Klöckner Bremen

Materialien zur Analyse von Opposition

Von Jürgen Schröder, Berlin


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Betriebliches Material von Klöckner Bremen wurde bisher fast allein vom KBW ausgewertet, wobei weitere teilweise vorliegende Dokumente des KBW sowie der 'Mitmischer' bisher nicht ausgewertet werden konnten. Zu verweisen ist vor allem auf die Zeitschrift 'Arbeiterpolitik' der Gruppe Arbeiterpolitik, die online verfügbar ist und zahlreiche Berichte über Klöckner Bremen enthält, ist sie doch in den 1970er Jahren neben der illegalen KPD bzw. danach der DKP sowie linken Sozialdemokraten die maßgebliche oppositionelle Gruppe bei den Bremer Klöcknerwerken.

Diese, wie immer unvollständige Darstellung, rückt vor allem die Klöckner-Betriebsgruppen der KPD/ML-ZB sowie des KB Bremen (KBB) bzw. später des KBW in den Vordergrund, ohne dass diese tatsächlich besonders einflussreich gewesen zu sein scheinen.

Die Bremer Stahlwerker zeigen sich schon früh wiederholt kämpferisch (vgl. Okt. 1966, 6.6.1968) und in Opposition sowohl gegenüber der IG Metall-Führung (vgl. Jan. 1968, Dez. 1968) und den örtlich regierenden Sozialdemokraten bzw. deren Preiserhöhungsplänen (vgl. Jan. 1968, 20.1.1968) als auch gegenüber den Bemühungen zur Gewährleistung der inneren Sicherheit (vgl. Mai 1968). Die Produktivität bei Klöckner Bremen aber ist hoch (vgl. 10.4.1969).

Zum offenen Konflikt zwischen den alteingesessenen Gewerkschaftsgrößen und der Opposition kommt es anlässlich der Betriebsratswahlen (vgl. 5.5.1969), der sozialdemokratische Flügel mag keine Konkurrenz in den gewerkschaftlichen Reihen dulden (vgl. 8.7.1969), während im Betrieb der Konflikt um die Überstunden bzw. die Überstundenzulage entbrennt (vgl. 8.7.1969, 11.7.1969, 23.7.1969, 24.7.1969).

Im September 1969 wird nicht nur die DKP bei Klöckner publizistisch tätig (vgl. Sept. 1969), sondern auch der Überstundenkonflikt kocht sich langsam hoch (vgl. 1.9.1969, 2.9.1969, 4.9.1969), zu einem der frühestens Streiks (vgl. 5.9.1969, 6.9.1969, 7.9.1969, 8.9.1969, 9.9.1969, 10.9.1969) innerhalb der dadurch mit ausgelösten bundesweiten Welle wilder, d.h. gesetzwidriger Streiks, der sog. Septemberstreiks 1969 (vgl. 11.9.1969, 19.9.1969), mit denen nicht nur bei Klöckner Bremen (vgl. 12.9.1969, 13.9.1969, 17.9.1969), sondern auch in vielen anderen Betrieben Lohnerhöhungen realisiert werden konnten (vgl. 22.9.1969).

In der Auswertung der Aktion (vgl. 13.10.1969) tritt neben der DKP (vgl. 22.1.1970) sogar die sonst so scheue Gruppe Arbeiterpolitik öffentlich auf (vgl. 14.9.1969). In den verschiedenen linken Gruppen richtet sich die Aufmerksamkeit nun immer öfter auf Klöckner Bremen (vgl. 6.10.1969, 21.10.1969, Nov. 1969, 6.11.1969, Dez. 1969, Jan. 1970), hatte dort doch in Gestalt vor allem der Anhänger der Gruppe Arbeiterpolitik die wohl stärkste linke betriebliche Gruppe die Zeit des KPD-Verbots überdauert (vgl. 15.11.1969), die sich nun mit dem 'Mitmischer' auch ein betriebliches Mitteilungsblatt schuf (vgl. Feb. 1970, Apr. 1970), und mit dem Streikführer Bonno Schütter einen öffentlichen Vertreter hatte (vgl. 3.11.1969, 30.1.1970, 29.4.1970, 15.5.1970), so nicht zuletzt auch auf den bundesweiten Beratungen zur Betriebsarbeit bedeutenden Einfluss nahm (vgl. 7.3.1970), somit in vielen Bereichen (vgl. 7.9.1970), wie auch bei Opel Bochum zum immer wieder, wenn auch nicht immer ganz detailgetreu geschilderten, angeführten Vorbild und Lehrbeispiel linker Betriebsarbeit werdend (vgl. 15.4.1970, 10.6.1970, Jan. 1971, 27.1.1971, 1.7.1971, 15.9.1971).

