. … Der Einsatz von politischer Polizei und Ausländerpolizei bei der Kurzkundgebung und beim Verteilen der Betriebszeitung bestätigte voll die Einschätzung der Genossen aus dem betrieblichen Kampfprogramm. … Bei der Kundgebung und an den Tagen danach beim Verteilen bemerkten wir den massiven Einsatz der politischen Polizei und der Ausländerpolizei. … Wir konnten sehen, daß die Subjekte von der PoPo ohne irgendeinen Ausweis auf das Werksgelände fahren konnten. Wie immer wurde fotografiert und Autonummern wurden aufgeschrieben. … Der Ford-Werksschutz trat nicht in Aktion, weil er - wie wir erfuhren - nicht groß in die Zeitung kommen wollte."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 66, Bochum 1.9.1971, S. 7f

23.08.1971:
In Berlin erscheint vermutlich in dieser Woche die Nr. 17 des 'Klassenkampf' für August als Zeitung der Betriebszellen und Betriebsgruppen der Proletarischen Linken / Parteiinitiative (PL/PI - vgl. 17.7.1971, Sept. 1971) in einer allgemeinen Ausgabe. Berichtet wird von der Metalltarifrunde (MTR) der IGM u.a. aus Köln, u.a. von Ford.
Q: Klassenkampf Nr. 17, Berlin Aug. 1971, S. 1

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23.08.1971:
In dieser Woche erscheint in Berlin die zweite Augustausgabe der 'Kommunistischen Arbeiterpresse AEG Telefunken' der KPD die Nr.24 (vgl. 2.8.1971, 13.9.1971) mit dem Artikel zur Metalltarifrunde (MTR) "Gegen kapitalistische Lohndisziplin, gegen Stillhaltepolitik der IGM-Führer: 120 DM mehr für alle!", der berichtet von den linearen Forderungen in der IGM Düsseldorf und bei Klöckner Düsseldorf, bei Hoesch Dortmund, Klöckner Bremen und Ford Köln.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG-Telefunken Nr.24,Berlin Aug. 1971, S. 2

25.08.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr. 64 (vgl. 21.8.1971, 28.8.1971) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 64, Bochum 25.8.1971

25.08.1971:
Der BKA Freiburg berichtet von der Aufstellung der Forderung für die Metalltarifrunde (MTR) in Baden-Württemberg:"
IG METALL FÜHRUNG FORDERT 11% - EINSCHWENKEN AUF SPD-LOHNLEITLINIEN

Gestern Nachmittag hat die IG Metall Bezirk Baden-Württemberg in Sindelfingen die Forderungen für die kommenden Tarifverhandlungen bekanntgegeben. Für die Arbeiter und Angestellten sollen die Löhne im nächsten Jahr um 11% erhöht werden.

Diese Forderung der IG Metall-Führung, zuvor wurden schon in Hamburg 10% und für Bremen 11% gefordert, soll die Kollegen auf einen Abschluß in Höhe der SPD-Lohnleitlinien vorbereiten (vgl. 21.8.1971,d.Vf.). …

Die 10-11%-Forderung der IG Metall-Führung widerspricht den Forderungen der Kollegen aus den Betrieben in der ganzen Bundesrepublik. Die Kollegen von Hoesch in Dortmund, von Ford in Köln, Klöckner in Bremen hatten eine Lohnerhöhung von mindestens 15% gefordert."
Q: Klassenkampf Extrablatt, Freiburg 26.8.1971, S. 3

26.08.1971:
Es findet eine Sitzung der Großen Tarifkommission (GTK) der IG Metall (IGM) anläßlich der Eisen- und Stahltarifrunde (STR) in NRW statt. Die DKP berichtet bei Hoesch Dortmund:"
GROSSE TARIFKOMMISSION FÜR EISEN UND STAHL IN NRW MIT KNAPPER MEHRHEIT FÜR 10%-FORDERUNG

Die Forderungen von 10% sind völlig unzureichend. Sie entsprechen weder den Forderungen der Arbeiter und Angestellten der Betriebe, noch den Zielvorstellungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Es ist bekannt: Die Kollegen der Westfalenhütte in Dortmund, von Mannesmann (MM,d.Vf.) in Duisburg, Klöckner in Bremen und Ford in Köln fordern eine Lohnerhöhung von 15%. Sind diese Forderungen von 15% berechtigt? JA!"
Q: Heisse Eisen Extrablatt Grosse Tarifkommission für Eisen und Stahl in NRW mit knapper Mehrheit für 10%-Forderung, Dortmund o.J. (1971),S.1

27.08.1971:
In der 'Roten Fahne' Nr. 24 (vgl. 13.8.1971, 10.9.1971) berichtet die KPD u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 24, Berlin 27.8.1971

28.08.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr. 65 (vgl. 25.8.1971, 1.9.1971) mit dem Leitartikel "Vorbereitung des Lohndiktats auf breiter Front - Tarifkommissionen fordern 10%" heraus.

Es erscheint auch Teil IV. der Artikelserie zur Metalltarifrunde (vgl. 4.8.1971). Teil IV beschäftigt sich mit der Metalltarifrunde 1970:"
Nach dem Abschluß setzte die von Brenner geleitete Aufklärung in den Betrieben ein, die zwar dazu führte, daß das Ergebnis angenommen wurde, die aber auch den Einfluß der Sozialdemokratie entscheidend schwächte. Das zeigt das Abstimmungsergebnis sehr deutlich: 51,19% lehnten das Ergebnis ab, und sprachen sich damit für Streik gegen den Schlichtungsverrat aus. Nur 33,48% stimmten dem Abschluß zu, der Rest der Kollegen ging gar nicht zur Abstimmung hin. In den gleichen Betrieben wie bei Ford und Opel wurde der Schlichtungsverrat mit 70 bis 80% Gegenstimmen abgelehnt."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 65, Bochum 28.8.1971

September 1971:
In der Nr. 9 seines 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) (vgl. 14.8.1971, Okt. 1971) berichtet der KJVD der KPD/ML-ZB u.a. von Ford Köln:2
Bei Ford in Köln zum Beispiel waren es SPD-Betriebsräte, die die Polizei geholt haben, um den Verkauf der ROTEN FAHNE und des KAMPF DER ARBEITERJUGEND zu verhindern."
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 9, Bochum Sept. 1971, S. 3

September 1971:
Bei Hadir - Arbed St. Ingbert gibt die Rote Fahne Organisation (RFO) Saarland bzw. die Sozialistische Betriebsgruppe (SBG) der Hadir die Nr. 12 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 21.7.1971, Dez. 1971) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford.
Q: Rote Fahne - Arbed o. Nr.(12), St.Ingbert o. J. (1971)

01.09.1971:
Vermutlich zu Beginn des Monats gibt die KPD in NRW einen 'Sonderdruck zur Metalltarifrunde' (MTR der IGM) ihrer 'Roten Fahne' (RF-SD) zu den Sitzungen der IGM-Tarifkommissionen für die Metalltarifrunde (MTR - vgl. 27.8.1971) bzw. Stahltarifrunde (STR - 26.8.1971) heraus. Kontaktadressen werden angegeben für Dortmund und Düsseldorf. Der Text der Rückseite lautet u.a.:"
DIE EINHEITLICHE KAMPFFRONT ORGANISIERT VERBREITERN!

Wie in den anderen Tarifbezirken zuvor, forderte die große Tarifkommission der IG Metall auch für NRW 10% für die Eisen- und Stahlindustrie und 9% für die metallverarbeitende Industrie.

Für die Stahlarbeiter bedeutet das für die höchste Lohngruppe 61 Pfennig - und für die unterste Lohngruppe nur 39 Pfennig mehr!

So liegt die spalterische Prozentforderung um 50% unter den Mindestforderungen aus verschiedenen Großbetrieben, z.B. Hoesch-Westfalenhütte 75 Pfennig (in Dortmund,d.Vf.), Klöckner 80 Pfennig (vermutlich Klöckner VDI in Düsseldorf,d.Vf.), Ford (in Köln,d.Vf.) 85 Pfennig. 10% auf den Tariflohn sichert nicht den Effektivlohn und fängt noch nicht einmal die Preis- und Mietsteigerungen auf."
Q: Rote Fahne Sonderdruck NRW zur Metalltarifrunde, Berlin Sept. 1971

Dortmund_Hoesch_KPD009


06.09.1971:
Heute soll die Große Tarifkommission (GTK) Bayern der IGM die Forderungen für die Metalltarifrunde (MTR) aufstellen.

Von der Forderung nach 10% berichten in München auch die Rote Druckerei-Arbeitergruppe der KPD/ML-ZK (DruPa-Bereich - vgl. 13.9.1971) sowie im IGM-Bereich die KPD/ML-ZK bei BMW (vgl. 13.9.1971) und Siemens (vgl. 20.9.1971) vermutlich gleichlautend:"
HINTER DEN KULISSEN: MITGLIEDER BESCHISSEN!

Jetzt ist die IG Metall mit ihren Forderungen rausgerückt:
IN BAYERN GANZE 10%!

UND DIE ARBEITER WOLLEN 15%!

Aber auf diesem Ohr sind die DGB-Bonzen taub, dafür aber für die 'Sorgen' und 'Nöte' der Unternehmer umso hellhöriger. Die 15%, die die Kollegen von Opel, Ford, Hoesch, Mannesmann, Siemens usw. aufgestellt haben, werden in den Wind geschlagen. Die gewerkschaftliche Demokratie ist Brenner einen Dreck wert. Mit welch kaltblütiger Demagogie wurden nicht die fortschrittlichen Vertrauensleute auf den Vertreterversammlungen niedergebügelt? Jeder Ansatz von Opposition wurde im Keim erstickt."
Q: Der Druckerei Arbeiter Nr. 4, München Sept. 1971, S. 19; Roter Lautsprecher Nr. 1, München Sept. 1971, S. 18ff

06.09.1971:
Vermutlich zu Beginn dieser Woche gibt die KPD bei Hoesch Dortmund die Nr. 2 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 9.8.1971, 20.9.1971) - Betriebszeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands - mit einem Leitartikel zur MTR bzw. STR heraus:"
120 DM MEHR FÜR ALLE! 10% SIND EIN HOHN!

Die große Tarifkommission von Nordrhein-Westfalen hat ihre Forderungen aufgetischt: 10% für die Eisen- und Stahlindustrie (vgl. 26.8.1971,d.Vf.), 9% für die Metallverarbeitung (vgl. 27.9.1971,d.Vf.). Wie in den anderen Tarifbezirken (Hamburg und Schleswig-Holstein 10%, Oldenburg und Hannover 10,3% bzw. 10,4%, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Westberlin 11%) bereitet sie mit diesen Forderungen einen verräterischen Abschluß innerhalb der Lohnleitlinien unter 7,5% vor.

Kollegen, wer von uns hat jemals von 9, 10 oder 11% geredet?
75 Pfennig mehr für alle, das ist die Forderung der Vertrauensleute der Westfalenhütte,
80 Pfennig mehr für alle - Klöckner Hütte Bremen,
65 Pfennig mehr für alle - Mannesmann-Werke Duisburg (MM,d.Vf.),
100 DM mehr für alle - Klöckner-Drahtwerke Düsseldorf (VDI,d.Vf.),
85 Pfennig mehr für alle - Ford-Werke Köln,
75 Pfennig mehr für alle - Maschinenfabrik Deutschland (MFD Dortmund,d.Vf.).
Das sind die Forderungen der Stahl- und Metallarbeiter.

Die 10%-Forderung liegt für die große Mehrheit der Kollegen um ein Drittel unter diesen Mindestforderungen. In der Stahlindustrie bedeutet sie für die höchste Lohngruppe 61 Pfennig mehr, für Lohngruppe 1 ganze 39 Pfennig mehr. Das heißt: die 10% liegen nicht nur erbärmlich niedrig, die spalterische Prozentforderung vergrößert weiter die Unterschiede zwischen den Lohngruppen."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 2, Dortmund Sept. 1971

06.09.1971:
Die DKP gibt bei Hoesch Dortmund vermutlich in dieser Woche eine auf September datierte Ausgabe ihrer 'Heisse Eisen' (vgl. 30.8.1971, 20.9.1971) mit folgendem Leitartikel heraus:"
REALEINKOMMEN SICHERN - DURCH GEMEINSAME AKTIONEN

Schwarzmalerei soll unter den Metallarbeitern Unsicherheit erzeugen. Viele Betriebe verlangen von den Belegschaften nach wie vor Überstunden. Bei Ford in Köln wurde für September 1971 die 6-Tage Woche wieder eingeführt."
Q: Heisse Eisen Realeinkommen sichern - durch gemeinsame Aktionen, Dortmund Sept. 1971

08.09.1971:
Bei Hoesch Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 20.9.1971) berichtet die KPD:"
STADTTEILVERSAMMLUNG DER IGM IN BRACKEL

Etwa 25 Kollegen waren zu der letzten Stadtteilversammlung der IGM am 8.9.1971 in Brackel gekommen, hauptsächlich Vertrauensleute der drei Hoesch-Werke sowie von Rheinstahl und von Pohlschröder. Es sollte an diesem Abend um die Tarifrunde (MTR bzw. STR,d.Vf.) gehen. Da fast alle anwesenden Kollegen eindeutig hinter den linearen Forderungen der verschiedenen Vertrauensleutekörper (z.B. Westfalenhütte, Klöckner (vermutlich Düsseldorf, d.Vf.) und Ford (Köln,d.Vf.)) standen, war man gespannt auf die Auseinandersetzung mit dem Abgesandten der IGM-Spitze, der das Referat zur Tarifrunde hielt."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 3, Dortmund Sept. 1971, S. 2f

16.09.1971:
Bei Opel Bochum findet eine Betriebsversammlung (BV - vgl. 1.7.1971, **.**.1971) statt.

Zentral (vgl. 3.12.1971) und bei Opel Bochum berichtet die KPD (vgl. 6.12.1971) in einer Arbeiterkorrespondenz (vgl. 6.10.1971) u.a. von der Metalltarifrunde (MTR):"
Am 30.8.1971 wurde von der IG Metall der am 30.9.1971 auslaufende Tarifvertrag mit Gesamtmetall gekündigt. In der ersten Septemberhälfte (vgl. 27.8.1971,d.Vf.) tagte dann in Bochum die Tarifkommission der IG Metall zur Aufstellung der gewerkschaftlichen Forderungen. Von jener Sitzung der Tarifkommission berichtete das Opel-Kommissionsmitglied Beiske auf der Betriebsversammlung vom 16.9.1971 :'11% standen im Raum. Dann legte man eine Verhandlungspause ein. Und siehe da; nach der Pause waren es nur noch 9%'.

Demgegenüber hatten die Kollegen der größten Metallbetriebe in NRW, wie Opel und Ford lineare Forderungen aufgestellt, die bei 15% bzw. zwischen 100 bis 150 DM Lohnerhöhung für alle gelegen hatten."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr.1,Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage beschädigt),S.4; Rote Fahne Nr. 31, Berlin 3.12.1971, S. 5

20.09.1971:
Vermutlich spätestens in dieser Woche erscheint zum 10. IGM-Tag in Wiesbaden (vgl. 27.9.1971) Unter dem Titel 'Sozialistische Gewerkschafts Politik' (SOGEPO) eine gemeinsame Ausgabe von 'Sozialistischer Betriebskorrespondenz' (SBK) des SBO (vgl. 10.6.1971, 10.11.1971) und 'Göttinger Betriebszeitung' (GBZ) und geht u.a. auf Ford ein.
Q: Sozialistische Betriebskorrespondenz/Göttinger Betriebszeitung:Nr.4 bzw. Ausgabe zum 10. IGM Tag in Wiesbaden, Offenbach 20.5.1971

20.09.1971:
Bei Hoesch Dortmund gibt die DKP vermutlich in dieser Woche ihre 'Heisse Eisen' (vgl. 6.9.1971, 11.10.1971) auf den 2. September datiert heraus. Veröffentlicht werden eine Reihe von Zuschriften, u.a.:"
LESERBRIEF EINES MEHR ODER WENIGER DENKENDEN ARBEITERS ZUR TARIFRUNDE 1971
AKTION 'TRIMM DICH'

Wer hat ein Gewissen?
ALLE haben ein Gewissen! - Nur die Vertrauensleute der HOESCH-Westfalenhütte haben keins!
Die Vertreterversammlung in Oberhausen hat keins!
Die Vertrauensleute der Opel AG in Bochum haben keins!
Die Vertrauensleute der Ford-Werke in Köln haben keins!
Denn sie stellten eine Lohnforderung, die keine Gewissensentscheidung war, sondern ausschließlich von den Interessen der Kollegen ausging. …"
Q: Heisse Eisen Verdächtige Stille…, Dortmund 2.9.1971

22.09.1971:
Der Bund Kommunistischer Arbeiter (BKA) Freiburg gibt seinen 'Klassenkampf' Nr. 13 (vgl. 26.8.1971, 13.10.1971) heraus. Der erste Leitartikel befaßt sich mit der MTR:"
METALLTARIFRUNDE
GEGEN DIE ANGRIFFE DER KAPITALISTEN UND IHRES STAATES

Die IG Metall-Spitze verhinderte, daß diese 15%-Forderung der Kollegen aus den kampfstärksten Betrieben, wie Hoesch in Dortmund, Ford in Köln, Klöckner in Bremen zur einheitlichen Forderung aller Metallarbeiter wurde."
Q: Klassenkampf Nr. 13, Freiburg 22.9.1971

30.09.1971:
Die RJ/ML des KAB/ML berichtet anläßlich der heute beginnenden Metalltarifrunde (MTR):"
METALLLER KAMPFENTSCHLOSSEN. KOLLEGEN FORDERN 15% MEHR LOHN

PROFITE UNVERMINDERT HOCH

KHD zahlt 16% Dividende aus, Hoesch 19%, Daimler-Benz 18,5%, Krauss-Maffei 20%. Die Siemens AG trieb ihren Nettoprofit im vergangenen Jahr
um sage und schreibe 60% nach oben. Bei VW, Ford, Opel, in allen anderen Großbetrieben sieht es nicht anders aus. Durchschnittlich sind die Unternehmerprofite 1970 um über 13% gestiegen. Die Aktionäre können sich die Hände reiben. An diesen Zahlen können die Arbeitenden das Geplärr der Kapitalisten und ihre Verbände messen, 'wie schlecht es ihnen doch gehe' usw., nichts als Lug und Trug.

KAMPF DEM LOHNDIKTAT! RAUS AUS DER KONZERTIERTEN AKTION!
Q: Rebell Nr. 35, Tübingen Sept. 1971, S. 1ff

Oktober 1971:
Die Nr. 10 des 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) (vgl. Sept. 1971, Nov. 1971) des KJVD der KPD/ML-ZB erscheint. U.a. wird berichtet aus Köln von Ford u.a. über das Jungarbeiterheim und die SDAJ-Diskussion zur Metalltarifrunde mit dem Ford-Jugendvertreter Kuckelhorn.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 10,Bochum Okt. 1971, S. 4f

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Oktober 1971:
Die Nr. 8 des 'Parteiarbeiter' - Funktionärsorgan der KPD/ML-ZB (vgl. Sept. 1971, Nov. 1971) erscheint. Im "Politischen Bericht des Zentralbüros" formuliert das Politbüro u.a.:"
Die Gruppe Neue Einheit (KPD/ML-NE,d.Vf.) ist jetzt endgültig vom KAB und Dickhut getrennt und hat mit ihrem neuen ZO 'Revolutionäre Stimme' ihre ökonomistische und rechtsopportunistische Politik vor den wichtigsten westdeutschen Großbetrieben vertrieben (Klöckner, Ford, Mannesmann, Hoesch) … Der Abfall der Gruppe Neue Einheit war ein scharfer Schlag für die KAB/Dickhut Gruppe, die jetzt nicht viel mehr als ein baden-württembergischer Zirkel mit Anhängseln im Saarland und in NRW ist. Dem entsprechen gewisse Tendenzen zur ideologischen Verfaulung im KAB".
Q: Der Parteiarbeiter Nr. 8, Bochum Okt. 1971

Oktober 1971:
Bei Hoesch Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 1.11.1971) berichtet die KPD vermutlich aus dem Oktober über die Drohungen der Kapitalisten, "wie neulich bei Ford Köln, wo die Konzernleitung in einem Flugblatt der Kollegen drohte:
'WER DARF ZU EINEM STREIK AUFRUFEN?

Ein Streik darf nur von einer Gewerkschaft begonnen und durchgeführt werden. Wird er von einer Einzelperson oder einer Personengruppe veranlaßt, ohne daß die Gewerkschaft ihn ausdrücklich billigt und seine Durchführung übernimmt, so ist er illegal. Auch der Betriebsrat darf in keinem Fall zu einem Streik aufrufen. Er ist vielmehr gesetzlich verpflichtet, im Zusammenwirken mit der Geschäftsleitung alles zu unternehmen, um einen Streik zu verhindern.' Und weiter:

'WELCHE FOLGEN HAT DIE TEILNAHME AN EINEM ILLEGALEN STREIK?

Wer an einem illegalen Streik teilnimmt
- erhält für die nicht gearbeitete Zeit kein Entgelt
- kann wegen Bruch seines Arbeitsvertrages fristlos entlassen werden
- ist für alle Schäden haftbar, die dem Arbeitgeber aus Anlaß des illegalen Streiks entstehen.'"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 5, Dortmund Nov. 1971, S. 4

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Oktober 1971:
Bei Ford Köln gibt die Rote Garde der KPD/ML vermutlich im Oktober eine Ausgabe ihrer Lehrlingszeitung 'Die Zündkerze' heraus, die sich im Leitartikel "Lehrling von heute - Führungskraft von morgen?" mit den neuen Lehrlingen befasst.

Weitere Artikel sind:
- "Unsere Ausbildung dient nur einer Zukunft: der des kapitalistischen Systems!";
- "Vorteile die ins Auge springen";
- "Was will die Rote Garde?"; sowie
- ein Comic zu Ford mit Zeichnungen von Robert Crumb.
Q: Die Zündkerze Lehrling von heute - Führungskraft von morgen?, Köln o. J. (1971)

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04.10.1971:
In Düsseldorf erscheint die Nr. 1 der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' der KPD für Klöckner (Vereinigte Drahtindustrie) spätestens diese Woche.
Im Leitartikel, der ein wenig dem Leitartikel der KAP Hoesch Dortmund (vgl. 6.9.1971) nachempfunden ist, wird zu MTR bzw. STR gefordert:"
DURCHKREUZT DIE TAKTIK DER IGM-SPITZE!

ENTSCHLOSSEN FÜR EINHEITLICHE LOHNFORDERUNGEN KÄMPFEN

Die verräterische Forderung der IG-Metallspitze von 9 Prozent bei Metall und 10 Prozent bei Stahl ist fast in allen Betrieben des Bundesgebietes auf Ablehnung der Kollegen gestoßen. Denn wer von uns hat jemals von spalterischen 9, 10 oder 11 Prozent geredet

75 Pfennig mehr für alle, das ist die Forderung der Vertrauensleute der Westfalenhütte (Hoesch Dortmund,d.Vf.)
80 Pfennig mehr für alle - Klöckner Hütte Bremen
65 Pfennig mehr für alle - Mannesmann-Werke Duisburg (MM,d.Vf.),
100 DM mehr für alle - Klöckner-Drahtwerke Düsseldorf (VDI,d.Vf.),
85 Pfennig mehr für alle - Ford-Werke Köln,
75 Pfennig mehr für alle - Maschinenfabrik Deutschland (MFD Hoesch Dortmund,d.Vf.)

DAS SIND DIE FORDERUNGEN DER STAHL- UND METALLARBEITER!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Klöckner Nr. 1, Düsseldorf Okt. 1971

07.10.1971:
Die KPD (vgl. 22.10.1971) berichtet aus Berlin von den Fahrpreiserhöhungen bei der BVG (vgl. 10.7.1971, 8.10.1971):"
ÜBER 200 KOLLEGEN KAMEN AM 7.10. ZU DEN ARBEITERRUNDEN DER KPD IN DREI STADTTEILEN
BERICHT AUS DEM WEDDING

Oder können uns diese Besserwisser, die sich als Mitglieder der KPD/ML ('Neue Einheit' (KPD/ML-NE,d.Vf.)) herausstellten, sagen, warum sonst Arbeiter, die die gleiche Arbeit verrichten, verschieden bezahlt werden?

Dagegen unterstützt die Masse der Kollegen lineare Forderungen; nicht nur in der Bundesrepublik, wo mehrere Großbetriebe wie Hoesch, Klöckner, Ford usw. solche Forderungen aufgestellt haben, sondern auch in Westberlin: Kollegen berichten von Aktionen, die diese Forderungen allgemein zum Ausdruck bringen und die aufschlußreich für die Wünsche der Kollegen sind. Wünsche verwirklichen sich aber nicht von allein; man muß sie durchsetzen, für sie kämpfen."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse AEG Telefunken Nr. 27, Berlin Oktober 1971; Rote Fahne Sdr.druck Okt. 1971 und Nr. 28, Berlin Okt. 1971 bzw. 22.10.1971

15.10.1971:
In der Nr. 6 seines 'Jungen Bolschewik' (vgl. Sept. 1971, 15.11.1971) veröffentlicht der KJVD der KPD/ML-ZB seinen "Politischen Bericht des KJ-Inform". Darin heißt es u.a. zur "Revolutionären Bewegung in Westdeutschland":"
Die Gruppe Neue Einheit (KPD/ML-NE,d.Vf.), die sich inzwischen vom KAB getrennt hat, hat ihren Wirkungskreis auf wichtige Betriebe Westdeutschlands (Hoesch, Mannesmann, Ford, Klöckner) (in NRW bzw. Bremen,d.Vf.) ausgedehnt und verteilt dort ihr Zentralorgan Revolutionäre Stimme."
Es wird u.a. berichtet aus Köln über die SDAJ und von Ford Köln, u.a. über das Jungarbeiterheim.
Q: Der Junge Bolschewik Nr. 6, Bochum 15.10.1971, S. 18 und 30

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28.10.1971:
In der Metalltarifrunde (MTR) von Nordbaden-Nordwürttemberg (NB/BW) beginnen, laut RKJ der GIM, die Schlichtungsverhandlungen.

Die KPD (vgl. 5.11.1971) berichtet:"
WEG MIT DER SCHLICHTUNG!
WEG MIT DER 7,5% SCHMIERENKÖMODIE VON STUTTGART!

MIT DER PROPAGIERUNG DER EINHEITLICHEN FORDERUNGEN NACH 120 DM FÜR ALLE
10% VORWEGANHEBUNG, MINDESTENS 50 PFENNIG FÜR ALLE LOHNGRUPPEN
1 000 DM MINDESTLOHN

HAT DIE KPD DIE FORDERUNGEN FORTSCHRITTLICHER VERTRAUENSKÖRPER UNTERSTÜTZT. SIE HAT DIESE FORDERUNGEN AUCH NACH DER VERRÄTERISCHEN PROZENT-FORDERUNG DER IG METALL SPITZE PROPAGIERT, WEIL IM KAMPF UM DIESE FORDERUNGEN DIE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE HERGESTELLT WERDEN KANN. DIE KPD UNTERSTÜTZT ALLE STREIKS, DIE ZUR STÄRKUNG DIESER GESCHLOSSENEN KAMPFFRONT BEITRAGEN. IM RUHRGEBIET BEI DEN BETRIEBEN THYSSEN, KRUPP, MANNESMANN, HOESCH, KLÖCKNER, JAGENBERG, FELTEN UND GUILLAUME, FORD, OPEL, RHEINSTAHL U.A.; IN WESTBERLIN BEI DEN BETRIEBEN DER AEG UND VON SIEMENS, BEI BORSIG, DWM, KWU U.A.; IM STUTTGARTER RAUM UND IN HAMBURG HAT DIE KPD IN DEN BETRIEBEN UND VOR DEN BETRIEBEN DURCH FLUGBLÄTTER MTI DER ÜBERSCHRIFT 'DEN GESCHLOSSENEN KAMPF AUFNEHMEN' DEN GEMEINSAMEN KAMPF GEGEN DAS UNVERSCHÄMTE ANGEBOT DER KAPITALISTEN UNTERSTÜTZT UND DIE HINHALTETAKTIK DER GEWERKSCHAFTSSPITZE ENTLARVT.

UM DIE VERBREITERUNG DER KAMPFFRONT ZU ERREICHEN, IST ES JETZT NOTWENDIG, IN DEN WARNSTREIKS UND IN GEWERKSCHAFTLICHEN MITGLIEDERVERSAMMLUNGEN DIE FORDERUNG NACH

SOFORTIGER URABSTIMMUNG!

ZU STELLEN UND DURCHZUSETZEN.

ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN DEIN STARKER ARM ES WILL!"
Q: Rote Fahne Nr. 29, Berlin 5.11.1971, S. 3

01.11.1971:
Die Rote Opel Betriebsgruppe (RBG) Bochum der KPD/ML-ZK gibt vermutlich in dieser Woche ihre 'Zündkerze' Nr. 12 (vgl. 11.10.1971, 22.11.1971) heraus. In der Rubrik "Informationen aus Betrieb und Gewerkschaft" finden sich zunächst Auszüge aus der 'Capital' (vgl. S6.**.1971), wo ausgeführt wird:"
GESUNDHEITSKONTROLLE
TÜV FÜR MANAGER

Das Volkswagenwerk sorgt sich um seinen achtköpfigen Vorstand. IBM, Mannesmann, Ford oder SEL setzen mehr ein: 1 000 bis 2 400 Führungskräfte können alle ein bis zwei Jahre auf Kosten der Firma zum Arzt gehen. Die medizinische Inspektion wird unterschiedlich betrieben. Die Skala reicht vom praktischen Werksarzt über Fachärzte und Universitäts-Professoren bis zu hochtechnisierten Diagnose-Zentren."
Q: Zündkerze Nr. 12, Bochum Nov. 1971

12.11.1971:
In Düsseldorf besuchen, nach eigenen Angaben, über 60 Personen eine Kampfveranstaltung der KPD gegen das BVG.

Bei Hoesch Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 22.11.1971) berichtet die KPD:"
KAMPFVERANSTALTUNG DER KPD

Am 12.11.1971 führte die KPD in Düsseldorf eine erfolgreiche Veranstaltung gegen das reaktionäre Betr.VG durch. Über 60 Kollegen und Genossen von Hoesch-Dortmund, Mannesmann Düsseldorf, Opel Bochum, Ford Köln und Klöckner Düsseldorf (alle IGM-Bereich,d.Vf.) sprachen sich entschieden gegen das 'neue' Betr.VG aus. Sie verurteilten auf schärfste die Durchpeitschung des Betr.VG, das mit den Stimmen des Katzerflügels der CDU und ohne jegliche Aktionen von Seiten des DGB und seines Anhangs, der DKP verabschiedet wurde. Die Kollegen stimmten dem zentralen Referat zu, in dem das Betriebsverfassungsgesetz klar als arbeiterfeindlich entlarvt wurde. Die Kollegen sehen im 'neuen' BVG eine weitere Maßnahme der Kapitalisten, die demokratischen Rechte der Arbeiterklasse zunehmend abzubauen. Mit aller Entschiedenheit wandten sie sich gegen die SPD-FDP-Regierung, die die Fesseln, die die Kapitalistenklasse den Arbeitern anlegen will, gesetzlich absichert und sich damit als Handlanger der Kapitalisten erweist.

Im Anschluß an das Referat berichteten sich die Kollegen und Genossen gegenseitig über die Streikmaßnahmen in ihren Betrieben. Sie gingen insbesondere auf die Rolle der Betriebsräte im Kampf der Arbeiter ein; die Friedenspflicht werde von den meisten Betriebsräten eingehalten: Friede mit den Kapitalisten gegen die Interessen der Arbeiter. So versuchen die Betriebsräte, jede oppositionelle Bewegung in den Gewerkschaften zu unterdrücken. Selbst das Aufstellen zweiter und dritter Listen für Betriebsratswahlen (BRW,d.Vf.), soll im Keim erstickt werden, damit den Kapitalisten der Betriebsrat weiterhin als Instrument zur Durchsetzung ihrer Profitinteressen gesichert bleibt.

Die Kollegen sprachen deutlich aus, daß der Kampf um bessere Kampfpositionen der Arbeiter verbunden werden muß mit dem Kampf gegen diejenigen, die die verräterische Politik der Gewerkschaftsführung unterstützen. Gleichzeitig muß der Vertrauensleutekörper immer mehr zu einem Kampfinstrument der Arbeiterklasse gemacht werden.

Zur 120 DM-Forderung der KPD in der Tarifrunde konnte sich ein Kollege nicht erklären, wo die 120 DM herkommen sollen. Die anwesenden Kollegen machten ihm klar, daß sich die Höhe der Lohnforderungen nur an den durchschnittlichen Lebenshaltungskosten orientieren kann, und nicht an den Profiten der Kapitalisten. Unter Beifall sagte ein Kollege, daß die 120 DM durch die Geschlossenheit der Kollegen erkämpft werden müssen. Bisher sei es noch nicht vorgekommen, daß die Kapitalisten freiwillig die Lebenslage der Arbeiter verbessert hätten; deshalb sei es notwendig, den Kapitalisten die geschlossene Front der Arbeiter entgegenzusetzen.

Zu der Veranstaltung waren zahlreiche ausländische Kollegen erschienen. Gemeinsam wurde von allen Versammelten eine Resolution verabschiedet, in der sie sich mit dem Kampf der spanischen Arbeiterklasse solidarisch erklärten.

Für den Aufbau der ROTEN FAHNE (RF,d.Vf.) als kommunistische Wochenzeitung wurden am Schluß der Veranstaltung 67,45 DM gespendet."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 6, Dortmund Nov. 1971, S. 4f; Rote Fahne Nr. 30 und 31, Berlin 19.11.1971 bzw. 3.12.1971, S. 9 bzw. S. *

19.11.1971:
Die KPD berichtet heute:"
KORRESPONDENZ EINES FORD-KOLLEGEN
DEUTSCHE UND TÜRKISCHE KOLLEGEN VEREINT!

'Im Mittelpunkt steht der Mensch', ist ein alter Slogan der Ford-Geschäftsleitung. Aber er ist nur ein Slogan, genauer gesagt ein Hohn. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Arbeitstempo an Bändern und Maschinen ist in einem Maße gestiegen, daß viele Kollegen die Schnauze voll hatten, oder es beim besten Willen nicht schaffen konnten. Sie suchten sich eine Arbeit außerhalb der Produktion. Wem dies nicht gelang, der verließ die Ford-Werke Köln. Das Werk ersetzte sie durch junge Türken. Heute sieht man an den Bändern und Maschinen selten einen deutschen Kollegen. Aber auch viele ausländische Kollegen halten es nicht lange aus. Sie verlassen verhältnismäßig schnell die Firma. Man sagt: Ford ist ein Taubenschlag.

Dazu einige Zahlen: Im Jahre 1970 standen 7 380 Einstellungen 6 347 Entlassungen gegenüber. Von den deutschen Kollegen wurden 3 324 entlassen, aber nur 2 191 eingestellt. Demgegenüber wurden 3 891 Türken neu eingestellt und 1 801 entlassen (insgesamt gibt es fast 10 000 türkische Kollegen.)

Besonders schlimm ist die Arbeitshetze an den Bändern. Da gibt es nicht genügend 'Springer'. das sind die Kollegen, die dort einspringen sollen, wo ein Kollege das Fließband verläßt, um z.B. zur Toilette zu gehen. So kommt es vor, daß jemand oft über eine Stunde warten muß, ehe er einige Minuten abgelöst wird. Auch das Betriebsklima ist hier sehr schlecht. Das Arbeitstempo ist meist so schnell, daß Gespräche untereinander nur außerhalb der Arbeitszeit möglich sind. Selbst Meister und Obermeister werden oft im Beisein von ihren Arbeitern von den Vorgesetzten angeschrien. Bessere Psychologen dagegen sind die Vorgesetzten in den Maschinenhallen.

Hier versuchen sie, die Kollegen auch durch Klagen, auf die Schulter klopfen, Lob ('das hast du fein gemacht - wie hast du das bloß gemacht?') zu Überstunden und einer höheren Produktionsleistung zu bewegen. Besonders neu eingestellte Ausländer fallen darauf herein, wenn z.B. ein Meister über ein zu großes Manko klagt. Oder man läßt Leute, die mehr als die anderen schuften, Überstunden machen. Aber nicht immer gelingt es, durch solche Methoden noch mehr Leistung aus den Arbeitern herauszuholen. Oft muß der Meister dann den Prellbock zwischen den Arbeitern einerseits und seinen eigenen Vorgesetzten andererseits abgeben.

Ältere Kollegen erzählen, daß es kurz nach der Gründung der Ford-Werke Köln noch schlimmer gewesen ist. Rauchen war selbst auf der Toilette verboten (Werkschutzkontrolle). Wer während der Arbeitszeit sein Butterbrot aß, wurde heimlich photographiert und bekam am nächsten tag das Foto nebst Entlassungspapier. Manche Vorgesetzten wünschen sich gern diese Zeit zurück.

Doch der gemeinsame Widerstand der deutschen und ausländischen Kollegen wird immer stärker. Das bewies der Proteststreik der Kollegen im vorigen Jahr (vgl. 24.9.1970,d.Vf.), als sie in berechtigter Wut Maschinen und Autos beschädigten und Vorgesetzte verprügelten. Es waren vor allem türkische Kollegen, die mit in der vordersten Kampffront standen.

Die Arbeiterverräter im Betriebsrat, die schon damals vor radikalen und 'unbesonnenen Aktionen' warnten, sind auch heute wieder am Werk. So waren es dieselben SPD-Betriebsräte und Vertrauensleute, ddie auch in dieser Tarifrunde MTR,d.Vf.) wieder vor 'verfrühten' Kampfmaßnahmen warnten.

Deshalb gilt es jetzt in der Tarifrunde und bei den kommenden Betriebsratswahlen (BRW - vgl. **.*.1972,d.Vf.), gegen die Einheitsfront der Arbeiterverräter anzugehen. Für die BR-Wahl ist die 'Einheitsliste' der Verräter schon wieder fix und fertig. Auch DKP-Betriebsrat Epkens unterstützte diese reaktionäre Einheitsliste in der letzten 'UZ' (vgl. **.11.1971,d.Vf.). Um seinen Posten zu retten, macht er sich zum Sprachrohr der Arbeiterverräter."
Q: Rote Fahne Nr. 30, Berlin 19.11.1971, S. 6

29.11.1971:
Laut KPD/ML-ZB findet in Köln eine Ford-Vertrauensleuteversammlung statt, auf der die Forderung nach einer Urabstimmung abgewimmelt wird. Der Vertrauensleuteversammlung gingen Aktionen bei Ford voraus, wo Kollegen in der W- und Z-Halle bereits ihre Maschinen abstellten und zum Streik bereit waren.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 95, Bochum 11.12.1971, S. 4

Dezember 1971:
Vermutlich im Dezember wird vermutlich innerhalb der KPD/ML-ZK in Dortmund oder bereits in der Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML RM ein Papier verfaßt:"
KRISENZEICHEN: ENTLASSUNGEN UND BANKROTTE

Bis zu 50% der produzierten Autos von VW, Opel und Ford wanderten bisher auf den amerikanischen Markt. Während nun die Importsteuer der deutschen Produktion die Marktchancen erschwert, werden zugleich die amerikanischen Autoindustriellen mit einer Sondersubvention bedacht, die ihnen die Konkurrenz gegen die westdeutschen und japanischen Autos erleichtern soll. Die Folgen für die westdeutsche Autoindustrie, die z.Z. mit der japanischen Konkurrenz um den Osteuropamarkt und den sowjetischen Markt ringt, sind noch nicht absehbar. Das Gerede der VW-Aufsichtsräte, daß VW pro verkauften Wagen sogar noch ein halbes Prozent zusätzlichen Gewinn mache, ist pure Augenwischerei, zumal die westdeutschen Kapitalisten noch die Aufwertung der DM, deren Floating noch nicht zu Ende ist, zu verkraften haben."
Q: N.N.: Ohne Titel(Krisenzeichen: Entlassungen und Bankrotte…, O. O. o. J. (1971)

06.12.1971:
Bei Opel Bochum gibt die KPD vermutlich Anfang dieser Woche die Nr. 1 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. Jan. 1972) heraus. Im Leitartikel heißt es zur Metall- (MTR) bzw. Stahltarifrunde (STR), u.a. in Nordbaden/Nordwürttemberg (NB/NW - vgl. 26.11.1971):"
GEGEN AUSSPERRUNGEN: SOLIDARISCHER KAMPF ALLER METALLER!

Seit über einer Woche sind 360 000 Kollegen in Nordbaden/Nordwürttemberg ausgesperrt. Auch in den anderen Tarifgebieten haben die Kapitalisten zum brutalen Kampfmittel der Aussperrung gegriffen, unter dem Vorwand, die Produktion sei als Folge des Streiks nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Produktion ganz oder teilweise stillgelegt hat inzwischen Audi/NSU in Ingolstadt (vgl. 30.11.1971,d.Vf.), Bosch in Hildesheim (vgl. 29.11.1971,d.Vf.), Daimler-Benz in Berlin (vgl. 25.11.1971,d.Vf.) und Düsseldorf (vgl. 29.11.1971,d.Vf.) und Hanomag/Henschel in Bremen (vgl. 26.11.1971,d.Vf.). Weitere Aussperrungen sind angekündigt, vor allem bei den großen Automobilwerken, wie VW, Ford, BMW und Opel.

