Bayer-Jugend Leverkusen

Materialien zur Analyse von Opposition bei Bayer Leverkusen im Jugendbereich

Von Jürgen Schröder, Berlin


Diese Darstellung, der kaum betriebliches Material zugrunde liegt sondern nur zentrale Quellen, beschränkt sich zunächst fast ausschließlich auf Lehrlinge, so wie sich die Aufmerksamkeit linker Gruppen meist ebenfalls auf diese richtete und nur selten auf Jungarbeiter.

Das erste große Thema, welches bundesweite Beachtung seitens verschiedener Arbeiterjugend- und Betriebsgruppen erfährt ist dabei die Teilnahme von Bayer-Lehrlingen an Streikaktionen. Auch wenn die Datierung den meisten Berichtenden durchaus unklar bleibt ist doch die inhaltliche Aussage der Artikel (vgl. 30.9.1971, 13.10.1971) klar, es wurde hier beispielhaft für das Streikrecht für Lehrlinge eingetreten und den Drohungen der Geschäftsleitung getrotzt (vgl. 18.6.1971). Das Arbeitsgericht bestätigt das Streikrecht für Lehrlinge (vgl. 16.9.1971).

Welche linken Organisationen eingegriffen haben geht aus dieser Darstellung allerdings nicht hervor, vermutlich aber die DKP. Erst später (vgl. Okt. 1972) tritt erstmals in den von uns äußerst gründlich ausgewerteten Publikationen der KPD/ML-ZB eine Jugendbetriebsgruppe Bayer des KJVD der KPD/ML-ZB auf, die sich sogleich mit einer politischen Entlassung konfrontiert sieht.

Politische Entlassung bzw. Anstellungsverweigerung von 12 Jugendlichen, u.a. des Jugendvertreters Boeker, der genau die in den Jahren zuvor erfolgten Entlassungen anprangerte, ist auch das große zweite Thema dieser Darstellung (vgl. 30.5.1973), welches zu intensiver Berichterstattung (vgl. Aug. 1973, 15.10.1973) und Protesten (vgl. 12.9.1973, 14.9.1973, 17.9.1973, Okt. 1973) führt. Hier beginnt auch der KJV (später KJVD) der KPD mit seiner intensiven Arbeit bei Bayer (vgl. Aug. 1973), nachdem er mindestens ab Mitte des Jahres am Ort vertreten ist (vgl. Juni 1973, 6.10.1973).

Der KJVD von Bayer Leverkusen darf für die KPD gar wichtige Treffen durchführen (vgl. 3.3.1974), bildet er doch den Kern ihrer Stoßtruppe, mit der sie die Chemieindustrie in NRW erobern will.

Die KPD wird wiederholt von der DKP verfolgt (vgl. 25.6.1975, 1.3.1976), wobei auffällt, dass auch die KPD-Kader immer noch in der Gewerkschaftsjugend aktiv sind. Diese allerdings wird u.a. seitens der SDAJ der DKP gelähmt (vgl. 28.2.1977).

Das dritte große Thema ist die Jugendarbeitslosigkeit bzw. die Ausbildung für Jugendliche ohne Hauptschulabschluß, die anhand einer Broschüre der Zelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD (vgl. Apr. 1977) detailliert dargestellt wird (vgl. 19.7.1976, 19.10.1976). Hier kommen also nun doch auch einmal Jungarbeiter ins Blickfeld (vgl. 24.11.1976), auch seitens der DKP (vgl. 8.11.1976).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

06.06.1971:
Bei Bayer Leverkusen erhalten, laut 'Konkret', 167 Lehrlinge eine
schriftliche Verwarnung mit der Androhung von Entlassung wegen ihrer
Teilnahme an einer Kundgebung der IG Chemie, weswegen ein Bayer-Lehrling
einen Arbeitsgerichtsprozeß in Solingen erhält (vgl. 16.9.1971).
Quelle: Auf Draht Nr.8,München Nov. 1971

08.06.1971:
Bei Bayer Leverkusen beteiligen sich u.a. Lehrlinge an der heutigen
Kundgebung der IG Chemie (CPK) in Köln.
30 streikende Lehrlinge erhalten später, laut KJB Freiburg, folgenden Brief
der Firma:"
Sie haben am 8.6. ds. Js. ihren Ausbildungsplatz vorzeitig verlassen mit dem
Bemerken, an einer Kundgebung der IG Chemie, Papier, Keramik in Köln
teilzunehmen. Nach Mitteilung unseres Betriebsrats und der Jugendvertretung
unseres Werks war eine Abordnung der Auszubildenden für diese Veranstaltung
bestimmt worden. Sie gehörten nicht zu diesem Personenkreis und haben gegen
Willen ihrer Ausbildungsleitung sich von ihrem Ausbildungsplatz entfernt.

Wir belehren sie hiermit noch einmal, daß der Auszubildende nicht in einem
Arbeitsverhältnis steht, sondern daß er zur Aus- oder Weiterbildung
beschäftigt wird und daß zwischen dem Auszubildenden und dem Ausbilder ein
besonderes Treueverhältnis besteht. Das besagt aber auch unmißverständlich,
daß der Auszubildende sich an Arbeitskämpfen nicht beteiligen soll.

Ihr Verhalten war ordnungswidrig und tadelnswert. Wir erteilen Ihnen deshalb
eine strenge Verwarnung.

Wenn wir auf weitergehende Maßnahmen gegen Sie verzichten, so tun wir das in
der Erwartung, daß Sie in Zukunft alles unterlassen, was unsere notwendige
Zusammenarbeit beeinträchtigen könnte."

Die RJ/ML des KAB/ML (vgl. Sept. 1971) berichtet:"
Trotz aller Drohungen beteiligten sich z. B. 300 Bayer-Lehrlinge an der
Demonstration der älteren Kollegen."
Q: Rebell Nr.35,Tübingen Sept. 1971,S.3; Kommunistische Jugendzeitung Nr.3,Freiburg Sept. 1971,S.3f

16.06.1971:
An der Großveranstaltung der IG Chemie in Köln beteiligen sich während
der Arbeitszeit, laut KPD, auch 300 Lehrlinge von Bayer Leverkusen.
Q: Rote Fahne Nr.21,Berlin Juli 1971

18.06.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich von heute:"
Bei Bayer Leverkusen verbrannten streikende Lehrlinge eine Entlassungsdrohung
der Werksleitung, die sich gegen die Streikbeteiligung der Lehrlinge
richtete. Diese Ereignisse zeigen klar, mit welcher Entschlossenheit die
Chemiearbeiter für die Durchsetzung ihrer Forderungen kämpfen."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.50,Bochum 3.7.1971,S.1f

August 1971:
Die Nr.8 des 'Der Kampf der Arbeiterjugend' (KDAJ) (vgl. Juli 1971,
16.8.1971) des KJVD der KPD/ML-ZB erscheint und berichtet u.a. über Bayer
Leverkusen.
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.8,Bochum Aug. 1971

September 1971:
Die Ortsgruppen Frankfurt und Groß Gerau der RJ/ML des KAB/ML geben die
Nr.6 ihrer Berufsschulzeitung 'Jungarbeiter und Lehrlingspresse' (vgl.
24.5.1971, 4.10.1971) heraus. Aus Leverkusen wird berichtet vom Streik der
Bayerlehrlinge.
Q: Jungarbeiter und Lehrlingspresse Nr.6,Frankfurt/Groß Gerau Sept. 1971

16.09.1971:
Das Arbeitsgericht Solingen entscheidet, laut 'Konkret', daß die Teilnahme
der Bayer-Lehrlinge an einer Kundgebung der IG Chemie während der Arbeitszeit
am 16.6.1971 rechtens war, womit sich das Gericht für ein Streikrecht der
Lehrlinge ausspricht.
Q: Konkret Nr.21,Hamburg 7.10.1971; Klassenkampf Nr.6,Frankfurt Dez. 1971

30.09.1971:
Die RJ/ML des KAB/ML berichtet anläßlich der heute beginnenden Metalltarifrunde
(MTR) u.a.:"
DAS STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE DURCHSETZEN

Wie das gemacht wird, haben uns die Lehrlinge in der Chemie gezeigt. Trotz aller
Drohungen beteiligten sich z. B. 300 Bayer-Lehrlinge (vgl. Leverkusen - 8.6.1971,d.Vf.)
an der Demonstration der älteren Kollegen. Den Lehrlingen der Farbwerke Hoechst
wurde gedroht, wenn sie sich an Streiks beteiligten, könnten sie fristlos entlassen
werden. Lehrlinge, die sich an einer Kundgebung der IG-Chemie beteiligt hatten,
wurden streng verwarnt. Die Lehrlinge zeigten, was sie von diesem 'Tadel' halten.
Sie verbrannten die Briefe mit der Verwarnung öffentlich."
Q: Rebell Nr.35,Tübingen Sept.1971,S.1ff

13.10.1971:
Der Kommunistische Jugendbund (KJB) Freiburg des BKA gibt ein zweiseitiges
Extrablatt seiner 'Kommunistischen Jugendzeitung' (KJZ) (vgl. Sept. 1971,
13.12.1971) heraus, in dem u.a. heißt:"
ERFOLG BEIM KAMPF UM DAS STREIKRECHT FÜR LEHRLINGE

Wie ein gemeinsamer Kampf aussehen kann, zeigten uns die 167 Lehrlinge des
BAYER-Riesen in Leverkusen: Bei den Chemietarifverhandlungen (CTR,d.Vf.)
solidarisierten sich die Lehrlinge trotz Verbots der Geschäftsleitung mit den
Arbeitern bei ihrem Kampf gegen die Verschlechterung ihrer Lebenssituation.

