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Dortmund: Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen) LV NRW

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 21.8.2008

Bolschewistische Linie: Offener Brief an die KPD_ML (Roter Morgen) und an die KPD/ML (Rote Fahne)
Bild vergrößern Offener Brief (1972)

Die Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen) ist ein Produkt der Auseinandersetzungen auf dem außerordentlichen Parteitag der KPD/ML-ZK, auf dem sich die Widersprüche zuspitzten, die bereits zuvor auftraten. Die hier, in dieser wie immer unvollständigen Darstellung, vorgestellte BL tritt dabei gegen den Anspruch der KPD/ML-ZK auf, die einzige ML-Partei zu sein, befürwortet die Einheit mit der KPD/ML-ZB (vgl. Aug. 1971, Jan. 1972, 10.1.1972) und schließt sich dieser, nach einer Auseinandersetzung innerhalb der zerfallenden KPD/ML-ZK Dortmund, bei der sie u.a. gegen das Studentenkomitee und damit die späteren Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund auftritt (vgl. 31.12.1971, Jan. 1972, 4.1.1972), und sich kurz unabhängig organisiert (vgl. Feb. 1972, 6.2.1972), an (vgl. 3.4.1972).

Obwohl mit Günter Ackermann auch Kölner Mitglied der BL zu sein scheinen, und auch eine bundesweite Organisation BL propagiert wird (vgl. 7.2.1972, 21.2.1972, 23.2.1972), wird die BL nach den uns vorliegenden Quellen vor allem in Dortmund tätig, bildet sich offenbar aus der Gruppe, die zuvor bei Hoesch die 'Rotfront' herausgab, was dann auch als BL noch einmal geschieht (vgl. 13.3.1972).

Es werden Analysen der wirtschaftlichen und politischen Lage erarbeitet (vgl. Dez. 1971) sowie der Agitproparbeit der KPD/ML-ZK Ortsgruppe Dortmund (vgl. März 1972). Auch an praktischen Aktivitäten beteiligt sich die BL (vgl. 11.3.1972) und bemüht sich um die Gewinnung weiterer Mitstreiter (vgl. 15.3.1972). Die KPD/ML-ZK ist natürlich empört (vgl. 13.3.1972), ebenso die MLPD Nr.2, damals noch KAB/ML bzw. KPD/ML-RW heißend (vgl. Juni 1972).

Nachdem die KPD/ML-ZK ihre Reihen wieder hinreichend gestärkt hat, um bei Hoesch Dortmund erneut eine Betriebszeitung herauszugeben, wird dies von Klaus Dillmann kritisiert (vgl. 14.8.1972). BL-Mitglieder beraten damals auch die Zentrale der KPD/ML-ZB (vgl. 6.9.1972).

Beim Zerfall der KPD/ML-ZB schließen sich in Dortmund auch ehemalige BL-Mitglieder wieder der KPD/ML-ZK an (vgl. 21.2.1973, 24.2.1973), nicht aber Klaus Dillmann, der dies kritisiert (vgl. 27.3.1973).

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

16.07.1971:
Die KPD/ML-ZK berichtet aus Dortmund vom Verkauf ihres 'Roten Morgens':"
FREITAG ...
... MITTAGS, ZECHE HANSA:

Die Verkäufer stehen auf dem Bürgersteig, gegenüber der Kneipe. Zuerst kommt der Wirt heraus und grabscht nach den Roten Morgen. Ein antikommunistisch aufgehetzter Kohlenfahrer kommt ihm zu Hilfe: 'Kommunistenschweine!' Es dauert nicht lange, bis Weyers Grüne da sind. 'Personalien!'

... MITTAGS, KOKEREI HANSA:

Zwei Verkäufer stehen an der Einfahrt. Eine Handvoll Gewerkschaftsbonzen vom Betriebsrat stürmt plötzlich auf sie zu. Angeblich stehen die Verkäufer auf Zechengelände. Die Betriebsratsbonzen ächzen: 'Ihr verletzt den Betriebsfrieden mit Eurer Propaganda! Wir dürfen auf Zechengelände auch keine SPD-Reklame machen! Runter vom Zechengelände, sonst holen wir die Polizei!' Keine SPD-Reklame - da lachen ja die Hühner! Ein paar Meter weiter wird der ROTE MORGEN weiter verkauft.
BONZEN, IHR ZITTERT UM EUREN 'BETRIEBSFRIEDEN' JA NOCH MEHR ALS DIE KAPITALISTEN !!!"

Damit befaßt sich auch die spätere Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (RM) in Dortmund (vgl. 10.1.1972).
=Rotfront Nr.7,Dortmund o.J. (1971),S.2;
KPD/ML-ZK und RG Dortmund:Betriebsräte der Kokerei Hansa sorgen für Ruhe und Ordnung im Betrieb,Dortmund o.J. (Juli 1971),S.1;
N.N.:Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund,Dortmund Jan. 1972,S.2


August 1971:
In der OG Dortmund der KPD/ML-ZK verfaßt, laut der späteren Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (RM) in Dortmund (vgl. 31.12.1971, 10.1.1972), vermutlich im August ein Mitglied den folgenden, auch im 'Parteiaufbau' (vgl. Sept. 1971) verbreiteten Text:"
Antrag eines Mitglieds der OG Dortmund an den Parteitag (aus Zeitgründen konnte der Antrag nicht auf einer OG-Sitzung behandelt werden)

ZUR EINHEIT DER MARXISTEN-LENINISTEN

1. Das neugewählte ZK entfaltet im Zeitraum des nächsten halben Jahres eine revolutionäre Bewegung für die Einheit der Marxisten-Leninisten in der KPD/ML in allen Bereichen der Partei und der Massenorganisationen, unter allen Parteigenossen und Sympathisanten. Dabei werden konkrete Richtlinien für die Durcharbeitung der Spaltungsgeschichte und für ihre korrekte Darstellung in allen Parteiebenen sowie für den ideologischen, politischen und organisatorischen Kampf gegen alle für die Spaltung verantwortlichen Elemente - gleich ob in unserer Partei oder in der Gruppe ROTE FAHNE Bochum (KPD/ML-ZB,d.Vf.) - vom ZK, vom Politbüro, im engen Kontakt mit den unteren Parteiorganisationen erarbeitet. Ziel der Untersuchungen und der Propagierung ihrer Ergebnisse muß es sein, die korrekte Einschätzung des gegenwärtigen Standes der Partei auf der einen und der Gruppe ROTE FAHNE Bochum auf der anderen Seite sowie der aktuell bedeutsamen Widersprüche und ihrer Natur entschieden in Angriff zu nehmen.

2. Das ZK setzt sich im nächsten Vierteljahr mit dem ZB in Verbindung und macht Vorschläge zur Überwindung der Spaltung. Das ZK informiert im gleichen Zeitraum die wichtigsten Gremien der Partei im besonderen und alle Parteigenossen im allgemeinen über den Stand der Initiative.

3. Das ZK (und Politbüro) gibt im Verlaufe des o.g. halben Jahres eine Stellungnahme für alle Genossen der Partei und der Massenorganisationen ab. Es berichtet darin über den Stand der Gespräche mit der Gruppe Rote Fahne Bochum, über den Charakter der Widersprüche, und fügt eine Stellungnahme der Gruppe Rote Fahne zu den gleichen Fragen bei. Der genaue Zeitpunkt innerhalb der Frist muß taktischen Erwägungen Rechnung tragen.

4. Bei positivem Verlauf der Gespräche mit der Gruppe Rote Fahne Bochum erfolgen konkrete ideologische, theoretische und praktische Anleitungen für alle Ebenen, die den revolutionären Kampf für die Einheit der Marxisten-Leninisten führen müssen. Jeder negative Verlauf muß gegenüber den Parteigenossen von seiten des ZK exakt begründet werden.

BEGRÜNDUNG:

Zu 1: Die Gruppe Rote Fahne Bochum gehört zur marxistisch-leninistischen Bewegung und gehörte zur Partei. Die Spaltung der KPD/ML in zwei schadet der Verankerung im Proletariat und der proletarischen Kaderbildung. Gerade auch die fortschrittlichsten Kollegen verstehen es nicht. Wenn Kräfte, bei deren Widersprüchen ständig der antagonistische Charakter geprüft werden muß (ob überhaupt antagonistisch), sich noch bekämpfen, ohne daß auf allen Ebenen die ideologischen Fragen geklärt werden, dann wird der Aufbau der revolutionären Vorhut des Proletariats, der Kommunistischen Partei, IDEOLOGISCH, POLITISCH UND ORGANISATORISCH in Frage gestellt. In vielem ist die Tätigkeit der Gruppe Rote Fahne ihrem Wesen nach der unseren mindestens zu 70:30 gleich.

Zu 2: Die Aufgabe drängt angesichts der Metalltarifbewegung (MTR der IGM,d.Vf.) und der bevorstehenden Illegalisierung der revolutionären Kräfte. Es ist eine Aufgabe, die entschieden, verbindlich und geschlossen in Angriff genommen werden muß. Es ist hier notwendig, Rahmen zu sprengen, z.B. auf Prestigefragen im Interesse der Revolution zu verzichten.

Zu 3: Zentrale und untere Ebenen der Partei prüfen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus und disziplinierter Arbeit den Charakter der Widersprüche und die politischen Konsequenzen. Dieser Kampf ist selbst ein Beitrag zur ideologischen Erziehung der Partei."
=N.N.:Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund,Dortmund Jan. 1972,S.11f und 21

Dezember 1971:
Vermutlich im Dezember wird vermutlich innerhalb der KPD/ML-ZK in Dortmund oder bereits in der Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML RM das folgende Papier von 11 Seiten DIN A 4 verfaßt, wobei wir handschriftliche Korrekturen und Ergänzungen soweit lesbar in den Text eingearbeitet haben:"
KRISENZEICHEN: ENTLASSUNGEN UND BANKROTTE

'Die deutsche Wirtschaft befindet sich in akuter Rezessionsgefahr. Die Kostenlawine hat weiten Bereichen unserer Wirtschaft die internationale Wettbewerbsgrundlage entzogen.' So äußerte sich im September dieses Jahres einer der führenden Männer der 'deutschen Wirtschaft', Hans Günther Sohl. Herr Sohl, Thyssen-Direktor und Kandidat für die Nachfolge von Fritz Berg als Vorsitzender des Bundesverbandes deutscher Industrieller (BDI), gibt eine düstere Vorhersage der Entwicklung des westdeutschen Kapitalismus: bis zum Oktober 1972 sehen sich die Stahlkapitalisten genötigt, in Westdeutschland und Westberlin Hochöfen, Walzstraßen und andere Einrichtungen der Stahl- und metallverarbeitenden Industrie im Wert von über 3 Milliarden DM stillzulegen bzw. zu verschrotten.

Die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg hat angekündigt, daß bis Weihnachten 73 Betriebe mit rund 14 000 Beschäftigten dichtmachen werden. Weitere 61 Betriebe vor allem in Nordrhein-Westfalen sollen rund 7 200 Belegschaftsmitgliedern (von etwa 100 000) bis zum selben Zeitpunkt die Papiere geben. Es handelt sich dabei insbesondere um Stahlbetriebe und metallverarbeitende Betriebe sowie kleinere Straßenbaufirmen.

Die Herren der Fotowerke Voigtländer in Braunschweig sehen sich außerstande, den Betrieb gegenüber der japanischen Konkurrenz aufrechtzuerhalten. Ihnen ist der Lohnkostenfaktor zu hoch. Dr. Küppenbender, Chef der Carl-Zeiss-Stiftung, unter Hitler mit dem Kriegsverdienstkreuz, unter Brandt 1971 mit dem Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet, führte in Braunschweig selbst die Verkaufsgespräche und erklärte im Namen der Stiftung, die sich das Wohl ihrer Arbeiter zum Programm gemacht hat, der bürgerlichen Presse: 'Die Carl-Zeiss-Stiftung kann nicht länger zusehen, daß die 'kranken' Betriebe (gemeint Voigtländer, Zeiss-Ikon in Stuttgart) die 'gesunden' Betriebe (gemeint Prontor-Werke Kiel, Optische Werke Wetzlar) belasten.' D.h. die 3 000 Arbeiter und Angestellten der Kameraproduktion in Stuttgart und Braunschweig werfen nicht mehr genug Profit ab und dürfen sich daher nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen. Die Neuerrichtung der Zeiss-Ikon auf Taiwan ist eben profitträchtiger.

Auf ähnliche Weise suchen die Klöckner-Kapitalisten die Hasper Hütte in Hagen (4 500 Beschäftigte) und die Georgsmarienhütte bei Hannover (bei Osnabrück,d.Vf.) loszuwerden. Für die letztere wurden Anfang Oktober beim Landesarbeitsamt Hannover 450 Entlassungen angemeldet. Um eine höhere Stillegungsprämie herauszuholen, wurde in der Hasper Hütte eigens noch rasch ein Hochofen installiert, bevor man die Werke an den Staat verhökert.

Rheinstahl, dessen Profit, soweit ausgewiesen, dieses Jahr fast auf den Nullpunkt sank (50 DM pro Beschäftigten im Jahr) und dessen Aktionäre großzügigerweise auf Dividendenausschüttung verzichteten, kündigte im September an, bis zum Jahresende rund 2 000 Belegschaftsmitgliedern (von 70 000 zu kündigen). Die Bosse der Schreibmaschinenwerke Olympia Wilhelmshaven stellten den Betriebsrat vor die Alternative: entweder Kurzarbeit für alle oder Entlassung eines Teils der Belegschaft. Der Betriebsrat entscheid sich für letzteres, 'weil das die Sicherung der Arbeitsplätze für die übrigen Kollegen bedeutet' (zitiert in Frankfurter Rundschau). Inzwischen sehen es die Kapitalherren der Olympiawerke als besonders lukrativ an, ein Zweigwerk in Nordirland zu errichten, mit erheblicher finanzieller Starthilfe durch die nordirische Regierung und der Zusicherung billiger Arbeitskräfte, womit der nordirische Staat in ganzseitigen Anzeigen in der überregionalen bürgerlichen Presse um Investoren wirbt.

Anfang Oktober betrug die offizielle Arbeitslosenquote in der BRD und Westberlin rund 0,7% gleich 150 000 Arbeitslose. Kurzarbeit ist bereits in allen großen Stahlbetrieben eingeführt. Einige davon, wie z.B. der Hoesch-Konzern, haben für das Jahresende eine Woche Zwangsurlaub vorgesehen, dessen Bezahlung sich nach dem Durchschnittslohn der letzten drei Monate bemißt, in denen die Überstunden bereits abgebaut sind. Schon Ende August entließ Hoesch Werk Union monatlich 49 Arbeiter, gerade so viele, daß sie nicht beim Arbeitsamt gemeldet zu werden brauchten. Ähnlich verhalten sich Krupp, Thyssen und andere. Erwartet wird in der Stahlindustrie eine Produktionseinschränkung von etwa 20% gegenüber dem Vorjahr. Vorausgesagt wurden von der Bundesanstalt für Arbeit im Okt. 1971 noch für diesen Winter 400 000 Arbeitslose (im Dezember schwächte man die Voraussage auf 300 000 ab).

RESERVEARMEE DER 'GAST'ARBEITER: BESONDERS MOBIL

Besonders hart betroffen sind die ausländischen Arbeiter. Zu Zeiten der Hochkonjunktur, als die Konzerne nicht genug Arbeitskräfte bekommen konnten und zugleich bestrebt waren, den Preis der Ware Arbeitskraft, den Lohn, niedrig zu halten, hatten sie ihre Werber nach Spanien, Portugal, Marokko, Griechenland, Jugoslawien und in die Türkei ausgeschickt. Da diese Länder unter dem Druck der Imperialisten in chronischer Arbeitslosigkeit gehalten werden, um die dortige Arbeitskraft billig zu erhalten, gelang es den Werbern, mit dem Versprechen goldener Berge über zwei Millionen ausländischer Arbeiter in die BRD und nach Westberlin zu locken. (Gleichzeitig errichteten z.B. Hoechst und Bayer in diesen Ländern sowie in Lateinamerika, Asien und Afrika Zweigwerke, um dort Extraprofite zu ergattern.

Von den Häschern der Bochumer Zechen AG wurden z.B. griechischen Arbeitern, falls sie in die BRD kämen, noch im Sommer 1969 ein Schichtlohn bis zu 60 DM sowie eigene Werkswohnungen versprochen. Wer sich darauf einließ, durfte bei der Zeche Hannibal/Hannover in Bochum unter Tage im Gedinge schuften und sich abrackern und erhielt im Durchschnitt 26 DM pro Schicht sowie ein elendes Wohnloch, das er sich mit anderen Kollegen zu erheblich überhöhter Miete teilen durfte. Um die Arbeiter zu beschwichtigen, erhielt mal dieser, mal jener mehr, weil er angeblich besonders fleißig war, es ging aber darum, den Lohn insgesamt zu drücken. Wenn ein Grieche es wagte, an die Versprechungen zu erinnern, konnte ihm mit der reibungslosen Zusammenarbeit zwischen deutschen Arbeitsämtern und griechischen Faschisten gedroht werden. Waren sich alle Kollegen einer Schicht einig, so wurde der Dolmetscher bestochen. Als der Arbeitseifer der griechischen Arbeiter, nachdem sie die Zusammenhänge begriffen hatten, allgemein erlahmte, wurden sie kurzerhand entlassen und durch marokkanische ersetzt, mit denen man das gleiche Spiel trieb. Während z.B. im Bergbau streikbereite Italiener, die nicht widerstandslos in jedes Drecksloch kriechen, als besonders faul verschrien werden, stellt die Ruhrkohle AG (RAG,d.Vf.) Südkoreaner und Japaner als große Vorbilder heraus, weil sie sich widerspruchslos in die gefährlichsten Löcher schicken lassen. Ihr andressiertes selbstmörderisches Kamikaze-Bewußtsein kommt den Profitmachern eben besonders gelegen und so nehmen die Arbeitsverhältnisse im Pütt immer mehr militärischen Charakter an.

Die Sicherheit am Arbeitsplatz ist seit Jahren besonders 'garantiert', da die Herren für die Gruben, die sie im Laufe der Zeit dichtmachen wollen, nichts mehr investieren wollen. So kann es vorkommen, daß man beim Abhauen plötzlich auf einen stillgelegten und unter Wasser stehenden Schacht stößt und ersäuft! So kamen bei einem Einbruch eines Stollens von Hannover/Hannibal Anfang September sieben Türken zu Tode. Selbstverständlich verliefen die Untersuchungen der Berufsgenossenschaft in solchen Fällen im Sande, hier insbesondere, denn es handelte sich ja nur um Türken. Ausländer werden zwar wie ihre deutschen Klassenbrüder zu Versicherungszwangsabgaben herangezogen, doch da sie später, in ihr Herkunftsland entlassen, ihre Ansprüche kaum anmelden können, sind ihre Beiträge faktisch Reingewinne der Versicherungsanstalt (jährlich rund 2 Milliarden DM).

Mittlerweile ist Hannover/Hannibal nicht mehr lukrativ genug und gehört mit den zu den über 30 Zechen, die die Ruhrkohle AG schließt. Auf solche und ähnliche Weise wurde in Zeiten der Hochkonjunktur der Preis der Ware Arbeitskraft generell unter ihren tatsächlichen Tauschwert gedrückt. Natürlich unternahmen die kapitalistischen Gewerkschaften nichts, um diese Machenschaften wirksam zu durchkreuzen, denn schließlich sitzen die Herren Adolf Schmidt, Otto Brenner und Co. ja in den Aufsichtsräten und kassieren Dividendenprämien.

So beschränken sie ihre Tätigkeit darauf, einige besonders krasse Fälle, die selbst unter Kapitalisten ungewöhnlich sind, anzuprangern, um so den Arbeitern vorzugaukeln, sie seien noch Arbeiterorganisationen. Wie zufrieden der Arbeiter mit 'seiner' IG Metall und 'seiner' IG Bergbau (IGBE,d.Vf.) ist, offenbaren die Septemberstreiks von 1969 und 1970, die in der offiziellen Statistik der Gewerkschaften als nicht stattgefunden gewertet werden. BILD stilisierte dann sogar das von der IGM in Nordwürttemberg/Nordbaden (NB/NW,d.Vf.) durchgeführte Streiktheater 1971 zu den größten Arbeitskämpfen seit Bestehen der BRD hoch.

Die westdeutschen Konzerne haben sich also mit einem reichlichen Polster an 'Gast'arbeitern eingedeckt, die, mit Ein- bis Dreijahresverträgen versehen, mit wachsender Krise wieder in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden können, wobei man dann quietschvergnügt die Verträge als Papierfetzen behandelt. Von den 2,24 Millionen ausländischen Arbeitern, die laut Statistik der Bundesanstalt für Arbeit Ende September in Westdeutschland und Westberlin waren, sind 633 600 Frauen. Arbeitslos waren 146 700 Arbeiter (ca. 7%), davon 76 100 Frauen (über 12%). Während jeder 10. Arbeiter in der BRD heute Ausländer ist, ist jeder zweite Arbeitslose Ausländer. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die überwiegende Zahl der entlassenen Ausländer sofort abgeschoben wird, sonst wäre die Zahl erheblich höher.

ZUR RESERVEARMEE GEHÖREN FRAUEN, HALBPROLETARIAT, ÄLTERE JAHRGÄNGE

Frauen sind die zweite Gruppe, die die Krisenauswirkungen in aller Härte zu spüren bekommen. Sie werden schon so geringer entlohnt als die Männer, da ihre Arbeitskraft angeblich weniger wert ist, in der Krise erklärt man ihnen, sie gehörten an den Kochtopf. Dabei interessiert den Kapitalisten das individuelle Schicksal einer Frau herzlich wenig, ob sie verheiratet ist oder nicht, ob sie als Witwe Kinder zu versorgen hat usw. Während beispielsweise bei Arbeitskräftemangel Mutterschaft für den Kapitalisten kein Hinderungsgrund ist, wird sie mit beginnender Krise für den Konzernherren eine zu arge Belästigung, als daß er hier 'Ausnahme'regelungen dulden kann. Selbst wenn ein Frau raucht, kann das seit Beginn dieses Jahres (vgl. S3.*.197*,d.Vf.) vom Arbeitsgericht als Beeinträchtigung der vom Kapitalisten gekauften Ware Arbeitskraft und damit als Kündigungsgrund gewertet werden.

Auch mit anderen Urteilen zu Lasten des Arbeiters bereiteten die kapitalistischen Arbeitsgerichte die Verbilligung der Ware Arbeitskraft vor. So soll z.B. entsprechend einem Urteil des Arbeitsgerichts Osnabrück vom August letzten Jahres das Recht auf Lohnfortzahlung im Falle eines selbstverschuldeten Unfalls aufgehoben sein. Und welcher Unfall wird denn nicht als Folge 'menschlichen Versagens' dem Arbeiter angelastet? Insbesondere die verschärfte Arbeitshetze, der er sich unterwerfen muß, um seinen Arbeitsplatz zu halten, bringt eine Erhöhung der Unfallgefahr mit sich. Die Unfallstatistiken gehen denn auch in Krisenzeiten schlagartig in die Höhe.

Eine weitere Gruppen, auf deren Rücke die Krise besonders hart ausgetragen wird, sind die zahlreichen Kleinbauern, die sich von ihrem bißchen Land kaum ernähren können und daher gezwungen sind, in die Fabrik zu gehen. Sie stehen meist als erste auf den Entlassungslisten der Kapitalisten. Hier sind besonders die Halbproletarier Baden-Württembergs betroffen.

Durch sog. 'Sozialpläne' werden die Jahrgänge 1908-1911 vorzeitig in den 'Ruhestand' versetzt. Ihnen wird etwas von 'dynamischer Rentenanpassung' vorgelogen. Vergleicht man jedoch die Rentenentwicklung mit der Preisentwicklung, so ist das Verhältnis noch krasser als bei den Löhnen. So sind die Renten im Durchschnitt um 3% angehoben worden und betragen heute etwa 41% des durchschnittlichen Lohns zur Zeit der Arbeitsfähigkeit. Das Bundesarbeitsministerium will diese Zahl beschönigen,, indem es behauptet, eine große Zahl von Kleinstrenten drücke den Durchschnitt, jedoch viele dieser Kleinstrentner müssen zusehen, daß sie den Fürsorgesatz bekommen. Für Zeiten, in denen z.B. den Bergleuten aufgrund ungünstiger Tarifverträge so viel vorenthalten wurde, daß sie ihre Arbeitslosenversicherung nicht zahlen konnten, sind in den Rentenberechnungen natürlich Löcher entstanden, wozu ein Referent des ehemaligen IG-Bergbau-Chefs und jetzigen Arbeitsministers Arendt bei einer SPD-Veranstaltung in Dortmund-Hörde Mitte November zynisch erklärte, die Sozialpolitik könne natürlich nicht die verfehlte Tarifpolitik der Gewerkschaften ausgleichen. Wer jetzt mit 45 Jahren entlassen wird, hat es schwer, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, und darf sich, wenn er es sich leisten kann, die BILD-Zeitung kaufen, daran erbauen, was er als Arbeitsloser doch alles mit seiner Zeit anfangen kann und daß er sich wegen seiner Arbeitslosigkeit nicht zu schämen brauche!

LOHNDIKTAT: GEWALTSAME SENKUNG DES PREISES FÜR DIE WARE ARBEITSKRAFT

Während sich die Tarifverhandlungen in der Stahl- und metallverarbeitenden Industrie über Monate hinziehen und auch von der bürgerlichen Presse zugegeben wird, daß der - im Rahmen des Lohndiktats gemachte Schlichtungsvorschlag des Dr. Veit (SPD) in Baden-Württemberg, für den die IG-Metall-Bonzen Bleicher und Co. die Arbeiter in den Streik schickten, noch mehr natürlich der Katzerspruch in Nordrhein-Westfalen, nicht einmal den bisherigen Lohn des Vorjahres den Arbeitern garantiert, klagt Gesamtmetall, die Vereinigung der Metallherren, über rapiden Gewinnrückgang und daß die internationale Währungskrise die deutsche Wirtschaft an den Rand des Abgrundes geführt habe, denn fast jeder zweite Arbeitsplatz in der metallverarbeitenden Industrie lebe von der Exportmöglichkeit.

In dem Maße, in dem der westdeutsche Kapitalismus auf dem Weltmarkt auf verschärfte Konkurrenz trifft und deshalb weniger Profite erzielt, muß er die Ausbeutungsrate im Inland erhöhen, um sich konkurrenzfähig zu erhalten. Diesem Zweck dient das Lohndiktat. Das Lohndiktat, in dessen Paket Streikverbot und Polizeiaufrüstung mitgeführt werden - der Etat für die Polizei im Bundeshaushalt 1972 ist verdoppelt worden-, ist somit nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ein politischer Angriff des kapitalistischen Staates auf die Arbeiterklasse, die in verstärktem Maß zu den Kosten zur Rettung des Kapitalismus herangezogen wird.

Noch nie schrieb BILD so viel über Streik wie in den letzten Wochen, zu einem Zeitpunkt, wo er noch gar nicht begonnen hatte. Als sollten die Arbeiter zum Streik geradezu herausgefordert werden. Zugleich drohen die Kapitalisten mit Aussperrung, falls es in Baden-Württemberg dazu käme. Da nur etwa 70% der Metallarbeiter von Daimler-Benz, Audi-NSU, den von der IG Metall für den Streik ausgewählten Betrieben, Beiträge für die IG Metall zahlen und daher aus der Streikkasse unterstützt werden, darf für die übrigen die Fürsorge aufkommen, wenn sie ausgesperrt werden. Der Streik soll dazu dienen, der IG Metall etwas von dem verlorengegangenen 'Vertrauen', d.h. Beitragsleistungen, der Arbeiter zurückzugewinnen, zugleich wird alles getan, um den Arbeitern künftig das 'wilde' Streiken für Forderungen, die den Rahmen des Lohndiktats sprengen, abzugewöhnen.

Kollegen, die bei einer Belegschaftsversammlung bei Opel in Rüsselsheim an die Streik s vom Vorjahr erinnerten, um die 15%-Forderung durchzusetzen, wurde wegen Verstoßes gegen die Arbeitsordnung der Kapitalisten umgehend gekündigt. In einem Flugblatt des Betriebsrats werden die Arbeiter angewiesen, sich vertrauensvoll an 'ihre' Vertreter im Betrieb zu halten. Die Krise ist für die Kapitalisten eine willkommene Gelegenheit, durch Panikmache unter den Arbeitern die spontane Kampfentschlossenheit der letzten Jahre einzudämmen.

Die Kapitalisten wissen natürlich, daß das nicht mehr ausreicht. Die Gelder, die beim Straßenbau gekürzt werden, dienen dazu, den politischen und militärischen Unterdrückungsapparat auszubauen. der Arbeiter darf z.B. erhöhte Arbeitslosenversicherung blechen, damit der westdeutsche Staat Gelder frei hat, um den Bundesgrenzschutz (BGS,d.Vf.) zu einer Bürgerkriegsarmee auszubauen, die schon jetzt darauf gedrillt wird, in Arbeitskämpfe einzugreifen, um so die staatliche Schlichtungsmaschine, die mit der Krise immer mehr an Bedeutung gewinnt, funktionsfähiger zu machen.

KRISE IM WELTMASSSTAB

Was ist der politische und wirtschaftliche Hintergrund für diese Maßnahmen der Kapitalisten und ihres Staates? Der Imperialismus, d.h. der Monopolkapitalismus, der dazu übergegangen ist, Absatzmärkte, Rohstoffquellen und billige Arbeitskräfte im Weltmaßstab zu organisieren, und der dabei in verschärfte Konkurrenz zu anderen Imperialismen tritt, insbesondere seitdem das sozialistische Lager sich vergrößert und die Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sich die Unterdrückung und Ausplünderung immer weniger gefallen lassen, geht heute einer weltweiten Krise entgegen.

Bei seinem Versuch, das vietnamesische Volk seiner expansiven Globalstrategie unterzuordnen und seinen Kampf um Unabhängigkeit beispielhaft für die übrigen unterjochten Völker zu zerschlagen, ist der US-Imperialismus, von dessen Dollarwährung bisher der kapitalistische Weltmarkt abhängt, in immer größerem Ausmaß in Schwierigkeiten geraten. Die zur Unterdrückung der Völker Indochinas notwendigen Staatsausgaben haben die Staatskasse der USA in den Bankrott geführt.

Nur aufgrund seiner Militärüberlegenheit gegenüber dem japanischen und den westeuropäischen Imperialismen und weil der US-Markt eine wichtige Profitquelle auch der anderen Imperialismen ist, kann der Dollarimperialismus noch halbwegs am Leben gehalten werden und die übrigen Imperialismen mit in den Strudel seines Niedergangs reißen. Die westeuropäischen und japanischen Imperialisten werden in erheblich verstärktem Maße zur 'Sanierung' des US-Haushalts mittels Devisenausgleichszahlungen herangezogen, d.h. sie dürfen einen erheblichen Teil der Kosten des Vietnamkrieges abdecken. Natürlich indem sie sich an ihren Arbeitern schadlos halten.

Die Folge der Pleite des Dollarimperialismus besteht in einem enormen Ansteigen der Arbeitslosigkeit und damit einer erheblichen Einschränkung des Konsumgütermarktes, da die durchschnittliche Kaufkraft pro Kopf der Bevölkerung sinkt. Einerseits hatten die großen Stahlkonzerne der USA sich auf Rüstungsaufträge gestürzt, weil deren Absatz vom Staat von vornherein garantiert war und keine zusätzlichen Werbekosten nötig waren, und damit hatten sie das Feld der Konsumgüterproduktion anderen, zum großen Teil ausländischen Konzernen überlassen. Nun, da der Staat bankrott ist, sehen sie sich gezwungen, ihre Produkte anderweitig zu verscheuern und schränken zugleich die Produktion ein, um keine Verlustgeschäfte zu machen. Nun muß der Staat ihnen behilflich sein, einmal ihre Waffen im Ausland an den Mann zu bringen, zum andern die lästigen Konkurrenten auf dem Konsumgütermarkt zurückzudrängen.

Die Arbeitslosenquote steige derweil auf über 7 Millionen, d.h. die Zahl derjenigen, die staatliche Arbeitslosenunterstützung beanspruchen können. Nixons Versuch, durch einen allgemeinen Lohnstop die Krise auf das Volk abzuwälzen, verschärft die Klassenwidersprüche in den USA, so daß sich die Regierung gezwungen sieht, den Militärapparat gegen das eigene Volk noch mehr auszubauen und z.B. Green Berets, die sich in Vietnam beim Morden bewährt haben, in die Nationalgarden zu stecken. Um die Arbeitslosigkeit im eigenen Land einzudämmen, d.h. den US-Kapitalisten profitversprechende Anlagemöglichkeiten zu geben, beschränkt die Nixon-Regierung den amerikanischen Markt für Waren aus Westeuropa und Japan und bringt dadurch deren Kapitalisten in erhebliche Absatzschwierigkeiten und verschärft deren Konkurrenz untereinander. Hinzu kommt, daß einige Firmen, die Aufträge an andere erteilt haben, mittlerweile pleite machen, so daß diese Aufträge aufs Lager kommen und die Kalkulation dieser Firmen durcheinanderbringen. Insbesondere die westdeutsche Stahl und metallverarbeitenden Industrie ist davon betroffen. Die westdeutschen Exporte, die unmittelbar von der 10%igen US-Importsteuer betroffen sind, machen rund 10% aus, wobei Stahlprodukte den Löwenanteil bilden. Das macht sich besonders bei der Walzstahl- und Profileisenproduktion bemerkbar, wo die japanische Konkurrenz auch in der BRD selbst die Krise verschärft. Seine Auswirkungen wird es aber auch in der Autoindustrie zeitigen, die mit Zuliefererbetrieben rund 20% der westdeutschen Arbeiter beschäftigt. Diese Industrie hatte bisher einen durch Krisen nicht unterbrochenen Aufschwung erlebt und bot den Kapitalisten besonders profitable Anlagemöglichkeiten. Nun nähert sich der Absatz in den hochindustrialisierten Staaten immer mehr der Sättigungsgrenze, woran auch die erhöhte Verschleißbarkeit der Autos wenig ändert, die Straßen sind verstopft, trotz staatlicher Bevorzugung des Straßenverkehrs gegen Bundesbahn und Nahverkehr sind die Mittel erschöpft, die Luft in vielen Städten vom bleihaltigen Benzin derart verseucht, daß z.B. in München heute jeder Siebte an Bleivergiftung stirbt. Bis zu 50% der produzierten Autos von VW, Opel und Ford wanderten bisher auf den amerikanischen Markt. Während nun die Importsteuer der deutschen Produktion die Marktchancen erschwert, werden zugleich die amerikanischen Autoindustriellen mit einer Sondersubvention bedacht, die ihnen die Konkurrenz gegen die westdeutschen und japanischen Autos erleichtern soll. Die Folgen für die westdeutsche Autoindustrie, die z.Z. mit der japanischen Konkurrenz um den Osteuropamarkt und den sowjetischen Markt ringt, sind noch nicht absehbar. Das Gerede der VW-Aufsichtsräte, daß VW pro verkauften Wagen sogar noch ein halbes Prozent zusätzlichen Gewinn mache, ist pure Augenwischerei, zumal die westdeutschen Kapitalisten noch die Aufwertung der DM, deren Floating noch nicht zu Ende ist, zu verkraften haben. Vielleicht denkt der VW-Konzern an Volkswagen do Brasil, damit wären jedoch die Arbeitsplätze in Westdeutschland nicht zu sichern. VW hat auch schon die Zufuhr von italienischen Arbeitern nach Wolfsburg beschränkt, angeblich wegen Mangels an Wohnraum.

VERSTÄRKTE KONZENTRATION DES KAPITALS IN WENIGEN HÄNDEN

Die Kapitalisten stellen sich auf die verschärfte Konkurrenzlage ein, indem sie die Ausbeutung ihrer Arbeiter intensivieren. Noch nie war ihr Gerede davon, daß 'wir alle im selben Boot sitzen', seit Kriegsende so laut. Jeder müsse Opfer bringen, erzählen heute schon Betriebsräte den Arbeitern, um ihnen 'klar' zu machen, warum bei der diesjährigen Tarifrunde 'nichts drin' sei. Die Schuld wird auf die bösen Amerikaner geschoben, deren Krisenmaßnahmen Schiller für seine Lohndiktatsargumentation als hochwillkommen bezeichnet hat. Man tut so, als habe man damit überhaupt nicht rechnen können. BILD bringt Berichte darüber, wie Arbeiter kleiner Betriebe unbezahlte Sonderschichten einlegen, um ihre Kapitalisten vor dem bankrott zu retten.