Die ausgesperrten Kollegen erhalten weder Lohn noch einen einzigen Pfennig Arbeitslosenunterstützung."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Opel Nr. 1, Bochum 1971 (Datumsangabe in Vorlage beschädigt)

09.12.1971:
Bei der Hoesch Westfalenhütte Dortmund findet eine Belegschaftsversammlung (vgl. **.**.197*, 15.11.1972) statt.
Bei Hoesch Dortmund (vgl. 17.12.1971) berichtet die KPD in einer Arbeiterkorrespondenz u.a.:"
Viele Kollegen sagten es ganz deutlich: Das einzige, was jetzt noch nützt, ist der gemeinsame Streik aller Metaller. Immer wieder wurde mit Empörung auf die Aussperrung bei Opel, VW und Ford, auf die unglaubliche Härte der Kapitalisten in dieser Tarifrunde hingewiesen. Viele Kollegen stellten die Forderung nach Urabstimmung auf."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr. 7, Dortmund Dez. 1971, S. 2f

10.12.1971:
Laut RKJ der GIM legen die Ford-Werke Teile ihrer Fertigung still. Rund 19 000 Arbeiter sind von dieser Maßnahme betroffen.
Q: Was Tun Nr. 1, Mannheim 1972, S. 10

14.12.1971:
Die RKJ der GIM berichtet von der Metalltarifrunde (MTR) in Nordbaden-Nordwürttemberg:"
In einer zweitägigen Urabstimmung stimmen rund 250 000 IG Metall-Mitglieder im Tarifgebiet Nordwürttemberg/Nordbaden über den Stuttgarter Kompromiß ab. Bei dieser Abstimmung stimmen 71,2% für die Annahme dieses Kompromisses. Morgen wird die Arbeit wieder aufgenommen."

Die KPD (vgl.17.12.1971) berichtet:"
LEHREN DER METALLTARIF-KÄMPFE

Noch wurden die linearen Lohnforderungen nur von fortschrittlichen Vertrauensleuten beschlossen (Hoesch, Ford, Mannesmann, Klöckner Bremen, Siemens München), nicht erkämpft. Aber die oppositionellen Kräfte in den Gewerkschaften, gerade in der IG Metall beginnen sich zu formieren."
Q: Rote Fahne Nr. 32,Berlin 17.12.1971,S.3; Was Tun Nr. 1, Mannheim 1972, S. 9

17.12.1971:
In der Nr. 32 der 'Roten Fahne' der KPD (vgl. 3.12.1971, 31.12.1971) wird berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 32, Berlin 17.12.1971

18.12.1971:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr. 97 (vgl. 15.12.1971, 22.12.1971) heraus und berichtet u.a. von Ford Köln, wo ca. 19 000 KollegInnen ausgesperrt waren. Die KPD/ML-ZB Betriebsgruppe führte aus Solidarität mit den ausgesperrten Kollegen "vor den Toren vor Ford eine Spendenaktion durch: alle gespendeten Gelder sollten symbolisch einem Kollegen übergeben werden. Als die Genossen diese Spendenaktion bei der Stadtverwaltung anmelden wollten, wurde sie ihnen verboten. … So sollte die Solidaritätsaktion verhindert werden. … Die Genossen der KPD/ML ließen sich jedoch von der Staatsmacht nicht einschüchtern: sie zogen trotzdem mit Flugblättern vor die Tore. Beim Verteilen des zentralen Flugblattes 'Stillhalten bis 73? - Nein!' bekamen sie an einem Tor innerhalb von kurzer Zeit 60,-DM Spende für die ausgesperrten Kollegen, obwohl sie durch Polizei behindert wurden".
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 97, Bochum 18.12.1971

Januar 1972:
Es erscheint die Nr. 1 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Nov. 1971, Feb. 1972) mit den Artikeln:
- "Der Tarifbeschiss" zur Metalltarifrunde (MTR) aus Köln, vermutlich von Ford.
Q: Befreiung Nr. 1, Mülheim Jan. 1972, S. 16

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Januar 1972:
Der Kommunistische Bund Osnabrück (KBO) gibt die Nr. 1 des ersten Jahrganges seiner 'Roten Fahne' (RF - vgl. Feb. 1972) als Zentralorgan heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 1, Osnabrück Jan. 1972

21.02.1972:
Die KPD (vgl. 10.3.1972) berichtet anläßlich der Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 1.3.1972) vermutlich aus dieser Woche:"
Bei Ford in Köln und Opel in Bochum z.B., wo die SPD-Listen feststehen, wurde auf Mitgliederversammlungen und in Rundschreiben durch die IGM-Bonzen verkündet, daß jede Unterstützung einer oppositionellen Liste zum Ausschluß aus der IGM führt."
Q: Rote Fahne Nr. 38, Dortmund 10.3.1972, S. 6

März 1972:
Es erscheint die Nr. 3 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Jan. 1972, Apr. 1972) mit dem Artikel "Betriebsräte - für wen?" von Ford Köln von Ford Köln u.a. zu den Betriebsratswahlen (BRW), wozu es heisst:"
Zur Zeit kandidieren bei FORD außer der IGM noch zwei andere Gruppen, die von dem bestehenden Betriebsrat eifrig unter Beschuß genommen werden. Was diese Gruppen jedoch gemeinsam haben, ist, sich anzumaßen, mit ein paar Leuten die Interessen von zehntausenden Arbeitern vertreten zu können."
Q: Befreiung Nr. 3, Mülheim März 1972, S. 10f

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01.03.1972:
Die KPD verlegt ihre Zentrale vermutlich mit Beginn dieses Monats von Berlin nach Dortmund.
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund (IGM-Bereich - vgl. 29.3.1972) berichtet die KPD:"
EIN WEITERER SCHRITT VORWÄRTS IM AUFBAU DER KPD!

Im Sommer 1971 (vgl. Juli 1971,d.Vf.) wurde in der Region Rhein/Ruhr das 2.Regionalkomitee der KPD und drei Betriebszellen aufgebaut: bei Hoesch, Mannesmann und Klöckner die letzten beiden in Düsseldorf,d.Vf.). Im Herbst 1971 kam bei Opel in Bochum eine weitere Zelle dazu. In Düsseldorf konnte vor vier Monaten ein Stadtteilkomitee gegründet werden, das sich inzwischen hervorragend in der Massenarbeit bewährt hat und sich ständig erweitert.

Für den weiteren nationalen Aufbau der Partei wurde auf der 4.Parteikonferenz im Februar 1972 (vgl. 5.2.1972,d.Vf.) die Aufnahme der Arbeit in zwei weiteren Regionen, in Baden-Württemberg und an der Wasserkante festgelegt. Weiterhin wurde die Stärkung der Partei in der Region Rhein/Ruhr beschlossen. Bei Ford in Köln, bei Mannesmann in Duisburg, bei Philipps in Aachen und in einem zweiten Dortmunder Hoesch-Werk werden neue Zellen aufgebaut, weiter wird die Arbeit im Steinkohlenbergbau (IGBE-Bereich,d.Vf.) aufgenommen. Die meisten dieser neuen Zellen arbeiten bereits; bei Ford erschien mittlerweile die erste KOMMUNISTISCHE ARBEITERPRESSE."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Westfalenhütte Nr. 12, Dortmund 29.3.1972, S. 5

11.03.1972:
Die Nr. 20 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 8.3.1972, 15.3.1972) erscheint und berichtet von den Betriebsratswahlen (BRW) u.a. bei Ford Köln.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 20, Bochum 11.3.1972

13.03.1972:
Laut KPD/ML-ZB haben deutsche und ausländische Kollegen bei Ford in Köln vermutlich in dieser Woche zu den Betriebsratswahlen (BRW) "gemeinsam eine Liste gegen die Liste der Regierungsknechte aufgestellt … Die KPD/ML Betriebsgruppe bei Ford hat in ihrer Betriebszeitung ROTE SCHWUNGSCHEIBE, die Aufstellung der Automobilarbeiterliste begrüßt. Sie hat die Forderung der Liste unterstützt und klar das Ziel genannt: Einen Betriebsrat, der wirklich die Arbeiterinteressen vertritt. Bei der Unterstützung der Liste hat die Partei jedoch einen schweren Fehler gemacht. Sie ist nicht über die wirtschaftlichen Forderungen der Automobilarbeiter hinausgegangen, sie hat nicht genügend klargemacht, daß sich der Kampf gegen die Vertreter der SPD-Regierung richtet … Das Ziel wirklicher klassenkämpferischer Betriebsräte muß über die Erkämpfung von fortschrittlichen, wirtschaftlichen Forderungen weit hinausgehen, es muß den Kampf für alle wichtigen politischen Tagesfragen, jetzt also besonders die Verstaatlichung der Betriebsräte durch das neue BVG und die Verbotsvorbereitungen gegen revolutionäre Organisationen, umfassen. Die Partei muß hier Überzeugungsarbeit leisten, muß also die Kollegen einer solchen Liste vor den Massen klar aber solidarisch kritisieren. Nur so kann sie ihrer führenden Rolle in der Einheitsfront gerecht werden, nur so kann sie gerade jetzt die Einheitsfront wirklich zu einem Instrument gegen die zunehmende Faschisierung des Bonner Staates machen … Die Betriebsgruppe der Partei und des JV müssen aus diesem Fehler lernen; sie können anhand dieser Ereignisse nochmal ihre eigene Politik überprüfen unter Anwendung der im BR-Rundschreiben (vgl. **.*.1972,d.Vf.) genannten Prinzipien."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 24, Bochum 25.3.1972, S. *

17.03.1972:
In Köln erscheint die erste 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) der KPD Betriebszelle Ford (vgl. 13.4.1972), von der uns bisher nur ein Faksimile der ersten Seite vorlag, in dem es im Leitartikel zu den BRW (vgl. 20.3.1972) heißt:"
BETRIEBSRATSWAHLEN: WIE MÜSSEN WIR DEN KAMPF WEITERFÜHREN?

Ab Montag wird in unserem Betrieb ein neuer Betriebsrat gewählt. Viele klassenbewußte und fortschrittliche Kollegen fragen sich, welche Liste sie unterstützen sollen. Besonders Liste 1 und Liste 3 bekämpfen sich mit großem Getöse. So sind sich viele im Unklaren, was sich hinter den einzelnen Listen verbirgt.

Sind es wirklich Marxisten-Leninisten, die hinter der Liste der 'Automobilarbeiter' stehen? Und wessen Interessen vertritt die Liste der IG Metall?

Um zu verstehen, welche Interessen sich hinter der Liste 1 verbergen, muß man sich nur einmal ansehen, wie sie zustande gekommen ist. Im Flugblatt 'Tatsachen' (vgl. **.*.1972,d.Vf.) der IG Metall wird behauptet: 'Die Vertrauensleute bestimmen die Kandidaten der IG-Metall für den Betriebsrat'. Doch jeder weiß, daß dies nicht so war. Vielmehr hat die VL-Leitung, die sich sämtlich aus Betriebsräten zusammensetzt, eine fertige Liste ausgearbeitet und sie dem Bereichsvorstand vorgelegt. Änderungsvorschläge von unten waren dabei nicht mehr erwünscht.

Die Betriebsräte haben schon ihre eigenen Nachfolger bestimmt und nicht die Vertrauensleute.

Es ist klar, daß sich gegen solch verrottete innergewerkschaftliche Demokratie Widerspruch erheben mußte! Und von diesem Widerspruch fortschrittlicher Kollegen will die Liste der 'Automobilarbeiter' profitieren. Nur wenige in ihren Reihen sind bisher als fortschrittliche Gewerkschafter hervorgetreten. Die Liste 3 ist keine einheitliche Gruppe, die sich für die Interessen der Kollegen einsetzen könnte. Dafür gibt es viele Beweise. Die 'Automobilarbeiter' Liste gab es schon bei den letzten Wahlen vor vier Jahren. Es wurden auch einige aus dieser Liste gewählt. Doch hat irgendjemand etwas Gutes über die Arbeit dieser Betriebsräte gehört? In ihren Flugblättern berichten sie nicht einmal selbst etwas über ihre Arbeit. Das ist auch kaum möglich, denn von den fünf gewählten Betriebsräten dieser Liste sind zwei während ihrer Amtszeit zurückgetreten und zwei sind zur Gewerkschaftslisten übergelaufen. Bei der letzten Wahl fällt diese Liste sogar schon vor der Wahl auseinander. Acht Kandidaten haben zurückgezogen. Die 'Automobilarbeiter'-Gruppe tritt regelmäßig nur zur Wahl ins Leben, um danach wieder zu verschwinden.

Sehen wir uns einmal ihre Forderungen, ihr Programm an! Es gibt nur einige Forderungen, die richtig sind: Bezahlung der Pausen, der Einsatz von Springern oder Bereitstellen und Waschen der Arbeitskleidung. Der Rest der Forderungen aber weist in die falsche Richtung.

Bei den Forderungen zur Rente z.B. fordern sie als Berechnungsgrundlage das letzte Arbeitsjahr statt den letzten fünf Jahren. Die Kollegen von der Liste 3 müssen aber doch wissen, daß es mit dem Lohn des Arbeiters im Alter kaum mehr bergaufwärts geht, daß sie nur noch mit großer Mühe im Alter das verstärkte Arbeitstempo aushalten können und darum umgesetzt werden. Die richtige Forderung muß hier heißen: Herabsetzung des Rentenalters! Diese Forderung ist im AKTIONSPROGRAMM der KPD aufgestellt.

Ein weiteres Beispiel dafür, daß die Forderungen der Liste 3 in eine falsche Richtung laufen, sind ihre Forderungen". Hier bricht das Faksimile leider ab.

Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet:"
BETRIEBSZELLE FORD/KÖLN GIBT IHRE ERSTE KOMMUNISTISCHE ARBEITERPRESSE HERAUS!

Bereits in der Metalltarifrunde (MTR,d.Vf.) letzten Jahres war die Untersuchung der Automobilbranche soweit, daß bei Opel/Bochum und Ford/Köln die Propagandaarbeit aufgenommen werden konnte. Die rasche Gewinnung von Sympathisanten unter den Kollegen von Opel ermöglichte die Gründung der Betriebszelle im Oktober 1971.

Nach Gründung der Ortsleitung (vgl. 12.3.1972,d.Vf.) in Köln nimmt jetzt die Betriebszelle Ford die Arbeit auf. Mit ihrer ersten Betriebszeitung greift die Zelle propagandistisch in die Betriebsratswahl bei Ford ein, sie untersucht, was hinter den drei Kandidatenlisten steckt und erklärt, warum die KPD noch keine oppositionelle Liste aufstellt."
Q: Rote Fahne Nr. 40, Dortmund 7.4.1972, S. 2

20.03.1972:
Vermutlich in dieser Woche erscheint eine 'Rote Westfalenwalze' (vgl. 6.3.1972, 3.4.1972) der KPD/ML-ZB und KJVD Betriebsgruppe Hoesch Phoenix Dortmund.
Aus Bochum und Köln in NRW wird berichtet:"
2. LISTE BEI OPEL UND FORD

Bei FORD und OPEL wurden genauso wie bei Hoesch die Listen von den IGM-Führern ausgemauschelt. Auch hier versuchte man hinter dem Rücken der Kollegen, treue Regierungsfreunde auf die Liste zu setzen. Mit dem Aufstellen einer 2. Liste haben kämpferische Kollegen diese Absichten durchkreuzt. Die Liste stellt sich auf den Boden eines Programms, mit klaren Forderungen, die sich gegen die Rationalisierungsfolgen und das BVG richten.

Die IGM-Führer erhoben natürlich gleich ein riesiges Geschrei von Spaltung der gewerkschaftlichen Einheit. Doch nicht die Liste der Kollegen spaltet, sondern die Liste der IGM-Bonzen, die ehrlichen Kollegen einen Platz auf der (hier fehlt wieder mindestens eine Zeile,d.Vf.) Die D'K'P-Führer (DKP,d.Vf.) haben ebenfalls ein großes Geschrei erhoben und ihren Mitgliedern mit Parteiausschluß innerhalb 48 Stunden gedroht, wenn sie sich an 2. Listen beteiligen würden. Dabei sind doch gerade D'K'P-Mitglieder in der Vergangenheit (vgl. **.**.1968,d.Vf.) auf der Westfalenhütte über 2. Listen in den Betriebsrat hineingekommen…..!

Auch bei Phoenix wäre eine 2. Liste der richtige Weg gewesen!"
Q: Die Rote Westfalenwalze Demokratische Wahlen? oder Wahlzauber!, Dortmund o. J. (März 1972)

20.03.1972:
Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet über den Beginn der Betriebsratswahlen (BRW) bei Ford Köln. Am 19.4. heißt es zum Ausgang:"
FORD/KÖLN

Diese Betriebsratswahl war eine Niederlage für die IG-Metall-Führung. Über die Hälfte der abgegebenen Stimmen kamen nicht der IG-Metall-Liste zugute.

Ein Viertel der Wahlberechtigten hat nicht gewählt. Daran kann man sehen, daß viele Kollegen aus Opposition gegen die Gewerkschaftsführung andere Listen vorzogen oder sich von der Wahl insgesamt nichts versprachen, was ihren Interessen dienen könnte.

Über viele Stimmen, die die Liste 1 bekommen hat, wird sich die Gewerkschaftsführung nicht lange freuen können, denn viele Kollegen haben der Liste 1 (IGM) ihre Stimme gegeben, weil sie noch keine Alternative sahen.

AUF LISTE 2 KANDIDERTE EIN EINZELNER TÜRKISCHER KOLLEGE, VON DESSEN PROGRAMM NICHTS BEKANNT GEWORDEN IST. ER ERHIELT ÜBER 5 000 STIMMEN.

Doch brauchen die türkischen Kollegen einen Betriebsrat ohne Programm, der nur auf seine Nationalität vertraut? Sie brauchen einen Betriebsrat, der ihre Arbeitskraft gegen die maßlosen Angriffe der Fordkapitalisten schützt; sie brauchten Betriebsräte, die mithelfen, die türkischen Arbeiter mit den deutschen Kollegen zusammenzuschließen!

Was ist denn die Ursache, warum viele deutsche Arbeiter bei Ford die Wahl jedes ausländischen Betriebsrates mit Mißtrauen betrachten?

Sie befürchten, daß ein ausländischer Betriebsrat sich nicht für grundlegende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einsetzt, sondern sich nur um möglichst viele Überstunden kümmert. Das geht aber nur auf Kosten der Gesundheit. Ein Leben lang - und das ist die Perspektive der deutschen Kollegen - kann schon niemand mehr das Tempo am Band aushalten.

VON DER LISTE 3, DEN 'AUTOMOBILARBEITERN', SIND SCHON VOR DER WAHL 14 KOLLEGEN ZURÜCKGETRETEN. WEITERE RÜCKTRITTE WERDEN MIT SICHERHEIT FOLGEN.

Diese Kollegen zogen ihre Kandidatur zurück, weil sie sich über den Charakter dieser sogenannten oppositionellen Liste völlig im Unklaren waren, und nachdem sie durch einige Betriebsräte bearbeitet worden sind. Ihre mangelnde Standhaftigkeit ist kein Wunder. Sie ist das Ergebnis der undurchsichtigen Manöver der Listeführer!

Diese Listenführer haben jedem Kollegen gesagt, was dieser ihrer Meinung nach gerade hören wollte. Da war von einer 'kommunistischen Liste' die Rede, dann wieder von einer IG-Metall usw. usf.

Das Motiv dieser Manöver der Listenführer ist vollkommen klar: Ihnen ging und geht es nicht um eine klar formulierte oppositionelle Linie gegenüber der verräterischen Gewerkschaftsführung, sondern einzig um die Betriebsratsposten.

AN DER LISTE 3 KANN MAN LERNEN, WIEWEIT ES LÜCK UND CO. GEBRACHT HABEN

Die Betriebsräte der IG-Metall-Liste, seien sie nun in der SPD oder in der DKP, haben mit der Geschäftsleitung so sehr gemeinsame Sache gemacht, daß sich viele Kollegen sogar von einer Liste, die zum großen Teil aus Postenjägern besteht, immer noch mehr versprechen. Die KPD wird ihre Kräfte auf die bevorstehenden Vertrauensleutewahlen (VLW - vgl. S7.*.1972,d.Vf.) konzentrieren. Die Unzufriedenheit der Kollegen mit der Politik der Gewerkschaftsführung zeigt, daß die Zeit für den Aufbau eines oppositionellen Vertrauensleutekörpers bei Ford reif ist."
Q: Rote Fahne Nr. 40, 41 und 44, Dortmund 7.4.1972, 19.4.1972 bzw. 24.5.1972, S. 2, S. 7 bzw. S. 5

25.03.1972:
Die Nr. 24 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KND (vgl. 22.3.1972, 28.3.1972) erscheint unter der Titelüberschrift "Ford-Köln: Automobilarbeiterliste gegen Regierungsknechte" mit einem Bericht über die Betriebsratswahlen (BRW).
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 24, Bochum 25.3.1972

26.03.1972:
Nach einem Bericht der KGB/E wird von gewerkschaftsoppositionellen Kollegen bei Opel-Bochum über Flugblätter zu einer öffentlichen Sitzung aufgerufen, zu der "alle Arbeiter und Angestellten eingeladen worden waren". Diese Sitzung war, laut Projektgruppe Ruhrgebietsanalyse, die Gründungssitzung der Gruppe oppositioneller Gewerkschafter (GOG). Laut KPD sind 30 bis 40 Personen anwesend.

Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet:"
OPEL: OPPOSITIONELLE LISTE

Ein Kollege von Ford in Köln berichtete über den Kampf der Gewerkschaftsopposition bei Ford und sagte, daß die Opel-Kollegen unbedingt die Forderung nach dem Sieben-Stundentag bei vollem Lohnausgleich aufnehmen müßten. Die Tatsache, daß gegenwärtig bei Opel mehr als 40 Stunden gearbeitet würde, dürfte die Kollegen nicht davon abhalten, sich in die gemeinsame Kampffront für den Sieben-Stundentag einzureihen. Er betonte, daß diese Forderung sich ja auch gegen drohende Kurzarbeit und Entlassungen richte."
Q: KGB/E: Zur gewerkschaftlichen Arbeit, Bochum o.J.; Projektgruppe Ruhrgebietsanalyse Bochum: Opel streikt. Ausbeutung und Kämpfe bei Opel, Bochum 1973, S. 52;Rote Fahne Nr. 40, Dortmund 7.4.1972, S. 5;Beiträge zur revolutionären Theorie Nr. 7, Bochum 1976, S. 30ff;Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 57, München März 1975;Erwin Bawulski: Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum, Dortmund 1974

April 1972:
Es erscheint die Nr. 4 der 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. März 1972, Juni 1972) mit den Artikeln "Werkschutz" zur Verteilung von Flugblättern gegen die Fahrpreiserhöhungen bei Ford Köln am 22.3.1972 und "Direkte Aktion bei Ford" in der W-Halle.
Q: Befreiung Nr. 4, Mülheim Apr. 1972, S. 16 und 21

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April 1972:
Die SAG geben die Nr. 10 ihres 'Klassenkampf' (vgl. März 1972, Juni 1972) heraus. Eingegangen wird auch auf Ford Köln.
Q: Klassenkampf Nr. 10, Frankfurt Apr. 1972

April 1972:
Der KJVD Köln der KPD/ML-ZB gibt vermutlich im April die Broschüre "Arbeiterjugend! Hinein in die Kampffront des Roten 1. Mai!" heraus mit den Abschnitten:
- "Kolleginnen und Kollegen" von einem Mitglied der Jugendbetriebsgruppe Ford;
- "Alle Mann hinters Kampfprogramm" zu Ford;
- "Arbeiter, Lehrlinge und Jungarbeiter in einer Kampffront" zu Ford;
- "Heraus zum roten 1. Mai";
- "Friedens- oder Revanchepolitik"; sowie
- "Für Frieden und Sozialismus".
Q: KJVD Köln: Arbeiterjugend! Hinein in die Kampffront des Roten 1. Mai!, Köln o. J. (1972)

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03.04.1972:
Erstmals erscheint eine Ausgabe des 'Roten Schwungrades' - Betriebszeitung der KPD/ML-ZB bei Hoesch Phönix Dortmund (vgl. 20.3.1972, 10.4.1972). Im zweiten Artikel heißt es:"
FÜR DORTMUNDS ROTEN 1. MAI:
ARBEITEREINHEITSFRONT GEGEN NOTSTAND, AUFRÜSTUNG UND REVANCHEPOLITIK

Unter dem Deckmantel der steigenden Kriminalität und dem Kampf gegen die anarchistische Baader-Meinhof Gruppe (RAF,d.Vf.) wird die Polizei immer besser ausgerüstet, aber um in Wirklichkeit gegen Arbeiter eingesetzt zu werden. Beispiel hierfür: Während der Metalltarifrunde (MTR in Baden-Württemberg - vgl. 23.11.1971,d.Vf.) waren bei Benz in Mannheim 200 Polizisten in einer nahegelegenen Kaserne untergebracht, um bei Kämpfen der Benzarbeiter eingesetzt zu werden. Der Bundesgrenzschutz) soll um 5 000 Mann verstärkt werden. Er soll nach Genscher: 'seiner Funktion als Polizei des Bundes nachkommen und jederzeit als Reserve für Spitzenbelastungen im Rahmen der gemeinsamen Sicherheitskonzeption von Bund und Ländern zur wirksamen Verbrechensbekämpfung verfügbar sein.' Auch hier ist die Verbrechensbekämpfung nur ein Vorwand. Als im vorigen Jahr die Kollegen von Ford-Köln streikten (IGM-Bereich in NRW - vgl. **.**.1971,d.Vf.) landeten dort BGS Hubschrauber. Hier in Dortmund ist auf dem alten Zechengelände von Gneisenau ein Landeplatz für 5 Kampfhubschrauber gebaut worden. So können Bundesgrenzschutzeinheiten herangeflogen werden, um gegen Arbeiter zu kämpfen."
Q: Das Rote Schwungrad Schon wieder eine neue Zeitung, Dortmund o. J. (Apr. 1972)

07.04.1972:
Die KPD (vgl. 7.4.1972) berichtet heute von den Betriebsratswahlen (BRW):"
Das Prinzip der 2.Liste schematisch und ohne jegliche Untersuchungen auf alle Betriebe zu übertragen, unternimmt anschaulich die KPD/ML-Zentralbüro (KPD/ML-ZB,d.Vf.).
- da werden 'Einheitsfrontkomitees' (EFK,d.Vf.) propagiert, hinter denen nichts anderes steckt als die eigene Betriebsgruppe, wie bei KWU in Westberlin (IGM-Bereich,d.Vf.).

- da werden über Betriebszeitungen und Flugblätter Vorstellungen von einer 2. Liste geweckt, die dann zerplatzen wie eine Siefenblase, wie bei Hoesch-Westfalenhütte in Dortmund.

- da wird schließlich um des bloßen Prinzips willen eine Gegenliste unterstützt, die nicht besser ist als die offizielle Liste der IGM, wie im Fall der 'Automobilarbeiterliste' bei Ford in Köln."
Q: Rote Fahne Nr. 40, Dortmund 7.4.1972, S. 5

10.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet vermutlich spätestens aus dieser Woche:"
WEITERE FORTSCHRITTE BEIM AUFBAU DER PARTEI

Die Mitgliederversammlung der Region Rhein-Ruhr am 12.März hatte dem Vorschlag des Zentralkomitees, eine Reihe weiterer Zellen einzurichten, zugestimmt (…). Dieser Beschluß wurde ohne Zögern in die Tat umgesetzt. In der letzten ROTEN FAHNE haben wir bereits über die Gründung der Zelle Ford/Köln berichtet.

Inzwischen sind zwei weitere Betriebszellen mit ihren Kommunistischen Arbeiterpressen (KAP,d.Vf.) vor die Kollegen ihres Betriebes getreten: In Aachen die Zelle Philips und die Zelle der Zeche Westerholt/Polsum. Der Zeitpunkt der Gründung ermöglichte es beiden Zellen, noch propagandistisch in die Betriebsratswahlen (BRW,d.Vf.) einzugreifen und für den 1.Mai gegen Reformismus und Revisionismus - für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse unter Führung der KPD zu mobilisieren."
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 2

13.04.1972:
In Köln erscheint die 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) der KPD Betriebszelle Ford Nr. 2 (vgl. 17.3.1972, 9.5.1972) mit dem Leitartikel "Gegen Reformismus und Revisionismus – Für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse" zum 1. Mai, wobei die Demonstration in Dortmund stattfindet und in Köln eine Arbeiterrunde für den 22.4.1972 angekündigt wird. Zum 1. Mai wird auch auf Türkisch aufgerufen.

Zu den BRW werden gezogen "Die Lehren aus den Betriebsratswahlen", eine Arbeiterkorrespondenz berichtet von Arbeitsunfällen bzw. deren Nichtmeldung. Aufgerufen wird zur Vietnamdemonstration in Dortmund am 15.4.1972. Berichtet wird mit Hilfe der 'Roten Fahne' von der Chemietarifrunde (CTR) im Bezirk Nordrhein.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 2, Köln 13.4.1972

19.04.1972:
Die Nr. 29 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 15.4.1972, 22.4.1972) erscheint. U.a. wird eingegangen auf Ford Köln.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 29, Bochum 19.4.1972

19.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet heute:"
VORWÄRTS ZUM 1.MAI
GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS - FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE! - KPD

RHEIN-RUHR

Das Regionalkomitee Rhein-Ruhr sieht es für den 1.Mai 1972 als seine Hauptaufgabe an, in der Anwendung der zentralen Parole:
GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS - FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE - KPD
der zentralen DGB-Veranstaltung in Dortmund mit einer Parteidemonstration entgegenzutreten. Alle Anstrengungen werden darauf ausgerichtet, SPD-Regierung, DGB-DKP-Führung die Demonstration der wahren Interessen der Arbeiterklasse entgegenzuhalten.

Seit der Veröffentlichung des Maiaufrufs propagiert das RK und seine Zellen die ausgegebene Linie. Überall dort, wo fortschrittliche Menschen sie unterstützen wollen, organisiert sie diese in Maikomitees (MK,d.Vf.). Die Ortsleitungen in Dortmund (vgl. 5.4.1972,d.Vf.) und Düsseldorf (vgl. 27.3.1972,d.Vf.) haben bereits Arbeiterrunden durchgeführt, in der nächsten Woche werden die Zellen Ford/Köln (IGM-Bereich - vgl. 22.4.1972,d.Vf.) und die neugegründete Zelle der Zeche Westerholt/Polsum (IGBE-Bereich - vgl. 21.4.1972,d.Vf.) ebenfalls Veranstaltungen zur Mobilisierung für die Maidemonstration in Dortmund durchführen."
Q: Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 19.4.1972, S. 3

22.04.1972:
In Köln will heute die KPD-Zelle Ford ihre Maiveranstaltung durchführen. In der 'Roten Fahne' (RF) vom 19.4.1972 waren genauer Ort und Zeit noch nicht bekannt.
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.1 und 3; Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr.2,Köln 13.4.1972,S.2

26.04.1972:
Bei AEG Brunnenstraße in Berlin-Wedding gibt die KPD/ML-ZB ihren 'AEG-Arbeiter' Nr. 40 (vgl. 17.4.1972, 4.5.1972) heraus. Berichtet wird von Erfolgen bei den Betriebsratswahlen bei Opel und Ford Köln.
Q: Der AEG-Arbeiter Nr. 40, Berlin 26.4.1972, S. 5

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26.04.1972:
In Köln demonstrieren heute, laut SAG, 600 von Felten und Guillaume (F+G) sowie 400 von Ford gegen die CDU/CSU-Machtübernahmepläne. Zum selben Anlaß gibt es auch eine stadtweite Demonstration. Von den 600 Demonstranten bei F+G in Mülheim berichtet auch die KPD/ML-ZB. Laut DKP wird bei F+G der Warnstreik mit einer Demonstration verbunden. Bei Ford kommt es, laut KPD (vgl. 9.5.1972) nicht zum Streik.
Q: Klassenkampf Nr. 11/12, Frankfurt Mai/Juni 1972; Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 3, Köln 9.5.1972, S. 2f;Kommunistischer Nachrichtendienst Nr. 32, Bochum 29.4.1972;Heisse Eisen Extra Davor zittern Strauß und Barzel: Arbeiter haben mobil gemacht!, Dortmund o. J. (27.4.1972), S. 1

27.04.1972:
In Köln gibt die KPD einen 'Rote Fahne' Sonderdruck "Gegen die Regierung des Monopolkapitals" datiert auf April heraus, in der sie von der gestrigen Kundgebung und dem für heute angekündigten Streik bei Ford berichtet sowie zur Maidemonstration in Dortmund aufruft.
Vermutlich wird dieser Sonderdruck auch bei Ford verteilt.
Q: Rote Fahne Sonderdruck Gegen die Regierung des Monopolkapitals, Köln April 1972

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09.05.1972:
In Köln erscheint die 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) der KPD Betriebszelle Ford Nr. 3 (vgl. 13.4.1972, 29.11.1972) mit dem Leitartikel "SPD – CDU – Schmierenkomödie um die beste Interessenvertretung der Monopole" und einer Kontaktadresse nur in Düsseldorf.

Eine Arbeiterkorrespondenz schildert vom Streik gegen das Mißtrauensvotum: "Ford: Demagogie der SPD-Handlanger" (vgl. 26.4.1972). Berichtet wird auch vom 1. Mai u.a. aus Dortmund und Düsseldorf sowie aus Köln u.a. von der Festnahme von Verteilern bei Felten und Guillaume (F+G). Eine Korrespondenz schildert die "Einarbeitung bei Ford". Erläutert wird: "Wie wird in Nordkorea die Produktion in den Fabriken geleitet". Zu den Jugendvertreterwahlen (JVW) wird aufgerufen: "Wählt fortschrittliche Jugendvertreter!", aber auch zum KJV: "Vorwärts im Aufbau des kommunistischen Jugendverbandes!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 3, Köln 9.5.1972

21.05.1972:
An der ersten nationalen Konferenz der der KPD-nahestehenden oppositionellen Gewerkschafter (vgl. 1.10.1972) nehmen, nach eigenen Angaben, über 100 Gewerkschafter aus 9 Gewerkschaften (CPK, IGM, IGBE, DruPa, BSE, ÖTV, DPG, DAG, GEW) und fast 50 Betrieben teil. Es handelt sich hierbei u.a. um Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 44 und 50, Dortmund Mai 1972 bzw. 5.7.1972, S. 1f bzw. S. 4; Revolutionäre Gewerkschafts Opposition Nr. 1, o.O. (Dortmund) o.J. (1972), S.*;KPD-OL Dortmund:1 200 DM Mindestlohn! 40 DM mehr für alle pro Woche!, Dortmund o.J. (1973), S. 2

24.05.1972:
Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet heute von den BRW und VLW bzw. der RGO:"
BETRIEBSRATSWAHLEN UND DER AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION
DIE OPPOSITION GEWINNT EINFLUSS

In den meisten Betrieben sind die Betriebsratswahlen vorüber. Die Ergebnisse liegen vor. Sie zeigen: mit Wahlmanipulation und Demagogie ist es der Sozialdemokratie noch einmal gelungen, die meisten ihrer Positionen in den Betriebsräten zu halten. Die Ergebnisse zeigen aber auch: die oppositionellen Kräfte in den Gewerkschaften haben deutlich an Einfluß unter den Arbeitermassen gewonnen.

Die Ergebnisse zeigen die Unzufriedenheit der Arbeiter und Angestellten mit der Politik der Gewerkschaftsführer: bei Ford-Köln (IGM-Bereich - vgl. 20.3.1972,d.Vf.)stimmten weniger als die Hälfte für die IGM-Liste, bei Klöckner-Draht in Düsseldorf sind fast die Hälfte neue Betriebsratsmitglieder (IGM-Bereich - vgl. Apr. 1972,d.Vf.), bei Mannesmann-Lierenfeld sogar 13 von 19."
Q: Rote Fahne Nr. 44, Dortmund 24.5.1972, S. 5

27.05.1972:
In Köln findet eine landesweite Vietnam-Demonstration statt, zu der KJVD und KPD/ML-ZB u.a. in Dortmund (u.a. im IGM-Bereich bei der Hoesch Westfalenhütte) mit folgendem, vermutlich landesweiten, Flugblatt aufrufen:"
HERAUS ZUR DEMONSTRATION
FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN SIEG DER INDOCHINESISCHEN VÖLKER!

Bedenkt ihr nicht, daß dieser Krieg auf Europa übergreifen kann? Der 'Vertrag' Moskaus mit Bonn schafft ja erst einmal die 'Ruhe in Europa', die die Supermächte brauchen, um gegen Volkschina gemeinsam zu marschieren.

Für den aufstrebenden westdeutschen Revanchismus bedeutet das, er wird ebenso zum Feind aller Völker. Die Ostverträge sind ein wichtiger Schritt für die Kriegsgewinnler Krupp, Flick und Thyssen als Juniorpartner der Supermächte, die osteuropäischen Völker einzukassieren. Sie sind blutgieriger geworden und strecken ihre Klauen nach der DDR aus. Das ist kein Frieden, sondern sind Kriegsvorbereitungen.

Kollegen, was spielt sich denn in westdeutschen Betrieben und auf westdeutschen Straßen ab?

- Vorgestern wurden in Essen (vgl. 22.5.1972,d.Vf.) 3 Genossen der KPD/ML verhaftet. Weil sie eine illegale Organisation begünstigt hätten! Dieser Schlag richtet sich gegen die KPD/ML, die gerade in ihrer ROTEN FAHNE Nr.10 (vgl. 15.5.1972,d.VF.) die Kriegstreiberpolitik bekämpft. Die KPD/ML zeigt der Arbeiterklasse, daß sie geeint unter Führung der KOMMUNISTISCHEN PARTEI diesen Bonner Kriegstreiberstaat stürzen soll und so den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat errichtet, die Garantie für Demokratie und Frieden!

- So werden wie bei FORD (IGM-Bereich in Köln,d.Vf.) revolutionäre Arbeiter und klassenkämpferische Betriebsräte unter Druck gesetzt oder entlassen, wenn sie gegen Stillegungen und Bespitzelungen kämpfen.

DAS NENNT MAN WAHRLICH MOBILMACHUNGSÜBUNG GEGEN DIE STREIKS DER HUNDERTTAUSENDE IN DEN LETZTEN WOCHEN!"
Q: Rote Fahne Nr. 13, Bochum 28.6.1972, S.*; KPD/ML-ZB, KJVD: Heraus zur Demonstration für den vollständigen Sieg der indochinesischen Völker!, Bochum o.J. (Mai 1972)

29.05.1972:
Die KPD/ML-ZB berichtet in der Nr. 11 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 15.5.1972, 12.6.1972) noch einmal über das Ergebnis der Betriebsratswahlen (BRW) in NRW bei Ford Köln, wo die Liste 'Automobil Arbeiter' mit 1 817 Stimmen 5 von 37 Sitzen besetzen konnte. Diese Liste wird als von der KPD/ML-ZB und ihrer Betriebszeitung 'Rote Schwungscheibe' unterstützte dargestellt. Kritisiert wird die KPD, die für die Liste der IG Metall (IGM) eintrat.
Q: Rote Fahne Nr. 11, Bochum 29.5.1972

29.05.1972:
Die KPD (vgl. 7.6.1972) berichtet vermutlich aus dieser Woche von den VLW:"
BERICHT DER BETRIEBSZELLE FORD/KÖLN
DIE KLASSENBEWUSSTEN KRÄFTE STÄRKEN!

'Die Vertrauensleute kommen ja nicht einmal auf ihre eigenen Versammlungen, sie setzen sich nicht für die Kollegen ein. Die Belegschaft bei Ford ist unpolitisch und hat auch keine anderen Vertrauensleute verdient.'

Das können wir Kommunisten ständig hören, wenn wir über die Wichtigkeit der Vertrauensleute sprechen. Was sind aber die Ursachen, daß bis auf Ausnahmen, vor allem in der Z- und W-Halle, die Vertrauensleute nicht die Vertreter ihrer Kollegen sind?

Die 1.Ursache ist, daß die Leitung des Vertrauensleutekörpers (VLK) fest in der Hand der Betriebsräte ist.

Die 2.Ursache ist, daß bisher wirkliche demokratische Wahlen überhaupt noch nicht stattgefunden haben.

SEHEN WIR UNS AN, WIE ES ZUR VORHERRSCHAFT DER BETRIEBSRÄTE GEKOMMEN IST.

Vor ungefähr zehn Jahren haben die damaligen Betriebsräte Lück und Tolusch mit Hilfe der Vertrauensleute und der Gewerkschaft in einem kleinen Putsch den alten Betriebsrat zum freiwilligen Verzicht gezwungen und sich selber in den Sattel gesetzt. Sie haben dabei gelernt einzusehen, welche Macht die Vertrauensleute darstellen und behielten deshalb die Leitungen des VLK fest in den Händen.

Die Betriebsräte konnten in ihrer Eigenschaft als VLK-Leitung bei den Vertrauensleute-Wahlen immer solche Kandidaten vorschlagen, die dem Betriebsrat, d.h. ihnen selbst genehm waren. Sie wurden von den Vertrauensleuten wieder zur Wahl in die Leitung vorgeschlagen und auch gewählt. Bei den Betriebsrats-Wahlen (BRW,d.Vf.) dann schlugen sie sich selbst als Kandidaten vor usw. usw. Durch dieses Doppelspiel von BR und VLK-Leitung wird der Betriebsratsposten zu einem Job auf Lebenszeit.

Die Vertrauensleute aber, die für ihre Kollegen eintreten wollen, wurden systematisch demoralisiert: Isolierung durch Abschneiden von Informationen, indem sie z.B. nicht zu Gewerkschaftsveranstaltungen eingeladen wurden, bis hin zu Denunziationen.

