Programm-Diskussionsveranstaltung der Zirkel des östlichen Ruhrgebiets in Castrop-Rauxel am 1. März 1973

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 2.1.2018


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Auf dieser ersten Diskussionsveranstaltung der späteren Kommunistischen Fraktion im Ruhrbiet zum Wiederaufbau der KPD (KFR) erfolgte zwar keine Einigung mit der Proletarischen Linken (PL) Hamm, aber doch ein Zusammenschluss von aus der KPD/ML-ZK (Roter Morgen) stammenden Gruppen auf der Linie des späteren KBW und damit eine Abgrenzung von den Zirkeln der Nationalen Konferenz.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

19.02.1973:
Die Redaktion der 'Klassenkampf und Programm' (KLAPRO) lädt "die Kommunisten in den Zirkeln des östlichen Ruhrgebiets" ein zur Programm-Diskussionsveranstaltung in Castrop-Rauxel am 1.3.1973.
Quelle: KLAPRO-Redaktion: Einladung, Dortmund 19.2.1973

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01.03.1973:
Im östlichen Ruhrgebiet wird die Gründung der Kommunistischen Fraktion im Ruhrgebiet (KFR) für den Wiederaufbau der KPD auf einer Programm-Diskussionsveranstaltung in Castrop-Rauxel vorbereitet (vgl. 9.3.1973), an der u.a. die Proletarische Linke (PL) Hamm, die Kommunistische Basisgruppe (KBG) Dortmund und die späteren KFR-Gruppen teilnehmen.

Zu den eigenen Möglichkeiten heißt es, eigentlich wolle man starke Zirkel bilden:"
Solche örtlichen Organisationen mit entwickelter Struktur und entfalteter Praxis gibt es aber hier im Ruhrgebiet nicht."

Trotzdem findet die Veranstaltung statt, "auf der sich die Kommunisten des östlichen Ruhrgebiets getroffen haben, um die Auseinandersetzung um die Frage des Programms zu führen, die Diskussion weiter zu verbreitern und die isolierten Grenzen der örtlichen Politik, hinter die sie sich verschanzt hatten und z.T. weiter verteidigen, inhaltlich aufzubrechen".

Handschriftlich liegt uns die Eröffnungsrede vor sowie ein Kurzprotokoll, von der KLAPRO-Redaktion liegt uns als Typoskript das Referat "Zur politischen Ausrichtung unserer Arbeit auf den Wiederaufbau der KPD" mit dem "Teil I Unsere Abgrenzung und Zuordnung in der kommunistischen Bewegung" vor sowie ein Typoskript mit der Darstellung der Polemik mit der PL Hamm. Als Spiritcarbonvervielfältigung liegen uns vor Ausführungen zum Programmentwurf.

Als Typoskript liegt uns auch der folgende, vom KB Osnabrück (KBO) für die Programmkommission (PK) des BK verfasste Text von zwei Seiten DIN A 4 vor:"
BERICHT ÜBER DIE KONFERENZ VON RUHRGEBIETSZIRKELN AM 1.3. IN CASTROP

Anwesend: ungefähr 120 Genossen, Organisationen: ML DO, PL Hamm, ML Castrop, ML Hagen, KBG DO, viele Einzelgenossen.

Eingangs wurden zwei Referate von der einladenden KLAPRO-Redaktion gehalten. Inhalt folgender: 1.) Bestimmung des allgemeinen Standorts in der kommunistischen Bewegung, Kritik an Parteisekten, und Zirkelheiligtümern, Darstellung der Programmerarbeitung als Weg zur Einheit, Zuordnung zum Parteiaufbaukonzept der Kommuniquezirkel.

2.) Die nächsten Aufgaben der Kommunisten im Ruhrgebiet. Erst Kritik an idealistischen Vorstellungen von Gruppen wie ML Duisburg und Aachen, die sich daran machen, die 'Parteien' nachzuäffen, dann Darstellung eigener Positionen.