Zugleich wird die kommenden Krise den Arbeitern gegenüber verharmlost. Während noch vor einem halben Jahr getreu den Anweisungen der SPD-Regierung die Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre von einer Krise offiziell nichts wissen wollten, tun sie heute so, als habe Nixon mit seinen Maßnahmen eine unvorhersehbare Situation geschaffen. Zugleich aber wird dennoch so getan, als liefe alles so ab wie 1966/1967. da müsse man halt durch, daran sei nichts zu ändern. Danach aber werde alles wieder besser. Die Krise wird somit als etwas Normales hingestellt. Schiller selbst redet von 'Normalisierung' des bisher angespannten Arbeitsmarktes und emint damit, daß die Kapitalisten nicht mehr so hohe Löhne zu zahlen brauchen. Die Bonzen fordern denn auch die Arbeiter auf, schön bescheiden zu sein, denn nur so könnten sie ihre Arbeitsplätze erhalten.

Wie wir eingangs gezeigt haben, war aber schon während der Hochkonjunktur die Arbeitskraft unter ihrem Wert gehandelt worden, und dennoch sind zahlreiche Kapitalisten nicht in der Lage, die Arbeitsplätze zu gewährleisten. Wenn heute Staatssekretär Rosenthal zu Schiller Differenzen äußert, so liegt das darin begründet, daß die Regierung konsequent die Interessen des Monopolkapitals vertritt, wozu Rosenthals Porzellanfabrik nicht gehört. Rosenthal beklagt sich darüber, daß das Großkapital um rund 3 Milliarden DM Steuerleistungen entlastet wird, dagegen von den 'Selbständigen', d.h. den mittleren und kleinen Unternehmern und den Arbeitern und Angestellten 6 Milliarden DM mehr erbracht werden sollen. Während einerseits die Maßnahmen zugunsten der Monopole voll durchgezogen werden, wird andererseits allmählich der 'Krisenmanager' Schiller wie sein Vorgänger Erhard dem Zorn der Massen 'geopfert', d.h. darf sich auf seinen Posten im kapitalistischen Management vorbereiten. Helmut Schmidt, der schon vor einiger Zeit geäußert hat: 'Die Regierung muß dem Volk sagen: härter arbeiten, mehr arbeiten, mehr Steuern zahlen!' wird bereits als künftiger Wirtschaftsminister aufgebaut.

In den zyklischen Krisen - eine solche steht der BRD zusätzlich bevor - saugen sich die Großkapitalisten auf Kosten der kleineren fett. Indem diese infolge der Überproduktion pleite machen, da sie ihre Produkte nicht mehr los werden und zahlungsunfähig werden, konzentriert sich das Kapital in immer weniger Händen. Dieses Grundgesetz des Kapitalismus, das sich im Zeitalter des Monopolkapitalismus noch verschärft, wird durch die Regierung, die im Interesse der Monopole funktioniert, durch entsprechende Maßnahmen zur Begünstigung der Monopole gefördert. Auch die Verstaatlichungsparole, mit der die DKP die empörten Arbeiter vom revolutionären Weg ablenkt, dient den Interessen des Großkapitals. Das Beispiel Großbritanniens, wo rund eine Million Arbeiter besonders auch der verstaatlichten Stahlbetriebe arbeitslos sind, beweist, daß in einem kapitalistischen Staat, wo die Kapitalisten die Macht haben, durch keine Maßnahmen die Arbeitsplätze krisensicher zu machen sind, da das Produktionsgesetz des Kapitalismus die Anarchie, der Kampf aller gegen alle, ist. Bei der Verstaatlichung, d.h. dem Verkauf unrentabler Fabriken an den Staat, wird lediglich das Risiko vom Einzelkapitalisten auf den kapitalistischen Staat abgewälzt, der sich beim Steuerzahler schadlos hält. Sobald ein Betrieb halbwegs profitabel arbeitet, d.h. die Arbeitsplätze so weit wegrationalisiert sind, daß der Kapitalist wieder Profit machen kann, wird der Betrieb wieder privatisiert, d.h. entweder per Vorkaufsrecht an den alten Eigentümer zurückgegeben oder meistbietend versteigert. Der Staat nimmt also den Kapitalisten die 'Rationalisierungs'maßnahmen ab. Wir sehen: die DKPisten wettern laut gegen das Großkapital und kriechen zugleich dessen konsequentesten Vertretern, der SPD-Regierung, in den Hintern.

DER KAPITALISTISCHE STAAT TREIBT DIE FASCHISIERUNG VORAN

Da mit jeder Krise ein Vertrauensverlust der politischen Vertreter des kapitalistischen Staates beim Volk verbunden ist, müssen diese sich immer erneut eine Taktik überlegen, um die Massen einzuseifen, denn wenn ihnen das nicht mehr gelingt, werden sie durch andere ersetzt. Wenn die Politik, den einen gegen den anderen auszuspielen und die Massen einzuseifen, nicht mehr genügt, muß der kapitalistische Staat gerüstet sein, um das Volk gewaltsam niederhalten zu können. Die Einseifung ist von vornherein nicht etwa darauf gerichtet, das Volk längerfristig hinters Licht zu führen. Zu genau wissen die kapitalistischen Politiker, daß ihre Worte von heute bereits morgen durch die Tatsachen Lügen gestraft werden. Es kommt ihnen daher lediglich darauf an, Zeit zu gewinnen, um härtere Maßnahmen in aller Stille vorbereiten zu können. Inzwischen müssen sie ständig auf der Suche nach Buhmännern sein, die sie für die verschlechterten Lebensbedingungen des Volkes verantwortlich machen können, denn nur so haben sie die Aussicht, sich im Sattel halten zu können, d.h. von den Kapitalisten nach wie vor akzeptiert zu werden, da diese ja nicht selbst in Erscheinung treten können.

Insofern läuft die Politik jeder bürgerlichen Partei, ob sie nun CDU, FDP oder SPD heißt, darauf hinaus, den Faschismus vorzubereiten, in dem das Volk mit brutaler Gewalt dahingehend organisiert wird, für die Kapitalisten einen Krieg zur Expansion ihrer Absatzmärkte, Rohstoffquellen und zur Schaffung billiger Arbeitskräfte und damit zur Aufrechterhaltung ihrer Profite durchzustehen. Der Gegner in einem solchen Krieg kann der Bündnispartner von heute sein, es geht darum, den eigenen Imperialismus bei der Neuaufteilung der Welt zu stärken. Da die kapitalistische Entwicklung in den verschiedenen Ländern ungleichmäßig ist, sind Verträge, die heute noch die realen Machtverhältnisse zwischen den kapitalistischen Staaten ausdrücken, morgen bereits überlebt und daher für die Kapitalisten des stärker gewordenen Imperialismus unerträglich geworden. Ihre Beseitigung läßt sich jedoch nur durch Krieg verwirklichen, da keiner bereit ist, freiwillig zu verzichten. Innenpolitisch bedeutet die Vorbereitung auf den Krieg die systematische sämtlicher Widerstände gegen diesen. daher treten zur Zeit die Versuche verstärkt auf, die politische Arbeit der Kommunisten zu behindern und zu illegalisieren, da ja mit der Krise eine revolutionäre Flut der Arbeiterbewegung verbunden ist, der die Spitze abgebrochen werden muß. Heute werden die bewußtesten Kräfte verfolgt, morgen folgen diejenigen, denen erst allmählich dämmert, woran sie sind.

Der politische Garant dieser Politik in Westdeutschland und Westberlin ist gegenwärtig die SPD-Regierung. Sie wird dem Volk als eine Regierung des Friedens verkauft, weil sie angeblich das deutsche Volk mit den osteuropäischen Völkern aussöhnt. In Wirklichkeit jedoch ermöglichen ihre Verträge mit den sowjetischen Sozialimperialisten (SU,d.Vf.) den deutschen Imperialisten die Öffnung der Märkte und Anlagemöglichkeiten in Osteuropa. Schon heute gehören zahlreichen Fabriken in Jugoslawien, Ungarn usw. westdeutschen Kapitalisten, die dort billige Arbeitskräfte ausnutzen und denen der dortige Staat eine Streikversicherung gegeben hat. In den westdeutsch-sowjetischen Abkommen, in denen beide Staaten unter sich die politischen und wirtschaftlichen Einflußmöglicheiten in Europa aushandeln, verzichtet der westdeutsche Staat auch keineswegs etwa auf territoriale Ansprüche auf die DDR.

Die 'Friedens'regierung Brandt hat den Militäretat für 1972 auf über 24 Milliarden DM erhöht. Hinzu treten noch die Ausgaben für die US-Besatzer auf westdeutschem und Westberliner Boden, die in dem Maße, wie der westdeutsche Staat seine eigene Armee aufgebaut hat, für ihn immer mehr zu lästigen Tributzahlungen werden. Dasselbe gilt für die aufgezwungenen Waffenkäufe von den US-Konzernen, die verhindern, daß der westdeutsche Staat die eigene Rüstungsindustrie nach Belieben fördern kann. Selbst der Verkauf eigener Waffen ist z.Z. auf die NATO-Länder beschränkt und kann nur durch Vermittlungsgeschäft über ein NATO-Land an Drittabnehmer betrieben werden. So laufen, wenn der Schah von Persien (Iran,d.Vf.) oder Indira Gandhi (Indien,d. Vf.) von Westdeutschland Waffen kaufen möchten, die Geschäfte über Italien, dessen Wirtschaft fast völlig von Westdeutschland abhängt. Die 'Friedens'regierung Brandt, deren Kanzler 'friedens'stiftende Briefe an Yahya Khan in Pakistan abschickt und in Bonn Indira Gandhi empfängt, hat mit Entwicklungsminister Eppler und dessen Vorgänger 'Ben Wisch' (H.J. Wischnewski,d.Vf.) zahlreiche Möglichkeiten ausgeknobelt, das Handicap, nicht selbst verkaufen zu dürfen, zu umgehen. Von Zeit zu Zeit wie im Guineakonflikt muß sie dann offiziell einen Rückzieher machen. Und wenn Schmidt äußert, die Bundesregierung betreibe keine Waffengeschäfte in Länder der Dritten Welt, so weist das gerade auf solche hin.

All diese Maßnahmen des Krisenmanagements durch 'deficit spending' nach Keynes, d.h. durch Behebung der Arbeitslosigkeit mittels Rüstungsindustrie und Kriegsvorbereitungen, können die Krise nicht überbrücken. Und so sieht sich die SPD-Regierung denn auch genötigt, für den 'inneren Frieden' Vorsorge zu treffen. Schon gleich nach bekanntwerden der Friedensnobelpreisverleihung an den westdeutschen Regierungschef machte der Oppositionsführer Barzel diesem das Angebot, gemeinsam durch Bekämpfung der 'linksextremistischen Elemente' für den 'inneren Frieden' der Kapitalisten zu sorgen. Die Brandtregierung erweist sich heute als die gefährlichste politische Waffe der Bourgeoisie zur Unterdrückung und Ausplünderung des Volkes, weil sie es versteht, mit ihrer Demagogie heute noch weite Teile des Volkes einzuseifen. Zu Hilfe kommt ihr dabei, daß die SPD von vielen noch für eine Arbeiterpartei gehalten wird oder Brandt den Ruf persönlicher Integrität genießt. Die Hoffnung, die SPD werde schon nicht so schlimm sein, wie es die CDU/CSU wäre, erweist sich dabei als besonders gefährlicher Trugschluß, da sie den notwendigen Widerstand gegen die Aufrüstung nach innen und außen hemmt. Es muß ganz klar gesagt werden: wer diese Regierung unterstützt, wer auf Seiten dieses Staates bleibt, wählt damit den Krieg, der die notwendige Folge der Brandtschen 'Friedens'politik ist.

BEFANGENHEIT DER SPONTANEN ARBEITERBWEGUNG IN BÜRGERLICHEN IDEEN

Noch kommt den Kapitalisten zu gute, daß die seit zwei Jahren hervorgetretene spontane Arbeiterbewegung noch nicht zu sich selbst gefunden und revolutionäre Züge angenommen hat, da die kommunistische Partei, deren Aufgabe es ist, der Arbeiterklasse den revolutionären Weg zur Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft und ihres Staates und damit zur Errichtung der Diktatur des Proletariates über die Kapitalisten zu weisen, noch im Aufbau begriffen ist. So hat zwar die Krise 1966/1967 das Märchen vom westdeutschen Wirtschaftswunder, wo es stetig bergauf zu gehen scheint, erheblich erschüttert und damit einem bis dahin trotz aller Gegenpropaganda der Bourgeoisie unterschwellig vorhanden gebliebenen Mißtrauen gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung an die Oberfläche verholfen, aber die Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit ist noch längst nicht in der Lage, den Sozialismus als notwendigen Ausweg aus dem Krisen- und Kriegskreislauf des Kapitalismus ins Auge zu fassen. Zu lange war die kommunistische Partei in ihrer Agitation und Propaganda liquidiert, teils durch die Unterdrückung durch den bürgerlichen Staat, teils durch den den revisionistischen Verrat ihrer Führer. So konnte der Reformismus jeglicher Couleur die Ansätze revolutionären Bewußtseins in der westdeutschen Arbeiterklasse überwuchern. Soziologische Untersuchungen, die bereits Mitte der 50er Jahre bei der relativ kampfstarken Belegschaft der Dortmunder Westfalenhütte von bürgerlichen Wissenschaftlern vorgenommen wurden und zum Gegenstand den Einfluß der Mitbestimmungsideologie auf die Arbeiter hatten, ergaben zwar ein tiefes Mißtrauen der meisten Befragten gegen den Mitbestimmungsschwindel und die Bonzokratie, jedoch war der im Vergleich zu kleinbürgerlichen Schichten relativ klare Durchblick der Arbeiter durch die gesellschaftlichen Klassenverhältnisse, wobei jedoch der Zusammenhang zwischen Kapitalistenherrschaft und kapitalistischem Staat kaum einem der befragten Kollegen in den Blick trat, von einer ausgeprägten Resignation hinsichtlich der Rolle der Arbeiterklasse als gesellschaftsumwälzender Kraft gekennzeichnet. Der Arbeiter hatte gesehen, daß ehemalige Kollegen in leitenden Funktionen ihn verraten haben. Er hatte auch zur Kenntnis genommen, daß der Aufbau des Sozialismus in der DDR immer mehr scheiterte. Nicht mehr die Arbeiterklasse hatte dort die Macht inne, sondern eine Funktionärsschicht, die sich auf die sowjetische Armee stützte und den ideologischen Kampf zur Hebung des Bewußtseins der werktätigen Massen vernachlässigte. Das trat deutlich in Erscheinung beim konterrevolutionären Putsch vom 17. Juni 1953. Die westdeutsche Demagogie dazu hatte ihre Wirkung auf die Arbeiter nicht verfehlt, zumal die KPD, die einen propagandistischen Angriff auf den westdeutschen Staat für sektiererisch erklärt hatte, kaum fähig war, den breiten Massen die Vorgänge in der DDR und die aggressive Vorgehensweise der westdeutschen reaktionäre dabei einleuchtend und selbstkritisch zu erklären. Der Opportunismus hatte 1954 in der KPD ja schon derart überhand genommen, daß selbst die noch 1952 aufgestellte Losung 'Sturz des Adenauerregimes' als linkssektiererisch verworfen wurde, obgleich damit noch nicht einmal der bürgerliche Staat bezeichnet war. Somit konnte den meisten Arbeitern der grundsätzliche Unterscheid zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten überhaupt nicht mehr bewußt werden. Dennoch konnte gerade bei der Westfalenhütte noch 1955 eine KPD-Liste bei den BR-Wahlen (BRW,d.Vf.) die absolute Mehrheit gewinnen, was dem Adenauerregime damals einen heftigen Schock versetzte und das KPD-Verbot um ein Jahr verzögerte.

DER GLAUBE AN DIE SPD: DAS GRÖSSERE 'KLEINE ÜBEL'

Die SPD, deren Verrat aus der Zeit vor 1933 noch vielen älteren Arbeitern erinnerlich war und deren Führung nach dem Krieg mit Unterstützung durch die britischen und amerikanischen Besatzer alles tat, um einen Einehit mit den Kommunisten an der Basis zu hintertreiben, konnte, solange die CDU-Regierung auch den Arbeitern wirtschaftlichen Aufschwung brachte, mit ihrer parlamentarischen Oppositionsrolle außer ihren Stammwählern kaum jemanden gewinnen. Erst als die Krise 1966 auf ihren Höhepunkt zuging, sah sich das Kapital genötigt, die 'Wahllokomotive' Erhard, die noch im Jahr zuvor das Zugpferd der CDU war, fallenzulassen und die Große Koalition von CDU und SPD ins Leben zu rufen, um die Arbeiter weiterhin einzulullen.

Mittlerweile erwies sich die SPD als die stärkste Trumpfkarte der Kapitalisten zur Beruhigung der Arbeiter und zahlreicher wildgewordener Kleinbürger. Die beginnende Hochkonjunktur wurde den deutschen Wählermassen als ein Verdienst von Schiller herausgestrichen, und so wie einst Erhard erwies sich jetzt Schiller als Paradepferd des Kapitals. Jedoch mit der sich verschärfenden erneuten Krise geht immer mehr von diesem Lack ab. Die SPD-Regierung löste kaum eines ihrer Wahlversprechen ein, dennoch gilt sie nach wie vor dem durchschnittlichen Industrieproletarier etwa des Ruhrgebiets als kleineres Übel gegenüber der CDU, weil er in der SPD immer noch etwas von der Arbeiterpartei von vor 1914 sieht, und deshalb kann die SPD-Regierung vergleichsweise unbehelligt die Kampfpositionen der Kapitalistenklasse für die künftige unvermeidliche Auseinandersetzung mit der Arbeiterklasse ausbauen. Sie ist ja auch 'selbstkritisch' genug, um Schiller beizeiten fallen zu lassen und an seine Stelle den Faschisten Helmut Schmidt zu setzen.

Die SPD-Regierung stützt sich bei ihrer Politik nicht zuletzt auf die irreführende Agitation der DKP, die heute häufig an der Spitze der spontanen Arbeiterbewegung zu finden ist, ohne diese auf ein höheres Bewußtseinsniveau heben zu können und zu wollen. Ihre Gründung war 1969 noch von der Großen Koalition wegen der intensivierten Beziehungen zur Sowjetunion eigens zu dem Zweck gestattet worden, um der seit 1967 immer stärker gewordenen und auf die Arbeiterklasse übergreifenden antikapitalistischen Bewegung der Studenten die revolutionäre Spitze abzubrechen. Die Bourgeoisie hatte durchaus begriffen, was es mit der Spaltung der kommunistischen Weltbewegung auf sich hatte. Dafür ist schon die Konvergenztheorie der Brzesinski und Co. ein deutlicher Hinweis. Im Kampf gegen den kurzsichtigen Spontaneismus in der Arbeiterbewegung stellt heute der moderne Revisionismus der DKP den Hauptfeind der Marxisten-Leninisten bei der Gewinnung der fortgeschrittensten Arbeiter für die proletarische Revolution dar. Denn die Marxisten-Leninisten werden nur in dem Maße die fortschrittlichen Kollegen überzeugen können, wie es ihnen gelingt, die Revisionisten zugleich konkret und allgemein zu entlarven und die Diktatur des Proletariats als einzigen Ausweg aus der Vorbereitung des Faschismus und des Krieges unter der Diktatur der Bourgeoisie überzeugen zu propagieren. Die Aufgabe der KPD/ML muß es sein, an Hand der Erfahrungen der spontanen Arbeiterbewegung die reformistischen Illusionen der Arbeiter gründlich zu zerschlagen, um so zunächst die Besten des Proletariats für den Kampf um die Befreiung der Arbeiter zu gewinnen.

ALLEINIGER AUSWEG: SOZIALISTISCHE REVOLUTION UND ERRICHTUNG DER DIKTATUR DES PROLETARIATS

Besonders gefährlich ist die DKP-Theorie vom 'friedlichen Übergang zum Sozialismus'. Zwar leugnet die DKP nicht, daß die Bundeswehr ein Gewaltmittel des bürgerlichen Staates ist. So unterstützt sie auch Kriegsdienstverweigerer (KDV,d.Vf.). Jedoch ohne ihnen eine revolutionäre Perspektive zu weisen. Vielmehr beruft sie sich dabei auf das Grundgesetz eben dieses Staates. Auch ihre Haltung zur Bundeswehr selbst ist halbherzig. So plädiert sie für eine Senkung der Rüstungskosten, statt mit Bebel zu fordern: 'Diesem System keinen Mann und keinen Groschen!' Ja, sie ist stolz, wenn bei ihren Veranstaltungen Leute in Bundeswehruniform herumlaufen, ebenso wie sie dafür eintritt, daß DKP-Leute verbeamtet werden, und das heißt doch wohl: den Eid auf diese Verfassung leisten. Sie möchte also als staatstragend anerkannt werden und unterläßt daher alles, was gegen diesen Staat gerichtet ist.

Daß ein friedlicher Übergang angesichts der Machtmittel des bürgerlichen Staates Armee und Polizei unmöglich ist, wußte schon Wilhelm Liebknecht, der die SPD-Parlamentarier, die darauf hofften, auf dem Weg über den Reichstag die gesellschaftlichen Verhältnisse umwerfen zu können, verhöhnte: 'So haben denn die Herren Parlamentarier einen welthistorischen Beschluß gefaßt und wollen nun hinaustreten, um ihn in die Wirklichkeit umsetzen zu lassen. Doch vor den Türen erwartet sie bereits die Polizei, um sie in Gewahrsam zu nehmen. Dann dürfen sie hinter Gefängnismauern ihren Träumen nachhängen.'

Der Kapitalismus kann nur seine Wirtschaft steigern, indem er nach außen expandiert. Das aber bedeutet im Endeffekt Krieg, und dazu muß er seine Machtmittel nach innen und außen schärfen, nach innen, weil das Volk nicht freiwillig für ihn in den Krieg zieht, nach außen, um seinen Gegnern überlegen zu sein. Die Konkurrenz der Kapitalisten untereinander treibt sie dazu, einerseits alles zu tun, um den Produktionskostenfaktor zu senken, d.h. Lohnkosten, Kosten für Rohstoffe, Maschinen müssen möglichst billig sein. Andererseits muß er ständig bemüht sein, seine Absatzmärkte auszudehnen, denn er produziert auf Teufel komm raus und muß bestrebt sein, seine Konkurrenten niederzuringen, andernfalls ringen diese ihn nieder. Denn die kapitalistische Wirtschaft basiert auf Anarchie.

Anders der Sozialismus. Die Volksrepublik China und Albanien haben bisher einen steten Aufschwung genommen, ohne Krisen, denn dort wird für den Bedarf produziert, nicht für den Profit. Infolgedessen kann genau geplant weren und niemand braucht zu befürchten, daß er morgen keinen Lebensunterhalt mehr hat. Der Sozialismus erweist sich daher als der einzige Ausweg aus dem Kreislauf von Krise und Krieg. Da die Kapitalistenklasse nicht freiwillig abtritt und auf ihre Profitchancen sowie ihre politische Macht, die ihnen die Profitchancen garantiert, nicht verzichtet, ist es notwendig, der kapitalistischen Gewalt die proletarische Gewalt, die Gewalt der überwältigenden Mehrheit entgegenzusetzen. Dem Arbeiter muß klar sein, daß der einzige Ausweg seine Herrschaft über die Kapitalistenklasse ist und daß zu deren Errichtung nur die sozialistische Revolution führt. Die Aufgabe der kommunistischen Partei ist es, die Arbeiterklasse auf diesen Weg zu führen."
=N.N.:Ohne Titel(Krisenzeichen: Entlassungen und Bankrotte...,o.O. o.J. (1971)

31.12.1971:
Laut Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen) erscheint ein Papier eines Teils der Ortsgruppe Dortmund der KPD/ML-ZK. Veröffentlicht wird dieses Papier u.a. als Anhang eines Teils der Auflage des Papieres "Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund" (vgl. 10.1.1972) der späteren Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (RM) aus Dortmund mit folgendem Vorspann:"
ANHANG:

An dieser Stelle drucken wir noch einmal unser Papier 'Genossen, es soll eine LDK stattfinden...' ab, da sich der Aufruf auf dieses Papier bezieht und seine Wiedergabe im Protokoll der KSB/ML-MV vom 3.1.1972 an einigen entscheidenden Stellen fehlerhaft ist."

In dem Papier heißt es:"
Genossen!

Es soll eine LDK stattfinden. Dies ist ein Beschluß der Landesleitung NRW der KPD/ML. Die Mehrheit dieser Landesleitung ist der Ansicht, daß zu dieser Landesdelegiertenkonferenz 30 Delegierte aus den über 300 Organisierten des Landesverbandes NRW gewählt werden müssen. Ein entsprechender Wahlschlüssel wurde mit Mehrheit verabschiedet, der für Dortmund sechs Delegierte (zwei aus der Ortsgruppe, zwei aus der Roten Garde (RG,d.Vf.), zwei aus dem KSB/ML) zuläßt. Der radikale Bruch der Landesleitungsmehrheit mit dem Revisionismus sieht so aus:

Das Verhältnis von Konspiration und Demokratie wird keiner Überlegung unterzogen und wer es anspricht, des Versuchs verdächtigt, den ideologischen Kampf abwürgen zu wollen. Nach Gutdünken wird die Zahl 30 als gerade noch konspirativ bezeichnet, ohne das näher auszuweisen. Außerdem ist die Mehrheit, die den radikalen Bruch zu machen vorgibt und die KPD/ML unterschiedslos als Popanz bezeichnet, der Ansicht, daß nur im Rahmen der Organisation (unter Einbeziehung der Massenorganisationen Rote Garde und KSB/ML, aber unter Nichtbeachtung der Betriebsgruppen) die Delegierten auszusuchen seien. Auf die Frage eines (der Mehrheit zuzurechnenden) Landesleitungsmitgliedes, ob denn Vertreter der bisherigen Landesleitungen von Partei, Roter Garde und KSB/ML dabei sein werden, um über ihre bisherige Politik Rechenschaft zu leisten, kam die Antwort - und der Frager zeigte sich davon überzeugt! -, daß die Massen vernünftig genug sein werden, auf eine Anwesenheit dort zu verzichten! Ist eine solche Argumentation nicht ein hinterherlaufen hinter der Spontaneität der Massen? Hier wird ein Wahlschlüssel ausgeklüngelt, der in höchst komplizierter Weise versucht, die erschiedenen Positionen zu berücksichtigen, statt eine politische Entscheidung zu fällen, was richtig oder falsch ist. Kein Landesleitungsmitglied konnte Kriterien angeben, wonach sich die Fortschrittlichkeit einer solchen LDK bemißt. Das müsse, so argumentierte die Mehrheit, den Massen überlassen bleiben. Ein Dortmunder Landesleitungsmitglied (und bisheriger KSB/ML-Verantwortlicher) ging sogar so weit, daß dort eine Minimalplattform erarbeitet werden sollte, die dem Durchschnitt der dort vertretenen Meinungen entspricht, da man nicht die Illusion haben kann, daß es dort zu einer Klärung der Standpunkte kommen wird. Das entspricht genau dem, wie seinerzeit SALZ (Hamburg, neuerdings KB,d.Vf.) und ähnliche Opportunistenklüngel sich aufbauten! Die Vorbereitung der Sitzung sieht so aus, daß zwei Tagesordnungspunkte existieren (Einschätzung er Lage, nächste Aufgaben und Wahl eines Gremiums zur Durchführung), ohne daß inhaltlich näher bestimmt wird, was dort im einzelnen diskutiert wird. Ein gegenseitiges Sichvertrautmachen mit den Standpunkten in den verschiedenen Orten des Landesverbandes wird als illusorisch abgetan, da die sich laufend änderten. Wieso ist eine solche Politik anders als die des ZK, das es auch nicht für nötig befand, die Grundorganisationen der Partei über die verschiedenen Standpunkte in den Landesverbänden rechtzeitig aufzuklären und so den Parteitag vorzubereiten, was ja einer der Hauptvorwürfe gegen das ZK war? Sollte das etwa der radikale Bruch mit dem Revisionismus sein, daß jetzt dem Spontaneismus noch mehr Tür und Tor geöffnet wird. Soll das etwa heißen: Käseglocken zerschlagen?

Ein weiterer Einwand blieb von der Mehrheit der Landesleitung unbeachtet: ein Landesleitungsmitglied argumentierte so: wo sich die Parteigenossen als Vorreiter des Fortschritts den Massen präsentiert haben (was Duisburg für sich in Anspruch nimmt), werden sie gewählt; wo die Parteimitglieder bisher den ideologischen Kampf unterdrückt haben (was von Köln und Bochum sowie Dortmund behauptet wird), werden sie ebenfalls gewählt, da ja niemand anders sich zutrat, gegen sie etwas zu sagen, oder aber es werden auf antiautoritär-putschistische Weise zufällige Wortführer gewählt. Der Logik wurde nicht widersprochen. Wo aber ist dann eine solche Vorgehensweise sachlich ausweisbar? Der Vorwurf, der daraufhin dem Frager gemacht wurde, heißt: 'Du hast noch die Illusion von der bolschewistischen Partei im Kopf!', ein Vorwurf, der doch gerade auf die zutraf, die jetzt die Mehrheit bilden! Sie bildeten vor dem Parteitag die Mehrheit mit dem Standpunkt: 'Wir brauchen nur zu betonen, daß wir die Vorhutorganisation sind, dann sind wir es auch! 'Jetzt haben sie mit dieser Illusion 'radikal' gebrochen und daraus den Schluß gezogen: 'Nichts kann sich mehr als Partei ausweisen! Wir müssen voraussetzungslos an die Sache gehen. Wer diesen Schritt nicht mitmacht, der gehört zur Aust-Clique!' (Mit Worten wie Clique sind sie heute ebenso schnell dabei wie früher mit Worten wie Klüngel!)

Genossen, eine solche Politik führt uns nicht weiter, sie endet genau da, wo die bisherige Politik gelandet war. Warum haben wir uns denn bisher so straff organisiert? Weil wir sahen, daß der Antiautoritarismus datu geführt hat, daß die Genossen in die verschiedensten Richtungen auseinandergebröselt sind, ohne daß ihre Sache klarer geworden wäre! Sollen wir dieses Schauspiel der Bourgeoisie noch einmal bieten?

Welche Motivationen erklären eine solche Politik zum radikalen Bruch mit dem Revisionismus? Es gibt einmal die 'links'radikale Variante, daß man selbst bisher unterdrückt war, dem Rechtsopportunismus kritiklos hinterhergetrabt ist und jetzt alles antiautoritär niederreißt. Dieses Motiv ist immerhin ehrlich, wenn auch nicht sachlich ausgewiesen, und solche Genossen wird man im Endeffekt auch von der Falschheit ihres Tuns überzeugen können, denn sie sind trotz alledem ja diskussionsbereit, da sie von der Richtigkeit ihres Standpunktes überzeugt sind.

Es gibt eine zweite Haltung, die auf dasselbe Ergebnis hinausläuft und die sich zur Zeit an die erste anhängt: mit einem Unterschied! Diese Genossen bezeichnen von vornherein alles, was nicht auf ihrer Linie liegt, als bürgerlich, ultrarechts usw. Sie können für ihren Standpunkt heute genauso wenig Argumente beibringen, wie sie es für ihre früheren Standpunkte konnten. Sie leisten eine Selbstkritik nach der andern, aber jede Selbstkritik kritisiert in Wirklichkeit gar nicht sie selbst, sondern andere. Sie behaupten, bisher nur bürgerliche Manager gewesen zu sein, und das im Auftrag der Partei! Sie gehen nonchalant über die Widersprüche, die - auch in dieser Frage - in der Partei bestanden haben und bei denen sie sehr wohl Partei ergriffen haben, hinweg. Sie geben großzügig zu, daß es irgendwelche Widersprüche gegeben hat, aber die Partei sei ja jetzt kaputt. Und da sie ellenlange Monologe halten können, in denen sie zahlreiche allgemeine Weisheiten des Marxismus-Leninismus verbraten, um nicht vor sich selbst konkret reden zu müssen, walzen sie jeden Einwand nieder. (Auch wenn ihnen das heute mal nicht gelingt, so werden sie wie ein Phönix aus der Asche steigen, wenn sie nicht entlarvt werden können!)

Das ist die Haltung von Rechtsopportunisten oder gar prinzipienlosen Karrieristen, die unter der Fahne ideologischer Kampf segeln und in Wirklichkeit den ideologischen Kampf abwürgen, da sie damit eine voraussetzungslose 'Freiheit der Kritik' meinen. Lenin hat dazu in WAS TUN? (vgl. 1.3.1902,d.Vf.) folgendes gesagt, und auf diesem Standpunkt stehen wir Marxisten-Leninisten:

'Wir schreiten als eng geschlossenes Häuflein, uns fest an den Händen haltend, auf steilem und mühevollem Weg dahin. Wir sind von allen Seiten von Feinden umgeben und müssen fast stets unter ihrem Feuer marschieren. Wir haben uns, nach frei gefaßtem Beschluß, eben zu dem Zweck zusammengetan, um gegen die Feinde zu kämpfen und nicht in den benachbarten Sumpf zu geraten, dessen Bewohner uns von Anfang an dafür schalten, daß wir uns zu einer besonderen Gruppe vereinigt und den Weg des Kampfes und nicht den der Versöhnung gewählt haben. Und nun beginnen einige von uns zu rufen: Gehen wir in diesen Sumpf! Will man ihnen ins Gewissen reden, so erwidern sie: Was seid ihr doch für rückständige Leute! und ihr schämt euch nicht, uns das freie Recht abzusprechen, euch auf einen besseren Weg zu rufen! - O ja, meine Herren, ihr habt die Freiheit, nicht nur zu rufen, sondern auch zu gehen, wohin ihr wollt, selbst in den Sumpf; wird sind sogar der Meinung, daß euer wahrer Platz gerade im Sumpf ist, und wir sind bereit, euch nach Kräften bei eurer Übersiedlung dorthin zu helfen. Aber laßt unsere Hände los, klammert euch nicht an uns und besudelt nicht das große Wort Freiheit, denn wir haben ja ebenfalls die 'Freiheit', zu gehen, wohin wir wollen, die Freiheit, nicht nur gegen den Sumpf zu kämpfen, sondern auch gegen diejenigen, die sich dem Sumpfe zuwenden!'

Die alte KPD/ML ist tot. Viele ihrer Mitglieder wenden sich heute dem Sumpf zu, ja sie hat selbst bereits tief im Sumpf gesteckt. Es ist notwendig, sich von diesen Elementen zu reinigen. Aber hier gilt, was Mao Tse-tung über den Bürokratismus gesagt hat (vgl. 1940,d.Vf.):

'Man muß deutlich zweierlei Trennungslinien ziehen. Zunächst ist es die zwischen Revolution und Konterrevolution, zwischen Yenan und Sian. Manche verstehen nicht, daß man diese Trennungslinie ziehen muß. Wenn sie z.B. gegen den Bürokratismus kämpfen, dann sprechen sie von Yenan so, als wäre hier 'nichts in Ordnung', vergleichen nicht den Bürokratismus in Yenan mit dem Bürokratismus in Sian und stellen keine Unterschiede zwischen beiden fest. Damit begehen sie einen grundlegenden Fehler.