Bei den Vertrauensleute-Wahlen 1970/1971 (vgl. S4.**.197*,d.Vf.) sollten erstmals Wahlen stattfinden. Die Streiks im September 1969 waren der Gewerkschaftsführung in die Knochen gefahren: Statt der bloßen Festsetzung durch die Leitungen sollten die Kollegen selbst bestimmen, wen sie als ihre Interessenvertreter haben wollten. Doch was waren das für Wahlen bei Ford?

Im Regelfall sah die 'Wahl' folgendermaßen: der Wahlausschuß kam in die Abteilung und schlug einen Kollegen vor, meistens den alten Vertrauensmann. Anstandshalber wurde nach Gegenvorschlägen gefragt, dann sofort abgestimmt.

Es gab vorher keine gewerkschaftliche Mitgliederversammlung, auf der die alten Vertrauensleute Rechenschaft ablegen und die neuen ihr Programm darstellen mußten. Praktisch war diese 'Wahl' dassselbe wie vorher das 'Setzen' von Vertrauensleuten. In vielen Abteilungen wurde bisher überhaupt nicht gewählt. Aber nicht in allen Abteilungen ging die 'Wahl' so reibungslos vonstatten: Die Kollegen stellten ehrliche Kämpfer auf.

Doch jetzt begannen die Leitungen davon zu reden, daß die Abteilung ja doch umorganisiert würde, mit anderen zusammengelegt oder woanders neu aufgemacht usw. Man könne also noch nicht wählen. Mit solchen faulen Manövern wollte man die Kollegen von der Wahl abbringen.

Da eine breite gewerkschaftliche Mobilisierung unterbunden worden war und viele fortschrittliche Kollegen demoralisiert wurden, gab es zuwenig Vertrauensleute. Manche Vertrauensleute hatten über 100 Kollegen zu vertreten. Sie waren dazu auch noch für die andere Schicht zuständig. Viele verloren dabei die genaue Kenntnis der Arbeitsverhältnisse ihrer Kollegen. Sie konnten sich nicht mit den Kollegen gemeinsam beraten, was zu machen ist.

Ist der Vertrauensmann erst einmal in dieser Weise isoliert von seinen Kollegen, dann kommt es schnell dazu, daß er einen Kollegen, der einen Rat will, an den entsprechenden Betriebsrat verweist. Denn die Betriebsräte haben sich ja spezialisiert auf Fragen wie Lohn, Unfall, Wohnung usw. Die Probleme der Kollegen werden jetzt zu verschiedenen Spezialproblemen, die man einem 'Fachmann' vorträgt. Der Vertrauensmann wird degradiert zum Zeitungsträger und zu einer bloßen Auskunftstelle über die verwickelte Arbeit des Betriebsrats.

Hier muß man es einmal offen aussprechen, daß durch die Politik der Betriebsräte bei Ford aus den gewerkschaftlichen Vertrauensleuten in Wirklichkeit der verlängerte Arm des Betriebsrates geworden ist.

Dies ist die wahre Ursache, warum es bei Ford mit der Arbeit der Vertrauensleute so schlecht steht. Nicht weil die Kollegen sich für nichts interessieren oder einzelne Vertrauensleute faul sind. Sondern weil die Gewerkschaftsführung über ihre Betriebsräte systematisch eine gewerkschaftliche Arbeit bei Ford verhindert hat.

WAS IST DER AUSWEG AUS DIESER LAGE, WIE MÜSSEN DIE KOMMUNISTEN HIER HANDELN?

Unser Ziel ist der Aufbau einer starken Gewerkschaftsopposition, weil die Gewerkschaftsführung, wie wir am Beispiel Ford bewiesen haben, eine konsequente Interessenvertretung der Kollegen verhindert. Ein Schritt in diese Richtung sind gewerkschaftliche Mitgliederversammlungen und Abteilungsversammlungen vor der Vertrauensleutewahl.

KOLLEGEN SCHLAGT SELBST EURE KANDIDATEN FÜR DIE VERTRAUENSLEUTEWAHL VOR!
SCHON JETZT MUSS DAMIT BEGONNEN WERDEN ZU PRÜFEN, WER SICH DAFÜR EIGNET!"
Q: Rote Fahne Nr. 46, Dortmund 7.6.1972, S. 4

29.05.1972:
Die KPD (vgl. 7.6.1972) berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
ARBEITERKORRESPONDENZ
DIE WERKSMEISTER BEI FORD

Das ist wieder so ein Sklaventreiber, hört man oft die Fordkollegen an den Bändern oder in den Maschinenhallen sagen. Mit Sklaventreiber meinen sie meist einen Meister oder anderen Vorgesetzten. Man sollte zwar nicht alle Produktionsmeister über einen Kamm scheren, aber in der Regel haben die Kollegen recht:
Um selbst bei ihren Vorgesetzten zu glänzen, sehen viele Meister ihre Hauptaufgabe darin, möglichst viel aus den Kollegen herauszuschinden. Es ist nicht besondere Bosheit, was sie dazu treibt. Oft haben die Zeitnehmer eine Stückzahl errechnet, die die Arbeiter selbst bei der größten Anstrengung nicht erreichen können. Dann wird dem Meister der Vorwurf gemacht, er bringe keine Leistung. Da die Meistergehälter flexibel sind, steigt dann sein Lohn nicht. Er wird in eine andere Abteilung abgeschoben, oder man droht ihm mit der Rückversetzung in die Produktion. Kein Wunder, daß die Meister dann alle möglichen Tricks abwenden, um die Kollegen zur Arbeit anzutreiben. Das geht an den Bändern mit Schreien und Entlassungsdrohungen vor sich. Selbst Meister werden im Beisein der ihnen unterstellten Arbeiter von anderen Vorgesetzten angeschrien.

In den Maschinenhallen sind die Methoden meist anders. Dort versuchen die Meister oft durch Lob, Schmeicheleien, Auf-die-Schulter-klopfen ('wie machst Du das eigentlich, daß Du so viel schaffst? Die anderen sind doch Flaschen…'), mehr Arbeit aus den Kollegen herauszuholen. Oder sie versprechen den Kollegen Samstagsarbeit. Besonders neu angestellte Türken fallen auf diese 'Freundlichkeiten' herein. Aber nicht immer lassen sich noch höhere Stückzahlen herauspressen. Die Kollegen schaffen es einfach nicht.

Die Folge: die Meister müssen den Prellbock zwischen ihren Vorgesetzten und den Arbeitern spielen. Das halten viele nicht aus. Sie kriegen Herz- und Nervenkrankheiten.

Man kann bei Ford von Herzkrankheiten als einer Meisterkrankheit sprechen. Die Meister bei Ford sind fast alle Werksmeister, d.h. sie haben ihren Meistertitel bei Ford erworben. Wenn sie ihren Arbeitsplatz in der Firma verlieren, verlieren sie zugleich unweigerlich ihre Meisterposition: sie müßten in einem anderen Betrieb wieder als ungelernte Arbeiter anfangen. So macht Ford die Meister vom Betrieb abhängig: selbst wenn einem Meister sein Geschäft nicht mehr paßt, wird er nicht von sich aus kündigen, weil es für ihn ein finanzielles Risiko wäre. Die Kollegen sagen treffend: 'Da müßten sie die Schippe wieder selber in die Hand nehmen!'

Leute, die ihre Prüfungen draußen abgelegt haben und damit unabhängig sein könnten, sind in den Fordwerken nicht gern gesehen. Sie werden in ihrem Aufstieg behindert. Denn sie könnten doch Rückgrat besitzen."
Q: Rote Fahne Nr. 46, Dortmund 7.6.1972, S. 4

31.05.1972:
Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund soll vermutlich heute Mittag die 'Rote Fahne' (RF) der KPD/ML-ZB Nr.11 vom 29.5.1972 verkauft werden, für die morgens u.a. so geworben wurde:"

GESPRÄCH MIT DER SIEGREICHEN 3. LISTE BEI FORD
1 817 Kollegen haben für sie gestimmt. Lest das Interview mit einem ihrer Vertreter".
Q: Rutsche Kumpels, aufgepaßt: 'Tarifwahrheit bedeutet Lohnabbau'!, Dortmund o.J. (1972), S. 8

Juni 1972:
In der Nr. 5 seines 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) (vgl. Mai 1972, Juli 1972) berichtet der KJVD der KPD/ML-ZB auch aus Köln von Ford.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr. 5, Bochum Juni 1972

KJVD_KDAJ_1972_05_06


12.06.1972:
Anfang dieser Woche erscheinen bei Hoesch Dortmund eine 'Rote Westfalenwalze' (vgl. 22.5.1972, 20.6.1972) der KPD/ML-ZB und KJVD Betriebsgruppe Westfalenhütte und ein 'Rotes Schwungrad' der KPD/ML-ZB Betriebsgruppe Phoenix (vgl. 27.4.1972, 20.6.1972) mit je 8 Seiten DIN A 4 und identischem Text:"
FREISPRUCH FÜR KLAUS DILLMANN!

Der Genosse Klaus Dillmann soll am 21. dieses Monats vor dem Dortmunder Gericht abgeurteilt werden. Es dreht sich um den Kampf der Dortmunder Arbeiter, Werktätigen, Lehrlinge, Hausfrauen, Schüler und Studenten gegen die unverschämten Fahrpreiserhöhungen im vergangenen Jahr um 33% (vgl. 1.3.1971, d.Vf.). Der Genosse soll als Rädelsführer hauptverantwortlich gemacht werden. … Gerade wird jetzt wird unter dem Vorwand der Bombenattentate (der RAF,d.Vf.), die wir auch auf das schärfste verurteilen, die Polizei mit MP's ausgerüstet, werden Gesetze zur Vorbeugehaft, zum Einsatz des Bundesgrenzschutzes (BGS,d.Vf.) verabschiedet oder bearbeitet. Als im vorigen Jahr die Kollegen von Ford in Köln (IGM-Bereich - vgl. **.**.1971,d.Vf.) streikten, landeten dort Bundesgrenzschutz-Hubschrauber.

Hier in Dortmund ist auf dem alten Zechengelände Gneisenau ein Landeplatz für 5 Kampfhubschrauber gebaut worden, um einmal gegen streikende Arbeiter vorzugehen. In den Betrieben werden fortschrittliche Kollegen eingeschüchtert, werden schwarze Listen geführt."
Q: Die Rote Westfalenwalze Freispruch für Klaus Dillmann!, Dortmund o. J. (Juni 1972); Das Rote Schwungrad Freispruch für Klaus Dillmann!, Dortmund o. J. (Juni 1972)

19.06.1972:
Heute wird in Berlin das folgende 'Extrablatt' der KPD/ML-ZB verteilt:"
KAMPF DEM BONNER NOTSTANDSSTAAT!

Bei den Betriebsratswahlen (BRW,d.Vf.), der wichtigsten Klassenschlacht der vergangenen Monate, stand in den Großbetrieben Westdeutschlands und Westberlins schon die entscheidende Frage auf der Tagesordnung: Sozialdemokratie oder Kommunismus? - Mit aktiver Unterstützung der Betriebsgruppen der KPD/ML und des KJVD wurden oppositionelle und kommunistische Arbeiter als klassenkämpferische Betriebsräte bei Opel-Bochum, Ford-Köln und Daimler-Benz-Untertürkheim (in Stuttgart, alle: IGM-Bereich,d.Vf.) durchgesetzt!"
Q: KPD/ML-ZB: Extrablatt der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, Berlin 19.6.1972, S. 1ff; Rote Fahne Extrablatt, Bochum Juni 1972

21.06.1972:
Im 'Klassenkampf' Nr. 22 (vgl. 19.6.1972, 19.7.1972) beschäftigt sich der BKA Freiburg mit den Betriebsratswahlen (BRW) u.a. bei Ford Köln.
Q: Klassenkampf Nr. 22,Freiburg 21.6.1972, S. 7

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Juli 1972:
Für den der DKP nahestehenden 'Mittelstandskurier' (vgl. 14.8.1972) berichtet R.F. vermutlich aus dem Juli:"
DIE EWG IST MITTELSTANDSFEINDLICH
SCHUTZGEMEINSCHAFT DER GROSSBANKEN UND KONZERNE

In der EWG haben sich vor allem die multinationalen Konzerne entfaltet - trotz des EWG-Wettbewerbsrechts. es sind dies Unternehmen wie Philips, Ford, Siemens, Standard Oil, Unilever, Shell, Fiat-Citroen. Ihre Herrschaft ist so stark, daß, wie die 'Frankfurter Rundschau' (FR,d.Vf.) am 18.Juli 172 schrieb, 'die Regierungen kleiner kapitalistischer änder oft nicht mehr gegen große Konzerne aufzumucken wagen'. Vor allem die US-Konzerne setzen sich rabiat über die Rechte der Länder hinweg. Hier ist nicht nur die Hauptquelle des Drucks gegen die kleinen Unternehmer und Handwerker, der Preis- und Inflationswellen, sondern auch eine ständige politische wirtschaftliche Machtentfaltung gegen die demokratischen Rechte der Bürger und Staaten zu sehen. Es ist darum richtig, wenn vor allem diese Quellen aller Übel verstopft werden müssen - durch Kontrolle der Konzernmacht und - wie auch die Gewerkschaften es verlangen, durch Mitbestimmung der Arbeitnehmer über die Investitionen, Preise und Gewinne. Da zehntausende Kleinunternehmer und Handwerker als Zulieferer von den Entscheidungen dieser internationalen Konzerne mitbetroffen sind, ist es nötig, sich mit den Gewerkschaften gegen diese Macht des internationalen Kapitals zu verbinden."
Q: Mittelstandskurier H. 4, Köln Juli/Aug. 1972, S. 15

Juli 1972:
Der KB gibt den 'Arbeiterkampf' (AK) Nr. 20 (vgl. Juni 1972, Sept. 1972) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Arbeiterkampf Nr. 20, Hamburg Juli 1972

Juli 1972:
Die SAG geben vermutlich diesen Monat die Nr. 13 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Juni 1972, Aug. 1972) heraus, die u.a. Berichte von Ford enthält.
Q: Klassenkampf Nr. 13, Frankfurt o.J. (1972)

August 1972:
Bei Ford Köln gibt der KJVD der KPD/ML-ZB eine Sonderausgabe seiner 'Roten Schwungscheibe' mit einem Aufruf zum Roten Antikriegstag (RAKT) in München (vgl. 2.9.1972) heraus.
Q: Rote Schwungscheibe Sdr.ausg., Köln Aug. 1972

14.08.1972:
Die SBG Regensburg gibt frühestens in dieser Woche die Nr. 23 ihrer 'Arbeitersache' (vgl. 5.7.1972, 25.9.1972) heraus, die über eine Reihe von Streiks u.a. für Teuerungszulagen enthält. Diese wurden u.a. bei Ford Köln angedroht.
Q: Arbeitersache Nr. 23, Regensburg Aug. 1972

September 1972:
In München gibt die Betriebsgruppe Zündapp der ABG ihren 'Zündfunken' Nr.9 (vgl. Aug. 1972, Okt. 1972) heraus, der berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Zündfunke Nr. 9, München Sept. 1972

20.09.1972:
In der Nr. 60 der 'Roten Fahne' der KPD (vgl. 13.9.1972, 27.9.1972) wird berichtet von Ford Köln. Dort trete die DKP für 12% ein. Man selbst fordert 600 DM für Lehrlinge.
Q: Rote Fahne Nr. 61, Dortmund 20.9.1972

01.10.1972:
In Dortmund nehmen, nach eigenen Angaben über 100 Personen an einem Treffen oppositioneller, der KPD-nahestehender Metaller teil. Die Teilnehmer kommen u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 63, Dortmund 4.10.1972; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 1, Dortmund o.J. (1972), S. 36

01.10.1972:
Die KPD (vgl. 4.10.1972) berichtet von der Solidaritätsdemonstration mit den vom Gewerkschaftsausschluss aufgrund der UVB bedrohten Betriebsräten der GOG Opel Bochum. Die Solidaritätserklärung der Teilnehmer der Konferenz in Dortmund (vgl. 1.10.1972), die in die Opel-Versammlung eingebracht werden sollte, ist unterzeichnet von Beschäftigten u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 63, Dortmund 4.10.1972

16.10.1972:
Vermutlich in dieser Woche geben in München die Stadtteilgruppen der ABG die Nr. 14 ihres 'Roten Anzeigers' (vgl. Sept. 1972, Nov. 1972) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford.
Q: Roter Anzeiger Nr. 14, München Okt. 1972

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22.10.1972:
Laut KPD/ML-ZB soll in Bochum ein bundesweites Treffen oppositioneller Gewerkschafter stattfinden, zu dem Vertreter kommen wollen u.a. von Ford (Köln).
Die Teilnehmer kommen offensichtlich sowohl von der KPD/ML-ZB als auch von der KPD/ML-ZK.
Q: Rote Fahne Nr. 21, Bochum 24.10.1972, S. 11; Rote Westfalenwalze Wir Lehrlinge stellen unsere Lohnforderungen auf!, Dortmund o.J. (Nov. 1972), S. 3

20.11.1972:
Vermutlich in dieser Woche geben die ABG die Nr. 29 ihrer 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (vgl. 9.10.1972, Dez. 1972) heraus.
Die 'Kämpfende Jugend' befaßt sich u.a. mit der Jugendvertretung bei Ford Köln.
Q: Kommunistische Arbeiter Zeitung Nr. 29, München Nov. 1972

20.11.1972:
In München gibt die Betriebsgruppe Arri der ABG ihre 'Rote Optik' Nr.14 (vgl. 9.10.1972, Dez. 1973) vermutlich in dieser Woche heraus und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Optik Nr. 14, München Nov. 1972

29.11.1972:
Bei Ford Köln gibt die Zelle der KPD die Nr. 7 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 9.5.1972, 25.1.1973) heraus, auf deren 6 Seiten sie sich u.a. mit den Bundestagswahlen (BTW), im Leitartikel "Schluss mit den Manövern der Gewerkschaftsführung!" mit den Auseinandersetzungen um Tolusch im IGM Ortsverein und der Metalltarifrunde (MTR), in einer Lehrlingskorrespondenz mit der Jugendversammlung, mit der Betriebsversammlung, dem eigenen Werk und dem Werk Ford Düren befaßt und den 'Rote Fahne' Verkauf einmal in der Woche ankündigt.
Eine Arbeiterkorrespondenz stellt fest: "Automaten ersetzen keine Kantine!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ford Nr. 7, Köln 29.11.1972

Dezember 1972:
Die Nr. 12 der 'Roten Fahne' des KABD (vgl. Nov. 1972, Jan. 1973) berichtet u.a. über Ford in Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 12, Tübingen Dez. 1972

01.12.1972:
Vermutlich Anfang Dezember gibt der KB Bremen die Nr. 11 seiner 'Wahrheit' (vgl. 9.11.1972, 21.1.1973) heraus. Berichtet wird auch über einen "Streik bei Ford (Köln)".
Q: Wahrheit Nr. 11,Bremen Dez. 1972, S. 4

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18.12.1972:
Vermutlich in dieser Woche gibt die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD erstmals ihre 'Revolutionäre Gewerkschaftsopposition' (RGO) (vgl. März 1973) heraus. Die Notwendigkeit des Aufbaus der RGO ergibt sich u.a. aus den Ausschlußverfahren (UVB), wie sie von DKP und SPD u.a. bei Ford Köln betrieben werden. Abgedruckt werden Auszüge aus verschiedenen 'Kommunistischen Arbeiterpressen', u.a. von Ford Köln.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 1, Dortmund o.J. (1972)

25.01.1973:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) Nr. 9 (vgl. 29.11.1972, 5.4.1973) mit einem Umfang von sechs Seiten DIN A 4 heraus mit Berichten über die Metalltarifrunde (MTR), u.a. über die betriebsnahe Tarifpolitik, aus der W-Halle, und über die Jugendvertretung bzw. die kommende Jugendversammlung und von der Betriebsversammlung. Es wird auch auf die Vietnamkundgebung am 27.1.1973 hingewiesen sowie auf die "Stellung der SPD-Führer zu Vietnam". Es gibt auch einen Artikel auf Türkisch.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 2 und 6/7, Dortmund o.J. (1973) bzw. Sept. 1973; Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 9, Köln 25.1.1973

27.01.1973:
In Köln soll, laut KPD, eine Vietnamkundgebung stattfinden, auf der die SPD Hans Jürgen Wischnewski reden lassen will.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 9, Köln 25.1.1973

14.02.1973:
Die KPD gibt die Nr. 7 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 7.2.1973, 21.2.1973) heraus und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 7, Dortmund 14.2.1973

17.02.1973:
Es erscheint der 'Express' Nr.2 (vgl. 22.1.1973, 21.2.1973) u.a. mit dem folgenden:"
BRIEF AUS NRW

Kollegen vom 'express'! Das Urabstimmungsergebnis vom 11. Januar hat hier bei uns in NRW nachhaltigen Eindruck hinterlassen. In stürmischen Betriebsrätekonferenzen und Vertrauensmännerversammlungen wurde das Ergebnis kritisiert und abgelehnt. In Versammlungen ist immer öfter von einem 'heißen Sommer' gesprochen worden. Fast alle Tageszeitungen in NRW haben diese Stimmung aufgegriffen und in Kommentaren auf die Unruhe in den Betrieben hingewiesen und offen darüber geschrieben, daß es in der Stahlindustrie spätestens im Sommer zu Streiks kommen werde.

Auch in der Metallverarbeitung herrscht echte Kampfstimmung. Während der Tarifverhandlungen war es eigentlich sehr ruhig, denn die Kollegen sagten, das Ergebnis bei Stahl wird auch für uns beschlossen. Doch nachdem der Abschluß feststand und die Metallarbeiter nachrechnen konnten, wie sich das in der Lohntüte auswirkt, kam es zu Unruhen. In Großbetrieben sind die Unternehmer gezwungen, wenn sie Ruhe haben wollen, Zugeständnisse zu machen. Ford Köln und Babcock Oberhausen und andere haben die Löhne effektiv gezahlt. In anderen Betrieben, vorwiegend Klein- und Mittelbetrieben in Düsseldorf, Velbert, Gelsenkirchen, Hagen, Wuppertal, Dortmund streikten die Arbeiter, um Umgruppierungen, Kürzungen ihrer Akkorde und den Abbau von übertariflichen Leistungen zu verhindern. In der gesamten Metallindustrie wird das Hoesch-Beispiel diskutiert und gibt Arbeitern und Betriebsfunktionären Mut und Auftrieb."
Q: Express Nr. 2, Offenbach 17.2.1973

23.02.1973:
In Regensburg gibt die Siemens-Betriebsgruppe der SBG der ABG ihre 'Auf Draht' Nr. 2 (vgl. 22.1.1973, März 1973) für Siemens Irler Höhe Regensburg und das Siemens Wernerwerk Prüfening auf Februar datiert vermutlich heute heraus.
Zum Abschluß der Stahltarifrunde (STR) der IGM u.a. in NRW (vgl. 11.1.1973) heißt es:"
NACH DEM ABSCHLSS

Die Rechnung war eindeutig: mindestens 60 Pfg. pro Stunde oder 11%. Deshalb gibt es auf das Lohndiktat von 46 Pfg. oder 8,5% nur eine richtige Antwort: Streik.

Zwei Tage ruhte in den Hoesch-Hüttenwerken Dortmund die Arbeit (vgl. 8.2.1973,d.Vf.). Viele tausend Arbeiter zogen, trotz strömenden Regens, wie im Herbst 1969 durch die Straßen und forderten 14 Pfg. mehr. Gegen den unerbittlichen Widerstand der Stahl-Bosse und trotz der Weigerung von Loderer und IGM-Führung, diesen Streik zu unterstützen, konnten die Hoesch-Stahlwerker sich 5 Pfg. mehr erkämpfen.

- Ebenfalls zwei Tage lang streikten die Klöckner-Kollegen in Bremen (vgl. 29.1.1973,d.Vf.). Sie setzten durch ihre geschlossene Aktion nach dem 8,5%- Lohnraub-Abschluß die 11% voll durch.

- Denselben Erfolg errangen die Arbeiter von Ford Köln (vgl. Jan. 1973,d. Vf.). In einer Betriebsvereinbarung wurden die auf 11% fehlenden 2,5% festgelegt.

Kollegen, für uns ist der 8,5%-Abschluß genausowenig tragbar. Die Metaller von Hoesch, Klöckner und Ford geben das richtige Beispiel!"
Q: Auf Draht Nr. 2, Regensburg Feb. 1973

26.02.1973:
In Regensburg gibt die Betriebsgruppe AEG Sachsenwerk der SBG der ABG ihren 'Roten Sachsenwerker' Nr.14 (vgl. Dez. 1972, März 1973) heraus. Zum Abschluß der Stahltarifrunde (STR) der IGM u.a. in NRW (vgl. 11.1.1973) erscheint derselbe Artikel wie in der 'Auf Draht' für Siemens (vgl. 23.2.1973).
Q: Roter Sachsenwerker Nr. 14, Regensburg Feb. 1973

März 1973:
Vermutlich im März gibt die Gewerkschaftsabteilung beim ZK der KPD die Nr.2 ihrer 'Revolutionären Gewerkschaftsopposition' (RGO – vgl. 18.12.1972, Mai 1973) heraus und befaßt sich u.a. mit den Ausschlußverfahren aus den DGB-Gewerkschaften u.a. bei Ford Köln.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 2, Dortmund o.J. (1973)

01.03.1973:
Zu der vermutlich heute stattfindenden Gründung des Aachener NC-Komitees geben die Sympathisanten des KSV der KPD an der TH am Gründungstag folgendes Flugblatt heraus:"
PLATTFORMVORSCHLAG FÜR DIE ARBEIT DES ZENTRALEN AUSSCHUSSES GEGEN DEN NC

Mit dieser Regulierung soll die Ausbildung noch weiter unter die Interessen des Kapitals subsumiert werden. Das bedeutet, daß je nach den Bedürfnissen der Industrie die für sie interessanten Fachbereiche ausgebaut werden, während andere verkleinert oder stillgelegt werden. So hängt der Ausbau der Fachrichtung Fahrzeugbau in Köln wesentlich von der Entwicklung des Ford-Konzerns ab. Oder hier in Aachen werden je nach Bedürfnissen von Philips die Studentenzahlen in der E-Technik gesenkt oder gehoben werden. So schafft sich die Bourgeoisie die Mittel, ihre kurzfristigen Ziele optimal an den Hochschulen durchzusetzen."
Q: KSV-Sympathisanten TH Aachen: Plattformvorschlag für die Arbeit des zentralen Ausschusses gegen den NC, Aachen o.J. (1973)

12.03.1973:
In München gibt die Betriebsgruppe Zündapp der ABG ihren 'Zündfunken' Nr. 15 (vgl. Feb. 1973, 16.4.1973) vermutlich in dieser Woche heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Zündfunke Nr. 15, München März 1973

01.04.1973:
Die KPD berichtet vermutlich von heute:"
Im 'Maikomitee' Köln werden zum größten Teil Ford-Kollegen (IGM-Bereich,d.Vf.) gegen die Einführung der kapitalistischen Stufenausbildung kämpfen und zusammen mit ihren türkischen Kollegen gegen die Spaltung von deutschen und ausländischen Arbeitern vorgehen."
Q: Rote Fahne Nr. 15, Dortmund 11.4.1973, S. 7

05.04.1973:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) Nr. 11 (vgl. 25.1.1973, 11.5.1973) mit einem Umfang von sechs Seiten DIN A 4 und dem Leitartikel "Vorwärts zum 1. Mai" heraus, wobei zum 1. Mai auch auf Türkisch aufgerufen wird. Geschildert wird auch sowohl auf deutsch als auch auf Türkisch die F-K Halle oder: "Die Hölle von Ford". Von den Lehrlingen wird berichtet über "Die Verschlechterung der Lehre durch den Stufenplan für Elektro-Berufe", gefordert wird für Lehrlinge: "Weg mit den Vorgabezeiten!", die Reaktionen auf ein vor der Lehrwerkstatt verteiltes Flugblatt schildert der Artikel "Die Jugendvertretung rotiert".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 11, Köln 5.4.1973

14.04.1973:
In Dortmund-Mengede beginnt der zweitägige nationale Kongreß oppositioneller Gewerkschafter im Saalbau (vgl. 1.4.1973, 16.4.1973), der, laut der aufrufenden KPD, von über 500 Gewerkschaftern besucht wird, die sich für die "Stärkung der Revolutionären Gewerkschaftsopposition" ausgesprochen hätten.
In der 'Roten Fahne' (RF) erstattet die KPD einen:"
BERICHT ÜBER DIE 4 EINZELKONFERENZEN DES 1. TAGES:

- Automobilarbeiter aus den Betrieben Daimler, Opel, Ford und VW hoben in ihren Beiträgen hervor, daß gerade in ihren Bereichen stärker als bisher der Kampf gegen die kapitalistische Rationalisierung und ihre Folgen geführt werden muß, z.B. gegen die Einführung der ausbeuterischen Arbeitsbewertungssysteme wie MTM."

Die 'RGO' berichtet:"
THESEN ZUR ARBEIT IN DER IG METALL

Mit den Beschlüssen bis zum Herbst eine Automobilarbeiterkonferenz der anwesenden Kollegen von Opel, VW, Ford, Daimler-Benz u.a. und eine Vertrauensleute-Konferenz oppositioneller Gewerkschafter durchzuführen, wurden konkrete Maßnahmen eingeleitet; die politische Linie der oppositionellen Gewerkschafter in der IG Metall noch mehr zum Tragen zu bringen.
Q: Rote Fahne Nr. 14, 15 und 16,Dortmund 4.4.1973, 11.4.1973 bzw. 18.4.1973, S. 1, S. 1 bzw. S. 1, 4 und 5; Revolutionäre Gewerkschafts Opposition Nr. 3 und 6/7, Dortmund Mai 1973 bzw. Sept. 1973, S. 2ff bzw. S.*

25.04.1973:
Die GIM bei Hoesch berichtet am 15.5.1973 von heute und morgen:"
Vertrauensleute der Westfalenhütte und von Phoenix fordern:
WEG MIT DEN 46 PFENNIG/8,5%-ABSCHLÜSSEN! SOFORTIGE KÜNDIGUNG DER TARIFVERTRÄGE!


Die Preise steigen weiter. Stärker als je zuvor! Aber IGM-Chef Loderer denkt nicht daran den Lohnkampf wiederaufzunehmen. Mit Mauscheleien bei den Manteltarifverträgen hofft er, aus der Klemme zu kommen (Erhöhungen der Zuschläge für Spät- und Nachtarbeit). Notwendig aber ist, die Kündigung der Lohntarifverträge vom 5.1. d.J. und die Aushandlung neuer, allgemeiner Lohnerhöhungen.
Genau in diesem Sinne haben sich die Vertrauensleute der Werke Westfalenhütte und Phoenix auf ihren Vollversammlungen vom 25. bzw. 26.4. ausgesprochen. Auch in vielen anderen Betrieben der metallverarbeitenden und der Eisen- und Stahlindustrie werden ähnliche Forderungen gestellt (Stahlwerke Südwestfalen (SSW,d.Vf.), Ford, Opel, VW u.a.)."
Q: Solidarität Nr. 4, Dortmund 15.5.1973, S. 3

01.05.1973:
In Köln tritt auf der DGB Demonstration, laut KABD, u.a. die KPD auf. In Köln bilden, laut KPD, ihre Anhänger einen oppositionellen Block. Das oppositionelle Maikomitee der KPD arbeitet u.a. bei Ford Merkenich, in der IG Metall (IGM), bei Felten und Guillaume, in der Chemieindustrie und bei Bayer Leverkusen.
Q: Rote Fahne Nr. 18,Dortmund 2.5.1973, S. 3; Rote Fahne Nr. 5, Tübingen Mai 1973

06.05.1973:
In der Mülheimer Stadthalle besuchen, laut KPD (vgl. 1^1.5.1973), ca. 350 Vertrauensleute von Ford die Vertrauensleuteversammlung. Der KSV der KPD (vgl. 16.5.1973) berichtet von den Manteltarifforderungen (MTV) der IGM (vgl. 29.3.1973, 11.5.1973):"
In der gesamten Eisen -, Stahl und Metallbranche wird von oppositionellen Gewerkschaftern die Forderung nach vorfristiger Kündigung der Lohntarifverträge erhoben und immer mehr Kollegen schließen sich hinter dieser Forderung zusammen. Auf der Vertrauensleute-Vollversammlung bei Ford-Köln z. B. am 6.5.1973, wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der die Bezirksleitung und der Vorstand der IG-Metall aufgefordert wurden, die Lohntarife zu kündigen."
Q: Dem Volke Dienen Nr. 12, Dortmund 16.5.1973; Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 12, Köln 11.5.1973, S. 3f

09.05.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr. 19 (vgl. 2.5.1973, 16.5.1973) heraus und berichtet u.a. aus Köln von Ford.
Q: Rote Fahne Nr. 19, Dortmund 9.5.1973

11.05.1973:
Der KSV der KPD (vgl. 16.5.1973) berichtet von den Manteltarifforderungen (MTV) der IGM (vgl. 29.3.1973):"
In der gesamten Eisen -, Stahl und Metallbranche wird von oppositionellen Gewerkschaftern die Forderung nach vorfristiger Kündigung der Lohntarifverträge erhoben und immer mehr Kollegen schließen sich hinter dieser Forderung zusammen. Auf der Vertrauensleute-Vollversammlung bei Ford-Köln z. B. am 6.5.1973, wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der die Bezirksleitung und der Vorstand der IG-Metall aufgefordert wurden, die Lohntarife zu kündigen.
Ähnlichlautende Forderungen wurden bei Hoesch-Westfalenhütte und Phoenix auf den Vertrauensleute-Vollversammlungen angenommen. Der Kampf der Kollegen richtet sich gegen die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen der Werktätigen.
Die paar Pfennig, die ihnen der 46-Pf.-Verrat vom Januar bescherte, reichen nicht einmal aus, die Erhöhung der Lebenshaltungskosten auszugleichen. Durch die Streichung von außertariflichen Zulagen wie z. B. Leistungsprämien usw. ist der Effektivlohn der Kollegen in Wirklichkeit noch nicht einmal um die miesen 8,5% erhöht worden.
Die Kapitalisten greifen zur Sicherung ihrer Profite zum Mittel einer immer maßloseren Steigerung der Arbeitshetze, die Bänder werden schneller gestellt, Springer wegrationalisiert, Vorgabezeiten gekürzt und Akkordsätze hochgeschraubt, die Zahl der Arbeitsunfälle steigt.
Da die Kollegen durch die gesteigerte Arbeitshetze ihre Arbeitskraft stärker verausgaben müssen als früher, ohne dafür mehr Lohn zu erhalten, ist auch die Steigerung der Arbeitshetze Lohnraub, genau wie die Senkung des Reallohns durch Inflation und Preistreiberei. Das 'Stabilitätskonzept' der Brandt-Regierung hat nicht zu einem Ende der Preissteigerung geführt. Im Gegenteil tut sich die SPD/FDP-Regierung als einer der unverschämtesten Preistreiber hervor, raten die bürgerlichen Konjunkturbeobachter zur Drosselung der 'Kaufkraft', zur Erhebung eines 'Konjunkturzuschlages'.
Q: Dem Volke Dienen Nr.12,Dortmund 16.5.1973

11.05.1973:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) Nr. 12 (vgl. 5.4.1973, 26.8.1973) mit einem Umfang von vier Seiten DIN A 4 und dem Leitartikel "Trotz Verbot - der 1. Mai bleibt rot" heraus.

Weitere Artikel sind:
- "Die FK-Halle und was Betriebsrat Lück zur 'Humanisierung des Arbeitsplatzes' meint", der auch auf Türkisch erscheint; sowie
- "Bericht von der Vertrauensleuteversammlung von Ford. Vorfristige Kündigung der Tarifverträge!" (vgl. 6.5.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Nr. 12, Köln 11.5.1973

16.05.1973:
Die KPD setzt sich in der 'Roten Fahne' Nr.20 (vgl. 9.5.1973, 23.5.1973) u.a. mit Ford Köln auseinander.
Q: Rote Fahne Nr.20,Dortmund 16.5.1973

28.05.1973:
Bei Ford Köln findet, laut AB, ein Streik für eine Teuerungszulage (TZL) und eine bessere Urlaubsregelung statt. Laut SAG streiken verschiedene Abteilungen. Laut KPD wird in der Halle A für eine Teuerungszulage (TZL) von 60 Pfennig gestreikt.
Q: Rote Fahne Nr. 22, Dortmund 29.5.1973; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 4, Dortmund Juni 1973;Roter Aufmucker Nr. 28, München Juli 1973;Roter Weichensteller Nr. 10, München Juli 1973;Roter Widerdruck Nr. 24, München Juli 1973;Roter Widerdruck o. Nr.(18), Regensburg o.J. (Juni 1973);Klassenkampf Nr. 25/26, Frankfurt Juli/Aug. 1973

29.05.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.22 (vgl. 23.5.1973, 6.6.1973) heraus und berichtet u.a. von Ford Köln-Niehl (vgl. 28.5.1973) und Köln-Merkenich.
Q: Rote Fahne Nr.22,Dortmund 29.5.1973

Juni 1973:
Die Gewerkschaftsabteilung beim ZK der KPD gibt die Nr. 4 ihrer 'Revolutionären Gewerkschaftsopposition' (RGO - vgl. Mai 1973, Aug. 1973) heraus. Vom Kampf für Teuerungszulagen (TZL) wird berichtet u.a. aus NRW von Ford Köln (vgl. 28.5.1973). Die KPD gab dazu ein Flugblatt "Sofortige Kündigung der Tarifverträge - 60 Pfg. mehr für alle!" heraus, in dem u.a. aus NRW Ford Köln-Merkenich erwähnt wird.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 4, Dortmund Juni 1973

05.06.1973:
Bei DTW Berlin gibt die KPD die Nr. 8 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 30.4.1973, 9.7.1973) heraus, die u.a. über die jüngste Streikwelle (u.a. bei Ford Köln-Niehl und Merkenich) berichtet.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr. 8, Dortmund 5.6.1973

06.06.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 23 (vgl. 29.5.1973, 13.6.1973) heraus. Berichte behandeln u.a. Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 23, Dortmund 6.6.1973

Juli 1973:
Vermutlich im Juli gibt die SAG ihren 'Klassenkampf' Nr. 25/26 für Juli und August (vgl. Juni 1973, 12.9.1973) heraus, in dem man sich mit der Streikwelle in der Metallindustrie befaßt. U.a. wird berichtet von Ford Köln.
Q: Klassenkampf Nr. 25/26, Frankfurt Juli/Aug. 1973

03.07.1973:
Der KSB Frankfurt gibt die Nr. 10 seiner 'Kommunistischen Hochschulpresse' (KHP) (vgl. 29.5.1973, 30.10.1973) heraus. Berichtet wird auch über verschiedene Streiks der letzten Zeit, u.a. bei Ford Köln.
Q: Kommunistische Hochschulpresse Nr. 10, Frankfurt 3.7.1973

August 1973:
Der RJVD des KABD (vgl. Sept. 1973) berichtet aus dem August vom Kampf für Teuerungszulagen (TZL):"
ALLE RÄDER STEHEN STILL… WENN UNSER STARKER ARM ES WILL.

Juni 1973: höchste Teuerungsrate seit Bestehen der BRD, rund 8%. Schon in den beiden vorangegangenen Tarifrunden 1971 und im Januar 1973 waren die Arbeiter billig abgespeist worden. Im August platze Tausenden der Kragen. In Datteln bei Rhein Zink (vgl. 20.8.1973,d.Vf.), dann bei Küppersbusch (vgl. 16.8.1973,d.Vf.) ging es los. Teuerungszulagen von 40 Pfennig pro Stunde bis 400 DM für den Rest des Jahres wurden gefordert und erkämpft. Der Funke sprang auf Opel (Bochum - vgl. 22.8.1973,d.Vf.) über: 19 000 im Streik für 280 DM Zulage. Als sie um 100 DM betrogen werden sollten ( soviel sollte als Vorschuß auf's Weihnachtsgeld angerechnet werden), streikten sie für volle 300 DM weiter. 2 000 waren es bei der Gutehoffnungshütte (Oberhausen - vgl. 23.8.1973,d.Vf.), 1 200 bei Rheinstahl (Duisburg - vgl. 23.8.1973,d.Vf.) und schließlich 17. 000 bei Ford (Köln - vgl. 24.8.1973,d.Vf.). Solidaritätsstreiks und Warnstreiks in Villingen (vgl. Aug. 1973,d.Vf.), Kassel (vgl. Aug. 1973,d.Vf.) und Westberlin schlossen sich an. Erfolge gab es dort, wo kompromißlos und offensiv gekämpft wurde. Die Bosse schickten Werksschutz, Streikbrecher mit Schläger-Aufträgen und schließlich in Neuss (vgl. 13.8.1973,d.Vf.) und bei Ford Polizeiknüppel. Daß diese Szenen offen im Fernsehen gezeigt wurden, schlug teilweise auf die Arbeiterfeinde zurück. Brandt pfiff die Journalisten zurück, sie sollten fortan 'zurückhaltender' berichten. Selten wurde so deutlich, auf welcher Seite diese SPD-Regierung steht. Die Gewerkschaftsspitze verschanzte sich hinter dem Tariffrieden und warf den Bossen vor, daß man schon früher hätte verhandeln müssen, um Kämpfe zu vermeiden. Plötzlich wollten sie alle Verhandlungen, die Regierung, die Gewerkschaftsführung und die Bosse. Eifrig waren die Abwiegler am Werk. SPD-Spitzenfunktionäre und Minister Arendt riet den Bossen 'zunächst einmal Verhandlungen mit der IG-Metall zu beginnen und diese, wenn möglich, so lange hinzuziehen, bis gegen Ende des Jahres ohnehin über einen neuen Tarifvertrag verhandelt werden müsse.' Das ist es also, was die SPD-Regierung will. Merken wir uns das."
Q: Rebell Nr. 9, Tübingen Sept. 1973, S. 5

August 1973:
In Nürnberg gibt der AB vermutlich im August die Nr. 1 seines 'Metallarbeiter' (vgl. Mai 1974) - Informationsblatt des AB für die Nürnberger Metallarbeiter heraus. Berichtet wird von Opel Bochum, Ford Köln und AEG Küppersbusch Gelsenkirchen.
Q: Metallarbeiter Nr. 1, Nürnberg o.J. (1973)

06.08.1973:
Bei Mannesmann (MM) Düsseldorf-Lierenfeld befaßt sich der Betriebsrat, laut KPD (vgl. 15.8.1973), heute mit dem Antrag der Geschäftsleitung auf Entlassung des Jugendvertreters Gerd Bail (vgl. 10.8.1973), dem zugestimmt wird.

