Bremen-Walle: Kaffee HAG

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin, 10.12.2015


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Von der Bremer Kaffeefabrik HAG, die anders als die Kaffeeröstereien nicht durch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), sondern durch die IG Chemie Papier Keramik (IGCPK) gewerkschaftlich organisiert wurde, lagen uns bisher nur wenige Hinweise vor. Wir bitten um Ergänzungen.

Vom Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) bzw. seiner Aufbauzelle HAG wurden für Kaffee HAG zunächst die 'Hag-Betriebsnachrichten' und dann der 'Rote Extrakt' herausgegeben, die separat dokumentiert und hier lediglich mit Verweisen erschlossen werden.

Inhaltlich sind die uns vorliegenden Ausgaben der Betriebszeitung und die sonstigen Berichte vor allem geprägt durch Lohnforderungen, wobei nicht zuletzt die Leichtlohngruppen der Frauen (vgl. 9.9.1974) und die Einschüchterung durch angedrohte Entlassungen (vgl. 25.3.1976, 27.5.1976) angegriffen werden.

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Dezember 1973:
Der Kommunistische Arbeiterjugendbund (KAJB) Bremen gibt seine 'Kämpfende Jugend' Nr. 11 (vgl. Okt. 1973, 14.1.1974) heraus mit dem Artikel "Kaffee Hag: Freier Nachmittag für Lehrlinge und Praktikanten" aus dem IG Chemie Bereich.
Quelle: Kämpfende Jugend Nr. 11, Bremen Dez. 1973, S. 4

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14.02.1974:
Der KBW (vgl. 6.3.1974) berichtet aus Bremen:"
Sturm bei Kaffee Hag

Am 14. Februar fand bei Kaffee Hag in der Abteilung 'Kaffee' eine Versammlung statt, die im Gegensatz zu bisherigen Betriebsversammlungen stürmisch verlief. Die anwesenden 250 Kollegen ließen sich nicht einschläfern. Als erstes Thema kamen die Frauenlöhne auf den Tisch, die um 1 DM unter denen der Männer liegen. 'Sie glauben wohl, für uns steigen die Preise nicht!', empörte sich eine Arbeiterin. Und eine andere deckte auf, daß die Frauen durch willkürliche Einstufung des Meisters an der gleichen Maschine unterschiedlich bezahlt werden, um die Konkurrenz und den Neid zu steigern.

Ein Arbeiter meldete sich zu Wort und berichtete, daß er wegen Krankheit keinen Lohn erhielt. Um die Empörung in den Griff zu kriegen, wurde ihm die Bezahlung sofort zugesagt. Großer Unmut wurde deutlich über die völlig fehlenden Pausenräume. Zwar stehen den Kollegen kurze Pausen zu, aber die müssen sie mitten im Lärm der Maschinen verbringen, und wenn sie eine rauchen wollen, steht nur die Toilette zur Verfügung. 'Alles schon geplant', wiegelte die Geschäftsleitung und der Betriebsrat ab. Ein ganzes Jahr soll's noch so weitergehen. Und dann wohl noch das nächste.

Nach zwei Stunden wurde die Abteilungsversammlung abgebrochen. Sie war eine gute Vorbereitung auf die im Sommer anstehende Chemie-Tarifrunde (CTR, d. Vf.), 25 % mindestens bei monatlicher Kündigung des Tarifvertrags, sagen die Kollegen. Und eine Betriebsversammlung zur Beschlußfassung der Forderungen muß her! Dort wird auch darüber diskutiert werden müssen, ob eine Prozentforderung überhaupt richtig ist. Die Kollegen werden erkennen, daß nur eine Forderung in Mark und Pfennig für alle gleich geeignet ist, die Spaltung zu überwinden und alle im Kampf zu vereinigen."
Q: Kommunistische Volkszeitung Nr. 5, Mannheim 6.3.1974, S. 5

11.03.1974:
Die Aufbauzelle Hag des KBW Ortsgruppe Bremen gibt vermutlich in dieser Woche ihre 'Hag-Betriebsnachrichten' (vgl. 25.3.1974) heraus mit dem Leitartikel "Können wir noch bis zum Sommer warten?".

Weitere Artikel sind:
- "Die Wahlniederlage der SPD" bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg am 3.3.1974;
- "Sammlung für Protechnica", bei VIW-Druck für die streikende Schwesterfirma im Metallbereich; sowie
- "§ 218 ersatzlos streichen! Demonstration am 16.3.", wobei aufgerufen wird zur Mitarbeit in der Aktion 218.
Q: Hag-Betriebsnachrichten Können wir noch bis zum Sommer warten?, Bremen o. J. (1974)

25.03.1974:
Die Aufbauzelle Hag des KBW Ortsgruppe Bremen gibt ihre 'Hag-Betriebsnachrichten' (vgl. 11.3.1974, 22.4.1974) heraus mit dem Leitartikel "Heute Abteilungsversammlung im Kabawerk".

Weitere Artikel sind:
- "Chemie-Tarifkampf-Information" aus Freiburg und Heidelberg, aus der 'KVZ';
- "So wenig Leute wie möglich";
- "Nettolohnforderung?";
- "Für eine gewerkschaftliche Maidemonstration!"; sowie
- "Antwort auf einen Brief der Geschäftsleitung" zur Nr. 1 der 'Hag-Betriebsnachrichten', in dem die Verwendung des Firmennamens untersagt wurde.
Q: Hag-Betriebsnachrichten Heute Abteilungsversammlung im Kabawerk, Bremen 25.3.1974

22.04.1974:
Die Aufbauzelle Hag des KBW Ortsgruppe Bremen gibt ihren 'Roten Extrakt' (vgl. 25.3.1974, 25.4.1974) heraus unter der Schlagzeile "Was ist mit der Teuerungszulage?" zur TZL.
Q: Roter Extrakt Was ist mit der Teuerungszulage?, Bremen 22.4.1974

25.04.1974:
Die Aufbauzelle Hag des KBW Ortsgruppe Bremen gibt ihren 'Roten Extrakt' (vgl. 22.4.1974, Juni 1974) heraus mit dem Leitartikel "Heraus zum 1. Mai!".