Es wird dargestellt, daß die Vereinigung der Kommunisten nicht auf der jeweils am Ort herrschenden Linie mit einer an einem anderen Ort herrschenden politischen Linie erfolgen kann, sondern von den allgemeinen Zielen und Grundsätzen der Kommunisten auszugehen hat. Daraus wird abgeleitet, daß sich nicht die einzelnen Zirkel der Programmdiskussion öffnen können, und an den Wiederaufbau der KP gehen, sondern daß die 'entschiedenen Kommunisten' aus diesen Zirkeln sich zusammenschließen müssen, um die Zirkel für die Programmdiskussion zu öffnen und die Debatte voranzutreiben (Ich hoffe, die Sache so richtig dargelegt zu haben). Daraus leitet die KLAPRO folgende Vorschläge ab:
1.) Erarbeitung eines politischen Grundsatzpapiers als Voraussetzung des Zusammenschlusses
2.) Einrichtung von örtlichen Kollektiven
3.) Herausgabe einer politischen Zeitung
4.) KLAPRO als gemeinsames theoretisches Organ
5.) Organisierung der Programmdebatte.

Weiter begründet werden diese Vorschläge damit, daß die in der KLAPRO bisher formulierte gemeinsame Linie unverbindlich geblieben ist für die örtliche Arbeit, und daß das nur durch diese Schritte geändert werden könne. Das Verhältnis von Parteiaufbau und ihrer Organisierung bestimmten die KLAPRO-Leute folgendermaßen: Unsere positive Zuordnung zum Kommunique ist klar. Es sei aber falsch, sich einfach den Kommunique-Zirkeln anzuschließen, sondern es gelte die eigene Linie zu organisieren.

Gegen diese Anschauungen polemisierten die Genossen von der PL Hamm: Sie wiesen zum ersten entschieden den Vorwurf der KLAPRO zurück, sie wollten die Partei über die Vereinigung der einzelnen 'Zirkellinien' und über die immer weitere Ausdehnung der Zirkeltümer erreichen. Ihre Kritik an den Dortmunder Vorstellungen sei eine andere: Diese Vorschläge würden das Zirkelwesen nur auf eine höhere Stufe heben. Die Vorschläge der KLAPRO gingen darauf hin ohne klare politische Plattform jetzt eine Organisation von 'entschiedenen Kommunisten' aus dem Boden zu stampfen, die ihre einzige Grundlage in der gegenseitigen Vertrautheit und Bekanntheit der entschiedenen Kommunisten hat, also gerade in den Punkten, die von KLAPRO als die falschen Grundlagen des Zirkelwesens bezeichnet wurden. Hier werde der Zusammenschluß auf Grundlage eines Protokolls geplant (KLAPRO 2), das einfach nichts aussage. Die Dortmunder würden versuchen mit ihrer Gründung ein regionales Zwischenstadium zwischen Partei und Zirkel zu schaffen.

In der nachfolgenden Diskussion schälten sich vier Strömungen heraus. Die eine ist die der ML DO und der KLAPRO-Redaktion. Sie verteidigte bis zuletzt ihr Konzept des Aufbaus einer regionalen Organisation im Ruhrgebiet, das als einziges die Zirkelschranken öffnen, die Zuordnung zu den fortgeschrittensten Teilen der ml Bewegung (Kommunique) konkret machen, und die Verbindung von wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung vorantreiben könne.

Die zweite Linie war die der Hammer, die darauf hinaus ging, daß neben der Programmdiskussion in den Zirkeln ständige Konferenzen der Ruhrpott-Zirkel stattfinden sollten.

Auf diesen Konferenzen sollen Diskussionen um die konkreten politischen Probleme der Kommunisten im Ruhrgebiet (Tarifrunden usw.) besprochen und in Zusammenhang zur Programmdiskussion gesetzt werden. Ausfluß dieser Konferenzen sollten Aktionseinheiten und gemeinsame Erklärungen sein.

