Bremen
Brinkmann und Gewerkschaft NGG

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin

Der Drescher _ Zeitung der Betriebszelle Brinkmann des Kommunistischen Bundes Bremen, Nr. 1, Februar 1973
Bild vergrößern Betriebszeitung des KBB

Aus den Organisationsbereichen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten werden hier einleitend Brauereien erwähnt (vgl. Juni 1971), von denen zum Schluss dieser wie immer unvollständigen Darstellung die Dressler-Brauerei stillgelegt wird (vgl. Sept. 1975). Kurz erwähnt wird auch Kellog Gmbh im Handelshafen (vgl. 18.11.1975), wo der KBW ab Anfang 1977 eine Zelle unterhielt. Gar nicht taucht Jacobs auf, wo ebenfalls 1977 eine KBW-Zelle tätig war, und auch nicht die Rolandsmühle, wo um 1979 herum die KPD/ML agierte.

Zentrales Thema aber ist ein Werk der Tabakindustrie. Von Brinkmann Bremen wird hier betriebliches Material allein vom KB Bremen (KBB) bzw. dann dem KBW erschlossen. Diese berichten zunächst von der Betriebsversammlung, auf der auch die Forderungen der Mütter nach einem Betriebskindergarten zur Sprache kamen (vgl. 14.3.1972), der KB Bremen berichtet weiter aus dem Betrieb (vgl. 16.5.1972), in den er Kontakte hat (vgl. 10.6.1972), die bald zur Betriebszelle werden und eine Betriebszeitung herausgeben (vgl. Feb. 1973, März 1973, 12.3.1973, 28.3.1973). Allerdings scheinen die Kommunisten nicht wirklich beliebt bei der Belegschaft zu sein (vgl. Apr. 1973), die auch das Zentralorgan des KBW nur verhalten, wenn auch mit steigender Tendenz rezipiert (vgl. 11.7.1973, 12.9.1973, 26.9.1973, 10.10.1973, 7.11.1973). Einflussreich war der KBW vermutlich zeitweise in der NGG-Jugend (vgl. 24.4.1975, 15.5.1975), wobei offen bleibt, wie einflussreich diese wiederum selbst war.

Auszug aus der Datenbank „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO)

Juni 1971:
In Bremerhaven gibt das SALZ die Nr.10 seiner 'Arbeiterstimme' (vgl. 10.5.1971, Juli 1971) heraus. Ein Artikel beschäftigt sich mit den Brauereien und der NGG Bremen.
Quelle: Arbeiterstimme Nr.10,Bremerhaven Juni 1971

14.03.1972:
Der Kommunistische Bund Bremen (KBB - vgl. 3.4.1972) berichtet von Brinkmann u.a. über die heutige BV:"
BRINKMANN: ZUCKERBROT UND PEITSCHE

In der letzten Zeit flattern den Arbeitern und Arbeiterinnen der Zigarettenfabrik Brinkmann in verstärktem Maße sogenannte 'Informationsbriefe' ins Haus. Den Begriff 'Informationsbriefe' sollte man besser durch die Worte 'Entlassungsdrohungen' und 'Ankündigungen von Lohnrückstufungen' ersetzen. Das entspricht dem tatsächlichen Inhalt dieser Briefe. Diese Briefe kommen von der Brinkmann-Geschäftsleitung, die den Betrieb immer als einen 'sozialen', sich in vorbildlicher Weise um die Belange seiner Mitarbeiter kümmernden Betrieb bezeichnet. Unterschrieben wurden diese 'Informationsbriefe' von dem Betriebsratsvorsitzenden Folkers, der sich ständig und bei jeder Gelegenheit brüstet, ein konsequenter Interessenvertreter zu sein.

Arbeiterinnen und Arbeitern wird angekündigt, daß ihr Bonus, auch eine 'Sozialleistung' der Firma Brinkmann, gestrichen wird, wenn sie oder ihre Kinder krank werden. Kollegen werden in niedrigere Lohngruppen eingestuft mit der Begründung, sie bekämen eine leichtere Arbeit, während die Arbeitshetze ständig steigt. So wurden z.B. neue Maschinen bestell, die fast die doppelte Menge Zigaretten ausstoßen. Bis heute ist immer noch unklar, ob die Kollegen, die hinter der Maschine stehen um die fertigen Zigaretten für die Verpackung vorzubereiten, entsprechend der sich verdoppelnden Arbeit verstärkt werden. Das Schweigen der Geschäftsleitung deutet darauf hin, daß nichts dergleichen beabsichtigt wird. Das bedeutet, die Kollegen werden in Zukunft doppelt so schnell arbeiten müssen.

