Herten
Zeche Westerholt/Polsum

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Von der Zeche Westerholt, die bald zur Ruhrkohle AG gehört (vgl. 1.12.1969, 5.12.1969), und mit den Zechen Bergmannsglück und Polsum ein Verbundwerk bildet, lag uns fast allein von der DKP lokales Material in Form ihrer Betriebszeitung 'Die aktuelle Seilscheibe' vor (vgl. Feb. 1972, Apr. 1972, Nov. 1972, Dez. 1972).

Die linke Konkurrenz von der KPD berichtet nur einleitend über die Biographie des Heinz Mross (vgl. 1950, 1960), die KPD/ML-ZB dagegen berichtet zunächst von Westerholt (vgl. 18.1.1971, 22.3.1971), greift dann aber auch dort in die Bergbautarifrunde (BETR) 1971 ein (vgl. 7.4.1971, 12.4.1971, 21.4.1971), ohne sich allerdings durchsetzen zu können. Dafür prangert sie dann den Abschluss wiederholt an (vgl. 22.4.1971, 26.4.1971, 28.4.1971).

Kurz vor den Betriebsratswahlen (BRW) 1972 wird auch die KPD bei Westerholt aktiv (vgl. Jan. 1972, Feb. 1972, März 1972), berichtet auch von der Kurzarbeit (vgl. 21.1.1972) und bald schon ist die erste und auch einzige Bergbauzelle der KPD gegründet (vgl. 10.4.1972), die in die Betriebsratswahlen nach eigenem Dafürhalten erfolgreich eingreift (vgl. 18.4.1972). Die Zelle Westerholt/Polsum spielt innerhalb der KPD eine prominente Rolle, ist der Bergbau doch für die Partei des Proletariats ein wichtiges Kampffeld.

So findet diese Zelle immer wieder Erwähnung in der Presse der KPD (vgl. 19.4.1972, 21.5.1972, 24.5.1972), auch eine eigene Kontaktadresse wird eingerichtet (vgl. 19.4.1972). Dabei untersteht diese einzige Bergbauzelle der KPD aber noch einer Konzernzellenleitung Ruhrkohle (vgl. 8.5.1972, 22.6.1972).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

1950:
Die KPD (vgl. 25.2.1972) berichtet über den IGBE-Funktionär Karl-Heinz Mross (vgl. 1960) aus Westerholt (heute Herten):"
Einige ältere Kumpel werden ihn noch als aktives FDJ-Mitglied kennen. Damals, 1950/1951, war Mross noch entschiedener Gegner der Bergbau-Kapitalisten und wurde auf 'Bergmannsglück' zum Jugendsprecher gewählt."
Quelle: Rote Fahne Nr.37,Berlin 25.2.1972,S.9

1960:
Die KPD (vgl. 25.2.1972) berichtet über den IGBE-Funktionär Karl-Heinz Mross (vgl. Westerholt 1950, 1965):"
Doch schon bald nach dem Verbot der FDJ und der KPD fiel er seinen ehemaligen Genossen und Kumpeln in den Rücken. Während die meisten seiner Genossen den illegalen Kampf führten, distanzierte sich Mross öffentlich von der Sache des Sozialismus und trat in die SPD ein. Als in den Jahren 1960/1961 die Kommunistenhetze einen Höhepunkt erreichte und viele bewährte, klassenbewußte Kumpel aus der IGBE ausgeschlossen wurden (UVB,d.Vf.) - saß Karl-Heinz Mross schon im erweiterten Vorstand der IGBE."
Q: Rote Fahne Nr.37,Berlin 25.2.1972,S.9

30.10.1969:
Die DKP gibt die Nr.31 des Regionalteils NRW ihrer 'Unsere Zeit' (UZ) heraus (vgl. 23.10.1969, 6.11.1969). Berichtet wird u.a. über die Zeche Westerholt in Polsum.
Q: Unsere Zeit NRW Nr.31,Essen 30.10.1969

01.12.1969:
Die IGBE gibt am 15.12.1969 die Betriebsdirektoren für Personal- und Sozialfragen (PS) der RAG bekannt, GRUPPE IV Bergbau AG Herne/Recklinghausen: Westerholt: Josef Reimann.
Q: Einheit Nr.24,Bochum 15.12.1969

05.12.1969:
Die IGBE (vgl. 15.11.1969) berichtet von der Ruhrkohle AG (vgl. 1.12.1969, 8.12.1969), daß heute die Gesamt-Betriebsräte der sieben Betriebsführungsgesellschaften gebildet werden sollen.

Am 15.12.1969 gibt die IGBE die Vorsitzenden der Gesamtbetriebsräte bekannt, Bergbau AG Recklinghausen: Vorsitzender: K. Heinz Mross, Bergmannsglück, Westerholt.
Q: Einheit Nr.22 und 24,Bochum 15.11.1969 bzw. 15.12.1969,S.* bzw. S.*

18.01.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich in dieser Woche von Prosper Bottrop:"
Allgemein kann man sagen, daß auf den Zechen die beginnende Krise bisher nur in einigen Anzeichen zu entdecken ist.
...
Überschichten werden immer noch voll am Samstag und am Sonntag verfahren. Die Schichten am 24.12. wurden vorher rausgeholt, trotzdem wurden auf Westerholt (in Polsum,d.Vf.) z.B. noch Kumpel gesucht für die Kohlenschicht am 24.12. Hier hat sich bisher überhaupt nichts geändert.

Eine erste Andeutung von Halden zeigt sich beim Hüttenkoks:
In unserem Bereich lagen am 31.12. zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder 30 000 t auf Halde, das sind 2 Tagesförderungen (also ziemlich wenig). Hier kann sich die Lage aber schnell verschärfen, da der größte Teil des Hüttenkokses an HOAG und ATH (Hüttenwerke Oberhausen AG bzw. August Thyssen Hütte, beide IGM-Bereich,d.Vf.) geht, und von ihnen abhängig ist."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.7,Bochum 27.1.1971,S.12f

22.03.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet vermutlich aus dieser Woche:"
DEFIZIT BEI DER RAG

Seit einigen Wochen jammern die RAG-Kapitalisten in der bürgerlichen Presse über ihre hohen Verluste. Mit dieser breit angelegten Kampagne versuchen sie die Kollegen bei der Ruhrkohle einzuschüchtern und gerade jetzt in der beginnenden Tarifrunde (BETR,d.Vf.) ihre berechtigten Forderungen zu drücken.
...
Ein anderes Mittel um die Profite zu retten ist die Verstaatlichung. Mross, der Vorsitzende der Gesamtbetriebsräte, sprach bei einer Belegschaftsversammlung der Zeche Westerholt (in Herten - vgl. S6.*.1971,d.Vf.) bereits davon. Dies ist ein übles demagogisches Manöver, das von den Lohndrückereien und den laufenden Verrätereien der rechten Gewerkschaftsbonzen ablenken soll. Verstaatlichung würde im Moment nichts anderes bedeuten als die Sozialisierung der Verluste und damit die Abwälzung auf die werktätige bevölkerung.

Die rechten Gewerkschaftsführer versuchen aber nicht nur mit diesen Mitteln den Profit zu retten, sie unterstützen sogar direkt die Angriffe der Kapitalisten auf die Arbeiterklasse:
Zu dem Krisenprogramm der BAG Oberhausen (... (vgl. Bottrop 8.3.1971,d.Vf.)) haben sich die Gewerkschaftsbonzen bisher mit keinem Wort geäußert."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.25,Bochum 31.3.1971,S.4ff

07.04.1971:
Nach eigenen Angaben der KPD/ML-ZB erscheint zur Bergbau-Tarifrunde (BETR) erstmals ein zentrales 'Extrablatt der RAG-Betriebsgruppen der KPD/ML' (vgl. 21.4.1971) unter der Schlagzeile "Neue Lohnordnung: IGBE schweigt - KPD/ML informiert!" Es wird am 7./8. April vor einigen Zechen im Ruhrgebiet, u.a. Prosper Bottrop (vgl. 7.4.1971), Westerholt Polsum, Holland Wattenscheid (heute Bochum) und Blumenthal Recklinghausen verteilt. Es wird der Entwurf einer neuen Lohnordnung für den rheinisch-westfälischen Steinkohlebergbau (vgl. 1.4.1971) abgedruckt.
Q: Rote Fahne Nr.8,Bochum 26.4.1971,S.5;
Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.5,Bochum Mai 1971,S.2;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.29,Bochum 17.4.1971,S.3f;
KPD/ML-ZB-ZB-Propagandaabteilung:Vorwärts im Geiste des 1. Mai. Aus der Arbeit der KPD/ML. Eine Broschüre für Arbeiter,Westberlin 1971,S.*;
Die Rutsche Nr.4,Dortmund Mai 1971,S.1

07.04.1971:
Das heutige Extrablatt der RAG-Betriebsgruppen der KPD/ML-ZB wird, nach eigenen Angaben, auch auf der Zeche Westerholt in Polsum verteilt.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.30,Bochum 21.4.1971,S.3

12.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet aus dieser Woche:"
KURZKUNDGEBUNG VOR DER ZECHE WESTERHOLT IN WESTERHOLT:

An dieser Zeche hatten wir bisher nur die Rote Fahne verkauft und ein Extrablatt verteilt zur neuen Lohnordnung (vgl. 7.4.1971), was bei den Kollegen eingeschlagen hat. Wir haben hier eine Kurzkundgebung gemacht, um durch die Tarifrunde (BETR,d.Vf.) und den 1.Mai neue Kollegen zu gewinnen, da wir hier eine Betriebsgruppe aufbauen wollen. Die äußeren Bedingungen waren hier sehr gut, wir hatten viel Platz und konnten unsere Transparente und Stellwände gut sichtbar aufstellen. Die Kollegen blieben hier auch gleich lange stehen, sahen sich unsere Parolen und Forderungen an, hörten sich auch unsere Reden bis zu Ende an und diskutierten darüber, die Reaktion war sehr gut.

Nach ca. einer Stunde kamen jedoch die Bullen und verboten uns, den Lautsprecher anzustellen, da wir keine extra Genehmigung hätten; das hat unsere Kundgebung sehr beeinträchtigt.

Wir haben uns jedoch geholfen, indem einige Genossen, die laut schreien konnten, die Parolen und Forderungen sowie die Rote Fahne Werbung laut ausgerufen haben.

Auf das Extrablatt, auf das wir die Kollegen ansprachen, reagierten sie sehr gut; viele empörten sich, daß sie nicht zuvor von der Gewerkschaft informiert worden waren.

Wir haben hier 98 Rote Fahne verkauft und viele Adressen gesammelt.

Die Kundgebung war ein Erfolg und wird uns den Aufbau einer Betriebsgruppe erleichtern, d.h. bestimmt garantieren."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.30,Bochum 21.4.1971,S.3

21.04.1971:
Die KPD/ML-ZB (vgl. 24.4.1971) berichtet von der Verteilung des 'Extrablattes' ihrer RAG-Betriebsgruppen (vgl. 21.4.1971) aus Westerholt:"
BERICHT ZECHE POLSUM

Um 5 Uhr 25 wollte ich vor der Zeche Polsum das Extrablatt 'Kampf dem Lohndiktat' verteilen. Ich fuhr auf den Parkplatz vor der Zeche und ging mit einem Packen Extrablätter vors Tor. Dort standen schon vier Betriebsräte und verteilten das Einheitstelegramm. Als ich vor dem Tor ankam, wurde ich von ihnen auf der Stelle weggejagt, mit der Begründung, daß ich auf Zechengelände stände. Ich verzog mich etwa 15 m vors Zechentor und verteilte unser Extrablatt auf dem Parkplatz. Ich gab jedem Kollegen drei Extrablätter mit der Bemerkung: 'Ich werde von den IGBE-Bonzen vom Tor weggejagt. Verteil zwei Blätter an deine Kollegen.'