Die KPD/ML (vgl. 18.8.1973) berichtet vermutlich aus dieser Woche von Mannesmann (MM) Düsseldorf über die Jugendvertreterentlassung, gegen die sich neben KPD/ML und Roter Garde (RG) auch die KPD sowie die Jugendvertretungen von Ford Köln, Mannesmann Düsseldorf-Rath, Mannesmann Solingen und Schering Berlin einsetzen.
Q: Roter Morgen Nr.32,Dortmund 18.8.1973; Rote Fahne Nr. 33, Dortmund 15.8.1973, S. 1

20.08.1973:
Der RJVD des KABD (vgl. Sept. 1973) berichtet u.a. aus dieser Woche:"
DEN BOSSEN DAMPF GEMACHT!

Über 100 000 Metallern war es Mitte August zuviel. Was uns in den letzten Monaten an Arbeitshetze, Teuerung und leeren Versprechungen zugemutet wurde - da mußte ein klares Nein gesprochen werden. Als die Geldentwertung zur Jahresmitte alle Rekorde schlug, knallten die Kollegen die Rechnung für die Lohnraubpolitik der letzten Jahre auf den Tisch.
Wie ein Lauffeuer breiteten sich die Streiks im Westen aus. Überall wurden Teuerungszulagen gefordert und, wo hart gekämpft wurde, auch erreicht.
19. 000 Opel-Arbeiter (in Bochum - vgl. 22.8.1973,d.Vf.), 17. 000 bei Ford (in Köln - vgl. 24.8.1973,d.Vf.) versetzen die Bosse in solche Angst, daß sie auch nicht vor brutalem Polizeieinsatz gegen Streikende zurückschreckten.
Aufgescheucht durch den offensiven Kampf der Kollegen ziehen die Bosse alle Register, um ja keine Profiteinbußen hinnehmen zu müssen und um die Arbeiter zu beschwichtigen.
Ihre SPD-Regierung ließen sie die Platte von der Stabilität vorspielen. Ihre Freunde von der Gewerkschaftsspitze 'bedauerten' den Streik. Trotz aller Anstrengungen der Gewerkschaftsführung, den lieben Frieden wiederherzustellen, bekamen sie noch schlechtere Noten vom Bundeskanzler Brandt: 'Das kommt doch alles wie 1969, was macht ihr eigentlich?'
Die Regierung selber machte schnell klar, auf welcher Seite sie steht. Brandt persönlich beschwor im Fernsehen die 'erprobten Spielregeln …, auf die unser Staat angewiesen ist'. Unser Staat? Seltsam nur, daß dieser Staat, der angeblich der unsrige ist, Polizei auf uns Arbeiter hetzte. Trotz aller Versuche der anderen Seite, den Kampf durch Verleumdungen und Falschmeldungen in den Schmutz zu ziehen, dürfen wir uns nicht irreführen lassen. Lernen wir aus den Streiks, daß wir uns nicht spalten lassen dürfen in Ausländer und Deutsche, Junge und Alte, Kommunisten und Sozialdemokraten, lernen wir unseren Weg klarer erkennen, den Weg des Kampfes in einer einheitlichen Kampffront gegen das Monopolkapital, den Weg der Arbeiteroffensive."
Q: Rebell Nr. 9, Tübingen Sept. 1973, S. 1

20.08.1973:
Bei Ford Köln wird, laut Kommunistische Gruppe (KG) Aachen des AB (vgl. 27.8.1973), auf der heutigen Betriebsversammlung (BV) eine Teuerungszulage (TZL) von 60 Pfg. gefordert (vgl. 24.8.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2/3, Aachen Juli/Aug. 1973, S. 16

22.08.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr. 34 (vgl. 15.8.1973, 29.8.1973) heraus.
Von Ford Köln wird berichtet über die Jugendversammlung, die R-Halle und die Härterei in der Z-Halle.
Q: Rote Fahne Nr. 34, Dortmund 22.8.1973

24.08.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von ihrer bald bundesweiten Solidaritätsarbeit (vgl. 28.8.1973) mit den Streiks, die heute in NRW im IGM-Bereich u.a. bei Klöckner VDI Düsseldorf, Ford Köln und Valvo Aachen beginnen:"
Bei Beginn des Streiks am Freitag war klar: die Kollegen brauchten Megaphone für die Agitation und die Führung der Streiks. Die Verpflegung der Streikenden mußte organisiert werden. Klar war auch, daß es Entlassungen und materielle Not geben würde, daß die Organisierung der Rechtshilfe vorbereitet werden mußte. Diese Aufgaben hat die RH entschlossen in Angriff genommen."
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 5

24.08.1973:
Die Kollegen von Ford Köln legen, laut KFR, die Arbeit nieder und fordern die Wiedereinstellung von 300 entlassenen türkischen Kollegen, Reduzierung der Bandgeschwindigkeiten und 1 DM Teuerungszulage (TZL) mehr für alle (vgl. 25.8.1973).

Vor allem der KPD und ihrer Roten Hilfe (RH) e.V. gelingt es, laut dem KSV der KPD, relativ zu anderen Gruppen gesehen, auf diese Streikaktionen innerhalb und außerhalb des Betriebes Einfluß zu nehmen, u.a. da der Türke Baha Targün (Mitglied der Streikleitung), der als einer der Mitinitiatoren des Streiks gilt, mit der KPD zusammenarbeitet.
Kurze Zeit später wird er mit einer Reihe von weiteren Kollegen, die sich an illegalen Arbeitsniederlegungen beteiligt haben, entlassen. Er schließt sich mit anderen im sogenannten Ford-Solidaritäts-Komitee zusammen, auf das die KPD wesentlichen Einfluß hat.

Die Kommunistische Gruppe (KG) Aachen des AB (vgl. 27.8.1973) berichtet (vgl. 20.8.1973):"
Auch bei Ford flogen am Freitag alle Hebel raus. 17 000 Kollegen fordern 1 DM mehr für alle und die Rücknahme der Entlassung von 300 türkischen Kollegen.

Angefangen hatte der Kampf, als rund 400 türkische Kollegen durch die Hallen zogen und zur Solidarität mit ihren Landsleuten, die wegen Urlaubsüberziehens entlassen worden waren, aufforderten. Schnell schlossen sich die anderen Kollegen an und schraubten zusätzlich die Forderung von 60 Pfg., die am vergangenen Montag auf der Betriebsversammlung aufgestellt worden war, auf 1 DM hoch. Außerdem fordern sie: Senkung des Arbeitstempos und Verbesserung der Arbeitsbedingungen."

Berichtet wird auch durch den RJVD des KABD (vgl. Sept. 1973).

Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 12.9.1973) berichtet der Arbeiterkampf (AK) Köln über die Türken und die Bänder. der Streik habe in der Endmontage in der Y-Halle begonnen, wo eine Demonstration organisiert wurde, ab 19 Uhr hätten dann alle gestreikt für 60 Pfennig ("Darauf hatten sich sämtliche linken Gruppen , die bei Ford arbeiten, Wochen vorher geeinigt."). Im Streikkomitte habe auch ein deutscher Genosse gesessen. Eingegangen wird im weiteren auf die W-Halle sowie das M-Gebäude und die darin befindlichen Betriebsrats- und Personalratsbüros, den Gesundheitsdienst und die Werksfeuerwehr.
Q: Wir wollen alles Nr. 7/8, Gaiganz Aug./Sept. 1973; Rebell Nr. 9, Tübingen Sept. 1973, S. 1 und 5;Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 2/3, Aachen Juli/Aug. 1973, S. 14 und 16;Dem Volke dienen Nr. 22, Köln 1.10.1973, S. 20ff;Rote Fahne Röchling, Völklingen Sept. 1973;Roter Hoesch Arbeiter/Roter Kumpel Extra, Dortmund 27.8.1973, S. 2;RH e.V.-ZV: 1.Mai 1977, Köln o.J. (1977), S. 5;RH e.V.: Prozeß gegen Baha Targün: Fortschrittliche Türken dürfen nicht kriminalisiert werden!, Köln o.J. (Apr. 1975), S. 1

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25.08.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von ihrer Solidaritätsarbeit (vgl. 28.8.1973) mit den Streiks in NRW (vgl. 24.8.1973), die sie auch bei Ford Köln (vgl. 29.8.1973) betreibt:"
Ab Dienstag wurde dann an vielen Orten der BRD und in W-Berlin unser Flugblatt verteilt, das die Aufgaben der Solidaritätsbewegung benannte und zu umfangreichen Geldsammlungen und Spenden aufrief. Noch am selben Tag waren es über 1 000 DM, die zusammenkamen."
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 5

25.08.1973:
Bei Ford Köln beginnt, laut KPD, ab heute Nachmittag in der Y-Halle (Endmontage) der Streik (vgl. 24.8.1973, 26.8.1973). Laut KPD wird eine Teuerungszulage (TZL) von 1 DM, der Wegfall der unteren Lohngruppen und die Rücknahme von 300 Entlassungen gefordert.

Der KBW habe sich in seiner Betriebszeitung 'Zur Sache' nicht für Streik sondern für eine Unterschriftensammlung ausgesprochen, um Druck auf den Betriebsrat auszuüben. Er habe im weiteren Verlauf zwar bei Felten und Guillaume (F+G) und dem Chemiebetrieb Clouth mit einem einzigen Flugblatt agitiert, sei aber beim Streik nicht anwesend gewesen.

Vertreten sind bei Ford auch die KPD/ML, die DKP, die KP Italiens (KPI bzw. PCI) und die operaistische Gruppe Arbeiterkampf Köln.

Die Zelle Ford Köln der KPD/ML gibt zumindest ein Flugblatt unter Verantwortung von W. Kerzmann heraus.
Für die KPD tritt das Mitglied ihres KJV, Frank Kühne, auf.
Vom Streik berichtet auch der AB bei BMW, dass dieser sich für die Kontrolle der Arbeiter über den Akkord eingesetzt habe.

Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 12.9.1973) berichtet der Arbeiterkampf (AK) Köln, dass heute u.a. in der W-Halle und der FK-Halle bzw. dem Preßwerk gearbeitet wird.
Q: Wir wollen alles Nr. 7/8, Gaiganz Aug./Sept. 1973; Rote Fahne Nr. 35 und 40, Dortmund 29.8.1973 bzw. 3.10.1973;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973;Der Motor Nr. 10, München Sept. 1973, S. 2

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26.08.1973:
Bei Ford Köln wird, laut RFO Saarland, der Betrieb wegen des Streiks (vgl. 25.8.1973, 27.8.1973) geschlossen. Die KPD gibt vermutlich frühestens heute einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 11.5.1973, 27.8.1973), "Warum selbständige Streikführung?" heraus. Vermutlich ebenfalls heute erscheinen auch Flugblätter der KAP auf Italienisch ("Lavoratori Italiani!") und Türkisch ("Arkadaslar!").
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973; Rote Fahne - Röchling, Völklingen Sept. 1973

27.08.1973:
Bei Opel Bochum endet der Streik vom 22.8.1973, laut ML Bochum und KAJB Mannheim/Heidelberg/Wiesloch mit dem Ergebnis der Zahlung einer Teuerungszulage (TZL) von 280 DM. Vertrauensleutekörper, Betriebsrat und Geschäftsleitung einigen sich, laut PG Ruhrgebietsanalyse, auf die Zahlung einer Teuerungszulage von einmalig 280 DM. Weitere Aktionen, den Streik auf Grund der niedrigen Zahlung weiterzuführen, scheitern.
Auch laut KPD endet heute der Streik bei Opel (vgl. 22.8.1973).
Im weiteren Verlauf erscheint ein weiterer Sonderdruck der 'Kommunistischen Arbeiterpresse', der zur "Solidarität mit den Entlassenen", genannt werden u.a. Marokkaner und Spanier bei Opel, Philips Aachen und Türken bei Ford Köln, aufruft.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973; Rote Fahne Nr. 35, Dortmund 29.8.1973;Kommunistische Jugendzeitung Nr. 8, Mannheim Sept. 1973;ML Bochum: Bericht über den Streik bei Opel, Bochum 1973;PG Ruhrgebietsanalyse Bochum: Opel streikt.,Bochum 1973, S. 11;Rote Fahne - Röchling, Völklingen Sept. 1973;Erwin Bawulski: Die Septemberstreiks 1969 und ihre Folgen unter besonderer Berücksichtigung der Adam Opel AG in Bochum, Dortmund 1974

27.08.1973:
Vermutlich erscheint zu Beginn dieser Woche das Flugblatt der Ortsleitung (OL) Dortmund der KPD unter Verantwortung von Thomas Luczak, Zimmerstr.19 bezüglich der Streiks für Teuerungszulagen (TZL) mit der landesweiten:"
EINLADUNG ZUR GROSSVERANSTALTUNG DER KPD ZU DEN STREIKKÄMPFEN!

Arbeiter und Werktätige Dortmunds!
70 000 Metallarbeiter haben in den letzten Wochen und Tagen aktiv im Streik gestanden. In der vordersten Reihe standen die 40 000 Automobilarbeiter von Ford und Opel. Gegen den Widerstand der Gewerkschaftsführung und gegen das Monopolkapital forderten die Metaller: höhere Stundenlöhne, Schluß mit der Ausbeutung durch Überstunden und Samstagsschichten, weg mit den Hungerlohngruppen 2 und 3.

'Wer das Stabilitätsprogramm im Stich läßt, läßt sich selbst im Stich'. Dieser Satz aus der Fernsehansprache von Bundeskanzler Brandt ist ein Hohn für alle Metallarbeiter und Werktätige! Brandt zeigt wieder einmal deutlich, für wen seine SPD/FDP-Regierung da ist - für die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Monopole.
70 000 streikende Metallarbeiter haben einen ersten Schritt gemacht, um den Kampf gegen Monopolkapital und Gewerkschaftsführung selbst zu organisieren. In den Betrieben Ford und Philips sind selbständige Streikleitungen gebildet worden. Der Kampf geht weiter. Schon haben die ersten Betriebe der Eisen- und Stahlindustrie gestreikt.

Monopolkapital und Brandtregierung rufen zum offenen Terror gegen die streikenden Arbeiter auf. Polizeieinsätze in Lippstadt, Neuss und jetzt Hundertschaften bei Ford in Köln. Die DGB- und IGM-Führung versucht die deutschen und ausländischen Kollegen zu spalten, um Polizeieinsätze vorzubereiten. Die DKP-Revisionisten bilden wieder einmal den Stoßtrupp der Arbeiterverräter: sie springen für Vetter und Loderer in die Bresche. Die ersten streikenden Arbeiter sind entlassen, Gewerkschaftsausschlüsse (UVB,d.Vf.) folgen, Polizeieinsätze, politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse, das ist das Ergebnis der 'Konzertierten Aktion' von Monopolkapital, Brandtregierung und Gewerkschaftsführung. Gegen Monopolkapital und Gewerkschaftsführung das ist die Losung.

GEGEN DIE ARBEITERFEINDLICHE POLITIK DER BRANDT-REGIERUNG!

Es sprechen Arbeiter der bestreikten Betriebe!
Ford - Opel - Philips - Hella Lippstadt und andere Delegationen aus anderen Betrieben werden anwesend ein, KPD, KJV, ausländische Organisationen!
Dortmund 1.9.1973, Parkhaus Barop 18 Uhr! Zu erreichen mit Straßenbahnlinie 4!
Unterstützt die Streikkassen der Kollegen! Spendet auf das Konto der Roten Hilfe: Rote Hilfe e. V. PschK 308-556-102 W. Berlin.
Für die Kollegen von Philips Aachen: Stadtsparkasse Aachen Girokonto: 7012313 Frau Crnjavic."
Q: KPD-OL Dortmund:Einladung zur Großveranstaltung der KPD zu den Streikkämpfen, Dortmund o. J. (1973)

27.08.1973:
Eine gemeinsame Extraausgabe der Dortmunder Betriebszeitungen 'Roter Hoesch-Arbeiter' (vgl. Aug. 1973, 18.9.1973) und 'Roter Kumpel' (vgl. Juli 1973, 12.9.1973), herausgegeben in einer Auflage von 5 000 von den Kommunistischen Kollektiven Hoesch und Zeche Hansa Dortmund sowie Gewerkschaft Viktor Castrop-Rauxel der KFR erscheint:"
METALLER GEHEN NACH VORN

Für Teuerungszulage, das ist die Forderung für die immer mehr Belegschaften in den Streik treten. Mittlerweile sind es über 50 000 Arbeiter. Opel, Ford und Rheinstahl steht. Eine große Zahl von Klein -und Mittelbetrieben machen mit. Die Opel-Kollegen fordern 300,-DM mehr, die Varta-Kollegen 100 DM pro Monat. Bei Rheinstahl werden 60-80 Pfennig pro Stunde gefordert. Diese Streikbewegung ist die richtige Antwort auf die ungeheuren Preissteigerungen der letzten Monate. Denn für die meisten Kollegen gibt es bei diesen Preisen ohne Überstunden und Panzerschichten, ohne Mitarbeit der Frau kaum noch ein gutes Auskommen. Das ist überall so. Deshalb wird auch überall gestreikt.

Als vor vier Wochen bei Hella (Lippstadt) die Streikbewegung begann, schwiegen sich die Politiker, Presse, Rundfunk und Fernsehen noch aus. Heute vergeht keine Stunde, wo diese Herrschaften nicht versuchen, sich die Sorge der Arbeiter zu eigen zu machen. Interviews, Presseerklärungen usw. eine fürchterlich hektische Diskussion soll uns vortäuschen, daß sich die Politiker unserer Sache angenommen hätten. Doch lassen wir uns nicht täuschen. Diese Herrschaften haben nur eine fürchterliche Angst bekommen, die Metallarbeiter könnten ihren selbständigen Lohnkampf fortsetzen und die Stahl -und Bergbaukollegen könnten sich ein Beispiel nehmen.

Genau das sollten die Kollegen tun. Denn der Kampf der Kollegen von Opel, Rheinstahl und Ford zeigt, was wir gegen die Teuerung tun können; den selbständigen Lohnkampf organisieren.

24.8. … Die Kollegen von Ford legen die Arbeit nieder und fordern: Wiedereinstellung von 300 entlassenen türkischen Kollegen, Reduzierung der Bandgeschwindigkeit und 1 DM mehr für alle."
Q: Roter Hoesch Arbeiter/Roter Kumpel Extra, Dortmund 27.8.1973

27.08.1973:
Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 12.9.1973) berichtet der Arbeiterkampf (AK) Köln von Ford Köln (vgl. 26.8.1973, 30.8.1973), dass heute ab 7 Uhr 30 wieder alle streiken, auch 60 Deutsche haben sich angeschlossen. Eingegangen wird auf die Y-Halle und die Polsterei darin, die Z-Halle und den Werkzeugbau. Der harte Kern des Streiks bestehe aus 600 bis 800 Leuten, vor allem Türken, ca. 15 Deutschen , einem Italiener und einer Handvoll Jugoslawen.
Q: Wir wollen alles Nr. 7/8, Gaiganz Aug./Sept. 1973

27.08.1973:
Bei Ford Köln gibt die KPD heute einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 26.8.1973, 30.8.1973) heraus, der sich u.a. mit den Lehrlingen befaßt.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973

28.08.1973:
Der AB im Nürnberger IGM-Bereich (vgl. 3.9.1973) berichtet vermutlich von heute über ein Treffen zwischen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) und den Arbeitgebern, das zur morgigen Aussperrung bei Ford Köln (IGM-Bereich) führt.

Weiter heißt es vermutlich über heute:"
Am Dienstagabend vergangener Woche brüstete sich Brandt, der Geburtshelfer neuer Gespräche zwischen der IGM und dem Arbeitgeberverband zu sein."
Q: Metallarbeiter Nr.1,Nürnberg o.J. (1973),S.1

28.08.1973:
Die Kommunistische Gruppe (KG) Hamburg des KBW gibt ihre 'Informationen für die Kollegen der Chemischen Industrie Hamburgs' (vgl. 1.11.1973) heraus. Streikberichte kommen auch von Ford Köln.
Q: KG Hamburg: Informationen für die Kollegen der Chemischen Industrie Hamburgs, Hamburg 28.8.1973, S. 4

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28.08.1973:
Das Branchenkollektiv Metall der Kommunistischen Gruppe Hamburg die 'Informationen für die Kollegen der Metallindustrie Hamburgs' (vgl. 3.7.1973, 31.8.1973) heraus. Streikberichte kommen auch von Ford Köln.
Q: Kommunistische Gruppe Hamburg: Informationen für die Kollegen der Metallindustrie Hamburgs Für bessere Lebensbedingungen betteln wir nicht, sondern kämpfen wir!, Hamburg 28. Aug. 1973, S. 2

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28.08.1973:
Vermutlich heute wird in Düsseldorf, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

28.08.1973:
Vermutlich heute wird in Bonn, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

28.08.1973:
Vermutlich heute wird in Köln, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

29.08.1973:
Laut dem AB im Nürnberger IGM-Bereich (vgl. 3.9.1973) ist die heutige Aussperrung bei Ford Köln das Ergebnis der gestrigen Generalstabsplanung von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) und den Kapitalisten.
Q: Metallarbeiter Nr.1,Nürnberg o.J. (1973),S.1

29.08.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von ihrer Solidaritätsarbeit (vgl. 28.8.1973, 30.8.1973) mit dem Streik bei Ford Köln:"
Mittwoch dann die erste Verpflegungsaktion der RH vor dem Haupttor von Ford. Sie war deshalb äußerst dringend, weil die Werksleitung das Kantinenesse schon am Vortag weggeschüttet hatte und hunderte von Kollegen seit Tagen ununterbrochen das Werk besetzt gehalten hatten. An diesem Tag herrschte große Kampfstimmung unter den Kollegen. Alle waren empört über die zum Teil faschistische Pressehetze gegen die türkischen Arbeiter, über den einheitlichen Versuch fast aller Zeitungen, deutsche und ausländische Kollegen mit allen Mitteln zu spalten und über die verlogene Ankündigung der Geschäftsleitung, 90% der Ford-Kollegen seien arbeitsbereit. Die Quittung war: eine Demonstration zu Beginn der Spätschicht, an der sich mehrere Tausend Kollegen beteiligten! Unter diesen Umständen gelang es uns erst nach einiger Zeit, Verbindung zur Streikleitung herzustellen. Aber schließlich konnten 1 Karton voll Schokolade, Kartons mit Brot und Käse sowie Zigaretten, Cola und Pulverkaffee an die Streikleitung übergeben werden. Das Essen wurde in erster Linie für diejenigen bestimmt, die seit Tagen ununterbrochen im Kampf standen. Wie uns die Kollegen aus der Streikleitung berichtet haben, ist das Essen gruppenweise aufgeteilt worden, damit die Kollegen in diesen Gruppen gleichzeitig die politische Diskussion über ihren Kampf führen konnten. Für uns war dies ein großer Ansporn, für den nächsten Tag noch mehr Kollegen verpflegen zu können."
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

29.08.1973:
Bei Ford Köln gibt die DKP, laut KPD, eine Ausgabe von 'Der Prüfstand' heraus, die sich unter Verantwortung von F. Rollar mit den Ausländern, dem Westgelände und dem M-Gebäude befaßt.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.6/7,Dortmund Sept. 1973

30.08.1973:
Bei Ford Köln wird der Streik (vgl. 27.8.1973) durch eine Massenschlägerei zerschlagen.

Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von Ford Köln:"
Am Donnerstag, den 30.8. wurde die Demonstration, die zu Beginn der Frühschicht von 6 000 Arbeitern bei FORD durchgeführt wurde, von einem 300 Mann starken Trupp von Provokateuren angegriffen. Dieser Trupp, der aus Meistern, Obermeistern, Gewerkschaftsfunktionären und Zivilpolizisten bestand, sollte den Anlaß für das Eingreifen der seit dem Vortag bereitstehenden über 1 000 Polizisten schaffen. Er war mit Pistolen, Knüppeln, Eisenstangen und Flaschen bewaffnet. Nachdem die erste Provokation mißlang, obwohl ihre Schläger das Transparent der Streikenden angegriffen und zerrissen hatten, marschierten sie erneut auf die Demonstration zu und griffen nun einzelne Kollegen an. In diesem Moment stürzte sich die Polizeihorde auf die Streikenden, trieb sie auseinander und schlug die Arbeiter einzeln zusammen. Die bereitstehenden (!) Krankenwagen mußten über 10 Kollegen ins Krankenhaus transportieren. Über 15 Arbeiter, darunter die Kollegen aus der Streikleitung, wurden verhaftet."

Von ihrer Verpflegungsaktion (vgl. 29.8.1973) und weiteren Solidaritätsarbeit (vgl. 3.9.1973) berichtet die RH e.V.:"
Für Donnerstag wurde die doppelte Verpflegungsmenge von 800 DM veranschlagt. Doch es kam nicht mehr dazu. Die Banditen aus Geschäftsleitung, Polizei- und Gewerkschaftsapparat und Betriebsrat hatten konzentriert mit blanker Gewalt den Streik niedergeschlagen.
Justiz- und Polizeiapparat als verlängerter Arm von Geschäftsleitung und Innenministerium traten nun auf den Plan. Die im Werk festgenommenen Kollegen wurden auf dem Polizeipräsidium in Einzelzellen gesperrt. Vielen von ihnen drohte die Abschiebehaft. In dieser Situation haben sich Juristen, die von der RH organisiert worden waren, um die sofortige Freilassung der Inhaftierten bemüht. Sie hatten Erfolg, weil gleichzeitig hunderte von Kollegen die Freilassung forderten und weil zu gleicher Zeit eine Demonstration in der Innenstadt stattfand. Aus Angst vor der Kampfentschlossenheit der Kollegen ließ die Polizei alle noch am selben Tag frei, als ersten Baha Targün. Die Genossen Juristen haben die türkischen Kollegen zu ihrem Konsul begleitet, um ihn zu schützen. Auch damit hatten sie Erfolg, weil im Konsulat türkische Kollegen die sofortige Freilassung des Genossen Targün sofort sehen wollten. Unter diesem Druck konnten schließlich alle gemeinsam mit Baha das Konsulat verlassen. Juristen waren in dieser Situation wichtig, entscheidend aber war die Kampfbereitschaft und das mutige Auftreten der türkischen Kollegen. Sie haben diesen Erfolg errungen! … Genossen, die noch am Donnerstag versucht hatten, sofort die Arbeit in den Ford-Wohnheimen aufzunehmen, wurden durch vom Hauswirt herbeigerufene Polizei festgenommen."
Der KBW berichtet morgen intern:"
BERICHT ÜBER DIE VORGÄNGE BEIM ZUSAMMENBRUCH DES STREIKS BEI FORD:

Vor der Frühschicht zog eine Demonstration von etwa 3 000 Mann, fast ausschließlich Türken, von der Halle Y zum Haupttor, um für die Fortsetzung des Streiks einzutreten. Kurz vor dem Haupttor kam ihnen ein etwa 120 Mann starker Zug entgegen. An der Spitze 30 betriebsfremde Schläger unter der Losung 'Wir wollen arbeiten'. Dahinter ein Krankenwagen und hinter dem Krankenwagen etwa 90 Mann, darunter Meister und höhere Angestellte. Dieser Provokateurszug bahnte sich einen Weg mitten durch die 3 000 Türken. Es kam zu kleineren Rempeleien. Die Türken ließen sich aber bewußt auf Provokationen nicht ein. Sie versammelten sich zunächst hinter der Halle G vor dem Betriebsratsgebäude und setzten ihre Versammlung wegen Regens in der Halle G fort. Als sie die Halle wieder verlassen wollten waren die Türen von dem inzwischen auf etwa 300 Mann angewachsenen Provokateurstrupp verbarrikadiert. Als sie auch noch in die Halle drängten setzten sich die Türken zur Wehr. Es kam zu einer Schlägerei. Die Provokateure alarmierten sofort die Polizei, die mit Greiftrupps losmarschierte und sieben Türken und vier Deutsche verhaftete. Die Verhafteten wurden von der Polizei durch ein Spalier von Provokateuren geführt, welche die Gelegenheit wahrnahmen und die Verhafteten schlugen. Ein nicht verhafteter türkischer Kollege, der während des Streiks eine wesentliche Rolle gespielt hatte, wurde von den Provokateuren schwer zusammengeschlagen und von der Polizei in 'Schutzhaft' genommen. Direktor Banzaff von der Geschäftsleitung erklärte, daß Geschäftsleitung und Betriebsrat der Polizei gemeinsam die zu verhaftenden 'Rädelsführer' mitgeteilt hätten. Kuckelkorn vom Betriebsrat wollte sich dazu nicht äußern. Die Polizei zog sich gegen 9 Uhr 45 zurück. Rollkommandos von Schlägern jagten aber weiterhin Streikende aus dem Betrieb und hetzten sie übers Gelände. Ihre Sprüche dabei: Erst mal müssen wir bei Ford Ordnung schaffen. Dann kommt Bonn dran, wo auch die Sozialisten verschwinden müssen. Es handelte sich offenbar zum Teil um NPD-Trupps, die von rechtsradikalen Werkschutzangehörigen herangeholt worden waren.

Am gestrigen Nachmittag waren von den elf Verhafteten zehn wieder frei. Einer wird wegen Mordversuchs festgehalten werden. Er soll versucht haben, mit einer Eisenstange zu schlagen.

Der in Schutzhaft genommene Türke soll angeblich schon ausgewiesen sein. Deutsche Arbeiter der Spätschicht, die am Streik beteiligt waren, wurden beim Betreten des Werkes von Schlägertrupps angegriffen und vom Werkschutz in 'Schutzhaft' genommen, um dann den Meistern und im Personalbüro vorgestellt zu werden. Eine ganze Reihe von Leuten sind schon entlassen, darunter Vertrauensleute. Die genaue Zahl war noch nicht klar.

Die Spätschicht um 15 Uhr hat wieder gearbeitet, allerdings waren viele Arbeitsplätze, insbesondere von Türken, noch leer.

Was gegenwärtig noch nicht zu übersehen ist, ist die Frage, wie es nach der am Freitag und Montag zunächst einheitlichen Kampfführung zu einer so totalen Spaltung zwischen Deutschen und Ausländern kommen konnte, daß die Geschäftsleitung es sich schließlich leisten konnte, ihre Schlägertrupps operieren zu lassen. In einem Bericht für die KVZ wollen die Kölner Genossen versuchen dieser Frage nachzugehen."

Für die 'Wir wollen alles' (WWA – vgl. 12.9.1973) berichtet der Arbeiterkampf (AK) Köln von Ford Köln (vgl. 27.8.1973), dass heute 6 000 bis 8 000 demonstrierten, über die Wohnheime der Türken und Jugoslawen sowie über die Zerschlagung des Streiks. 130 seien entlassen worden, ca. 500 hätten selber gekündigt.

Berichtet wird auch in:
- Hessen durch die Kommunistische Gruppe Eschwege (vgl. Sept. 1973).
- Niedersachsen in Göttingen durch den KBW (vgl. 11.91973).
- NRW in Bonn durch SpB, KSG und KBW-SyG (vgl. 23.10.1974) und das Bonner Komitee "Schluß mit den Polizeiübergriffen" (vgl. 16.9.1974), in Dortmund durch die Ortsleitung (OL) des KOV der KPD (vgl. 13.11.1974), die OL der KPD (vgl. 28.3.1975), den Rechtsausschuß der KHG und der OG der KFR des KBW (vgl. Okt. 1973) sowie die RH der KPD/ML (vgl. 16.11.1973), in Duisburg durch die OL der KPD (vgl. 16.2.1976) und in Köln durch die RH e.V. der KPD (vgl. 7.7.1975, März 1977);
- im Saarland durch die RFO bei Röchling Völklingen (IGM-Bereich - vgl. *.9.1973).
- Schleswig-Holstein durch den KB in Kiel (vgl. Okt. 1973).
Q: Metaller Nr. 5, Kiel Okt. 1973, S. 2ff; KOV-OL Dortmund:Holger Meins im Gefängnis ermordet!, Dortmund o.J. (13.11.1974), S. 2;Wir wollen alles Nr. 7/8, Gaiganz Aug./Sept. 1973;KBW-ZK-StA:Rundbrief, Mannheim 31.8.1973, S. 2f;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 6/7, Dortmund Sept. 1973;Rote Fahne Röchling, Völklingen Sept. 1973;RH e.V.:Freiheit für die fünf Patrioten aus der Türkei!, Köln o.J. (1975), S. 2;RH e.V.:Die Polizei bei Karstadt, Köln o.J. (1977), S. 3;KPD-OL Dortmund:Die antifaschistischen Kämpfer sind unvergessen!, Dortmund o. J. (März 1975), S. 2;KPD-OL Duisburg:Löwenthal gestört - angeklagt wegen Beschimpfung der Bundesrepublik, Duisburg o.J. (Feb. 1976), S. 2;Rechtsausschuß der KHG und Ortsgruppe der KFR (Dortmund):Die gemeinsame Front aller Demokraten und Kommunisten gegen die politischen Prozesse in Dortmund aufbauen, Dortmund Okt. 1973, S. 1;RH Dortmund:Aufruf der Roten Hilfe Dortmund an alle Freunde, Kollegen und Genossen in Westdeutschland: Verteidigt die revolutionäre Organisations- und Meinungsfreiheit, Dortmund 16.11.1973, S. 1;SpB, KSG, KBW-SyG Bonn:Steckhan muß Farbe bekennen!, Bonn o.J. (23.10.1974), S. 2;Komitee Schluß mit den Polizeiübergriffen:Dokumentation Schluß mit den Polizeiübergriffen!, Bonn o.J. (Sept. 1974), S. 16;Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 5f;Der Metallarbeiter Nr. 11, Göttingen 11.9.1973, S. 2ff;Eschweger Kommentare Nr. 4, Eschwege Sept. 1973, S. 11f

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30.08.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von Ford Köln:"
Am Donnerstag, den 30.8. wurde die Demonstration, die zu Beginn der Frühschicht von 6 000 Arbeitern bei FORD durchgeführt wurde, von einem 300 Mann starken Trupp von Provokateuren angegriffen. Dieser Trupp, der aus Meistern, Obermeistern, Gewerkschaftsfunktionären und Zivilpolizisten bestand, sollte den Anlaß für das Eingreifen der seit dem Vortag bereitstehenden über 1 000 Polizisten schaffen. Er war mit Pistolen, Knüppeln, Eisenstangen und Flaschen bewaffnet. Nachdem die erste Provokation mißlang, obwohl ihre Schläger das Transparent der Streikenden angegriffen und zerrissen hatten, marschierten sie erneut auf die Demonstration zu und griffen nun einzelne Kollegen an. In diesem Moment stürzte sich die Polizeihorde auf die Streikenden, trieb sie auseinander und schlug die Arbeiter einzeln zusammen. Die bereitstehenden (!) Krankenwagen mußten über 10 Kollegen ins Krankenhaus transportieren. Über 15 Arbeiter, darunter die Kollegen aus der Streikleitung, wurden verhaftet."

Von ihrer Verpflegungsaktion (vgl. 29.8.1973) und weiteren Solidaritätsarbeit (vgl. 3.9.1973) berichtet die RH e.V.:"
Für Donnerstag wurde die doppelte Verpflegungsmenge von 800 DM veranschlagt. Doch es kam nicht mehr dazu. Die Banditen aus Geschäftsleitung, Polizei- und Gewerkschaftsapparat und Betriebsrat hatten konzentriert mit blanker Gewalt den Streik niedergeschlagen.
Justiz- und Polizeiapparat als verlängerter Arm von Geschäftsleitung und Innenministerium traten nun auf den Plan. Die im Werk festgenommenen Kollegen wurden auf dem Polizeipräsidium in Einzelzellen gesperrt. Vielen von ihnen drohte die Abschiebehaft. In dieser Situation haben sich Juristen, die von der RH organisiert worden waren, um die sofortige Freilassung der Inhaftierten bemüht. Sie hatten Erfolg, weil gleichzeitig hunderte von Kollegen die Freilassung forderten und weil zu gleicher Zeit eine Demonstration in der Innenstadt stattfand. Aus Angst vor der Kampfentschlossenheit der Kollegen ließ die Polizei alle noch am selben Tag frei, als ersten Baha Targün. Die Genossen Juristen haben die türkischen Kollegen zu ihrem Konsul begleitet, um ihn zu schützen. Auch damit hatten sie Erfolg, weil im Konsulat türkische Kollegen die sofortige Freilassung des Genossen Targün sofort sehen wollten. Unter diesem Druck konnten schließlich alle gemeinsam mit Baha das Konsulat verlassen. Juristen waren in dieser Situation wichtig, entscheidend aber war die Kampfbereitschaft und das mutige Auftreten der türkischen Kollegen. Sie haben diesen Erfolg errungen! … Genossen, die noch am Donnerstag versucht hatten, sofort die Arbeit in den Ford-Wohnheimen aufzunehmen, wurden durch vom Hauswirt herbeigerufene Polizei festgenommen."
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.4f

30.08.1973:
Bei Ford Köln gibt die KPD heute einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 27.8.1973, 8.10.1973) heraus, der sich u.a. mit den Lehrlingen, der Polizei und den Türken befaßt.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.6/7, Dortmund Sept. 1973

31.08.1973:
Der Ständige Ausschuß (StA) des ZK des KBW richtet einen "Rundbrief an die Ortsgruppen (befreundeten Organisationen zur Kenntnis)" (vgl. 24.8.1973, 11.9.1973):"
Genossen, die Einschätzung der Lage in den wirtschaftlichen Kämpfen, wie sie in den Thesen des ZK vom Juli (vgl. 7.7.1973,d.Vf.) gegeben wurde, hat sich im Wesentlichen bestätigt. Allerdings hat sich bei der Ausweitung der Streikbewegung in Gebiete, wo unsere Organisation noch nicht arbeitet, sehr schnell gezeigt, daß wir unsere Möglichkeiten 'den zersplitterten Charakter der Kämpfe zu überwinden' überschätzt hatten. Über die Streiks in Lippstadt, Neuss, Bochum und bei Ford in Köln wissen wir bis heute immer noch unzulänglich Bescheid. Der KBW hat in keinen dieser Kämpfe eingreifen können.

In fast allen Streiks haben die ausländischen Arbeiter eine herausragende Rolle gespielt. Sie haben fast überall wesentlichen Anteil am Zustandekommen der Streiks gehabt und auch für ihre deutschen Kollegen mit die Zuschläge erkämpft. In unserer Agitation muß auf diese Erfahrungen unbedingt eingegangen werden. Es muß die außerordentlich schlechte materielle Lage der Ausländer den deutschen Kollegen immer wieder vor Augen geführt werden. Wo in den Streiks Niederlagen erlitten wurden, waren sie wesentlich Ergebnis der Tatsache, daß die Kapitalisten eine Spaltung zwischen Deutschen und Ausländern nutzen konnten. Deutlichstes Beispiel dafür sind die Vorgänge bei Ford."
Q: KBW-ZK-StA:Rundbrief,Mannheim 31.8.1973

31.08.1973:
Die Kommunistische Gruppe Hamburg gibt eine gemeinsame Ausgabe ihrer 'Informationen für die Kollegen der Metall-, Druck- und chemischen Industrie Hamburgs' (vgl. Chemie: 28.8.1973, Druck: 27.8.1973, Metall: 28.8.1973; 4.9.1973) unter der Schlagzeile "Ford-Köln. Streik durch Polizeieinsatz zerschlagen" in einer Auflage von 15 000 Stück heraus.
Q: Informationen für die Kollegen der Metall-, Druck- und chemischen Industrie Hamburgs Ford-Köln. Streik durch Polizeieinsatz zerschlagen, Hamburg 31.8.1973

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September 1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr.9 (vgl. Juli 1973, Okt. 1973) mit dem Leitartikel "Streikende Metaller lehrten Bosse und Bonzen das Fürchten" zur Streikwelle für Teuerungszulagen (TZL) heraus, wobei vor allem auf Ford Köln eingegangen wird. Berichtet wird auch: "Schadowschule Westberlin - SV sammelt für streikende Arbeiter!", wobei Vertreter der FDJW der SEW die Spenden an den Betriebsrat von Ford Köln schicken wollten und nicht an die Streikenden.
Q: Schulkampf Nr.9,Dortmund Sept. 1973,S.1 und 8f

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September 1973:
Es erscheint die 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Juli 1973, 22.10.1973) mit einem Titelbild und zugehörigem Leitartikel "Streik bei Ford" sowie dem Artikel "Hetze gegen Streikende" in der Presse gegen die Streiks bei "Ford, Opel, AEG, Rheinstrahl, Buderus, VDO und noch ca. 30 anderen Werken".
Q: Befreiung, Mülheim Sept. 1973, S. 1ff

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September 1973:
Die AG Weser Betriebszelle des Kommunistischen Bundes Westdeutschland Ortsgruppe Bremen gibt die Nr. 17 ihres 'Brenner' (vgl. Apr. 1973, Okt. 1973) heraus mit den Artikeln "Selbständige Streiks führten zum Erfolg!" und "Ford Köln: Polizei und Schlägertrupps gegen Streikende".
Q: Der Brenner Nr. 17, Bremen Sept. 1973, S. 4ff

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01.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.34 (vgl. 25.8.1973, 8.9.1973) heraus und berichtet von den Streiks u.a. bei Ford Köln.
Q: Roter Morgen Nr.34,Dortmund 1.9.1973

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01.09.1973:
Vermutlich Anfang September wird in Tübingen, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

01.09.1973:
Vermutlich Anfang September wird in München, laut Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, auf einer Veranstaltung des Rote Fahne Freundeskreis (RFFK) der KPD eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

01.09.1973:
Vermutlich Anfang September wird in Hof, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

01.09.1973:
Vermutlich Anfang September werden in Berlin, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, Geldsammlungen für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

01.09.1973:
Vermutlich Anfang September wird in Frankfurt, laut Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, gemeinsam von KSV, LgdI und den Vietnamausschüssen des NVK der KPD durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

01.09.1973:
Vermutlich Anfang September wird in Dortmund, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

01.09.1973:
In Köln erscheint, laut KPD, eine Ausgabe von "DKP aktuell" – Informationen der DKP Köln, die sich u.a. mit dem Streik bei Ford befaßt.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.6/7,Dortmund Sept. 1973

03.09.1973:
Der AB gibt im Nürnberger IGM-Bereich vermutlich Anfang dieser Woche seinen 'Metallarbeiter' - Informationsblatt des Arbeiterbunds für den Wiederaufbau der KPD (ehemals Arbeiter-Basis-Gruppen) für die Nürnberger Metallarbeiter - Nr.1 (vgl. 29.4.1974) heraus:"
EIN ERFOLG DER LOHNVERHANDLUNGEN HÄNGT VON UNS AB!