Sodann muß man in den Reihen der Revolution zwischen Richtigem und Falschem, zwischen Erfolgen und Mängeln eine deutliche Trennungslinie ziehen und klarstellen, welches von beiden primär, welches sekundär ist. Machen z.B. die Erfolge 30% oder 70% aus? Man darf sie weder schmälern noch übertreiben. Die Arbeit eines Menschen muß man grundsätzlich danach einschätzen, ob sie zu 30% als erfolgreich und zu 70% als fehlerhaft zu bezeichnen ist oder umgekehrt. Machen seine Erfolge 70% des Gesamtresultats aus, dann muß man seine Arbeit im Großen und Ganzen als positiv bewerten. Sind hauptsächlich Erfolge zu verzeichnen, ist es völlig falsch, die Fehler in den Vordergrund zu stellen. Wenn wir eine Frage behandeln, dürfen wir auf keinen Fall vergessen, diese beiden Trennungslinien deutlich zu ziehen: Die zwischen Revolution und Konterrevolution und die zwischen Erfolgen und Mängeln. Wenn wir uns diese beiden Trennungsstriche vor Augen halten, läßt sich alles gut erledigen; andernfalls wird man das Wesen des Problems verwirren. Um den Trennungsstrich richtig zu ziehen, ist es natürlich nötig, sorgfältige Studien und Analysen vorzunehmen. Wir müssen uns darauf einstellen, jeden Menschen und jede Angelegenheit zu analysieren und zu studieren.' (ARBEITSFORMEN DER PARTEIKOMITEES, Methode 12)

Genossen, es ist nicht unsere Absicht, uns hier reinzuwaschen und zu behaupten, wir seien die Bolschewiken. Wir haben nie auf dem Standpunkt gestanden, daß die KPD/ML bereits die bolschewistische Partei sei. Angesichts der mangelnden Verankerung in den arbeitenden Massen, angesichts des Fehlens eines klaren Programms wäre das vermessen gewesen. Wir haben im Gegenteil gegen diejenigen immer gekämpft, die versucht haben, die Partei zu einem Gott zu erheben. Wir stehen aber sehr wohl auf dem Standpunkt, daß die Gründung der KPD/ML (vgl. 31.12.1968,d.Vf.) bei allen Zufälligkeiten und Wirrnissen, die schon dabei existiert haben und sich zu einem erheblichen Teil bis heute fortgesetzt haben und teilweise potenziert haben, ein revolutionärer Akt war. Wir sind der Ansicht, daß die am 31.12.1968 verabschiedete Grundsatzerklärung der KPD/ML im wesentlichen richtig war und ist. Wir sind ferner der Ansicht, daß die Plattform des ZK vom März 1970 (vgl. 30.3.1970,d.Vf.) ein Fortschritt war und daß daher die Trennung zwischen ZK-Partei und ZB-Partei von der Hauptseite her korrekt war. Wir waren ebenfall der Meinung und sind es nach wie vor, daß der ideologische Kampf um die Plattform jedoch nicht geführt worden ist (oder doch nur so minimal, daß es nicht der Rede wert ist, sodaß Zustimmung und Ablehnung derselben teilweise ein Zufallsprodukt war, ja, daß in der Plattform selbst liquidatorische Nebenseiten enthalten waren, die im ideologischen Kampf hätten beseitigt werden müssen. Schon damals wurde das, was Mao Tse-tung in obigem Zitat erklärte, nicht beachtet. Wenn an Passagen der Plattform Kritik geübt wurde, so wurde sie als eine Aufweichung der Front hin zum ZB mißdeutet und ohne Prüfung verworfen. Somit wurde nicht gesehen - und das ZK wollte es lange Zeit nicht wahrhaben -, daß auch die ZB-Partei einige korrekte Seiten hatte. Der Hinweis darauf, daß wir zwar allgemein beanspruchten, die Hauptseite unserer Tätigkeit sei die Theorie, daß aber gerade theoretische Ergebnisse von der ZB-Partei vorgelegt wurden, die zum Teil dem Marxismus-Leninismus entsprechen, die Schlußfolgerung, daß also die ZB-Partei als zu 70% kommunistisch anzusprechen sei, wurde von der Mehrheit des Landesverbandes NRW in ihrer Auseinandersetzung mit der Ortsgruppenleitung Dortmund verworfen. Die Herren Zwei-Wege-Theoretiker fanden dafür nur Gelächter! Während wir betonten, daß sich unsere Partei erst noch durch ihre Praxis auszuweisen hat und wir keineswegs jetzt schon behaupten können, die bolschewistische Partei zu sein, warf uns die Landesleitung NRW vor, damit nicht mehr auf dem Boden der Partei zu stehen. Wir sahen uns zum Rückzug genötigt. Das war ein schwerer Fehler, denn mit diesem Schritt war zugleich der Abwürgung des ideologischen Kampfes der Boden bereitet. Jetzt, da wir zugegeben hatten, in dieser Frage voreilig gehandelt zu haben (wir hatten einen Antrag an den Parteitag gestellt, das ZK solle Prestigedenken fahren lassen und Verhandlungen mit dem ZB aufnehmen, um so einer ideologischen Auseinandersetzung auf allen Ebenen den Weg zu bereiten (vgl. Aug. 1971,d.Vf.)), brauchte man auch unsere übrige Kritik nicht ernst zu nehmen, zumal ihr Vorreiter wegen seines idealistischen Herangehens an die Frage aus dem ZK ausgeschlossen worden war und Bestrebungen bestanden, ihn aus der Partei zu säubern - natürlich wegen 'Fraktionismus und Spaltertum'! Man konzidierte großzügig, daß die Zwei-Wege-Theorie noch nicht die Linie der Partei sei, ja daß sogar einiges daran falsch sei (das herausgefunden zu haben man aber für sich selbst in Anspruch nahm, während wir ja nur die – natürlich falschen - ZB-Argumente vorgebracht hätten), aber wir sollten nicht propagieren dürfen, was gegen die Zwei-Wege-Theorie gerichtet war, da ja die Diskussion noch in der Schwebe war!

Der Zwei-Wege-Theoretiker wurde vorübergehend wegen der ihm gemachten Vorwürfe sogar von seinen ZK-Funktionen suspendiert, aber das ZK hielt es nicht für nötig, diejenigen zu befragen, die ihm Vorwürfe gemacht hatten. So saß er denn zum Parteitag wieder im ZK! Die rechtsopportunistischen Vertreter des 'radikalen Bruchs' in Dortmund haben sich während der gesamten Auseinandersetzung auf die Seite des Landessekretariats geschlagen, haben dementsprechend gegen die Ortsgruppenleitung Dortmund eine putschistische Politik betrieben, da sie ihr Vorgehen ja nicht politisch begründen konnten. In der Tat war ihr Handeln das von bürgerlichen Managern, aber nicht mit Zustimmung der Partei, sondern einer Fraktion der Partei.

So haben sie sich gegen den Versuch, die Ortsgruppe aus Mitgliedern der Massenorganisationen zu vergrößern, gewehrt, indem sie die vorgesehenen Kandidaten als ideologische Nullen oder Karrieristen beschimpft haben. So haben sie sich mit Hinweis auf überregionale Funktionen geweigert, die Anleitung der Massenorganisationen am Ort durchzuführen, bzw. sich dort kontrollieren zu lassen.

Von ihrer Seite wurde gegen uns der Vorwurf des Fraktionismus und der Vereinigungsprojektmacherei erhoben, und zwar ohne Prüfung der Sachlage, weil man sich der Unterstützung durch das Landessekretariat (das einer von ihnen vor den Massenorganisationen großzügig als Landesleitung ausgab) gewiß war. So wurde von diesen Herrschaften der ideologische Kampf in der KPD/ML geführt!

Wir hingegen wagten es nicht, offen unseren Verdacht des Karrierismus zu äußern, weil wir es nicht mit letzter Schlüssigkeit beweisen konnten und daher den Vorwurf 'Politik der harten Schläge' gewärtigen mußten, was ein Ausschlußgrund gewesen wäre. Einer dieser bürgerlichen Manager machte Politik, indem er anfing zu heulen und damit drohte, aus dem Fenster zu springen! Das wurde vom Landessekretariat ihm nicht etwa als ideologische Schwäche zugerechnet, sondern uns als Politik der harten Schläge.

Ja, es ging so weit, die Absetzung der Ortsgruppenleitung zu fordern, da sie 'ihren Aufgaben nicht gewachsen' sei. Soll man da von Ehrlichkeit sprechen? Soll man da noch Vertrauen in diese Genossen haben? Aber 'Vertrauen' ist ja keine politische Qualität, sondern 'kommunistische Solidarität' ist das neue Schlagwort zur Verneblung der Gehirne!

Der bloße Gebrauch des Wortes 'Vertrauen' wird schon als Rechtsopportunismus bezeichnet, weil jemand, der jetzt ein 'spezieller Opportunist' ist, damit hantiert hatte! Denn man kämpft ja jetzt ideologisch! Wir behaupten, daß, wer so redet, überhaupt noch nicht begriffen hat, was ideologischer Kampf ist. Antiautoritäre Wortliquidationspolitik wird als ideologischer Kampf ausgegeben. Die Sache selbst ist offenbar uninteressant! (Dazu hat man auch nichts beizutragen!)

Wir möchten aus dem 'Vorschlag einer Stellungnahme der Ortsgruppenleitung Köln der KPD/ML...' (vgl. Dez. 1971,d.Vf.), die ja hier als Ausgeburt des Rechtsopportunismus bezeichnet wird, eine Passage zitieren, die wir voll unterstützen:

'...Als dann Kritik kam, war diese, auch wenn sie inhaltlich richtig war, der Form nach putschistisch. Aber dieser Putschismus war nichts mehr und nichts weniger als das Ergebnis der verhinderten Kritik und der verhinderten ideologischen Anleitung. Was sich jetzt breit gemacht hat, ist ein Unmut über diese revisionistische Form und die übliche Reaktion bei Genossen mit niedrigem ideologischem Niveau ist Putschismus.'

Wir selbst haben uns verschiedentlich zu putschistischen Aktionen hinreißen lassen, wir kennen das auch vom Verfasser dieses Vorschlages. Dennoch ist diese Aussage voll und ganz zutreffend. Und das können gewisse Sektenhäuptlinge dann dazu ausnutzen, die Partei, die fast völlig am Boden liegt, nun restlos zu zertreten und das Zirkelwesen hochleben zu lassen. Dagegen richtet sich unsere Kritik.

Noch wagten sie es nicht, das Zirkelwesen offen zu propagieren, noch reden sie nur davon, die Partei sei so gut wie kaputt, noch entscheiden sie nur in einzelnen Gremien (wie der Landesleitung), wo sie sich unkontrolliert wähnen, so daß der endgültigen Zersplitterung Vorschub geleistet wird. Und Einwände dagegen sind in ihren Augen 'mangelndes Vertrauen in die Massen'! Sie können nicht angeben, wohin der Zug fährt, aber sie wissen mit Bestimmtheit, daß alles bisher Gemachte falsch war! Das ist Metaphysik des radikalen Bruchs! Das entspricht genau dem, was zahlreiche Delegierte auf dem Parteitag vertreten haben, dessen Ergebnis ein totaler Auseinanderfall der Partei ist! Das ist das Nichtbegreifen der Verantwortung, die die Partei vor dem Proletariat hat. Davon war bisher hier auch nichts zu hören. Lenins Feststellung: 'Das Proletariat besitzt keine andere Waffe im Kampf um die Macht als die Organisation.' ist für sie gleichbedeutend damit, den ideologischen Kampf hintenan zu setzen!

Wir haben Fehler gemacht, gewiß. Möglicherweise beruht unsere Agitprop gegen Lohndiktat und Aufrüstungspolitik auf einer falschen Theorie. Aber: wir haben uns stets darum bemüht, das, was wir zu sagen hatten, auszuweisen. Gewiß: es trug handwerklerische Züge, bedingt dadurch, daß die Partei in der Tat über ein Zirkelstadium bisher nicht hinausgekommen ist. Bedingt auch dadurch, daß jeder von uns mit verschiedenen Funktionen beladen war, deren gleichzeitige Erfüllung uns nicht möglich war. Daraus aber den Schluß zu ziehen, daß zukünftig ROTFRONT (im IGM-Bereich,d.Vf.) vom Komitee des KSB/ML herausgegeben wird, wie es einer der Sektenhäuptlinge hier vortrug, ist doch etwas eigenartig. Wo kann denn der KSB/ML seine Kompetenz ausweisen? Wo haben wir bisher fundierte Kritik des KSB/ML an ROTFRONT gehört? Wie soll er so plötzlich in der Lage sein, diese Aufgaben zu bewältigen, wenn wir selbst, die wir sie über ein halbes Jahr geleistet haben, daran gescheitert sein sollen? (Derselbe, der heute alle Macht dem KSB/ML (und damit sich selbst) zuschustern will, vertrat gestern noch, als die Partei intakt zu sein schien, den Gedanken, der KSB/ML habe ein Bündnis mit der Partei, sei also etwas anderes als eine Organisation der Partei!)

Genossen, das sind Fragen, die beantwortet sein wollen! Wir sind ganz entschieden der Meinung, daß nicht nur wir, sondern auch ihr euch ausweisen müßt! Wir haben etwas vorgelegt, an dem ihr Kritik üben könnt, an dem ihr schon lange hättet Kritik üben können! Ihr habt es nicht getan, weil ihr die Illusion von der bolschewistischen Partei im Kopf hattet! Aufgefordert zur Kritik seid ihr häufig genug worden! Wer hat euch die Flausen von der heiligen Partei in den Kopf gesetzt, deren Ablegung nun euch die Flausen von der verdammten Partei in den Kopf setzen! Bedenkt doch bitte die Bedingungen, unter denen jeder von uns, ihr wie wir, gearbeitet haben! Wenn man einen radikalen Bruch machen will, dann muß man genau wissen, womit, denn sonst schleichen sich dieselben Fehler, mit denen man hat brechen wollen, überall wieder ein! Oder hat sich in der Tat bei euch schon etwas radikal geändert? Dann ist es eure Aufgabe, uns das zu vermitteln!

Selbstkritik ist das Ergebnis eines ideologischen Kampfes, nicht jedoch das Produkt eines einsamen Entschlusses! Wer Selbstkritik übt, muß angeben können, warum er früher falsch gehandelt hat, und er muß angeben können, warum er davon überzeugt ist, daß er künftig richtig handelt. Andernfalls ist die Selbstkritik etwas für den Papierkorb!

Wir werden erst in der Lage sein, Selbstkritik zu üben, wenn wir genau wissen, was an uns kritisiert wird. Wir nehmen zur Kenntnis, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Organisation nicht mehr existiert. Wir hielten ihre Liquidation für einen unüberlegten Schritt. Wir dürfen diesen Schritt nicht verewigen. Die Bestimmung dessen, was richtig und falsch ist, ergibt sich für Kommunisten nicht aus bloßem Bücherstudium, obgleich wir zugeben, daß davon zu wenig betrieben wurde. Die Bestimmung ergibt sich aus dem Widerspruch von Theorie und Praxis."
=N.N.Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund,Dortmund Jan. 1972,S.2, 12 und 18ff

Januar 1972:
In Dortmund erscheint eine Broschüre der Bolschewistischen Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (RM), d.h. der KPD/ML-ZK. In der Broschüre mit dem Titel "Es lebe die einheitliche, korrekte, in den Massen verankerte KPD/ML" plädieren einstige Mitglieder der KPD/ML-ZK - unter ihnen Klaus Dillmann und Günter Ackermann - für den Anschluß an die KPD/ML-ZB.
=Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (RM):Es lebe die einheitliche, korrekte, in den Massen verankerte KPD/ML,Dortmund Jan. 1972

Januar 1972:
Die spätere Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML-ZK aus Dortmund (vgl. 10.1.1972) zitiert vermutlich aus dem Januar:"
'Auch bei ihnen (Anm.: den Liquidatoren) gilt der Satz von Engels (Antidühring): 'Tatsächlich ist und bleibt jedes Gedankenbild des Weltsystems objektiv durch die geschichtliche Lage und subjektiv durch Körper- und Geistverfassung seines Urhebers beschränkt...' und eben beim subjektiven Teil, besonders bei der Geistesverfassung unserer Liquidatoren, haben wir ernste Bedenken, was für uns ein Grund ist, ihnen mit mehr Erleichterung als Bedrücktheit Ade zu sagen.'"

Im Zusammenhang mit der 'proletarischen Fraktion' der OG Dortmund bzw. den späteren ML Dortmund ('X.-Clique') heißt es, dieses Zitat sei:"
Aus einer Stellungnahme der ml-Genossen in Köln, die die X.-Clique als 'Erzrevisionisten' betrachtet."
=N.N.:Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund,Dortmund Jan. 1972,S.4

04.01.1972:
Die späteren Marxisten-Leninisten (ML) Dortmund, derzeit als 'proletarische Fraktion der ehemaligen Ortsgruppe' der KPD/ML-ZK auftretend (vgl. 7.1.1972), berichten u.a. von heute:"
'Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Keil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.' (Marx-Engels, Manifest der Kommunistischen Partei).

'Heute wird nicht mehr darüber diskutiert, ob es notwendig ist oder nicht, neue ml-Parteien zu gründen, sondern wie man diese aufbauen, sich konsolidieren und festigen soll, damit sie immer revolutionäre proletarische Parteien bleiben und die Arbeiterklasse zum Endsieg führen.' (Ramiz Alia, Der Leninismus - Kampf und Siegesbanner)

Genossen!

Auch in der ehemaligen OG Dortmund der KPD/ML ist in den letzten Sitzungen der ideologische Kampf entbrannt um die Frage der Einschätzung der Lage nach dem PT (AOPT - vgl. 27.11.1971,d.Vf.), sowie der praktischen Schritte, die sich aus einer entsprechenden Einschätzung ableiten. D.h. es ging auch hier um die Frage, ob ein radikaler Bruch vollzogen wird mit der bisherigen unbewußten, spontanen Praxis beim Parteiaufbau und ob nun versucht wird, die ersten BEWUSSTEN Schritte auf dem Weg zur ml Partei zu tun, oder ob man unter dem Mantel einer oberflächlichen Selbstkritik in den wesentlichen Punkten doch von einer Kontinuität der Partei ausgeht, die theoretischen Grundlagen für den Parteiaufbau schon für formuliert hält und nur noch die Frage nach der richtigen Anwendung stellt. Kontinuität kann dann nur heißen: Kontinuität des Spontaneismus, der bisherigen bürgerlichen Politik.

Im Kampf um diese prinzipielle Frage unserer Bewegung, im Kampf zwischen der bürgerlichen Linie der Spontaneität und der proletarischen Linie der BEWUSSTEN kommunistischen Politik ist es auf der OG-Sitzung am 4.1.1972 zu einer Spaltung der ehemaligen OG gekommen. Wir gehen von dem Standpunkt aus, daß auch diese konkrete Auseinandersetzung nur fruchtbar für den ideologischen Kampf unter den übrigen Genossen sein wird, wenn wir sie im Zusammenhang der beschriebenen bewußten kommunistischen Politik sehen und sie dafür nutzbar machen. Wir sind der Meinung, daß nur dann, wenn der ideologische Kampf, der auf der OG-Sitzung geführt worden ist, auch von den anderen Dortmunder Genossen fortgesetzt wird, um den rechten Kern zu isolieren, wir einen bewußten und konkreten Beitrag zum allgemeinen Kampf gegen den Rechtsopportunismus leisten können. Deshalb geben wir diese Erklärung ab. Sie soll im besonderen jeder Demagogie den Boden entziehen, die auf der Grundlage der Verdrehung von Tatsachen und der Falschinformationen von Genossen sich entfaltet.

Was spielte sich auf der OG-Sitzung ab? Welche inhaltlichen Positionen wurden dort vertreten?

Anwesend waren bei der Sitzung fünf Mitglieder der OG, sowie je ein Vertreter des Studentenkomitees (KSB/ML,d.Vf.) und des Komitees der Jungarbeiter, Lehrlinge und Schüler (Rote Grade - RG,d.Vf.). Zwei Mitglieder der ehemaligen OG nahmen an der Sitzung nicht teil.

Schon im ersten Punkt der Tagesordnung: 'Einschätzung der Lage nach dem PT und praktische Konsequenzen' wurden im wesentlichen zwei Einschätzungen vorgetragen. Die erste Position, die wir im folgenden in ihren entscheidenden Punkten erläutern wollen, wurde auf der Sitzung hauptsächlich von zwei Genossen der ehemaligen OG dargestellt und von einem anderen Mitglied der ehemaligen OG sowie den Komiteevertretern unterstützt. Diese fünf Genossen haben sich auch entschlossen, die vorliegende Erklärung herauszugeben. Der andere Standpunkt wurde von den beiden anderen Genossen vertreten. Sie gingen dabei von einem Papier eines der beiden Genossen (vgl. S1.1*.197*,d.Vf.) aus (das wir ebenfalls veröffentlichen werden) und erklärten, daß ihre Stellungnahme von mindestens einem der beiden fehlenden Genossen unterstützt werde. ...

II. Zum organisatorischen Kampf in der OG

Als die Diskussion in der OG einen gewissen Abschluß erreicht hatte, stellte ein Genosse der rechtsopportunistischen Fraktion fest, daß er die Widersprüche für antagonistisch halte und außerdem der Überzeugung sei, daß es sich bei zwei Mitgliedern der anderen Fraktion um subjektiv und objektiv liquidatorische Elemente handle, mit denen es keine organisatorische Einheit mehr geben könne. Er werde sich nach seinen Möglichkeiten um ihre Entlarvung und 'Hinaussäuberung' bemühen. Von den Genossen der proletarischen Fraktion wurde ihrerseits festgestellt, daß es sich um antagonistische Widersprüche handle und daß sie eine weitere Zusammenarbeit im OG-Kollektiv für fruchtlos halten. Es ginge jetzt darum, die weitere Arbeit des Kollektivs, vor allen Dingen die Untersuchungsarbeit, die noch zu leisten sei, zu bestimmen und durchzuführen. Im übrigen halten wir es noch für sinnvoll, den ideologischen Kampf zusammen mit den übrigen Genossen in Dortmund zu führen, da nur in diesem Zusammenhang die Möglichkeit besteht, schwankende Genossen von der Falschheit der Linie der Rechtsopportunisten zu überzeugen. Eine genau Einschätzung über die subjektive Haltung (Ehrlichkeit usw.) bei den beiden anwesenden Genossen der rechtsopportunistischen Fraktion konnte einheitlich nicht geleistet werden. Mit den beiden abwesenden Genossen werden wir selbstverständlich den ideologischen Kampf sofort aufnehmen. Für die Arbeiterkontakte der ehemaligen OG schlagen wir vor, daß eine planmäßige Besuchsarbeit in Angriff genommen wird. Die ersten Schritte dazu werden wir in jedem Fall tun.

Im Zusammenhang mit den Arbeiteradressen kam es zu einer Auseinandersetzung, da die rechtsopportunistische Fraktion im Besitz dieser Adressen war und sich nicht bereit erklärte, sie herauszugeben. Diese Feststellung wurde von den Genossen bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Sitzung verließen, nicht zurückgenommen. Von unserer Seite wurde ihnen die Möglichkeit angeboten, jederzeit von den technischen Möglichkeiten, die wir zur Verfügung haben, Gebrauch zu machen, soweit es sich darum handelt, Stellungnahmen für die übrigen Genossen in Dortmund zu vervielfältigen. Das gilt selbstverständlich nicht für Massenagitation oder Propaganda. Wir stehen weiterhin auf dem Standpunkt, daß es den Genossen jederzeit freisteht, in den bestehenden Kollektiven ihre Ansichten zu vertreten.

Aufgrund der Äußerung über die Arbeiteradressen und unserer Einsicht über ihre Bedeutung für die weitere Konsolidierung der Kommunistischen Praxis in Dortmund haben wir noch auf der Sitzung den Beschluß gefaßt, die Adressen zu sichern, sie abzuschreiben und daraufhin den Genossen zurückzugeben. Da die Adressen in der Wohnung eines der beiden Genossen aufbewahrt waren und wir einen Schlüssel zu dieser Wohnung besaßen, der Genosse aber noch nicht nach Hause zurückgekehrt war, konnte der Beschluß ohne größere Schwierigkeiten durchgeführt werden. Außerdem wurden noch einige Unterlagen und technische Geräte, die dort nur gelagert waren, aber nicht dem Genossen gehören, gesichert. Schlüssel und Adressenliste sind inzwischen an den Genossen zurückgegeben worden. Wir wisssen, daß inzwischen in demagogischer Weise von 'Einbruch' geredet wird, aber wir sind weiterhin der Meinung, daß unser Schritt richtig ist und politisch konsequent war. Wir können nicht davon ausgehen, daß Genossen, die inzwischen klar eine bürgerliche Linie vertreten, uns freiwillig bei unserer politischen Arbeit unterstützen werden. Falls einer der Genossen der rechtsopportunistischen Fraktion seinen Standpunkt grundlegend korrigieren sollte, wird er als Kommunist das Vorgehen trotzdem voll unterstützen."
=Erklärung der proletarischen Fraktion der ehemaligen Ortsgruppe zur Spaltung der OG Dortmund der KPD/ML,Dortmund o.J. (Jan. 1972),S.1 und 4

10.01.1972:
Vermutlich aus dieser Woche lag uns das folgende anonyme Papier von 17 Seiten DIN A4 als Brennmatrizenabzug zum AOPT der KPD/ML-ZK (vgl. 27.11.1971) vor, welches von denjenigen verfaßt wurde, die sich später als Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (RM) organisieren:"
AUFRUF AN ALLE MARXISTEN IN DEN EHEMALIGEN ORGANISATIONEN DER KPD/ML IN DORTMUND

Nach dem Auszug der Landesverbände Wasserkante und Bayern auf dem 1. außerordentlichen Parteitag der KPD/ML haben 'linke' und rechte Liquidatoren die übrige 'Partei' in alle vier Winde zerstreut. Das anarchistische Treiben von 'linken' Liquidatoren aus dem Landesverband Südwest (Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland,d.Vf.) ist uns bereits seit längerem bekannt. Diese ultra'linken' Elemente verkündeten, daß es notwendig sei, sich in Ortszirkel zurückzuziehen und durch ein 'theoretisches' Organ eine Diskussionsplattform herzustellen. Ihrem Schritt folgten sehr bald die liquidatorischen Führer des Landesverbandes Niedersachsen, die auf der letzten Sitzung des außerordentlichen Parteitages bereits nicht mehr anwesend waren. Durch einen Verbindungsmann ließen sie verlauten, sie wollten, beschränkt auf ihren Landeszirkel, sich 'Klarheit' verschaffen. Nach neueren Informationen sollen die niedersächsischen Liquidatoren Kontakte mit der AO (KPD,d.Vf.) aufgenommen zu haben. Die Vertreter des Landesverbandes NRW, die aus der Parteigeschichte als die heftigsten Verfechter und Befürworter der rechtsopportunistischen Linie in der Partei bekannt sind, billigten bis auf einen bolschewistischen Vertreter den Auszug der niedersächsischen Liquidatoren. Der Verfasser der 'Zwei-Wege-'Theorie' verhielt sich 'abwartend'. Dieselben, die durch alle möglichen Tricks und Manipulationen den ideologischen Kampf in NRW wieder und wieder abzuwürgen versuchten und bei diesen Versuchen nicht stehenblieben, erklärten nun, daß sie einen 'radikalen' Bruch mit der 'Vergangenheit' machen wollten. Das war der Anfang vom Ende auch des Landesverbandes NRW. Inzwischen sieht die Lage so aus, daß der Sektenhäuptling X. und seine Truppe aus Dortmund in NRW die in ihrer Dekadenz fortgeschrittensten Positionen der NRW-Liquidatoren verfechten. Wir Marxisten-Leninisten halten es daher für notwendig, mit dieser Stellungnahme den unbolschewistischen Auffassungen dieser Elemente und ihren Handlungen entgegenzutreten. Wir gehen dabei davon aus, daß unser Kampf für den Aufbau der Partei einen klaren Trennungsstrich zu den liquidatorischen wie auch zu rechtsopportunistischen Auffassungen notwendig macht. Wir erkennen die Notwendigkeit, die Entwicklung der Partei zu untersuchen und handeln danach. Wir stellen uns auf das Entschiedenste auf den Standpunkt, daß wir dies und unseren Kampf für den Aufbau der Partei nur in enger Verbindung mit der Praxis der Arbeiterklasse und aller übrigen Werktätigen und im ideologischen Kampf mit den marxistisch-leninistischen Organisationen, die bestehen, machen können. Wir leugnen entschieden die 'besondere' historische Bedeutung des Zirkelwesens. Daß wir uns hier zunächst mit den unbolschewistischen Auffassungen der Liquidatoren auseinandersetzen, liegt daran, daß unserer Auffassung nach augenblicklich dieser ideologischen Kampfschauplatz wichtig ist, um Genossen, die aufgrund einer berechtigten Empörung über die Fehler der Partei den Liquidatorenmetaphysikern folgen, zu überzeugen. Wir fordern diese Genossen auf, sich mit uns auseinanderzusetzen, im ideologischen Kampf einen klaren Trennungsstrich zu den Liquidatoren um X. zu ziehen und deren Zirkel zu verlassen. Im folgenden werden wir unsere Hauptdifferenzen zu den Liquidatoren darlegen.

1. DIE OBJEKTIVEN URSACHEN FÜR DAS ENTSTEHEN DES RECHTEN LIQUIDATORENTUMS

'Kein einziger Mensch hat, wie es scheint, ja daran gezweifelt, daß die jüngste Epoche der russischen Geschichte, ungefähr vom Jahre 1908 an, nicht nur durch die äußerste Verschärfung der Verfolgung alles Demokratischen durch die Reaktion, sondern auch durch einen äußerst starken ideologischen Niedergang und Zerfall charakterisiert wird, der sowohl das Proletariat als auch sämtliche Elemente der bürgerlichen Demokratie erfaßt hat. Aber wenn ALLE diese offensichtlichen Tatsachen anerkennen, so haben sich doch allein die Marxisten die direkte und klare Aufgabe gestellt, die klassenmäßigen Ursachen und die klassenmäßige Bedeutung dieses Niedergangs und Zerfalls genau zu klären. Ohne eine solche Klärung ist eine bewußte Wahl der Taktik unmöglich.'
(Lenin: Schlußwort zum Sammelband 'Marxismus und Liquidatorentum' (vgl. S2.*.19**,d.Vf.)).

Genossinnen und Genossen! Wir alle wissen, daß die Partei und alle übrigen marxistisch-leninistischen Organisationen verschärften Pressionen des Klassenfeindes ausgesetzt waren und sind. Die konterrevolutionäre Sozialdemokratie bereitet im Zuge ihrer imperialistischen Expansionspolitik (Annexion der DDR, Hegemonie in der EWG etc.) Schritt für Schritt den Faschismus vor. Diese Politik der 'Ruhe an der Heimatfront' läuft auf nichts anderes hinaus, als den nach außen expandierenden imperialistischen Staat zu einem faschistischen Unterdrückungsinstrument gegenüber der Arbeiterklasse auszubauen. In diesem Konzept haben die marxistisch-leninistischen Organisationen als 'Störfaktor' keinen Platz. Wir alle wissen, wie gegen Flugblätter von Partei und RG im LV Bayern reagiert wurde. Wir alle wissen auch, daß der Verkauf der ROTEN FAHNE (RF,d.Vf.) der KPD/ML-ZB wiederholt zu Polizeieinsätzen geführt hat, ja, uns selbst ist das ja an der Zeche Hansa (IGBE-Bereich - vgl. 16.7.1971,d.Vf.) passiert. Verbotsdrohungen nahmen und nehmen zu. Ist es zufällig, daß in einer solchen Situation das Liquidatorentum auftaucht? Wir meinen: NEIN! Die kapitulantenhafte Rückzugslinie der Liquidatoren 'Hinein in die Zirkel' ist die Antwort des verängstigten Kleinbürgers auf die terroristischen Drohungen der Bourgeoisie!

Der Erscheinungsform nach ist diese Haltung 'links', d.h. organisationsanarchistisch, dem Wesen nach ist sie ein Einschwenken auf die von der Bourgeoisie geforderte Wohlverhaltenslinie, d.h. zutiefst sozialdemokratisch. So wundert es den aufmerksamen Betrachter auch nicht, daß es sich bei den NRW-Liquidatoren um Y. und Z. aus Duisburg sowie X. in Dortmund um Leute handelt, die früher heftige und herausragende Verfechter des rechtsopportunistischen Kurses gewesen sind (siehe zur Situation in Dortmund das Papier: 'Genossen, es soll eine LDK stattfinden...' (vgl. 31.12.1971,d.Vf.)). Die nach vollzogener Liquidation vorgetragene Beteuerung:
'Aber wir wollen doch die Partei und deshalb vollziehen wir den radikalen Bruch', ist deshalb nichts weiter als ein Verschleierungsmanöver. Um auch nur ja 'radikal' zu verschleiern, scheut man sich auch nicht, die Plattheit, die an Vulgarität kaum zu überbieten ist, zu leiern, es gäbe kein Lohndiktat und keinen Sozialfaschismus. Genossen, wir wissen, daß es in der Partei ernste Fehler gegeben hat, ja, auch eine revisionistische Linie, aber wir, die wir dies gewissenhaft untersuchen wollen und meinen, die Partei selbst sei dazu der geeignete Ort, verachten zutiefst die Leier der Liquidatoren, die Partei sei 'von Grund auf revisionistisch' gewesen. Ein verdammt logisches Konzept: Man behaupte, die Partei sei 'revisionistisch entartet' gewesen, liquidiere und erzähle uns dann unschuldsvoll, man wolle nun unter anderem auch untersuchen, OB diese Partei 'revisionistisch entartet' gewesen sei! Was ist dies anderes als die schwankende Linie von Kapitulanten, die ein Haus niederbrennen, um die Flöhe, die darin gehaust haben, zu vernichten, und nun sich die Frage stellen, OB es Flöhe gegeben habe. Fürwahr ein 'radikaler Bruch' - mit jeder Form von Vernunft... Ein 'radikaler Bruch' mit dem leninistischen Prinzip, daß das Proletariat im Kampf für die Revolution keine andere Waffe besitzt als die Organisation. So wundert es uns auch nicht, daß die Arbeitergenossen, die den Liquidatoren gefolgt sind, mit der Lupe gesucht werden müssen.

2. DER A.O. PARTEITAG UND DIE HALTUNG DER LIQUIDATOREN

Genossen, wir müssen die Untersuchungen zur klassenmäßigen Aufhellung des Entstehens des Liquidatorentums gewissenhaft fortsetzen. Ihre Verurteilung und Isolierung von der ml-Bewegung ist gleichwohl unumgänglich! Betrachten wir das klägliche Verhalten der Liquidatoren auf dem 1. a.o. PT.! Nach dem Auszug der LV Wasserkante und Bayern wußten sie nichts besseres als darüber zu schnattern, ob die Partei 100- oder 99%ig entartet gewesen sei. Zunächst unternahmen sie noch einen Versuch, ein provisorisches Koordinationszentrum zu schaffen, 'überzeugten' sich dann aber gegenseitig, daß dies nicht möglich sei. Entschlossene Genossen wie G. A. wurden flugs als 'Organisationsfetischisten' diffamiert. Schließlich müsse man den 'radikalen Bruch' ja auch mit der Organisation machen... Katzenjammer auf der ganzen Linie! Man entschloß sich, den Leninismus zu 'vergessen'!

Auf der Parteiaktivistenkonferenz NRW (vgl. Dez. 1971,d.Vf.) bescheinigten sich die Liquidatoren, sie seien 'spontan, DAS HEISST bürgerlich' herangegangen, man sei 'unbewußt' gewesen. Oh nein, Herrschaften, ihr habt sehr wohl die Linie der Partei mitbestimmt, und nicht nur das, ihr tragt selbst ein gerütteltes Maß an Verantwortung! Es ist bequem, sich dieser Verantwortung zu entziehen, indem man sich für 'unbewußt' erklärt. Auch hier habt ihr ein simples Rezept:

Man erkläre sein Bewußtsein und Denken für die Zeit seiner Parteimitgliedschaft für nicht existent, schlage sich an die Brust und streue Asche auf sein Haupt, jammere, sein 'unbewußtes' Verhalten liege an 'der' Partei und lasse den Entsetzensschrei folgen: 'Ich armes Produkt der Parteigeschichte konnte und durfte auf dem Parteitag nicht mehr die Partei wollen, weil mein Kopf voll von Revisionismus ist' - und erkläre sich anschließend für 'bewußt'. Ja, man ist sich jetzt so 'bewußt', daß man 'bewußt' die Partei von den Zirkeln her neu aufbauen will, nachdem man vorher alles daransetzte, sie zu liquidieren. So billig kommt ihr uns nicht davon! Wir werden euer 'proletarisches Bewußtsein' entlarven als das, was es ist: das Kapitulantengeschwätz von Kleinbürgern. Wir werden nicht müde werden, euch eure Schande vor Augen zu halten, daß ihr den Leninismus über Bord geworfen habt, und daß ihr, Dortmunder X.-Liquidatoren, die Partei zum Popanz erklärt habt und damit die OG für nicht mehr existent erklärtet!

3. DIE BÜRGERLICHE PHILOSOPHIE - DIE IDEOLOGISCHE GRUNDLAGE DES LIQUIDATORENTUMS

Genossen, was steckt hinter dem Kapitulantengeschwätz von der 'Bewußtheit'? Diese Frage hat uns Papst Pius der X.te in schöner Eindeutigkeit beantwortet. Im RG-Kollektiv (Rote Garde,d.Vf.) erklärte er, wir armseligen Kreaturen vom 'Bürgerblock' hätten das Wesen vom Revisionismus nicht begriffen, deshalb seien wir ja auch selbst 'Revisionisten'. Und wie sieht das 'Wesen' des Revisionismus aus? Unfehlbar dozierte der Papst: 'Das Wesen des Revisionismus besteht darin, den VORRANG der Ideen vor der Materie nicht anerkennen zu wollen! Heissa, 'Genosse' Hegel wird sich freuen, posthum neben dem Kirchenvater Augustinus, Buddha, Mohammed und Jesus Christus als 'Klassiker' des Marxismus-Leninismus und Führer des Weltproletariats zu gelten! 'Am Anfang war das Wort...' - also muß am Anfang die Idee sein, die 'Theorie', der 'Plan', das 'Bewußtsein'...