Fast alle Kumpel erklärten sich dazu bereit und schimpften auf die Bonzen. Die Kumpels, die mit den Bussen kamen, hielten direkt vorm Tor. Ich sprang jedesmal sofort wenn die Busse hielten hinzu und verteilte das Extrablatt. Solange die Kumpels dabei waren, hielten die Bonzen den Mund, sobald sie aber verschwunden waren, drohte sie mir mit der Polizei. Als eine Flaute im Zustrom der Kumpel eintrat, kam der Betriebsrat auf mich zu und verjagte mich auch vom Parkplatz. In der Zwischenzeit hatte ich ca. 40 Kumpels davon unterrichtet, daß mich die Bonzen vom Zechentor weggejagt hatten. Ungefähr zehn Kumpels, die sich schon umgezogen hatten, kamen aus der Zeche heraus und holten 20 Blätter für ihre Kollegen. Alle hatten schon von dem Zwischenfall mit dem Betriebsrat gehört.

Gegen 6 Uhr kamen die ersten Nachtschichtler aus der Grube und gingen zu den Bussen. Einige kamen 500 m weit zu mir, um mehrere Extrablätter für ihre Kollegen im Bus zu holen. Drei Kumpels nahmen je 30 Stück mit und verteilten sie vor dem Tor, vor den Augen der Betriebsräte. Die Busse, die den Parkplatz verließen, waren voll von Kollegen, die, wenn sie mich sahen, demonstrativ das Extrablatt hochhielten. Wenn in einem Bus nicht alle das Extrablatt hatten, hielt der Bus an und ich konnte einige Blätter im Bus verteilen. Ein Busfahrer sagte mir, daß die IGBE-Bonzen gedroht hatten, mich windelweich zu schlagen, wenn sie mich allein vorm Tor erwischen würden. Auch alle Privatwagen hielten mit heruntergedrehter Scheibe an oder zeigten, daß sie schon das Extrablatt hatten. Ich behielt kein Flugblatt über."

Der KJVD der KPD/ML-ZB (vgl. Mai 1971) berichtet gleichlautend, unter folgendem Kopf:"
KAMPF DEN ANRGIFFEN DER SPD- UND GEWERKSCHAFTSFÜHRER

Die KPD/ML und der KJVD waren die einzigen Organisationen, die die Kumpel sofort nach dem Abschluß des Tarifvertrags im Bergbau über den Verrat der IGM-Bonzen informierten.

Ein Genosse schickte uns einen Bericht über das, was er beim Verteilen des Flugblattes erlebte."
Q: Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.5,Bochum Mai 1971,S.7;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.31,Bochum 24.4.1971,S.3

22.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet von der BETR (vgl. 26.4.1971):"
IGBE-TARIFABSCHLUSS

Die rechten Gewerkschaftsbonzen nach ihrem üblen Verrat (...) jetzt, den Widerstand der Kumpel gegen die neue Lohnordnung und gegen die Durchsetzung des Lohndiktats in den Geheimtarifverhandlungen zu zersplittern und zu schwächen.

In einem Artikel, der am letzten Donnerstag (22.4.) in der Buerschen Zeitung erschien, behaupten sie frech, alle Bergarbeiter seien äußerst zufrieden mit den 7,3%! Unter der Überschrift: 'BERGLEUTE BEGRÜSSEN ERGEBNIS DER 'BLITZ'-TARIFVERHANDLUNGEN' heißt es dort wörtlich:

'Die Bezirksleitung Ruhr-Nordwest der IG Bergbau und Energie ließ gestern in den Betrieben ihres Bereiches über 20 000 Flugblätter verteilen, die über das Ergebnis der geheim geführten Tarifverhandlungen für den Bergbau informierten. An dem Abschluß haben BEZIRKSLEITER HEINZ KOPROWSKI sowie der VORSITZENDE DES GESAMTBETRIEBSRATS der Bergbau AG Herne/Recklinghausen KARL-HEINZ MROSS (Westerholt/Bergmannsglück (in Herten,d.Vf.)) MASSGEBLICH MITGEWIRKT.

Noch während der Nacht besuchte Koprowski die heimischen Zechen, um mit den Bergleuten von Nacht- und Morgenschicht über das Verhandlungsergebnis zu sprechen. Dabei gewann er diese Eindrücke: Die Belegschaft des Verbundbergwerks Bergmannsglück/Polsum/Westerholt ist besonders erfreut darüber, daß die Nachtschichtzulage von 2 DM auf 4 DM erhöht worden ist. AUCH DIE TATSACHE, DASS ausgehend von der neuen Lohnordnung (die die bisherigen übertariflichen Vereinbarungen regelt) ab 1. Juni 7,3% LOHNERHÖHUNG ZU GEWÄHREN SIND, WURDE BEGRÜSST. Mehr als 80% der Betriebsangehörigen erhalten mehr Geld.
...
Koprowski: 'DIE BERGLEUTE SIND ALLGEMEIN MIT DEM ABKOMMEN ZUFRIEDEN UND ÄUSSERTEN ANERKENNUNG FÜR DEN HAUPTVORSTAND DER IGBE'. Nicht zuletzt angesichts der schleppenden Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie (CTR der CPK,d.Vf.) und in der Berufssparte Banken (HBV-Bereich,d.Vf.) SEI DER SCHNELLE ABSCHLUSS DES NEUEN TARIFVERTRAGS IM BERGBAU BEACHTLICH.'

Daß diese Behauptungen von hinten bis vorne erlogen sind, zeigen die Berichte vom Verteilen des KPD/ML-Extrablattes" am 21.4.1971.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.33,Bochum 1.5.1971,S.5f

26.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet über einen Zeitungsartikel des IGBE Bezirk Ruhr-Nordwest (vgl. 22.4.1971) zur BETR und fährt vermutlich über heute fort:"
Die KPD/ML veröffentlichte diesen Artikel sofort in einem Flugblatt und schrieb dazu:

'Kumpels, dieser Artikel ist ein Hohn für alle Bergarbeiter. Mross und Koprowski lassen sich hier loben für ihre 'maßgebliche Mitwirkung' am 7,3%-Tarifverrat. Sie wollen uns vormachen, alle Kumpel wären mit ihrem Geheimvertrag einverstanden. Damit wollen sie unseren Widerstand gegen Lohnordnung und Lohndiktat schwächen und zersplittern.

Da muß man sich doch fragen:
wenn die neue Lohnordnung wirklich so gut ist, warum wird sie nicht rechtzeitig im Betrieb bekanntgegeben, warum wird sie verschwiegen? wenn der Lohntarif wirklich so gut ist, warum haben wir nie etwas von Verhandlungen und Forderungen der IGBE-Führer gehört, sondern sind gleich vor vollendete Tatsachen gestellt worden? Wenn alle Kumpel so zufrieden mit dem Tarifvertrag sind, warum wollen dann einige Betriebsräte auf Polsum die Verteilung unseres Extrablattes (vgl. 21.4.1971,d.Vf.) verhindern?

Die Wahrheit ist doch: die meisten Kumpel lehnen den Tarifverrat ab.

Wir sind vorher nicht gefragt worden, denn die IGBE-Führer wußten, daß wir ihr Spiel nicht mitgemacht hätten. Statt dessen haben die IGBE-Führer wochenlang mit den Zechenherren und der SPD-Regierung verhandelt. Am Samstag erklärte der Bezirksleiter Homann in Recklinghausen sogar, DASS DER HAUPTVORSTAND WEGEN DER 7,3% MEHR MIT DER SPD-REGIERUNG ALS MIT DEN KAPITALISTEN VERHANDELT HABE. So haben die IGBE-Führer unsere Interessen verraten. Und darum ist die Losung der KPD/ML:

KAMPF DEM LOHNDIKTAT!
KAMPF DEM LOHNRAUB!
GEGEN DIE VERRÄTEREIEN DER SPD-REGIERUNG DIE GESCHLOSSENE FRONT DER ARBEITERKLASSE!'"
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.33,Bochum 1.5.1971,S.6f

28.04.1971:
Die KPD/ML-ZB berichtet von der BETR (vgl. 20.4.1971) aus Recklinghausen (vgl. 29.4.1971):"
IGBE-TARIFABSCHLUSS
...
Daß die Bergarbeiter durch die neue Lohnordnung insgesamt eine Lohnerhöhung von 11% erhalten sollen, ist eine glatte Lüge. Wir haben schon ... beschrieben, wie die neue Lohnordnung dazu dienen soll, die Kollegen noch mehr anzutreiben und zu spalten. Daß die neue LOHNORDNUNG aber auch für einige Teile der Bergarbeiter direkte LOHNDRÜCKEREI bedeutet, zeigt der folgende Fall: Ein Schießmeister (das sind die Kumpel, die die Sprengungen unter Tage vornehmen) auf der Anlage Westerholt/Polsum (in Herten,d.Vf.) verdiente BISHER 63 MARK pro Schicht (Zechendurchschnitt plus 10% Zulage). Nach der neuen Lohnordnung wird er nach Lohngruppe 10 bezahlt (das sind 48,40 DM) plus 7,3% Lohnerhöhung (3,50 DM) plus 15% Zulage (7,78 DM), das sind nur 59,68 DM."
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.34,Bochum 5.5.1971,S.7f

Januar 1972:
Die KPD (vgl. 25.2.1972) berichtet von den BRW bei der RAG u.a. aus dem Januar:"
RAUS MIT DEN ARBEITERVERRÄTERN AUS DEN BETRIEBSRÄTEN

Obwohl die BR-Wahlen im Bereich der Ruhrkohle AG erst Mitte April (vgl. 18.4.1972,d.Vf.) stattfinden, stehen die Listen der IGBE-Führung fast überall fest, sind die ersten 'Urwahlen' gelaufen.
...
WIE SIEHT DER LEBENSLAUF EINES KANDIDATEN DER IGBE-FÜHRUNG AUS?

Nehmen wir den Sprecher des Gesamtbetriebsrates, Karl-Heinz Mross. Er steht für einige ehemalige Kumpel, die durch Bestechung des Kapitals und der Gewerkschaftsführung zu Verrätern der eigenen Klasse wurden.