DIE LEHRLINGE STREIKTEN MIT

Hinterher wurde ihnen das Streikrecht vom Arbeitsgericht Solingen zuerkannt.
Dieser Streik ermöglicht in Zukunft einen gemeinsamen Kampf von Arbeitern und
Lehrlingen. Nur durch einen gemeinsamen Kampf von Arbeitern und Lehrlingen
können wir unsere Forderung nach gleicher Bezahlung für alle Lehrlinge
durchsetzen."
Q: Kommunistische Jugendzeitung Extrablatt,Freiburg 13.10.1971

19.10.1971:
In Schweinfurt erscheint, nach eigenen Angaben, erstmals die Betriebszeitung der RJ/ML des KAB/ML 'Der Rote Innenring' für SKF, eine Jugendseite schildert Lehrlingseindrücke und berichtet vom Lehrlingsstreik bei Bayer Leverkusen.
Q: Der Rote Innenring Nr.1,Schweinfurt Okt. 1971,S.5

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November 1971:
Die Nr.37 des 'Rebell' (vgl. Okt. 1971, Jan. 1972) der RJ/ML des KAB/ML
berichtet u.a. von Bayer Leverkusen.
Q: Rebell Nr.37,Tübingen Nov. 1971

Februar 1972:
Spartacus Bolschewiki/Leninisten gibt vermutlich im Februar seinen
'Spartacus' Nr.26 (vgl. Jan. 1972, Apr. 1972) heraus und berichtet u.a. von Bayer
Leverkusen.
Q: Spartacus Nr.26,Bonn Feb./März 1972

19.02.1972:
Die Nr.14 des 'KND' der KPD/ML-ZB (vgl. 16.2.1972, 23.2.1972) erscheint und
berichtet u.a. über die Jugendlichen in der Chemietarifrunde (CTR) u.a. bei
Bayer Leverkusen.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.14,Bochum 19.2.1972

Oktober 1972:
Bei Bayer Leverkusen gibt die Jugendbetriebsgruppe (JBG) des KJVD der
KPD/ML-ZB vermutlich im Oktober eine Sonderausgabe der 'Roten Analyse'
heraus.
Der Hauptartikel lautet "Politische Entlassungen - die sozialdemokratischen
Führer schweigen".
Danach ist wahrscheinlich ein Mitglied des KJVD aus politischen Gründen bei
Bayer entlassen worden.
Q: Die Rote Analyse Sdr.ausg.,Leverkusen Okt. 1972

April 1972:
Der KB/Gruppe Eutin gibt die Nr.2 seiner 'Arbeiterjugendpresse' (vgl. 28.2.1972, 29.5.1972) für die Berufs- und Handelsschüler heraus, die u.a. berichtet vom Lehrlingsstreik bei Bayer Leverkusen.
Q: Arbeiterjugendpresse Nr.2,Eutin Apr. 1972,S.5f

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30.05.1973:
Der Landesvorstand der SMV der allgemeinbildenden Schulen NRW berichtet:"
VON DEN KOLLEGEN GEWÄHLT, VON DEN BOSSEN GEFEUERT!

Seit 1972 sind in der Bundesrepublik ca. 600 Jugendvertreter, Betriebsräte
und aktive Gewerkschaftler nach Beendigung der Lehrzeit nicht in ein
Arbeitsverhältnis übernommen worden. Bei Bayer Leverkusen wurden jetzt am 30.
Mai 12 Kollegen auf diese Weise gefeuert. Unter ihnen Jugendvertreter und
Jugendvertrauensleute. Die so vielbesungene 'Partnerschaft' wurde von Bayer
ad absurdum geführt.

Schon in der Vergangenheit wurden bei Bayer-Leverkusen junge Gewerkschafter
nicht in ein Arbeitsverhältnis übernommen, weil sie sich aktiv für die
Interessen der Kollegen eingesetzt haben (z.B. bei den Streikkämpfen 1971).

Das ist praktiziertes Berufsverbot (BV,d.Vf.) für Jugendvertreter,
gewerkschaftliche Vertrauensleute und Betriebsräte! Mit diesen Rausschmissen
wird die demokratische Wahlentscheidung der Kolleginnen und Kollegen mit
Füßen getreten. (Aus einer Resolution des Solidaritätskomitees für die
gemaßregelten Bayer-Lehrlinge, die auf der letzten Landesversammlung der SMV
von NRW angenommen wurde.)

'Gemäß Paragraph 8 des mit Ihnen abgeschlossenen Ausbildungsvertrages teilen
wir Ihnen mit, daß wir Sie nicht in ein Anstellungsverhältnis übernehmen
werden.' Am 30.Mai erhielten zwölf Lehrlinge von Bayer-Leverkusen dieses
lakonische Schreiben 'mit freundlichem Gruß'.

Unter den Zwölfen, denen die Bayer-Bosse den Anstellungsvertrag verweigern,
sind aktive Gewerkschafter, Vertrauensleute und Jugendvertreter. Die Herren
der Personalabteilung, Dr. Neumann und Wollenberg, erklärten bei der
Aushändigung der Entlassungsbriefe der Lehrlinge, der Jugendvertreter Norbert
Boeker habe sich 'durch seine Öffentlichkeitsarbeit unmöglich gemacht'. Dem
Jugendvertrauensmann Georg Allroggen wurde erklärt, er habe sich 'den
Aktionen von Boeker angeschlossen und zum Beispiel bei einer
Abteilungsversammlung auch polemisiert.'

Erst im März hatte Norbert Boeker auf einer Jugendverssammlung die
Machenschaften des Bayer-Konzerns angeklagt. 1970 war es ein kritischer
Lehrling, der flog. 1971 schon 14. Und 1972 wurden zehn Mann gefeuert, die im
Jahr zuvor in der Lohnbewegung aktiv ihren Mann standen. Norbert auf dieser
Jugendversammlung: 'Ich habe eine Frage an den Vertreter der Werksleitung.
Herr Behnisch, haben Sie sich eigentlich schon Gedanken gemacht, wen von uns
Sie dieses Jahr nach der Tarifrunde rausschmeißen wollen?'

Sofort nach Bekanntwerden des neuen Bayer-Willkürakts lief die Solidarität
an. Innerhalb weniger Stunden erhielt die Jugendvertretung über dreißig
Solidaritätsschreiben. Jusos (der SPD,d.Vf.), Naturfreundejugend (NFJ,d.Vf.),
SDAJ, VK, SMV und junge Gewerkschafter gründeten ein Solidaritäts-Komitee,
das Informationsstände und weitere Aktionen durchführen wird.

Immer lauter werden die Forderungen: Die gemaßregelten Lehrlinge müssen
eingestellt werden, die gewählten Sprecher und Vertrauensleute müssen ihr
demokratisches Mandat ausüben können. Ein wirksames Mittel ist das NEIN des
Betriebsrates zu jeder weiteren Neueinstellung, solange bis alle gefeuerten
Kollegen einen Anstellungsvertrag haben. Klaus-Jürgen Eichhorst, Vorsitzender
der Bayer-Gesamtjugendvertretung zum elan (Zeitschrift der SDAJ der DKP,d.
Vf.): 'Durch Betriebsvereinbarungen sowie durch eine klare gesetzliche
Regelung müssen wirklicher Kündigungsschutz und Wehrdienstbefreiung für
Jugendvertreter und darüber hinaus Weiterbeschäftigungsgarantie für alle
Lehrlinge verankert werden.'"
Q: SMV-Ex-Press Nr.1,Düsseldorf Aug. 1973,S.4

Juni 1973:
Vermutlich im Juni gibt das Regionalkomitee Rhein/Ruhr des KJV der KPD eine
Broschüre "Jugendarbeitsschutz - Schutz der Jugend? Schutz der Ausbeutung!"
heraus.
Kämpfende Jugend (KJ) Treffs gibt es u.a. in Leverkusen-Wiesdorf, dienstags 18 Uhr
in der Friedensklause in der Friedenstraße.
Q: KJV-RK Rhein/Ruhr:Jugendarbeitsschutz - Schutz der Jugend? Schutz der Ausbeutung!,Dortmund 1973

August 1973:
Die Nr.8 der 'Roten Fahne' des KABD (vgl. Juli 1973, Sept. 1973) berichtet über
Jugendvertreterentlassungen u.a. bei Bayer Leverkusen.
Q: Rote Fahne Nr.8,Tübingen Aug. 1973

August 1973:
Vermutlich Ende August gründet die KPD eine Zelle ihres KJV bei Bayer Leverkusen.
Q: Rote Fahne Nr.36,Dortmund 5.9.1973

12.09.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.37 (vgl. 5.9.1973, 19.9.1973) heraus.
Es wird eine Liste von Betrieben veröffentlicht, in denen es zur
Entlassung bzw. Nichtübernahme von Jugendvertretern gekommen ist, u.a. Bayer
Leverkusen.
Q: Rote Fahne Nr.37,Dortmund 12.9.1973

14.09.1973:
Auf Initiative des Düsseldorfer Initiativausschusses "Arbeiterjugend gegen
politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse" (vgl. Sept. 1973) treffen
sich, nach eigenen Angaben, über 60 Arbeiterjugendliche aus NRW, u.a. von Bayer
Leverkusen.
Q: NKAJgpEuGa:Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse,Remscheid 1973; Rote Fahne Nr.38,Dortmund 19.9.1973; Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.8,Dortmund Okt. 1973

17.09.1973:
Vermutlich in dieser Woche erscheint das 1. Flugblatt des Nationalen
Komitees: Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und
Gewerkschaftsausschlüsse (NKAjgpEuGA) des KJV der KPD (vgl. 14.9.1973):"
Am 16.9.1973 gründeten über 60 junge Gewerkschafter, Jugendvertreter,
Jugendvertrauensleute und Betriebsräte aus über 30 Betrieben u.a. … Bayer
Leverkusen, … in der BRD und Westberlin das Nationale Komitee: 'Arbeiterjugend
gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse.'
Q: Nationales Komitee Arbeiterjugend gegen Politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse:1. Flugblatt,Remscheid o.J. (1973)

Oktober 1973:
Nummer 2 der Reihe 'Agitationsheft des Kommunistischen Jugendverbandes'
(Jugendorganisation der KPD) (vgl. Okt. 1973, Feb. 1974) erscheint im Verlag
Kämpfende Jugend (Dortmund) unter dem Titel "Kampf dem arbeiterfeindlichen
Betriebsverfassungsgesetz!" (BVG).
Berichtet wird u.a. über die Jugendvertretung bei Bayer Leverkusen.
Q: Rote Pressekorrespondenz Nr.35,Dortmund 1973,S.20; KJV:Agitationsheft Nr.2,Dortmund Okt. 1973

06.10.1973:
Heute wird das Regionalkomitee (RK) Rhein/Ruhr (NRW) des KJV der KPD gegründet,
u.a. mit der Ortsleitung Köln und u.a. den Jugendbetriebszellen (JBZ) Bayer
Leverkusen.
Q: Rote Fahne Nr.42,Dortmund 17.10.1973