Eine weitere Strömung wurde durch eine 'Kommunistische Basisgruppe Dortmund' vertreten. Diese Gruppierung läuft mit der 'Stellungnahme zum Programm der westdeutschen Kommunisten' herum und bezeichnet die PK als 'ideologisches Zentrum' der ml Bewegung, will dahinter aber wohl nur die Diffusität des eigenen Debattierzirkels verstecken. Der erste Wortbeitrag dieser Gruppe (über Theorie und Praxis) ist von keinem der Anwesenden überhaupt inhaltlich verstanden worden. In der Auseinandersetzung um Gründung eines Ruhrgebietszirkels vertrat ein zweiter Redner eine gegen die Dortmunder ML gerichtete Position und führte ihre Haltung darauf zurück, daß sich in dieser ML DO 'die ganze Führung des ehemaligen KSB/ML (der KPD/ML-ZK, d.Vf.) NRW wiederfindet'.

Der vierte Standpunkt wurde von zwei Genossen aus Castrop vertreten. Hier zeigte sich die Brüchigkeit der KLAPRO-Redaktion. Die Castroper ML, die als Herausgeber der KLAPRO mit verantwortlich zeichnet, hatte überhaupt nicht über die dort vertretenen Vorstellungen intensiv diskutiert. Die beiden Genossen legten ein Thesenpapier vor, indem sie sich in der Frage der regionalen Organisierung der PL Hamm zuordneten, also die Gründung eines Ruhrpotts-Zirkels ablehnten. Als Gegenkonzept wurde der Beginn einer einheitlichen Schulung vorgeschlagen - was den Genossen sofort von Seiten der Dortmunder den Vorwurf des Liquidatorentums einbrachte - wobei aber völlig unbestimmt blieb, was geschult werden sollte (Schlagwort des Genossen: Strategie der Kommunisten).

Der Vertreter des KB Osnabrück hat folgende Stellung eingenommen: Der Dortmunder Vorschlag zur Bildung eines Ruhrpottzirkels ist vollständig politisch unklar und unausgewiesen. Es ist offen, ob diese Gründung auf Grundlage einer Absichtserklärung ('Programmerarbeitung und Wiederaufbau der KPD') oder auf einer programmatischen Plattform erfolgen soll. Die KLAPRO-Redaktion selbst macht hierzu unterschiedliche Andeutungen. Ist das erstere geplant, stellt diese Gründung einen der vielen opportunistischen und sektiererischen Gründungsschwindel dar, die so schnell wieder verschwinden wie sie entstanden sind. Gehen die Vorstellungen der Genossen in die zweite Richtung, so ist ihnen dennoch Opportunismus vorzuwerfen. Sie haben den Wiederaufbau der KPD und die Erarbeitung ihres Programms sich zur ersten Aufgabe gemacht. Die Grundlage, die sie für ihre Gründung schaffen wollen, muß also ein Vorschlag für das Programm der westdeutschen Kommunistischen Partei sein - sonst schaffen sie nur ein neues Zirkelheiligtum ohne irgendwelche vorwärtstreibenden Funktionen. Ein solches Programm wird aber nicht regional erarbeitet, sondern daran haben sich die Zirkel des Bremer Kommunique auf nationaler Ebene gemacht. In diese Debatte hat sich die KLAPRO bereits eingeschaltet und einen wertvollen Beitrag geliefert. Es kommt jetzt für die Kommunisten im Ruhrgebiet darauf an, weiter an dieser nationalen Debatte teilzunehmen mit Stoßrichtung auf Programm und nationale Organisierung.

Während diese Stellungnahme bei den Hammern positiv aufgenommen wurde, verhielten sich die KLAPRO-Zirkel zurückhaltend. Aber der Genosse, der den letzten Beitrag der KLAPRO-Redaktion hielt, zeigte deutlich die Unsicherheit, die doch wohl entstanden ist. Die Dortmunder und die KLAPRO haben es nicht vermocht, ihr Konzept durchzusetzen auf der Konferenz. Das Ergebnis war praktisch die Vertagung auf die Veranstaltung mit der PK und die weitere Diskussion an den Orten.