Einige ältere Kumpel werden ihn noch als aktives FDJ-Mitglied kennen. Damals, 1950/1951, war Mross noch entschiedener Gegner der Bergbau-Kapitalisten und wurde auf 'Bergmannsglück' (in Westerholt,d.Vf.) zum Jugendsprecher gewählt. Doch schon bald nach dem Verbot der FDJ und der KPD fiel er seinen ehemaligen Genossen und Kumpeln in den Rücken. Während die meisten seiner Genossen den illegalen Kampf führten, distanzierte sich Mross öffentlich von der Sache des Sozialismus und trat in die SPD ein. Als in den Jahren 1960/1961 die Kommunistenhetze einen Höhepunkt erreichte und viele bewährte, klassenbewußte Kumpel aus der IGBE ausgeschlossen wurden (UVB,d.Vf.) - saß Karl-Heinz Mross schon im erweiterten Vorstand der IGBE. Schon 1965 kam er in den Hauptvorstand. Als Belohnung für seine emsigen bemühungen zur Gründung der Ruhrkohle AG bekam er endlich den Posten, den er heute immer noch ausfüllt: Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Gesamtbetriebsräte. Am Arbeitsplatz der Kumpels in 'Westerholt', die er als 1.Betriebsratsvorsitzender dieser Schachtanlage vertreten soll, läßt er sich schon seit Jahren nur noch 'zu feierlichen' Anlässen sehen. Jetzt vor der Wahl taucht er wieder auf und geht auf Stimmenfang. Kumpels von Westerholt, fallt nicht auf seine Demagogie herein! Meßt ihn an seinen Taten! Innerhalb von zwei Jahren sollen alle Kollegen über 50 Jahren entlassen oder frühberentet werden. Mross hat den Plan mitvorbereitet - fragt ihn danach!
...
Die Kandidatenvorschläge für die 'Urwahl' werden von den Ortsgruppenversammlungen eingereicht. Heute, wo insgesamt der Organisationsgrad in der IGBE auf 50 - 60% zurückgegangen ist, haben die Bonzen es geschafft, daß auf Ortsgruppenversammlungen nur noch 20 – 30 Funktionäre sitzen, die sich selbst vorschlagen. In der Regel wird dann in der 'Urwahl' schon die eigentliche IGBE-Liste durchgesetzt, die man sich dann später bei der Betriebsratswahl bestätigen läßt. Dort, wo keine 'Urwahlen' stattfinden, werden kurzfristig Schachtgewerkschaftsversammlungen einberufen, wo die wenigen erschienenen Kumpel vor die vollendete Tatsache der fertigen Liste gestellt werden. KEIN Kandidat der IGBE-Liste muß sich persönlich vor den KUMPELS rechtfertigen oder gar sein Programm darstellen.

Wenn es dann noch zur Listenwahl kommt - wie jetzt an einigen Zechen (Westerholt, Polsum (in Herten,d.Vf.), Prosper (in Bottrop,d.Vf.) etc.) - wird die ganze Wahl endgültig zur Farce. Bekanntlich entscheidet bei der Listenwahl die Reihenfolge der Kandidaten. An den Zechen, wo es neben IGBE-Listen auch Listen des ultrareaktionären Bergarbeiterverbandes (BAV) und der Christlichen Gewerkschaft (CGBE) geben wird, ist jetzt schon klar, wer oben auf der Liste stehen wird."
Q: Rote Fahne Nr.37,Berlin 25.2.1972,S.9

21.01.1972:
Die KPD (vgl. 28.1.1972) berichtet:"
KURZARBEIT FÜR 130000 RUHRKUMPEL
...
Die Agitation und Propaganda der KPD hat in den vergangenen Wochen die Zechen Minister Stein, Gneisenau (beide Dortmund,d.Vf.), Polsum (Marl, d.Vf.), Westerholt (Herten,d.Vf.) und Katharina (Essen,d.Vf.), die stillgelegt werden, erfaßt. Ein Schwerpunkt der Arbeit war zudem die Zeche Prosper (Bottrop,d.Vf.) - eine der beiden, die die Kumpel aus den stillgelegten Zechen übernehmen soll."
Q: Rote Fahne Nr.35 und 36,Berlin 28.1.1972 bzw. 11.2.1972,S.9 bzw. S.3

29.01.1972:
Die KPD/ML-ZB gibt ihren 'KND' Nr.8 (vgl. 26.1.1972, 2.2.1972) heraus. Berichtet wird u.a. von der Ruhrkohle AG, wobei u.a. die Zeche Westerholt Polsum Erwähnung findet.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.8,Bochum 29.1.1972.

Februar 1972:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Apr. 1972) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Feb. 1972

Februar 1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet von den Betriebsratswahlen (BRW) auf der Zeche Westerholt-Polsum in Herten (vgl. März 1972) vermutlich aus dem Februar:"
Vor mehreren Wochen wurden auf einer Versammlung der SPD-Betriebsgruppe alle wichtigen Entscheidungen zur BR-Wahl vorweggenommen. Einer der 40 SPDler wunderte sich über anwesende DKPler - doch konnte er beruhigt werden, diese Revisionisten waren inzwischen SPD-Parteimitglieder - rechtzeitig zur Wahl!

Diese ganze Versammlung finden wir heute als die ersten 40 Kandidaten auf der Liste 1 wieder!"
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.7

März 1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet von den Betriebsratswahlen (BRW) auf der Zeche Westerholt-Polsum in Herten vermutlich aus dem März (vgl. Feb. 1972, 18.4.1972):"
Der nächste Schritt der BR-Wahlzubereitung war der, daß sich auf der nächsten Schachtgewerkschaftsversammlung als erweiterter Funktionärsstamm 90 Kollegen selbst als Liste 1 bestätigten."
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.7

April 1972:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Feb. 1972, Nov. 1972) mit einem Aufruf zur Bergarbeiterkonferenz (vgl. 11.5.1972) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Apr. 1972

10.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet vermutlich spätestens aus dieser Woche:"
WEITERE FORTSCHRITTE BEIM AUFBAU DER PARTEI

Die Mitgliederversammlung der Region Rhein-Ruhr am 12.März hatte dem Vorschlag des Zentralkomitees, eine Reihe weiterer Zellen einzurichten, zugestimmt (...). Dieser Beschluß wurde ohne Zögern in die Tat umgesetzt. In der letzten ROTEN FAHNE haben wir bereits über die Gründung der Zelle Ford/Köln berichtet.

Inzwischen sind zwei weitere Betriebszellen mit ihren Kommunistischen Arbeiterpressen (KAP,d.Vf.) vor die Kollegen ihres Betriebes getreten: In Aachen die Zelle Philips und die Zelle der Zeche Westerholt/Polsum. Der Zeitpunkt der Gründung ermöglichte es beiden Zellen, noch propagandistisch in die Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.) einzugreifen und für den 1.Mai gegen Reformismus und Revisionismus - für die revolutionäre Einheit der Arbeiterklasse unter Führung der KPD zu mobilisieren.

DIE GRÜNDUNG BEIDER ZELLEN IST DAS ERGEBNIS DER SCHÖPFERISCHEN ANWENDUNG DER EINHEIT VON UNTERSUCHEN UND ORGANISIEREN:

Als das Regionalkomitee Rhein-Ruhr seine Arbeit aufnahm, begann es unmittelbar mit der Untersuchung der Lage der Bergarbeiter: Die Enthüllung der arbeiterfeindlichen Profitsanierungspläne von RAG-Kapitalisten und SPD- Regierung in Bund und Land, die Entlarvung der Politik der IGBE-Führung nehmen breiten Raum in der ROTEN FAHNE ein. Denn die Widersprüche zwischen Lohnarbeit und Kapital sind im Ruhrbergbau besonders scharf, besonders reaktionär. Die Ruhrkumpel sind gegenwärtig der vom Krisenmechanismus des Kapitals am meisten bedrohte Teil der Arbeiterklasse.

Durch den Verkauf der Roten Fahne vor einigen Schachtanlagen und das Verteilen von Flugblättern zur Lage der Bergarbeiter wurde eine Anzahl von Kumpeln gewonnen. Die Gründung der Zelle wird die Verankerung der Partei im Ruhrbergbau auf eine neue Stufe heben und die Grundlage für die Aufnahme der gewerkschaftlichen Fraktionsarbeit bilden. Sie ist der Beginn der Organisierung des Abwehrkampfes gegen den mit dem RAG-Anpassungsplan beabsichtigten entscheidenden Schlag der Kapitalisten gegen die Kumpel."

Vermutlich im Zusammenhang mit der Gründung der Zelle wird auch eine Kontaktadresse in Gelsenkirchen eingerichtet (vgl. 19.4.1972).
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.2

18.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet von den heute beginnen sollenden, dreitägigen Betriebsratswahlen (BRW):"
BETRIEBSZELLE WESTERHOLT-POLSUM
UNGÜLTIG ABSTIMMEN!

Im ersten Wahlaufruf wünschte sich Karl-Heinz Mross, bisheriger Betriebsratsvorsitzender und zugleich Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Gesamtbetriebsräte der RAG, einen Betriebsrat, der 'nicht durch politische und weltanschauliche Interessen geschwächt wird.' Zugleich bedauert er, daß durch 'Splittergruppen mit ihren Fremdlisten eine echte demokratische Persönlichkeitswahl verhindert' wurde und die Listenwahl durchgeführt werden muß. Auch der DGB-Vorsitzende Vetter tönte auf seiner Großschau in Dortmund (der IGBE - vgl. 8.4.1972,d.Vf.): 'Diese Betriebsrätewahl soll parteipolitisch neutral erfolgen!'

Die Manöver der IGBE-Spitzen zeigen das Gegenteil: ... (vgl. Feb. 1972, März 1972,d.Vf.)

Es ist klar, es gibt keine 'parteiliche Neutralität': Entweder tritt man für die Klasseninteressen der Arbeiter ein oder schlägt sich auf die Seite des Kapitals! Zusammenarbeit mit dem Kapital, Mitbestimmung, heißt in der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft immer, die Geldsäcke zu stützen und die Arbeiter im Unklaren darüber zu halten, welche nächsten Kampfschritte möglich sind. Seit über zwanzig Jahren zahlen wir Gewerkschaftsbeiträge, und noch nie haben die Gewerkschaftsführer einen geschlossenen Streik der Bergarbeiter gegen Lohnraub und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geführt.

WELCHE TAKTIK SCHLAGEN WIR ZUR BETRIEBSRATSWAHL EIN, UM DIE OPPOSITIONELLN KRÄFTE ZUSAMMENZUSCHLIESSNE UND ZU STÄRKEN?

Angesichts der über unsere Köpfe hinweg beschlossenen arbeiterfeindlichen IGBE-Liste (Liste 1) und der reaktionären CDU-Scheinopposition (Liste 2) müssen wir zeigen, daß die demokratische Aufstellung der Kandidatenliste und damit eine demokratische Wahl überhaupt erst wieder hergestellt werden muß! Da wir also für Wahlen sind, keinesfalls jedoch eine der beiden gegen unsere Klasseninteressen gerichteten Listen wählen können, müssen wir mit ungültigen Wahlzetteln abstimmen, um zu zeigen, was wir noch mit den Gewerkschaftsbonzen zu tun haben!"

Am 3.5.1972 berichtet die KPD:"
WESTERHOLT/POLSUM
FÜR DEN AUFBAU EINES REAKTIONÄREN VERTRAUENSLEUTENETZES!

Auch hier wurden den Kumpels zwei Listen vorgeführt, die beide nichts mit der Aufstellung fortschrittlicher Betriebsratskandidaten zu tun hatten. Zwischen der Liste der IGBE und CGB/BAV sollten sie wählen können, also zwischen Kandidaten, die sämtlichst bedingungslos hinter dem Stillegungs- und Entlassungsplan der RAG-Kapitalisten stehen.

Die DKP-Führer vertraten auch hier das Geschäft der Monopole. In ihrem Blatt: 'Die aktuelle Seilscheibe' hieß es: 'Wir Kommunisten sagen, bei aller berechtigten Kritik gegenüber der IGBE, entscheidet Euch für die Liste der IGBE...!'

Unsere Zelle auf Westerholt/Polsum, die eben erst die Arbeit aufgenommen hat, propagierte die ungültige Abstimmung. Dieser Aufruf wurde bereits von mehr als 150 Kumpels befolgt.

Im Bergbau, wo die Gewerkschaftsführung aus Furcht vor den Kumpels sich scheut, gewerkschaftliche Vertrauensleute einzusetzen, hat damit der Kampf für revolutionäre Interessenvertretungen der Arbeiterklasse begonnen: Für den Aufbau eines revolutionären Vertrauensleutenetzes!"

Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet auch:"
Dort, wo die undemokratischen Manöver der Gewerkschaftsführer ein hohes Maß an Empörung unter den Arbeitern und Angestellten hervorgerufen hatten, forderten wir zum aktiven Wahlboykott auf. So bei der Ruhrkohle AG, wo unsere Zelle auf Westerholt/Polsum gerade erst gegründet worden war, dennoch aber schon 150 Kumpel diesen Aufruf befolgten."
Q: Rote Fahne Nr.41, 42 und 44,Dortmund 19.4.1972, 3.5.1972 bzw. 24.5.1972,S.7,S.5 bzw. S.5

19.04.1972:
Die KPD (vgl. 19.4.1972) berichtet heute:"
VORWÄRTS ZUM 1.MAI
GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS - FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE! - KPD

RHEIN-RUHR

Das Regionalkomitee Rhein-Ruhr sieht es für den 1.Mai 1972 als seine Hauptaufgabe an, in der Anwendung der zentralen Parole:
GEGEN REFORMISMUS UND REVISIONISMUS - FÜR DIE REVOLUTIONÄRE EINHEIT DER ARBEITERKLASSE - KPD
der zentralen DGB-Veranstaltung in Dortmund mit einer Parteidemonstration entgegenzutreten. Alle Anstrengungen werden darauf ausgerichtet, SPD-Regierung, DGB-DKP-Führung die Demonstration der wahren Interessen der Arbeiterklasse entgegenzuhalten.

Seit der Veröffentlichung des Maiaufrufs propagiert das RK und seine Zellen die ausgegebene Linie. Überall dort, wo fortschrittliche Menschen sie unterstützen wollen, organisiert sie diese in Maikomitees (MK,d.Vf.). Die Ortsleitungen in Dortmund (vgl. 5.4.1972,d.Vf.) und Düsseldorf (vgl. 27.3.1972,d.Vf.) haben bereits Arbeiterrunden durchgeführt, in der nächsten Woche werden die Zellen Ford/Köln (IGM-Bereich - vgl. 22.4.1972,d.Vf.) und die neugegründete Zelle der Zeche Westerholt/Polsum (IGBE-Bereich - vgl. 21.4.1972,d.Vf.) ebenfalls Veranstaltungen zur Mobilisierung für die Maidemonstration in Dortmund durchführen."
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.3

19.04.1972:
Die KPD gibt in ihrer heutigen 'Roten Fahne' (RF) erstmals eine Kontaktadresse für Gelsenkirchen ('Großfeld', Crangerstr.387, Mi 16 - 18 Uhr) an, vermutlich im Zusammenhang mit der Gründung der Zelle auf der Zeche Westerholt/Polsum in Herten (IGBE-Bereich - vgl. 10.4.1972).
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.2

21.04.1972:
In Gelsenkirchen will die neugegründete Zelle der KPD auf der Zeche Westerholt in Polsum heute ihre Maiveranstaltung um 20 Uhr im 'Alten Fritz' in der Westerholter Str.90 durchführen.
Q: Rote Fahne Nr.41,Dortmund 19.4.1972,S.1 und 3

Mai 1972:
Die IGBE (vgl. 1.6.1972) berichtet vermutlich aus dem Mai:"
RAG-BETRIEBSRÄTEARBEITSGEMEINSCHAFT
NEU KONSTITUIERT

Die Arbeitsgemeinschaft der Gesamtbetriebsräte der Ruhrkohle AG hat sich nach den Betriebsratswahlen (BRW - vgl. 18.4.1972,d.Vf.) neu konstituiert. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ist Karl-Heinz Mross, Betriebsratsvorsitzender der Schachtanlage Bergmannsglück/Westerholt, BAG Herne/Recklinghausen".
Q: Einheit Nr.11,Bochum 1.6.1972,S.4

08.05.1972:
In NRW gibt die Konzernzellenleitung Ruhrkohle AG (RAG) einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 22.6.1972) für die Ruhrkumpel mit vier Seiten DIN A4 und ohne presserechtlich Verantwortlichen aber mit Kontaktadressen in Dortmund (Zimmerstr.19) und Gelsenkirchen (Mittwochs 16-18 Uhr 'Zum Alten Fritz', Westerholterstr.80) heraus. Reguläre Ausgaben wurden uns bisher nicht bekannt.

Der Hauptartikel lautet:"
9 PROZENT IST VERRAT!
DIE KPD FORDERT:
7 DM PRO SCHICHT MEHR FÜR ALLE!

Am 10.April wurden die Lohntarifverträge für die 250 000 Beschäftigten im Bergbau zum 31.Mai gekündigt.

Wie bei der IGBE-Spitze üblich, fragte sie nicht danach, was die Kumpel selbst für Lohnforderungen aufstellten, sondern beschloß einfach eine und gab sie am 23.April (vgl. 26.4.1972,d.Vf.) bekannt: 9%!

Was bedeutet diese Lohnforderung für die Kumpel?

Die Kumpel, die ehemals an der Spitze der Lohnskala standen, müssen heute Überstunden machen, Überschichten fahren und die äußersten Kräfte anspannen, um nicht nur den Gedingelohn zu verdienen, der laut Kapitalisten und Gewerkschaftsspitze einer 'normalen' Arbeitsleistung entspricht, sondern soviel, um wenigstens einigermaßen sich selbst und seine Familie ernähren zu können. Die 1 081 DM Brutto der Lohngruppe 9 z.B., die nach allen Abzügen auf etwa 800 DM Netto zusammenschrumpfen, reichen jedenfalls hinten und vorne nicht.

Zwang zu Überschichten, rapide Zunahme der Arbeitsunfälle infolge der kapitalistischen Rationalisierungen und Verschärfung der Arbeitshetze - es gibt kaum einen Kumpel, der nicht einen oder zwei Arbeitsunfälle hinter sich hat - das ist der Alltag im Bergbau. Nachdem sich die Kumpel, oft ab dem 15. Lebensjahr für die Kapitalisten abgerackert haben, müssen sie sich noch nach Erreichen des Rentenalters als Invaliden und betroffen von der häufigsten Berufskrankheit im Bergbau, der Silikose (Staublunge) noch jahrelang mit der Knappschaft herumschlagen, um die ihnen zustehende Rente zu bekommen.

Aber das sind nicht die einzigen Folgen der verschärften Ausbeutung der Bergarbeiter durch die Bergbaukapitalisten. Von 1957 bis 1969 wurden über 250 000 Kumpel, die ihre besten Jahre und ihre Gesundheit der Profitgier der Ruhrbarone opfern mußten, auf die Straße gesetzt. 50 000 Entlassungen bei der RAG stehen an.

DIE ARBEITERFEINDLICHE POLITIK DER SPD-REGIERUNG

Der Garant für die weitere Verschlechterung der Lage der Kumpel war und ist die SPD-Regierung! Sie betrieb die Gründung der Ruhrkohle AG, das hieß, Sanierung der Kapitalisten; für die Kumpel blieben Massenentlassungen, Feierschichten und unmäßige Verschärfung der Arbeitshetze. Sie hat unsere Lohntüte durch Lohnsteuervorauszahlung, Preistreiberei, Erhöhung der indirekten Steuern und der Tarife für Strom, Gas und Nahverkehr weiter geschmälert. Sie steckte durch die Schillerschen Lohnleitlinien den Rahmen für die Tarifpolitik der IGBE-Führung ab. Sie baute die demokratischen Rechte der Arbeiterklasse durch das neue Betriebsverfassungsgesetz (BVG- vgl. 19.1.1972,d.Vf.) weiter ab. Sie rüstet den Staatsapparat zur besseren Verteidigung der Kapitalistenklasse gegen die Kämpfe der Arbeiterklasse.

DIE TAKTIK DER IGBE-SPITZE

Die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergarbeiter ist ein einziges Beispiel für die Handlangerdienste der IGBE-Spitze im Dienste der Kapitalisten. Da, wo es Kämpfe gab, versuchte die IGBE-Spitze die Führung zu übernehmen, um sie besser abwiegeln zu können. Oder sie handelte, wie im letzten Jahr hinter dem Rücken der Kumpel einen Tarifabschluß aus, der in Wirklichkeit nur auf dem Papier stand. Die meisten Kumpel sahen in Folge der kurz zuvor verabschiedeten 'neuen Lohnordnung' und der damit verbundenen Rückstufungen nichts von den 7,3%.

'Bei der diesjährigen Tarifrunde wird es keine Nacht- und Nebelaktion geben' tönt IGBE-Berufsbetriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Mross. 'Die diesjährige Tarifrunde wird garantiert härter, als der letzte Winter. - Wir werden es nicht dulden, daß die Bergarbeiter geringeren Lohn für schwerste Arbeit bekommen' verkündete IGBE-Vorsitzender Adolf Schmidt und drohte mit Streik.

WIR WISSEN, WAS WIR VON DIESEN PHRASEN ZU HALTEN HABEN, HINTER DENEN SICH DIE KAPITALISTENKNECHTE DER IG-BERGBAU-SPITZE VERSCHANZEN!

- 9% bedeuten angesichts der Preistreiberei, der Mieterhöhungen, den indirekten Steuererhöhungen und Tariferhöhungen der öffentlichen Transport- und Versorgungsbetriebe, von denen alle Kollegen gleichermaßen betroffen sind, eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen. Die Kumpel, die in niedrigen Lohngruppen eingestuft sind, würden durch eine prozentuale Lohnerhöhung weniger bekommen, als ein Kumpel in der Lohngruppe 11. Dadurch würde sich die Kluft zwischen den einzelnen Lohngruppen weiter vergrößern - schon heute beträgt die Differenz zwischen Lohngruppe 1 und 11 über 19 DM! Dadurch wird die einheitliche Front der Kumpel geschwächt.

- 9%, diese Forderung ist gerade hoch genug, glauben sie, um die Kumpel noch bei der Stange zu halten und notfalls für die Taktik der reaktionären Gewerkschaftsführung nach dem Beispiel der Punktstreiks bei der letzten Chemietarifrunde (CTR,d.Vf.) mobilisieren zu können.

- 9%, diese Forderung ist niedrig genug, um währenddessen hinter dem Rücken der Kumpel einen schnellen Abschluß im Rahmen der Schillerschen Lohnleitlinien auszumauscheln.

Kollegen, in diesem Jahr werden wir es nicht hinnehmen, daß die IGBE-Spitze in unserem Namen einen Abschluß von 9% oder darunter beschließt! Mit der Gründung der Konzernzellenleitung der KPD bei der RAG und der Betriebszelle Westerholt/Polsum sind die Voraussetzungen für die Aufnahme des organisierten Abwehrkampfes gegen die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Kumpel und gegen den Verrat der IGBE-Spitze geschaffen.

WAS TUT DIE DKP?

Die Taktik der DKP-Führung ist nicht schwer zu erraten. Da sie als Agentur des sowjetischen Sozialimperialismus (Su,d.Vf.) mit der Forderung nach der Ratifizierung der Ostverträge die Arbeiterklasse verrät, hat sie natürlich auch kein Interesse am Tageskampf der Kumpel. Deshalb wird sie, wie schon in der Metall- und Stahltarifrunde (MTR bzw. STR der IGM,d.Vf.) sagen: Eine eigene Forderung stellen wir nicht auf! Bei aller Kritik an der IGBE…, jetzt heißt es, die 9% voll durchzusetzen!

Der spalterischen Lohnforderung der IGBE-Spitze setzen wir die Forderung nach einem einheitlichen DM-Betrag für alle entgegen:

7 DM PRO SCHICHT FÜR ALLE, DAS SIND 154 DM MONATLICH MEHR FÜR ALLE!

Weiter fordern wir die tarifliche Absicherung des Existenzminimums:

1 000 DM MINDESTNETTOLOHN!

KEINE ANRECHNUNG DER TARIFERHÖHUNG AUF DEN EFFEKTIVLOHN!