07.10.1973:
Der KJV (vgl. Nov. 1973) berichtet von seiner regionalen Mitgliederversammlung in NRW, dass die Gründung u.a. der Zelle Bayer Leverkusen beschlossen wurde.
Q: Kämpfende Jugend Nr.10,Dortmund Nov. 1973,S.4

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15.10.1973:
Die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD gibt vermutlich in dieser Woche
ihre auf Oktober datierte 'Revolutionäre Gewerkschaftsopposition' Nr.8 (vgl.
10.9.1973, Feb. 1974) heraus.
Über Jugendvertreterentlassungen wird u.a. berichtet von Bayer Leverkusen.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.8,Dortmund Okt. 1973

06.02.1974:
In der Nr.6 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 30.1.1974, 13.2.1974) befaßt sich die
KPD u.a. mit Bayer Leverkusen u.a. den Lehrlingen.
Q: Rote Fahne Nr.6,Dortmund 6.2.1974

15.02.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.3 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 1.2.1974, 1.3.1974) heraus. Aus Leverkusen wird berichtet von Bayer.
Q: Kämpfende Jugend Nr.3,Dortmund 15.2.1974,S.2

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01.03.1974:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.4 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 15.2.1974, 13.3.1974) heraus und berichtet auch aus Leverkusen von Bayer.
Q: Kämpfende Jugend Nr.4,Dortmund 1.3.1974,S.2

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KJV631


03.03.1974:
In Frankfurt organisiert die Gewerkschaftsabteilung beim ZK der KPD ein
Treffen zwischen der Zelle Hoechst Frankfurt der KPD und der Zelle Bayer
Leverkusen des KJV, auf dem u.a. auf die SPD-Betriebsgruppe bei Bayer eingegangen
wird.
Q: Rote Fahne Nr.10,Dortmund 6.3.1974

27.04.1974:
Die KPD/ML gibt ihren 'Roten Morgen' Nr.17 (vgl. 20.4.1974, 4.5.1974) heraus. Nachgedruckt werden die Titelköpfe einer Reihe von Zeitungen der KPD/ML und ihrer Roten Garde bzw. dem KSB/ML. Es handelt sich hierbei um die 'Rote Kolonne' der RG für Bayer Leverkusen.
Q: Roter Morgen Nr.17,Dortmund 27.4.1974

10.07.1974:
In der Nr.28 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 3.7.1974, 17.7.1974) berichtet die
KPD aus Leverkusen von Bayer u.a. über die Praktikanten und Lehrlinge im
Ausbildungszentrum in Köln-Flittard.
Q: Rote Fahne Nr.28,Dortmund 10.7.1974

08.01.1975:
Der Kommunistische Jugendverband (KJV) der KPD gibt die Nr.1 seiner 'Kämpfenden Jugend' (KJ - vgl. 18.12.1974, 22.1.1975) heraus und berichtet aus Leverkusen durch die Zelle Bayer.
Q: Kämpfende Jugend Nr.1,Dortmund 8.1.1975,S.3

KJV645


14.05.1975:
In der Nr.19 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 7.5.1975, 21.5.1975) berichtet
die KPD u.a. von Bayer Leverkusen über die Jugendvertretung, den
Arbeitskreis junger Gewerkschafter und die CPK-Verwaltungsstelle.
Q: Rote Fahne Nr.19,Köln 14.5.1975

25.06.1975:
In Leverkusen findet, laut KPD, eine Ortsjugendmitgliederversammlung der IG
Chemie (CPK) statt, an der u.a. Lehrlinge von Bayer teilnehmen.
Der aus der IG Chemie ausgeschlossene KPD-Betriebsrat von Bayer sei durch
DKPler rausgeworfen worden.
Q: Rote Fahne Nr.27,Köln 9.7.1975

01.03.1976:
Bei Bayer Leverkusen berichtet die Zelle der KPD, laut KPD, vermutlich in
dieser Woche in ihrer Betriebszeitung von einem Versuch Egon Redereit und
Bernd Beste aus dem Arbeitskreis junger Gewerkschafter der IG Chemie (CPK)
aufgrund der UVB auszuschließen, wohinter u.a. die DKP stecke.
Q: Rote Fahne Nr.10,Köln 10.3.1976

19.07.1976:
Die Zelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD (CPK-Bereich - vgl. Apr. 1977)
zitiert aus dem heutigen 'Darmstädter Echo' die folgende Anzeige:"
Gut beraten. Arbeitsamt

NEULINGE IN ARBEIT UND BERUF

Nicht jeder Arbeitsplatz braucht eine vollausgebildete, gestandene Fachkraft.
Oft tut es auch ein Anfänger.

Ihr Arbeitsamt sucht Stellen für Jugendliche, die noch am Anfang ihres
Berufslebens stehen. Teilweise haben sie berufspraktische Grundlehrgänge
absolviert.

Arbeitgeber, die diesen Jugendlichen eine Chance geben, können Zuschüsse zum
Arbeitsentgelt und Beihilfen erhalten.

Die Bewerber sind geeignet für:

HILFSARBEITEN ALLER ART, HAUSWIRTSCHAFTL. ARBEITEN

Fragen Sie die Arbeitsberater und Arbeitsvermittler in Ihrem Arbeitsamt!"
Q: KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme - Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977,S.22

19.10.1976:
Die Zelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD (CPK-Bereich - vgl. Apr. 1977) dokumentiert von den Personalabteilungen von Bayer Leverkusen das heute genehmigte:"


Ausbildungsprogramm für Jugendliche ohne Hauptschulabschluß



1. Ziel



Jugendliche ohne Hauptschulabschluß sollen durch ein gezieltes dreijähriges

Programm so eingesetzt und gefördert werden, daß sie die Kenntnisse und

Fertigkeiten eines qualifizierten Chemiearbeiters im Sinne des Tarifvertrages

der chemischen Industrie von Nordrhein erlangen.



2. Personenkreis



Das Programm wendet sich an Jugendliche, die aus Gründen, die in ihrer

soziokulturellen Umwelt liegen, nicht den Hauptschulabschluß erreichen

konnten. Die Aufnahme in das Einsatz- und Förderprogramm schließt sich

unmittelbar an die Schulentlassung an. In der Regel wird es sich beim

Eintritt in die Maßnahme um ca. 15jährige Jugendliche handeln.



3. Anzahl der Teilnehmer



Während der Erprobungszeit des Programms sollen an der Maßnahme 25 - 30

Jugendliche pro Einsatzschritt teilnehmen. Dies entspricht in etwa der

Schülerzahl einer Berufsschulklasse.



4. Einsatzschritte



1. Während des ersten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in den Werkstätten

des Werkes Leverkusen. es sollen in etwa die praktischen Kenntnisse und

Fertigkeiten des ersten Ausbildungsjahres des Betriebsschlossers erworben

werden.



2. Während des zweiten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in den

Betriebslabors ausgewählter Produktionsbetriebe. Es sollen in etwa die

praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten des ersten Ausbildungsjahres des

Chemielaborjungwerkers erworben werden.



3. Während des dritten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in ausgewählten

Produktionsbetrieben. Es müssen die praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten

des ersten Ausbildungsjahres des Chemiebetriebsjungwerkers erworben werden.



5. Bescheinigung über den Einsatz



Über das Ergebnis der Einsatzschritte und über das Ergebnis der

Gesamtmaßnahme erstellt die Personalabteilung auf der Basis der Äußerungen

des Betriebsleiters und des Betreuers ein Zeugnis.



6. Durchlässigkeit der Maßnahme



Ergibt sich im Rahmen der persönlichen Entwicklung des Jugendlichen die

Möglichkeit, ein Berufsausbildungsverhältnis einzugehen, so soll der Abschluß

eines Berufsausbildungsvertrages von allen beteiligten Seiten möglichst

gefördert werden.



7. Entgeltfestsetzung



1. Entsprechend dem Charakter der Maßnahme wird während der Durchführung des

Einsatz- und Förderungsprogramms eine Vergütung gezahlt, die sich an der

Ausbildungsvergütung des jeweiligen Ausbildungsjahres des Tarifvertrages

orientiert.



2. nach Beendigung des Einsatzprogramms soll eine Qualifikation für

Arbeitsplätze der Lohngruppe III vorliegen. Die Personalabteilung trägt für

einen entsprechenden Einsatz Sorge.



8. Betreuung



1. Die fachliche und persönliche Betreuung erfolgt am Arbeitsplatz durch

einen qualifizierten Mitarbeiter. Dieser wird vom Betrieb namentlich benannt.

Er ist in allen Fragen, die den Jugendlichen betreffen, zu hören.



2. Die sozialpädagogische Betreuung erfolgt im Rahmen einer wöchentlichen

Gruppenstunde und eines viertägigen Seminars.



3. Die schulische Betreuung erfolgt in jeweils für diese Maßnahme

einzurichtenden Jahrgangsklassen an der Bayer-Berufsschule.



4. Die sicherheitstechnische Unterweisung erfolgt halbjährlich durch einen

Beauftragten des Betriebs in Anwesenheit eines Vertreters des

Arbeitsschutzes.



9. Didaktik und Methodik



Das vorliegende Programm knüpft an die vorwiegend praktische Begabung dieser

Jugendlichen an. Das Lernen soll weitgehend über die Methode 'Vormachen,

Nachmachen, Einüben' erfolgen. Begleitende Erklärungen sollen das Verstehen

des betrieblichen Handelns ermöglichen. Von theoretischen Erklärungen ohne

konkreten Bezug zum betrieblichen Handeln ist abzusehen. Die Didaktik

orientiert sich am ersten Ausbildungsjahr der unter 4 genannten Berufsbilder.



10. Genehmigung der Gewerbeaufsicht



Das staatliche Gewerbeaufsichtsamt Köln hat durch Bescheid vom 19.10.1976 das

vorgelegte Programm genehmigt.