Die Geschäftsleitung droht den Kollegen von Brinkmann mit Entlassung mit der Begründung: 'zu häufig krank'. Wodurch werden die Kollegen aber krank? Gewiß nicht, weil die Arbeit durch Sozialleistungen' der Firma Brinkmann so ruhig und gemütlich wird. Das Gegenteil ist der Fall: immer und überall in den Fabriken werden die Arbeiter krank, kommt es zu Arbeitsunfällen, weil sich die Arbeitshetze verschärft, die Luft in den Hallen immer schlechter wird, der Maschinenlärm ständig zunimmt und die Nerven aufgerieben werden. Das alles sind gewiß keine Arbeitsbedingungen, die der Gesundheit des Arbeiters zuträglich sind. So ist es auch bei Brinkmann. Auch dieser Betrieb bildet keine Ausnahme. Werden die Arbeiter dann zu häufig krank, weil sie gezwungen sind, unter solchen Bedingungen zu arbeiten, dann bekommen sie von den Kapitalisten einen Tritt, man wirft sie auf die Straße.

Und solche Maßnahmen werden von dem Betriebsrat bei Brinkmann, Folkers, ohne Wimpernzucken sanktioniert. Mit dieser Politik setzt der jetzige Betriebsrat konsequent die arbeiterfeindliche und kapitalistenfreundliche Politik seiner Vorgänger fort, die 1957 dem Rausschmiß von 600 Zigarrenarbeitern den Segen gaben.

Bisher haben es Geschäftsleitung und Betriebsrat in harmonischer Zusammenarbeit immer wieder verstanden, durch kleine Zugeständnisse die Brinkmann-Arbeiter ruhig zu halten. Seit der Betriebsversammlung vom 14.März 1972 sind die ruhigen Zeiten jedoch vorbei. Die Methode 'Zuckerbrot und Peitsche' zieht nicht mehr. Schon als Folkers in den Saal trat, wurde er von Arbeiterinnen und Arbeitern der unteren Lohngruppen mit einem Hagel von Pfiffen und Buhrufen bedacht. Seine sorgfältig ausgeklügelte Rede, für deren Vorbereitung er sich mehrere Wochen Zeit genommen hatte, und in der er unter anderem ankündigte, daß die Geschäftsleitung den Bau eines Schwimmbades plane, erhielt nicht den geringsten Beifall.

Nach der Rede des Betriebsratsvorsitzenden meldete sich eine große Zahl von Kollegen zu Wort. Alle gingen auf die wirklichen Forderungen der Belegschaft ein, alle übten scharfe Kritik an der Politik des Betriebsrates. Der erste stellte die Frage, was der Betriebsrat tun wolle gegenüber der geplanten Gebührenerhöhung bei den Gehaltskonten. Er machte deutlich, daß es ja schließlich die Arbeitgeber seien, die von dieser Regelung profitieren. Auf diese Frage gab der Betriebsrat nach altbewährter Manier eine ausweichende Antwort. Aber im Gegensatz zu früheren Zeiten merkten das die Kollegen sofort. Er wurde ständig durch Pfiffe und Zwischenrufe unterbrochen. Der nächste Kollege übte direkte und massive Kritik an Folkers. Dieser sei zu nachgiebig gegenüber der Geschäftsleitung. 'Kommen jedoch Kollegen zu ihm, die Fragen stellen oder einen Wunsch haben, so werden sie mit fadenscheinigen Begründungen abgewiesen'. Scharfe Kritik auch übte er daran, daß der Betriebsrat seine Unterschrift unter die sogenannten Informationsbriefe setzt. Weiter führte er dazu aus: 'Folkers hat beispielsweise Verwarnungen unterschrieben, ohne die betreffenden Kollegen auch nur ein einziges Mal dazu anzuhören.'

Betriebsversammlungen finden nur einmal im Jahr statt. Geschäftsleitung und Betriebsrat wachen ängstlich darüber, daß diese Versammlung nicht länger als eine Stunde dauert. Auch diesen Zustand kritisierte der Kollege auf das Schärfste. Für sein konsequentes Eintreten im Interesse der Belegschaft wurde der Kollege mit stürmischem Beifall belohnt.