Die Lehrlinge, die nicht zum Knappen ausgebildet werden, können von ihrer 'Ausbildungsvergütung' nicht leben. Die Kapitalisten versuchen, die Kosten der Ausbildung, aus der sie letztlich Profite schlagen, auf die Eltern abzuwälzen. Ob der Lehrling im 1. oder 4.Lehrjahr ist, die Kosten, um das Minimum seiner Lebensbedürfnisse zu decken, sind die gleichen. Deshalb fordern wir:

EINHEITLICHEN EXISTENZLOHN FÜR JEDEN LEHRLING, HEUTE 500 DM!

Die Kapitalisten und die Gewerkschaftsführung haben ein ausgeklüngeltes System der Trennung von Lohn-, Mantel-, Urlaubs und anderen Tarifverträgen entwickelt, um bei Kompromissen bei der einen auf die andere Tarifverhandlung vertrösten zu können und den Kampf um höhere Löhne von dem Kampf um Verkürzung der Arbeitszeit und für mehr Urlaub zu trennen. Wir wissen, daß z.B. dem Verschleiß unserer Gesundheit nicht durch Geld, sondern nur durch Arbeitszeitverkürzung und Verlängerung des Urlaubs begegnet werden kann. Wir gehen auch davon aus, daß der Abwehrkampf gegen die Angriffe der Kapitalisten tagtäglich geführt werden muß, und nicht nur, wenn die Tarifrunde ansteht. Denn: die Kapitalisten versuchen ständig, das von uns Erkämpfte rückgängig zu machen, sie entwickeln ständig neue Methoden der Verschärfung der Ausbeutung, gegen die wir uns unmittelbar zur Wehr setzen müssen!

FÜR DEN 7-STUNDENTAG BEI VOLLEM LOHNAUSGLEICH!

Die Kapitalisten versuchen immer, die Arbeitswoche und die Arbeitstage zu verlängern, um die Arbeitskraft maximal auszubeuten. Zusätzlich verlängern sich unsere Anfahrtswege nicht nur infolge der kapitalistischen Wohnungsbaupolitik, die die Arbeiterklasse immer mehr an den Rand der Städte verdrängt. Die Kumpel, die aus stillgelegten Zechen übernommen werden, bekommen die lange Anfahrtswege besonders zu spüren. Deshalb fordern wir:

5-TAGE-WOCHE, AUCH FÜR SCHICHTARBEITER, KEINE WOCHENENDFÖRDERUNG!

ANRECHNUNG DER SEILFAHRT AUF DIE ARBEITSZEIT!

BEZAHLUNG DER FAHRTZEIT ALS ARBEITSZEIT!

Der zunehmende Verschleiß der Arbeitskraft fordert auch mehr Erholung. Deshalb fordern wir:

6 WOCHEN MINDESTURLAUB FÜR ÜBERTAGEBESCHÄFTIGTEN!

8 WOCHEN MINDESTURLAUB FÜR UNTERTAGEBESCHÄFTIGTE, AUCH EHEMALIGE UNTERTAGEBESCHÄFTIGTE, JUGENDLICHE UND ARBEIT UNTER ERSCHWERTEN BEDINGUNGEN!

Kollegen, der Abwehrkampf in der kommenden Tarifrunde gegen die weitere Verschlechterung unserer Lebensbedingungen, dagegen, daß unsere Arbeitskraft unter ihrem Wert verkauft wird, können wir nur erfolgreich führen, wenn wir dem Verrat der IGBE-Führung entschlossen und organisiert entgegentreten.

Der Aufbau eines Netzes von gewerkschaftlichen Vertrauensleuten wird eine der wichtigsten Aufgaben der Zellen der KPD in der RAG sein.

In den Händen der immer zahlreicheren Kumpel, die den planmäßigen Verrat der IGBE-Spitze erkannt haben und bereit sind, den Kampf für die Tagesinteressen aller Kumpel ohne und gegen die IGBE-Führung selbst in die Hand zu nehmen, werden diese Vertrauensleute eine wirksame Waffe gegen die RAG-Kapitalisten sein.

In dieser Tarifrunde werden wir mit der Gründung oppositioneller Kampfkomitees den ersten Schritt zum Zusammenschluß derjenigen Kollegen machen, die bereit sind, uns für die Interessen der Kumpel zu bekämpfen."

Ein weiterer Artikel berichtet vom 1.Mai in Dortmund.
Quelle: Kommunistische Arbeiterpresse, Sonderdruck der Konzernzellenleitung RAG der KPD für die Ruhrkumpel,o.O. 8.5.1972

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15.05.1972:
Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet vermutlich u.a. spätestens aus dieser Woche von der BETR:"
BERICHT DER BETRIEBSZELLE WESTERHOLT-POLSUM
BERGBAU-TARIFRUNDE

Seit Anfang April tönt die IGBE-Führung von einer harten Tarifrunde. Harte Verhandlungen will sie führen... es sollen keine Nacht- und Nebelaktionen laufen. Wortradikal kündigte sie den alten Tarifvertrag und drohte mit Streik. Was haben wir davon zu halten?

Nachdem die IGBE-Führung alles versucht hat, den Kumpeln die arbeiterfeindliche Politik der SPD-Regierung, voran das reaktionäre Betriebsverfassungsgesetz (BVG,d.Vf.) mit der Friedens- und Schweigepflicht und dem Verbot der parteipolitischen Betätigung als Fortschritt zu verkaufen, meint sie nun, sie könnte uns damit täuschen, daß sie von hartem Kampf spricht, in Wirklichkeit aber mit den Kapitalisten einen Abschluß von 6 Prozent und darunter aushandeln will. Glaubt sie denn wirklich die Kumpel verschaukeln zu können? Wir sehen doch, was für eine Politik sie betreibt!

Statt die Kumpel danach zu fragen, was sie in der Tarifrunde fordern, beschließt sie eine Forderung, durch die die Kumpel in den höheren Lohngruppen mehr bekommen als die Kumpel, die sowieso schon wenig verdienen; sie beschließt eine Forderung, die, selbst wenn sie durchgesetzt würde, nicht einmal die gestiegenen Lebenshaltungskosten decken könnte.

Sie beschließt eine Forderung, die so niedrig liegt, daß sie glaubt ihr Gesicht wahren können, wenn die Schillerschen Lohnleitlinien eingehalten werden. Und daß die IGBE-Spitze innerhalb der Lohnleitlinien abschließen will, können wir daran sehen, daß sie nicht die Kumpel mobilisiert, sondern ab und zu eine Sitzung mit den Kapitalisten abhält und nur von Streik REDET. Oder glaubt sie vielleicht, die Arbeiterklasse hätte jemals etwas allein durch Verhandlungen erreicht, selbst wenn sie noch so 'hart' waren? Nein, im Gegenteil, von vornherein legt sie es darauf an, die Verhandlungen schon vor Ablauf der Kündigungsfrist über die Bühne zu bringen, damit gar nicht erst Kämpfe im Bergbau 'provoziert' werden. Alker, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der IGBE, nannte auf der Großveranstaltung der IGBE in Dortmund (vgl. 8.4.1972,d.Vf.) kurz vor dem 1.Mai die Devise der IGBE-Spitze: 'Radikale Tendenzen dürfen nicht die Oberhand gewinnen, politische Explosionen müssen vermieden werden'.

Kumpel, erinnert euch an die letzte Tarifrunde: bevor überhaupt Kämpfe geführt werden konnten, hatte die IGBE-Führung den Abschluß schon in der Tasche (vgl. 20.4.1971,d.Vf.): Eine neue Lohnordnung (vgl. 1.4.1972,d.Vf.), die dazu führte, daß wir zurückgestuft werden konnten angeblich nach einem 'wissenschaftlich' erarbeiteten Arbeitsplatzbewertungssystem, daß kein Kumpel genau kennt, und 7,3 Prozent mehr, von denen wir nicht viel gesehen haben, weil im gleichen Lohntarifvertrag 'abgesichert' war, daß die Lohnerhöhung auf übertarifliche Bestandteile angerechnet werden soll. Wenn das nicht ausreichte, haben die Kapitalisten eben unter irgendwelchen Vorwänden das Gedinge gekündigt und ein Schlechteres, für sie allerdings ein Profitableres abgeschlossen.

Zusammengefaßt heißt das: In Worten vertritt die IGBE-Führung angeblich unsere Interessen und gibt sich radikal, um uns ruhig zu halten und uns an die arbeiterfeindliche Politik der SPD-Regierung zu binden, in Taten zeigt sie deutlich, welche Klasseninteressen sie vertritt. Wir sollen nicht nur ruhig den Massenentlassungen und der gesteigerten Arbeitshetze zusehen, wir sollen nicht nur den Mund halten, wenn unsere Lebenserwartung durch den gesteigerten Verschleiß unserer Arbeitskraft weiter sinkt, wir sollen uns auch noch in aller Ruhe ansehen, wie man uns den Lohn abbaut. Nein, Kumpel, von der IGBE-Führung haben wir nichts zu erwarten, sie ist ein Arm der SPD-Führung und vertritt die Interessen der Kapitalistenklasse.

Auch die DKP-Führung kann uns nicht für ihre Ziele ausnutzen: sie ist keine revolutionäre Partei, sie hängt sich an die arbeiterfeindlichen Forderungen der IGBE-Spitze an und will uns weiterhin weismachen, daß wir durch Mitbestimmung etwas erreichen können. Daß die Auswirkungen der Rationalisierungen nicht auf unserem Rücken abgewälzt werden, erreichen wir nur durch kompromißlosen Kampf und nicht durch 'gute Zusammenarbeit mit den Kapitalisten zum Wohle des Unternehmens'. Im Kapitalismus gibt es keine Klassenharmonie, und keine Gewerkschaftsführung und keine DKP-Führung kann uns vor diesen illusionären Karren spannen. Daß die DKP-Führung nicht unsere Interessen vertritt, sieht man auch daran, daß se zwar den Siebenstundentag fordert, natürlich aber ohne vollen Lohnausgleich.

Kumpel, schließen wir uns mit allen klassenbewußten Kollegen zusammen, die sich nicht mehr vom SPD-Reformismus und DKP-Revisionismus täuschen lassen. Gehen wir jetzt an den Aufbau eines revolutionären Vertrauensleutenetzes in den Zechen, damit wir in den kommenden Kämpfen ein Kampfinstrument in der Hand haben, das unsere vereinzelten Kämpfe koordiniert und nicht bestochen ist wie viele unserer Betriebsräte. Kämpfen wir in dieser Tarifrunde für:

7 DM PRO SCHICHT MEHR FÜR ALLE.
1 000 DM MINDESTNETTOLOHN.
EINHEITLICHER EXISTENZLOHN FÜR LEHRLING, HEUTE 500 DM.
VOLLEN TARIFSCHICHTENLOHN FÜR JUNGARBEITER.
KEINE ANRECHNUNG DER TARIFERHÖHUNG AUF DEN EFFEKTIVLOHN.

Kumpel, keine Lohnerhöhung kann die Folgen der Rationalisierung für uns, die steigende Arbeitshetze, den Verschleiß unserer Arbeitskraft mindern. Dehalb gleichzeitig:

Für den Siebenstundentag bei vollem Lohnausgleich!

Auf dem Weg zur Durchsetzung des Siebenstundentags fordern wir: Stempeln der Karten am Eingang und Ausgang! Verkürzung der Schichtzeit um die Umkleide-, Wasch- und Ausfahrzeit! Bezahlung der Fahrzeit als Arbeitszeit!

Weiter fordern wir:

Einhaltung der 5-Tage-Woche - Keine Wochenendförderung!