PA I-Beschaffung und Einsatz"



Ungefähr aus dem selben Zeitraum stammt auch der:"

Ausbildungsplan für Mädchen im Haushaltsjahr bei Bayer



FACHLICHE AUSBILDUNG                                          AUSBILDUNGSZEIT



1. RESTAURANTS                                                9 Monate

                                                              28 Stunden pro

OFFICE: Allgemeine Vorbereitungsarbeiten, z.B. holen bzw.     Woche

putzen von Porzellan, Gläsern, Silbertabletts, Menagen,

Tischwäsche                                                   In den ersten 6

                                                              Monaten

SERVICE: Eindecken, Frühstücksservice, Mittagsservice         Einweisung in

                                                              die 3 Bereiche,

BUFFET: mis es place, Getränkeausgabe, Bierkeller             danach

                                                              Vertiefung der

WÄSCHEKAMMER: Weißnähen, Wäsche sortieren und zählen,         vermittelten

Wäscheausgabe                                                 Kenntnisse nach

                                                              Eignung und

FACHUNTERRICHT: Umgang mit Gästen, Getränke und Speisekunde,  Neigung in

Arbeitsmaterial, Servicekunde                                 einem der 3

                                                              Bereiche

2. RESTAURATIONSKÜCHE



WARME KÜCHE: Vorbereiten und Ansetzen von Suppen, Saucen,

Fleisch, Gemüse



KALTE KÜCHE: Vorbereitung des Abendessens, Anrichten von

Salaten, Schnittchen, Canapees



PATISSERIE: Mitwirkung bei der Herstellung von Teigen,

Cremes, Eis und Halbgefrorenem, Salaten, Kuchen



KAFFEEKÜCHE: Herstellung von Kaffee, Tee, Kakao, Eierspeisen,

Cerials, Frühstück insgesamt, belegte Brote



FACHUNTERRICHT: Warenkunde, Zusammenstellung von Menues,

Lagerhaltung, Kennenlernen von Maschinen und Geräten im

Küchenbereich



REINIGUNG DES ARBEITSPLATZES



3. WERKSKÜCHENBEREICH



KALTE KÜCHE: Zubereitung von belegten Brötchen, Koteletts,

Frikadellen, Kartoffelsalat usw. Frühstücksausgabe



WARME KÜCHE: Vorbereitungsarbeiten wie Gemüse putzen, Salat

putzen, Kartoffeln verlesen, Speiseausgabe (Band), bedienen

der Gargeräte, Vorbereitung und Produktion von Schonkost und

Diät



KONDITOREI: Herstellung von Teigen und Massen, Vorbereitung

von Früchten und Füllungen, Warenverteilung an die

Außenstellen



LAGER: Mithilfe bei Warenein- und Ausgang



REINIGUNG DES ARBEITSPLATZES



BEGLEITENDE AUSBILDUNG                                        AUSBILDUNGSZEIT

                                                              9 Monate

                                                              4 Std. pro

                                                              Woche

1. AKTUELLES GESCHEHEN

Zu Beginn eines jeden Betreuungsnachmittags Besprechung       20 - 30 Min.

aktueller Ereignisse aus Politik, Wirtschaft, Sport sowie     pro Woche

aus dem Arbeitsleben der Mädchen



2. SPORT                                                      2 Std. pro

                                                              Woche



3. ARBEITSSCHUTZ zwei Vorträge: Themen:

1. Zielsetzung des Arbeitsschutzes, Allgemeine

Arbeitsschutzmaßnahmen

2. Arbeitsschutz in den Wirtschaftsbetrieben



4. ERARBEITUNG FOLGENDER THEMENKREISE MIT

SOZIALPÄDAGOGISCHEN MITTELN UND METHODEN



Hierbei entscheiden die Jugendlichen mit, welche Schwerpunkte 1 1/2 Std. pro

gesetzt werden und in welcher Reihenfolge die Themen          Woche

besprochen werden



Themenkreise:



1. Beruf und Arbeitswelt



- mein Arbeitsplatz. Wer kann, wer darf mir im Betrieb etwas

sagen?, Die Gruppe am Arbeitsplatz, Gestaltung des

Arbeitsplatzes



- Arbeitsordnung. Sinn und Zweck der Arbeitsordnung, Wie

kommt sie zustande?, was ist in ihr geregelt?



- Berufsschule. Aus- und Weiterbildung



- Betriebsrat, Jugendvertretung



- Wie funktioniert ein Industriebetrieb? Unternehmensform,

Organisation und Gliederung eines Unternehmens, Aufgaben

einzelner Bereiche und Abteilungen



2. Wie und wo können Feierabend und Wochenenden verbracht

werden?



- Urlaub



3. Soziale Umwelt



- Beziehungen Erwachsene - Jugendliche



- Kontakte zu Gleichaltrigen



- Verantwortung gegenüber Mitmenschen und Gesellschaft



- Wie können Streitigkeiten gelöst werden?



4. Recht



- Rechte und Pflichten im Arbeitsleben, in der Schule, zu

Hause und sonst



- Sozial-, Kranken-, Unfallversicherung



5. Gesundheit



- Was kann für die Gesundheit getan werden?



- Tabak, Alkohol, Rauschgift



BERUFSSCHULUNTERRICHT                                         9 Monate 8 Std.

                                                              pro Woche"

Q: KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme - Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977,S.16ff

08.11.1976:
Die Zelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD (CPK-Bereich - vgl. Apr. 1977)
zitiert aus der frühestens in dieser Woche erscheinenden Novemberausgabe der
'Pille', Betriebszeitung der DKP bei Bayer (vgl. **.**.1976, **.**.197*):"
TRICK 17: WIE WIRKT MAN AM SOZIALSTEN

Am 5.11.1976 erschien im Leverkusener Stadtanzeiger ein Artikel über BAYER
und seine sozialen Leistungen.

BAYER soll im Rahmen der 'Maßnahmen zur Linderung der Jugendarbeitslosigkeit'
zusätzlich jugendliche Arbeitslose eingestellt haben. das hört sich sehr
lobenswert an und wäre es auch, würde man nicht die Situationen und
Begebenheiten etwas besser kennen. Im Artikel wird von 200 'zusätzlich'
eingestellten Jugendlichen gesprochen. Sie werden bei BAYER als Jungarbeiter
beschäftigt. Bemerkenswert ist hierbei, daß BAYER schon seit Jahren im
September neben Auszubildenden auch Jungarbeiter einstellt, und zwar bis auf
1975 meistens um die 200 Kollegen und Kolleginnen. Man kann also nur sagen,
daß Bayer die frühere Praxis erfreulicherweise beibehielt, von
außerordentlichen Leistungen kann keine Rede sein.

Allerdings sind im Laufe des Jahres noch 57 sogenannte 'schwervermittelbare'
Jugendliche aufgenommen worden. Hier weiß man auch nicht, wie viele von ihnen
die Probezeit überstanden haben. Jedenfalls ist bekannt, daß nicht alle nach
der Probezeit übernommen wurden.

Man versucht also mit 'ollen Kamellen' und aus betriebsüblicher Praxis den
Anschein zu erwecken, als wäre das Geschehene eine zusätzliche Tat. BAYER hat
jahrelang, auch zu Zeiten der", hier bricht das vom KJVD verbreitete
Faksimile ab.

An anderer Stelle berichtet der KJVD, vermutlich über diese 'Pille', dort
stehe:"
Es ist zu begrüßen, daß Bayer auch in diesem Jahr Jungarbeiter einstellt.
Aber von einer besonderen sozialen Maßnahme kann keine Rede sein".
Q: KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme - Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977,S.14 und 21

24.11.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.43 (vgl. 17.11.1976, 1.12.1976)
heraus und berichtet u.a. aus Leverkusen von Bayer (CPK-Bereich) über die Zellen
von KPD und KJVD sowie die 200 Plätze für dauernd arbeitslose Jugendliche und
Hauptschulabgänger ohne Abschluß, die dort u.a. als Büroboten tätig sind.
Q: Rote Fahne Nr.47,Köln 24.11.1976

28.02.1977:
Die Zelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD (CPK-Bereich - vgl. Apr. 1977)
berichtet spätestens von heute:"
Ende Februar 1977 wurde der Jugendarbeitskreis der IG-Chemie geschlossen".

Über die SDAJ der DKP heißt es:"
Es waren die Teamer der 'S'DAJ, die seit Wochen auf den Schulungen gegen die
angebliche 'Untätigkeit' des Jugendarbeitskreises hetzten, bloß weil sie dort
keine neuen Mitglieder gewinnen konnten!"
Q: KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme - Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977,S.12 und 14

April 1977:
Die Jugendbetriebszelle Bayer Leverkusen des KJVD der KPD gibt die
Dokumentation "KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme - Bayers Geschäft
mit der Arbeitslosigkeit" mit 24 Seiten DIN A 5 unter Verantwortung von
Stephan Siebenkäs, Dortmund, Münsterstr., zum Preis von 30 Pfennig mit
folgendem Vorwort heraus:"
KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN!

Mit dieser Broschüre enthüllt die Jugendbetriebszelle Bayer-Leverkusen des
KJVD, wie die Bayer-Kapitalisten die hohe Arbeitslosigkeit und
Jugendarbeitslosigkeit ausnutzen, um die Ausbeutung der Jugendlichen ins
Unermeßliche zu steigern. Angesichts von 1,6 Millionen Arbeitslosen in der
BRD, darunter über 250 000 Jugendliche, angesichts von 9 133 Arbeitslosen
alleine in Leverkusen, darunter 806 Jugendliche, schwätzt einer der größten
Monopolkonzerne der BRD von sozialen Maßnahmen zur 'Linderung der
Jugendarbeitslosigkeit'.

Unter hochtrabenden Titeln wie 'Ausbildung durch 'Lernen und Tun'' und:
'Ausbildung im 'Haushaltsjahr' für Mädchen' werden in Wahrheit neue
Arbeitsmaßnahmen zur schlimmsten Ausbeutung von 14- und 15-jährigen
Schulabgängern eingeführt.

Den meisten Arbeitern, Jungarbeitern und Lehrlingen sind diese sogenannten
'sozialen Maßnahmen' noch unbekannt, denn die entsprechenden Pläne werden von
den Bayer-Kapitalisten und dem Betriebsrat wohlweislich verheimlicht.

Das Vorgehen der Bayer-Kapitalisten zeigt:

Es ist notwendig und dringlich, gerade im Kampf gegen die elende Lage der
jugendlichen Arbeitslosen, besonders auch der Mädchen und die rapide
Verschlechterung der Ausbildung, die Aktionseinheit unter allen
fortschrittlichen Jugendlichen und Jugendorganisationen herzustellen - über
weltanschauliche Differenzen hinweg!

Die Broschüre der Jugendbetriebszelle Bayer-Leverkusen des KJVD ist ein
Beitrag dazu."

Im ersten Kapitel heißt es:"
LERNEN DURCH TUN:

AUSBILDUNG ODER AUSBEUTUNG?