Zusammenfassend: Der Vorstoß der Dortmunder ist meiner Ansicht nach darauf zurückzuführen, daß sie einen möglichst einfachen Weg aus den Schwierigkeiten ihrer praktischen Arbeit am Ort suchen. Sie haben es nicht vermocht, ihr Vorhaben politisch zu begründen und zu erklären. Es kommt jetzt darauf an, die Debatte um das Programm mit Stoßrichtung auf die nationale Gründung zu verbinden mit den Vorschlägen der Hammer zu Konferenzen um taktische Fragen. Diese Stellung müssen wir in der Auseinandersetzung vertreten.

VORWÄRTS BEI DER ENTWICKLUNG KOMMUNISTISCHER POLITIK IM RUHRGEBIET!

VORWÄRTS BEIM WIEDERAUFBAU DER KPD!"

In dem oben erwähnten Papier von zwei Genossen der ML Castrop-Rauxel heißt es, datiert auf heute:"
THESEN ZUR BILDUNG EINES REGIONALEN ZIRKELS IM ÖSTLICHEN RUHRGEBIET

I. ZUR KRITIK AN DEM VORSCHLAG DER KLAPRO-REDAKTION

1. Wir stimmen grundsätzlich der Kritik an der Handwerkelei und dem Zirkelwesen zu. Insbesondere teilen wir die Auffassung, daß die Vereinheitlichung der Zirkel nicht durch die Zusammenfassung ihrer örtlichen praktischen Erfahrungen erfolgen kann. Die Zirkel müssen sich vielmehr von vornherein um die Fragen der nationalen Bewegung auseinandersetzen. Nur auf diese Weise ist eine Korrektur und Verallgemeinerung ihrer örtlichen Erfahrungen möglich.

2. Gleichwohl kritisieren wir den Versuch, unter den gegebenen Bedingungen einen regionalen Zirkel zu gründen. Dieser Versuch würde lediglich den Zustand der Handwerkelei, wie er gegenwärtig in den örtlichen Zirkeln besteht, auf eine 'höhere' regionale Stufe heben und damit vertiefen. Die Ursache der organisatorischen Zersplitterung, die politische Orientierungslosigkeit, kann durch den regionalen Zusammenschluß nicht überwunden werden, weil alle notwendigen politischen Grundlagen für diesen organisatorischen Schritt noch fehlen.

a.) Was haben die beteiligten Zirkel im letzten Jahr zur Aufgabe beigetragen, die notwendigen politischen Grundlagen zu schaffen? - Große Teile der Zirkel sind aus dem Zusammenbruch des RM hervorgegangen. Sie zogen zunächst aus dem Scheitern dieser Organisation die richtige Konsequenz und erklärten Klassenanalyse und Programm zum Hauptkettenglied für den Parteiaufbau. Obwohl mittlerweile ein Jahr seit dem RM-Debakel vergangen ist, und die zwei ersten Nummern eines theoretischen Organs vorliegen, haben die Genossen bisher noch keinen Beitrag zur Klärung auch nur irgend einer programmatischen Frage geleistet. Ein Ansatz dazu fehlt sogar in ihrer Antwort auf die NRF-Sondernummer. Ohne wirklich ernsthaft die programmatische Arbeit angegangen zu sein, ließen die Genossen ihre ursprünglichen Auffassungen fallen und näherten sich immer mehr praktizistischen Positionen an. Zunächst sahen sie ihre Hauptaufgabe in der Entfaltung von Kampagnen und der Beteiligung an Aktionseinheiten, später in der Aufstellung eines Kampfprogramms. Jetzt soll ein regionaler Zirkel gegründet werden. Die Politik dieser Genossen ist eine Kette ungelöster Absichtserklärungen und unmotivierter Kursänderungen.