6 Wochen Mindesturlaub für Übertage-, 8 Wochen Mindesturlaub für Untertagebeschäftigte, auch für ehemalige Untertagebeschäftigte, Jugendliche und Arbeit unter erschwerten Bedingungen (Z.B. bei übermäßiger Hitze und Luftfeuchtigkeit.)!"
Q: Rote Fahne Nr.44,Dortmund 24.5.1972,S.4

21.05.1972:
An der ersten nationalen Konferenz der der KPD-nahestehenden oppositionellen Gewerkschafter (vgl. 1.10.1972) nehmen, nach eigenen Angaben, über 100 Gewerkschafter aus 9 Gewerkschaften (CPK, IGM, IGBE, DruPa, BSE, ÖTV, DPG, DAG, GEW) und fast 50 Betrieben teil, u.a. von der Zeche Westerholt Polsum.
Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet:"
In dem einleitenden Referat eines Genossen der Partei wurde vor allem eingegangen auf das Verhältnis von Partei und Gewerkschaftsopposition. ... Die Diskussion wurde eröffnet mit Berichten über die Betriebsratswahlen. ... Anschließend kamen aus zahlreichen anderen Betrieben anschauliche Berichte, so von Ford Köln, Mannesmann-Lierenfeld, KWU-Westberlin, AEG-Westberlin, Daimler-Benz Stuttgart, Schering Westberlin, Zeche Westerholt-Polsum u.a.

Fast überall hatte sich ähnliches ereignet. Die SPD-Betriebsgruppen (SPD-BG,d.Vf.), die örtlichen Gewerkschaftsführungen haben, unterstützt durch die DKP, mit allen Mitteln versucht, die Wahl fortschrittlicher Kollegen zu verhindern, Verleumdungen, Ausschluß und Kündigungsdrohungen waren ihre üblichen Maßnahmen."
Q: Rote Fahne Nr.44 und 50,Dortmund Mai 1972 bzw. 5.7.1972,S.1f bzw. S.4;
Revolutionäre Gewerkschafts Opposition Nr.1,o.O. (Dortmund) o.J. (1972),S.*;
KPD-OL Dortmund:1 200 DM Mindestlohn! 40 DM mehr für alle pro Woche!,Dortmund o.J. (1973),S.2

24.05.1972:
Die KPD (vgl. 24.5.1972) berichtet heute von den BRW und VLW bzw. der RGO:"
BETRIEBSRATSWAHLEN UND DER AUFBAU DER REVOLUTIONÄREN GEWERKSCHAFTSOPPOSITION
DIE OPPOSITION GEWINNT EINFLUSS
...
Dort, wo die undemokratischen Manöver der Gewerkschaftsführer ein hohes Maß an Empörung unter den Arbeitern und Angestellten hervorgerufen hatten, forderten wir zum aktiven Wahlboykott auf. So bei der Ruhrkohle AG, wo unsere Zelle auf Westerholt/Polsum gerade erst gegründet worden war, dennoch aber schon 150 Kumpel diesen Aufruf befolgten (RAG, IGBE-Bereich - vgl. 18.4.1972,d.Vf.). ... Dem Kampf alller unserer Zellen zu den Betriebsratswahlen gemeinsam war es, den politischen Charakter dieser Wahlen deutlich zu machen, den Versuch der SPD, mittels dieser Wahlen ihren Einfluß auf die Arbeitermassen weiter abzusichern.

Dabei war wesentlich, gerade die DKP-Revisionisten zu entlarven, die auch bei diesen Betriebsratswahlen alles getan haben, die Kämpfe der Arbeiter und Angestellten in die Irre zu führen und von der revolutionären Stoßrichtung abzubringen.

Ihre Taktik bestand darin, noch vor den eigenen Betriebsratskandidaten die Wiederwahl der übelsten Arbeiterverräter zu propagieren (so Perschke bei Opel/Bochum, Pfeiffer bei der Hoesch-Westfalenhütte) oder gleich das Mitgliedsbuch der SPD zu erwerben, wie dies die DKP-Betriebsratskandidaten auf der Zeche Westerholt/Polsum taten."
Q: Rote Fahne Nr.44,Dortmund 24.5.1972,S.5

24.05.1972:
Die KPD gibt die Nr.44 ihrer 'Roten Fahne' (RF - vgl. 17.5.1972, 31.5.1972) mit Kontaktadressen für Berlin, Hamburg, Dortmund, Düsseldorf und nun statt Gelsenkirchen-Buer Gelsenkirchen-Hassel (Do. 16- 18 Uhr, Haus Bölt, Marler Str.132, "nähe Zeche Westerholt") heraus.
Q: Rote Fahne Nr.44,Dortmund 24.5.1972

Juni 1972:
Die KG (NRF) Mannheim/Heidelberg gibt die Nr.5 ihrer 'Arbeiter-Zeitung' (vgl. 27.4.1972, 3.7.1972) heraus.
Von den Betriebsratswahlen wird u.a. berichtet von der Zeche Westerholt-Polsum.
Q: Arbeiter-Zeitung Nr.5,Mannheim/Heidelberg Juni 1972

13.06.1972:
Die Zelle Westerholt Polsum der KPD gibt ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' Nr.3 (vgl. 20.2.1973) mit dem Leitartikel zur Bergbautarifrunde (BETR): "Sofortige Urabstimmung! Für den einheitlichen Streik!" heraus. Berichtet wird auch aus Essen von der Zeche Pörtingsiepen / Carl Funke über Entlassungsdrohungen wegen zu vieler Fehlschichten. Erklärt wird zur RAF "Die Linie der Kommunisten zur Frage der Gewalt", zu Vietnam heißt es: "Es lebe der Sieg im Volkskrieg!".
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Westerholt Polsum Nr.3,Herten 13.6.1972

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14.06.1972:
Die KPD (vgl. 14.6.1972) berichtet heute von der BETR:"
BERGBAU TARIFRUNDE
SOFORTIGE URABSTIMMUNG! STREIK!

Die IGBE-Führung schlägt in der jetzt laufenden Tarifrunde radikale Töne an. 'Wir sind dem Streik näher als jemals in der Geschichte unserer Organisation.' (Adolf Schmidt am letzten Freitag auf dem Bundesangestelltentag der IGBE in Kassel).Das scheint bei dieser Gewerkschaftsführung erstaunlich, die während der 15 Jahre des Zechensterbens und der Auszehrung der Bergarbeiterschaft ihr Hauptziel darin sah, Unzufriedenheit und Widerstand der Kollegen zu ersticken. Die schamlose Verurteilung der spontanen Streiks der Dortmunder Zechen 1969 (vgl. 9.9.1969,d.Vf.), die vorbehaltlose Unterstützung des Anpassungsplans, die schnelle und hinter verschlossenen Türen ausgehandelte neue Lohnordnung des letzten Jahres - sie haben den Kumpeln die Augen über ihre Gewerkschaftsführung geöffnet. Hat sie sich jetzt geändert, will sie jetzt für die Interessen der Kumpel kämpfen?

Der radikale Schein trügt.

Die IGBE-Führung ahmt vielmehr nach, was ihr von der IG-Metall und IG-Chemie-Spitze (CPK,d.Vf.) in den letzten beiden Jahren vorgeführt worden ist: Wie man eine kampfbereite Arbeiterklasse unter Kontrolle hält, indem man durch radikale Phrasen auf ihren Kampfeswillen eingeht, ja - sogar einige Streiks in der Nadelstichtaktik durchführt, um dann bei einem Ergebnis innerhalb der Lohnleitlinien zu enden - was schon vorher klar war. Daß die IGBE-Spitze unter dem Zwang steht, diese Taktik anzuwenden, beweist: Die Unzufriedenheit, der Widerstandswillen der Kumpel ist durch die brutale Entlassungs-, Rationalisierungs- und Stillegungspolitik der letzten beiden Jahre gewachsen. Sie hat nicht mehr die Möglichkeit, sang- und klanglos die Interessen der Kapitalisten durchzuziehen. Ansonsten würden sie nicht zu dem gefährlichen Mittel greifen, mit dem Streik zu spielen.

Die Verhandlungen sind für gescheitert erklärt, das 5,25 Prozent Angebot der Kapitalisten als unzureichend abgelehnt, dennoch: 'Das Tischtuch ist noch nicht zerschnitten', erklärte ein Sprecher der IGBE-Führung am letzten Mittwoch (vgl. 7.6.1972,d.Vf.). Das bedeutet, wie auch in der Metallindustrie steuert sie auf eine politische Schlichtung zu.

Denn wie alle Arbeiterverräter fürchten sie, daß sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr los werden, sie fürchten, daß sie im Falle von 'Schwerpunktstreiks' die spontane Bewegung der Kollegen nicht mehr aufhalten können. Daher auch ihr Appell an die Kollegen, 'nüchterne Besonnenheit zu wahren', d.h. sich die Kampfschritte von der IGBE-Spitze vorschreiben zu lassen.

Wir fragen: Warum wurden die Verhandlungen erst so spät abgebrochen? Warum wird eine Forderung von 9 Prozent aufgestellt, wenn nicht, um schließlich innerhalb der Lohnleitlinien zu landen?

Die Betriebszelle Westerholt/Polsum (Herten,d.Vf.) unserer Partei hat den Kampf gegen die Manöver der IGBE-Führung aufgenommen. Das Ziel dieses Kampfes ist es, die Kollegen für sofortige Urabstimmung und einheitlichen Streik zu mobilisieren und die Verschleppungstaktik der Schmidt und Co. zu beenden. Die politische Schlichtung muß verhindert werden! Die KPD hält an ihren Forderungen fest:
- 7 DM mehr pro Schicht für alle ab 1.Juli!
- 1 000 DM Mindestnettolohn!
- 500 DM Existenzlohn für Lehrlinge!
- Vollen Tarifschichtlohn für Jungarbeiter!
- Keine Anrechnung der Tariferhöhung auf den Effektivlohn!"
Q: Rote Fahne Nr.47,Dortmund 14.6.1972,S.4

19.06.1972:
Laut KPD/ML-ZB haben ihre Ruhrbergbaubetriebsgruppen vor allen Zechen im Ruhrgebiet ein 'Extrablatt der RAG-Betriebsgruppen der KPD/ML' mit zwei Seiten DIN A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, verteilt, welches den Aufruf des Landessekretariat (LSEK) der KPD/ML-ZB enthält:"
JETZT REICHTS!
URABSTIMMUNG UND STREIK!
WIR LASSEN UNS NICHTS VERBIETEN!

Kumpels!
KEINE KOHLE AUS DEM SCHACHT, KEINE KOHLE VON DER HALDE
Das war und ist unsere Parole im Kampf zur Durchsetzung unserer Forderungen. Auch der IGBE-Vorsitzende Schmidt führte diese Parole im Mund. Bis gestern mittag!
Und jetzt?
IGBE-HAUPTVORSTAND SETZT URABSTIMMUNG AB!
Stattdessen sitzen sie mit den Herren der Regierung und der RAG hinter verschlossenen Türen und schlichten unsere Forderungen herunter. Das sind die Taten der IGBE-Führer. Sie wollen unter allen Umständen einen Streik auf den Zechen verhindern.

Zur gleichen Zeit werden in Bonn in fieberhafter Eile Gesetze durchgepeitscht (vgl. 22.6.1972,d.Vf.), die wie z.B. das Bundesgrenzschutz den bewaffneten Einsatz dieser Truppe gegen Streiks möglich machen (Lest dazu das ROTE FAHNE Extrablatt (vgl. 19.6.1972,d.Vf.) und unsere Dokumentation (vgl. Bergbau NRW - 24.5.1972,d.Vf.)!)