1.

Bayer hat ein sogenanntes 'Ausbildungsprogramm für Jugendliche ohne
Hauptschulabschluß' entwickelt. Was steckt hinter diesem Programm?

'Jugendliche ohne Hauptschulabschluß sollen durch ein gezieltes dreijähriges
Programm so eingesetzt und gefördert werden, daß sie die Kenntnisse und
Fertigkeiten eines qualifizierten Chemiearbeiters im Sinne des Tarifvertrages
der chemischen Industrie von Nordrhein erlangen…'

Das hört sich nach Ausbildung an. Doch in Wirklichkeit ist ein qualifizierter
Chemiearbeiter im Sinne des Tarifvertrages nichts anderes als ein Arbeiter,
der fähig ist, in der Chemie zu arbeiten. Jeder, der das 1 1/2 Jahre lang
macht, ist - zumindest nach der Tarifregelung - qualifizierter
Chemiearbeiter!

2.

Was soll der Jungarbeiter nach Bayers Vorstellung lernen?

'Kennenlernen und Pflegen von Werkzeugen - Kennenlernen des Werkes durch
Botengänge - Anwendungsorientierter Umgang mit Rohrleitungsteilen - Helfen
beim Beschicken und Entleeren von Reaktionsbehältern - Helfen beim
Aufbereiten von Produkten - Transport von Feststoffen, Flüssigkeiten und
Gasen…'

Das heißt:

Die 'Auszubildenden' sind Botenjungen und Handlanger in der Produktion. Der
'anwendungsorientierte Umgang mit Rohrleitungsteilen' sieht dann in der
Praxis so aus, daß man angeraunzt wird: 'He, hol mal das Rohr aus dem
Kabuff!'

Und aus 'Transport von Feststoffen, Flüssigkeiten und Gasen' wird dann das
Wegschieben von schweren Wagen und das Wegbringen von irgendwelchen Fässern.

'Ausbildung' wird das ganze nur genannt, weil das neue
Jugendarbeitsschutzgesetz (JuArschG,d.Vf.) ausdrücklich jede Dreckarbeit
gestattet, 'wenn es der Ausbildung dient'. Bayer zeigt, wie das gemeint ist!

3.

'Während des ersten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in den Werkstätten des
Werkes Leverkusen. es sollen in etwa die praktischen Kenntnisse und
Fertigkeiten des ersten Ausbildungsjahres des Betriebsschlossers erworben
werden…'

Im zweiten Jahr:

'Während des zweiten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in den Betriebslabors
ausgewählter Produktionsbetriebe…'

'Während des dritten Einsatzjahres erfolgt der Einsatz in ausgewählten
Produktionsbetrieben…'

Jeder ungelernte Kollege wird bereits nach 1 1/2 Jahren in Lohngruppe III
eingestuft. Die Bayerkapitalisten sparen also: Bei ca. 300 Jugendlichen spart
Bayer in einem Jahr ca. 2 1/2 Millionen DM an Geldern für Hilfskräfte ein.
Das könnte der Konzern nicht, würde er das ganze nicht 'Ausbildung' nennen.
So aber streicht er außerdem noch von der SPD-Landesregierung
Unterstützungsgelder für die 'Beschaffung von Ausbildungsplätzen' ein. Der
'Stadtanzeiger' vom 25.3.1977 berichtet: 'Um den Anteil der jugendlichen
Hilfsarbeiter zu verringern, sollen Arbeitgeber 250 DM monatlich erhalten,
wenn sie mit einem Jugendlichen einen Betreuungsvertrag für längstens ein
Jahr abschließen.' Für die Ausbeutung von Jugendlichen vom 15.Lebensjahr an
erhält Bayer bei 300 Jungarbeitern im Jahr ca. 800 DM vom Staat! Zusammen mit
dem gesparten Geld für die Hilfskräfte macht das ca. 3,3 Millionen DM! (…)

4.

'Über das Ergebnis der Einsatzschritte und über das Ergebnis der
Gesamtmaßnahme erstellt die Personalabteilung auf der Basis der Äußerungen
des Betriebsleiters und des Betreuers ein Zeugnis…'

Dieses Zeugnis ist für die Jugendlichen einen Dreck wert. Der Ausbildungsgang
ist Bayer-intern und nirgends anerkannt. Und weiter: Die Zeugnisse werden auf
der Grundlage von Personalbeurteilungsbögen hergestellt, die nach dem Prinzip
ausgefeilt wurden, ob sich die Jugendlichen willenlos der kapitalistischen
Arbeitsdisziplin unterordnen.

Da der Konzern mit diesen Bögen bezeichnenderweise nicht rausrückt, haben wir
einen Beurteilungsbogen aus dem Siemenskonzern abgedruckt, der sich von dem
bei Bayer nicht wesentlich unterscheidet.
5.

'Ergibt sich im rahmen der persönlichen Entwicklung des Jugendlichen die
Möglichkeit, ein Berufsausbildungsverhältnis einzugehen, so soll der Abschluß
eines Berufsausbildungsvertrages von allen beteiligten Stellen möglichst
gefördert werden…'

Das heißt auf gut deutsch: die Jugendlichen sollen kuschen und ja keinen
Widerstand leisten. Aber selbst wenn ein Kollege noch so 'brav' ist, wird
Bayer nur wenige ins Lehrverhältnis übernehmen. Der Konzern hat entgegen
seinen offiziellen Bekanntmachungen die Lehrstellen 1976 von 3 000 auf 2 800
gekürzt. Im Betriebsratsbericht schreibt BR-Vorsitzender Weber, daß die
Nichtübernahmen zunehmen werden. Das Versprechen auf eine Lehre ist ein
hohles Geschwätz, mit dem die Kollegen unter Druck gesetzt werden, nach dem
Motto: 'Wenn Du Dich nicht anpaßt, bekommst Du auch keine Lehrstelle!'

6.

'Die schulische Betreuung erfolgt in jeweils für diese Maßnahme
einzurichtenden Jahrgangsklassen an der Bayer-Berufsschule…'

Die Gruppenstunden gab es bisher schon für Jungarbeiter, die eine Lehre
machen wollen und für Lehrlinge mit schlechten Noten. Dort sollen
'demokratische' Verhaltensweisen 'eingeübt' werden. Praktisch sieht das aber
so aus, daß jede Äußerung der Opposition oder des Unwillens bis hin zur
politischen Haltung von den Sozialarbeitern festgehalten wird und bei den
Personalunterlagen zur 'Beurteilung' landet!

7.

'Die sicherheitstechnische Unterweisung erfolgt halbjährlich durch einen
Beauftragten des Betriebes in Anwesenheit eines Vertreters des
Arbeitsschutzes…'

Damit wird unverhohlen zugegeben, daß die Jugendlichen in der Ausbildung in
der Produktion eingesetzt werden und mit gesundheitsgefährdenden Stoffen
hantieren müssen, obwohl das angeblich laut Jugendarbeitsschutzgesetz
verboten ist. Um des Profits für die Bayer-Kapitalisten willen, werden die
jungen Kollegen der Gefahr ausgesetzt, sich gesundheitliche Schäden zu holen,
wie das ja auch jetzt schon häufig bei den erwachsenen Kollegen der Fall ist.

8.

'Das vorliegende Programm knüpft an die vorwiegend praktische Begabung dieser
Jugendlichen an. Das Lernen soll weitgehend über die Methode 'Vormachen,
Nachmachen, Einüben' erfolgen. …Von theoretischen Erklärungen ohne
konkreten Bezug zum betrieblichen Handeln ist abzusehen…'

Das Programm folgt der 'Lernmethode': 'Vormachen, Nachmachen, Einüben!'

Das soll für die Jugendlichen 'mit vorwiegend praktischer Begabung' gut sein.
Anders herum ausgedrückt heißt das: Die Jugendlichen des Kurses werden für
leicht schwachsinnig gehalten und können nur praktische Tätigkeiten ausüben.
Und hinter dem wissenschaftlichen Wort 'Lernmethode' steckt nichts anderes
als das Vormachen von den miesesten und dreckigsten Arbeiten.

Wenn jemand einen Lehrling einen Eimer Wasser umschmeißen läßt, nachdem er es
selber auch gemacht hat, ist das im Prinzip auch die 'Lernmethode':
'Vormachen, Nachmachen, Einüben'!

Brutale Ausbeutung unter dem Deckmantel des 'Ausbildungsprinzips'. Das steckt
hinter dieser 'Lernmethode'!

FAZIT:

Auf schamlose Weise nutzt der Bayer-Konzern die gegenwärtige Arbeitslosigkeit
aus. Jugendliche werden für ein Taschengeld in die Produktion gesteckt und
haben dort Arbeiten zu verrichten, die sonst ein Arbeiter machen würde. Auf
diese Weise werden die Löhne der Hilfsarbeiter gedrückt, weil ein
'Auszubildender' ja billiger ist.

Darüber hinaus werden unsere Steuergelder vom Staat den Bayer-Kapitalisten in
den Rachen geschmissen. Das nennt die SPD-Landesregierung dann
'Ausbildungsplatzförderung'. In Wirklichkeit aber wird die Verschärfung der
Ausbeutung, die weitere Verelendung der Arbeiterklasse gefördert.

Durch das Programm werden Jugendliche vom 15.Lebensjahr an
gesundheitsgefährdende Produktionsabläufe gesetzt, was für Jugendliche in
diesem Alter sehr gefährlich sein kann. Sie sollen als billige Hilfskräfte an
die Stelle älterer Kollegen treten und durch die zahlenden Niedrigstlöhne
mehr Profit für den Konzern erbringen."

Der zweite Abschnitt berichtet über:"
DAS 'HAUSHALTSJAHR'

DIENSTMAGD FÜR BAYER!

Im sogenannten 'Haushaltsjahr' bei Bayer werden bis zum Juni 1977 12 Mädchen
beschäftigt. Diese angebliche 'Maßnahme zur Linderung der
Jugendarbeitslosigkeit' wird vom Arbeitsamt finanziert als 'Ausbildung'.
Sehen wir uns die Bayer-Pläne an:

Zur Arbeit im Restaurant heißt es: 'Allgemeine Vorbereitungsarbeiten, z.B.
holen bzw. putzen von Porzellan, Gläsern, Silbertabletts (!), Menagen,
Tischwäsche, …, Wäsche sortieren und zählen, …, Umgang mit Gästen…'

Zur Arbeit in der Restaurationsküche wird gesagt: 'Mitwirkung bei der
Herstellung von Teigen, Cremes, Ei- und Halbgefrorenem, Salaten, Kuchen, …,
Herstellung von Kaffee, Tee, Kakao, …, belegten Broten…'

Im Werksküchenbereich 'dürfen' die Mädchen: 'Vorbereitungsarbeiten wie Gemüse
putzen, Salat putzen, Kartoffeln verlesen, Speiseausgabe (Band), bedienen der
Gasgeräte, …, Reinigung des Arbeitsplatzes,…' verrichten.