b.) Worin bestehen gegenwärtig die positiven Grundlagen der Zirkel? Erstens besteht zumindest innerhalb der Klapro-Redaktion eine relativ einheitliche Auffassung über das Verhältnis von Theorie und Praxis zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Die Genossen gehen von der Einheit von Studieren, Untersuchen, Organisieren und Propagieren aus und wollen die programmatische Arbeit an den 'gegenwärtigen Kampfaufgaben' orientieren. Die Genossen bestimmen weder den Entwicklungsstand des subjektiven Faktors (Theoriebildung, organisatorischer Stand der kommunistischen Bewegung usw.) noch den des objektiven Faktors (ökonomische Widerspruchsentwicklung, spontane Bewegung usw.) konkret historisch. Ihre Aussagen über die Vermittlung von Theorie und Praxis bleiben daher notwendig demoralisierend und dogmatisch. - Zweitens sind sich die Genossen einig, daß ein 'Kampfprogramm' entwickelt werden muß, das das Verhältnis von ökonomischem und politischem, von demokratischem und sozialistischem Kampf und die nächsten Schritte beim Parteiaufbau formulieren soll. Dieses Programm wird bestenfalls ein Aktionsprogramm für einige aktuelle politische Fragen sein. Schlimmstenfalls ist es eine Sammlung von Prinzipien über das Verhältnis von ökonomischem und politischem Kampf 'an sich', demokratischem und sozialistischem Kampf 'an sich'. usw. Programmatische Grundlagen wird es jedoch nicht entwickeln, weil diese in erster Linie in der historisch-materialistischen Einschätzung der objektiven gesellschaftlichen Entwicklung bestehen bzw. diese voraussetzen. Das Kampfprogramm ist als Grundlage für eine Kampagne usw. geeignet. Kommunistische Zirkel können auf dieser Basis nicht vereinheitlicht werden.

c.) Die bestehenden politischen Grundlagen für einen Zusammenschluß der Zirkel sind völlig unzureichend. - Nach unseren bisherigen Erfahrungen mit einem der beteiligten Zirkel (Castrop-Rauxel) besteht zwischen den Zirkeln so gut wie in keiner einzigen taktischen Frage (geschweige denn in einer programmatischen Frage!) Klarheit, z.B. Einschätzung der Bonner Vietnam-Demonstration (vgl. 14.1.1973, d.Vf.) und Taktik in den Tarifkämpfen. Darüber hinaus ist nach unseren Erfahrungen noch nicht einmal ein Minimum an Verbindlichkeit in der politischen Diskussion garantiert. Weder das theoretische noch das politische Organ, für die beide die ML Castrop-Rauxel mitverantwortlich zeichnet, werden vom Zirkel überhaupt regelmäßig diskutiert, weder vor noch nach ihrer Veröffentlichung. Wir stellen also fest, daß die wichtigsten Instrumente dieser Zirkel nicht ihr ideologischer und politischer Ausdruck sind, sondern das mehr oder minder private Produkt einiger freischwebender ('entschiedener') Kommunisten.

3. Die Konsequenzen einer prinzipienlosen Vereinigung:

a.) Das Fehlen ausreichender politischer Grundlagen und die gleichzeitige Notwendigkeit, politisch zu handeln, würden die Leitung des neuen Zirkels dazu führen, jeweils ad hoc die politische Linie zu dekretieren, und die Basis dazu verurteilen, bloßes Ausführungsorgan zu sein, ohne die Leitung kontrollieren zu können. An die Stelle eines lebendigen demokratischen Zentralismus würden sehr bald Bürokratismus und Kommandoregime treten; die Genossen an der Basis könnten sich politisch nicht entwickeln.

b.) Der geplante Zusammenschluß würde den Opportunismus, wie er bereits in der Politik der Zirkel in einer Reihe von Fragen sichtbar ist (z.B. Stellungnahme zur Bonner Vietnam-Demonstration), vertiefen und die Gefahr verstärken, ständig hin- und herzuschwanken.

c.) Der regionale Zusammenschluß würde insgesamt die Tendenz in der m.l. Bewegung zu prinzipienlosen Spaltungen und Vereinigungen fortsetzen und damit in diese Bewegung nur weitere Verwirrung tragen. Eine wirklich ideologische und politische Auseinandersetzung würde verhindert und eine Vereinigung auf einer korrekten Grundlage erschwert. Ein solcher Schritt kann allenfalls zu einer Demoralisierung der Genossen in den Zirkeln führen.