Weitere Artikel sind:
- "Nach der Spätschicht zusammengebrochen" über eine Frau, die nächstes Jahr Rentnerin wird;
- "Gerechte Entlohnung?";
- "Weg mit dem Paragraph 218!" aus der 'KVZ', wozu eingeladen wird zur Veranstaltung am 27.4.1974;
- "Kein Kollege für die B.K.O.!", die Betriebliche Katastrophenschutz Organisation, die zum Selbstschutz (BVS) gehöre; sowie
- "Solidaritätsveranstaltung für Oman und Dhofar" am 26.4.1974.
Q: Roter Extrakt Heraus zum 1. Mai!, Bremen 25.4.1974

Juni 1974:
Die Aufbauzelle Hag des KBW Ortsgruppe Bremen gibt vermutlich im Juni ihren 'Roten Extrakt' (vgl. 25.4.1974, 9.9.1974) heraus unter der Schlagzeile "Karten auf den Tisch !!!" zum Auslaufen des Haustarifs am 30. Juni und der heutigen Vertrauensleutesitzung, wobei auch eingegangen wird auf die Versorgungstariferhöhungen.
Q: Roter Extrakt Karten auf den Tisch !!!, Bremen o. J. (1974)

09.09.1974:
Die Aufbauzelle Hag des KBW Ortsgruppe Bremen gibt ihren 'Roten Extrakt' (vgl. Juni 1974) heraus mit dem Leitartikel "Der Kampf gegen die Leichtlohngruppen geht weiter!".

Weitere Artikel sind:
- "1 Monat Urlaub - Erholung von 11 Monaten Arbeit?";
- "Unser Schul- und Ausbildungssystem ist bankrott"; sowie
- "Solidarität mit dem chilenischen Volk - Spendensammlung".
Q: Roter Extrakt Der Kampf gegen die Leichtlohngruppen geht weiter!, Bremen 9.9.1974

25.03.1976:
Die Ortsgruppe Bremen des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 12 eine Ortsbeilage heraus mit dem Artikel "Kaffee Hag. Entlassungen geplant".
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Bremen Nr. 12, Bremen 1976, S. 2

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06.05.1976:
Die Ortsgruppe Bremen des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 18 eine Ortsbeilage heraus. Aus dem CPK-Bereich wird berichtet:"
HAG-Vertrauensleute fordern 140 DM

Die Vertrauensleute der HAG AG einigten sich für die kommenden Lohnauseinandersetzungen auf die Festgeldforderung von 140 DM mehr im Monat, und für alle Beschäftigten, die zwischen 2 000 DM und ca. 3 000 DM verdienen, auf eine Erhöhung um 7,5 %. Diese Forderungen gilt es gegen die HAG-Kapitalisten direkt durchzusetzen, da Haustarife bestehen."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Bremen Achim Bremerhaven Osterholz-Scharmbeck Nr. 18, Bremen 6.5.1976, S. 2

27.05.1976:
Die Ortsgruppe Bremen des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 21 eine Ortsbeilage heraus mit dem Artikel "Betriebsversammlung bei Kaffee HAG: Die Kollegen liessen sich durch Drohungen mit der Arbeitslosigkeit nicht einschüchtern. Ausbeutungsmethoden angeprangert" aus der Stadtteilzelle Walle-Westend.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Ortsbeilage Bremen Achim Bremerhaven Osterholz-Scharmbeck Nr. 21, Bremen 27.5.1976, S. 2

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05.05.1977:
Der Bezirk Bremen - Unterweser des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 18 eine Bezirksbeilage heraus. Berichtet wird auch:"
Forderung bei HAG beschlossen

Bremen. 9 % mindestens 135,- DM und für die Lehrlinge 50,- DM mehr, hat der Vertrauensleutekörper am letzten Donnerstag beschlossen. Er blieb damit noch unter dem Vorschlag der Vertrauensleuteleitung (9 % mindestens 150,- DM).
Die Aufstellung dieser Forderung zeigt, daß es der Sozialdemokratie im Vertrauensleutekörper zunächst gelungen ist, eine spalterische Prozentforderung mit Mindestbetrag aufzustellen und somit eine einheitliche und notwendige Festgeldforderung von einer Mark mehr pro Stunde, d.h. 173,- DM mehr für alle, zu verhindern.
Dieser Beschluß erfolgte keineswegs einheitlich. 2 der anwesenden Vertrauensleute haben nicht für diese Forderung gestimmt."
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bremen-Unterweser Nr. 18, Bremen 5.5.1977, S. 2

08.08.1977:
Der Bezirk Bremen - Unterweser des KBW gibt zur heutigen 'Kommunistischen Volkszeitung' Nr. 32 eine Bezirksbeilage heraus mit dem Artikel "Erzeugen die Arbeitsbedingungen Mandelentzündungen, müssen die Mandeln raus." zu Kaffee HAG.
Q: Kommunistische Volkszeitung - Bezirksbeilage Bremen-Unterweser Nr. 32, Bremen 8.8.1977, S. 2

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Letzte Änderung: 10.12.2015