Verbot der Urabstimmung - Streikverbot - politische Schlichtung - Gesetze zur bewaffneten Niederschlagung von Streiks, diese Kette müssen wir durchbrechen! Wir machen diesen Herren einen Strich durch die Rechnung! Wir sind stark genug! Wir führen die Urabstimmung selber durch!
MORGEN URABSTIMMUNG TROTZ ALLEDEM!

So sieht der Stimmzettel aus:
Ich bin für Streik ja nein

SO WERDEN WIR MORGEN DIE URABSTIMMUNG DURCHFÜHREN.
DIE ANTWORT IST: JA ZUM STREIK

Kumpels!
Diese Urabstimmung muß noch einmal den Beweis liefern: Wir sind bereit zum Streik!
Diese Urabstimmung ist der erste Schritt. Ist sie erfolgreich, so werden wir noch morgen mittag einen Sternmarsch nach Düsseldorf organisieren. Dort werden wir den IGBE-Führern bei ihrer politischen Schlichtung mit der Regierung und den Zechenherren das Ergebnis auf den Tisch knallen. Schluß mit der politischen Schlichtung! Wir wollen Geld und keine Almosen - keine Pfennige, sondern 7 DM pro Schicht!

Kumpels!
Jetzt kommt es auf jeden an! Gemeinsam werden wir siegen!
DIE SOLIDARITÄT DER BERGARBEITER IST STÄRKER ALS DER VERRAT DER IGBE-FÜHRER!

Die KPD/ML wird die Urabstimmung an folgenden Schachtanlagen durchführen: Minister Stein, Hansa, Hannover-Hannibal, General Blumenthal, Ewald, Westerholt, Holland und Prosper."

Ob das Flugblatt wirklich vor allen Zechen verteilt wurde ist zweifelhaft, zumindest dürfte dies aber geschehen sein bei den Zechen Prosper Bottrop, Hannover/Hannibal Bochum, Ewald Herten, Minister Stein/Hardenberg und Hansa Dortmund, General Blumenthal Recklinghausen, Westerholt Polsum und Holland Wattenscheid (heute Bochum).

Auf der Schachtanlage Minister Stein/Hardenberg Dortmund erscheint dieses Extrablatt unter dem Kopf der 'Rutsche'.
Q: Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.42,Bochum 21.6.1972;
Extrablatt der RAG-Betriebsgruppe der KPD/ML Jetzt reicht's - Urabstimmung und Streik!,Bochum o.J. (19.6.1972)

20.06.1972:
Die KPD (vgl. 21.6.1972) berichtet hochaktuell "ABSCHLUß IN DER BERGBAU-TARIFRUNDE". Später (vgl. 28.6.1972) berichtet die KPD erneut:"
ZUM ABSCHLUß IN DER BERGBAU-TARIFRUNDE: DER VERRAT DER IGBE-SPITZE IN DER TARIFRUNDE
...
Was jetzt kommen soll, ist klar: Neue schlechtere Gedingeabschlüsse (Gedinge ist die überwiegende Form der Leistungslohnarbeit unter Tage, die Red.) und Abbau der übertariflichen Zulage durch Anrechnung der Lohnerhöhung. Das Ziel der RAG-Kapitalisten ist es: Die Kumpel sollen nicht einmal diese 6,75 Prozent sehen, sondern sich trotz des Lohnabbaus durch die maßlose Preistreiberei und trotz der gestiegenen Arbeitshetze mit gar keiner Lohnerhöhung zufrieden geben.

Gegen dieses Vorhaben der Kapitalisten wird die Zelle Westerholt/Polsum unter der Forderung kämpfen:
KEINE ANRECHNUNG DER LOHNERHÖHUNG AUF DIE ÜBERTARIFLICHE
UND PERSÖNLICHE ZULAGE!"
Q: Rote Fahne Nr.48 und 49,Dortmund 21.6.1972 bzw.28.6.1972,S.3 bzw. S.4

20.06.1972:
Die KPD/ML-ZB beginnt heute ihre Urabstimmungsaktion für einen Streik im Ruhrbergbau. Diese findet u.a. statt an den Zechen Minister Stein / Hardenberg Dortmund, Prosper 2, 3 und 4 in Bottrop, Ewald 3/4 in Herten, General Blumenthal in Recklinghausen und Hannover/Hannibal in Bochum. Die Aktion soll den "Schlichtungsverrat in der Bergbautarifrunde" (u.a. 7% mehr Lohn) ablehnen.

Innerhalb von Spartacus BL wird anonym von der eigenen Intervention in die Bergbautarifrunde (BETR) im Ruhrbergbau (vgl. 19.6.1972) über die Urabstimmung der KPD/ML-ZB berichtet:"
Weit über 2 000 Kumpels nahmen an dieser Urabstimmung teil. Besonders starke Resonanz fand die KPD/ML in den Betrieben Prosper, Hannover/Hannibal, Ewald und Minster Stein. Als wir davon erfuhren, staunten wir nicht schlecht.
...
Beide Organisationen waren der Meinung, daß es am wichtigsten sei, vor möglichst vielen Betrieben zu intervenieren, um einen Streik zu erzeugen. Darum einigte man sich auch auf gemeinsame Parolen:
1. Sofortige Kauenversammlung
2. betriebliche Gremien, die den Streik vorbereiten und sich mit anderen Schachtanlagen in Verbindung setzen.
Aufgrund der bei uns nur gering zur Verfügung stehenden Genossen einigte man sich darauf, dass BL in Duisburg und Essen Flugblätter verteilt und die ML in Bottrop, Westerholt, Bochum, Wanne-Eickel und Dortmund."
Q: Spartacus BL-Internes Bulletin Nr.4,o.O. 23.1.1973;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.42,Bochum 21.6.1972;
Rote Fahne Nr.13,Bochum 28.6.1972,S.1ff

20.06.1972:
Vermutlich in Bochum geben die KPD/ML-ZB und der KJVD zur Mittagsschicht ein Flugblatt mit einer Seite Din A 4 unter Verantwortung von Norbert Osswald, Bochum, heraus:"
WEITER SO!

Die von der KPD/ML organisierte Urabstimmung entwickelt sich zu einer machtvollen Protestaktion gegen das Urabstimmungsverbot der IGBE-Führer! Hier die ersten Zwischenergebnisse von der Frühschicht:


                                               ja  nein

Prosper (in Bottrop,d.Vf.                     328    19

Hannover/Hannibal (in Bochum,d.Vf.)           260     2

Ewald (in Herten,d.Vf.)                       167    12

Minister Stein (in Dortmund,d.Vf.)            105     -

Blumenthal (in Recklinghausen,d.Vf.)           46     1

Westerholt Polsum                              32     2

Holland (in Wattenscheid, heute Bochum,d.Vf.)   3     -

Kumpels! Weiter so!
Schon diese ersten Ergebnisse sind ein harter Schlag gegen die Pläne der Gewerkschaftsbonzen. Die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen zu Ende bringen - das geht nicht mehr! Schon heute morgen haben fast 1 000 Kumpels von den 7 Schachtanlagen gezeigt: Wir sind bereit dagegen zu kämpfen, daß es uns immer dreckiger geht! Wir sind bereit gegen Lohnabbau und Gedingediktat eine echte Lohnerhöhung im Kampf durchzusetzen!

WIR SIND BEREIT ZUM STREIK!

Kollegen! Richtig so! Jetzt kommt es darauf an, daß auch die übrigen zeigen: wir machen mit! Urabstimmung ist der erste Schritt. Je mehr mitmachen, je größer unsere Einheit ist, desto besser können wir die nächsten Schritte organisieren. Der Hauptvorstand der IGBE hat die Urabstimmung abgesetzt und geht heute mit der Regierung und den Zechenherren in die politische Schlichtung. Diesen Herren müssen wir das Heft aus der Hand nehmen! Denn mit diesen Herren setzen wir unsere Forderungen nicht durch. Ihre Handlanger in den Betriebsräten zogen heute morgen entweder wie geprügelte Hunde an den Urnen vorbei (wenn die Kumpels dabei waren) oder versuchten teilweise mit Gewalt, die Urabstimmung zu verhindern (wenn die Kumpels nicht dabei waren).

Wie geht es weiter?
JETZT ALLE WÄHLEN!!!
JETZT DEN STREIK VORBEREITEN!!!
Wir werden das Ergebnis dem Hauptvorstand auf den Tisch knallen. Dazu schlagen wir vor, daß morgen Delegationen von den verschiedenen Schachtanlagen nach Bochum fahren. Kumpels! Über diese und weitere Maßnahmen müssen wir heute Abend noch gemeinsam beraten. DESHALB WIRD DIE KPD/ML HEUTE ABEND VERSAMMLUNGEN DURCHFÜHREN! Weiter: die KPD/ML wird die Bevölkerung über diesen Kampf informieren und zur Solidarität aufrufen. Dazu werden wir noch heute ein Spendenkonto einrichten. Auch dazu näheres auf den Versammlungen.
JETZT LIEGT ES AN UNS! VORWÄRTS KOLLEGEN!

Kollegen, nehmt Euch die Kumpels von Hardenberg (in Dortmund,d.Vf.) zum Vorbild!
Sie führen heute mittag um 12 Uhr eine Belegschaftsversammlung durch.

HEUTE ABEND, 21 UHR: Öffentliche Auszählung der Urabstimmung
Bericht über die Lage an den anderen Ruhrzechen!
Treff: Vor dem Vereinshaus St. Barbara"
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Weiter so!,o.O. o.J. (20.6.1972)

20.06.1972:
Auf der Zeche Westerholt Polsum stimmen bei der von der KPD/ML-ZB durchgeführten Urabstimmung über Streik in der Bergbautarifrunde (BETR), nach eigenen Angaben, in der Frühschicht 32 für Streik und 2 dagegen.
Q: KPD/ML-ZB, KJVD:Weiter so!,o.O. o.J. (20.6.1972),S.1

21.06.1972:
Die KPD/ML-ZB verteilt vermutlich heute an verschiedenen Zechen des Ruhrbergbaus ein Flugblatt "Urabstimmung - Keine Schlichtung!". Dies geschieht vermutlich u.a. auf den Zechen Prosper Bottrop, Hannover/Hannibal Bochum, Ewald Herten, Minister Stein Dortmund, General Blumenthal Recklinghausen, Westerholt Polsum und Holland Wattenscheid (heute Bochum). Ungefähr zur selben Zeit werden auch noch die Flugblätter "Weiter so!" und "Wir sind bereit!" verteilt, die wir nicht genau zu datieren vermochten.
Q: KPD/ML-ZB:Urabstimmung - Keine Schlichtung!,Bochum o.J. (1972);
KPD/ML-ZB:Weiter so!,Bochum o.J. (1972);
KPD/ML-ZB:Wir sind bereit!,Bochum o.J. (1972)

22.06.1972:
In NRW gibt die Konzernzellenleitung Ruhrkohle AG (RAG) vermutlich heute einen Sonderdruck ihrer 'Kommunistischen Arbeiterpresse' (KAP - vgl. 8.5.1972) für die Ruhrkumpel mit zwei Seiten DIN A4 und ohne presserechtlich Verantwortlichen aber mit Kontaktadressen in Dortmund (Zimmerstr.19) und Gelsenkirchen-Hassel (freitags 15-17 Uhr 'Haus Bölt', Marler Str. 132, Nähe Zeche Westerholt) zum Abschluss der Bergbautarifrunde (BETR) unter dem Titel "7%: Planmäßiger Verrat der IGBE-Führung" heraus.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse, Sonderdruck der Konzernzellenleitung RAG der KPD für die Ruhrkumpel 7%: Planmäßiger Verrat der IGBE-Führung,o.O. o. J.