Auch 1970 wird bei Klöckner Bremen wiederholt wild gestreikt (vgl. 24.3.1970, Aug. 1970, 19.8.1970). Zur Gruppe um den 'Mitmischer' (vgl. 10.9.1970) gesellt sich nun auch eine Gruppe vermutlich junger Kommunisten um den Kommunistischen Bund Bremen (KBB), die vermutlich zu aktionistisch gesinnt waren, um sich mit den streng konspirativen Arbeitsweisen der Gruppe Arbeiterpolitik anfreunden zu können (vgl. Sept. 1970, Apr. 1971).

Die Belegschaft von Klöckner Bremen wird auch in der Metalltarifrunde 1970 wieder vom IG Metall-Vorstand in ihren Forderungen beschränkt (vgl. Okt. 1970, 21.10.1970, 24.10.1970, 30.10.1970).

Nun gesellt sich auch noch die KPD/ML-ZB (vgl. 22.3.1971, 14.8.1971, Sept. 1971) zum Kreis der bei Klöckner Bremen aktiven Gruppen. Die IG Metall scheint besorgt (vgl. 22.7.1971), wird doch die einheitliche Höhe der Forderungen für die Stahl- und Metalltarifrunde 1971 wiederum von Klöckner Bremen nach oben hin durchbrochen (vgl. 29.7.1971, 23.8.1971, 25.8.1971, 26.8.1971, 28.8.1971, 30.8.1971, 31.8.1971, Sept. 1971, 1.9.1971, 6.9.1971, 7.9.1971, 12.9.1971, 22.9.1971, 27.9.1971, 30.9.1971, 1.11.1971, 2.12.1971, 13.1.1972), was gar der KPD/ML-ZB zuviel gewesen zu sein scheint (vgl. Okt. 1971), während die KPD auf kommende Kämpfe hoffte (vgl. 14.12.1971).

Der KB Bremen (KBB) berichtet zwar von Klöckner (vgl. Sept. 1971), gibt aber dort noch keine Betriebszeitung heraus (vgl. 10.6.1972), während die KPD/ML-ZB schon im offenen Konflikt mit der DKP zu stehen scheint (vgl. 8.9.1971), forderte diese doch damals vom IG Metall-Tag das Verbot der 'Maoisten' (vgl. 11.9.1971, 29.9.1971).

Von diesen allerdings tritt nun vermutlich noch eine weitere Richtung in Gestalt der KPD/ML-Neue Einheit bei Klöckner Bremen auf (vgl. 13.9.1971, Okt. 1971, 15.10.1971) so dass immerhin schon zwei KPD/MLs dort tätig werden.

Auch die Gruppen der KPO-Tradition aber sind zweifach vertreten (vgl. 20.11.1971, 1.12.1971).

Gegen einen vermutlich der KPD/ML-ZB Nahestehenden kommt es zur Entlassung (vgl. 7.12.1971, 16.12.1971, 7.1.1972, 9.1.1972, Feb. 1972, 15.2.1972), die Stahltarifrunde 1972 ist wenig erfolgreich (vgl. 9.2.1972).

Nachdem auch Klöcknerbeschäftigte den 1. Mai 1972 aktiv begingen (vgl. 1.5.1972), und auch ein neuer Betriebsrat gewählt wurde (vgl. 1.7.1972) kommt es bald darauf wiederholt zu Warnstreiks (vgl. Juli 1972, 2.8.1972, 18.8.1972) und dann zum längerfristigen Ausstand (vgl. 25.8.1972, 31.8.1972), in den nun auch die Zell des KBB eingreift (vgl. 4.8.1972, 7.8.1972, 21.8.1972, 31.8.1972) von dem natürlich viele linke Gruppen landauf landab berichten, auch bei Hoesch Dortmund (vgl. 17.10.1972, 18.10.1972), wo versucht wird eine neue Streikwelle zu initiieren.