Wir kennen keinen bürgerlichen Professor, der nicht vom Katheder dasselbe dozieren würde. Wir Marxisten-Leninisten stellen uns aber - bewußt (!), ihr Herren Liquidatoren! - auf den Standpunkt, daß das Bewußtsein ein Ausdruck des Seins ist, und deshalb sagen wir, daß euer 'Bewußtsein' nicht mehr als der Ausdruck eures kleinbürgerlichen Seins ist!

'Auch bei ihnen (Anm.: den Liquidatoren) gilt der Satz von Engels (Antidühring): 'Tatsächlich ist und bleibt jedes Gedankenbild des Weltsystems objektiv durch die geschichtliche Lage und subjektiv durch Körper- und Geistverfassung seines Urhebers beschränkt...' und eben beim subjektiven Teil, besonders bei der Geistesverfassung unserer Liquidatoren, haben wir ernste Bedenken, was für uns ein Grund ist, ihnen mit mehr Erleichterung als Bedrücktheit Ade zu sagen.' (Aus einer Stellungnahme der ml-Genossen in Köln (vgl. Jan. 1972,d.Vf.), die die X.-Clique als 'Erzrevisionisten' betrachtet).

Wir begreifen nun, daß der 'Plan' der Liquidatoren - soll er 'bewußt' sein - in enger Kollaboration mit dem 'Weltgeist' (Hegel: Phänomenologie des Geistes) entstehen muß. Unsere Herren Liquidatoren stellen sich die Frage: 'Was ist zuerst da, das Ei oder das Huhn?', halten sich dabei aber nicht länger auf, sondern gehen gleich zu der Frage über: 'Was ist zuerst, die Theorie oder die Praxis?' 'Natürlich die Theorie!' rufen uns unsere Kapitulanten zu, und, einmal die Dialektik zum bloßen Paradox hinunterschusternd, beantworten sie gleich ein weiteres paradoxes Konstrukt ihrer 'Bewußtheit', nämlich die Frage: 'Was ist zuerst: der Plan (sprich: die Idee) von der Partei oder die Partei?' mit gläubiger Gewißheit: 'Der Plan, sprich: die Idee!'

Sie sind nicht in der Lage zu erkennen, daß die Notwendigkeit der Partei ein Ergebnis der Praxis ist, daß die Notwendigkeit der Partei Leninschen Typs eine verallgemeinerte Erfahrung der Praxis der internationalen Arbeiterklasse ist, daß die ml-Partei und ihr Aufbau eine Sache der PRAXIS ist. Wir Marxisten-Leninisten leugnen entschieden eure unmaterialistische, vom Weltgeist inspirierte 'Absolutheit' eurer Erkenntnis. Ihr Kapitulanten wollt die 'absolute' Gewißheit, daß beim Parteiaufbau keine schweren Fehler gemacht werden, aber diese Gewißheit und diesen 'Plan', der davor schützen könnte, gibt es nicht und kann es nicht geben! Deshalb jammert ihr über die schweren Fehler der KPD/ML, aber euer Jammern drückt nicht mehr aus als eure Angst: die kleinbürgerliche Angst, daß man 'hinaus' in die grausame, wirkliche und klärende Praxis muß! Daß man dies als Kommunist IMMER muß! Deshalb habt ihr auch die Praxis des ideologischen Kampfes innerhalb der Partei gescheut und habt deshalb kurzerhand liquidiert. In der Tat, in euren frei-religiösen Zirkel-Sekten seid ihr ja so sicher, sogar ganz sicher, denn weder die Marxisten-Leninisten noch die Bourgeoisie, der ihr im Kampf, in der Praxis zu begegnen fürchtet, nehmen euch dort ernst! 'Genosse' Hegel hat euch nicht gelehrt, daß man, um einen Apfel kennenzulernen, hineinbeißen muß! Nur munter weiter gezittert, ihr Herren Kapitulanten, es könnte ja ein Apfel vom 'Baum der Erkenntnis sein' und euer Sündenfall könnte darin bestehen, daß ihr in einen Wurm beißt. Aber zu lamentieren, DASS ein Wurm darinstecken KÖNNTE, hilft nicht weiter. Aber hineinbeißen und den Wurm kräftig ausspucken, das ist ja 'spontaneistisch, 'das heißt' bürgerlich...' Nun, Herrschaften wir haben in den Apfel gebissen und haben mehrere Würmer gefunden - und einer davon seid ihr! Euch spucken wir nun in großem Bogen aus!

Wir sehen: Die Liquidatoren stellen sich nicht die Frage, was ist die Hauptseite im Widerspruch zwischen Theorie und Praxis, sondern, was ist ZUERST. Genosse Mao Tse-tung schreibt in 'Über den Widerspruch' (vgl. Aug. 1937,d.Vf.):

'Manche Leute denken, es gäbe Widersprüche, auf die das nicht zuträfe (gem. ist: der Wechsel der Hauptseite). Wenn zum Beispiel in dem Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen die hauptsächliche Seite die Produktivkräfte sind, in dem Widerspruch zwischen Theorie und Praxis - die Praxis, in dem Widerspruch zwischen der ökonomischen Basis und dem Überbau - die ökonomische Basis, so fände hier angeblich kein Platzwechsel zwischen den beiden Seiten des Widerspruchs statt. Diese Auffassung ist kennzeichnend für den mechanischen Materialismus und nicht für den dialektischen Materialismus. Selbstverständlich spielen die Produktivkräfte, die Praxis und die ökonomische Basis im allgemeinen die hauptsächliche, die entscheidende Rolle, und wer das leugnet, ist kein Materialist. Man muß jedoch auch anerkennen, daß unter bestimmten Bedingungen die Produktionsverhältnisse, die Theorie und der Überbau an die Reihe kommen können, die entscheidende, die Hauptrolle zu spielen... Wenn Lenins Worte 'Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Praxis geben' unmittelbare Aktualität erlangen, dann spielt die Schaffung und Verbreitung der revolutionären Theorie die hauptsächliche, die entscheidende Rolle.'

Dieses wichtige Prinzip der materialistischen Dialektik, nämlich daß die Ideen wieder in die Materie rück- und hineinwirken, leugnen wir Marxisten-Leninisten keineswegs. Daraus aber ableiten zu wollen, daß 'das Wesen des Revisionismus darin bestehe, den Vorrang der Ideen vor der Materie zu leugnen', ist purer metaphysischer Schwachsinn.

'Nun', quacksalbern unsere Kapitulanten, 'wir sind aber in eben der von Lenin angesprochenen Situation!' Oder anders, auf gut liquidatorisch: 'Da die Partei nicht vom Fundament einer wissenschaftlich begründeten Linie zum Parteiaufbau AUSGING (sic!) und auch im Weiteren keine wesentlichen Aussagen zur marxistisch-leninistischen Parteitheorie in Westdeutschland leistete, mußte sie notwendig zu einer spontanen und damit zu einer hauptsächlich von der bürgerlichen Ideologie geleiteten Praxis kommen.' 'Gewiß', antworten wir Marxisten-Leninisten, 'diese Theorie existierte nicht ausgearbeitet, aber wie hätte sie anders entstehen können und kann sie anders entstehen als in den proletarischen Kämpfen?!'

Nun können unsere Kapitulanten nicht mehr an sich halten und kichern ins intellektuelle Fäustchen: 'Was bedeutet nun wissenschaftlich theoretische Aussagen zum Parteiaufbau? Hier sind die Aussagen, hier ist der Plan gemeint, der konkret und wissenschaftlich fundiert darüber Aufschluß gibt, wie die Partei in ihrer Aufbauphase die Fragen der Kaderbildung, der Massenlinie, der Strategie und Taktik der Revolution, des Programms, der Klassenanalyse lösen will.' Und da wir spontaneistischen Revisionisten vom Bürgerblock weiter daran festhalten, daß dies eine Frage der PRAXIS und der Kämpfe der Partei ist, 'belehren' uns die Metaphysiker, daß man diese 'wissenschaftliche' Arbeit NUR durch a) 'Umgestaltung der Weltanschauung...' und 'b) lebendiges Studium des ML mit dem Ziel der wissenschaftlich-theoretischen Formulierung der Linie zum Parteiaufbau' leisten könne (Alle Zitate der Liquidatoren aus der 'Erklärung der 'proletarischen' Fraktion der ehemaligen OG Dortmund der KPD/ML' (vgl. 7.1.1972,d.Vf.)!). Genossen, was ist dies anders als der offen vorgetragene Wunsch der liquidatorischen Kleinbürger, aus ihren Sekten nach der Unterminierung, Spaltung und faktischen Liquidierung der Parteiarbeit in Dortmund, ein 'sicheres' Universitätsinstitut für bürgerliche Philosophie mit einem Lehrstuhl für Marxismus zu machen? Genossen, uns kotzt dieses opportunistische Geseiche an!

Wir Marxisten-Leninisten halten weiter daran fest, daß in der anfänglichen Phase der Partei Kaderbildung, Schaffung des Programms, Gewinnung der Fortschrittlichen des Proletariats, Grundlage Propaganda Hauptaufgabe ist. Wir leugnen aber entschieden, daß dies zunächst eine Frage der Theorie sei. Vielmehr ist es doch so, daß die Fragen, die die Theorie beantworten soll, in der Praxis entstehen müssen. Viele Fragen sind uns auf unserem Weg in der Partei begegnet, wir haben sie manchmal gut beantwortet, häufig schlecht und mangelhaft, oft gar nicht. Aber wir können deswegen keineswegs die Hände in den Schoß legen. Es ist eben so, ihr Herren Kapitulanten, daß richtige Linien und richtige Ideen nur in den praktischen Kämpfen entstehen können und nicht in Studierzirkeln. Dabei übersehen wir nicht, daß gerade jetzt, wo es um den praktischen Kampf um das Programm geht, der Theorie eine große Bedeutung beigemessen werden muß, aber das hat nichts, aber auch gar nichts mit Liquidation der Praxis oder gar der Partei zu tun. Doch hören wir dazu den Genossen Lenin, der bereits 1893 ((vgl. 1893,d.Vf.)!) schrieb:
'Mit dieser Betonung der Notwendigkeit, Wichtigkeit und gewaltigen Bedeutung der theoretischen Arbeit der Sozialdemokraten will ich keineswegs sagen, diese Arbeit müsse an die erste Stelle, vor die PRAKTISCHE (Hervorhebung bei Lenin) gestellt werden...' Und in der folgenden Fußnote: 'Im Gegenteil, an erster Stelle steht UNBEDINGT STETS die praktische Propaganda - und die Agitationsarbeit, und zwar erstens, weil die theoretische Arbeit nur auf Fragen antwortet, die von der zweiten erhoben werden. Zweitens aber werden die Sozialdemokraten nur zu oft durch Umstände, die nicht von ihnen abhängen, dazu gezwungen, sich allein auf theoretische Arbeit zu beschränken (gem. ist durch Pressionen der Bourgeoisie, d. Verf.), als daß sie nicht jeden Augenblick zu schätzen wüßten, der die Möglichkeit zur praktischen Arbeit bietet.' Im Text fährt Lenin fort '...noch weniger will ich sagen, daß die zweite bis zum Abschluß der ersten aufgeschoben werden soll. So könnten nur Verehrer der 'subjektiven Methode in der Soziologie' oder Adepten des utopischen Sozialismus schlußfolgern.' (LENIN, Werke Bd.1, S.301)!

Nun wissen wir nicht, ihr Herren Liquidatoren, ob ihr an eurem Institut für Philosophie zwischen dem 'jungen Lenin', dem 'mittleren' und dem 'alten' unterscheidet, so wie man an solchen Instituten gewöhnlich Karl Marx vulgär katalogisiert, und deshalb wollen wir Bourgeois es wagen, den 'Revisionisten' Enver Hoxha zu zitieren:
'Indem sie (gem. sind: die ml Parteien, d. Verf.) am großen politischen Kampf teilnehmen, an konkreten Aktionen und revolutionären Bewegungen der Arbeiter, stärken sie ihre Verbindung mit den Massen und bereichern ihre Erfahrung. Im Aufschwung der Klassenschlachten verbessern sie die Formen der leninistischen Organisation der Partei und ihrer ganzen Tätigkeit; sie schmieden die Einheit des Denkens und des Handelns; sie stärken den Zusammenschluß ihrer Reihen.'(Bericht auf dem VI.Parteitag der PdAA (vgl. Albanien - 1.11.1971,d.Vf.)). Welch ein 'bürgerlicher Spontaneist'!

Die 'Revisionisten' von Radio Tirana verbreiten folgendes 'bürgerliche' Zeug und beweisen, wie 'unbewußt' die PdAA war und ist:

'Die Partei der Arbeit Albaniens arbeitete nicht auf einmal die eigene endgültige Linie, ihr politisches Programm für diese oder jene revolutionäre Etappe aus, heißt es im Artikel. Zu Beginn legte sie die Grundlagen ihrer allgemeinen Linie, bestimmte vor allem klar ihr strategisches Ziel. Danach bereitete und ergänzte sie diese Linie im Verlauf der Revolution.

Weshalb arbeitete die Partei der Arbeit Albaniens nicht gleich zu Beginn das volle Programm auf einer bestimmten historischen Etappe der Revolution aus? Aus dem einfachen Grund, da anfänglich die notwendige Erfahrung der revolutionären Führung nicht ausreichte. Diese Erfahrung wird hauptsächlich in der praktischen revolutionären Tätigkeit gewonnen. Weder der Marxismus-Leninismus, noch die Erfahrungen einer Bruderpartei geben jemals der Partei der Arbeiterklasse dieses oder jenen Landes eine fertige vollständige politische Linie. Außer der marxistisch-leninistischen Theorie, die den Weg beleuchtet und außer der helfenden Erfahrung der Bruderparteien bedarf die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse unbedingt der eigenen revolutionären Erfahrung bei der Ausarbeitung ihrer Linie.

Die Anwendung eines solchen Prinzips und einer solchen Praxis hatte zur Folge, daß die politische Linie der Partei der Arbeit Albaniens stets über einen großen Dynamismus verfügte und verfügt, daß dies kein dogmatisches und starres Programm, sondern immer aktuell und von schöpferischem Geist war. Dies half der Partei gleichzeitig, in der Woge der revolutionären Praxis die Richtigkeit ihrer Linie zu prüfen und diese von Fehlern und Mängeln zu befreien.

Indem die Partei der Arbeit Albaniens bei der Ausarbeitung ihrer eigenen politischen Linie die größte Bedeutung ihren eigenen Erfahrungen gab, zog sie auch aus den revolutionären Erfahrungen der Bruderparteien der ganzen internationalen kommunistischen Bewegung Gewinn, indem sie diese den historischen ökonomischen und sozialen Bedingungen des Landes anpaßte. Die mechanische Übernahme der revolutionären Erfahrungen einer Partei oder eines anderen Landes trägt unverbesserliche Folgen für die Partei der Arbeiterklasse, die sich solch einen Fehler erlaubt, in sich.'

(Radio Tirana, 22.10.1971, Verlesung von Auszügen eines Artikels aus der Zeitschrift 'Pruga e Partise' Nr.10, zitiert nach 'Der Parteiarbeiter', Funktionärsorgan der KPD/ML-ZB Nr.10 (vgl. Dez. 1971,d.Vf.),S.17/18).

Genossen, nach all dem ersparen sich weitere Ausführungen darüber, wie es die liquidatorischen Metaphysiker mit der materialistischen Erkenntnistheorie und ihrer Anwendung beim Parteiaufbau halten. Wenn die Kapitulanten vom 'Kampf um diese prinzipielle Frage unserer Bewegung, (vom) Kampf zwischen der bürgerlichen Linie der Spontaneität und der proletarischen Linie der BEWUSSTEN (!) kommunistischen Politik' (Dortmunder Liquidatorenpapier) wimmern, so können wir das nun in materialistische Reinschrift übersetzen: Es handelt sich um den Kampf zwischen Idealismus und Materialismus, zwischen 'bewußter' bürgerlicher Linie und 'revisionistischer' proletarischer Linie. Guten Rutsch in den Sumpf, ihr Herren Liquidatoren!

4. 'DIE ÄUßEREN URSACHEN (WIRKEN) VERMITTELS DER INNEREN.' (MAO TSE-TUNG)

Wir haben gesehen, daß die Haltung unserer Kapitulanten und ihre Angriffe auf die Partei genau dem Zeitpunkt der verschärften Angriffe der Bourgeoisie auf die gesamte marxistisch-leninistische Bewegung entsprechen, daß ihre Klassenlage kleinbürgerlich und ihre ideologische Grundlage die bürgerliche Metaphysik ist. Aber ihr Auftreten, ihre Sabotagetätigkeit gegenüber der Partei, die Tatsache, daß sie über einen längeren Zeitraum hin in der Partei unentlarvt wirken konnten, muß Ursachen in der Entwicklung der Partei, in den Widersprüchen in der Partei, haben. In diesem Zusammenhang möchten wir zunächst eine Feststellung des ROTEN MORGEN zitieren:

'...Sie nutzen gewisse Fehler und Unklarheiten, die in der Plattform des Zentralkomitees, welche seit 1 1/2 Jahren die Grundlage der politischen Arbeit unserer Partei ist, enthalten sind, aus. Dort wurde das Verhältnis zwischen wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung sowie die Rolle der intellektuellen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Herkunft beim Parteiaufbau teilweise zweideutig und fehlerhaft dargestellt. Woraus sie jetzt ihren bürgerlichen bzw. kleinbürgerlichen Führungsanspruch herleiten. Ferner wurde in der Plattform die Hauptaufgabe nicht korrekt bestimmt, so daß man annehmen konnte, daß gegenwärtig die Hauptaufgabe beim Parteiaufbau allein die Schaffung der revolutionäre Theorie, die Ausarbeitung der Klassenanalyse sei. Woraus die Liquidatoren schlußfolgerten, daß eben dazu eine Partei nicht notwendig sei und man sich auf um ein theoretisches Organ scharenden Zirkel beschränken könne. Das ist natürlich falsch.' (RM, Sondernummer vom 27.12.1971). Wir halten diese Aussage, für sich genommen, von der Hauptseite her für richtig, hegen aber ernsthafte Zweifel, ob sich der ROTE MORGEN über die Konsequenzen dieser Feststellung im klaren ist; denn schließlich heißt es in der Überschrift zu dem Artikel, aus dem diese Sätze stammen: 'Diskussionsbeitrag der Zentrale zur WEITERENTWICKLUNG (Heraushebung durch uns) der Plattform der KPD/ML vom April 1970...' (vgl. 30.3.1970,d.Vf.) - Wir meinen, daß die Einschätzung der Plattform, ihre genaue Untersuchung auf richtig oder falsch hin, das entscheidende Kettenglied sowohl zur Beurteilung der ersten wie der zweiten Spaltung der Partei ist. Wir sind der Auffassung, daß gerade mit der Plattform 'radikal gebrochen' werden muß! Wir gehen dabei von dem Grundsatz aus, - und GERADE die Sabotagetätigkeit des Liquidatorentums gegenüber der Partei führt uns das klar vor Augen! - 'daß es Opportunismus wäre, die Plattform weiterzuentwickeln'. Ferner wäre es Opportunismus, auf der Grundlage der Verwerfung der Plattform mir nichts - dir nichts die GESAMTE Linie der KPD/ML-ZB von einem Tag zum anderen, ohne genaue Untersuchung, für nichtig zu erklären, - es wäre aber Spaltertum, subjektiv wie objektiv, auf der Grundlage der 'Weiterentwicklung' der Plattform jetzt nicht UMFASSEND, auf allen Ebenen, die ideologische Auseinandersetzung mit der KPD/ML-ZB zu führen und - wenn sich die hauptsächliche Richtigkeit ihrer Linie herausstellen sollte - weiterhin die eigene Organisation aufzubauen. In diesem Zusammenhang muß eindeutig darauf hingewiesen werden, daß die liquidatorischen Kapitulanten sich bereits als offene Spalter erwiesen haben, denn so, wie es ihnen der 'Weltgeist' eingibt, unsere Partei als 100%ig 'revisionistisch entartet' zu verleumden, diffamieren sie die KPD/ML-ZB als 200-prozentig 'revisionistisch entartet'! Wir fordern hiermit das Hamburg-Münchener Zentralkomitee und alle antiliquidatorischen Genossen der Partei auf, den ideologischen Kampf zu diesen Fragen aufzunehmen und dabei die ZB-Partei einzubeziehen!

Doch betrachten wir die Plattform: (Eine gesonderte gründlichere Analyse der Plattform werden wir noch erstellen.)

a.) Wie bestimmt die Plattform die Funktion der bolschewistischen Partei?

'Sie muß fähig sein, die Bewegung der Klassen und der Revolution im Voraus zu überblicken, um daraus die Etappen des Kampfes des Proletariats zu bestimmen. Die Erfüllung dieser Bedingung ist unbedingt notwendig, um die Partei zur Vorhut des Proletariats werden zu lassen... Die marxistisch-leninistische Partei verkörpert daher die Verbindung von wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung - DAS HEISST PROLETARISCHE LINIE.' Diese allgemeine Feststellung ist zunächst einmal richtig. Sie wird aber falsch, wenn in den nachfolgenden Erläuterungen erklärt wird, wie diese Verbindung zwischen wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung aussehen soll: 'Die Gewinnung und Heranbildung einer solchen 'Arbeiter-Intelligenz', deren Vereinigung mit den sozialistischen Intellektuellen in der revolutionären Partei zeichnet die erste Phase der Entwicklung der Partei hauptsächlich aus.' Was heißt das anderes als daß die Partei mit Naturnotwendigkeit zunächst einmal aus der Intelligenz besteht inklusive natürlich auch deren Führung und daß diese Partei der Intelligenz erst die Arbeiterintelligenz gewinnen soll? Damit ist der Führungsanspruch der Intellektuellen 'begründet'. Tatsache aber ist doch, daß die Partei eben als Partei die VEREINIGUNG von wissenschaftlichem Sozialismus (deren Träger im Kapitalismus zunächst außerhalb der Partei bürgerliche Intellektuelle sind) und Arbeiterbewegung ist. Auf diesem Zusammenhang wies damals zum Zeitpunkt der Erstellung der Plattform, der BOLSCHEWIK Nr.2 (vgl. Juni 1970,d.Vf.) zu recht hin: 'Die Vertreter der schwarzen Linie meinen also, daß die hervorragendsten Vertreter der Arbeiterklasse zur revolutionären Partei der Intelligenz gelaufen kommen, um sich mit den Intellektuellen zu vereinigen.' Gerade dem Genossen E. A. (Ernst Aust,d.Vf.), dessen Verdienste in der kommunistischen Bewegung im Kampf gegen den modernen Revisionismus wir nicht schmälern wollen, hätte es doch auffallen müssen, daß damit die Partei, die zum damaligen Zeitpunkt hauptsächlich aus Arbeitergenossen bestand, durch diese Rabulistik über die Hintertreppe zur Partei der revolutionären Intellektuellen 'emporgeläutert' wurde. Welch eine Perspektive für Studierstubenintelligenzler, die ihre Praxislosigkeit nun zur ersten Notwendigkeit der Partei hochjubeln konnten! Der Parole 'Die Intelligenz soll in allem die Führung innehaben', war auf diese Weise Tür und Tor geöffnet. Worin unterscheiden sich denn diese liquidatorischen Auffassungen von den 'bewußten Erkenntnissen' der heutigen Liquidatoren, die uns weismachen wollen, 'wir müssen wirklich dasjenige kennen, was wir mit der Arbeiterbewegung verbinden wollen, nämlich den wissenschaftlichen Sozialismus, um auf dieser Grundlage die Partei aufzubauen, die diese Verbindung leisten soll. Was heißt das praktisch?... d) VORBEREITUNG der Verbindung des wissenschaftlichen Sozialismus mit der Arbeiterbewegung. Hierin verstehen wir die Aufstellung eines Plans zur Gewinnung der Arbeiterintelligenz und ihre Gewinnung selbst'. Um das noch deutlicher zu machen, behaupten die Liquidatoren, Lenin unterscheide 'zwischen bürgerlichen Intellektuellen und der Arbeiterintelligenz ALS TEILEN DER INTELLIGENZ' - selbstverständlich nicht der PARTEI. Also: erst müssen die Arbeiter als Arbeiterintelligenz zu Teilen der Intelligenz werden, dann gründet diese 'Intelligenz' die Partei, und dann soll diese Partei auch noch Arbeiterpartei sein! Das bedeutet nun 'wissenschaftlich-theoretische Aussagen zur Linie zum Parteiaufbau'.

Wir behaupten nun, Genosse E. A., daß die Plattform die Rolle der Intelligenz nicht 'teilweise zweideutig und fehlerhaft dargestellt hat', sondern hauptsächlich falsch.

b.) Wie bestimmt die Plattform die Hauptaufgabe der Partei?

Wir behaupten, die Plattform des ZK hat die Aufgabe nicht nur 'nicht korrekt' bestimmt, sondern IM WESENTLICHEN FALSCH. 'Da wir augenblicklich weder eine marxistisch-leninistische Analyse des heutigen Monopolkapitalismus noch eine richtige Klassenanalyse Deutschlands besitzen, wird deren Ausarbeitung zur ABSOLUTEN Notwendigkeit (Hervorhebung durch uns) ...solange wir keine marxistisch-leninistische Analyse des heutigen Imperialismus und seiner Klassenverhältnisse besitzen, werden wir immer wieder hilflos in die Denkschemata des Revisionismus und anderer bürgerlicher Theorien versinken.' - und weiter unten in der Plattform heißt es:

'Die Praxis selbst ist es also, die im Widerspruch zwischen Theorie und Praxis für uns die Theorie zur hauptsächlichen Seite werden läßt.' Zunächst die Frage: zu welchem Zeitpunkt macht die Plattform diese Aussage über das Verhältnis von Theorie und Praxis? Zu einem Zeitpunkt, wo sie bereits eine nennenswerte Praxis unter den arbeitenden Massen hatte? Nein und nochmals nein! Welche Praxis wollte also damals die Theorie befragen? In einem imperialistischen Land bestand für uns Marxisten-Leninisten über das Ziel ja die Klarheit - und besteht: die proletarische Revolution! Oder sollte sich etwas am Wesen des Imperialismus fundamental geändert haben, seitdem LENIN seine Analyse über den Imperialismus erstellte, wie es uns der Zwei-Wege-Theoretiker plausibel machen wollte? Wie die Partei die einzelnen Perioden der Etappe bis zur Revolution bestimmen soll, brauchen wir wohl nach den Zitaten aus der albanischen Parteigeschichte nicht näher zu erläutern: es sind die PRAKTISCHEN Erfahrungen der Partei, die sie in den Massenkämpfen gewinnt, die uns darüber Aufschluß geben. Also nicht Hauptseite Theorie, sondern Hauptseite Praxis.

Uns klingen jetzt schon die Entsetzensschreie der liquidatorischen Kapitulanten im Ohr: Ihre 'Argumente' können wir getrost vorwegnehmen: Sie beschränken sich schlicht und einfach auf den Vorwurf: 'Ihr Revisionisten seid ja damit auf ZB-Linie!' oder 'bewußter': 'Die rechtsopportunistische Fraktion in der OG steht auf dem Standpunkt, daß wir uns in einer konkreten Etappe des Parteiaufbau befinden, in der es darum geht, die vorhandene marxistisch-leninistische Theorie im Rahmen der Partei auf die konkreten Verhältnisse Westdeutschlands anzuwenden und sie in den Massen zu verankern. Sie geht davon aus, daß die politische Linie sich in den Massenkämpfen entwickelt. Wir halten das für falsch.' Peinlich für unsere Kapitulanten, daß in China auch derartige 'Revisionisten' die Partei beherrschen.

'DIE HAUPTTENDENZ IN DER HEUTIGEN WELT IST REVOLUTION!... Die proletarischen Parteien und alle Revolutionäre 'müssen sich Stürme um die Ohren pfeifen lassen, müssen kennenlernen, wie es draußen in der Welt aussieht; diese Stürme, das sind die gewaltigen Stürme der Massenkämpfe, und diese Welt, das ist die große Welt des Kampfes der Massen.' Sie müssen mit den Massen die gleiche Luft atmen, mit ihnen durch dick und dünn gehen, BESCHEIDEN VON IHNEN LERNEN, ihre lernwilligen Schüler bleiben und es gut verstehen, die revolutionäre Initiative der Massen ausfindig zu machen und aus den Massen Weisheit und Kraft zu schöpfen. Eine proletarische Partei kann erst dann sich stählen und heranwachsen, wenn sie sich im Stürmen und Wogen der Massenbewegung einsetzt. EBENSO KANN EIN KORREKTES PROGRAMM UND EINE RICHTIGE LINIE NUR IN DER PRAXIS DES KLASSENKAMPFES DER BREITEN MASSEN AUSGEARBEITET UND ENTWICKELT WERDEN UND WIRD DABEI ÜBERPRÜFT UND DURCHGEFÜHRT.' (Hervorhebungen von uns; zitiert aus PR 12/1971 (vgl. 22.3.1971,d.Vf.)). Jetzt hämen unsere Kapitulanten: 'Ihr stellt euch also auf den revisionistischen Standpunkt, daß das sozialistische Bewußtsein in der spontanen Massenbewegung entwickelt wird.' 'Nein', sagen wir Marxisten-Leninisten, 'eine proletarische Partei kann nur in den Stürmen der Massenbewegung heranwachsen, aber nicht am grünen Tisch eurer Studierzirkel!' 'Hihi, aber damit habt ihr noch nicht die Frage beantwortet, wie es sich mit dem 'Widerspruch Spontaneität/Bewußtheit' verhält!' Doch bevor wir antworten können, fällt uns der Genosse Lenin, der neben uns steht, ins Wort: 'Aus dem, was wir in jenem Zusammenhang gesagt haben, geht hervor, was unter Klassenbewußtsein der Arbeiter zu verstehen ist. Klassenbewußtsein der Arbeiter ist das Verständnis dafür, daß das einzige Mittel zur Verbesserung ihrer Lage und zur Erkämpfung ihrer Freiheit der Kampf gegen die mit den großen Fabriken und Werken aufgekommene Klasse der Kapitalisten und Fabrikanten ist. Klassenbewußtsein der Arbeiter heißt ferner begreifen, daß die Interessen aller Arbeiter des betreffenden Landes die gleichen sind, daß sie solidarisch sind, daß die Arbeiter alle miteinander eine einheitliche, von allen übrigen Gesellschaftsklassen gesonderte Klasse bilden. Schließlich heißt Klassenbewußtsein der Arbeiter zu verstehen, daß sie, um ihre Ziele durchzusetzen, Einfluß auf die Staatsangelegenheiten erlangen müssen, wie die Grundeigentümer und Kapitalisten sich ihn verschafft haben und weiter verschaffen. Wie können nun die Arbeiter dazu gelangen, alles das zu begreifen? Die Arbeiter können das, wenn sie fortwährend aus den Erfahrungen eben des Kampfes schöpfen, den sie gegen die Fabrikanten zu führen beginnen und der sich immer mehr entfaltet, immer erbitterter wird und in dem Maße, wie die großen Fabriken und Werke entstehen, eine immer größere Anzahl von Arbeitern umfaßt.' Dann fügt Genosse Lenin noch hinzu, um die Aufgabe der Partei zu erläutern: 'Sie muß das Klassenbewußtsein der Arbeiter entwickeln!' (Bd.2 (vgl. S9f.**.1***,d.Vf.), S.105f und 109).

Nun nörgelt nur noch der Liquidator A. A.: 'Aber das mit den Staatsangelegenheiten, das ist ja revisionistisch. Als wenn die sich auf mehrere Klassen aufteilen ließen!' (Ende Dezember in einem Gespräch). Doch über diese kennzeichnende Bemerkung gehen wir achselzuckend hinweg.

Kehren wir zurück zur Plattform des ZK! Aus der Bestimmung, daß aktuell im 'Widerspruch' zwischen Theorie und Praxis die Theorie die Hauptseite bilde, wird messerscharf geschlossen, daß die Hauptaufgabe der Partei die Klassenanalyse sei. Abgesehen davon, daß nach Genosse Stalin Hauptaufgabe der Partei in ihrer Anfangsphase Kaderbildung, Propaganda zur Gewinnung der Fortschrittlichsten des Proletariats UND Ausarbeitung des Programms sein muß, sollte aus der Hauptaufgabe 'Klassenanalyse' folgern: daß die gesamte Arbeit der Partei, ja selbst der Roten Garde, auf Untersuchungsarbeit gerichtet werden sollte. Wir haben bereits oben erläutert, was der Genosse Lenin davon hält. Es ist unübersehbar, daß in dieser Ausrichtung der Partei eine Wurzel unseres heutigen hochnäsigen Liquidatorentums gesehen werden muß. Schließlich ist es ja nicht zufällig, daß den Kapitulanten 'Hauptseite Theorie' so flott von den Lippen geht. Wie hat sich diese falsche Bestimmung der Hauptaufgabe der Partei in der Entwicklung der Partei ausgewirkt?

Da in dieser Bestimmung eine schematische Trennung von Theorie und Praxis vorgenommen wird, kam es zwangsläufig dazu, daß praktische und 'theoretische' Arbeit der Partei nebeneinander herliefen und kaum eine Beziehung zueinander hatten, oder sofern das doch der Fall war, die Praxis häufig von falschen Theorien behindert wurde (siehe die Propagierung der Zwei-Wege-Theorie in den Betriebszeitungen in Duisburg und Bochum, - interessanterweise sonst nirgendwo anders! - was die NRW Liquidatoren nicht gerne wahr haben wollen). Einerseits war der Anspruch, die gesamte Arbeit der Partei auf die Erstellung der Klassenanalyse auszurichten, in der Praxis nicht einlösbar, andererseits wucherte die Praxis an den verschiedensten Stellen häufig ökonomistisch und spontaneistisch aus, nachdem nun einmal eine sinnvolle theoretische Anleitung nicht stattfand. Wie hätte auch eine 'Theorie', die sich nicht bemühte, auf Fragen der Praxis zu antworten, die Praxis befruchten können? Auf dieser falschen Grundlage konnte sich ein stetiges Hin- und Herpendeln der Standpunkte bei vielen Genossen zwischen praktizistischer Praxis und theoretizistischer Theorie einstellen. Liquidatorentum und Ökonomismus entwickelten sich in enger Symbiose. Daß die Partei dennoch nicht revisionistisch entartet war, sondern allenfalls unsere Liquidatoren, beweisen allein die Tatsache, daß es an den verschiedensten Stellen zu häufig sehr heftiger Kritik kam, die auch von einem 'Frieden in der Partei' nicht völlig unterdrückt werden konnte, so sehr auch die heutigen Liquidatoren in NRW darum bemüht waren.

c.) Wie bestimmt die Plattform den Demokratischen Zentralismus?

Auch hier liegt eine wesentliche falsche Bestimmung vor. Und zwar falsch nicht in der Formulierung dessen, was demokratischer Zentralismus zu sein hat, sondern darin, worauf er sich bezieht. Ist die Hauptaufgabe falsch bestimmt, dann wird in der Auseinandersetzung auch nicht ideologisch gekämpft, sondern theoretisch! Folgerichtig hielt die Plattform den demokratischen Zentralismus in der Partei denn auch für 'bereits verwirklicht', weil die Herren Theoretiker das große Sagen hatten. Vom Kampf zweier Linien ist keine Rede, stattdessen von 'erbarmungslosen Schlägen', die das 'Parlament', das sich ZK nannte, beunruhigen konnten. Folgerichtig reduziert sich denn auch letztlich der demokratische Zentralismus auf den Hinweis, daß man vier organisatorische Prinzipien einhalten müsse. Sowohl von diesem Verständnis wie auch aus der personellen Zusammensetzung des ZK ('Hauptseite Theoretiker') her versperrte sich das ZK ein entschlossenes Eingreifen in die ideologischen Kämpfe, ja duldete im ZK vorgetragene revisionistische Auffassungen (z.B. Zwei-Wege; Konkurrenzdenken).

Der vom ZK bestimmte Bundesverantwortliche der Roten Garde, heute einer der Hauptschreihälse der Kapitulanten in NRW, konnte sogar unwidersprochen die Zwei-Wege-Theorie zur politischen Richtlinie der Roten Garde machen.

Welche Schlußfolgerungen müssen wir aus all dem ziehen?

1. Die Plattform 'begründet' das Liquidatorentum in der Partei, macht dadurch aber auch das Entstehen zahlreicher ökonomistischer Abweichungen möglich.