In den Mittelbetrieben fingen die Kollegen zuerst zum Streiken an. Die Kapitalisten mit ihren dicken Auftragspolstern gaben schnellstens den Forderungen der Kollegen nach. TEUERUNGSZULAGE (TZL,d.Vf.)! MEHR URLAUB!

Der Funke sprang auf die Kollegen in den Großkonzernen Opel (vgl. Bochum 22.8.1973,d.Vf.), Ford (vgl. Köln 24.8.1973,d.Vf.), AEG (Küppersbusch (vgl. Gelsenkirchen 16.8.1973,d.Vf.))! Diese Konzerne hatten in den vergangenen Monaten mehr denn je aus den Arbeitern herausgepreßt. Die Arbeitshetze war immer mehr gestiegen. Und als die Kollegen pleite vom Urlaub kamen wußten sie, wo sie sich das Geld holen müssen.

Als die mächtigsten Monopolherren sich um ihre gerade besonders prallen Geldsäcke zu fürchten begannen, trat die Bundesregierung voll in Aktion.

Als erstes rannte Brandt zu Loderer (vgl. S1.8.1973,d.Vf*), um zu fragen, wie 'ernst die Situation' schon sei und auf welche Art und Weise die Streiks am besten niedergemacht werden könnten. Denn schließlich ist die enge Kumpanei der rechtssozialdemokratischen Gewerkschaftsführung mit ihren großen Brüdern in der Regierung der große Vorteil für die Monopolherren, weswegen Abs ja vor der letzten Bundestagswahl (BTW - vgl. 19.11.1972,d.Vf.) auch die Devise noch ausgegeben hatte: 'Die SPD taugt im Moment noch besser als die CDU/CSU…'

Nach dem Treffen mit den Gewerkschaftsführern eilte Brandt zu den Unternehmern. Das erste Ergebnis der Generalstabsplanung gegen die streikenden Arbeiter erlebten am nächsten Morgen 30 000 Ford-Arbeiter: Aussperrung (vgl. 29.8.1973,d.Vf.). Die scharfe Maßnahme der Unternehmer sollte die Arbeiter in die Knie zwingen. Die Unternehmer kalkulierten, daß die Arbeiter so pleite sind, daß sie den Streik nicht einige Wochen durchhalten. Eine systematische Hetzkampagne wurde in den bürgerlichen Zeitungen, voran in der Bildzeitung, gegen die Arbeiter gestartet. Mit Halbwahrheiten und Gerüchten wurde Rassismus und Antikommunismus betrieben."
Q: Metallarbeiter Nr.1,Nürnberg o.J. (1973)

03.09.1973:
Bei KWU Berlin gibt die KPD einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 21.8.1973) zum Polizeiterror gegen die Streiks der letzten Zeit heraus, wobei man Bezug nimmt auf Opel, Ford, Philips und Lippstadt. Hingewiesen wird auch auf die Existenz des Rote Hilfe Komitees (RHK).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe KWU Sonderdruck,Berlin 3.9.1973; Rote Fahne Nr.36,Dortmund 5.9.1973

03.09.1973:
Die Gruppe Lehrer der SSG Hamburg gibt das Flugblatt "Massenstreiks gegen Lohnraub" zur Streikwelle für Teuerungszulagen (TZL) heraus. Eingegangen wird auch auf einen Artikel "Fordarbeiter verprügeln Streikführer" in der 'Hamburger Morgenpost' zu Ford Köln.
Q: SSG Hamburg-Gruppe Lehrer: Massenstreiks gegen Lohnraub, Hamburg 3.9.1973, S. 2

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03.09.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet vermutlich aus dieser Woche von ihrer Solidaritätsarbeit (vgl. 30.8.1973, 12.9.1973) mit dem Streik bei Ford Köln:"
In den ersten Tagen nach der Niederschlagung des Streiks war es ungeheuer schwer, Kontakt zu den vielen betroffenen Kollegen herzustellen. Einerseits war dies natürlich eine Frage unserer eigenen beschränkten Kräfte, andererseits hatten wir viele Hindernisse zu überwinden, um z.B. zu erkunden, in welchen Krankenhäusern die verletzten Kollegen lagen. … So entstanden erst langsam mehr und mehr Kontakte. Dabei war ein gutes Mittel die Diskussion auf dem Arbeitsamt, wo die entlassenen Kollegen neue Arbeit suchten."
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

04.09.1973:
Bei Ford Köln richtet die Geschäftsleitung, laut KPD, einen Brief an die Belegschaft.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.6/7,Dortmund Sept. 1973

04.09.1973:
In Münster geben die Liga gegen den Imperialismus (LgdI) und das Komitee 'Kampf der Unterdrückung und politischen Entrechtung ausländischer Kollegen' eine Broschüre "Deutsche und ausländische Arbeiter - eine Kampffront!" zu den wilden Streiks in der Metallindustrie heraus, in der u.a. von Ford Köln berichtet und zur bundesweiten Demonstration in Köln (vgl. 15.9.1973) aufgerufen wird.
Q: Liga gegen den Imperialismus, Komitee Kampf der Unterdrückung und politischen Entrechtung ausländischer Kollegen: Deutsche und ausländische Arbeiter - eine Kampffront!, Köln 4.9.1973

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05.09.1973:
Die Kommunistische Lehrergruppe (KLG) Frankfurt/Offenbach des KBW gibt ihr Organ 'Der Föhn' – Zeitung für proletarische Schulpolitik und Pädagogik Nr. 3 (vgl. 15.6.1973, 17.10.1973) heraus mit dem Artikel "Was war wirklich los bei Ford-Köln?".
Q: Der Föhn Nr. 3, Frankfurt 5.9.1973, S. 3

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06.09.1973:
In Bonn will der KSV der KPD ein Meeting zu den Streiks in NRW durchführen, wird aber von der Polizei aus der Uni vertrieben, so daß die Veranstaltung auf einer Wiese vor der Uni stattfinden muß.

Von einem Überfall auf das Teach In des KSV zu den Streiks bei Ford berichtet auch vermutlich das Bonner Vorbereitungskomitee für den Japan-Prozeß (vgl. 12.7.1974).

Der Polizeipräsident Bonn (vgl. Jan. 1974) berichtet:"
Am 6.September erschien die Polizei, um ein nicht genehmigtes 'Meeting' des KSV aufzulösen. Die etwa 30 Teilnehmer räumten beim Erscheinen von etwa 30 Beamten widerspruchslos das Sprachlabor."
Q: Der Polizeipräsident Bonn:Polizei Bonn 73. Jahresbericht 1973 der Kreispolizeibehörde Bonn,Bonn o.J. (1974),S.11; N.N.-N.N.:Plan für eine Agitationsbroschüre zum Bonner Tennoprozess,o.O. (Bonn) o.J. (1974),S.2;Rote Fahne Nr.37,Dortmund 12.9.1973

07.09.1973:
Der Kommunistische Arbeiterjugendbund (KAJB) Bremen gibt frühestens Ende dieser Woche seine 'Kämpfende Jugend' Nr. 8/9 (vgl. 29.6.1973, Okt. 1973) für August / September heraus mit dem Artikel "Der Streik bei Ford" in Köln.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 8/9, Bremen Aug. / Sept. 1973, S. 4

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08.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.35 (vgl. 1.9.1973, 15.9.1973) heraus und berichtet u.a. von Ford Köln über Ausländer und Türken.
Q: Roter Morgen Nr.35,Dortmund 8.9.1973,S.1f

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10.09.1973:
Die Nr. 6/7 der 'Revolutionären Gewerkschaftsopposition' der KPD (vgl. Aug. 1973, 15.10.1973) erscheint vermutlich in dieser Woche als Sondernummer. Angegriffen werden u.a. die KPD/ML bzw. ihre Rote Garde bei Ford Köln und der KBW, der in Köln nicht bei den Streiks anwesend gewesen sei.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.6/7,Dortmund Sept. 1973

10.09.1973:
Der AB im Nürnberger IGM-Bereich (vgl. 3.9.1973) kündigte vermutlich für diese Woche den Verkauf der 'KAZ' des AB Nr.39 (vgl. 3.9.1973) an:"
DIE NÄCHSTE KOMMUNISTISCHE ARBEITERZEITUNG BRINGT AUSFÜHRLICHE STREIKBERICHTE VON KOLLEGEN BEI RHEINSTAHL, FORD, HELLA UND PIERBURG IN NEUSS.

Die Kommunistische Arbeiterzeitung wird nächste Woche wieder an Eurem Betrieb verkauft."
Q: Metallarbeiter Nr.1,Nürnberg o.J. (1973),S.2

10.09.1973:
Die Kommunistische Gruppe Hamburg (KGH) des KBW gibt ihre 'Hamburger Arbeiterzeitung' (HAZ) Nr.5 (vgl. 26.7.1973) heraus mit dem Artikel "Der Streik bei Ford" in Köln.
Q: Hamburger Arbeiterzeitung Nr.5,Hamburg 10.9.1973, S. 1 und 4

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11.09.1973:
Bei DTW Berlin gibt die KPD die Nr.11 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. Aug. 1973, 9.10.1973) heraus, die für die Erkämpfung einer Teuerungszulage (TZL) eintritt, wobei man sich ein Beispiel an den Kollegen von Ford Köln, Philips Aachen und Helle Lippstadt nehmen solle.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr.11,Berlin 11.9.1973

12.09.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von ihrer Solidaritätsarbeit mit dem Streik bei Ford Köln u.a. mit einem Bild aus einer russischen Zeitung, auf dem Sandwichträgerinnen der RH zu sehen sind:"
Diese Bild wurde in der 'Prawda' ('Wahrheit') - Zentralorgan der KPdSU - vom 12.9.1973 abgedruckt. Der Text lautet: 'Die Werktätigen der BRD führen einen hartnäckigen Kampf gegen die Willkür der Monopole, gegen die unaufhörliche Preissteigerung im Lande und für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Streikbewegung der Werktätigen findet die volle Unterstützung seitens der fortschrittlichen Organisationen das Landes. Auf dem Bild: Streikposten bei der Unterstützung der Streikenden.' Das Bild zeigt Genossen und Freunde der ROTEN HILFE bei der Verpflegungsaktion für die kämpfenden Ford-Kollegen in Köln. Den Führern der KPdSU sollte über ihre Agenturen DKP und SEW bekannt sein, daß die ROTE HILFE mit den Führern dieser Parteien nicht zusammenarbeitet. Warum, haben gerade diese Streiks gezeigt".

Zitiert wird aus der Presserklärung der DKP - Bezirksvorstand Ruhr-Westfalen vom 23.8.1973 von "Nicht die DKP schürt die Streiks." bis "die Kampfkraft der Gewerkschaften zu stärken ist." Weiter heißt es:"
Nicht nur, daß die DKP hier klar bekennt, daß sie am Vorantreiben der Streiks, an der Festigung der Streikfront nicht interessiert ist. Sie tut auch so, als ob Streiks in erster Linie dadurch entstehen, daß 'die Bosse provozieren' und sie es sind, die die Kollegen zu verzweifelten Selbsthilfeaktionen trieben, wo die doch lieber mit Eugen Loderer und der DKP die Gewerkschaften stärken sollten.

Die Bosse, Herrschaften von der DKP, provozieren die Kollegen IMMER! Seit Monaten durch die Teuerung, durch hunderte von politischen Entlassungen, seit Jahren durch die steigende Arbeitshetze! Die Streiks waren nicht deshalb so mächtig, weil die Kollegen sich jetzt besonders provoziert fühlten, sondern weil sie gesehen haben, daß die letzten Lohnerhöhungen, angeblich im harten Kampf zwischen IGM-Führung und Kapitalisten (errungen,d.Vf.), keine reale Lohnerhöhung gebracht haben. Der DKP ist auch entgangen, daß eben nicht nur Forderungen nach Teuerungszulagen (TZL,d.Vf.), sondern auch nach Verminderung der Bandgeschwindigkeit und Aufhebung der besonderen Unterdrückung der ausländischen Arbeiter auf dem Tisch lagen. Und wenn die DKP - was heute den meisten Kollegen klar ist - die verräterische Politik der Gewerkschaftsführung verschweigt, und die Arbeiter an die Seite des Gewerkschaftsbonzen Loderer und seiner Clique ruft, dann ist das ein Schlag gegen alle kämpfenden Arbeiter! Selbständige Streikleitungen sind gerade deshalb gewählt worden, weil der Verrat der Gewerkschaftsführer und ihres Apparates durchschaut ist.

Stärkung der Gewerkschaftsarbeit ist heute nur gegen diese Verräter möglich. Auf der Grundlage der arbeiterfeindlichen Linie der DKP haben weder die DKP als Organisation noch die DKP-Betriebsräte in den bestreikten Betrieben die Streikleitungen unterstützt. Sie haben nicht 'konsequent an der Seite der kämpfenden Arbeiter und Angestellten gestanden', sondern gegen den Willen tausender Arbeiter mit allen Mitteln versucht, die Streikfront zu schwächen!

Gerade weil dies so war, rutschte das Bild von der Solidaritätsaktion der ROTEN HILFE in die 'Prawda'. DKP-Mitglieder haben weder Streikposten gestanden noch die streikenden Kollegen unterstützt - die Bruderpartei der KPdSU war auf Fotos nicht zu finden.

Für alle Mitglieder der DKP, die auf der Seite der Arbeiterklasse stehen, gilt umso mehr: Hinein in die ROTE HILFE!
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.6

12.09.1973:
Der KBW gibt die Nr.2 seiner 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ vgl. 11.7.1973, 26.9.1973) heraus.

Berichtet wird von der wilden Streikwelle, u.a. bei Ford Köln.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.2,Mannheim 12.9.1973

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12.09.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.37 (vgl. 5.9.1973, 19.9.1973) heraus und berichtet von Ford Köln über die Y-Halle, die Heime und die Ausländer. Es wird erstmals ein Solidaritätskomitee für die (aufgrund des Streiks) entlassenen Ford-Arbeiter erwähnt (vgl. 12.9.1973).
Q: Rote Fahne Nr.37,Dortmund 12.9.1973

12.09.1973:
Frühestens heute gibt die SAG die auf September datierte Nr.27 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Juli 1973, Okt. 1973) heraus, in der erneut auf die Streikwelle in der Metallindustrie und dem ÖD eingegangen wird, u.a. bei Ford Köln.
Q: Klassenkampf Nr.27,Frankfurt Sept. 1973

12.09.1973:
Der Rote Fahne Freundeskreis (RFFK) Hof der KPD führt, laut KPD, vermutlich in dieser Woche eine Solidaritätsveranstaltung mit den bei Ford Köln entlassenen Türken durch, zu der mit dem ersten Flugblatt des RFFK auf Türkisch mobilisiert wurde. Es kommen 70 bis 80 Personen.
Q: Rote Fahne Nr.38,Dortmund 19.9.1973

12.09.1973:
In Köln findet die erste Sitzung des Solidaritätskomitees für die entlassenen Ford-Arbeiter statt, an der sich u.a., laut KPD, rund 60 Türken und eine ungenannte Anzahl Anderer beteiligen. Das Komitee gibt u.a. ein Flugblatt zu den "Entlassungen bei Ford" heraus, die u.a. Italiener, Jugoslawen und Türken treffen.

Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von ihrer Solidaritätsarbeit (vgl. 3.9.1973, 14.9.1973) mit dem Streik bei Ford Köln:"
Der entscheidende Impuls für die Organisierung des gesamten Schutzes ging dann von den Ford-Kollegen selbst aus; das Ford-Solidaritätskomitee wurde gegründet. Diese Komitee hat die RH sofort und ohne jeden Vorbehalt unterstützt."
Ganz im Gegensatz zur DKP, die in der SU blamiert wurde (vgl. 12.9.1973).
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.6; Rote Fahne Nr.38,Dortmund 19.9.1973;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.6/7,Dortmund Sept. 1973

12.09.1973:
Die OG Köln des KBW berichtet vom Verkauf der heutigen 'KVZ' Nr.2 in Nippes:"
Verkauft 55. Das bedeutet eine Steigerung um 15 Stück, was aber wohl auch daran liegt, daß zu diesem Zeitpunkt die Ford-Demo der AO (KPD - vgl. **.9.1973,d.Vf.) stattfand und wohl auch von denen einige die KVZ gekauft haben, allerdings wurden die Genossen auch durch AO, ML (KPD/ML,d.Vf.) und DKP ständig behindert. Ob das Ergebnis unter normalen Verhältnissen zu halten ist, wird sich zeigen. Ein wichtiger Kontakt: ein Kollege von F+G-Nippes."
Q: KBW-OG Köln:Verkaufsbericht KVZ 2 Köln und Umgebung,o.O. (Köln) o.J. (Sept. 1973)

14.09.1973:
Auf Initiative des Düsseldorfer Initiativausschusses "Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse" (vgl. Sept. 1973) treffen sich, nach eigenen Angaben, über 60 Arbeiterjugendliche, u.a. von Ford Köln.
Q: NKAJgpEuGa:Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse,Remscheid 1973; Rote Fahne Nr.38,Dortmund 19.9.1973;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.8,Dortmund Okt. 1973

14.09.1973:
In Hamburg führt die KPD, laut Rote Hilfe (RH) Hamburg, eine Solidaritätskundgebung für die Kölner Fordarbeiter durch. Es kommt zum Konflikt mit der RH Hamburg.
Q: Roter Morgen Nr.41,Dortmund 20.10.1973,S.7

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14.09.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet vermutlich von heute vom Ford-Solidaritätskomitee (vgl. 12.9.1973, 15.9.1973):"
Das Ford-Solidaritätskomitee hat auf seiner dritten Sitzung mit etwa 60 Kollegen unter der Führung der Genossen, die auch den Streik selbst angeführt haben, seine Leitung gewählt."
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.6

15.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.36 (vgl. 8.9.1973, 22.9.1973) heraus und berichtet u.a. von Ford Köln u.a. über Ausländer, Türken, die Y-Halle, den Versand und die Bänder im Getriebewerk.

Vermutlich mit dieser Nummer und auch einzeln wird ein Extra September: "Trotz Polizeiknüppel - Streikwelle rollt!" vertrieben.
Q: Roter Morgen Nr.36 und Extra Trotz Polizeiknüppel – Streikwelle rollt!,Dortmund 15.9.1973 bzw. Sept. 1973

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15.09.1973:
An einer nationalen Demonstration für die entlassenen Ford-Arbeiter in Köln nehmen, laut KPD, anfangs 2 000 später über 3 000 teil. Eine Veranstaltung in der Flora zum gleichen Anlaß wird, nach KPD-Zahlen, von über 1 200 Personen besucht. Dort treten u.a. auf KEN/ML Niederlande, OSO Spanien, EKKE Griechenland und AMADA Belgien.

Aufgerufen wird von der KPD u.a. bei Philips/Valvo Aachen und durch ein Flugblatt ihrer Roten Hilfe e.V.
Der Landesverband NRW der LgdI gab ein zweiseitiges Flugblatt "Deutsche und ausländische Arbeiter - eine Kampffront!" heraus. Laut Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 14.9.1973, 16.9.1973) demonstrieren 3 000.

Die OG Köln des KBW (vgl. 1.10.1973) berichtet u.a. über die Demonstration:"
SOLIDARITÄTSTHEATER
ZUR ARBEIT DER GRUPPE ROTE FAHNE (KPD) IM FORD-SOLIDARITÄTSKOMITEE

Nach der Zerschlagung des Streiks bei Ford Köln hatte sich ein Solidaritätskomitee gegründet, das im wesentlichen von der Gruppe 'Kölner Fordarbeiter' getragen wurde. Die Gruppe 'Kölner Fordarbeiter' ist ein Zusammenschluß verschiedener revolutionärer Organisationen und Strömungen, die bei Ford eine gemeinsame Politik zu Fragen des praktischen Kampfes zu organisieren versuchen.

DIE SPALTUNG DER SOLIDARITÄTSBEWEGUNG

Die Gruppe Rote Fahne ignorierte die Initiative der 'Kölner Fordarbeiter' und gründete ein eigenes Komitee, das von vornherein darauf angelegt war, die breite solidarische Kampffront zur Unterstützung der entlassenen Kollegen zu sabotieren. Andere Organisationen und fortschrittliche Menschen durften quasi als Befehlsempfänger die Aktionen des Solidaritätskomitees 'unterstützen'. Statt um die ernsthafte Organisierung der Solidarität ging es um die bedingungslose Durchsetzung der Linie der Gruppe Rote Fahne. Und die hieß: Wiederaufnahme des Streiks um jeden Preis und Organisierung der RGO!

Mit ihren Manövern gelang es der Gruppe Rote Fahne, einen Anfangserfolg zu erzielen: Aus Furcht, die Arbeiterklasse und die Bevölkerung durch das Auftreten zweier Komitees zu verwirren, gaben die 'Kölner Fordarbeiter' ihr Komitee auf. Wegen ihrer mangelhaften Verbindung zu Ford und der daraus resultierenden Unsicherheit über ihre eigene Rolle gelang es der Ortsgruppe Köln des KBW nicht, diesen Schritt zu verhindern.

DIE 'NATIONALE DEMONSTRATION FÜR DIE ENTLASSENEN METALLER' DER GRUPPE ROTE FAHNE

Statt einer ernsthaften Unterstützungsarbeit für die entlassenen Kollegen, Sammlungen, Aufklärungen, Rechtsschutz, trat die Gruppe Rote Fahne gleich mit ihrem ersten 'Großprojekt' einer nationalen Demonstration auf den Plan. An der Demonstration nahmen etwa 2 000 Menschen teil. Laut eigenen Angaben der Gruppe Rote Fahne bestand sie fast ausschließlich aus studentischen Mitgliedern der Liga gegen den Imperialismus und ihres Studentenverbandes (KSV), die aus allen Teilen der BRD kamen. An der Spitze marschierten Teile der ehemaligen Streikleitung und vier Reihen meist türkischer Kollegen. Die meisten beteiligten Organisationen verließen die Demonstration oder zogen ihre Beiträge zurück, da die Aufmachung dieses Aufmarsches eher geeignet war, die von der bürgerlichen Presse über den Fordstreik hergestellten Vorurteile und Lügen zu bestätigen."

Aufgerufen wurde auch in Münster (vgl. 4.9.1973).
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.5,Mannheim 24.10.1973,S.14; Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.8;Rote Pressekorrespondenz Nr.34,Dortmund ***1973,S.6;Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.6/7,Dortmund Sept. 1973;Rote Fahne Nr.38 und 40,Dortmund 19.9.1973 bzw. 3.10.1973;Liga gegen den Imperialismus, Komitee Kampf der Unterdrückung und politischen Entrechtung ausländischer Kollegen: Deutsche und ausländische Arbeiter - eine Kampffront!,Köln 4.9.1973

16.09.1973:
In Köln findet laut KPD eine Veranstaltung der KPD-Roten Hilfe und der 38 Komitees "Hände weg von der KPD" statt. Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet vom Ford-Solidaritätkomitee (vgl.
15.9.1973, 19.9.1973):"
Das Komitee hat auf einer begeisternden Veranstaltung in Köln, zu der etwa 1 000 Menschen kamen, einen großen Schritt in der Stärkung der Kampf- und Solidaritätsfront voran getan."
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.6; Rote Fahne Nr.38,Dortmund 19.9.1973

17.09.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint das 1. Flugblatt des Nationalen Komitees: Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüße (NKAjgpEuGA) des KJV der KPD (vgl. 14.9.1973):"
Am 16.9.1973 gründeten über 60 junge Gewerkschafter, Jugendvertreter, Jugendvertrauensleute und Betriebsräte aus über 30 Betrieben u.a. … Ford Köln, …, in der BRD und Westberlin das Nationale Komitee: 'Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse.' Es war erforderlich, auf dieser Konferenz ein nationales Komitee zu bilden, da die Entlassungswelle der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) zentral in der ganzen BRD und Westberlin stattfindet."
Q: Nationales Komitee Arbeiterjugend gegen Politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse:1. Flugblatt,Remscheid o.J. (1973)

17.09.1973:
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg / Waldkirch des BKA gibt die Nr. 16 seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (KJZ - vgl. 23.6.1973, 11.2.1974) heraus mit dem Artikel "Die Polizei dein 'Freund und Helfer'" mit Bildberichten auch von Ford Köln.
Q: Kommunistische Jugendzeitung Nr. 16, Freiburg 17.9.1973, S. 7

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17.09.1973:
Vermutlich in dieser Woche wird in Stuttgart, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln,
durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

17.09.1973:
Vermutlich in dieser Woche wird in Dortmund, laut und mit Roter Hilfe (RH) e.V. der KPD, erneut eine Geldsammlung für die Streiks, u.a. bei Ford Köln, durchgeführt.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

18.09.1973:
Der KB/Gruppe Flensburg gibt die Nr. 26 seines 'Metallarbeiters' (vgl. 3.9.1973, 20.9.1973) heraus mit dem Leitartikel "Aus dem verlauf der Streiks Lehren ziehen!", der über die Streiks u.a. bei Ford Köln informiert.
Q: Der Metallarbeiter Nr. 26, Flensburg 18.9.1973, S. 1ff

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19.09.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.38 (vgl. 12.9.1973, 26.9.1973) heraus. Veröffentlicht wird das Statut der parteieigenen Roten Hilfe (später Rote Hilfe e.V.). Berichtet wird auch vom Nationalen Komitee "Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse" (vgl. 14.9.1973).

Gegen die politischen Entlassungen im Zusammenhang mit der Streikwelle werden Demonstrationen und Veranstaltungen angekündigt für Berlin, Hamburg, Köln in NRW und Augsburg, Hof und München in Bayern. Aufgerufen wird zu einer zentralen Demonstration und Veranstaltung gegen Lohnraub, Arbeitshetze und Teuerung (vgl. 3.11.1973).

Ford-Spenden gingen ein vom Landesverband Nord der LgdI, von Krone Berlin, aus Baden-Württemberg von der Jugendvertretung WMF Geislingen und aus NRW von der GOG Hella Lippstadt, von Valvo Aachen und Mannesmann Düsseldorf-Lierenfeld.
Q: Rote Fahne Nr.38,Dortmund 19.9.1973

19.09.1973:
Bei KWU Berlin gibt die KPD die Nr. 29 ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (vgl. 3.9.1973, 28.9.1973) heraus mit dem Artikel "Schafft Rote Hilfe!" zur Spendensammlung für die Entlassenen bei Ford Köln, Philips Aachen und Opel Bochum, denen die Rote Hilfe e.V. bereits 172 DM überwiesen habe, während bisher insgesamt 210 DM bei KWU gesammelt worden seien.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe KWU Nr. 29, Berlin 19.9.1973, S. 6

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19.09.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von ihrer Solidaritätsarbeit (vgl. 16.9.1973, 20.9.1973) mit dem Streik bei Ford Köln, daß sie dem Ford-Solidaritätskomitee heute 1 000 DM übergeben habe.
Insgesamt gingen 9 095,95 DM ein, aus:
- Baden-Württemberg aus Stuttgart (vgl. 17.9.1973) und Tübingen (vgl. 1.9.1973);
- Bayern aus München (vgl. 1.9.1973) und Hof (vgl. 1.9.1973);
- Berlin u.a. von Lehrern;
- Hessen aus Frankfurt (vgl. 1.9.1973) und Marburg;
- NRW aus Bonn (vgl. 28.8.1973), Dortmund (vgl. 1.9.1973, 17.9.1973), Düsseldorf (vgl. 28.8.1973), Köln (vgl. 28.8.1973) und der OG Köln-Kalk der LgdI der KPD;
- Rheinland-Pfalz von der OG Neuwied der LgdI.
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.5

20.09.1973:
Es erscheint die Göttinger Betriebszeitung (GBZ) Nr. 46 (vgl. 17.9.1973, 11.10.1973). Im Artikel "Entlassungswelle fortschrittlicher Kollegen" heißt es auch:"
Während und nach den spontanen Streiks der letzten Monate wurden viele aktive Kollegen fristlos entlassen. So waren es bei Ford Köln laut Zeitungsberichten, die fast alle unterschiedliche Zahlen nannten, etwa 100 Kollegen, darunter auch Vertrauensleute. Auf die Entlassungsliste konnte man schon kommen, wenn man ein Mitglied der Streikleitung gut kannte!

Noch schlimmer trifft es ausländische Kollegen, die ja gerade in der letzten Streikwelle vielfach mit den deutschen Kollegen solidarisch eine Kampffront bildeten. Außer der Entlassung aus dem Betrieb droht ihnen aufgrund der reaktionären Ausländergesetze bei Teilnahme an 'wilden Streiks' oder unliebsamen politischen Aktionen die Ausweisung. Jene 13 türkischen Kollegen von Ford, die als Vorleute der Streikbewegung aufgefallen waren, müssen mit ihrer Ausweisung rechnen.

Deshalb haben viele Belegschaften in den Streiks auch die Forderung aufgestellt: KEINE REPRESSALIEN GEGEN DIE STREIKENDEN UND DIE STREIKLEITUNG!"

Enthalten ist auch der Artikel - "'Hastet hier jemand? rennt hier jemand?'" zum Streik bzw. den Bandgeschwindigkeiten bei Ford Köln.
Q: Göttinger Betriebszeitung Nr. 46, Göttingen 20.9.1973, S. 3f und 10

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20.09.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet von ihrer Solidaritätsarbeit (vgl. 19.9.1973, 25.9.1973) mit dem Streik bei Ford Köln:"
Wir haben es insbesondere unternommen, den Rechtsschutz für die entlassenen Kollegen zu organisieren. Mittels mehrsprachiger Fragebögen, die bei der Wohnheimagitation und auf den Veranstaltungen und Sitzungen des Komitees verteilt wurden, haben wir Auskunft darüber erhalten, mit welchen gemeinen Tricks, aber auch mit welchen arbeiterfeindlichen Gesetzen die Kollegen nun von der Geschäftsleitung und den Behörden unterdrückt werden.

Von etwa 700 - 800 Entlassungen sind Hunderte sog. Selbstkündigungen. Zustandegekommen sind sie, weil die Kollegen von Geschäftsleitung und Betriebsrat dazu erpreßt wurden. Und wo diese verbrecherischen Manöver keine Aussicht auf Erfolg hatten, wurden Kollegen betrügerisch überrumpelt: ausländischen Kollegen, die zum Teil seit 8 Jahren bei Ford arbeiten, wurde ein Kündigungsformular vorgelegt mit der Bemerkung: wenn Du das unterschreibst, erhältst Du keine Kündigung. Kann man sich etwas Infameres vorstellen als diese Ausnutzung der sprachlichen Unkenntnisse der Kollegen? Wir versichern den Ford-Banditen: welche Erpressungen sie auch immer unternehmen, welche Hinterhältigkeiten auch immer sie benutzen - es wird ihnen immer weniger gelingen, einzelne Kollegen aus der Kampffront herauszubrechen. Was sie erreichen, ist Empörung, ist Wut, ist eine unerschütterliche Solidarität mit allen betroffenen Kollegen.

Gerade nach dem Streik ist klargeworden, welch gute Vorarbeit für die Kapitalisten unsere sog. Volksvertreter im Parlament geleistet haben. Sie haben Gesetze geschaffen, mit denen die totale Entrechtung der ausländischen Kollegen legalisiert wurde; ihr Werk ist das reaktionäre Ausländergesetz. Nach diesem Gesetz kann 'die politische Betätigung von Ausländern eingeschränkt oder untersagt werden, wenn die Abwehr von Störungen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung oder von Beeinträchtigungen der politischen Willensbildung in der BRD oder sonstige erhebliche Belange der BRD dies erfordern'. Ein Ausländer kann ausgewiesen werden, wenn er die freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO,d.Vf.) der BRD gefährdet oder seine Anwesenheit erhebliche Belange der BRD aus anderen Gründen beeinträchtigt. Ein Ausländer ist abzuschieben, wenn seine freiwillige Ausreise nicht gesichert oder aus Gründen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung eine Überwachung der Ausreise erforderlich erscheint. Das ist die nüchterne bürokratische Sprache der bürgerlichen Klassengesetze, auf deren Grundlage nun bereits 7 Kollegen in ihre faschistischen Heimatländer abgeschoben wurden.

Behörden und Kapitalisten haben auf Grund dieses Gesetzes und anderer ausländerfeindlicher Vorschriften vortrefflich zusammengearbeitet. Nicht nur, daß bei den Kollegen die Aufenthaltserlaubnis an einen beliebigen Arbeitsplatz gebunden wäre. Viele Kollegen haben Aufenthaltserlaubnisse, die daran gebunden sind, daß sie bei FORD arbeiten. Andere dürfen sich ohne Erlaubnis des Arbeitsamtes keinen anderen Arbeitsplatz suchen. Schließlich haben die Ford-Kapitalisten auch in den Mietverträgen mit den Kollegen das Recht des Stärkeren ausgenutzt und hineingeschrieben, daß mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auch der Wohnheimplatz innerhalb von 2 Stunden verloren geht. Die Kapitalisten und ihre Vertreter in Parlament und Staatsverwaltung haben hier ihre Logik niedergelegt: wer streikt, fliegt aus dem Betrieb, wer aus dem Betrieb fliegt, wird aus dem Wohnheim rausgeschmissen, wer keinen Arbeitsplatz und keine Wohnung hat, wird ausgewiesen und abgeschoben, oder ihm wird dies als Drohung vor Augen gehalten, um ihn zu bedingungslosem Wohlverhalten zu erpressen.

Entrechtung der ausländischen Kollegen heißt, daß auch die Rechtshilfe, die wir u.a. in täglichen Sprechstunden umfassend organisiert haben, nur minimalsten und vor allem bei Ausweisungen nur vorübergehenden Schutz bietet. Zwar ist es gelungen, die Aufenthaltsgenehmigung für Baha Targün um einige Tage zu verlängern, aber auch dies war vor allem ein Sieg der Ford-Kollegen; die Solidaritätsfront war zu stark, die Behörden wagten die Abschiebung nicht.

Halten wir uns auch vor Augen, daß viele Kollegen auch materiell in Not geraten sind. Die meisten der entlassenen Kollegen haben bisher keine Arbeit gefunden. Spätestens dann, wenn sie sagen, daß sie von Ford kommen, wird die Einstellung abgelehnt oder abgebogen: So fuhr z.B. ein Kollege nachdem ihn eine Firma 8,30 DM Stundenlohn telefonisch zugesagt hatte, ins Personalbüro. Als er dort sagte, daß er vorher bei Ford gearbeitet hat, wurden ihm nur noch 6,50 DM angeboten. Vor allem aber weigert sich das Arbeitsamt, in den ersten vier Wochen nach den Entlassungen Arbeitslosenunterstützung zu zahlen. Diese Kollegen wird die ROTE HILFE nach Kräften unterstützen. …

Die Hauptwaffe gegen alle Anschläge ist der Kampf der Ford-Kollegen selbst, den wir mit einer breiten Solidaritätsbewegung unterstützen. … Umso bedauerlicher finden wir es, daß mit einigen Organisationen und Gruppen keine Einheit in der Frage der Solidarität erzielt werden konnte. So hat die örtliche Initiative für eine ROTE HILFE (RH,d.Vf.) Köln statt der Unterstützung des Ford-Solidaritätskomitees gemeinsam mit anderen Organisationen ein anderes Komitee gegründet, das neben einer oppositionellen Gewerkschaftsgruppe im Betrieb die Solidarität außerhalb des Betriebes organisieren soll. Halten wir schon die Gründung eines Komitees, das in erster Linie von verschiedenen Organisationen gegründet wird, für falsch, so wenden wir uns umso mehr gegen eine Solidaritätsbewegung, die zwischen der Solidaritätsfront im und außerhalb des Betriebes eine Trennung macht und nicht die Streikleitung von Ford als einheitliches und führendes Zentrum auch der Solidaritätsbewegung anerkennt.

Das Ford-Solidaritätskomitee hat seine Arbeit unter folgende Parolen gestellt:
SOLIDARITÄT MIT BAHA TARGÜN UND ALLEN ANDEREN KOLLEGEN!
DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER - EINE KAMPFFRONT!
WEG MIT DEN REAKTIONÄREN AUSLÄNDERGESETZEN!
SCHLUSS MIT DER ABSCHIEBUNG AUSLÄNDISCHER ARBEITER!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!
SOFORTIGE NEUWAHL DES BETRIEBSRATES BEI FORD KÖLN!
KAMPF DEM POLIZEITERROR DER BRANDT-REGIERUNG GEGEN STREIKENDE ARBEITER!"

Seitdem hat die ROTE HILFE weitere Anstrengungen unternommen, um die entlassenen Kollegen zu unterstützen. Von über 20 Kollegen, die sich bisher an uns wandten, haben 10 Arbeitsgerichtsklagen gegen die Kündigung angestrengt. Viele Selbstkündigungen sind angefochten worden. Unsere Genossen in Köln haben bei der Wohnungs- und Arbeitssuche geholfen, sie haben Schlafplätze und Möbelstücke besorgt. Nach wie vor findet täglich eine Sprechstunde gemeinsam mit dem Solidaritätskomitee statt. Die IGM hat nur sehr wenigen Kollegen Rechtsschutz zugesagt. Aus Schriftsätzen und Berichten ergibt sich bereits jetzt, welches Konzept die IGM vor Gericht verfolgt: Die Kollegen sollen alles leugnen. Nach Auffassung der IGM hat ja gar kein Streik stattgefunden.

Alle unsere Kräfte werden nun auf den entscheidenden Punkt konzentriert: die Abschiebung von Baha Targün (vgl. 25.9.1973,d.Vf.) muß verhindert werden!"
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.6f

22.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.37 (vgl. 15.9.1973, 29.9.1973) heraus, in der sie sich u.a. mit der Haltung der KPD zu den Streiks u.a. bei Ford Köln befaßt.
Q: Roter Morgen Nr.37,Dortmund 22.9.1973,S.6

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22.09.1973:
Die Gruppe Arbeiterstimme gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 10.7.1973, 3.12.1973) Nr.4 heraus und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Arbeiterstimme Nr.4,Nürnberg 22.9.1973

24.09.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint in Dortmund ein Flugblatt des Sympathisantenkollektivs Aufbaugymnasium des KOV der KPD:"
SOLIDARITÄT MIT DEN ENTLASSENEN METALLARBEITERN!

In der vergangenen Woche streikten 70 000 Metallarbeiter in NRW. Ihre Forderungen waren:
ERHÖHUNG DER LÖHNE! TEUERUNGSZULAGEN, SENKUNG DER ARBEITSHETZE.
Diese Forderungen sollten den Verlust an Reallohn, den die Metallarbeiter seit dem 8,5% Lohnabschluß vom Januar, bei über 10% Preissteigerung (10% offiziell, 11% bei Lebensmitteln) gespürt hatten, ausgleichen. Außerdem sollte die Arbeitshetze, durch die jährlich mehr Betriebsunfälle und Frührentner verursacht werden, verringert werden. Wie verhielten sich die SPD-Regierung und Gewerkschaftsfunktionäre zu diesen Streiks, in denen die Arbeiter für ihre Interessen kämpften? Überall, wo ein IGM-Bonze auftrat, oder wo 'Friedenswilly' schwatzte, ertönte die Mahnung, daß die Streiks 'illegal' seien und gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstießen. Stets wurde der Klagegesang um das Stabilitätsprogramm angestimmt, das durch die 'wilden' Streiks der Metallarbeiter gefährdet sei. Die Gewerkschaftsführer taten alles, um die Streiks abzuwiegeln, und wenn das nicht genügte, abzuwürgen. Sie scheuten sich auch nicht offen mit Geschäftsleitungen und politischer Polizei zusammenzuarbeiten. Gegen diesen Verrat organisierten die Arbeiter ihre Streiks selber, nicht nur ohne, sondern im Endeffekt sogar gegen die Gewerkschaftsbonzen, die sich offenkundig auf die Seite der Kapitalisten gestellt hatten.