Zunächst aber wird erneut die Klöcknerforderung zur Stahltarifrunde durch den Gewerkschaftsvorstand gekürzt (vgl. 23.10.1972, 25.10.1972, 30.10.1972, Nov. 1972, 11.12.1972, 14.1.1973), auch die KPD wird nun bei Klöckner Bremen tätig (vgl. 8.11.1972), der KB Bremen gibt nun seine Betriebszeitung heraus, von der uns einige Ausgaben vorlagen, die hier nur per Verweis erschlossen und separat dokumentiert werden. Die Auseinandersetzungen zwischen der IG Metall-Führung und den Linken gehen auch vor Gericht weiter (vgl. 1.12.1972, 12.12.1972).

Es kommt erneut zu Streikaktionen (vgl. 29.1.1973, 30.1.1973, 31.1.1973, 2.2.1973, 6.2.1973), wovon viele linke Gruppen berichten, wobei in Regensburg (vgl. 23.2.1973) aber auch im Ruhrgebiet (vgl. 26.3.1973, 20.4.1973) bereits auf die Achse Hoesch - Klöckner abgehoben wird, die dann die 'Mitmischer'-Redaktion offen aufzubauen versucht (vgl. 3.4.1973).

Auch die KPD weist Klöckner Bremen eine zentrale Rolle in ihren strategischen Erwägungen zu (vgl. 14.4.1973), ohne dort besonders intensiv tätig zu werden (vgl. 22.10.1973).

Nach dem wieder kämpferisch begangenen 1.Mai (vgl. 1.5.1973) kommt es nun auch bei Klöckner Bremen zum wilden Streik für eine Teuerungszulage (vgl. 21.6.1973, 22.6.1973, 23.6.1973, 25.6.1973, 27.6.1973, 28.6.1973, Juli 1973, 2.7.1973).

Im KBW wird zwar intern berichtet, und auch in der Zeitung (vgl. 11.7.1973), der Beitrag für die geplante Streikbroschüre aber wird von der Klöcknerzelle offenbar nicht erstellt (vgl. 7.7.1973, 15.9.1973, 13.10.1973), trotzdem werden im ZK die Lehren gezogen. Die Dortmunder GIM sieht den Streik als Niederlage (vgl. 22.10.1973), gegen den Kollegen Röpke richten sich in der Folge wiederholt Repressalien (vgl. Nov. 1973, Nov. 1974).

Der Verkauf der Zeitung des KBW bei Klöckner bleibt äußerst bescheiden (vgl. 11.7.1973, 12.9.1973, 26.9.1973, 10.10.1973, 24.10.1973, 7.11.1973), Klöckner-Kollegen scheinen mittlerweile auch anderswo aufzutreten (vgl. 1.10.1973).

Während die KPD/ML-ZB aufgelöst wurde ist nun bei Klöckner dafür die KPD/ML aktiv (vgl. 21.7.1973, 15.10.1973, 17.1.1974, Mai 1974) und auch die KPD scheint ihre Bemühungen zu intensivieren (vgl. 13.2.1974, 27.7.1974, 31.7.1974, 8.9.1974).

Bei den von Kurzarbeit und Zwangsurlaub (vgl. 13.2.1975, 20.2.1975) überschatteten Betriebsratswahlen scheitert die Liste der KPD/ML, während die Röpkeliste erfolgreich ist (vgl. 13.1.1975, 6.3.1975, 8.7.1975). Der offenbar ebenfalls erfolglose KBW scheint Röpke gegenüber aufgeschlossen (vgl. 24.3.1975, 12.5.1975).

Es scheint erneut zur Auseinandersetzung zwischen der DKP und der KPD/ML zu kommen (vgl. 24.3.1976, 31.3.1976) sowie in der Stahltarifrunde zu Streiks (vgl. 29.11.1976, 1.12.1976).

Auch die KPD hat mittlerweile eine Klöcknerbetriebszeitung (vgl. 6.12.1976), dann stehen auch bei Klöckner Entlassungen an (vgl. 25.8.1977). Bei den Betriebsratswahlen scheitert die KPD/ML erneut (vgl. Apr. 1978, Mai 1978), sie baut nun eine RGO-Betriebsgruppe bei Klöckner auf (vgl. 29.11.1975, 18.12.1978, 18.6.1979, 23.6.1979, 22.8.1979, 28.8.1979), die dann bei den nächsten Betriebsratswahlen erfolgreich gewesen zu sein scheint (vgl. Feb. 1981) und mit in die Stahltarifrunde 1982 eingreift (vgl. 23.3.1982).

Auszug aus der Datenbank "Materialien zur Analyse von Opposition" (MAO)

Letzte Änderung: 01.04.2016