2. Da die Plattform von der Hauptseite her falsch ist, muß die erste Spaltung der Partei erneut gründlich überprüft werden. Wir können uns nicht auf die bequeme Position zurückziehen, daß die erste Spaltung nur und ausschließlich durch die Subversantentätigkeit des Provokateurs und Verräters P. W. (Peter Weinfurth,d.Vf.), des Revisionisten W. D. (Willy Dickhut,d.Vf.) und im Bunde damit der G.G.-Gruppe (Gerd Genger,d.Vf.) verursacht wurde. Vielmehr muß gesehen werden, daß viele Genossen zur KPD/ML-ZB abgewandert sind, weil sie die falschen Positionen der Plattform erkannt hatten. Uns ist klar, daß die KPD/ML-ZB zahlreiche Fehler und Abweichungen begangen hat - aber wer könnte das von unserer Partei nicht behaupten? Es muß ebenfalls gesagt werden, daß P. W. und W. D. rausgesäubert worden sind und daß die KPD/ML-ZB von damals nicht mehr die von heute ist. Aus diesem Grunde fordern wir das ZK der KPD/ML wie das ZB dazu auf, gemeinsam die Voraussetzungen für einen umfassenden ideologischen Kampf zu diesen Fragen und allen übrigen beide Organisationen betreffend ideologisch-politische Fragen zu schaffen. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf einen von Dortmund aus gestellten Antrag zum Parteitag, den wir in vollem Wortlaut wiedergeben möchten (vgl. 'Parteiaufbau' 4/1971)."

Es folgt der Antrag (vgl. Aug. 1971) aus dem innerorganisatorischen Organ der KPD/ML-ZK (vgl. Sept. 1971) zur Einheit der ML, speziell mit der KPD/ML-ZB und weiter heißt es:"
3. Wir müssen die Unterstützung des 2.ZK von der korrekten Beantwortung dieser Frage abhängig machen, weil wir davon ausgehen, daß jedes Zögern und Ausweichenden den Interessen des deutschen Proletartiats und der Revolution schadet.

Nach allen vorangegangenen Erläuterungen und der Verurteilung des Liquidatoren- und Kapitulantentums brauchen wir wohl nicht mehr lang und breit auszuführen, daß wir die von den Landesverbänden Wasserkante und Bayern auf dem 1.außerordentlichen Parteitag vorgetragene Plattform ebenso für korrekt halten wie die im ROTEN MORGEN dazu erfolgten Erläuterungen hinsichtlich der Entstehung des Klassenbewußtseins. Was wir aber für sehr wohl nötig halten, ist darzulegen, welche Auseinandersetzungen uns zu der Position gebracht haben, die wir einnehmen. (Nach dem oben für die Plattform des ZK ausgeführten erübrigt es sich noch, darauf hinzuweisen, daß wir damit unsere im Papier 'Genossen, es soll eine LDK stattfinden...' getroffene Einschätzung der Plattform als einen Fortschritt der Partei zurücknehmen. Die Plattform hat nicht liquidatorische Nebenseiten, sondern ist ihrem Wesen nach liquidatorisch. Auf ihrem Hintergrund wird begreiflich, wieso seinerzeit die Rote Garde Westberlin von 300 auf zwölf Mitglieder schrumpfen konnte und wieso die Rote Garde Moers kaputtgehen mußte. Ferner wird begreiflich, wieso die Autoren des Artikels 'Bauen wir eine starke bolschewistische Partei auf' (vgl. Jan. 1970,d.Vf.) im praxislosen Sumpf des KB/ML landeten.)

5. DAS ENTSTEHEN DES DORTMUNDER LIQUIDATORENTUMS, UNSERE FEHLER UND DIE ENTWICKLUNG UNSERER POSITION IM KAMPF GEGEN DAS LIQUIDATORENTUM

'Nach Studium des marxistisch-leninistischen Denkens analysierten wir vom dialektisch-materialistischen Standpunkt aus die historischen Erfahrungen aus dem Kampf zwischen den zwei Linien in der Partei. Vorsitzender Mao hat festgestellt, daß 'RICHTIGE POLITISCHE UND MILITÄRISCHE LINIEN NICHT SPONTAN UND FRIEDLICH, SONDERN IM KAMPF ENTSTEHEN UND SICH ENTWICKELN.' Diese Weisung des Vorsitzenden Mao half uns zu erkennen, daß der Kampf zwischen der korrekten und der falschen Linie die unerläßliche Bedingung für das Entstehen und die Entwicklung der richtigen Linie ist.' ('Schlechtes verwandelt sich in Gutes', aus: Peking Rundschau 52/1971 (vgl. Dez. 1971,d.Vf.)).

Es ist ein offenes Geheimnis, daß in und mit der Ortsgruppe Dortmund häufig heftige Auseinandersetzungen stattfanden. Was steckt dahinter und wie verliefen die Fronten?

a.) Die Ortsgruppe Dortmund kritisierte zunächst wiederholt den Landessekretariatsleiter wegen Bürokratismus und Voluntarismus. Auf diese Kritiken erfolgte nie eine Selbstkritik.

b.) Die Ortsgruppenleitung Dortmund wurde wiederholt von einem Mitglied des ZK vom Landessekretariat Nordrhein-Westfalen und Mitgliedern der Ortsgruppe Bochum als linksradikal diffamiert. Politisch begründet wurden diese Vorwürfe nie, es sei denn in Orakeln wie: der Kampf gegen den Sozialfaschismus sei linksradikal; oder: die Agitprop gegen die SPD-Regierung als Agentur des Imperialismus sei linksradikal. Zur Rede gestellt, behaupteten die betreffenden Genossen, sie hätten alles nicht so gemeint, und dennoch wiederholten sich diese Vorwürfe und verschärften sich.

c.) Anläßlich der Studentendemonstration gegen das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAFöG - vgl. NRW 24.6.1971,d.Vf.) kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit dem KSB/ML-Landesverantwortlichen NRW X., einem der Hauptsprecher der heutigen NRW-Liquidatoren. Die Ortsgruppenleitung kritisierte die Demonstration als rechtsopportunistisch, weil weder die Partei noch die Diktatur des Proletariats noch die Revolution noch die führende Rolle der Arbeiterklasse propagiert wurde, noch der politische Agent dieser Gesetze, die SPD-Regierung, namhaft gemacht wurde. Der Landessekretariatsleiter stellte sich mit seiner absurden rechtsopportunistischen 'Theorie der sich ringförmig ausbreitenden Massenorganisationen' voll hinter den heutigen Liquidator R. (daß auf der Schlußrede dennoch davon die Rede war, geschah auf eigene Faust des Parteiverantwortlichen des KSB/ML Dortmund, der kurz vorher (vgl. 14.6.1971,d.Vf.) durch einen putschistischen Akt des KSB/ML-Landesverantwortlichen wegen seines Kampfes gegen dessen Rechtsopportunismus abgesetzt worden war).

d.) Zur Metalltarifrunde (MTR der IGM,d.Vf.) führten wir Gespräche mit der KPD/ML-ZB im Einverständnis mit dem Landessekretariat. Auf dem Höhepunkt der Gespräche (vgl. S13f.1971,d*Vf.) beschuldigte der Liquidator X. auf einen Wink des Landessekretariats hin die Ortsgruppenleitung der Vereinigungsprojektmacherei, ohne auch nur irgendeinen Beweis für diese absurde Behauptung beibringen zu können. Im Verlauf der Auseinandersetzung bestritt er, diesen Vorwurf erhoben zu haben, und leitete aus dem ideologischen Kampf mit ihm einen Mißtrauensantrag gegen die Ortsgruppenleitung ab, der vom Landessekretariat hintenherum unterstützt wurde. Und das, obwohl zum damaligen Zeitpunkt bereits klar war, daß es aller Voraussicht nach auf Grund nicht ausgeräumter ideologischer Differenzen nicht zu einem Bündnis mit der KPD/ML-ZB kommen würde. Sein Verhältnis zum ideologischen Kampf wird daran deutlich, daß er der Ortsgruppenleitung Dortmund vorwarf, mit der ZB-Partei über ideologisch-politische Fragen diskutiert zu haben, statt über konkrete Fragen der Metalltarifrunde.

e) Im Zusammenhang damit warf der Liquidator R. sowie das Landessekretariats der Ortsgruppenleitung Dortmund vor, den Boden der Partei verlassen zu haben, weil die Ortsgruppenleitung die Auffassung vertrat, die KPD/ML sei noch keine entwickelte bolschewistische Partei, sei noch nicht die die Avantgarde des westdeutschen Proletariats, vielmehr müsse dies ein Ergebnis einer konsequenten bolschewistischen Praxis der Partei sein.

f.) Zum selben Zeitpunkt legte die Ortsgruppenleitung in einer Kritik an der Zwei-Wege-Theorie (vgl. S14*.1971,d*Vf.) ihre Auffassung dar, weshalb sie diese revisionistische Theorie nicht in der Agitprop berücksichtige, sondern vielmehr den Kampf gegen die SPD-Regierung als Wegbereiter des Faschismus und die Sozialdemokratie als soziale Hauptstütze der Bourgeoisie im Proletariat in den Vordergrund stellte. Das Landessekretariat NRW und die heutigen Liquidatoren der Ortsgruppe Dortmund erklärten den ideologischen Kampf zu dieser äußerst wichtigen Frage für nebensächlich, das Landessekretariat verteidigte diese absurde Theorie sogar hauptsächlich, und im übrigen tat man den ganzen ideologischen Kampf mit der lächerlichen Bemerkung ab, wir verträten ja doch nur die - äußerst falschen - ZB-Positionen.

g.) Die heftigste Zuspitzung erfuhren die Auseinandersetzungen, als sich die beiden Landesleitungsmitglieder, die ebenfalls in der Ortsgruppenleitung Dortmund waren, auf einer nach langer Zeit einberufenen Akklamations-Landesleitungs-Sitzung (vgl. Sept. 1971,d.Vf.) weigerten, dem Antrag des Landessekretariats an das ZK und an den Parteitag zuzustimmen, den das Landessekretariat durchpeitschen wollte, den Genossen B. (Frankfurt) nicht nur aus dem ZK zu säubern, sondern praktisch auch aus der Partei auszuschließen, indem man ihm subjektives wie objektives Spaltertum vorwarf. Der Genosse B. hatte in der Tat in einigen Punkten eine unsolidarische Kritik (vgl. 6.9.1971,d.Vf.) an dem Verfasser der Zwei-Wege-und Konkurrenztheorie geübt (Bestechungsvorwurf etc.), hatte aber sehr wesentliche Punkte der Kritik gegen das rechtsopportunistische Treiben dieses Genossen vorgetragen, was den eigentlichen Grund für diesen faktischen Ausschlußantrag des Landessekretariats abgab. In diesem Zusammenhang versuchte der Landessekretariatsleiter, uns gegen den Landesverband Südwest aufzubringen, indem er offen verlauten ließ, es komme jetzt darauf an, zusammenzustehen, denn der Landesverband Südwest wolle 'unseren E' abschießen, und der Landesverband Südwest habe ja schließlich die meisten Delegierten auf dem Parteitag. Im übrigen wurde kein Zweifel daran gelassen, daß der Genosse E. angeblich immer und überall korrekte Positionen vertreten hätte. Weil wir das nicht einsehen wollten und unsere Kritik an dem Genossen E. auch beweisen konnten, wurden wir von den heutigen Liquidatoren wie vom Landessekretariat als Spalter hingestellt.

So viel zu den wichtigsten Erscheinungsformen der Auseinandersetzungen. Das Ergebnis war, daß das Landessekretariat die Ortsgruppe 'anleitete' und ständig bei allen Sitzungen anwesend war.

Während die Ortsgruppenleitung sich um die Klärung der Widersprüche bemühte, taten die heutigen Liquidatoren im Verein mit dem Landessekretariats, das in seiner Mehrheit zum Liquidatorentum 'gefunden' hat, während der Landessekretariatsleiter 'ausgeflippt' ist, alles, um den ideologischen Kampf abzuwürgen und den 'Frieden in der Partei' herzustellen. Während die heutigen Liquidatoren mit voller Verve alle rechten Standpunkte verteidigten und die Unfehlbarkeit der übergeordneten Leitungen zum unbezweifelbaren Dogma erhoben, bemühten wir uns, die rechtsopportunistischen Auffassungen zu bekämpfen. Das taten wir aber nicht konsequent und intensiv genug. Als das Landessekretariat auftauchte, um uns 'anzuleiten', begannen wir, aus einer falsch verstandenen Notwendigkeit, die Einheit der Partei zu erhalten, uns durch das Geschwafel des Landessekretariats vom Kampf ablenken zu lassen. Statt den Kampf zweier Linien stellten wir eine prinzipienlose 'Einheit' in den Vordergrund. Dies war eine schwere rechtsopportunistische Abweichung, woraus die Liquidatoren heute demagogisch die angebliche Unmöglichkeit des ideologischen Kampfes in der Partei herleiten. Wenn wir davon ausgehen - und auf diesen Standpunkt haben wir uns bei der Untersuchung der Plattform des ZK gestellt -, daß das Liquidatorentum auf Grund der in der Plattform enthaltenen schweren Fehler in enger Symbiose mit dem Rechtsopportunismus sich entwickeln konnte, so sehen wir das an der Dortmunder Entwicklung voll bestätigt. Denn wenn wir uns die Frage stellen, womit denn die Liquidatoren 'radikal' gebrochen haben, so kommen wir zu der Feststellung, daß es sich dabei um das leninistische Prinzip des demokratischen Zentralismus handelt, das WESENTLICH bestimmt ist durch den Kampf zweier Linien. So wie sie damals den Kampf zweier Linien scheuten, und nun als selffullfilling prophecy die Unmöglichkeit dieses Kampfes behaupten, so zeigen sie auch jetzt in ihrer gesamten Praxis, daß sie unter ideologischem Kampf nur seine Beschwörung verstehen bzw. das Ausstoßen von wüsten Beschimpfungen und Unterstellungen oder aber, indem sie Ideologie und Religion verwechseln ('Ich bin unbewußt gewesen, jetzt bin ich bewußt', Hallelujah!).

Unsere opportunistische Abweichung in Fragen des entschlossenen ideologischen Kampfes reicht noch weiter. Das führte dazu, daß wir uns von den 'Berichten' des Landessekretariats von der ersten Sitzung des Parteitags in der Ortsgruppe einwickeln ließen. Wir untersuchten nicht tiefgehend die beiden Plattformen, die sich auf dieser Sitzung antagonistisch gegenüberstanden, sondern glaubten die geschwätzigen Märchen von der angeblichen bolschewistischen Mehrheit, die die 'links'- wie rechtsopportunistische Plattform scharf verurteilt und widerlegt hätte. Doch wir sollten bald wieder auf den harten Boden der Realität gestellt werden! Auf zwei Parteiaktivistenkonferenzen (vgl. Dez. 1971, **.1*.1971,d.Vf.) eröffneten uns die Rechtsopportunisten des Landessekretariats, daß von der 'revisionistisch entarteten' Partei zu recht nichts mehr übrig geblieben sei. Auf der Stelle erklärten sie uns wie den Genossen G. A. zu Organisationsfetischisten, als wir ihren Anarchismus in Organisationsfragen aufzudecken begannen. Wir erkannten Schritt für Schritt, was hinter ihren Beteuerungen stand: Metaphysik und Kapitulantentum. Und indem wir der Metaphysik entgegentraten, sahen wir uns gezwungen, die Dokumente genau zu studieren. Worin unterschieden sich denn noch die NRW-Liquidatoren von den Süd-West-Anarchisten? Die Liquidatoren zögerten nicht lange, uns als zur 'Aust-Clique' gehörig zu bezeichnen. Dennoch waren sie uns immer eine Nasenlänge voraus, zumal sie die Parteitagsprotokolle kannten, wir dagegen nicht. Während wir uns Klarheit verschafften und erkannten, daß die in der Plattform der Landesverbände Wasserkante und Bayern niedergelegten Positionen korrekt waren, brauste der Kapitulantenexpress mit ungehinderter Geschwindigkeit weiter: Sie liquidierten und liquidierten und liquidierten, verleumdeten die Partei als Popanz, lösten die Partei und die Massenorganisationen de facto auf und verwandelten sie in SDS-ähnliche Gremien. Sie propagierten offen das Zirkelwesen und die Theorie mehrerer 'Zentren'. Uns verleumdeten sie mit immer kruderen Unterstellungen bis hin zu der, wir gehörten zum Verfassungsschutz (VS,d.Vf.), doch das enthüllte uns nur umso deutlicher das bürgerliche Wesen dieser Kapitualentenclique, die sich eifrig bemüht, uns aus den von ihnen usurpierten Massenorganisationen hinauszuschmutzen. Mit diesen Elementen gibt es keinen gemeinsamen Parteiaufbau mehr. Der Bruch mit ihnen ist endgültig. Im Landesverband Nordrhein-Westfalen erkannten wir nur eine Gruppe, die neben uns dem Kapitulantentum entschlossen entgegentrat, die Kölner Marxisten-Leninisten um G. A. Mit ihnen arbeiten wir eng zusammen. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Kapitulanten zu isolieren, und werden dies nicht auf Dortmund und Köln beschränken.

6. NICHT DIE KPD/ML, SONDERN DAS LIQUIDATORENTUM IST VON GRUND AUF ENTARTET!

'Da die Partei nicht vom Fundament einer wissenschaftlich begründeten Linie zum Parteiaufbau ausging und auch im weiteren keine wesentlichen Aussagen zur marxistisch-leninistischen Parteitheorie für Westdeutschland leistete, mußte sie notwendig zu einer spontanen und damit zu einer hauptsächlich von der bürgerlichen Ideologie geleiteten Praxis kommen. Diese ideologische und theoretische Grundlage spiegelt sich wider im hauptsächlich organisatorischen Aufbau einer bürgerlichen Partei und einer entfalteten ökonomistische Politik.' So tönt das Dortmunder Liquidatorenpapier. Als 'Beweise' dafür, daß die Partei eine bürgerliche Partei gewesen sei, werden angeführt: Der Parteitag sei nicht in der Lage gewesen, 'die Grundlagen zur Schaffung eines einheitlichen führenden Zentrums zu erstellen', die Partei sei ein loser Zusammenschluß von Zirkeln gewesen, die Gründung der Partei sei ein bloßer propagandistischer Akt gewesen, verschiedene Linien seien nebeneinander aufgeblüht, der 'Bewußte' Kampf zweier Linien sei nicht geführt worden, der Klassenkampf für den Bereich der Partei sei geleugnet worden, prinzipienlose Einheit sei praktiziert worden.

Zunächst wollen wir Marxisten-Leninisten klar festhalten, daß nicht wir das revolutionäre Wesen der Partei nachweisen müssen, sondern die Liquidatoren ihre Entartung. Schließlich haben sie ja in der gläubigen Gewißheit, daß die Partei revisionistisch entartet sei, ihre Liquidationsmanöver vorgenommen. Wir wissen, daß die Zwei-Wege-Theorie, die Konkurrenztheorie und was dergleichen mehr existiert, Ausdruck einer revisionistischen Linie in der Partei waren. Damit verkündet man nichts Neues. Uns ist aber unbekannt, daß die Partei das Prinzip der proletarischen Revolution über Bord geworfen und mit der Bourgeoisie paktiert haben soll. Erst das hätte ihren qualitativen Sprung zu ihrer 'Entartung von Grund auf' bedeutet. Nun, wer hat denn den Kampf zweier Linien nicht führen wollen? Und wer hat ihn geführt und hat euch Kapitulanten im Sumpf zurückgelassen, wo ihr hingehört? Die Planmetaphysik haben wir bereits voll widerlegt. Das sogenannte 'Argument', die Parteigründung sei ein bloßer propagandistischer Akt gewesen, zeugt von nichts mehr als Ignoranz. Ein bloßer Blick in den ROTEN MORGEN genügt, um festzustellen, daß der ROTE MORGEN bereits im 6.Jahrgang erscheint. Um ihn scharten sich die bewußten (!) Marxisten-Leninisten der westdeutschen kommunistischen Bewegung auf der Grundlage der Generallinie der Abgrenzung zum modernen Revisionismus. Aber zu diesem Zeitpunkt habt ihr ja noch in die politischen Windeln geschissen! Sonst wüßtet ihr, daß sich die Gründer der KPD/ML - wie aus der Grundsatzerklärung hervorgeht - sehr wohl über folgende Punkte im klaren waren:

a.) Sie waren sich im klaren darüber, WIE und warum eine neue kommunistische Partei gegründet werden mußte (gegen den Verrat der modernen Revisionisten).

b.) Sie wußten, daß die Partei der bewußteste Vortrupp der Arbeiterklasse sein muß und daß dazu die allgemeinen Wahrheiten des Marxismus-Leninismus als konzentrierter Ausdruck der Erfahrungen der Arbeiterbewegung in die konkrete Praxis Deutschlands ÜBERSETZT werden mußten.

c.) Sie waren sich über die allgemeinen Prinzipien des Marxismus-Leninismus im klaren, sie erkannten klar die Trennungslinie zwischen Revisionismus und Marxismus-Leninismus. Deshalb hatten sie sie ja auch organisatorisch gezogen.

d.) Sie waren sich vor allem darüber im klaren, daß dem Zirkelwesen ein Ende bereitet werden mußte, weil sonst ein Fortschritt der marxistisch-leninistischen Bewegung nicht möglich war, weshalb sie eine zentralistische Partei anstrebten.

e.) Schließlich war ihnen auch die große Bedeutung der Großen Proletarischen Kulturrevolution keineswegs verborgen geblieben.

Das wollt ihr mit einem Taschenspielertrick alles zu einem 'völlig fehlenden Bewußtsein von den Ursachen der revisionistischen Entartung der KPD' umlügen, von einem 'nicht einmal' vorhanden gewesenen 'Bewußtsein von dem Wesen und den Aufgaben einer marxistisch-leninistischen Partei', indem ihr behauptet: 'Zum Beispiel wird in der Grundsatzerklärung die revisionistische Entartung der KPD aus der 'materiellen Abhängigkeit des KPD-Apparates von der SED' erklärt (!). Das bedeutet zum einen eine TOTALE Revision der materialistischen Dialektik, die die inneren Ursachen und nicht die äußeren Bedingungen als Grundlage der Entwicklung eines jeden Dinges betrachtet;...' (Duisburger Liquidatorenentwurf 'Zur Entwicklung der Partei und der jetzigen Lage' (vgl. Jan. 1972,d.Vf.)).

Auch wenn die Grundsatzerklärung der KPD/ML mit eurem Evangelium in keinster Weise konkurrieren kann, möchten wir damit unseren Revisionismus unter Beweis stellen:

'In der DDR, auf die sich zum Zeitpunkt der Gründung die hoffnungsvollsten Blicke des westdeutschen und internationalen Proletariats richteten, ist durch die Führungsclique der SED die Weiterführung des Klassenkampfes verhindert worden. Sie hat versäumt, die alte Bourgeoisie restlos zu zerschlagen, und hat es zugelassen, daß sich eine neue Bourgeoisie etabliert: Statt Klassenkampf Ökonomismus. Statt IDEOLOGISCHER REVOLUTIONIERUNG der Massen - Bürokratismus und FÖRDERUNG BÜRGERLICHEN DENKENS. Darüber hinaus hat sie die nationalen Interessen der deutschen Arbeiterklasse in zunehmendem Maße an die sowjetischen Sozialimperialisten verkauft und schreckt nicht einmal davor zurück, sich an deren militärischen Abenteuern zu beteiligen.

Beide, die westdeutsche Monopolbourgeoisie und die in Ostdeutschland herrschenden Kreise, verraten die sozialen und nationalen Interessen des deutschen Volkes, sie haben sie dem Streben des USA-Imperialismus und Sozialimperialismus der sowjetischen Führungsclique nach Weltherrschaft zum Opfer gebracht. Weder die Bonner, noch die Ostberliner Regierung haben das Recht, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen. DESHALB IST DIE PROLETARISCHE REVOLUTION IN GANZ DEUTSCHLAND EINE OBJEKTIVE NOTWENDIGKEIT.

Nach 1945 formierte sich die KPD auch in Westdeutschland als revolutionäre Vorhut der Arbeiterklasse mit dem Ziel eines einheitlichen sozialistischen Deutschlands. Nach Gründung der SED in Ostdeutschland entstand die ARBEITSGEMEINSCHAFT SED/KPD. Die im Ansatz positive Zusammenarbeit wurde später in ihr Gegenteil verkehrt, als DIE BÜROKRATISCHEN METHODEN DER SED AUCH AUF DIE KPD ÜBERTRAGEN WURDEN UND DIE INNERPARTEILICHE DEMOKRATIE ZERSTÖRTEN.

Die PERSONELLE UND MATERIELLE ABHÄNGIGKEIT des KPD-Apparates von der SED führte dazu, daß die KPD sich in gleicher Weise wie die SED auf einen revisionistischen Kurs begab. Statt die revolutionäre Tradition der KPD weiterzuführen und den Revisionismus der SED-Führungsclique zu verurteilen, machte sich die KPD-Führung diese Linie zu eigen. Damit verlor die KPD die Berechtigung, als Vertreterin der deutschen Arbeiterklasse aufzutreten. Dieser Verrat zeigte sich in noch stärkerem Maße in der Gründung der DKP. ZUM ERSTEN MAL IN DER GESCHICHTE DER DEUTSCHEN ARBEITERBEWEGUNG HAT EINE PARTEI, DIE SICH KOMMUNISTISCH NENNT, IHRE GRÜNDUNG DER ABSPRACHE UND ZUSAMMENARBEIT MIT DEM REAKTIONÄREN BÜRGERLCHEN SYSTEM ZU VERDANKEN.'

Die Grundsatzerklärung selbst widerlegt eure Lügen.

Entartet wie wir sind, rufen wir X. Superstar ein letztes Halleluja zu. Amen!

NIEDER MIT DEN LIQUIDATOREN UND ALLEN ÜBRIGEN REVISIONISTEN!
WEHRT ENTSCHLOSSEN DIE BÜRGERLICHEN ANGRIFFE AUF DIE PARTEI AB!
VERLASST DIE ZIRKELSEKTEN DER KAPITULANTEN!
FÜR DEN AUFBAU EINER STARKEN KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS/MARXISTEN-LENINISTEN!
ES LEBE DER MARXISMUS-LENINISMUS UND DIE MAO TSE-TUNG-IDEEN!
DIE REVOLUTION WIRD ÜBER ALLE KAPITULANTEN HINWEGSCHREITEN!"

Eine andere uns vorliegende Fassung des Papieres enthält auf den Seiten 18-23 als Anhang das Dortmunder Papier "Genossen, es soll eine LDK stattfinden" vom 31.12.1971.
=N.N.:Aufruf an alle Marxisten-Leninisten in der ehemaligen Organisation der KPD/ML in Dortmund,Dortmund Jan. 1972;
Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (RM):Resolution,o.O. 6.2.1972


Februar 1972:
Nach eigenen Angaben bildet in sich in Dortmund nach heftigen Auseinandersetzungen mit der Ortsgruppe der KPD/ML-ZK eine Fraktion heraus, die sich Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML Roter Morgen (BL der KPD/ML-ZK) nennt. Ziel der Fraktion ist es, den Kampf für die Einheit der Marxisten-Leninisten mit der KPD/ML-ZB aufzunehmen.
=Rot Front,Dortmund März 1972

06.02.1972:
Vermutlich in Dortmund findet eine Konferenz ehemaliger Mitglieder und Sympathisanten der KPD/ML-ZK bzw. ihrer Massenorganisation statt, auf der eine Resolution verabschiedet wird, in der es u.a. heißt:"
1. Die Mitglieder und Sympathisanten der ehemaligen KPD/ML (RM) haben sich auf o.a. Konferenz zusammengeschlossen und eine vorläufige Leitung gewählt, die die Bezeichnung Exekutivkomitee trägt. Sie haben der neu gegründeten Organisation den Namen 'Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen)' (BL,d.Vf.) gegeben. Sie ist eine nationale Organisation im Rahmender ehemaligen KPD/ML (RM).

2. Aufgabe der Organisation ist die Sammlung der bolschewistischen Überreste der ehemaligen KPD/ML (RM), der breit geführte ideologische Kampf gegen das Liquidatorentum, den Opportunismus aller Schattierungen. Wir sind der Ansicht, daß dieser Kampf nur erfolgreich sein kann, wenn wir offen und für jeden Interessierten ersichtlich alle Abweichungen der ehemaligen KPD/ML (RM) von der korrekten Linie der Hegemonie des Proletariats und der Massenlinie aufdecken, die Fortsetzer der alten, falschen Linie entlarven und die Führer der Liquidatoren und offenen Opportunisten isolieren, um die positiven Elemente zu gewinnen.

3. Die Teilnehmer der Konferenz erklären nochmals ihre Zustimmung zu dem 'Offenen Brief' an die KPD/ML (Rote Fahne) und die Gruppe Roter Morgen (Hamburg). Sie erklären, daß sie dessen Inhalt und Zielsetzung als ihre vorläufige Plattform ansehen, stellen jedoch fest, daß die Haltung der Gruppe Roter Morgen Hamburg, die auf den 'Offenen Brief' mit der Fortsetzung der alten Verleumdungslinie auf die KPD/ML (RF) zu antworten gedenkt und diese Verleumdungslinie auf unsere Organisation ausdehnen will, sie neben den Liquidatoren als die konsequenten Fortsetzer der alten, falschen Politik gebrandmarkt hat. Die Einschätzung, daß die KPD/ML (RM) neben der KPD/ML (RF) der beste Ansatz zum Aufbau einer einheitlichen bolschewistischen Partei ist, ist durch die Haltung des ZK der Gruppe Roter Morgen unwahrscheinlich geworden.

4. Die Teilnehmer der o.a. Konferenz stellen fest, daß es nach bisherigen Einschätzungen keine grundlegende Differenz mit der KPD/ML (RF) mehr gibt. Diese Feststellung ist das Ergebnis der Untersuchungen der gescheiterten Politik der ehemaligen KPD/ML (RM) und eines mehrere Monate dauernden ideologischen Kampfes innerhalb der ehemaligen KPD/ML (RM) und nach deren Auflösung durch den ersten außerordentlichen Parteitag (vgl. 27.11.1971,d.Vf.) mit dem Liquidatorentum aller Schattierungen und dem Opportunismus aller Schattierungen. Wir sind deshalb der Ansicht, daß es das Ziel unserer Organisation sein muß, durch solidarischen ideologischen Kampf mit der Methode Einheit-Kritik-Einheit eine Vereinigung mit der KPD/ML (RF) zu erreichen. Wir sind der Ansicht, daß eine sofortige Angliederung an die KPD/ML (RF) nicht richtig ist, da wir zwar nach bisheriger Feststellung keine grundlegenden ideologischen Unterschiede mehr haben, aber es kann nur eine Periode des ideologischen Kampfes die Gewißheit für uns wie für die Genossen der KPD/ML (RF) bringen, daß wirklich alle wichtigen Differenzen ausgeräumt sind. Wir sind allerdings der Ansicht, daß nach bisheriger Feststellung die KPD/ML (RF) der korrekteste Ansatz zu einer wirklichen bolschewistischen Partei ist. Deshalb ist es unsere feste Absicht, den Prozeß der Vereinigung zügig voranzutreiben, um dann als Mitglieder der KPD/ML (RF) innerhalb dieser Partei den Kampf für die proletarische Revolution führen zu können. Die Teilnehmer an o.a. Konferenz erklären, daß ihre Organisation eine vorläufige ist, die gegründet wurde, um den Kampf um die Vereinigung mit der KPD/ML (RF) zu führen und sich selbst damit in Frage zu stellen. Nach Abschluß des Prozesses der Vereinigung wird sich unsere Organisation auflösen und ihre Mitglieder allein dem Demokratischen Zentralismus der KPD/ML unterstellen."

Vor dieser Konstituierung als nationale Organisation war die Bolschewistische Linie lediglich in NRW, hauptsächlich Dortmund, tätig, wo vermutlich auch weiterhin ihr Schwerpunkt bzw. einziges Tätigkeitsfeld bestehen bleibt.

Die "Gründungskonferenz der Bolschewistischen Linie der ehemaligen KPD/ML (RM)" kündigt weitere Dokumente für die nächste Zeit an:
- Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (RM) - Dokumente.
- Vorläufige Analyse über die Fehler der ehemaligen KPD/ML (RM): 'Proletarische Partei oder Intellektuellenherrschaft.'
- Selbstkritik der Verfasser der 'Zwei-Wege-Thorie' vom Sommer 1971.
- Kritik von uns daran.
- Vom alten ZK noch beschlossene und von Ernst Aust unterschlagene Kritik an seinem Artikel 'Schluß mit dem intellektuellen Geschwätz'.

Weitere Texte sollen bereits in Vorbereitung sein:
- Kritik an der Selbstkritik des 1. ZK,
- Kritik an der Plattform des ZK von 1970,
- Kritik an October,
- Dokumente über die Auseinandersetzung mit der revisionistischen Linie in NRW,
- Kritik an der politischen Linie der KPD (ex KPD/AO),
- Bericht über den jeweiligen aktuellen Stand an der ideologischen Auseinandersetzung mit dem ZB der KPD/ML,
- Kritik an der Betriebsagitprop im LV NRW der ehemaligen KPD/ML (RM).
=Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (RM):Resolution,Dortmund 6.2.1972;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.15,Bochum 23.2.1972


07.02.1972:
Es erscheint die Nr.3 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 24.1.1972, 21.2.1972). In der 'Roten Fahne' erscheint auch der Artikel "Es lebe die Einheit der Marxisten-Leninisten. Offener Brief an die KPD/ML (Roter Morgen) und die KPD/ML (Rote Fahne)."