Diese selbständige Streikleitung - durch die, von den Arbeitern gewählten Streikleitungen organisiert - war nicht zufällig in solchen Betrieben am besten organisiert, wo Genossen der KPD in Betriebszellen arbeiten oder in die Streikleitungen gewählt wurden. In diesen Betrieben (z.B. Ford Köln) mußte die SPD-Regierung zum offenen Terror gegen die Arbeiter greifen, um die Interessen ihrer Auftraggeber wahren zu können. Bei Ford in Köln wurde der Streik von 1 000 Polizisten buchstäblich niedergeknüppelt. Der Streik wurde nur dadurch beendet, weil die besten Kämpfer der Arbeiter, die Mitglieder der Streikleitungen, verhaftet oder krankenhausreif geschlagen wurden. Hier zeigte die SPD erneut ihr wahres Gesicht, ihren volksfeindlichen Charakter. Ihre Politik ist, mit allen Mitteln die Interessen der Bourgeoisie durchzusetzen. Ob nun bei der Zerschlagung von Streiks oder durch den Rausschmiß von Schülern, die die Interessen ihrer Mitschüler vertreten und sich politisch engagieren - die SPD-Regierung tut immer ihr Bestes um 'politische Störenfriede' auszuschalten und den Ausbeutungsfrieden zu sichern.

Die Mitglieder der Streikleitungen und andere kämpferische Arbeiter sind entlassen worden und müssen nun die Kosten für Arbeitsprozesse tragen. Die ausländischen Arbeiter sind entlassen worden in ihre zum Teil faschistischen Heimatländern bedroht (?,d.Vf.), wie der Türke Baha Targün, ein Mitglied der Streikleitung bei Ford. Wenn er nicht innerhalb von 4 Wochen die BRD verlassen hat, wird er den faschistischen türkischen Behörden übergeben. Gegen diesen Terror, der gegen die kämpferischsten Arbeiter durchgeführt wird, um abschreckende Beispiele zu schaffen, müssen wir uns auch als Oberschüler an der Seite der Arbeiterklasse wehren, müssen auch wir Solidarität mit den Entlassenen üben. Der Terror, der sich gegen sie richtet, richtet sich gegen alle Menschen, die bereit sind, gegen dieses Gesellschaftssystem aufzumucken. Die Rote Hilfe (RH,d.Vf.) e.V. organisiert die materielle und juristische Hilfe für die Entlassenen.

UNTERSTÜTZT DURCH DIE ROTE HILFE DIE ENTLASSENEN METALLER!
SOLIDARITÄT MIT DEN ENTLASSENEN METALLERN!
KOMMT ZUR VERANSTALTUNG DES SYMPATHISANTENKOLLEKTIVS AUFBAUGYMNASIUM DES KOV!
Montag, 1.10., 17 Uhr, Räume des KOV, Dortmund, Dürenerstraße 43 (Nähe Borsigplatz)".
Q: KOV-Sympathisantenkollektiv Aufbaugymnasium Dortmund:Solidarität mit den entlassenen Metallarbeitern,Dortmund o.J. (1973)

25.09.1973:
Die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD berichtet:"
BAHA TARGÜN SOLL ABGESCHOBEN WERDEN: ERKÄMPFEN WIR DIE
AUFENTHALTSGENEHMIGUNG!

Am 25. September hat die Ausländerbehörde der Stadt Köln entschieden, daß Baha Targün durch seine Anwesenheit in Köln Belange der Bundesrepublik Deutschland beeinträchtigt und deshalb das Bundesgebiet unverzüglich, spätestens aber bis zum 26. Oktober, verlassen soll. Für den Fall, daß Baha Targün bis zu diesem Tag nicht ausreist, ist die Abschiebung in die Türkei angedroht.

Allen, die die spontanen Streiks vor wenigen Wochen verfolgt haben, ist Baha Targün bekannt: Er war einer der Führer des Streiks bei Ford Köln und gewähltes Mitglied der Streikleitung. An der Spitze von tausenden, vor allem türkischer Kollegen, hat er für eine Lohnerhöhung von 1 DM mehr für alle und für die Verminderung der Bandgeschwindigkeit gekämpft. Deshalb gehörte er auch zu denjenigen, die bei dem brutalen Polizeieinsatz von bezahlten Schlägern angegriffen und von der Polizei verhaftet wurden. Seit dieser Zeit arbeitet Baha Targün im Ford-Solidaritätskomitee (vgl. 12.9.1973,d.Vf.). An seiner vorbildlichen revolutionären Haltung sind alle Versuche der türkischen Faschisten und ihrer deutschen Helfer, ihn zu bestechen, gescheitert. Alle Kraft setzt er dafür ein, gegen die Massenentlassungen und Abschiebungen seiner Kollegen zu kämpfen. Baha Targün ist eine Gefahr für die Geschäftsleitung von Ford, weil er die Empörung über Ausbeutung und Arbeitshetze bei Ford organisierte. Er ist eine Gefahr für jede Geschäftsleitung, weil er vielen seiner türkischen Kollegen in der ganzen BRD zum Vorbild geworden ist. Deshalb ist Baha Targün ausgewiesen worden, deshalb soll auf jeden Fall seine Abschiebung betrieben werden.

Die Ausländerbehörde der Stadt Köln brauchte nicht lange an Ausweisungsgründen zu grübeln. Eine 'Beeinträchtigung der Belange der BRD' kann mit den windigsten Floskeln begründet werden. Denn das Ausländerrecht ist Ausländerentrechtung. Die Möglichkeiten des juristischen Schutzes sind minimal. Trotzdem ist gegen die Ausweisung Widerspruch eingelegt worden. Außerdem ein Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs.

Der Kampf um eine Aufenthaltsgenehmigung für Baha Targün muß ein Massenkampf werden. Tausende müssen gegen seine Ausweisung protestieren. Dafür setzt sich die ROTE HILFE mit aller Kraft ein. Ein Erfolg an diesem Punkt - das wäre ein erster Schritt, um gegen das reaktionäre Ausländergesetz anzugehen.

Wie wird die ROTE HILFE diesen Kampf führen? Wir können darauf aufbauen, daß in der Zeit nach dem Streik unter Führung des FORD-Solidaritätskomitees die Solidaritätsfront gewachsen ist und stabilisiert werden konnte. Unsere Hauptaufgabe wird es sein, die Kollegen anderer Betriebe in diese Front einzureihen. Dazu wird eine Unterschriftensammlung vor vielen Betrieben der BRD und Westberlins durchgeführt. Diese Solidaritätserklärungen werden wir aber auch allen bekannten fortschrittlichen Persönlichkeiten, Betriebsräten, Vertrauensleuten und Jugendvertretern vorlegen. Aber auch in den Stadtteilen unter den Hausfrauen, Rentern und Intellektuellen werden wir sammeln. Baha Targün wird in allen Regionen der BRD auf Veranstaltungen sprechen (vgl. Hamburg 16.10., Berlin 17.10., Frankfurt 18.10., Köln 19.10., München 23.10., Stuttgart 24.10., Bochum 25.10.,d.Vf.). Damit wird der Bourgeoisie die Möglichkeit der Totschweigetaktik aus der Hand geschlagen. Baha Targün wird für die Sache der entlassenen Arbeiter und für den Kampf um seine Aufenthaltserlaubnis viele neue Freunde und Kämpfer finden.

Am vorgesehenen Tage der Abschiebung wird in Köln eine Demonstration stattfinden, mit der alldiejenigen, die gegen die Ausweisung von Baha Targün eintreten, klarmachen werden, daß sie seine Abschiebung nicht dulden, daß sofort die Aufenthaltserlaubnis für Baha Targün ausgestellt werden muß.

SOFORTIGE AUSSTELLUNG EINER AUFENTHALTSERLAUBNIS FÜR BAHA TARGÜN!
KEINE ABSCHIEBUNG VON AUSLÄNDISCHEN ARBEITERN!
KAMPF DEN REAKTIONÄREN AUSLÄNDERGESETZEN!
KAMPF DEN POLITISCHEN ENTLASSUNGEN!"

In der Solidaritätserklärung heißt es:"
AUFRUF ZUR SOLIDARITÄT MIT BAHA TARGÜN UND ALLEN ANDEREN ENTLASSENEN FORD-ARBEITERN

Wir, die entlassenen Arbeiter von Ford, Köln, rufen Euch auf, Eure Unterschrift zu geben, mit der Ihr die Entlassungen und drohenden Ausweisungen verurteilt.

Kollege Baha Targün bekommt die Aufenthaltserlaubnis nicht mehr verlängert, weil er beim Ford-Streik für seine Kollegen als Führer gegen die Ford-Kapitalisten und die Gewerkschaftsführer gekämpft hat. Gerade deshalb ist es für ihn nicht möglich, in sein Heimatland zurückzufahren (die Türkei), da dort eine faschistische Militärdiktatur herrscht, die mit den deutschen Kapitalisten Hand in Hand zusammenarbeitet.

Solidarisiert Euch mit uns und beweist mit Eurer Unterschrift, daß Ihr uns unterstützt und gegen die Ausweisungen und die Entlassungen von streikenden Kollegen seid. Bekämpft die reaktionären Ausländergesetze, die es dem Staatsapparat ermöglichen, die für ihre Rechte kämpfenden ausländischen Arbeiter zu unterdrücken, sie jederzeit zu verfolgen und auszuweisen."
Q: Rote Hilfe Nr.1,Dortmund o.J. (1973),S.7f; RH e.V.:Prozeß gegen Baha Targün: Fortschrittliche Türken dürfen nicht kriminalisiert werden!,Köln o.J. (Apr. 1975),S.1

26.09.1973:
In der 'Kommunistischen Volkszeitung' (KVZ) Nr.3 (vgl. 12.9.1973, 10.10.1973) des KBW befasst sich ein Kollege von John Deere Mannheim mit dem Streik im eigenen Werk und bei Ford Köln.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.3,Mannheim 26.9.1973,S.3

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KVZ1973_03_10


29.09.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr.38 (vgl. 22.9.1973, 6.10.1973) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Roter Morgen Nr.38,Dortmund 29.9.1973,S.3

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30.09.1973:
In Köln findet eine regionale Konferenz oppositioneller Gewerkschafter für NRW statt, an der, laut KPD, Vertreter der GOG Hella Lippstadt, von Opel Bochum und Mitglieder der Streikleitungen von Ford Köln und Philips Aachen, wo mittlerweile eine GOG gegründet worden ist (vgl. 24.9.1973), teilnehmen. Anwesend sind auch Beschäftigte von AEG, aus der Stahlindustrie sowie von DEMAG und GHH, vermutlich aus Düsseldorf.
Q: Rote Fahne Nr.40,Dortmund 3.10.1973; Kommunistische Arbeiterpresse - Ausgabe DeTeWe Nr.12,Berlin 9.10.1973

Oktober 1973:
Die Nr.1 (vgl. Okt. 1973) der Reihe 'Agitationsheft des Kommunistischen Jugendverbandes' (Jugendverband der KPD) erscheint unter dem Titel "Weg mit den Bundeswehrhochschulen!". Berichtet wird u.a. von den Streiks u.a. bei Ford Köln.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr.31,Dortmund 1973,S.20; KJV:Agitationsheft Nr.1,Dortmund Okt. 1973

Oktober 1973:
Nummer 2 der Reihe 'Agitationsheft des Kommunistischen Jugendverbandes' (Jugendorganisation der KPD) (vgl. Okt. 1973, Feb. 1974) erscheint unter dem Titel "Kampf dem arbeiterfeindlichen Betriebsverfassungsgesetz!" (BVG). Berichtet wird u.a. über Ford Köln.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr.35,Dortmund 1973,S.20; KJV:Agitationsheft Nr.2,Dortmund Okt. 1973

Oktober 1973:
Der Kommunistische Oberschülerverband (KOV) der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 10 (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) mit dem Leitartikel "Schafft Rote Hilfe!" heraus, wobei auf Ford Köln, die RAF und die Kampagne 'Hände weg von der KPD' Bezug genommen wird. Aus Berlin wird auch berichtet in "208,- DM an die Rote Hilfe!" von der Sammlung für Ford Köln an der Peter A. Silbermannschule.
Q: Schulkampf Nr. 10, Dortmund Okt. 1973, S. 1f

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Oktober 1973:
Die KB-Schülergruppen geben vermutlich im Oktober die Nr. 20/21 ihres 'Sozialistischen Schülerforums' (vgl. 19.9.1973, 18.2.1974) heraus mit dem Artikel "Gemeinsamer Feind - gemeinsamer Kampf!" zur Hetze gegen die ausländischen Streikenden vor allem bei Ford Köln.
Q: Sozialistisches Schülerforum Nr. 20/21, Hamburg Okt. 1973, S. 25ff

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Oktober 1973:
Es erscheint die Nr. 23 der 'Sozialistischen Arbeiterpolitik' (SAP – vgl. Juni 1973, 28.1.1974) – Organ für Arbeiterpolitik in der SPD. Für SPD-Alleinregierung. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.23,Bochum Okt. 1973

Oktober 1973:
Spartacus Bolschewiki/Leninisten gibt seinen 'Spartacus' Nr.8 (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln, wobei auch die Kommunistische Initiative (KI) Köln erwähnt wird.
Q: Spartacus Nr.8,Mainz Okt. 1973

Oktober 1973:
Die Nr.10 der 'Roten Fahne' des KABD (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) beschäftigt sich erneut mit der Streikwelle für Teuerungszulagen (TZL). Dazu heißt es auf Seite 3:
TROTZ GENSCHERS DROHUNGEN: MÜLLARBEITER STREIKEN

Wahrscheinlich hätte Genscher die Streikenden lieber mit seiner Polizei niederknüppeln lassen - so wie das vorher schon bei Ford, Opel, Rheinstahl und in anderen Betrieben praktiziert wurde."
Q: Rote Fahne Nr.10,Tübingen Okt. 1973

Oktober 1973:
Die SAG gibt die Nr.28 ihres 'Klassenkampf' (vgl. Sept. 1973, Nov. 1973) heraus, in der man sich mit der Nachlese zur Streikwelle in der Metallindustrie befaßt, die u.a. als Aufstand der ungelernten bzw. angelernten ArbeiterInnen verstanden wird, wobei näher eingegangen wird u.a. auf die Türken bei Ford Köln.
Q: Klassenkampf Nr.28,Frankfurt Okt. 1973

Oktober 1973:
Der KHB/ML des AB gibt erst im Oktober seine 'Kommunistische Studentenzeitung' (KSZ) Nr. 17 für September/Oktober (vgl. Juli 1973, Nov. 1973) heraus. Berichtet wird in "SPD läßt Federn" von den Streiks für Teuerungszulagen (TZL) sowie von diesen mit Hilfe der 'Kommunistischen Arbeiterzeitung' (KAZ) von Ford Köln.
Q: Kommunistische Studentenzeitung Nr. 17, München Sept./Okt. 1973, S. 13f

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Oktober 1973:
Vom Rechtsausschuss der KHG Dortmund und der Ortsgruppe der KFR herausgegeben erscheint ein:"
An die Mitglieder der Ortsgruppe der KFR, der KHG und befreundeten Organisationen zur Kenntnisnahme:

DIE GEMEINSAME FRONT ALLER DEMOKRATEN UND KOMMUNISTEN GEGEN DIE POLITISCHEN PROZESSE IN DORTMUND AUFBAUEN

1. Die Ereignisse am 1.Mai und besonders die Protestbewegung gegen die Demonstrationsverbote danach, ziehen nun eine Welle von Prozessen polizeilichen Vernehmungen, Vorführungen und verschiedenster Einschüchterungsversuche nach sich.

Zahlreiche Menschen, die sich am 18.Mai in den spontanen Protest gegen die Demonstrationsverbote eingereiht hatten, sehen sich nun Strafbefehlen gegenüber. Häufig weiß man nicht, wie man gegen diese Dinge vorgehen kann. Es fehlt ein Erfahrungsaustausch und es fehlt eine gemeinsame Rechtshilfe.

2. Die Polizeimanöver im Mai in Dortmund waren Vorboten einer reaktionären Entwicklung in unserem Staat, die sich heute immer deutlicher in fast allen gesellschaftlichen Bereichen abzeichnet.

Systematisch wurde die Polizei auf den Eingriff in kommende Streikkämpfe der Arbeiter vorbereitet. Ob sich diese Hochrüstung der Polizei und des Bundesgrenzschutzes (BGS,d.Vf.) zur jederzeit einsetzbaren Bürgerkriegstruppe in der Ausbildung von Spezialkommandos zur Bekämpfung des 'politischen Terrorismus' oder in der Anschaffung von Großraumhubschraubern zum Schnelleinsatz bei Streiks zeigte, immer versuchte die bürgerliche Presse diesen Prozeß hinzustellen als notwendige 'Verteidigung der wehrhaften Demokratie'. Doch was sich hinter dieser Phrase verbirgt, wurde in den Polizeieinsätzen bei der selbstständigen Streikbewegung der Metallarbeiter (IGM-Bereich,d.Vf.) im August/September nur allzu deutlich: die Polizei wurde bei Hella in Lippstadt (vgl. 18.7.1973,d.Vf.), bei Rheinstahl in Brackwede (heute Bielefeld - vgl. 3.9.1973,d.Vf.) und auch bei Ford Köln (vgl. 30.8.1973,d.Vf.) gegen die streikenden Arbeiter eingesetzt.

Viele Arbeiter haben in diesen Auseinandersetzungen Erfahrungen gemacht, die ihnen helfen, zu erkennen, auf welcher Seite die SPD/FDP-Regierung und die Polizei stehen und wessen Instrument sie sind: der Unternehmer!
Q: Rechtsausschuß der KHG und Ortsgruppe der KFR (Dortmund): Die gemeinsame Front aller Demokraten und Kommunisten gegen die politischen Prozesse in Dortmund aufbauen, Dortmund Okt. 1973

01.10.1973:
Der KBW berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
RÜCKTRITT AUS SPD-ARBEITNEHMERAUSSCHUSS

Mit der Aktivierung der Arbeitnehmerausschüsse versucht die SPD, ihren verlorenen Einfluß in den Betrieben wiederzugewinnen. Doch die Ablehnung der SPD-Politik wird immer breiter, wie das folgende Dokument zeigt:

Liebe Genossinnen, liebe Genossen!
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Hiermit erkläre ich meinen Rücktritt als Vorsitzender des Arbeitsausschusses für Arbeitnehmerfragen im Unterbezirk Göttingen der SPD. Ich bin Mitglied der IG Chemie Papier Keramik (CPK,d.Vf.) seit 1957 und seit 1967 Betriebsratsvorsitzender in einem Industriebetrieb mittlerer Größe.

BEGRÜNDUNG: Seit über zehn Jahren bin ich Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ich bin derzeit in die Partei eingetreten, weil ich der Meinung war, daß die SPD Arbeiterinteressen vertritt. Die Parteipolitik gab mir und meinen Kollegen in letzter Zeit häufigen Anlaß zur Kritik. Ich habe mich zum Vorsitzenden in der Hoffnung wählen lassen, mit Hilfe dieses Amtes Arbeiterpolitik in der SPD zu machen. Diesen Schritt hatte ich aber nicht mit mit meinen Kollegen im Betrieb und in der Gewerkschaft besprochen. Nach erfolgter Wahl entspann sich eine rege Diskussion mit meinen Kollegen, die mich zu meinem Rücktritt veranlaßt hat. Im einzelnen ergab die Diskussion folgende Gründe für meinen Rücktritt: Die offizielle Konzeption für die Arbeit der AfA (Richtlinien) bedeutet, SPD-Politik im Betrieb und in der Gewerkschaft durchzusetzen. das würde für mich bedeuten, nicht in erster Linie die Interessen der Kollegen, sondern die der Partei zu vertreten. Dazu bin ich nicht bereit, weil die SPD-Politik in vielen Punkten den Interessen zuwiderläuft. In der Diskussion wurde dies besonders an folgenden Punkten deutlich:

- In einer internen Präsidialsitzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) appellierte unser Parteigenosse Helmut Schmidt 'an die Wirtschaft, mit Rücksicht auf die kritische öffentliche Stimmung, um zurückhaltende Gewinnveröffentlichungen bemüht zu sein'! (Spiegel Nr.34, 20.8.) Dieser Mitteilung wurde bisher nicht widersprochen. Der Appell bedeutet einen Aufruf zur Irreführung der Arbeiterschaft! – Der Parteivorstand hat sich offiziell von den spontanen Streiks distanziert. Meine Kollegen vertreten wie ich die Meinung, daß diese spontanen Streiks wegen der Preistreiberei der Unternehmer notwendig und gerecht sind, um den Lebensstandard der Arbeiter zu erhalten. Wir sind auch empört über die Polizeieinsätze bei verschiedenen Streiks (Ford, Hella usw.), die führende Parteigenossen verantwortet bzw. gebilligt haben. - Die ständigen Mahnungen, mit den Lohnforderungen zurückhaltend zu sein, widersprechen den Interessen der Arbeiter. - 1952 hat die SPD das Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) - gerade auch wegen der Friedenspflicht - abgelehnt. 1972 hat die Partei das neue Betriebsverfassungsgesetz durchgesetzt, das immer noch die Friedenspflicht enthält! - Durch progressive Besteuerung der LÖHNE werden die Reallöhne weiter in erheblichem Maß gemindert. Auch das hat die Partei zu verantworten.

Diese Punkte haben mir gezeigt, wie die offizielle SPD-Politik den Arbeiterinteressen entgegenläuft. Wir haben diskutiert, ob man Hilfe des AfA dieser Politik eine Arbeiterpolitik mit Aussicht auf Erfolg entgegensetzen kann. Besonders zwei Tatsachen haben mir gezeigt, daß diese Möglichkeit nicht besteht: 1. Auf dem Parteitag in Hannover (vgl. 11.4.1973,d.Vf.) wurde klar, daß die Parteipolitik von Parteitag, sondern von der Regierung und der Bundestagsfraktion der SPD festgelegt wird. das zeigt, daß die Mitgliedschaft keinen entscheidenden Einfluß auf die Parteipolitik nehmen kann. 2. Im August und September entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die spontanen Streiks auch in der Partei. Diese Diskussion und besonders die Kritik an den offiziellen Stellungnahmen der Partei wurde vom Vorstand abgewürgt. Das zeigt, daß die Parteiführung alle Genossen, die für eine Arbeiterpolitik eintreten, unterdrückt.

Die Argumente meiner Kollegen gegen die Ausübung einer Funktion als Vorsitzender der AfA haben mich überzeugt. Deshalb trete ich als Vorsitzender des AfA im Unterbezirk Göttingen zurück. - gez. Alwin Brückner."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 5, Mannheim 24.10.1973, S. 2

01.10.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint von der Roten Hilfe (RH) Dortmund der KPD/ML das Flugblatt:"
NIEDER MIT DEN STRAFBEFEHLEN ZUR BRESCHNEW-DEMONSTRATION

Es gibt bald keinen Streik mehr, wo die Mannschaftswagen der Polizei nicht vor den Werkstoren stehen. Je mehr die Kämpfe der Arbeiter an Stärke zunehmen und damit das Vertrauen auf die eigene Kraft größer wird, umso mehr läßt der bürgerliche Staat seine demokratische Maske fallen und antwortet mit Polizeistaatsmethoden. Bei Ford in Köln traten deutsche und ausländische Arbeiter gemeinsam in den Streik für die Teuerungszulage (TZL,d.Vf.), Herabsetzung der Bandgeschwindigkeiten und Wiedereinstellung der 300 entlassenen Türken. Als die Arbeiter mit Nachdruck auf ihren Forderungen bestanden und die Gewerkschaftsführer mit ihren Appellen nicht durchkamen, rief die Betriebsleitung die Polizei. Hundertschaften von Polizisten knüppelten nun auf die Arbeiter ein und griffen dabei gezielt angebliche Rädelsführer heraus. Ca. 200 Fordarbeiter wurden fristlos entlassen. Viele türkische Arbeiter müssen mit ihrer Ausweisung rechnen. Das kann für einige in der faschistischen Türkei das Todesurteil bedeuten. Wie in Köln, so knüppelten die Polizisten auch bei den Hella-Werken in Lippstadt und bei Pierburg in Neuß. Aus diesen Beispielen des 19.Mai, Nordhorn und der spontanen Streiks wird deutlich, daß der bürgerliche Staat und seine Organe, Polizei und Justiz, Instrumente des Kapitals sind. Sie sollen dazu dienen, das bestehende System mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Freiheit und Gerechtigkeit gibt es in diesem System nur für die Minderheit der Besitzenden."
Q: RH Dortmund: Nieder mit den Strafbefehlen zur Breschnew-Demonstration!, Dortmund o.J. (Okt. 1973)

01.10.1973:
Die KBW OG Köln berichtet vermutlich u.a. aus dieser Woche über die Ford-Solidaritätsarbeit der KPD nach der bundesweiten Demonstration am 15.9.1973 und vor der nächsten (vgl. 26.10.1973):"
DIE ABENTEURERPOLITIK DER GRUPPE ROTE FAHNE

Nach der Demonstration war von Solidarität im Komitee nur noch selten die Rede. Die Gruppe Rote Fahne schob diese Aufgabe der Roten Hilfe (RH e.V.,d.Vf.) zu, um mit Macht an die Organisierung eines neuen Streiks heranzugehen. Die Ausgangsbedingungen waren, schlicht gesagt, katastrophal: Zusätzlich der oben beschriebenen Situation im Betrieb (Ergebnis der Pressehetze,d.Vf.) waren der Gruppe Rote Fahne ihre immer schon sehr dünnen Fäden in den Betrieb abgerissen, den anderen Organisationen und den entlassenen Kollegen ging es nicht viel besser. Niemand war in der Lage, die Strömung im Betrieb annähernd richtig zu beschreiben und einzuschätzen. Entsprechend abenteuerlich waren die Pläne der Gruppe Rote Fahne. Das ging vom Zusammenfassen und Losschlagen der entschlossensten Kollegen im Betrieb (zu denen sie überhaupt keine Verbindung hatte und hat) bis hin zu dem Vorschlag, einen Trupp von KSV-lern zusammenzustellen, in den Betrieb einzudringen und so den Streik wieder in Gang zu bringen (diese Absicht hatte die Gruppe Rote Fahne auch schon WÄHREND des Streiks, als sie befürchtete, die Kollegen bei Ford hätten nicht Mut genug, den Streik am Montag nach Streikbeginn fortzusetzen).

Alle, die nicht bereit waren, diese Abenteuer mitzumachen, flogen unter fadenscheinigen Begründungen aus dem Komitee raus. Davon blieben auch Kollegen nicht verschont, die an hervorragender Stelle den Streik mitgeführt hatten. Sie wurden wüst beschimpft als Feiglinge und Arbeiterverräter.

Zudem trieb die Gruppe Rote Fahne gefährliches Schindluder mit den türkischen Kollegen, die zu Anfang das Komitee zahlreich unterstützten (bis zu 50). Ein türkischer Genosse bezeichnete denn auch die Politik der Gruppe Rote Fahne als opportunistische Sammelei und als 'Agententum' für die türkischen Faschisten. Die Ortsgruppe Köln des KBW stellte ihre Unterstützung des Komitees nach einer offenen Auseinandersetzung über die falsche Linie der Sektierer ein. Ein großer Teil der Organisierung der Solidarität spielte sich danach außerhalb des 'Ford-Solidaritätskomitees' ab. Die 'Kölner Fordarbeiter' bzw. die daran beteiligten Organisationen nahmen wieder, wenn auch nicht öffentlich als Komitee, verstärkt ihre Arbeit auf, unterstützt von der türkischen Patriotischen Einheitsfront (PEF,d.Vf.) und der Kölner Ortsgruppe des KBW. Das Komitee der Gruppe Rote Fahne versumpfte in der Bedeutungslosigkeit."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 5, Mannheim 24.10.1973, S. 14f

03.10.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr. 40 (vgl. 26.9.1973, 10.10.1973) heraus. Von Ford Köln wird ein Interview mit Baha Targün veröffentlicht. Eingegangen wird auch auf den Streik (vgl. 25.8.1973), die türkische Gruppe Halkin Sesi und die letzte Demonstration (vgl. 15.9.1973). Aufgerufen wird zur nächsten Demonstration (vgl. 26.10.1973).
Q: Rote Fahne Nr. 40, Dortmund 3.10.1973

06.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 39 (vgl. 29.9.1973, 13.10.1973) mit dem Leitartikel "Kampffront gegen Arbeitshetze wächst: Akkord ist Mord!" heraus, der auch von Ford Köln berichtet.
Q: Roter Morgen Nr. 39, Dortmund 6.10.1973

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08.10.1973:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt vermutlich in dieser Woche eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 30.8.1973, Jan. 1975) mit acht Seiten DIN A 4 unter dem Titel "Niederlagen in Siege verwandeln!" heraus, in der vom Streik berichtet und zur Veranstaltung des Ford-Solidaritätskomitees am 19.10.1973 und zur Demonstration am 26.10.1973 aufgerufen wird. Berichtet wird auch vom Prozeß gegen Uli Kranzusch (vgl. 15.10.1973). Es erscheinen eine Korrespondenz eines türkischen Kollegen: "Ford hat mir meine Gesundheit genommen!" und auch ein "Bericht eines türkischen Kollegen über die Lage in der Türkei".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Niederlagen in Siege verwandeln!, Köln o. J. (1973)

09.10.1973:
Die Zelle Hoesch Dortmund der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet (KFR des KBW - vgl. 17.10.1973) berichtet von den MTV der IGM aus dieser Woche:
DER KAMPF FÜR BESSERE ARBEITSBEDINGUNGEN BEGINNT

Im Tarifbezirk Nordwürttemberg/Nordbaden streiken seit Dienstag die Kollegen für bessere Arbeitsbedingungen, d.h. für einen günstigeren Manteltarifvertrag.

In der Urabstimmung letzte Woche entschieden sich 88,8% der Stimmberechtigten für dieses wirksame Kampfmittel. Schon dieses Ergebnis zeigt die Geschlossenheit und Kampfentschlossenheit, mit der die Metaller in Nordwürttemberg/Nordbaden (NW/NB) den Kampf aufnehmen.

Es zeigt sich auch, daß die Arbeiterklasse vorwärtsschreitet und in ihren wirtschaftlichen Kämpfen Fortschritte machen. Schon beim Ford-Streik in Köln im August stellten die Fordarbeiter nicht nur Lohnforderungen auf, sondern auch Forderungen nach Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen, insbesondere nach geringen Bandzeiten. Diese Tendenz setzt sich nun in NW/BW fort, es ist die Reaktion der Arbeiterklasse auf die steigende Auspressung der Arbeitskraft, auf die immer größeren Produktionsleistungen pro Arbeiter. Diese schlägt sich nieder in höheren Unfallziffern, größeren Verschleißerscheinungen und nicht zuletzt in der steigenden Sterblichkeitsziffer.
Q: Roter Hoesch Arbeiter Nr. 4, Dortmund 17.10.1973, S. 4

10.10.1973:
Der KBW gibt seine KVZ Nr.4 (vgl. 26.9.1973, 24.10.1973) heraus. Berichtet wird auch aus Köln von der Solidarität mit den entlassenen Fordarbeitern.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 4, Mannheim 10.10.1973, S. 7

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13.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 40 (vgl. 6.10.1973, 20.10.1973) heraus. Berichtet wird u.a. aus dem Metallbereich in Köln, u.a. von Ford.
Q: Roter Morgen Nr. 40, Dortmund 13.10.1973, S. 2f

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13.10.1973:
Es beginnt die zweitägige 4.Sitzung des ZK des KBW (vgl. 15.9.1973, 10.11.1973).
Vorgelegt wird auch, anläßlich der Ausweisung von Baha Targün von Ford Köln (IGM-Bereich), der folgende Text:"
Schluß mit der Verfolgung fortschrittlicher Ausländer

Das ZK des Kommunistischen Bundes Westdeutschland verurteilt aufs entschiedenste den Versuch der westdeutschen Behörden, den türkischen Arbieter und Revolutionär Baha Targün aus der Bundesrepublik auszuweisen. Baha Targün war Mitglied der Streikleitung bei Ford und einer ihrer Sprecher gewesen. Der Ausweisungsbeschluß, ebenso wie die Entlassung Baha Targüns und anderer Kollegen durch die Ford-Kapitalisten bedeuten den Versuch der Kapitalistenklasse und ihres Staates, aus einer vorübergehenden Niederlage der Fordarbeiter den größtmöglichen Nutzen zu ziehen und die Fordarbeiter und die ausländischen Arbeiter generell einzuschüchtern, um sie weiter in Rechtlosigkeit und brutaler Unterdrückung zu halten. Der Ausweisungsbescheid ist eine weitere Maßnahmen im Rahmen der umfassenden Versuche, die Arbeiterklasse in jene Abhängigkeit zurückzudrängen, aus der sie durch die selbständigen Streiks ausbrach. Auch in anderen Betrieben haben die Kapitalisten klassenbewußte deutsche und ausländische Arbeiter entlassen und auch anderswo hat der kapitalistische Staat ausländische Arbeiter ausgewiesen. Gegen solche Verfolgungsmaßnahmen der Kapitalisten und ihres Staates gilt es eine breite Einheitsfront zu schaffen, die deutsche und ausländische Arbeiter und alle fortschrittlichen Kräfte umfaßt. Die Schaffung einer solchen Einheitsfront ist unser Ziel und auf dem Weg zur Herstellung dieser Einheitsfront sind wir bereit mit allen Organisationen Aktionseinheiten zu schließen, die mit uns gemeinsam den Kampf gegen die besondere Unterdrückung der ausländischen Arbeiter führen wollen. Umso schädlicher empfinden wir es aber, wie im Falle Baha Targüns aufs neue die Gruppe Rote Fahne, unter dem Deckmantel des Rufes nach Einheit, in Wirklichkeit die Spaltung der Einheit betreibt, weil sie fälschlicherweise meint, dies diene den Interessen ihrer Organisation. Mit der Behauptung, Baha Targün im Kampf gegen die Ausweisung zu unterstützen, versucht die GRF (KPD) wieder einmal den ernsten Kampf in sein Gegenteil zu verzerren und damit zu sabotieren.

Statt im Kampf gegen die Verfolgung Baha Targüns alle Kräfte zusammenzufassen, nimmt sie diese Verfolgung zum Anlaß sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Damit wendet sie sich gegen jene Kräfte, die ehrlich den Kampf gegen die Verfolgungsmaßnahmen führen, aber nicht zum Anhängsel der Gruppe Rote Fahne (KPD) werden wollen.

In Köln selbst hat die GRF den Kampf zur Unterstützung der entlassenen Fordarbeiter gespalten. In Bochum hat sie dasselbe getan und den Kampf zur Unterstützung der entlassenen Opelarbeiter gespalten. Wenn sie sich jetzt mit einem Aufurf des Fordsolidaritätskomitees und der Roten Hilfe (RH,d.Vf.) e.V. an alle wendet, dann hat sie wiederum nichts anderes vor, als die Solidaritätsgefühle für ihre finsteren und organisationsopportunistischen Ziele und in bekannter Manier die Verfolgung Baha Targüns zu einem Werberummel für die Gruppe Rote Fahne (KPD) auszunutzen.

Aber die Form der Baha Targün-Kampagne der Gruppe Rote Fahne ändert nichts daran, daß gegen die Entlassung und Ausweisung Baha Targüns, wie gegen ähnliche Verfolgungsmaßnahmen gegen andere Arbeiter entschieden gekämpft werden muß, mit dem Ziel die besondere Rechtlosigkeit der ausländischen Arbeiter zu beseitigen und die Einheitsfront der deutschen und ausländischen Arbeiter im Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse und für den Sieg des Sozialismus herzustellen.

Wir fordern all unsere Ortsgruppen und Zellen auf, in ihrer Agitation gegen die Ausweisung Baha Targüns zu protestieren und alles daran zu setzen, um die Einheit der deutschen und ausländischen Arbeiter zu stärken."
Q: KBW-ZK: Schluß mit der Verfolgung fortschrittlicher Ausländer, o.O. o.J. (1973)

14.10.1973:
In Köln findet im Rahmen der Solidaritätsaktionen für Baha Targün und andere entlassene Ford-Arbeiter eine Veranstaltung statt, an der auch KPD und KPD/ML teilnehmen. U.a. wirft die KPD der KPD/ML vor, sie könne "auf Eure Unterstützung im Kampf gegen den Entlassungsterror der Ford-Kapitalisten nicht rechnen."
An der Veranstaltung nimmt auch die Initiative für eine Rote Hilfe in Köln (KPD-nahe, später Rote Hilfe e.V. - RH) teil.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr. 34, Dortmund 1973, S. 6

15.10.1973:
Die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD gibt vermutlich in dieser Woche ihre auf Oktober datierte 'Revolutionäre Gewerkschaftsopposition' Nr. 8 (vgl. 10.9.1973, Feb. 1974) heraus.
Über politische Entlassungen in NRW wird berichtet u.a. von Ford Köln sowie von der Haltung von KBW und DKP.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 8, Dortmund Okt. 1973

15.10.1973:
Vermutlich erscheint zu Beginn dieser Woche ein Flugblatt der Sympathisantengruppe Dortmund des KOV der KPD mit einem Aufruf zur bundesweiten Demonstration am 20.10.:"
GEGEN POLITISCHE ENTLASSUNGEN UND GEWERKSCHAFTSAUSSCHLÜSSE!

In den letzten Wochen wurden über 600 Jugendvertreter und junge Gewerkschafter von den Unternehmern gefeuert, bzw. nach Beendigung ihrer Lehre nicht übernommen. In den letzten 4 Wochen wurden alleine:
- bei den Ford-Werken in Köln 430 Arbeiter entlassen, weil sie sich an dem Streik beteiligt hatten, …
Wo Entlassungsterror und Gewerkschaftsausschlüsse noch nicht ausreichen, da greift die SPD-Regierung mit offenem staatlichen Terror ein. Zur Zerschlagung der Streiks wurden z.B. bei Hella/Lippstadt und bei Ford-Köln hunderte von prügelnden Polizisten eingesetzt. Wie weit der staatliche Terror schon reicht, zeigt das Beispiel Baden-Württemberg, wo die Polizei systematische 'Nachforschungen' nach 'wilden Streiks' und 'Rädelsführern' anstellt (Meldung der Frankfurter Rundschau vom 8.10.1973).
Q: KOV-Sympathisantengruppe Dortmund:Gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse,Dortmund o.J. (1973)

16.10.1973:
Heute findet in Hamburg, laut und mit KPD, ein Solidaritätsmeeting ihrer Roten Hilfe e.V. (RH) und des Solidaritätskomitees für die entlassenen Ford-Arbeiter (Köln) für Baha Targün (entlassenes Mitglied der Streikleitung) um 19 Uhr im Audimax der Uni mit 1 200 Personen statt. Anwesend sind auch Beschäftigte der Vulkanwerft Bremen und Mitglieder des KBW bzw. der SSG Hamburg (vgl. 6.11.1973). Aufgerufen wurde auch durch die RH e.V. (vgl. 10.10.1973).
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 8; Rote Fahne Nr. 41 und 43, Dortmund 10.10.1973 bzw. 24.10.1973;Rote Presse Nr. 9, Hamburg 6.11.1973, S. 11ff

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17.10.1973:
Heute findet in Berlin, laut und mit KPD, ein Solidaritätsmeeting ihrer Roten Hilfe e.V. und des Solidaritätskomitees für die entlassenen Ford-Arbeiter (Köln) für Baha Targün (entlassenes Mitglied der Streikleitung) in der Hasenheide um 19 Uhr mit über 1 500 Personen statt. Dies ist die erste Veranstaltung des neugegründeten Rote Hilfe e.V. (RH) Landesverbandes. Es treten u.a. ATöF Türkei sowie die griechischen Gruppen AASPE, EKKE und ETA in Erscheinung.
Aufgerufen wird auch vom KJV der KPD und der RH selbst (vgl. 10.10.1973).
Q: Rote Fahne Nr. 41 und 43, Dortmund 10.10.1973 bzw. 24.10.1973; Kämpfende Jugend Sonderdruck Berlin Lehrlingsmetalltarifrunde: Tarifschiedsgericht erklärt Tarifvertrag für ungültig!, Berlin Okt. 1973;Kommunistische Arbeiterpresse DeTeWe Nr. 12, Berlin 9.10.1973;Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973),S.8

18.10.1973:
Heute findet in Frankfurt, laut und mit KPD, ein Solidaritätsmeeting ihrer Roten Hilfe e.V. und des Solidaritätskomitees für die entlassenen Ford-Arbeiter (Köln) für Baha Targün (entlassenes Mitglied der Streikleitung) im Unifestsaal statt, das von über 600 Personen u.a. von FRAP Spanien, MCE Spanien, PEF Türkei, KBW und Türkischer Studentenverein besucht wird. Aufgerufen wurde auch durch die RH e.V. (vgl. 10.10.1973).
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 8; Rote Fahne Nr. 41 und 43, Dortmund 10.10.1973 bzw. 24.10.1973

19.10.1973:
Heute findet in Köln, laut und mit KPD, ein Solidaritätsmeeting ihrer Roten Hilfe e.V. und des Solidaritätskomitees für die entlassenen Ford-Arbeiter (Köln) für Baha Targün (entlassenes Mitglied der Streikleitung) in der Stadthalle Mülheim um 19 Uhr mit ca. 200 Personen statt. U.a. treten FILE Italien und die KP Italiens/ML (KPI/ML bzw. PCI/ML) auf.