'Zu Beginn eines jedes Betreuungsnachmittages Besprechung aktueller
Ereignisse aus Politik, Wirtschaft, Sport sowie aus dem Arbeitsleben der
Mädchen…'

'Mein Arbeitsplatz: Wer kann, wer darf mir im Betrieb etwas sagen?…'

'Sinn und Zweck der Arbeitsordnung…'

'Verantwortung gegenüber Mitmenschen und Gesellschaft…'

'Wie können Streitigkeiten gelöst werden?…'

'Rechte und Pflichten im Arbeitsleben…'

'Was kann für die Gesundheit getan werden - Tabak, Alkohol, Rauschgift.'
(wohlgemerkt: im Chemieriesen Bayer, wo Giftstoffe nur so konzentriert
rumfliegen!)

Mit hochgeschraubten Worten wie 'Menagen' (deutsch: Platzanweisung,
Bedienung) und 'mis en place' (deutsch: Beköstigung, Servieren) soll der
Eindruck einer 'Ausbildung' vermittelt werden. In Wirklichkeit ist den Bayer-
Kapitalisten nichts dreckig genug, was nicht noch als Ausbildung deklariert
wird. Selbst das, was der 'Ausbildungsplan' vorsieht: 'Suppen, Soßen, Fleisch
ansetzen', haben die Kolleginnen in der Praxis noch nicht einmal getan.

In der Werksküche putzen sie seit einem halben Jahr Gemüse und schälen
Kartoffeln.

Die Mädchen sind für Bayer billigste Arbeitskräfte, sie ersetzen erwachsenes
Hilfspersonal, dem Bayer vollen Lohn bezahlen müßte. Stattdessen kassiert
Bayer pro 'Kursteilnehmer' vom Arbeitsamt 500 DM 'Ausbildungskosten' und die
Mädchen werden vom Arbeitsamt nach Ausbildungsförderung bezahlt, die sich am
Einkommen der Eltern bemißt und im Schnitt 150 DM pro Monat ausmacht! Gehen
wir davon aus, daß eine Küchenhilfe bei Bayer im Schnitt 800 DM netto erhält,
dann spart Bayer durch diese Mädchen 134 000 DM Lohnkosten für 9 Monate und
zusätzlich 40 000 DM Sozialversicherungsbeiträge. Zusätzlich erhält der
Konzern noch ca. 4 000 DM Ausbildungsplatzprämien.

Während bei Bayer die Giftstoffe nur so in der Luft liegen, wird den Mädchen
von Rauschgift was erzählt!

Das ist ein unglaublicher Zynismus!

Diese 'soziale' Maßnahme der Bayer-Kapitalisten wirft ein bezeichnendes Licht
auf die Lage der Frauen und Mädchen im Kapitalismus:

Zu Niedrigstlöhnen beschäftigt, als erste in der Krise entlassen, von breiten
Bereichen der Berufsausbildung völlig ausgeschlossen sind sie besonders
entrechtet und unterdrückt.

Die Mädchen im 'Haushaltsjahr' werden von Bayer brutal ausgebeutet! Völlig
entrechtet hin- und hergeschoben zwischen Bayer und Arbeitsamt - ohne
Aussicht auf eine sichere Arbeitsstelle, geschweige denn einen
Ausbildungsplatz, verrichten sie die anfallenden Drecksarbeiten!"

Das dritte Kapitel schildert:"
ZWEI SEITEN EINER MEDAILLE…

Die 3 bis 3 1/2-jährige Lehre wurde auch bei Bayer abgebaut und die
Ausbildung systematisch verschlechtert.

'Bei Bayer werden hochqualifizierte Facharbeiter ausgebildet. Bayer ist ein
Ausbildungsmusterbetrieb. Bayer stellt unabhängig von der jeweiligen
konjunkturellen Lage Jahr für Jahr mehr Auszubildende ein.' So tönen
Geschäftsleitung und Betriebsrat. Gerade jetzt versuchen sie so, die Einheit
von Lehrlingen und Jungarbeitern zu verhindern. Sehen wir uns die Taten der
letzten Jahre an:

ELEKTROBEREICH:

- Für jede Stufe wurde ein eigener Beruf konstruiert. Nach der ersten Stufe
ist man Elektroanlageninstallateur, nach der 2.Stufe
Energieanlagenelektroniker. Pro Stufe blieben in den letzten Jahren ca. 20
Kollegen auf der Strecke, wurden nicht übernommen in die nächste
Ausbildungstufe.

- Die Arbeit an Werkzeugmaschinen (drehen, hobeln, fräsen) wurde aus der
Lehrwerkstatt ausgegliedert und reduziert auf bayerspezifische Einweisungen
im Betrieb.

Der Grundlehrgang 'Metall' wurde um sechs Monate gekürzt. Dagegen ist die
unnötige Länge der Feilarbeit geblieben, denn dies fördert ja bekanntlich die
Disziplin!

- Ausbildungsgänge wie das Errichten von elektrischen Anlagen,
Motorreparaturen usw. wurden auf ein Minimum reduziert.

MESS- UND REGELMECHANIKER

- 1970 wurde die Ausbildung gekürzt auf drei Jahre und geteilt in die
Ausbildung zum 'Meß- und Regelschlosser' und zum 'Meß- und Regelmechaniker'.

- Bohren und Meißeln wurde auf drei Monate gekürzt. Feilen blieb in aller
Länge von sechs Monaten erhalten.

- Grundkenntnisse der Schlosser- und Elektrikertätigkeit wurden eingespart,
ein Berufswechsel ist dadurch weitgehend unmöglich gemacht worden.

- Die Ausbildung in der Lehrwerkstatt wurde insgesamt gekürzt. Vor 1970 war
der Ausbildungsablauf: 1 Jahr Grundlagenausbildung - 1/2 Jahr Grundlagen des
Elektrobereichs - 1/2 Jahr Grundlagen im pneumatischen Bereich - 4 Monate
Betrieb und zum Schluß technisches Praktikum. Heute: Reduzierung der
Ausbildung in der Lehrwerkstatt auf insgesamt 12 Monate - die restlichen zwei
Jahre Arbeit und Ausbildung in der Produktion.

- Insgesamt soll dieser Ausbildungsberuf aufgeteilt werden in:
Maschinenzusammensetzer (nach 1 1/2 Jahren), Teilezurichter (nach 2 Jahren),
Gerätezusammensetzer (ebenfalls nach 1 1/2 Jahren).

- Nach Webers Bericht vom März 1977 sollen im Sommer zwölf Lehrlinge nicht
übernommen werden in ein Arbeitsverhältnis.

CHEMIEBEREICH

- Die einheitliche Ausbildung zum Chemielaboranten (3 1/2 Jahre) wurde
geteilt in die Ausbildungsabschnitte 'Chemiewerker oder Chemiejungwerker'
(zwei Jahre) und Chemielaborant (3 ODER 3 1/2 Jahre).

- Auch hier wurde die Zeit der Ausbildung in der Lehrwerkstatt und die
Aneignung von Grundkenntnissen verwandter Bereiche eingeschränkt.

FAZIT:

Was haben die Kapitalisten nicht alles versprochen, als sie den Stufenplan
mit aktiver Unterstützung der Gewerkschaftsführer einführten:

'Konzentrierung der Ausbildung, Abschaffung der ausbildungsfremden Arbeiten,
Förderung der individuellen Leistungsfähigkeit, höhere Qualität der
Ausbildung insgesamt.' Was aber ist herausgekommen, zum Beispiel bei der
Bayer-AG?

- Der Stufenplan hat keine Qualifizierung der Ausbildung gebracht, sondern er
hat gerade die qualifizierte Ausbildung verringert. Ständig wächst der Druck,
die Ausbildung nach zwei Jahren abzuschließen und ist man nicht willig, so
gibt es ja noch Zwischenprüfungen. Mit dem Stufenplan hat begonnen, was jetzt
bei 'Lernen durch tun' angelangt ist: Abbau einer qualifizierten
Berufsausbildung für die Masse der Arbeiterjugend zugunsten einer 'Anlehre'
und direktem Einsatz in der Produktion.

- Der Stufenplan hat die ausbildungsfremden Arbeiten nicht abgeschafft. Dafür
aber wurde die Arbeit in der Produktion gesteigert.

- Das Abschaffen von 'Leerläufen' wurde zur Ausrichtung der Ausbildung auf
die bayerspezifischen Produktionsanlagen und dem Abbau qualifizierter
allgemeiner Berufskenntnisse und Sachkenntnisse, die einen
Arbeitsstellenwechsel ermöglichen und eine wesentliche Garantie dafür, im
Kampf für einen Existenzlohn sich behaupten zu können, waren.

- Der Stufenplan hat auch keine besseren individuellen Lernbedingungen
geschaffen. Im Gegenteil: Leistungsdruck, Disziplinierungsmaßnahmen und die
Spaltung sind gestiegen. So wurden Kollegen mit schlechten Berufsschulnoten
zu Weber (!) zitiert, wo sie in Einzelgesprächen eingeschüchtert wurden.

- Die Einführung von Beurteilungsbögen macht die Bespitzelung durch die
Vorgesetzten offiziell. Wer nicht kuscht, hat schon verschissen - dieser
Eindruck soll sich uns Tag für Tag einhämmern bis er in Fleisch und Blut
übergegangen ist.

- Die theoretische Ausbildung sollte durch den Stufenplan ebenfalls besser
werden. Doch die Einführung des Blockunterrichts hat die Trennung von Theorie
und Praxis der Ausbildung bis zur Absurdität gesteigert. Die Regelung, am
zweiten Berufsschultag noch arbeiten zu müssen, zeigt überdies, wie ernst den
Bayer-Kapitalisten unsere theoretische Ausbildung ist.