Es erscheint sodann ein "Offener Brief" der Bolschewistischen Linie der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen) LV NRW. Dort heißt es:"
Der erste außerordentliche Parteitag der alten KPD/ML (Roter Morgen) (vgl. 27.11.1971,d.Vf.) hat mit seiner Mehrheit die Partei aufgelöst. Eine Clique bürgerlicher Subjekte, die unter Ausnutzung der Fehler der alten KPD/ML (RM) ihr liquidatorisches Kapitulantentum verbreiteten, ist es gelungen, diesen spalterischen Akt zu Wege zu bringen. Bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Anschauungen läßt sich folgender Grundzug des Liquidatorentums feststellen: Verneinung der Hegemonie des Proletariats, was seinen Ausdruck darin findet, daß sie der Ansicht sind, daß die Intellektuellen die Führung innehaben müssen, weil sie angeblich über das Wissen unserer Zeit verfügen. In metaphysischer Weise erklären sie, daß die Gründung der KPD/ML spontaneistisch und damit bürgerlich gewesen sei, daß also die KPD/ML nur ihrer Erscheinungsform nach proletarisch, ihrem Wesen nach bürgerlich gewesen sei. Während sie der alten KPD/ML (RM) die Ehre zubilligen, nur 100 Prozent revisionistisch gewesen zu sein, steigern sie sich bei der Einschätzung der KPD/ML (Rote Fahne) in die absurde Behauptung, sie sei '200 Prozent revisionistisch'. Die liquidatorischen Kapitulanten meinen, daß es erforderlich sei, einen Plan anzufertigen, der unter Umgehung des Erkenntnisprozesses (die richtigen Ideen kommen aus der gesellschaftlichen Praxis) alle Einzelheiten des Parteiaufbaus bereits beinhalten soll. Sie steigern sich in die idealistische Behauptung, daß die Ideen den Vorrang vor der Materie haben (so erklärte es sogar offen ein Hauptvertreter der Liquidatoren in Nordrhein-Westfalen, der ehemalige KSB/ML-Landesverantwortliche) ... Nachdem es 1970 in der KPD/ML zur ersten Spaltung kam, ist das nun die zweite Spaltung, deren verheerende Wirkung die Auflösung der Partei war. In unserem Landesverband befinden sich die Vertreter der bolschewistischen Linie in der ehemaligen Partei und ihren Massenorganisationen in der Minderheit. Das ist die Folge der schlechten sozialen Zusammensetzung in der Partei sowie das Ergebnis der falschen Politik ihrer Leitungen. Außerhalb von NRW hat sich ebenfalls das Liquidatorentum durchgesetzt. Die Landesverbände Wasserkante und Bayern verließen den Parteitag schon auf einer zweiten Sitzung und traten damit aus der Partei aus. Anschließend führten sie einen eigenen Parteitag durch, auf dem sie sich neu konstituierten. Durch ihren Auszug verzichteten sie darauf, den Kampf gegen das Liquidatorentum offensiv zu führen, und indem sie an den alten Fehlern festhielten, verzichteten sie darauf, gemeinsam mit uns und anderen Genossen in anderen Landesverbänden das Liquidatorentum zu schlagen. Objektiv sind sie damit falsch vorgegangen, einige sogar subjektiv. Die heutige KPD/ML (RM) kann damit ebenfalls nicht den Anspruch erheben, daß sie die legitime Fortsetzung der alten KPD/ML (RM) ist, denn weder ihre Verfügungsgewalt über das Zentralorgan noch über die Finanzen der Partei berechtigt sie zu diesem Anspruch. Zugleich jedoch halten sie offensichtlich an den alten Fehlern fest. Der grundsätzliche Fehler der alten KPD/ML (RM) war, daß auch sie seit dem Roten-Morgen-Artikel 'Bauen wir eine starke bolschewistische Partei auf' und der Plattform des ZK faktisch die Hegemonie des Proletariats verneinte und damit zusammenhängend auf die korrekte Anwendung der Massenlinie verzichtete. Davon abgeleitet ergaben sich weitere Fehler wie z.b. Trennung von Theorie und Praxis, Dekretierstil der Leitungen, Kommandoallüren leitender Funktionäre, Unterdrückung des ideologischen Kampfes und Verzicht auf das Prinzip Kritik-Selbstkritik, das zum formalen Ritus erstarrte ... Ihren ersten Niederschlag fand diese falsche Politik in der Behauptung, daß die KPD/ML die Vereinigung von Kommunisten aus der alten KPD mit Intellgenzlern aus der '2. Juni-Bewegung' darstellte, zu der die Studentenbewegung hochgejubelt wurde. Später, unter dem Einfluß von liquidatorischen Elementen in Westberlin, die zeitweise die Redaktion des Roten Morgen usurpiert hatten, wurde diese falsche Einschätzung programmatisch festgelegt, indem sie davon ausgingen, daß das der materielle Ausdruck der Vereinigung von wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung sei. Die Intelligenzler seien der Kopf, der denke, und die Arbeiter seien das Herz, das also vom Kopf gesteuert wird ... Damit setzten sich die Verfasser des Artikels 'Bauen wir eine starke bolschewistische Partei auf' in klaren Widerspruch zum Marxismus-Leninismus. Die Partei war für sie nicht mehr die die proletarische Partei, sondern die der Intelligenzler. Ihnen gehörte also die Führung. Die Kritik der späteren Gründer der KPD/ML (RF) wurde zurückgewiesen, ohne auf deren Argumente wirklich einzugehen ... In der Plattform wurde weiter festgelegt, daß Kommissionen gebildet werden, die 'zur Analyse des heutigen Imperialismus und seiner Klassenverhältnisse ...' bestimmt waren. Komitees sollten gebildet werden, die 'als Organe der Verbindung zu Massenagitation- und Propaganda' bestimmt waren. Diese Komitees sollten Handlangerdienste der Kommissionen erfüllen, indem ihre Aufgabe die 'Untersuchung an Ort und Stelle einerseits sowie der theoretischen Analyse des heutigen Imperialismus und seiner Klassenverhältnisse in den Kommissionen andererseits' war. Die Rote Garde (RG,d.Vf.) wurde zum Theoriezirkel degradiert, der von der Partei bevormundet werden sollte. Ergebnis: Liquidation des größten Teils der Roten Garde und Unterdrückung des ideologischen Kampfes in Partei und Massenorganisationen ... Ergebnis: Zwei-Wege-Theorie, Theorie vom kleinbürgerlichen Konkurrenzdenken. Die Komitees wurden gar nicht erst gebildet, weil sich die Unmöglichkeit ihrer Aufgabenstellung klar zeigte, ohne daß jedoch die Plattform daraufhin überprüft wurde. Als einziges Komitee wurde das 'Zentrale Betriebs- und Gewerkschaftskomitee' (ZBGK,d.Vf.) gebildet (mit den entsprechenden Ablegern in den Landesverbänden), losgelöst von der Theorie und damit theorielos. Ergebnis: Handwerkelei, schließlich Ökonomismus. Da aber Theorie und Praxis nicht zu trennen ist, 'setzte sich die Dialektik spontan durch' in Form einer Anwendung der Zwei-Wege-Theorie auf die Gewerkschaftsfrage (SPD/DGB-Block), was zur Folge hatte, das wir die eigenen Interessen des DGB-Apparates über seine Agentenfunktion für die Bourgeoisie stellten. Deutlichster Ausdruck: Kampf gegen Bonzendiktatur in der ZÜNDKERZE (Opel Bochum). Die Gründer der KPD/ML (RF) nützten nicht alle Möglichkeiten des ideologischen Kampfes in der Partei und gingen fraktionistisch vor. Sie gerieten unter den Einfluß des Rechtsopportunisten W. D. und des Provokateurs P.W. Beide jedoch wurden noch 1970 aus der KPD/ML (RF) hinausgesäubert. Die endgültige Einschätzung der Rolle des Genossen GG muß das Ergebnis einer Auseinandersetzung sein. Zwar hat die KPD/ML (RF) viele Fehler gemacht, aber für uns gilt zumindest das gleiche. Wir müssen davon ausgehen, daß es keinerlei Anzeichen dafür gibt, daß die KPD/ML (RF) eine 'durch und durch revisionistische Organisation ist' ... Die Verfechter der bolschewistischen Linie der ehemaligen KPD/ML (RM), sind deshalb der Ansicht, daß die Spaltung 1970 hauptsächlich durch die falsche Politik in Fragen der Massenlinie hervorgerufen wurde, während solche Leute wie W.D. und P.W. ... spalterisch diese Linie ausnützten, um ihre karrieristischen Ziele zu verwirklichen. Ihr Hinaussäubern aus der KPD/ML ist ein Indiz dafür, daß die KPD/ML (RF) den Karrierismus dieser Herren durchschaut hat. Wir meinen, daß es unverantwortlich ist, die Politik der Spaltung auf der Grundlage der falschen Linie der Plattform weiter fortzuführen. Wir wenden uns deshalb an die bolschewistischen Überreste der ehemaligen KPD/ML (RM) und an die KPD/ML (RF), die Spaltung erneut zu überprüfen, um den Weg zu einer einheitlichen marxistisch-leninistischen Partei freizumachen. Diese Einsicht ist nur möglich, wenn alle die bürgerliche Linie der Plattform aufs Schärfste bekämpfen, um auf dem Boden des Marxismus-Leninismus den Kampf für die proletarische Revolution zu führen. Diese Einheit kann nicht von heute auf morgen erreicht werden, sondern ihr muß ein ideologischer Kampf vorausgehen, der vom Ziel beseelt sein muß, die bolschewistische Partei zu schaffen ... Wir wenden uns deshalb an die bolschewistischen Vertreter der alten KPD/ML (RM), die heutige KPD/ML (RM) und die KPD/ML (RF) als die brauchbarsten Ansätze einer solchen KP und laden sie ein, Gespräche über die oben genannten Fragen zu führen. Wir erklären uns bereit, die organisatorische Durchführung zu übernehmen. Ferner erwarten wir, daß sowohl die heutige KPD/ML (RM), als auch die KPD/ML (RF) diesen Offenen Brief in ihren Zentralorganen abdrucken und uns eine Stellungnahme zu unseren Ansichten und Vorstellungen zukommen lassen."

Der Offene Brief ist von einem ZK-Mitglied (wohl G. Ackermann), zwei Mitgliedern der LL NRW sowie Funktionären, Mitgliedern und Sympathisanten der ehemaligen KPD/ML (RM) und ihrer Massenorganisationen unterzeichnet. Als Kontaktadresse ist Klaus Dillmann, Dortmund angegeben.

Eingegangen wird auf die Beiträge der BL u.a. in:
- Hessen durch die Stadtaufbaugruppe Darmstadt der KPD/ML-ZB (vgl. 14.1.1973).
=Rote Fahne Nr.3,Bochum 7.2.1972;
Klassenkampf und Programm Nr.3,Dortmund Apr. 1973,S.26


21.02.1972:
Es erscheint die Nr.4 der 'Roten Fahne' der KPD/ML-ZB (vgl. 7.2.1972, 6.3.1972). Im Artikel der Politabteilung des ZB der KPD/ML "Für die Einheit der Marxisten-Leninisten. Stellungnahme zum Offenen Brief der bolschewistischen Linie der ehemaligen KPD/ML(Roter Morgen)" heißt es:"
Unsere Stellungnahme ist ein erster Beitrag dazu, sie dient der Diskussion. Wir beschäftigen uns in erster Linie mit der Frage: Welche Bedeutung kommt der Frage der Einheit der Marxisten-Leninisten heute zu? ... Was tun die Marxisten-Leninisten, während die sozialdemokratische Regierung und ihre Handlanger ihre Flugblätter verbieten oder einziehen, Demonstrationen untersagen, Redakteure anklagen, fortschrittliche Arbeiter und Revolutionäre aus den Betrieben zu vertreiben suchen, Telefone abhören und Briefe öffnen, Spitzel und Provokateure einsetzen, kurz: Die Legalität der marxistisch-leninistischen Organisation einschränken? Wie sind die Marxisten-Leninisten gerüstet, wo die sozialdemokratische Regierung unverhüllt mit dem Verbot droht und die Vorbereitungen für ein Verbot und für Verfolgungen beschleunigt? Die Marxisten-Leninisten sind nur wenig für ihre Aufgaben gerüstet, sie sind politisch zersplitterter denn je, sie sind schlecht ... gewappnet, um den drohenden Schlägen zu entgehen. Die Zerfahrenheit der marxistisch-leninistischen Bewegung, die gegenwärtig herrscht, muß aber dem ernsten Bemühen Platz machen, mit größter Tatkraft und Energie an die Schaffung einer einigen marxistisch-leninistischen Kommunistischen Partei zu gehen ... Nur die Einheit macht stark. Die Einheit der Arbeiter ist nur unter der Führung einer einzigen einheitlichen disziplinierten Kommunistischen Partei möglich, die den Kampf der Millionenmassen zu einer Einheit des Willens und des Handelns zusammenschweißt und lenkt. Die Einheit der Marxisten-Leninisten ist eine unumgängliche und notwendige Voraussetzung für den Sturz des Bonner Staates, ohne sie ist an die Vernichtung der modernen kapitalistischen Sklaverei und an die Eroberung der politischen Macht durch die revolutionäre Arbeiterklasse nicht zu denken ... Wir erkennen, daß wir einen Teil der Verantwortung tragen, daß auch wir für den heutigen Zustand der marxistisch-leninistischen Bewegung verantwortlich sind, daß auch wir nicht nur für unsere eigene Organisation, sondern für die Sache des Kommunismus in Westdeutschland und für alle anderen Marxisten-Leninisten Verantwortung tragen! Welches waren unsere wichtigsten Fehler?
1. Wir haben nicht genügend beachtet, daß der Aufbau der Kommunistischen Partei bedeutet, einen Kampf um die ideologischen, organisatorischen, politischen und theoretischen Grundlagen der Partei zu führen ... Dieser Kampf war nicht immer unsere bewußte Aufgabe, und die befürwortete Einheit der Marxisten-Leninisten sahen wir zu wenig als das Ergebnis eines von uns zielstrebig und prinzipienfest geführten Kampfes gegen falsche Anschauungen.
2. Die Folge des mangelnden Kampfes um die Schaffung der Einheit der Revolutionäre waren Fehler im Aufbau der KPD/ML selbst. Sie kamen vor allem in der Vernachlässigung des ideologischen Parteiaufbaus zum Ausdruck, in der Vernachlässigung des Aufbaus der Partei um das Zentralorgan, die ROTE FAHNE ... Böse Zungen der Bewegung behaupten, wir hätten unsere Genossen dumm gehalten, und sie sehen die offene Kritik im Zentralorgan als eine Schwäche an. Aber sie irren sich gewaltig. Wir haben dem Kampf um die proletarische Ideologie zweifellos Bedeutung beigemessen, aber nicht genügend. Die Aufdeckung unserer Fehler wird die Partei nur stärken.
3. Der mangelhaft geführte Kampf um die ideologischen und organisatorischen Grundlagen der Partei in der marxistisch-leninistischen Bewegung führte auch dazu, daß die KPD/ML die Verbindung des illegalen mit dem legalen Kampf vernachlässigte ... Die Vorbereitung der Partei auf die Illegalität wurde nicht entschlossen genug angepackt. Wir sahen nicht klar genug, daß der Staat immer danach trachtet, die Kommunisten mit Gewalt niederzuhalten ...

Sind das aber Fragen, die nur uns betreffen? Sind das unsere eigenen Probleme? Sind das nicht auch Fragen aller anderen marxistisch-leninistischen Organisationen, Parteien und Gruppen? Sind das nicht jene Fragen, die die Revolutionäre gemeinsam im Kampf gegen die falschen und für die Vorbereitung der richtigen Ideen lösen müssen? Sind das nicht genau jene Fragen, die im Kampf zwischen richtig und falsch in der Bewegung, im Kampf um die weltanschaulichen und organisatorischen Grundlagen der Partei entschieden werden müssen?. ... Das heißt, daß wir unseren Pflichten im Kampf für die Schaffung der Einheit der Marxisten-Leninisten nicht in vollem Maße nachgekommen sind. Wir haben uns oft engstirnig und unernst zu den Fragen der Revolution verhalten ...
Gegenwärtig bereitet sich in der Bewegung eine gefährliche kleinbürgerliche Strömung aus, die der Einheit der Marxisten-Leninisten als immer größeres Hemmnis gegenübertritt: Das Liquidatorentum. Die Liquidatoren, die selbst in tausenderlei Schattierungen höchst 'grundsätzlicher' und 'prinzipieller' Natur zerstritten sind, erklären einer wie der andere, die 'Theorie' zur 'Hauptseite' der revolutionären Tätigkeit. Nicht der praktische revolutionäre Kampf, sondern die 'Umgestaltung' ihrer kleinbürgerlichen-studentischen Weltanschauung ist ihr erklärtes Ziel. Sie verteidigen aber nur ihre kleinbürgerlichen Vorrechte, die Bildungsprivilegien der studentischen Intelligenz ... Diese Strömung ist außerordentlich gefährlich. Gegen sie muß ein harter, prinzipienfester und kompromißloser Kampf geführt werden. Ihre Vorstellungen von 'Theorie Hauptseite' entsprechen den Versuchen des Bürgertums und des kapitalistischen Staates, die marxistisch-leninistischen Organisationen zu zerschlagen ... Diese liquidatorische Strömung, die schon vor über einem Jahr mit der Veröffentlichung der 'Plattform' im 'Roten Morgen' ihren Anfang nahm, ist gegenwärtig das Haupthindernis für die Einheit der Marxisten-Leninisten ... Ihr jüngster 'Erfolg' ist die Vernichtung der Gruppe 'Roter Morgen', ihre Auflösung in kleine und kleinste Bestandteile ... Wir müssen diesen Kampf nachholen, der nun schon seit über einem Jahr auf der Tagesordnung steht, und die ideologischen und organisatorischen Grundlagen der Kommunistischen Partei verteidigen ... So notwendig und unumgänglich der Kampf für die Einheit der Marxisten-Leninisten in einer Partei ist, dürfen wir deshalb unsere politischen Aufgaben vernachlässigen? Auf keinen Fall. Wir müssen im Kampf für den Sturz des Bonner Staates und gegen die reaktionäre, das Volk plündernde und niederdrückende Politik der SPD-Regierung Formen des gemeinsamen Kampfes der Kommunisten finden. Wir müssen alles daran setzen, im praktisch-politischen Kampf zu einer Aktionseinheit der Kommunisten zu kommen ... Die ideologische Ausrichtung und Stärkung unserer Partei ist dafür eine Voraussetzung. Daher gilt es, den unversöhnlichen Kampf gegen das Liquidatorentum aufzunehmen und zugleich ohne Mißachtung der Gegensätze, die uns trennen, für die gemeinsame politische Aktion im Klassenkampf zu arbeiten ... Der Kampf für die einige marxistisch-leninistische Kommunistische Partei Deutschland ist ein Gebot der Stunde."

Mit diesem Artikel befassen sich auch in:
- Hessen die Stadtaufbaugruppe Darmstadt der KPD/ML-ZB (vgl. 14.1.1973).
=Rote Fahne Nr.4,Bochum 21.2.1972;
Klassenkampf und Programm Nr.3,Dortmund Apr. 1973,S.26


23.02.1972:
Die Nr.15 des 'KND' der KPD/ML-ZB und des KJVD (vgl. 19.2.1972, 26.2.1972) erscheint. Berichtet wird auch von der Konferenz der Bolschewistischen Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML-ZK (vgl. 6.2.1972), die zwar hauptsächlich in NRW im Raum Dortmund entstand, aber nun bundesweit tätig werden will, indem sie die Reste der KPD/ML-ZK einsammelt und sich mit der KPD/ML-ZB vereinigt.
=Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.15,Bochum 23.2.1972

März 1972:
Frühestens Mitte März erscheint eine Kritik an der Agit-Prop der Ortsgruppe Dortmund der KPD/ML-ZK, die vermutlich innerhalb der Bolschewistischen Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen) d.h. der KPD/ML-ZK (vgl. 13.3.1972) verfaßt und diskutiert wird:"
Eine zeitlang erhob das LBGK (Landes Betriebs- und Gewerkschaftskomitee,d.Vf.) den Anspruch, Artikel zu kontrollieren, dem wurde jedoch nicht nachgekommen. Ebensowenig dem Anspruch, in Bochum hergestellte ROTFRONT in Dortmund zu verteilen (und auf eigene Rechnung Exemplare herstellen zu lassen). Nach unserer Meinung waren die Bochumer ROTFRONT nicht für Arbeiter geschrieben und zu geschwätzig. Wir haben uns dagegen überlegt, Beiträge aus der Duisburger Agitprop zu übernehmen (z.B. zur Frauenfrage). Das Dortmunder ROTFRONT wurde vom LSL (Landessekretariatsleiter,d.Vf.) hin und wieder wegen Linksradikalismus, in einigen Passagen wegen Ökonomismus kritisiert, jedoch war diese Kritik nicht fundiert. So wurde der Comicstrip in RF 7 ('Rotfront' - vgl. **.**.1971,d.Vf.) 'Hier stimmt was nicht (abgewandelt aus Pardon übernommen) von Eg als Verhöhnung der Arbeiter bezeichnet, der Beitrag 'Die Arbeiterverräter müssen die Wahrheit fürchten' als linksradikal. Als ökonomistisch wurden vom LS Passagen in den Artikeln 'Verraten und verkauft' und 'Der Streik, ein hervorragendes Kampfmittel...' namhaft gemacht, jedoch ebenfalls nicht wirklich begründet. Kritik der BG RWW (Betriebsgruppe 'Rote Westfalenwalze' der KPD/ML-ZB bei Hoesch Westfalenhütte,d.Vf.) besonders an Nr.6 (vgl. **.**.1971,d.Vf.) ('Per-Werski' und 'Chemie und Dreck' und in Nr.7 am Bündnisangebot: nicht politisch begründet. Die Kritik wurde von uns akzeptiert. Auch die allgemeine Kritik, daß wir den Imperialismus nicht entlarven, von der BG vorgetragen, wurde von uns akzeptiert. Aus den Reihen des KSB/ML hörten wir Kritik zu dem Artikel 'Das habt ihr aus dem Flugblatt'. Diese Kritik, die darauf hinauslief, daß die Arbeiter durch Namhaftmachung eines V-Mannes eingeschüchtert würden, wurde akzeptiert. Ebenso der Hinweis, daß die Abkürzung 'V-Leute' von einigen Kollegen mißverstanden werden kann. Kritik wurde zu einer Passage im Artikel 'Der Streik der Bonzen...' geäußert, was dazu führte, daß diese Passage vor Verteilen von RF gestrichen wurde. Kritik des LSL kam gegen den Artikel 'Und der Haifisch...' wegen der Hinweise auf militärische Maßnahmen gegen Streiks, sowie wegen der Parole 'Nieder mit der SPD-Regierung der Imperialisten', da diese Parole von der Partei bisher nicht benutzt worden sei und den Kollegen nicht begreiflich gemacht worden sei, was Imperialismus ist. Weitere Kritik des LSL am Artikel 'Hölkeskamp will Ruhe...', die These, daß dem westdeutschen Imperialismus in der Währungsfrage eine Einheitsfront gelungen ist: wir neigen dazu, den westdeutschen Imperialismus stärker zu malen, als er sei (diese Kritik läßt sich einordnen in die 2-Wege-Theorie). Am Artikel 'Wie friedlich sind die Ansichten...' wurde der Schluß Öökonomische Forderung) kritisiert: diese Kritik wurde akzeptiert. Besonderes Lob fand beim LSL der Artikel 'Der Streik, ein hervorragendes Kampfmittel...', darin jedoch folgende Passage als ökonomistisch kritisiert: 'Ein Streik...immer mehr zu einer Gefährdung des Kapitalismus...' und 'der Streik eine Kriegschule der Arbeiter', beides konnte jedoch als auf Mißverständnissen beruhend zurückgewiesen werden. Dasselbe trifft zu für eine Überbewertung der Passage 'Denn das hieße ja: das kapitalistische System gefährden!' im Artikel 'Verraten und verkauft'. Diese Passage ist in der Tat mißdeutbar. Ungeteiltes Lob des LSL fand der Artikel 'Im Westen nichts neues', während im Artikel 'Der Kampf für den Staat der Arbeiter' der Begriff Sozialdemokratismus kritisiert wurde. Hier wurde unterstellt, wir hätten ihn von der RF/Bochum (KPD/ML-ZB,d.Vf.) kritiklos übernommen, und so entspann sich ein wortklauberischer Streit darum, ob der moderne Revisionismus etwas qualitativ anderes als der alte Revisionismus (Sozialdemokratismus) sei. Zustimmung des KSB/ML hörten wir zu den Nummern 12, 13, 15, 16 (vgl. **.**.1971, **.**.1971, **.**.1971, **.**.1971,d.Vf.), während zwischen den Nr.18 und 19 (vgl. **.**.1971, **.**.1971,d.Vf.) ein Widerspruch gesehen wurde. Die RF/Bochum lobte besonders die Nummern 13, 14 (vgl. **.**.1971,d.Vf.), 15 und fand sich in Nr.16 mißverstanden. Bei den Kollegen der Westfalenhütte stand Rotfront seit Nr.11 (vgl. **.**.1971,d.Vf.) in steigendem Ansehen, sogar die DKP-Betriebsgruppenmitglieder räumten ein, daß Rot-Front bei aller Linksradikalität immerhin Argumente habe. Nr.14 und 16 riefen bei MFD ein lebhaftes Interesse hervor. Nr.16 wurde sogar bis zu 2 DM unter den Kollegen gehandelt. Kritik hörten wir zu unserer Ausdrucksweise: mancher Kollege fand 'Bonze', 'Lohnsklave' usw. zu scharf. Die Kritik wurde von uns dahingehend aufgenommen, daß diese Wörter spärlicher, aber gezielt benutzt wurden. Besondere Zustimmung der Kollegen fand in Nr.18 die Überschrift 'Der Streik der Bonzen ist nicht unser Steik'. Viele Kollegen fühlten sich durch die Manöver der IGM 'verarscht', das war aus zahlreichen Gesprächen zu erfahren. Eine Zeitlang (bis etwa Nr.11/12) wurde Rot-Front zumeist in denselben Topf mit der Roten Westfalenwalze geworfen, mittlerweile ist es umgekehrt (Die RWW hatte schon früher von uns profitiert: die Straßenbahnaktionen wurden vielfach der RF/Bochum zugeschrieben). Trotz solcher Zustimmung seitens vieler fortschrittlicher Kollegen ist es uns bisher nicht gelungen, eine BG einzurichten.
Zu den öffentlichen Veranstaltungen in der Woche kamen nur vereinzelt Kollegen. Wir schrieben das ihrer Vorsicht zu (wie wir von zahlreichen Kollegen hören konnten: es ist gut, daß ihr zum 1. Mai marschiert seid, aber wir mußten ja beim DGB mitmarschieren, damit man uns dort sieht).
Rot-Front war die einzige Zeitung, die den Kollegen von Anfang an die Krise vorhergesagt hat, was den IGM-Bonzen zuweilen schwer zu schaffen machte. Sie versuchten es mit zahlreichen demagogischen Tricks, ohne jedoch überzeugen zu können ... Der RM-Verkauf nahm allmählich zu, besonders bei MFD. Dagegen kaum bei der WH. Zu berücksichtigen ist dabei die Zersplitterung der Kommunisten, wobei die RF/Westberlin (KPD,d.Vf.) von den Kollegen meist der DKP zugeordnet wird, während sie uns und RF/Bochum gleichsetzen. Während der derzeitigen Auseinandersetzungen (und schon wegen derjenigen bis zum Parteitag) war es uns bisher nicht möglich, systematisch alle Anschriften auszuwerten, zumal wir z.Zt. nicht wissen, was wir den Kollegen sagen können".
=N.N.(ex KPD/ML-ZK):Agitprop der OG Dortmund 1971 (ohne RG und KSB/ML),Dortmund o.J. (1972)

11.03.1972:
In Dortmund führt der KJVD der KPD/ML-ZB zum Abschluß seiner Irland-Woche eine Irland-Demonstration durch, zu der, laut dem 'KDAJ' die Ortsgruppe Dortmund, laut dem 'KND' der gesamte Landesverband NRW aufruft. Außerdem beteiligen sich auch die KPD/ML-ZK und griechische MLer an der, laut KJVD, 500-köpfigen Demonstration. In Dortmund seien zu den Verhandlungen die Bolschewistische Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML-ZK, die KPD, spanische und palästinensische MLer sowie die Dortmunder Liquidatoren (vermutlich die ML Dortmund,d.Vf.) eingeladen worden.
=Der Kampf der Arbeiterjugend Nr.2,Bochum März 1972;
Kommunistischer Nachrichtendienst Nr.21,Bochum 15.3.1972;
Der Bolschewist Nr.4,o.O. o.J. (Apr. 1972);
Rote Fahne Nr.6,Bochum 20.3.1972,S.10


13.03.1972:
Der 'Rote Morgen' Nr.6 (vgl. 28.2.1972, 27.3.1972) enthält u.a. den Artikel "Die Einheit aller Marxisten-Leninisten im Kampf gegen den modernen Revisionismus erringen!". Darin wird ausgeführt:"
Das Zentralbüro der 'KPD/ML-Rote Fahne' hat in seinem Zentralorgan 'Rote Fahne' Nr. 4/1972 unter dem Titel 'Für die Einheit der Marxisten-Leninisten' eine Stellungnahme zu dem 'Offenen Brief' einer Gruppe von ehemaligen Mitgliedern und Sympathisanten der KPD/ML veröffentlicht. Den 'Offenen Brief' selbst hatte das ZB in der Nr.3 der 'Roten Fahne' abdrucken lassen. Die Gruppe, die diesen 'Offenen Brief' herausgegeben hat, nennt sich 'Bolschewistische Linie der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen)'. Sie hat auch uns diesen sogenannten 'Offenen Brief' geschickt, mit der Aufforderung, ihn im Roten Morgen abzudrucken. Wir haben darauf verzichtet, diesen sogenannten 'Offenen Brief' abzudrucken, weil er nichts anderes darstellt, als den demagogischen Versuch des ehemaligen Mitglieds der KPD/ML, G. A., nachdem er als übler Karrierist und Opportunist entlarvt und aus der Partei ausgeschlossen wurde, sich nunmehr beim ZB der 'KPD/ML'-Rote Fahne anzubiedern und den Marxisten-Leninisten Westdeutschlands und Westberlins einen falschen Eindruck über die Entwicklung der KPD/ML und ihr Verhältnis zur 'KPD/ML'-Rote Fahne zu vermitteln. G. A. versucht, sich in diesem 'Offenen Brief' als Apostel der Einheit der Marxisten-Leninisten aufzuspielen, wobei es ihm nur darum geht, seine in der KPD/ML gescheiterte Karriere nun auf andere Weise fortzusetzen, und zwar unter Ausnutzung des berechtigten Wunsches vieler Marxisten-Leninisten nach Einheit aller Marxisten-Leninisten in der Bolschewistischen Partei. Worum geht es dem ZB? Ist das ZB wirklich so naiv, daß es diesen Zusammenhang nicht begreift, obgleich es doch über die Rolle des Karrieristen G.A. genügend informiert sein dürfte?. ... Das Vorgehen des ZB in der erwähnten Stellungnahme läßt erhebliche Zweifel daran aufkommen, daß das ZB ehrlich und von einem korrekten Standpunkt aus an die Frage der Einheit der Marxisten-Leninisten herangeht. Warum hat sich das ZB nicht an uns gewandt, bevor es den sogenannten 'Offenen Brief' in seinem Zentralorgan abgedruckt hat, um sich über die Rolle von G. A. zu informieren? Wir hätten das ZB im einzelnen davon in Kenntnis setzen können, daß G. A. nachdem er zuvor der Hauptvertreter ökonomistischer Abweichungen in der KPD/ML war, aus reinen Karrieregründen auf dem außerordentlichen Parteitag am Ende dieses Jahres vollständig auf die Positionen der Liquidatoren übergegangen ist. ... Wir hätten dem ZB klar machen können, daß es sich bei G. A., dem es leider gelungen ist, eine Gruppe von schwankenden Genossen um sich zu sammeln, um einen der übelsten Karrieristen und Opportunisten handelt, die sich in den Reihen der marxistisch-leninistischen Bewegung herumtreiben. Und wie kommt das ZB, wenn es ihm wirklich um die Einheit der Marxisten-Leninisten geht, dazu, in seinem Artikel in der 'Roten Fahne' die lügnerische Behauptung zu verbreiten, unsere Partei, die KPD/ML, sei von den Liquidatoren 'vernichtet' worden und habe sich in 'kleine' und 'kleinste' Bestandteile aufgelöst? ... Ist es verwunderlich, wenn wir unter solchen Umständen Zweifel daran haben, ob die Führung eurer Organisation ehrlich an die Frage der Einheit der Marxisten-Leninisten herangeht? Trotz dieser seltsamen Methoden des ZB sind wir bereit, mit dem Ziel der Einheit der Marxisten-Leninisten in der bolschewistischen Partei, eine sachliche Diskussion mit allen Genossen in der 'KPD/ML'-Rote Fahne und auch, falls sie dazu bereit sind, mit den Führern dieser Organisation zu führen. ... In der Stellungnahme des ZB findet sich ein Abschnitt, der die Überschrift 'Unsere Fehler' trägt. Dort werden einige Fehler des ZB aufgeführt, wie z.B. mangelnder ideologischer Aufbau der Partei und ungenügende Vorbereitung auf die Illegalität. Abschließend wird dann festgestellt, die gleichen Fehler seien auch die Fehler anderer ML-Organisationen. Zweifellos stimmt es, daß auch wir in der KPD/ML den ideologischen Aufbau der Partei vernachlässigt haben, und auch wir haben die Partei ungenügend auf die Illegalität vorbereitet. Aber was soll die Feststellung, die Fehler des ZB seien auch die Fehler anderer Organisationen? ... Wie kann man aber davon reden, daß man den ideologischen Aufbau konsequent anpacken will, ohne dabei mit einem Sterbenswörtchen darauf einzugehen, daß daß das ZB zwar die Organisation ideologisch aufbauen will, daß es aber den Mitgliedern keinen Einfluß darauf gewähren will, in welchem Sinne der ideologische Aufbau erfolgen soll. Fürchtet das ZB, daß die Mitglieder die Frage des Klassenstandpunktes, die Frage des Inhalts, des ideologischen Aufbaus der Partei in einem anderen Sinne stellen könnten, als das ZB es wünscht? Besteht da nicht der Verdacht, daß das ZB Grund hat, seinen eigenen Mitgliedern zu mißtrauen? Ist dies nicht eine extreme Form, den Massen zu mißtrauen? ... Leider gibt es zuviele dunkle Punkte in der Linie des ZB, die uns immer wieder auf diese Probleme, auf das Problem des Kampfes oder vielmehr des mangelnden Kampfes gegen den modernen Revisionismus stoßen. So zum Beispiel die Tatsache, daß in der 'KPD/ML'-Rote Fahne nicht die Original-Texte der Klassiker des Marxismus-Leninismus geschult werden, sondern lediglich Schulungs-Texte, die das ZB selbst verfaßt hat. Das ist bekanntlich eine Praktik, die auch von den Revisionisten angewendet wird, und zwar aus dem einfachen Grund, weil sie den wahren Marxismus-Leninismus fürchten wie der Teufel das Weihwasser. ... Aber nehmen wir einmal einen anderen sehr dunklen Punkt in der Linie des ZB. Es handelt sich um die Frage der Entstehung der 'KPD/ML'-Rote Fahne. Bekanntlicherweise ist die 'KPD/ML'-Rote Fahne als Abspaltung eine Gruppe, deren Führer ein rechtsopportunistisches Programm zur Grundlage ihres Fraktionismus und ihrer verantwortungslosen Spaltertätigkeit gemacht hatten. ... Was sagt das ZB über die Entstehung seiner Organisation, der 'KPD/ML'-Rote Fahne? Das ZB macht dazu die interessante Feststellung, daß bei der praktischen Formierung der 'KPD/ML'-Rote Fahne als einer bolschewistischen Partei, der Kampf gegen die 'Gruppe Roter Morgen', gegen den sogenannten 'Ezrismus, 'von weitaus größerer Bedeutung war, als der Kampf gegen den Revisionismus'. Wir wollen nicht bezweifeln, daß es wirklich so gewesen ist, wie das ZB festgestellt hat. Wir haben in der Tat von einem Kampf der 'KPD/ML'-Rote Fahne gegen den modernen Revisionismus nicht viel gemerkt. Aber, und diese Frage richten wir wieder insbesondere an die Mitglieder und Sympathisanten der 'KPD/ML'-Rote Fahne, ist es nicht äußerst merkwürdig, daß gerade eure Organisation offenbar die einzige 'Partei' der Welt ist, die als marxistisch-leninistisch gelten will, sich auf Mao Tsetung beruft, und die nicht vor allem im Kampf gegen die Cliquen der modernen Revisionisten entstanden ist, und die es nach Aussagen eurer Führung, auch nicht nötig hat, sich hauptsächlich im Kampf gegen die Cliquen der modernen Revisionisten zu festigen? ... Das ZB ist mit anderen Worten (weiter) der Meinung: in dem den heutigen revisionistischen Parteien innewohnenden Widerspruch zwischen proletarischer und bürgerlicher Linie wurden die äußeren Bedingungen zur Hauptseite und deshalb siegte die bürgerliche Linie. Führwahr - eine sehr eigenartige Dialektik; oder hat das ZB hier vielleicht Dialektik mit Sophistik verwechselt? Das ZB soll doch einmal versuchen, mit seiner Art von 'Dialektik' die Tatsache zu erklären, daß beispielsweise die Partei der Arbeit Albaniens nicht revisionistisch entartet ist, obwohl der äußere Druck von seiten des Sowjetrevisionismus auf die Partei der Arbeit unbestreitbar sehr stark war. ... Das ZB vertritt tatsächlich die Auffassung, die Politik der KPD nach 1945 und die Politik der SED sei bis zum XX. Parteitag der KPdSU 1956 vollständig korrekt gewesen. Aber das ZB vertritt nicht nur diese Auffassung - es hat sogar die opportunistischen Abweichungen in der Politik dieser Parteien, die schon vor ihrer revisionistischen Entartung aufgetreten sind, übernommen, 'schöpferisch' weiterentwickelt und versucht nun, diesen revisionistischen Plunder in die marxistisch-leninistische Bewegung einzuschmuggeln. Das bedeutendste Produkt dieser Art, welches das ZB hervorgebracht hat, ist die 'Theorie' von den Etappen der Revolution in einem imperialistischen Land, wie es die Bundesrepublik ist. Das ZB hat die revisionistischen Abweichungen der KPD nach 1945 und der SED in der Anwendung der Volksfronttaktik und der Frage der antifaschistisch-demokratischen Revolution übernommen und daraus eine revisionistische Theorie der Etappen der Revolution in Westdeutschland gemacht. Diese 'Theorie' besagt, daß wenn der Klassenkampf sich zuspitzt und die Bourgeoisie dazu übergeht, die bürgerlich-demokratische Herrschaftsform zu ersetzen - daß in einer derartigen Situation das strategische Ziel des Proletariats, der Sturz der Herrschaft der Bourgeoisie und die Errichtung der Diktatur des Proletariats, ersetzt werden müsse durch das strategische Ziel der Wiedererringung der bürgerlichen Demokratie. So macht das ZB aus der Taktik zur Schaffung der Volksfront im Kampf gegen die faschistische Herrschaft, aus der besonderen Taktik des revolutionären Sturzes des faschistischen Regimes, eine Strategie des Verzichts auf die Sozialistische Revolution. Das ZB geht jedoch noch einen Schritt weiter und verlangt von der Arbeiterklasse die Unterordnung seiner Klasseninteressen unter die sogenannten 'allgemein gesellschaftlichen Interessen'. ... Das ZB verlangt von der Arbeiterklasse jedoch nicht nur, daß sie ihre Klasseninteressen 'den allgemeinen Interessen der Gesellschaft unterordnen' müsse, das ZB verlangt auch, daß die Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus ihre führende Rolle aufgeben solle. Zu diesem Zweck beruft sich das ZB - auf wen wohl? Auf niemand anderen natürlich, als auf den Renegaten Ulbricht. ... Und ferner sagte Ulbricht: 'Die Kommunistische Partei ist eine Partei des Volkes, denn wir sagen im Aktionsprogramm, was getan werden muß, damit das normale Leben der Bevölkerung wieder in Gang kommt'. Diesen revisionistischen Standpunkt vertrat Ulbricht nach dem Krieg in der sowjetisch besetzten Zone und vor der Verschmelzung von SPD und KPD zur SED. Diese Verschmelzung, die von Ulbricht offenkundig bereits vom Standpunkt des Verzichtes auf die führende Rolle der Arbeiterklasse in der antifaschistisch-demokratischen Revolution betrieben wurde, führte zu dem Ergebnis der Liquidierung des bolschewistischen Charakters der Partei. Das ZB verteidigt dieses Vorgehen der Ulbricht-Clique voll und ganz. ... Das ZB hat des öfteren festgestellt, daß der theoretische Kampf gegen den modernen Revisionismus heute im wesentlichen schon als beendet angesehen werden könne, daß die albanischen und die chinesischen Genossen diesen Kampf bereits geführt hätten, daß dieser Kampf heute für uns kaum mehr Bedeutung habe. Ist es nicht naheliegend, anzunehmen, daß das ZB diese Behauptung nur aus dem einen Grund aufgestellt hat, weil es gar kein Interesse daran hat, den Revisionismus ideologisch, politisch und organisatorisch zu schlagen? ... Wir fordern alle Mitglieder und Sympathisanten der 'KPD/ML'-Rote Fahne auf, sich ernsthaft die Frage zu stellen, und gewissenhaft zu untersuchen, ob es sich bei der Politik des ZB nicht um den von Mitgliedern des ZB systematisch und bewußt betriebenen Versuch handelt, die marxistisch-leninistische Bewegung zu zersetzen und auf den Boden des modernen Revisionismus zu zerren. Wir erinnern daran, daß G. G. heute einer der entscheidenden Führer im ZB, früher einmal, als er noch Häuptling eines Bochumer Studentenzirkels war, den Kampf gegen den 'Maoismus' zu seiner Aufgabe erklärt hat. Kann die Politik des ZB uns davon überzeugen, daß G. G. diesen Plan inzwischen aufgegeben, daß er seinen politischen Standort gewechselt hat... ? ... Wir werden uns künftig noch ausführlicher mit den Theorien des ZB, aber auch mit der praktischen Politik der 'KPD/ML'-Rote Fahne, mit ihrer Agitation und Propaganda im Betrieb und auf der Straße befassen. Wir werden dies tun, um Klarheit darüber zu schaffen, welche Kräfte in der marxistisch-leninistischen Bewegung Westdeutschlands und Westberlins wirklich bereit sind, bedingungslos den Weg des Marxismus-Leninismus und der Maotsetungideen, den revolutionären Weg der Vorbereitung und Durchführung des gewaltsamen Sturzes der Bourgeoisie und der Errichtung der Diktatur des Proletariats zu gehen. Und wir werden schonungslos diejenigen Elemente entlarven, die sich in der marxistisch-leninistischen Bewegung eingenistet haben, und die das Ziel verfolgen, die Revolutionäre in den Sumpf des Opportunismus, in den Sumpf des modernen Revisionismus zu zerren. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, die Einheit aller wahren Marxisten-Leninisten in der bolschewistischen Partei des Proletariats zu erringen und dem modernen Revisionismus weitere Schläge zu versetzen."
=Roter Morgen Nr.6,Hamburg 13.3.1972

13.03.1972:
Bei Hoesch Westfalenhütte Dortmund erscheint vermutlich Anfang dieser Woche die letzte 'Rotfront' (vgl. Nov. 1971), herausgegeben von der Bolschewistischen Linie der ehemaligen KPD/ML Roter Morgen, denn Teile der ehemaligen OG Dortmund der KPD/ML-ZK gründeten sich als BL (vgl. Feb. 1972) und wechseln nun zur KPD/ML-ZB über.
Die 'Rot Front', Betriebszeitung der KPD/ML-ZK für die Hoeschbetriebe und verschiedene andere Metallbetriebe in Dortmund wird nach der Abspaltung der BL in 'Stählerne Faust' (vgl. Aug. 1972) umbenannt.