II. UNSERE POSITION

1. Man kann das Zirkelwesen nicht durch einen voluntaristischen, bloß organisatorischen Akt aus der Welt schaffen, sondern nur in einem Prozeß der ideologischen und politischen Auseinandersetzung und Vereinheitlichung überwinden. Nur im Zuge einer solchen in und unter den Zirkeln verbindlich geführten Auseinandersetzung wird es zu einer richtigen, d.h. politisch motivierten Auflösung der Zirkelstrukturen und zur Herausbildung eines führenden Zentrums kommen.

2. Grundbedingungen für die ideologische und politische Vereinheitlichung:
- Klärung programmatischer Grundfragen auf der Grundlage einer systematischen, wenn möglich einheitlichen Schulung
- verbindliche Klärung wichtiger taktischer Fragen, die sich aus bestimmten gemeinsamen Zielsetzungen ergeben
- Orientierung der politischen Praxis an dem jeweiligen Stand der Klärung der programmatischen und taktischen Fragen; das politische Organ als Ausdruck des politischen Standes der Zirkel."

Für die ML Castrop-Rauxel und die ML Dortmund berichtet Georg W. in deren 'Roter Front' (vgl. 5.3.1973):
FÜR DEN WIEDERAUFBAU DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI

Vor Jahren - die älteren Kollegen werden sich sicher noch daran erinnern - konnte man überall den Namen KPD lesen. Viele sprachen über Teddy Thälmann, den Führer der KPD in den 30er Jahren, diskutierten über die Politik der Kommunisten, wie über ihr e Zeitung 'Die Rote Fahne', sprachen über die weiteren Schritte zur sozialistischen Revolution und kämpften um neue Genossen in der Partei.

Heute werden die Kommunisten von den Kollegen oft gefragt, warum sie verschiedene Zeitungen verteilen, warum es so viele kleine Gruppen gibt, warum keine klare Linie in den Zeitungen der Marxisten-Leninisten vorherrscht. Weshalb die ganze Zersplittertheit der Kommunisten nicht einfach aufgelöst wird.

Hier wird die Rote Front verteilt, dort jenes, das ist tatsächlich die Realität, über die sich auch Kommunisten Gedanken machen. So sehen sie nicht nur hier Dortmund und Castrop, sondern in vielen Städten des Ruhrgebiets, daß DIE Kommunistische Partei aufgebaut wewrden muß, die ehemals die Partei Luxemburgs, Liebknechts und Thälmanns darstellte, in der der Kampf der Kommunisten auf das Ziel der sozialistischen Revolution hin zusammengefaßt werden kann. Sie erkennen, daß die Partei die den Kampf der ganzen Arbeiterklasse anleitet und führend an ihrer Spitze steht, verwirklicht werden muß, die kompromißlos die wahren Hintergründe der politischen Machenschaften aufdeckt und entlarvt; die einschätzt, wer als Freund an ihrer Seite steht und sich mit diesem verbündet, andererseits aber die Feinde bloßstellt und entschieden gegen sie kämpft.
Die DKP, die sich als Kommunistische Partei aufspielt, bezeichnet sich zwar als solche, hat aber in der Vergangenheit überdeutlich bewiesen, daß sie diesen Namen nicht verdient. Verleumdete sie nicht in übelster Weise diejenigen, die eine breite Solidarität, eine breite Kampffront, z. B. im antiimperialistischen Kampf zum Vietnamkrieg aufbauen wollten und spalteten dann den gemeinsamen Kampf durch eine eigene Demonstration?

Stellte sie sich nicht klar auf die Seite des Feindes, indem sie die Verbotsanträge gegen die Kommunisten mit unterstützte? Heute werden von vielen Kommunisten, im Kampf um die Herausgabe einer einheitlichen kommunistischen Presse die nächsten Schritte getan hin zum Aufbau der Kommunistischen Partei. Eine Partei, die positiv das revolutionäre Erbe der KPD aufnimmt, es weiterentwickelt, indem sie es auf die heutigen Verhältnisse ausrichtet.