- Ab 1977 sind alle Hauptschüler verpflichtet, in einem Jahr die Berufsschule
zu besuchen. Anschließend sind sie von der Berufsschulpflicht 'entbunden' und
können die ganze Woche für die Kapitalisten schuften.

Mit dieser Regelung hat die SPD-Regierung dann endlich die leidige
Geschichte, daß die Kapitalisten uns von der Ausbeutung 'freistellen' mußten
für die Berufsschule, zu den Akten gelegt.

Stufenausbildung - das ist: ABBAU DER QUALIFIZIERTEN AUSBILDUNG UND DADURCH
WENIGER LOHN UND WENIGER MÖGLICHKEITEN, DEN ARBEITSPLATZ WECHSELN ZU KÖNNEN!

Stufenausbildung - das ist: VERSCHÄRFTER EISTUNGSDRUCK, POLITISCHE
ENTRECHTUNG UND VERTIEFUNG DER SPALTUNG!

Stufenplan - das ist: PROFITSTEIGERUNG AUF UNSERE KOSTEN!"

Gefragt wird:"
WOFÜR KÄMPFT DER KJVD?

Die Maßnahmen des Bayer-Konzern zur verschärften Ausbeutung und Unterdrückung
der Arbeiterjugend beweisen, was Lenin als Ergebnis seiner Analyse der
Entwicklung des Kapitalismus zum Monopolkapitalismus sagte:

'Der Imperialismus bedeutet Reaktion auf der ganzen Linie!'

Brutal wird die elende Lage der arbeitslosen Jugend ausgenutzt, um billigste
Arbeitskräfte zu beschaffen!

Die Verschlechterung der Ausbildung, die politische Entrechtung betrifft die
gesamte Arbeiterjugend, ja die ganze Arbeiterklasse - es sollen die
Bedingungen verschlechtert werden, unter denen wir unsere Arbeitskraft
verkaufen können! Lohnraub, Arbeitslosigkeit, Verschlechterung der Ausbildung
und verschärfte politische Entrechtung und Unterdrückung - diese Entwicklung
ist ein gesetzmäßiges Übel des kapitalistischen Systems, in dem der Profit -
die 'Investitionslust' einiger Kapitalisten - im Mittelpunkt steht!

Keine Demagogie ist zynisch und abgeschmackt genug, als daß die Kapitalisten
sie nicht noch einsetzten zur Verschleierung der Tatsachen!

Die Konkurrenz zwingt die Kapitalisten, die Ausbeutung der Arbeiterklasse
ständig zu steigern. Dabei sind Monopolkonzerne wie die Bayer AG aufgrund
ihrer Kapitalkonzentration die Schrittmacher und Nutznießer.

Der einzige Ausweg aus dem System von Arbeitslosigkeit, Krisenwirtschaft und
politischer Unterdrückung ist der Kampf für die proletarische Revolution, für
ein UNABHÄNGIGES, VEREINTES UND SOZIALISTISCHES DEUTSCHLAND!

Denn erst wenn die Arbeiterklasse die Macht in den Händen hält, wird es das
Elend der Arbeitslosigkeit und der stumpfsinnigen Hilfsarbeiten und der
ständig steigenden Arbeitshetze nicht mehr geben. Dann wird die Steigerung
der Produktion für die Arbeiterklasse und die Arbeiterjugend nicht mehr
gleichbedeutend sein mit verschärfter Ausbeutung und Unterdrückung, sondern
Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen und der Ausbildung bedeuten!
Denn im Sozialismus steht der Mensch im Mittelpunkt aller gemeinsamen
Anstrengungen!

DAFÜR KÄMPFEN KPD UND KJVD!

AKTIONSEINHEIT!

FÜR DIE AKTIONSEINHEIT GEGEN JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND VERSCHLECHTERUNG DER
AUSBILDUNG!

Eine Arbeiterjugend, die unfähig ist zu kämpfen, weil gespalten und zermürbt
im Wettlauf um eine Arbeits- und Lehrstelle, in der Konkurrenz jeder gegen
jeden, um vielleicht doch noch die 2. oder 3.Ausbildungsstufe zu erreichen…

Arbeiterjugendliche, die als billigste Hilfskräfte für die Kapitalisten in
der ständigen Angst leben, bei der nächsten Krise auf die Straße zu fliegen,
ohne Hoffnung, jemals eine Berufsausbildung zu erhalten…

Eine Arbeiterjugend, die sich deshalb mit jeder Entrechtung und Unterdrückung
abfindet…

…DAS WOLLEN DIE BAYER-KAPITALISTEN - DAS WILL DIE KAPITALISTENKLASSE!

DOCH WO UNTERDRÜCKUNG IST, DA IST AUCH WIDERSTAND!

Zahlreiche arbeitslose Jungen und Mädchen weigerten sich, sich in die Bayer-
Maßnahmen vermitteln zu lassen. Nur mit Hilfe des Kölner Arbeitsamtes kamen
zwölf Kolleginnen für das 'Haushaltsjahr' zusammen!

Immer lauter wird der Protest gegen die Berufsschulregelung, die uns zwingt,
am 2.Berufsschultag anschließend noch zu arbeiten!

Der massive Druck bei den Zwischenprüfungen im vergangenen Jahr hat auch
Kolleginnen und Kollegen gezeigt, die bisher noch der Meinung waren, 'Ruhe
und Gefügigkeit' garantierten ihre Ausbildung, daß 'Ruhe und Ordnung' der
beste Dienst ist, den die Bayer-Kapitalisten sich zur Durchsetzung ihrer
Maßnahmen wünschen können!

Oder waren die ca. 1 500 Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten beiden
Jahren wegrationalisiert wurden, alles 'Unruhestifter' - ganz zu schweigen
von den zahllosen Umsetzungen?

WAS BEWEIST SCHLAGENDER, DASS ES ZWISCHEN UNS UND DEN KAPITALISTEN KEINE
GEMEINSAMEN INTERESSEN, KEINEN 'GEMEINSAMEN WEG AUS DER KRISE' GIBT?

Ein Beispiel für den Weg, den WIR einschlagen müssen, gaben die Lehrlinge des
Chemiekonzerns BASF (in Ludwigshafen - vgl. S11.**.197*, S11.**.197*,d.Vf.).
Im Kampf gegen drohende Nichtübernahmen sprachen sich über 1 000 Lehrlinge
für aktiven Widerstand aus und demonstrierten zweimal auf dem Werksgelände!

In Köln streiken seit über vier Wochen arbeitslose Jugendliche der
'Jugendwerkstatt - Ehrenfeld', einer sogenannten 'Berufsfördermaßnahme' der
Stadt, gegen einen Hungerlohn von 5 DM täglich und solch 'sinnvolle' Arbeiten
wie die Reparatur des Tretautos vom Sohn des zuständigen Sozialdezernenten
Körner oder die Reparatur von Schrottautos, die anschließend wieder zu
Schrott gefahren wurden, um sie erneut zu 'reparieren'. Seit Einrichtung der
Maßnahme wurde noch kein einziger Jugendlicher in eine Lehrstelle vermittelt!

Auch wir müssen - LEHRLINGE ND JUNGARBEITER GEMEINSAM - unseren Protest
organisieren!

Der KJVD tritt ein für die Aktionseinheit aller, die gegen die
Verschlechterung der Ausbildung, gegen Jugendarbeitslosigkeit und ihre
Ausnutzung zur Einstellung billigster Arbeitskräfte, gegen verschärfte
politische Unterdrückung und Entrechtung kämpfen wollen.

Wir fordern alle Lehrlinge und Jungarbeiter, Jungen und Mädchen, und die
erwachsenen Kolleginnen und Kollegen auf: Diskutiert die folgenden
Forderungen:

- EINE DREIJÄHRIGE LEHRE FÜR JEDEN JUGENDLICHEN!

- WEG MIT DEM 'LERNEN DURCH TUN'-PROGRAMM - ÜBERNAHME ALLER JUGENDLICHEN IN
EIN LEHRVERHÄLTNIS!

- DIE JUGENDLICHEN OHNE HAUPTSCHULABSCHLUSS MÜSSEN DIE MÖGLICHKEIT ERHALTEN,
DIESEN NACHZUHOLEN! Z.B. DURCH EINEN ZUSÄTZLICHEN SCHULTAG PRO WOCHE…

- KEIN EINSATZ IN GESUNDHEITSGEFÄHRDENDEN PRODUKTIONSBEREICHEN!

- WEG MIT DER STUFENAUSBILDUNG!

- SCHLUSS MIT ZWISCHENPRÜFUNGEN UND TEILABSCHLÜSSEN - ALLE LEHRLINGE MÜSSEN
DREIJÄHRIG AUSGEBILDET WERDEN!

- GEGEN POLITISCHE UNTERDRÜCKUNG UND GEGEN ALLE SPALTUNGSMANÖVER!

- ÜBERNAHME ALLER LEHRLINGE NACH DER AUSBILDUNG IN EIN ARBEITSVERHÄLTNIS!

- KAMPF DEN NICHTÜBERNAHMEPLÄNEN BEI DEN MESS- UND REGELMECHANIKERN!

- FREISTELLUNG VON DER ARBEIT ALLER JUGENDLICHEN AN ALLEN SCHULTAGEN!

- UMWANDLUNG ALLER 'BERUFSFÖRDERMASSNAHMEN' UND 'BERUFSFINDUNGSKURSE' IN
DREIJÄHRIGE LERHSTELLEN!

- WEG MIT DEM 'HAUSHALTSJAHR' - LEHRSTELLEN FÜR ALLE BETROFFENEN MÄDCHEN!

- EXISTENZLOHN FÜR LEHRLINGE, HEUTE 700 DM!

- SOFORTIGE AUSZAHLUNG DES ARBEITSLOSENGELDES OHNE ALLE SPERRFRISTEN FÜR
ALLE ARBEITSLOSEN JUGENDLICHEN IN HÖHE DES EXISTENZLOHNES, HEUTE 700 DM!"

Bekanntgegeben wird:"
DIE GEWERKSCHAFTSFÜHRER STEHEN AUF DER SEITE DES KAPITALS!

Glaubt man diesen 'Interessensvertretern der Arbeitnehmer', so ist mit 'mehr
Hilfsprogrammen', 'gezielter Investitionslenkung' und 'Mitbestimmung' die
nächste Krise schon vergessen. Ihr beständiger Tenor ist: 'Gemeinsam mit der
Regierung müssen wir die Schwierigkeiten meistern.'