Die BL ist auch in Bochum aktiv (vgl. 15.3.1972).

U.a. wird unter der Überschrift 'Die Arbeiterklasse braucht eine einheitliche kommunistische Partei' erklärt, daß die KPD/ML-ZK zwei Prinzipien des Marxismus-Leninismus aufgegeben habe, die Massenlinie und die Hegemonie des Proletariats. Stattdessen hatte die Ideologie der Studentenbewegung Einzug in die Partei gehalten:"
Hauptaufgabe der Partei sei es, die Theorie zu schaffen. Theorie schaffen, damit war gemeint, daß die Intelligenzler nun die wichtigste Aufgabe bekommen sollten und die Arbeiter dann die Drecksarbeit. ... So setzte sich immer mehr eine falsche Politik durch. Schließlich kamen einige sogar auf die Idee, daß die Partei sich nicht mehr an den Lohnkämpfen beteiligen dürfe, weil das konterrevolutionär sei. ... Schon 1970 kam es aus diesen Gründen zur Spaltung der Partei. Es entstand noch eine Organisation mit Namen KPD/ML, die sich eben deshalb vom ZK lossagte, weil sie diesen falschen Standpunkt ablehnte. 1971 schließlich entwickelte sich die falsche Politik des ZK soweit fort, daß einige sogar die Partei abschaffen wollten. Auf dem Parteitag hatten sie die Mehrheit und lösten die Partei auf."

Zur KPD/ML-ZB, der sich die Bolschewistische Linie anschließt, heißt es:"
Was die KPD/ML betrifft, so verhält sie sich weitgehendst korrekt. Auch wenn sich die Gruppe Roter Morgen ebenfalls KPD/ML nennt, so trägt sie diesen Namen heute zu unrecht. Es kommt darauf an, wer die korrekte Politik macht, und nicht wer die Führung beansprucht. Deshalb ist die KPD/ML (Rote Fahne) die korrekte Trägerin des Namens KPD/ML und nicht die Gruppe Roter Morgen, deshalb ist die Rote Fahne die Zeitung der Marxisten-Leninisten und nicht der Rote Morgen."

Man habe sich auch deshalb der KPD/ML-ZB angeschlossen, weil sie in mehreren Punkten "der beste Ansatz für eine Kommunistische Partei" sei. Aufgezählt werden:
- Ihr Hauptaugenmerk richtet das ZB auf die Massenlinie,
- Das ZB propagiert die Führung der Arbeiterklasse und die Gewinnung der Fortgeschrittenen der Arbeiterklasse,
- Im ZB soll auch organisatorisch die Arbeiterklasse die Führung innehaben.

Zusammenfassend heißt es:"
Wir haben lange genug die alten, falsche Politik der aufgelösten KPD/ML (Roter Morgen) mitgemacht, einige sogar in maßgeblichen Funktionen. Wir hatten die Fehler noch nicht richtig erkannt oder gingen von falschen Voraussetzungen an die Sache heran. Nun haben wir die wesentlichen Fehler erkannt und die Lehren daraus gezogen. Unsere Aufgabe besteht nun darin, dafür zu kämpfen, daß alle ehrlichen Genossen und Gruppen die ehrliche Kommunisten sind, sich in der KPD/ML organisieren, und vor allem, daß den Arbeitern klar gemacht wird, daß nun der ernsthafte Kampf für eine einheitliche, korrekte, in den Massen verankerte KP geführt wird.
Wir sind keine neue Partei, sondern wir haben eng begrenzte Aufgaben, nämlich die Notwendigkeit der Einheit der Marxisten-Leninisten zu propagieren. ... Wir fordern deshalb alle Kollegen auf: unterstützt die KPD/ML! Das könnt ihr vor allem tun, wenn ihr die Genossen der KPD/ML und ihre Zeitungen, sei es die Rote Fahne oder die Betriebszeitungen (wie z.B. bei Opel 'Die Presse', beim Bochumer Verein 'Die Walze' oder bei der Hoesch-Westfalenhütte 'Die Rote Westfalenwalze') kritisiert. Das ist die letzte von uns herausgegebene Rot Front. Unsere weitere Arbeit dient der KPD/ML."
Als Kontaktadresse der Bolschewistischen Linie der ehemaligen KPD/ML (RM) ist Klaus Dillmann angegeben.
=Rot Front,Dortmund o.J. (März 1972);
N.N.(ex KPD/ML-ZK):Agitprop der OG Dortmund 1971 (ohne RG und KSB/ML),Dortmund o.J. (1972);
Dillmann, Klaus:Kritik an Stählerne Faust Nr.1 (August 1972),Dortmund o.J. 1972;
Stählerne Faust Nr.1,Dortmund Aug. 1972


13.03.1972:
Vermutlich in dieser Woche erscheint eine 'Rote Westfalenwalze' (RWW - vgl. 9.3.1972, 17.4.1972) der KPD/ML-ZB und KJVD Betriebsgruppe Hoesch Westfalenhütte Dortmund. Der 'Westfalenwalze' ist auch eine Ausgabe der 'Rot Front' – Bolschewistische Linie der KPD/ML (RM) angeheftet (vgl. 13.3.1972).
=Die Rote Westfalenwalze Klassenkämpferische Kollegen an die Front!,Dortmund o.J. (März 1972)

15.03.1972:
Laut KPD/ML-ZB soll eine Veranstaltung der Bolschewistischen Line der ehemaligen KPD/ML (Roter Morgen) (BL der KPD/ML-ZK) in Bochum stattfinden. Thema: Perspektiven der Einheit der Kommunisten.
=Die Rote Westfalenwalze,Dortmund o.J. (1972)

03.04.1972:
In der Nr.7 ihrer 'Roten Fahne' (vgl. Apr. 1972, 17.4.1972) berichtet die KPD/ML-ZB, daß sich die Fraktion, die zur Jahreswende aus der nationalen Leitung (KJ-Inform) ihres Jugendverbandes ausgeschlossen worden war (vgl. 24.1.72) mittlerweile mit der KPD/ML-ZK vereinigt habe. Im Artikel "Einheit der Marxisten-Leninisten! Prinzipienfester Kampf oder Liquidatorentum?" erklärt die Politabteilung des Zentralbüros der KPD/ML dazu u.a.:"
III. Welche Bedeutung hat der Kampf für die Einheit der Marxisten-Leninisten? Der Artikel in der ROTEN FAHNE hatte den Zweck, die Bedeutung der Einheit der Marxisten-Leninisten darzustellen. Das ist ihm weder allgemein noch als besondere Aufgabe im Klassenkampf, noch als besondere Aufgabe des Proletariats voll geglückt. ... Die allgemeine Bedeutung der Einheit der Marxisten-Leninisten wird klar, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Einheit der Partei und die Einheit der Marxisten-Leninisten eng zusammenhängen. Die Hauptfragen in der marxistisch-leninistischen Bewegung sind jene Fragen, die der Klassenkampf in Westdeutschland aufwirft und die damit auch die Fragen der Partei sind. Der Kampf um die Einheit hat in den Hauptfragen den gleichen Inhalt wie der Kampf um die Einheit der Partei. ... Die besondere Bedeutung der Einheit der Marxisten-Leninisten für die heutige Situation im Klassenkampf wird dadurch deutlich, daß die spontanen Kämpfe sich weitaus schneller entwickeln, als der bewußte Faktor. ... Auch die Versuche der Monopolbourgeoisie, ihrer sozialdemokratischen Schergen, die Partei und die marxistisch-leninistische Bewegung zu zerschlagen, erhöhen die Notwendigkeit, die Einheit der Marxisten-Leninisten herzustellen. Die besondere Bedeutung dieser Aufgabe im Rahmen des Parteiaufbaus muß hier ebenfalls betont werden. Wir halten diesen Standpunkt im 'Offenen Brief der Bolschewistischen Linie' für richtig, der sagt, daß der Kampf für die Einheit ein wesentlicher Bestandteil des Parteiaufbaus sein muß. Gerade hier liegt die Schwäche der Partei ..., nämlich in der Einschätzung der Bedeutung des Kampfes für die Einheit aller Marxisten-Leninisten im Rahmen aller Aufgaben der Partei, die wir auf dem Weg zum Sturz des Imperialismus durchführen müssen. Darüber gibt es in der Partei eine Diskussion. Nur eine gründliche historische Analyse kann diese Frage beantworten. ... Das Zentralbüro der KPD/ML wird im Kampf gegen die Angriffe der fraktionistischen KJI-Gruppe, die sich mit dem Roten Morgen vereinigt hat, in der nächsten Zeit seine Auffassungen über die Grundlagen und die Hauptfragen der Einheit der Marxisten-Leninisten breit darlegen. Wichtig ist es aber, daß die Partei die ideologische Auseinandersetzung mit den anderen Marxisten-Leninisten um die Einheitsfrontpolitik zum 1. Mai nutzt, um auf dem Weg der Einheit voranzukommen und die gemeinsamen Diskussionen und Aktionen zu einem festen Bestandteil unserer revolutionären Arbeit zu machen".

Mit diesem Artikel befassen sich auch in:
- Hessen die Stadtaufbaugruppe Darmstadt der KPD/ML-ZB (vgl. 14.1.1973).
=Rote Fahne Nr.7,Bochum 3.4.1972;
Klassenkampf und Programm Nr.3,Dortmund Apr. 1973,S.26


Juni 1972:
Laut MLPD (2) erscheint vermutlich im Juni/Juli 1972 der Entwurf eines Rechenschaftsberichtes des KAB/ML und der KPD/ML-RW für den 1. Zentralen Delegiertentag (ZDT) des KABD (vgl. 5.8.1972). Darin wird zur Entwicklung in der KPD/ML u.a. ausgeführt:"
Die zweite Tendenz, die wir bei diesen Kleinbürgern vorfinden und die nur scheinbar im Widerspruch zur ersten steht, ist die prinzipienlose Vereinigungsmacherei. So kam der Popanz KPD/ML zustande, der nach dem Zerfall in zahlreiche Zirkel nunmehr schrittweise wieder zusammengefügt werden soll. Eine neue prinzipienlose Annäherung und Vereinigung zwischen alten und neuen Gruppierungen ist im Gange. So nahm das ZB Gengers unbesehen die Ackermann-Gruppe auf und diktierte ihr den 'Offenen Brief' ... (gemeint ist wahrscheinlich das Dokument der 'Bolschewistischen Linie der KPD/ML',d.Vf.). Es handelt sich hier um dieselbe Plattform vom April 1970 gegen die proletarische Linie des Revolutionären Wegs, an der Günter Ackermann mitgearbeitet hatte und die wesentlich zur ersten Spaltung beitrug. Diese gleiche Plattform hatte er bis vor kurzem verteidigt. Und dieser prinzipienlose Geselle wurde vom ZB mit dem 'Offenen Brief' nach Hamburg geschickt, um den Landesverband Wasserkante der KPD/ML, der sich erst nach dem Parteitag vom Roten Morgen getrennt hatte, für den Genger-Laden zu gewinnen bzw. zu überreden, allerdings erfolglos."
=MLPD(2)-ZK:Geschichte der MLPD,I.Teil,Stuttgart 1985,S.249f

14.08.1972:
In Dortmund erscheint zum ersten Male von der KPD/ML-ZK die 'Stählerne Faust' (vgl. 3.10.1972) als Betriebszeitung für Hoesch, nachdem die bisherige 'Rotfront' durch die Abspaltung der Bolschewistischen Linie (BL) der ehemaligen KPD/ML (RM) aufgegeben werden mußte. Diese sei seit einigen Monaten nicht mehr erschienen (vgl. 13.3.1972). Außerdem wird behauptet, daß die Dortmunder durch das Erscheinen der 'Rotfront' im Frühjahr 1971 erstmals von einer KPD/ML gehört hätten, was aber nur stimmen dürfte, wenn sie der KPD/ML-ZB kein Gehör geschenkt hätten. Wahrscheinlich rekrutiert sich die Betriebsgruppe Hoesch der KPD/ML-ZK auch aus ehemaligen Mitgliedern der KPD/ML-ZB. Einzelne Ausgaben der Zeitung werden später auch vor der Zeche Hansa (IGBE-Bereich) verteilt.
Zur Herausgabe der ersten Ausgabe formulieren die Verfasser:"
Seit einigen Monaten ist Rot Front nicht mehr erschienen. Warum? Nun, wenn der Kampf zwischen der Arbeiterklasse und der Kapitalistenklasse heftiger wird - so wie im letzten Jahr - dann bekommen manche der Kämpfer Angst. Sie sind zwar den Worten nach immer noch entschlossene Gegner des Kapitals. Aber nicht, wenn es um die Taten geht. Sie rücken von den Kämpfen der Arbeiterklasse und von ihrer Kampfpartei ab. So haben auch einige Genossen hier in Dortmund Rot Front nicht mehr herausgebracht. Aber deshalb ging die Arbeit der Partei doch weiter. Schon seit Monaten wird der Rote Morgen, die Zeitung der KPD/ML wieder vor den Toren verkauft. Und jetzt gibt es auch wieder eine Betriebszeitung der KPD/ML. Setzen wir den Kampf fort, mit verstärkter Kraft, um einige Erfahrungen reicher. Die Stählerne Faust soll die Waffe der Hoesch Arbeiter im Kampf gegen die Kapitalistenklasse sein."

In einer Kritik von Klaus Dillmann (KPD/ML-ZB) heißt es dazu u.a.:"
Artikel: 'Machen wir die STÄHLERNE FAUST zum starken revolutionären Sprachrohr bei Hoesch!' Schon der Satz: 'Zu tausenden protestierten sie (die Dortmunder Arbeiterschaft) in der Stadt gegen die unverschämten Preiserhöhungen bei Bus und Straßenbahnen' ist eine Beschönigung: die meisten Kollegen wissen längst, daß sie das ja gerade versäumt haben. Hier hätte z.B. auf die Abwieglerrolle gerade auch der DKP eingegangen werden können, die einige V-Leute ersatzweise für die Kollegen auf die Schienen schickte, die dann zusätzlich von der Polizei noch mit Samthandschuhen angefaßt wurden. Die Rote Westfalenwalze hat das besser dargestellt. Die nächste Verdrehung: 'Zum ersten Mal hören die Dortmunder von einer Partei mit dem Namen KPD/ML, von einer Zeitung mit dem Namen RM!' Kein Wort davon, daß zwei Parteien diesen Namen tragen! Es wird so getan, als habe es in Dortmund bis dahin überhaupt nichts gegeben. Im übrigen haben nicht wir einen Auto-Fahrdienst organisiert, das tat die DKP! Wir waren zu schwach dafür. Dann nimmt die STÄHLERNE FAUST für sich in Anspruch, ROTFRONT fortzusetzen, behauptet, ROTFRONT habe Fehler gemacht, sagt aber mit keinem Wort, welche! Also eine Leerformel, mit der der Arbeiter nichts anfangen kann. Es ist auch zu simpel, einfach das Einstellen von ROTFRONT auf die Angst einiger Genossen zurückzuführen. Hier wird kein Wort der Selbstkritik seitens derer, die die RM-Partei fortsetzen, geleistet. Insbesondere hätte man eine Stellungnahme zur letzten Nummer von ROTFRONT (vgl. 13.3.1972,d.Vf.): 'Die Arbeiterklasse braucht eine einheitliche kommunistische Partei' erwarten dürfen. Nichts desgleichen steht da. Solches Totschweigen ist ebenfalls trotzkistisch. Im Zusammenhang mit der Straßenbahnaktion hätte man auf den Prozeß gegen Klaus Dillmann eingehen dürfen, der ja auch ROTFRONT-Mitarbeiter war.
...
P.S. : Bevor wir ROTFRONT herausgaben, haben wir immerhin den Versuch einer Zusammenarbeit mit der Roten Westfalenwalze gemacht. Die STÄHLERNE FAUST hielt das offenbar von vornherein für unnötig. Ihre Verfasser sind teilweise mit jenen identisch, die damals bei der Roten Westfalenwalze unsere Mitarbeit verweigerten. Dieser Stil des Sich-selbst-Feierns ohne entsprechende argumentative Beweisführung, mit bloßer Berufung auf den eigenen - nicht kontrollierbaren - Willen, das ist es, was den spalterischen Voluntarismus der GRM ausmacht".

Ein Nachtrag vom 15.7.1974 zu dieser Kritik führt aus:"
Diese Kritik von mir ist damals über XX an den RM gegangen (Sept. 72). Ich gehörte zu diesem Zeitpunkt der ZB-Organisation an, die in der Kritik als KPD/ML bezeichnet wird, während XX kurz zuvor zur RM-Organisation zurückgekehrt ist. In Zusammenhang mit dem Artikel 'Arbeiterblut an ihren Händen', war eine handschriftliche Bemerkung speziell für XX eingefügt, der als ein Hauptargument für seinen Wechsel Großmannsucht des ZB angegeben hatte. Meine Bemerkung dazu lautete: 'Du hast der RF Gigantomanie vorgeworfen, beim RM findest du sie in Reinkultur. Reaktion auf die Kritik: Auf den Inhalt dieser seitenlangen Stellungnahme wurde mit keinem Wort eingegangen (in der folgenden STÄHLERNEN FAUST sind einige allzu krasse Fehler stillschweigend abgestellt worden, insbesondere wurde die DDR-Frage etwas besser behandelt. Über XX (der hier mit Sicherheit nicht eine eigene Meinung kundgab) kam an mich der Vorwurf, die Konspiration verletzt zu haben, da Post an ihn angeblich vom Verfassungsschutz geöffnet werde und aus dem Brief ersichtlich sei, welche Rolle er bei der KPD/ML (RM) spiele. Als ich diese Kritik als lächerlich zurückwies (entweder wurde seine Post geöffnet, dann weil er eh beim Verfassungsschutz vorgemerkt war, wobei seine Rolle als Briefträger für die KPD/ML dem VS sicherlich nichts sonderliches gesagt hätte, es sei denn, er hätte sich verfolgen lassen, oder – was wahrscheinlicher war - der VS betrachtete ihn, falls er ihm überhaupt ins Visier gekommen war, als ein zu kleines Licht, als daß er aus Briefen an ihn großartige Aufschlüsse über die KPD/ML erwartet hätte - noch dazu aus einem Brief von mir, der ich dieser Organisation gar nicht mehr angehörte. Wenn überhaupt jemand durch diesen Brief gefährdet wurde, dann war es allenfalls ich selbst, weil dem VS hier meine persönliche Meinung zu wichtigen Fragen des Klassenkampfes bekannt geworden wäre ... Aus dieser Haltung, die uns (ehemalige BL und damalige ZB-Organisierte) auch bei anderen Genossen der KPD/ML sowie bei solchen, die vom ZB dorthin übergetreten waren, in mehr oder weniger deutlicher Form entgegentrat (besonders kraß z.B. bei YY), schlossen wir nach einer entsprechenden Notiz im RM über den militärischen Aufbau der Partei, daß es nicht um bewußte Disziplin, sondern um Disziplin an sich, um Kadavergehorsam, dort ginge. Wir vermißten den ideologischen Aufbau, den wir damals gerade in der ZB-Organisation zu fördern hofften (mit dem bekannten Ausgang, daß diese Organisation das Zeitliche segnete, bevor unsere Arbeit greifbare Erfolge erzielt hätte). Wenn ich hier von 'uns' spreche, so muß ich nachträglich dabei erhebliche Skepsis anmelden: ich meinte die Genossen der ehemaligen BL, die jedoch bereits nach kurzer Zeit vor dem Werben der ZB-Organisation kapituliert hatte in der Illusion, ihre Ziele seien dort bestens aufgehoben. Diese Genossen sind (mit wenigen Ausnahmen, insbesondere der Ausnahme ZZ) inzwischen bei der KPD/ML organisiert und betrachten die ganze Politik der BL als liquidatorisch, als einen Verrat an der Organisation, zu der sie inzwischen zurückgefunden haben. Von all diesen Genossen blieb also nur ich übrig, dessen Versuch, im Rahmen der KPD/ML die Erkentnisse der BL anzuwenden, gescheitert ist und der sich inzwischen sagen lassen muß, 'ein Parteifeind von Anfang an' zu sein, ein Lied, in das die ehemaligen BL-Leute bei der KPD/ML - wenngleich teilweise ächzend - einstimmen. Sie werden sich wundern!"

An anderer Stelle schreibt Klaus Dillmann:"
Im August erschien dann die erste Nummer der STÄHLERNEN FAUST bei Hoesch, worin die Partei den Kollegen gegenüber als diejenige Kraft hochgelobt wurde, die die legitime Nachfolge von ROTFRONT antrete und die 1971 den Fahrpreisboykott durchgeführt hat. Indem sie sich diese Aktionen an die eigene Fahne heftete, hätte sie aber auch die Konsequenz daraus ziehen müssen, sich um die gerichtlichen Folgeerscheinungen dieser Aktion zu kümmern. Ich will hier nun nicht weiter richten, wer ROTFRONT herausgab und wer sich dagegen gestellt hat, auch nicht, wer den Fahrpreisboykott durchführte, wer damals auf seiten der ZB-Organisation eine Beteiligung daran wegen angeblicher Kleinbürgerlichkeit solcher Aktionen ablehnte, jedoch nach oben, sprich zur ZB-Zentrale, Jubelberichte über die eigenen Aktivitäten weiterreichte - teilweise nachlesbar im KND und Parteiarbeiter -, und wer auf einmal für die STÄHLERNE FAUST verantwortlich zeichnete, genauso wenig, wie ich noch einmal aufrechnen möchte, welche Widerwärtigkeiten in der Partei diejenigen zu bestehen hatten, die ursprünglich gegen den Willen der Leitung (des ehemaligen rechtsopportunistischen LSek NRW, das von 'Kaderverheizung' faselte, weil die Aktion ja schließlich wochenlang lief, von der Basis der späteren Liquidatoren aus nur unwillig unterstützt wurde. Sie hatten sehr schnell die Hosen voll als die Polizei das erste Mal kräftiger zulangte, und wandten sich hilfesuchend an die übergeordnete Leitung, eben das LSek), ja gegen den Willen der Mehrheit der Partei durchgeführt wurde, die von Ökonomismus faselte und schließlich 1971 die Partei liqudieren wollte mit Berufung auf die Plattform des ZK von 1970. Auch das ZK verhielt sich damals abwartend, hat uns weder unterstützt noch abgelehnt, jedoch einen Jubelbericht im RM gebracht ... In der STÄHLERNEN FAUST vom August 1972, die sich also so vielversprechend den Kollegen vorstellte, fand sich nicht ein Wort zu dem gegen mich anlaufenden Prozeß wegen 'Rädelsführerschaft in der KPD/ML'".
=Dillmann, Klaus:Kritik an der Partei im Zusammenhang mit den Prozessen gegen mich sowie der Vernehmungen in Arnsberg,o.O. (Dortmund) 16.10.1973;
Dillmann, Klaus:Kritik an Stählerne Faust Nr.1 (August 1972),Dortmund o.J. 1972;
Dillmann, Klaus:Roter Punkt Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Dortmund,Dortmund 16.7.1974,S.3;
Stählerne Faust Nr.1,Dortmund Aug. 1972;
Roter Morgen Nr.18,24 und Sdr.Nr.Hamburg 11.9.1972,4.12.1972 bzw. 11.4.1973;
KPD/ML-ZB, KJVD, ML Dortmund:Freiheit für den Roten Punkt - Kampf dem bürgerlichen Klassengericht - Gemeinsame Erklärung,Dortmund o.J. (Okt. 1972)


06.09.1972:
Die KPD/ML-ZB gibt eine erste "Erklärung zum Terroranschlag der palästinensischen Organisation 'Schwarzer September' in München" (vgl. 5.9.1972) bzw. zum Roten Antikriegstag (RAKT) (vgl. 2.9.1972) heraus (vgl. 12.9.1972). Dazu schreibt sie selbst:"
Diese Erklärung stieß auf heftige Kritik, weil sie zur Aktion unklar Stellung nahm und den Eindruck erweckte, als ob die KPD/ML die Aktion billigte. Besonders der Satz: 'Die KPD/ML ist der Meinung, daß der individuelle Terror, wie ihn die palästinensischen Kämpfer anwenden, dann ein richtiges Mittel ist, wenn es den Kampf der Massen um die Befreiung Palästinas vom zionistischen Joch vorantreibt' wurde zurecht kritisiert. Viele Genossen berichteten über die starke Ablehnung des Flugblatts in den Betrieben" (vgl. 12.9.1972).

Im Vorfeld der Erarbeitung der Erklärung kontaktieren Mitglieder des Politbüros der KPD/ML-ZB zu diesem Zeitpunkt auch einen Genossen der ehemaligen Bolschewistischen Linie (BL), die hauptsächlich in NRW im Dortmunder Raum aktiv war, und dort auch die Dortmunder Organisation der KPD/ML-ZB personell auffüllte und unterstützte, und besprechen mit ihm den Entwurf des Flugblatts, das später bundesweit verbreitet wird. Ergebnis dieser Besprechung ist ein "Gegenentwurf von XX zum Flugblatt des ZB über das Eingreifen des Schwarzen September bei den olympischen Spielen in München', der jedoch nach unserer Kenntnis nicht verbreitet wird. Darin heißt es:"
Der Staat Israel ist ein Mordstaat. Er wurde errichtet durch die Ermordung der arabischen Bevölkerung in Palästina. In einer einzigen Nacht wurde von der israelischen Terrororganisation Irgun die Einwohnerschaft mehrerer hundert arabischer Dörfer umgebracht. Die übrigen Araber flohen in panischem Schrecken über den Jordan in das Gebiet, das bis zum Junikrieg 1967 noch zu Jordanien gehört hatte und heute ebenfalls von Israel beherrscht wird. Dort lebten diese Araber und ihre Familien von 1948 bis 1967 in Elendsquartieren und mußten hungern, denn weder Israel noch Jordanien fühlten sich hier zuständig. Die große Mehrheit hat bis heute keine Arbeit, sie wird systematisch als industrielle Reservearmee gehalten, um den Lohn der übrigen Araber zu drücken. Der Staat Israel umfaßt heute mehr Araber als Israelis, aber die Araber werden als Menschen zweiter Klasse behandelt, haben keine staatsbürgerlichen Rechte, werden zu Hungerlöhnen teilweise beschäftigt. Nachdem Israel im Juni 1967 unter der Leitung des Faschisten Moshe Dayan, der seine militärische Qualifikation in der französischen Kolonialarmee in Vietnam erwarb und seither eine Augenklappe trägt, Ägypten und Jordanien überfallen hatte, war der größte Teil der palästinensischen Bevölkerung aus Angst vor erneuter Ermordung noch weiter nach Jordanien geflüchtet. Sie stellt für den jordanischen Staat einen ständigen Unruhekeim dar. Seit dem Juni 1967 haben die Palästinenser immer klarer erkannt, daß sie nur überleben können, wenn sie sich bewaffnet zur Wehr setzen. Seither gibt es eine große Zahl von Guerillaorganisationen, deren Ziel die Herstellung eines unabhängigen Palästina ist, in dem alle Menschen, gleich welcher Herkunft, gleiche Rechte haben sollen. Im September 1970 überfiel die jordanische Armee, unterstützt von den USA, die palästinensischen Dörfer und schickte Mordkommandos los, um die zurückbleibenden verwundeten Menschen umzubringen. Guerilleros und jordanische Armee lieferten sich erbarmungslose Gefechte, die israelische Armee stand an der Grenze und sorgte dafür, daß niemand entfliehen konnte. Bilanz dieses schwarzen September: über 60 000 Tote. Unter dem Eindruck dieser Geschehnisse radikalisierte sich die palästinensische Widerstandsbewegung. Es bildete sich unter anderem die anarchistische Terrorgruppe 'Schwarzer September'. Es handelt sich um technisch hochqualifizierte Kräfte, die die Entführung von Flugzeugen ebenso beherrschen wie mehrere europäische Sprachen - und die wissen, wie sie sich die notwendigen Waffen besorgen müssen, vom Feind! Israel hat inzwischen mehrere hundert Guerilleros gefangengenommen, z.T. für Schauprozesse präpariert und möglicherweise anschließend ermordet. Von daher wäre die unnachgiebige Haltung der israelischen Regierung zur Freilassungsforderung begreiflich, sie konnten nicht zugeben, daß die Guerilleros bereits nicht mehr leben.
Welche Rolle spielt Westdeutschland in der Israelfrage? Wie andere imperialistische Staaten ist auch Westdeutschland daran interessiert, daß die Araber sich nicht befreien können. Denn damit wäre die Ausbeutung der arabischen Erdölquellen zugunsten der Imperialisten unmöglich. Die Imperialisten sind daher am Vorposten Israel interessiert, der die arabische Welt in Schach hält und aus diesem Grunde von den Imperialisten einschließlich Westdeutschlands mit hochmodernen Waffen ausgerüstet wird. Die westdeutschen Imperialisten begründen diese 'Entwicklungshilfe' für den Mordstaat Israel mit der Kollektivschuld des deutschen Volkes und der Ermordung von 6 Millionen Juden. In Wirklichkeit jedoch ist die Hitlerregierung ein Produkt der deutschen Imperialisten gewesen und hat in deren Interesse gehandelt. Sie hat den größten Teil der Juden auch nicht einfach umgebracht, sondern als billige Arbeitskraft in den KZs (z.B. Ausschwitz-Monowitz) für die Profitinteressen der Stahl- und Chemiekonzerne verheizt. Die israelischen Menschen lassen sich heute ebenfalls für die Profitinteressen der Erdölkonzerne im Kampf gegen das arabische Volk verheizen. Wenn arabische Terroristen Bürger des Staates Israel umbringen, dann rümpfen diese Herrschaften vornehm die Nase und wagen es, von Unmenschlichkeit und Verbrechen zu reden. Zugleich jedoch sind sie eifrig bestrebt, ihre 'Sicherheitsvorkehrungen', die angeblich vor solchen Taten schützen sollen, aber offensichtlich dazu völlig untauglich sind, auf alle Kräfte des Volkes auszudehnen, die bereit sind, gegen ihre Unterdrückungsmaßnahmen den Kampf aufzunehmen. Das Volk von Palästina, aus dessen Mitte heute so viele Terroristen hervortreten, will - wie alle Völker der Welt - in Frieden leben. Das aber machen die Profithaie unmöglich. Die Hauptverantwortung für die Erschießung der israelischen Geiseln trifft sie. Und das auch ganz konkret: wer hat denn das Feuer eröffnet? Die Genscher, Merck und Schreiber müssen zugeben, es war die Polizei, die nach ihrem Plan handelte. Man wird deutlich erinnert an jene Polizeiaktion gegen den Banditen Rammelmayer (in München in Bayern - vgl. **.*.1972,d.Vf.), bei der man einfach die Geisel mit über den Haufen schoß. Den Imperialisten ist die Wahrung ihres Prestiges kostbarer als das Leben von Menschen; denn wenn ihnen die Maske vom Gesicht gerissen ist, dann ist ihre Existenz keinen Pfifferling mehr wert. Das wissen sie, und nach diesem Gesetz handeln sie. Es ist das Gesetz des Mordes - und daran kann alles krampfhafte Gerede vom olympischen Frieden oder der olympischen Idee nicht vorbeitäuschen. Nicht Ideen bestimmen die Geschichte, sondern die materiallen Verhältnisse. Und die materiellen Verhältnisse, die der Imperialismus schafft, enden in Mord und Krieg. Die Heuchelei der für den Polizeieinsatz in München Verantwortlichen entlarvt sich selbst: die Herren Genscher und Co. begaben sich selbst in die Hände von 'Verbrechern, denen alles zuzutrauen' sei. Ihr freundliches 'Opfer' wurde von den arabischen Terroristen verweigert, denn ihnen ging es darum, die israelische Regierung zum Offenbarungseid zu zwingen. Während es in der Nacht zum 6. September hieß, Ägypten habe eine Landung abgelehnt, konnte man am Morgen hören, die Landung in Ägypten wäre das Todesurteil für die israelischen Sportler gewesen. Das konnte doch nur dann der Fall sein, wenn der Staat Israel nicht zum Einlenken bereit war. Die Genscher, Merck und Schreiber mußten also wissen, daß die Forderung der Guerilleros unerfüllbar war, weil die in Israel Gefangenen nicht mehr leben. Die Terroristen und ihre Geiseln mußten sterben, weil die westdeutsche Regierung nicht wollte, daß ihr Vorposten Israel den Offenbarungseid leistete. Jetzt lauthalts zu wehklagen, daß hier unschuldige Menschen sterben mußten, steht diesen Herrschaften nicht zu, die ohne weiteres bereit sind, ganze Völker ihren Sonderinteressen zu opfern".
=X.X.:Gegenentwurf von XX zu Flugblatt des ZB über das Eingreifen des Schwarzen September bei den olympischen Spielen in München,o.O. (Dortmund) o.J. (Sept. 1972);
KPD/ML-ZB:Erklärung des ZB der KPD/ML zum Roten Antikriegstag,Bochum o.J. (Sept. 1972);
Rote Fahne Nr.19 und Einigkeit ist unsere Stärke. Erheben wir unsere Stimme gegen den Polizeiterror. Erklärung des Zentralbüros der KPD/ML,Bochum 18.9.1972 bzw. o.J. (1972),S.3 bzw. S.3f


21.02.1973:
Frühestens heute wird die folgende Stellungnahme des Ortskomitee (OK) Dortmund der KPD/ML-ZB mit 6 Seiten DIN A 4 erarbeitet:"
DEN KAMPF GEGEN DEN RECHTEN OPPORTUNISMUS MIT DEM KAMPF GEGEN DAS LIQUIDATORENTUM VERBINDEN

Das OK Dortmund hat sich auf der Grundlage der Stellungnahme der provisorischen Landesleitung NRW (vgl. 20.2.1973,d.Vf.) mit der Einschätzung der Lage der Partei befaßt. Es ist zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen, daß als wesentliche Hauptkampflinie im Parteikampf die Front gegenüber dem rechten Opportunismus anzusehen ist. Gerade der rechte Opportunismus des ZB und anderer übergeordneter Leitungen hat aber auch in unserer Partei eine ernstzunehmende liquidatorische Strömung hervorgerufen, die keineswegs außer acht gelassen werden darf. Im OV Dortmund wird unseres Wissens diese Strömung vom Stadtsekretär des JV repräsentiert. Was unsere besonderen Verhältnisse in Dortmund angeht, sind wir deswegen der Meinung, daß darauf ein Hauptaugenmerk zu legen ist.