Liest man das theoretische Organ KLASSENKAMPF UND PROGRAMM, das einige Kommunisten im östlichen Ruhrgebiet herausgeben, so erkennt man, inwieweit es Ausdruck des Strebens dieser Kommunisten und anderer in der Bundesrepublik nach der Vereinheitlichung aller Kommunisten ist.

Hier wird klar dargelegt, daß man heute die Vorkämpfer des Proletariats nicht einfach organisatorisch, d. h. indem man sich zur Partei proklamiert und dann anfängt zu sammeln, weitere Schritte im Hinblick auf die Revolution macht, sondern daß hierzu historisch bezogene Leitsätze für die Politik aufgearbeitet werden müssen. Leitsätze, die z. B. angeben, wie der gewerkschaftliche, der Kampf um wirtschaftliche Forderungen der Arbeiterklasse und der Kampf gegen die Übergriffe, gegen die demokratischen Rechte des Volkes und ihres Ausbaus, die Grundlagen kommunistischer Politik aufzeichnen, nach denen der Kampf der Kommunisten, der Arbeiterklasse und breiten Teilen des Volkes ausgerichtet werden kann, auf denen sich die Kommunisten zusammenschließen können. Hierzu ist es notwendig, daß sich jeder aktiv an der Herausarbeitung dieser Leitsätze beteiligt.

Denn das Programm, daß die Schritte auf dem Weg zur Revolution angeben muß, existiert heute noch nicht. Deshalb muß sich die Arbeit der Kommunisten und aller, die sich an diesem Prozeß beteiligen wollen, heute neben und verbunden mit der politischen Agitation und Propaganda für den Sozialismus - den Enthüllungen der Geschehnisse nicht nur in Dortmund und Castrop-Rauxel, sondern überall in der BRD, ja sogar in der ganzen Welt auf die Schaffung dieses Programms ausrichten.

So war diese Woche in Castrop-Rauxel eine Veranstaltung, auf der sich die Kommunisten des östlichen Ruhrgebiets getroffen haben, und die Auseinandersetzung um die Frage des Programms zu führen, die Diskussion weiter zu treiben und die isolierten Grenzen der örtlichen Politik hinter die sie sich verschanzt hatten und z. T. weiter verteidigen, inhaltlich aufzubrechen (die nächste RF wird ausführlich darüber berichten).
Dieses im Sinne des Fortschritts der Bewegung weitertreibende Bemühen wird und muß vom Erfolg gekrönt sein, wenn sich alle, die in diesen Punkten die gleichen Ansichten haben, an diesen Prozeß beteiligen. Es wird und muß Erfolg haben, die Grundlagen kommunistischer Politik weiter zu erarbeiten, zum Aufbau der Kommunistischen Partei."
Q: ML Castrop-Rauxel-2 Genossen: Thesen zur Bildung eines regionalen Zirkels im östlichen Ruhrgebiet, o.O. (Castrop-Rauxel) 1.3.1973; KBO: Bericht über die Konferenz von Ruhrgebietszirkeln am 1.3. in Castrop, o.O. (Osnabrück) O. J. (1973), S. 1f; Die Rote Front Nr. 5 und 6, Dortmund März 1973, S. 2 bzw. S. 1f; Klassenkampf und Programm Nr. 3, Dortmund Apr. 1973, S. 68f; Redaktion Klassenkampf und Programm: An die Programmkommission der Zirkel des Bremer Kommunique, z. Hdn. Wilfried Maier (KB Bremen), Johannes Doppstadt (BKA Freiburg), Joscha Schmierer (KG NRF Mannheim/Heidelberg): Offener Brief, Dortmund 3.3.1973, S. 1ff.; N. N.: Zur politischen Ausrichtung unserer Arbeit auf den Wiederaufbau der KPD, O. O. O. J. (1973); N. N.: diverse Papiere, O. O. O. J. (1973)

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Letzte Änderung: 02.01.2018