Was anderes als 'gezielte Investitionslenkung' war die Verwendung von mehr
als 40 Milliarden Steuergeldern zur Rationalisierung in den Großbetrieben
denn?

'Mehr Hilfsmaßnahmen' - wir sollen wohl noch mehr Millionen aus der
Arbeitslosenversicherungskasse widerstandslos den Kapitalisten zur Verfügung
stellen?

Die konzentriertesten Massenentlassungen in der BRD, wo fanden sie denn statt
- im 'mitbestimmten' Bergbau (IGBE-Bereich,d.Vf.)!

Kein Geringerer als Weber ('Berufsbetriebsratsvorsitzender') stellt sich in
seinem Bericht an die Versammlungen im März voll und ganz hinter die
Maßnahmen der Bayer-Kapitalisten zur 'Linderung der Jugendarbeitslosigkeit'!
Uns will er mit Lügen wie 'das Ganze ist ja noch nicht verabschiedet' vom
Kampf abhalten, während schon der zweite Schub Jugendlicher vom Arbeitsamt
vermittelt wurde!

Seit Jahren sorgen die Gewerkschaftsführer in den Tarifrunde dafür, daß die
Kapitalisten auf unsere Kosten ihre Profite sanieren. Lohnraubabschlüsse
werden in Gesprächen hinter verschlossenen Türen 'hart erkämpft', deren Höhe
schon Monate vorher in den Sitzungen der 'Konzertierten Aktion' von
Kapitalisten, Regierung und Gewerkschaftsführung beschlossen wurden!

Immer dann, wenn es den Gewerkschaftsführern nicht gelingt, uns auf
Klassenversöhnung, sprich 'Sozialpartnerschaft' festzulegen, schreiten sie
zur offenen politischen Unterdrückung:

Ende Februar 1977 wurde der Jugendarbeitskreis der IG-Chemie geschlossen
(vgl. 28.2.1977,d.Vf.), noch während der Betriebsratswahlen 1975 (BRW - vgl.
26.5.1975,d.Vf.) wurde die gesamte Liste 2 klassenbewußter Kandidaten aus der
IG Chemie ausgeschlossen (UVB,d.Vf.)!

Die Politik der Gewerkschaftsführung zeigt:

WIR MÜSSEN DEN SELBSTÄNDIGEN KAMPF AUFNEHMEN - OHNE UND GEGEN DIE
GEWERKSCHAFTSFÜHRUNG!

Wir müssen die Forderung erheben:

GEGEN POLITISCHE ENTLASSUNGEN, GEWERKSCHAFTSAUSSCHLÜSSE UND BERUFSVERBOTE
(BV,d.vf.)!

REDE- UND VERSAMMLUNGSFREIHEIT DER ARBEITER UND IHRER ORGANISATIONEN IM
BETRIEB, AUF DER STRASSE UND IM ARBEITSAMT!

Um die Einheit von Arbeitenden und Arbeitslosen zu sabotieren, verhindern die
reaktionären Gewerkschaftsführer die gewerkschaftliche Organisierung all
derer, die noch nicht gearbeitet haben:

UNEINGESCHRÄNKTES RECHT ALLER ARBEITSLOSEN AUF GEWERKSCHAFTLICHE
ORGANISIERUNG UND UNTERSTÜTZUNG!"

Gewarnt wird vor DKP und SDAJ:"
D'K'P/'S'DAJ - FALSCHE 'FREUNDE'!

Wenn wir den selbständigen Kampf organisieren wollen, müssen wir uns vor
allem aber auch mit falschen Freunden und selbsternannten 'Verbündeten'
auseinandersetzen - der D'K'P und 'S'DAJ!

Gerade in letzter Zeit versuchen sich die D'K'P/'S'DAJ als 'Vorkämpfer' gegen
Jugendarbeitslosigkeit und Verschlechterung der Ausbildung zu profilieren!

Vor dem BDI-Gebäude in Köln (Bund deutscher Industrieller) streiken
'S'DAJ'ler einen Tag 'Hunger' um ein Gespräch mit Schleyer zu 'erzwingen'
(vgl. 21.3.1977,d.Vf.)!

Nachdem sie den Massenentlassungen bei Felten und Guillaume (IGM-Bereich,d.
Vf.) in Köln zugesehen hatten, versuchen sie jetzt eine 'Bürgerinitiative
gegen Arbeitslosigkeit' auf die schon bei F+G breit propagierte Forderung der
Durchsetzung des 'Rechts auf Arbeit' zu verpflichten und preisen den
'Osthandel' als Krisenallheilmittel an (vgl. März 1977,d.Vf.).

Ein Recht auf Arbeit gibt es im Kapitalismus nicht. Die Anarchie der
Produktion, der Zwang billiger zu produzieren als der Konkurrent bedeutet
immer: Steigerung der Arbeitshetze, Einsparung von Arbeitsplätzen und
Verschlechterung der Ausbildung - verschärfte Ausbeutung!

DIE GESETZMÄSSIGEN KRISEN AUF UNSEREN RÜCKEN ABWÄLZEN, IST JA DAS MITTEL DER
KAPITALISTEN, IHRE PROFITE ZU SANIEREN!
Und der 'Osthandel', was hat er den Mannesmannarbeitern (MM, IGM-Bereich,d.
Vf.) in Düsseldorf Anderes gebracht als Rationalisierung und Steigerung der
Arbeitshetze, damit die Kapitalisten den Röhrenauftrag der Sowjetunion
(SU,d.Vf.) erfüllen konnten?

Mit der Parole nach der Durchsetzung des 'Rechts auf Arbeit' und der
Einhaltung des 'Grundgesetzes' (GG,d.Vf.) streuen die D'K'P/'S'DAJ-Führer
bewußte Falschmeldungen unter die Leute. 'Der kapitalistische Staat ist für
die Arbeiterklasse nutzbar, dienstbar zu machen - wenn erst DKPler in den
entsprechenden Gremien, im Bundestag sitzen.' Wir sollen diese 'Genossen an
die Schalthebel der Macht, an die Schalthebel der Macht über uns, an denen
die Kapitalisten und Gewerkschaftsführer schon sitzen, tragen.

Doch ihr marxistisches Mäntelchen kann nicht verbergen: Der kapitalistische
Staatsapparat offenbart tagtäglich, wie das Arbeitsamt Manfort, das er ein
Instrument der Kapitalistenklasse ist! Die 'Einheit der Gewerkschaften', die
sie immer wieder beschwören - es ist die Einheit der D'K'P/'S'DAJ-Führer mit
den Gewerkschaftsführern.

Es waren die Teamer der 'S'DAJ, die seit Wochen auf den Schulungen gegen die
angebliche 'Untätigkeit' des Jugendarbeitskreises hetzten, bloß weil sie dort
keine neuen Mitglieder gewinnen konnten!

In der 'Pille', der D'K'P-Betriebszeitung (vgl. 8.11.1976,d.Vf.) steht: 'Es
ist zu begrüßen, daß Bayer auch in diesem Jahr Jungarbeiter einstellt. Aber
von einer besonderen sozialen Maßnahme kann keine Rede sein….' Sie sind für
die 'Lernen durch Tun-Maßnahmen'! Ihre 'Sorge' beim 'Haushaltsjahr' ist: 'Wer
kontrolliert die Ausbildung?' (…)

Kein Trick ist ihnen zu billig, um über ihre wahren Absichten
hinwegzutäuschen! Als 'Reaktion einer empörten Bürgerin' schreibt Edeltraut
Busalt auf die 'Hungerstreikaktion' ihrer 'S'DAJ einen Leserbrief an den
Kölner Stadtanzeiger (KStA,d.Vf.):

'HUNGERSTREIK

WEIT GEKOMMEN

Soweit sind wir also mit der Sozialen Marktwirtschaft gekommen: Ein
Hungerstreik ist notwendig, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen auf
die Schwierigkeiten, die Jugendliche haben, einen Ausbildungsplatz oder einen
Arbeitsplatz zu bekommen (Ausg. v. 22.3.1977).

Es ist an der Zeit, daß die Öffentlichkeit verstärkt die Forderungen der
Gewerkschaften nach Ausbildungsplätzen für alle Jugendlichen und Abbau der
Arbeitslosigkeit aufgreift.

Edeltraut Busalt und sechs weitere Unterschriften, Leverkusen'

MIT DER D'K'P/'S'DAJ KANN ES KEINE EINHEITE, KEINE GEMEINSAMEN AKTIVITÄTEN
GEGEN JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND DEQUALIFIZIERUNG GEBEN!

Der KJVD tritt ein für: VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT!

EINHEIT VON LEHRLINGEN UND JUNGARBEITERN, VON JUGENDLICHEN UND ERWACHSENEN,
VON ARBEITENDEN UND ARBEITSLOSEN!

Nutzt die Möglichkeiten der Berufsschule, um gemeinsam - Lehrlinge und
Jungarbeiter - Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit und Dequalifizierung zu
beraten. Überwindet die Isolation der 'Lernen durch tun'-Teilnehmer in den
Sonderklassen an der Berufsschule!

Macht den erwachsenen Kolleginnen und Kollegen die Bayer-Maßnahmen bekannt!

SOFORTIGE VERÖFFENTLICHUNG ALLER PLÄNE DER BAYER-KAPITALISTEN und der
entsprechenden Absprachen mit dem Betriebsrat!!!"

Es folgen Dokumente, zunächst ein Beurteilungsbogen von Siemens
(IGM-Bereich), sodann von Bayer das Ausbildungsprogramm für Jugendliche ohne
Hauptschulabschluß (vgl. 19.10.1976) und der Ausbildungsplan für Mädchen im
Haushaltsjahr bei Bayer (vgl. 19.10.1976), ein Auszug aus der 'Pille' der DKP
bei Bayer (vgl. 8.11.1976), Auszüge aus der 'Kämpfenden Jugend' (KJ) des KJVD
vom Nov. 1976 zu den Rahmenrichtlinien in NRW und aus dem Maiaufruf der KPD
sowie eine Anzeige des Arbeitsamtes Darmstadt (vgl. 19.7.1976).
Q: KJVD-Zelle Bayer Leverkusen:KJVD enthüllt. Neue 'Ausbildungs'Programme - Bayers Geschäft mit der Arbeitslosigkeit,Leverkusen Apr. 1977

Letzte Änderungen: 1.8.2010

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