Der Betriebsrat versuchte, sich drehend und windend mit ausweichenden Antworten aus der Schlinge zu ziehen. Das ganze Gerede kaufte ihm jedoch niemand ab. Deutlich wurde das in den ständigen Zwischenrufen, die sein arbeiterfeindliches Gestammel unterbrachen.

Danach meldete sich eine Arbeiterin aus dem Maschinensaal zu Wort. Sie sagte, daß man anstelle eines Schwimmbades lieber einen Kindergarten bauen solle. Ein Kindergarten sei für die Frauen viel nützlicher, während man das Schwimmbad in den kurzen Pausen doch kaum benutzen könne. Danach ging sie noch einmal auf die Drohbriefe der Geschäftsleitung ein. Sie sagte: 'Auch ich habe eine Verwarnung wegen Fehlhäufigkeit bekommen, und niemand hat mir die Möglichkeit gegeben, dazu Stellung zu nehmen. Ich habe neben meiner Arbeit in der Fabrik noch zwei Kinder zu versorgen, und es bleibt mir oft nichts anderes übrig, als mich krankschreiben zu lassen.'

Es meldeten sich noch viele Kollegen zu Wort, die alle die Forderungen der Belegschaft klar und ohne Umschweife formulierten. Ein Kollege ging noch einmal auf die Sache mit der Betriebsversammlung ein. Er wollte wissen, warum immer nur eine Betriebsversammlung im Jahr stattfindet. Seines Wissens sollten es doch laut BVG vier im Jahr sein. Folkers unverschämte Antwort darauf war: 'In den letzten 20 Jahren hat es immer nur eine Betriebsversammlung im Jahr gegeben.'

Es wird allerhöchste Zeit, daß Betriebsräte, die den Forderungen der Belegschaft solche Antworten geben, abgesetzt werden. Die 20 Jahre, die Arbeiter und Arbeiterinnen von Brinkmann sich von solchen Leuten zertreten ließen, sind endgültig vorbei. Das hat ie Betriebsversammlung in der Zigarettenfabrik deutlich gezeigt. Der nächste und entscheiden Schritt sind die Betriebsrastwahlen (BRW - vgl. **.*.1972,d.Vf.).

Hier muß es heißen: Keine Stimme für Folkers und die Klassenversöhnler, die sich wieder selbst auf die Listen gesetzt haben. Konsequente Arbeitervertreter in den Betriebsrat."
Q: Wahrheit Nr.3,Bremen Apr. 1972,S.16

16.05.1972:
Frühestens heute gibt der KB Bremen die Nr.4 seiner 'Wahrheit' (vgl. 3.4.1972, 1.7.1972) heraus. Betriebsberichte behandeln u.a. Brinkmann.
Quelle: Wahrheit Nr.4,Bremen Mai 1972, S. 7

Wahrheit_1972_04_14


10.06.1972:
In Bremen beginnt, nach eigenen Angaben, eine zweitägige Delegiertenkonferenz des Kommunistischen Bundes Bremen (KBB) bei der es sich um die 3. Halbjahreskonferenz des KBB handelt. Anwesend sind Vertreter aller Grundeinheiten (GE).

Der Bericht der Betriebsinstrukteure wird angenommen, enthält er doch auch viel Angenehmes. Feste Kontakte habe man u.a. zu Brinkmann.
Q: Wahrheit Nr.5/6 und 7/8,Bremen Juni/Juli 1972 bzw. Aug./Sept. 1972

Februar 1973:
Bei der Tabakfabrik Brinkmann in Bremen gibt die Zelle des KBB erstmals ihren 'Drescher' (vgl. März 1973) heraus, auf dessen 14 Seiten aus verschiedenen eigenen Betriebsteilen und von Philips Electrologica berichtet wird.
Q: Der Drescher Nr.1,Bremen Feb. 1973

März 1973:
Bei Brinkmann Bremen gibt die Zelle des KBB ihren 'Drescher' Nr.2 (vgl. Feb. 1973, 28.3.1973) heraus.
Q: Der Drescher Nr.3,Bremen Apr. 1973