Aufgerufen wurde auch durch die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 10.10.1973) sowie durch die KPD bei Ford (vgl. 8.10.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Niederlagen in Siege verwandeln!,Köln o. J. (1973),S.4 und 8; Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 8;Rote Fahne Nr. 41 und 43, Dortmund 10.10.1973 bzw. 24.10.1973

22.10.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint die 'Befreiung' - anarchistische Zeitung (vgl. Sept. 1973, Dez. 1973) für Oktober / November mit dem Artikel "Ford" zu den Folgen des Streiks. Aufgerufen wird zum Internationalen Arbeiterfest (vgl. 17.11.1973).
Q: Befreiung, Mülheim Okt. / Nov. 1973, S. 15f, 20

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22.10.1973:
Der Rote Fahne Freundeskreis (RFFK) Kassel/Hofgeismar der KPD führt vermutlich in dieser Woche, laut KPD, Solidaritätsaktionen für Baha Targün (Ford Köln) gemeinsam mit der KOV-Sympathisantengruppe, der FRAP sowie Spaniern, Jugoslawen und Türken durch. Ein dreisprachiges Flugblatt wird in der Innenstadt sowie vor Henschel und VW Baunatal verteilt, 300 Unterschriften werden gesammelt. Eine Veranstaltung besuchen 50 Personen, u.a. Türken.
Q: Rote Fahne Nr. 44, Dortmund 31.10.1973

22.10.1973:
Die Kommunistische Studentenorganisation (KSO) Bremen des KSV der KPD führt vermutlich in dieser Woche eine Kundgebung mit 250 Personen zur Solidarität mit Baha Targün (Ford Köln) durch. Agitiert wird u.a. bei Klöckner und im Hafen.
Q: Rote Fahne Nr. 44, Dortmund 31.10.1973

22.10.1973:
Die Nr. 8 der 'Solidarität' - Informationsblatt der GIM erscheint bei Stahlbetrieben in Bochum, Dortmund und Hagen (vgl. 24.9.1973, 2.11.1973) mit dem Leitartikel "Bei den spontanen Streiks: Polizeieinsätze gegen streikende Arbeiter. Provokation der Arbeiterklasse!", in dem u.a. ausgeführt wird:"
In verschiedenen Betrieben wurde dazu übergegangen beim Streik nicht das Werk zu verlassen, sondern die Produktionsanlagen besetzt zu halten oder Demonstrationen durchzuführen. In einigen Fällen wurden auch Streikleitungen gewählt (wie z.B. bei Hella, Lippstadt), welche Streikposten und Kurierdienste einrichteten und teilweise direkt mit den Betriebsleitungen verhandelten. Durch diese neuen Formen der Selbstorganisation der Arbeiter war es verschiedene Male möglich, beträchtliche Erfolge zu erringen. Neu ist aber auch die Reaktion der Unternehmer und des Staates auf die spontanen Anstrengungen der Arbeiter, ihren Lebensstandard auch ohne Unterstützung und teilweise sogar gegen den Widerstand der Gewerkschaftsbürokraten zu verteidigen. In NRW wurde erstmals Polizei in den bestreikten Betrieben: Hella-Werke, Lippstadt und Fordwerke, Köln eingesetzt. Bei Ford wurden sogar Schlägertrupps des Werksschutzes gegen die Streikenden gehetzt. Diese Erfahrungen zeigen: Deutsche und ausländische Arbeiter sind in gleicher Weise von den Versuchen der Unternehmer betroffen, ihre Profite auf Kosten des Lebensstandards der Arbeiterschaft zu sichern. Dabei versuchen sie das Lohnniveau dadurch zu drücken, daß sie die untertariflich bezahlten Arbeitskräfte aus dem Ausland holen, denen durch das deutsche Ausländerrecht fast jede Möglichkeit genommen wird für ihre Interessen einzutreten. Die ausländischen Arbeitskräfte (ca. 10% der lohnabhängigen Bevölkerung) sollen dadurch als Streikbrecher im Falle eines Arbeitskampfes eingesetzt werden. Aber die ausländischen Kollegen haben sich in diesem Sommer mit ihrer Kampferfahrung auch nicht unterkriegen lassen (der letzte Satz ist nur sinngemäß wiedergegeben, da er wegen schlechtem Druck kaum zu lesen war,d.Vf.). Die Arbeiter, ob Ausländer oder Deutsche haben gemeinsame Interessen!
AUSLÄNDISCHE UND DEUTSCHE ARBEITER EINE KAMPFFRONT!

FÜR DIE VOLLEN GEWERKSCHAFTLICHEN UND POLITISCHEN RECHTE DER AUSLÄNDISCHEN KOLLEGEN!
WEG MIT DEM AUSLÄNDERGESETZ!"
Q: Solidarität Nr. 8, Dortmund 22.10.1973

23.10.1973:
In München soll, laut Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 10.10.1973), ein Solidaritätsmeeting mit Baha Targün von Ford Köln (vgl. 25.9.1973) stattfinden.
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 8

24.10.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr. 43 (vgl. 17.10.1973, 31.10.1973) heraus. Eingegangen wird auch auf Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 43, Dortmund 24.10.1973

24.10.1973:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ) Nr. 5 (vgl. 10.10.1973, 7.11.1973) heraus. Sie enthält u.a. eine "Erklärung des ZK des KBW gegen die Ausweisung Baha Targüns", in es u.a. heißt:"
Das ZK des Kommunistischen Bundes Westdeutschland verurteilt aufs entschiedendste den Versuch der westdeutschen Behörden, Baha Targün aus der Bundesrepublik auszuweisen."
Baha Targün war u.a. Mitglied der Streikleitung bei Ford in Köln.
Der KBW bezieht gleichzeitig gegen die KPD Stellung:"
Mit der Behauptung, Baha Targün im Kampf gegen die Ausweisung zu unterstützen, versucht die Gruppe Rote Fahne (KPD) wieder einmal, einen ernsten Kampf in sein Gegenteil zu verzerren und damit zu sabotieren. … In Köln selbst hat die Gruppe Rote Fahne den Kampf zur Unterstützung der entlassenen Fordarbeiter gespalten, in Bochum hat sie dasselbe getan. Wenn sie sich jetzt mit einem Aufruf des Ford-Solidaritätskomitees und der Roten Hilfe e.V. an alle wendet, dann hat sie wieder nichts anderes vor, als die Solidaritätsgefühle … für ihre finsteren und organisationsopportunistischen Ziele einzusetzen und in bekannter Manier … Baha Targün zu einem Werberummel für die Gruppe Rote Fahne (KPD) auszunutzen."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 5, Mannheim 24.10.1973, S. 14f

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KVZ1973_05_29


24.10.1973:
Heute soll in Stuttgart, laut und mit KPD, ein Solidaritätsmeeting ihrer Roten Hilfe e.V. und des Solidaritätskomitees für die entlassenen Ford-Arbeiter (Köln) für Baha Targün (entlassenes Mitglied der Streikleitung) stattfinden. Aufgerufen wurde auch durch die RH e.V. (vgl. 10.10.1973).
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 8; Rote Fahne Nr. 41, Dortmund 10.10.1973

25.10.1973:
In Bochum besuchen, laut und mit KPD, 300 die Baha Targün Veranstaltung des Solidaritätskomitees für die entlassenen Ford-Arbeiter (Köln) und der Roten Hilfe (RH) e.V., wobei die ESG, einige 'Zirkel' und die Rote Hilfe Bochum ihre Solidarität verweigern, die 15 Gruppen und Zirkel sowie die Jusos der SPD bekunden. Die Veranstaltung findet statt im Haus Spitz in der Kemnader Str.138 in Bochum-Weitmar.

Aufgerufen wurde auch durch die RH e.V. (vgl. 10.10.1973).
Q: Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 8; Rote Fahne Nr. 41, 43 und 44, Dortmund 10.10.1973, 24.10.1973 bzw. 31.10.1973

25.10.1973:
Die Zelle Hoesch Dortmund des KBW (vgl. 31.10.1973) berichtet:"
POLIZEIBESPITZELUNG IM BETRIEB

Schon vor einigen Monaten (vgl. S1.*.1973,d.Vf.) wurde von der SPD/FDP-Landesregierung - und die Opposition hatte sicher nichts dagegen - 17 Millionen Mark für den Ausbau der Polizei in NRW genehmigt: Begründung: Der Kampf gegen Radikale und Kriminelle. Was damit gemeint war, plauderte die Kapitalistenzeitschrift 'Wirtschaftswoche' (vgl. S1.*.1973,d.Vf.) dann in einer Meldung aus. Die Überschrift lautete: Polizei rüstet für den Lohnkampf. Dann wurde ausgeführt, das sich die Polizei auf das Eingreifen bei Streiks vorbereitet und dafür entsprechende Ausrüstung benötigt. Die Radikalen, die gemeint waren, sind niemand anders als Arbeiter, die um ihre berechtigten Interessen kämpfen. Und bei Hella in Lippstadt, bei Opel in Bochum und zuletzt bei Ford in Köln war die Polizei dann da! Spitzel wurden in die Betriebe geschickt und auf Grund ihrer Hinweise wurden fortschrittliche Kollegen z. B. aus der Streikleitung sogar verhaftet und abgeführt. Die Polizei scheute sich nicht auf streikende Kollegen einzuprügeln um ihren Widerstand zu brechen."
Q: Roter Hoesch Arbeiter, Dortmund 31.10.1973, S. 1f

26.10.1973:
In Köln soll, laut Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 10.10.1972), eine Solidaritätsdemonstration mit dem heute von Abschiebung bedrohten Baha Targün von Ford Köln (vgl. 25.9.1973) um 17 Uhr ab Wilhelmplatz stattfinden. Eine Veranstaltung soll um 19 Uhr 30 in der Flora beginnen.

Die OG Köln des KBW (vgl. 1.10.1973) berichtete vorher:"
EIN NEUER STREICH: DIE DEMONSTRATION FÜR BAHA TARGÜN

Die Sektierer der Gruppe Rote Fahne versuchen jetzt verzweifelt, mit einem zweiten Schaustück in Sachen Ford - der Demonstration für Targün – die Initiative wieder in die Hand zu kriegen. Doch dieser Versuch ist schon im Ansatz gescheitert. Keine Organisation, kein fortschrittlicher Mensch in Köln hat diese Initiative unterstützt. Auch die türkischen Kollegen haben den Sektierern weitgehend die Mitarbeit aufgekündigt. Und es ging dabei niemandem darum, Baha Targün die Solidarität zu verweigern, sondern den widerlichen und schändlichen Machenschaften der Gruppe Rote Fahne eine klare Absage zu erteilen. Vielen ist klargeworden, was die Politik dieser Gruppe ausmacht: Die große Phrase und Theaterdonner. Mit der ernsthaften Aufgabe der Kommunisten, führend in die Kämpfe der Massen einzugreifen, sie in jeder Situation des Klassenkampfes richtig vorzubereiten und anzuleiten, hat diese 'Partei' nichts zu tun. Sie beschwört und inszeniert Bewegungen und ignoriert zugleich die wirkliche Entwicklung der Klassenkämpfe. Diese Leute haben kein Vertrauen in die Kraft der Massen. Sie halten sich selbst für die einzigen Revolutionäre und huldigen der 'Mentalität umherschweifender Rebellenhaufen', und das ist, wie Genosse Mao Tse-tung sagt, nicht die Art der proletarischen Vorhut, sondern die einer Sekte von Kleinbürgern."

Aufgerufen wurde auch durch die KPD bei Ford (vgl. 8.10.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Niederlagen in Siege verwandeln!, Köln o. J. (1973),S. 8; Kommunistische Volkszeitung Nr. 5, Mannheim 24.10.1973, S. 15;Rote Pressekorrespondenz Nr. 34,Dortmund ****1973, S. 6;Rote Fahne Nr. 40 und 41, Dortmund 3.10.1973 bzw. 10.10.1973;Rote Hilfe Nr. 1, Dortmund o.J. (1973), S. 8

27.10.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 42 (vgl. 20.10.1973, 3.11.1973) heraus und berichtet u.a. von Ford Köln über Türken, Italiener, Jugoslawen und die KPD. Gefordert wird: "Keine Ausweisung von Baha Targün!".
Q: Roter Morgen Nr. 42, Dortmund 27.10.1973, S. 7

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27.10.1973:
Die Schülerkommission der Ortsgruppe Waiblingen des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) die Nr. 1 ihres 'Schulkampf' (vgl. Nov. 1973) heraus. Von den "Streiks der Metallarbeiter" wird u.a. berichtet von Ford Köln.
Q: Schulkampf Nr. 1, Waiblingen 27.10.1973

29.10.1973:
Vermutlich erscheint in Dortmund in dieser Woche das Flugblatt der Ortsleitung des KJV der KPD "Vorwärts im Kampf für ein freies Jugendzentrum". Danach muß sich auch der Kampf für ein freies Jugendzentrum (JZ) "gegen die SPD-Regierung, deren verlängerter Arm das Dortmunder Jugendamt ist, richten, gegen die SPD-Regierung, die zwar bei der Finanzierung des polizeilichen Unterdrückungsapparates nicht spart, was sich auch bei den Maßnahmen gegen den Aktionskreis gezeigt hat (Flugblattverteiler wurden festgenommen), uns aber weismachen will, daß für ein freies Jugendzentrum kein Geld vorhanden ist. Der KJV unterstützt den Kampf für ein freies Jugendzentrum mit den Forderungen:
Sofortige Einrichtung eines freien Jugendzentrums!
Kampf der Ausbeutung im Betrieb und in der Freizeit!
Kampf den staatlichen Terror der SPD-Regierung!

Der Kampf für ein freies Jugendzentrum reiht sich ein in die Kampffront der letzten Monate, wo die Arbeiter zur Waffe des Streiks griffen, auch gegen die Gewerkschaftsführer, wo Berliner Werktätige für eine Kinder-Poliklinik demonstriert haben, wo Uli Kranzusch mit Freunden und Genossen seinen Prozeß zu einem Tribunal gegen die Klassenjustiz gemacht hat und aus der Untersuchungshaft entlassen werden mußte und wo das Ford-Solidaritätskomitee gemeinsam mit der KPD die Abschiebung von Baha Targün am 26.10. verhinderte. Zusammen mit der KPD haben wir den Kampf gegen Lohnraub, Arbeitshetze, Teuerung und politische Unterdrückung geführt. Gegen die arbeiterfeindlichen Maßnahmen der Brandt-Regierung, für die Verbesserung der Lebenslage aller Menschen, der Mehrheit des Volkes, gegen die Ausbeuterordnung, für Volksdemokratie".
Aufgerufen wird zu einer Veranstaltung des Aktionskreises Jugendzentrum am 2.11.1973 und zur Demonstration der KPD am 3.11.1973 gegen u.a. Lohnraub und politische Unterdrückung.
Q: KJV-OL Dortmund: Vorwärts im Kampf für ein freies Jugendzentrum,Dortmund o.J. (1973)

31.10.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr. 44 (vgl. 24.10.1973, 7.11.1973) heraus. Das Ford-Solidaritätskomitee richtet einen Offenen Brief an die KPD/ML.
Q: Rote Fahne Nr. 44, Dortmund 31.10.1973

November 1973:
Spartacus Bolschewiki/Leninisten gibt seinen 'Spartacus' Nr.9 (vgl. Okt. 1973) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln-Niehl.
Q: Spartacus Nr. 9, Mainz Nov. 1973

02.11.1973:
In Duisburg-Huckingen findet, laut SAG, bei Mannesmann (MM) ein Solidaritätsstreik der Transportbetriebe mit den entlassenen Stahlwerkern (vgl. 29.10.1973, 10.11.1973) statt. Laut KPD blockieren Beschäftigte des Bahnbetriebes den Hochofenbetrieb um gegen die Entlassungen (vgl. 30.10.1973) zu protestieren. Die KPD führt vermutlich heute eine Kundgebung u.a. zur Solidarität mit Baha Targün (Ford Köln) durch.

Der KABD (vgl. 1.5.1974) berichtet:"
Duisburg, 2. November 1973:
Die Eisenbahner von Mannesmann-Huckingen bringen die Räder zum Stehen. Sie protestieren gegen die Entlassung von 121 Kollegen nach einem vorhergehenden Streik um Teuerungszulagen. Im Kampf gegen die Entlassungen und für die Verteidigung des Streiksrechts wird eine Demonstration organisiert."
Q: Rote Fahne Extrablatt, Tübingen 1. Mai 1974, S. 2; Rote Fahne Nr. 45, Dortmund 7.11.1973;Klassenkampf Nr. 30, Frankfurt Dez. 1973

03.11.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 43 (vgl. 27.10.1973, 10.11.1973) heraus und berichtet von Ford Köln über die KPD.
Q: Roter Morgen Nr. 43, Dortmund 3.11.1973, S. 1und 3

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04.11.1973:
An einer bundesweiten Metallarbeiterkonferenz in Dortmund beteiligen sich, laut und mit KPD, neben Arbeitern aus 56 Betrieben auch MCE Spanien und FILE Italien.
Unter den mehreren hundert Teilnehmern befinden sich, laut KPD, u.a. Beschäftigte von Ford Köln.
Q: KPD-Gewerkschaftsabteilung: Gegen Lohnraub und Arbeitshetze, Dortmund 1974; Rote Fahne Nr. 45, Dortmund 7.11.1973

14.11.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr. 46 (vgl. 7.11.1973, 20.11.1973) heraus. Die KPD setzt sich auch mit der Haltung des KBW zum Solidaritätskomitee für die entlassenen Ford-Arbeiter auseinander.
Q: Rote Fahne Nr. 46, Dortmund 14.11.1973

17.11.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 45 (vgl. 10.11.1973, 24.11.1973) heraus und berichtet von Ford Köln u.a. über Kurzarbeit in Y-Halle (Endmontage), FK-Halle (Preßwerk) und X-Halle, über die Polsterei und einen kurzen Streik in der Osthalle (Trimmband).
Q: Roter Morgen Nr. 45, Dortmund 17.11.1973, S. 3

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17.11.1973:
Das Anarchosyndikat Köln (vgl. 22.10.1973) lud ein in die Stadthalle Köln-Mülheim zum Internationalen Arbeiterfest.
Q: Befreiung, Mülheim Okt. / Nov. 1973, S. 24

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21.11.1973:
Die Gewerkschaftsabteilung der KPD organisiert, nach eigenen Angaben, eine Konferenz oppositioneller Gewerkschafter der Autoindustrie mit Teilnehmern u.a. aus Baden-Württemberg von Daimler-Benz Stuttgart, aus Berlin von Daimler-Benz, aus Bayern von MAN Nürnberg, aus Hessen von VW Kassel und aus NRW von Opel Bochum und Ford Köln.
Q: KPD-Gewerkschaftsabteilung: Gegen Lohnraub und Arbeitshetze, Dortmund 1974

22.11.1973:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 7.11.1973, 5.12.1973) Nr. 7 heraus und berichtet aus Köln über Kurzarbeit bei Ford.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 7, Mannheim 22.11.1973, S. 5

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24.11.1973:
Die Branchenzelle Bergbau der KBW OAG Dortmund (vgl. 28.11.1973) berichtet:"
OELSCHWINDEL

Und im Windschatten der sogenannten Ölkrise sollen neue Lohnraubabschlüsse im Metallbereich und im öffentlichen Dienst abgeschlossen werden. Außerdem drohen die Kapitalisten mit Kurzarbeit und Entlassungen wegen Energiemangels (wie z. B. bei Opel und Ford). Damit soll aber nur über die Ursache der sich verschlechternden Lebensbedingungen der Arbeiterklasse hinweggetäuscht werden."
Q: Roter Kumpel, Dortmund 28.11.1973, S. 1f

24.11.1973:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 46 (vgl. 17.11.1973, 1.12.1973) heraus. Spenden für Ford (derzeit insgesamt 5 005, 62 DM) kamen u.a. vom RMLK Kiel, aus Münster, Böblingen und Bamberg.
Es wird in "Meinungsmache für's Kapital" u.a. berichtet von Ford Köln, u.a. über Türken.
Q: Roter Morgen Nr. 46, Dortmund 24.11.1973, S. 3 und 8

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30.11.1973:
Die Zelle Hoesch Westfalenhütte Dortmund der KPD gibt eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 11.5.1973, 20.6.1974) heraus. Im letzten Artikel, dem auch ein kleiner Absatz auf Türkisch sowie ein Unterschriftencoupon auf Türkisch beigefügt ist, wird gefordert:"
KEINE ABSCHIEBUNG VON BAHA TARGÜN!

Im August (vgl. 24.8.1973,d.Vf.) haben bei Ford Tausende von deutschen und türkischen Arbeitern gestreikt für eine Lohnerhöhung und für Herabsetzung der Bandgeschwindigkeiten. Die Kollegen wählten sich eine eigenständige Streikleitung, die den Streik organisierte, Versammlungen einberief und, anders als die VK-Leitung bei Hoesch, entschieden und konsequent den Streik anführte. Nach dem Streik wurde von den Kapitalisten die gesamte Streikleitung entlassen, dem türkischen Kollegen Baha Targün wurde mit Abschiebung gedroht. Wir fordern alle Hoesch-Kollegen auf, gegen diese Abschiebungsversuche zu protestieren. Warum? Viele Kollegen sagen, was geht uns ein türkischer Arbeiter an? Die sollen doch zu Hause bleiben und uns nicht die Arbeitsplätze wegnehmen. Diesen Kollegen antworten wir: Die türkischen Arbeiter, die spanischen, jugoslawischen und griechischen Arbeiter können deshalb nicht in ihrem Heimatland bleiben, weil dort der US-Imperialismus und der BRD-Imperialismus die einheimische Wirtschaft zerstört haben, die einheimische Industrie ruiniert haben, um selber dort Profit machen zu können. So finden die ausländischen Arbeiter in ihrem Heimatland keine Arbeit mehr und fallen den Sklavenhändlern der BRD in die Hände, die die ausländischen Arbeiter zu miserabelsten Bedingungen an die deutschen Firmen vermitteln. Die Kapitalisten beuten also die ausländischen Arbeiter doppelt aus: Sie zerstören ihre Arbeitsplätze im Heimatland, bringen die einheimische Wirtschaft unter die Kontrolle der ausländischen Imperialisten und beuten dann die arbeitslos gewordenen türkischen Arbeiter und Bauern in den deutschen Fabriken aus.

Genauso aber wirkt sich die Profitgier der Imperialisten auch auf die deutschen Arbeiter aus: Die in der Türkei, in Spanien und Griechenland billig hergestellten Waren werden uns hier teuer wieder verkauft, wir haben nichts davon, allein die Monopole verdienen daran. Und gleichzeitig werden die ausländischen Arbeiter hier als Lohndrücker eingesetzt, als Einschüchterungsmittel gegen Kollegen, die nicht in jeder Sekunde nach der Pfeife der Kapitalisten tanzen wollen.

Kollegen, treten wir diesen Spaltungsmanövern der Kapitalisten entschieden entgegen!

Kämpfen wir gemeinsam gegen die Abschiebung des Kollegen Baha Targün.
Deutsche und ausländische Arbeiter - eine Kampffront gegen das imperialistische Ausbeutersystem!
Kampf den reaktionären Ausländergesetzen!"
Q: Kommunistische Arbeiterpresse - Westfalenhütte, Dortmund 30.11.1973

Dezember 1973:
Der RJVD des KABD (vgl. Jan. 1974) berichtet vermutlich aus dem Dezember:"
PRESSEFREIHEIT IN DER BRD?

Was bedeutet das? Der ultrarechte Großkapitalist Springer, einer dieser Konzernbosse, verkauft 35,7 Prozent aller Tages- und Sonntagszeitungen und erreicht mit der von ihm herausgegebenen 'Bild'-Zeitung 20 Millionen Menschen. Die 'Bild'-Zeitung hetzte letztes Jahr gegen die streikenden Kollegen von Ford und Opel, von Hoesch und Mannesmann. Spaltung der deutschen und ausländischen Arbeiter war seine Devise."
Q: Rebell Nr. 1, Tübingen Jan. 1974, S. 6

Dezember 1973:
Vermutlich diesen Monat wird im Regionalkomitee (RK) Rhein/Ruhr der KPD von Alexander Tilkowski ein Bericht über die Arbeit des RK verfaßt.
Man arbeite in der Metallindustrie (IGM-Bereich), u.a. bei Ford Köln, könne sich u.a. stützen auf die Ortsgruppen Dortmund und Köln der Roten Hilfe (RH) e.V., habe Ortsleitungen (OL) u.a. in Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 1, Dortmund 3.1.1974

12.12.1973:
Die KPD gibt ihre Rote Fahne Nr. 50 (vgl. 5.12.1973, 19.12.1973) heraus. Von Ford Köln wird u.a. berichtet über die DKP, die Jugendvertretung und die IG Metall (IGM) Verwaltungsstelle. Von Opel Bochum wird berichtet über die GOG (vgl. 1.12.1973).
Q: Rote Fahne Nr. 50, Dortmund 12.12.1973

13.12.1973:
Das Regionalkomitee (RK) Rhein/Ruhr des KJV der KPD gibt ein Flugblatt heraus:"
Westberliner Abgeordnetenhaus fordert bundesweites Verbot des KSV:
WEG MIT DEM VERBOTSANTRAG!'

Doch gerade die letzten Monate haben auch gezeigt, daß es dem Staatsapparat nicht darauf ankommt, ein 'kleines Häufchen gewalttätiger Radikaler' auszuschalten, sondern daß die Schläge gegen und Kommunisten verhindern sollen, daß die Kämpfe der Werktätigen und der anderen Teile des Volkes sich immer mehr gegen die Brandt-Regierung wenden.

- Als die Arbeiter von Ford in Köln unter Führung einer revolutionären Streikleitung für höhere Löhne kämpften, schickte die SPD ihre Polizei auf das Werksgelände, um den Streik niederzuknüppeln (vgl. **.8.1973,d.Vf.)."
Q: KJV RK Rhein/Ruhr: Weg mit dem Verbotsantrag!, Dortmund 13.12.1973

17.12.1973:
Die Zelle VW des KBW Ortsgruppe Wolfsburg/Gifhorn berichtet:"
'ÖLKRISE': VORWAND FÜR LOHNDRÜCKEREI - VW-WERK WOLFSBURG: BETRIEBSVERSAMMLUNG

Das dürfte fast allen Kolleginnen und Kollegen des VW-Werkes Wolfsburg auf der Betriebsversammlung (BV) am 17.12.1973 klargeworden sein. Der Betriebsrat (BR,d.Vf.) und der Vorstand des VW-Werkes ergänzten sich gegenseitig in ihren Berichten zur Situation des Werkes und für die Zukunft.

Es wurde ihnen ein zweistimmiger Gesang über die miserable Lage des Werkes und die sorgenvolle Zukunft, verursacht durch die 'Ölkrise' vorgetragen. Die Interpreten waren der Betriebsratsvorsitzende Ehlers und der Vorstandvorsitzende der VW AG, Leiding.

Wie wenig Ehlers um die Einheit der Arbeiterklasse bemüht ist, zeigt auch seine Freude darüber, welch guten Vorstand das VW-Werk hat. Dank kluger Modellpolitik steht VW besser da als Opel und Ford. Aber als Arbeiter können wir uns nicht hinstellen und über die gelackmeierten Kollegen bei Opel und Ford lachen, sondern müssen die Gesamtsituation im Auge haben. Morgen kann es das VW-Werk genauso treffen. Krisen im Kapitalismus sind zwangsläufig und unkontrollierbar."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 1, Mannheim 9.1.1974, S. 7

18.12.1973:
Die Zelle Hoesch der Ortsaufbaugruppe Dortmund des KBW gibt ihren 'Roten Hoesch Arbeiter' (vgl. 5.12.1973, 4.1.1974) heraus.
Im Leitartikel heißt es:"
DIE KAPITALISTEN IN DER KRISE - NICHT AUF UNSERE KOSTEN!

Täglich gibt es neue Meldungen über Kurzarbeit und Entlassungen in der Bau -und Textilindustrie. In der Automobilindustrie (bei Ford und Opel) und ihren Zulieferbetrieben wird teilweise bereits ebenfalls kurzgearbeitet bzw. ist Kurzarbeit angemeldet worden. In der gesamten BRD nähert sich die Zahl der Arbeitslosen der 400 000er Grenze."
Q: Roter Hoesch Arbeiter, Dortmund 18.12.1973

19.12.1973:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 5.12.1973, 9.1.1974) Nr. 9 heraus.

Berichtet wird auch aus Köln über Kurzarbeit bei Ford.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 9, Mannheim 19.12.1973, S. 5

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Januar 1974:
Von der Kölner Gruppe Arbeiterkampf erscheint, laut 'ID', ein Buch über den Ford-Streik.
Q: Frankfurter Informationsdienst Nr. 21, Frankfurt **.*.1974, S. 5

16.01.1974:
In der Nr. 3 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 9.1.1974, 23.1.1974) berichtet die KPD von Ford u.a. über Jugendvertretung (JV) und erstes Lehrjahr.
Q: Rote Fahne Nr. 3, Dortmund 16.1.1974

22.01.1974:
Die Initiative Braunschweig für freie politische Betätigung gibt die Nr. 1 ihrer 'Diskussionspapiere' heraus. Im "Vorwort" heißt es u.a.:"
Prof. Bauer ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin (FUB,d.Vf.) und Preisträger der Göttinger Akademie der Wissenschaften. Er hat sich aktiv eingesetzt für die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung der türkischen Mitglieds der Streikleitung bei Ford in Köln (IGM-Bereich,d.Vf.), für die Wiedereinsetzung Otto Schilys in seine Rechte als Verteidiger, gegen den Abbau der demokratischen Rechte, wie sie in den neuen Hochschulgesetzen und -plänen zum Ausdruck kommen (…)."
Q: Initiative Braunschweig für freie politische Betätigung:Diskussionspapiere Nr. 1, Braunschweig 22.1.1974

26.01.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD rief zum ersten bundesweiten Kongreß oppositioneller junger Gewerkschafter auf. Später wird für regionale Versammlungen in Duisburg, Hannover, Geislingen und am 27.1. in Berlin mobilisiert und von diesen über 200 Teilnehmer gemeldet.

In Duisburg kamen diese u.a. aus Köln von Ford.
Q: Kämpfende Jugend Nr. 11, 1 und 2, Dortmund Dez. 1973, 15.1.1974 bzw. 1.2.1974, S. 3, S. 1 bzw. S. 1f

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26.01.1974:
In Duisburg beginnt das Regionalkomitee (RK) Rhein/Ruhr der KPD mit seiner zweitägigen Konferenz oppositioneller Gewerkschafter, auf der sich über 100 beteiligen. Teilnehmer kommen auch von Ford Köln. Das Hauptreferat lautet u.a.:"
Wo liegen unsere Fehler und was sind unsere Aufgaben?

I. Wenn wir von der Schaffung einer 'roten Front' der Ausgebeuteten sprechen, wenn wir von Klassenkampf und von Organisierung reden, dürfen wir nicht schematisch den STREIK als einzige Form des Kampfes angeben. Der BESETZUNGS- STREIK, wie er bei Ford in Köln praktiziert wurde, ist die höchste Form der Klassenauseinandersetzung, die wir bisher erreicht haben, aber diese Form ist noch die große Ausnahme. In der Regel werden die tausend anderen Formen der Mobilisierung, die vor einem Aufruf zum Streik stehen, zu wenig beachtet, aufgegriffen und weiterentwickelt. Häufig argumentieren die oppositionellen Gewerkschafter noch so: gegen diese und jene Schweinerei muß etwas gemacht werden, die Bonzen tun ja doch nichts. Aber auf die Frage: WIE und mit WEM wissen noch häufig nur die eine Antwort: da hilft nur Streik, usw. …
Natürlich müssen wir ungeschicktes Vorgehen vermeiden und taktisch besser werden. So muß unbedingt darauf geachtet werden, daß Gespräche mit Bonzen nur unter Zeugen geführt werden, daß die Oppositionellen sich nicht zu unüberlegten Äußerungen hinreißen lassen (z.B. wenn der Meister einen provoziert), daß man die Widersprüche beim Klassenfeind besser ausnützt (gutes Beispiel: die Vorgänge in der Ortsverwaltung Köln nach der Entlassung von Hannes R., J-Vertrauensmann, wo bei den Machtkämpfen zwischen Tolusch und Kuckelkorn diese Widersprüche ausgenutzt werden können. Siehe ROTE FAHNE).

Wer davon spricht, er wolle einen 'Kampf um die Gewerkschaften' führen, der schürt schlimmste Illusionen über den Zustand des Gewerkschaftsapparats und seine Funktion im Imperialismus.

Dies stellte bereits der Mengeder Kongreß im Frühjahr letzten Jahres (vgl. 14.4.1973,d.Vf.) fest. Warum? Weil dieser Apparat fest in der Hand der Sozialdemokratie ist und durch und durch undemokratisch, undurchdringlich und gegen jede Form der Kampforganisation allseitig präpariert ist. Auf dem Wege der völligen Ausschaltung des Klassenkampfes und der Ausschaltung der Rechte und Möglichkeiten der Masse der Gewerkschaftsmitglieder hat das Jahr 1973 neue Höhepunkte gebracht: Unvereinbarkeitsbeschlüsse und Ausschlußverfahren gegen oppositionelle Gewerkschafter nach dem 1.Mai (Solingen, Dortmund), nach den Metallarbeiterstreiks (Entzug des Rechtsschutz bei Philips- und Ford-Arbeitern, Opel-Kollegen und Betriebsräten bei IMG-Gummersbach), Ausschlüsse bei Opel, Mannesmann und anderen Betrieben signalisieren den Beginn stärkster Kommunistenverfolgungen in den DGB-Gewerkschaften; Auflösung von Jugendgruppen in Solingen, von ganzen KJA's (Niedersachsen), Verhinderung von satzungsgemäßen Betriebsgruppen (ÖTV Dortmund), Machtkämpfe der Gewerkschaftsbonzen um Posten (Ortsverwaltung der IGM in Köln), Schiebereien bei VL-Wahlen (VLW,d.Vf.), Ausschlüsse und Drohungen gegen Betriebsräte von oppositionellen Listen (Opel Bochum, ATH-Eisenbahn (Thyssen,d.Vf.) und Häfen); dies alles ist nicht nur üble Politik einzelner Arbeiterverräter, sondern notwendige Erscheinung einer Gewerkschaftsführung, deren Spitzen eng mit dem Monopolkapital verschmolzen sind. Troche, Loderer, Steinhauer, Pfeiffer, hunderte dieser Elemente sitzen in Aufsichtsratsposten, sitzen in den Gremien der konzertierten Aktion und bezeichnen dies als 'Mitbestimmung' und Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen.

Nach den Streiks sind bei Hella in Lippstadt, Philips in Aachen Gruppen aufgebaut worden, bei Ford besteht der Plan, das Solidaritätskomitee in eine Gruppe umzuwandeln, in der Dortmunder ÖTV arbeitet eine oppositionelle Gruppe, bei Schering und anderen Betrieben wurde der Versuch zu einer Gründung gemacht."
Q: Rote Fahne Nr.3 und 5,Dortmund 16.1.1974 bzw. 30.1.1974; KPD-RK Rhein/Ruhr: Material zur Konferenz oppositioneller Gewerkschafter in NRW am 26./27. Januar in Duisburg Hauptreferat, o.O. o.J. (Jan. 1974)

30.01.1974:
In der Nr. 5 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 23.1.1974, 6.2.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit Köln. Es wird u.a. berichtet sowie von Ausländerpolizei und Baha Targün (bei Ford entlassen).
Q: Rote Fahne Nr. 5, Dortmund 30.1.1974

30.01.1974:
In Köln findet, laut und mit KPD - Zelle Ford, vermutlich heute eine Veranstaltung Gewerkschafter gegen Gewerkschaftsausschluß und Gesinnungsschnüffelei statt.
Q: Rote Fahne Nr. 6, Dortmund 6.2.1974

Februar 1974:
In Köln führt, laut KPD, vermutlich im Februar Baha Targün einen Prozeß gegen Ford.
Q: Rote Fahne Nr. 9, Dortmund 27.2.1974

Februar 1974:
Die Rote Fahne Organisation (RFO) Saarland gibt bei Röchling Völklingen eine 'Rote Fahne' (vgl. 26.10.1973, Mai 1974) heraus, in der u.a. von Ford Köln berichtet wird.
Q: Rote Fahne - Röchling, Völklingen Feb. 1974

13.02.1974:
In der Nr. 7 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 19.12.1973, 9.1.1974) berichtet die KPD von Ford u.a. über die Jugendvertretung (JV) und die Ausschlußverfahren aus der IG Metall (IGM - vgl. 19.2.1974).
Q: Rote Fahne Nr. 7, Dortmund 13.2.1974

18.02.1974:
Die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD gibt vermutlich in dieser Woche die Nr. 1 ihrer 'Revolutionären Gewerkschaftsopposition' (vgl. Feb. 1974, Apr. 1974) heraus. Berichtet wird u.a. aus Köln von Ford, u.a. über die Lehrlinge. Nachgedruckt wird ein Flugblatt "An die Kollegen der IG Metall und der anderen DGB-Gewerkschaften" welches sich gegen die 16 Gewerkschaftsausschlußverfahren bei Ford Köln wendet und auch die Repressalien gegen die DGB KJAs Bremen und Rendsburg in Schleswig-Holstein erwähnt.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 1, Dortmund Feb. 1974

19.02.1974:
In Köln will u.a. die KPD vor dem DGB-Haus gegen die 16 Ausschlußverfahren aus der IG Metall (IGM) bei Ford demonstrieren.
Laut und mit KPD/ML (vgl.2.3.1974) beteiligen sich über 50 Personen.
Q: Rote Fahne Nr. 7, Dortmund 13.2.1974; Roter Morgen Nr. 9, Dortmund 2.3.1974

27.02.1974:
In der Nr. 9 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 20.2.1974, 6.3.1974) berichtet die KPD aus Köln von Unvereinbarkeitsbeschlüssen (UVB) bei Ford, u.a. im Werk Merkenich sowie vom Prozeß von Baha Targün (vgl. Feb. 1974).
Q: Rote Fahne Nr. 9, Dortmund 27.2.1974

09.03.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr.10 (vgl. 2.3.1974, 16.3.1974) heraus und berichtet aus Köln über die IGM-Ausschlußverfahren bei Ford, u.a. über die KPD.
Q: Roter Morgen Nr.10,Dortmund 9.3.1974

20.03.1974:
In der Nr. 12 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 13.3.1974, 27.3.1974) berichtet die KPD aus der IG Metall (IGM) Verwaltungsstelle über die Auseinandersetzungen zwischen Tolusch und Kuckelkorn, sowie u.a. von Ford, Felten und Guillaume (F+G), die Jusos der SPD und die DKP.
Q: Rote Fahne Nr. 12, Dortmund 20.3.1974

30.03.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr .13 (vgl. 23.3.1974, Apr. 1974) heraus und berichtet aus Köln von Ford, u.a. über die KPD und die IGM-Ortsverwaltung.
Q: Roter Morgen Nr. 13, Dortmund 30.3.1974

April 1974:
Die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD gibt ihre 'Revolutionäre Gewerkschaftsopposition' (RGO) Nr. 2 (vgl. 18.2.1974, Okt. 1974) heraus. Vom Prozeß von Baha Targün gegen Ford Köln wird über 130 Entlassungen, u.a. von Ausländern berichtet und auf die SPD eingegangen.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 2, Dortmund Apr. 1974

April 1974:
Die SAG gibt ihren 'Klassenkampf' Nr. 34 (vgl. März 1974, Mai 1974) heraus. Berichtet wird auch aus der IGM Köln (vgl. 26.3.1974), u.a. von der Jugendvertretung Ford.
Q: Klassenkampf Nr. 34, Frankfurt Apr. 1974

17.04.1974:
In der Nr. 16 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 10.4.1974, 24.4.1974) berichtet die kPD aus Köln u.a. vom Maikomitee und von Ford.
Q: Rote Fahne Nr. 16, Dortmund 17.4.1974

22.04.1974:
In Köln geben die KPD und ihr KJV vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt mit einem Bild vom Streik bei Ford und ihrem "Aufruf zum 1. Mai!" bzw. zur regionalen Demonstration in Dortmund heraus.
Q: KPD, KJV: Aufruf zum 1. Mai!, Köln o. J. (1974)

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24.04.1974:
In der Nr. 17 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 17.4.1974, 2.5.1974) befaßt sich die KPD u.a. mit der Kölner Verwaltungsstelle der IG Metall (IGM) bzw. Ford und Tolusch.
Q: Rote Fahne Nr. 17, Dortmund 24.4.1974

26.04.1974:
Eine 'Einheitsaktion gegen Teuerung, Kurzarbeit und Entlassungen' gibt in Köln die Broschüre "Günter Tolusch, Benno Feckler: Von den Kollegen gewählt, von den Bossen gefeuert" zu den Betriebsräten von Ford Köln heraus.
Q: Einheitsaktion gegen Teuerung, Kurzarbeit und Entlassungen: Günter Tolusch, Benno Feckler: Von den Kollegen gewählt, von den Bossen gefeuert, Köln 1974

27.04.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr. 17 (vgl. 20.4.1974, 4.5.1974) heraus. Nachgedruckt werden die Titelköpfe einer Reihe von Zeitungen der KPD/ML und ihrer Roten Garde bzw. dem KSB/ML, u.a. der 'Voran!' für Ford Köln.
Q: Roter Morgen Nr. 17, Dortmund 27.4.1974

18.05.1974:
Die Gruppe Arbeiterstimme gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 27.2.1974, 14.7.1974) Nr. 2 heraus. Aus NRW wird berichtet von Ford Köln.
Q: Arbeiterstimme Nr. 2, Nürnberg 18.5.1974

08.06.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr. 23 (vgl. 1.6.1974, 15.6.1974) mit Berichten u.a. über Köln von Ford.
Q: Roter Morgen Nr. 23, Dortmund 8.6.1974

12.06.1974:
In der Nr. 24 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 5.6.1974, 15.5.1974) berichtet die KPD u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 24, Dortmund 12.6.1974

15.06.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr. 24 (vgl. 8.6.1974, 22.6.1974) heraus und berichtet aus Köln von Ford über Türken sowie die Himmelmacher in der Y-Halle.
Q: Roter Morgen Nr. 24, Dortmund 15.6.1974

26.06.1974:
In der Nr. 26 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 19.6.1974, 3.7.1974) berichtet die KPD von Ford und der IG Metall (IGM) Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 26, Dortmund 26.6.1974

31.07.1974:
In der Nr. 31 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 24.7.1974, 7.8.1974) berichtet die KPD u.a. von den Unvereinbarkeitsbeschlüssen (UVB) aus der IGM u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 31, Dortmund 31.7.1974

26.08.1974:
In Köln wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche Baha Targün durch die politische Polizei verhaftet.
Der als Streikführer bei Ford (IGM-Bereich) bekanntgewordene und von der KPD damals propagierte Targün sei nun zu einem Chauvinisten geworden.
Q: Rote Fahne Nr. 36, Dortmund 4.9.1974

16.09.1974:
Das Bonner Komitee "Schluß mit den Polizeiübergriffen" gibt vermutlich in dieser Woche seine Dokumentation "Schluß mit den Polizeiübergriffen!" heraus. U.a. erscheint ein:"
INTERVIEW MIT REINHOLD WEBER ANGEKLAGTER IM TENNO-PROZESS

In vielen Städten sind in den letzten Monaten Menschen von Polizisten verprügelt oder gar erschossen worden. Dabei sind gerade Kommunisten am heftigsten von diesem Polizeiterror betroffen. Diese Zusammenhänge aufzuzeigen, die Wahrheit z.B. über die brutale Niederschlagung des FORD-Streiks (IGM-Bereich in Köln - vgl. 30.8.1973,d.Vf.) zu verbreiten und Menschen gegen diesen Terror aufzubringen, dies sehe ich als eine weitere Aufgabe."
Q: Komitee Schluß mit den Polizeiübergriffen: Dokumentation Schluß mit den Polizeiübergriffen!, Bonn o.J. (Sept. 1974)

Oktober 1974:
Die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD gibt ihre 'Revolutionäre Gewerkschaftsopposition' (RGO) Nr. 3 heraus und berichtet u.a. von Ford Köln.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr. 3, Dortmund Okt. 1974; Rote Fahne Nr. 48 und 51/52, Dortmund 27.11.1974 bzw. 18.12.1974

07.10.1974:
In Dortmund gibt die KPD frühestens in dieser Woche ein Flugblatt mit einer Einladung zum RFLT heraus:"
IM SOZIALISMUS GIBT ES KEINE ARBEITSLOSIGKEIT!