Nach Auffassung des OK kann die Untersuchung über die gegenwärtige Parteikrise nur korrekt sein, wenn man historisch die Gründung und die Entwicklung unserer Partei analysiert. Wir folgen dabei im Wesentlichen den Ausführungen der Schlußthesen in der Stellungnahme der provisorischen LL. Um von vornherein allen billigen Verdächtigungen entgegenzutreten, daß sich das OK (das 'spontaneistische') damit an fortschrittliche Positionen der LL anklebe, sei hier darauf hingewiesen, daß die grundlegenden Züge der Thesen
bereits vor ihrer Veröffentlichung im OK zur Debatte standen und Bestandteil seiner Einschätzung waren.

1. GRÜNDUNG UND ENTWICKLUNG DER PARTEI

Die Gründung der KPD/ML am 1. Januar 1969 war ein absolut notwendiger Schritt zur Schaffung der einheitlichen bolschewistischen Partei des Proletariats, sowohl der Verrat des modernen Revisionismus wie auch die völlige Führungslosigkeit der spontanen Bewegung machten diesen Schritt notwendig.

'1. Sie waren sich weitestgehend im Klaren darüber, wie und warum eine neue KP gegründet werden mußte (Verrat der modernen Revisionisten).

2. Sie wußten, daß die Partei der bewußteste Vortrupp der Arbeiterklasse sein muß, daß dazu die allgemeinen Wahrheiten des Marxismus-Leninismus in die konkrete Praxis Deutschlands umgesetzt werden mußten.

3. Sie waren sich über die allgemeinen Prinzipien des ML im Klaren, sie erkannten klar die Trennungslinie zwischen Revisionismus und Marxismus-Leninismus (Deshalb hatten sie sie ja auch organisatorisch gezogen).

4. Sie waren sich vor allem im Klaren darüber, daß dem Zirkelwesen ein Ende bereitet werden mußte, weil sonst ein Fortschritt der ML-Bewegung nicht möglich war, weshalb sie eine zentralistische Partei anstrebten.

5. Vor allem war ihnen die große historische Bedeutung der Großen Proletarischen Kulturrevolution klar.' (Bolschewistische Linie, Dokumente 1, S.2)

Mit dem Gründungsakt war die Partei jedoch keineswegs völlig geschaffen und formiert. Seine Bedeutung liegt aber darin, daß er auf der Grundlage einer möglichst vollständigen Zusammenfassung aller bestehenden Zirkel zum damaligen Zeitpunkt vollzogen wurde. Lediglich die ligistische Rebellgruppe sonderte sich zum Zeitpunkt der Gründung mit dem Argument ab, die Partei müsse ein Produkt der spontanen Kämpfe sein. Alle späteren Zirkel, die sich in der Folge der Gründung der KPD/ML bildeten, mußten sich also in bewußter Abgrenzung zu ihr formieren. Es sei in diesem Zusammenhang nur auf die Gründung der AO verwiesen, die das auch praktisch in die Tat umsetzte. Alle liquidatorischen Behauptungen, die Gründung der Partei selbst hätte eine Spaltung der ML-Bewegung verursacht, entbehren also jeglicher Grundlage.

Vielfach wird heute von liquidatorischer Seite behauptet, sowohl der Zeitpunkt der Gründung der KPD/ML wie auch der heutige seien der Situation des Zirkelwesens in Rußland z.Zt. Lenins völlig gleich. Diese Behauptung ist jedoch völlig unhistorisch und falsch. Drehte sich z.Zt. Lenins der Kampf bei der Formierung der Partei vor allem um die Durchsetzung der leninistischen Prinzipien des Parteiaufbaus, so dreht sich heute dieser Kampf im wesentlichen um die Fragen der korrekten Anwendung der Leninschen Prinzipien.

Das bedeutet, daß jeder Kommunist heute von vornherein vor der Verpflichtung steht aktiv diese Prinzipien zur Schaffung der Partei in die Tat umzusetzen. Dies bedeutet jedoch nicht, wie die liquidatorischen Zirkeltheoretiker behaupten, daß zunächst eine besondere Etappe des Zirkelunwesens unumgänglich sei, weil darin ein historisches Gesetz begründet liege. Die Frage lautet also nicht so, ob und zu welchem Zeitpunkt die Partei gegründet werden muß, ob und zu welchem Zeitpunkt sie sich formieren muß, sondern die Frage steht so, wie die leninschen Prinzipien in die Tat umgesetzt werden. Jede kommunistische Organisation die gegründet wird, muß sich deswegen im Keim und vom Typ her als kommunistische Partei begreifen, alles andere wäre spalterisch und würde den Prinzipien des Leninismus widersprechen. Trotzdem haben wir im Augenblick die Situation, daß sich verschiedene 'Parteien' gegenüberstehen, und es kommt darauf an, die besonderen historischen Ursachen dafür zu erkennen, um dieses Unwesen zu liquidieren und die einheitliche bolschewistische Partei zu formieren. Unserer Auffassung nach, hat zu dieser besonderen historischen Situation vor allem die ungeheuer schädliche Spaltung der KPD/ML im Jahre 1970 beigetragen.

Genosse Stalin charakterisiert die 1. Etappe des PA als die Etappe der Schaffung und Formierung der Partei. In dieser Etappe geht es darum, die Fortschrittlichen des Proletariats zu gewinnen, ein Programm zu erarbeiten, Strategie und Taktik festzulegen, Kader herauszubilden. Die Grundform der Arbeit ist die Propaganda. Um diese Fragen ging es ab dem Zeitpunkt der Gründung der KPD/ML. Das ZK legte dazu zu Anfang des Jahres 1970 eine Plattform vor, die sich zur Aufgabe stellte, diese Fragen zu lösen. Diese Plattform war aber völlig ungeeignet und prinzipiell falsch und konnte daher zur einheitlichen Ausrichtung der Partei nicht beitragen. Die Plattform bestimmte die erste Etappe des PA wie folgt, 'Die Gewinnung und Heranbildung einer solchen Arbeiterintelligenz, deren Vereinigung mit den sozialistischen Intellektuellen in der revolutionären Partei, zeichnet die erste Phase der Entwicklung der Partei hauptsächlich aus.' (Diese falsche Position, die praktisch behauptet, daß sich die Intellektuellen zur ML-Partei zusammenschließen und nicht die Marxisten-Leninisten (wobei bei ihnen jeder Klassenunterschied selbstverständlich innerhalb der Partei keine Rolle spielen wird), findet sich noch krasser in dem Artikel 'Bauen wir eine starke bolschewistische Partei auf'. Dort wird die Vereinigung von wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung, die die Partei darstellen, vulgär umgepfuscht zur Vereinigung der fortschrittlichen marxistischen Intelligenz mit den fortschrittlichen Arbeitern:

'Das gegenseitige Interesse der fortschrittlichen marxistischen Intelligenz einerseits und des Proletariats andererseits drängt also nach einer Vereinigung, die für beide zur Notwendigkeit wird.' Und vorher noch 'Die Vertreter der Intelligenz, deren Weltanschauung der dialektische und historische Materialismus ist, haben ebenfalls ein großes Interesse daran, dem Proletariat diese Weltanschauung zu überbringen, da sie wissen, daß das Proletariat die einzige Kraft ist, AUF DIE SIE SICH IM KAMPF FÜR IHRE ZIELE STÜTZEN KÖNNEN.' Dieser Artikel 'Bauen wir' stammte von der kleinbürgerlichen Rheto-Clique in Westberlin, die mit Billigung des ZK zum damaligen Zeitpunkt das ZK okkupiert hatte. Nach Lenin ist die Leugnung der Hegemonie des Proletariats, so wie sie in der Plattform und in dem zitierten Artikel zum Ausdruck kommt, die vulgäre Form des Reformismus. Aus diesem Grunde wäre es völlig verkehrt zu behaupten, das ZK hätte zum damaligen Zeitpunkt einige Fragen der ersten Etappe des PA korrekt aufgegriffen. Es war nicht nur dies nicht der Fall, sondern auch im Parteikampf selbst, verhinderte das ZK eine breite ideologische Auseinandersetzung über diese Fragen. Dies nutzten Fraktionisten vom Schlage eines Dickhut und Weinfurth aus, die den Zentralismus infrage stellten und den PA von unten predigten, um ihre revisionistischen und konterrevolutionären Ziele der Parteispaltung zu verwirklichen. Das ZK kam diesen Bestrebungen entgegen, indem es zwar Weinfurth und Dickhut verurteilte (durchgestrichen ist: was zum Ausscheiden Dickhuts aus dem ZK führte,d.Vf.), sich aber nicht entschlossen kämpferisch gegen die Rheto-Clique abgrenzte. In diesem Zusammenahng ist bis heute die Rolle der ehemaligen Bochumer B1 noch immer nicht völlig geklärt. Tatsache ist aber, daß in einer unveröffentlichten 1. Fassung der 'Proletarischen Linie', die zugunsten einer zweiten revidiert wurde, die B1 ebenfalls zumindest mit der Möglichkeit einer Parteispaltung spekulierte. In diesem Organ war nämlich unverblümt die Rede davon, daß man sich beim Aufbau einer eigenen Partei auf die KPD/ML stützen müsse, dabei aber zunächst im Bündnis mit einer angeblichen 'Komintern'-Fraktion gegen die kleinbürgerlichen 'Maoisten' kämpfen müsse, um anschließend dann die 'Komintern-Fraktion' auszuschließen. Auf die Herausgabe dieses Papiers durch das ehemalige ZB muß unbedingt gedrungen werden". Man kann also feststellen, daß auf beiden Seiten völlig ungeeignete und falsche Methoden des Parteikampfes angewandt wurden.

Hinzu kommt, daß die Plattform innerhalb der Partei vor der Spaltung in Köln erst zwei Wochen vorher diskutiert wurde, versehen mit dem Hinweis des ZK, daß sich alle Parteigenossen zum Zweck der Herstellung der Einheit der Partei unbedingt auf diese völlig falsche Plattform stellen müßten. Wie zum Hohn hieß es dazu in der Plattform 'Diese Plattform ist das entscheidende Instrument, um die Einheit der Partei in der jetzigen Phase zu verwirklichen.

...An ihr werden sich die Geister scheiden. ES GEHT JETZT UM DIE LINIE.' In der Tat ging es um die Linie, doch die Linie, entsprechend den Theorien Lenins und Stalins zum PA war es nicht.

Wir möchten hier nicht auf alle Einzelheiten der falschen Positionen der Plattform eingehen. Fest steht aber, daß der damals diskutierte 'Hauptwiderspruch' Theorie-Praxis' an den Notwendigkeiten des PA und den Schritten, die dazu erfolgen mußten, vorbeiging. Die Plattform formulierte als 'Hauptaufgabe' der Partei 'die Theorie', wobei man wohlwollend ? obwohl dies nicht voll zum Ausdruck kommt - davon ausgehen kann, daß damit das Programm gemeint war. Nach Stalin ist aber das Programm nur EIN Bestandteil der Aufgaben der 1. Etappe des PA, wenn auch ein sehr wesentlicher. Aber auch unser Wohlwollen hilft uns nicht viel, wenn wir derselben Plattform entnehmen müssen, daß wir 'augenblicklich (keine) marxistisch-leninistische Analyse des heutigen Monopolkapitalismus... besitzen'! Unter Theorie wird hier also offenbar verstanden, daß man sich die ALLGEMEINEN GRUNDLAGEN zur Analyse des modernen Imperialismus völlig neu erarbeiten müßte, so als gäbe es Lenins, Stalins und Mao Tse-tungs grundlegende Ausführungen nicht, die für jeden Kommunisten Allgemeingut sein müssen! Um es auf die Spitze zu treiben, hieße das in der Konsequenz, daß man davon ausgehen müsse, daß es entgegen den Analysen Lenins etc. darauf ankommen, ein völlig neues Gerüst des 'ML' zu erstellen! Richtig jedoch ist es, wenn die Plattform darauf hinweist: '(Die Partei) muß fähig sein, die Bewegung der Klassen und der Revolution im voraus zu überblicken, um daraus die Etappen des Kampfes des Proletariats zu bestimmen. Die Erfüllung dieser Bedingung ist unbedingt notwendig, um die Partei zur Vorhut des Proletariats werden zu lassen.' Hier wird die Bedeutung der Theorie hervorgehoben, zur Lösung dieser Aufgaben werden jedoch falsch Wege angegeben (siehe Rolle der Intelligenz). Es ist auch müßig darauf hinzuweisen, daß der heutige RM von seiner Alleinvertretungsanmaßung sehr weit entfernt wäre (ebenso wie wir in der Vergangenheit), wenn er sich an den letzten Teil dieser Aussage tatsächlich hielte!

Man kann also sagen, daß die entscheidende politische Frage, vor der die Partei stand, die Bewältigung der ersten Etappe des PA war. Haben nun aber die Führer des späteren ZB diese Frage korrekt beantwortet? Das kann man zweifellos nicht sagen. Zwar wies der Bolschewik 2 (vgl. Juni 1970,d.Vf.) die völlig absurde These von der Hegemonie der Intelligenz zurecht zurück, die als die entscheidende falsche Position des ZK anzusehen ist, aber stellt für die Bewältigung der Aufgaben der 1. Etappe lediglich das Konzept von der Hinwendung zur Massenagitation parat. Die Tätigkeit unter den Massen aber ist zu allen Zeiten notwendig und kein besonderes Charakteristikum der ersten Etappe. Wir müssen uns auch ernsthaft fragen, ob die damalige Führung des ZB die Zurückweisung der falschen Theorie von der Hegemonie der Intelligenz tatsächlich ernst nahm. So können wir z.B. Bolschewik 0 (vgl. 7.3.1970,d.Vf.) entnehmen: 'Die Rolle der revolutionären Intellektuellen kann nur die sein, die sozialistische Theorie in die Arbeiterklasse hineinzutragen. Die Führung der Organisation müssen aber unbedingt Arbeiter übernehmen.' (Thesen zur Ausrichtung der RG). Also wird auch hier geleugnet, daß die Partei den wissenschaftlichen Sozialismus in die Arbeiterklasse tragen muß und es wird eine mechanistische Trennung zwischen Arbeitern und Intellektuellen vorgenommen. Um so unverständlicher ist es deshalb, daß es gerade die Verfasser von Bolschewik 0 gewesen sind, die sich dann anschließend als die schärfsten Kämpfer gegen die Position des ZK in der Hegemonie-Frage darstellen wollten. Liegt hier nicht der Verdacht nahe, daß es zumindest ihnen (PW und OT) um etwas völlig anderes ging, als um den Kampf um die korrekten Positionen?

Unserer Auffassung wäre es korrekt gewesen, den falschen Auffassungen des ZK in einer breiten Parteidiskussion entgegen zu treten. Dieser Versuch ist aber niemals ernsthaft unternommen worden. Stattdessen wurde von vornherein die Methode des Fraktionierens angewandt. Man sollte annehmen, daß es dieser Umstand war, der den übrigen B1-Genossen hätte zu denken geben müssen. Dies kann jedoch ebenfalls nicht ernsthaft der Fall gewesen sein, denn sonst hätten sie es nicht hingenommen, daß sie zur Durchsetzung der unkorrekten Ansichten der damaligen RG LL NRW Knall auf Fall vor der Spaltersitzung in Köln in von der LL beherrschten GO aufgenommen wurden. Klar ist also, daß zumindest P. W. und O. T. im Verein mit G. G., was diese Fragen angeht, den organisatorischen Kampf vor den ideologisch-politischen stellten. Dieser Zustand muß G. G. eigentlich bekannt gewesen sein. denn zwei Wochen vor seiner Aufnahme in die RG hatte P.W. in einer Stellungnahme für die LL NRW der Partei und die OG Bochum festgestellt, daß die B1 wegen ihrer trotzkistischen Politik für eine Mitgliedschaft nicht infrage käme. Es ist bis heute unklar, inwieweit die B1 zum damaligen Zeitpunkt ihre trotzkistischen Positionen bereits verlassen hatte. Klar ist aber, daß ein solcher Stimmungsumschwung innerhalb von zwei Wochen bei P. W. nur opportunistische Ursachen gehabt haben kann. Klar scheint ebenfalls zu sein, daß G. G. von der Position Weinfurths Kenntnis hatte, denn der Bolschewik 2, der im wesentlichen eine korrekte Zurückweisung der falschen Position des ZK beinhaltete, wurde gegen den Widerstand von P. W. veröffentlicht. Ohne jetzt eine vollständige Beweisführung erstellen zu können, muß man deswegen davon ausgehen, daß die Fraktionierungsvorstellungen der B1 zumindest teilweise in die Tat umgesetzt wurden. All das zeigt klar, daß damals der organisatorische Kampf über den politisch-ideologischen gestellt wurde.

a) DIE ENTWICKLUNG UNSERER ORGANISATION SEIT DER SPALTUNG.

Die Zurückweisung der vulgären revisionistischen Bestimmung der Hegemonie in der Partei war unbedingt notwendig. Dies machte Bolschewik 2 im wesentlichen richtig. Aber damit war keineswegs die Lösung der vorhandenen Schwierigkeiten der 1. Etappe des PA gefunden. Der Parteiarbeiter Nr.1 befaßte sich im Aug. 1970 mit den Hauptaufgaben der Partei: 'Die Partei zu einem wirklich organisierten und bewußten Vortrupp zu machen, das ist unsere derzeitige Hauptaufgabe.' (S. 1) Man sollte annehmen, daß damit eine richtige Bestimmung der ersten Etappe vorgelegen hätte. Dies war jedoch keineswegs der Fall. der Artikel 'Unsere Hauptaufgaben' führt lediglich dazu an, daß man Kader bilden müßte, die Organisation auf das ZO ausrichten müsse und starke Leitungen schaffen müsse bzw. ein starkes Zentrum.

Um die Frage zu beantworten, ob die Spaltung zum damaligen Zeitpunkt gerechtfertigt gewesen ist, hätte nachgewiesen werden müssen, daß die Partei mit ihrem ZK die Grundlagen des ML völlig verlassen hätte, daß keine Möglichkeit bestanden hätte, den schweren Kursverlust, der durch die Positionen des ZK hervorgerufen worden war, zu korrigieren. Tatsache ist aber, daß das ZB lediglich dessen falsche Ansichten zurückweisen konnte und auf die Bedeutung der Hinwendung der Massenagitation hinweisen konnte (was notwendig war, weil die Partei unter ihrem Sektierertum litt), ohne aber nachzuweisen, daß die Partei von der Generallinie des ML abgewichen war. Die korrekte Zurückweisung erfolgte erst im Bolschewik Nr.2, der erst nach der Spaltung erschien. Tatsache ist auch, daß der Kampf um die Hinwendung der Massenagitation zweifellos im Rahmen der damals bestehenden Partei hätte erfolgreich durchgeführt werden können. Die Hauptschuld für die Spaltung liegt also beim ZB. Es muß jedoch klar darauf hingewiesen werden, daß es völlig opportunistisch wäre, sich auf den Standpunkt zu stellen, man müsse nun das Rad der Geschichte zurückdrehen und sich unmittelbar mit dem RM (KPD/ML-ZK,d.Vf.) vereinigen. Vertreter dieser Anschauung wollen ganz einfach übersehen, daß nun auf verschiedenen Grundlagen verschiedene Organisationen entstanden sind. Es muß untersucht werden, wie diese Entwicklung verlaufen ist und welche Fortschritte und Rückschritte bei beiden erzielt worden sind.

Gegenwärtig stellt sich uns der Verlauf der Spaltung wie folgt dar:

Dickhut setzt im September 1969 den Beschluß zum Intellektuellenstop im ZK durch, dieser Beschluß stößt auf heftige Kritik in der Partei, weil er allein durch das Jonglieren mit Mitgliederzahlen, also rein organisatorisch die Hegemonie des Proletariats zu verwirklichen vorgibt.

Im Januar revidiert das ZK diesen Beschluß, Dickhut erklärt daraufhin, daß das ZK damit seine Leitungsunfähigkeit bewiesen habe und tritt als ZK-Mitglied zurück. In die Kritik an der mechanistischen Begründung des Intellektuellenstopps mischen sich auch kleinbürgerliche Elemente (Rheto-Clique), die ihrerseits die Hegemonie der Intelligenz behaupten, s. Artikel 'Bauen wir'. Dies bringt Dickhut natürlich erst recht auf.

Ein Bochumer Studentenzirkel mit trotzkistischer Vergangenheit (B1) faßt den Entschluß eine kommunistische Partei aufzubauen. Dies soll zunächst gegen die KPD/ML durchgesetzt werden. Nach einer Diskussion mit P. W. schreibt dieser einen Bericht an die LL NRW, indem vor einem Anschluß dieser Gruppe gewarnt wird. Etwa in gleichem Zeitraum veröffentlicht die B1 zwei verschiedene Fassungen des Zirkelorgans 'Proletarische Linie', in der 1. Fassung wird die Spaltung der KPD/ML zum Programm erhoben. Die zweite Fassung spricht nicht mehr davon.

In der Zwischenzeit finden weitere Gespräche mit Weinfurth statt (mit B1).

Ende Januar beschließt das ZK die Grundlagen für die Plattform. Dies verstärkt den Widerstand von Dickhut. Die B1, die nun inzwischen sehr rührig wird, führt bald darauf Gespräche mit Dickhut. Aus diesen Gesprächen scheint sie ihre Einschätzung über die Fraktionen zu beziehen. Das ZK verurteilt Dickhut, der sich mittlerweile fest mit Weinfurth verbündet hat. Die Rheto-Clique wird jedoch nicht verurteilt, trotzdem scheidet die Rheto-Clique aus der ZO-Redaktion aus und gründet den WB-Liquidatorenzirkel KB/ML.

Über die Plattform des ZK findet keine breite ideologische Auseinandersetzung innerhalb der Partei statt, was Schuld des ZK ist.

In NRW findet eine Landesdelegiertenkonferenz statt, auf der Weinfurth den Bolschewik 0 verteilt. Den Bolschewik gibt er als theoretisches Organ der RG aus, obwohl das Zkoll nicht um seine Einwilligung gefragt worden ist. Für den Vertrieb innerhalb der Partei hätten ebenfalls vorher die Leitungen gefragt werden müssen. Auf derselben LDK gibt Weinfurth bekannt, daß G. G. in die RG aufgenommen worden ist.

Vier Wochen später findet die LDK in Köln statt, auf der der Ausschluß von P. W. verlangt wird. In der Zwischenzeit sind G. G. und weitere Mitglieder der B1 als Kandidaten in GO der Partei aufgenommen worden. Damit existiert eine eindeutige Mehrheit für Weinfurth-Dickhut auf der Mitgliederkonferenz. F. W. (Lit.-Leiter) verlangt den Ausschluß all derer, die sich nicht auf die Seite von W. D. und P. W. stellen, dazu verliest P. W. eine Erklärung von G. G., die ebenfalls jetzt veröffentlicht werden müßte. Auf dieser Sitzung wird die Spaltung perfekt. Die Mehrheit der LDK schließt die Minderheit, die zum ZK steht, aus, woraufhin E. A. den ZK-Beschluß verkündet, daß hiermit die Mehrheit ausgeschlossen sei.

Der Bolschewik 2 erscheint erst später nach der Spaltung. Von einem breit entfalteten ideologischen Kampf kann also keine Rede sein.

Auf mysteriöse bis heute ungeklärte Weise formiert sich das ZB, Datum ist unbekannt. In den Parteipublikationen liegen widersprüchliche Angaben darüber vor. Zum ZB ernennen sich G. G., R. Cl., P. W. O. T..

Chronologische Exaktheit kann man bei der Aufzählung leider nicht voraussetzen.

Mitteilung an die Genossen
Das ist der erste Teil der Stellungnahmen der OL. Bei der Erarbeitung dieses Teiles und der Feststellung der Quellen ergaben sich für uns neue Gesichtspunkte, die die vollständige Erstellung einer Stellungnahme verzögern. Keinesfalls warten wir damit die nächste Stellung der LL ab. Wir sind der Ansicht, daß diese ersten Thesen genügend Diskussionsgrundlage für die AK (unleserlich,d.Vf.) geben."
=KPD/ML-ZK-OK Dortmund:Den Kampf gegen den rechten Opportunismus mit dem Kampf gegen das Liquidatorentum verbinden,Dortmund o.J. (1973)

24.02.1973:
Die KPD/ML-ZK gibt die Nr.7 ihres 'Roten Morgens' (vgl. 17.2.1973, 3.3.1973) heraus, in dem sich wieder eine Reihe von Anhängern der KPD/ML-ZB zur KPD/ML-ZK bekennen. Zwei Mitglieder der ehemaligen Bolschewistischen Linie der ehemaligen KPD/ML im Raum Dortmund sind jetzt auch bei der KPD/ML-ZK.
=Roter Morgen Nr.7,Hamburg 24.2.1973

27.03.1973:
Vermutlich wird zu diesem Zeitpunkt in Dortmund eine Kritik von Klaus Dillmann zu Ende gebracht, die den Titel 'Meine Widersprüche zur KPD/ML...' trägt. Vermutlich wird sie verfaßt, als sich erneut Teile der KPD/ML-ZB der KPD/ML-ZK in Dortmund zuzuwenden beginnen. Die Kritik behandelt sowohl die KPD/ML-ZK, die KPD/ML-ZB, als auch die Bolschewistische Linie (BL), die vor allem in Dortmund beheimatet im März 1972 von der KPD/ML-ZK kommend zur KPD/ML-ZB stieß. Drei Widersprüche zur KPD/ML werden von ihm herausgearbeitet:"
1. Unklare Bestimmung der Etappe des Parteiaufbaus.
2. Falsche Herangehensweise an die Frage der Einheit der ML.
3. Falsche Bestimmung der Hauptpaktiererpartei".

Zu 1 heißt es u.a.:"
Einerseits spricht die KPD/ML davon, bereits die Avantgarde des Proletariats zu sein, andererseits behauptet sie, die Avantgarde erst noch gewinnen zu müssen. Hierin liegt ein Widerspruch, der aufgelöst werden muß, um zu einer klaren Bestimmung der Etappe des Parteiaufbaus zu kommen. Entweder ist die Partei bereits die Avantgarde, dann befindet sie sich in der 2. Etappe, Gewinnung der Millionenmassen, oder die Partei muß erst noch die Avantgarde gewinnen, dann kann sie sie sich nicht schon sein. Die RF-Organisation (KPD/ML-ZB,d.Vf.) hat in ihrem Bolschewik 6 eigene Bestimmungen gegeben, die m.E. wesentlich besser auf die derzeitige Situation der KPD/ML zutreffen, sie spricht von einer proletarischen Partei im Aufbau. D.h. die Partei ist von ihrer Bestimmung her Avantgarde, jedoch noch nicht von ihrem augenblicklichen Sein".

Zu 2, heißt es:"
Entsprechend dieser unklaren Bestimmung der Etappe des Parteiaufbaus ist die falsche Herangehensweise an die Frage der Einheit der ML. Die KPD/ML macht den Fehler, davon auszugehen, daß nur sie selbst eine ML-Organisation ist, daß also die übrigen sich ML nennenden Organisationen in den Sumpf des Opportunismus gehören. Hierbei wird wiederum unterschieden zwischen Zirkeln, die keinen Parteianspruch erheben, und Organisationen, die ebenfalls den Anspruch erheben, die Partei des Proletariats zu sein. Letztere werden fast ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, Spalterorganisationen zu sein, behandelt, wobei sich die KPD/ML auf ein Erstgeburtsrecht beruft und daraus ableitet, daß sich die anderen nicht hätten gründen dürfen, ohne den Nachweis geführt zu haben, daß sie revisionistisch entartet seien ... Die Abspaltung der ZB-Organisation ist in erster Linie aus den inneren Widersprüchen der KPD/ML zu erklären, wobei es zu billig ist, nur vom Karrierismus derjenigen auszugehen, die sich von der Partei getrennt haben. Mangels einer ML-Analyse wird nur geschimpft oder in allgemeinen Sätzen geredet (Versöhnung von ML und modernem Revisionismus), es wird aber nicht auf die Entwicklung der Widersprüche in der Partei und auf den durch diese Widersprüche entstandenen Boden für Fraktionismus und Spaltertum eingegangen; denn sonst müßte man sich eingestehen, daß die Partei selbst bei der Spaltung eine falsche Scheidelinie zog und sich somit daran nicht schuldfrei sprechen kann. So wird den ZB-Spaltern vorgeworfen, vorhandene Fehler demagogisch ausgenutzt zu haben. Aber ist es denn weniger demagogisch, sich auf eine Plattform zu stützen, die unter dem Vorwand, es gebe noch keine Theorie, die Hegemonie des Proletariats aufkündigt? Hier sollte man offen und ehrlich Selbstkritik vor der ML-Bewegung und vor der Arbeiterklasse üben und daraus Folgerungen ziehen für das Verhältnis zu anderen Organisationen. Auch die erneute Spaltung auf dem a.o. PT. (vgl. 27.11.1971,d.Vf.), die zum Verlust von 80% der Mitgliedschaft geführt hat, sollte genauer geprüft werden, insbesondere, in welchem Maß die Partei zahlreiche Menschen, die sich in ihren Reihen organisiert haben, in Liquidatorentum und Rechtsopportunismus getrieben hat. Es ist zu einfach, sich darauf zu berufen, einen Teil der auf dem PT anwesenden Delegierten mit Hinweis auf das Statut ablehnen zu können, wenn das Statut zuvor vielfach keine Anwendung gefunden hat, und zahlreichen Genossen nicht einmal bekannt war. Ideologischer Kampf um das Statut hätte gerade bedeutet, herauszuarbeiten, daß ohne Statut die Partei nur ein unverbindliches Gebilde bleiben kann (wie wir es jetzt an der RF-Organisation erlebt haben) und daß untersucht wird, wieso eigentlich das Statut nicht überall zur Anwendung gekommen ist. Stattdessen zog man einfach aus und überließ den Rest der Partei sich selbst. Von daher gesehen wirkte die Behauptung, daß die bolschewistische Partei stärker sei als alle Liquidatoren, einfach lächerlich".

Zu 3. wird ausgeführt:"
Zusammenhängend mit der Unklarheit in der Bestimmung der Etappe des Parteiaufbaus ist auch die Bestimmung der Hauptpaktiererpartei. Weil die DKP am intensivsten gegen die KPD/ML auftritt, wird daraus abgeleitet, sie sei die Hauptpaktiererpartei. Da aber die Klassiker das Wesen der Paktiererpartei nach ihrem Masseneinfluß bestimmen und demnach Hauptpaktiererpartei und soziale Hauptstütze der Bourgeoisie synonyme Begriffe sind, wird der Versuch gemacht, den Einfluß der DKP bei der Arbeiterschaft bis ins Groteske überzubewerten, offenbar doch in der Absicht, sich selbst als bereits führende Kraft herauszuloben. In dieser Frage hat die RF-Organisation m.E. eine wesentlich korrektere Bestimmung der Hauptpaktiererpartei geliefert, indem sie davon ausging, daß den Haupteinfluß auf die Arbeiterschaft z.Z. die SPD ausübt und daran ihr Dasein als Regierungspartei bisher wenig geändert hat".

Zur BL wird festgestellt:"
Als wir vor Jahresfrist die Bolschewistische Linie begründeten, gingen wir bei allen Fehlern, die wir machten, dennoch von einer richtigen Feststellung aus: Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen. Einen Fehler offen zugeben, seine Ursachen aufzudecken, die Umstände, die ihn hervorgerufen haben, analysieren, die Mittel zur Behebung des Fehlers sorgfältig prüfen - das ist das Merkmal einer ernsten Partei. Die BL hat sich an diesen Maßstab nicht korrekt gehalten, indem sie die Erscheinungsform der damaligen KPD/ML und der damaligen RF-Organisation mit ihrem Wesen verwechselte und nicht tiefer den Ursachen nachforschte, sondern sich spontaneistisch auflöste und ihren Mitgliedern den Anschluß an die RF-Organisation nahelegte. Trotz ihres scharfen ideologischen Kampfes gegen das Liquidatorentum und trotz ihres Versuchs, sich mit den bolschewistischen Kräften zu verbinden, wobei sie insbesondere die verheerende Rolle der Plattform des ZK aufdeckte, verspielte sie damit ihren Anspruch, konstruktiv weiterhin zur Einheit der ML in einer Partei beizutragen, indem sie - im Glauben, die RF-Organisation sei die Partei - diesen Anspruch auf diese übertrug".

Zur eigenen Rolle innerhalb der KPD/ML-ZK, KPD/ML-ZB und der BL wird von Klaus Dillmann schlaglichtartig genannt:
- Mit W.L. gegen das Dortmunder Liquidatorentum aufgetreten,
- Gegen die '2-Wege-Theorie' aufgetreten,
- Erstellung der Schrift 'Freiheit für den Roten Punkt' (die zu einem Zeitpunkt erschien, als K. Dillmann sich in der KPD/ML-ZB organisiert hatte,d.Vf.),
- Erstellung von Flugblättern, die zu diesem Zeitpunkt erschienen,
- Mitarbeit an dem RF-Artikel zum Roten-Punkt,
- Hauptsächlich die Agitprop zum RAKT am 2.9.1972 angeleitet,
- Diverse Artikel dazu im 'Roten Schwungrad' (bei Hoesch Phoenix) geschrieben.

Weiter heißt es:"
Im innerorganisatorischen Kampf seit dem RAKT stand ich auf Seiten derer, die das ZB und insbesondere das damalige LSeK (Landessekretariat,d.Vf.) NRW als liquidatorisch bekämpft haben, jedoch zugleich alles getan haben, um einen in der RF-Organisation in Ansätzen bestehenden DZ (demokratischen Zentralismus, d.Vf.) funktionsfähig zu erhalten. Von diesem Boden aus kämpfte ich sowohl gegen diejenigen, die putschistisch gegen die Leitungen vorgingen, als auch gegen die, die ohne großen Kampf zur Partei überwechselten. Der Rebellionsbewegung stand ich von vornherein ablehnend gegenüber, da sie mich an die Kampf/Kritik/Umgestaltungs-Bewegung erinnerte, die putschistisch gegen die Leitungen vorgingen, als auch gegen die, die ohne großen Kampf zur Partei überwechselten. Lange Zeit wählte ich die Methode der geduldigen Überzeugung, um die Genossen bei der RF zu halten. Von daher war es eine konsequente Linie zur Rekonstruktionspolitik, auf deren Grundlage ich ins LSeK gewählt wurde, die von zwei gleichberechtigten Parteien ausging, die wieder vereinheitlicht werden müßten, zentristisch ist, da sie angesichts der Entwicklung der RF-Organisation den Neuaufbau einer Partei bedeuten mußte, veranlaßte mich, die Linie zu wechseln, da ein solcher Neuaufbau ohne Nachweis der Entartung der Partei ein Spaltungsmanöver wäre. Die Erkenntnis der Falschheit der 2-Wege-Theorie war durch die Praxis als LSeK verursacht, wobei wir glaubten, der Verrottung der RF-Organisation durch härtere Maßnahmen entgegentreten zu können, jedoch erkennen mußten, daß uns die ideologische Grundlage für unsere Politik fehlte. Hier setzte sich eine Linie fort, die wir auch bei der BL verfolgt hatten, die Linie, uns selbst zu den Einheitsstiftern zu ernennen".
=Dillmann, Klaus:Meine Widersprüche zur KPD/ML...,o.O. (Dortmund) o.J. (27.3.1973)

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