12.03.1973:
Frühestens heute gibt der KB Bremen (KBB) die Nr.3 seiner 'Wahrheit' (vgl. 1.2.1973, 14.4.1973) heraus. Zu Wort kommt auch die eigene Zelle Brinkmann ('Der Drescher'), von wo berichtet wird über "Verschärfte Arbeitshetze in der Tabakfabrik!".
Q: Wahrheit Nr.3,Bremen März 1973, S. 5

Wahrheit_1973_03_09


28.03.1973:
Bei Brinkmann Bremen finden heute und morgen, laut KB Bremen (KBB - vgl. 14.4.1973) die ersten Betriebsversammlungen des Jahres statt.
Q: Wahrheit Nr. 4, Bremen Apr. 1973, S. 5

Wahrheit_1973_04_09

Wahrheit_1973_04_10


28.03.1973:
In Bremen gibt die Betriebszelle Brinkmann des KBB ein Extrablatt ihrer Betriebszeitung 'Der Drescher' (vgl. März 1973, Apr. 1973) heraus.
Q: Der Drescher Extrablatt,Bremen 28.3.1973

April 1973:
Bei Brinkmann Bremen gibt die Zelle des KBB ihren 'Drescher' Nr.3 (vgl. 28.3.1973) heraus, in dem außer aus der Verwaltung und verschiedenen Teilen der Produktion auch noch der letzten Betriebsversammlung berichtet wird. Auf die Forderung von Kollegen nach Entlassung der KBBler hätten die meisten Anwesenden Beifall geklatscht.
Q: Der Drescher Nr.3,Bremen Apr. 1973

11.07.1973:
Von der ab heute erscheinenden 'KVZ' Nr.1 verkauft die Verteilerzelle Brinkmann des Bezirks Süd der OG Bremen des KBW bei Brinkmann 2 Exemplare.
Q: KBW-OG Bremen:Statistik zum Verkauf der KVZ Nr.1,Bremen 25.7.1973

12.09.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.2 verkauft der Bezirk Süd der OG Bremen des KBW bei Brinkmann 4 Exemplare.
Q: KBW-OG Bremen:KVZ-Statistik Bremen/Delmenhorst,Bremen o.J. (1973)

26.09.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.3 verkauft die Verteilerzelle Brinkmann des Bezirks Süd der OG Bremen des KBW bei Brinkmann 7 Exemplare.
Q: KBW-OG Bremen:Verkaufsstatistik der Ortsgruppe Bremen von KVZ Nr.3,Bremen o.J. (1973)

10.10.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.4 verkauft die Verteilerzelle Brinkmann des Bezirks Süd der OG Bremen des KBW bei Brinkmann 7 Exemplare.
Q: KBW-OG Bremen:KVZ-Verkaufsstatistik Nr.4,Bremen o.J. (1973)

07.11.1973:
Von der heutigen 'KVZ' Nr.6 verkauft die Verteilerzelle Brinkmann des Bezirks Süd der OG Bremen des KBW u.a. bei Brinkmann 15 Exemplare.
Q: KBW-OG Bremen:Statistik über den Verkauf der KVZ Nr.6,Bremen o.J. (1973)

24.04.1975:
Der KBW gibt seine 'KVZ' Nr.16 (vgl. 17.4.1975, 30.4.1975) heraus. Aus Bremen wird berichtet über die NGG-JG.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.16,Mannheim 24.4.1975

15.05.1975:
In Bremen beteiligen sich, laut 'Sozialistische Arbeiterpolitik', 5 000 an der Demonstration der DGB-Jugend gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

Laut und mit KBW demonstrieren 3 000. Die Forderungen des KAJB und KBW wurden, laut KBW, u.a. auch übernommen der NGG-Jugend.
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr.20,Mannheim 22.5.1975;
Sozialistische Arbeiterpolitik Nr.39,Bochum Juli/Aug. 1975

September 1975:
In Bremen wird, laut Spartacusbund (SpB), die Dressler-Brauerei (NGG-Bereich) stillgelegt.
Q: Spartacus Nr.21,Essen Okt. 1975

18.11.1975:
Die KPD gibt ihren 'Roten Fahne Pressedienst' (RFPD) Nr.2 (vgl. 11.11.1975, 25.11.1975) heraus. Aus Bremen wird u.a. berichtet aus dem NGG-Bereich von Kellogs.
Q: Rote Fahne Pressedienst Nr.2,Köln 18.11.1975

Letzte Änderungen: 9.2.2012

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