Während Ford hier Kurzarbeit einführt, beginnt er mit dem Aufbau eines Werkes in Spanien. VW läßt immer größere Teile in Mexiko herstellen."
Q: KPD: Im Sozialismus gibt es keine Arbeitslosigkeit!, Dortmund o.J. (1974)

11.11.1974:
In Köln findet, laut KPD, vermutlich in dieser Woche ein Prozeß wegen dem Streik bei Ford 1973 gegen u.a. Frank Kühne statt.
Q: Rote Fahne Nr. 47, Dortmund 20.11.1974

18.11.1974:
In Köln wird, laut KPD, vermutlich in dieser Woche der Ford-Prozeß fortgesetzt.
Q: Rote Fahne Nr. 48, Dortmund 27.11.1974

05.12.1974:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 28.11.1974, 12.12.1974) Nr. 27 heraus und berichtet aus Köln u.a. durch die Aufbauzelle Ford über die Ankündigung von Massenentlassungen.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 27, Mannheim 5.12.1974, S. 4

KVZ1974_27_08


12.12.1974:
Der KBW gibt seine 'Kommunistische Volkszeitung' (KVZ - vgl. 5.12.1974, 19.12.1974) Nr. 28 heraus und berichtet aus Köln u.a. durch die Aufbauzelle Ford über 5 000 anstehende Entlassungen bzw. abzubauende Arbeitsplätze durch freiwillige Kündigung mit 5 000 DM Abfindung.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 28, Mannheim 12.12.1974, S. 5

KVZ1974_28_10


18.12.1974:
In der Nr. 51/52 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 11.12.1974, 8.1.1975) berichtet die KPD u.a. von der eigenen Zelle Ford Köln sowie über Arbeitslose, u.a. bei Ford.
Q: Rote Fahne Nr. 51/52, Dortmund 18.12.1974

Januar 1975:
In Preetz gibt die DKP die Nr. 1 ihrer 'B 76' (vgl. Dez. 1974, Feb. 1975) heraus.
Eingeladen wird zu einer Veranstaltung zum Straußbesuch bei Mao (vgl. 5.2.1975). Weiter heißt es u.a.:"
MAOISTEN ODER KOMMUNISTEN?

'KOMMUNISTEN BESETZEN BONNER RATHAUS'
'KOMMUNISTEN ZETTELN PRÜGELEI BEI FORD-KÖLN AN'
'KOMMUNISTEN PRAKTIZIEREN TERROR'

SIND DAS WIRKLICH KOMMUNISTEN?

Was die Bild-Zeitung in ihren Schlagzeilen und Artikeln verschweigt, ist die Tatsache, daß mit all diesen Aktionen die Deutsche Kommunistische Partei nichts, aber auch nicht das geringste zu tun gehabt hat.

Wer sind die Akteure abenteuerlicher Aktionen?
Es sind Gruppen, die sich auch 'kommunistisch' nennen. Auch vor dem Betrieb treten sie unter diesem Namen mit Flugblättern und Zeitungen auf. Nicht nur die DKP, sondern auch eine 'KPD', eine 'KPD/ML', eine 'KBW', ein 'KB' usw. usw. sind vor Schichtbeginn am Betriebstor zu finden. Ist es ein Wunder, wenn sich so mancher Kollege durch die vielen Firmenschilder nicht mehr durchfindet? Dieser Kollege sagt dann vielleicht: 'Das sind doch alles Kommunisten.' Oder 'Sollen die doch erst mal unter sich einig werden, bevor sie uns Arbeitern Ratschläge geben.' Und wenn er dann solche Schlagzeilen liest wie die oben aufgeführten, dann ist er sauer auf die 'Kommunisten'. Aber genau hier heißt es aufgepaßt, wenn man nicht den Unternehmern und den Gewerkschaftsfeinden von der Bild-Zeitung auf den Leim gehen will.

Jeder der Lust dazu verspürt, darf sich in der Bundesrepublik ungestraft den Titel Weltmeister zulegen. Da solche eine Bezeichnung nicht gesetzlich geschützt ist, wird kaum jemand etwas dagegen unternehmen können. Ebenso verhält es sich mit der Bezeichnung Kommunist. Wenn zum Beispiel einige verwirrte junge Leute in Preetz, die davon reden, eine 'starke kommunistische Partei aufbauen' zu wollen, sich als Kommunisten bezeichnen, kann niemand sie daran hindern, auch wenn sie in Theorie und Praxis meilenweit von der Deutschen Kommunistischen Partei entfernt sind.

Um aber nicht Gefahr zu laufen mit dieser Gruppe - gemeint ist die Sympathisantengruppe des sogenannten Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW,d.Vf.) - verwechselt zu werden, stellt die DKP folgendes fest:

Diese Leute, die vom 'Aufbau einer starken kommunistischen Partei' reden, haben weder mit der deutschen noch mit der internationalen kommunistischen Bewegung etwas zu tun. Sie stehen abseits der Arbeiterbewegung. Besser als alles andere zeigt die tägliche Praxis dieser Gruppierung, wie wenig sie dem Anspruch kommunistische Politik zu betreiben, standhalten kann.

Wir meinen, daß eine sektiererische und von den Massen isolierte Politik, wie sie diese Gruppe an den Tag legt, auf keinen Fall als kommunistisch zu ist. Wenn einige Schüler und Studenten, die in romantischer Schwärmerei die politische Wirklichkeit des Klassenkampfes beharrlich ignorieren und sich abseits der Arbeiterklasse stellen, ist das ihre Sache. Die DKP legt großen Wert darauf, nicht mit ihnen verwechselt zu werden."
Q: B 76 Nr. 1, Preetz Jan. 1975

Januar 1975:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 8.10.1973, 25.3.1975) mit zwei Seiten DIN A 4 unter dem Titel "Kapitalisten und Gewerkschaftsbonzen einig! Lohnraub und Entlassungen sollen die Profite sichern!" heraus, in der die Januarausgabe der KAP für den 28.1.1975 angekündigt wird.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Sonderdruck Kapitalisten und Gewerkschaftsbonzen einig! Lohnraub und Entlassungen sollen die Profite sichern!, Köln Jan. 1975

13.01.1975:
Der KBW (vgl. 23.1.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche über seine Ford Aufbauzelle des KBW, die sich zunächst gegen Entlassungen, vor allem von türkischen Kollegen wendet.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 3, Mannheim 23.1.1975, S. 5

19.02.1975:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 7 (vgl. 12.2.1975, 26.2.1975) heraus.
Aus Köln werden die Landtagskandidaten vorgestellt, die u.a. bei Ford tätig sind oder waren.
Q: Rote Fahne Nr. 7, Köln 19.2.1975

12.03.1975:
In der Nr. 10 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 5.3.1975, 19.3.1975) berichtet die KPD u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 10, Köln 12.3.1975

13.03.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr. 10 (vgl. 6.3.1975, 20.3.1975) heraus. Aus Köln berichtet aus dem IGM-Bereich die Aufbauzelle Ford, u.a. über die Wohnheime in Stammheim.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 1O, Mannheim 13.3.1975

15.03.1975:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' (RM) Nr. 11 (vgl. 8.3.1975, 22.3.1975) heraus. In einem 'Roter Morgen' Prozeß gegen Gernot Schubert geht es um Äußerungen zu Berlin, Ford Köln und das AKW Wyhl bei Freiburg.
Q: Roter Morgen Nr. 11, Dortmund 15.3.1975

17.03.1975:
Eine Aktionsgruppe gegen Entlassungen und Arbeitshetze setzt, laut 'ID', in Köln den Wagen des Personaldirektors der Ford-Werke (IGM-Bereich) in Brand.
Q: Frankfurter Informationsdienst Nr. 74, Frankfurt 1975,S.13

19.03.1975:
Die KPD gibt die Nr. 11 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 12.3.1975, 26.3.1975) heraus und berichtet vom KJV bei Ford Köln (IGM-Bereich).
Q: Rote Fahne Nr. 11, Köln 19.3.1975

19.03.1975:
Die KPD bei Stübbe-Demag Kalldorf (IGM-Bereich - vgl. 24.3.1975) berichtet:"
Folgende Resolution wurde am letzten Mittwoch in Köln auf einer Solidaritätsveranstaltung der KPD und der Roten Hilfe (RH e.V.,d.Vf.) mit angeklagten FORD-Arbeitern einstimmig von ca. 80 Kollegen verabschiedet:
'An die Arbeiter des Zementwerkes Seibel und Söhne (CPK-Bereich in Erwitte,d.Vf.) und an die Arbeiter des Stübbe-Werkes in Kalldorf:

Wir, anwesende Arbeiter, Angestellte und Studenten auf einer Solidaritätsveranstaltung der KPD und der Roten Hilfe mit angeklagten Ford-Arbeitern, die morgen wegen ihrer Teilnahme am Ford-Streik vor Gericht gestellt werden, übersenden Euch unsere herzlichsten Kampfesgrüße. Mit Begeisterung haben wir von Eurem mutigen Kampf gegen den Seibel-Kapitalisten und die Demag-Mannesmann-Kapitalisten erfahren. Ihr macht es richtig: gegen Massenentlassungen und Stillegungen hilft nur der Kampf der Arbeiter, Streik, Werksbesetzung. 'In der Krise kämpfen' muß unser Motto sein! Mit 'Stillhalten', wie es von der Regierung gefordert wird, ist nur den Kapitalisten gedient, denn umso rücksichtsloser werden sie sich dann auf Kosten der Arbeiter gesundstoßen.

Die vier türkischen und ein deutscher Arbeiter, die morgen vor Gericht gestellt werden, haben im Ford-Streik 1973 (vgl. 24.8.1973,d.Vf.) gegen die Entlassung von 300 Kollegen, für höheren Lohn und niedrigere Bandgeschwindigkeiten gestreikt. Bei Ford versagte die Gewerkschaftsführung jede Unterstützung, indem sie den Streik als illegal bezeichnete. Sie ging zusammen mit der Polizei gegen die Streikenden vor, deren Opfer jetzt wegen angeblichen 'Widerstands' und 'Körperverletzung' vor Gericht gezerrt werden. Doch die Kollegen haben sich nicht beirren lassen, sondern haben durch die Wahl einer Streikleitung und durch die Besetzung des Werkes den Kampf in die eigene Hand genommen. Und sie werden morgen vor Gericht noch einmal deutlich machen, daß der Streik seine volle Berechtigung hatte.

Kollegen in Erwitte und Kalldorf: Kämpft mutig weiter für Eure gerechten Forderungen! Wir stehen hinter Euch!

SOLIDARITÄT HILFT SIEGEN!'"
Q: KPD-Sonderdruck Kalldorf Am Montag, den 14.4. um 13 Uhr findet eine Betriebsversammlung bei der Demag-AG, Werk Benrath in Düsseldorf statt!, O.o. o.J. (März 1975), S. 2

25.03.1975:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. Jan. 1973) mit zwei Seiten DIN A 4 unter dem Titel "Nach dem Freispruch für die türkischen Kollegen: Freispruch für Frank Kühne!" zum Prozess gegen diesen, in dem Morgen das Urteil gesprochen wird heraus.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Ford Sonderdruck Nach dem Freispruch für die türkischen Kollegen: Freispruch für Frank Kühne!, Köln 25.3.1975

26.03.1975:
In der Nr.12 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 19.3.1975, 2.4.1975) berichtet die KPD von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 12, Köln 26.3.1975

April 1975:
Vermutlich im April finden, laut SAG, die Betriebsratswahlen (BRW) bei Ford Köln statt, wo 15 Listen kandidieren. Die IG Metall (IGM) erringt 17 von 41 Sitzen, die 4 linken Initiativlisten erhalten 6 Sitze.

Auch laut KB gab es insgesamt 15 Wahllisten, davon 4 Oppositionslisten, die 17 Betriebsrats-Sitze bei den Arbeitern und zwei im Angestelltenbereich erhalten. Als stärkste Oppositionsliste geht die Wählergemeinschaft aus den Wahlen hervor. Sie erhält 12 Sitze. Die Liste Initiative erhält 6 Betriebsratssitze. In den Wahlkampf griff auch die Einheitsaktion der IPdA ein. Mit der Einheitsaktion hatten sich auch Tolusch (Ex-Betriebsratsvorsitzender bei Ford) und andere Kräfte zusammengeschlossen, die gegen den "rechten Kölner Ortsvorstand der IGM" Front machten.

In der Folge kommt es, laut KPD, zu 83 Ausschlußverfahren aus der IGM (UVB).
Q: Rote Fahne Nr. 22, Köln 4.6.1975; Klassenkampf Nr. 48,Frankfurt 17.6.1975;Spartacus Nr. 17,Essen 28.5.1975;Arbeiterkampf Nr. 65,Hamburg 19.8.1975

April 1975:
Die Aufbauzelle Ford Köln des KBW (vgl. 30.4.1975) berichtet vermutlich aus dem April aus dem Hauptwerk in Köln-Niehl, daß es eine monatelange Hetze des Betriebsratsvorstandes und der Geschäftsleitung gegen die DKP gegeben habe, da mindestens ein DKP-Mitglied im Betriebsrat ab und an Nachrichten aus dem BR veröffentlicht habe. Die DKP-Betriebsgruppe sei darüber intern zerstritten und spiele im Wahlkampf zu den Betriebsratwahlen (BRW - vgl. Apr. 1975) eine immer geringerer Rolle, wozu auch ihre Politik in dem Stil, "DKP Köln fordert vom Landtag: 'Recht auf Arbeit durchsetzen'" beigetragen habe.

Die KPD habe zunächst bekanntgegeben, daß die Liste 2 "unter Führung der Partei" stehe und erst danach Unterschriften für diese Liste, auf der vor allem Ausländer kandidieren, vor den Toren gesammelt, aber nicht genug zusammenbekommen, da die Zelle der KPD innerhalb des Werkes nicht existiere. Danach habe die KPD mindestens zwei Flugblätter pro Woche gegen Lück und Co. verteilt.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 17, Mannheim 30.4.1975

02.04.1975:
In der Nr. 13 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 26.3.1975, 9.4.1975) berichtet die KPD von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 13, Köln 2.4.1975

03.04.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.13 (vgl. 26.3.1975, 10.4.1975) heraus, in der er u.a. von Ford Köln berichtet.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.13,Mannheim 3.4.1975

14.04.1975:
Der Spartacusbund (SpB) gibt sein 'Spartacus' Nr.15 (vgl. März 1975, 1.5.1975) heraus. Berichtet wird von Ford Köln.
Q: Spartacus Nr.15,Essen 14.4.1975

21.04.1975:
Der KBW (vgl. 30.4.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche, daß sich der IGM-Vertrauensleutekörper (VLK) vom Ford Ersatzteillager Köln-Merkenich gegen den Paragraphen 218 ausspricht.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.17,Mannheim 30.4.1975

28.04.1975:
In Köln gibt die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD spätestens Anfang dieser Woche das folgende Flugblatt mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von E. Görgen, Groß Königsdorf, mit einem türkischen Text von etwas weniger als einer Seite und einem - anderslautenden - deutschen Text von etwas über einer Seite heraus:"
PROZESS GEGEN BAHA TARGÜN: Fortschrittliche Türken dürfen nicht kriminalisiert werden!

Ab Dienstag, den 29.April, wird in Köln am Appellhofplatz der Prozeß gegen Baha Targün beginnen. Ihm wird vorgeworfen, den reichen türkischen Kaufmann Asöcal erpreßt zu haben.

Ihr, Landsleute von Baha Targün, und wir deutschen Werktätigen kennen B. Targün aus dem Ford-Streik. Damals, 1973 (IGM-Bereich - vgl. 24.8.1973,d. Vf.), hatten die türkischen Kollegen bei Ford Baha Targün zu ihrem Führer im Kampf gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und die Massenentlassungen gemacht.

Schon damals versuchte der Staatsapparat zusammen mit den Fordkapitalisten, Baha T. in die faschistisch regierte Türkei abzuschieben (vgl. 25.9.1973,d.Vf.). Eine breite Solidaritätsfront in der ganzen BRD konnte dies verhindern. Jetzt hat die Justiz erneut ein Komplott mit dem türkischen faschistischen Geheimdienst MIT geschmiedet:

Baha Targün soll als 'gemeiner Krimineller' abgeurteilt werden!

Dies ist nicht der erste Versuch der BRD, zusammen mit dem reaktionären Regime in der Türkei, Patrioten aus der Türkei hier in der BRD zu verfolgen und zu kriminalisieren. Seit einem Jahr (vgl. 4.5.1974,d.Vf.) sitzen hier in Köln-Ossendorf vier Patrioten aus der Türkei in Haft, denen vorgeworfen wird, Mitglied in einer kriminellen Vereinigung zu sein. Ihr einziges Verbrechen ist, daß sie für den Sozialismus in der Türkei und gegen jede faschistische und imperialistische Herrschaft über das Volk der Türkei gekämpft haben.

Seit 1971 (vgl. 12.3.1971,d.Vf.) reißt die Kette der Verfolgung von Antifaschisten und Sozialisten aus der Türkei nicht ab, seit 1971 wurden hier in der BRD zahllose Patrioten aus der Türkei inhaftiert, gejagt oder wie in Hamburg (Norderstedt - vgl. 5.5.1974,d.Vf.) unter den Augen der westdeutschen Polizei von türkischen Faschisten ermordet.

Dahinter steckt der Versuch, fortschrittliche türkische Organisationen, die hier in der BRD gemeinsam mit Arbeitern und Studenten den Kampf der türkischen Arbeiter gegen Arbeitslosigkeit, gegen Massenentlassungen und Abschiebungen unterstützen und in der Türkei für ein System ohne Unterdrückung und Ausbeutung, für den Sozialismus kämpfen, zu beseitigen.

Die westdeutschen Imperialsten fürchten um ihre billigen Arbeitskräfte, sie fürchten, daß die kampfentschlossenheit der Kollegen hier in der BRD wächst und sich gegen den Feind eines jeden Arbeiters, gegen den Imperialismus richtet. Sie fürchten um ihre Einflußsphären in der Türkei, um die billigen Rohstoffe und die schonungslose Ausbeutung des Volkes der Türkei.

Kollegen, die Furcht der Imperialisten und ihrer faschistischen Handlanger in der Türkei ist unsere Stärke!

Deutsche und türkische Arbeiter, wir rufen Euch auf: Kämpfen wir gemeinsam, Seite an Seite, gegen die Versuche, fortschrittliche türkische Organisationen hier in der BRD zu verbieten!

Kämpfen wir gemeinsam dagegen, daß fortschrittliche Patrioten aus der Türkei - wie jetzt Baha Targün - von der Klassenjustiz kriminalisiert werden!"

Aufgerufen wird zum Targün-Prozeß (vgl. 29.4.1975) und zum eigenen deutsch-türkischen Solidaritätsfest (vgl. 30.4.1975).
Q: RH e.V.: Prozeß gegen Baha Targün: Fortschrittliche Türken dürfen nicht kriminalisiert werden!, Köln o. J. (Apr. 1975)

29.04.1975:
In Köln soll, laut RH e.V. der KPD, um 19 Uhr 15 (!, vermutlich 9 Uhr 15) im Saal 234 des Gerichtes am Appelhofplatz der Prozeß gegen Baha Targün beginnen. Er wird wegen des Fordstreiks zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Zur Solidarität ruft u.a. die RH e.V. der KPD auf (vgl. 28.4.1975, 30.4.1975).

Berichtet wird auch in:
- NRW in Köln durch KPD, KPD/ML, RH e.V., RHD, LgdI, CUPLA und Revolutionäre aus der Türkei (vgl. 21.7.1975) und die RH e.V. der KPD (vgl. 7.7.1975).
Q: KPD, KPD/ML, RH e.V., RHD, LgdI, CUPLA, Revolutionäre aus der Türkei: Sofortige Freilassung der inhaftierten Patrioten aus der Türkei!,Köln o.J. (Juli 1975),S.2; RH e.V.: Freiheit für die fünf Patrioten aus der Türkei!, Köln o. J. (1975), S. 2;RH e.V.: Prozeß gegen Baha Targün: Fortschrittliche Türken dürfen nicht kriminalisiert werden!, Köln o.J. (Apr. 1975), S. 1

30.04.1975:
In Köln rief die Rote Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 28.4.1975) auf:"
DEUTSCHE UND AUSLÄNDISCHE ARBEITER - EINE KAMPFFRONT GEGEN DEN BRD-IMPERIALISMUS!

UNTER DIESER LOSUNG VERANSTALTET DIE ROTE HILFE AM VORABEND DES 1.AMI, AM 30.4., UM 19 UHR IN DER GASTSTÄTTE 'KARTÄUSERHOF', Kartäuserhof, Ecke Kartäuserwall (Nähe Chlodwigplatz) EIN DEUTSCH-TÜRKISCHES SOLIDARITÄTSFEST. Der Erlös dieses Festes kommt den hier in Köln verfolgten fünf Patrioten aus der Türkei zugute. Tragt mit Eurer Teilnahme dazu bei, daß die internationale Kampffront wächst.

SOLIDARITÄT HILFT SIEGEN! SCHAFFT ROTE HILFE!"
Q: RH e.V.: Prozeß gegen Baha Targün: Fortschrittliche Türken dürfen nicht kriminalisiert werden!,Köln o.J. (Apr. 1975),S.2

07.05.1975:
In der Nr. 18 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 30.4.1975, 14.5.1975) berichtet die KPD von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 18, Köln 7.5.1975

07.05.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.18 (vgl. 30.4.1975, 15.5.1975) heraus, in der u.a. berichtet die Aufbauzelle Ford Köln.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 18, Mannheim 7.5.1975

14.05.1975:
In der Nr.19 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 7.5.1975, 21.5.1975) berichtet die KPD von Ford Köln über die Y-Halle und die IGM Verwaltungsstelle.
Q: Rote Fahne Nr. 19, Köln 14.5.1975

22.05.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.20 (vgl. 15.5.1975, 29.52.1975) heraus. Berichtet wird von Ford Niehl.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 20, Mannheim 22.5.1975

26.05.1975:
Die Gruppe Arbeiterstimme gibt ihre 'Arbeiterstimme' (ARSTI - vgl. 26.2.1975, 1.9.1975) Nr.2/3 heraus und berichtet u.a. von den Betriebsratswahlen (BRW) bei Ford Köln.
Q: Arbeiterstimme Nr. 2/3, Nürnberg 26.5.1975

26.05.1975:
Die Aufbauzelle Ford Köln des KBW (vgl. 5.6.1975) berichtet vermutlich aus dieser Woche von einer Sitzung des IGM-Vertrauensleutekörpers (VLK) Ford Köln, auf der u.a. mit 150 Stimmen bei Enthaltungen und keiner Gegenstimme ein Volksentscheid gegen den Paragraphen 218 gefordert wurde.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 22, Mannheim 5.6.1975

Juni 1975:
Die Nr. 10 der trotzkistischen 'Voran' (vgl. Feb. 1975, Juni 1975) für Juni/Juli erscheint vermutlich im Juni. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Voran Nr. 10, Köln Juni/Juli 1975

01.06.1975:
Der AB gibt die Nr. 62 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 18.5.1975, 15.6.1975) heraus. Berichtet wird u.a. von Ford Köln.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 62, München 1.6.1975

02.06.1975:
Laut KBW (vgl. 5.6.1975) wird Baha Targün, Mitinitiator des Ford-Streiks von 1973, wegen "Räuberischer Erpressung", "Freiheitsberaubung" und "Gefährlicher Körperverletzung" zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 22, Mannheim 5.6.1975, S. 2

11.06.1975:
In der Nr.23 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 4.6.1975, 18.6.1975) berichtet die KPD u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 23, Köln 11.6.1975

12.06.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr. 23 (vgl. 5.6.1975, 19.6.1975) heraus, in der die Aufbauzelle Ford vom IGM OV sowie von Ford Niehl und Merkenich berichtet.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 23, Mannheim 12.6.1975

20.06.1975:
Der KOV der KPD gibt seinen 'Schulkampf' Nr. 4 (vgl. 19.4.1975) heraus. Eingetreten wird "Für freie politische Betätigung in Betrieb und Gewerkschaft, in Ausbildung und Beruf!" wobei berichtet wird von Dynamit Nobel Fürth, Ford Köln und Bayer Leverkusen.
Q: Schulkampf Nr. 4, Dortmund 20.6.1975, S. 8

KOV_Schulkampf190


21.07.1975:
In Köln geben KPD, KPD/ML, RH e.V., RHD, LgdI, CUPLA und Revolutionäre aus der Türkei vermutlich in dieser Woche ein Flugblatt heraus:"
SOFORTIGE FREILASSUNG DER INHAFTIERTEN PATRIOTEN AUS DER TÜRKEI!

Für die Freilassung der inhaftierten Patrioten aus der Türkei, Ömer Özerturgut, Hatice Yurttas, Mustafa Tutkun, Yüksel Urgulua und Baha Targün, der von Richter Somoskeoy zu 6 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden ist (vgl. 29.4.1975,d.Vf.), soll am 26.Juli 1975 in Köln eine Demonstration stattfinden."
Q: KPD, KPD/ML, RH e.V., RHD, LgdI, CUPLA, Revolutionäre aus der Türkei: Sofortige Freilassung der inhaftierten Patrioten aus der Türkei!,Köln o.J. (Juli 1975)

28.07.1975:
In Köln beteiligen sich, laut und mit KPD, vermutlich in dieser Woche in Nippes 50 bis 100 an Kundgebungen für die Gefangenen aus der PEF Türkei. Eine weitere Kundgebung findet, vermutlich ebenfalls in dieser Woche, vor der JVA Köln-Ossendorf statt, wo die vier PEFler und Baha Targün einsitzen.
Q: Rote Fahne Nr.31,Köln 6.8.1975

16.11.1975:
Der AB gibt die Nr.74 seiner 'Kommunistischen Arbeiter Zeitung' (KAZ) (vgl. 2.11.1975, 30.11.1975) heraus und berichtet von Ford Köln.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr.74,München 16.11.1975

Dezember 1975:
Der Spartacusbund (SpB) gibt sein 'Spartacus' Nr. 23 (vgl. Nov. 1975, Jan. 1976) heraus. Berichtet wird von Ford Köln.
Q: Spartacus Nr. 23, Essen Dez. 1975

26.01.1976:
In Berlin erhält, laut KPD, vermutlich in dieser Woche ihr Professor Bauer vom Fachbereich Germanistik der FUB einen Strafbefehl wegen seiner Solidarität mit dem Ford-Streikführer Baha Targün.
Q: Rote Fahne Nr. 5, Köln 4.2.1976

28.01.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 4 (vgl. 21.1.1976, 4.2.1976) heraus. Spenden "Stärkt die kommunistische Propagandaarbeit - gegen Revisionismus und Sozialimperialismus!" gingen u.a. ein von der Zelle Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 4, Köln 28.1.1976

17.02.1976:
Die KPD gibt die Nr. 7 ihres 'Rote Fahne Pressedienstes' (RFPD - vgl. 10.2.1976, 24.2.1976) heraus und berichtet von der Metalltarifrunde (MTR - IGM-Bereich), u.a. von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Pressedienst Nr. 7, Köln 17.2.1976

15.03.1976:
Bei Ford Köln finden, laut KPD, vermutlich in dieser Woche die Vertrauensleutewahlen (VLW) der IGM statt, in die neben der eigenen Zelle auch die DKP eingreift.
Q: Rote Fahne Nr. 12, Köln 24.3.1976

07.04.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 14 (vgl. 31.3.1976, 14.4.1976) heraus.
Zuzugssperren für AusländerInnen gibt es in Krefeld und Remscheid sowie eventuell bald in Köln. Berichtet wird in diesem Zusammenhang auch von Ford Köln (IGM-Bereich) und über arbeitslose Ausländer in Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 14, Köln 7.4.1976

02.06.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 22 (vgl. 26.5.1976, 9.6.1976) heraus. Spenden für den Maifonds gingen u.a. ein von der Zelle Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 22, Köln 2.6.1976

28.06.1976:
Bei Ford Köln kommt es, laut KPD, vermutlich in dieser Woche zu einem Hitzestreik.
Q: Rote Fahne Nr. 27 und 28, Köln 7.7.1976 bzw. 14.7.1976

21.07.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 29 (vgl. 14.7.1976, 28.7.1976) heraus und berichtet von Ford Köln u.a. über den 'Prüfstand' der DKP und die Staplerfahrer in der W-Halle.
Q: Rote Fahne Nr. 29, Köln 21.7.1976

18.08.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr. 33 (vgl. 11.8.1976, 25.8.1976) heraus. Spenden zu den Bundestagswahlen gingen u.a. ein von der Zelle Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 33, Köln 18.8.1976

22.08.1976:
In Baden-Württemberg organisiert die KPD, nach eigenen Angaben, eine Konferenz oppositioneller Gewerkschafter aus mehreren Gewerkschaften.
Teilnehmer kommen u.a. auch aus NRW von Ford Köln.
Q: Rote Fahne Nr. 35, Köln 1.9.1976

05.09.1976:
Der AB gibt seine 'Kommunistische Arbeiterzeitung' Nr. 95 (vgl. 28.9.1976, 19.9.1976) heraus. Eingegangen wird auch auf Ford Köln.
Q: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 95, München 5.9.1976

11.10.1976:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt vermutlich in dieser Woche einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 25.3.1975, 15.11.1976) heraus, in dem sie sich u.a. mit den Bändern, der DKP, SKF Schweinfurt in Bayern und Siemens Berlin befaßt.
Q: Rote Fahne Nr. 42, Köln 20.10.1976

13.10.1976:
In Köln wird, laut KPD, der Fordprozeß (IGM-Bereich) gegen Frank Kühne (KPD) wegen dem Streik 1973 (vgl. 26.8.1973) wieder aufgenommen. In erster Instanz (vgl. **.**.197*) wurde Kühne zu einer Geldstrafe von 300 DM verurteilt. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Kühne seinerseits legte Berufung gegen die Verurteilung wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt ein. Das alte Urteil wird bestätigt.
Q: Rote Fahne Nr. 41 und 42, Köln 13.10.1976 bzw. 20.10.1976

15.11.1976:
Die Zelle Ford Köln der KPD gibt, laut KPD, vermutlich in dieser Woche einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 11.10.1976) heraus, in der sie sich u.a. mit der DKP, der Endmontage, den Bändern und den Lehrlingen befaßt.
Q: Rote Fahne Nr. 47, Köln 24.11.1976

12.01.1977:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.2 (vgl. 5.1.1977, 19.1.1977) heraus, in der u.a. berichtet wird von Ford Köln, wo eine 'Kommunistische Arbeiterpresse' erscheint.
Q: Rote Fahne Nr. 48, Köln 1.12.1976

25.04.1977:
Der Zentralvorstand (ZV) der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD gibt vermutlich in dieser Woche ein Faltblatt heraus:"
1.MAI 1977

44 Jahre Gefängnis und eine Viertel Million Geldstrafen - das ist die Bilanz der Gesinnungsjustiz im vergangenen Jahr. Hunderte von Kommunisten, Antifaschisten und Demokraten wurden vor Gericht gezerrt, weil sie für die demokratischen Rechte eintraten, sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung zur Wehr setzten. Drei Kölner Antifaschisten mußten diese Tage ins Gefängnis (vgl. S5.*.1977,d.Vf.), weil sie einem Aufmarsch der NPD-Faschisten entgegengetreten waren, sie wurden von demselben Richter Somoskeoy verurteilt, der mit rassistischen Urteilen gegen ausländische Arbeiter vorgeht, so gegen den Streikführer bei Ford/Köln 1973 (IGM-Bereich - vgl. 24.8.1973,d.Vf.), gegen Baha Targün, der jetzt in die Türkei abgeschoben werden soll, wo erneut Gefängnis, Folter und womöglich Tod auf ihn warten. Und immer noch sitzt Horst Mahler im Gefängnis, jetzt sechseinhalb Jahre lang, obwohl eine breite Solidaritätsbewegung seine Freilassung und die Wiederaufnahme seines Prozesses fordert!"
Q: RH e.V.-ZV: 1.Mai 1977, Köln o. J. (1977)

30.04.1977:
Zu einer Kundgebung vor der JVA Remscheid-Lüttringhausen um 17 Uhr rief der Zentralvorstand (ZV) der Roten Hilfe (RH) e.V. der KPD (vgl. 25.4.1977) oder zumindest deren OG Köln unter den Parolen "Freiheit für Baha Targün! FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!" auf.
Q: RH e.V.-ZV: 1.Mai 1977, Köln o. J. (1977), S. 6

01.05.1977:
Der KB berichtet aus Nürnberg über Baha Targün, den ehemaligen Streikführer bei Ford Köln, er solle "jetzt in die Türkei und damit in die Hände der türkischen Geheimdienste, abgeschoben werden. Aufgrund seiner Aktivitäten in der BRD kann das für ihn den Tod bedeuten … Nach seiner aktiven Rolle bei den Ford-Streiks in den frühen siebziger Jahren hat der Staatsapparat systematisch versucht, B. Targün zu kriminalisieren. Nach der Entlassung bei Ford hat er in einer anderen Firma, Inhaber ein türkischer Faschist, gearbeitet. Hier wurde er von eben diesem Inhaber der räuberischen Erpressung beschuldigt. Einziger Zeuge ebenfalls der Inhaber. Er wurde zu sechseinhalb Jahren Knast verurteilt. Inzwischen wurde er nach Nürnberg in den Knast überführt, da hier über seine Ausweisung verhandelt werden soll … Nach Verbüßung von 50% der Strafe kann ein ausländischer Kollege von der BRD ausgewiesen werden. Mittlerweile sitzt B. Targün nun schon fast vier Jahre im Knast und hat im Juni 1976 einen Asylantrag gestellt. Bisher ist in der Sache nichts entschieden worden. Dies ist wiederum ein klassischer Fall von politischer Unterdrückung und Abschiebung eines ausländischen Linken. Das Nürnberger Ausländer-Komitee, das sich anläßlich der 1. Mai-Aktionseinheit hier gegründet hat, hat nun eine Resolution dagegen verabschiedet und eine Unterschriftenaktion in der Stadt angefangen. In dem Komitee arbeiten folgende Gruppen und Organisationen mit: Deutsch-Spanische Freundschaftsgesellschaft (DSFG,d.Vf.), PSOE-Spanier, Türkischer Arbeiterverein (TAV,d.Vf.), KKE-Griechen, ESK, Arbeiterbund für den Wiederaufbau (AB,d.Vf.), KB und die Rote Hilfe (RH,d.Vf.). Als nächstes soll in diesem Kreis auch die Mitarbeit an der Russell-Initiative diskutiert werden. Auch der Fall von B. Targün ist sicherlich ein weiterer Fall für das Russell-Tribunal. Auf der 16. Bundeskonferenz der SJD - Die Falken (der SPD - vgl. **.*.1977,d.Vf.) wurde einstimmig eine Solidaritätsresolution mit B. Targün verabschiedet."
Q: Arbeiterkampf Nr. 106, Hamburg 13.6.1977, S. 48

Oktober 1977:
Der DKP Kreisvorstand Dortmund gibt vermutlich im Oktober eine Broschüre heraus:"
HOESCH - NICHT NUR EIN NAME FÜR STAHL
HOESCH-ANALYSE

Die Durchführung des zweiten Planstillstandes der Dortmunder Werke für Ostern 1977 zeigte, wohin der Zug in Wirklichkeit fährt.

Natürlich wird hier häufig eingewandt, daß es Unternehmen und Konzerne gibt, die ihre Politik des Lohnabbaus und der Entlassungen rabiater und brutaler durchsetzen (traurigen Ruhm haben in dieser Hinsicht die Topmanager von Opel, Ford und VW mit ihren 'amerikanischen Gangstermethoden' erreicht). Aber es ist doch Augenwischerei, mit dem Hinweis, daß es noch schlimmere Methoden gibt, die hier bei Hoesch angewandten Methoden zu verteidigen."
Q: DKP-KV Dortmund: Hoesch - Nicht nur ein Name für Stahl, Dortmund o. J. (1977)

Dezember 1977:
Die Nr.26 der trotzkistischen 'Voran' (vgl. Juli 1977) erscheint und berichtet von aus Köln über Angestellte u.a. bei Ford.
Q: Voran Nr. 26, Remscheid Dez. 1977

02.02.1978:
Das KPD-RK NRW (vgl. 8.2.1978) berichtet von der MTR NRW:"
- Metalltarifrunde

Am letzten Donnerstag erklärten die Kapitalisten in NRW die Verhandlungen für gescheitert (Angebot: 3%). Die IGM-Bonzen wollen vorerst lediglich 'einige Warnstreiks' vor allem bei Ford und Opel (in Köln bzw. Bochum,d.Vf.) durchführen und auf Baden-Württemberg warten. VIELE METALL-ARBEITER FORDERN: KEINE EINLEITUNG DER SCHLICHTUNG! Urabstimmung!"
Q: KPD-RK NRW: Schluß mit der Stillhaltepolitik!, Dortmund 8.2.1978, S. 2

20.04.1978:
Der Spartacusbund (SpB) gibt sein 'Spartacus' Nr.44 (vgl. März 1978) heraus und berichtet über Kurzarbeit von Ford Köln.
Q: Spartacus Nr. 44, Frankfurt 20.4.1978

05.11.1978:
Laut RGO bildet sich bei Ford Köln eine RGO-Betriebsgruppe.
Q: RGO:Nachrichten Nr. 1, Vellmar Jan. 1979, S. 15

25.11.1978:
In Paderborn gründet sich ab heute bundesweit die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO). Vertreten war auch die BG Ford Köln.
Q: RGO:Nachrichten Nr. 9 und 1, Dortmund bzw. Vellmar Dez. 1978 bzw. Jan. 1979, S. 3 bzw. S. 15

März 1981:
Laut RGO der KPD kandidiert bei Ford Köln zu den Betriebsratswahlen (BRW) 1981 die oppositionelle Liste 'Arbeitereinheit für sichere und bessere Arbeitsplätze'.
Laut KB hat bei Ford in Köln die RGO-Betriebsgruppe Arbeitereinheit "eine gleichnamige Liste mit insgesamt fünf Kandidaten eingereicht".
Q: Arbeiterkampf Nr. 198,Hamburg 30.3.1981,S.20; RGO: Nachrichten Nr. 4, Kassel Apr. 1981, S. 5

April 1981:
Laut RGO der KPD werden bei den Betriebsratswahlen (BRW) bei Ford Köln, vermutlich im April, 533 Stimmen für die oppositionelle Liste Arbeitereinheit für sichere und bessere Arbeitsplätze abgegeben.

Laut KB erhalten die oppositionellen Listen 'Automobilarbeiter' sechs Sitze und die 'Arbeitereinheit' mit 533 Stimmen einen Sitz.
Q: RGO:Nachrichten Nr. 5, Kassel Mai 1981; Arbeiterkampf Nr.200 und 204, Hamburg 27.4.1981 bzw. 22.6.1981, S. 22 bzw. S. 19

Letzte Änderungen: 24.7.2013

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