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28.06.1972:
Die KPD gibt die achtseitige Nr.49 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 21.6.1972, 5.7.1972) heraus, in der sie u.a. eine Konzernzellenleitung Ruhrkohle AG erwähnt, die allerdings bisher nur die Zelle Zeche Westerholt in Polsum anleitet.
Q: Rote Fahne Nr.49,Dortmund 28.6.1972

12.07.1972:
In der Nr.51 der 'Roten Fahne' der KPD (vgl. 5.7.1972, 19.7.1972) wird berichtet von der Zelle Westerholt Polsum von der eigenen Zeche.
Q: Rote Fahne Nr.51,Dortmund 12.7.1972

10.10.1972:
In der Nr.64 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 4.10.1972, 18.10.1972) berichtet die KPD u.a. durch ihre Zelle Zeche Westerholt in Polsum.
Q: Rote Fahne Nr.64,Dortmund 11.10.1972

November 1972:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Apr. 1972, Dez. 1972) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Nov. 1972

03.11.1972:
Die Betriebszelle der KPD auf der Zeche Westerholt in Polsum führt eine Arbeiterrunde durch.
Q: Rote Fahne Nr.68,Dortmund 8.11.1972

15.11.1972:
Die KPD veröffentlicht die Nr.69 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 8.11.1972, 21.11.1972). Zu Wort kommt auch die Zelle Zeche Westerholt Polsum.
Q: Rote Fahne Nr.69,Dortmund 15.11.1972

Dezember 1972:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Nov. 1972, Feb. 1974) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Dez. 1972

18.12.1972:
Vermutlich in dieser Woche gibt die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD erstmals ihre 'Revolutionäre Gewerkschaftsopposition' (RGO) (vgl. März 1973) heraus. In der Dokumentation zu den Betriebsratswahlen 1972 befaßt man sich u.a. auch mit den Zellen der KPD u.a. bei Westerholt Polsum. Die Rationalisierung wird u.a. unter Erwähnung der Zeche Westerholt Polsum abgehandelt.
Q: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.1,Dortmund o.J. (1972)

10.02.1973:
Bei Hoesch Dortmund wird heute Abend, laut KPD, der Streik beendet (vgl. 9.2.1973, 12.2.1973).

Für die Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD (vgl. März 1973) berichtet das RK Rhein/Ruhr der KPD (vgl. 9.2.1973, 12.2.1973) gleich lautend wie zuvor bereits die Zelle Hoesch Westfalenhütte der KPD (vgl. 16.2.1973):"
1 Uhr: Während der Streikversammlung treffen in der alten Kantine Solidaritätsadressen von HOAG (Oberhausen,d.Vf.), von RHEINSTAHL-GIEßEREI MEIDERICH (Duisburg,d.Vf.) und von ZECHE WESTERHOLT (Polsum,d.Vf.) ein. Die Kollegen treffen in der Streikversammlung ein und berichten."
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Hoesch Nr.21,Dortmund o. J. (16.2.1973),S.6;
Rote Fahne Nr.7,Dortmund 14.2.1973;
Revolutionäre Gewerkschaftsopposition Nr.2,Dortmund 1973,S.25f. und 43

12.02.1973:
Bei Hoesch Dortmund gibt die DKP ein zweiseitiges Extrablatt ihrer 'Heisse Eisen' (vgl. 9.2.1973, 21.2.1973) heraus:"
FORDERUNGEN DER BELEGSCHAFTEN UND IHRER BETRIEBSRÄTE WEITERHIN AUF DEM TISCH!
...
DAS SCHWEIGEN WURDE DURCHBROCHEN!

Wenn auch die Forderung nach 14 Pfennig nicht voll durchgesetzt werden konnte, ist die Streikaktion dennoch als Erfolg für die Hoescharbeiter und die Stahlarbeiter der ganzen Bundesrepublik zu werten. Für die Bevölkerung des ganzen Landes wurde schlagartig sichtbar: Angesichts der Preissteigerungen und der ständig steigenden Leistungen der Stahlarbeiter ist ihr Lohn einfach zu niedrig. Der abgeschlossene Tarifvertrag gleicht die Preissteigerungen bei weitem nicht aus. Er kommt außerdem einem Lohnstop von einem Jahr gleich. Die Stahlarbeiter von Hoesch haben das Schweigen durchbrochen, das von den Massenmedien, von Springer bis zum ZDF, über ihre Situation verhängt wurde. Das wird deutlich durch die vielen Solidaritätsbekundungen, die von den Belegschaften vieler Betriebe kamen, so z.B. von der Gießerei Meiderich (Rheinstahl Gießerei Duisburg-Meiderich - IGM-Bereich,d.Vf.) und der Zeche Westerholt (IGBE-Bereich in Herten-Polsum,d.Vf.). Wir sagen es auch ganz offen: Ohne die Protestaktionen der Hoeschbelegschaften hätte der Vorstand seine Tabelle heute bereits durchgepeitscht!"
Q: Heisse Eisen Extrablatt,Dortmund 12.2.1973

20.02.1973:
Die Zelle Westerholt Polsum der KPD gibt ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' Nr.12 (vgl. 13.6.1972, 1.11.1973) mit dem Leitartikel zur Bergbautarifrunde (BETR): "Tarifvertragswesen: Vom kollektiven Kampfinstrument zur Waffe der Bourgeoisie heruntergewirtschaftet" heraus.
Berichtet wird über Zeitmesser und Betriebsstudienhauer, gezogen werden aus Dortmund "Lehren aus dem Hoesch-Streik" (vgl. 8.2.19739, aufgerufen wird zur Unterstützung der Vietnam-Hilfe Alles für den Sieg.
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Westerholt Polsum Nr.12,Herten 20.2.1973

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21.02.1973:
Die KPD gibt die Nr.8 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 14.2.1973, 28.2.1973) heraus. Aus NRW kommt eine Arbeiterkorrespondenz von der Ruhrkohle AG bzw. der Zeche Westerholt in Polsum.
Q: Rote Fahne Nr.8,Dortmund 21.2.1973

14.03.1973:
Die KPD gibt die achtseitige Nr.11 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 7.3.1973, 20.3.1973) heraus, die u.a. von der Herausgabe eines Sonderdrucks der 'Kommunistischen Arbeiterpresse' der Zelle Westerholt Polsum unter dem Titel "Kampf den politischen Entlassungen!" berichtet.
Q: Rote Fahne Nr.11,Dortmund 14.3.1973

25.07.1973:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' Nr.30 (vgl. 18.7.1973, 1.8.1973) heraus. U.a. wird berichtet von der Zeche Westerholt in Polsum.
Q: Rote Fahne Nr.30,Dortmund 25.7.1973

November 1973:
Spartacus Bolschewiki/Leninisten gibt seinen 'Spartacus' Nr.9 (vgl. Okt. 1973) heraus. Berichtet wird u.a. über die Zeche Westerholt Polsum in Herten.
Q: Spartacus Nr.9,Mainz Nov. 1973

01.11.1973:
Die Zelle Westerholt Polsum der KPD gibt vermutlich ungefähr heute ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' Nr.14 (vgl. 20.2.1973) für November mit dem Leitartikel "Streikleitung fehlte" zum Streik im Saarbergbau (vgl. 22.10.1973) heraus. Berichtet wird "Uli Kranzusch aus U-Haft freigekämpft!" und über "Das neue Energiekonzept: Planmäßiger Tod des Steinkohlebergbaus!". Aufgerufen wird zur bundesweiten Demonstration gegen Lohnraub, Arbeitshetze und Teuerung in Dortmund (vgl. 3.11.1973).
Q: Kommunistische Arbeiterpresse Westerholt Polsum Nr.14,Herten Nov. 1973

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30.01.1974:
In der Nr.5 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 23.1.1974, 6.2.1974) befaßt sich die KPD u.a. aus Polsum mit dem Verbundwerk Bergmannsglück.
Q: Rote Fahne Nr.5,Dortmund 30.1.1974

Februar 1974:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt ein Extrablatt ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Dez. 1972, März 1974) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe Extrablatt,Herten Feb. 1974

März 1974:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Feb. 1974, März 1975) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten März 1974

April 1974:
Die Zelle Zeche Westerholt Polsum der KPD gibt vermutlich im April ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) (vgl. **.*.1974, **.*.1974) heraus, in der sie sich u.a. mit der IGBE Bochum, den Hauern in Ausrichtung und Vorrichtung und Kindern in Polsum befaßt.
Q: Rote Fahne Nr.18,Dortmund 2.5.1974

27.05.1974:
In Herten wird von der KPD Betriebszelle (BZ) der Zeche Westerholt Polsum vermutlich spätestens in dieser Woche ein Parteitagsaufgebot (vgl. 26.6.1974) beschlossen.
Q: Rote Fahne Nr.23,Dortmund 5.6.1974

12.07.1974:
Die Zelle Zeche Westerholt Polsum (IGBE-Bereich) der KPD in Herten gibt ihre 'Kommunistische Arbeiterpresse' (KAP) (vgl. **.*.1974, **.*.1974) heraus, in der sie sich u.a. mit den Grubenunglücken auf den Zechen Minister Achenbach in Kamen bzw. Lünen (7 Tote) sowie zuvor auf der Zeche Sachsen in Hamm-Heessen (vgl. **.**.197*) mit 4 Toten befaßt. Eingegangen wird auch auf den Unvereinbarkeitsbeschluß (UVB) der IGBE.
Q: Rote Fahne Nr.29,Dortmund 17.7.1974

04.12.1974:
In der Nr.49 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. 27.11.1974, 11.12.1974) veröffentlicht die KPD einen Bericht der Zelle Zeche Westerholt Polsum (IGBE-Bereich) über Tunesier Untertage.
Q: Rote Fahne Nr.49,Dortmund 4.12.1974

März 1975:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt vermutlich im März eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. März 1974, Apr. 1975) zum Bergarbeiterforum (vgl. 23.3.1975) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten o.J. (1975)

April 1975:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt zwei Ausgaben ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. März 1975, Sept. 1975) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Apr. 1975

16.04.1975:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.15 (vgl. 9.4.1975, 23.4.1975) heraus und berichtet u.a. über die Zeche Westerholt Polsum.
Q: Rote Fahne Nr.15,Dortmund 16.4.1975

September 1975:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt vermutlich im September eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Apr. 1975, Nov. 1975) mit einem Aufruf zum 'UZ'-Pressefest (vgl. 20.9.1975) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten o.J. (1975)

November 1975:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Sept. 1975, Feb. 1976) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Nov. 1975

21.01.1976:
Die KPD gibt ihre 'Rote Fahne' (RF) Nr.3 (vgl. 14.1.1976, 28.1.1976) heraus.
Aus Gelsenkirchen wird berichtet vom schließungsbedrohten Krankenhaus Bergmannsheil (420 Besch., 300 Betten) in Buer, was besonders für den Bergbau (IGBE-Bereich), wie die Zeche Westerholt Polsum wichtig ist.
Q: Rote Fahne Nr.3,Köln 21.1.1976

Februar 1976:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Nov. 1975, Sept. 1976) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Feb. 1976

September 1976:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Feb. 1976, Mai 1977) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Sept. 1976

Mai 1977:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Sept. 1976, Juni 1977) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Mai 1977

Juni 1977:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt vermutlich im Juni eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Mai 1977, Apr. 1978) für Juni/Juli heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Juni/Juli 1977

April 1978:
Die DKP Betriebsgruppe der Zeche Westerholt Polsum in Herten gibt eine Ausgabe ihrer Informationen, 'Die aktuelle Seilscheibe' (vgl. Juni 1977) heraus.
Q: Die aktuelle Seilscheibe,Herten Apr. 1978

Letzte Änderungen: 8.5.2010

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